1×1 der SV-Arbeit MecklenburgVorpommern Wir freuen uns, dass das Handbuch den Weg in deine Hände gefunden hat. Schülervertretungsarbeit bietet die tolle Möglichkeit, Schule mitzugestalten. Wenn es gut läuft, könnt ihr die ersten positiven Erfahrungen mit Demokratie machen. Dabei gibt’s allerdings einige Herausforderungen zu meistern. Das vor euch liegende Handbuch zeigt euch eure Rechte auf und was ihr alles erreichen könnt. Außerdem bekommt ihr Tipps und Hilfestellungen, wie ihr selbst aktiv werden könnt. Es enthält die Erfahrungen von aktiven Schülervertreter_innen, SV-Berater_innen sowie Seminaren, Coachings und Fortbildungen für SV-Aktive. Es soll euch ermutigen, euch und eure Arbeit ernst zu nehmen und Schule mehr so zu ge-stalten, wie ihr es euch wünscht und es braucht. Felix Scheel(Autor) und das Team vom Landesbüro Mecklenburg-Vorpommern Wegweiser: Wie kann ich das Handbuch nutzen? ................ 4 1. Grundlagen  ........................................... 7 1. Was ist Schülervertretungsarbeit?  ........................ 8 2. Rechtliche Grundlagen  ................................ 10 1. Aufbau der Schülervertretung .......................... 10 2. Mitbestimmung in Konferenzen ......................... 14 3. Die wichtigsten SV-Rechte ............................. 17 4. Schülervertretung in Kreis, Stadt und Land ................. 20 5. Rechte von Schüler_innen von A bis Z .................... 22 6. Besonderheiten an einzelnen Schulformen ................. 24 3. Mögliche Aktionen, Projekte und Themen  ................ 26 4. Rollen in der Schülervertretung  ........................ 31 1. Aufgaben von Klassensprecher_innen .................... 31 2. Aufgaben des SV-Vorstands ........................... 33 3. Aufgaben von SV-Berater_innen ........................ 38 5. Seminare, Beratung und SV-App  ........................ 40 6. Demokratische Schule  ................................ 42 1. SV-freundliche Schulen schaffen! ....................... 42 2. Impulse für eine demokratische Schule ................... 44 3. Workshops und Netzwerke für eine demokratischere Schule .... 48 7 Für Ungeduldige – die zehn wichtigsten Tipps  ............. 50 2. Der Start in aktive SV-Arbeit  ............................ 53 1. Wahlen  ............................................ 54 1. Klassensprecher_innen ............................... 54 2. SV-Vorstand ....................................... 58 3. Konferenzwahlen ................................... 61 2. Eine Auftaktveranstaltung durchführen  .................. 64 3. Den SV-Vorstand organisieren  .......................... 66 1. Roadmap durch das SV-Jahr ........................... 66 2. Digitale Tools ...................................... 70 3. Zeitfenster im Schulalltag schaffen ...................... 72 3. Aufgabenbereiche einer Schülervertretung  ................ 75 1. Motivation schaffen  .................................. 76 1. Das Abc des guten Teamgefühls  ........................ 76 2. Freiwillige gewinnen  ................................. 80 3. Selbst motiviert sein und bleiben  ........................ 83 2. Lebendige Sitzungen  ................................. 84 1. Moderation – oder die Kunst, Sitzungen zu leiten  ........... 84 2. Attraktive Sitzungen gestalten  .......................... 87 3. Methoden für aktivierende Sitzungen  .................... 89 4. Effektiv im Schülerrat zusammenarbeiten  .................. 92 5. Faire Entscheidungsfindung  ............................ 94 6. Vorlagen: Vorbereitung und Durchführung einer Sitzung  ...... 96 3. Projektarbeit  ....................................... 99 1. Projektphasen – von der Idee zum Erfolg  .................. 99 2. Ideen finden  ...................................... 103 3. Die„richtigen“ Ideen auswählen  ....................... 105 4. Methoden zur Projektplanung  ......................... 106 5. Finanzierung  ..................................... 109 4. Öffentlichkeitsarbeit  ................................ 114 1. Schülerversammlungen nutzen  ........................ 114 2. Im Schulalltag für alle ansprechbar sein  .................. 116 3. Meinungen aller Schüler_innen einholen  ................. 118 4. Wie erreichen wir die Richtigen?  ....................... 120 5. Das Abc der Möglichkeiten  ........................... 123 5. Strukturen für dauerhafte SV-Arbeit  .................... 127 1. Wissen weitergeben  ................................ 127 2. Einarbeitung neuer Schülervertreter_innen  ................ 130 3. Eine SV-Fahrt planen  ................................ 133 6. Gremienarbeit  ..................................... 135 1. Tipps für Konferenzen  .............................. 135 2. Wichtige Partner_innen an der Schule  ................... 137 3. Einen Antrag stellen  ................................ 139 4. Überzeugend präsentieren  ........................... 142 5. Vernetzung außerhalb der Schule  ...................... 145 Wegweiser: Wie kann ich das Handbuch nutzen?  Das Handbuch ist als hybrides Handbuch gedacht. Es ist mit der SV-App( www.meinsvwissen.de) direkt verknüpft, sodass ihr während des Lesens leicht ins Internet wechseln könnt, wenn ihr das wollt. Verweise auf die SV-App: www.meinsvwissen.de Ihr findet auf den Seiten des Handbuchs Verweise für Downloads, Präsentationen und Erklärvideos. Beginnt ein neuer Themenbereich, findet ihr oben links auf der Seite einen QR-Code, der zu einer Übersichtsseite in der SV-App führt. Ihr lest das Handbuch als PDF? Wenn ihr das Handbuch Pimp my School auf einem Gerät lest, das mit dem Internet verbunden ist, dann könnt ihr doppelt profitieren. Neben den QR-Codes zur Übersicht findet ihr links und rechts neben dem Text manchmal kleine Icons. Klickt ihr diese an, führen sie euch direkt zu dem Material, das zur Textstelle passt. Kostenlose Bestellungen Ihr könnt das Handbuch für eure Schule bestellen. Dafür schreibt ihr eine Mail an schwerin@fes.de und gebt an, wie viele Bücher ihr haben wollt und wohin sie geliefert werden sollen. Sprachliche Regelungen im Handbuch In den letzten Jahrhunderten war unsere Gesellschaft sehr durch Männer geprägt. Das verändert sich zwar langsam, ist unserer Sprache aber immer noch sehr anzusehen. So finden wir es z. B. normal, wenn wir von Lehrern sprechen, dass damit auch die Lehrerinnen gemeint sind. Dazu kommt, dass es Menschen gibt, die sich weder als Mann noch als Frau verstehen. Um zu zeigen, dass alle Menschen gemeint sind, wird im Handbuch der Unterstrich_ verwendet. Ist also die Rede von Lehrer_innen, so sind damit die Lehrerinnen, die Lehrkräfte, die sich nicht als Mann oder Frau verstehen, sowie die Lehrer gemeint. Das ist fürs Lesen erst einmal gewöhnungsbedürftig. Die Frage lautet aber: Wie kann Sprache einen Beitrag zur Gleichstellung, Gleichbehandlung und Gleichberechtigung aller Menschen leisten? 4 Keine Gewähr für Richtigkeit Das Handbuch wurde nach bestem Wissen und Gewissen geschrieben. Trotzdem schleichen sich manchmal Fehler ein – oder aber die Rechtslage ändert sich. Es gibt daher keine Gewähr für die Richtigkeit der Inhalte des Handbuchs. 5 Grundlagen  1 1.1. Was ist Schülervertretungsarbeit?  Schülervertretung ist Interessenvertretung 1 Schülervertretung bedeutet, dass sich Schüler_innen für die Meinungen und Wünsche ihrer Mitschüler_innen und sich selbst starkmachen. Schülervertretung heißt, gemeinsam daran zu arbeiten, dass sich Schule so verändert, wie ihr es euch wünscht – also Schule ein Gesicht zu geben. Ihr könnt dabei: p eigenverantwortlich und selbstständig Aktionen und Projekte ins Leben rufen, p Themen und Probleme des schulischen Alltags besprechen und Lösungen dafür finden und p eure Meinung in Konferenzen einbringen und gegenüber Eltern, Lehrer_innen oder der Schulleitung vertreten. Aktionen und Projekte Erlaubt ist alles, was mit dem Leben und Unterricht an eurer Schule und den Interessen von Schüler_innen zu tun hat. 3  S. 26  Ihr könnt euch einsetzen für: p bessere Bedingungen für das Lernen an der Schule, z. B. indem ihr Lehrer_i­nnen erklärt, was ihr unter gutem Unterricht versteht, p einen bunteren Schulalltag, z. B. durch ein Sportturnier, einen Sommerball oder lustige kleine Aktionen, p das Wohlfühlen in der Schule, z. B. durch die Gestaltung der Klassenräume oder des Schulhofs, p eine Verbesserung des Schulklimas, z. B. indem Projekttage zu Antirassismus oder gegen Mobbing durchgeführt werden, p Klima und Umweltschutz, z. B. indem es regionales Essen in der Mensa gibt, oder bedüftige Menschen, z. B. indem ihr eine Kleidersammlung oder ein Spendenprojekt organisiert. Themen und Probleme im Schulalltag aufgreifen In eurer Klasse kommt ein Thema oder Problem auf? Dann ist es sinnvoll, das z. B. in einer Schülerversammlung in eurer Klasse miteinander zu besprechen. Lässt sich hier keine Lösung finden, so kann der_die Klassensprecher_in das Thema mit in den Schülerrat nehmen. Nicht alles muss aber gleich ein Projekt der Schülervertretung werden. Manchmal reicht es auch aus, wenn etwas angesprochen wird. Im Schülerrat oder SV-Vorstand wird entschieden, ob der nächste Schritt ein Gespräch mit einem_einer Lehrer_in oder der Schulleitung ist, ein eigener Antrag z. B. in der Schulkonferenz gestellt wird, eine öffentliche Aktion oder doch ein eigenes Projekt daraus wird. 8 Pimp my School – 1 × 1 der SV-Arbeit Eure Meinung in Konferenzen einbringen Der Schülerrat wählt für die Konferenzen der Schule Vertreter_innen. Diese können die Perspektive von Schüler_innen in die jeweilige Konferenz einbringen. Dafür empfiehlt es sich, dass ihr euch schon vorher informiert und das gegebenenfalls sogar vorher im Schülerrat besprecht. Außerdem könnt ihr selbst Anträge stellen, über die in den Konferenzen beraten und abgestimmt wird. Wer kann mitmachen? – Jede_r! Zur Schülervertretung können sowohl die speziell dafür gewählten als auch freiwillig engagierte Schüler_innen gehören. Zur SV zählen also: p die Klassensprecher_innen und Jahrgangsstufensprecher_innen(Schülerrat), p der SV-Vorstand, p eure gewählten Vertreter_innen in den Konferenzen der Schule, p alle anderen Schüler_innen, die sich freiwillig im SV-Team oder in Projekten ­engagieren wollen. Da geht doch was! SV-Arbeit ist nicht immer bequem und einfach, vor allem wenn Lehrer_innen und Schulleitung nicht so begeistert darüber sind, dass sich Schüler_innen aktiv einbringen wollen. Doch im Schulgesetz würden nicht lauter Mitbestimmungsrechte stehen, wenn Schulleitung und Lehrer_innen alles allein entscheiden sollten. Ganz im Gegenteil. Ihr dürft und sollt euch einmischen und das ist sogar sehr wichtig, um funktionierende Demokratie auch schon in der Schule umzusetzen. Lasst euch also davon nicht entmutigen, denn SV-Arbeit kann richtig viel erreichen! 9 1.2. Rechtliche Grundlagen  1.2.1. Aufbau der Schülervertretung  Zur Schülervertretung gehören: p die Schülerversammlung, p alle Klassensprecher_innen, p der Schülerrat, p die SV-Berater_innen und / oder Vertrauenslehrer_in sowie p die Schülervollversammlung. 1 Die Schülerversammlung (§ 80 [5],§ 81 SchulG,§ 7 [7] SchMWVO) Die Schülerversammlung ist das wichtigste Bindeglied zwischen eurer Klasse und dem Schülerrat. Der_die Klassensprecher_in muss sie einmal im halben Jahr einberufen, um über Angelegenheiten der Klasse zu sprechen oder z. B. Informationen aus der Schülervertretung weiterzugeben. Darüber hinaus kann sie einberufen werden, wenn ein Drittel der Schüler_innen sich das wünscht. Sie findet innerhalb des Unterrichts statt. Klassen- und Jahrgangssprecher_innen (§ 81 SchulG,§ 3 / § 7 [1] SchMWVO) 3  S. 56  Ab Klasse 1 wählt jede Klasse innerhalb von zwei Wochen nach Beginn des Schuljahres eine_n Klassensprecher_in und eine_n Vertreter_in für die Dauer von zwei Schuljahren. Wenn es keine Klassen gibt, wird je 25 Schüler_innen im Jahrgang ein_e Jahrgangssprecher_in gewählt. Die Klassen-/Jahrgangssprecher_innen müssen für die Vorbereitung und Teilnahme an Sitzungen wie z. B. dem Schülerrat freigestellt werden. Da die gesetzlichen Vorgaben wenig über die wirkliche Arbeit als Klassensprecher_in aussagen, empfiehlt es sich, dass ihr mit eurer Klasse ein Profil für Klassensprecher_innen festlegt. Aufgaben: p Vertretung der Interessen der Klasse gegenüber Lehrer_innen, p Vertretung der Klasse in Klassenkonferenzen und p Einberufung von Schülerversammlungen in eurer Klasse. 10 Pimp my School – 1 × 1 der SV-Arbeit Schülerrat (§ 75 [4],§ 80 [5],§ 82,§ 83 SchulG)  Der Schülerrat ist der zentrale Ort, an dem die Interessen eurer Mitschüler_innen zusammentreffen, diskutiert werden können und beschlossen wird, wie damit weiter verfahren wird. Er besteht aus allen Klassensprecher_innen sowie Jahrgangsstufensprecher_innen(mit Rede-/Antrags-/Stimmrecht) und ist für alle Fragen zuständig, die über die einzelne Klasse oder Jahrgangsstufe hinausgehen, und kann z. B. Veranstaltungen durchführen. Alle Teilnehmenden sind für die Teilnahme innerhalb des Unterrichts freizustellen. Er ist beschlussfähig, wenn mindestens die Hälfte der Klassensprecher_innen anwesend ist. Aufgaben: p Wahl des Vorstands, d. h. non Schülersprecher_in, zwei Stellvertreter_innen und bis zu zwei weiteren Mitgliedern, p Wahl von Vertreter_innen für die Schulkonferenz und Fachkonferenzen, p Wahl von SV-Berater_innen sowie p Entsendung einer_eines Delegierten für den Kreisschülerrat, z. B. der_die Schülersprecher_in. 3  S. 61  SV-Vorstand (§ 82 [2] SchulG) Der Schülerrat wählt zu Beginn seiner Amtsperiode für zwei Jahre aus seiner Mitte einen Vorstand. Dieser besteht aus dem_der Schülersprecher_in(mindestens aus Jahrgangsstufe 7), zwei Stellvertreter_innen und bis zu zwei weiteren Mitgliedern. An Schulen mit Orientierungsstufen mit Klasse 5 und 6 muss ein_e Stellvertreter_in aus Klasse 5 oder 6 sein. An Grundschulen ist die Klassenstufe der Mitglieder des SV-Vorstands egal. Wenn im zweiten Jahr der Amtszeit mehr als ein Drittel der Klassensprecher_innen neu im Amt sind, muss der SV-Vorstand neu gewählt werden. Aufgaben: p Vorsitz des Schülerrats, p Ausführen von Beschlüssen des Schülerrats, p Einberufung und Leitung von Schülervollversammlungen durch den_die Schülersprecher_in. 11 1 Schülervollversammlung (§ 82 [6] SchulG)  Eine Schülervollversammlung ist eine Sitzung aller Schüler_innen der Schule innerhalb der Unterrichtszeit. Sie kann auch in mehrere Teile getrennt durchgeführt werden, z. B. wenn keine Räume zur Verfügung stehen, die groß genug sind. Der Schülerrat muss mindestens einmal im Schuljahr eine Schülervollversammlung einberufen. Die Schülervollversammlung kann beschließen, dass der Vorstand des Schülerrats von allen Schüler_innen gewählt wird statt nur vom Schülerrat. SV-Berater_innen / Vertrauenslehrer_innen (§ 80 [2],§ 82 [4] SchulG) Der Schülerrat kann sich zu seiner Unterstützung unter den Lehrer_innen mehrere SV-Berater_innen und / oder eine_en Vertrauenslehrer_in wählen. 12 Pimp my School – 1 × 1 der SV-Arbeit Mitbestimmung in der Schule 1/3 Schüler_innen Schulkonferenz 1/3 Lehrer_innen 1/3 Eltern Schulleiter_in und Vertreter_in Schulträger Fachkonferenzen Kreis- oder Stadtschülerrat Schülerrat sendet Sprecher_in oder anderes Mitglied wählt* SV-Vorstand Schülersprecher_in, 2 Stellv. und 2 Mitglieder Klassenkonferenz Klassensprecher_in und Stellvertreter_in Schüler_innen Lehrer_innen Eltern Schülerversammlung Schülervollversammlung Schüler_innen * Die Schülervollversammlung kann alternativ beschließen, dass alle Schüler_innen den Vorstand wählen. 13 1 1.2.2. Mitbestimmung in Konferenzen  3  S. 135  Die Schülervertretung hat das Recht, ihre Interessen in den Konferenzen der Schule zu vertreten. Die wichtigste Konferenz für die Mitbestimmung ist die Schulkonferenz. In Klassenkonferenzen und Fachkonferenzen dürft ihr ebenfalls dabei sein, die Mitbestimmungsmöglichkeiten hier sind aber oft sehr begrenzt, sodass ihr genau überlegen solltet, wer dort wann hingeht. Wichtig ist immer, dass ihr die Konferenzen genau so nutzt, wie es euch hilft. In Mecklenburg-Vorpommern ist es leider nicht so, dass Schüler_innen automatisch auch Mitglieder der Lehrerkonferenz sind wie in anderen Bundesländern. Hier könnt ihr die Schulleitung bitten, als Gäste teilnehmen zu dürfen. Beim Schulelternrat seid ihr auch nicht automatisch dabei, könntet aber die_den Vorsitzende_n fragen, ob ihr auch mal dabei sein könnt, z. B. wenn ihr einen Antrag für die Schulkonferenz vorbesprechen wollt. Schulkonferenz (§ 76 SchulG)  Die Schulkonferenz ist die wichtigste Konferenz der Schule. Sie ist für die Zusammenarbeit zwischen Lehrer_innen, Eltern und Schüler_innen da. Bei Stimmengleichheit entscheidet die Stimme des_der Schulleiter_in. Zusammensetzung: p ein Drittel der Sitze Schüler_innen aus dem Schülerrat, die mindestens aus Klasse 7 kommen müssen(2, 4, 6 oder 8 Personen), p ein Drittel der Sitze Elternvertreter_innen aus dem Schulelternrat (2, 4, 6 oder 8 Personen), p ein Drittel der Sitze Lehrer_innen aus der Lehrerkonferenz (2, 4, 6 oder 8 Personen) sowie p Schulleiter_in, der_die allerdings auf die Plätzer der Lehrer_innen aus der Lehrerkonferenz angerechnet wird, p eine Person vom Schulträger sowie p mit beratender Stimme ein_e Vertreter_in der Jugendhilfe vor Ort. Die Schulkonferenz besteht bei Schulen p bis 300 Schüler_innen aus 7 stimmberechtigten Personen, p bis 500 Schüler_innen aus 13 stimmberechtigten Personen, p bis 1.000 Schüler_innen aus 19 stimmberechtigten Personen sowie p mit über 1.000 Schüler_innen aus 25 stimmberechtigten Personen. 14 Pimp my School – 1 × 1 der SV-Arbeit Entscheidung über: p die Schulordnung, z. B. Handyregelungen p Grundsätze für den Umfang von Hausaufgaben und Klassenarbeiten, p Grundsätze über Schulfahrten, z. B. also eine SV-Fahrt, p das Schulprogramm, z. B. die besondere Förderung eurer SV-Arbeit durch Coachings, Seminare oder Fortbildungen für Lehrer_innen, p die Pausen- und Mittagsverpflegung, z. B. das Aufstellen von Getränke- oder Speiseautomaten, p AGs im Ganztagsbetrieb. Fachkonferenzen (§ 79 SchulG)  Für jedes Unterrichtsfach wird eine Fachkonferenz gebildet, also z. B. für Mathematik, Deutsch oder Englisch. Hier tauschen sich die Fachlehrer_innen über ihr jeweiliges Fach aus. Zusammensetzung: p alle Lehrer_innen, die das jeweilige Fach unterrichten, p mit beratender Stimme: zwei Schülervertreter_innen, die vom Schülerrat gewählt werden, p mit beratender Stimme: zwei Elternvertreter_innen, die vom Schulelternrat gewählt werden. Entscheidung über: p Umsetzung der Lehrpläne, Lerninhalte und Methoden, z. B. darüber, wie digitales Lernen genutzt werden kann. Lehrerkonferenz (§ 77 SchulG)  In der Lehrerkonferenz werden alle grundsätzlichen Fragen besprochen, die das Lernen und Lehren an der Schule betreffen. Den Vorsitz führt der_die Schulleiter_in. Zusammensetzung: p Schulleiter_in, p alle Lehrer_innen, p das pädagogische und sozialpädagogische Personal. Entscheidung über: p die Grundsätze zur Aufstellung von Stunden-, Aufsichts- und Vertretungsplänen, p Haushaltsmittel der Schule, z. B. Geld für die Schülervertretung, p Wahl von Vertreter_innen für die Schulkonferenz, p Anträge an die Schulkonferenz. 15 1 Schulelternrat (§ 87,§ 88 SchulG)  Die Eltern jeder Klasse bilden auf einer Klassenelternversammlung den Klassenelternrat. Die Vorsitzenden aller Klassenelternräte ergeben zusammen den Schulelternrat. Auf ihren Sitzungen werden alle schulbezogenen Themen besprochen, die aus Perspektive der Eltern wichtig sind. Zusammensetzung: p Vorsitzende der Klassenelternräte Entscheidung über: p Wahl von zwei Vertreter_innen für die Klassenkonferenz, p Wahl von Vertreter_innen für die Schulkonferenz und Fachkonferenzen, p Anträge für Empfehlungen an alle anderen Konferenzen. Klassen-/Jahrgangskonferenz (§ 78 SchulG)  Zu jeder Klasse wird eine Klassenkonferenz gebildet. In ihr geht es um alle Angelegenheiten, die nur eine Klasse betreffen. Den Vorsitz führt der_die Klassenlehrer_in. Wenn es keine Klassen gibt, werden die Aufgaben von einer Jahrgangskonferenz übernommen. Zusammensetzung: p alle Lehrer_innen, die die Klasse unterrichten, sowie weitere Pädagog_innen bzw. Sozialpädagog_innen, die mit der Klasse zu tun haben, p ab Klasse 5 der_die Klassensprecher_in sowie deren_dessen Stellvertreter_in (nur wenn es nicht um die Angelegenheiten einzelner Schüler_innen geht), p zwei Vertreter_innen des Schulelternrats(nur wenn es nicht um die Angelegenheiten einzelner Schüler_innen geht). Entscheidung über: p Besprechung der Zusammenarbeit und Koordination des fächerübergreifenden Unterrichts, p Beratung über Hausaufgaben und Lernerfolgskontrollen, p Entscheidungen über Zeugnisse, Versetzungen und Abschlüsse sowie über die Beurteilung des Arbeits- und Sozialverhaltens. 16 Pimp my School – 1 × 1 der SV-Arbeit 1.2.3. Die wichtigsten SV-Rechte  Eine Schülervertretung ohne Rechte wäre wie ein Tiger ohne Zähne. Daher gibt es einige Rechte im Schulgesetz, die die Arbeit im Schülerrat und den Konferenzen regeln sowie euer Recht auf Mitgestaltung des Schullebens und Unterrichts sichern. Nicht alles ist gesetzlich geregelt Das Schulgesetz macht allgemeine Vorgaben und manches ist nicht schriftlich geregelt. Dann kommt es darauf an, dass ihr die Rechte gut kennt, euch klargemacht habt, welche Auslegung ihr plausibel findet, gut dafür argumentieren könnt und im Optimalfall Unterstützer_innen an der Schule benennen könnt, die das auch so sehen, oder sogar Beispiele von anderen Schulen. Recht 1: Schulpolitisches Mandat  (§ 2 [1],§ 3 in Verbindung mit§ 55,§ 79,§ 80,§ 82 SchulG)  Ihr dürft euch mit allem, was für das Schulleben und den Unterricht wichtig ist, beschäftigen – und das in„eigener Verantwortung“. Ihr könnt z. B.: p durch euer Beratungsrecht für den Unterricht in den einzelnen Unterrichtsfächern auf die Gestaltung Einfluss nehmen, p durch das Beratungsrecht in den Fachkonferenzen Vorschläge für den Unterricht, Hausaufgaben, Lehrbücher in die Fachkonferenzen einbringen, p eigene Veranstaltungen organisieren, p bei der Lösung von Konflikten unterstützen, p Arbeitskreise ins Leben rufen, p Projekte zu Geschlechtergerechtigkeit, Toleranz, Völkerverständigung, Frieden ins Leben rufen sowie p alle weiteren Projekte, die euren fachlichen und schulischen Interessen entsprechen. 17 1 Recht 2: Beratungsrecht während der Unterrichtszeiten  (§ 80 [5] ,§ 82 SchulG)  Der Schülerrat darf sich innerhalb der Unterrichtszeit treffen. Alle Klassensprecher_innen müssen dafür vom Unterricht freigestellt werden. Wie oft sich der Schülerrat treffen und wie lange eine Sitzung sein darf, ist nicht geregelt. Für eine gute Zusammenarbeit sind regelmäßige Sitzungen, z. B. zwei Schulstunden im Monat, empfehlenswert. Recht 3: Unterstützungsrecht  (§ 80,§ 82 SchulG) Um genügend Unterstützung für eure Projekte und Ideen zu bekommen, habt ihr folgende Möglichkeiten: p Wahl von SV-Berater_innen und /oder Vertrauenslehrer_in, die den Schülerrat in der Arbeit unterstützen, p Anfragen, ob ihr als Gäste im Schulelternrat und /oder der Lehrerkonferenz für euch Wichtiges vorstellen dürft, p Unterstützung und Beratung durch die Schulleitung. Recht 4: Recht auf Öffentlichkeitsarbeit  (§ 82 [6],§ 85 SchulG,§ 7 [7] SchMWVO)  Damit eure Projekte ein Erfolg werden, viele Personen eure Veranstaltungen besuchen und eure Ideen und Interessen umgesetzt werden können, sollten so viele Schüler_innen wie möglich informiert sein. Das geht auf diesen Wegen: 3  S. 114  p Einberufung von Schülerversammlungen, d. h. einer Versammlung eurer Klasse innerhalb des Unterrichts p Instagram-Account oder andere Accounts in sozialen Medien (wichtig: Ihr dürft nicht für die Schule sprechen und die Accounts dürfen auch nicht wie eure Schule heißen, sondern z. B. Schülervertretung der Schule …) p Herausgabe einer Schülerzeitung: Der Inhalt der Schülerzeitung darf nicht von der Schulleitung verboten werden, solange ihr nicht gegen geltendes Recht verstoßt. Sie unterliegt wie andere Zeitungen der Meinungs- und Pressefreiheit sowie dem Presserecht. Das heißt, ihr dürft sie auf dem Schulgelände verbreiten, seid aber auch für den Inhalt verantwortlich. p Flyer, Bilder, Plakate: Jede_r Schüler_in kann sein_ihre Meinung in der Schule verbreiten, solange die Rechte anderer, der Unterricht, das Schulleben und Veranstaltungen nicht gestört werden. p Schülervollversammlung: Ihr habt das Recht auf die Einberufung mindestens einer Vollversammlung mit allen Schüler_innen der Schule pro Schuljahr. 18 Pimp my School – 1 × 1 der SV-Arbeit Recht 5: Antragsrechte für Schulkonferenz und Fachkonferenzen (§ 75 [4],§ 76 –79 SchulG) Hier dürft ihr Anträge stellen: p in den Fachkonferenzen, z. B. zur Umsetzung der Lehrpläne, zur Nutzung digitaler Medien im Unterricht oder zu Kursangeboten und Projekttagen, p in der Schulkonferenz, z. B. zur Hausordnung, zum Umfang und der Verteilung von Hausaufgaben und Klassenarbeiten, zu Veranstaltungen, zur Verpflegung und zu Grundsätzen von Schulfahrten und Ausflügen, p in der Klassenkonferenz, z. B. zu Hausaufgaben und Klassenarbeiten. Ihr habt sogar das Recht, die Schulkonferenz einzuberufen, wenn ihr das wollt – weil ein Drittel der Stimmen reicht, um sie einzuberufen. Und ein Drittel der Stimmen habt ihr dort immer! Wenn ihr Anliegen habt, die außerhalb der Zuständigkeit der Schule liegen, könnt ihr das Thema in den zuständigen Kreisschülerrat oder den Landesschülerrat tragen. Weitere SV-Rechte  Benachteiligung für Engagement nicht gestattet (§ 80 [6] SchulG) Es ist nicht erlaubt, dass ihr wegen eurer Tätigkeit im Schülerrat oder in anderen Konferenzen benachteiligt werdet. Es darf also keine negativen Konsequenzen haben, wenn ihr mal im Unterricht fehlt. Arbeitsmaterialien – Kopien, Stifte, Plakate (§ 80 [9] SchulG) Die Schule muss euch die für eure Arbeit im Schülerrat, für Projekte und Veranstaltungen notwendigen Hilfsmittel zur Verfügung stellen. Das sind üblicherweise z. B. Stifte, Plakate, Ordner, Papier, Briefmarken, ein Schrank und die Möglichkeit zu kopieren. Räume (§ 84 [2] SchulG) Für die Sitzungen des Schülerrats und die Treffen von Projektgruppen und Arbeitskreisen muss euch die Schule einen Raum zur Verfügung stellen. Es gibt allerdings kein Recht auf einen festen Raum, den ihr immer nutzen könnt. Viele Schülervertretungen haben aber nach Verhandlungen mit der Schulleitung oder einem Antrag in der Schulkonferenz einen Raum zur dauerhaften Verfügung gestellt bekommen. Veranstaltungen (§ 80 [4],§ 82 [3] SchulG) Unabhängig von den Sitzungen des Schülerrats, Vollversammlungen oder Sitzungen des Vorstands darf der Schülerrat eigene Veranstaltungen in der Schule durchführen. Diese muss die Schulleitung vorher genehmigen, weil sie das Hausrecht ausübt. 19 1.2.4. Schülervertretung in Kreis, Stadt und Land  Kreis- oder Stadtschülerräte (§ 83 SchulG)  1 Die Kreis- oder Stadtschülerräte vertreten eure Interessen auf der Ebene der Kommunen oder der Städte. Sie beraten über Angelegenheiten, die nicht nur für eine Schule, sondern für alle Schüler_innen der Region wichtig sind. Die Schülersprecher_innen der einzelnen Schulen bilden in ihrer Region den jeweiligen Kreis- oder Stadtschülerrat. Anstelle des_der Schülersprechers_in kann auch jemand anders delegiert werden. Gesetzliche Aufgaben: p Wahl einer_s Vorsitzenden, zweier Stellvertreter_innen sowie der weiteren Mitglieder des bis zu neunköpfigen Vorstands, p Wahl von bis zu acht Delegierten für den Landesschülerrat und ihre jeweiligen Vertreter_innen. Sie können z. B.: p die Vernetzung der weiterführenden Schulen organisieren, z. B. durch gemeinsame schulübergreifende Projekte oder aber ein regelmäßiges SV-Café, p gemeinsame Aktionen organisieren, z. B. eine Demonstration zu schulpolitischen Themen oder aber Podiumsdiskussionen bei bevorstehenden Kommunalwahlen, p sich für außerschulische Interessen von Schüler_innen starkmachen, z. B. bei der geplanten Schließung eines Jugendzentrums oder durch Gespräche mit dem_der Bürgermeister_in. p Gibt’s bei euch einen Kreis- oder Stadtschülerrat? Die Bildung der Stadtschülerräte bzw. Kreisschülerrate ist gesetzlich vorgeschrieben. Trotzdem gibt’s manchmal keinen, z. B. weil sich die lokalen Schulbehörden weniger als gewünscht darum kümmern. Wenn das bei euch so ist: Kontaktiert am besten den Landesschülerrat. Gute Ansprechpartner_innen für den Aufbau könnten auch die Kreis-/Stadtjugendringe eurer Region sein. 20 Pimp my School – 1 × 1 der SV-Arbeit Landesschülerrat (§ 91 SchulG)  Der Landesschülerrat vertritt die Interessen aller Schüler_innen in MecklenburgVorpommern. Er unterstützt die Kreis- und Stadtschülerräte und behandelt alle Themen, die für ganz Mecklenburg-Vorpommern von Bedeutung sind. Gebildet wird der Landesschülerrat aus den Vertreter_innen der Kreis- und Stadtschülerräte. Der Vorstand besteht aus einer_einem Vorsitzenden, zwei Stellvertreter_innen und vier bis sechs weiteren Schüler_innen. 3  S. 41  Gesetzliche Aufgaben: p Wahl eines durchmischten Vorstands(verschiedene Schulformen aus verschiedenen Kreis- und Stadtschulräten sollen vorkommen) Überregionale Schülervertretung Bundesschülerkonferenz Landesschülerrat Wahl wählt bis zu 8 Delegierte (und jeweils Ersatzmitglied) Kreis- oder Stadtschülerrat Wahl entsendet Schülersprecher_in oder anderes Mitglied Vorstand Vositz, 2 Stellv. und 4 – 6 weitere Mitglieder Vorstand Sprecher_in, 2 Stellv. und 4 – 6 weitere Mitglieder Schülerrat 21 1.2.5. Rechte von Schüler_innen von A bis Z  Abkürzungen  SchulG = Schulgesetz SchMWVO = Schulmitwirkungsverordnung StGB = Strafgesetzbuch GG = Grundgesetz LeistBewVO = Leistungsbewertungsverordnung VwGO = Verwaltungsgerichtsordnung 1 Akteneinsicht (§ 55 [4] SchulG) Schüler_innen haben das Recht, Akten der Schule einzusehen, die Informationen über sie enthalten. Kopien, auch von Klassen- und Prüfungsarbeiten sowie Beurteilungen, dürfen angefertigt werden. Nur wenn die Beschaffung dieser Informationen auch andere Schüler_innen betreffen würde oder einen sehr hohen Aufwand bedeuten würde, kann sie verweigert werden. Persönliche Zwischenbewertungen oder Notizen von Lehrer_innen sind ebenfalls davon ausgenommen. Dienstaufsichtsbeschwerde (§ 17 GG) Eine Dienstaufsichtsbeschwerde kann bei der Schulleitung oder dem Schulamt (Greifswald, Neubrandenburg, Rostock, Schwerin) eingereicht werden, wenn eine Lehrkraft gravierend etwas falsch macht oder gemacht hat. Zum Beispiel wenn sie öfter ein_e Schüler_in anschreit, mobbt, diskriminiert oder vor der Klasse bloßstellt. Bevor ihr eine Dienstaufsichtsbeschwerde einreicht, solltet ihr alle anderen Mittel ausgeschöpft haben, um das Problem zu lösen, z. B. ein persönliches Gespräch, ein Gespräch mit den Vertrauenslehrer_innen oder aber Rat gesucht haben bei der Schülervertretung. Dienstaufsichtsbeschwerden müssen sehr gut begründet und vor allem nachweisbar sein. Sie können gravierende Konsequenzen für Lehrer_innen haben und sollten das letzte Mittel der Wahl sein. Handys wegnehmen nicht als Kollektivstrafe (§ 60 [2] SchulG) Lehrer_innen dürfen euch Handys wegnehmen. Allerdings dürfen nicht pauschal von allen die Handys eingesammelt werden, sondern nur von Schüler_innen, bei denen ein wirkliches„Fehlverhalten“ vorliegt – z. B. wenn damit der Unterricht gestört wurde. Information über den Leistungsstand (§ 3 [2] LeistBewVO) Schüler_innen können ihren Leistungsstand erfragen. Dann müssen ihnen die Bewertungen von Prüfungsleistungen und einzelne Beurteilungen erklärt werden. Es muss aber keine exakte Note genannt werden. 22 Pimp my School – 1 × 1 der SV-Arbeit Klassenarbeiten und Lernerfolgskontrollen (§ 7 [2],§ 8 [5] LeistBewVO) Klassenarbeiten müssen mindestens fünf Tage vorher angekündigt werden. An einem Tag darf nur eine Arbeit und pro Woche sollen nicht mehr als zwei Arbeiten geschrieben werden. Pro Tag dürfen maximal zwei schriftliche Lernerfolgskontrollen (LEK) durchgeführt werden. Aber wenn eine Klassenarbeit geschrieben wird, darf am selben Tag keine LEK angesetzt werden. In den Klassen 5 und 6 dauern Klassenarbeiten höchstens 45 und Aufsätze höchstens 90 Minuten. In Klasse 7 bis 10 dauern Klassenarbeiten mindestens 45 und Aufsätze mindestens 90 Minuten. Schriftliche Lernerfolgskontrollen betragen in allen Stufen maximal 30 Minuten. Nachsitzen muss angemessen sein (§ 60 [2] SchulG) Nachsitzen ist erlaubt, allerdings nur, wenn es dem Fehlverhalten angemessen ist. Es darf also nicht völlig übertrieben wirken. Eure Eltern müssen darüber informiert werden. Außerdem ist es nicht möglich, dass es als Strafaktion für die ganze Klasse verhängt wird. Widerspruch (§ 69 –78 VwGO) Gegen einige Entscheidungen der Schule können eure Eltern innerhalb eines Monats schriftlich Widerspruch einlegen. Widerspruch ist z. B. bei Noten auf Abschlusszeugnissen, Beurlaubung und Befreiung, Verweisen, Ausschluss vom Unterricht, der Nichtversetzung oder Nichtzulassung zum Abitur möglich. Die Schulleitung muss dann darüber entscheiden. Lehnt sie den Widerspruch ab, muss die Schulaufsichtsbehörde entscheiden. Sollte der Widerspruch auch dort abgelehnt werden, können eure Eltern vor einem Gericht klagen. Zettel lesen (§ 202 StGB,§ 10 GG) Lehrer_innen dürfen Zettel, die ihr euch schreibt, nicht lesen. Außerdem ist es nicht gestattet, dass sie Nachrichten auf euren Handys lesen. Das würde gegen das Briefgeheimnis verstoßen und kann sogar eine Straftat sein. Macht Rechte bekannt! Die meisten Schüler_innen kennen weder ihre Rechte noch die der Schülervertretung und können daher gegenüber Lehrer_innen auch nicht damit argumentieren. Ein wesentlicher Beitrag, den ihr selbst für eine schülerfreundlichere Schule leisten könnt, liegt darin, die Rechte auf den folgenden Seiten durch (kreative) Aktionen bekannter zu machen. 23 1 1.2.6. Besonderheiten an einzelnen Schulformen  An Grundschulen, freien Schulen, Förderschulen sowie Berufsschulen gelten zum Teil andere Regelungen für die Arbeit von Schülervertretungen. Ihr findet hier eine Übersicht dieser Besonderheiten. Grundschulen (§ 76,§ 81 SchulG) Klassensprecher_innen werden ab Klasse 1 gewählt und bilden auch in der Grundschule den Schülerrat. Allerdings sind Schüler_innen an Grundschulen nicht in der Schulkonferenz vertreten. Diese wird dann zur Hälfte aus Lehrer_innen und Eltern gebildet. SV-Arbeit an Grundschulen braucht eine sehr enge Begleitung durch Erwachsene. Mit spielerischen und kreativen Methoden können die Schüler_innen lernen, ihre eigene Meinung auszudrücken, Probleme und Anliegen zu besprechen, gemeinsam nach Lösungen zu suchen und erste überschaubare Projekte umzusetzen, wie z. B. Wichteln, Weihnachtsaktionen oder Dekoration der Schule. Für den Aufbau von SV-Arbeit an Grundschulen gibt es einige Positivbeispiele, bei denen sich der dort gebildete Schülerrat z. B. alle zwei Wochen trifft und aktiv das Schulleben mitgestaltet. Berufsschulen (§ 3 SchMWVO,§ 76,§ 82 SchulG) An beruflichen Schulen gibt es oft die Herausforderung, dass Berufsschüler_innen zu sehr unterschiedlichen Zeiten an der Schule sind. Deshalb gibt es zu Schuljahresbeginn auch mehr Zeit für die Wahlen. Die Schülervertreter_innen sind dann für die gesamte Länge des Bildungsgangs bzw. der Ausbildungszeit gewählt. Außerdem wählen die Klassen des gleichen Wochentags an Schulen mit Teilzeitunterricht zusätzlich ihre_n Tagesklassensprecher_in, die_der sie bei Belangen vertritt, die ihre Bildungsgänge betreffen. In der Schulkonferenz dürfen Schüler_innen beruflicher Schulen die Plätze nachbesetzen, die aufgrund des Fehlens von Elternvertreter_innen frei bleiben. Förderschulen (§ 76 [1] SchulG) An Förderschulen mit dem Schwerpunkt geistige Entwicklung ist, ebenso wie an Grundschulen, keine Teilnahme der Schüler_innen an Konferenzen vorgesehen. Auch die Arbeit an Förderschulen erfordert eine besondere Herangehensweise, für die Beispiele online einzusehen sind. 24 Pimp my School – 1 × 1 der SV-Arbeit Freie Schulen (§ 117 SchulG) Freie Schulen sind Schulen, die z. B. von Vereinen oder der Kirche betrieben werden. Darunter fallen z. B. Waldorfschulen, religiöse oder demokratische Schulen. Sie müssen gleichwertige Formen der Mitbestimmung der Schüler_innen ermöglichen wie im Schulgesetz und für die staatlichen Schulen vorgegeben. Denkbar ist also z. B., dass die Bestimmungen direkt übernommen oder aber auch um weiter gehende Mitbestimmungsrechte für die Schülervertretung erweitert werden. Leider bleiben die Formen der Mitbestimmung praktisch an einigen freien Schulen doch hinter denen staatlicher Schulen zurück. Beispielsweise sieht das Schulgesetz vor, dass Schüler_innen ein Drittel der Stimmen in der wichtigsten Konferenz der Schule, der Schulkonferenz, haben. An freien Schulen gibt es eine vergleichbare Konferenz manchmal gar nicht oder wenn es sie gibt, entscheiden Lehrer_innen dort alles allein. Gibt es keine verschriftlichten Rechte, wie oft an freien Schulen, ist die Mitbestimmung immer vom Wohlwollen Erwachsener abhängig und nach einigen Jahren sind Rechte wieder nicht mehr bekannt, die eigentlich schon mal ausgehandelt waren. Um zu eurem Recht zu kommen, solltet ihr das Schulgesetz genau lesen, um zu verstehen, welche Rechte Schülervertretungen an staatlichen Schulen haben, dann nach Möglichkeit ein Dokument erstellen, in dem alle Rechte zusammengefasst werden, die ihr euch wünscht, und dieses Dokument von den Entscheidungsträgern eurer Schule beschließen lassen. 25 1 1.3. Mögliche Aktionen, Projekte und Themen  3  S. 17  Schülervertretungen können auf vielfältige Art ihre Schule mitgestalten. Aus den gesetzlichen Grundlagen zur SV-Arbeit geht direkt hervor, dass ihr in folgenden Bereichen eigenverantwortlich aktiv werden könnt: p das Lernen an eurer Schule verbessern, p den Schulalltag durch Kultur- und Sportprojekte bunter machen, p eure Schule zu einem schöneren Aufenthaltsort machen, p euch für ein positives Schulklima einsetzen oder p euch für andere Menschen, Politisches und Klimaschutz einsetzen. Ihr findet auf den folgenden Seiten eine Auswahl von Projektideen aus unterschiedlichen Themenfeldern, die andere Schülervertretungen bereits verwirlicht haben. Der SV-Aktionsplaner Die Landesschülervertretung Bayern hat einen Reader fürs ganze SV-Jahr zusammengestellt. Für jeden Monat gibt es passende Aktionen, die auch schon mit Checklisten vorgeplant sind. Mit dabei sind z. B. Päckchenpacken fürs Ausland, Waffelverkauf, Welt-Aidstag, Nikolausaktion, Wichteln, Weihnachtsbasar oder ein Bistro zum Elternsprechtag(und noch vieles mehr). Dadurch, dass es sich um überschaubare Aktionen handelt und ihr sogar schon Checklisten geliefert bekommt, ist der Aktionsplaner eine tolle Hilfe gerade für Schülervertretungen, die im Aufbau sind. Lernen an eurer Schule verbessern  3  S. 10 8  Gutes Lernen zu ermöglichen, ist die Kernaufgabe eurer Schule. Unterricht sollte für alle verständlich und angstfrei möglich sein. So ist es leider manchmal nicht. Auf den Unterricht Einfluss zu nehmen, ist eine der schwierigsten und gleichzeitig wichtigsten Aufgaben der Schülervertretung. Am effektivsten ist es, wenn ihr mit den Lehrer_innen darüber sprecht, was guter Unterricht für euch bedeutet. Ihr könnt dazu z. B. im Schülerrat oder durch eine Umfrage unter allen Schüler_innen feststellen, was ihnen fürs Lernen guttun würde. Daraus entwickelt ihr eine Arbeitsvorlage und stellt sie auf der Lehrerkonferenz vor. Dass es dabei einigen Gegenwind geben wird, ist klar. Aber das ist der Kern von Interessenvertretung ... 26 Pimp my School – 1 × 1 der SV-Arbeit Beispiele von A bis Z: p AG„How to live life“, um praktische Sachen zu lernen, die man im Leben wirklich braucht, p Benotung verändern, z. B. durch einen unabhängigen Rat, Projekttag „Schüler_innen als Lehrer_innen“ oder alternative Bewertungsskalen, p Büchermarkt: Weitergabe von Schulbüchern, p Ehrungen für Lehrer_innen, z. B. für guten Unterricht, p fächerübergreifender Unterricht und Projekte, p Feedback für Lehrer_innen, p Input auf der Lehrerkonferenz oder den Fachkonferenzen:„Was ist für euch guter Unterricht?“, p selbst organisierte Nachhilfe durch Schüler_innen, p Sprachcafé, p Tauschbörse für Lernmaterialien wie Vokabelhefte, Lernzettel von älteren Jahrgängen, p Vorschläge machen für die Wahlpflichtangebote in der Oberstufe. Den Schulalltag bunter machen: Kultur- und Sportprojekte  Schule kann auch Spaß machen, wenn ihr euch darum kümmert, dass es neben dem Lernen noch andere Dinge gibt, auf die man sich freuen kann und die Abwechslung in den Schulalltag bringen. Beispiele von A bis Z: p Adventstürchen, jede Klasse gestaltet einen Beitrag an der Klassenzimmertür, p Ausstellungen, p Bandabende oder Konzerte, p Beachparty, p Fahrrad-TÜV und / oder Repaircafé, d. h. Fahrräder von Schüler_innen auf Verkehrstauglichkeit prüfen und reparieren, p Faschingsaktionen, p Frühlingsball und Abschlussfeiern, p Geschenkaktionen, z. B. am Valentinstag, zu Nikolaus oder Weihnachten, p Jahrbuch, p Kinoabende, p Klassentausch mit anderen Schulen, p Kleidertauschparty, p Kulturabende mit„offener Bühne“, Talentshow von Schüler_innen für Schüler_innen, p Poetry-Slam oder Leseabend, p Schul-T-Shirts, Pullis oder andere Artikel, um Werbung für eure Schule zu machen, 3  S. 112  27 p Schulband, Schulchor oder-orchester, p Schülercafé oder-kiosk, p Schülerradio, d. h. Pausenradio über die Sprechanlage der Schule, p Spielgeräteverleih für die Pause, p Schülerzeitung, p Sportfest oder Sportturniere, p SV-Partys oder Schulpartys, p Volleyballnacht, p Wettbewerbe(schulintern). 1 Eure Schule zu einem schöneren Aufenthaltsort machen  Manchmal sind Schulhöfe sehr dreckig und vermüllt. Oder es gibt einfach keinen Ort, an dem man sich in der Pause entspannt aufhalten kann. Was könnt ihr also machen, damit ihr euch lieber an der Schule aufhaltet? Beispiele von A bis Z: p Aktionstag„Schöner Schulhof“, p Änderung der Hausordnung/Handynutzungsregeln, p Anschaffung eines Schulhunds, p Aufenthaltsraum beantragen und einrichten, z. B. mit einer Theke für Getränke, Kicker, Spieleverleih, Musik ..., p Koch-AG, p Mittagessen mitbestimmen, p Müllsammlung, z. B. als Wettbewerb mit einem Preis, p Mülleimer mit Zielscheibe lustig gestalten, p Schließfächer für Schüler_innen, p Schulgarten mit eigenem Gemüseanbau, p Toilettenzeitung für Informationen, Austausch und Unterhaltung, p Verschönerungswettbewerb für Klassenräume, p Wasserspender, p WLAN in der Schule. 28 Pimp my School – 1 × 1 der SV-Arbeit Sich für ein positives Schulklima einsetzen  Diskriminierung, Ausgrenzung, Angst und Umweltzerstörung gibt es genug auf der Welt. Alle Menschen haben ein Recht darauf, friedlich zu leben, natürlich auch bei euch an der Schule. Manchmal muss man ein bisschen nachhelfen, damit das auch in der Schule so ist. Eine Möglichkeit besteht darin, für eure Schule Workshops oder Projekttage von außerschulischen Organisationen anzufragen, z. B. zu Rechtsextremismus, Gewalt, Drogen, Nachhaltigkeit und Umweltschutz, LGBTQIA*-Themen, Sexismus, Rassismus oder Hatespeech in Social Media. Weitere Beispiele findet ihr in der Liste. 3  S. 4 8  Beispiele von A bis Z: p Aktionstag gegen Gewalt, p Anti-Mobbing-Aktionen, z. B. Plakate oder„Pink Shirt Day“, p Einführung des Amtes von Vertrauensschüler_innen(angelehnt an Vertrauenslehrer_innen), p Einrichten einer SV-Sprechzeit für Probleme, Ängste, Sorgen, p kostenlose Menstruationsprodukte auf den Schultoiletten, p Schülerpat_innen, p Selbstverteidigung, Boxen, Handwerkliches oder Technisches für Mädchen, p Streitschlichter_innen, p Vielfalt an der Schule sichtbar machen und wertschätzen(z. B. Video mit Interviews, Foto- / Plakatreihe, internationale Woche), p Willkommensaktionen für Mitschüler_innen mit Fluchterfahrung(siehe unten), p Willkommensparty für die neuen Jahrgänge. Sich für andere Menschen, Politisches und Klimaschutz einsetzen  Toll ist es, wenn ihr den Blick ebenso nach außen richtet und euch auch für andere Menschen einsetzt. Ihr könnt euch dafür entscheiden, dauerhaft Impulse für eure Arbeit zu bekommen, indem ihr eine_n Politikbeauftragte_n einführt. Diese Person ist dafür da, ein soziales, politisches oder Nachhaltigkeitsthema bei euch einzubringen. Daraus kann dann ein Projekt der Schülervertretung entstehen. Beispiele von A bis Z: p Aktionstag zur Organspende und Knochenmarkspende, p bedürftige Menschen unterstützen, z. B. indem ihr eine Kleidersammlung oder ein Spendenprojekt organisiert, p Demos organisieren, z. B. zum Bildungsstreik, p Diskussionen zu aktuellen Themen an die Schule holen, z. B. über das Einladen von kompetenten Referent_innen zu Vorträgen und Diskussionsrunden, 3  S. 4 4  29 3  S. 49  p Infoveranstaltungen organisieren, z. B. mit LGBTQIA*-Beratungsstellen, zu den Herstellungsbedingungen von Kleidung oder zu fairem Handel, p Kleidung oder andere Spenden sammeln, z. B. alte Handys, alte Brillen, p Konzerte mit einem Statement veranstalten, z. B. Rock gegen Rechts, p mit Politiker_innen für eure Anliegen in Kontakt treten, z. B. mit dem_der Bundestagsabgeordneten eures Wahlkreises, p Nutzen von Recyclingpapier in den Druckern und doppelseitigem Druck als Standardeinstellung, p Podiumsdiskussion zu Wahlen, p Schule ohne Rassismus / Schule mit Courage oder Faire Schule werden, p Spendenläufe(z. B. für soziale Projekte oder die Schülervertretung), p U18-Wahlen organisieren, p Waffelverkauf für Spenden an gemeinnützige Organisationen. 1 p Für Klimaschutz aktiv werden! Das Thema Klimaschutz ist seit einigen Jahren bei vielen Schüler_innen wichtiger geworden und geht alle etwas an. In vielen Schulen gibt es sehr spannende Projekte dazu. Diese helfen nicht nur der Umwelt, sondern führen auch dazu, dass sich mehr Schüler_innen beteiligen und die Schülervertretung für sie attraktiver wird. Wenn ihr dieses Thema in eurer Schülervertretung und eurer Schule verankern wollt, gibt es viele Möglichkeiten – z. B.: p einen Klimarat gründen, p regionales, biologisches und / oder vegetarisches und veganes Essen für die Mensa, p eine Solaranlage anschaffen, p eure Mitschüler_innen für Klimaschutzthemen begeistern. Hier könnt ihr euch z. B. über Klimaschutz an Schulen weiter informieren: https://schuleeingesichtgeben.de/klimaschutz https://www.schule-klima-wandel.de/wissen-materialien 30 Pimp my School – 1 × 1 der SV-Arbeit 1.4. Rollen in der Schülervertretung  1.4.1. Aufgaben von Klassensprecher_innen  Häufig ist unklar, was Klassensprecher_innen eigentlich zu tun haben, und sie ­orientieren sich nur daran, was ihnen Lehrer_innen an Aufgaben zuweisen. Ihr findet hier deshalb Empfehlungen für die Arbeit als Klassensprecher_in. „Offizielle Stellenbeschreibung“ (§ 8 [2]SchulG) „Die Klassen- oder Jahrgangsstufensprecher_innen vertreten die Interessen der Schüler_innen der jeweiligen Klasse oder Jahrgangsstufe in allen sie betreffenden Fragen des Unterrichts sowie des schulischen Lebens.“ Was liegt in unserem Interesse? Eure„offizielle Stellenbeschreibung“ gibt noch keine Auskunft darüber, ob ihr auch die Tafel abwischen müsst. Wichtig ist immer die Frage, was zu den Interessen eurer Klasse gehört. Der beste Weg ist es, wenn ihr als Klasse ein Aufgabenprofil erstellt und beschließt. Möglich ist aber auch, dass du deine Aufgabenbereiche selbst festlegst oder der Schülerrat ein Aufgabenprofil beschließt, das für alle Klassen gleichermaßen gilt. Dabei empfiehlt es sich, dass die aktive Mitarbeit im Schülerrat Teil des Profils ist. Hilfreiche Eigenschaften von Klassensprecher_innen Wichtig ist, dass du motiviert bist, dazulernen willst und Interesse an der Klassengemeinschaft hast. Nicht, dass du schon alles weißt, verstehst und kannst. Wenn einige der folgenden Eigenschaften auf dich zutreffen, bist du wahrscheinlich gut geeignet: kreativ, verantwortungsbewusst, offen, tolerant, kommunikativ, selbstbewusst, motiviert, organisiert, engagiert, mit Freude dabei, verständnisvoll, durchsetzungsstark, geschickt in Diskussionen und Verhandlungen. Abwählen möglich? (§ 2 SchMWVO) Ja! Wenn eure Klasse mit dem_der Klassensprecher_in unzufrieden ist, kann immer ein_e Nachfolger_in gewählt werden. 31 Empfehlung für die Aufgaben von Klassensprecher_innen  3  S. 61  Aufgaben in der Klasse Du ... p bist Ansprechpartner_in bei allem, was die ganze Klasse betrifft, z. B. bei Fahrten oder Wandertagen, p unterstützt Mitschüler_innen gegenüber Lehrer_innen, z. B. bei unfairer Benotung oder ungerechter Behandlung, p kannst dich um ein gutes Klassenklima kümmern, bei Streit vermitteln oder die Klasse motivieren, am Schulalltag mitzuwirken. Aufgaben in der Schülerversammlung Du ... p bereitest die Schülerversammlung deiner Klasse vor und leitest die Diskussion, dabei kannst du auch eigene Themen einbringen, die dir wichtig erscheinen, p informierst die Klasse regelmäßig über die Arbeit des Schülerrats, Projekte, Termine, Ereignisse und Entwicklungen an der Schule, p sammelst in der Klasse Interessierte, die an SV-Projekten mitwirken möchten. Aufgaben im Schülerrat Du ... p gehst selbstständig zu den Sitzungen, beteiligst dich an Diskussionen, bringst dich aktiv ein und stellst Anliegen oder Anträge aus deiner Klasse vor, p machst dir Notizen, um deine Klasse in der Schülerversammlung zu informieren, p kannst außerdem an SV-Projekten teilnehmen, dich in Konferenzen oder in den SV-Vorstand wählen lassen. Aufgaben in der Klassenkonferenz Du ... p kannst eigene Themen aus der Klasse ansprechen, z. B. wenn es insgesamt zu viele Hausaufgaben gibt oder Termine für Klassenarbeiten ungünstig festgelegt werden, p bringst die Sichtweisen deiner Mitschüler_innen ein, p bewahrst Stillschweigen, wenn es um vertrauliche Informationen geht. 1 32 Pimp my School – 1 × 1 der SV-Arbeit 1.4.2. Aufgaben des SV-Vorstands  Der SV-Vorstand besteht aus dem_der Schülersprecher_in, zwei Stellvertreter_innen und bis zu zwei weiteren Mitgliedern, die alle vom Schülerrat für zwei Schuljahre gewählt werden. Er bildet Herz und Kopf der SV-Arbeit. Allgemeine Aufgaben des SV-Vorstands Der SV-Vorstand hat folgende Hauptaufgaben: p Organisation der eigenen Zusammenarbeit, p Gestaltung lebendiger Sitzungen, p Zusammenhalt und Teamgefühl im Schülerrat stärken, p Mitschüler_innen motivieren, einladen und einbinden, p Projektarbeit koordinieren, p Öffentlichkeitsarbeit anleiten, p Gremienarbeit und Durchsetzung von Anliegen koordinieren. Lernt, Verantwortung abzugeben Menschen, die viel Verantwortung übernehmen, tun sich oft schwer damit, Aufgaben abzugeben. Versucht, anderen Aufgaben zu übergeben und ihnen zu vertrauen, dass sie die Aufgaben schaffen. Lasst zu, dass sie Dinge selbstständig erledigen, ohne dass ihr gleich hinterher kontrolliert. Um Aufgaben abzugeben, ist es wichtig, dass ihr gemeinsam das genaue Ziel der Aufgabe besprecht, alle wichtigen Infos weitergebt und gemeinsam die potenziellen Probleme durchgeht. Dann kann fast nichts mehr schiefgehen. Arbeitet gleichberechtigt im SV-Vorstand zusammen Am besten arbeitet ihr im SV-Vorstand möglichst gleichberechtigt, d. h., dass es kaum eine Rolle spielt, wer Schülersprecher_in ist, und dass ihr die Aufgaben gerecht verteilt. Aufgaben sollten so verteilt sein, dass nicht wenige alles machen. Auf der anderen Seite solltet ihr darauf achten, dass eure Mitstreiter_innen eher Aufgaben bekommen, die ihnen auch liegen. Wichtig ist, dass ihr realistisch einschätzt, wie zuverlässig ihr seid und wie viel Zeit ihr wirklich zur Verfügung stellen könnt. Tretet offen und auf Augenhöhe auf Bleibt mit euren Mitschüler_innen auf Augenhöhe. Das bedeutet ganz praktisch, dass ihr z. B. bei Schülerratssitzungen im Stuhlkreis sitzt, statt von der Bühne zu präsentieren. Signalisiert, dass ihr euch für eure Mitschüler_innen interessiert, seid offen für ihre Meinungen und grüßt sie auf dem Gang. Durch Offenheit werdet ihr Menschen für euch gewinnen. Im Optimalfall holt ihr euch zudem von Zeit zu Zeit Feedback von Klassensprecher_innen oder anderen Schüler_innen. Zum Beispiel könnt ihr bei einem Gespräch nebenbei fragen, was ihnen gut gefällt, was sie verbessern würden oder wie sie euren Leitungsstil finden. 33 3  S. 35  1 Führt feste Rollen und Aufgabenbereiche ein Eure Zusammenarbeit kann verbindlicher und damit zufriedenstellender werden, wenn ihr feste Rollen für eure Arbeit einführt. Sonst kann es passieren, dass niemand so richtig anfängt, etwas zu tun, weil unklar ist, wer dafür eigentlich zuständig ist. Im Optimalfall kann so sogar jede_r genau das tun, was er_sie auch gut kann, z. B. Protokoll führen, Dinge besorgen oder Sitzungen leiten. Außerdem werden diejenigen, die viel tun, entlastet, wodurch ein echtes Teamgefühl entstehen kann. Weiter unten findet ihr eine beispielhafte Zusammenstellung von Aufgabenbereichen. Am besten entscheidet ihr gemeinsam, welche Rollen ihr braucht, welche ihr vielleicht zusammenlegt und welche noch fehlen. Im Idealfall wird jeder Aufgabenbereich von mindestens zwei Personen übernommen – das macht einfach mehr Spaß und ihr könnt einander unterstützen. 3  S. 8 0  Öffnet den SV-Vorstand und bildet einen Erweiterten SV-Vorstand Der Schülerrat wählt neben dem SV-Vorstand auch Vertreter_innen für die Schulkonferenz. Da die Zusammenarbeit mit ihnen besonders wichtig ist, um Anträge in der Schulkonferenz zu stellen, könnt ihr gemeinsam mit ihnen und weiteren Schüler_innen aus dem Schülerrat einen Erweiterten SV-Vorstand bilden. Für zusätzliche Aufgabenbereiche werden dann z. B. weitere Schüler_innen zum fünfköpfigen Vorstand dazugewählt oder aber können auch ohne Wahl dazugehören. Der Erweiterte SV-Vorstand kann sich z. B alle zwei Wochen in einer Pause treffen. Dieses Vorgehen könnt ihr z. B. in einer Satzung festhalten. 34 Pimp my School – 1 × 1 der SV-Arbeit Basisrollen im SV-Vorstand  Die folgenden Rollen sind besonders wichtig für das Funktionieren von SV-Arbeit und sollten deswegen am besten im SV-Vorstand verankert sein. Sitzungsvorbereitung und Schülerratsverantwortliche_r Du bist für die Vorbereitung von Sitzungen des Vorstands und/oder des Schülerrats zuständig. Du sammelst vorher Tagesordnungspunkte, überlegst dir den Ablauf, schreibst die Einladung, bereitest gegebenenfalls benötigte Präsentationen vor, stellst sicher, dass jemand protokolliert und dass es eine Anwesenheitskontrolle gibt. Wohlfühlbeauftragte_r und Motivationskanone Deine Aufgabe ist es, dafür zu sorgen, dass ein immer besseres Teamgefühl in der Schülervertretung entsteht. Das Teamgefühl könnt ihr mit Kennenlernspielen, Teamübungen, Energizern, SV-Wandertag, SV-Aktionen wie Grillen oder einem gemeinsamen SV-Seminar fördern. Du achtest außerdem darauf, dass auch mal gelobt, ermutigt und gefeiert wird. Öffentlichkeitsarbeit und Transparenzbeauftragte_r Deine Vision ist es, dass alle(!) Schüler_innen und Lehrer_innen wissen, was ihr so macht, d. h. welche Projekte es gibt, wer die Ansprechpartner_innen sind, wie man mitarbeiten kann oder welche Erfolge eure Arbeit hat. Dafür veröffentlichst du Fotos, Berichte, Ankündigungen online oder erstellst Flyer und Plakate, die ihr verteilt. Du kümmerst dich außerdem darum, dass wichtige Infos aus der Schülervertretung und dem Schülerrat in den betreffenden Chatgruppen gepostet werden. Du fragst dich regelmäßig, ob die Schülervertretung transparent genug arbeitet. Sprecher_in und Kommunikation nach außen Du vertrittst die Schülervertretung nach außen. Du triffst die Schulleitung regelmäßig, um Projekte, Themen und Anliegen durchzusprechen und die Schulleitung auf dem neuesten Stand zu halten. Du bist Ansprechpartner_in für das Lehrerkollegium. Du bereitest die Sitzung des Schülerrats vor und leitest sie. Du hältst Kontakt zu den Delegierten des Kreisschülerrats. Kassenbeauftragte_r Du bist Finanzminister_in eurer Schülervertretung und solltest daher ehrlich und zuverlässig sein. Du führst ein Kassenbuch, erstattest anderen ihre Ausgaben gegen einen Beleg und behältst die Ein-/Ausgaben zusammen mit den SV-Berater_innen im Blick . 3  S. 79  3  S. 114  3  S. 109  35 Rollen für einen Erweiterten SV-Vorstand  Wenn ihr einen Erweiterten SV-Vorstand bilden wollt oder viele interessierte Klassensprecher_innen habt, könnt ihr weitere Aufgabenbereiche verteilen. Die einzelnen Teams der Aufgabenbereiche sollten sich regelmäßig treffen, um ihren Aufgabenbereich zu organisieren, und dabei auch offen für neue Mitglieder sein. Natürlich könnt ihr auch im Schülerrat Zeit für ein Treffen der Aufgabenbereiche einplanen. Außerdem solltet ihr einen festen Tagesordnungspunkt zu Beginn jeder Schülerratssitzung einführen, bei dem jeder Aufgabenbereich kurz von seinen Tätigkeiten berichtet. 1 3  S. 127  3  S. 99  3  S. 27  Wissensmanager_in Du achtest darauf, dass euer gesammeltes SV-Wissen aufbereitet und gesichert wird, z. B. mit einem Schlauen Buch, einem Ordner in der Schulcloud oder einem SV-Hefter. Du kümmerst dich darum, dass die Protokolle und weitere wichtige Informationen von Sitzungen und Projekten dort abgespeichert werden. Projektgruppenbetreuer_in Wenn ihr nicht alle Projekte im SV-Vorstand bearbeitet, sondern Projektgruppen gegründet habt, ist es deine Aufgabe, eine Projektgruppe zu leiten und zu begleiten. Du informierst den SV-Vorstand über den aktuellen Stand und meldest dich bei Problemen. Du organisierst deine Projektgruppe, indem du Treffen einberufst, an Termine erinnerst und dafür sorgst, dass eure Gruppe vorankommt. Dafür könnt ihr Hilfsmittel wie SMART, Handlungsplan oder ZWUP nutzen. Beauftragte_r für bunten Schulalltag Deine Aufgabe ist es, Projekte und Aktionen zu planen, die das Schulleben bereichern und die Schulgemeinschaft stärken. Das kann z. B. ein Schulfest, eine Weihnachtsfeier oder ein Spendenlauf sein. Nachwuchsbeauftragte_r Du kümmerst dich darum, dass neue SVler_innen gut integriert werden und nicht untergehen, z. B. indem du ihr_e Pat_in bist, dich um eine für sie passende Sitzordnung kümmerst oder Sitzungen mit ihnen im Anschluss besprichst. Du fragst sie, was sie brauchen, um sich gut zu beteiligen. Du betreust die Mini-SV, wenn es eine gibt. 36 Pimp my School – 1 × 1 der SV-Arbeit Beauftragte_r für Beratung und Sprechzeit Du hältst eine regelmäßige Sprechzeit der Schülervertretung im SV-Raum ab, führst Befragungen durch, kümmerst dich um Kommentare auf Instagram, leerst das SV-Postfach und betreust das SV-Handy und den Briefkasten. Du vermittelst außerdem Leute ins richtige SV-Projekt, wenn sie Interesse haben, und berätst bei Problemen mit Lehrer_innen. Politikbeauftragte_r Wenn ihr als SV bewusst politische Akzente an der Schule setzen wollt, kommt der_die Politikbeauftragte ins Spiel. Du sammelst Informationen über ein aktuelles Thema, das du gern behandeln würdest, z. B. Klimaschutz, gesunde Ernährung, Mobbing, Fair Trade oder Kinderrechte. Du bereitest einen kleinen Input oder eine Diskussion für den Schülerrat, den SV-Vorstand oder eine Infoveranstaltung vor oder erstellst Infomaterial. Auf einer Sitzung achtest du darauf, dass am Ende darüber abgestimmt wird, ob die Schülervertretung dein Thema als neues Projekt bearbeitet. 37 1 1.4.3. Aufgaben von SV-Berater_innen  Engagierte SV-Berater_innen sind eine der wichtigsten Voraussetzungen für eine aktive Schülervertretung. Das Schulgesetz sieht die Möglichkeit vor, dass der Schülerrat sich zu seiner Unterstützung unter den Lehrer_innen Berater_innen und/oder eine_n Vertrauenslehrer_in wählt oder aber sich von anderen Erwachsenen begleiten lässt. In der Praxis sind das oft auch Schulsozialarbeiter_innen. Im folgenden Text soll es darum gehen, welche Aufgaben diese SV-Berater_innen haben. Genaue Aufgaben nicht definiert (§ 80 [2] SchulG,§ 82 [4]) Die Aufgaben von SV-Berater_innen werden durch das Schulgesetz nicht weiter definiert. Deshalb ist es empfehlenswert, sich ein genaues Profil zu erarbeiten, das mit dem Schülerrat, der Schulleitung und der Lehrerkonferenz einmal besprochen wird. Viele Konflikte rund um die Begleitung von Schülervertretungen kommen daher, dass alle unterschiedliche Vorstellungen davon haben, was die SV-Berater_in (nicht) tun soll. Oft schwierige Rahmenbedingungen an den Schulen An vielen Schulen wird die Schülervertretung„stiefmütterlich“ behandelt, d. h., es gibt nur wenige Erwachsene, die es wichtig finden, dass der Schülerrat unterstützt wird, die wiederum selbst wenig Unterstützung erhalten. Außerdem verstehen viele Lehrer_innen nicht, dass die Begleitung von SV-Arbeit eine ziemlich zeitintensive Aufgabe ist. Da viele Schüler_innen Mitbestimmung aus der Schule auch nicht gewohnt sind, fällt es ihnen schwer, sich selbst zu organisieren, und die Aufgabe von SV-Berater_innen wird damit noch größer: nämlich eine Art Demokratie-Coach zu sein. Leitfrage: Was können die Jugendlichen(noch) nicht allein? Das Ziel ist es, dass Schüler_innen lernen, Eigenverantwortung zu übernehmen. SVBeratung oder-Begleitung bedeutet, sich dabei als Coach_in und Lernbegleiter_in zu verstehen. Dabei ist es wichtig zu beurteilen, welche Aufgaben Schüler_innen schon selbst übernehmen können, wo Aufgaben gegebenenfalls wieder verkleinert und wo vergrößert werden müssen bzw. welche Hilfsmittel ihnen gegebenenfalls zur Verfügung gestellt werden können. Dabei muss immer klar sein, dass SV-Arbeit die Vertretung der Schüler_innen bleibt, d. h., dass SV-Berater_innen nicht für den Schülerrat sprechen oder aber dauerhaft Aufgaben wie die Moderation oder Vorbereitung der Sitzungen übernehmen. 38 Pimp my School – 1 × 1 der SV-Arbeit Aufgaben gegenüber der Schülervertretung Die SV-Berater_innen müssen für einen klaren Rahmen und eine gute Struktur sorgen. Sie sollten z. B.: p einen motivierenden Auftakt organisieren und danach für interne und/oder externe Weiterbildungen sorgen, p für regelmäßige Zeiten, eine verlässliche und klare Grundstruktur sowie Übersichtlichkeit sorgen, p Methoden für die Arbeit einführen und trainieren(Projektarbeit, Sitzungen, Öffentlichkeitsarbeit, …), p Motivation als eigenes Aufgabenfeld einführen, sodass Schüler_innen für ihre eigene Motivation Sorge tragen und die SV-Berater_innen selbst motiviert bleiben, p Wissensweitergabe von einem SV-Jahrgang zum anderen kleinschrittig einführen. Das bedeutet: p Zeit mitzubringen, um Beziehungen zu den Schüler_innen aufbauen zu können, p erkennbares Vertrauen in die Fähigkeiten der Schüler_innen zu haben, p beharrlich zu sein und Verlässlichkeit einzufordern, z. B. wenn Termine nicht eingehalten werden, p respektvolles, anerkennendes und wertschätzendes Vorbild zu sein, p Reflexionen anzuregen, z. B. wenn etwas nicht gelingt oder anders verläuft als geplant, sind Nachbereitung und Auswertung wichtig, p keine Angst vor Bevormundung zu haben, sondern aktiv Vorschläge zu machen. Wichtig ist, dass die Schüler_innen selbst entscheiden können, was sie tun – nicht aber, dass sie auf alles immer von allein kommen. Aufgaben gegenüber dem Lehrerkollegium und der Schulleitung Die SV-Berater_innen sind im System Schule die Lobby oder die Anwält_innen der Schüler_innen, gerade wenn diese nicht ernst genommen werden. Sie sollten z. B.: p sich um Transparenz und die Verbreitung relevanter Informationen kümmern, z. B. Weitergabe von Informationen aus der Schulleitung, p die Interessen von Schüler_innen mitdenken, z. B. bei Tagesordnungspunkten auf der Lehrerkonferenz, p Rechte von Schülervertretung und Schüler_innen bekannt machen, p Rahmenbedingungen für eine SV-freundliche Schule einfordern, p das Ansehen der Schülervertretung beim Kollegium stärken, p Gremienarbeit unterstützen, z. B. gemeinsam Tagesordnungspunkte für die Schulkonferenz vorbereiten. 3  S. 4 2  39 1.5. Seminare, Beratung und SV-App  1 Ihr seid nicht allein. Holt euch, vor allem wenn ihr am Anfang steht, also gern auch Unterstützung von außen, z. B. durch Fortbildungen, Beratung oder aber schülerfreundliches Material. Was es dazu alles gibt, findet ihr hier. Seminare und Fortbildungen  Organisation Was wird angeboten? Bildungsministerium MV www.bildung-mv.de/ lehrer/fort-und-weiterbildung/ fortbildungskatalog Digitale Fortbildungen für SV-Berater_innen Themen Best-Practice-Tipps für die SV-Arbeit, Möglichkeiten zur guten Begleitung von SVTeams durch SV-Berater_innen Friedrich-Ebert-Stiftung www.fes.de/landesbueromecklenburg-vorpommern Seminare für euren Schülerrat und Fortbildungen für SV-Vorstände und SV-Berater_innen Aufbau und Strukturen der SV, SV-Rechte, Projektplanung, Sitzungsgestaltung, Probleme der SV-Arbeit, Öffentlichkeitsarbeit Schule ein Gesicht geben www.schuleeingesichtgeben.de Digitale Coachings für SVVorstände, 1:1-Coachings für SV-Berater_innen, Online-Fortbildungen für SV-Berater_innen Aktivierung der SV, Methoden der SV-Arbeit, Strukturen und Nachhaltigkeit der SV SV-Bildungswerk www.sv-bildungswerk.de Ein- bis mehrtägige Seminare Themen nach Absprache (SV-Recht, Know-how zu Projektmanagement) 40 Pimp my School – 1 × 1 der SV-Arbeit Der Landesschülerrat Der Landesschülerrat beschäftigt sich mit allen Fragen rund um Schulen, die über die Interessen einer einzelnen Schule und/oder der Kreise bzw. Städte hinausgehen. Er will das Interesse der Schüler_innen an bildungspolitischen Themen wecken, Kreis- und Stadtschülerräte stärken und mehr Demokratie und Toleranz an den Schulen erreichen. In der Vergangenheit hat er z. B.: p Positionspapiere zur Gesundheit an der Schule, zur Zukunftsvision der Schule oder aber zu Wahlen an den Schulen herausgegeben, p Pressemitteilungen veröffentlicht, z. B. zum Lernen während der Coronapandemie, kostenlosen Menstruationsprodukten an Schulen oder aber Forderungen an die Politik, p Umfragen durchgeführt. Der Landesschülerrat hat eine Geschäftsstelle, bei der ihr euch melden könnt: Telefon 0385 588 74 04, landesschuelerrat-mv@bm.mv-regierung.de, www.landesschuelerrat-mv.de Live-SV-Beratung Ihr habt inhaltliche Fragen, bei euch in der Schülervertretung läuft es nicht oder ihr suchtpassendes Support-Material? Dann wendet euch gern an die SV-Beratung von Schule ein Gesicht geben e. V.: www.schuleeingesichtgeben.de, Telefon 0163 514 45 83, sv-beratung@ schuleeingesichtgeben.de oder aber www.instagram.com/schuleeingesichtgeben Die SV-App: www.meinsvwissen.de Die neue Sammlung für 1.000 Tipps, Tricks und Alltagshilfen rund um die Schülervertretung ist da! Auf www.meinsvwissen.de findet ihr zusätzlich zu diesem Handbuch noch viel mehr Ideen, praktische Vorlagen, Beispiele und Inspiration von anderen Schulen. Schaut euch z. B. gemeinsam mit allen Klassensprecher_innen ein Erklärvideo zur Vollversammlung an, nutzt die Checklisten zur Gestaltung von Wahlen, zum Einreichen von Anträgen oder zur Organisation von Veranstaltungen und euer neues Konzept für die Öffentlichkeitsarbeit schreibt sich mit dem digitalen Tool zum Ausfüllen wie von allein. Wenn ihr noch nicht wisst, wonach genau ihr sucht, dann helfen euch interaktive Selbsttests bei der Einschätzung. Ihr habt auch eine gute Vorlage, einen Leitfaden geschrieben oder ein Projekt, das andere Schülervertretungen auch umsetzen könnten? Dann ladet das Dokument unter dem Menüpunkt„Feedback“ ins SV-Archiv hoch! Das SV-Handbuch zu euch an die Schule holen Dieses Handbuch kann unter der E-Mail-Adresse schwerin@fes.de unter Angabe einer Adresse und der Anzahl, die ihr haben wollt, kostenlos bestellt werden. 41 1.6. Demokratische Schule  1 1.6.1. SV-freundliche Schulen schaffen!  „Die Schule muss auch etwas tun“... Schülervertretungen sind davon abhängig, wie gut sie gefördert werden. Gibt es engagierte SV-Berater_innen und/oder eine unterstützende Schulleitung, so sind Schülervertretungen meist auch sehr aktiv. Wo das nicht zutrifft, ist leider oft das Gegenteil der Fall. 3  S. 17  Rechtlich eigentlich„Selbstverständliches“  p Klassensprecher_innen müssen Schülerversammlungen im Unterricht durchführen können und/oder Zeit bekommen, um aus Sitzungen des Schülerrats zu berichten. p Klassensprecher_innen müssen zu Schülerratssitzungen gehen dürfen und ihnen darf daraus kein Nachteil entstehen. p Der Schülervertretung wird ihr Geschäftsbedarf zur Verfügung gestellt, d. h. z. B. Stifte, Plakate oder die Möglichkeit zum Kopieren. Zeit im Schulalltag zur Verfügung stellen  3  S. 45  p Ermöglichung von SV-Tagen und/oder einer SV-Fahrt, p Einrichtung einer SV-AG, z. B. im Ganztag, p Schülervertretung als Projekt in Projektwochen, p Planung des Stundenplans so, dass die SV-Berater_innen für gemeinsame Besprechungen gleichzeitig eine Freistunde haben, p Einführung des Klassenrats als wöchentliche Schülerversammlung. Klassensprecherwahlen verändern  p Fortbildung des Lehrerkollegiums zu Mitbestimmungsrechten im Unterricht, Rechten der Schülervertretung und Vermeidung von Beliebtheitswahlen, p Einführung von zwei verpflichtenden Unterrichtsstunden zum Schuljahresbeginn zur Wahl der Klassensprecher_innen, p Wahl mit einheitlichem Ablauf und Nutzung von Methoden zur Vermeidung von Beliebheitswahlen. 42 Pimp my School – 1 × 1 der SV-Arbeit Echte offizielle Unterstützung  p Ein klares öffentliches Bekenntnis der Schulleitung auf der Lehrerkonferenz, dass SV-Arbeit bewusst gefördert wird, p SV-Förderung wird ins Schulprogramm übernommen, p Einführung von Möglichkeiten zur demokratischen Schulentwicklung, wie z. B. der„Erweiterten Schulkonferenz“ oder der Durchführung von Zukunftswerkstätten mit der gesamten Schule, p Einrichtung eines SV-Raums/-Büros mit eigenem Schlüssel, p ein festes Budget für SV-Arbeit im jährlichen Schulhaushalt, p mindestens eine Ermäßigungsstunde für SV-Berater_innen. Anerkennung, Wertschätzung und höhere Sichtbarkeit  p Bericht aus der Schülervertretung als fester Tagesordnungspunkt auf der Lehrerkonferenz, p Termine des Schülerrats sind im Schuljahresplan im Voraus festgelegt und allen Lehrer_innen bekannt, p öffentliche Ehrung von besonders engagierten Schülervertreter_innen, p Urkunden und/oder Zeugnisvermerke, p Nutzung des Vertretungsplans für SV-Infos, p Präsenz beim Tag der offenen Tür, p SV-Arbeit als eigener Teil der Homepage. 3  S. 10 4  Merkmale demokratischer Schulkultur p Erwachsene zeigen deutlich, dass sie Vertrauen in die Fähigkeiten von Schüler_innen haben. p Es gibt viele unterschiedliche kleine und größere Möglichkeiten, sich einzubringen und Verantwortung zu übernehmen. p Diskriminierung, z. B. von queeren Menschen, Frauen/Mädchen, Migrant_innen, Muslim_innen, wird bewusst durch Projekte entgegengetreten. p Alle Schüler_innen kennen ihre Rechte und Möglichkeiten mitzugestalten und werden aktiv dabei unterstützt, sie wahrzunehmen. p Wichtige Informationen werden so weit wie möglich verbreitet, sodass alle, die es interessiert, Zugang dazu haben. p Es gibt eine positive Fehlerkultur, d. h., Fehler werden nicht verurteilt oder bestraft, sondern gemeinsam reflektiert und daraus Schlussfolgerungen gezogen. 43 1 1.6.2. Impulse für eine demokratische Schule  Bildungswissenschaftler_innen haben herausgefunden, dass die Lernmotivation wächst, wenn Schüler_innen merken, dass ihr Handeln eine direkte Auswirkung hat, sie über ihr Lernen selbst bestimmen können und sich gleichzeitig wohl und anerkannt fühlen. Das sogenannte„demokratische Lernen“ birgt das große Potenzial, dass Schüler_innen zufriedener sind und sogar freiwillig und gern Verantwortung für das Miteinander übernehmen. Ihr findet hier unterschiedliche Anregungen, was Schulen demokratischer machen kann. Feedback für Lehrer_innen Hierbei geben Schüler_innen ihren Lehrer_innen eine Rückmeldung zu ihrem Unterricht. So können Lehrer_innen überprüfen, ob der Unterricht die erhoffte Wirkung erzielt, und – falls nötig – etwas verändern. Die Feedbackfragen können sich darauf beziehen, ob der Unterrichtsstoff verständlich ist, auf die Verwendung von Medien, die Bewertungen sowie darauf, wie das Verhalten der Lehrer_innen auf die Schüler_innen wirkt. Das Feedback kann zentral eingeführt werden. Ist der Widerstand im Lehrerkollegium zu groß, ist ein erster Schritt, einfach mit einzelnen Lehrer_innen abzusprechen, dass man ihnen Feedback gibt, z. B. so:„Darüber habe ich mich heute gefreut: …“,„Das war heute zu schwierig: …“ oder„Für das nächste Mal wünsche ich mir: …“. 44 Pimp my School – 1 × 1 der SV-Arbeit Gemeinsame Notenvergabe Dabei werden Schüler_innen in die Bewertung ihrer eigenen Leistung und/oder der Leistungen ihrer Mitschüler_innen einbezogen. Die Kriterien der Bewertung legen sie gemeinsam mit den Lehrer_innen fest. So entwickeln Schüler_innen Verantwortung für das eigene Lernen, machen sich über die Bewertung Gedanken und lernen, diese sachlich zu äußern. Schüler_innen gestalten Unterricht selbst Von Gleichaltrigen zu lernen, kann leichter fallen, als von Lehrer_innen zu lernen. Möglich ist z. B., dass die Oberstufe für die Unterstufe Unterrichtseinheiten gestaltet. Davon profitieren sowohl die jüngeren als auch die älteren Schüler_innen, und nebenbei wird das soziale Miteinander gestärkt. Klassenrat Der Klassenrat ist eine besondere Form der Schülerversammlung. Im Klassenrat trifft sich eine Klasse einmal pro Woche für eine Schulstunde. Dabei gibt es verteilte Rollen(Moderation, Redeliste, Zeitwächter_in, Regelwächter_in) sowie einen festen Ablauf. Im Klassenrat sind alle Themen erlaubt, die für die Klasse interessant und für niemanden verletzend sind. Es kann also um die Gestaltung des Klassenraums, die Regeln in der Klasse, den nächsten Ausflug, politische Ereignisse, Umweltschutz oder Freizeitinteressen gehen. Im Klassenrat lernen Schüler_innen, Verantwortung für das Miteinander zu übernehmen, selbstständig Konflikte zu lösen und Projekte als Klasse zu planen und umzusetzen. 3  S. 86  Workshops zu euch an die Schule holen Ihr habt den Eindruck, dass an eurer Schule transfeindlich geredet wird, dass es viele Vorurteile gegen Muslim_innen gibt oder aber Mädchen weniger zu sagen haben als Jungen? Dann könntet ihr überlegen, ob ihr eine Organisation bittet, Workshops oder Projekttage für einzelne oder mehrere Klassen zu gestalten. 3  S. 4 8  Schülermediation Mediation bedeutet Vermittlung. Dabei unterstützen unabhängige und unparteiische Mediator_innen Konfliktparteien beim Lösen eines Konflikts. Schülermediator_innen lernen in einer eigenen Fortbildung das Handwerk der Konfliktvermittlung. Sie können bei Konflikten angesprochen werden oder schauen, wo es Konflikte gibt. Sie tragen z. B. neonfarbene Westen oder speziell bedruckte T-Shirts, wenn sie auf dem Schulhof unterwegs sind. Gemeinsame Schulentwicklung Normalerweise entscheiden Erwachsene ohne Beteiligung von Schüler_innen, in welche Richtung sich eine Schule entwickeln soll. Doch das muss nicht so sein. Es gibt viele Schulen, die sich auf den Weg der demokratischen Schulentwicklung gemacht haben. Das bedeutet, dass alle Schüler_innen und Lehrer_innen gemein45 #1#2 1 sam über die Frage diskutieren, wie die Zukunft der eigenen Schule sein soll. Im Vordergrund steht, dass alle ihre Meinung einbringen und selbst Verantwortung für Veränderungsprozesse übernehmen können. Es werden dabei vorhandene Probleme gesammelt und in kleinen Gruppen Ideen für die Zukunft entworfen und Lösungen entwickelt. Möglich ist das z. B. mit einem Open Space, einer Zukunftswerkstatt oder einem Barcamp. Diese Verfahren dauern normalerweise mehrere Tage, und es können bis zu 1.000 Leute daran teilnehmen. Wichtig ist dabei eine erfahrene Moderation. Ein Open Space hat z. B. folgenden Ablauf: p Die Anliegenphase: Hier sitzen alle in einem großen Kreis und jede_r hat die Gelegenheit, ein eigenes Anliegen oder Thema einzubringen. p Die Besprechungsphase: Es gibt den ganzen Tag über mehrere Zeitfenster, während derer in unterschiedlichen Räumen Diskussionsrunden zu den verschiedenen Anliegen und Themen stattfinden. Während des Open Space muss man sich nicht auf ein Thema festlegen, sondern kann zwischen den einzelnen Diskussionsrunden hin und her wechseln. p Die Planungsphase: Bei einem„Markt der Möglichkeiten“ können sich die Teilnehmenden über alle besprochenen Themen informieren. Danach werden Verabredungen für die Umsetzung konkreter Anliegen getroffen. p Die Nachbereitung: Nach ca. zwei Monaten gibt es dann ein Nachtreffen, bei dem überprüft wird, was umgesetzt wurde und woran vielleicht noch intensiver gearbeitet werden muss. Eine Erweiterte Schulkonferenz einführen Die Schulkonferenz kann beschließen, dass Ausschüsse gebildet werden, die sie beraten oder Beschlüsse vorbereiten. Diesen Ausschüssen sollen dann Schüler_innen, Lehrer_innen sowie Elternvertreter_innen sowie gegebenenfalls die Schulleitung angehören. Möglich ist, einen Ausschuss„Erweiterte Schulkonferenz” zu bilden. Das Besondere daran: Er tagt öffentlich und alle Lehrer_innen, Schüler_innen, Eltern sind eingeladen, zur Sitzung zu kommen. Sie können dort alle Anliegen einbringen, über die die Schulkonferenz ihrer Meinung nach sprechen oder entscheiden soll. Die Erweiterte Schulkonferenz tagt z. B. zwei bis drei Mal pro Schuljahr. Der Termin muss so gelegt sein, dass alle Interessierten teilnehmen können. Auf der Sitzung wird dann entschieden, ob zu einem eingebrachten Thema ein gemeinsamer Antrag in die Schulkonferenz eingebracht wird. Die Erweiterte Schulkonferenz gibt somit allen eine einfache Möglichkeit, um etwas an der Schule zu verändern. 46 Pimp my School – 1 x 1 der SV-Arbeit Einrichtung einer„Koordinationsstelle Demokratiebildung“ An vielen Schulen gibt es Verantwortliche, z. B. für die Mittelstufe, Fort- und Weiterbildung und/oder Berufsorientierung. Eine Koordinierungsstelle Demokratiebildung ist ein neuer zusätzlicher Verantwortungsbereich an der Schule. Sie soll nach Möglichkeit aber nicht nur mit einer Lehrkraft besetzt werden, sondern auch mit mindestens einem_einer Schüler_in. Die Koordinierungsstelle unterstützt Schüler_ innen, Lehrkräfte sowie die Schulleitung bei der demokratischen Schulentwicklung, z. B. bei der Umsetzung demokratischen Lernens im Unterricht, der Gründung einer Antirassismus-AG oder einer Projektgruppe zur Einführung einer neuen Handyregelung. Sie kann außerdem selbst Impulse geben, wie z. B. die Einführung des Klassenrats. Wichtig ist, dass sie als feste Instanz an der Schule anerkannt wird. Aula Aula ist ein Modellprojekt, bei dem Schüler_innen geholfen wird, mehr an der eigenen Schule mitzubestimmen und eigene Ideen zur Gestaltung ihrer Schule zu verwirklichen. Egal ob zu Unterrichtsinhalten, zur Schulhofgestaltung, für Anschaffungen oder zur nächsten Klassenfahrt: Mithilfe einer Online-Plattform können alle jederzeit eine Idee für ihre Schule posten, kommentieren, weiterentwickeln und dann darüber abstimmen. Diskussionen über die Ideen finden online und offline in eigenen Aula-Stunden statt. Schülerhaushalt Beim Schülerhaushalt stellt die Schule gemeinsam mit der Kommune oder dem Förderverein einen festen Geldbetrag zur Verfügung, z. B. 1.000 bis 4.000 Euro. Schüler_innen können dann Vorschläge machen, wofür das Geld verwendet werden soll. Im anschließenden Wahlprozess werden die beliebtesten Gestaltungsideen ermittelt und umgesetzt. Schüler_innen entscheiden so selbst darüber, welche Projekte an ihrer Schule umgesetzt werden. An Modellschulen wurden dabei z. B. folgende Projekte verwirklicht: neue Sportgeräte, iPads zur Unterrichtsnutzung, Raumaustattung. www.schuelerhaushalt.de 47 1.6.3. Workshops und Netzwerke für eine  demokratischere Schule  Zu einer demokratischen Schule gehört neben einer aktiven Schülervertretung auch das Engagement für ein gutes Schulklima, d. h. z. B. Engagement gegen Mobbing, Rassismus oder für mehr Klimaschutz. Hier findet ihr unterschiedliche Organisationen, die ihr dafür anfragen könnt. Es empfiehlt sich, mit euren SV-Berater_innen gemeinsam zu überlegen, für wann und für welches Thema ihr welche Organisation anfragen wollt und wie ihr dabei vorgeht. Anbieter von Workshops und/oder Projekttagen Name und Website Netzwerk für Demokratie und Courage www.netzwerk-courage.de Wir in MV www.wir-in-mv.de/angebote.html SV-Bildungswerk www.sv-bildungswerk.de BUNDjugend MV www.bundjugend-mv.de/mitmachen/ bildungsangebote-fuer-schulen Ökohaus e. V. Rostock www.nachhaltiglebenlernen.de/themen Gesellschaft für solidarische Entwicklungszusammenarbeit MV e. V. www.gse-mv.de/angebote/projekte-schule QUBE www.bildung-qube.de/mitmachen/ projekttage-und-fortbildungen rat + tat e. V. Rostock www.ratundtat-rostock.de/ workshops-fuer-schulklassen Friedrich-Ebert-Stiftung MV www.fes.de/landesbueromecklenburg-vorpommern Themenfelder Diskriminierung, Rassismus, Rechtsextremismus, Sexismus (Cyber-)Mobbing, Hatespeech, Medienbildung, Drogen Umwelt, Nachhaltigkeit, Globalisierung Flucht, Asyl, Umwelt Klimawandel, Nachhaltigkeit, Ernährung, Konsum, Migration& Flucht, Ressourcenknappheit Globalisierung, Umwelt(schutz), Nachhaltigkeit, Müll LGBTQIA*, Sexismus, geschlechtliche Vielfalt Geschlechtliche Identität, Sexualität, LGBTQIA* Flucht, Klimaschutz, EU, Rechtsextremismus, Mobbing 48 Pimp my School – 1 × 1 der SV-Arbeit Netzwerke, Initiativen und Auszeichnungen Es gibt Netzwerke, Initiativen und Auszeichnungen, an denen ihr als Schule und Schülervertretung teilnehmen könnt, wenn ihr euch für ein bestimmtes Thema wie Klimaschutz, Zivilcourage oder gegen Homophobie einsetzt. Meistens muss man z. B. kleine Aktionen oder einen Infotag durchführen, um Teil des Netzwerks zu sein oder eine Auszeichnung zu erhalten. Die einzelnen Initiativen und ihre Bedingungen haben wir euch aufgelistet: p „Schule ohne Rassismus“: Das deutschlandweite Netzwerk besteht aus Schulen, die sich gegen Rassismus und für Zivilcourage einsetzen. Mindestens 70 % aller Schüler_innen und Lehrer_innen müssen dafür unterschreiben, dass sie sich aktiv für Antidiskriminierungsprojekte einsetzen. Einmal pro Jahr muss ein solches Projekt an der Schule durchgeführt werden. www.schule-ohne-rassismus.org p „Faire Schule“: Diese Auszeichnung können Schulen erhalten, wenn eine nachhaltige und demokratische Schulkultur gelebt wird sowie globales Lernen eine Rolle in der Schule spielt. www.faire-schule.eu p „Sozial genial“: In dem Projekt engagieren sich die Schüler_innen eurer Schule für Personen außerhalb der Schule, z. B. für Geflüchtete oder Obdachlose. www.aktive-buergerschaft.de/service-learning/mitgliedschule-werden p „Schule der Vielfalt – Schule ohne Homophobie“: Schulen können Projektschule werden, wenn es eine regelmäßige Auseinandersetzung mit dem Thema an der Schule gibt. www.schule-der-vielfalt.de p „Schule im Aufbruch“: Die Initiative will Kindern und Jugendlichen mit anderen Lernformen und einer wertschätzenden Grundhaltung dabei helfen, ihr eigenes Potenzial zu entdecken und zu entfalten, um für sich, ihre Mitmenschen sowie die Natur und Umwelt Verantwortung zu übernehmen. www.schule-im-aufbruch.de 49 1.7. Für Ungeduldige –  die zehn wichtigsten Tipps  3  S. 6 4  Führt ein Auftaktseminar zu Beginn jeden Schuljahres durch Das geht z. B. mit einem SV-Tag oder einer SV-Fahrt, zu dem alle Klassensprecher_innen und Interessierte eingeladen sind. Hier können Kennenlernen, Arbeiten und Spaß miteinander verbunden werden, Projekte entwickelt und Aufgaben verteilt werden. 3  S. 72  Schafft regelmäßige feste Zeiten Ihr solltet eine feste Zeit in der Pause oder nach dem Unterricht festlegen, wo ihr euch regelmäßig mit allen SV-Interessierten treffen könnt. Das erhöht die Verbindlichkeit und Verlässlichkeit. Bei Schülervertretungen, die gerade erst beginnen, sollten die SV-Berater_innen zur Unterstützung immer dabei sein. 3  S. 38  Wählt engagierte SV-Berater_innen Vor allem zu Beginn aktiver SV-Arbeit braucht es engagierte Erwachsene, die euch gute Hinweise geben, wie man an Projekten arbeiten kann, die bei der Schulleitung ein gutes Wort für euch einlegen oder darauf achten, dass das Teamgefühl in der Schülervertretung stimmt. 3  S. 76  Stärkt Zusammenhalt im Schülerrat und SV-Vorstand Der Schülerrat und der SV-Vorstand sollten sich als gemeinsam arbeitende Gruppe verstehen und nicht als zufällige Bekannte. Lernt euch gegenseitig kennen, merkt euch die Namen, schafft eine gute Atmosphäre und spaßige Momente miteinander. Stimmt das Teamgefühl, haben mehr Leute Lust, sich einzubringen. 3  S. 116  Bezieht alle in die Themenfindung ein Nutzt im Schülerrat passende Methoden wie Kartenabfragen oder Kleingruppen bzw. fragt eure Mitschüler_innen in der Klasse, auf einer Schülervollversammlung oder über Instagram nach ihren Ideen und Wünschen. Konzentriert euch zu Beginn eurer SV-Arbeit auf überschaubare und realistische Projekte. 3  S. 10 0  Führt feste Rollen ein Alle, die im SV-Vorstand oder in einer Projektgruppe mitarbeiten, sollten wissen, welche Aufgaben die anderen übernommen haben. Dadurch ist schnell erkennbar, wenn etwas noch nicht gemacht oder verteilt wurde. Ihr könnt dann nachhaken oder jemand anderen bestimmen, der die Aufgabe übernimmt. Möglich ist es auch, mit festen Arbeitsbereichen oder Rollenprofilen zu arbeiten. Das motiviert und schafft Verbindlichkeit. 50 Pimp my School – 1 × 1 der SV-Arbeit Gestaltet eure Sitzungen aktivierend und lebendig Sitzungen des Schülerrats oder des SV-Vorstands sollten abwechslungsreich, motivierend und so gestaltet sein, dass sich alle durch passende Methoden wie z. B. ein World Café oder Murmelgruppen einbringen können. Außerdem soll der Spaß nicht zu kurz kommen und Erfolge sichtbar werden. 3  S. 8 4  Seid durch Öffentlichkeitsarbeit an der Schule präsent Alle Schüler_innen sollten wissen, was die Schülervertretung aktuell macht, wer die Ansprechpartner_innen bei Problemen sind oder was die Schülervertretung schon erreicht hat. Erst eine starke Öffentlichkeitsarbeit wird euch zu einer festen Anlaufstelle in der Schule machen, die auch von den Lehrer_innen ernst genommen wird. 3  S. 114  Öffnet SV-Arbeit für Freiwillige Außerhalb des Schülerrats gibt es wahrscheinlich ziemlich viele Schüler_innen, die keine Klassensprecher_innen sind, die richtig Lust auf SV-Arbeit haben – wenn sie nur wüssten, dass sie, auch ohne gewählt zu sein, mitarbeiten können. Möglich ist das z. B. durch eine SV-Pause, zu der alle Schüler_innen eingeladen sind. Dass das möglich ist, solltet ihr einmal allen mitteilen: im Schülerrat, auf einer Schülervollversammlung, Instagram, … 3  S. 8 0  Schreibt ein Schlaues Buch Schreibt alles auf, was es über eure Arbeit zu wissen gibt, und ergänzt das regelmäßig. Wenn die Aktivsten einer Schülervertretung die Schule nach ein paar Jahren verlassen, fangen die anderen oft von vorn an. Kümmert euch also früh um die Wissensweitergabe und Einarbeitung eurer Nachfolger_innen. 3  S. 127  51 2 Der Start in aktive  SV-Arbeit  2.1. Wahlen  2 2.1.1. Klassensprecher_innen  Engagierte Klassensprecher_innen sind die Grundlage eines aktiven Schülerrats. Doch oft werden in Klassen nicht die geeignetsten Schüler_innen, sondern die lautesten und coolsten gewählt. In diesem Text soll es zum einen darum gehen, wie gute Klassensprecher_innen gewählt werden und wie die Wahl ablaufen muss. Rechtliche Vorgaben (§ 81 [2] SchulG und§ 1 – 6 SchMWVO) Der Wahlkalender des Bildungsministeriums gibt gut Auskunft über alle rechtlichen Vorgaben und kann online leicht abgerufen werden. Die wichtigsten Regelungen sind: Gewählt werden ein_e Klassensprecher_in sowie ein_e Vertreter_in. Die beiden vertreten eure Interessen auch automatisch in der Klassenkonferenz. Gewählt werden muss innerhalb von zwei Wochen nach Schuljahresbeginn. Die Wahlen sind geheim, es sei denn, alle sind einverstanden, dass offen gewählt wird. Es muss ein Wahlausschuss bestehend aus Wahlleiter_in sowie Schriftführer_in bestimmt werden. Der_die Klassensprecher_in und Stellvertreter_in müssen in getrennten Wahlgängen gewählt werden. Gewählt ist jeweils die Person mit den meisten Stimmen. Nach der Wahl muss ein Wahlprotokoll angelegt und der Schulleitung übermittelt werden. Es kann später immer ein_e Nachfolgerin_in gewählt werden, wenn ihr mit der Arbeit des_der Klassensprechers_in unzufrieden seid. 54 Pimp my School – 1 × 1 der SV-Arbeit Eine Schulstunde Zeit reservieren In vielen Klassen führen Lehrer_innen die Wahl innerhalb von zehn Minuten durch. Ihr dürft euch im Rahmen einer Schülerversammlung jedoch auch eine Schulstunde Zeit dafür nehmen und die Wahlen selbst in die Hand nehmen. Ältere Schüler_innen die Wahl durchführen lassen Eine tolle Möglichkeit ist es, wenn ältere Schüler_innen von der Schülervertretung dafür ausgebildet werden, dass sie die Wahlen in den unteren Jahrgängen durchführen. Der Vorteil: So können diese erfahreneren Schüler_innen gleich was über die Arbeit im Schülerrat erzählen und es kandidieren dann eher Mitschüler_innen, die auch Interesse an aktiver Mitarbeit im Schülerrat haben. Ein Profil für die Arbeit von Klassensprecher_in und Vertreter_in erstellen Viele Klassensprecher_innen wissen nicht, was ihre Aufgaben sind. Empfehlenswert ist es daher, wenn ihr als Klasse euren Klassensprecher_innen klare Aufgaben gebt, der Schülerrat ein Profil für Klassensprecher_innen beschließt, das für die Wahl verwendet wird, oder aber ihr den Vorschlag aus diesem Handbuch übernehmt. Klassensprecherwahlen an eurer Schule grundsätzlich neu gestalten Vielen Lehrer_innen ist nicht klar, wie bedeutsam gute Klassensprecherwahlen sind. Sie sollten dafür sensibilisiert werden, z. B. indem ihr auf der Lehrerkonferenz die Wahlempfehlung unten präsentiert, ihr ein Handout für die Lehrer_innen erstellt oder aber die Schulleitung davon überzeugt, dass die Lehrer_innen im Rahmen einer kleinen Fortbildung lernen, wie gute Klassensprecherwahlen organisiert werden können. 55 Empfehlung für den Ablauf der Wahl  Die folgenden Schritte sind nur als Empfehlung zu verstehen. Nur die Bildung eines Wahlausschusses(Schritt 1), die Wahl von Klassensprecher_in und ­Vertreter_in (Schritt 7 und 8) sowie das Wahlprotokoll sind gesetzlich vorgeschrieben. 2 1 Wahlausschuss bilden: Ein_e Wahlleiter_in sowie ein_e Schriftführer_in müssen bestimmt werden. Sie dürfen nicht selbst kandidieren. 2 Bericht der alten Klassensprecher_innen: Was lief gut? Was lief nicht gut? 3 Ein Profil für den_die Klassensprecher_in erstellen: Welche Aufgaben hat er_sie? Welche Eigenschaften sollte er_sie haben? 4 Kandidat_innen suchen: Stellt euch selbst auf oder schlagt geeignete Mitschüler_innen vor. Die Kandidat_innen können sich dann kurz vorstellen: Was wollen die Klassensprecher_innen für euch in der Klasse oder im Schülerrat tun? Danach könnt ihr Rückfragen stellen. 5 Eine Wahlempfehlung bekommen: Anhand von Kriterien, z. B.„Setzt sich für andere ein“,„Kann gut Dinge präsentieren“, könnt ihr für euch selbst entscheiden, ob jemand in euren Augen geeignet ist. 56 6 Entscheidung über eine offene Wahl: Die Wahl muss grundsätzlich geheim stattfinden – es sei denn, alle(!) Schüler_innen der Klasse sind für eine offene Wahl. Dann kann mit Handzeichen abgestimmt werden. 9 Einen Klassensprechervertrag unterschreiben: Dabei verpflichten sich die Klassen­sprecher_innen, bestimmte Aufgaben zu übernehmen. Nach einiger Zeit kann überprüft werden, ob die Klassensprecher_innen die Aufgaben gut erfüllen, wenn nicht, könnt ihr eine neue Person wählen. Das Wahlprotokoll ausfüllen: Es muss folgende Angaben enthalten: Wahl von Klassensprecher_in und Vertreter_in, Ort und Zeit der Wahl, Anzahl der wahlberechtigten Schüler_innen, wer bei der Wahl anwesend war, Anzahl der Stimmen pro Kandidat_in, Anzahl der ungültigen Stimmen sowie Zusammenfassung des Ergebnisses. Das Wahlprotokoll müssen sowohl die Wahlleitung als auch der_die Schriftführer_in unterschreiben. 8 Gewählt sind jeweils die Personen mit den meisten Stimmen. Sollte jemand sowohl als Klassensprecher_in als auch als Vertreter_in die meisten Stimmen bekommen haben, so verfällt die Wahl zum_zur Vertreter_in und der_die Zweit­platzierte für das Amt der Stellvertretung ist gewählt. Wichtig ist, dass Klassensprecher_in und Stellvertretung die Wahl offiziell annehmen. 7 Wahl von Klassensprecher_in und Vertreter_in: Die Wahlen können auf einem gemeinsamen Wahlzettel erfolgen. Ihr könnt gleichzeitig als Klassensprecher_in und Vertreter_in kandidieren. Es ist nicht zulässig, dass der_die Zweitplatzierte automatisch der_die Vertreter_in wird. Beliebtheitswahlen vermeiden Es gibt eine kleine Broschüre, die zehn Methoden für den Unterricht zusammenfasst, mit denen Beliebtheitswahlen unwahrscheinlicher werden. Die Broschüre enthält Vorlagen für ein Aufgabenprofil, dafür, wie man eine Wahlempfehlung erhält, ein Quiz zur Wahl sowie viele weitere Methoden. Auf der Basis der Broschüre können Fortbildungen für die Lehrer_innen eurer Schule erstellt werden. 57 2.1.2. SV-Vorstand  Der SV-Vorstand besteht aus dem_der Schülersprecher_in, zwei Stellvertreter_innen und bis zu zwei weiteren Mitgliedern. Er ist die„Zentrale“ der SV, denn hier laufen die Fäden der SV-Arbeit zusammen, und leistet meist außerhalb der Sitzungen des Schülerrats die meiste Arbeit. Daher ist es besonders wichtig, motivierte Schüler_innen zu wählen. Mit guten Wahlen zu Beginn des Schuljahres könnt ihr dafür sorgen und so einen Grundstein für ein erfolgreiches SV-Jahr an eurer Schule legen. 2 Rechtliche Vorgaben (§ 82 SchulG und§ 2–7 SchMWVO) Zur Wahl lädt der_die Schulleiter_in oder eine Lehrkraft ein. Die Wahl des SVVorstands ist geheim und findet alle zwei Jahre im Schülerrat innerhalb der ersten sechs Wochen des Schuljahres statt. Die Schülervollversammlung kann beschließen, dass nicht der Schülerrat, sondern die Schülervollversammlung den SV-Vorstand wählt. Wenn alle Anwesenden einverstanden sind, darf die Wahl offen erfolgen. An allen Schulen außer Grundschulen und beruflichen Schulen muss der_die Schülers­ precher_in mindestens aus Klasse 7 kommen. Wenn es an eurer Schule eine Orien-tierungsstufe gibt, muss zudem eine_r der beiden Stellvertreter_innen des_der Schülersprechers_in aus Klasse 5 oder 6 kommen. Zunächst werden alle Mitglieder des Vorstands gewählt, erst in einem zweiten Wahlgang werden der_die Schülersprecher_in, die zwei Vertreter_innen sowie zwei weitere Mitglieder gewählt. 3  S. 35  Aufgabenprofil für den SV-Vorstand festlegen Damit alle wissen, was überhaupt nach der Wahl auf sie zukommt, solltet ihr euch vorher überlegen, welche Aufgaben der SV-Vorstand hat. Dieses Aufgabenprofil ist idealerweise auch allen Schüler_innen außerhalb des Schülerrats bekannt. Die wichtigsten Aufgaben sind z. B., Sitzungen des Schülerrats zu organisieren, Projekta­ rbeit, Öffentlichkeitsarbeit und Gremienarbeit zu unterstützen. Nach der Wahl könnt ihr im Vorstand bestimmte konkrete Aufgabenbereiche innerhalb des Vorstands verteilen. Wahl im Schülerrat: Vorteile und Nachteile Der Normalfall ist, dass der SV-Vorstand vom Schülerrat gewählt wird. Der Schülerrat kann aber auch beschließen, dass alle Schüler_innen der Schule in einer Schülervollversammlung den SV-Vorstand wählen. Der Vorteil einer Direktwahl im Schülerrat ist, dass der Aufwand deutlich geringer ist und die Klassensprecher_innen aufgrund der SV-Arbeit der letzten Jahre gut einschätzen können, wer als SV-Vorstand geeignet ist. Der Nachteil: Die SV-Arbeit kann im„stillen Kämmerlein“ bleiben, sodass alle, die keine Klassensprecher_innen sind, eventuell nichts von eurer Arbeit mitbekommen und sich auch nicht eingeladen fühlen mitzuarbeiten. 58 Pimp my School – 1 × 1 der SV-Arbeit Empfehlung für den Wahlablauf im Schülerrat Die folgenden Schritte sind nur als Empfehlung zu verstehen. Nur die Bildung eines Wahlausschusses(Schritt 1, 6 bis 8) ist gesetzlich vorgegeben. 1. Wahlausschuss bilden: Ein_e Wahlleiter_in sowie ein_e Schriftführer_in müssen bestimmt werden. Sie dürfen nicht selbst kandidieren. 2. Bericht des alten Vorstands: Was lief gut? Was lief nicht gut? 3. Vorstellung der Aufgaben des SV-Vorstands. 4. Kandidat_innen suchen: Stellt euch selbst auf oder schlagt geeignete ­ Mitschüler_innen vor. Die Kandidat_innen sollten sich dann mit einer kurzen Wahlrede vorstellen und vor allem begründen, warum sie sich wählen lassen wollen. Dann können Rückfragen gestellt werden. 5. Entscheidung über eine offene Wahl: Die Wahl muss grundsätzlich geheim stattfinden – es sei denn, alle(!) Schüler_innen im Schülerrat sind für eine offene Wahl. Dann kann mit Handzeichen abgestimmt werden. 6. Erster Wahlgang: Wahl des Vorstands: Zuerst werden alle Mitglieder des ­SV-Vorstands gewählt. Gewählt sind die fünf Schüler_innen mit den meisten Stimmen. 7. Zweiter Wahlgang: Der_die Schülersprecher_in und die zwei Stellvertreter_innen müssen in getrennten Wahlgängen gewählt werden. Die bereits gewählten fünf Schüler_innen des Vorstands können sowohl als Schülersprecher_in als auch als Stellvertreter_in kandidieren. Beide Wahlgänge können auf einem Wahlzettel zusammengefasst werden. 8. ausfüllen: Es muss folgende Angaben enthalten: Wahlen des SV-Vorstands: Ort und Zeit der Wahl, Anzahl der wahlberechtigten S­ chüler_innen, wer bei der Wahl anwesend war, Anzahl der Stimmen pro Kandidat_in, Anzahl der ungültigen Stimmen sowie Zusammenfassung des Ergebnisses. Das Wahlprotokoll müssen sowohl die Wahlleitung als auch der_die Schriftführer_in unterschreiben. 59 Tipps für die Wahl auf einer Schülervollversammlung Eine Urwahl auf einer Vollversammlung macht einige Arbeit. Ihr solltet daher ein Wahlhelferteam bilden, das die Wahl vorbereitet und durchführt. Die folgenden Punkte sind als Empfehlung zu verstehen und nicht gesetzlich so vorgeschrieben: 2 p Termin für die Vollversammlung mit der Schulleitung festlegen, p eine Frist für die Bewerbung als Kandidat_in festlegen, p eine Sitzung des Schülerrats einberufen, auf der die Wahl besprochen und Infomaterial an die Klassensprecher_innen für die Schülerversammlungen in ihren Klassen verteilt wird, p Schülerversammlungen in allen Klassen durchführen, bei denen die Klassensprecher_innen mit ihren Mitschüler_innen die Wahl und die Aufgaben des Vorstands besprechen, p Kandidat_innen vorbereiten, z. B. bei einem Treffen aller K­ andidat_innen; dort werden die Aufgaben mit ihnen besprochen und sie werden dabei unterstützt, eine kleine Rede und/oder ein Plakat vorzubereiten; dadurch wird es unwahrscheinlicher, dass sich Schüler_innen nur aus A­ nsehensgründen aufstellen lassen, p Vorstellung der Kandidat_innen: Die Kandidat_innen können sich schon vor der Vollversammlung durch Plakate im Schulgebäude, Beiträge in sozialen Medien, Besuche in den Klassen oder einen Frage-Antwort-Katalog für Kandidat_innen vorstellen, p an die Vollversammlung erinnern: mit Plakaten an Zeit und Ort erinnern, am Tag selbst oder einen Tag vorher eine Durchsage machen, p Material besorgen, z. B. Wahlkabinen, Gefäße für Wahlurnen und Stimmzettel vorbereiten, Liste mit Namen aller Schüler_innen zum Abhaken. Abwahl des SV-Vorstands (§ 2 SchMVO) Ihr seid unzufrieden mit der Arbeit einzelner Mitglieder des SV-Vorstands? Dann könnt ihr sie jederzeit wieder abwählen. Dafür muss nur ein_e Nachfolger_in gewählt werden. 60 Pimp my School – 1 × 1 der SV-Arbeit 2.1.3. Konferenzwahlen  Die Wahlen sind vorgeschriebener fester Teil des Schuljahres. Das Verfahren für die Wahlen ist durch das Schulgesetz und die Schulmitwirkungsverordnung gesetzlich festgelegt. Allerdings ist die große Frage, wie ihr die„langweiligen“ Wahlen mit Leben füllen könnt, sodass möglichst viele Schüler_innen Lust haben, sich wählen zu lassen. Rechtliche Vorgaben (§ 82 SchulG,§ 2 SchMWVO) Gewählt wird für zwei Jahre. Gewählt ist jeweils, wer die meisten Stimmen erhält. Enthaltungen werden nicht mitgezählt. Bei gleich vielen Stimmen entscheidet eine Stichwahl, und wenn diese wiederum Gleichstand ergibt, muss gelost werden. Abwählen ist immer möglich – seid ihr mit der Arbeit der Gewählten nicht zufrieden, so kann eine neue Person gewählt werden. Die Wahlen für die Schulkonferenz und die Fachkonferenzen finden grundsätzlich geheim statt. Was wird im Schülerrat gewählt? (§ 76,§ 79,§ 82,§ 83 SchulG) p SV-Vorstand, bestehend aus Schülersprecher_in, 2 Vertreter_innen sowie 2 weiteren Schüler_innen, p Vertreter_innen für die Schulkonferenz(2 bei Schulen mit bis zu 300 Schüler_innen, 4 bei Schulen mit sis zu 500 Schüler_innen, 6 bei Schulen mit bis zu 1.000 Schüler_innen, 8 bei Schulen mit mehr als 1.000 Schüler_innen), p 2 Vertreter_innen für jede Fachkonferenz, p 1 Mitglied für den Kreis-/Stadtschülerrat, wenn nicht der_die Schüler­-­ sprecher_in hingehen soll, sowie p SV-Berater_innen und/oder 1 Vertrauenslehrer_in. Wahlablauf 1. der Aufgaben der Konferenz bzw. des Aufgabenprofils, wenn man sich für die Konferenz wählen lässt, 2. der Aufgaben, Bericht aus dem letzten Jahr und Suche nach ­Kandidat_innen, z. B. in Kleingruppen oder an Stationen, 3. Notieren der Kandidat_innen, 4. Vorstellung der Kandidat_innen, 5. Ausfüllen des Wahlzettels, 6. Auszählung der Wahlzettel und Bekanntgabe des Ergebnisses, 7. Glückwunsch, 8. der Gewählten in eine Liste mit Namen und Klasse für die Schule, 9. Erstellen eines Protokolls, das die Stimmenverteilung der Wahl enthält, 10. Vernetzung mit dem SV-Vorstand. 61 Tipps für Gremienwahlen  Kennenlernen, Kennenlernen, Kennenlernen Das muss im Schülerrat eigentlich vor den Wahlen kommen. Denn wie sollen neue Schüler_innen irgendwen wählen, wenn sie ihn noch nicht kennen? Es gibt Schülervertretungen, die vor der Wahlsitzung erst eine Schülerratssitzung nur fürs Kennenlernen machen. 2 Festlegen und Vorstellen von„Gremienprofilen“ Profile sind eine Übersicht für jede Konferenz, aus der hervorgeht, welche Aufgaben die Konferenz hat, wie sie zusammengesetzt ist, wie viele Schüler_innen gewählt werden, was man als Schüler_in dort für Aufgaben hat, was letztes Jahr so los war und wie viel Zeit ich investieren muss, wenn ich mich wählen lasse. Gremien schon vor der Konferenz vorstellen Um die Vorstellung der Gremien in der Konferenz abzukürzen, könnt ihr schon in der Einladung für die Konferenz eine Übersicht der Gremien und ihrer Aufgaben teilen. So können sich interessierte Schüler_innen schon vorher genau überlegen, welche Ämter sie übernehmen wollen, und werden nicht„ins Blaue hinein“ gewählt. Klären der Aufgaben und Suche nach Kandidat_innen Am einfachsten ist es, wenn ihr das in Kleingruppen oder einzelnen Stationen macht und nicht in der großen Gruppe – sonst gibt es zu wenig Raum für Rückfragen, die Beseitigung von Unklarheiten oder auch die Beratung von Schüler_innen, die sich noch nicht sicher sind. An den Stationen könnten die Gewählten des letzten Jahres stehen und Auskunft geben. Abwechslung in die Gremienwahlen bringen Damit die Gremienwahl nicht zu zäh wird und lange dauert, überlegt euch, wie ihr die Sitzung auflockern könnt. Ihr könnt z. B. Energizer einbauen, Kekse und Snacks anbieten, Musik einspielen und Pausen einplanen. Zusammenfassung der Wahlen Damit sich Wahlen nicht ewig hinziehen, können sie für die unterschiedlichen Konferenzen auf einem Wahlzettel zusammengefasst werden. Notiert in wenigen Stichpunkten die wichtigsten Fakten wie Aufgaben, Zusammensetzung und Themen der jeweiligen Konferenz. Liste für die Wahl der SV-Berater_innen Für die Wahl der SV-Berater_innen könnt ihr ein bis zwei Wochen vor der Wahl im Lehrerzimmer eine Liste mit den Namen aller Lehrer_innen aufhängen. Wer von den Lehrer_innen nicht kandidieren will, soll bis zu einer genannten Frist seinen_ihren Namen streichen. 62 Pimp my School – 1 × 1 der SV-Arbeit Empfehlungen für die Zeit nach der Wahl Die Gewählten sollten dauerhaft von einer Person aus dem SV-Vorstand begleitet werden. Nach der Wahl sollten sie ein Handout mit ihrem Gremienprofil sowie z. B. drei Dingen, die sie auf dieser Konferenz machen können, bekommen. Wichtig ist auch, dass sie ihre Kontaktdaten mit ihrer Vertretung austauschen, falls sie mal keine Zeit haben(für die Schulkonferenz). Wenig Interessierte für die Fachkonferenzen? Für Fachkonferenzen finden sich meist weniger Interessierte. Wichtig ist, dass ihr niemanden zwingt, sich wählen zu lassen. Dass ihr jemanden wählt, ist ein Recht – und keine Pflicht. Sollte niemand gewählt werden, informiert die Fachleiter_innen bzw. die Schulleitung darüber. Am besten gebt ihr die Gründe dafür an, z. B. dass es wenig reale Mitbestimmungsmöglichkeiten gibt, Themen vielfach nicht interessant sind oder Abläufe nicht verständlich oder einladend sind. Sollte eine Fachkonferenz später doch noch wichtig werden, so könnt ihr gegebenenfalls auch nachwählen. 63 2.2. Eine Auftaktveranstaltung durchführen  2 Der Auftakt zu aktiver SV-Arbeit ist oft ein„Kick-off“, d. h. ein gemeinsamer Start ins SV-Jahr. Am besten wiederholt ihr einen solchen SV-Tag zur Schuljahresmitte sowie vielleicht auch am Schuljahresende, sodass jedes Schuljahr ein bis drei solcher SV-Tage fester Teil eurer SV-Arbeit werden. Für SV-Tage gibt es unterschiedliche Möglichkeiten: 3  S. 4 0  3  S. 135  p einen SV-Workshop, den ihr selbst gestaltet(siehe unten), p ein SV-Seminar, das von einem außerschulischen Partner für euch durchgeführt wird, p eine selbst organisierte SV-Fahrt. An einer solchen Veranstaltung können alle Klassensprecher_innen teilnehmen und/ oder der SV-Vorstand sowie weitere Interessierte. Sollte sie während der Unterrichtszeit stattfinden, braucht ihr die Zustimmung der Schulleitung und solltet euch daher eine gute Begründung oder ein Konzept überlegen. Manchmal blockieren Schulleitungen eine solche Veranstaltung. Dann könnt ihr den Inhalt auf mehrere Sitzungen des Schülerrats aufteilen, einen Antrag in der Schulkonferenz stellen oder aber eine SV-Fahrt außerhalb der Unterrichtszeit organisieren, z. B. Freitag, 16 Uhr, bis Sonntag, 13 Uhr. Bei einer solchen Veranstaltung könnt ihr: p euch gegenseitig kennenlernen, p überprüfen, wie das letzte SV-Jahr lief und was ihr weiterführen wollt, p herausfinden, was für Themen, Aktionen oder Projekte(noch) möglich sind, p gemeinsam(realistische) Ideen entwickeln, p eure Rechte in Bezug auf die Umsetzung eurer Projekte kennenlernen, p ein„Herzensthema“ finden, für das ihr euch begeistert, p eure Arbeitsweise für die Zukunft festlegen. Solltet ihr Unterstützung bei der Planung eures Seminars brauchen, schaut doch gern in unserem Baukasten vorbei. Hier findet ihr außerdem eine Planungsvorlage, um Schritt für Schritt zu eurem individuellen SV-Tag zu gelangen. 64 Pimp my School – 1 × 1 der SV-Arbeit Beispielablauf eines Kick-off-Tags  Ziel Vertrauen schaffen und jede_r soll ­etwas gesagt haben Kontaktängste abbauen Austausch über die Situation an der Schule, Gemeinsamkeiten feststellen Kennenlernen der Möglichkeiten von SV-Arbeit Kennenlernen der SV-Rechte Passende Ideen und Themen für eure SV finden sowie Auswahl von Themen Projektplanung Präsentation Verbindliche Vereinbarungen treffen Wie geht’s weiter? Feedback Inhalt Name+ Klasse+ „SV-Arbeit bedeutet für mich...“ Was sind meine Hobbys? Welche Superkraft wünsche ich mir? Was würde ich mit 5 Millionen Euro machen? Was nervt mich gerade? Was würde ich ändern, wenn ich Schulleitung wäre? Welche Aufgaben haben Klassensprecher_innen? Was gefällt mir an der Schule und was stört mich? Mit welchen Themen sollte sich die Schülervertretung beschäftigen? Was läuft bisher gut in der Schülervertretung, was nicht? A bis Z von Aktionen anderer Schülerver­ tretungen und„Was ist SV-Arbeit?“ z. B. Sitzungen des Schülerrats innerhalb des Unterrichts möglich, Antragsrechte in der Schulkonferenz, Recht auf ein SV-Brett Welche Aktionen und Projekte sind realistisch zu schaffen und haben genug Interessierte, um daran zu arbeiten? Ziel unseres Projekts, Wege der Umsetzung, Unterstützer_innen, Probleme, die auftreten könnten Vorstellung der ersten Planungen Wer will wobei wirklich mitmachen? Wann ist das erste Treffen? Wann ist das nächste Treffen? „Für mich war der Tag...“ Methode Vorstellungsrunde (10 Min.) Kennenlernspiel, z. B. Speed­dating (15 Min.) World Café (30 – 45 Min.) Aktionsplaner und Video (30 Min.) SV-Quiz (45 Min.) Reality-Check (20 Min.) ZWUP (30 Min.) Galery Walk mit Plakaten(20 Min.) Handlungsplan (15 Min.) Gespräch in der Runde(15 Min.) Abschlussrunde (10 Min.) 3  S. 91  3  S. 26  3  S. 105  3  S. 10 6  3  S. 10 6  65 2.3. Den SV-Vorstand organisieren  2 2.3.1. Roadmap durch das SV-Jahr  Als frisch gewählter SV-Vorstand könnt ihr euch für die Planung eures SV-Jahres an folgenden festen Phasen orientieren: p Amtsantritt(Herbst), p den Schülerrat mehr in eure Arbeit einbeziehen(Winter), p eure Arbeit an der Schule bekannter machen(Frühjahr) sowie p den SV-Nachwuchs einarbeiten(Sommer). Was in den Phasen jeweils zu beachten ist, lest ihr nachfolgend. Phase 1: Amtsantritt des SV-Vorstands Für die Schülervertretung und eure Vorhaben ist es wichtig, dass sich der SVVorstand gut kennt und effektiv und gleichberechtigt zusammenarbeitet. Wenn bei Amtsantritt einige grundlegende Dinge miteinander absprecht, stärkt das eure Zusammenarbeit nachhaltig. Phase 2: Den Schülerrat aktiv einbeziehen Zu Beginn eurer Arbeit solltet ihr euch auf eure Zusammenarbeit im Vorstand konzentrieren und mit denen anfangen, die„von allein“ mitmachen wollen. Danach ist es wichtig, dass ihr eure Arbeit für den Schülerrat und andere Interessierte öffnet und Chancen zur Mitarbeit bietet. Das geht z. B., indem ihr: 3  S. 8 0  p einmal pro Monat für zwei Schulstunden eine regelmäßige Sitzung mit dem Schülerrat durchführt, p Themen mit dem ganzen Schülerrat entwickelt, p die Klassensprecher_innen und auch Schüler_innen regelmäßig über eure Arbeit informiert, p Projektgruppen aus dem Schülerrat heraus bildet, p Freiwillige in eure Arbeit einbindet, p die Weitergabe von Informationen an die Klassensprecher_innen sicherstellt, z. B. durch Social-Media-Profile, in denen aber nur z. B. die Jahrgangssprecher_innen oder der SV-Vorstand posten können. 66 Pimp my School – 1 × 1 der SV-Arbeit Checkliste: Amtsantritt von SV-Vorständen Kennenlernen: Nehmt euch Zeit, um etwas über die anderen zu erfahren und euch richtig kennenzulernen. Talente und Stärken klären: Wer von euch kann was gut? Wem macht was Spaß? Erstellt mit euren Stärken und Interessen ein SV-Profil. Erwartungen klären und Ziele setzen: Legt maximal drei Themen, Projekte oder Aktionen fest, an denen ihr zu Beginn arbeiten wollt. Plant nicht zu viele Dinge gleichzeitig. Aufgabenbereiche verteilen: Was sind die wichtigsten Aufgaben und wer übernimmt sie? Kommunikation: Wie bleibt ihr miteinander im Kontakt? Auf welchem Weg ­kommuniziert ihr? Wann habt ihr(keine) Zeit? Zeiten und Treffen festlegen: Legt eine feste SV-Pause oder-Stunde nach dem ­Unterricht fest, gegebenenfalls auch eine SV-Sprechzeit für eure Mitschüler_innen. Hilfsmittel nutzen: Schaut euch an, welche Vorlagen und Methoden es für Sitzungen, Projekte oder Öffentlichkeitsarbeit gibt, und wählt jeweils eine passende für euch aus. Jahresplan und Zwischenziele: Legt für eure Projekte und Vorhaben kleine Zwischenziele fest, damit ihr im Zeitplan bleibt. Tragt diese in einen SV-Jahresplan ein. Motivation aufrechterhalten: Überlegt euch, bevor ihr richtig loslegt, wie ihr euch selbst belohnt, bestärkt, feiert usw., um dauerhaft dabeizubleiben. Kontakt zu euren Vorgänger_innen: Kontaktiert die alten Schülersprecher_innen, um von ihren Tipps, Erfahrungen oder aber aus ihren Fehlern zu lernen. Unterstützung holen: Überlegt euch, was ihr von den SV-Berater_innen braucht, und besprecht das mit ihnen und wann ihr euch regelmäßig trefft. Wichtige Verbündete: Macht euch eine Liste von Leuten, die für eure Zusammenarbeit an der Schule wichtige Partner_innen sind, und entscheidet, wer von euch den Kontakt zu ihnen hält. 67 Phase 3: An der Schule bekannt werden Für eure Arbeit ist es hilfreich, wenn alle an der Schule wissen, wer ihr seid und was ihr macht. Im besten Fall gewinnt ihr sogar gleich Unterstützer_innen. Neben dem Sekretariat, dem_der Hausmeister_in und dem Schulelternrat ist es wichtig, dass ihr: 2 p euch bei euren Mitschüler_innen vorstellt: z. B. durch Klassenbesuche, Durchsagen, einen SV-Infobrief an die Klassensprecher_innen oder eine Schülervollversammlung; p die Schulleitung kennenlernt: Berichtet von euren Plänen, bittet um Unterstützung, z. B. durch Geld, Befreiungen vom Unterricht bei SV-Seminaren, oder aber darum, dass ihr auf der Lehrerkonferenz eure Arbeit vorstellen dürft. Legt am besten gleich einen regelmäßigen Termin für weitere Treffen mit der Schulleitung fest; p die Lehrer_innen informiert, einladet und um Unterstützung bittet, z. B. auf der Lehrerkonferenz und/oder einem Infoblatt im Lehrerzimmer. 3  S. 130  Phase 4: Arbeitet euren Nachwuchs früh ein Gegen Ende des Schuljahres solltet ihr die Übergabe eurer Arbeit an die nächste SV-Generation ins Auge fassen. Kümmert euch darum, dass junge Schülervertreter_innen von euch lernen und sich neue Interessierte schon mal einarbeiten können. Wichtig ist, dass ihr motivierend und offen seid, beispielsweise indem ihr Neuen Fragen statt Forderungen stellt(z. B.:„Könnt ihr euch vorstellen, Einladungen zu erstellen?“ statt„Macht die Einladungen!“). Um jüngere Schülervertreter_innen ins Boot zu holen, könnt ihr sie schuljahresbegleitend z. B. aktiv zu Sitzungen einladen und unverbindlich schnuppern lassen, eine offene Sprechstunde mit euch einberufen oder aber unverbindlich fragen, wer aus dem Schülerrat Interesse an der Arbeit im SV-Vorstand hat, und die Interessierten zu einem Miniworkshop einladen. 68 Pimp my School – 1 × 1 der SV-Arbeit Ab  AlabulfaueifneeisneSVs -SJVah-Jraehsres  Oft werden Termine erst sehr kurzfristig geplant und dann gibt es z. B. Probleme mit Lehrer_innen, die Schüler_innen dann nicht zu einer Sitzung gehen lassen wollen. Oft werden Termine erst sehr kurzfristig geplant und dann gibt es z. B. Probleme Besser ist es, wenn das SV-Jahr einmal mit groben Eckdaten durchgeplant wurde mit Lehrer_innen, die Schüler_innen dann nicht zu einer Sitzung gehen lassen und die Termine auch in den Schuljahresplan eingetragen werden. Der folgende wollen. Besser ist es, wenn das SV-Jahr einmal mit groben Eckdaten durchgePlan kann als Anregung für euren eigenen SV-Jahresplan dienen, der dann z. B. groß plant wurde und die Termine auch in den Schuljahresplan eingetragen werden. im SV-Raum ausgehängt wird. Der folgende Plan kann als Anregung für euren eigenen SV-Jahresplan dienen, der dann z. B. groß im SV-Raum ausgehängt wird. Zwischen Sommer- und Herbstferien p Wahlen Zwischen Sommer- und Herbstferien a. der Klassensprecher_innen, p Wahlen b. im Schülerrat: SV-Vorstand, für die Konferenzen, SV-Berater_innen, a. der Klassensprecher_innen, p Amtseinführung und Coaching des neuen SV-Vorstands, b. im Schülerrat: SV-Vorstand, für die Konferenzen, SV-Berater_innen, p SV-Tag: Kennenlernen, Themenfindung und Bildung von Projektgruppen. p Amtseinführung und Coaching des neuen SV-Vorstands, p SV-Tag: Kennenlernen, Themenfindung und Bildung von Projektgruppen. Zwischen Herbst-und Weihnachtsferien p Schülerratssitzung: Bericht aus den Projektgruppen, Zwischen Herbst-und Weihnachtsferien p SV-Fahrt: Zusammenwachsen und Planung von Projekten, p Schülerratssitzung: Bericht aus den Projektgruppen, p SV-Aktionen: Nikolausaktion, Weihnachtsaktion für Bedürftige, Kinoabend. p SV-Fahrt: Zusammenwachsen und Planung von Projekten, p SV-Aktionen: Nikolausaktion, Weihnachtsaktion für Bedürftige, Kinoabend. Zwischen Weihnachts-und Osterferien p Schülerratssitzung: Wie lief es bisher? Wo hakt es? Zwischen Weihnachts-und Osterferien p SV-Tag: Projektarbeit und Vorbereitung eines SV-Infotags und einer p Schülerratssitzung: Wie lief es bisher? Wo hakt es? Schülervollversammlung, p SV-Tag: Projektarbeit und Vorbereitung eines SV-Infotags und einer p SV-Aktionen: Valentinstagaktion, Lesenacht, Fußballturnier, Schülervollversammlung, p Schülervollversammlung. p SV-Aktionen: Valentinstagaktion, Lesenacht, Fußballturnier, p Schülervollversammlung. Zwischen Oster- und Sommerferien p Schülerratssitzung: Auswertung des SV-Jahres, Feedback, Kassenprüfung, Zwischen Oster- und Sommerferien p SV-Wissen festhalten, Wahlen für das neue Jahr vorbereiten, p Schülerratssitzung: Auswertung des SV-Jahres, Feedback, Kassenprüfung, p Belohnungsaktion für SV-Aktive: SV-Fest,-Grillen oder Eisessen, p SV-Wissen festhalten, Wahlen für das neue Jahr vorbereiten, p SV-Aktionen: Sportfest, Tag der offenen„SV-Tür“, Umwelttag. p Belohnungsaktion für SV-Aktive: SV-Fest,-Grillen oder Eisessen, p SV-Aktionen: Sportfest, Tag der offenen„SV-Tür“, Umwelttag. 69 2.3.2. Digitale Tools  Mithilfe von digitalen Tools, Webseiten und Programmen könnt ihr eure Sitzungen kreativer gestalten, Ideen sammeln, Abstimmungen durchführen, Projekte planen und die gemeinsame Arbeit organisieren. Die Tools können eine Unterstützung eurer bisherigen Arbeit sein und am besten probiert ihr aus, was zu euch passt. 2 Zusammenarbeit in Teams p Multifunktionale Tools, die Chatten, Kommentieren, den Austausch von Dateien und noch weitere Möglichkeiten miteinander kombinieren: Padlet, Slack, Microsoft Teams, Confluence Projektmanagement / Kalender / Organisation p Trello, HumHub, Asana, Google Calendar Terminsuche p Nuudel, Doodle, Google Forms Dateien teilen p Ordner erstellen und mit anderen teilen: Google Drive oder Dropbox p Große Dateien, die nicht in E-Mails passen, teilen: WeTransfer oder MyAirbridge Sitzungen und Treffen p Jitsi, Zoom, Google Hangouts, Wonder.me, Discord Präsentationen für Tagesordnungen, Ideen und Projekte p Präsentationen: Prezi, Google Slides, Genially p Online-Whiteboard: Miro, Mural, Conceptboard Plakate/Posts gestalten p Canva, Adobe Express 70 Pimp my School – 1 × 1 der SV-Arbeit Ideen sammeln und abstimmen p Oncoo, Tricider, MindMeister, Kahoot, Mentimeter, Slido, VOXR Feedback p Oncoo, BitteFeedback Gemeinsam gleichzeitig an Dokumenten arbeiten, Protokoll p YoPad, Google Docs Gekürzte Links teilen p bitly, kurzelinks QR-Codes erstellen p qr-code-monkey, qr-code-generator 71 2.3.3. Zeitfenster im Schulalltag schaffen  Für die Arbeit der Schülervertretungen sieht die Schule oft wenig Zeit vor. Also müsst ihr selbst gute Zeiten schaffen, um ins Arbeiten zu kommen. 2 Ihr habt folgende Möglichkeiten: p in der Pause: Einführung einer festen SV-Pause, zu der alle Interessierten eingeladen werden, p oder eine feste SV-Stunde nach dem Unterricht, p in den Klassen: Nutzung des Rechts auf Schülerversammlungen in den Klassen, um aus dem Schülerrat zu berichten und/oder Umfragen durchzuführen, p im Schülerrat: einmal pro Monat für zwei Schulstunden eine Sitzung und Nutzung der zweiten Stunde für Projektarbeit in Kleingruppen, p im Schuljahr: regelmäßige SV-Tage(Herbst, vor den Winterferien, vor den Sommerferien) oder eine SV-Fahrt unter der Woche oder übers Wochenende, p im Unterricht: Klassensprecherwahlen werden von der Schülervertretung zu Beginn des Schuljahres durchgeführt, p auf Schülervollversammlungen: für Werbung für die SV nutzen. Darüber hinaus kann die Schule selbst noch Zeiten zur Verfügung stellen, wie z. B. Nutzung der Projektwoche, Einführung einer SV-AG im Ganztag, … 72 Pimp my School – 1 × 1 der SV-Arbeit 73 3 Aufgabenbereiche  einer Schüler-  vertretung  3.1. Motivation schaffen  3 3.1.1. Das Abc des guten Teamgefühls  SV-Arbeit ist ehrenamtliche Arbeit, die ihr in eurer Freizeit leistet. Oft wird vernachlässigt, den dahinterstehenden Einsatz und die Energie anzuerkennen. SV-Arbeit sollte so gestaltet sein, dass ihr Spaß daran habt. Am besten, ihr begreift es als eine der wesentlichen Aufgaben in der Schülervertretung, euch für ein besseres Teamgefühl einzusetzen. Wenn andere die gute Stimmung bei euch mitbekommen, ist das auch gute Werbung. „Kennenlernen, Kennenlernen, Kennenlernen“ ist der Grundbaustein für SV-Arbeit – am besten als Teil JEDER Sitzung. Denn: Die meisten Schüler_innen brauchen erst einmal eine„Aufwärmzeit“, um gut gemeinsam arbeiten zu können. Optimal ist es, wenn sich irgendwann im Schülerrat(fast) alle mit Namen kennen – dadurch entstehen Vertrauen und Verbindlichkeit. 76 Pimp my School – 1 × 1 der SV-Arbeit Auf Treffen und Sitzungen  Gestaltet die Atmosphäre einladend Sorgt für eine angenehme Arbeitsatmosphäre mit selbst gestalteten SV-Räumen, Keksen, etwas Musik und Tee bei euren Treffen. Überlegt euch außerdem gut, zu welchen Zeiten ihr euch treffen wollt. Freitags in der siebenten Stunde könnte die Luft schon raus sein. Namen lernen Die Namen anderer Menschen zu kennen, hilft sich weniger fremd zu fühlen. Außerdem ist es angenehm, wenn man nicht sagen muss:„Hey, du da mit dem roten Pulli...“, sondern:„Hey, Lucia...“ Das geht z. B. mit Namensspielen und Namensschildern. Kennenlernspiele Hier geht es darum, Vertrauen und Sicherheit zu schaffen, indem man mehr übereinander erfährt. Dabei kann es z. B. sein, dass ihr herausfindet, dass ihr nicht die Einzigen seid, die gern Skateboard fahren oder sich für Umweltschutz einsetzen wollen. Durchmischte Sitzordnungen Alle werden gebeten, sich neben Leute zu setzen, die sie noch nicht kennen oder die in einem anderen Jahrgang sind. Dann wird zu Beginn der Sitzung ein„MiniSpeeddating“ durchgeführt, bei dem ihr euch mit euren Sitznachbar_innen zu einer vorgegebenen Kennenlernfrage austauscht. Patenschaften Damit sich neue Schülervertreter_innen wohlfühlen, könnt ihr ihnen„alte Hasen“ an die Seite stellen, d. h., dass z. B. neben Fünftklässler_innen immer eine erfahrene Person sitzt, die dem„Neuzugang“ Dinge erklärt und sich Zeit für Fragen nimmt. Ihr könnt dafür auch mit sogenannten Murmelrunden arbeiten, d. h., dass nach der Vorstellung wichtiger Punkte der Tagesordnung jeweils eine Minute gemurmelt wird in diesen Zweierteams, sodass auch die Neuen den Punkt gut verstehen. Energizer Energizer sind kurze Spiele für den Beginn von Treffen oder auch zwischendurch. Sie lockern die trockene und vielleicht auch einmal ernste Arbeitsstimmung auf, können neue Energien entzünden und bringen Schwung in die Runde. Es gibt Tausende von Spielen für Gruppen – und es gibt zu jeder Gruppe passende Spiele, auch für Spielmuffel. Am besten ist es, Spiele auszuwählen, bei denen man sich bewegen muss, um aus dem vielen Sitzen herauszukommen. Außerdem bringt das frischen Wind ins Gehirn. 77 Ermutigen Wenn Leute neue Ideen haben, sollten sie darin bestärkt werden, diese in die Tat umzusetzen. Wenn man den Eindruck gewinnt, dass es niemanden interessiert, was man zu sagen hat, zieht man sich schnell wieder zurück. 3 Loben Kritik fällt oft leicht, Lob jedoch schwer. Ziemlich viele Menschen geben in der SV-Arbeit ihr Bestes. Das sollte gelobt werden, auch öffentlich. Wertschätzendes und regelmäßiges Feedback einführen Damit eure SV-Arbeit dauerhaft aktiv, produktiv und spaßig bleibt, solltet ihr euch regelmäßiges Feedback angewöhnen. Das ist hilfreich, um zu erkennen, was gut funktioniert und was verändert werden muss. Bei folgenden Dingen könnt ihr auf regelmäßiges Feedback achten: Sitzungen des SV-Vorstands, Schülerratssitzungen oder Arbeit in Projektgruppen. Wichtig ist, dass das Feedback dafür genutzt wird, wirklich etwas zu verändern, sonst fühlen sich die Menschen, die das Feedback geben, auf Dauer nicht ernst genommen. Außerdem kommt es sehr auf die Form an: Oftmals wird Kritik verletzend geäußert. Damit Feedback wertschätzend ist, sollten folgende Regeln beachtet werden: p Es bezieht sich auf eine konkrete Situation. Beschrieben wird dabei nie eine Person, sondern ihr Verhalten. Ihr beschreibt z. B. so, wie eine Videokamera das aufnehmen würde:„Ich habe gesehen,...“ p Es enthält keine Bewertungen, Interpretationen, Vorwürfe oder Verallge­ meinerungen und statt„Du-Aussagen“ nur„Ich-Aussagen“. Ihr sprecht dabei über eure eigenen Gefühle und Wahrnehmungen, d. h., ich sage, wie ICH mich fühle, wie ICH die Sache verstanden habe, was ICH möchte. p Es informiert über die eigenen Wünsche und macht einen konkret umsetz­ baren Vorschlag(„Deshalb wünsche ich mir...“). Beispiel: „Ich habe mich bei dieser SV-Sitzung unwohl gefühlt, weil du mich zweimal unterbrochen hast, als ich gesprochen habe. Ich wünsche mir, dass du mich ausreden lässt.“ 78 Pimp my School – 1 × 1 der SV-Arbeit Außerhalb von Sitzungen  Gemeinsame SV-Aktionen SV-Arbeit soll auch Spaß machen. Also überlegt euch Aktionen an der Schule, die euch selbst Spaß und Freude bereiten, z. B. einen Mottotag, eine Valentinstagsaktion, die Gestaltung des SV-Raums oder-kastens. Teamherausforderungen meistern Bei Kooperationsübungen geht es darum, als Gruppe eine Aufgabe zu meistern. Kooperationsübungen werden nach der Durchführung gemeinsam reflektiert, um aus dem Verlauf etwas über sich und die Gruppe zu lernen. Beispielsweise muss man dabei„ein Moor durchqueren“, gemeinsam einen großen Turm bauen oder eine Eierflugmaschine herstellen ... Feiern Ihr habt in die Hände gespuckt und wirklich was gerockt? Dann ist’s Zeit für eine kleine Belohnung bzw. ausgelassenes Feiern, z. B. ein SV-Grillen, eine SV-Party oder einen gemeinsamen Filmabend. Freizeit gemeinsam verbringen Ein gutes Team- und Zusammengehörigkeitsgefühl könnt ihr fördern, indem ihr auch außerhalb der Schule Zeit miteinander verbringt. Das schweißt zusammen. Möglich sind z. B. ein SV-Wandertag, eine SV-Fahrt, gemeinsames Eisessen oder Pizzabacken. Danke sagen und Belohnungen Allzu oft wird das Danke-Sagen vergessen, weil wir viele Dinge für selbstverständlich halten. Zahlreiche Schüler_innen denken vielleicht, die Arbeit würde sich schon„von allein erledigen“. Es gibt aber ein gutes Gefühl, zu wissen, dass andere sich darüber freuen, was man gemacht hat. Danke sagen könnt ihr z. B. in der Schülerzeitung, mit kleinen Geschenken oder einer„Ahnengalerie“, d. h., dass Fotos der„alten“ Aktiven im SV-Raum aufgehängt werden. Wenn euch andere Menschen geholfen haben, lasst ihnen eine kleine Aufmerksamkeit zukommen. So haben sie bestimmt noch mehr Lust, euch beim nächsten Mal wieder zu unterstützen. 79 3 3.1.2. Freiwillige gewinnen  Oft arbeiten in der Schülervertretung nur Klassensprecher_innen mit. Meist gäbe es aber noch viel mehr Schüler_innen, die sich einbringen würden, wenn sie wüssten, dass das geht und wie das geht. In diesem Abschnitt soll es darum gehen, wie ihr, statt mit fünf bis sechs Engagierten zu arbeiten, viel mehr Schüler_innen einbinden könnt. Im Folgenden werden jeweils die Herausforderungen dazu und mögliche Lösungen beschrieben. Herausforderungen  3  S. 114  „Niemand kennt die SV“: offensive Öffentlichkeitsarbeit Die Grundlage für jede Mitarbeit ist es, überhaupt zu wissen, was es mit der Schülervertretung auf sich hat. Prüft doch einmal, ob mehr als die Hälfte der Schüler_innen eurer Schule weiß, dass es eine Schülervertretung gibt, woran sie gerade arbeitet und wen man bei eigenen Themen ansprechen kann. Wenn das Ergebnis ist, dass niemand die Schülervertretung kennt, könnt ihr z. B. eine Schülervollversammlung einberufen, eine Instagram-Kampagne zu Schülerrechten ins Leben rufen oder die Schülerversammlungen der Klassen mehr für Informationen aus dem Schülerrat nutzen. 80 Pimp my School – 1 × 1 der SV-Arbeit Eure Mitschüler_innen fühlen sich nicht angesprochen: Schafft Angebote für alle und ladet sie ein Damit sich das ändert, könnt ihr z. B.: p regelmäßig nach der Meinung aller Schüler_innen fragen, z. B. in Schülerversammlungen, Online-Umfragen oder auf Ideenwänden, die im Schulgebäude aufgestellt werden, p bekannt machen, dass in der SV-Arbeit jede_r mitarbeiten kann, z. B. durch die SV-Pause(siehe Kasten auf der nächsten Seite), p eine Sprechstunde zu einer festen Zeit ins Leben rufen, p ein SV-Café veranstalten, bei dem man euch und eure Arbeit beim Plaudern bei Tee und Kuchen kennenlernen kann. SV-Arbeit hat einen schlechten Ruf: Macht SV-Arbeit attraktiv und ­gestaltet deren Ruf aktiv mit Nach außen darf es nicht so aussehen, als wäre SV-Arbeit ausschließlich ­„Arbeit“. Es muss klar sein, dass die Mitarbeit in der Schülervertretung neue Kontakte, gute Laune und Spaß bedeutet. Hier ein paar Ideen, um die Schülervertretung attraktiver zu machen: p ein Imagefilm für die Schülervertretung, der verdeutlicht, wie cool SV-Arbeit ist und wie viel Spaß diese machen kann, p gemeinsame spaßige Aktionen, z. B. SV-Partys, SV-Grillen oder Just-for-Fun-Aktionen, p Anreize und Belohnungen für euer Engagement, z. B. Gutscheine für erfolgr­eiche Projekte, Ehrungen, Zeugnisvermerke, p angenehme Gestaltung der Räume, in denen ihr euch aufhaltet. Es wirkt viel zu kompliziert mitzuarbeiten: Schafft einfache und allen bekannte Möglichkeiten, sich leicht einzubringen Viele Schüler_innen haben Lust, sich für etwas einzusetzen. Das klappt am besten, wenn es aktuell ein konkretes Projekt oder eine Aufgabe gibt, die in überschaubarer Zeit abgeschlossen werden kann. Es geht also darum, viele kleine und große Möglichkeiten zu schaffen, zeitweise mitzuarbeiten – ohne sich gleich z. B. für ein ganzes Jahr wählen zu lassen. Im Kasten auf der nächsten Seite findet ihr vier Möglichkeiten, wie Interessierte gut mitarbeiten können. 81 Möglichkeiten für Freiwillige, aktiv zu werden  Eine SV-Pause einführen Das bedeutet, dass es eine feste Pause gibt, die allen bekannt ist und in der der SV-Vorstand und alle weiteren aktiven Schüler_innen sich treffen, um aktiv an Projekten oder Themen zu arbeiten. Jede_r, egal ob gewählt oder nicht, kann dazukommen. Ein solches offenes SV-Team könnt ihr einführen, wenn ihr merkt, dass der Schülerrat inaktiv oder die gewählten Klassensprecher_innen wenig motiviert sind, dafür aber nicht gewählte Schüler_innen Lust auf die Schülervertretung haben. So können alle mal in die SV-Arbeit reinschnuppern und werden im Idealfall sogar im nächsten Jahr zu Klassensprecher_innen gewählt. 3 SV-Helfer_innen Manche Aufgaben und Jobs können leicht von Mitschüler_innen übernommen werden, die nicht Teil des SV-Vorstands oder des Schülerrats sind, z. B. Plakate erstellen, beim Kuchenverkauf helfen oder DJ für die nächste Schulparty sein. Indem ihr kleine Möglichkeiten zum Mitmachen schafft, weckt ihr Neugier auf mehr und macht die SV-Arbeit für alle zugänglich. Ihr könnt sogar ein offizielles Amt daraus machen: das des_der SV-Helfers_in. Dafür bietet sich eine Chatgruppe oder Liste von allen Mitschüler_innen an, die Lust haben, euch zu unterstützen, wenn es gebraucht wird. Auf diesen„Helferpool“ könnt ihr dann zurückgreifen, wenn ihr z. B. bei den SV-Wahlen, einem Getränkeverkauf oder der Mitorganisation eines Events Hilfe benötigt. SV-Praktikant_innen An einigen Schulen, an denen Schüler_innen in Klasse 8 oder 9 ein soziales Praktikum ableisten müssen, ist es möglich, das Praktikum bei der Schülervertretung zu absolvieren. Aufgaben könnten z. B. sein: Unterstützung bei Projekten wie Valentinstagsaktion, SV-Logo-Entwicklung oder Vorbereitung der SV-Sitzung – oder gleich das Planen einer Image- und Bekanntheitskampagne für eure Arbeit? Sie schnuppern rein und wollen, wenn ihr Glück habt, euch danach vielleicht sogar weiter unterstützen. Zusätzliche Mitglieder für den Schülerrat Das Schulgesetz erlaubt in einigen Bundesländern, dass nicht zum_zur Klassensprecher_in gewählte Schüler_innen in den Schülerrat kommen, indem sie dort mit einer Mehrheit gewählt werden. Das Schulgesetz in Mecklenburg-Vorpommern sieht das nicht vor. Aber auch Schulleiter_innen wissen, dass häufiger sehr engagierte Schüler_innen nicht zum_zur Klassensprecher_in gewählt werden und stattdessen einige Klassensprecher_innen weniger motiviert sind. Ihr könnt also bei eurer Schulleitung mit Verweis auf andere Schulgesetze fragen, ob ihr diese Regelung einführen dürft, sodass auch nicht gewählte Klassensprecher_innen z. B. für die Schülerratssitzungen vom Unterricht freigestellt werden. 82 Pimp my School – 1 × 1 der SV-Arbeit 3.1.3. Selbst motiviert sein und bleiben  SV-Arbeit bringt Freude und das Gefühl, etwas verändern zu können. Irgendwann ist aber auch bei jedem_jeder einmal die Luft raus. Deswegen ist es wichtig, dass du auf dich selbst achtgibst. Hier findest du ein paar wichtige Tipps für nachhaltiges Engagement, die du im Hinterkopf haben solltest. Dafür könntest du sie dir als Erinnerung im Alltag beispielsweise auf Post-its notieren, die du in deinem Zimmer oder im SV-Raum verteilst. Übung Macht gemeinsam ein Brainstorming zu den Fragen: Was motiviert euch und was braucht ihr, um motiviert zu bleiben? Die Ergebnisse könnt ihr dann in eure Arbeit integrieren und an die_den Wohlfühlbeauftragte_n im SV-Vorstand weitergeben. Empfehlungen p Arbeite an Themen, die dir wirklich am Herzen liegen. Achte dabei darauf, dass du deine Stärken nutzen kannst und die Arbeit dir Spaß macht. p Sei realistisch mit deinen Kräften und deiner Zeit. Lerne, Nein zu sagen, also Aufgaben abzulehnen, die gerade für dich nicht passen. So trägst du langfristig viel mehr zur Schülervertretung bei, als wenn du dich überlastest. p Lerne, Aufgaben abzugeben. Hast du zu viel zu tun, frag andere, ob sie dir helfen können, z. B. in der Schülerratssitzung oder der SV-Chatgruppe. p Weniger ist mehr: Setz dir realistische Ziele mit guten Erfolgsaussichten. ­Konzentriere dich auf wenige Themen, statt das Gefühl zu haben, nie fertig zu werden. p Feiere Erfolge: Verabrede dich mit anderen, um hochleben zu lassen, was ihr alles bewirkt(habt). Haltet Positives fest, z. B. in einem gemeinsamen OnlineDokument, eurem„Goldstaub-Pad“. p Fühl dich nicht für alles verantwortlich. Die Welt geht nicht unter, wenn mal eine Veranstaltung nicht perfekt durchgeplant ist. Am wichtigsten ist immer, dass du dich nicht überforderst; alles andere kann zur Not auch warten. p Lass dich nicht von Misserfolgen frustrieren und fühl dich nicht dafür schuldig. Es läuft nicht immer alles wie erwartet, das gehört dazu. Nutze Misserfolge, um daraus für kommende Vorhaben zu lernen. p Verzeih dir selbst deine Fehler. Wenn du mal vergessen hast, eine Aufgabe zu erledigen, erklärst du das einfach den anderen und machst dich deswegen nicht verrückt. Das passiert jedem_jeder mal. p Gib acht auf dich: SV-Arbeit ist nicht immer Zuckerschlecken. Oft wird du auch Gegenwind bekommen. Also brauchst du von außerhalb schöne Dinge wie Musik, Hobbys oder Freund_innen. Achte außerdem auf genug Pausen. p Gib acht auf dein Team: Wenn sich alle wohlfühlen, läuft auch die SV-Arbeit besser. Macht gemeinsame Pausen und nehmt euch Zeit für Spaß und Soziales. 83 3.2. Lebendige Sitzungen  3 3.2.1. Moderation – oder die Kunst, Sitzungen zu leiten  Moderation bedeutet, eine Sitzung zu leiten und darauf zu achten, dass die Gruppe zu einem zufriedenstellenden Ergebnis kommt. Gibt es keine Moderation, laufen Sitzungen oft unstrukturiert und frustrierend ab. Ihr findet hier die wichtigsten Informationen darüber, was ihr als Sitzungsleitung beachten müsst. Dabei ist noch kein_e Meister_in vom Himmel gefallen. Es ist daher normal, dass euch nicht alles gleich gelingt. Selbst erfahrene professionelle Moderator_innen brauchen mehrere Jahre, um sicher moderieren zu können. Seid gut vorbereitet Gute Vorbereitung gibt euch Sicherheit während der Sitzung. Dazu zählt, zu wissen, welche Themen besprochen werden sollen, was vorbereitet werden muss und wie das Treffen gestaltet sein soll. Legt Ziele für die Sitzung fest und bleibt während des Treffens dabei Zu Beginn der Sitzung solltet ihr bei der Vorstellung der Tagesordnung den anderen schon sagen, was ihr mit der Sitzung genau erreichen wollt. Das gibt ihnen Orientierung, und ihr könnt während der Diskussionen eingreifen, wenn ihr euch vom Thema zu sehr entfernt. Seid einladend Die Atmosphäre eines Treffens ist ganz entscheidend für das Gelingen und dafür, ob andere Lust haben, wiederzukommen. Sorgt vor und während des Treffens für gute Stimmung, z. B. indem alles schon gut vorbereitet ist, wenn eure Mitschüler_innen kommen, durch eine herzliche Begrüßung, ein Lächeln, ein Spiel oder Auflockerung zwischendurch. Beginnt und endet immer positiv Mit einem positiven Einstieg sorgt ihr dafür, dass sich zu Beginn der Sitzung alle wohlfühlen und gern dabeibleiben. Genauso dient ein positiver Abschluss, z. B. mit einem Dank, dazu, dass die Teilnehmenden mit guter Stimmung aus der Sitzung gehen und Lust haben, die besprochenen Aufgaben umzusetzen und in ihre Klasse zu tragen. Visualisiert Ziele, Tagesordnung und Diskussionsverlauf für alle Alles Wichtige sollte immer für alle sichtbar sein. Ihr helft Teilnehmenden bei Diskussionen, sich zu beteiligen, wenn Diskussionsverlauf, Argumente und Vorschläge für alle festgehalten werden. 84 Pimp my School – 1 × 1 der SV-Arbeit Arbeitet mit verschiedenen Rollen Je mehr Personen an der Sitzung teilnehmen, desto eher braucht ihr mehrere Personen, die Aufgaben übernehmen. Es ist entlastend, wenn jeweils zwei Personen eine Rolle übernehmen. Wenn ihr dann von Sitzung zu Sitzung die Rollen wechselt, können unterschiedliche Menschen unterschiedliche Aufgaben erlernen. Vorschläge für Rollen findet ihr auf der nächsten Seite. Seid präsent, klar und stellt präzise Fragen Haltet Augenkontakt zu den Teilnehmenden, sprecht laut und deutlich in die Runde und gebt kurze und verständliche Arbeitsaufträge. Die Fragen, die ihr stellt, sollten keine Erklärungen benötigen. Bindet alle Teilnehmer_innen ein Aktiviert die Teilnehmenden, indem ihr selbst mehr fragt als redet. Vielredner_innen solltet ihr frühzeitig und höflich bremsen. Das gilt gerade für Erwachsene. Achtet ebenfalls auf die„Stilleren“. Bleibt auf Augenhöhe Als Moderation müsst ihr darauf achten, dass ihr weiter ein Mitglied der Gruppe seid und keine Person, die höhergestellt ist. Seid euch eurer machtvollen Rolle bewusst und vermeidet demotivierende Sätze wie:„Das hatten wir alles schon.“ Wenn eine Person aus dem Moderationsteam eine eigene Meinung vertreten möchte, sollte sie das deutlich machen, z. B.:„Ich spreche jetzt nicht als Moderator_in, sondern als Schüler_in…“ Achtet auf konkrete Vereinbarungen Damit Treffen effektiv sind und es vorangeht, muss am Ende eines Tagesordnungspunktes genau festgelegt und aufgeschrieben werden, wer bis zum nächsten Mal was genau macht. Das kann dann zu Beginn des nächsten Treffens überprüft werden. Achtet auf Störungen und geht auf sie ein Beachtet die Mimik und Gestik der anderen. Brauchen sie eine Pause, um etwas zu trinken, oder langweilen sie sich? Dann solltet ihr darauf eingehen. Die Teilnehmenden hören sonst irgendwann nicht mehr zu. Wenn Leute absichtlich stören, solltet ihr sie ermahnen, in der Pause mit ihnen sprechen und als letzte Option auch von der Sitzung ausschließen. Seid flexibel und habt einen Plan B im Hinterkopf Manchmal laufen Sitzungen anders als geplant. Es ist dann wichtig, dass ihr eure Tagesordnung nicht„durchdrückt“, sondern anpasst. Dazu kann auch gehören, Themen auf einen späteren Zeitpunkt zu verlegen, Zeiten zu ändern oder eine Pause vorzuschlagen, die nicht eingeplant war. Löst euch von dem Anspruch, alles schaffen zu müssen, und vertraut auf das eigene Bauchgefühl, um herauszufinden, was eure Gruppe gerade braucht. 85 Mögliche Rollen auf einer Sitzung  Aufbau und Vorbereitung Die Person unterstützt bei der Vorbereitung der Sitzung, z. B. der Verteilung der Stühle oder der Vorbereitung des Raums, oder besorgt Kekse, Getränke oder aber passende Musik. 3 Moderation Die Moderation überlegt sich vorher die Zielsetzung des Treffens, bereitet es vor, leitet durch die Sitzung und sorgt dafür, dass es ein angenehmes und effektives Treffen wird. Visualisierung Um Themen, Fragen oder Aufträge für alle verständlich zu gestalten, macht diese Person sie auf einer Tafel, in einer Präsentation oder auf einem Plakat sichtbar(verschriftlicht oder als Grafik). Motivation/Spaß Diese Person achtet darauf, dass Pausen gemacht werden, wenn die Sitzung zu zäh, langwierig oder unkonzentriert wird, und hat ein Warm-up-Auflockerungsspiel parat. Redeliste Die Beauftragten für die Redeliste behalten den Überblick, wer etwas sagen will. Meldet sich jemand, wird er_sie auf die Liste geschrieben und es wird der Reihe nach aufgerufen. Als Hilfestellung könnt ihr einen Redegegenstand wie einen Ball nutzen, um zu signalisieren, wer als Nächstes sprechen darf. Zeitwächter_in Der_die Zeitwächter_in erhält die Tagesordnung mit der Zeitplanung und ist dafür da, darauf hinzuweisen, wenn ihr euch während der Diskussion dem Ende der eingeplanten Zeit nähert. Dann gibt’s drei Möglichkeiten: Der Punkt wird abgeschlossen, der Punkt wird aufs nächste Mal verschoben oder der Punkt wird ausdiskutiert und andere Punkte fallen dafür weg. Zeitwächter_innen können auch dafür eingesetzt werden, die Redezeit zu begrenzen, z. B. wenn ihr Vielredner_innen dabeihabt, die andere nicht zu Wort kommen lassen. Protokoll Das Protokoll sollte die wichtigsten Ergebnisse sowie Vereinbarungen enthalten. Ideal ist es, wenn ihr euch einen Laptop organisiert und das Protokoll schon während der Sitzung getippt wird. So kann es danach leichter verbreitet werden. 86 Pimp my School – 1 × 1 der SV-Arbeit 3.2.2. Attraktive Sitzungen gestalten  Eure Sitzungen sind von Schüler_innen für Schüler_innen. Das heißt vor allem, dass sie nicht nur reine Pflichterfüllung sein müssen, sondern auch Spaß, Freude und Motivation schaffen sollen. Was dabei wichtig ist, erfahrt ihr hier. Einladungen an alle: Die Einladung hat alle Klassensprecher_innen erreicht, z. B. über eine Chatgruppe mit allen Klassensprecher_innen. Alle Lehrer_innen wissen mindestens eine Woche vorher, dass eine Sitzung stattfindet. Vorbereitung und Moderation: Die Sitzung wird von Schüler_innen vorbereitet und durchgeführt. Es gibt eine vorher bekannt gemachte Tagesordnung sowie mehrere Personen, die die Moderation unterstützen, z. B. indem sie eine Redeliste führen oder auf den Zeitplan achten. Persönliche Atmosphäre: Die meisten Schüler_innen kennen sich mit Namen. Dies wird erreicht, indem z. B. Namens-/Kennenlernspiele gespielt, Namensschilder aufgestellt werden und/oder am Anfang des Schuljahres ein Kennenlerntag veranstaltet wird. Ihr sitzt so, dass alle von allen gesehen werden können und das Gefühl entstehen kann, dass alle gleichberechtigt zusammenarbeiten, z. B. durch einen Stuhlkreis. Möglich ist auch, dass es eine festgelegte Sitzordnung gibt, damit klar ist, wo bestimmte Jahrgänge sitzen. Ihr könnt euch aber auch so setzen, dass immer junge neben erfahrenen Schülervertreter_innen sitzen. Regelmäßigkeit: Die Termine werden im Voraus für das ganze Schuljahr in den Schuljahresplaner eingetragen. Die Sitzung findet regelmäßig statt, z. B. einmal pro Monat für zwei Schulstunden. Die betroffenen Stunden wechseln, sodass nicht immer derselbe Unterricht ausfällt. Freundliche Stimmung: Schon beim Ankommen merkt man, dass die Sitzung von Schüler_innen für Schüler_innen ist, z. B. indem Musik läuft, es Getränke und Kekse und/oder ein Willkommensplakat gibt. Ihr geht außerdem immer respektvoll miteinander um. Verbindlichkeit und Anwesenheit aller Klassensprecher_innen: Für jüngere Schüler_innen gibt es einen„Abholservice“, d. h., dass sie von Älteren vorher aus der Klasse abgeholt werden. Ihr könnt euch außerdem die Stundenpläne aller Klassen besorgen, um auch spontan noch Klassensprecher_innen abzuholen. Es gibt einen„SV-Vertrag“, in dem sich Klassensprecher_innen verpflichten, zu kommen und aktiv mitzuarbeiten. Mehr Verbindlichkeit schafft ihr z. B,. indem ihr bei Sitzungen die Anwesenheit kontrolliert und darum bittet, dass diejenigen, die nicht kommen, sich vorher abmelden. Ansprechende Gestaltung: Die Sitzung ist abwechslungsreich gestaltet, z. B. mit Visualisierungen, einem kleinen Video oder einem Spiel. Es gibt auch Pausen. Attraktive Themen: Die Themenvorschläge kommen meist von Schüler_innen. Ihr bearbeitet Themen, die lösbar und motivierend sind. Deshalb haben viele Schüler_innen auch Lust, selbst an Themen zu arbeiten. Wenn das nicht so ist, setzt ihr Methoden zur Themenfindung ein, wie z. B. Traumschule. 3  S. 10 4  87 3  S. 89  Einbeziehung aller: Eure Sitzung ist so gestaltet, dass meist nicht in der großen Gruppe, sondern so gesprochen wird, dass sich alle beteiligen können, z. B. Murmelphasen, Fishbowl, World Café, Kleingruppen, Meinungsbarometer.„SV-Neulingen“ könnt ihr den Einstieg mit kleinen, überschaubaren Aufgaben erleichtern. Dafür eignet sich beispielsweise ein etwa fünfminütiger„Aufgabenmarkt“ am Ende jeder Schülerratssitzung. Alle, die Unterstützung bei einem Projekt oder einer Veranstaltung benötigen, können hier kurz Aufgaben vorstellen und im Anschluss kann man sich bei ihnen melden, um diese zu übernehmen. 3 Informationsweitergabe nach den Sitzungen: Ihr sichert ab, dass das Besprochene wirklich in den Klassen in der Schülerversammlung berichtet wird, z. B. durch ein vorgefertigtes Lückenprotokoll für alle Schüler_innen, eine gemeinsame Zeit am Ende der Sitzung, in der gemeinsam Ergebnisse aufgeschrieben werden, und ein Protokoll, das in die Fächer der Lehrer_innen gelegt wird. Feedback am Ende der Sitzung: Die Sitzungen„entwickeln“ sich, weil ihr am Ende nach Feedback fragt – allerdings nicht in der großen Runde, sondern mit passenden Methoden, wie z. B. SMSFeedback, Blitzlicht, Feedbackzettelchen. Außerdem wertet ihr die Sitzung danach aus und überlegt, ob ihr etwas bzw. was ihr beim nächsten Mal anders machen wollt. Feedback Persönl ich be eiterga ationsw Inform Einb ezie hung a ller Attraktive Themen estaltung G inladungen E Vorbereitung/Moderation Freu ndlic he Atm osp häre Anwes enheit Freundliche Stimmung keit äßig Regelm 88 Pimp my School – 1 × 1 der SV-Arbeit 3.2.3. Methoden für aktivierende Sitzungen  Damit sich möglichst alle als wichtiger Bestandteil eines Treffens fühlen und motiviert sind, empfiehlt es sich, verschiedene Methoden für unterschiedliche Tagesordnungspunkte einzusetzen. Wichtig ist, dass ihr insgesamt die Balance zwischen Spaß, Effektivität und der Beteiligung aller Schüler_innen haltet. Ihr findet hier eine Auswahl an beliebten Methoden. Ampelkarten (5 – 15 Minuten) Die Methode eignet sich gut für große Gruppen und macht schnell Stimmungen in einer Gruppe sichtbar. Jede_r aus der Gruppe erhält eine grüne, gelbe und rote Moderationskarte. Die Moderation stellt eine Frage und die Teilnehmenden legen mit den Karten ihre Antwort. Grün bedeutet„Ja oder sehr“. Gelb bedeutet„Mittel, unklar oder unentschieden“ und Rot„Nein oder nicht“. Beispiel: „Ich konnte heute gut meine Ideen einbringen.“ Nun legen die Teilnehmenden ihre Karte vor sich hin. Die Moderation kann dann gezielt Schüler_innen ansprechen, die eine bestimmte Kartenfarbe gelegt haben. Blitzlicht (5 – 15 Minuten) Beim Blitzlicht wird eine Frage gestellt, die alle der Reihe nach sehr kurz beantworten sollen, z. B.: „Wie geht’s dir gerade?“ Reihum sagen alle dann einen Satz mit maximal einem„und“, z. B.:„Ich habe gute Laune und bin etwas müde.“ Daumenfeedback (2 – 3 Minuten) Beim Daumenfeedback wird eine Frage in den Raum gestellt, die alle Teilnehmenden mit ihrem Daumen beantworten. Der Daumen kann hoch, in die Mitte oder nach unten zeigen. Abstufungen dazwischen sind auch möglich. Wird z. B. die Frage gestellt:„Wie zufrieden seid ihr mit den Ergebnissen der heutigen SV-Sitzung?“, zeigen alle gleichzeitig ihren Daumen vor. So lässt sich leicht schnell einschätzen, wie eine Gruppe zu einer Frage steht. Das Daumenfeedback kann auch eingesetzt werden, um während Diskussionen ein Stimmungsbild zu erfahren, oder aber am Ende von Seminaren, indem mehrere Fragen zur Auswertung hintereinander gestellt werden. Gegebenenfalls kann auch gefragt werden, ob jemand Lust hat zu begründen, warum der Daumen so oder so zeigt. Fishbowl (25 – 35 Minuten) Die Fishbowl-Methode ist eine Möglichkeit, sehr effektiv eine Diskussion in einer großen Gruppe zu führen. Dabei diskutieren nur wenige, gleichzeitig können sich aber alle einbringen. Dazu wird mit Stühlen ein Innen- und ein Außenkreis gebildet. Der Innenkreis sollte maximal fünf Stühle enthalten. Der Außenkreis kann bis zu 30 Stühle haben. Im Innenkreis wird die Diskussion geführt. Der Außenkreis hört zu und unterstützt damit die Diskussion. Zu Beginn setzen sich Freiwillige in die Mitte und lassen dabei einen Stuhl frei. Dann wird in der Mitte begonnen, über eine vorgegebene Frage zu diskutieren. Hat jemand aus dem Außenkreis Lust mitzudiskutieren, so setzt er_sie sich auf den leeren Stuhl im Innenkreis. Das bedeutet, dass jemand anderes aus der Mitte den Kreis verlassen muss und sich nach außen setzt. Die neue Person steigt dann einfach in die Diskussion ein. Ein Stuhl muss in der Mitte immer frei bleiben, sodass Interessierte stets hineinwechseln können. Nachdem ein neuer Punkt eingebracht wurde, wechseln die Personen freiwillig wieder nach außen. 89 Kartenabfrage und Clustern (5 – 15 Minuten) Bei einer Kartenabfrage bekommt eine Gruppe oder ein_e einzelne_r Schüler_in eine oder mehrere Moderationskarten. Zu einer vorgegebenen Frage sollen Antworten auf die Karten geschrieben werden. Wichtig ist es, dass nur ein Gedanke auf eine Karte geschrieben wird, also maximal sieben Wörter auf drei Zeilen und lieber kurze Halbsätze als Schlagworte. Danach können die Karten sortiert und Gleiches oder Ähnliches zusammengebracht werden, sodass eine übersichtliche Zusammenfassung aller Ideen entsteht. Das wird Clustern genannt. Beispiel: Eine Gruppe von 20 Schüler_innen wird in vier kleine Gruppen eingeteilt. Jede Gruppe erhält drei Moderationskarten. Die zu beantwortende Frage lautet:„Welche Ideen für SV-Projekte habt ihr?“ Ihr erhaltet aus den Gruppen insgesamt zwölf Vorschläge. Da vermutlich einiges doppelt genannt wird, habt ihr nach dem Clustern sechs bis zehn Vorschläge für die Weiterarbeit. 3 Kleingruppen (15 – 35 Minuten) Kleingruppen haben den großen Vorteil, dass sich viel mehr Teilnehmende aktiv in die Diskussion einbringen können. Sie können aus drei bis sechs Personen bestehen. Die Kleingruppen können unterschiedliche Aufgaben bearbeiten oder aber auch dieselbe. Wichtig ist, dass sie einen sehr klaren, am besten schriftlichen Arbeitsauftrag bekommen. Eine Kleingruppe sollte mindestens 15, besser 20 Minuten arbeiten können. Die Ergebnisse werden nach der Kleingruppenphase kurz und knackig präsentiert. Beispiel:„Diskutiert, welche Ziele die Schülervertretung nächstes Schuljahr verfolgen soll. Macht drei Vorschläge und bereitet euch darauf vor, sie in der großen Gruppe kurz vorzustellen. Ihr habt dafür 20 Minuten Zeit.“ Meinungsbarometer (10 – 25 Minuten) Dafür wird eine Linie durch den Raum mit Kreppband geklebt. Am einen Ende wird ein A4-Zettel mit„100 %/ Ja“ ausgelegt, am anderen Ende ein A4-Zettel mit„0 %/ Nein“ und in die Mitte ein Zettel mit„50 %“. Dazwischen könnt ihr weitere Zettel mit„10 %“,„20 %“ usw. legen. Nun wird eine Aussage oder Frage vorgelesen, der man zustimmen oder die man ablehnen kann. Sie sollte für alle sichtbar aufgeschrieben sein. Je nachdem, wie sehr man der Aussage nun zustimmt, stellt man sich entlang der Linie auf. Die Moderation kann dann einzelne Personen dazu befragen, warum sie jeweils dort stehen, wo sie stehen. Nacheinander können so mehrere Fragen bearbeitet werden. Da langes Stehen anstrengt, solltet ihr maximal fünf Fragen stellen. Beispiel:„Ich glaube, dass an unserer Schule alle Schüler_innen gut über ihre Rechte informiert sind.“ Murmelgruppen (2 – 3 Minuten) Murmelgruppen bieten eine kleine„Auszeit“ vom Sprechen in der großen Gruppe. Dafür dreht man sich zu einem oder zwei Sitznachbar_innen um und„murmelt“ in der eigenen Minigruppe über das aktuelle Thema, das diskutiert wird. Murmelgruppen können sehr gut eingesetzt werden, bevor in einer Runde etwas abgefragt wird, weil durch die zusätzliche Zeit, sich auszutauschen, meist mehr Ideen in der Gruppe zu besprechen sind und Sicherheit entsteht. NÜM-Methode (15 Minuten) NÜM steht für nachdenklich – überraschend – merkwürdig.„Merkwürdig“ kann dabei bedeuten: „Ich möchte es mir merken“ oder„Das war seltsam“. Wenn reihum Feedback gegeben wird, sind das die drei Kategorien, zu denen jede Person antwortet. Punktabfrage (10 Minuten) Durch eine Punktabfrage wird die Stimmung in einer Gruppe abgefragt. Dabei erhalten alle Teilnehmenden z. B. drei Klebepunkte und können diese auf unterschiedliche Möglichkeiten, die zur Auswahl stehen, verteilen. Gibt es z. B. fünf Möglichkeiten, so können die Punkte wie folgt verteilt werden: alle drei auf eine Möglichkeit, zwei auf eine und eine auf eine andere oder aber alle drei Punkte auf unterschiedliche Möglichkeiten. Wenn das alle getan haben, werden die Punkte zusammengezählt und es lässt sich leicht erkennen, welche Möglichkeit gerade die größte Zustimmung erfährt. 90 Pimp my School – 1 × 1 der SV-Arbeit Redekarussell (20 Minuten) Beim Karussell stehen sich ein Innen- und ein Außenkreis aus Personen gegenüber. Im Innen- und im Außenkreis muss die gleiche Anzahl von Personen vorhanden sein, sodass jede_r ein_e Partner_in hat. Nun wird eine Frage gestellt, die jeweils von den beiden Partner_innen besprochen wird. Dafür können ein bis zwei Minuten Zeit gegeben werden. Danach dreht sich ein Kreis um eine Position, sodass jede_r jetzt vor jemand anderem steht. Nun sprechen die neuen Paare zu einer neuen Frage miteinander. Das kann fünf- bis achtmal wiederholt werden, bis möglichst viele miteinander gesprochen haben. Aufeinanderfolgende Fragen könnten z. B. sein:„Was bedeutet SV-Arbeit für mich?“, „Was wäre der größte Erfolg für unsere SV-Arbeit?“,„Welche Ideen für SV-Projekte hast du?“,„Was kannst du gut, was uns helfen könnte?“. SMS-Feedback (5 Minuten) Die Rückkehr der SMS! Dabei erhält jede_r eine Moderationskarte und soll darauf eine SMS zu einer Fragestellung schreiben, z. B.:„Wie fandest du das SV-Seminar / die Sitzung / ...?“ Alle haben dann mit 160 Zeichen die Möglichkeit, ihr Feedback auf die Karte zu schreiben. Sämtliche Moderationskarten werden eingesammelt, aber nicht vorgelesen – eine ruhige und anonyme Möglichkeit, Feedback zu geben. World Café (35 – 60 Minuten) In einem Raum werden unterschiedliche Tischgruppen aufgestellt, z. B. vier Tische mit jeweils vier bis sechs Stühlen drum herum. Auf jeden Tisch wird ein leeres Plakat mit einer Frage und dicken Stiften gelegt. An jeden Tisch setzt sich eine gastgebende Person, die die Tischarbeit begleitet. Alle Teilnehmer_innen können sich nun an einen Tisch ihrer Wahl setzen. Alles, was gesagt wird und wichtig erscheint, wird auf dem Poster des Tisches notiert – also all eure Ideen, Gedanken und Meinungen zu dem Thema. Nach einiger Zeit kann ein Signal ertönen als Zeichen, den Tisch zu wechseln. Das Geräusch kann später wiederholt werden. Es besteht aber kein Zwang zu wechseln. Nach ca. 25 – 45 Minuten wird die Arbeit beendet. Es schließt sich eine Lesephase an, in der alle lesen können, was in der Zwischenzeit aufgeschrieben wurde, als sie sich an einem anderen Tisch befunden haben. Einzelne Plakate können in der großen Gruppe noch einmal kurz besprochen und dann damit weitergearbeitet werden. Beispiele für Fragen:„Welche neuen Ideen für Projekte habt ihr?“,„Was stört euch gerade an der Schule?“,„Was gefällt euch besonders gut an der Schule?“, „Welche Ideen habt ihr, wie wir uns besser kennenlernen können?“. Ruherituale Es gibt Gruppen, denen dabei geholfen werden muss, ruhig zu werden. Dafür können Ruhe­ rituale eingeführt werden. Nach dem Ritual soll Ruhe einkehren. Möglich sind: p eine Klangschale, p gemeinsames Klatschen eines festgelegten und eingeübten Rhythmus: Am Ende sind dann alle still. Alle, die bei Beginn noch sprechen, sind eingeladen, in den Rhythmus einzusteigen – bis alle mitmachen, p Heben der Hand: Alle, die die Hand heben, zeigen damit, dass sie nicht mehr sprechen. Irgendwann sind sämtliche Hände gehoben und es kann weitergemacht werden, p Summen, bis alle still sind: Eine Person fängt an zu summen. Die anderen stimmen mit ein, so lange, bis alle summen und niemand mehr spricht. Dann kann es entspannt losgehen. 91 3 3.2.4. Effektiv im Schülerrat zusammenarbeiten  Es gibt Schülervertretungen, in denen die Hälfte der Klassensprecher_innen in Projektgruppen aktiv sind und sich Schüler_innen auf jede Sitzung freuen. Damit auch ihr dahinkommt und ihr das Potenzial des Schülerrats nutzen könnt, findet ihr hier einige Tipps. 3  S. 56  Die„richtigen“ Klassensprecher_innen sollten gewählt sein Habt ihr den Eindruck, dass viele der gewählten Klassensprecher_innen für das Amt eher nicht geeignet sind, solltet ihr die Klassensprecherwahlen an eurer Schule verändern und vereinheitlichen. Es gibt sehr gute Erfahrungen damit, dass Schülervertreter_innen die Wahlen selbst anleiten und/oder Lehrer_innen fortgebildet werden, sodass Beliebtheitswahlen ein kleineres Problem werden. Wichtig ist, dass eure Mitschüler_innen z. B. schon vor der Wahl wissen, dass es eine Grundbedingung ist, Lust auf aktive Mitarbeit im Schülerrat zu haben. Das geht z. B. im Rahmen einer SV-Infostunde. Möglich ist z. B. auch, dass ihr als Schülervertretung ein festes Rollenprofil erarbeitet und in die Klassen gebt. Sitzungen für Projektarbeit nutzen Der Schülerrat sollte sich mindestens einmal pro Monat für zwei Schulstunden im Unterricht treffen. Möglich ist es, dass dann die erste Stunde eine klassische Sitzung ist und ihr euch im zweiten Teil in kleinere Gruppen aufteilt. Dann könnt ihr in Arbeitsgemeinschaften oder Projektgruppen zusammenkommen(siehe unten). Schüler_innen, die nicht mitarbeiten wollen, können dann bereits wieder in ihre Klasse gehen oder kriegen andere Aufgaben, wie z. B. für gute Laune zu sorgen. Arbeitsgemeinschaften bilden Arbeitsgemeinschaften sind Gruppen innerhalb der Schülervertretung, die das ganze Jahr über an einem festen Thema arbeiten, indem sie Projekte und Aktionen dazu planen. Sie können aus dem Schülerrat heraus gegründet werden, aber auch offen für nicht gewählte Schüler_innen sein. Möglich sind z. B.: p AG Kultur: Organisation von Kunst-, Kultur- oder Sportprojekten, p AG Lernen: erarbeitet Vorschläge, wie Schüler_innen besser lernen können, z. B. durch die Einführung von Lehrerfeedback, oder p AG Vermittlung: beschäftigt sich mit Problemen, die Schüler_innen mitein­ ander oder mit Lehrer_innen haben, und schaltet sich in die Lösungssuche ein. 92 Pimp my School – 1 × 1 der SV-Arbeit Projektgruppen gründen Projektgruppen werden für die Organisation einer bestimmten Aktion oder eines Projekts gegründet und existieren nur bis zur Umsetzung des Projekts. Eine Projektgruppe arbeitet eigenverantwortlich und vereinbart eigene Treffen. Wichtig ist aber, dass es mindestens eine_n feste_n Ansprechpartner_in für den SV-Vorstand gibt und der SV-Vorstand über den aktuellen Stand informiert bleibt. Wenn ihr auch nicht gewählte Klassensprecher_innen in euren Projektgruppen haben wollt, müsst ihr bekannt machen, dass ihr Unterstützung sucht. Mini-SV Für jüngere Schüler_innen kann es manchmal schwierig sein, im Schülerrat mit den„Großen“ mitzuarbeiten. Bei der Mini-SV treffen sich daher nur die Klassensprecher_innen der unteren Stufen in regelmäßigen Sitzungen getrennt von den älteren Klassensprecher_innen. So können sie die Schülervertretung in einer für sie entspannteren Atmosphäre kennenlernen und trauen sich eher, aktiv mitzuarbeiten. Außerdem können sie sich mit Themen beschäftigen, die für sie in ihrem Alter wichtig sind, z. B. mit neuen Tischtennisplatten oder dem Verhältnis zu den älteren Schüler_innen. Es sollte aber auch regelmäßig gemeinsame Treffen des gesamten Schülerrats geben. Auf diese Weise empfinden sich junge Schüler_innen schon früh als Teil der Schülervertretung und können in die Arbeit hineinwachsen. Schülerparlament Das Schülerparlament ist eine Sonderform für die Treffen des Schülerrats. Der Schülerrat wird dabei in mehrere Fraktionen aufgeteilt, z. B. die Unterstufe, die Mittelstufe sowie die Oberstufe. Die Fraktionen sitzen getrennt voneinander und haben eine Schulstunde Zeit, um gemeinsam Anträge für das Schülerparlament vorzubereiten. In den Anträgen soll es um neue Themen, Anliegen oder Projekte für die SV-Arbeit gehen. Sie werden schriftlich mit Antragsbegründung vorbereitet. In der zweiten Stunde der Sitzung des Schülerparlaments wird nacheinander aus jeder Fraktion jeweils ein Antrag an einem Rednerpult vorgestellt, darüber diskutiert und dann abgestimmt. Umgang mit Störungen Wenn Schüler_innen unmotiviert wirken, solltet ihr das Gespräch mit ihnen suchen und die Gründe herausfinden. Manchmal liegt es z. B. daran, dass eure Mitschüler_innen noch nicht ihre Rolle gefunden haben – und es wäre denkbar, sie als Motivationsbeauftragte für den Schülerrat zu gewinnen. Wichtig ist aber, dass ihr es nicht toleriert, wenn Klassensprecher_innen die Stimmung durch Störungen oder wenig Motivation dauerhaft nach unten ziehen. Eine Möglichkeit ist es, einen„SV-Vertrag“ zu schließen, in dem ihr den Umgang mit Störungen regelt, z. B. zuerst gibt es ein persönliches Gespräch außerhalb der Sitzungen und bei wiederholtem Fernbleiben von der Sitzung z. B. die Bitte um Rücktritt. 93 3 3.2.5. Faire Entscheidungsfindung  Von klein auf erfahren wir, dass Mehrheitsentscheidungen der Weg sind, Entscheidungen zu treffen. Diese Methode hat den großen Vorteil, dass sie schnell funktioniert. Der Nachteil ist, dass es oft Minderheiten gibt, die beim Ergebnis meist keine Rolle mehr spielen. Das kann dem Zusammenhalt schaden, weil es Konkurrenzverhalten verstärkt und dadurch schlechte Gefühle entstehen können. Checkliste: Schritte zu einer fairen Entscheidung Entscheidungsfrage: Mit ihr müssen alle einverstanden sein und sie muss für alle sichtbar sein. Offene W-Fragen: Sie helfen, als Gruppe ein gemeinsames Verständnis dafür zu entwickeln, um welches Problem es sich handelt bzw. was wichtig ist: Wer? Was? Wann? Wo? Warum? Wie? Alle wichtigen Informationen sammeln: Es sollen alle alles wissen. Oft gibt es ­Meinungsverschiedenheiten in einer Gruppe deshalb, weil den Einzelnen unter­ schiedlich viel bekannt ist. Zeit für Gefühle, Sorgen und Meinungen: Hier sollen alle die Möglichkeit bekommen, ihre Position zum Ausdruck zu bringen – am besten in kleinen Gruppen. Die Ergebnisse sollten wieder in der großen Gruppe geteilt werden. Diese Phase ist wichtig, weil alle„gehört“ werden. Vorschläge zur Lösung sammeln: Die Leitfrage dabei lautet„Welche Lösung ist für die gesamte Gruppe die beste?“ statt„Welche ist für mich(oder meine Partei) am besten?“. Dabei wird darauf geachtet, die Wünsche und Bedürfnisse möglichst vieler zu beachten. Vor-/Nachteile sammeln: Alles soll auf den Tisch kommen, sodass sich jede_r ­gleichberechtigt eine Meinung bilden kann und sich nicht Einzelne durchsetzen ­können, indem sie Nachteile ihrer Lieblingslösung verschweigen. Wenn möglich, werden Vorschläge kombiniert. Das Ergebnis wird mit einem der unten stehenden Entscheidungsverfahren von allen bewertet. Die unterlegenen Minderheiten werden mit echtem Interesse gefragt, wie es ihnen mit dem Ergebnis geht. 94 Pimp my School – 1 × 1 der SV-Arbeit Entscheidungsverfahren  Einfache Mehrheitsentscheidung (5 Minuten) Jede_r hat dabei eine Stimme. Die Lösung mit den meisten Stimmen gewinnt. Gewichtete Mehrheitsentscheidung (10 Minuten) Jede_r hat eine festgelegte Anzahl von Stimmen, z. B. drei. Diese drei Stimmen dürfen frei verteilt werden, z. B. gibt man einer Lösung zwei Stimmen, einer zweiten Lösung eine Stimme. Gewählt ist die Lösung mit den insgesamt meisten Stimmen. Es empfiehlt sich zu sagen, dass maximal zwei Stimmen auf eine Lösung vergeben werden können, weil sonst einige ihrer Lieblingslösung alle Stimmen geben könnten und so das Ergebnis maßgeblich in ihre Richtung beeinflussen würden. Gleich viele Stimmen für jede Möglichkeit (10 Minuten) Für jede Möglichkeit kann man genau eine oder gar keine Stimme vergeben. Das heißt, wenn ich von fünf Kandidat_innen z. B. drei gut finde, kann ich allen drei jeweils genau eine Stimme geben. Gewählt ist die Lösung mit den meisten Stimmen. 1 – 2 – 3 (15 Minuten) Dafür werden alle Möglichkeiten untereinander geschrieben und neben jede Möglichkeit wird ein Rechteck eingezeichnet. Dann werden die Teilnehmenden gebeten, für jede Möglichkeit eine 1 (=„Diese Lösung finde ich super“), 2(=„Diese Lösung ist naja“) oder 3(=„Diese Lösung gefällt mir nicht“) zu vergeben und jeweils in die Rechtecke einzutragen. Jede_r bewertet jede Möglichkeit! Es ist wichtig, dass sich für jede Lösung tatsächlich alle eintragen, weil sonst das Ergebnis verfälscht wird. Die Punkte für jede Option werden zusammengezählt. Die Lösung mit den wenigsten Punkten ist gewählt. Systemisches Konsentieren (15 Minuten) Das systemische Konsentieren ist ein Verfahren, das eine Gruppe erst gemeinsam erlernen muss. Gesucht wird dabei nicht wie bei anderen Verfahren die Lösung, die für die meisten in der Gruppe die angenehmste ist, sondern die Lösung, mit der die wenigsten Teilnehmenden Bauchschmerzen oder ein Problem haben. Abgefragt wird daher nicht die Zustimmung zu einer Lösung, sondern die Widerstände, die man gegen einen Vorschlag hat. Das Verfahren verwenden vor allem Gruppen, denen das Gemeinschaftsgefühl wichtig ist. Effektiv, aber auch bedürfnisorientiert eine Lösung zu finden, die von allen akzeptiert wird, steht hier im Vordergrund. 95 3.2.6. Vorbereitung und Durchführung einer Sitzung  Vorlage: Vorbereitung einer Sitzung 3 Was? Notizen 2 Wochen vorher: Organisatorisches Termin mit Schulleitung absprechen und festlegen Raum finden, groß genug? Wer? Erledigt? Liste der Klassensprecher_innen aus dem Sekretariat besorgen 1 Woche vorher: Sitzungsplanung Protokoll und Feedback vom letzten Mal anschauen: Was ist wichtig für unsere Sitzung? Themen sammeln und auswählen: – Wer soll worüber informiert werden? – Was muss beraten oder diskutiert werden? – Welche Entscheidungen müssen getroffen werden? Methode pro Thema festlegen: z. B. Kleingruppe, Kartenabfrage, Fishbowl, World Café, Video, … Zeitplanung: Für welches Thema wird wie viel Zeit eingeplant? – Reicht die Zeit? Notfalls ­ Themen streichen. – Zehn Minuten Pufferzeit einplanen. Einladung zusammenstellen und verteilen, z. B. über das SV-Brett, das Mitteilungsbuch der Lehrer_innen, Plakate und/oder Gruppenchats der SV Lehrer_innen, Eltern, Gäste einladen Vorlage für Lückenprotokoll erstellen und dann für alle kopieren 96 Pimp my School – 1 × 1 der SV-Arbeit Moderation festlegen (2 Personen) Protokollant_in festlegen (2 Personen) Verantwortlichen für Redeliste festlegen(2 Personen) Restliche Aufgaben verteilen, z. B. die Erstellung einer Präsentation 1 Tag vorher: letzte Absprachen Material und Technik besorgen: z. B. Beamer, Teilnahmeliste, Plakate, Papier, Stifte, Magnete, Flipchartständer, Klebeband, Feedbackzettel Sitzung noch einmal gemeinsam durchsprechen Tagesordnung schreiben Atmosphäre schaffen: Willkommensplakat, Getränke, Kekse, Namensschilder Über euren Gruppenchat an das Treffen erinnern Am Tag der Sitzung Schlüssel für den Raum besorgen Alles da? Protokollvorlage, Redeliste, eventuell Zettel zum ­Abstimmen, Feedbackzettel Sitzung durch die Schulsprech­ anlage ansagen lassen Raum aufschließen und vorbereiten: Stuhlkreis, Technik, Plakate/ Leinwand, Snacks Anwesenheitsliste auslegen und Namensschilder anfertigen 97 Vorlage: Durchführung einer Sitzung Was? Begrüßung Notizen Vorstellung der Tagesordnung und eventuell Ergänzungen, Feststellen der Beschlussfähigkeit Gibt es schon eine_n Protokollverantwortliche_n? Warm-up oder Kennenlernspiel Rückblick auf die letzte Sitzung: Haben wir umgesetzt, was wir uns beim letzten Mal vorgenommen haben? Wenn nicht, woran liegt es? Thema 1: Thema 2: Thema 3: Thema 4: Thema 5: Zusammenfassung der Ergebnisse: Was muss bis zur nächsten Sitzung passieren? Wer ist verantwortlich? Was muss in den Klassen berichtet werden? Wann ist die nächste Sitzung? Feedback Verabschiedung 98 Wer? Zeit 3 Pimp my School – 1 × 1 der SV-Arbeit 3.3. Projektarbeit  3.3.1. Projektphasen – von der Idee zum Erfolg  Jedes Projekt durchläuft verschiedene Phasen. Wenn ihr euch vor Projektbeginn ausführlich Gedanken macht, erspart ihr euch später Frust und macht es wahrscheinlicher, dass das Projekt zu einem guten Abschluss kommt. Ihr könnt Hindernisse eures Projekts viel schneller erkennen und schon früh überlegen, wie ihr sie meistert. Ihr findet hier eine Übersicht, was für die Durchsetzung bzw. Umsetzung von Projekten in jeder Phase getan werden muss. Da der Ablauf möglichst viele Projekte umfassen soll, kann es sein, dass bei kleineren Projekten nicht alle Einzelschritte immer gebraucht werden. Beispielanleitungen https://meinsvwissen.de/sv-archiv/#36-51-aktionen-und-projekte-b­ eschreibungen 1. Projektidee Möglich ist alles, was Schule mehr zu dem macht, was ihr euch wünscht und zum Lernen braucht. Wenn ihr Ideen sucht, könnt ihr: p von anderen lernen, wie z. B. mit dem Aktionsplaner der ­Landesschülervertretung Bayern, p eure Mitschüler_innen nach Ideen fragen, z. B. mit Umfragen, p im Schülerrat mit Kreativitätsmethoden arbeiten. 3  S. 118  3  S. 10 4  2. Ein Team finden Als Nächstes solltet ihr weitere Interessierte suchen und ein Projektteam bilden. Die Gruppe sollte verbindlich zusammenarbeiten und sich regelmäßig treffen. Wichtig ist: p sich kennenzulernen und Erwartungen zu klären, p Aufgaben(bereiche) zu verteilen und feste Zeiten zu bestimmen, p festzulegen, welche Kommunikationsplattform und Tools ihr nutzen wollt. 99 Rollen in Projektgruppen p Hutträger_in: ist die Leitung und behält den Überblick. p Controller_in: achtet darauf, dass Vereinbarungen eingehalten werden, und erinnert Leute an Aufgaben und Termine. p Sprecher_in: kommuniziert oder trifft sich mit allen Leuten, mit denen Dinge abgesprochen werden müssen, die aber nicht zum Team gehören, p Finanzchef_in: hat die Kosten des Projekts im Blick, verwaltet Einnahmen und Ausgaben. p Materialbeauftragte_r: führt eine Liste über Material, das vorhanden ist oder gebraucht wird und beschafft werden muss, und achtet darauf, dass alles da ist, wenn es gebraucht wird. 3 3. Beratungen und Planungen Jetzt geht es darum, das Projekt zu durchdenken, um auf alle Stolpersteine von vornherein vorbereitet zu sein und euer Projekt immer sicher präsentieren zu können. Nach einer Recherche, was es über ähnliche Projekte schon zu wissen gibt und ob rechtliche Vorgaben bestehen, die wichtig sind, könnt ihr ein Konzept erstellen, das alle Planungen zusammenfasst: p Ziele definieren p Wege: Was muss alles getan werden? p Unterstützer_innen: Wer könnte uns unterstützen? p Probleme: Was könnte alles schiefgehen und welche Lösungen gibt es? p Zeit-/Finanzplanung 4. Unterstützer_innen und Partner_innen mit Vorgesprächen finden Meist werdet ihr auch Unterstützung von anderen brauchen. Ihr solltet euch fragen: p Wobei braucht ihr Unterstützung von außen bzw. wer aus eurem Umfeld könnte euch gut helfen? p Mit welchen Personen solltet ihr sprechen, weil sie direkt betroffen sind? p Wen solltet ihr mit einbeziehen, weil er_sie bestimmt was dagegen hat? 3  S. 137  Solltet ihr später einen Antrag in der Schulkonferenz stellen wollen, ist es wichtig, vor allem auch mit denen zu sprechen, die später über den Antrag mitentscheiden. Das sind z. B. in der Schulkonferenz die Elternvertreter_innen aus dem Schulelternrat. Je früher ihr alle Beteiligten einbezieht, desto geringer werden die Widerstände gegen euer Projekt sein. Fragt aktiv nach Bedenken und Bedürfnissen. Die könnt ihr dann in euer Konzept einfließen lassen. 100 Pimp my School – 1 × 1 der SV-Arbeit Wichtige Gesprächspartner_innen: p die Klassensprecher_innen(Sitzung des Schülerrats), p alle Schüler_innen(Einberufung einer Schülerversammlung), p Lehrer_innen(Vorstellung in der Lehrerkonferenz), p Eltern(Vorstellung beim Schulelternrat). Empfehlenswert ist, dass ihr nach euren Vorgesprächen das Gespräch mit der Schulleitung sucht. Es kann sein, dass er_sie eurem Projekt einfach schon zustimmt und es damit beginnen kann. Auch wenn das nicht so ist, könnt ihr nun gegebenenfalls Anpassungen am Projekt vornehmen, sodass die Durchsetzung wahrscheinlicher wird. 5. Für öffentliches Interesse und Aufmerksamkeit sorgen Wenn es sich um ein wirklich wichtiges Thema handelt, solltet ihr den Inhalt eures Projekts zu einem schulweiten Gesprächsthema machen. Solltet ihr einen Antrag dazu stellen wollen, wird es deutlich schwieriger dagegenzustimmen. Die Teilnehmenden der Schulkonferenz müssen dann damit rechnen, dass ihr ihr Abstimmungsverhalten schnell bekannt macht und es unangenehm wird, wenn öffentlich wird, dass sie dagegengestimmt haben. 6. Einen Antrag stellen Sollte ein Antrag notwendig sein, solltet ihr es nicht dem Zufall überlassen, ob er eine Mehrheit erhält. Ihr solltet u. a.: p auf der Basis eures Konzepts einen kurzen Antrag formulieren, p die Präsentation eures Antrags gut vorbereiten, p geschickt in den Verhandlungen auftreten. 3  S. 14 2  7. Durchführung des Projekts Nun kommt noch einmal einiges an Arbeit auf euch zu. Gut ist es, wenn ihr Springer_innen habt, die sich um unerwartete Probleme kümmern. Außerdem hilft es euch später, wenn ihr euch jetzt auch schon um die Dokumentation und Bericht­ erstattung kümmert. Solltet ihr auf größere Probleme stoßen, könnt ihr Analysemethoden zur Problembearbeitung verwenden. 101 8. Nachbereitung Die Nachbereitung von Projekten geht im Alltag oft unter. Dabei hilft sie, motiviert(er) in die Zukunft zu schauen und dazuzulernen. Wichtig sind: p Auswertung: Sie ermöglicht, dass nicht dieselben Fehler wiederholt ­werden. Sie kann z. B. folgenden Fragen folgen:„Was lief gut und was w­ eniger gut?“, „Was wollen wir beim nächsten Mal anders machen?“. p Dokumentation: Die Ergebnisse der Auswertung sowie alles Material, das während des Projekts entstanden ist, können z. B. in einem Ordner oder einer Projektbox gelagert werden. So können andere oder ihr leicht später wieder darauf zugreifen. Danach ist es Zeit, euren Erfolg bekannt zu machen. p Feiern, Belohnen, Dankesagen: Trefft euch mit denen, die mitgewirkt haben, und belohnt euch für die Arbeit! Nun ist Zeit, durchzuatmen, Kraft zu tanken und euch(gegenseitig) auf die Schultern zu klopfen. 3 102 Pimp my School – 1 × 1 der SV-Arbeit 3.3.2. Ideen finden  Damit möglichst viele Schüler_innen Lust haben, im Schülerrat und in den SVSitzungen mitzuarbeiten, ist es wichtig, dass alle Themen finden, die sie wirklich interessieren. Je mehr von euch engagiert bei der Sache sind, umso besser. Hier findet ihr Möglichkeiten, die euch dabei helfen, gemeinsam Ideen und Themen zu sammeln. Von anderen lernen  Schon seit fast 50 Jahren gibt es SV-Arbeit und daher auch eine riesige Palette an Dingen, die Schüler_innen vor euch auf die Beine gestellt haben. Lasst euch doch mal davon inspirieren, z. B.: p den Aktionsplaner der Landesschülervertretung in Bayern durchzublättern, der über 60 Aktionen enthält, p hier im Handbuch nachzulesen, p euch mit anderen zu vernetzen, p selbst im Internet zu recherchieren. Eure Mitschüler_innen nach Ideen und ihrer Meinung fragen  Eure„Basis“, d. h. die Schüler_innen, die euch gewählt haben, bekommen häufig nach der Wahl gar nichts mehr von der Arbeit der Schülervertretung mit. Das kann sich ändern, indem ihr sie aktiv einbezieht. Wichtig ist dabei, nicht nur ihre Meinung und Ideen einzuholen, sondern sie auch zeitnah darüber zu informieren, was aus ihren Ideen geworden ist. Sonst entsteht der Eindruck, dass eure Ideenabfrage unsinnig war. Ihr könnt z. B.: p online oder offline Umfragen machen, p die Schülerversammlungen der einzelnen Klassen nutzen, p über Durchsagen dazu aufrufen, mit Post-its am SV-Raum Vorschläge für die SV-Arbeit zu hinterlassen, p Ideenplakate auf Stellwänden im Schulgebäude aufstellen oder p eine Schülervollversammlung einberufen und dort Ideen abfragen. Passende Methoden im Schülerrat einsetzen SV-Arbeit ist oft„top-down“ organisiert, wird also oft vom SV-Vorstand organisiert und die Klassensprecher_innen sind hauptsächlich Sitzungsteilnehmer_innen, die dann wenig mit der SV-Arbeit zu tun haben. Ihr könnt sie aktiv in die Arbeit einbeziehen, indem ihre Meinungen und Wünsche eine große Rolle spielen. Dann entwickeln sie zumeist auch selbst mehr Interesse an der Mitarbeit. Das geht z. B. durch: 103 3 p die Durchführung einer Evaluation mit den Mitgliedern des Schülerrats, z. B. mit den Leitfragen:„Welche Themen gab es in der letzten Zeit in unseren Klassen?“,„Was nervt gerade an dem Unterricht, den Pausenzeiten oder der Gestaltung der Räume?“ oder„Welche(neuen) Ideen bringe ich mit?“, p passende Moderationsmethoden: Zu mehr und auch kreativen Ideen kommt ihr, wenn ihr gemeinsam z. B. den Aktionsplaner durchschaut und danach mit klassischen Moderationsmethoden nach Themen fragt, z. B. mit einer Kartenabfrage in Kleingruppen, p Kreativitätstechniken: Diese Methoden wurden extra entwickelt, um den ­Ideenreichtum einer Gruppe auszuschöpfen. Wichtig ist, dass„alles sein darf“. Die Fantasie soll angeregt werden, und dabei können ungeahnte Dinge ­entstehen. Sätze wie„Das geht nicht“ sind hier also fehl am Platz. Einige d­ ieser Methoden findet ihr nachfolgend aufgelistet. Kreativitätsmethoden zur Ideenfindung  Brainstorming auf Plakaten (15 Minuten) Brainstorming bedeutet eigentlich, laut zu denken. Dabei gibt es Plakate zu unterschiedlichen Fragestellungen, die im Raum verteilt aufgehängt sind, z. B. ein Plakat zu Ideen für das Schulgebäude, eines zum Umgang miteinander und eines zum Unterricht. Alle haben dann 15 Minuten Zeit, von Plakat zu Plakat zu gehen und ihre Ideen selbst einzutragen. Traumschule (1,5 – 6 Stunden) Bei einer Traumschule entwerfen kleine Gruppen gemeinsam die Schule ihrer Träume. Die Fragen dazu sind:„Wie kann eure Schule mehr die Schule eurer Träume werden?“,„Wie muss sie sein, damit alle Schüler_innen und ihr selbst gern in die Schule kommt und Lust auf Lernen habt?“ Dann soll diese Schule gestaltet werden, z. B. auf Postern mit allerlei Collagematerial(Zeitschriften). Dabei soll auch gedacht werden an die Stimmung und den Umgang in den Klassen, Klassenräume, den Schulhof, Lehrer_innen oder die Unterrichtsinhalte. Es ist erlaubt und erwünscht, dass wirklich geträumt wird und absurde Ideen einfließen. Danach stellen alle Kleingruppen ihre Traumschule vor und die Ideen werden gesammelt. Diese Visionen werden nun gemeinsam„übersetzt“, um sie in reale Projektideen umzuwandeln. Dazu kann gefragt werden, was hinter den Wünschen steht bzw. wie die Ideen realistisch werden können. Beispiel: Ein Schwimmbad auf dem Dach könnte übersetzt bedeuten, dass es mehr Freizeitmöglichkeiten geben soll. Oder McDonald’s kann bedeuten: gutes Essen in der Mensa. Zukunftswerkstatt (6 Stunden – 3 Tage) Die Zukunftswerkstatt ist eine Methode, um über die Zukunft der Schule oder der Schülervertretung nachzudenken. Sie gliedert sich in drei große Phasen. In Phase 1, der Kritikphase, lauten die Leitfragen:„Welche Kritik habt ihr?“,„Was nervt?“,„Was stört?“. Das kann als Bild gestaltet werden, als Brainstorming, als Theaterstück, als Collage, als Kartenabfrage … – der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. Hauptsache, alle können loswerden, was sie gerade stört. Die Ergebnisse werden der Gruppe vorgestellt und Kritikpunkte gemeinsam gesammelt. In Phase 2, der Fantasie-/Utopiephase, ist die Leitfrage:„Wenn ihr alles Geld und alle Macht der Welt hättet, wie würde dann die Lösung der angesprochenen Probleme aussehen?“ Auch hier kann wieder sehr kreativ gearbeitet werden und die Ergebnisse werden präsentiert und anschließend gemeinsam gesammelt. In Phase 3, der Realisierungsphase, lauten die Leitfragen:„Wie können die Träume in realistische Projekte umgesetzt werden?“, „Wie können wir unsere Ziele schrittweise erreichen?“ Hier ist vor allem„Übersetzungsarbeit“ zu leisten, d. h., die größte Herausforderung besteht darin, nicht bei den fantastischen Ideen stehen zu bleiben, sondern sie in realisierbare Projekte umzuwandeln, die der Gruppe entsprechen. Zukunftswerkstätten können mit 15 – 100 Leuten durchgeführt werden und brauchen eine gute Moderation. 104 Pimp my School – 1 × 1 der SV-Arbeit 3.3.3. Die„richtigen“ Ideen auswählen  Die Auswahl eurer Themen entscheidet ganz wesentlich über den Erfolg eurer Arbeit. Gut ist es, wenn in der gesamten Auswahl eurer Projekte sowohl solche von euch als auch euren Mitschüler_innen enthalten sind. Außerdem ist es empfehlenswert, auf eine gute Mischung zu achten, d. h. SV-Arbeit stärken, Schule bunter gestalten und an der Schule wirklich etwas verändern. Wichtig ist, passende Kriterien aufzustellen und anhand dieser Kriterien die Projektideen zu bewerten. Danach könnt ihr gut gemeinsam entscheiden, welche Ideen umgesetzt werden sollen. Tabellen-Check (20 Minuten) Hier erstellt ihr eine Tabelle mit den Kriterien, die euch wichtig sind, und sortiert die Projekte danach. Projektidee Valentinstags- Antimobbingaktion Projektwoche Attraktiv, d. h., genug Menschen werden mitmachen wollen +++ Wichtig, d. h., in eurem Alltag wird sich wirklich etwas 0++ verändern Realistisch, d. h., es ist wahrscheinlich, dass das auch umgesetzt werden kann +++ Witzig, d. h., es verspricht Spaß++ 0 Zielführend, d. h., das Projekt passt zu dem, was ihr als SV+++ insgesamt(an der Schule) sein oder bewirken wollt Legende:++= sehr stark,+= einigermaßen, 0= neutral, –= ein wenig, – –= sehr wenig Reality-Check (15 Minuten) Hier klebt ihr ein Koordinatenkreuz z. B. auf den Boden und verteilt für die beiden Achsen jeweils ein Kriterium, das euch wichtig ist. Ausgewählt werden dann z. B. nur Projekte, die sich im linken unteren Quadranten befinden. realistisch wichtig 105 3 3.3.4. Methoden zur Projektplanung  Es gibt eine Vielzahl an Methoden, die bei der Projektarbeit hilfreich sein können. Hier findet ihr eine kurze Beschreibung der häufigsten Methoden. W-Fragen (15 Minuten) Die W-Fragen zu beantworten ist meistens der leichteste Einstieg in die Projektplanungen. Alles Wichtige kommt dabei schon auf den Tisch. Die Fragen lauten: Wer? Was? Wann? Wo? Warum? Handlungsplan (20 Minuten) Ein Handlungsplan ist dafür da, Aufgaben zu verteilen und Verantwortliche festzulegen. Gut ist es, wenn ihr Handlungspläne groß und übersichtlich gestaltet und dann im SV-Raum zu euren Treffen aufhängt. So lässt sich leicht überprüfen, ob Aufgaben übernommen wurden – wenn nicht, könnt ihr freundlich nachfragen, ob die Person die Aufgabe noch erfüllt, oder jemand anderen suchen, der_die das dann machen kann. SMART (10 Minuten) SMART ist eine Projektmanagementmethode, die auch in der Wirtschaft verwendet wird. Ein Ziel, das formuliert wird, muss bestimmten Kriterien entsprechen. Ist es … – s pezifisch, d. h. genau formuliert? – m essbar, d. h., kann am Ende überprüft werden, ob es ganz oder zum Teil erreicht wurde(Trick: Zahlen einbauen)? Gemeint ist, dass es nicht Auslegungssache ist und die eine Person Ja und die andere Nein sagt. – a ttraktiv, d. h., ist es so motivierend, dass ihr wirklich Lust habt, es zu erreichen? – r ealistisch, d. h. mit euren Fähigkeiten und zeitlichen Ressourcen erreichbar? – t erminiert, d. h., habt ihr eine Deadline festgelegt, bis zu der das Projekt abgeschlossen sein soll? Beispiel: Die Formulierung„Alle Schüler_innen sollen sich mit dem SV-Recht gut auskennen“ ist demnach nicht SMART. Sie ist nicht messbar und nicht terminiert – die Formulierung„Nach dem SV-Seminar sollen alle Schüler_innen mindestens zwei SV-Rechte ohne Nachsehen benennen können“ schon. ZWUP (30 Minuten) ZWUP ist eine gute Vorbereitung für die Erstellung eines Konzepts. Die Methode hilft dabei, ein Projekt zu Beginn besser einzuschätzen. Für das Durchdenken eines Projekts erhält eine kleine Gruppe ein Plakat, das in vier Bereiche unterteilt ist: Ziele, Wege, Unterstützer_innen und Probleme. Sie soll nun die Bereiche mit Antworten füllen. Bei allen Punkten ist es wichtig, konkret zu sein. Hilfreich ist es, wenn ihr bei Unterstützer_innen z. B. statt„Lehrer_innen“ ganz genau schreibt, welche Lehrer_innen vielleicht ansprechbar sind. Die genauen Fragen lauten: – Ziel: Was sind die Ziele eures Projekts? – Wege: Auf welchen Wegen kommt ihr zu diesem Ziel, d. h., was muss alles gemacht werden, um die Ziele zu erreichen? – Probleme: Welche Probleme könnten euch dabei begegnen? Dabei könnt ihr auch darüber nachdenken, was alles gegen das Projekt spricht. Wenn alle Probleme gesammelt sind, geht’s zurück zu den Wegen. Überlegt, mit welchen neuen Wegen die Probleme überwunden werden können. – Unterstützer_innen: Wer könnte das Projekt gut und unterstützenswert finden? 106 Pimp my School – 1 × 1 der SV-Arbeit Meilensteine (30 Minuten) Hierbei wird ein Projekt in Teilziele differenziert, die jeweils bis zu einem bestimmten Zeitpunkt erfüllt sein sollen. Die Umsetzung dieser Meilensteine motiviert schon vor dem Erreichen des großen Ziels, und ihr merkt, dass es vorangeht. Ihr könnt hierbei auch schon überprüfen, ob ihr zu den wichtigsten Phasen des Projekts wirklich alle genügend Zeit habt. Eigentlich braucht man immer länger, als man denkt! Ihr solltet also von Beginn an Pufferzeit für unvorhergesehene Dinge einplanen. Macht euch realistische Zeitpläne, denn sonst wird es stressig. Prototypen (30 – 120 Minuten) Prototypen zu bauen bedeutet, dass man das, was man plant, einfach mal in Klein ausprobiert. Zum Beispiel können für ein Projekt zur Umgestaltung des Schulhofs Ideen gesammelt werden und dann wird der neu gestaltete Schulhof als Miniaturvariante gebaut! Der Vorteil dabei ist, dass man auf eine unverkopfte Art und Weise ins Gespräch kommt und sich das Projekt durch eure Gespräche darüber weiterentwickelt. Außerdem wird das Projekt dadurch automatisch realistischer und ihr kommt der realen Umsetzung näher. Das Bauen von Prototypen muss keine umfangreiche Kunstaktion sein. Besorgt euch einfach ein bisschen Material, z. B. Zeitschriften, Klebeband, Stifte, Pappe, und los geht’s. Wenn ihr merkt, dass ihr euren Prototyp mögt, kann dieser auch ­getestet werden, indem ihr euch Rückmeldungen von Mitschüler_innen und Lehrer_innen holt. Diese Rückmeldungen können dann verwendet werden, um das Projekt weiterzuplanen oder aber neue Prototypen zu bauen. SWOT-Analyse (60 Minuten) Bei der SWOT-Analyse geht es darum, ein bestehendes Projekt weiterzuentwickeln. Dazu wird ein Blatt Papier in vier Bereiche geteilt, die mit folgenden Überschriften versehen werden: – Stärken: Was läuft bei uns gut? – Schwächen: Wo liegen Fehler, Probleme, Schwachstellen? Was führt zu Spannungen? – Chancen: Welche Potenziale sehe ich bei mir und uns? Welche Potenziale sind noch nicht ausgeschöpft? – Risiken des Projekts: Welche Bedrohungen sehe ich? Was passiert, wenn nichts passiert? Was ist der„worst case“? Diese werden nacheinander mit Gedanken zum Projekt gefüllt. Danach können sich weitere Schritte anschließen: – Aus welchen Stärken ergeben sich neue Chancen? – Mit welchen Stärken und wie minimieren wir die Risiken? – Welche Strategien können wir entwickeln, damit Schwächen nicht zu Risiken werden? – Wie können die Schwächen verkleinert werden, sodass neue Chancen genutzt werden können? ZWUP Ziele Wege Unterstützer_innen Probleme 107 3 Vorlage: Ein Konzept schreiben  Ein Konzept ist ein Dokument, in dem die wichtigsten Informationen über die Umsetzung eines Projekts beschrieben werden. Das Kurzkonzept sollte maximal eine A4-Seite lang sein und eine Zusammenfassung aller bisherigen Recherchen und Planungen beinhalten. Es dient u. a. dazu, dass sich Interessierte in kurzer Zeit ein Bild vom Projekt machen können. Basics(alle W-Fragen): p Projektname p Wer(macht das Projekt)? p Wen wollt ihr mit dem Projekt erreichen? p Worum geht es bei unserem Projekt in drei Sätzen? p Was soll gemacht werden(geplante Aktionen/Maßnahmen)? Planungen: p Ziele: Was soll erreicht werden? Was soll nach dem Abschluss unseres Projekts anders sein als vorher? p Wege: Was muss alles getan werden? p Unterstützung und Partner_innen: Wer hilft euch? p Probleme: Was könnte schiefgehen und welche Lösungen habt ihr dafür? p Pro-Argumente: Was spricht für euer Projekt? Zeiten: p Projektzeitraum, p Fristen oder Termine, die beachtet werden müssen, p Meilensteine eures Projekts(Teilziele). Finanzen: p Was brauchen wir(an Material...)? p Was davon gibt es kostenlos? p Wie viel kostet es? p Woher bekommen wir das Geld? p Welche Sponsoren oder Fördermittelgeber kommen infrage? 108 Pimp my School – 1 × 1 der SV-Arbeit 3.3.5. Finanzierung  Um den SV-Raum zu streichen, ein Sofa zu kaufen oder um die SV-Fahrt zu ­finanzieren, braucht ihr früher oder später Geld. Leider ist es nicht so, dass euch direkt Geld von der Schule zusteht. Ihr dürft aber Spenden einwerben oder Förderungen erhalten. Verwaltung des Geldes Es gibt folgende Möglichkeiten, euer Geld zu verwalten: p Eine Bargeldkasse, die mit einem Kassenbuch geführt wird: Hier werden alle Einnahmen und Ausgaben schriftlich aufgelistet und am besten die Belege für eure Ausgaben gleich eingeklebt. p Der Förderverein eurer Schule verwaltet euer Geld. p Ein Konto, das eine Person über 18 Jahre für euch einrichtet, z. B. die SV-Berater_in oder Schulleitung. Diese erteilen dann eurem Kassenwart bzw. eurer Kassenwärtin eine Vollmacht über das Konto (mit Einverständniserklärung der Eltern). Wo gibt’s was umsonst? Für das Einrichten und Streichen des SV-Raums könnt ihr z. B.: p Unternehmen und Geschäfte nach Sachspenden fragen, p einen Aufruf an eure Mitschüler_innen starten, euch Dinge zu spenden, p euch an größere Unternehmen wenden, weil diese alle paar Jahre PCs und Einrichtungsgegenstände ausmustern, p Verschenkseiten im Internet checken, z. B. www.kleinanzeigen.de. Tipps für Spendenaktionen p Bekannte und Freund_innen spenden oft gern für euer Engagement, einfach direkt Onkel, Tante, Nachbar_innen ansprechen und fragen. p Sagt Spender_innen sehr genau, wofür das Geld verwendet wird, nur„Für die Schülervertretung“ ist für viele weniger attraktiv. p Gebt den Spender_innen etwas zurück, um eure Dankbarkeit zu zeigen und auch in Zukunft wieder Spenden zu erhalten, das kann z. B. eine nette Nachricht oder eine„Ehrenurkunde“ sein. 109 3 Förderung vor Ort Am naheliegendsten und meist auch einfachsten ist es, wenn ihr Geld von der Schule oder aus deren Umfeld bekommt: p Lehrerkonferenz: Sie entscheidet über die der Schule zugewiesenen ­Haushaltsmittel. Über eine Lehrkraft eurer Wahl könnt ihr ein Budget ­beantragen, z. B. für Einrichtungsgegenstände in eurem SV-Raum, oder ­pauschal 500 Euro Budget für das nächste Haushaltsjahr. p Förderverein eurer Schule: Dafür ist es gut, Kontakt zum_zur Vorsitzenden des Fördervereins zu suchen und dann gegebenenfalls einen Antrag bzw. eine ­Begründung einzureichen, wofür ihr das Geld braucht. p Stadt-/Kreisjugendringe: Dort können Jugendliche manchmal Gelder beantragen. Förderung durch Stiftungen  In Deutschland gibt es unzählige Stiftungen und Förderprogramme, bei denen ihr Geld beantragen könnt. Leider ist bei den meisten Stiftungen und Förderprogrammen ein gemeinnütziger Verein Voraussetzung. Hier gibt’s hilfreiche Infos: www.netzwerk-selbsthilfe.de/beratung/foerdertopfbroschuere www.finanzierung.jugendnetz.de www.stiftungen.org 110 Pimp my School – 1 × 1 der SV-Arbeit Name Förderhöhe Themen Amadeu Antonio Stiftung www.amadeu-antoniostiftung.de/foerderung Children. Jugend hilft. www.children.de/ jugend-hilft/fonds Doris-WuppermannStiftung www.doris-wuppermann-stiftung.de/ unsere-foerderung Deutsches Kinderhilfswerk www.dkhw. de/foerderung/ foerderantrag-stellen Ehrenamtsstiftung Mecklenburg-Vorpommern www.ehrenamtsstiftungmv.de Jugendbildungsfonds der Rosa-Luxemburg-Stiftung ​ www.rosalux.de/stiftung/ projektfoerderung Förderfonds Demokratie www.foerderfondsdemokratie.de/startseite Stiftung Bildung www.stiftungbildung. org/foerderfonds Bis zu 2.500 Euro als Schule oder mit einem eingetragenen Verein Bis zu 2.500 Euro Bis zu 2.500 Euro Bis zu 10.000 Euro mit einem gemeinnützigen Verein oder mit einer volljährigen Person 1.000 Euro mit einem gemeinnützigen Verein Bis zu 2.000 Euro mit einem gemeinnützigen Verein Bis zu 5.000 Euro Bis zu 5.000 Euro in Zusammenarbeit mit eurem Förderverein Projekte gegen Rechtsextremismus und Rechtspopulismus, für Kinderrechte, gegen Diskriminierung und für eine demo­kratische Debattenkultur Politische, ökologische oder soziale Projekte, die im weiteren Sinne anderen Menschen helfen Projekte für politische Beteiligung von Jugendlichen, Antidiskriminierung und Antirassismus, demokratische Erinnerungskultur und demokratische Gestaltung von Klimaschutz Es gibt verschiedene Fonds für unterschiedliche Themen. Dauerhaft gefördert werden Projekte in den Bereichen Kinderpolitik, Spielräume, Medienkompetenz und Kinderkultur. Soziales, Politik, Bildung, Kultur, Umweltschutz und Gesundheit Politische Bildungsprojekte Projekte, die einen Beitrag zur Stärkung der Demokratie leisten Projekte, die Schulen zu lebendigen, viel­fältigen, fairen und nachhaltigen Orten machen 111 www.fundmate.com Hier werdet ihr selbst zu Verkäufer_innen nachhaltiger Produkte, z. B. von Leckereien, Kleidung oder Geschenken. Ihr selbst bekommt vier Euro pro verkauftem Set als Provision. Viele SV-Becher bestellen(z. B. 200) und dann gegen eine kleine Gebühr bei Anlässen verleihen. Verkauf von selbst gemachten Adventskränzen, deren Bestandteile euch von Eltern gespendet wurden. 3 Aufstellen eines Getränkeautomaten durch die SV(muss mit der Schulkonferenz besprochen werden). Kleine eigene Produkte, die ihr selbst gestaltet, z. B. e­ in Schulplaner, Hausaufgabenhefte oder Schulpullover. Verkäufe: Mittlerweile gibt’s Spannenderes als nur den Kuchenverkauf … Achtet einfach bei euren Preisen darauf, dass ihr mehr verdient, als ihr für den Einkauf ausgegeben habt. Schon bleibt ein Gewinn für eure SV-Kasse übrig. Catering selbst ­machen, z. B. am ­Elternsprechtag. Snacks für zwischen­ durch, z. B. Waffeln, Crêpes, Süßigkeiten. Aufmerksamkeiten für Mitschüler_innen, bei denen eine kleine Grußbotschaft mitversendet wird, z. B. Rosenverkauf am Valentinstag, ­Schoko-Nikoläuse oder Osterhasen. Flohmarkt mit Kinderbüchern, Spielzeug oder Trödel, den ihr nach einem Aufruf von euren Mitschüler_innen gespendet bekommt. Firmen, ­Unternehmen und andere ­Organisationen Corporate Social ­Responsibility: Dabei fragt ihr einen Laden, eine Firma oder andere Organisation, ob sie euch Geld spenden. Dafür ist es hilfreich, wenn ihr ein gutes Konzept habt und sagen könnt, warum ihr gerade die betreffende Firma ansprecht. Ihr könntet z. B. Banken, Kinos, Wohnungsbaugesellschaften oder auch Supermärkte bei euch in der Nähe fragen. Habt ihr eine Organisation gefunden, die euch etwas spendet, freuen sich die betreffenden Unternehmen, wenn ihr z. B. auf Flyern oder im Programmheft der Veranstaltung darauf hinweist. Spendenlauf: Dafür sucht ihr nach Unternehmen oder Privatpersonen, die für jeden Kilometer oder jede Runde, die ihr während einer bestimmten Laufdauer zurücklegt, einen festgelegten Geldbetrag spenden. Bei einer großen öffentlichen Veranstaltung bemühen sich dann alle teilnehmenden Schüler_innen, so viele Runden wie möglich zu laufen. Natürlich könnt ihr auch einen Teil des Geldes an eine Organisation spenden. 112 Pimp my School – 1 × 1 der SV-Arbeit Online durch „Charity-Shoppen“ , d. h., dass sich ein Verein, der mit euch zusammenarbeitet, bei einem der Portale anmeldet, ihr Freund_innen Bescheid gebt, dass sie erst auf das Charity-Portal gehen sollen, bevor sie bei Zalando, Amazon und Co. einkaufen, z. B. mit www.schulengel.de, www. bildungscent.de, www.smile. amazon.de oder www. gooding.de. Pfand­ flaschenbons im Supermarkt sammeln, indem ihr eine Box neben dem Automaten aufhängt. Den Supermarkt aber vorher fragen! Pfandflaschen im Schulgebäude sammeln und/oder Sammelboxen aufstellen. Bei öffentlichen ­Spenden sammeln: Wenn ihr Spenden über den Anlässen der Schule einen SVStand aufbauen oder Führungen durch die ­Förderverein sammelt, kann sogar eine Spendenquittung ausgestellt werden. Wichtig ist, dass es als„ZweckSchule ­anbieten. spende“ für die SV gekennzeichnet wird, denn dann kann das Geld SV-Euro einführen. Dabei werden einmalig Elternausschließlich für eure Arbeit ausgegeben werden. Bei Elternabenden mit einem Hut abende abgeklappert oder rumgehen. die Schulpflegschaft um Zustimmung gefragt, dass zu Schuljahresbeginn von möglichst allen Schüler_innen zwischen 50 Cent und zwei Euro für die SV-Kasse eingesammelt werden – natürlich trotzdem freiwillig. ­Bares g­ egen Hilfreiches: Als Teamaktion könnt ihr g­ emeinsam„arbeiten ­gehen“ und dafür Veranstaltungen: Eigene Veranstaltungen zu organisieren ist meist mehr Arbeit. etwas Geld bekommen. In der Nachbarschaft Sie sind aber auch ein guter Anlass, bei dem ihr alle gemeinsam an etwas arbeitet.„Nebenbei“ verdient ihr Geld Rasen mähen , Autos putzen . durch einen kleinen Eintritt, indem ihr Getränke verkauft oder die Spendendose am Eingang aufstellt. Möglich sind SV-Partys, Kinoabende, Konzerte, Motto-Abende oder Durch Helfen bei Veranstaltungen, z. B. Aufbau einer Messe oder eines Festes. ein Winterball. 113 3.4. Öffentlichkeitsarbeit  3 3.4.1. Schülerversammlungen nutzen  3  S. 18  Jede Klasse hat das Recht, eine Schülerversammlung einzuberufen und innerhalb der Unterrichtszeit durchzuführen. Das bedeutet, dass ihr euch als Klasse zusammensetzt und über das sprecht, was für euch als Klasse wichtig ist und was in den Schülerrat getragen werden soll. Möglich ist auch, dass ihr Umfragen aus dem Schülerrat gemeinsam ausfüllt bzw. beantwortet. Es ist am besten, wenn die Schülerversammlung direkt vor oder nach einer Schülerratssitzung stattfindet, dann sind die Gedanken, Anregungen und Informationen noch ganz aktuell. Was tun, wenn’s bei euch bisher keine Schülerversammlung gibt? Sprecht die Klassenleitung darauf an, dass ihr euer Recht in Anspruch nehmen wollt. Falls eure Klassenleitung das aus zeitlichen Gründen ablehnt, ist das auch nachvollziehbar. Da das aber im Widerspruch zu eurem Recht steht, muss dann eine Ebene höher(eventuell mit der Schulleitung) eine Lösung gefunden werden. Worüber können wir sprechen? Themen könnten sein: p der Unterricht, z. B.„Was wird unterrichtet und wie?“ oder der Hausaufgabenumfang, p das Miteinander in eurer Klasse, z. B. der nächste Wandertag, eure K­ lassenfahrt, aber auch Konflikte in der Klasse, p eure Schule, z. B. die Gestaltung eures Klassenraums oder des Schulhofs oder Sportveranstaltungen, p Themen für den Schülerrat, z. B. Anträge, die ihr stellen wollt, Vorschläge und Projektideen, p alle weiteren Themen, die euch betreffen und interessieren, z. B. aktuelle politische Ereignisse oder Aufklärung über Drogen. 114 Pimp my School – 1 × 1 der SV-Arbeit Ein Beispielablauf Den genauen Ablauf könnt ihr selbst festgelegen. Eine Möglichkeit seht ihr hier: 1. Begrüßung, 2. Dank- und Lobesrunde für den vergangenen Monat, 3. Überprüfung der Vereinbarungen vom letzten Mal, 4. Bericht aus der SV, 5. Themen sammeln oder Vorlesen der Tagesordnung, 6. Besprechen der Themen: a. Umfrage zur Unterrichtszufriedenheit aus dem Schülerrat, b. der nächste Wandertag, c. Ärger mit den Hausaufgaben im Deutschunterricht, 7. Klärung, was im Protokoll stehen muss, 8. Feedback. Checkliste: Vorbereitung einer Schülerversammlung Termin mit der Klassenleitung absprechen Themen sammeln, z. B. mit einem Klassenbriefkasten oder einer Wandzeitung, einer Pinnwand oder einem Klassenchat Tagesordnung an die Tafel schreiben Stuhlkreis stellen 115 3 3.4.2. Im Schulalltag für alle ansprechbar sein  Eure Schülervertretung sollte im Schulalltag aller Schüler_innen sichtbar sein. Es sollte also sehr leicht möglich sein, euch zu kontaktieren oder mal vorbeizuschauen. Dann werdet ihr langfristig auch als hilfreiche Anlaufstelle und echte Ansprechpartner_innen wahrgenommen. Schafft Kontaktmöglichkeiten Ihr solltet leicht und auf unterschiedlichen Wegen ansprechbar sein. Möglich sind: p ein spontanes persönliches Gespräch im SV-Raum, p Kontakte über ein SV-Handy, dessen Nummer an der Schule bekannt ist und das bei den sozialen Medien angemeldet ist, p Instagram, p eine E-Mail-Adresse, p ein SV-Briefkasten. Ein SV-Raum Ein eigener SV-Raum ist die beste Möglichkeit, präsent zu sein. Nach dem Schulgesetz steht euch leider kein eigener Raum zu. Viele Schülervertretungen haben aber nach Verhandlungen mit der Schulleitung oder einem Antrag in der Schulkonferenz einen SV-Raum dauerhaft zur Verfügung gestellt bekommen. Es empfiehlt sich, bei der Raumsuche zuerst den_die Hausmeister_in anzusprechen. Er_sie wird am besten im Blick haben, welche Räume wenig genutzt werden. Habt ihr einen SVRaum ergattert, so könnt ihr ihn gestalten, wie es für euch am besten passt: Pläne, Aufgaben und To-dos an den Wänden aufhängen, einen PC mit Internetzugang einrichten oder Dinge, um den Raum gemütlich zu machen. Wichtig ist, dass ihr einen eigenen Schlüssel bekommt, damit ihr nicht von anderen abhängig seid, wenn ihr den Raum nutzen wollt. 116 Pimp my School – 1 × 1 der SV-Arbeit Einfache Möglichkeiten schaffen, die Schülervertretung kennenzulernen Die Mitarbeit als Klassensprecher_in oder in einer Projektgruppe kann sich für einige, die an eurer Arbeit interessiert sind, schon zu verbindlich anfühlen. Daher ist es gut, wenn ihr Möglichkeiten schafft, die Schülervertretung kennenzulernen, ohne sich gleich zu etwas zu verpflichten, z. B. durch: p einen Rundgang durch alle Klassen zur Vorstellung eurer Arbeit, p ein regelmäßiges SV-Café, in dem ihr z. B. Tee und Kuchen anbietet und man sich nebenbei über Projekte informieren kann, p einen Tag der offenen Schülervertretung, den ihr groß bewerbt und bei dem ihr euch gut sichtbar in den Pausen an einen belebten Ort setzt. Dann können sich I­nteressierte über SV-Aktionen, aktuelle Projekte oder ihre eigenen Mitgestaltungsmöglichkeiten informieren. Wendet euch auch an die jüngeren und neuen Schüler_innen, denn ihr müsst für Nachfolger_innen sorgen. Sprechzeiten einführen Ihr solltet mindestens eine Sprechzeit pro Woche anbieten, am besten im SV-Raum oder an einem anderen ruhigen Ort in der Schule. Macht ausreichend Werbung dafür, sonst kommt keine_r. Anbieten könnt ihr z. B. Beratungen zu Problemen mit Lehrer_innen, zu den Rechten von Schüler_innen oder ein offenes Ohr bei schlechten Noten. Solltet ihr nicht helfen können, ist es gut, wenn ihr auf andere verweisen könnt. Sprecht euch dazu am besten mit den SV-Berater_innen ab. 117 3 3.4.3. Meinungen aller Schüler_innen einholen  Als Schülervertretung vertretet ihr all eure Mitschüler_innen. Dafür ist es wichtig, dass ihr sie regelmäßig nach ihrer Meinung fragt. Im Optimalfall führt das sogar dazu, dass Schüler_innen bei euch mitarbeiten wollen, weil sie merken, dass sich die Schülervertretung wirklich mit den für sie wichtigen Themen beschäftigt. 3  S. 70  Umfragen online und offline Umfragen, die in den Schülerversammlungen der einzelnen Klassen durchgeführt werden, sind das beste Mittel, um alle zu erreichen. Vor allem online habt ihr den Vorteil, dass die Ergebnisse direkt für euch ausgewertet werden. Auch die Verbreitung ist einfacher. Mögliche Themen sind das Verhältnis zu den Lehrer_innen, AG-Wünsche, Zufriedenheit mit dem Schulessen oder mit dem Zustand der Toiletten. Auf Basis der Ergebnisse können anschließend Projekte entstehen. Hilfreiche Methoden und Tools für Umfragen sind u. a. Post-it-Aktionen, die Verwendung von GoogleForms, WhatsApp oder Instagram. Abfragen bei öffentlichen Anlässen Wenn ihr z. B. die SV-Arbeit beim Sommerfest mit einem Stand präsentiert, könntet ihr ein Plakat aufhängen mit den Fragen:„Was für Ideen für neue SV-Projekte hast du?“,„Was soll sich an unserer Schule ändern?“. Oder ihr bereitet Poster vor, auf denen eure Mitschüler_innen selbst Ideen eintragen oder aber mit Klebepunkten markieren können, was ihnen gut gefällt. Auffällige Ideenplakate oder Bodenzeitungen Hängt doch einfach in der Schule ein paar Plakate auf, auf denen ihr eure Mitschüler_innen nach Ideen für die SV-Arbeit fragt. Mögliche Fragen könnten sein:„Was soll die Schülervertretung dieses Jahr machen und was soll an der Schule verändert werden?“ Je auffälliger die Plakate sind, desto besser. Damit eure Mitschüler_innen eher darüber„stolpern“, könnten sie sogar auf dem Boden liegen. 118 Pimp my School – 1 × 1 der SV-Arbeit Projektwochen/-tage nutzen An vielen Schulen gibt’s vor den Ferien eine Projektwoche oder einen Projekttag. Vielleicht dürft ihr als Schülervertretung auch einen Projekttag ins Leben rufen. An einigen Schulen organisiert die Schülervertretung sogar die ganze Projektwoche. Mit Unterstützung der SV-Berater_innen könnt ihr ein SV-Projekt anbieten, das alle Interessierten besuchen können. Dann gibt’s endlich mal genug Zeit, um ins Arbeiten zu kommen. Beschwerdestelle einrichten Ihr habt verschiedene Möglichkeiten. Die Hauptsache ist, dass ihr es euren Mitschüler_innen ermöglicht, anonym Beschwerden oder Feedback mitzuteilen, und ihr diese dann verarbeitet. Das könnt ihr einerseits analog z. B mit einem Briefkasten machen, oder ihr findet eine digitale Möglichkeit wie z. B. Tellonym. 119 3 3.4.4. Wie erreichen wir die Richtigen?  Meist braucht es für bestimmte Projekte neue Mitstreiter_innen oder aber ihr wünscht euch mehr Aufmerksamkeit für eure Schülervertretung. Wenn ihr also die Absicht habt, eure Mitschüler_innen zu motivieren, auf eine Veranstaltung hinzuweisen, oder einfach sagen wollt, dass ihr als Schülervertretung für eure Schüler_innen immer da seid, gestaltet Werbung! Überlegt euch am besten vorher, was gute Werbung für euch ausmacht, dass sie z. B. neugierig machen soll, spannend und aktuell ist. Auch Mundpropaganda funktioniert immer gut, also das persönliche Einladen und Ansprechen. Denn mit euch als Menschen können eure Mitschüler_innen mehr anfangen als mit einem Zettel an der Wand. Bevor ihr mit der Werbung loslegt, solltet ihr folgende Schritte durchdenken: Öffentlichkeitsarbeit zur festen Aufgabe machen Öffentlichkeitsarbeit und Werbung sind für all eure SV-Projekte wichtig. Daher ist es empfehlenswert, eine_n Beauftragte_n im SV-Team oder eine dafür verantwortliche AG zu haben, die eng mit dem SV-Team zusammenarbeitet. Im besten Fall sind dort Schüler_innen vertreten, die Spaß an der Gestaltung von Werbung, witzige Ideen und Zeit mitbringen. 3  S. 137  1. Wen wollt ihr erreichen, wer muss erreicht werden? Es gibt verschiedene Personengruppen, die ihr inner- und außerhalb der Schule ansprechen könnt, damit eure SV-Arbeit erfolgreich ist. Gründe dafür können sein, dass ihr Unterstützung braucht, Kontakte benötigt, Wissen sammelt oder einfach mehr Leute in die Schülervertretung einbeziehen möchtet. 2. Was ist das genaue Ziel? Als Nächstes ist es wichtig, zu überlegen, was ihr konkret erreichen wollt. Wie sollen die Adressat_innen reagieren? Was sollen sie machen? Was würde passieren oder was wäre das Ergebnis, wenn die Werbung klappt? Beispiele:„Mindestens fünf jüngere Schüler_innen kommen zur nächsten Mini-SV“ oder„Die Umfrage zur Verbesserung der Schule hat mehr als 100 Unterschriften“. 3. Was ist der Inhalt bzw. die Botschaft? Ihr müsst nun Botschaften formulieren, die für eure Zielgruppe passen und die dafür sorgen, dass euer Ziel erreicht wird. Wenn ihr beispielsweise mehr Schüler_innen für eure Mini-SV haben wollt, könnte die Botschaft sein:„Die SV ist auch etwas für jüngere Schüler_innen.“ Ihr könnt aber genauso auch ganz bewusst Akzente setzen und etwas thematisieren, was ihr an der Schule diskutiert haben wollt, z. B. die Digitalisierung oder Verbesserung des Unterrichts. Wenn es noch nicht viel zu berichten gibt, dann lautet die Botschaft vielleicht:„Wir sind für euch da, wir haben 120 Pimp my School – 1 × 1 der SV-Arbeit Interesse, etwas zu verändern. Sagt uns, was ihr auf dem Herzen habt.“ Hier einige weitere Ideen für Inhalte: p Ansprechpartner_innen in der Schülervertretung für bestimmte Themen, p eure laufenden Projekte und Aktionen, p eure Erfolge und was ihr dafür getan habt, p Aufrufe zum Mitmachen oder für Feedback, p aktuelle Neuigkeiten aus der Schule oder Schulkonferenz, p eure Rechte als Schülervertretung und die Rechte der Schüler_innen. 4. Wie verpackt ihr die Botschaft? Damit eure Information oder euer Aufruf auch Aufmerksamkeit erhält und seine Wirkung hat, kommt es jetzt auf die Gestaltung an. Welche Formulierung wählt ihr und wie setzt ihr das um? Überlegt einmal, welchen Eindruck z. B. ein ­weißer A4-Zettel mit kleiner schwarzer Schrift als Aushang der Schülervertretung macht? Eher„Oh, anstrengend und langweilig“ statt„Yeah, da will ich mitmachen“. Achtet auch auf Formulierungen. Beispielsweise werden die Sätze„Schule ohne Noten!?“ oder „Transparente Notenvergabe durch Lehrer_innen!“ auf jeden Fall für Reaktionen und damit Interesse sorgen. Diese Forderungen sind vielleicht provokant und kritisch, aber einer Vertretung der Schüler_innen total erlaubt. Für die Mini-SV könnten z. B. Sticker mit dem Spruch„Neu an der Schule – und schon viele Ideen, was sich ändern soll? Komm zur Mini-SV, der jungen Schülervertretung!“ funktionieren. Hier noch ein paar Tipps für die Gestaltung eurer Reklame: p Zielgruppe persönlich ansprechen(„ihr könnt“,„für euch“), p je einfacher die Formulierungen, desto besser, p übersichtliche Grafiken statt Tabellen mit Zahlen, p Emotionen und Farben einsetzen, p Fremdwörter verständlich umschreiben. Wiedererkennungswerte schaffen Damit alle eure Werbung auch immer direkt mit der Schülervertretung verbinden, solltet ihr gut wiedererkennbar sein. Legt euch z. B. ein SV-Logo mit Motto oder Slogan zu, das etwa über einen schulweiten Wettbewerb gesucht wurde. Wenn ihr dieses Logo dann auf allen Veröffentlichungen benutzt, entsteht ein Wiedererkennungswert. Macht eure eigenen Merchandising-Artikel mit eurem Logo, z. B. Hoodies, T-Shirts oder Beutel. Wenn die Kleidung ansprechend und nicht zu teuer ist, könnt ihr so eure Werbung von allen„rumtragen“ lassen und nebenbei kommt sogar ein wenig Geld in die SV-Kasse. 121 5. Was sind geeignete Mittel und Wege? Jede Zielgruppe„tickt“ anders, daher solltet ihr überlegen, auf welchem Weg ihr eure Zielgruppe am besten erreicht und welche Vor- und Nachteile es gibt. Oft wird als Erstes über die Schulhomepage gesprochen – die schauen sich aber erfah3 rungsgemäß nur wenige Schüler_innen an. Sie ist eher geeignet, wenn ihr aus der Schule heraus zeigen wollt, dass es euch gibt. Grundsätzlich gibt es viele Optionen: p Möglichkeiten, die es in der Schule schon gibt, z. B. die SV-Stunde, p Social Media, z. B. Instagram, p Gedrucktes, z. B. Flyer oder Plakate, p auffallen im Schulalltag und präsent sein, z. B. mit Stickern, p Merchandising-Produkte, z. B. T-Shirts, p Gutes tun und dabei präsent sein, z. B. durch Benefizprojekte. 122 Pimp my School – 1 × 1 der SV-Arbeit 3.4.5. Das Abc der Möglichkeiten  Es gibt viele Möglichkeiten und Kanäle, wie ihr in der Schule bekannt und gut sichtbar werdet. Egal, welche ihr davon wählt, es ist wichtig, dass ihr klärt, wie ihr die Richtigen erreicht, und über eure Rechte Bescheid wisst. Das schulpolitische Mandat nutzen (§ 80,§ 85 SchulG) Als Schülervertretung dürft ihr eure Meinung in Wort, Schrift und Bild verbreiten, eine Schülerzeitung herausgeben, deren Inhalt nicht mit der Schulleitung abgestimmt werden muss, und sogar einen Instagram-Account oder andere Medien betreiben. Damit dürft ihr euch zu Themen rund um die„Bildungs- und Erziehungsarbeit“ positionieren. Diese sehr allgemeine Formulierung im Schulgesetz könnt ihr zu eurem Vorteil nutzen und mit guten Argumenten davon überzeugen, dass ­Themen, die euch am Herzen liegen(z. B. Klimaschutz und Antirassismus) auch darunterfallen. Über Social Media und das Internet präsent sein Ihr könnt online Fotos, Memes oder Videos verbreiten. Ihr könnt z. B. Fotos der letzten SV-Party veröffentlichen oder aber einen SV-Film, um euch ein Image aufzubauen. Eure Möglichkeiten: p Instagram, p TikTok, p ein Infokanal bei einem Messengerdienst, bei dem nur ihr posten könnt, eure Mitschüler_innen aber informiert bleiben, p X(ehemals Twitter), p ein YouTube-Kanal, p ein Podcast, p Online-Umfragen, z. B. über GoogleForms, p eine digitale Schülerzeitung. 123 3  S. 41  Ärger mit Schulleitungen Manchmal sind Schulleitungen der Auffassung, dass ihr keine Accounts in den sozialen Medien haben dürft. Das ist jedoch gerade nicht der Fall, wie§ 85 [3] und[4] des Schulgesetzes regeln! Wichtig ist, dass nicht der Eindruck erweckt wird, dass es sich um einen offiziellen Account eurer Schule handelt, sondern dass er ganz klar von Schüler_innen betrieben wird. Wenn es damit Probleme gibt, ist der Landesschülerrat ein guter Ansprechpartner. Wichtig ist außerdem, dass ihr bei Veröffentlichungen Folgendes beachtet: p Bildrechte, d. h. das Urheberrecht. Nutzt am besten einfach lizenzfreie Bilder. p Persönlichkeitsrechte, z. B. das Recht am eigenen Bild. Das heißt, dass von niemandem gegen seinen Willen Fotos veröffentlicht werden dürfen. Schüler_innen über 16 Jahre können euch mündlich ihr Einverständnis geben. Bei jüngeren Schüler_innen müsst ihr eine Einwilligung der Eltern einholen oder ihr fotografiert nur so, dass die Menschen, von denen ihr keine Einwilligung habt, nicht zu erkennen sind. p Presserecht, z. B. Impressumspflicht bei Websites oder in einer Schülerzeitung. 3 Nutzt die Möglichkeiten, die es in der Schule schon gibt Am einfachsten ist es, wenn ihr Möglichkeiten nutzt, die sowieso dafür vorgesehen oder sehr naheliegend sind, z. B.: p die Schülerversammlungen der einzelnen Klassen für Berichte und Umfragen, p Schülervollversammlungen mit allen Schüler_innen der Schule: der effektivste Weg, um alle Schüler_innen gleichzeitig zu erreichen, p Nutzung des Vertretungsplans oder von Infobildschirmen der Schule, p Nutzung der Lehrer-/Klassenfächer, z. B. für Protokolle aus Sitzungen, p die Lehrerkonferenz: gut geeignet, um alle Lehrer_innen zu erreichen, p der wöchentliche Schulbrief(wenn es den gibt): eine regelmäßige Info der Schulleitung via E-Mail über die wichtigsten Entwicklungen an der Schule, p ein SV-Brett: Die klassische Pinnwand mit SV-News muss an einem sehr ­zentralen Ort hängen, an dem wirklich viele Schüler_innen vorbeikommen, und sie muss ansprechend gestaltet sein, p Infostände, z. B. beim Hoffest, Tag der offenen Tür, zur Einschulung, p die Schulhomepage: gut geeignet, um euch allgemein vorzustellen und auf eure immer aktuelle eigene Seite hinzuweisen. 124 Pimp my School – 1 × 1 der SV-Arbeit Gedrucktes Offline-Medien haben den Vorteil, dass die Infos zu Schüler_innen vordringen, die sich sonst nicht selbst informieren. Eure Möglichkeiten: p Flyer, die an jedem Eingang der Schule verteilt werden, p Plakate, die an Klassenzimmertüren hängen, p Postkarten, die im Schulgebäude an wichtigen Orten verteilt werden, p eine SV-Zeitung/ein SV-Newsletter/SV-Infoblätter in den Klassenzimmern, z. B. mit euren aktuellen Projekten, euren Sprechzeiten und Fotos der aktuellen Schülervertretung, p eine Schülerzeitung: www.schuelerzeitung.de, www.jugendpresse.de, p eine„Klozeitung“, die auf den Toiletten hängt. Auffallen im Schulalltag Oft geht die Schülervertretung im„grauen“ Alltag unter. Überlegt also, mit welchen Ideen ihr den normalen Schulalltag durchbrechen könnt. Ihr solltet eure Öffentlichkeitsarbeit so gestalten, dass man an bestimmten Orten, Zeiten oder Situationen einfach nicht drum herumkommt, euch wahrzunehmen. Dabei könnt ihr ruhig für etwas Irritation sorgen, z. B. indem ihr Postkarten auf dem Boden beim Schuleingang verteilt, auf denen„Dreh mich um“ steht. Eure Möglichkeiten: p Sticker, die z. B. auf Toiletten geklebt werden, p Slogans oder Rechte von Schüler_innen, die ihr als einzelne Zettel im ­Schulgebäude verteilt, p ein„roter Faden“, den ihr auf den Boden klebt und der zum SV-Raum führt, p mehrere Wegweiser in der Schule:„Noch 20 Schritte bis zum SV-Raum“, p Treppenstufen für Werbung verwenden, p Aufstellen riesiger SV-Werbewürfel an mehreren Orten auf dem Schulgelände, p Post-it-Aktionen – dabei werden eure Mitschüler_innen aufgefordert, über Post-its ihre Wünsche für die SV-Arbeit an den SV-Raum zu pinnen, p eure SV-Webseite zur Startseite auf den Schulrechnern machen, p Durchsagen über die Sprechanlage, p Schulradio: Eine Gruppe von Schüler_innen tut sich zusammen und gestaltet ein kleines Radioprogramm, das in Pausenräumen oder über die Sprechanlage der Schule in bestimmten Pausen zu hören ist. 125 Merchandising-Produkte Einprägsame Werbung macht man mit Merchandising-Produkten. Wichtig: Euer Logo muss drauf. Eure Möglichkeiten: p Bleistifte, Kugelschreiber, Radierer, p Thermobecher, Lunchbox, p Hausaufgabenhefte, Schulplaner, p T-Shirts, Pullover. Gutes tun und dabei präsent sein Ihr könnt euch für andere einsetzen und dabei sichtbar zur Schülervertretung gehören. Das ist dann eine charmante Werbung, ohne dass die Schülervertretung dabei im Vordergrund steht. Eure Möglichkeiten: p klassische Valentinstags- oder Nikolausaktionen, p Benefiz- oder Spendenprojekte, z. B. für Obdachlose oder Geflüchtete, p Unterschriftenaktionen für eine gute Sache. Alles etwas radikaler? Für große Veränderungen z. B. im Bildungssystem insgesamt setzen Schülervertreter_innen von Zeit zu Zeit auch radikalere Methoden ein. Hier kann es zu Ärger mit der Schulleitung kommen, weil teilweise umstritten ist, ob die Maßnahme vor allem während des Unterrichts legal ist. Eure Möglichkeiten: p das Herausgeben von Pressemitteilungen, p ein Flashmob, d. h. eine vorgefertigte Choreografie an einem öffentlichen Ort, p das Bestreiken der Schule, p Demos. Die SV-Infostunde Die SV-Infostunde ist eine tolle Möglichkeit, mit der ihr die Schülervertretung gleich zu Schuljahresbeginn in den jüngeren Klassen bekannt machen könnt. Dabei besuchen ältere SVler_innen die(neuen) Klassen, z. B. in Zweierteams. Sie berichten über die laufende SV-Arbeit, wie die Schülertretung und ihre Gremien funktionieren oder über die Aufgaben von Klassensprecher_innen. So geben sie der Schülervertretung ein Gesicht und werden automatisch Ansprechpartner_innen für neue Schüler_innen. Langfristig ist es sinnvoll, wenn ihr die Infostunden fest verankert. An manchen Schulen sind sie in die Unterrichtspläne integriert, z. B. in Sozialkunde. Wenn ihr die SV-Infostunde das erste Mal durchführt, ist es aber vor allem wichtig, dass ihr euch vorher mit der Schulleitung absprecht und die Lehrer_innen informiert. 126 Pimp my School – 1 × 1 der SV-Arbeit 3.5. Strukturen für dauerhafte SV-Arbeit  3.5.1. Wissen weitergeben  Damit nicht jeder SV-Vorstand im neuen Schuljahr wieder ganz von vorn beginnen muss, solltet ihr euer Wissen und Material gut dokumentieren und zugänglich machen. Dann können eure Nachfolger_innen gleich loslegen. Es gibt viele Möglichkeiten, Wissen festzuhalten. Ihr müsst für euch entscheiden, worauf ihr am meisten Lust habt. Arbeitet ihr lieber digital oder analog? Und habt ihr Lust auf lange Texte oder lieber einige handliche Checklisten? Wer soll alles auf die Wissenssammlung Zugriff haben? Hier sind einige Ideen, wie ihr euer Wissen gut festhalten könnt: Den Wissensspeicher nebenbei aufbauen Sich hinsetzen und alles abtippen kann öde sein. Eine gute Alternative ist es, wenn ihr online einmal eine Grundstruktur für euer Wissen anlegt(z. B. ein Schlaues Buch, siehe unten) und dann am Ende von Sitzungen fragt, was aus der heutigen Sitzung ins Schlaue Buch übertragen werden sollte, was ihr dann direkt machen könnt. Grundlagen  p Protokolle sind oft unbeliebt, helfen aber, Dinge nachvollziehbar und über­ prüfbar zu machen. Um die Aufgabe attraktiver zu machen, sollte sie von wechselnden Personen übernommen und diese dafür eventuell belohnt werden, z. B. mit einer Tafel Schokolade. p Checklisten helfen euren Nachfolger_innen, etwas durchzuführen, ohne es selbst schon einmal gemacht zu haben. Achtet dabei darauf, dass alles möglichst genau beschrieben ist, sodass auch Unerfahrene das Projekt durchführen können. p Evaluationen am Ende des Schuljahres durchführen: Hierbei fragt ihr euch grundsätzlich: Was hat gut funktioniert? Was hat nicht so gut funktioniert? Was können wir für das nächste Schuljahr daraus lernen bzw. was wollen wir anders machen? Evaluieren könnt ihr die Arbeit an Projekten, die Zusammenarbeit mit der Schulkonferenz, den SV-Berater_innen oder im SV-Vorstand. p Erfahrungen mit Projekten und Partner_innen dokumentieren, z. B. mit welchen Firmen die Zusammenarbeit gut klappt, wo man etwas kostenlos bekommt usw. 127 SV-Ordner oder SV-Box  Ein SV-Ordner wird im SV-Raum gelagert und enthält eine Sammlung aller wichtigen Infos zur SV-Arbeit. So kann man schnell herausholen, was gebraucht wird, z. B. Kontaktlisten, Checklisten oder Formulare. Möglich ist das aber auch als SV-Box: 3 Dabei erhält jedes Projekt eine eigene kleine Kiste, in der alle Unterlagen, Checklisten und Materialien liegen. Oder alles digital: SV-Drive Natürlich könnt ihr auch einen digitalen SV-Ordner haben, indem ihr einen SV-Drive anlegt. Wenn alle darauf Zugriff haben, kann dieser jederzeit erweitert werden. Mit einer sinnvollen und einfachen Ordnerstruktur kann der SV-Drive für SV-Neulinge oder neu gewählte SV-Vorstände eine wichtige Stütze sein. Erklärvideos aufnehmen Erklärvideos kann man„professioneller“ mit Tools aus dem Netz aufnehmen und aufbereiten, doch dann steckt einiges an Arbeit dahinter. Möglich ist aber auch, am Ende des Schuljahres Schüler_innen mit viel Wissen einfach kurz mit dem Handy zu interviewen. Eine Person beantwortet dann z. B. die Frage: Was ist wichtig bei der Vorbereitung von Sitzungen? Wichtig ist: kurz und knackig – also z. B. nur genau eine Minute dazu. Dann kann es zu einem anderen Thema ein weiteres Miniinterview geben – diese kleinen Interviews werden dann bei der Einarbeitung den neuen Schülervertreter_innen gezeigt und vereinfachen deren Einstieg. Schlaues Buch Hilfreich ist es, wenn euer SV-Raum schon durch seine Gestaltung viel erklärt, z. B. indem es Plakate gibt mit Informationen zu gewählten Gremienvertreter_i­n­nen, aktuellen Projekten oder aber Themen für die nächste Sitzung. SV-Mappe für neue Klassensprecher_innen Zu Beginn des Schuljahres bekommen die neu gewählten Klassensprecher_innen eine SV-Mappe für ihre Klasse. Sie enthält alles Wichtige für die Arbeit als Klassensprecher_in. Das könnte eine Terminübersicht für das SV-Jahr, eine Protokollvorlage für Sitzungen oder eine Anleitung für die Durchführung der Schülerversammlung sein. Die Mappe wird zu den Sitzungen mitgebracht und wächst über die Jahre zu einem kleinen SV-Archiv, das von Klassensprecher_in zu Klassensprecher_in weitergegeben wird. Plakate im SV-Raum Hilfreich ist es, wenn euer SV-Raum schon durch seine Gestaltung viel erklärt, z. B. mit Plakaten mit Informationen zu gewählten Gremienvertreter_innen, aktuellen Projekten oder aber Themen für die nächste Sitzung. Auch einen SV-Kalender könnt ihr aufhängen. 128 Pimp my School – 1 × 1 der SV-Arbeit Teil von Schulprozessen werden Um SV-Wissen in der ganzen Schulgemeinschaft zu verankern, solltet ihr die Schülervertretung im Schulalltag möglichst sichtbar machen. Das funktioniert, indem ihr automatisch Teil von Schulprozessen werdet. Ihr nutzt also Dinge in der Schule, die es sowieso schon gibt und die viel verwendet und gesehen werden, und ergänzt diese mit Informationen über oder von euch. Zum Beispiel könnte im Hausaufgabenheft oder Schulkalender der Schule eine Anleitung für gute Klassensprecherwahlen oder die Schülerversammlung stehen. Oder ihr führt eine„SV-Rubrik“ beim Schulnewsletter oder auf der Schulwebsite ein. So erhalten nebenbei alle Schüler_innen wichtige Informationen über euch. Satzung und Geschäftsordnung Eine Satzung oder Geschäftsordnung ist ein Dokument, in dem festgehalten wird, wie die Schülervertretung funktioniert. Das ist wie ein SV-Regelwerk. Ihr könnt also selbst Regeln aufstellen, die eurer Arbeit eine Struktur geben. Inhalt können der Ablauf der SV-Sitzungen, die genaue Aufgabenverteilung des SV-Vorstands oder Wahlvorschriften sein. Die Satzung oder Geschäftsordnung muss der Schülerrat einmal offiziell beschließen. 129 3 3.5.2. Einarbeitung neuer Schülervertreter_innen  Am besten lernen wir von anderen. Deshalb ist es wichtig, dass ihr euch Zeit nehmt, um eure Nachfolger_innen einzuarbeiten. Sonst riskiert ihr, dass eure wertvollen Erfahrungen verpuffen und wieder von vorn angefangen wird. Wichtig ist dabei, dass ihr euch veranschaulicht, wie ihr selbst angefangen habt. Seid also großzügig, wenn die Neuen auch erst einmal Fehler machen, und geht wohlwollend damit um. SV-Modelle zur Förderung des Nachwuchses  Neben den weiter unten genannten Möglichkeiten könnt ihr auch euer ­SV-Modell bewusst an den Nachwuchs anpassen. Das geht z. B. durch: 3  S. 35  3  S. 34  p eine Mini-SV, das bedeutet, dass es eine eigene Schülervertretung der unteren Jahrgänge gibt, die jemand aus dem SV-Vorstand betreut, p eine vorgeschriebene Rotation im SV-Vorstand, das bedeutet, dass Rollen z. B. alle halbe Jahre an andere abgegeben werden, p ein erweitertes SV-Team, in das laut Satzung automatisch auch Schüler_innen aus den unteren Jahrgängen gewählt werden. Amtsübergabe des SV-Teams schon im alten Schuljahr planen  Schon vor Ende eurer Amtszeit solltet ihr Ausschau nach Nachfolger_innen halten und diese aktiv ansprechen und einbinden. Gut ist auch, wenn der alte SV-Vorstand SV-Interessierte am Ende des Schuljahres einführt. Nachdem sich der neue SVVorstand gebildet hat, kann noch eine intensivere„echte“ Übergabe stattfinden, bei der ihr den Neuen Tipps und Tricks an die Hand gebt. Überlegt doch vorher einmal, welche Informationen euch am Anfang selbst gefehlt haben. Hilfreich ist es zudem, wenn ihr nach eurer Amtszeit zumindest übergangsweise noch für Fragen erreichbar seid(auch wenn ihr die Schule verlassen habt) oder z. B. die erste Sitzung des Schülerrats gemeinsam plant. Einführungstag zu Beginn des Schuljahres Zu Beginn des Schuljahres könnt ihr einen Einführungstag für die neuen Klassensprecher_innen machen. Hier können sie etwas über die Rechte der Schülervertretung und ihren Aufbau erfahren. Die erfahrenen Schülervertreter_innen geben ihre Erfahrungen aus dem Vorjahr weiter und die Neuen können ihre Wünsche und Ideen für das neue SV-Jahr äußern. 130 Pimp my School – 1 × 1 der SV-Arbeit Patenschaften in der Schülervertretung  Als neue_r Klassensprecher_in verstehst du vielleicht erst mal nur„Bahnhof“ in den SV-Sitzungen, und es ist schwer zu begreifen, was die Älteren da genau machen. Eine Möglichkeit, den Einstieg in die SV-Arbeit leichter zu gestalten, sind Patenschaften der älteren SVler_innen für(mehrere) neue SVler_innen oder einen ganzen Jahrgang. Das bedeutet z. B., dass die erfahrenen SV-Pat_innen die Jüngeren aus den Klassen abholen, vor der Sitzung die Tagesordnung durchgehen, während der Sitzung neben ihnen sitzen und Fragen klären oder aber in der SV-Stunde ihre Klasse besuchen. Kleine Aufgaben schaffen und/oder sie gemeinsam übernehmen  Denkbar ist auch, dass die Jüngeren von den Älteren unterstützt und Aufgaben erst einmal gemeinsam gemacht werden, z. B. ein SV-Kuchenverkauf. Alternativ können auch bewusst„kleinere“ Aufgaben zum Warmwerden geschaffen werden, mit denen sich die Neuen„warmlaufen“ können. Infrage kommt z. B. die Vorbereitung eines Kennenlernspiels für die Schülerratssitzung oder das Aufhängen von Plakaten für eine Veranstaltung. Wenn diese Tätigkeiten gemeistert sind, können die Aufgaben langsam größer werden. Coachings für neue Klassensprecher_innen  Solche Coachings richten sich an die Klassensprecher_innen der unteren Jahrgänge. Sie finden in regelmäßigen Abständen während des Schuljahres statt, z. B. alle vier Wochen. Sie können von älteren SVler_innen oder von den SV-Berater_innen durchgeführt werden. Jeder Baustein dauert dann z. B. 90 Minuten und wird während der Unterrichtszeit umgesetzt. Dafür ist natürlich die Zustimmung der Schulleitung notwendig. Denkbar sind z. B. folgende Module: p Aufgaben und Rechte von Klassensprecher_innen und Grenzen der Arbeit p Wie leite ich eine Schülerversammlung? p Strategien zur Lösung von Konflikten p Was mache ich bei Mobbing in meiner Klasse? p Von der Projektidee zur Umsetzung. 131 Workshops geben Ihr könnt euch natürlich auch gegenseitig fortbilden. Die erfahrenen SVler_innen können beispielsweise 45-minütige Einheiten nutzen, um ihre Erfahrungen mit dem Alltag als Klassensprecher_in, dem Sprechen vor großen Gruppen, dem Verhandeln 3 oder anderen Dingen weiterzugeben. Einen SV-Coach an die Schule holen Schülervertreter_innen, die die Schule verlassen haben und über mehrere Jahre sehr aktiv waren, sind die idealen SV-Coaches. Das bedeutet, dass ehemalige Schülervertreter_innen mithilfe einer kleinen Entlohnung aus der SV-Kasse, vom Förderverein oder der Schule stundenweise die Schülervertretung weiter begleiten. Am besten geht das natürlich, wenn die SV-Coaches z. B. in der Nähe studieren oder eine Ausbildung machen. 132 Pimp my School – 1 × 1 der SV-Arbeit 3.5.3. Eine SV-Fahrt planen  Es sollte fester Bestandteil des Jahreskalenders sein, sich regelmäßig intensiv Zeit für die SV-Arbeit zu nehmen. Dafür sind ein- oder mehrtägige SV-Seminare ideal. Diese können ganz unterschiedlich aussehen. Das hängt davon ab, welche Möglichkeiten ihr an eurer Schule habt. Möglich sind ein Kick-off-Tag, schuljahres­ begleitende SV-Tage(Herbst, vor den Winterferien, vor den Sommerferien) oder aber eine Schulübernachtung von Freitag auf Samstag. Noch besser ist eine eigene SV-Fahrt. Dort können Kennenlernen, Spaß, Zusammenwachsen und inhaltliche Arbeit miteinander verbunden werden. ZIM – das steht für„Ziel – Inhalt – Methode“ (Beispiel-ZIM siehe Auftaktveranstaltung) Überlegt für jeden Tagesordnungspunkt ein Ziel, dann, welcher Inhalt vermittelt werden soll und welche Methode sich eignet. Schaut euch Material zu dem Thema an, plant die genauere Umsetzung und vereinbart, wer sich um die Moderation und Vorbereitung kümmert. Ihr findet online einen umfangreichen Reader zur Gestaltung von SV-Seminaren und im Kapitel„Sitzungen“ Methoden, die ihr einsetzen könnt. 3  S. 89  Beispiel: Ziel Alle haben ihre Ideen für SV-Projekte eingebracht Inhalt Ideen, Visionen, Träume für SV-Projekte Methode Kartenabfrage in Kleingruppen 133 Checkliste: Organisation einer SV-Fahrt Konzept: Es müssen die W-Fragen(wer, was, wann, wo, wie), Inhalte und wer die Moderation übernimmt, geklärt werden. Unterstützung holen: Möglich ist es, andere Schulen anzufragen, den Landesschülerrat oder aber SV-Organisationen. Ziel festlegen: Ziele können sein: Kennenlernen ermöglichen, euren Zusammenhalt stärken, Nachwuchs fördern, SV-Arbeit strukturieren und planen, Erfahrungen und Wissen teilen, Erfolge feiern. Finanzierung: Kostenplan erstellen(z. B. über Selbstbeteiligung, Förderverein, Lehrerkonferenz). Logistisches: An- und Abreise, Verpflegung und Kauf bzw. Transport von Materialien(z. B. Flipchart, Pinnwände, Kopien, Beamer). Teilnehmende: Wer soll alles dabei sein? Die ideale Größe für ein SV-Seminar liegt bei etwa 20 – 30 Leuten, z. B. SV-Vorstand, weitere Klassensprecher_innen und/oder Freiwillige. Es müssen Einladungen, Anmeldebögen,-bestätigungen und Teilnahmezertifikate vorbereitet sein. Gegebenenfalls braucht es Werbung und eine einfache Möglichkeit, für die Teilnahme zu bezahlen. Dauer festlegen: Wann und wie lange solltet ihr fahren? Auftakt im Herbst: 2 Tage, Fahrt: 3 Tage, 2 – 3 Monate danach: den nächsten SV-Tag planen, um weiterzuarbeiten. Wo könnte es hingehen? Jugendherbergen, Gästehäuser, externe Seminarräume, Jugendzentren, Vereinsheime, Jugendbildungsstätten, Gruppenunterkünfte ( www.gruppenunterkuenfte.de) oder die Schule selbst anfragen. Hauptverantwortung: Eine erwachsene Person muss fest im Team sein (wegen der Aufsichtspflicht), aber die Schüler_innen sollten so stark wie möglich einbezogen sein. Genehmigung: Absprache mit der Schulleitung treffen und sicherstellen, dass das S­ V-Seminar versicherungsrechtlich stattfinden kann. Inhalte planen : Womit wollen ihr euch auf der Fahrt beschäftigen? SV-Rechte, A­ rgumentation, Entwicklung und Arbeit an SV-Projekten oder politische Themen wie eine demokratischere Schule. Spaß nicht vergessen : Damit der Spaß nicht zu kurz kommt, vergesst nicht, die Freizeitgestaltung wie etwa einen Spieleabend, eine SV-Party oder einen Ausflug einzubauen. 3 134 Pimp my School – 1 × 1 der SV-Arbeit 3.6. Gremienarbeit  3.6.1. Tipps für Konferenzen  Konferenzen sind wichtige Orte, an denen ihr euch und eure Anliegen einbringen könnt. Ihr könnt Themen diskutieren und selbst Anträge stellen. Leider sind der Ablauf und die Gestaltung von Konferenzen oft nicht jugendgerecht. Hier findet ihr Tipps, was ihr gemeinsam mit Erwachsenen verändern könnt, sodass ihr euch besser einbringen könnt. Gremiencoachings zu Beginn des Jahres einführen Konferenzen sind zu Beginn nicht immer leicht zu durchschauen. Ihr könntet daher einmal pro Jahr eine Minifortbildung zur Arbeit in Konferenzen durchführen. Dazu könnt ihr alle Vertreter_innen aus der Schulkonferenz, dem Schulelternrat und den Fachkonferenzen einladen. Das Coaching könnte z. B. folgende Punkte enthalten: p Besprechen der Aufgaben gewählter Vertreter_innen, zu welchen Themen Anträge gestellt werden können sowie gegebenenfalls Tipps von Vorgänger_innen, p Vorbereiten eines Beispielantrags, p Simulation einer Schulkonferenz in einem Rollenspiel. 3  S. 14 4  Vernetzung der gewählten Vertreter_innen Damit ihr euch später gut koordinieren könnt und gesichert ist, dass wichtige Informationen aus den Konferenzen zum SV-Vorstand und auch andersherum fließen können, ist es wichtig zu vereinbaren, wie ihr gut im Kontakt bleiben könnt. Ihr lauft sonst Gefahr, dass ihr von den Gewählten„nie wieder was hört“. Jeweils ein bis zwei Personen aus dem SV-Vorstand sollten eine Chatgruppe bilden mit: p den Mitgliedern der Schulkonferenz, p allen Gewählten aus den Fachkonferenzen, p weiteren Gewählten, bei denen sich das anbietet, z. B. aus dem Schulelternrat. Außerdem sollten Vertreter_innen in der Schulkonferenz ihre Kontaktdaten mit ihrer Vertretung austauschen. Kümmert euch selbst um die Einladungen Verlasst euch nicht nur auf die Erwachsenen, was eure Teilnahme an Sitzungen angeht. Findet heraus, wann die Konferenzen im Schuljahr stattfinden, und tragt sie im Voraus in euren SV-Kalender ein. Die Termine der Konferenzen stehen eigentlich immer zu Schuljahresbeginn schon fest. Sprecht die Vorsitzenden von Konferenzen persönlich darauf an, dass ihr eingeladen werden möchtet, sonst werdet ihr vielleicht„vergessen“. 135 Interessante Themen am Anfang der Sitzung besprechen In Fachkonferenzen oder der Lehrerkonferenz können für Jugendliche interessante Themen ganz oben auf die Tagesordnung gesetzt werden, sodass es den Schülervertreter_innen danach freigestellt ist, zu gehen. So nutzt ihr die Konferenzen 3 nur so, wie ihr sie braucht, statt ellenlang auf Sitzungen zu sein, die euch nicht interessieren. Übersetzung einfordern Oft wird in Konferenzen„Erwachsenen-Sprech“ verwendet. Gut ist es daher, mit der Schulleitung bzw. den Vorsitzenden der Konferenzen darüber zu sprechen, dass ihr Verständnisfragen zu Wörtern und Zusammenhängen stellen dürft. Noch besser wäre, wenn sich vor der Sitzung jemand Zeit nimmt und schon Fragen zu den Inhalten geklärt werden können. Vortragen und sprechen üben Sich auf einer Konferenz zu Wort melden kostet Mut. Ihr könnt euch darauf vorbereiten, indem ihr präsentieren übt. Am meisten Spaß macht das, wenn ihr gleich einen kleinen Workshop miteinander draus macht. Gäste zur Lehrerkonferenz senden Für die Lehrerkonferenz werden in Mecklenburg-Vorpommern im Unterschied zu vielen anderen Bundesländern keine dauerhaften Mitglieder gewählt. Ihr solltet daher mit der Schulleitung besprechen, dass ihr dort trotzdem regelmäßig über eure Arbeit berichten könnt, oder sogar von der Lehrerkonferenz beschließen lassen, dass ihr als beratende Mitglieder zumindest an einem Teil der Sitzung teilnehmen könnt. SV-Berater_innen zu Konferenzen einladen Fragt eure SV-Berater_innen, ob sie euch als Unterstützung zu wichtigen Konferenzen begleiten können. Methode Rollenspiel Schulkonferenzen (45 – 60 Minuten) Um euch auf eine Schulkonferenz vorzubereiten, könnt ihr sie in einem Rollenspiel üben. Das hilft, um Aufregung zu überwinden, gut argumentieren zu lernen und auf Unvorhergesehenes zu reagieren. Dafür wird der Raum so umgebaut, dass er so aussieht, wie er bei einer Schulkonferenz auch aussehen könnte, z. B. Tische in U-Form und vorn ein Tisch für die Schulleitung. Dann setzen sich an einen Tisch die Elternvertreter_innen, an einen Tisch die Lehrervertreter_innen sowie an einen die Schülervertreter_innen. Bei der Simulation der Schulkonferenz geht es nun 15 Minuten um euren Antrag. Ihr habt kurz die Gelegenheit, euren Antrag vorzustellen, danach wird er diskutiert und es folgt eine Abstimmung. Nach dem Rollenspiel sollte die Simulation ausgewertet werden:„Was lief gut? Was können wir noch verbessern?“ Und dann geht’s ab zur richtigen Schulkonferenz! 136 Pimp my School – 1 × 1 der SV-Arbeit 3.6.2. Wichtige Partner_innen an der Schule  Für die SV-Arbeit ist es hilfreich, wenn ihr euch ein gutes Netzwerk an Partner_innen und Verbündeten aufbaut. Der positive Eindruck von der SV in der Schule wird wachsen, indem ihr regelmäßig in Kontakt mit den wichtigen Personen der Schule bleibt, diese mitbekommen, was ihr gerade so macht, und ihr vielleicht sogar bei Projekten zusammenarbeitet. Ihr findet hier eine Sammlung der wichtigsten Partner_innen. Grundsätzliche Tipps Überlegt euch konkret, was ihr von euren Kontakten braucht, was diese sich aber auch von euch wünschen. Tretet auch nicht immer nur in Kontakt, wenn ihr gerade etwas wollt, sondern hört auch einfach mal nur zu. Es empfiehlt sich, dass diejenigen, die z. B. im SV-Vorstand für Kontakte zuständig sind, nicht ständig wechseln, weil sich eure Partner_innen sonst irgendwann nicht mehr so gern auf neue Leute einstellen. Zudem entstehen Vertrauen und ein gutes Verhältnis besonders gut durch kontinuierlichen Kontakt. Schulsekretariat Im Schulsekretariat wird nicht nur der Schulalltag organisiert, sondern hier laufen auch zahlreiche Fäden zusammen. Bei vielen Schülervertretungen kommen wichtige Informationen nicht an, die per Post versendet werden, weil das Sekretariat sie nicht weiterleitet. Damit Post und E-Mails immer bei euch ankommen, solltet ihr euch zu Beginn eurer Arbeit persönlich im Sekretariat vorstellen, die Kontaktdaten einer Ansprechperson im SV-Vorstand weitergeben und bei Bedarf um ein eigenes Postfach bitten. Schulleitung Wenn die Schulleitung einen guten Eindruck von euch hat, wird es leichter, Projekte umzusetzen. Ihr solltet regelmäßig das Gespräch mit der Schulleitung suchen – bestenfalls vereinbart ihr feste Termine zu Beginn des Schuljahres. Berichtet von euren Aktivitäten, fragt nach Rat und benennt Probleme. Nicht immer wird es Unterstützung geben, aber es ist wichtig, dass ihr auf eure Themen aufmerksam macht. Wenn die Zusammenarbeit mit der Schulleitung schwieriger ist, versucht, mit sehr konkreten Konzepten zu arbeiten und vorher schon Gegenargumente auszuräumen. Leider haben nicht alle Schulleitungen Interesse daran, die SV-Arbeit zu unterstützen. In dem Fall könnt ihr euch stärker auf andere Partner_innen konzentrieren und einen guten Kontakt zu Mitgliedern der erweiterten Schulleitung pflegen. 137 Hausmeisterei Wir alle wissen, dass die Schule nicht ohne Hausmeister_innen funktionieren würde. Kein Computer würde laufen, die Heizung wäre dauerhaft kaputt und auch den Schnee würde im Winter niemand von den Wegen räumen. Stellt euch mit den 3 heimlichen Chef_innen der Schule gut, um unkompliziert technische Unterstützung, Werkzeuge oder Zugang zu Räumen zu erhalten. Förderverein An den meisten Schulen gibt es einen Förderverein, in dem Eltern oder ehemalige Schüler_innen die Entwicklung der Schule begleiten und finanziell unterstützen. Mit dem Förderverein könnt ihr also gemeinsame Projekte planen oder um finanzielle Unterstützung für eure Projekte und SV-Fahrt bitten. Schaut doch einfach mal auf einem Treffen des Fördervereins vorbei oder trefft euch mit dem_der Vorsitzenden und tauscht euch über mögliche Ideen aus. Lehrerkonferenz Die Lehrerkonferenz ist ein guter Ort, an dem ihr zeigen könnt, dass ihr es mit der SV-Arbeit ernst meint. Ihr solltet hier mindestens ein- oder zweimal im Schuljahr über eure Arbeit informieren, da ihr auf einen Streich so gut wie das ganze Kollegium erreicht. Denkt allerdings daran, dass ihr nur auf Einladung an der Sitzung teilnehmen dürft, und sprecht das vorher mit euren Beratungslehrkräften und der Schulleitung ab. Berichtet nicht nur von neuen Projekten, sondern betont, dass ihr euch darüber freut, wenn Lehrer_innen mitarbeiten, euch unterstützen oder Ideen beisteuern. So sinken mögliche Widerstände gegen eure Projekte und die Lehrer_innen fühlen sich einbezogen. Ihr könnt auch gemeinsam mit den Lehrer_innen an einem Problem arbeiten, z. B. der Veränderung von Beliebtheitswahlen. Schulelternrat Auch den Schulelternrat solltet ihr regelmäßig über eure Arbeit informieren. Auf Einladung könnt ihr an ihren Sitzungen teilnehmen oder ihr trefft euch mit den Vorsitzenden, um über aktuelle Entwicklungen an der Schule und eure Ideen zu sprechen. Gemeinsam könnt ihr leichter Anträge in der Schulkonferenz stellen. Eltern sind außerdem super Ansprechpartner_innen, um Unterstützung für Projekte zu organisieren. Sie haben durch ihre Arbeit Kontakte zu Unternehmen und Organisationen, über die ihr z. B. Spenden erhalten könnt. Stadt oder Landkreis In fast jeder Stadt und jedem Landkreis gibt es eine Stelle(z. B. beim Jugendamt, beim Kreisjugendring), die für die Unterstützung der Interessen von Kindern und Jugendlichen zuständig ist. Diese haben möglicherweise wertvolle Tipps, aber auch organisatorische oder finanzielle Unterstützungsmöglichkeiten für euch. 138 Pimp my School – 1 × 1 der SV-Arbeit 3.6.3. Einen Antrag stellen  Anträge zu stellen ist das wichtigste Instrument der Mitbestimmung. Ein Antrag ist ein Vorschlag, der einer Konferenz zur Diskussion und Abstimmung vorgelegt wird. Spätestens, wenn ihr größere Projekte umsetzen wollt, die alle an der Schule betreffen(z. B. Streichen von Wänden, Änderung der Handyregelungen, Einrichten eines SV-Raums, Pausenregelungen), müsst ihr einen Antrag in der Schulkonferenz stellen. Sollte ein Antrag notwendig sein, solltet ihr es nicht dem Zufall überlassen, ob er eine Mehrheit erhält. Ihr findet hier Tipps, wie ihr Anträge durchsetzen könnt. Online findet ihr außerdem Beispielanträge sowie weitere Leitfäden für Anträge. Checkliste: Einen Antrag stellen ein Konzept erstellen, das die wichtigsten Informationen enthält, Unterstützer_innen suchen, den Antrag ausformulieren, für öffentliches Interesse und Aufmerksamkeit sorgen, Mehrheiten organisieren, Präsentation vorbereiten, Strategie vor der Konferenz besprechen, Verhandlungen führen. 139 3  S. 10 8  Ein Konzept erstellen Hier werden die wichtigsten Informationen zum Projekt zusammengefasst. Das Konzept sollte maximal eine A4-Seite lang sein. Es dient dazu, dass sich eure Unterstützer_innen leicht ein Bild vom Projekt machen können und ihr selbst schon möglichst viele Fragen aus dem Weg räumt. Unterstützer_innen suchen Bei der Antragstellung hat es mehr Gewicht, wenn ihr schon auf Verbündete, Partner_innen bzw. Unterstützer_innen verweisen könnt. Es zeigt, dass euer Antrag nicht aus der Luft gegriffen ist, sondern einen wichtigen Kern hat, mit dem nicht nur ihr euch identifizieren könnt. Sprecht also alle Leute an, von denen ihr glaubt, dass sie euren Antrag unterstützen könnten. Fragt gegebenenfalls gleich auch danach, ob ihr ihre Unterstützung erwähnen dürft. 3 Den Antrag ausformulieren Auf der Basis eures vorbereiteten Konzepts könnt ihr nun einen Antrag formulieren. Meist sind Anträge nicht an eine spezielle Form gebunden. Beachtet die notwendigen Fristen für das Einreichen, z. B. eine Woche vor der Sitzung muss er bei der_dem Vorsitzenden sein. Nichts falsch machen könnt ihr, wenn der Antrag Folgendes enthält: p Datum, p Name des Projekts, p Namen der Antragsteller_innen, p „Hiermit beantragen wir, dass...“+ was eure Forderung ist, p Maßnahmen: Was ist geplant?, p Argumente für den Antrag, p eine grobe Zeit-/Finanzplanung, p Unterstützer_innen, p Unterschrift. 3  S. 114  Für öffentliches Interesse und Aufmerksamkeit sorgen Wenn an der ganzen Schule über euer Projekt gesprochen wird, wird es für andere viel schwerer, euer Projekt abzulehnen. Es kann daher sehr hilfreich sein, wenn ihr möglichst breit vor der Antragstellung über euer Vorhaben berichtet, z. B. über Instagram, Chats, eine Schülervollversammlung oder in Schülerversammlungen. Mehrheiten organisieren Mit dem so weit fertigen Antrag solltet ihr Kontakt zu den wichtigen Entscheider_innen in der jeweiligen Konferenz aufnehmen – in der Schulkonferenz also z. B. mit den betreffenden Lehrervertreter_innen und/oder Elternvertreter_innen. Mit ihnen solltet ihr ja in Vorgesprächen schon einmal gesprochen haben. Jetzt geht es darum, mit ihnen nochmals die Details zu besprechen, sodass sie nicht auf der Sitzung selbst erst wieder von eurem Anliegen hören. Sollte es noch Rückfragen oder Bedenken geben, so habt ihr mehr Zeit, jetzt darauf einzugehen, als in einer Situation wie der Sitzung selbst, wo es auch einen gewissen Druck auf euch und andere gibt. Möglicherweise müsst ihr einen Antrag auch noch einmal geringfügig verändern, um die ungeteilte Zustimmung der Elternvertreter_innen zu erhalten. 140 Pimp my School – 1 × 1 der SV-Arbeit Präsentation vorbereiten Um euren Antrag überzeugend vorzustellen, sind folgende Vorü­ berlegungen empfehlenswert: p einen Kurzvortrag vorbereiten, p die Erwartungen der anderen einschätzen, p gut und sicher argumentieren, p üben und Feedback einholen, p mit Aufregung umgehen. 3  S. 14 2  Strategie vor der Konferenz besprechen Die Vertreter_innen aus der betreffenden Konferenz, also z. B. die Schülervertreter_innen in der Schulkonferenz, sollten sich vor der Sitzung noch einmal treffen. Ihr solltet euch alle sicher mit dem Antrag fühlen und gegebenenfalls auf Fragen antworten können. Am besten besprecht ihr: p wer von euch den Antrag stellt, p wer einspringt, wenn mal jemand unsicher ist, p welche Gegenargumente kommen könnten und wie ihr darauf reagieren wollt, p welche Strategie ihr fahren wollt, z. B. erst einmal mehr fordern, als ihr eigentlich wollt, um euch dann runterhandeln zu lassen, d. h. ­Verhandlungsspielraum zu haben. Sollte es sich um einen wirklich wichtigen Antrag handeln, könnt ihr vorher die betreffende Konferenz mit einem Rollenspiel schon einmal durchspielen und üben, auch auf kritische Fragen zu reagieren. Das gibt Sicherheit für die echte Sitzung. 3  S. 14 4  Verhandlungen führen Während der Diskussion solltet ihr darauf achten, welche Vorbehalte und Interessen geäußert werden, und auf diese reagieren. Es sollte klar werden, wer euch an der Schule unterstützt und wer eure Partner_innen sind. Sehr überzeugend kann es auch wirken, wenn ihr auf die erfolgreiche Umsetzung ähnlicher Projekte anderswo verweisen könnt. Letztlich gilt es, ergebnisorientiert zu verhandeln und bei Uneinigkeit einen gemeinsamen Nenner zu suchen. Behaltet also stets die Gesamtsicht und macht gegebenenfalls Kompromissvorschläge, wenn es notwendig wird. Denkbar ist hier z. B. eine Probezeit für die Umsetzung eines Antrags. Oft zeigt sich dann in der geprobten Umsetzung, dass Bedenken unbegründet waren. Was tun, wenn’s nicht geklappt hat? Überlegt zunächst, warum es nicht geklappt hat, und entwerft eine neue Strategie. Außerdem gibt es auch Situationen oder Konflikte, in denen man mit Verhandlungen nicht weiterkommt. Hier kann eine öffentliche Aktion, eine Demo oder die Einbeziehung der Presse helfen, um die eigene Position zu verbessern. 141 3.6.4. Überzeugend präsentieren  Wenn ihr ein Anliegen oder einen Antrag auf einer Konferenz oder einem öffent­ lichen Treffen vorstellt, müsst ihr euch gut darauf vorbereiten. Hier findet ihr Hinweise, was es dabei zu beachten gibt. 1. Einen Kurzvortrag vorbereiten Auf der Basis eines guten Konzepts könnt ihr euren Vortrag vorbereiten. Was sind die drei wesentlichen Dinge, die ihr sagen wollt? Was ist die zentrale Botschaft, die ihr vermitteln wollt? Eure Zuhörer_innen werden sich nach einer Woche an ungefähr einen Satz von euch erinnern. Überlasst es nicht dem Zufall, welcher Satz das sein wird. Beachtet beim Umfang eures Vortrags, wie viel Zeit ihr wirklich zur Verfügung haben werdet. 2. Was sind die Erwartungen der anderen? „Vor wem redet ihr eigentlich?“ Unterschiedliche Zuhörer_innen haben unterschied­ liche Interessen und Erwartungen. Versucht sie zu überzeugen, indem ihr sie auf eure Seite holt und ihnen mit konkreten Beispielen klarmacht, welche Vorteile euer Vorschlag auch für sie hat. 3. Gut und sicher argumentieren Wenn ihr etwas nachvollziehbar erklärt, dann erzeugt ihr bei eurem Gegenüber das Gefühl:„Wenn ich selber darüber nachgedacht hätte, wäre ich auch auf diese Schlussfolgerung gekommen.“ Euer Gegenüber macht sich euer Argument zu seinem eigenen Gedanken und dem eigenen Gedanken glaubt man. Sehr überzeugend wirkt es, wenn ihr z. B. mit Beispielen von anderen Schulen argumentieren könnt. Für eine gute Argumentation, müsst ihr vier Feststellungen klären: p Ich glaube, dass … p Das ist so, weil … p Ein Beispiel hierfür ist … p Das ist wichtig, weil … 4. Üben und Feedback einholen Passt eure Sprache der Gruppe an, vor der ihr sprecht. Es hilft niemandem, wenn ihr möglichst viele Fremdwörter in einem Satz unterbringt, wenn euch dadurch keiner mehr versteht. Macht also am besten einen Testdurchlauf vor ein paar Mitschüler_innen oder den SV-Berat_innen und holt euch gezielt Feedback und Verbesserungsvorschläge. Lasst euch aber auch sagen, was schon richtig toll war. 142 Pimp my School – 1 × 1 der SV-Arbeit 5. Umgang mit Aufregung Jeder Mensch ist vor wichtigen Vorträgen aufgeregt. Das ist vollkommen normal. Selbst manche_r Spitzenpolitiker_in, Profis im Reden, berichten unter vier Augen von ihrer Aufregung. Wir können uns leider nicht aussuchen, ob wir zu den Menschen gehören, die sehr aufgeregt sind, oder zu denen, die immer cool bleiben. Tritt der Aufregung entgegen, schau ihr tief in die Augen und halte deinen Vortrag trotzdem! Nur Praxis und Übung helfen wirklich dagegen und du wirst dich von Mal zu Mal sicherer fühlen. Was dir helfen kann: p Informiere dich über den Ablauf der ganzen Veranstaltung. Das gibt Sicherheit. p Achte darauf, dass du ausgeruht bist und deine volle Konzentration da ist. p Such dir Unterstützung im Publikum. Sprich dieses an, wenn du merkst, dass du unsicher wirst oder den Faden verlierst. p Verwende eine bildhafte Sprache und gern ein Beispiel, damit dich alle ­verstehen. Nutze nur natürliche Gesten und studiere nicht vorher irgendwelche Dinge ein. p Versuche kurz vor dem Vortrag etwas Entspanntes zu tun, damit du dann mit ganzer Energie auftreten kannst. p Mach dich größer, als du dich fühlst. Klingt erst einmal komisch, aber wir können unser Gehirn„überlisten“. Wer nur für zwei Minuten Selbstbewusstsein vorspielt, der wird selbstbewusster. Kein Witz, probiere es aus, z. B. mit einer selbstbewussten, aufrechten Körperhaltung! 143 6. Der Vortrag selbst Atme noch mal tief durch. Während des Sprechens sind folgende Dinge wichtig: p Atmung: Versuche, ruhig zu atmen. p Körperhaltung: Fühl bewusst den Boden unter dir. Stell dich aufrecht hin. Eine stabile Körperhaltung vermittelt Selbstsicherheit. Steck die Hände nicht in die Taschen und versteck sie nicht hinterm Rücken. Mach keine h­ ektischen Bewegungen. p Blickkontakt: Schau die Leute an, mit denen du sprichst. Wenn jemand direkt angeschaut wird, fühlt er_sie sich angesprochen und hört aufmerksamer zu. p Stimme: Sprich deutlich und versuche, nichts zu verschlucken. Betone bewusst, was du sagst. Vermeide„äh“ oder„oder so“. Sprich mal lauter und mal leiser. Abwechslung schafft Interesse. Sprich einen entfernten Punkt im Raum an! So trägt deine Stimme weiter. p Tempo: Sprich eher langsamer, als du es sonst machst. Setze bewusst Pausen, damit dein Publikum auch mal durchatmen kann. p Abschluss: Blicke am Ende überzeugend in die Runde und schau, ob es Fragen gibt. Extratipp Habt einen„Plan B“: Überlegt gemeinsam im SV-Team nicht nur, wer einen Vortrag zu bestimmten Punkten in einer Versammlung halten soll, sondern auch, was passiert, wenn die gewählte Person spontan nicht kann. Mindestens eine weitere Person sollte den Inhalt und Ablauf des geplanten Vortrags gut kennen, um im Notfall einzuspringen. Es wäre schade, wenn sich spontan kein Ersatz findet und euer Anliegen erst auf der nächsten Versammlung besprochen werden kann. Diese Person kann auch bei Unsicherheit helfen. Elevator Pitch (15 – 25 Minuten) Oft hat man zum eigenen Projekt 1.000 Gedanken im Kopf, die manchmal noch nicht so strukturiert sind. Der Elevator Pitch hilft dabei, das Wichtigste auf den Punkt zu bringen. Dazu wird ein kleines Gedankenspiel angestellt. Stellt euch vor, ihr trefft im Aufzug die Schulleitung und habt nur eine Minute Zeit, ihr euer Projekt vorzustellen, sodass sie euch danach unterstützt. Dazu wird ein kleiner Aufzug bei euch im Raum aufgebaut. Das ist z. B. leicht möglich, indem ihr mehrere Tische aufrecht hinstellt, sodass die Tischflächen nach innen zeigen. Außerdem könnt ihr auf einen Zettel Knöpfe für die einzelnen Etagen malen. Eure Projektgruppe hat nun zehn Minuten Zeit, sich zu überlegen, wie sie dieses sehr kurze Gespräch angeht und was in der einen Minute genau gesagt werden soll. Eines der besten Argumente für das Projekt sollte auf jeden Fall dabei sein. Dann sucht ihr ein bis zwei Personen aus der Gruppe aus, die gleich im Fahrstuhl die Schulleitung treffen werden. Eine weitere Person, die nicht zu eurer Gruppe gehört, spielt die Schulleitung. So beginnt das Rollenspiel: Die Schulleitung steht schon im Aufzug, ihr ruft den Aufzug, steigt ein, sagt freundlich:„Hallo“, und:„Ach, super, dass ich Sie treffe...“ Dann stellt ihr in kurzer Zeit euer Projekt vor und müsst vielleicht auch noch eine Rückfrage beantworten. Die Schulleitung beendet den Aufzugstrip, indem sie nach ein bis zwei Minuten sagt:„Oh, wir sind angekommen“, und ihr steigt aus. Der Elevator Pitch ist eine schöne Möglichkeit, Projektpräsentationen nicht mit Plakaten zu machen, sondern etwas unterhaltsamer zu gestalten. 144 Pimp my School – 1 × 1 der SV-Arbeit 3.6.5. Vernetzung außerhalb der Schule  Es kann sehr motivierend sein, mit anderen engagierten Schülervertreter_innen zu tun zu haben. Oft ist das Feedback auf Vernetzungsveranstaltungen, wie gut der Austausch getan hat und dass man mit neuer Energie und Motivation nach Hause geht. Es ist beruhigend zu sehen, dass die meisten anderen mit ähnlichen Herausforderungen konfrontiert sind. Der große Vorteil von Vernetzung ist außerdem, dass man sich gegenseitig Tipps und Tricks verraten und Material bzw. Arbeitsvorlagen austauschen kann. Ihr könnt so von den Erfahrungen anderer profitieren. Und im besten Fall entstehen sogar Projekte, die es ohne den Austausch nicht gegeben hätte. Selbst wenn ihr euch an eurer Schule manchmal allein fühlt: Ihr seid in Wahrheit wirklich viele! Nachbarschulen kontaktieren  Schulübergreifende Projekte wie z. B. ein Fußballturnier oder ein AntirassismusProjekt, sind eine tolle Möglichkeit der Vernetzung und können viel Spaß machen. Um andere Schülersprecher_innen kennenzulernen, könnt ihr die Kontaktdaten im Internet recherchieren oder direkt bei euren Nachbarschulen im Sekretariat nach­fragen. Denkbar sind dann neben gemeinsamen Projekten auch gegenseitige Besuche im Schülerrat, ein regelmäßiger SV-Stammtisch oder aber gemeinsame SV-Fahrten. Stadt- oder Kreisschülerräte  Der„offizielle“ Weg der Vernetzung sind die Stadt- oder Kreisschülerräte. Ihr werdet dort von dem_der Schülersprecher_in oder Delegierten, die ihr im Schülerrat bestimmt, vertreten. Es gibt einige sehr aktive Stadt- oder Kreisschülerräte, bei denen es manchmal möglich ist, an offenen Vorstandssitzungen teilzunehmen und sich einzubringen, auch wenn du nicht delegiert bist. Falls die Kreisschülerräte als Zwischenebene zwischen Schülerrat und Landesschülerrat in eurer Gegend nicht gut funktionieren, könnt ihr sie natürlich auch wiederbeleben. Kontaktiert dafür den Landesschülerrat über die Website https://www.landesschuelerrat-mv.de/ kreis-stadtschülerräte. Ein SV-Café ins Leben rufen  Beim SV-Café verabreden sich Aktive in einer Region oder Nachbarschaft, um bei Kaffee und Kuchen über SV-Arbeit ins Gespräch zu kommen und sich auszutauschen. Bewährt hat sich das SV-Café als regelmäßige Veranstaltung einmal pro Monat, am besten nachmittags von 16 bis 18 Uhr oder aber als digitale Vernetzung über einen Videokonferenzanbieter, wenn ihr im ländlichen Raum lebt. 3  S. 70  145 Social-Media-Gruppen aktiver Schülervertreter_innen  Auf verschiedenen Vernetzungsveranstaltungen haben sich in den letzten Jahren Chatgruppen für Schüler_innen und für SV-Beratungen gebildet, um auch nach der Veranstaltung in Kontakt zu bleiben. Die Gruppen dienen dem Erfahrungsaustausch für Fragen, um sich gegenseitig zu motivieren oder auch zu informieren. Eine Übersicht findet ihr hier: www.schuleeingesichtgeben.de. 3  S. 4 0  Vernetzungs- und Fortbildungsveranstaltungen  Es gibt mehrere Organisationen, die SV-Aktive unterschiedlicher Schulen zusammenführen, z. B. die Friedrich-Ebert-Stiftung. Dort trefft ihr andere SV-Aktive, könnt Erfahrungen austauschen, euch fortbilden und gemeinsam etwas auf die Beine stellen. 146 Impressum Herausgeberin: Friedrich-Ebert-Stiftung Landesbüro Mecklenburg-Vorpommern Arsenalstraße 8 19053 Schwerin Autor_innen: Felix Scheel ist Sozialpädagoge und arbeitet als pädagogische Leitung des Vereins Schule ein Gesicht geben e. V. Seit 2011 führt er Coachings, Fortbildungen und Seminare für Klassensprecher_innen, SV-Vorstände, SV-Berater_innen, Klassenlehrer_innen und Schulleitungen durch. Redaktion: Wiebke-Maria Lohmann, Tanja Hoss, Pia-Sophie Loeben, Deborah Kröger, Miriam Verhufen, Ada Spiess Das Handbuch basiert auf dem Vorläuferhandbuch Pimp my School von 2020, der Ausgabe für NRW. Damals haben weitere ca. 20 Menschen mitgewirkt, denen auch ohne namentliche Nennung noch einmal ausdrücklich gedankt sei. Die in dieser Publikation zum Ausdruck gebrachten Ansichten sind die der Autor*innen und nicht die der Friedrich-Ebert-Stiftung. Lektorat: Dr. Christian Jerger Gestaltung: Meintrup, Grafik-Design/ Andreas Rupprecht Bestellungen: Das Handbuch kann bestellt werden unter: schwerin@fes.de Druck: Druckerei Brandt GmbH, Bonn ISBN: 978-3-98628-406-0 Eine gewerbliche Nutzung der von der Friedrich-EbertStiftung herausgegebenen Medien ist ohne schriftliche Zustimmung durch die FES nicht gestattet. Publikationen der FES dürfen nicht für Wahlkampfzwecke verwendet werden. © Friedrich-Ebert-Stiftung Landesbüro Mecklenburg-Vorpommern August 2023 schwerin@fes.de ISBN 978-3-98628-406-0