Tanja Fendel, Franziska Schreyer DIREKT 17/ 2021 GEFLÜCHTETE FRAUEN UND IHRE TEILHABE AN ERWERBSARBEIT AUF EINEN BLICK Mittlerweile machen Frauen einen gewichtigen Anteil unter den Asylerstantragstellenden aus. Die ­Erwerbsbeteiligung der Frauen steigt, bleibt aber geringer als die von Männern. Stärkere Teilhabe ­an Integrations- und Bildungsmaßnahmen, verbessertes Deutsch und Entlastung von Familienarbeit ­können die Erwerbsintegration geflüchteter Frauen unterstützen, ebenso wie Kontakte zu Einheimischen. Die Pandemie erschwert dies derzeit. HINTERGRUND Erwerbsarbeit können sie unter bestimmten Voraussetzungen ihren Aufenthalt in Deutschland auch rechtlich festigen – bis hin zur deutschen Staatsbürgerschaft(Schreyer et al. 2018). Die Erwerbsabsicht geflüchteter Frauen selbst ist hoch: 89 Prozent der 2019 nicht erwerbstätigen, aber erwerbsfähigen Frauen möchten„ganz sicher“ oder„wahr­scheinlich“ in Deutschland erwerbstätig werden. Dies zeigen Daten der IAB-BAMF-SOEP-Befragung Geflüchteter, 1 auf denen auch die im Folgenden präsentierten Auswertungen zu Personen im erwerbsfähigen Alter(18 bis 64 Jahre) basieren. Doch trotz der hohen Erwerbsabsicht haben bislang nur wenige der seit 2013 nach Deutschland geflüchteten Frauen den Weg in das Beschäftigungssystem gefunden. Im Folgenden beschreiben wir ihre Teilhabe an Erwerbsarbeit und skiz­zieren einige Möglichkeiten, wie diese gefördert werden kann. Weltweit waren 2019 laut UN-Flüchtlingskommissariat(UNHCR) knapp 80 Millionen Menschen auf der Flucht. 85 Prozent ­ der Geflüchteten leben in sogenannten Entwicklungsländern. In Deutschland haben laut Bundesamt für Migration und Flüchtlinge(BAMF) von 2015 bis 2020 knapp 1,8 Millionen Menschen einen Asylerstantrag gestellt. Betrug der Frauenan­ teil bei den Asylerstanträgen 2015 gut 30 Prozent, so lag er 2020 bei 42 Prozent. Neben Krieg, Terror und Armut können bei Mädchen und Frauen auch geschlechtsspezifische Gründe wie Genitalverstümmelung oder Zwangsverheiratung die Flucht motivieren. Die Gruppe der geflüchteten Mädchen und Frauen ist vielfältig: Das Spektrum kann von der jungen Schneiderin, die in Afghanistan keine Schule besuchen durfte, über die ältere Krankenschwester mit Mann und Kind aus Somalia und die alleinstehende Erzieherin aus Äthiopien bis hin zur Physikerin mit Kleinkindern aus dem Iran reichen. Die meisten der in jüngerer Zeit nach Deutschland geflüchteten Frauen leben aber in einer Partnerschaft und mit Kindern zusammen. In Deutschland treffen geflüchtete Menschen auf eine Ein­ wanderungsgesellschaft, die ihrer Integration in Erwerbsarbeit nicht zuletzt vor dem Hintergrund von Demografie und Bedarfen des Arbeitsmarkts hohe Bedeutung zuschreibt. Dies gilt auch für Frauen. Erwerbsarbeit kann ihren Lebensunter­ halt sichern, ihre Unabhängigkeit fördern und sich positiv auf die Integration ihrer Kinder auswirken. Mit(qualifizierter) NUR LEICHT STEIGENDE ERWERBSTÄTIGENQUOTEN In 2019 waren 13 Prozent der geflüchteten Frauen und 53 Prozent der geflüchteten Männer sozialversicherungspflichtig oder selbstständig erwerbstätig(einschließlich gering­fügiger und/oder unregelmäßiger Beschäftigung sowie Ausbildung, Lehre oder betriebliches Praktikum). Zwar nehmen in Deutschland auch allgemein Frauen weniger am Erwerbsleben teil als Männer(Deutscher Bundestag 2017: 90f.). Ein Vergleich mit Daten des Sozioökonomischen Panels(SOEP) zeigt jedoch, dass der Unterschied in der Erwerbspartizipation bei Geflüchteten besonders hoch ist: Bei Personen im erwerbs­ fähigen Alter ohne Migrationshintergrund betrug er in 2019 nur knapp sieben Prozentpunkte. > FRIEDRICH-EBERT-STIFTUNG – WIRTSCHAFTS- UND SOZIALPOLITIK 2 Ein Gefälle in der Erwerbspartizipation zwischen geflüchteten Frauen und Männern bestand im Durchschnitt bereits in den Herkunfts- und Transitländern: 35 Prozent der Frauen im Vergleich zu 77 Prozent der Männer berichten in 2019 von Erwerbserfahrung vor ihrem Zuzug nach Deutschland. Teils haben sie im Herkunftsland informelle Arbeit, zum Beispiel als Näherin, von zu Hause aus geleistet, die bei Befragungen wahrscheinlich nicht immer als Erwerbserfahrung angegeben wird(Worbs/Baraulina 2017: 9). Die im Durchschnitt eingeschränkte Erwerbserfahrung geflüchteter Frauen dürfte ihre Arbeitsmarktintegration oftmals erschweren. Betrachtet man die 2015 und 2016 zugezogenen Geflüchteten, zeigt sich: Ein Jahr nach ihrem Zuzug sind drei Prozent der Frauen und elf Prozent der Männer erwerbstätig. Mit zu­ nehmender Aufenthaltsdauer öffnet sich die Schere zwischen den Geschlechtern, da die Erwerbstätigenquoten der Frauen im Gegensatz zu denen der Männer nur wenig steigen(siehe Abbildung 1; vgl. auch Kosyakova et al. 2021: 2). Drei Jahre nach dem Zuzug sind zehn Prozent der Frauen und 43 Prozent der Männer erwerbstätig. Abbildung 1 Erwerbstätigenquoten nach Geschlecht und Aufenthaltsdauer in Jahren, Anteile in Prozent Frauen Männer 50 43 40 30 20 11 10 3 0 1 Jahr 24 4 2 Jahre 10 3 Jahre Quelle: IAB-BAMF-SOEP-Befragung von Geflüchteten 2016, 2017, 2018 und 2019, Personen im Alter von 18 bis 64 Jahren, die 2015 oder 2016 zugezogen sind, gewichtete Daten. FRAUEN ARBEITEN HÄUFIGER IN TEILZEIT, GERINGFÜGIG UND UNREGELMÄSSIG In 2019 arbeiten 33 Prozent der geflüchteten erwerbstätigen Frauen in Vollzeit und 42 Prozent in Teilzeit, geringfügig und/ oder unregelmäßig. 25 Prozent befinden sich in Ausbildung, Lehre oder einem betrieblichen Praktikum. Bei den erwerbs­ tätigen Männern dominiert mit 58 Prozent Vollzeitarbeit, 25 Prozent der Männer arbeiten in Teilzeit, geringfügig und/oder unregelmäßig und 17 Prozent sind in Ausbildung, Lehre oder betrieblichem Praktikum. Das mittlere Nettomonatseinkommen beträgt 2019 bei den erwerbstätigen Frauen 500 Euro im Vergleich zu 1.200 Euro bei den erwerbstätigen Männern. Mittlerweile liegt eine Reihe an Befunden dazu vor, welche Faktoren die Teilhabe geflüchteter Frauen an(qualifizierter) Erwerbsarbeit behindern oder fördern. Im Folgenden skizzieren wir empirische Befunde zu einigen dieser Faktoren und ­verweisen auf Ansatzpunkte, wie Hürden abgebaut werden können. TEILNAHME AN INTEGRATIONSMASSNAHMEN Die Integrationskurse, die unter Federführung des BAMF durchgeführt werden, dienen dem Erwerb oder Ausbau von Sprachkompetenz in Deutsch, von Kenntnissen über die deutsche Gesellschaft und Rechtsordnung und der Unter­­ stützung bei der Integration unter anderem ins Erwerbssystem(Scheible 2018). Ein Großteil der Geflüchteten ist zur Teil­nahme an einem Integrationskurs rechtlich verpflichtet. Durch Geburt und Betreuung von Kindern kann die Teil­ nahme nicht dauerhaft umgangen, aber zeitlich verschoben werden. Neben dem BAMF bieten auch die Bundes­agentur für Arbeit(BA) und andere Institutionen eine Reihe an Kursen und Maßnahmen an, teils gezielt für Frauen und mit flan­kierender Kinderbetreuung. In 2019 gaben 80 Prozent der Frauen und 91 Prozent der Männer an, bereits mindestens eine dieser Maßnahmen be­sucht zu haben. Der Geschlechterunterschied ist hier also geringer als bei der Erwerbspartizipation, sollte aber, etwa durch den Ausbau qualitativ hochwertiger kursbegleitender Kinderbetreuung, weiter abgebaut werden. Denn die Teilnahme an solchen Integrationsmaßnahmen erhöht die Erwerbswahrscheinlichkeit(Brücker et al. 2020c). BILDUNGSERWERB VOR DEM ZUZUG UND IN DEUTSCHLAND In der Befragung 2019 zeigen sich kaum Geschlechterunterschiede im Bildungsniveau, das vor dem Zuzug erreicht wurde. Zehn Prozent der Frauen wie auch der Männer haben Hochschulabschlüsse. Über berufliche Abschlüsse verfügen vier Prozent der Frauen und sechs Prozent der Männer. 84 Prozent der Frauen und 86 Prozent der Männer haben keinen beruflichen oder Hochschulabschluss. Diese hohen Anteile gehen auch darauf zurück, dass in vielen Herkunftsländern Qualifikationen durch„Training on the Job“, das heißt ohne formelle Ausbildungsabschlüsse oder vergleichbare Zertifikate, erworben werden. Das berichten Worbs/Baraulina (2017: 9) zum Beispiel für handwerkliche Berufe wie die der Friseurin oder Schneiderin. Nachholender oder ergänzender Bildungserwerb kann den Einstieg in qualifizierte Erwerbsarbeit in Deutschland fördern(Kosyakova et al. 2021). In 2019 befanden sich acht Prozent der Frauen und 16 Prozent der Männer in schuli­scher ober beruf­licher(Aus-)Bildung, Weiterbildung oder Stu­dium, teils zusätzlich zur Erwerbsarbeit. Der Geschlechter­ unterschied dürfte auch damit zusammenhängen, dass ge­flüchtete Männer im Durchschnitt etwas jünger sind als geflüchtete Frauen und jüngere Menschen allgemein häufiger in Bildung investieren. SPRACHKOMPETENZ IN DEUTSCH Kompetenzen in Deutsch fördern die Arbeitsmarktintegration (Bähr et al. 2019). Im Jahr 2019 stuft ein Drittel der Frauen und die Hälfte der Männer ihr Deutsch im Sprechen, Schreiben und Lesen als mindestens gut ein. 17/ 2021 – GEFLÜCHTETE FRAUEN UND IHRE TEILHABE AN ERWERBSARBEIT WISO DIREKT 3 Kontakte zu deutschsprachigen Personen – sei es im Arbeitsleben oder in sonstigen Lebensbereichen – können den Er­werb oder Ausbau von Deutschkenntnissen fördern. In 2019 gaben 48 Prozent der Frauen und 70 Prozent der Männer an, regelmäßig und mindestens einmal pro Woche Kontakt zu Personen ohne Migrationshintergrund außerhalb ihres Haushalts zu haben. Dieser Anteil variiert für Frauen nicht danach, ob sie mit eigenen Kindern unter 18 Jahren leben. Die Ein­ bindung ihrer Kinder in Kinderkrippen,-gärten und Schulen ist aber eine Möglichkeit für geflüchtete Mütter, Kontakte zu Einheimischen aufzubauen(de Paiva Lareiro 2021). Hilfreich wäre, wenn diese Institutionen aktiv geflüchtete Mütter regelmäßig einbinden und sie so auch beim Deutscherwerb unterstützen. Social Distancing während der Pandemie wird persönlichen Kontakten bis auf Weiteres aber Grenzen setzen (Kosyakova 2021). FAMILIENSTRUKTUR UND KINDER Die Familienstruktur unterscheidet sich deutlich zwischen ge­flüchteten Frauen und Männern(vgl. auch Brücker et al. 2020b: 13–15). Frauen leben nicht nur häufiger als Männer in einer Partnerschaft(in 2019: 59 Prozent versus 31 Prozent). Sie leben auch weit häufiger mit Kindern: 62 Prozent der Frauen im Vergleich zu 23 Prozent der Männer wohnen mit mindestens einem eigenen Kind unter 18 Jahren im gemeinsamen Haushalt. Mehr als jede vierte Frau, aber nur jeder zehnte Mann lebt mit mindestens einem Kind im Alter von unter vier Jahren. Die Partizipation von Müttern an Erwerbsarbeit, Integrationsmaßnahmen und Bildung ist deutlich niedriger als die von Frauen ohne eigene Kinder unter 18 Jahren im Haushalt(siehe Abbildung 2). Auch stufen Mütter ihr Deutsch seltener als mindestens gut ein im Vergleich zu Frauen ohne Kinder. Mit Ausnahme der Partizipation an Integrationsmaßnahmen trifft dies auch auf Väter zu. Ihre Anteile liegen aber insgesamt auf höherem Niveau und sind im Gegensatz zu denen von Müttern nicht bzw. kaum geringer, wenn mindestens ein Kind unter vier Jahren ist. Die Teilhabe an Maßnahmen unterscheidet sich deutlich zwischen Müttern allgemein und solchen mit kleinen Kindern: Bei Letzteren ist der Anteil um zwölf Prozentpunkte geringer. Ähnliches zeigt sich bei der Erwerbspartizipation. Damit unterscheiden sich geflüchtete aber nur graduell von nicht geflüchteten Frauen, denn auch im Durchschnitt der Bevöl­ kerung sinkt die Erwerbstätigkeit von Müttern mit jüngerem Alter der Kinder(Brücker et al. 2020a: 52). Verstärkte Angebote qualitativ hochwertiger außerfamilialer Kinderbetreuung könnten dazu beitragen, die Unabhängigkeit von Müttern und deren Potenziale für den Arbeitsmarkt zu stärken. FAMILIENARBEIT UND ARBEITSTEILUNG IN DEN FAMILIEN Allgemein ist Familien- oder Sorgearbeit in Deutschland ungleich zwischen Frauen und Männern verteilt. Dies gilt auch für Geflüchtete: Die mit einem Partner zusammenlebenden Frauen gaben in 2019 an, bei eigener Erwerbsarbeit drei bzw. bei Nichterwerbsarbeit knapp vier Stunden pro Werktag Hausarbeit zu leisten. Bei den Männern war es jeweils eine Stunde. Während erwerbstätige Mütter knapp vier bzw. nicht erwerbstätige Mütter knapp sieben Stunden pro Werktag Kinder betreuten, waren es bei den erwerbstätigen bzw. nicht erwerbstätigen Vätern zwei bzw. knapp drei Stunden. Hilfreich wäre hier eine veränderte Arbeitsteilung in den Familien – teils beschreiben geflüchtete Frauen selbst die Kooperation mit den im Haushalt lebenden(Ehe-)Männern als nötig, um ihnen mehr Freiräume unter anderem für Erwerbsarbeit zu eröffnen(Albaher Ali 2020: 74). Abbildung 2 Verschiedene Indikatoren der Integration nach Geschlecht und Elternschaft, Anteile in Prozent 100 95 95 92 86 80 80 68 60 57 42 41 40 20 18 11 4 0 Frauen Männer Erwerbstätigkeit Frauen Männer Maßnahmenteilnahme 1 15 87 22 17 12 Frauen Männer Bildungsbeteiligung 2 Quelle: IAB-BAMF-SOEP-Befragung von Geflüchteten 2019, Personen im Alter von 18 bis 64 Jahren, gewichtete Daten. 1) Anteile der Personen, die angaben, bereits an mindestens einer Integrationsmaßnahme von BAMF oder BA teilgenommen zu haben. 2) Anteile der Personen, die angaben, mindestens eine Stunde pro Werktag mit„Ausbildung, Weiterbildung, Lernen, auch Schule, Studium oder Promotion“ zu verbringen. 39 30 23 55 48 43 ohne Kinder mit Kindern mit Kindern < 4 Jahre Frauen Männer mindestens gute Deutschkenntnisse FRIEDRICH-EBERT-STIFTUNG – WIRTSCHAFTS- UND SOZIALPOLITIK 4 GEFLÜCHTETE FRAUEN FÖRDERN UND ENTLASTEN Wie andere europäische Länder weist auch Deutschland der Arbeitsmarktintegration von geflüchteten Männern wie Frauen hohe Bedeutung zu. Frauen können mit qualifizierter Erwerbsarbeit an Unabhängigkeit gewinnen und dem Arbeitsmarkt als wertvolle Fachkräfte zur Verfügung stehen. Sie sind bislang aber vergleichsweise selten erwerbstätig und dabei überwiegend nicht in Vollzeit. In den vergangenen Jahren ist die bislang geringe Erwerbs­ partizipation geflüchteter Frauen stärker in den Blickpunkt gerückt. Es obliegt Politik und Institutionen wie der BA, der Wirtschaft und Verbänden, die hohe Erwerbsabsicht vieler geflüchteter Frauen und deren Potenziale für den Arbeitsmarkt aufzugreifen und sie bei ihrem Weg in qualifizierte Erwerbs­ arbeit nachhaltig und individuell zu unterstützen(Pallmann et al. 2019: 43–51). So gilt es, die Kontaktdichte zwischen Jobcenter und geflüchteten Frauen zu intensivieren, wenn diese Grundsicherung beziehen(Bähr et al. 2017), und die Teil­ nahme von Frauen an Qualifizierungsmaßnahmen zu fördern (Kosyakova et al. 2021). Auch die Partizipation an Integrationsmaßnahmen, professioneller Beratung und Deutschförderung sollte intensiviert werden. Durch ein breites Angebot an Kinderbetreuung könnte Müttern eine stärkere Teilhabe an Bildung und Erwerbsarbeit ermöglicht werden(Tissot 2021). Der Zugang zu Integrationsmaßnahmen und Erwerbsarbeit wird für Teilgruppen Geflüchteter aber auch rechtlich beoder verhindert, so etwa für Geflüchtete im laufenden Asylverfahren, aus als sicher definierten Herkunftsländern oder mit aufenthaltsrechtlichem Duldungsstatus(Pichl 2017; Schreyer et al. 2015). Darüber hinaus ist zu berücksichtigen, dass – ähnlich wie bei einheimischen Frauen – nicht jede geflüchtete Frau in größerem Umfang erwerbstätig werden möchte, weil zum Beispiel die Gesundheit eingeschränkt ist, eine ver­änderte Arbeitsteilung in der Familie und bei der Kinderbetreuung nicht wünschenswert oder für Geflüchtete Lernen in einer neuen Gesellschaft sehr hürdenreich erscheint(Worbs/ Baraulina 2017: 12f.). So sind auch über das Bildungs- und Er­werbssystem hinaus Integrationsangebote wichtig, um Barrieren abzubauen und geflüchteten Frauen und Männern gesellschaftliche Teilhabe im Zufluchtsland zu ermöglichen, die auch deren Kindern zugutekommen wird. Literaturverzeichnis Albaher Ali, Mahar 2020: Erfolgreiche Arbeitsmarkt-Integration, in: Ziegler, Janine; Pallmann, Ildikó(Hrsg.): Women‘s Science: Situationen, Bedarfe und Visionen geflüchteter Frauen, minor/Robert Bosch Stiftung, S. 69–87. Bähr, Sebastian; Beste, Jonas; Wenzig, Claudia 2019: Arbeitsmarktintegration von geflüchteten Syrern und Irakern im SGB II: Gute Sprachkenntnisse sind der wichtigste Erfolgsfaktor, IAB-Kurzbericht 5, Nürnberg. Bähr, Sebastian; Beste, Jonas; Wenzig, Claudia 2017: Arbeitsmarktintegration von Geflüchteten im SGB II: Hemmnisse abbauen und Potenziale nutzen, IAB-Kurzbericht 23, Nürnberg. Brücker, Herbert; Fendel, Tanja; Guichard, Lucas; Gundacker, Lidwina; Jaschke, Philipp; Keita, Sekou; Kosyakova, Yuliya; Vallizadeh, Ehsan 2020a: Fünf Jahre „Wir schaffen das“: Eine Bilanz aus der Perspektive des Arbeitsmarktes, IAB-Forschungsbericht 11, Nürnberg. Brücker, Herbert; Gundacker, Lidwina; Kalkum, Dorina 2020b: Geflüchtete Frauen und Familien: Der Weg nach Deutschland und ihre ökonomische und soziale Teilhabe nach Ankunft, IAB-Forschungsbericht 9, Nürnberg. Brücker, Herbert; Kosyakova, Yuliya; Schuß, Eric 2020c: Fünf Jahre seit der Fluchtmigration 2015: Integration in Arbeitsmarkt und Bildungssystem macht weitere Fortschritte, IAB-Kurzbericht 4, Nürnberg. Deutscher Bundestag 2017: BT-Drucksache, 18/12840, Berlin. Kosyakova, Yuliya; Gundacker, Lidwina; Salikutluk, Zerrin; Trübswetter, Parvati 2021: Arbeitsmarktintegration in Deutschland: Geflüchtete Frauen müssen viele Hindernisse überwinden, IAB-Kurzbericht 8, Nürnberg. Kosyakova, Yuliya 2021: Auswirkungen der Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie auf die Arbeitsmarktintegration von geflüchteten Frauen, IQ-Working Paper 02, minor. de Paiva Lareiro, Cristina 2021: Geflüchtete Frauen in Deutschland: Freizeitverhalten und soziale Kontakte, BAMF-Kurzanalyse 2, Nürnberg. Pallmann, Ildikó; Ziegler, Janine; Pfeffer-Hoffmann, Christian 2019: Geflüchtete Frauen als Zielgruppe der Arbeitsmarktförderung, minor. Pichl, Maximilian 2017: Diskriminierung von Flüchtlingen und Geduldeten, in: Scherr, Albert; El-Mafaalani, Aladin; Yüksel, Gökçen(Hrsg.): Handbuch Diskriminierung, Wiesbaden, S. 449–463. Scheible, Jana A. 2018: Alphabetisierung und Deutscherwerb von Geflüchteten: Deutschkenntnisse und Förderbedarfe von Erst- und Zweitschriftlernenden in Integrationskursen, BAMF-Kurzanalyse 1, Nürnberg. Schreyer, Franziska; Bauer, Angela; Kohn, Karl-Heinz P. 2018: Ausbildung kann Bleibeperspektiven für Geflüchtete verbessern, IAB-Forum, Nürnberg. Schreyer, Franziska; Bauer, Angela; Kohn, Karl-Heinz P. 2015: Betriebliche Ausbildung von Geduldeten: Für den Arbeitsmarkt ein Gewinn, für die jungen Fluchtmigranten eine Chance, IAB-Kurzbericht 1, Nürnberg. Tissot, Anna 2021: Hürden beim Zugang zum Integrationskurs: Alltagserfahrungen geflüchteter Frauen mit Kleinkindern, BAMF-Kurzanalyse 3, Nürnberg. Worbs, Susanne; Baraulina, Tatjana 2017: Geflüchtete Frauen in Deutschland: Sprache, Bildung und Arbeitsmarkt, BAMF-Kurzanalyse 1, Nürnberg. Autorinnen Dr. Tanja Fendel und Dr. Franziska Schreyer sind wissenschaftliche Mitarbeiterinnen am Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung(IAB) in Nürnberg. Anmerkung 1 – Die Befragung wird vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung in Kooperation mit dem Forschungszentrum des BAMF und dem Sozio­ ökonomischen Panel durchgeführt. In den ersten vier Wellen(2016–2019) wurden insgesamt mehr als 8.000 volljährige Geflüchtete, die von Januar 2013 bis August 2019 nach Deutschland eingewandert sind, mindestens einmal unter anderem zu ihren Migrations-, Bildungs- und Erwerbsbiografien und Fluchtgründen befragt(für weitere Informationen siehe https://fdz.iab. de/de/FDZ_Individual_Data/iab-bamf-soep.aspx). Impressum © 2021 Friedrich-Ebert-Stiftung Herausgeberin: Abteilung Wirtschafts- und Sozialpolitik Godesberger Allee 149, 53175 Bonn, Fax 0228 883 9202, 030 26935 9229, www.fes.de/wiso Für diese Publikation ist in der FES verantwortlich: Susan Javad, Abteilung Planung, Beratung und Analyse Bestellungen/Kontakt: wiso-news@fes.de Die in dieser Publikation zum Ausdruck gebrachten Ansichten sind nicht notwendigerweise die der Friedrich-Ebert-Stiftung. Eine gewerbliche Nutzung der von der FES herausgegebenen Medien ist ohne schriftliche Zustimmung durch die FES nicht gestattet. 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