A N A LY S E ARBEIT UND SOZIALE GERECHTIGKEIT DIE AFRIKANISCHE BESCHÄFTIGUNGS­ KRISE Entwicklungen und Strategien Robert Kappel Oktober 2021 Die Beschäftigungslage in ­ Af­rika südlich der Sahara ver­ schlechtert sich. Es ist unwahr­ scheinlich, dass allein höheres Wirtschaftswachstum, mehr Auslandsdirektinvestitionen und afrikanischer Binnenhan­del die er­forderlichen Arbeits­ plätze schaffen können. Diese Studie analysiert die afri­ kanischen Beschäftigungstrends und skizziert erfolgreiche wie erfolglose Strategien zur Bewäl­ tigung der Beschäftigungspro­ bleme in den afrikanischen Län­ dern südlich der Sahara. Sie zeigt, dass eine Politik der endo­ genen Wirtschaftspolitik drin­ gend erforderlich ist. DIE AFRIKANISCHE BESCHÄFTIGUNGSKRISE Entwicklungen und Strategien Die Studie identifiziert drei große Her­ ausforderungen: Erstens hat sich die Be­ schäftigungssituation seit dem Jahr 2000 verschlechtert. Jedes Jahr suchen etwa 20 Millionen Menschen einen Ar­ beitsplatz, den es weder auf dem Land noch in der Stadt gibt. Besonders gra­ vierend ist die Situation für junge Men­ schen, die Landbevölkerung und Frauen. Zudem wird die Zahl der Arbeitssuchen­ den in den kommenden Jahrzehnten deutlich ansteigen. Zweitens ist das bis­ her verfolgte Wachstumsmodell mit zu­ nehmender informeller Beschäftigung verbunden, und drittens verschärfen COVID-19-Pandemie und Klimakrise die Beschäftigungsprobleme weiter. Es ist an der Zeit, den Trend sinkender Be­ schäftigungsmöglichkeiten für d­ie über­ wiegende Mehrheit der Afrikaner_innen umzukehren. Die Hoffnungsträger – aus­ ländische Direktinvestitionen, chinesi­ sches Engagement, offener Handel, Digi­ talisierung, grüne Revolution, mehr Bil­ dung und weitere Urbanisierung – haben sich als nicht nachhaltig erwiesen, insbe­ sondere weil ausländische Direktinvestiti­ onen in den Rohstoffsektoren und in der Industrie kapitalintensiv sind und somit nur geringe Beschäftigungsimpulse her­ vorrufen. Es besteht dringender Reformbedarf. Das Wichtigste sind Maßnahmen, die der en­ dogenen Entwicklung und der Beschäfti­ gung dienen, unter anderem durch Indus­ trialisierungskonzepte, die Förderung von kleinen und mittleren Unternehmen so­ wie Ausbildungsmaßnahmen. Neue Ide­ en sind gefragt und müssen vor allem auf die Konnektivität in den Städten, die Stadt-Land-Verknüpfung sowie die Bezie­ hungen von lokalen und internationalen Unternehmen zielen. Weitere Informationen zum Thema erhalten Sie hier: https://www.fes.de/referat-afrika/ ARBEIT UND SOZIALE GERECHTIGKEIT DIE AFRIKANISCHE BESCHÄFTIGUNGS­ KRISE Entwicklungen und Strategien  Inhalt 1 EINLEITUNG 2 2 DIE WICHTIGSTEN TRENDS 4 DER BESCHÄFTIGUNGSR­ EFORM – WOHIN ENTWICKELT SICH AFRIKA? 9 Auslandsdirektinvestitionen und Wertschöpfungsketten 9 Die Hoffnung steigender Löhne in China 11 Afrikanische Kontinentale Freihandelszone schafft Jobs 12 Digitalisierung ermöglicht qualifizierte Beschäftigung 13 Grüne Wirtschaft 13 Landwirtschaft und Stadtentwicklung  14 Export und Arbeitsplätze  14 Informalität und informelle Arbeit  15 Beschleunigung der Transformation 15 4 SCHLUSSFOLGERUNGEN 17 Referenzen 18 FRIEDRICH-EBERT-STIFTUNG – DIE AFRIKANISCHE BESCHÄFTIGUNGSKRISE 1 EINLEITUNG Der Klimakrise trifft Afrika besonders hart und beschleunigt die bereits weit verbreiteten Armuts- und Beschäftigungs­ krisen. Die Pandemie verschärft ebenfalls die seit langem bestehenden Herausforderungen auf den afrikanischen Ar­ beitsmärkten. Im Jahr 2050 werden in Afrika 25 Prozent der weltweiten Erwerbsbevölkerung leben. Doch es gibt keine Garantie dafür, dass diese Arbeitskräfte – insbesondere der wachsende Anteil junger Menschen unter ihnen – beschäf­ tigt sein werden, geschweige denn in decent jobs. Arbeits­ losigkeit, Unterbeschäftigung sowie informelle und prekäre Beschäftigung sind die größten sozialen Herausforderun­ gen in Afrika südlich der Sahara(SSA). Im Jahr 2013 errech­ nete die Weltbank, dass jedes Jahr zehn Millionen neue Er­ werbspersonen auf den afrikanischen Arbeitsmarkt strö­ men würden. Knapp zehn Jahre später schätzen verschie­ dene Institutionen, dass jedes Jahr mindestens zwanzig Mil­ lionen Jugendliche einen Job suchen. 1 Ein Beispiel für die große Lücke zwischen Jobangebot und-nachfrage ist Uganda: 400.000 junge Ugander_innen kommen jährlich auf den Arbeitsmarkt und konkurrieren um lediglich etwa 52.000 verfügbare formale Arbeitsplätze. 2 Ein hohes Be­ schäftigungswachstum ist notwendig, um die resultieren­ den Probleme zu bewältigen. 3 Internationale und regionale Organisationen, etwa die In­ ternational Labour Organization oder die African Develop­ ment Bank, geben Empfehlungen ab, wie die Beschäfti­ gungskrise gemildert werden könnte. Sie sprechen von der Förderung kleiner und mittlerer Unternehmen, ausländi­ schen Direktinvestitionen, der Integration in Wertschöp­ fungsketten, dem Ausbau der Infrastruktur, von Arbeits­ plätzen für Frauen, der Überwindung ländlicher Armut, von beruflicher Bildung und grünen Jobs sowie von den Chan­ cen der Digitalisierung. Doch einige dieser Ansätze bewäh­ ren sich im Realitätscheck nicht. Das Modell, wonach hohes Wachstum, steigende Pro-Kopf-Einkommen und der Auf­ stieg eines Landes mit niedrigem Einkommen zu einem Land mit mittlerem Einkommen mit mehr und besseren Ar­ beitsplätzen einhergehen, hat sich in Afrika nicht bewahr­ heitet. Auf den Arbeitsmärkten gibt es keine Entspannung. Im Gegenteil: Für einen großen Teil der Bevölkerung fehlt es an Beschäftigungsmöglichkeiten und die sozialen Heraus­ forderungen auf dem Kontinent wachsen. Erschwerend kommt hinzu, dass viele afrikanische Krisen­ länder nicht über ausreichende Ressourcen verfügen, um den notwendigen Strukturwandel mit mehr Arbeitsplät­ zen zu bewältigen. Gleichzeitig muss mehr denn je hinter­ fragt werden, inwieweit externe Akteure zur Linderung der großen sozialen Krisen beitragen können. In der Ver­ gangenheit haben diese die Krisen eher vertieft, etwa multinationale Konzerne durch den illegalen Transfer ihrer Gewinne, durch Auslandsdirektinvestitionen, die sich auf Rohstoffsektoren konzentrieren, durch die fehlende Ver­ knüpfung ihrer wirtschaftlichen Aktivitäten mit dem loka­ len Unternehmer_innentum, durch Druck auf die Löhne, die Verhinderung von Mindestlöhnen und durch Untergra­ bung internationaler Standards. Letztlich ist es vielen Re­ gierungen nicht gelungen, diese Praxis einzudämmen. Da­ rüber hinaus haben die Strategien der letzten Jahre mehr Gewicht auf konventionelle Agenden gelegt, die die Prob­ leme eher ausweiten als lindern. Mit traditionellen Metho­ den ist die Beschäftigungskrise nicht zu bewältigen, ihre grundlegende Überprüfung ist notwendig. Unkonventio­ nelle Maßnahmen müssten auf den Weg gebracht werden – von den afrikanischen Regierungen, von Unternehmen, durch die Zusammenarbeit von Gewerkschaften mit staat­ lichen Institutionen und mit Beteiligung der Zivilgesell­ schaften. 1 World Bank(2013): World Development Report 2013. Washing­ ton, D.C.: World Bank; ILO(2020): Report on Employment in Africa (Re-Africa). Geneva: ILO; https://www.ilo.org/africa/information-re­ sources/publications/WCMS_753300/lang--en/index.htm. 2 Merotto, Dino(2020): Uganda: Jobs Strategy for Inclusive Growth. Washington, D.C.: World Bank; https://openknowledge.worldbank. org/handle/10986/33342. 3 Der Beitrag ist eine knappe Zusammenfassung der Ergebnisse der Publikation von Robert Kappel(2021): Africa‘s Employment Challenges – The Ever-widening Gaps, Berlin: Friedrich-Ebert-Stiftung, 2021. Diese Studie enthält zahlreiche Abbildungen, Grafiken und Korrelati­ onen. Die Herausforderungen auf dem afrikanischen Arbeitsmarkt sind enorm. Vier strukturelle Merkmale kennzeichnen die dortige Beschäftigungssituation: Es besteht ein hoher Grad an informeller Arbeit, die Arbeit in der Landwirtschaft domi­ niert, die Beschäftigung ist durch niedrige Produktivität ge­ kennzeichnet und es herrscht Unterbeschäftigung. Nur ein kleiner Teil der erwerbstätigen Bevölkerung sind Lohn- und Gehaltsempfänger_innen; die meisten Menschen sind selbst­ ständig, in landwirtschaftlichen Familienbetrieben oder in Haushalten tätig. 2 Dieser Beitrag betrachtet die Beschäftigungsentwicklung in Subsahara-Afrika. Zunächst untersucht er die wichtigsten Merkmale, die die Beschäftigungssituation beeinflussen. Dazu gehören das Bevölkerungswachstum, die Arbeitslosig­ keit(einschließlich Jugend und Frauen), die Beschäftigung im ländlichen Raum sowie die Schaffung von Arbeitsplätzen durch ausländische Direktinvestitionen, Wertschöpfungs­ ketten, Digitalisierung und die grüne Wirtschaft. Darüber hi­ naus skizziert der Bericht die sich verändernden städtischen Trends im Transformationsprozess, die mit einer Ausweitung der informellen Wirtschaft und informellen Beschäftigung einhergehen. Im Hauptteil der Studie werden Strategien für Beschäftigungsreformen diskutiert. Einleitung 3 FRIEDRICH-EBERT-STIFTUNG – DIE AFRIKANISCHE BESCHÄFTIGUNGSKRISE 2 DIE WICHTIGSTEN TRENDS Um besser zu verstehen, wie sich Beschäftigung und Arbeits­ losigkeit in SSA entwickeln, und zu ergründen, in welche Richtung die Entwicklungen gehen, ist es sinnvoll, die Trans­ formationsprozesse und auch die besondere Rolle von infor­ meller Arbeit und Selbstständigkeit näher zu betrachten. McMillan, Rodrik und Verduzco-Gallo(2014) 4 stellen fest, dass in afrikanischen Ländern eine längerfristige Verschie­ bung von relativ unproduktiver Arbeit in der Landwirtschaft zu relativ unproduktiver Arbeit im informellen Dienstleis­ tungssektor stattfindet. Ihrer Ansicht nach ist es wahrschein­ lich, dass sich die Informalisierung in SSA in Zukunft weiter verstärken wird. Neuere Untersuchungen verdeutlichen die­ se Entwicklungen. Das Modell von Danquah, Schotte und Sen(2020) 5 bildet die Komplexität des afrikanischen Arbeits­ marktes am besten ab. Sie unterscheiden zwischen formeller und informeller Beschäftigung sowie zwischen upper tier und lower tier-Informalität, wobei der Verdienst bei infor­ mellen Tätigkeiten im oberen Bereich deutlich höher ist als im unteren. In formellen Sektoren verdienen die Beschäftig­ ten am meisten. Dort werden hochwertige Arbeitsplätze ge­ schaffen, die steigende Löhne und relative soziale Sicherheit bieten. Die Mehrheit dieser Arbeitnehmer_innen hat eine se­ kundäre oder postsekundäre Ausbildung. Ihre Löhne liegen deutlich über dem durchschnittlichen Pro-Kopf-Einkommen der Länder. Diejenigen, die eine Grundschulbildung oder gar keine Bildung haben, erzielen fast durchgehend die niedrigs­ ten Einkommen. Besonders prekär ist die Lage der Frauen und der ländlichen Bevölkerung. Um ein detaillierteres Bild des Transformationsprozesses in SSA und der afrikanischen Unternehmenssektoren zu er­ halten, ist es sinnvoll, zwischen dem modernen Sektor, der 4 McMillan, Margaret/ Rodrik, Dani/ Verduzco-Gallo, Íñigo(2014): Globalization, Structural Change, and Productivity Growth, with an Update on Africa. In: World Development 63, S. 11–32; https://drod­ rik.scholar.harvard.edu/files/dani-rodrik/files/globalization_structu­ ral_change_productivity_growth_with_africa_update.pdf. 5 Danquah, Michael/ Schotte, Simone/ Sen, Kunal(2019): Informal Work in Sub-Saharan Africa. Dead End or Steppingstone? WIDER Working Paper 2019/107, hrsg. v. United Nations University World Institute for Development Economics Research UNU-WIDER, Hel­ sinki; www.wider.unu.edu/publication/informal-work-sub-saha­ ran-africa. Vgl. Charmes, Jacques/ Adair, Philippe(2014): L’incons­ tant caméléon, ou comment appréhender l’informel? In: Mondes en développement 166(2), S. 7–16; www.researchgate.net/publicati­ on/276391504_L’inconstant_cameleon_ou_comment_apprehen­ der_l’informel. die Großunternehmen einschließt, dem informellen Sektor und der Subsistenzwirtschaft in ländlichen und städtischen Gebieten zu unterscheiden. Der afrikanische Mittelstand ist bisher relativ klein und von geringer Dynamik gekenn­ zeichnet. Wie sehr sich die Situation auf dem Kontinent in den letzten zwei Jahrzehnten verändert hat, zeigen die folgenden Er­ gebnisse. Bis zur Pandemie gab es relativ hohe Wachstums­ raten des Bruttoinlandsprodukts und – mit Ausnahme weni­ ger Länder wie Mauritius oder der Kapverden – ein sehr ho­ hes Bevölkerungswachstum und damit einen stark steigen­ den Anteil junger Menschen an der Gesamtbevölkerung. Das hohe Wirtschaftswachstum der letzten 15 Jahre war je­ doch vom Beschäftigungswachstum entkoppelt. Das heißt, in den meisten Ländern ist ein relativ beschäftigungsschwa­ ches Wachstum und Wachstum mit steigender Informalität die Regel. Eine ein-prozentige Steigerung des Wirtschafts­ wachstums war während der letzten drei Jahrzehnte mit ei­ nem Beschäftigungswachstum von nur 0,4 Prozent verbun­ den. Die Beschäftigung wuchs um weniger als 1,8 Prozent und lag damit weit unter dem Wachstum der Erwerbsbevöl­ kerung von drei Prozent. 6 Die Situation auf den afrikanischen Arbeitsmärkten hat sich aufgrund des hohen Bevölkerungswachstums über einen langen Zeitraum hinweg verschlechtert. Auch in den Städten ist das Bevölkerungswachstum weiterhin sehr hoch. Diese wachsen vor allem aufgrund der sehr hohen Geburtenraten, auch wenn diese im Vergleich zu ländlichen Gebieten etwas niedriger sind. Städtisches Bevölkerungswachstum ist dem­ nach meist nicht primär auf die Land-Stadt-Wanderung zu­ rückzuführen, sondern vorrangig auf die hohe Zahl von Ge­ burten in den Städten selbst bzw. die Urbanisierung vormals ländlicher Regionen. Der Zustrom von Millionen Menschen auf den Arbeitsmarkt und die geringe Aufnahmefähigkeit der formellen Sektoren führen zu einer deutlichen Ver­ schlechterung der Beschäftigungssituation. Nicht einmal fünf Prozent der Menschen, die in den Arbeitsmarkt eintre­ ten, finden eine Arbeitsmöglichkeit in den formalen Sekto­ ren, die höhere Löhne zahlen. 6 Siehe International Labour Organization(2020): Report on Emplo­ yment in Africa(Re-Africa): Tackling the Youth Employment Chal­ lenge. ILO Geneva; www.ilo.org/wcmsp5/groups/public/---africa/--ro-abidjan/documents/publication/wcms_753300.pdf. 4 Die wichtigsten Trends Grafik 1 Anteil des informellen Sektors – ohne Landwirtschaft – an der Gesamtbeschäftigtenzahl, in Prozent 80 69,7 70 60 71,4 63,1 50 49,1 49,7 64,6 59,8 51,7 39,7 40 30 20 17,8 11,9 10 0 Côte d'Ivoire Lesotho Liberia Madagaskar Mali Mauritius Südafrika Tansania Uganda Sambia Simbabwe Quelle: Bhorat/ Naidoo/ Ewinyu(2017) Die durchschnittlichen Pro-Kopf-Einkommen und die Gi­ ni-Koeffizienten der Ungleichheit sind wichtige Indikatoren. Die Zahl der prekär und informell Beschäftigten wird hier je­ doch nur unzureichend widergespiegelt. Der Indikator des Einkommens von 1,90 US-Dollar pro Tag erfasst den Grad der Informalität und der Prekarität hingegen relativ gut. Die Mehrheit der Bevölkerung arbeitet im informellen Sektor und hat zumeist ein Pro-Kopf-Einkommen von unter 1,90 US-Dollar pro Tag zur Verfügung. Zudem vertieft sich die Ungleichheit innerhalb der Bevölke­ rung; immer mehr Menschen fallen in prekäre Beschäfti­ gung und Armut. Für die große Mehrheit in den afrikani­ schen Niedrigeinkommensländern ist Informalität die Nor­ malität. Auch in Mitteleinkommensländern nimmt die in­ formelle Beschäftigung zu. Die Niedrigeinkommensländer gehen nicht den Weg der Mitteleinkommensländer, die ei­ nen höheren Anteil an formellen und produktiveren Ar­ beitsplätzen aufweisen. Stattdessen nähern sich die Ver­ hältnisse der Mitteleinkommensländer allmählich jenen in den Niedrigeinkommensländern an. Wenn die Wachstums­ raten hoch sind und das Wohlstandsniveau steigt, wächst entgegen der weit verbreiteten Meinung auch der Anteil der informellen Arbeit. Dies machen die Entwicklungen seit dem Jahr 2000 deutlich. Arbeitsplätze in SSA zur Verfügung. Öffentliche Verwal­ tungen stellen kaum ein, sodass der Anteil der formellen Arbeitsplätze an der Beschäftigtenzahl im erwerbsfähigen Alter sinkt. Die Kluft zwischen der Zahl der Beschäftigten im öffentlichen Sektor und sowie den großen, produktiver­ en Industrie- und Dienstleistungsunternehmen gegenüber den im informellen Sektor Arbeitenden vergrößert sich. Die Mehrheit der Erwerbstätigen ist informell beschäftigt, ihre Zahl wächst schnell. In den Niedrigeinkommensländern ist der Anteil der informellen lower tier- Arbeit weiterhin vorherrschend und liegt bei über 60 Prozent der Beschäf­ tigten. Die informelle Beschäftigung differenziert sich je­ doch – ein leicht wachsender Teil ist im upper tier angesie­ delt. Das bedeutet, dass Menschen, die in diesem Sektor arbeiten, ein höheres Einkommen erzielen können. Für jugendliche Arbeitskräfte verschlechtert sich die Be­ schäftigungssituation während der letzten zwanzig Jahre deutlich, insbesondere für junge Frauen, für junge Men­ schen mit geringerer Bildung und für Landarbeiter_innen. 7 Die Erwerbsquote von Jugendlichen und Frauen im formel­ len Sektor war 2019 niedriger als im Jahr 2000 und ihr Me­ dianverdienst ist gesunken. Frauen und Jugendliche be­ Die Zahl der Beschäftigten im formellen Sektor steigt, aber ihr Anteil an der Gesamtbeschäftigungszahl fällt. Zu­ dem schaffen ausländische Investitionen relativ wenige ­Arbeitsplätze. Sie stellen meist weniger als ein Prozent aller 7 Fox, Louise/ Gandhi, Dhruv(2021), Youth Employment in sub-Saharan Africa. Progress and Prospects, Washington, D.C.: Brookings Africa Growth Initiative, AGI Working Paper 28, March 2021. https://www.brookings.edu/wp-content/upload­ s/2021/03/21.03.24-IWOSS-Intro-paper_FINAL.pdf 5 FRIEDRICH-EBERT-STIFTUNG – DIE AFRIKANISCHE BESCHÄFTIGUNGSKRISE kommen weniger Jobs in den formellen Sektoren. Sie wer­ den in die stagnierenden Zonen 8 – Zonen mit relativ ho­ hem Anteil von informeller Arbeit und niedrigen Pro-KopfEinkom­men – zurückgedrängt, wodurch diese sich wieder­ um ausdehnen. Dies gilt auch für die Jugendlichen mit höherer Bildung. Das hohe Wachstum im letzten Jahrzehnt und der Transfor­ mationsprozess haben den Arbeitsmarkt in SSA verändert. Alle Daten weisen darauf hin, dass es für Frauen jeden Al­ ters schwerer wird, von den Veränderungen zu profitieren. Die Ungleichheit zwischen den Geschlechtern auf den Ar­ beitsmärkten zeigt sich je nach Entwicklungsstand eines Landes in verschiedener Form. Die Erwerbsbeteiligung von Frauen und Männern ist in Ländern mit niedrigem und niedrigem bis mittleren Einkommen sehr ähnlich. Da es häufig keine sozialen Sicherungssysteme gibt, sind sie un­ mittelbar gezwungen, zu arbeiten, um sich und ihre Famili­ en zu ernähren. Aber es bestehen auch gravierende Unter­ schiede, die vor allem im ungleichen Zugang zu Lohnarbeit deutlich werden. Der Anteil der weiblichen Arbeitskräfte in der Landwirt­ schaft übersteigt jenen der männlichen. Frauen verfügen jedoch über geringeren Landbesitz, haben schlechteren Zu­ gang zu Krediten, zu Technologien und anderen Produkti­ onsmitteln, was die Produktivität der Frauen einschränkt. Deshalb leben wesentlich mehr Frauen in extremer Armut. Mehr als 60 Prozent der Frauen auf dem Land verdienen ihr Einkommen in der kleinbäuerlichen Landwirtschaft. Sie sind oft unbezahlt oder unterbezahlt. Sie sind unverhältnismä­ ßig stark für die Pflegearbeit zuständig, einschließlich der Betreuung von Kindern sowie von älteren und kranken Menschen. Weitaus mehr Frauen als Männer sind Analpha­ bet_innen. Im Vergleich zu Frauen, die überwiegend Nahrungsmittel für den Eigenbedarf und den lokalen Konsum produzieren, haben Männer in den landwirtschaftlich geprägten Län­ dern Afrikas einen Vorteil bei der Produktion von cash crops. Da Männer über mehr Ressourcen als die Frauen ver­ fügen, können sie die Nachfrage auf den urbanen Märkten und auch Exportmöglichkeiten besser nutzen. Auch in den Rohstoffsektoren, die in Enklaven kapitalintensiv produzie­ ren, arbeiten vor allem Männer. Die Folge: Die Kluft zwi­ schen den Geschlechtern vergrößert sich. ist es angesichts der Trends nicht zu erwarten, dass eine hö­ here Urbanisierungsrate zu einer größeren Gleichstellung der Geschlechter in der Beschäftigung führt. Dies hat auch mit dem Bildungsniveau zu tun, bei dem Frauen in SSA oft benachteiligt sind. Frauen sind überwiegend selbstständig im informellen Sektor tätig. Nur wenige Jobs stehen für sie in der modernen Industrie offen. Männer haben im Prozess der Verstädterung weitaus mehr Aussichten auf eine Lohn­ beschäftigung als Frauen. Die Daten zeigen zudem, dass sobald die Länder das mittlere bis obere Einkommensniveau erreicht haben, Männer eher formelle Jobs erhalten als Frauen. 9 Obgleich ausländische Direktinvestitionen keine breiten­ wirksame Beschäftigungseffekte erzielen, können sie unter bestimmten Umständen positiv mit der Gleichstellung der Geschlechter verbunden sein. Multinationale Unternehmen bieten Frauen häufiger Beschäftigung, beispielsweise in der modernen exportorientierten Landwirtschaft oder in der Textilindustrie. Langfristig können ausländische Direktinves­ titionen jedoch dazu führen, dass Frauen wegen geringerer Ausbildung und wegen steigender Anforderungen in den globalen Wertschöpfungsketten entweder ihre Arbeitsplät­ ze an Männer verlieren oder in der Lieferkette nach unten in die Arbeit von Subunternehmer_innen gedrängt werden. Darüber hinaus können ausländische Investitionen die Mög­ lichkeiten für Männer vergrößern, da technische Ausbil­ dung vorrangig für Männer angeboten wird, wodurch das technische Wissen der Männer verbessert und der Zugang von Frauen zu Technologie und Beschäftigung verringert wird. Da das Unternehmer_innentum in SSA überwiegend aus kleinen und mittleren Unternehmen(KMU) und Kleinstun­ ternehmen besteht und die Konsumnachfrage in den Kleinund mittelgroßen Städten nur langsam wächst, ist nur eine schwache Dynamik in Bezug auf das Wachstum der Unter­ nehmensgröße feststellbar. 10 In den meisten Ländern gibt es nur eine sehr geringe Anzahl von Großunternehmen. Der Mittelstand ist ein bisher kaum relevanter Faktor in der afrikanischen Wirtschaft. Er ist eingeklemmt zwischen den Großunternehmen auf der einen Seite, die vom Klientelsys­ tem profitieren und ihre Markt- und Lobbymacht nutzen, und der überwältigenden Zahl von Kleinst- und Kleinunter­ nehmen auf der anderen Seite. Allerdings bilden sich in den urbanen Zentren einiger Länder Industriecluster mit e­iner In Ländern mit niedrigem bis mittleren Einkommen wan­ dern Frauen und Männer aus der Landwirtschaft in die ur­ banen informellen Sektoren und in geringem Maße auch in die formellen Sektoren mit Lohnarbeit ab. Frauen haben, wie ihre männlichen Kollegen, in städtischen Gebieten mehr Zugang zu wirtschaftlichen Möglichkeiten als in länd­ lichen. Dies liegt daran, dass die städtischen Arbeitsmärkte eine große Vielfalt an Berufen bieten, von der Produktion über Dienstleistungen bis hin zu Bürotätigkeiten. Dennoch 8 Taylor, Lance/ Ömer, Özlem(2020): Macroeconomic Inequality from Reagan to Trump: Market Power, Wage Repression, Asset Price Inflation, and Industrial Decline. Cambridge University Press, Cambridge. 9 Fields, Gary S.(2019): Confronting Africa’s Employment Problem. In: Monga, Célestin/ Shimeles, Abebe/ Woldemichael, Andinet(Hrsg.): Creating Decent Jobs. Strategies, Policies, and Instruments. Policy Re­ search Document 2, African Development Bank Abidjan, S. 57–75; www.afdb.org/en/documents/creating-decent-jobs-strategies-poli­ cies-and-instruments. 10 Gelb, Alan/ Meyer, Christian J./ Ramachandran, Vijaya(2014): De­ velopment as Diffusion: Manufacturing Productivity and Sub-Saha­ ran Africa’s Missing Middle. Working Paper 357, hrsg. v. Center for Global Development, Washington D. C.; www.cgdev.org/sites/de­ fault/files/development-diffusion-market-productivity_final.pdf. Kap­ pel, Robert(2016): Von informellen Unternehmen zum African Mit­ telstand? Differenzierungen im afrikanischen Unternehmertum. In: Daniel, Antje/ Müller, Sebastian/ Stoll, Florian/ Oehlschläger, Rai­ ner(Hrsg.), Afrikanische Gesellschaften im Wandel – Mittelschichten, Mittelklassen oder Milieus?, Baden-Baden: Nomos, S. 87–110. 6 Die wichtigsten Trends Grafik 2 Anzahl der Arbeiter_innen in Wertschöpfungsketten, in Tausend, 2014 3 3 . . 5 5 0 0 0 0 3 3 . . 0 0 0 0 0 0 2 2 . . 5 5 0 0 0 0 G G e e s s a a m m t t e e J J o o b b s s in in W W e e r r t t s s c c h h ö ö p p fu fu n n g g sk sk e e tt t e te n n V V e e r r a a r r b b e e it it e e n n d d e e In In d d u u s s t t r r ie ie L L a a n n d d w w ir ir t t s s c c h h a a f f t t A A n n d d e e r r e e In In d d u u s s t t r r ie ie n n D D i i e e n n s s t t le le is is t t u u n n g g e e n n 2 2 . . 0 0 0 0 0 0 1 1 . . 5 5 0 0 0 0 1.000 500 0 Ä Ä t t h h i i o o p p i i e e n n Quelle: Daten nach Pahl et al.(2019). K K e e n n ia ia S S e e n n e e g g a a l l Sü Sü da d f a r f i r k i a ka Schicht mittelständischer Industrie- und Dienstleistungsun­ ternehmen heraus. Auch eine innovative Start-up-Szene hat sich etabliert. Sie ist aber eine Nische in den Hauptstädten, in einigen Industriezonen und-clustern und in der Nähe der Sonderwirtschaftszonen. Hier entstehen für gut ausgebilde­ te und angelernte Arbeitskräfte Beschäftigungsmöglichkei­ ten. Zwar sinkt der Anteil der industriellen Wertschöpfung am Bruttoinlandsprodukt in den meisten Ländern, die abso­ lute Zahl der Industriearbeiter_innen steigt jedoch. Auch die Ansiedlung ausländischer Unternehmen in Sonderwirt­ schaftszonen ist mit einer steigenden Zahl von Lohnarbei­ ter_innen verbunden. Der Anteil der industriellen Beschäfti­ gung beträgt in einigen Mitteleinkommensländern mehr als 20 Prozent, in den Niedrigeinkommensländern meist unter 15 Prozent. Aufgrund des deutlich höheren Wachstums der informellen Beschäftigung sinkt jedoch der Anteil der for­ mellen Beschäftigung an der Gesamtbeschäftigung. Dieser Prozess ist mit einer sinkenden gesamtwirtschaftlichen Pro­ duktivität verbunden. Der technologische Wandel in der globalen Produktion von Industriegütern hat einen großen Einfluss auf die relative Nachfrage nach gering qualifizierten Arbeitskräften in Wert­ schöpfungsketten. Die Einbindung in Wertschöpfungsket­ ten und die damit verbundenen Technologieflüsse ermögli­ chen eine Steigerung der Produktivität, des Produktionsum­ fangs und der Nachfrage nach lokalen Arbeitsplätzen. Auf­ grund der hohen Kapitalintensität von Auslandsdirektinves­ titionen werden, gemessen an den Investitionssummen, nur sehr wenige Arbeitsplätze geschaffen. Berechnungen der International Labour Organization zufolge entstehen pro ­investierter Million US-Dollar in Afrika im Durchschnitt nur 2,8 Arbeitsplätze. Auch absolut sind die durch ausländische Investitionen geschaffenen Arbeitsplätze überschaubar. 11 Sie belaufen sich auf ca. 150.000 pro Jahr. Bei 20 Millionen Arbeitssuchenden wären das gerade einmal 7,5 Prozent. Die meisten Arbeitskräfte in Wertschöpfungsketten sind Land­ arbeiter_innen(Grafik 2). Die Ökonomie der nach außen gerichteten Aktivitäten und Asymmetrie ist ein klares Merkmal ressourcenreicher Län­ der, in denen multinationale Unternehmen dominieren. Ih­ re kapitalintensiven Investitionen schaffen kaum Arbeits­ plätze, aber sie prägen die Entwicklungen dieser Länder ( Dutch Disease-Effekte). Diese verzerren die Volkswirt­ schaften, schwächen die landwirtschaftliche Produktion, führen zu einer größeren Abhängigkeit von Importen, be­ grenzen die lokalen Finanzmärkte und erschweren die in­ dustrielle und landwirtschaftliche Entwicklung. Die Einkom­ mensverteilung ist in nach außen gerichteten Volkswirt­ schaften tendenziell sehr ungleich und marginalisiert eine große Anzahl von Arbeitnehmer_innen, was dazu führt, dass der informelle Sektor stark wächst und die ländlichen Gebiete sich nur schwer entwickeln können. Die Situation in den Niedrigeinkommensländern ist deut­ lich von der in den Mitteleinkommensländern zu unter­ scheiden. Die sich abzeichnenden Trends auf den Arbeits­ märkten wurden während der Pandemie noch deutlicher. Gleichzeitig gibt es auch neue Optionen. Die Länder SSAs 11 ILO(2020): Report on Employment in Africa(Re-Africa). Geneva: ILO; available at: https://www.ilo.org/africa/information-resources/publi­ cations/WCMS_753300/lang--en/index.htm. 7 FRIEDRICH-EBERT-STIFTUNG – DIE AFRIKANISCHE BESCHÄFTIGUNGSKRISE befinden sich in einem tiefgreifenden Transformationspro­ zess, bei dem offen bleibt, ob die Beschäftigungs- und Ar­ mutskrise eingehegt werden kann. Botswana und Mauriti­ us haben gezeigt, dass dies möglich ist. Sie leiteten den Umstrukturierungsprozess bereits seit den 1960er-Jahren durch Reformmaßnahmen ein, die sich auch für die Be­ schäftigung als relativ erfolgreich erwiesen. Anderen Län­ dern gelang dies nicht und viele befinden sich nun in einer Nachzüglersituation, die nicht einfach zu bewältigen ist. Mitteleinkommensländer, wie Südafrika oder Namibia, ge­ raten nicht nur in eine middle income trap, ihre Arbeits­ märkte erleben auch keine Entspannung. Die Arbeitslosig­ keit ist hoch und gleichzeitig steigt die informelle Beschäfti­ gung mit einem wachsenden Anteil armer Menschen. Die­ ser setzt sich aus der städtischen informellen Armutsökono­ mie und vor allem auch der ländlichen informellen Armut zusammen, von der Frauen und Jugendliche in besonderem Maße betroffen sind. Deren Situation verschlechtert sich seit Jahren durch das Wirtschaftswachstum bei steigender Infor­ malität. In den Niedrigeinkommensländern sind die Unterschiede in den Entwicklungsverläufen sehr groß, aber es gibt einen grundlegenden Trend: die extrem hohe Zahl von Arbeitssu­ chenden – ohne Hoffnung, bezahlte Arbeit zu finden. Neu hinzukommende Arbeitssuchende verschärfen die Situation derjenigen, die schon länger auf der Suche nach Lohnarbeit sind. Die Märkte für formelle Beschäftigung sind für sie weitgehend verschlossen. Der Druck auf die Arbeitsmärkte nimmt deutlich zu. Das liegt nicht nur am hohen Bevölke­ rungswachstum, sondern vor allem an der Art des afrikani­ schen Transformationsprozesses, der nicht zu einer Industri­ alisierung mit produktiver Beschäftigung und gut bezahlten Arbeitsplätzen geführt hat. Das unbegrenzte Angebot an Arbeitskräften besteht nicht nur in den ländlichen Gebieten, sondern auch in den urbanen Zentren sowie Klein- und mit­ telgroßen Städten. Da die Mehrheit der Menschen über ge­ ringe Bildung verfügt und aus armen Verhältnissen kommt, bleiben ihnen nur einfache, schlecht bezahlte Jobs oder un­ bezahlte Arbeit in den Familienhaushalten. Hier wird hart gearbeitet und trotzdem bleiben die meisten Menschen arm. Zwar hat sich eine leichte Ausdifferenzierung der infor­ mellen Arbeit herausgebildet, aber dieser Prozess wird durch die steigende Zahl der gering qualifizierten Arbeiter_ innen, der armen Arbeiter_innen und der armen Haushalte überlagert. 8 Strategien der Beschäftigungs­reform – wohin entwickelt sich Afrika? 3 STRATEGIEN DER BESCHÄFTIGUNGS­ REFORM – WOHIN ENTWICKELT SICH AFRIKA? Die Komplexität und die Entwicklungsprozesse auf den Ar­ beitsmärkten lassen keine einfachen Lösungen zu. Nie­ mand kann sagen, woher die vielen Millionen benötigten Arbeitsplätze kommen könnten. Adäquate Lösungen zu finden, ist schwer, zumal sich die Beschäftigungsprobleme in SSA trotz des hohen Wirtschaftswachstums und der Entstehung dynamischer Industrie- und Dienstleistungs­ sektoren in den städtischen Zentren eher vertieft als verrin­ gert haben. Die Herausforderung, mehr und bessere Ar­ beitsplätze zu schaffen, ist die größte Sorge der afrikani­ schen Politik. Klar geworden sein sollte auch, dass Beschäf­ tigungsmaßnahmen besonders schwierig umzusetzen sind. Allzu optimistische Erwartungen sind nicht ange­ bracht. Denn es gilt immer, einerseits kurzfristig zu han­ deln und andererseits die Weichen für die langfristige Si­ cherung von Beschäftigungsmöglichkeiten für die Bevölke­ rung zu stellen. 12 Es muss Abschied genommen werden von alten, geschei­ terten Konzepten, die mit Wachstum ohne Jobs einherge­ gangen sind. Zudem ist deutlich geworden, dass eine ge­ samtgesellschaftlich relevante Beschäftigungspolitik mehr als nur eine Agenda der Unternehmen und des Staates sein muss. Automatisierung und Globalisierung haben sich durchgesetzt – ohne Schutz für Arbeiter_innen, die ihre Jobs verlieren oder keine guten Jobs finden. Im Folgenden werden die Kernaussagen zusammengeführt und Vorschläge unterbreitet. Es sollte von den internationa­ len Organisationen rekapituliert werden, wie wenig nach­ haltig sich die Strukturanpassungs- und Stabilisierungsmaß­ nahmen sowie neuere Maßnahmen – wie der Compact with Africa – erwiesen haben. Die Ideen der Marktliberalisie­ rung, die von internationalen Organisationen seit den 1990er-Jahren verfolgt werden, funktionieren angesichts der Verwerfungen auf den Arbeitsmärkten nicht. Mit ande­ ren Worten:»Institutionen und Märkte in Ordnung zu brin­ gen«, wird die Probleme nicht lösen. Deshalb sind Industria­ lisierungskonzepte, Mittelstandsförderung, Qualifizierungs­ maßnahmen etc. zwar wichtige Bausteine, um die sich 12 Vgl. Monga, Célestin/ Shimeles, Abebe/ Woldemichael, Andinet (Hrsg.)(2019): Creating Decent Jobs. Strategies, Policies, and Instruments. Policy Research Document 2, African Development Bank Abidjan; www.afdb.org/en/documents/creating-decent-jobs-strate­ gies-policies-and-instruments. ­ausweitende ­Beschäftigungskrise zu bewältigen. Allerdings sind viele dieser Konzepte auch mit Vorsicht zu betrachten, da sie oft nicht den gewünschten Erfolg gebracht haben. Viele Industrialisierungspläne sind gescheitert und auch Sonderwirtschaftszonen waren meist nur mäßig erfolg­ reich. Versuche, den Mittelstand zu stärken, endeten oft schlecht. Deshalb sind neue Ideen gefragt. Diese betreffen vor allem die Konnektivitätsproblematik in den Städten, die Stadt-Land-Verknüpfung, die Verknüpfung von lokalen und internationalen Unternehmen, Konzepte für eine integrative Berufsbildung und Unternehmensentwicklung, Forschungs­ anstrengungen. Besonderes Augenmerk muss auf den Strukturwandel im ländlichen Raum gelegt werden, da hier die Mehrheit der Armen und informell Beschäftigten lebt und arbeitet. AUSLANDSDIREKTINVESTITIONEN UND WERTSCHÖPFUNGSKETTEN Auslandsdirektinvestitionen und Wertschöpfungsketten nehmen einen großen Raum in den Diskussionen ein und bedürfen daher einer näheren Betrachtung. Die Teilnahme an Wertschöpfungsketten kann mehr und besser bezahlte Beschäftigung mit sich bringen, indem Ressourcen auf pro­ duktivere Tätigkeiten umverteilt werden und Rückwärtswie Vorwärtsverknüpfungen in Wertschöpfungsketten ge­ schaffen werden. Wichtig ist nicht nur, dass lokale Unter­ nehmer_innen in Wertschöpfungsketten integriert werden, um mehr Arbeitsplätze und auch Beschäftigungsmöglich­ keiten für die große Zahl ungelernter Arbeiter_innen zu ge­ nerieren. Eine stärkere Spezialisierung auf besser qualifizier­ te Tätigkeiten in der Wertschöpfungskette ist auch notwen­ dig, um einen Produktivitätsschub hervorzurufen. Beschäf­ tigungswachstum wird erreicht, wenn lokale Unternehmen als Subunternehmer_innen Teil einer Wertschöpfungskette und relativ gering qualifizierte Arbeitskräfte beschäftigt werden. Das Upgrading der lokalen Industrie kann eine wichtige Quelle für Produktivitätswachstum und die Schaf­ fung produktiverer und besser bezahlter Arbeitsplätze wer­ den. Anreizsysteme und Konnektivität sind besonders wichtig, da sie Effekte induzieren, die zu mehr Arbeitsplät­ zen beitragen, indem sie die Verbindungen von den Hauptakteur_innen in der Wertschöpfungskette zu den lo­ kalen KMU, von den Bauern und Bäuerinnen zu den städti­ schen ­Verbraucher_innen und von ausländischen Direktin­ 9 FRIEDRICH-EBERT-STIFTUNG – DIE AFRIKANISCHE BESCHÄFTIGUNGSKRISE ves­ti­t­ionen zu den lokalen Unternehmen vertiefen. Rück­ wärtsverflechtungen zwischen Schlüsselakteuren in Wert­ schöpfungsketten und lokalen Unternehmen ermöglichen Wissens- und Technologietransfer und schaffen Arbeits­ plätze für qualifizierte Arbeitskräfte. Die Interaktionen zwischen den Akteur_innen innerhalb der Wertschöpfungskette sind durch Lernprozesse gekenn­ zeichnet. Zwei wichtige Formen der Interaktion gilt es zu betrachten: – Die gezielte Partnerförderung: Die Hauptunternehmen einer Wertschöpfungskette transferieren aktiv und ge­ zielt Wissen und fördern die Kompetenzen der Zuliefe­ rer im Rahmen ihrer Wertschöpfungskettensteuerung. Solche Prozesse könnten durch Anreizsysteme be­ schleunigt werden, etwa durch Steuererleichterungen für die an Wertschöpfungsketten beteiligten Unterneh­ men, Qualifizierungsmaßnahmen oder durch staatliche Aufträge für die beteiligten Unternehmen. Außerdem könnten Industriecluster gefördert werden, die zu Spillovers führen. Sonderwirtschaftszonen, die nicht als En­ klaven organisiert sind, sondern lokale Unternehmer_ innen als Unterauftragnehmer_innen von Unternehmen in Wertschöpfungsketten einbinden, schaffen mehr und bessere Arbeitsplätze. Damit die Unterauftragsver­ gabe erfolgreich ist, müssen die lokalen Unternehmen gestärkt werden, insbesondere durch den Abbau von Hindernissen für KMU. Dazu gehört vor allem die Ver­ besserung der Infrastruktur(Straßen, Strom, Wasser etc.), damit die lokalen KMU aus ihrer Isolation auf den Märkten herauskommen und Teil der Wertschöpfungs­ kette werden können. und Kapital ersetzt wurden. Vor allem in der einfachen In­ dustriegüterproduktion(Textilien, Schuhe, einfache Kon­ sumgüter), weniger jedoch in der landwirtschaftlichen Pro­ duktion, führt die Automatisierung tendenziell zu einer Ver­ ringerung der Nachfrage nach Arbeitskräften in Routinear­ beitsprozessen. Darüber hinaus legen Studien nahe, dass Länder mit nied­ rigerem Einkommen ihre Arbeitskräfte besser ausbilden müssen, um den Anforderungen der heutigen globalen Produktionssysteme gerecht zu werden. In Lieferketten werden maßgeschneiderte Teile und Komponenten zwi­ schen den beteiligten Parteien ausgetauscht. Infolgedes­ sen beinhalten Wertschöpfungsketten typischerweise längerfristige Beziehungen zwischen Unternehmen. Die­ se sind besonders förderlich für den Transfer von Informa­ tionen und Technologien, die für die Herstellung eines Produkts oder die Erbringung einer Dienstleistung benö­ tigt werden. Um die Produktion zu steuern, legen die multinationalen Hauptakteure in einer Wertschöpfungs­ kette Produktspezifikationen und Anforderungen an Fle­ xibilität, Qualität und Produktionsgeschwindigkeit fest. Darüber hinaus formulieren immer anspruchsvollere in­ ternationale Standards die Anforderungen an die Produk­ tionsprozesse in den Bereichen Gesundheits- und Ver­ braucher_innenschutz sowie unter sozialen, ökologischen und ethischen Gesichtspunkten. Die Einhaltung dieser in­ ternationalen Standards ist entscheidend für eine erfolg­ reiche Teilnahme an Wertschöpfungsketten. Neue Tech­ nologien könnten somit den komparativen Vorteil niedri­ ger Löhne aushöhlen. Die Nachfrage nach ungelernten Arbeitskräften in Wertschöpfungsketten wird tendenziell eher fallen. – Spillover-Effekte in formalisierten Partnerschaften: In besonderen Fällen gehen Hauptfirmen Entwicklungs­ partnerschaften mit Zulieferern in SSA und ggf. lokalen Forschungs- und Entwicklungseinrich­tungen ein, um z. B. internationale Technologien an die lokalen Bedin­ gungen anzupassen. In diesen Fällen können neben den direkt beabsichtigten Lern- und Upgrading-Prozessen auch Downgrading, ungeplan­te technologische Spillovers und Spin-off-Effekte a­ uf­treten. Durch Demonst­ rationseffekte und Lernen-­durch-Beobachtung können sich die Unternehmen am unteren Ende der Kette Fä­ higkeiten und Kenntnisse aneignen, welche die führen­ den Unternehmen als ihre Kernkompetenzen ansehen. Diese Maßnahmen könnten nicht nur Technologie- und Wissenstransfers generieren, sondern auch den lokalen KMU-Sektor stärken. Die oft beschworene Verlagerung ausländischer Direkt­ investitionen aufgrund steigender Löhne in Schwellen­ ländern, die zu einem Industrialisierungsschub und einem deutlichen Anstieg der Beschäftigung von ungelernten ­Arbeitskräften führen würde, ist mit Vorsicht zu genießen. Belege gibt es dafür, dass ein Teil der ungelernten Arbeits­ plätze, die in den letzten Jahrzehnten durch ­Auslands­direktinvestitionen in Afrikas Sonderwirtschaftszonen ge­ schaffen wurden, durch höher qualifizierte Arbeitskräfte In diesem Zusammenhang sind auch Vorschläge interes­ sant, die sich auf das Potenzial von»Industrien ohne Schornstein« konzentrieren. 13 Das Wachstum dieser Bran­ chen könnte auch die Möglichkeiten für mehr Beschäfti­ gung verbessern, zumal sie einen Wissensschub auslösen, der wiederum ausgebaut werden kann, wenn er einen positiven Kreislauf aus Lernen, Diversifizierung der Fähig­ keiten und Wissens- Spillover hervorruft. Zu den Sektoren mit Wachstumspotenzial gehören eine hochspezialisierte Landwirtschaft, Tourismus, Informations- und Kommuni­ kationstechnologie und kreative Industrien. Sie können mehr Arbeitsplätze schaffen und Kerne von wettbe­ werbsfähigen Industrien bilden. Erhebliche Beiträge zur Beschäftigungskrise können geleistet werden, wenn sys­ tematisch Verknüpfungen zu lokalen Unternehmen ge­ schaffen werden – zum Beispiel durch alternativen Touris­ mus, der im Gegensatz zum Massentourismus auf die Ein­ bindung lokaler Hotels, Restaurants und Gemeinden setzt. 13 Newfarmer, Richard S./ Page, John/ Tarp, Finn(Hrsg.)(2018): Industries without Smokestacks: Industrialization in Africa Reconsidered. United Nations University World Institute for Development Econo­ mics Research UNU-WIDER Helsinki; fdslive.oup.com/www.oup.com/ academic/pdf/openaccess/9780198821885.pdf. 10 Strategien der Beschäftigungs­reform – wohin entwickelt sich Afrika? DIE HOFFNUNG STEIGENDER LÖHNE IN CHINA Millionen von Arbeitsplätzen sollen durch chinesische In­ vestitionen in SSA entstehen, wenn die Löhne in China steigen. Diese seien so hoch, dass sie einen erheblichen Schub für den afrikanischen Arbeitsmarkt auslösen wür­ den. Im Jahr 2011 verkündete der ehemalige Vizepräsident für Entwicklungsökonomie der Weltbank, Justin Lin 14 , dass durch chinesische Auslandsdirektinvestitionen Millionen von Arbeitsplätzen in Niedrigeinkommensländern entste­ hen könnten. Zehn Jahre später erklären Acha Leke und Landry Signé, dass Afrika das nächste große Produkti­ onszentrum der Welt werden würde, da sich die Industrien aus China in kostengünstigere Regionen verlagerten. 15 Selbst im Jahr 2020 vertrat die Wirtschaftskommission für Afrika der Vereinten Nationen(UNECA) noch die Ansicht, dass»das potenzielle Wachstum der Industrie[…] 100 Mil­ lionen arbeitsintensive Arbeitsplätze von China nach Afrika verlagern wird«. 16 Sollte diese Annahme zutreffen, wäre China eine»Entwicklungsrolltreppe«, die mehr Arbeits­ plätze schaffen würde als bisher alle anderen Länder zu­ sammen. Tatsächlich haben chinesische Unternehmen und der Staat investiert(u. a. in Infrastrukturprojekte, Sonder­ wirtschaftszonen) und auch Arbeitsplätze für Afrikaner_in­ nen geschaffen – aber bei Weitem nicht so viele, wie ur­ sprünglich angekündigt. In der Zeit von 2014 bis 2018 ent­ standen durch chinesische Investor_innen gerade 137.000 neue Jobs: pro investierter Million US-Dollar gerade 1,9 neue Arbeitsplätze. Und es stimmt: In einigen afrikani­ schen Ländern – etwa Kenia, Südafrika und Äthiopien – sind die Löhne deutlich niedriger als in China, zum Beispiel in der Bekleidungs- und Textilindustrie. Derzeit gehören äthiopische Fabrikarbeiter_innen zu den weltweit am schlechtesten bezahlten in der Bekleidungsindustrie. Aber dies bedeutet keineswegs, dass automatisch mehr auslän­ dische Investitionen in Afrika stattfinden. Wie ist die These von stark wachsenden Auslandsdirektin­ vestitionen mit hohen Beschäftigungseffekten zu bewer­ ten? Zunächst ist festzustellen, dass die chinesische Indust­ rie in den letzten Jahrzehnten die afrikanischen Märkte mit Produkten beliefert hat und so zum Niedergang der verar­ beitenden Industrie in SSA und zum Verlust von Industrie­ arbeitsplätzen beigetragen hat. Afrika importierte zuneh­ 14 Lin, Justin Yifu(2011): From Flying Geese to Leading Dragons. New Opportunities and Strategies for Structural Transformation in De­ veloping Countries. Washington, D.C.: World Bank Policy Research Working Paper 5702; https://openknowledge.worldbank.org/ handle/10986/3466; 15 Leke, Acha and Landry Signé(2019): Africa’s Untapped Business Po­ tential. Spotlighting Opportunities for Business in Africa and Stra­ tegies to Succeed in the World’s Next Big Growth Market, in: Foresight Africa. Top Priorities for the Continent in 2019. Washington, D.C.: Brookings: S. 76–95. Vgl. Calabrese, Linda/ Tang, Xiaoyang (2020): Africa’s Economic Transformation: the Role of Chinese Inves­ tment. Synthesis Report. Hrsg. v. The Development and Economic Growth Research Programme, London; degrp.odi.org/wp-content/ uploads/2020/06/DEGRP-Africas-economic-transformation-the-ro­ le-of-Chinese-investment-Synthesis-report.pdf. 16 UNECA(2020): Economic Report on Africa 2020: Innovative Finance for Private Sector Development in Africa. Addis Ababa: S. 90–91. mend Billigprodukte aus China und anderen Ländern, ­welche die Fähigkeit der afrikanischen Industrien beein­ trächtigten, mit niedrigen Löhnen wettbewerbsfähig zu bleiben. Verschärft wurde dies durch die Tatsache, dass über einen langen Zeitraum hinweg chinesische Investitio­ nen vorwiegend in Rohstoffsektoren in Afrika getätigt wurden und nur wenige Arbeiter_innen beschäftigten. Die Konzentration auf solche Investitionen hat auch zur Dein­ dustrialisierung beigetragen. Das heißt, die Allokation der Ressourcen fokussiert auf kapitalintensive Sektoren, die Devisen einbringen und damit die politisch-ökonomischen Entscheidungen der afrikanischen wirtschaftlichen und po­ litischen Eliten in Richtung rent-seeking economies be­ günstigen. Die kapitalintensiven Investitionen gehen Hand in Hand mit der Ausdehnung des Angebots an Arbeitskräf­ ten und dem Mangel an Beschäftigungsmöglichkeiten für die Mehrheit der afrikanischen Arbeiter_innen. In den Roh­ stoffenklaven werden hohe Löhne gezahlt, die Staaten er­ zielen relativ hohe Einnahmen und können so die öffentli­ chen Verwaltungen mit hohen Gehältern bedienen. Dieses Modell wurde gleichzeitig von Frankreich, Großbritannien und auch China verfolgt und hat strukturelle Verzerrungen in der großen Mehrheit der Länder in SSA begünstigt. Während die chinesische Nachfrage nach Rohstoffen nach wie vor hoch ist, sind die chinesischen Direktinvestitionen in der verarbeitenden Industrie relativ gering. Dies wirft die Frage auf, inwieweit SSA in der Lage ist, bei steigenden Löhnen in China und Millionen von unterbeschäftigten Ar­ beiter_innen in SSA chinesische Industrieinvestitionen an­ zuziehen und Arbeitsplätze zu schaffen. Um diese Frage zu beantworten, wird auf Basis von Lohn­ stückkosten argumentiert. 17 Mit ihrer Hilfe lässt sich erklä­ ren, wovon der Zufluss ausländischer Investitionen ab­ hängt. Dabei sind folgende Aspekte von Bedeutung: Ers­ tens lagen die Reallöhne und das Produktivitätsniveau im verarbeitenden Gewerbe in SSA bis vor einigen Jahren deutlich über dem Niveau Chinas, wobei der Reallohnun­ terschied größer war als der Produktivitätsunterschied. Folglich waren die Lohnstückkosten in den Volkswirtschaf­ ten SSAs deutlich höher als in China. Zweitens sind die chi­ nesischen Löhne seit den 2000er Jahren hochgeschnellt, während das Produktivitätswachstum weniger stark an­ stieg. Dies hat Chinas Wettbewerbsvorteil in der verarbei­ tenden Industrie verringert und es den afrikanischen Län­ dern ermöglicht, einige Investitionen anzuziehen. Doch die meisten chinesischen industriellen Auslandsdirektinvestiti­ onen flossen nicht nach Afrika, sondern in asiatische Län­ der, weil deren Lohnstückkosten noch niedriger sind als in Afrika. Drittens fielen in den Jahren nach 2010 die relativen Reallöhne in den afrikanischen Ländern im Vergleich zu China schneller als die relative Produktivität, was ihre Wett­ bewerbsfähigkeit gegenüber China etwas erhöhte – aber 17 Siehe Golub, Stephen S., Janet Ceglowski, Ahmadou Aly Mbaye and Varun Prasad(2018): Can Africa Compete with China in Ma­ nufacturing? The Role of Relative Unit Labour Costs, in: The World Economy 41(6), S. 1508–1528; https://onlinelibrary.wiley.com/ toc/14679701/2018/41/6. 11 FRIEDRICH-EBERT-STIFTUNG – DIE AFRIKANISCHE BESCHÄFTIGUNGSKRISE kaum zu asiatischen Konkurrenzländern wie Bangladesch oder Kambodscha. Das heißt, die internationale Wettbe­ werbsfähigkeit einiger SSA-Länder hat sich zwar etwas verbessert, aber im Vergleich zu China und vor allem ande­ ren asiatischen Ländern bleiben die ­afrikanischen relativen Stückkosten weitgehend ungünstig. Darüber hinaus wir­ ken sich die ­unzureichende und teure Infrastruktur(Stra­ ßen, Strom, I­nformations- und Kommunikationstechnolo­ gien, Forschung und Entwicklung) und die schwachen Ins­ titutionen negativ auf das Geschäftsumfeld für ausländi­ sche Investitionen aus. Vor allem einkommensschwache asiatische Länder bleiben gegenüber afrikanischen Län­ dern im Vorteil. Die Fähigkeit von SSA, ausländische Direkt­ investitionen anzuziehen, ist daher nach wie vor begrenzt. schen aus der extremen Armut befreien kann. Die Realein­ kommen könnten bei vollständiger Umsetzung deutlich steigen. Aus der Beseitigung von nichttarifären Handels­ hemmnissen und Zöllen ergäben sich wirtschaftliche und verteilungspolitische Vorteile. Die AfCFTA würde den afri­ kanischen Handel mit Fertigwaren erheblich ankurbeln. Das Volumen der Gesamt­exporte könnte bis 2035 um fast 30 Prozent steigen. Im A­ fCFTA-Szenario würden die Expor­ te am stärksten zunehmen – vor allem im innerafrikani­ schen Handel. Nach Berechnungen der Weltbank und der Afrikanischen Union dürfte das AfCFTA-Abkommen auch die regionale Produktion und Produktivität erhöhen und zu einer Umverteilung von Ressourcen zwischen Sektoren und Ländern führen. 19 Hinzu kommen die globalen Transformationen. In der Ver­ gangenheit hatten wachsende Industrien Arbeitsplätze für gering qualifizierte Arbeitskräfte geschaffen. Dies wird aber in SSA kaum noch der Fall sein. Gründe dafür sind die hohen Investitionskosten für die Schaffung eines Arbeits­ platzes und die relativ sinkende Zahl von benötigten Arbei­ ter_innen im automatisierten Produktionsprozess. Zudem gibt es aufgrund von Automatisierung, Digitalisierung und Protektionismus kaum Anzeichen dafür, dass chinesische Produzenten in großem Stil vom afrikanischen Kontinent nach China, in die USA und/oder nach Europa Fertigwaren exportieren. Unterdessen rüstet China seine Fertigungs­ technologie(»Made in China 2025«) gemäß der Direktive jiqi huanren(Maschinen ersetzen Arbeiter_innen) durch Robotik auf. Das niedrige Qualifikationsniveau in Afrika und die schnellen Veränderungen durch neue Technologi­ en erschweren afrikanischen Unternehmen den Einstieg in globale Wertschöpfungsketten als Zulieferer, zumal mittel­ ständische Unternehmen oft technologisch und wirtschaft­ lich zu schwach sind. Somit lässt sich zusammenzufassen: Es ist keineswegs be­ wiesen, dass steigende Löhne in China zu höheren chine­ sischen Investitionen in SSA führen, um dort zu niedrigen Löhnen zu produzieren. Chinesische Unternehmen schaf­ fen nur wenige Arbeitsplätze, weil die meisten Investitio­ nen kapitalintensiv sind und in Rohstoffsektoren fließen. Dass Chinas Wirtschaftsaktivitäten(wie auch jene aus Eu­ ropa, den USA und Schwellenländern) allenfalls zu gerin­ gen Beschäftigungseffekten in Afrika beitragen, kann ein­ deutig festgestellt werden. AFRIKANISCHE KONTINENTALE FREIHANDELSZONE SCHAFFT JOBS Das Weltwirtschaftsforum bezeichnet die Afrikanische Kon­ tinentale Freihandelszone(African Continental Free Trade Area, AfCFTA) als einen spannenden»Gamechanger« für die Beschäftigungssituation in SSA. Die A­ frikanische Union erklärt 18 , dass die AfCFTA bis zu dreißig Millionen Men­ 18 UNECA(2020): Creating a Unified Regional Market. Addis Ababa: UNECA. Die Umsetzung der AfCFTA könnte die Beschäftigungsmög­ lichkeiten verbessern und Lohnsteigerungen ermöglichen. Aggregierte Prognosen der UNECA zeigen, dass das durch­ schnittliche Bruttoinlandsprodukt und die Beschäftigung um 0,66 bis 0,97 Prozent pro Jahr wachsen würden. 20 Die Reallöhne würden sowohl für qualifizierte als auch für unge­ lernte Arbeiter_innen auf breiter Front steigen. Die UNECA schätzt, dass die AfCFTA zu Wohlfahrtsgewinnen führen und mehr als zwei Millionen neue Arbeitsplätze schaffen könnte. Der Erfolg der AfCFTA, so argumentiert die Afrika­ nische Union, hängt von flexiblen Arbeitsmärkten, der Ent­ wicklung der Infrastruktur innerhalb und zwischen den Län­ dern, einer soliden makroökonomischen Politik und einem unternehmer_innenfreundlichen Umfeld für in- und auslän­ dische Investor_innen ab. Diese äußerst optimistischen An­ nahmen sind jedoch nicht sehr überzeugend. Die Schaffung von Arbeitsplätzen kann nur gelingen, wenn die innerafrika­ nischen Wertschöpfungsketten und dadurch auch die loka­ le Wertschöpfung belebt werden können. Eine entscheiden­ de Voraussetzung dafür wäre, dass afrikanische Firmen, die in der AfCFTA einem stärkeren Wettbewerb ausgesetzt sein werden, dazu auch in der Lage sind. Aller Voraussicht nach werden nichtafrikanische Unternehmen, die Industriegüter herstellen und Dienstleistungen anbieten, am meisten von der AfCFTA profitieren. Das heißt, Unternehmen aus China, Europa, den USA usw. könnten den nun größeren und offe­ nen Markt nutzen, um ihre komparativen Vorteile auszu­ spielen. Wenn afrikanische Unternehmen von der AfCFTA profitieren sollen, müsste es umfangreiche Unterstützungs­ maßnahmen für ein Upgrading von Unternehmen, techno­ logische Aufrüstung, Exportfähigkeit usw. geben. Unter die­ sen Umständen könnte die vollständige Umsetzung der Af­ CFTA auch die Entwicklung regionaler Wertschöpfungsket­ ten stimulieren. Dass Arbeitnehmer_innen durch diese Ver­ knüpfungen B­eschäftigungsmöglichkeiten finden, hängt vor allem von der Fähigkeit afrikanischer Unternehmen ab, in diese Märkte einzutreten. 19 Zeufack, Albert G. et al.(2020): An Analysis of Issues Shaping Afri­ ca’s Economic Future. Charting the Road to Recovery. Africa’s Pulse 22, hrsg. v. The World Bank Washington D. C.; openknowledge.wor­ ldbank.org/bitstream/handle/10986/34587/9781464816482.pdf?se­ quence=41&isAllowed=y. 20 UNECA(2020), op.cit. 12 Strategien der Beschäftigungs­reform – wohin entwickelt sich Afrika? DIGITALISIERUNG ERMÖGLICHT QUALIFIZIERTE BESCHÄFTIGUNG Es besteht die Ansicht, dass Automatisierung, Roboterisie­ rung und Digitalisierung(Industrie 4.0) positive Auswirkun­ gen auf den afrikanischen Arbeitsmarkt haben könnten, wenn es Afrika gelingt, die technologischen ­Revolutionen ­lokal umzusetzen. Allerdings ist die Literatur über die Aus­ wirkungen der Digitalisierung auf den Arbeitsmarkt in SSA unklar. Die Automatisierung in der Fertigung und neue Technologien könnten die Produktion effizienter gestalten, die Produktivität steigern, die durchschnittlichen Produkti­ onskosten senken und folglich die Nachfrage nach hoch­ qualifizierten Arbeitskräften erhöhen. Neue Technologien könnten auch die Produktionskosten senken, was neue Unternehmer_innen auf den Markt locken und die Zahl der digitalen Arbeitsplätze erhöhen könnte. Frühere Analysen machen deutlich, dass die Auswirkungen der Technologien positiv und signifikant sind. Auch der Beitrag des Internets zum Wirtschaftswachstum wird positiv bewertet, aller­ dings wird dieser Effekt in SSA aufgrund der unterentwi­ ckelten Internet­infrastruktur als gering eingeschätzt. Digi­ tale Technologien könnten auch genutzt werden, um Bil­ dung, Gesundheit und die Lebensbedingungen zu verbes­ sern und ökologisch nachhaltigere Produktions- und Kon­ summuster zu fördern. Aber Digitalisierung, Roboterisierung und künstliche Intelli­ genz können auch zur Substitution von Arbeitskräften in der traditionellen arbeitsintensiven(Routine-)Fertigung füh­ ren und Arbeitsplätze vernichten. Dies bedeutet, dass SSA durch die neuen Technologien in eine kritische Situation ge­ raten kann. Gerade in der Phase, in der sich einige Länder industrialisieren und in Wertschöpfungsketten etablieren wollen, kann der Druck der neuen Technologien Hoffnun­ gen auf mehr Industriearbeitsplätze dämpfen oder gar zu­ nichtemachen. Dies bedeutet: Selbst wenn durch die Digi­ talisierung neue Arbeitsplätze geschaffen würden, könnte dies gleichzeitig zu einer Zunahme informeller Arbeitsplät­ ze führen. Da die Eintrittsbarrieren auf den Märkten durch die Digitalisierung gesenkt werden, nimmt der Wettbewerb zu, was zu höherem Druck auf die Löhne führen kann. Die digitale Revolution verschärft auch räumliche Probleme – mit Folgen für die Beschäftigung. Die Konzentration der digitalen Wirtschaft in den größeren Städten verstärkt die räumlichen Divergenzen. Ländlichen Gebieten und Klein­ städten ist der Zugang zu Digitalisierung wegen fehlender Elektrizität und Zugang zu Kommunikationstechnologien nicht so leicht möglich. In den Wirtschaftszentren schreitet die Digitalisierung dagegen voran und lässt Enklaven von Unternehmen mit hoch qualifizierten Arbeitsplätzen ent­ stehen. Frauen haben weniger Zugang zu digitaler Hardware, eben­ so wie die meisten ländlichen oder abgelegenen Gebiete und Kleinstädte, in denen 80 Prozent der Armen in SSA ­leben. Sie haben nicht nur begrenzten Zugang zum Internet, sondern sind auch weitgehend von den ­Arbeitsplätzen im modernen Dienstleistungssektor ­ausgeschlossen. Die ­»Glo­botik-Umwälzung« 21 wird durch zunehmende Automatisie­ rung und Digitalisierung neue Formen der sozialen Spaltung schaffen: auf der einen Seite informelle Arbeitsplätze, die durch die Automatisierung von Routinearbeiten besonders benachteiligt werden, und auf der anderen eine Gruppe von besser ausgebildeten und formellen Arbeitnehmer_innen, die von den neuen Technologien profitieren. Darüber hinaus ist die Nutzung von Vorteilen in der digitalen Wertschöp­ fungskette begrenzt, da die digitale Wirtschaft von einigen wenigen großen Unternehmen dominiert wird, was den Markteintritt für afrikanische KMU erschwert – mit deutli­ chen Folgen für den Arbeitsmarkt. GRÜNE WIRTSCHAFT Seit Jahrzehnten werden die negativen Auswirkungen der Klimakrise in SSA immer deutlicher. SSA ist eine der anfäl­ ligsten Regionen für klimatische Schocks. Die Weltbank 22 schätzt, dass Millionen Menschen in SSA Gefahr laufen, als direkte Folge des Klimawandels in die Armut zurückzufal­ len. Afrika sieht sich trotz seines geringen Beitrags zu den Treibhausgasemissionen mit exponentiellen Kollateralschä­ den konfrontiert, die systemische Risiken für ihre Volkswirt­ schaften, Infrastrukturinvestitionen, Wasser- und Nah­ rungsmittelsysteme, die öffentliche Gesundheit, die Land­ wirtschaft und die Ernährungsgrundlagen darstellen. Diese drohen, die Entwicklungserfolge des letzten Jahrzehnts zu­ nichtezumachen. Besonders verwundbar ist aufgrund ihrer Wetterabhängigkeit die Landwirtschaft. Viele afrikanische Länder haben sich verpflichtet, innerhalb eines relativ kurzen Zeitraums auf grüne Energien umzu­ steigen. Dies ist ein vielversprechender Ansatz, um kli­ mabedingte lokale Risiken und Auswirkungen von Extrem­ ereignissen zu reduzieren. Wertschöpfungstechniken, die effiziente und saubere Energiequellen nutzen, sind Berich­ ten zufolge in der Lage, die Armut schneller zu reduzieren als das Wachstum in anderen Sektoren. Solarbetriebene und effiziente Mikrobewässerung etwa erhöht das Ein­ kommen der Landwirt_innen, verbessert die Erträge und reduziert den Wasserverbrauch. Eine begrenzte Anzahl von Studien befasst sich mit den Auswirkungen grüner Po­ litik auf die Beschäftigung. 23 Diese Studien kommen zu dem E­ rgebnis, dass grüne Transformationen einen beschei­ denen Einfluss auf die Schaffung von Arbeitsplätzen haben. 21 Baldwin, Richard(2019): The Globotics Upheaval: Globalisation, Robotics, and the Future of Work. New York; Baldwin, Richard/ Fors­ lid, Rikard(2020): Globotics and Development: When Manufacturing is Jobless and Services are Tradable. Working Paper 26731, hrsg. v. National Bureau of Economic Research, Cambridge MA; www.nber. org/system/files/working_papers/w26731/w26731.pdf. 22 https://www.worldbank.org/en/news/press-release/2021/07/01/pro­ tecting-nature-could-avert-global-economic-losses-of-usd2-7-trillionper-year 23 Vgl. AzzarrI, Carlo and Sara Signorelli(2020): Climate and Poverty in Africa South of the Sahara, in: World Development 125, January: 1–19; available at: https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/ S0305750X19303390; see also https://www.afdb.org/en/cop25/cli­ mate-change-africa; https://unfccc.int/news/climate-change-is-an-in­ creasing-threat-to-africa 13 FRIEDRICH-EBERT-STIFTUNG – DIE AFRIKANISCHE BESCHÄFTIGUNGSKRISE Arbeitsplätze entstehen vor allem für Hochqualifizierte. Wie auch faire Arbeitsplätze für die Mehrheit der Geringqualifi­ zierten geschaffen werden können, ist eine zentrale Frage für eine notwendige sozial-ökologische Transformation in Afrika. LANDWIRTSCHAFT UND STADTENTWICKLUNG Die meisten armen Menschen in den Niedrigeinkommens­ ländern sind Bauern und Bäuerinnen, die Lebensmittel für den eigenen oder den lokalen Verbrauch produzieren. Da die Einkommen der städtischen Mittelschicht wachsen und sich die Konsumgewohnheiten ändern, wird eine der größ­ ten Herausforderungen darin bestehen, dafür zu sorgen, dass die ländliche Bevölkerung ihre Kompetenzen ausweitet. Dadurch gelänge es auch einigen Bauern und Bäuerinnen, die wachsende städtische Nachfrage nach Lebensmitteln zu bedienen. Diese kann sich dann positiv auswirken, wenn sie durch Anreize und Steuererleichterungen die Wertschöp­ fung in lokalen und auch regionalen Wertschöpfungsketten erhöht und so mehr Arbeitsplätze für ländliche Lohnarbei­ ter_innen entstehen. Mehr Verkäufe von Farmer_innen auf wachsenden regiona­ len Lebensmittelmärkten und die Förderung von Wertschöp­ fungsketten zwischen Kleinbauern und-bäuerinnen sowie Agrarunternehmen schaffen mehr und besser bezahlte Ar­ beitsplätze auf den Farmen und auf dem Land(z. B. Lage­ rung und Transport, Kühlzentren). Aber nicht alle Strategien der landwirtschaftlichen Arbeitsplatztransformation redu­ zieren gleichermaßen die Armut. Um das Beschäftigungspo­ tenzial zu heben, muss die afrikanische Landwirtschaft zu ei­ nem marktorientierten und zugleich integrierten Ernäh­ rungssystem übergehen. Ein vielversprechender Ansatz ist es, die Arbeitsproduktivität der stärker kommerziell orien­ tierten Kleinbauern und-bäuerinnen zu erhöhen. Denn nicht alle sind gleichermaßen in der Lage, neue Technologi­ en zu übernehmen, ihre Grundnahrungsmittel zu vermark­ ten und ihre Produktion an die sich verändernde städtische Konsumnachfrage anzupassen. Ärmere Bauern und Bäuerin­ nen könnten daher ihr Einkommen durch Lohnarbeit in kom­ merziell orientierten Betrieben und vor allem in den nicht landwirtschaftlichen Sektoren auf dem Land steigern. Zu be­ achten ist jedoch, dass eine groß angelegte kommerzielle landwirtschaftliche Entwicklung kapitalintensiv ist und daher bestenfalls begrenzte Beschäftigungseffekte erzielen würde. Diese Art des ländlichen Transformationsprozesses könnte die ländlichen Beschäftigungsprobleme also verschärfen. Deshalb müssen besondere Abfederungsmaßnahmen für die ärmere Bevölkerung auf dem Land in Angriff genommen werden. werden. Peri-urbane Gebiete und die ländlichen G­ ebiete, die direkt in den Ringen um die Großstädte herum liegen, können profitieren, da sie die städtischen Zentren mit Le­ bensmitteln versorgen. Die allgemeine Ansicht, wonach ein verbesserter Zugang von einkommensschwachen Regionen (ländlichen Gebieten) zu Kernmärkten(städtischen Hubs) auch der Entwicklung ländlicher Regionen und Kleinstädte zugutekäme, könnte sich aber auch als falsch erweisen. Vie­ le Akteur_innen haben sich in den letzten Jahren auf diese Konzepte verlassen. Aber auch die Verbesserung des Trans­ portsystems, billiger Transport und Konnektivität führen nicht ohne Weiteres zur Entwicklung von Industrien, höhe­ ren Löhnen und mehr Arbeitsplätzen – weder in ländlichen noch in städtischen Gebieten. Wenn diese Gefahr gebannt werden soll, muss es besondere Fördermaßnahmen für die gesamte ländliche Bevölkerung geben. EXPORT UND ARBEITSPLÄTZE Wie kann die Nachfrage nach lokalen Arbeitsplätzen durch Unternehmen erhöht werden? sie die Exporte ins Ausland steigern. Die große Mehrheit der Unternehmen tut sich damit schwer. Die wenigsten sind überhaupt in der Lage, ihre Existenz zu sichern, geschweige denn auf Exportmärkten erfolg­ reich zu agieren. Größere Unternehmen sind verstärkt im Export tätig, investieren gelegentlich in Nachbarlän­ der und schaffen so Verflechtungen mit der dortigen Wirtschaft. Auch ein kleiner Teil der mittelständischen Unternehmen ist grenzüberschreitend tätig. Sowohl große Unternehmen als auch KMU können unter be­ stimmten Umständen von der AfCFTA und den offenen Märkten nach Europa profitieren. weitere Option ist es, wettbewerbsfähiger zu wer­ den, um Importe zu ersetzen. Angesichts des Angebots an Billigimporten von Produkten und Dienstleistungen aus China, Indien und auch den eigenen Nachbarlän­ dern scheint dieser Weg zwar nicht aussichtslos, aber schwierig, vor allem wegen der geringen Produktivität der Unternehmen, der Qualität der Produkte und der Ausrichtung der KMU auf lokale Märkte. Die meisten Unternehmen agieren in einem sehr kleinen Radius und werden durch hohe Transport- und Transaktionskosten daran gehindert, die kaufkräftigen städtischen Märkte – z. B. die Konsumnachfrage der Mittelschicht – zu bedie­ nen. Sie haben aber auch große Vorteile, denn sie ken­ nen die lokalen und nationalen Märkte sowie die Kon­ sumgewohnheiten der Bevölkerung und haben Stand­ ortvorteile und soziale Netzwerke, welche die Nachteile bei Preis und Qualität der Produkte ausgleichen. Auch die Stärkung ländlicher Regionen durch den Ausbau der Infrastruktur kann problematisch sein. Sie würde zwar die Transportkosten senken und die Konnektivität verbes­ sern, kann aber auch zu Arbeitsplatzverlusten und dem Ver­ lust der Wettbewerbsfähigkeit ländlicher Unternehmen füh­ ren. Dies muss beim Ausbau der Infrastruktur berücksichtigt Unternehmen müssten auch in der Lage sein, die Produktion auf höherwertige Güter und Dienstleistun­ gen umzustellen. Dieser Weg ist notwendig, stößt aber auf sehr viele Hindernisse, nicht zuletzt wegen der un­ zureichenden Managementkompetenz der Unterneh­ men und der Benachteiligungen, denen die meisten lo­ 14 Strategien der Beschäftigungs­reform – wohin entwickelt sich Afrika? kalen Unternehmen unterliegen. Die wiederholten ­Aufrufe, dass KMU wettbewerbsfähiger werden sollen, ohne zu sagen, wie sie das tun könnten, hinterlässt nach Jahrzehnten der Wiederholung dieser These einen schalen Beigeschmack, denn Kleinst- und Kleinunter­ nehmen sowie Selbstständige wurden in den letzten Jahrzehnten kaum gefördert. Stattdessen wurde die Ansiedlung ausländischer Unternehmen und die Ent­ wicklung großer nationaler Unternehmen unterstützt – meist mit geringen Beschäftigungseffekten. INFORMALITÄT UND INFORMELLE ARBEIT Viele Expert_innen empfehlen zweigleisige Strategien, die neben der Förderung des modernen Unternehmenssektors gleichzeitig die Produktivität und das Einkommen von Bau­ ern und Bäuerinnen sowie informellen Kleinstbetrieben er­ höhen. Für solche ausgleichenden Konzepte können Ver­ knüpfungen als besonders wichtig angesehen werden. Durch die besondere Förderung bestimmter Wirtschafts­ sektoren und die damit verbundene Wertschöpfung in lo­ kalen Wertschöpfungsketten können KMU, Bauern und Bäuerinnen sowie Arbeiter_innen profitieren. Vorausset­ zung ist die Intensivierung von Lieferbeziehungen und der Wissenstransfer zwischen der modernen und der informel­ len Wirtschaft sowie öffentliche Beschäftigungsprogram­ me, die den Haushalten, dem informellen Sektor, Kleinstun­ ternehmen und auch der Landwirtschaft zugutekommen. Öffentliche Beschäftigungsprogramme haben zusätzliche positive Sekundäreffekte durch die Bereitstellung lokaler In­ frastruktur, die wiederum die Beschäftigungschancen der arbeitenden Armen und die Produktivität der lokalen Wirt­ schaft erhöhen. Diese Programme müssen durch Anreizsysteme gesteuert und unterstützt werden, wie z. B. Steuererleichterungen für teilnehmende Unternehmen, gezielte Unterstützung durch Ausbildung sowie die Entwicklung von Industrieclustern, die Vernetzungen ermöglichen. Bloße Ausbildungsmaßnah­ men, die nicht zu einem Upgrading von Unternehmen und zu besserer Qualifikation von Arbeitnehmer_innen führen, haben sich weitgehend als Fehlschläge erwiesen. Anreizsys­ teme sind die bessere Option, einschließlich der Einrichtung von Fonds, welche die Integration lokaler Unternehmen in Wertschöpfungsketten nach Wettbewerbskriterien gezielt unterstützen. Diese sollten in jedem Fall auch ausländische Unternehmen einbeziehen, da diese oft in Enklaven ohne breit angelegte Rückwärtsverflechtungen operieren. Um die wachsende junge Bevölkerung Afrikas mit qualitativ hochwertigen Arbeitsplätzen zu versorgen, wurde empfoh­ len, sowohl den informellen Sektor zu fördern als auch in­ formelle Unternehmen zu ermutigen, ihre Tätigkeit zu for­ malisieren. Dieses Konzept wurde von zahlreichen Organisa­ tionen immer wieder hervorgehoben, die Erfolge waren je­ doch begrenzt. 24 Da der informelle Sektor die ­dominierende 24 Vgl. Ishengoma, Esther K. und Kappel, Robert(2006): Economic Wirtschaftsform ist, sollte die Förderung sicherlich hier an­ setzen. Aber es erweist sich als schwierig, den Prozess des Übergangs vom lower zum upper tier der informellen Un­ ternehmen und Beschäftigung zu beschleunigen. Wahrscheinlich helfen einige wenige Maßnahmen am bes­ ten, um die seit Langem bestehenden Engpässe zu beseiti­ gen und die Chancen für alle Unternehmen zu verbessern: verlässlicher und kostengünstiger Zugang zu Strom und Wasser sowie bessere und bezahlbare öffentliche Verkehrs­ systeme, welche die Verbindungen in den städtischen Zen­ tren mit den kleinen und mittleren Städten sowie die Ver­ bindungen zum Land deutlich verbessern und damit Kon­ nektivität herstellen. Diese Aufgabe ist umso dringlicher, als viele Selbstständige des informellen Sektors viel Zeit damit verbringen, zu ihrer Arbeit und ihren Kund_innen zu gelan­ gen, da die Transportsysteme unzureichend und zu teuer sind. Konnektivität würde die Arbeitsteilung innerhalb der Städte und auch das Flohmarktverhalten der Unternehmen im informellen Sektor verändern. Darüber hinaus müssen die vielen Beschränkungen, die vor allem die KMU betref­ fen, deutlich reduziert werden. Die Mehrheit der informel­ len Firmen ist von den vertikalen Verbindungen(d.h. durch Angebots- und Nachfragebeziehungen verbundener Pro­ duktionsstufen) ausgeschlossen. Die Regierungen müssen diese fördern, indem sie erstens einen erheblichen Prozent­ satz der öffentlichen Aufträge für kleinere Unternehmen reservieren, und zweitens sollten die Vorschriften für die Vergabe von Unteraufträgen so gestaltet werden, dass die Ausbeutung informeller Firmen durch Großunternehmen verringert wird. BESCHLEUNIGUNG DER TRANSFORMATION In SSA ist eine beschleunigte wirtschaftliche Transformati­ on erforderlich, um mehr und bessere Arbeitsplätze zu schaffen. Zwei zentrale Transformationen sind zu berück­ sichtigen. Die erste ist die sektorale Reallokation von Res­ sourcen, das heißt die Verlagerung von Ressourcen von we­ niger effizienten zu effizienteren Aktivitäten zur Erhöhung der Produktivität. Die sektorale Reallokationspolitik umfasst Maßnahmen zur Marktentwicklung, zur Förderung des Au­ ßenhandels und ausländischer Direktinvestitionen, um Un­ ternehmen dem Wettbewerb auszusetzen. Sie beinhaltet die Verlagerung von Ressourcen in moderne Sektoren der Wirtschaft, d. h. in Wirtschaftsaktivitäten, die sich durch höhere Wertschöpfung auszeichnen. Teilnahme und Upgrading entlang der Lieferketten würde die Schaffung von Arbeitsplätzen für qualifizierte Arbeitskräfte und für ungelernte Arbeitskräfte durch eine stärkere Spezialisie­ rung auf gering qualifizierte Tätigkeiten in der Wertschöp­ fungskette erfordern. Ein vertiefter und inklusiverer Handel, wie im Rahmen der AfCFTA, würde helfen, wenn es ge­ lingt, Zölle und nicht tarifäre Handelshemmnisse zu redu­ Growth and Poverty: Does Formalisation of Informal Enterprises Mat­ ter? Hamburg: GIGA Working Paper No 20; https://papers.ssrn.com/ sol3/papers.cfm?abstract_id=909188. 15 FRIEDRICH-EBERT-STIFTUNG – DIE AFRIKANISCHE BESCHÄFTIGUNGSKRISE zieren, die innerafrikanische Infrastruktur zu verbessern, Handelskosten zu senken sowie ausländische und regiona­ le Investitionen anzuziehen. Die AfCFTA kann dazu dienen, regionale Wertschöpfungsketten zu entwickeln. Dies ­gelingt aber nur, wenn der a­ frikanische Mittelstand größer und wettbewerbsfähiger wird. Die zweite Transformation beinhaltet eine Politik der räumlichen Integration, die eine Umverteilung von Ressourcen durch eine verbesserte Land-Stadt-Integration, durch regionale Integration, durch Konnektivität und Stadtentwicklung bewirkt, welche die Produktion von Industrieerzeugnissen und das Angebot von Dienstleistungen ermöglichen. Segmentierte Märkte und unverbundene Wertschöpfungsketten haben zu einem starken Missverhältnis zwischen Angebot und Nachfrage auf den Märkten geführt. Dies muss bei beschäftigungspolitischen Überlegungen be­ rücksichtigt werden. Lediglich staatlich subventionierte Ar­ beitsmarktprogramme durch Bildungsanstrengungen durchzuführen, hilft alleine nicht. Diese erhöhen das Ange­ bot an qualifizierten Arbeitskräften, aber die Nachfrage nach ihnen bleibt aufgrund der Schwäche des Unterneh­ mer_innentums gering. Dies hat auch mit dem afrikani­ schen Strukturwandel zu tun, der nicht durch Industrialisie­ rung, sondern eher durch De-Industrialisierung gekenn­ zeichnet ist – trotz Erfolgsgeschichten in einigen Ländern. Es gibt nicht genügend Unternehmen im industriellen Sek­ tor, um die auf den Arbeitsmarkt drängenden Menschen aufzunehmen und sie bei steigender Produktivität gut zu bezahlen. Es fehlt an mittelständischen Unternehmen und auch an Großunternehmen, die in ausreichender Zahl Ar­ beitsplätze schaffen. Die fehlende Mitte ist ein großes Hin­ dernis für das Wachstum des Arbeitsplatzangebots. Dass im modernen informellen Sektor eine leichte Zunahme von Arbeitsplätzen zu verzeichnen ist, kann darüber nicht hin­ wegtäuschen. Beschäftigungsprobleme bringt, ist nicht bewiesen. Zu be­ denken ist auch, dass im Transformationsprozess nicht nur Neugründungen und Größenwachstum von Unternehmen stattfinden, sondern auch ­Unternehmensschließungen mit erheblichen ­Arbeitsplatzverlusten. 25 Größere Unternehmen weisen zwar eine höhere Nettobeschäftigungsquote auf, können aber nicht genügend Arbeitsplätze schaffen. Daher sind KMU am wichtigsten, auch wenn sie wegen mangeln­ der Förderung derzeit nicht der Hauptmotor des Beschäfti­ gungswachstums sind. Dennoch sollten die Regierungen in ihren Beschäftigungsstrategien der Lohnarbeit in KMU hö­ here Priorität einräumen als den Selbstständigen im infor­ mellen Sektor. Denn wachsende und produktivere mittel­ ständische Unternehmen stellen nicht nur Arbeitssuchende ein, sondern fördern auch den notwendigen Transformati­ onsprozess. All jene Vorschläge, die nach neuen Lösungen für die Be­ schäftigungskrise lediglich in den urbanen Zentren su­ chen, klammern die immensen Probleme der ländlichen Entwicklung und die Bedeutung des informellen Sektors aus. Auf dem Land aber lebt noch die Mehrheit der Men­ schen. Die Einseitigkeit der Lösungsansätze ist auch ein Ausweichen vor der Auseinandersetzung mit der beson­ ders gravierenden und sich ausweitenden Jugend- und Frauenarbeitslosigkeit. Selbstverständlich haben Strategi­ en zur Entwicklung von Smart-tech- bzw. Hightech-Dienst­ leistungsunternehmen ihre Berechtigung, genauso wie In­ dustrien ohne Schornsteine, grüne Industrie oder durch ausländische Direktinvestitionen induzierte Industrialisie­ rung. Sie sind wichtig, weil diese Unternehmen die Nach­ frage der Verbraucher_innen bedienen, gleichzeitig einen Produktivitätsschub erzeugen und auch Arbeitsplätze für die besser Ausgebildeten bieten. Eine hinreichende Lö­ sung für die vielfältigen Probleme des Arbeitsmarktes sind sie jedoch nicht. Und noch ein Vorbehalt: Dass eine Fokussierung der Maß­ nahmen auf den informellen Sektor, die KMU, auf Jugendli­ che, Frauen sowie Bauern und Bäuerinnen Lösungen für die 25 Aghion, Philippe/ Antonin, Céline/ Bunel, Simon(2021): The Power of Creative Destruction, Belknap Press, Cambridge, Mass. 16 Schlussfolgerungen 4 SCHLUSSFOLGERUNGEN Die Beschäftigungskrisen Subsahara-Afrikas sind in den ein­ zelnen Ländern sehr unterschiedlich. Die Arbeitsmärkte in Uganda sehen anders aus als die in Äthiopien, Nigeria oder Togo. Aufgrund der zu beobachtenden Polarisierung bedarf es eines besseren Verständnisses der sich abzeichnenden Entwicklungstrends und neuer Ideen für Beschäftigungsini­ tiativen. tum so gestaltet werden, dass es Beschäftigungschancen und höheren Wohlstand gewährleistet. Dies erfordert einen beschleunigten und nachhaltigen Strukturwandel, der eine Verlagerung der Investitionen weg von der Rohstoffgewin­ nung hin zu Sektoren mit höherer Wertschöpfung ein­ schließt, etwa die verarbeitende Industrie und bestimmte Arten von Dienstleistungen. Die Beschäftigungspolitik muss sich auf mindestens vier gro­ ße Herausforderungen einstellen. Zahl der Arbeitssuchenden wird in den kommenden Jahrzehnten weiter stark ansteigen. bisher verfolgte Modell, wonach Beschäftigung durch Wachstum entsteht, hat sich als unrealistisch er­ wiesen. Stattdessen ist Wachstum mit steigender Infor­ malität die Regel. Die Situation auf den Arbeitsmärkten verschärft sich auch deshalb, weil diese Entwicklungen mit der Ausbreitung von Armut verbunden sind. Daher ist eine Neupositionierung erforderlich, um Wachstum mit Arbeitsplätzen zu verknüpfen, und zwar sowohl Ar­ beitsplätze für die wachsende Zahl besser qualifizierter Arbeitnehmer_innen als auch die große Mehrheit der Ar­ beitssuchenden mit geringerer Qualifikation zu schaffen. ist, dass die notwendigen Umstrukturie­ rungsmaßnahmen im Kontext der Herausforderungen der Klimakrise umgesetzt werden. Gerade die dramati­ schen Folgen der Klimakrise können die afrikanische Transformation hin zu nachhaltiger Entwicklung, Be­ schäftigung und Armutsbekämpfung gefährden. Datenlage zu Beschäftigung, Arbeitslosigkeit und informeller Arbeit ist in den meisten afrikanischen Län­ dern relativ schlecht. Um besser agieren zu können, muss die statistische Basis für eine gründlichere Kennt­ nis des Arbeitsmarktes gelegt werden. Die bisherigen Hoffnungsträger – nämlich ausländische Di­ rektinvestitionen, das chinesische Engagement, Freihandel, Digitalisierung, die grüne Revolution, mehr Bildung und weitere Urbanisierung – haben sich als nicht nachhaltig er­ wiesen, nicht zuletzt, weil Investitionen in den Rohstoffsek­ toren und der Industrie kapitalintensiv sind und nur geringe Auswirkungen auf die Beschäftigungsentwicklung haben. In den meisten Ländern werden diese Strategien jedoch von den afrikanischen Regierungen und den Machteliten stark favorisiert, da sie von ausländischen Investitionen als Quelle für Steuereinnahmen und Finanzen für ihre Verwaltungen profitieren. Es geht nicht nur um Industrialisierung, sondern auch dar­ um, einen klareren Blick auf die endogenen Potenziale, die Möglichkeiten der Binnenmarktentwicklung, zu werfen, oh­ ne in die Falle eines Konzepts der Abschottung oder Ab­ kopplung zu tappen. Die meisten Länder in SSA sind asym­ metrisch in die Globalisierung eingebunden. Sie sind auf­ grund von technologischen und ökonomischen Machtver­ hältnissen immer in der Defensive, da Technologien in den Wirtschaftszentren der Welt entwickelt werden. SSA ist je­ weils in der Randposition. Daher konvergieren die Ökonomi­ en Afrikas nicht und fallen im globalen Ranking weiter zu­ rück. Dies macht es umso schwieriger, die große Beschäfti­ gungskrise zu bewältigen. Dennoch können aus den bisherigen Erkenntnissen einige Schlussfolgerungen gezogen werden: Ein reines Wachs­ tumsmodell und der Fokus auf Maßnahmen zur Verbesse­ rung der Institutionen, Marktderegulierung und Wettbe­ werbsfähigkeit reichen nicht aus, um die ­Beschäftigungskrisen zu lösen. Neben der staatlichen Schaffung von sozialen Si­ cherungssystemen zur Abfederung muss Wirtschaftswachs­ 17 FRIEDRICH-EBERT-STIFTUNG – DIE AFRIKANISCHE BESCHÄFTIGUNGSKRISE REFERENZEN Acemoglu, Daron(2019): It’s Good Jobs, Stupid. Research Brief, hrsg. v. 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Godesberger Allee 149 53175 Bonn Deutschland E-Mail: info@fes.de Registernr.: VR2392 Vereinsregister Bonn Amtsgericht Bonn Vorsitzender: Martin Schulz Geschäftsführendes Vorstandsmitglied: Dr. Sabine Fandrych Inhaltliche Verantwortung und Redaktion: Henrik Maihack| Leiter des Referats Afrika Tel.:+49-30-269-35-7440| Fax:+49-30-269-35-9217 https://www.fes.de/referat-afrika/ Kontakt/ Bestellung: Konstanze.Lipfert@fes.de Gestaltung: pertext, Berlin| www.pertext.de Die in dieser Publikation zum Ausdruck gebrachten Ansichten sind nicht notwendigerweise die der FriedrichEbert-Stiftung e. V. Eine gewerbliche Nutzung der von der Friedrich-Ebert-Stiftung(FES) herausgegebenen Medien ist ohne schriftliche Zustimmung durch die FES nicht gestattet. Publikationen der Friedrich-Ebert-Stiftung dürfen nicht für Wahlkampfzwecke verwendet werden. Diese Publikation wird auf Papier aus nachhaltiger Forstwirtschaft gedruckt. ISBN 978-3-96250-962-0 © 2021 www.fes.de/bibliothek/fes-publikationen