FES BRIEFING VAROSHA: Zwischen Menschenrechten und Realpolitik Mete Hatay „No picnic over pain(Kein Picknick auf Kosten der Leidenden)“: Dies war der Slogan, mit dem Friedensaktivisten gegen die überraschende Ankündigung des Präsidenten der Republik Türkei, Erdoğan, protestierten, den Jahrestag der„Türkischen Republik Nordzypern“ mit einem festlichen Mittagessen an einem der neu eröffneten Strände von Varosha zu feiern. 1 Die Ankündigung eines Picknicks war Teil der beispiellosen türkischen Intervention, die Ersin Tatar, dem Vorsitzenden der konservativen nationalistischen Nationalen Einheitspartei(UBP), helfen sollte, die Präsidentschaftswahl 2020 in Nordzypern zu gewinnen. Zu der Zeit, als „Premierminister“ verstieß Tatar nur eine Woche, bevor die Wähler im Oktober zur Wahl gingen, gegen das Wahlgesetz, indem er zu einer Pressekonferenz mit dem türkischen Präsidenten nach Ankara flog, um die Eröffnung der Geisterstadt anzukündigen. Dieser einst berühmte Ferienort war seit der Teilung der Insel im Jahr 1974 als politische Geisel mehr als vier Jahrzehnten dem Verfall preisgegeben. Diese Ankündigung sollte Tatar helfen und als der neue„TRNC-Präsident“ nach den Wahlen zum ersten Mal in Ankara war, würde Erdoğan seine erstaunliche Ankündigung machen, dass der 15. November, der Jahrestag des selbsterklärten Staates, ein geeigneter Zeitpunkt sein würde für ein Picknick am Meer. Seit dem 15. August 1974, als Varosha in die Hände des türkischen Militärs fiel, war nur der westliche Teil der Stadt für die Besiedlungen geöffnet, in dem sowohl türkische Zyprioten als auch Siedler aus der Türkei lebten. Die östlichen und Küstengebiete hingegen standen unter türkischer Militärkontrolle und waren für Zivilisten gesperrt worden. In einem Interview aus den 1980er Jahren behauptete Kenan Evren, Stabschef während des Staatsstreichs 1980 in der Türkei, Varosha sei besetzt und als Verhandlungsgegenstand einbehalten worden. In der Tat haben türkisch-zypriotische Unterhändler Varosha acht Mal auf den Verhandlungstisch gelegt, aber ihre Bedingungen waren für die griechisch-zypriotische Seite, welche die verschiedenen Angebote ablehnte, nicht akzeptabel. Im Jahr 1974 lebten in der gesamten Stadt Famagusta etwa 39.000 bis 40.000 Menschen. In dieser Zeit lebten etwa 12.000 Menschen außerhalb, pendelten aber jeden Tag zur Arbeit in die Stadt. Von den Einwohnern der Stadt, waren etwa 26.000 griechische Zyprioten, und die meisten von ihnen lebten und arbeiteten in der Gegend bekannt als Varosha, im Osten der Stadt. Weitere rund 4.000 nicht-zypriotische Einwohner lebten ebenfalls hauptsächlich in der Region Varosha. Die 8.500 türkisch-zypriotischen Einwohner der Stadt lebten dagegen hauptsächlich in der von Mauern umgebenen Stadt Famagusta und den angrenzenden Gebieten. 3 Zusammenfassend bedeutet die Rückgabe von Varosha an seine rechtmäßigen Eigentümer, dass rund 30.000 Vertriebene Zugang zu ihren Liegenschaften haben werden, während die Rückgabe nur des kürzlich eröffneten geschlossenen Bereichs von Varosha bedeutet, dass rund 20.000 Personen in der Lage sein werden, in ihre Häuser zurückzukehren. Während das derzeit besiedelte Gebiet im Westen von Varosha im Annan-Plan zurückgegeben werden sollte, schließen Erdoğan und die derzeitige türkisch-zypriotische Führung dieses Gebiet nicht in ihre neue„Öffnung“ ein. Die Tatsache, dass dieses Gebiet seit 46 Jahren bewohnt ist, gilt als das größte Hindernis für dessen Rückgabe. 1 Die TRNC wurde am 15. November 1983 als unabhängige säkulare Republik ausgerufen. Die TRNC hat jedoch von keinem anderen Land als der Türkei internationale Anerkennung erhalten und der UN-Sicherheitsrat erklärte seine Proklamation 1983 für ungültig und forderte die Mitgliedstaaten auf, „keinen anderen zyprischen Staat als die Republik Zypern anzuerkennen“. Da die TRNC keine internationale Anerkennung erlangt hat, werden weder die Regierung der TRNC noch ihr Parlament international als Rechtspersonen angesehen. 2 https://www.havadiskibris.com/marasin-74-oncesi-bugunune-soylebir-bakalim/ 3 https://www.havadiskibris.com/marasin-74-oncesi-bugunune-soylebir-bakalim/ 1 FES BRIEFING WAS VERSUCHT DIE TÜRKISCHE SEITE ZU ERREICHEN? Wie oben erläutert, haben türkisch-zypriotische Unterhändler Varosha konsequent als Verhandlungsmasse bei den Gesprächen eingesetzt. In den letzten Jahren wurde diese Trumpfkarte jedoch eher zur Belastung. In den letzten 46 Jahren gab es unterschiedliche Ansichten darüber, wie mit der geschlossenen Stadt in Verhandlungen umzugehen sei und in der türkisch-zyprischen Volksgruppe haben sich diese unterschiedlichen Ansichten tendenziell nach parteipolitischen Gesichtspunkten aufgegliedert. Diejenigen Parteien, die wir, beginnend mit CTP, als links einordnen können, haben Varosha bis vor kurzem als Teil einer umfassenden Einigung angesehen und sich konsequent für eine Art„Urknall“-Lösung ausgesprochen, die unter das Prinzip„Nichts ist vereinbart, bis alles vereinbart ist“, fällt. 4 Einige haben sich sogar gegen die Rückkehr von Varosha ausgesprochen und Befürchtungen geäußert, dass eine Rückkehr der Geisterstadt auf die griechisch-zypriotische Seite vor einer Verhandlungslösung, den Wunsch der Varosha-Griechischen Zyprioten nach einer Lösung verringern würde. Der frühere„Präsident“ Mustafa Akıncı betrachtete Varosha eher als vertrauensbildende Maßnahme, unterstützte jedoch die Öffnung von Varosha unter UN-Kontrolle als Gegenleistung für die Öffnung des Flughafens Tymbou/Ercan für den internationalen Verkehr. 5 UBP, die wichtigste Partei der politischen Rechten, machte dagegen bis vor kurzem keine Varosha-Politik. Im Allgemeinen hat die Partei die Position vertreten, dass nicht einmal ein Zentimeter des Bodens aufgegeben werden kann und stattdessen die Ansprüche der Evkaf-Stiftung bezüglich ihrer historischen Immobilien in der Stadt unterstützt. 6 Die Evkaf-Stiftung behauptet, Varosha sei im Besitz der osmanischen Vakıf(religiöse Stiftung) gewesen, aber die britische Regierung habe es illegal an griechische Zyprioten übertragen. 7 Vor kurzem hat die Evkaf-Stiftung sogar Experten aus der Türkei hinzugezogen, um alle historischen Evkaf-Immobilien zu ermitteln und sie für die türkisch-zypriotische Gemeinschaft zurückzugewinnen. Obwohl es sich bei diesen Immobilien tatsächlich um Vakıf-Immobilien handelte, konnte Evkaf kein Argument für ihre illegale Umwandlung in Privateigentum während der britischen Kolonialzeit vorbringen. Das Problem in diesem Fall ist, dass fast alle Übergaben nach den Gesetzen 4„Talat: Maraş Güven Artırıcı Önlem Değildir!“ 02.10.2008, Kıbrıs Postası: https://www.kibrispostasi.com/c35-KIBRIS_HABERLERI/ n16114-TalatMaras-Guven-Yaratici-onlem-Degildir;“Nami: Maraş Kapsamlı Görüşün Parçasıdır,“ 2. 12. 2013: https://www.kibrispostasi. com/c35-KIBRIS_HABERLERI/n16114-TalatMaras-Guven-Yaraticionlem-Degildir 5 https://www.havadiskibris.com/akinci-ercan-rumlara-ve-ortakisletmelere-acilmali/ 6 https://www.havadiskibris.com/maras-ve-kokmus-pilavi-isitanlar/ 7 Für eine kurze Erläuterung dessen, was auf dem Spiel steht, siehe Christos Panayiotides,"Varosha and dealing with Evkaf",("Varosha und der Umgang mit Evkaf") Cyprus Mail, 6.12.2020, https:// cyprus-mail.com/2020/12/06/varosha-and-dealing-withevkaf/?fbclid=IwAR1-fMoBMDEfJctUYQlUDw40vjxmR7iND5WsHX GB_hfqpHkt8gknS59WOUk. der damaligen Zeit erfolgten, während die Evkaf-Stiftung unterschiedliche Beträge als Entschädigung erhalten hatte. Um eine rechtliche Grundlage für diese Ansprüche zu schaffen, hat 2005 ein Gericht in Famagusta ein Urteil zu ihren Gunsten erlassen. 8 Nach 2019, als das türkisch-zypriotische„Höhere Verwaltungsgericht“ entschied, dass griechisch-zypriotischen Eigentumsurkunden Vorrang eingeräumt werden sollte, verstummte Evkaf. In den 2010er Jahren starteten Mitglieder der türkisch-zyprischen Zivilgesellschaft, die das mangelnde Interesse der politischen Parteien an dem Thema satthatten, eine Kampagne zur Öffnung des geschlossenen Teils von Varosha. Zusammen mit einer Reihe von griechisch-zypriotischen und bikommunalen Organisationen gelang es ihnen, ihre Vorschläge für die Rückkehr von Varosha der Öffentlichkeit bekannt zu machen. Natürlich stellten sich Organisationen der Zivilgesellschaft eine Öffnung vor, die beide Seiten gemeinsam vorbereiten und planen würden. Tatsächlich hätte die Geisterstadt in Zusammenarbeit mit den beiden Volksgruppen zum Leben erweckt werden können. Es könnten Schritte unternommen werden, die die vertriebenen griechischen Zyprioten ermutigen würden, in ihre Häuser zurückzukehren, Geschäftschancen für türkische Zyprioten und eine Grundlage für das Zusammenleben zu schaffen. Die Kontrolle über das Gebiet unterstünde zuerst den Vereinten Nationen und später beiden Gemeinschaften. Diese Schritte würde auch eine Dynamik erzeugen, welche die verzögerte Verhandlungslösung ankurbeln könnte. Während diese Diskussion auf der öffentlichen Tagesordnung stand, war der erste Politiker, der sich ernsthaft für das Thema interessierte, der frühere Vorsitzende der Volkspartei(HP), Kudret Özersay. Insbesondere im Vorfeld der Präsidentschaftswahlen 2015 erklärte Özersay, dass Varosha nicht als Geisel gehalten werden sollte bis eine Einigung erreicht werde und dass es unter türkischer Kontrolle eröffnet werden könne. Natürlich ließen die Reaktionen nicht lange auf sich warten. Diejenigen, die sich gegen seinen Vorschlag aussprachen, führten als größtes Hindernis Artikel 5 der Resolution 550 des UN-Sicherheitsrates vom 11. Mai 1984 an, in dem es heißt, dass die UN„ Versuche, einen Teil von Varosha durch andere Personen als ihren Einwohnern zu besiedeln, als unzulässig ansieht und fordert die Übertragung dieses Gebiets an die Verwaltung der Vereinten Nationen.“ Es sei darauf hingewiesen, dass das Özersays Projekt einen Aufruf an die Bewohner von Varosha vor 1974 zur Rückkehr beinhaltete. Darüber hinaus bezieht sich die Resolution des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen auf die Einwohner der Region, zu denen auch Mieter gehörten. In diesem Sinne stand Özersays Projekt nicht unbedingt im Widerspruch zur Resolution 550. Das umstrittene Thema war hier jedoch nicht die Rückgabe von Eigentum, sondern unter wessen Verwaltung Varosha eröffnet werden würde. Derselbe Artikel 5 fordert offen die Übergabe von Varosha an die Kontrolle der Vereinten Nationen. 8 https://www.yeniduzen.com/maras-icin-1974-tapu-kayitlari-esas-alinir120127h.htm 2 FES BRIEFING VON DER TRMPFKARTE BEI DEN VERHANDLUNGEN ZUR LAST Obwohl Özersay in seiner Präsidentschaftskampagne erfolglos war, wurde er zwei Jahre später Außenminister unter einer Koalitionsregierung werden und stetzte bald seine Vorschläge für eine Varosha-Öffnung in die Praxis um. Es begannen Konsultationen über die Öffnung und Inspektionsbesuche in der Geisterstadt. Da die Resolutionen des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen in Kraft blieben, haben die Versuche von Özersay, die geschlossene Stadt einseitig ohne Rücksprache mit der UN oder der griechisch-zypriotischen Seite zu öffnen, unglaubwürdig gewonnen. Der einseitige Charakter des Projekts ließ es stattdessen wie eine versuchte Souveränitätsausübung erscheinen, bei der Özersay versuchte, ein Tor gegen griechische Zyprioten zu erzielen. Im Präsidentschaftswahlkampf 2020, als Ersin Tatar hinter dem Rücken seines Koalitionspartners die Stadt in Abstimmung mit der türkischen Regierung eröffnete, wurden Özersay‘s Behauptungen der guten Absicht vollständig weggewischt und es wurde deutlich, wie gefährlich das Projekt für bikommunale Beziehungen war. Es war klar, dass Ersin Tatar das Projekt nur als eine Übung zum wirtschaftlichen Nutzen der türkischen Zyprioten betrachtete. Zum Beispiel verglich er in einem Interview das Projekt mit Las Vegas: „Sobald wir den Draht entfernen und einige Hotels am Strand öffnen, wird Varosha zum Leben erweckt und unsere Wirtschaft stärken. Ich glaube nicht, dass die Inbetriebnahme sehr lange dauern wird. Großkapitalinvestoren beraten sich mit uns und es werden einige vorläufige Bewertungen vorgenommen. Die Realität ist, dass Varosha sich selbst finanzieren kann... Es ist nicht zu groß für uns, das zu handhaben.“ 9 Bei diesen Spekulationen ist es natürlich auch notwendig, den wahren Grund nicht zu vergessen, warum das Projekt so schnell umgesetzt wird. Die in den 2000er Jahren eingerichtete Immovable Property Commission zur Lösung von Immobilienproblemen vor Ort ohne Rückgriff auf den Europäischen Menschenrechtsgerichtshof(EMRK) ist in eine finanzielle Sackgasse geraten. Die Rückgabe von Varosha-Immobilien an ihre rechtmäßigen Eigentümer würde die ansonsten hohe finanzielle Belastung durch die Zahlung einer Barabfindung für diese Immobilien erheblich verringern. Darüber hinaus scheint die derzeitige türkisch-zypriotische Regierung ihre Hoffnungen auf eine bestimmte Anzahl von vertriebenen griechischen Varosha-Zyprioten zu setzen, die sich weigern, unter türkischer Kontrolle zu ihren Immobilien zurückzukehren und sie stattdessen an türkisch-zypriotische, türkische und ausländische Investoren verkaufen. 9“Tatar: Direkt uçuşları başarırsak tüm sıkıntıları aşarız,” 19 September 2019, Kıbrıs Zeitung. WAS SOLLTE GETAN WERDEN? Es besteht kaum ein Zweifel daran, dass vollendete Tatsachen geschaffen wurden und dass keine Verurteilung oder gar Sanktionen die türkische und türkisch-zypriotische Seite davon abhalten wird, mit der Eröffnung von Varosha fortzufahren. Darüber hinaus bedeutet eine einfache Verurteilung, die keine Alternativen bietet, dass 30.000 Menschen weiterhin als Geiseln der Zypernverhandlungen verbleiben, deren Aussichten derzeit düster sind. Vor diesem Hintergrund muss die internationale Gemeinschaft einen proaktiven Ansatz verfolgen, um die künftige Wiederbelebung der Stadt zu gestalten. Die Eröffnung von Varosha wird seit mehreren Jahrzehnten als wichtige vertrauensbildende Maßnahme angesehen und es ist immer noch möglich, die Öffnung in eine zu verwandeln, die Dynamik für eine Lösung schafft. Wir wissen von der Öffnung der Grenzübergänge im Jahr 2003, dass einzelne, aber wichtige Schritte den Status quo verändern und ihre eigene Dynamik erzeugen können, selbst wenn sie scheitern. Welche Art von Schritten würde dann dazu beitragen, Dynamik für eine Lösung zu erzeugen? FÜR DIE INTERNATIONALE GEMEINSCHAFT: Während die türkische Seite ohne Rücksprache mit internationalen Akteuren in Bezug auf Varosha vorging, bedeutet dies nicht, dass sie darauf bestehen, das Gebiet unter türkischer Kontrolle zu öffnen. Alle politischen Parteien im Norden der Insel haben sich nun auf die Idee geeinigt, das Gebiet zu öffnen, obwohl die Linke eine Öffnung unter UN-Kontrolle unterstützt. Die Idee der„UN-Kontrolle“ war jedoch immer abstrakt und muss inhaltlich und als konkreter Vorschlag formuliert werden. Würde sich beispielsweise die UN-Kontrolle auch auf den besiedelten Teil von Varosha erstrecken? Wie würden die Beziehungen zwischen dem UN kontrollierten Gebiet und den türkisch zyprischen Gebieten im Westen aussehen? Welche wirtschaftlichen Wechselwirkungen könnten gefördert werden, um einen Anreiz für türkische Zyprioten zu schaffen, einen solchen Plan zu wünschen? Und wie würde die UN-Kontrolle organisiert werden? Einfach gesagt, wer würde den Müll einsammeln? Es ist klar, dass die türkische Seite überzeugt werden kann, Varosha unter UN-Kontrolle zu stellen, aber sie will etwas im Gegenzug. Seit Jahrzehnten bietet die türkische Seite Varosha als Gegenleistung für die Öffnung des Flughafens Ercan für den internationalen Verkehr an und dies wäre eindeutig immer noch wünschenswert. In der Vergangenheit ist dies an den griechisch-zypriotische Einwänden, dass dies eine implizite Anerkennung darstellen würde, gescheitert. Das Völkerrecht macht jedoch deutlich, dass Staaten nur von Staaten anerkannt werden können. Dies deutet zudem auf die Möglichkeit hin, Häfen im Norden zu öffnen, möglicherweise mit Bestimmungen über deren Nutzung und Kontrolle. Weitere Möglichkeiten sind: –– Öffnung des Hafens von Famagusta, möglicherweise unter UN-Kontrolle, zumal er dem neuen neu besiedelten Varosha am nächsten liegt. 3 FES BRIEFING –– Aufhebung von Embargos gegen türkisch-zypriotische Hochschuleinrichtungen, die ein Hauptmotor der türkisch-zyprischen Wirtschaft sind. Die größte derartige Einrichtung, die Eastern Mediterranean University, befindet sich ebenfalls in Famagusta in der Nähe von Varosha. Bildung war Teil der Kompetenzen der Volksgrupp in der Verfassung der Republik Zypern(RoC) von 1960, weshalb Primar- und Sekundarschuleinrichtungen Kontakt zu ihren Kollegen im Süden der Insel haben. Das einzige Hindernis für türkisch zyprische Universitäten ist die Tatsache, dass zum Zeitpunkt der Gründung der RoC keine solchen Hochschulen auf der Insel existierten. Für eine solche Diskussion muss ein diplomatischer Kanal eröffnet werden, der sich mit den verschiedenen beteiligten Akteuren außerhalb der Parameter einer Verhandlungslösung befasst. FÜR DIE TÜRKISCHE SEITE: Die bisherige Öffnung war nur mit Zustimmung und Ermutigung des türkischen Präsidenten möglich. Gleichzeitig hüllte Erdoğan jedoch die Öffnung in eine nationalistische Aufführung ein, um Elemente in der türkischen Innenpolitik zu beschwichtigen, die sich möglicherweise dagegen aussprechen würden. Wie oben erwähnt, dient diese nationalistische Rhetorik nicht dem vermeintlichen Zweck, griechische Zyprioten zu ermutigen, zu ihrem Eigentum zurückzukehren und sollte abgemildert werden. Während die griechischen Zyprioten rhetorisch ermutigt werden, zurückzukehren, sprechen aber mindestens zwei andere örtliche Faktoren dagegen. Das erste ist, dass rechtmäßige Eigentümer zwar bei der Immovable Property Commission einen Antrag stellen können, Eigentümer die Immobilien jedoch nur dann in Besitz nehmen können, wenn das Gebiet entmilitarisiert ist. Die Entmilitarisierung des Gebiets bedeutet jedoch, es unter zivile Kontrolle zu bringen und wie oben erwähnt, ist die Form dieser Kontrolle noch nicht klar. Wird das die türkisch zyprische Kontrolle sein? Kontrolle der Vereinten Nationen? Eine andere ausgehandelte Form der Kontrolle? Es muss ein Plan vorgelegt werden, der die gesetzlichen Eigentümer der Varosha-Immobilien miteinbezieht. Der beste Weg, mit der Entwicklung eines solchen Plans voranzukommen, wäre die Einrichtung eines Ausschusses, der auch griechische Zyprioten in die Planung einbeziehen würde. Das zweite Problem ist, dass die türkische Seite unmittelbar nach der Eröffnung der Stadt damit begann, Straßen zu reparieren, Landschaftsgestaltung zu betreiben und Seile um heruntergekommene Gebäude zu errichten, was dem Gebiet die Atmosphäre eines Freilichtmuseums verleiht. Diese Museumifizierung dient nicht dem erklärten Zweck, das Gebiet wiederzubeleben, sondern fördert nur den dunklen Tourismus in den Ruinen des Ortes und verhindert möglicherweise eine Versöhnung. Die türkisch-zypriotische Seite sollte bedenken, dass die Möglichkeiten für eine Zusammenarbeit mit griechischen Zyprioten in der Umgebung von Varosha enorm sind. Eine erfolgreiche Zusammenarbeit wird sowohl eine positive Atmosphäre für potenzielle neue Verhandlungen schaffen als auch die Tür für die Möglichkeit einer schrittweisen Lösung öffnen. FÜR DIE GRIECHISCH-ZYPRIOTISCHE SEITE: Die einseitige Öffnung von Varosha hat im Süden der Insel zu erheblicher Verwirrung geführt, da einige der griechisch-zypriotischen Vertriebenen gegen die mangelnde Bereitschaft der Regierung protestieren, die Situation direkt anzugehen. Andererseits hat die Regierung zum Ausdruck gebracht, dass Varosha-Flüchtlinge, die sich beim IPC bewerben, eine potenzielle Schwachstelle für die griechisch-zypriotische Seite bei Verhandlungen darstellen werden. Die Möglichkeit für erfolgreiche Verhandlungen, die zu einer umfassenden Einigung führen, ist derzeit jedoch düster, während sich die Situation in Varosha weiterentwickelt. Infolgedessen muss die griechisch-zypriotische Seite bereit sein, unabhängig von einer umfassenden Einigung über dieses spezielle Thema zu verhandeln. Die Vorlage konstruktiver Vorschläge, die sicherstellen können, dass das Gebiet unter die Kontrolle der Vereinten Nationen gestellt wird, schafft sowohl einen sicheren Raum für die Rückkehr von Flüchtlingen als auch die Möglichkeit, dass der territoriale Status des Gebiets im Rahmen einer umfassenden Regelung künftig neu verhandelt wird. Es ist nicht ausgeschlossen, das lange diskutierte Abkommen über den direkten Handel mit türkischen Zyprioten im Austausch für die Eröffnung von Varosha unter griechisch-zyprischer Kontrolle wiederbelebt werden kann. Dies ist ein potenzieller Deal, der seit Jahrzehnten auf dem Tisch liegt und von der griechisch-zyprischen Seite immer abgelehnt wurde. Allerdings sind die Bedingungen jetzt anders als in der Vergangenheit. Die Öffnung des Flughafens Tymbou/ Ercan und anderer Häfen in Nordzypern für den direkten Handel würde die Ausreden der Türkei für die Nichtanerkennung griechisch-zyprischer Häfen beseitigen. Dies würde beispielsweise griechisch-zyprischen Schiffen den Zugang zu den vielen Seehäfen der Türkei ermöglichen und Direktflüge zwischen Larnaca und Istanbul ermöglichen. Darüber hinaus würde es türkischen Zyprioten mehr als eine brauchbare Tür zur Welt öffnen, wodurch der Einfluss der türkischen Hauptstadt im nördlichen Teil der Insel verringert würde. Im vergangenen Jahrzehnt gab es einen Boom an türkischen Investitionen und dieser könnte durch Handelsabkommen diversifiziert werden und dadurch den türkischen Einfluss im Norden verringern. VON DER LAST ZUM NUTZEN? Wie aus dem oben Gesagten hervorgeht, ist viel gute Absicht erforderlich, um eine Öffnung von Varosha zu ermöglichen, die den ursprünglichen Eigentümern etwas Gerechtigkeit bringt und die Grundlage für den Frieden legt. Die 4 FES BRIEFING De-facto-Eröffnung signalisiert, dass es jetzt kein Zurück mehr zum Status quo ante gibt. Darüber hinaus haben wir aus der Vergangenheit gesehen, dass Versuche, De-facto-Situationen nur mit rechtlichen Mitteln zu beheben, oft unbeabsichtigte Konsequenzen hatten. Fälle, die an den EGMR weitergeleitet wurden, legten den Grundstein für die IPC und waren teilweise für die Eröffnung der Grenzübergänge im Jahr 2003 verantwortlich. Anstatt auf rechtlichen oder diplomatischen Druck zurückzugreifen, ist ein Dialog erforderlich, um Varosha eine Zukunft zu sichern, die sowohl die Interessen der rechtmäßigen Eigentümer, der griechisch-zypriotischen und ausländischen, als auch die Bedürfnisse der türkischen Zyprioten berücksichtigt. KONTAKT PRIO Cyprus Centre P.O. 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