Zusatztexte zur Originalausgabe Digitale Industrie. Algorithmische Arbeit. Gesellschaftliche Transformation. Onlineveröffentlichung in Ergänzung der Originalausgabe Schriftenreihe Interdisziplinäre Perspektiven Das politische Fachbuch der Abteilung Studienförderung der Friedrich-Ebert-Stiftung Herausgegeben von Pia Bungarten und Markus Trömmer Band 4 In der Reihe sind bisher erschienen: Band 1: Ursula Bitzegeio, Jürgen Mittag, Lars Winterberg(Hg.): Der Politische Mensch. Akteure gesellschaftlicher Partizipation im Übergang zum 21. Jahrhundert, Bonn 2015. Band 2: Ursula Bitzegeio, Frank Decker, Sandra Fischer, Thorsten Stolzenberg(Hg.): Flucht, Transit, Asyl. Interdisziplinäre Perspektiven auf ein europäisches Versprechen, Bonn 2018. Band 3: Philipp Adorf, Ursula Bitzegeio, Frank Decker(Hg.): Ausstieg, Souveränität, Isolation. Der Brexit und seine Folgen für Europa, Bonn 2019. Wolfgang Schroeder · Ursula Bitzegeio Sandra Fischer(Hg.) Digitale Industrie Algorithmische Arbeit Gesellschaftliche Transformation Impressumsdaten der Originalausgabe: Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet unter http://dnb.dnb.de abrufbar. ISBN 978-3-8012-4272-5 © 2020 by Verlag J. H. W. Dietz Nachf. GmbH Dreizehnmorgenweg 24, 53175 Bonn Schriftleitung: Jacob Hirsch Umschlaggestaltung: Jens Vogelsang, Aachen Satz: Kempken DTP-Service | Satztechnik ∙ Druckvorstufe ∙ Mediengestaltung, Marburg Druck und Verarbeitung: CPI books, Leck Alle Rechte vorbehalten Printed in Germany 2020 Besuchen Sie uns im Internet: www.dietz-verlag.de Sarrah Kassem Die Dialektik der Plattformökonomie In den letzten Jahren hat die Plattformökonomie an Bedeutung gewonnen und den Weg in politische, wirtschaftliche und soziale Debatten gefunden. Daraus ist eine Vielzahl an Begriffen entstanden, die jeweils bestimmte Merkmale der laufenden Entwicklungen im Zusammenhang mit dem»Digitalen« hervorheben. Es handelt sich jedoch nicht um eine Dichotomie einer digitalen und nicht digitalen Welt, da diese immer miteinander verbunden sind. Anstatt eine technologisch deterministische Perspektive einzunehmen, sollen in der Arbeit die Notwendigkeit und Relevanz der Anwendung eines marxistischen Ansatzes auf diese Debatte im Generellen und die Plattformökonomie im Speziellen betont werden. Dabei werden die Überlegungen auf einem historisch-materialistischen und dialektischen Ansatz aufbauen, der ein organischeres und dynamisches Verständnis der aktuellen Entwicklungen ermöglicht. So zeigt dieser Ansatz auch, dass gegenwärtige Entwicklungen, und somit auch technologische, als Entwicklungen im Kapitalismus zu verstehen sind und nicht atomistisch und als unvermeidlich betrachtet werden können. 1 Wirtschaft und Arbeitswelten Dieser Artikel ist in drei größere Teile gegliedert. Nach einem Überblick über den Diskurs über die laufenden Entwicklungen der Plattformökonomie skizziere ich einen kurzen Rückblick auf die Bedeutung des historischen Materialismus und der Dialektik, um dann zum dritten Teil überzugehen. Hier stelle ich konkrete Beispiele und Wege dar, wie ein solcher theoretischer Ansatz zur Analyse der Plattformökonomie beitragen kann. Diskurs der Plattformökonomie Der neoliberale Moment, in dem wir leben, hat dazu geführt, dass eine Vielfalt an Begriffen verwendet wird, um die laufenden Prozesse der Digitalisierung zu beschreiben. Es wird auch darüber debattiert, was diese Entwicklung in sozialer, politischer und wirtschaftlicher Hinsicht bedeutet hat und in Zukunft bedeuten wird. Sowohl innerhalb als auch außerhalb des akademischen Bereichs wird von der»digitalen Revolution«,»Netzwerkgesellschaft« oder auch vom»digitalen Kapitalismus« und»Informationskapitalismus« gesprochen. 1 Erik Brynjolfsson und Andrew McAfee beziehen sich konkret auf ein»zweites Maschinenzeitalter«, das auf das erste Maschinenzeitalter der industriellen Revolution folge. Die Wissenschaftler analysieren, wie der digitale technologische Fortschritt(einschließlich Computerisierung, Automatisierung und künstlicher Intelligenz) den Arbeitsmarkt verändert hat, indem er zum Verlust von Arbeitsplätzen, zur Verdrängung und Polarisierung von Arbeit und letztlich zu zunehmenden Ungleichheiten zwischen Arbeitnehmer_ innen sowie zwischen Arbeit und Kapital beigetragen hat. 2 In ihrer Analyse sehen sie jedoch auch Möglichkeiten, Technologien zur Bekämpfung von Ungleichheiten einzusetzen. Klaus Schwab, der Gründer des Weltwirtschaftsforums, beschäftigt sich in ähnlicher Weise mit technologischen Veränderungen in allen Aspekten des Lebens: der 1 Zum Beispiel Dan Schiller: Digital Capitalism. Networking the Global Market System, Cambridge, Massachusetts 2000; Jeremy Rifkin: The Third Industrial Revolution. How Lateral Power Is Transforming Energy, the Economy, and the World, New York 2011; Manuel Castells: The Rise of the Network Society, West Sussex 2012; Govindan Parayil: The Digital Divide and Increasing Returns. Contradictions of Informational Capitalism, in: The Information Society 21(2005) 1, S. 41-51. 2 Erik Brynjolfsson/Andrew McAfee: The Second Machine Age. Work, Progress, and Prosperity in a Time of Brilliant Technologies, New York 2014. 2 S. Kassem: Die Dialektik der Plattformökonomie Interaktion und speziell der Arbeit in der»vierten industriellen Revolution«. Diese baut auf die vergangenen industriellen Revolutionen auf: die erste, die die Produktion durch Wasser- und Dampfkraft mechanisierte, die zweite, die Massenproduktion durch elektrische Energie ermöglichte, und die dritte, die die Automatisierung durch Informationstechnologie und Elektronik erlaubte. Nach der Wirtschaftskrise von 2008 wurden die Begriffe sharing economy und on-demand economy populär, um jene Phänomene zu beschreiben, die es Einzelpersonen und Gruppen ermöglichen, Geld durch»underutilized assets« zu verdienen. Im Wesentlichen rücken diese Begriffe neue Wege der Vermögensbildung, die von jedem und jeder genutzt werden können, in ein positives Licht. 3 Als solche wurden sie für ihre positiven Konnotationen des sharing kritisiert, da sie nicht erfassen, dass die Arbeit immer prekärer wird und sich mehr und mehr von dem traditionellen Arbeitsverhältnis, Arbeitsplatz, den traditionellen Arbeitszeiten und Sozialleistungen entfernt. Auch wenn es wichtig ist, die Besonderheiten unseres gegenwärtigen Moments zu untersuchen, kann es gefährlich sein, neue Termini zu prägen, wenn sie digitale Entwicklungen von anderen laufenden Entwicklungen in der Kapitalarbeitslandschaft, der Wirtschaft im Allgemeinen und der Gesellschaft historisch abstrahieren. Diese interdependenten Besonderheiten, die die Ungleichheiten und Prozesse der Umstrukturierung und Intensivierung der ungleichen Entwicklung global vertiefen, können nicht als Momentaufnahme, getrennt von den Ungleichheiten und Umstrukturierungen der Vergangenheit, betrachtet werden. Ich sehe die digitalisierte Arbeitswelt also nicht als eine Periode des historischen Übergangs zwischen den verschiedenen Gesellschaftsformen, die zur Umgestaltung der materiellen Basis in beschleunigter Form führt, 4 sondern vielmehr als eine Kontinuität und Intensivierung altbekannter Muster. Verschiedene Begriffe, die für diese Entwicklungen verwendet werden, haben dabei bestimmte Konnotationen und sind implizit, wenn nicht gar explizit, Ausdruck einer trügerisch optimistischen Perspektive. Der Begriff der Plattformökonomie ist hingegen geeignet, denn er unterstreicht die Bedeutung der digitalen Infrastruktur, nämlich der Plattform selbst. Anstatt die 3 Klaus Schwab: The Fourth Industrial Revolution, New York 2016; PricewaterhouseCoopers LLP: The Sharing Economy. Consumer Intelligence Series, 2015; Juliet Schor: Debating the Sharing Economy, in: Great Transition Initiative, 10/2014. 4 Castells: The Rise of the Network Society, S. xvii; Parayil: The Digital Divide, S. 41. 3 Wirtschaft und Arbeitswelten Plattformökonomie auf eine abstrakte Weise zu verstehen, die die größere politisch-ökonomische Gegenwart vom vergangenen Moment abkoppelt, berücksichtigt der Begriff, dass die digitale Infrastruktur des Internets Kapital mit einer neuen Dimension für Akkumulation, Wertschöpfung und-realisierung bereitstellt. Die Plattformökonomie ist in diesem Sinne durch eine systematische Machtasymmetrie von Unternehmen gekennzeichnet, die nun als Vermittler von Gruppen interagieren. Zu denen können beispielsweise Kund_innen, Produzent_innen und Werbetreibende gehören. 5 Durch die Verwendung des Begriffs»Plattformökonomie« kann die Forschung zum einen den Zusammenhang der Ausbeutung und Überwachung von Arbeitskräften in verschiedenen Bereichen des Kapitals betrachten und zum anderen, wie es digitalisierten Kapitalformationen gelungen ist, Gewinne zu erzielen und die Infrastruktur der digitalen Vermittlung und damit ihr Eigentum an den Produktionsmitteln zu monopolisieren. Der Begriff»Plattformökonomie« beinhaltet somit die Perspektiven sowohl von Kapital als auch von Arbeit, die für den größeren Kontext ihrer Beziehungen und Prozesse genutzt werden können. Historischer Materialismus und Dialektik Während Marx sich mit dem historischen kapitalistischen Moment der industriellen Revolution und der Ausbeutung der Arbeiter_innen auseinandersetzte, hat der Kapitalismus seitdem neue Wege seiner Aufwertung gefunden. Im Gegensatz zu Hegel, der die Idee als eigenständiges Subjekt verstand, das die materielle Welt erschafft, argumentierte Marx, dass die Ideen nur Widerspiegelungen der materiellen Welt seien, die in Gedankenformen übersetzt werden. 6 Die Entwicklung der materiellen Produktion und die damit verbundenen sozialen Beziehungen sehe ich als roten Faden der Geschichte des Kapitals. Zu diesen Entwicklungen, die für das Verständnis des Kapitalismus im 21. Jahrhunderts kennzeichnend sind, gehört die Plattformökonomie. Martin Kenney und John Zysman erklären dementsprechend, 5 Nick Srnicek: Platform Capitalism, Cambridge 2017, S. 43; Florian A. Schmidt: Digital Labour Markets in the Platform Economy. Mapping the Political Challenges of Crowd Work and Gig Work, Bonn 2017, S. 2-9; Martin Kenney/John Zysman: The Rise of the Platform Economy, in: Issues in Science and Technology 32(2016) 3, S. 62-66. 6 Karl Marx: Postface to the Second Edition, in: Capital. A Critique of Political Economy, Volume I, London 1977, S. 103. 4 S. Kassem: Die Dialektik der Plattformökonomie dass Plattformen unsere Wirtschaft reorganisieren, da nun Plattformbesitzer – ähnlich wie Fabrikanten während der industriellen Revolution – an Macht und Einfluss gewinnen. 7 Ein historisch-materialistischer und dialektischer Ansatz ermöglicht es hier, die Plattformökonomie als einen Teil der politisch-ökonomischen und sozialen Entwicklungen zu betrachten, die aber gleichzeitig die Organisation der Gesellschaft beeinflusst. Den historischen Materialismus verstehe ich als Analyse der Geschichte als Entwicklung von Produktionsweisen, die die sozialen Beziehungen beeinflussen, sodass jene Elemente zu jedem Zeitpunkt dialektisch miteinander verbunden sind. Anstelle dann die materiellen Bedingungen auf ein rein strukturelles Verständnis zu reduzieren, müssen sie durch interdependente interne Beziehungen und Elemente verstanden werden. Diese verweisen nicht nur auf die Produktionsprozesse und Technologie zurück, sondern auch auf die Reproduktion des täglichen Lebens, das Verhältnis des Menschen zur Natur, die mentalen Vorstellungen und sozialen Beziehungen. 8 Das bedeutet, dass sich die Plattformökonomie im Wesentlichen aufgrund dieser sich gemeinsam entwickelnden, aber auch widersprüchlichen Elemente, die in einem bestimmten Moment bestimmte Erscheinungen annehmen, gebildet hat. Die Plattformökonomie hat sich als spezifische Konstellation von Kapitalinteressen somit in Bezug auf bestimmte politische, wirtschaftliche, technologische und soziale Bedingungen entwickelt, von denen sie nicht getrennt werden kann und die sie gleichzeitig beeinflusst. Da der kapitalistische Produktionsmodus auf der Ausbeutung der Arbeit durch das Kapital basiert, wird die Art und Weise, wie diese Ausbeutung stattfindet – das heißt unter welchen Bedingungen der Wert und der Mehrwert aus der Arbeit extrahiert und durch Zirkulation realisiert werden –, zu einer Frage von zentraler Bedeutung. So können in diesem Fall verschiedene Plattformen innerhalb des größeren Kapitalkreislaufs unterschiedliche Rollen einnehmen(Finanzkapital, Produktivkapital und/oder Handelskapital). Folglich nimmt auch die Arbeit unterschiedliche Positionen ein. 9 Der Verkauf der Arbeitskraft kann dann auf verschiedene Weisen erfolgen, die zur Wertschöpfung beziehungsweise Wertrealisierung beitragen. Die Aneignung von Kapital setzt voraus, dass das Kapital den Arbeitnehmer_innen ei7 Kenney/Zysman: The Rise of the Platform Economy, S. 62. 8 Karl Marx: Capital. A Critique of Political Economy, Volume I, S. 493, Fußnote 4. 9 Karl Marx: Capital. A Critique of Political Economy, Volume II, London 1978, S. 109. 5 Wirtschaft und Arbeitswelten nen Mehrwert(zusätzlich zum Wert, verstanden als sozial notwendige Arbeitszeit) entnimmt, um ihn als Gewinn einzustufen. 10 Plattformen haben dem Kapital nicht nur neue Dimensionen für seine Aufwertung gegeben, sondern ihm auch neue Wege eröffnet, um eine zeitlich und geografisch verteilte Erwerbsbevölkerung zu vermitteln. Um den zeitgenössischen Kapitalismus zu verstehen, ist es daher wichtig, die Plattformökonomie als Entwicklung innerhalb der historischen Trajektorie unserer heutigen Zeit zu verstehen. Marxismus und das»Digitale« In den aktuellen Debatten über die Entwicklungen digitaler Strukturen gibt es ein Literaturkorpus, das sich mit einem theoretischen Ansatz beschäftigt, der teils implizit oder explizit von marxistischen Konzepten beeinflusst wird. Hier werden die laufenden Entwicklungen als Teil des größeren Kapitalismus betrachtet, um die ausbeuterischen sozialen Beziehungen, auf denen der digitale Kapitalismus beruht, offenzulegen. David Spencer argumentiert in diesem Sinne, dass Technologien ein Spiegelbild von Klassenantagonismen seien und diese verstärkten. 11 Dies spiegelt sich auch in der größeren Debatte wider, in der Wissenschaftler_ innen konkrete theoretische Beiträge geleistet haben, um Elemente der marxistischen Theorie einzubringen und die laufenden Entwicklungen zu analysieren. Während Christian Fuchs untersucht, wie das Internet vom Leben im Kapitalismus geprägt ist und gestaltet wird, verfolgt Ursula Huws die historische Entwicklung dieser»globalen digitalen Ökonomie«: Das Kapital sei immer auf der Suche nach der Produktion, Akkumulation und Realisierung von Werten und erschließe dabei neue Bereiche. 12 Diese Literatur leistet daher einen theoretischen Beitrag, um marxistische Kategorien auf digitale Entwicklungen anzuwenden und an sie anzupassen. In diesem Lichte lassen sich die laufenden Entwicklungen innerhalb der Plattformökonomie als bedingte Teile des Kapitalismus des 21. Jahrhunderts verstehen. 10 Marx: Capital. Volume I, S. 325. 11 David Spencer: Work in and beyond the Second Machine Age. The Politics of Production and Digital Technologies, in: Work, Employment and Society 31(2016) 1, S. 149. 12 Christian Fuchs: Towards Marxian Internet Studies, in: tripleC 10(2012) 2, S. 392-412; hier S. 392; Ursula Huws: Labor in the Global Digital Economy. The Cybertariat Comes of Age, New York 2014. 6 S. Kassem: Die Dialektik der Plattformökonomie Plattformen aus der Sicht des Kapitals Ein historisch-materialistischer Ansatz zielt darauf ab, Plattformen innerhalb der Entwicklung des Kapitalismus zu kontextualisieren und ihre Entwicklungen als abhängig von bestimmten technologischen, sozialen oder politisch-ökonomischen Bedingungen zu verstehen. Ein solcher Ansatz würde dann die Frage aufwerfen, unter welchen Bedingungen sich die Plattformökonomie gebildet hat und wie sie in der Lage ist, den Markt in dem, was sie vermittelt, zu monopolisieren. Es ist kein Zufall, dass die Dotcom-Ära, die auf die Verbreitung und Proliferation des Internets folgte, in erster Linie die Entwicklung von E-Commerce-Plattformen wie Amazon und eBay sowie von Suchmaschinen und Webverzeichnissen wie Google oder Yahoo vorantrieb. All dies wäre nicht möglich gewesen ohne einen finanziellen Kontext, der die Schaffung solcher Plattformen durch die entscheidende Rolle des Risikokapitals in diesem Zeitraum begünstigte. Zu dieser Zeit wendeten sich Plattformen dann an Initial Public Offerings(IPOs), um weitere Valorisierungen vorzunehmen und First-mover-Strategien zu realisieren. 13 So kann man auch dialektisch die Entwicklung von Werbeplattformen wie Google und Facebook durch die Kommerzialisierung von Daten kontextualisieren, die durch die Vereinfachung, Entwicklung und verstärkte Nutzung des Internets möglich wurde. Das Web 2.0 – verstanden als»Massenkollaboration« – wurde vom Kapital erfasst, das neue Wege zum Gewinn aufdeckte. Daten konnten nun gesammelt, analysiert und an Werbetreibende verkauft werden, um personalisierte Anzeigen zu erstellen. Dabei sind network effects eine essenzielle Eigenschaft von Plattformen, die dazu führt, dass eine Plattform umso wertvoller und präziser wird, je mehr sie genutzt wird. Diese Einnahmen stiegen immens mit der Verbreitung von Social-Media-Plattformen und der zunehmenden Zahl globaler Nutzer_innen. 14 In dieser Zeit entwickelten sich auch Cloud-Plattformen, die Speicherplatz zur Verfügung stellten, der gemietet werden konnte, und anderen Plattformen erlaubten, die Kosten für die eigene Produktion zu senken. Das bekannteste Beispiel war Amazon, das 13 Vincent G. Cerf: On the Evolution of Internet Technologies, in: Proceedings of the IEEE 92(2004) 9, S. 1360-1370; John Naughton: The Evolution of the Internet. From Military Experiment to General Purpose Technology, in: Journal of Cyber Policy 1(2016) 1, S. 5-28; G. Thomas Goodnight/Sandy Green: Rhetoric, Risk, and Markets. The Dot-Com Bubble, in: Quarterly Journal of Speech 96(2010) 2, S. 123-124. 14 Srnicek: Platform Capitalism, S. 41-57. 7 Wirtschaft und Arbeitswelten Amazon Web Services gründete, die neben Microsoft und IBM als Cloud-Plattform eine führende Rolle eingenommen haben. 15 Eine solche Entwicklung der technologischen Infrastruktur, kombiniert mit der verstärkten Nutzung des Internets, führte auch zur digitalen Vermittlung von Arbeitskräften – oder konkreter gesagt: zum faktischen digitalen Outsourcing von Arbeitskräften – durch Crowdsourcing-Plattformen(wie Amazon Mechanical Turk, TaskRabbit, Crowdflower). 16 In den letzten Jahren entstand infolge der Finanzmarktkrise ein ganz anderes Umfeld, das durch sehr unterschiedliche politisch-ökonomische und soziale Bedingungen gekennzeichnet war. Dies führte zur Entwicklung von Plattformen, die auf das positiv umschriebene Konzept des sharing Bezug nahmen. Solche Plattformen monetarisieren durch ihre Vermittlungsrolle das, was sie nicht direkt besitzen. Diese Kommerzialisierung zusätzlicher Dienstleistungen reicht von Transport- oder Unterkunftsplattformen(siehe Uber oder Airbnb) bis hin zu Lebensmittel- und Lebensmittellieferungsplattformen(siehe Foodora oder Deliveroo). 17 Faszinierend ist, dass Airbnb zum weltweit größten Anbieter von Unterkünften angewachsen ist, ohne Immobilien zu besitzen, und Uber zum größten Taxiunternehmen der Welt, ohne Fahrzeuge zu besitzen. 18 Eine historisch-materialistische und dialektische Analyse kann somit Licht auf die Kontextualisierung und das Wachstum der Plattformökonomie innerhalb der größeren Trajektorie des Kapitalismus und der Gesellschaft werfen. 15 Kenney/Zysman: The Rise of the Platform Economy, S. 64. 16 Gérard Valenduc/Patricia Vendramin: Working in the digital economy. Sorting the old from the new. Working Paper 2016.03, Brüssel 2016; Mark Graham/Isis Hjorth/Vili Lehdonvirta: Digital Labour and Development. Impacts of Global Digital Labour Platforms and the Gig Economy on Worker Livelihoods, in: Transfer. European Review of Labour and Research 23(2017) 2, S. 135-162; hier S. 136. 17 Lizzie Richardson: Performing the Sharing Economy, in: Geoforum 67(2015), S. 121-129; hier S. 121; Daniel G. Cockayne: Sharing and Neoliberal Discourse. The Economic Function of Sharing in the Digital on Demand Economy, in: Geoforum 77(2016), S. 73-82. 18 Kenney/Zysman: The Rise of the Platform Economy, S. 62; David Murillo/Heloise Buckland/Esthar Val: When the Sharing Economy Becomes Neoliberalism on Steroids. Unravelling the Controversies, in: Technological Forecasting and Social Change 125(2017), S. 66-76. 8 S. Kassem: Die Dialektik der Plattformökonomie Plattformen aus Sicht der Arbeitskräfte Ein solcher theoretisch informierter Ansatz kann auch die Analyse der aktuellen Entwicklungen im Hinblick auf die Arbeitnehmer_innen informieren, da verschiedene Ausprägungen von Plattformen Unterschiedliches für die Realität der Arbeitnehmer_innen und des Kapitals bedeutet haben. Die Plattformen vermitteln nämlich webbasierte Arbeit(zum Beispiel Microtasking und Freelancing) oder ortsbezogene Arbeit(siehe Unterkunft oder Transport). 19 Jede von ihnen hat ihre eigenen Konsequenzen, wenn wir von Arbeit sprechen – die Schaffung neuer Arbeitsformen, die Reproduktion der internationalen Arbeitsteilung und die Übertragung von Outsourcing und Prekarisierung in ihre digitalen Dimensionen. Diese spielen eine entscheidende Rolle, wenn es dann um die Organisation der Arbeitnehmer_innen geht. In erster Linie muss darauf hingewiesen werden, dass zahlreiche Wissenschaftler_innen neue Arbeitsformen konzipiert haben, die der Plattformökonomie eigen sind und von unbezahlter»digitaler« und»virtueller« Arbeit bis hin zu»Playbor« reichen. Letzteres Konzept erfasst die verschwommenen Grenzen von Spiel und Arbeit, die durch das Internet, in dem Arbeit nicht als solche erscheinen darf, verzerrt sind. Derartige Bedingungen sind auch an unbezahlte Arbeit gebunden wie zum Beispiel die der Nutzer_innen von Social Media, die Inhalte erstellen und eine Fülle von Daten generieren, die kommerzialisiert werden. Diese Nutzer_innen werden oft als»Prosumer« bezeichnet(Produzent_in und Konsument_in zugleich). Christian Fuchs argumentiert dementsprechend, dass Facebook-Nutzer_innnen»Teil des Proletariats« werden, und untersucht, wie solche unbezahlten Arbeitskräfte/ Prosument_innen von den von ihnen produzierten Inhalten entfremdet werden. 20 Dies spielt eine entscheidende Rolle, wenn es um Werbeplattformen wie Facebook geht. Interessant ist es dann, diese Konzepte und die mit ihnen verbundene Wertschöpfung in den größeren Kreisläufen des Kapitals zu kontextualisieren. Man muss bedenken, dass es sich nicht um ein Nebeneinander einer isolierten und atomistischen Online- und Offline-Wirtschaft handelt. 21 Arbeit, die in den virtuellen Bereichen des Kapitals operiert, ob bezahlt oder unbezahlt, ist nicht von 19 Schmidt: Digital Labour Markets in the Platform Economy, S. 5. 20 Christian Fuchs: Digital Labour and Karl Marx, London 2014, S. 213-223; Fuchs: Towards Marxian Internet Studies. 21 Serhat Koloğlugil: Digitizing Karl Marx. The New Political Economy of General Intellect and Immaterial Labor, in: Rethinking Marxism 27(2015) 1, S. 123-137; hier S. 124. 9 Wirtschaft und Arbeitswelten Prozessen der Wertschöpfung außerhalb der virtuellen Sphäre getrennt. Huws spricht von digitalen Wertschöpfungsketten, die zunehmend von globalen Arbeitskräften abhängig geworden seien, während Nick Dyer-Witheford erklärt, wie das »Cyber-Proletariat« in einem»kybernetischen Wirbel« gefangen sei; Fuchs nennt dies»digitalen Imperialismus«. 22 Diese Wissenschaftler_innen diskutieren Beispiele, in denen das Kapital nun eine räumlich und zeitlich internationale Arbeitsteilung koordiniert und nutzt, die häufig nur über wenige direkte Repräsentations- und Organisationsmöglichkeiten verfügt. Diese Arbeit reicht von kongolesischer Mineraliengewinnung, Sklavenarbeit und Lohnarbeiterausbeutung bei Foxconn über crowdsourced und/oder offshored Niedriglohn-Softwareingenieur_innen in der imperialisierten Welt bis hin zu hoch gestressten Softwareingenieur_innen bei Google oder E-Waste-Dissembler_innen, die in einer hochtoxischen Umgebung arbeiten. 23 Arbeit in der Plattformökonomie darf nicht als etwas Abstraktes und von der kapitalistischen Gesamtheit der Beziehungen und Kapitalkreisläufe Getrenntes angesehen werden. 24 Sie ist ein fester Bestandteil der Gesamtwirtschaft und damit ein Merkmal des zeitgenössischen Kapitalismus. Neben der Auseinandersetzung mit möglichen neuen Arbeitsformen ist es von großer Bedeutung zu analysieren, wie die Qualität der Arbeit innerhalb der Plattformökonomie zunehmend von prekären Arbeitsbedingungen geprägt ist. Dies spielt eine wesentliche Rolle, wenn es um Plattformen geht, die auf dem Outsourcing ihrer Arbeit basieren. Zwar bieten Crowdsourcing-Plattformen beispielsweise neue Möglichkeiten für Arbeitnehmer_innen, mehr Flexibilität und Autonomie bei der Arbeit, doch ist es wichtig zu betonen, dass solche Plattformen ebenso zahlreiche Hindernisse für jene darstellen, die oft als unabhängige Auftragnehmer_innen angesehen werden. Innerhalb dieser Plattformen konkurriert eine ständig wachsende geografisch und zeitlich verteilte Erwerbsbevölkerung um dieselbe Arbeit. Outsourcing von Arbeitskräften gibt es nicht nur bei webbasierten Plattformen, 22 Huws: Labor in the Global Digital Economy; Nick Dyer-Witheford: Cyber-Proletariat. Global Labour in the Digital Vortex, London 2015. 23 Christian Fuchs: Digital Labor and Imperialism, in: Monthly Review. An Independent Socialist Magazine, https://monthlyreview.org/2016/01/01/digital-labor-and-imperialism/, abgerufen am 10.7.2019. 24 Bruce Robinson: With a Different Marx. Value and the Contradictions of Web 2.0 Capitalism, in: The Information Society 31(2015) 1, S. 44-51; Sabine Pfeiffer: Web, Value and Labour, in: Work Organisation, Labour& Globalisation 7(2013) 1, S. 12-30. 10 S. Kassem: Die Dialektik der Plattformökonomie sondern unter anderem auch bei ortsbezogenen Plattformen(siehe Uber). Dabei entziehen sich die Plattformen jeglicher Haftung. Dies hat Folgen für den Arbeitsschutz und die Organisation der Arbeit, es trägt zum Wachstum prekärer Arbeit bei und führt zum Entzug von Sozialleistungen und zu wirtschaftlicher Unsicherheit insgesamt – und das in einem System, das die Bezahlung derjenigen, die die Aufgaben ausführen, nicht garantiert. Darüber hinaus kann dies zu einem Wettlauf nach unten führen und faire Löhne und Arbeitsrechte insgesamt gefährden. Der neoliberale Diskurs der Plattformökonomie normalisiert und reproduziert diese prekären Verhältnisse deutlich. Gleichzeitig werden die Arbeitnehmer_innen durch das von den Plattformen angeregte System von Nutzerbewertungen und Überprüfungen zusätzlich überwacht, was grundlegende Folgen haben und zur Beendigung von Arbeitsverhältnissen führen kann. 25 Zwar sind diese Entwicklungen untrennbar mit den Entwicklungen in den früheren Jahren der Plattformen und ihren technologischen Entwicklungen verbunden, doch wurden sie in den letzten Jahren in neue Dimensionen getrieben. Neben den Arbeitsbedingungen innerhalb der Plattformökonomie ist eine zusätzliche Dimension wichtig, um die Perspektive der Arbeitskräfte zu verstehen, nämlich die der kollektiven Organisation der Arbeiternehmer_innen. Welche neuen und alten Möglichkeiten haben die Arbeitnehmer_innen? Was sind die Herausforderungen? Die Arbeitsorganisation lässt sich genauer untersuchen, indem man Licht auf die Möglichkeiten wirft, die langjährig tätige Gewerkschaften haben, die sich für bessere Bedingungen und Tarifverträge einsetzen. Dazu kommen auch Bottom-up-Bemühungen von zum Beispiel Basisgewerkschaften, Plattformkooperativen und gewerkschaftlich verbundenen Berufsverbänden. 26 Eine weitere interessante Dimension ist die Frage, wie Plattformen zur Organisation von Plattformarbeiter_innen genutzt werden können. Beispiele hierfür sind Turkopticon, wo die Mitarbeiter_innen Zugang zu früheren Arbeitnehmerbewertungen eines Arbeitge25 Otto Kässi/Vili Lehdonvirta: Online Labour Index. Measuring the Online Gig Economy for Policy and Research, in: Technological Forecasting and Social Change 137(2018), S. 241-248; Valenduc/ Vendramin: Working in the digital economy, S. 33; Graham/Hjorth/Lehdonvirta: Digital Labour and Development, S. 136; Murillo/Buckland/Val: When the Sharing Economy Becomes Neoliberalism on Steroids; Schmidt: Digital Labour Markets. 26 Kurt Vandaele: Will trade unions survive in the platform economy? Emerging patterns of platform workers’ collective voice and representation in Europe. Working Paper 2018.05, Brüssel 2018, S. 1823. 11 Wirtschaft und Arbeitswelten bers haben, oder die Plattform Fair Crowd Work, die von mehreren Gewerkschaften(einschließlich der IG Metall und des Österreichischen Gewerkschaftsbunds) geschaffen wurde. 27 Es ist daher notwendig, nicht nur genauer zu untersuchen, wie sich die Plattformökonomie entwickelt und auf die Wirtschaft ausgewirkt hat, sondern auch, was die Auswirkungen ihrer Entwicklungen für Arbeit und Arbeitnehmer_innen bedeutet haben. Dazu gehört auch, wie Arbeitnehmer_innen die vorhandenen Ressourcen genutzt sowie kreativ alternative Methoden zur Organisation gefunden haben. Ein solcher theoretischer Ansatz entfernt sich dann von einem deterministischen und unterstreicht die agency der Arbeitnehmer_innen. Fazit Plattformen funktionieren also nicht abstrakt oder parallel zur kapitalistischen Gesamtheit der Beziehungen und des Akkumulationskreislaufs, sondern sind mit dominierenden, ausbeuterischen sozialen Beziehungen verbunden. Marxistisch-theoretische Ansätze tragen dazu bei, die Digitalisierung nicht als eigenständige und isolierte Sphäre für ihre Expansion und die Ausbeutung von Arbeitnehmer_innen zu verstehen, sondern als intrinsisch verknüpft. Die Arbeitskräfte der Plattformökonomie arbeiten in Echtzeit und unter materiellen Bedingungen; sie produzieren und/oder verteilen Waren sowohl digital als auch nicht digital und tragen zur Realisierung und Akkumulation von Kapital außerhalb des digitalen Bereichs insgesamt bei. Plattformen müssen innerhalb der breiteren Ökonomie und vor dem Hintergrund der historischen Trends des Kapitalismus betrachtet werden, um ihre Auswirkungen auf das Kapital und seine weitere Expansion und Akkumulation, aber auch auf die Arbeit zu verstehen, die in unterschiedlichem Maße Ausbeutung verschärft und die Arbeitskräfte grundlegend fragmentiert. So entfernt sich ein solcher theoretisch informierter Ansatz von einer technologischen, reduktionistischen oder strukturalistischen Perspektive. Dabei können dann auch Fragen nach Möglichkeiten des kollektiven Widerstands gestellt werden. 27 Turkopticon, https://turkopticon.ucsd.edu/, abgerufen am 12.3.2019; Fair Crowd Work, http://faircrowd.work/, abgerufen am 12.3.2019. 12 S. Kassem: Die Dialektik der Plattformökonomie Literaturverzeichnis Brynjolfsson, Erik/Andrew McAfee: The Second Machine Age. Work, Progress, and Prosperity in a Time of Brilliant Technologies, New York 2014. Castells, Manuel: The Rise of the Network Society, West Sussex 2012. Cerf, Vincent G.: On the Evolution of Internet Technologies, in: Proceedings of the IEEE, 92(2004) 9, S. 1360-1370. Cockayne, Daniel G.: Sharing and Neoliberal Discourse. The Economic Function of Sharing in the Digital on Demand Economy, in: Geoforum 77(2016), S. 73-82. Dyer-Witheford, Nick: Cyber-Proletariat. Global Labour in the Digital Vortex, London 2015. Fuchs, Christian: Digital Labor and Imperialism, in: Monthly Review. An Independent Socialist Magazine, https://monthlyreview.org/2016/01/01/digital-labor-and-imperialism/, abgerufen am 10.7.2019. Fuchs, Christian: Towards Marxian Internet Studies, in: tripleC 10(2012) 2, S. 392412. Fuchs, Christian: Digital Labour and Karl Marx, London 2014. Goodnight, G. Thomas/Sandy Green: Rhetoric, Risk, and Markets. The Dot-Com Bubble, in: Quarterly Journal of Speech 96(2010) 2, S. 115-140. Graham, Mark/Isis Hjorth/Vili Lehdonvirta: Digital Labour and Development. Impacts of Global Digital Labour Platforms and the Gig Economy on Worker Livelihoods, in: Transfer. European Review of Labour and Research 23(2017) 2, S. 135-162. Huws, Ursula: Labor in the Global Digital Economy. The Cybertariat Comes of Age, New York 2014. Kässi, Otto/Vili Lehdonvirta: Online Labour Index. Measuring the Online Gig Economy for Policy and Research, in: Technological Forecasting and Social Change 137(2018), S. 241-248. Kenney, Martin/John Zysman: The Rise of the Platform Economy, in: Issues in Science and Technology 32(2016) 3, S. 62-66. 13 Wirtschaft und Arbeitswelten Koloğlugil, Serhat: Digitizing Karl Marx. The New Political Economy of General Intellect and Immaterial Labor, in: Rethinking Marxism 27(2015) 1, S. 123-137. Marx, Karl: Postface to the Second Edition, in: Capital. A Critique of Political Economy, Volume I, London 1977. Marx, Karl: Capital. A Critique of Political Economy, Volume I, London 1978. Marx, Karl: Capital. A Critique of Political Economy, Volume II, London 1978. Murillo, David/Heloise Buckland/ Esthar Val: When the Sharing Economy Becomes Neoliberalism on Steroids. Unravelling the Controversies, in: Technological Forecasting and Social Change 125(2017), S. 66-76. Naughton, John: The Evolution of the Internet. From Military Experiment to General Purpose Technology, in: Journal of Cyber Policy 1(2016) 1, S. 5-28. Parayil, Govindan: The Digital Divide and Increasing Returns. Contradictions of Informational Capitalism, in: The Information Society 21(2005) 1, S. 41-51. Pfeiffer, Sabine: Web, Value and Labour, in: Work Organisation, Labour& Globalisation 7(2013) 1, S. 12-30. PricewaterhouseCoopers LLP: The Sharing Economy. Consumer Intelligence Series, 2015. Richardson. Lizzie: Performing the Sharing Economy, in: Geoforum 67(2015), S. 121-129. Rifkin, Jeremy: The Third Industrial Revolution. How Lateral Power Is Transforming Energy, the Economy, and the World, New York 2011. Robinson, Bruce: With a Different Marx. Value and the Contradictions of Web 2.0 Capitalism, in: The Information Society 31(2015) 1, S. 44-51. Schiller, Dan: Digital Capitalism. Networking the Global Market System, Cambridge, Massachusetts 2000. Schmidt, Florian A.: Digital Labour Markets in the Platform Economy. Mapping the Political Challenges of Crowd Work and Gig Work, Bonn 2017. Schor, Juliet: Debating the Sharing Economy, in: Great Transition Initiative, 10/2014. 14 S. Kassem: Die Dialektik der Plattformökonomie Schwab, Klaus: The Fourth Industrial Revolution, New York 2016. Spencer, David: Work in and beyond the Second Machine Age. The Politics of Production and Digital Technologies, in: Work, Employment and Society 31(2016) 1, S. 142-152. Srnicek, Nick: Platform Capitalism, Cambridge 2017. Valenduc, Gérard/Patricia Vendramin: Working in the digital economy. Sorting the old from the new. Working Paper 2016.03, Brüssel 2016. Vandaele, Kurt: Will trade unions survive in the platform economy? Emerging patterns of platform workers’ collective voice and representation in Europe. Working Paper 2018.05, Brüssel 2018. Kurzbiografie Sarrah Kassem ist seit Juni 2020 wissenschaftliche Mitarbeiterin am Arbeitsbereich Politik und Wirtschaft/Politische Ökonomie an der Universität Tübingen. Sie hat im Juni 2020 ihre Promotion unter der Betreuung von Professor Hans-Jürgen Bieling und Professor Thorsten Schulten zum Thema Entfremdung und Agency in der Platform Economy abgeschlossen. Ihre derzeitigen Forschungsinteressen bestehen in Fragen der Arbeitsverhältnisse, Arbeitsbedingungen, der Organisation von Arbeiter_innen und Arbeitnehmer_innen sowie den intersektionalen Dimensionen der Arbeiter_innenbewegung. 15