Vera Messing- Bence Ságvári Von der Landung bis zur Ankunft Die subtile Integration der Einwanderer innerhalb Westeuropas 2 Messing-Ságvári: Von der Landung bis zur Ankunft. Die subtile Integration der Einwanderer innerhalb Westeuropas Die Europäische Sozialerhebung(ESS, engl.„European Social Survey“) Die Europäische Sozialerhebung(ESS, engl. „ European Social Survey“) ist eine auf wissenschaftlichen Standards beruhende, länderübergreifende Erhebung, die seit ihrer Gründung 2001 innerhalb Europas durchgeführt wird. Alle zwei Jahre werden persönliche Interviews mit neu ausgewählten Querschnittsproben durchgeführt. Die Erhebung misst die Einstellungen und Verhaltensmuster der vielfältigen Bevölkerung in mehr als dreißig Ländern. Die Hauptziele des ESS sind: • Stabilität sowie Veränderung in Gesellschaftsstruktur, Bedingungen und Einstellungen in Europa zu erfassen und zu interpretieren, wie sich Europas gesellschaftliches, politisches und moralisches Gefüge verändert; • Höhere Genauigkeitsstandards in der länderübergreifenden Forschung in den Sozialwissenschaften zu erreichen und zu verbreiten, einschließlich beispielsweise Fragebogendesign und Vortestung, Stichprobenbildung, Datenerhebung, Fehlerreduzierung und Zuverlässigkeit der Fragen; • Fundierte Indikatoren nationalen Fortschritts einzuführen, welche auf Wahrnehmungen und Beurteilungen der Bürger der Schlüsselaspekte ihrer Gesellschaften beruhen; • Die Fortbildung europäischer Sozialforscher in der vergleichenden quantitativen Messung und Analyse zu übernehmen und zu erleichtern; • Die Sichtbarkeit und Reichweite von Daten über gesellschaftliche Veränderung bei Wissenschaftlern, politischen Entscheidungsträgern und der breiten Öffentlichkeit zu verbessern. Die Datenerhebungen des ESS sind für nicht-gewerbliche Nutzung kostenlos erhältlich. 2005 war der ESS Gewinner des Descartes-Preises für Forschung und Wissenschaftskommunikation. Auf einen Antrag bei der Europäischen Kommission hin, der von Großbritannien im Namen von 14 anderen Ländern eingereicht wurde, wurde der ESS am 30. November 2013 mit dem Status des europäischen Konsortiums für Forschungsinfrastruktur ausgezeichnet. Ab heute ist der ESS mit 25 Mitgliedern eine der größten Forschungsinfrastrukturen innerhalb Europas. Messing-Ságvári: Von der Landung bis zur Ankunft. Die subtile Integration der Einwanderer innerhalb Westeuropas 1 Z USAMMENFASSUNG DER H AUPTERGEBNISSE • Der Bericht analysiert, basierend auf Datenerhebungen der Europäischen Sozialerhebung(ESS, engl.„European Social Survey“), den Prozess der subtilen Integration von Einwanderern in 13 Ländern Westeuropas, indem er Merkmale wie Werte, Einstellungen und kulturelle Normen zwischen Aufnahmeländern und Herkunftsregionen vergleicht und dabei die seit der Ankunft im Land verbrachte Zeit berücksichtigt. • Einwanderer unterscheiden sich von der einheimischen Bevölkerung der Aufnahmegesellschaften hinsichtlich ihrer Einstellungen und Wertevorstellungen. Im Allgemeinen haben sie eine positivere Einstellung und mehr Vertrauen in die wesentlichen gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Institutionen des Landes, aber sie fühlen sich von der Gesellschaft ausgegrenzter als dies Einheimische tun und sie sind mit dem Land etwas weniger emotional verbunden. Im Allgemeinen schätzen sie Tradition und Sicherheit – doch auch persönliche Leistung und menschliche Werte – mehr. • Es sind erhebliche Unterschiede im Hinblick auf Empfängerland und Herkunftsland vorhanden. Die Einstellung gegenüber Institutionen scheint mehr abhängig davon zu sein, wo sich die Einwanderer niedergelassen haben, wobei die Wahrnehmung der Eingliederung in der neuen Umgebung mehr von der Herkunftsregion(oder von der Sichtbarkeit des Migrationshintergrunds) abhängig zu sein scheint. • Mittels der Auswertung zahlreicher Aspekte subtiler Integration von Einwanderern in westeuropäischen Gesellschaften zeigen wir eine sehr klare und eindeutige Entwicklung der Akkulturation und Annäherung von Einstellungen der Einwanderer an die der Aufnahmegesellschaft. Diese Annäherung findet in allen Einwanderergruppen, in allen Empfängerländern und in allen Aspekten der Analyse statt. Allerdings ist die Geschwindigkeit der Annäherung nicht dieselbe in allen Empfängerländern und es scheint, dass Migranten mit dunkler Hautfarbe(“People of Colour”), die aus ärmeren Regionen ankommen, erheblich länger benötigen, um sich an die neue Umgebung anzupassen. • Die Annäherung an die Aufnahmegesellschaft bleibt über die erste Generation hinaus bestehen: Werte und Einstellungen von Migranten der zweiten Generation sind denen der Einheimischen im Aufnahmeland sehr ähnlich, doch in manchen Ländern weichen sie für manche Herkunftsgruppen noch immer ab. Außer innerhalb Spaniens sind die Einstellungen gegenüber und das Vertrauen in Institutionen denen der einheimischen Bevölkerung sehr ähnlich. Jedoch bleibt die Wahrnehmung der Ausgrenzung in den Niederlanden und in Großbritannien deutlich: In diesen zwei Ländern ist fast kein Unterschied dahingehend vorhanden, wie eingegliedert sich die ersten und die zweiten Generationen fühlen. Es könnte eine Quelle potenzieller gesellschaftlicher Spannungen sein, wenn viele derer, die in dem Land geboren und aufgewachsen sind und sich mit diesem identifizieren, sich ausgegrenzt und diskriminiert fühlen. • Der Akkulturationsprozess ist in allen Ländern ebenso sehr eindeutig: Die überwiegende Mehrzahl der Einwanderer nimmt nach einer gewissen Aufenthaltszeit die Sprache des Aufnahmelandes in privaten Situationen an und fühlt sich integrierter. Ferner nimmt die Mehrheit die Werte und kulturellen Normen der Aufnahmegesellschaft an, wie zum Beispiel Toleranz von Minderheiten. 2 Messing-Ságvári: Von der Landung bis zur Ankunft. Die subtile Integration der Einwanderer innerhalb Westeuropas Allerdings schwankt die Geschwindigkeit des Prozesses zwischen Aufnahmeländern und Herkunftsregionen erheblich. • Das komplexe Modell, das alle maßgeblichen Faktoren berücksichtigt, von denen angenommen werden kann, dass sie den Akkulturations- und Annäherungsprozess mit Mainstream-Werten und -Einstellungen beeinflussen, zeigt, dass Herkunftsregion, muslimische Religion, die im Land verbrachte Zeit und Arbeitsmarktstatus alle von Bedeutung sind. Das Niveau der wahrgenommenen Diskriminierung liegt bei Einwanderern aus Ländern Subsahara-Afrikas, des Nahen Ostens, Muslimen, erst kürzlich immigrierten Einwanderern und denen, die sich am Rande des Arbeitsmarktes befinden, oberhalb des Durchschnitts. Messing-Ságvári: Von der Landung bis zur Ankunft. Die subtile Integration der Einwanderer innerhalb Westeuropas 3 I NHALTSVERZEICHNIS Zusammenfassung der Hauptergebnisse................................................................................................ 1 Inhaltsverzeichnis........................................................................................................................................ 3 1 Einleitung.............................................................................................................................................. 4 2 RAHMENKONZEPT............................................................................................................................. 6 2.1 Drei dem Prozess subtiler Integration zugrundeliegende Aspekte..................................................................... 7 2.2 Basisindikatoren............................................................................................................................................................ 8 2.3 Konzeptualisierung von Einwanderern..................................................................................................................... 9 2.4 Forschungsdesign und Berichtsstruktur................................................................................................................ 11 2.5 Daten und Methoden............................................................................................................................................... 13 3 Die subtile integration der einwanderer: der lange weg der anpassung................................. 16 3.1 Wie unterscheiden sich Einwanderer von Aufnahmegesellschaften/einheimischen Gesellschaften?........ 16 3.2 Passen sich Einwanderer im Laufe der Zeit an die Normen der Aufnahmegesellschaft an?..................... 22 3.3 Wie passen sich Einwanderer an das Aufnahmeland an? Eine vergleichende Fallstudie von Türken, Polen und Russen als Einwanderer und als Gebliebene.......................................................................................................... 28 3.4 Vergleichende Analyse der Integration von Einwanderern der ersten und zweiten Generation................ 31 3.5 Determinanten der Integration: Ein multivariates Modell.................................................................................. 35 4 Schlussbemerkungen....................................................................................................................... 37 5 Referenzen........................................................................................................................................ 41 6 über die autoren............................................................................................................................... 44 7 Impressum......................................................................................................................................... 44 4 Messing-Ságvári: Von der Landung bis zur Ankunft. Die subtile Integration der Einwanderer innerhalb Westeuropas 1 E INLEITUNG Gemäß der Medien und Politiker war Migration und die Integration von Neuankömmlingen innerhalb der europäischen Gesellschaften eine der beträchtlichsten Herausforderungen, vor denen die europäischen Gesellschaften seit Mitte der 2010er Jahre standen. Grenzüberschreitende Migration ist nichts Neues: Europäische Länder erlebten mehrere Wellen der Migration in ihrer historischen und jüngsten Vergangenheit. Diese Wellen hatten verschiedene Auslöser und daher unterschieden sich auch die Herausforderungen, Einwanderer zu integrieren. Die jüngste Welle betrifft Flüchtlinge, die vor politischer und gesellschaftlicher Unsicherheit von Krieg oder Nachkrieg fliehen oder Gebiete, in denen Klimawandel bereits eine schmerzhafte Realität ist. Geographische Mobilität gab es im Laufe der Menschheitsgeschichte: Menschen zogen an Orte, wo sie auf ein besseres Leben hofften, mit einer größeren Sicherheit, einer besseren Arbeit, besserer Gesundheit, etc. In den letzten Jahrzehnten verbesserten sich jedoch die Mobilitätsmöglichkeiten dank Informationstechnologie und Internet mit dem damit verbundenen nahezu unbegrenzten Informationsfluss darüber, wo, wie und wann sich Migration für Einzelpersonen auszahlt, beachtlich. Menschliche Mobilität wird zudem von den Bedürfnissen der weltweiten Wirtschaft gespeist: Globale Firmen des Unternehmenssektors sind bezüglich der Einstellung von Arbeitskräften, die ihnen bei der Entwicklung ihrer Produktion und Dienstleistung behilflich sind, flexibler als je zuvor. Da jedoch die menschliche Mobilität beschleunigt wurde und der Einwandereranteil in den meisten Ländern Europas gestiegen ist, ist die Integration von Neuankömmlingen zunehmend schwieriger geworden. In manchen Ländern ist der Anteil neuer Einwanderer innerhalb von nur wenigen Jahren auf mehrere Prozent der jeweiligen Bevölkerung angestiegen. Doch die Integration von Menschen mit anderen kulturellen, religiösen und sprachlichen Hintergründen wird von vielen Europäern als eine Last – und sogar als eine Bedrohung – angesehen. In unseren vorherigen Studien analysierten wir die Einstellungen der einheimischen Bevölkerung gegenüber Einwanderern und erforschten länderübergreifende Unterschiede bei den Wahrnehmungen der Menschen in Bezug auf Migration(Messing and Ságvári, 2018; 2019). Wir untersuchten diese Faktoren, die den immensen Unterschieden hinsichtlich der Akzeptanz oder Ablehnung von Einwanderern in europäischen Ländern zugrunde liegen könnten und stellten die größeren Zusammenhänge dar, um die Einstellungsveränderungen in 15 europäischen Ländern zwischen 2002 und 2016/17 aufzuzeigen. Wir befassten uns zudem damit, wie sich Einstellungen im Vergleich zu vor und nach der 2015-Migrations„Krise“ verändert ha ben und wie Anti-Einwanderer-Einstellungen an Extremismus und Populismus gekoppelt sind. Das wichtigste Ergebnis unserer Forschung war, dass sich„ über einen Zeitraum von 16 Jahren…die Gesamtwahrnehmung von Migration sowie der Anteil de rer, die die ausdrückliche Ablehnung von aus ärmeren Ländern außerhalb Europas stammenden Migranten unterstützen, sich nicht gravierend verändert hat“(Messing and Ságvári, 2019). Unsere Analyse von Auslösern extremer negativer Einstellungen kam zu dem Schluss, dass sowohl ein fehlender Kontakt zu Einwanderern als auch der Grad, zu welchem die vorherrschenden Normen vonseiten der etablierten Politik festgelegt werden, eine Rolle dabei spielen, wenn sich Abneigung in extreme Ablehnung verwandelt. Dies könnte erklären, wieso Einstellungen gegen Migranten in Ländern, die Migration am schwächsten ausgesetzt sind, am stärksten Messing-Ságvári: Von der Landung bis zur Ankunft. Die subtile Integration der Einwanderer innerhalb Westeuropas 5 vertreten sind: Im Allgemeinen sind dies die Länder, in denen populistische politische Kräfte gegen Migranten die höchste Zugkraft gewinnen können, indem Ängste vor Migration geschürt werden. In diesem Bericht bieten wir einen anderen Blickwinkel auf dasselbe Thema: Wir betrachten, wie sich Einwanderer an ihre neue Umgebung anpassen. Generell konzentriert sich die Forschung zur Einwandererintegration auf jene sozioökonomischen Merkmale, die eine Grundvoraussetzung dafür sind, zu gewährleisten, dass Einwanderer in ihrer neuen Umgebung festen Fuß fassen. Während objektive Maßnahmen sozioökonomischer Integration – wie etwa Beschäftigung, Bildung, Unterkunft und Einkommen – sehr wichtige Signale der Anpassung an die neue Umgebung sind und ein Strukturteil der Integrationsherausforderung darstellen, gibt es eine subjektive Seite dieser Herausforderung: Nämlich die Weise, in der die sich verändernden Einstellungen und Werte von Einwanderern mit den Einstellungen und Werten im Aufnahmeland zusammenlaufen. Hall und du Gay(1996) weist darauf hin, dass sich Integration in kleinen Gemeinden schrittweise und subtil vollzieht. Dies geschieht auf der Basisebene, über die täglichen Verhaltensweisen, die zu einer graduellen Veränderung der Einstellungen, Werte und Identitäten führen. Unsere aktuelle Auswertung konzentriert sich auf diese subjektive Seite der Integration, welche nachfolgend als subtile Integration bezeichnet wird. Die Europäische Sozialerhebung(ESS, engl.„European Social Survey“) bietet eine hervorragende Quelle für die Erforschung der Einwandererintegration auf der Ebene von Normen und Einstellungen. Die nachfolgenden Merkmale des ESS machen diese Erhebung zu einem geeigneten Mittel zur Untersuchung der oben genannten Fragen. Zuallererst sei zu nennen, dass diese Bevölkerungserhebung der Länder, die daran teilnehmen, jedes zweite Jahr seit 2002 die Werte sowie die politischen und öffentlichen Einstellungen von Personen untersucht. Der ESS deckt die gesamte Bevölkerung eines Landes im Alter von 15 und darüber ab, einschließlich der Personen, die keine Bürger sind, doch die einen rechtmäßigen Wohnsitz in diesem Land haben. Zweitens stellt die Erhebung Daten über das Geburtsland sowie die Zeit seit Ankunft im Empfangsland bereit. Drittens haben wir durch Kombination der verfügbaren Daten aus acht Runden genügend Fälle, um eine Analyse von Einwanderern und ihrer Untergruppen zu ermöglichen sowie Einwanderer in verschiedenen Aufnahmeländern zu vergleichen. Gemäß der Definition des Einwanderers auf Grundlage des Geburtslandes, wurden 9,2% aller Befragten(34.600) in einem Land geboren, welches zur Zeit der Erhebung ein anderes war als das, in dem sie zur Zeit der Erhebung lebten. Aufgrund der Unbestimmtheit, was ein„ anderes“ Geburtsland in Zusammenhang mit Ost- und Südosteuropa bedeutet sowie des niedrigen Anteils derer, die in einem anderen Land geboren wurden(1 – 3% in dieser Region), beschlossen wir, uns nur auf Einwanderer in Westeuropa zu konzentrieren. Aus methodologischen Gründen beschlossen wir außerdem, nur die Daten von Ländern, die an mindestens acht Runden der Erhebung des ESS teilgenommen haben, mit einzubeziehen. 1 Die nach der oben beschriebenen Auswahl in unserer Stichprobe verbliebene Grundgesamtheit der im Ausland in den 13 Ländern Geborenen ist noch immer zahlreich genug(9.8% der gesamten 202.705: Das heißt 19.884 Personen in 13 Ländern), um eine umfassende Analyse der Werte, Einstellungen und Normen von Einwanderern sowie ihrer Untergruppen zu ermöglichen. 1 Es existieren 13 Länder, die die oben genannten Bedingungen erfüllen: Österreich, Belgien, Schweiz, Deutschland, Frankreich, Finnland, Großbritannien, Irland, die Niederlande, Norwegen, Portugal, Spanien und Schweden. 6 Messing-Ságvári: Von der Landung bis zur Ankunft. Die subtile Integration der Einwanderer innerhalb Westeuropas Obwohl dieser Bericht vor Ausbruch der COVID-19-Pandemie verfasst wurde, können wir nicht die Augen vor der noch nie da gewesenen Situation, die wir 2020 erleben, verschließen. Obwohl wir bis jetzt kaum eine Vorstellung haben, wie lang die Pandemie dauern wird oder wie tiefgreifend ihre sozialen, wirtschaftlichen und politischen Konsequenzen sein werden, ist eines sicher: Sie wird die Möglichkeiten und Bedingungen für menschliche Mobilität in Europa sowie die Potenziale und Umstände, die Einwanderintegration in europäische Gesellschaften umgeben, noch für lange Zeit verändern. Die Länder haben ihre Grenzen geschlossen; viele Einwanderer – typischerweise aus der EU stammend – sind in ihre Heimatländer zurückgekehrt, um die Aufhebung des Lockdowns abzuwarten; während Empfangsländer gegen den Mangel an Arbeit, die vor der Schließung der Grenzen von Einwanderern erbracht worden ist, ankämpfen. Der Lockdown wird zwar aufgehoben werden, doch wahrscheinlich nur in begrenztem Maße. Es ist anzunehmen, dass Menschen noch für einen langen Zeitraum nicht mehr so frei sein werden wie zuvor, ihr Recht auf Mobilität auszuüben. Daher ist es uns wichtig zu betonen, dass sich dieser Bericht auf präpandemische Verhältnisse bezieht und auf Daten beruht, die noch lange bevor das Virus unsere Leben verändert hat, gesammelt wurden. 2 RAHMENKONZEPT Die Neuheit unserer Studie ist, dass sie gesellschaftliche Integration auf der Ebene von Einstellungen und Werten, anstatt von strukturellen Merkmalen der gesellschaftlichen Integration von Einwanderern(wie beispielsweise Arbeitsmarktposition, Bildungsniveau, Sozialstatus etc.), betrachtet und dies in vielschichtiger Weise tut. Studien haben gezeigt, dass Migration hinsichtlich struktureller Bedingungen und Möglichkeiten für Einwanderer eine Rolle spielt. Die Entwicklungswege von Migranten weichen von denen der Bevölkerung im Herkunftsland ab(de Haas, 2005) und der wirtschaftliche und soziale Status von Einwanderern macht einen erheblichen Wandel durch(Harris und Todaro, 1970; van Meeteren et al., 2009). Weitere Forschungsarbeiten erörtern Integrationssphären, wie beispielsweise Beschäftigung, Bildung oder Unterkunft. Ein erheblich kleinerer Teil der Forschung über Einwandererintegration konzentriert sich auf subjektivere der Integration zugrunde liegende Merkmale, wie beispielsweise die Wahrnehmung der Eingliederung in sowie die Anpassung an die Einstellungen und Werte, die die Bevölkerung der Aufnahmegesellschaft kennzeichnen. Einige der früheren Forschungen näherten sich der Integration von Migranten, indem sie Veränderungen der Normen und Einstellungen analysierten, doch diese Studien konzentrierten sich entweder nur auf die eine oder die andere Art von Wert oder Einstellung. Beispielsweise untersuchten Dinesen und Hooghe(2010) sowie Dinesen(2012) die Anpassung der Einwanderer der ersten und zweiten Generation auf der Grundlage des Maßes an Vertrauen, das sie gegenüber staatlichen Einrichtungen und anderen Personen entwickelten(d.h. institutionelles und allgemeines Vertrauen). Sie vermuteten, dass sich das Maß an Vertrauen bei Einwanderern der zweiten Generation an das Niveau, das die Allgemeinbevölkerung des Aufnahmelandes kennzeichnet, angleicht; dies kann als ein Indikator für die Integration von Einwanderern betrachtet werden. Eine andere Forschungsreihe erforschte politische Einstellungen. Careja und Emmenegger(2012) untersuchten die Auswirkungen von Migrationserfahrung auf politische Einstellungen in mitteleuropäischen und osteuropäischen Ländern. Sie betrachteten Messing-Ságvári: Von der Landung bis zur Ankunft. Die subtile Integration der Einwanderer innerhalb Westeuropas 7 Menschen, die aus westlichen Staaten nach Mittel- und Osteuropa zurückgekehrt sind, und überprüften, ob sie andere politische Einstellungen als ihre nicht migrierten Mitbürger zeigten. Sie befassten sich damit, ob Migranten, die von Demokratien in ein Land mit einer nur kurzen(oder keiner) Demokratieerfahrung zurückkehren, eine Veränderung in der politischen Haltung bewirken, die den Prozess einstellungsbezogener Veränderung in einer neuen Umgebung widerspiegelt. Dieselbe Forschungsidee wurde von Fitzgerald et al.(2014) verfolgt, die Einstellungen von Migranten, die von Osteuropa nach Westeuropa umziehen, analysierten. Sie zogen Einstellungen gegenüber schwulen und lesbischen Menschen als einen Fall für Akkulturation heran und fanden Nachweise für ihre Existenz: Je länger Einwanderer wohnhaft in Westeuropa waren, desto toleranter wurden die Einstellungen gegenüber sexuellen Minderheiten. Noch eine andere, hauptsächlich qualitative, Forschungsreihe untersucht, wie sich soziale Kontakte und Verbundenheit nach der Migration verändern, und wie Menschen mit der neuen sozialen Umgebung in Bezug auf persönliche Beziehungen zurechtkommen. Zum Beispiel vergleicht eine quantitative Studie von Bartram(2019) die sozialen Einbindungen von Migranten mit jenen der in den Ländern, die die Migranten verlassen haben ‚ Gebliebenen‘. Soziale Kontakte und unterstützende Verbindungen sind ein besonders wichtiger Bedeutungsträger der Aufnahme in die Gesellschaft (Granovetter, 1977). 2.1 Drei dem Prozess subtiler Integration zugrundeliegende Aspekte Unsere Studie folgt diesem Gedankengang, doch sie erweitert die Forschung um die Umsetzung von Wahrnehmungen und Einstellungen. In dieser Studie betrachten wir den Prozess subtiler Integration von drei Perspektiven aus:(1) Konvergenz der institutionellen Einstellung,(2) beobachtete Integration und (3) Akkulturation. Die Konvergenz der institutionellen Einstellung bezieht sich auf den Umfang, in dem Immigranten die Herangehensweisen der Menschen in den Gastländern gegenüber Institutionen übernehmen. Institutionen spielen eine Schlüsselrolle im Funktionieren einer Gesellschaft und können von einer Landesumgebung zur anderen erheblich variieren. Einstellungen gegenüber Institutionen und den Normen, die sie umgeben, unterscheiden sich unter Immigranten, die aus Ländern, in denen Institutionen vielleicht andere Rollen, ein anderes Prestige und eine andere Akzeptanz haben. Diese werden über die Zufriedenheit mit den Institutionen auf der Makroebene einer Gesellschaft ausgedrückt, wie etwa über ihre Wirtschaft, ihre Regierung und ihr hauptsächliches Leitprinzip(Demokratie), als auch inwieweit den Institutionen vertraut wird. Wir nehmen an, dass Einwanderer im Laufe der Zeit die institutionellen Einstellungen der Einheimischen übernehmen. Der zweite in dieser Studie verwendete Aspekt ist die Wahrnehmung davon, integriert zu sein – davon, in die Aufnahmegesellschaft auf individueller Ebene aufgenommen zu werden. Wir glauben, dass es eine persönliche Ebene für Integration gibt und dass dies als das Gefühl von Einwanderern auftaucht, dass sie von der Gastumgebung akzeptiert werden, anstatt als die ‚andere n‘ betrachtet z u werden. Diese Wahrnehmung beinhaltet eine Reihe von Elementen, wie soziale Kontakte mit Einheimischen auszubauen, Freunde zu haben, sich wertgeschätzt zu fühlen und sich nicht aufgrund der eigenen Herkunft diskriminiert zu fühlen. Wir werden dieses letzte Element – die Wahrnehmung, nicht diskriminiert zu werden – als einen Proxy für wahrgenommene Integration in die einheimische Gesellschaft nutzen können. 8 Messing-Ságvári: Von der Landung bis zur Ankunft. Die subtile Integration der Einwanderer innerhalb Westeuropas Der dritte zu nutzende Aspekt in dieser Studie ist Akkulturation , die sich auf den Prozess bezieht, in dem Personen, die von einem kulturellen Kontext in einen anderen wechseln, neue Einstellungs-, Verhaltensund Identitätsmuster entwickeln, die durch die dominanten Normen des neuen kulturellen Kontextes geprägt werden. In diesem Prozess ist es möglich, dass Einstellungen, das Verhalten und sogar die eigene Identität durch Erfahrungen, die von der neuen Gast- oder Bestimmungskultur im neuen Kontext und in der neuen Umgebung angeboten werden, verändert werden. Dies ist ein langer und fortlaufender Prozess und wird von Ryder und Kollegen folgendermaßen beschrieben: ‚ Wenn eine Person von einer Kultur in die andere wechselt, verändern sich viele Aspekte der Selbstidentität, um Informationen über die neue Kultur und Erfahrungen in der neuen Kultur aufzunehmen. Dieser Prozess, im Allgemeinen als Akkulturation bezeichnet, umfasst Veränderungen, die als Ergebnis eines stetigen und direkten Kontakts zwischen Personen mit unterschiedlicher kultureller Herkunft stattfinden‘(Ryder et al., 2000: 49). In dieser Arbeit betrachten wir Akkulturation – nämlich den Umfang, in dem Identität, Werte und Überzeugungen durch Mobilität und eine neue kulturelle Umgebung beeinflusst werden – von verschiedenen Perspektiven aus: Die Hauptsprache, die zu Hause verwendet wird; die emotionale Verbundenheit mit dem Gastland; und Einstellungen gegenüber Homosexualität. Dieser letzte Faktor wird als ein Proxy für Akkulturation behandelt. Einstellungen gegenüber Homosexualität sind tief in der Kultur und Religion verankert. Teilweise spiegeln die toleranteren Einstellungen gegenüber schwulen und lesbischen Menschen in Westeuropa anzunehmend solche Werte wie Toleranz und Akzeptanz, die im Zentrum der europäischen Werte stehen, wider. Daher schlagen wir vor, dass dies ein wertvoller Indikator für die Anpassung an neue kulturelle Normen ist – von Akkulturation. 2.2 Basisindikatoren Wir haben drei Indikatoren entwickelt, die subjektive(und tiefgreifende) Integration darstellen. Der erste bezieht sich auf die Einschätzung der Hauptinstitutionen der Gesellschaft. Dieser ist ein robuster Faktor, der verschiedene einzelne Items umfasst: Er beruht auf dem Niveau der allgemeinen Zufriedenheit mit der Wirtschaft, Bildung, dem Gesundheitswesen, der Regierung und Demokratie; und dem Maß an Vertrauen in das Parlament, in politische Parteien, Politiker, das Rechtssystem und die Polizei. Wir beziehen uns auf diesen Indikator als den Institutionellen Einstellungs-Index(IEI) (engl. IAI) ; er verwendet eine Skala von 1 bis 100, in der hohe Werte ein größeres Vertrauen in und eine größere Zufriedenheit mit den wesentlichen gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Institutionen des Staates widerspiegeln. Der zweite Indikator gibt an, wie sich Einwanderer in der neuen Gesellschaft fühlen; ob sie sich aufgrund eines ‚ sichtbaren‘ oder ‚ nicht sichtbaren‘ Elements ihres Migrationshintergrundes(d.h. Volksgruppe, Nationalität, Sprache etc.) diskriminiert fühlen. Im Verlauf des Berichts wird dieser dichotome Indikator als der Wahrgenommene Ausgrenzungs-Index(WAI) (engl. PEI) bezeichnet und er stellt den Anteil derer dar, die sich aufgrund eines Merkmals, das ihren Migrationshintergrund betrifft, diskriminiert fühlen. Schließlich wird der Prozess der Akkulturation anhand von drei unabhängigen Variablen gemessen: Zu Hause verwendete Sprache(als Erstsprache), emotionale Verbundenheit mit dem Gastland und Einstellungen gegenüber Homosexualität. Die ersten beiden Variablen sind ziemlich eindeutig: Es ist ein sehr fortgeschrittenes Niveau der Anpassung an die Kultur der Aufnahmegesellschaft, die Sprache des Messing-Ságvári: Von der Landung bis zur Ankunft. Die subtile Integration der Einwanderer innerhalb Westeuropas 9 Gastlandes in Situationen des Privatlebens zu verwenden. Ferner ist emotionale Identifikation ein gutes Zeichen für Akkulturation. Beide werden durch Dummy-Variablen(, die nur zwei Kategorien einschließen,) gemessen: Ob die Person die Sprache des Gastlandes als Erstsprache zu Hause verwendet oder nicht; und ob die Person eine merklich positive emotionale Bindung an das Gastland oder negative Gefühle gegenüber diesem hat. 2 Die Einstellung einer Person gegenüber der schwulen und lesbischen Gemeinschaft wird als Proxy für Akkulturation betrachtet, da sie die westeuropäische Norm der Toleranz widerspiegelt. Wir haben Personen in zwei Kategorien gruppiert: Tolerant und nicht tolerant; basierend darauf, wie sehr sie die Idee unterstützen, dass Schwule und Lesben frei sein sollten, ihr Leben zu leben, wie sie es für richtig halten. In unserer Analyse konzentrieren wir uns auf diejenigen, die in ihren Einstellungen tolerant sind. Die Zusammenstellung der drei Indikatoren wird in Abbildung 1 zusammengefasst. ABBILDUNG 1. RAHMENKONZEPT – FÜR DIE ANALYSE VERWENDETE INDIZES UND INDIKATOREN INSTITUTIONELLER EINSTELLUNGS-INDEX(IEI) WAHRGENOMMENER AUSGRENZUNGSINDEX(WAI) AKKULTURATION Bildung Wirtschaft Demokratie ZUFRIEDENHEIT mit Regierung Politik Gesundheitswesen VERTRAUEN in Polititische Parteien Parlament Politiker Rechtssystem Gemessen auf einer Skala von 0-100 Ethnische Gruppe Hautfarbe oder Ethnie DISKRIMINIERT aufgrund von Nationalität Religion Sprache Binär gemessen 0(nein)- 1(ja) Gebrauch der Sprache des Aufnahmelandes zu Hause AKKULTURATION Positive emotionale Verbundenheit mit dem Aufnahmeland Tolerante Einstellungen gegenüber schwulen und lesbischen Menschen Mittels drei individueller Items gemessen 2.3 Konzeptualisierung von Einwanderern Ein weiteres in diesem Abschnitt zu behandelndes Thema ist die Konzeptualisierung der Einwandererkategorie. Migration ist ein sehr vielschichtiges Phänomen, das ein breites Spektrum an Kategorien umfasst. Obwohl der Begriff ‚ Migran t‘ im rechtlichen und politischen Kontext gut definiert ist, wird er trotzdem, insbesondere im außerschulischen öffentlichen Diskurs, unterschiedlich ausgelegt. In der Diskussion über Migranten kann es sein, dass Menschen sich auf deutlich unterschiedliche Personengruppen beziehen: manche denken möglicherweise an Arbeitsmigranten, die im 2 Diese Frage wurde erst seit der achten Runde des ESS(2016/17) gestellt; daher ist die Stichprobe der Einwanderer relativ klein und ermöglicht keine Analyse, die mehr als zwei Aspekte einbezieht. Dennoch werden wir diese sehr einfache Analyse darstellen, da sie ein perfektes Mittel für Akkulturation darstellt. 10 Messing-Ságvári: Von der Landung bis zur Ankunft. Die subtile Integration der Einwanderer innerhalb Westeuropas Dienstleistungssektor oder in Fabriken arbeiten; andere stellen sich vielleicht Jugendliche der zweiten oder dritten Generation in marginalisierten Stadtvierteln von großen Ballungsgebieten vor; eine dritte Gruppe malt sich vielleicht Flüchtlinge aus, die vor dem Krieg in Syrien fliehen; und wiederrum andere denken vielleicht an Afrikaner, die versuchen, in Schlauchbooten das Mittelmeer zu überqueren. In dieser Studie nutzen wir eine weithin anerkannte Konzeptualisierung der Migrantenkategorie: Diejenigen, deren Geburtsland ein anderes war als das, in dem sie gegenwärtig leben(oder – aus praktischer Sicht – ein anderes als das Land, in dem sie interviewt wurden). Dies ist die transparenteste und am meisten genutzte Konzeptualisierung der Kategorie – auch wenn dies, in seltenen Fällen, bedeuten könnte, dass die Person tatsächlich überhaupt keinen Migrationshintergrund oder keine Migrationsidentität aufweist (z.B. Menschen, die in einem fremden Land geboren wurden, wohingegen ihre Eltern dieses Land lediglich für eine kurze Zeit besucht haben). Diese Definition lässt außerdem die Abstammung der Migranten unberücksichtigt: Nämlich die, welche, obwohl sie in dem Land, in dem sie leben, geboren wurden, Eltern mit ausländischer Herkunft haben(Migranten der zweiten Generation). Sie lässt auch wichtige Bestandteile der Identitätsbildung unberücksichtigt, nämlich Sprachgebrauch oder Identifikation mit einer ethnischen Gruppe. Die Ausnahme vom Gebrauch dieses Konzepts des Migranten ist Abschnitt 3.4, welcher Migranten der ersten und zweiten Generation auf eindeutige Weise vergleicht. Hierbei konzeptualisieren wir einen Migranten der zweiten Generation als jemanden, dessen Mutter und Vater beide außerhalb Europas geboren wurden. In einem anderen Land geboren worden zu sein kann allerdings in postkommunistischen Staaten und in alten EU-Mitgliedstaaten eine vollkommen andere Bedeutung haben: Die Staatsgrenzen haben sich in Mittel- und Osteuropa im Laufe der letzten 30 Jahre verändert(man denke nur an die Umbruchphase der Tschechoslowakei, der UdSSR oder von Jugoslawien). Deswegen wird sich die vorliegende Studie nur auf Einwanderer in 13 europäischen Ländern konzentrieren: 11 der alten EUMitgliedstaaten, zuzüglich Norwegen und die Schweiz. Bloß der Einfachheit halber beziehen wir uns fortan auf die Ländergruppe als ‚alte EU-/EWR- Mitgliedstaaten‘. Auch wenn wir unser Hauptaugenmerk auf diese 13 Länder beschränken, umfassen Einwanderer hinsichtlich ihrer Herkunft, ihres kulturellen Erbes, ihrer Religion und der Jahre, seitdem ihre Migration stattgefunden hat, eine sehr heterogene Bevölkerung – das heißt in Bezug auf die Merkmale, die grundlegend für gesellschaftliche Integration sind. Wir mussten eine Methode finden, um solch eine Vielfalt zu bewerkstelligen, ohne unsere Analyse soweit aufzusplittern, dass am Ende Gruppen, die bloß aus einer Handvoll Menschen bestehen, erhalten bleiben würden. Daher entwickelten wir zwei Kategorien für das Herkunftsland: 1. Für das Gesamtbild nutzen wir eine einfache Kategorie von EU-Mitgliedstaatsangehörigen und Drittstaatsangehörigen(DSA, auch bekannt als Nicht-EU-Migranten). 2. Für eine detailliertere Kategorisierung, die die Rolle der Herkunft zeigt, verwenden wir die folgenden(zugegebenermaßen unvollkommenen) Gruppierungen:(1) alte EU-/EWRMitgliedstaaten, zuzüglich der Schweiz(EU-/EWR-Mobil),(2) Länder mit postkommunistischem Erbe(einschließlich jene Länder, welche EU-Mitgliedstaaten sind, die der EU nach 2004 beigetreten sind und diese, welche zurzeit keine EU-Mitgliedstaaten sind – d.h. Länder des Balkans und der ehemaligen Sowjetunion);(3) Länder des Nahen Ostens und Nordafrikas(Türkei, Irak, Iran, Saudi-Arabien, Syrien und nordafrikanische Länder);(4) Subsahara-Afrika;(5) Süd- und Ostasien(einschließlich Indien, China und die Indochinesische Halbinsel);(6) Lateinamerika. Wir haben vom Pazifik, aus Nordamerika und Israel kommende Einwanderer außer Acht gelassen, da Messing-Ságvári: Von der Landung bis zur Ankunft. Die subtile Integration der Einwanderer innerhalb Westeuropas 11 diese sehr kleine Gruppen darstellen und es schwierig ist, sie in eine der oben erwähnten Kategorien einzubeziehen(Abbildung 2). 2.4 Forschungsdesign und Berichtsstruktur Die Studie wird zuerst die Forschungsmethoden und die Daten, die wir verwenden, erörtern. Anschließend werden wir vier Analysetypen darstellen. Der erste beschreibt die wichtigsten Merkmale der Einstellungen, Werte und Normen von Einwanderern(Abschnitt 3.1) und betrachtet drei, oben erwähnte, Sphären subjektiver Integration in 13 Ländern. Dieser Teil der Analyse gibt einen Einblick darüber, worin sich Einwanderergruppen von der Mehrheitsbevölkerung unterscheiden – und welche Einwanderergruppen dies sind. Im nächsten analytischen Abschnitt(3.2) lassen wir ein dynamischeres Bild entstehen, indem wir zeigen, wie die Merkmale, die für Integration stehen, durch die Zeitdauer, die im Gastland verbracht wurde, beeinflusst werden. Wir zeigen, dass – in den meisten Aspekten und in den meisten Ländern – ein deutlicher und stetiger Prozess der Annäherung an Mainstream-Einstellungen und-Werten vorhanden ist. Der dritte Analysetyp(Abschnitt 3.3) bietet eine Fallstudie, die sich auf drei bestimmte Gruppen konzentriert – türkische, russische und polnische Einwanderer – und vergleicht die Integrationsindikatoren innerhalb dieser Gruppen mit den Indikatoren ihrer Landsleute, die in der Heimat geblieben sind. Diese Analyse ermöglicht es uns, zu erkennen, wie sich Einwanderung auf die Einstellungen und Werte von Menschen mit derselben nationalen Herkunft auswirkt, was davon abhängt, ob sie ausgewandert oder in ihrem Geburtsland geblieben sind. Der Hintergrund der Verwendung der Daten aus diesen Ländern ist, dass sie alle Hauptzulieferer von Einwanderern nach Westeuropa sind. Außerdem nahmen sie an einigen (oder im Falle von Polen an allen acht) ESS-Runden teil und somit ist es uns möglich, Einwanderer statistisch mit der einheimischen Bevölkerung am Herkunftsort und am Bestimmungsort zu vergleichen. 12 Messing-Ságvári: Von der Landung bis zur Ankunft. Die subtile Integration der Einwanderer innerhalb Westeuropas ABBILDUNG 2. ZWEI ANSÄTZE ZUR KONZEPTUALISIERUNG DES HERKUNFTSLANDES Kategorisierung nach gesetzlichen Bestimmungen Kategorisierung nach kulturellem/religiösem Erbe Nicht-Einwanderer-Bevölkerung Einwanderer EU-/EWR-mobile Einwanderer (einschließlich Schweiz) Einwanderer aus Drittstaaten (DSA) Alte EU-Mitgliedstaaten Postkommunistische Länder und die ehemalige UdSSR (einschließlich neuer EU-Mitgliedstaaten und postsowjetischer Länder) Naher Osten und Nordafrika Subsahara-Afrika Süd- und Ostasien Lateinamerika Messing-Ságvári: Von der Landung bis zur Ankunft. Die subtile Integration der Einwanderer innerhalb Westeuropas 13 Abschnitt 3.4 konzentriert sich auf die Unterschiede zwischen Migranten der ersten und der zweiten Generation. In dieser Analyse arbeiten wir an der Hypothese, dass gesellschaftliche Integration und Akkulturation über einen längeren Zeitraum hinweg stattfinden und dass die Einstellungen und Normen der Einwanderer der zweiten Generation – die, die im Gastland geboren, aufgewachsen und zur Schule gegangen sind – enger an diejenigen der Mainstream-Bevölkerung angepasst sind als es die Einstellungen und Normen der ersten Generation sind. Allerdings ist dies nicht offensichtlich: Ein Teil der Forschung zeigt, dass es tatsächlich die zweite Generation ist, die sich möglicherweise mehr von der Aufnahmegesellschaft entfremdet. Während die erste Generation ehrgeizig, belastbar und bereit ist, sich an die neue Umgebung anzupassen und die Vorteile der Migration zu erfahren(sie vergleichen möglicherweise ihre Situation vor und nach der Migration), ist es möglich, dass die zweite Generation ein Gefühl von grö ßerer Entfremdung empfindet: Sie fühlen sich dann, der Gesellschaft, in der sie aufgewachsen sind und in der sie leben, zugehörig und identifizieren sich mit ihr, doch sie empfinden vielleicht auch, dass sie mehr Diskriminierung, gesellschaftliche Ausgrenzung und wirtschaftliche Not als ihre Altersgenossen erleben. Abschnitt 3.5 stellt eine multivariate Analyse von Faktoren dar, durch die sich die Annäherung von institutionellen Einstellungen, wahrgenommener Integration und Akkulturation erklären lässt: Das heißt den Prozess subtiler Integration. Hier berücksichtigen wir die Rolle der wichtigsten demografischen Merkmale (Alter, Geschlecht, Bildungsniveau), die Herkunftsregion und das Einwanderungsland, die im Gastland verbrachte Zeit, Religion und Arbeitsmarktstatus und wir zeigen wie diese das Gesamtpotenzial für tiefgreifende Integration beeinflussen. Der Bericht endet mit einer Zusammenfassung der Haupterkenntnisse. 2.5 Daten und Methoden In der Analyse haben wir Daten von acht Runden der Europäischen Sozialerhebung(ESS, engl.„European Social Survey“)(Runde 1 im Jahr 2002 bis Runde 8 in den Jahren 2016/17) verwendet. Der verdichtete Datensatz schloss alle Erhebungsrunden und all die Länder, die in mindestens sieben von acht Erhebungsrunden teilgenommen haben, ein. Die Kategorie ‚Einwanderer‘ wurde über das Geburtsland operationalisiert: Als Einwanderer wurden diejenigen betrachtet, deren Geburtsland ein anderes war als das Land, in dem sie lebten. Die Studie umfasste 13 europäische Länder: Österreich, Deutschland, die Schweiz, Schweden, Finnland, Norwegen, Belgien, die Niederlande, Frankreich, Großbritannien, Irland, Portugal und Spanien. Insgesamt enthielt der verdichtete Datensatz 202.705 Befragte, wovon 19.884 (9,6%) in einem anderen Land geboren wurden und somit als Einwanderer betrachtet wurden. Innerhalb der Einwanderer-Untergruppe wurden 40% in einem anderen EU-/EWR-Mitgliedstaat geboren(und werden somit als EU-/EWR-Mobil betrachtet) und 60%(11.765) waren Drittstaatsangehörige(DSA). Im Hinblick auf ihre Herkunft stammte, hinter denen, die in einem anderen EU-/EWR-Mitgliedstaat geboren wurden, der größte Bereich der Einwanderer(in der ESS-Erhebung) aus Ländern im Nahen Osten und Nordafrika(26% der Einwanderer aus Drittstaaten(DSA)), aus der postsowjetischen Region(23% der 14 Messing-Ságvári: Von der Landung bis zur Ankunft. Die subtile Integration der Einwanderer innerhalb Westeuropas Migranten aus Drittstaaten(DSA)), aus Lateinamerika(18% der Migranten aus Drittstaaten(DSA)) und aus Subsahara-Afrika sowie Süd- und Ostasien(16% der Migranten aus Drittstaaten(DSA) pro Person). Die folgende Tabelle stellt die Verteilung der EU-Mobil- sowie Migranten aus Drittstaaten(DSA) im verdichteten Datensatz des ESS dar. ABBILDUNG 3. ANTEIL DER EINWANDERER MIT EU-/EWR-HERKUNFT UND MIT NICHT-EU-HERKUNFT(DSA) 22 13 9 11 12 9 10 10 9 12 8 3 6 Gesamtanteil der Einwandererbevölkerung 30 39 48 51 53 55 61 62 70 71 72 76 81 71 61 52 49 47 45 39 38 31 29 28 24 19 Anteil der Einwanderer mit EU-/EWR-Herkunft und Einwanderer aus Drittstaaten (DSA) EU-/EWR-Herkunft DSA Der Anteil der Einwandererbevölkerung in der Erhebung des ESS reicht von 3% zu 22%; doch abzüglich der beiden Extreme Finnlands und Schwedens liegt ihr Anteil im Allgemeinen bei 8 – 12%. Es bestehen allerdings erhebliche Unterschiede in Bezug auf den Anteil von EU- und Nicht-EU-Einwanderern. In Irland, der Schweiz und Österreich dominieren EU-/EWR-mobile Personen unter den Einwanderern, wohingegen in Portugal, den Niederlanden, Großbritannien, Spanien und Frankreich über ein Drittel der Einwanderer aus Nicht-EU-Ländern kommen. Dies stellt unterschiedliche Integrationsherausforderungen für Länder und deren Bevölkerungen dar. Was die Herkunftsregion betrifft, gibt es keine großen Überraschungen: In Deutschland und Finnland ist – neben EU-/EWR-mobilen Personen – eine Vorherrschaft von Einwanderern aus der postsowjetischen Region zu verzeichnen. In Spanien überwiegen Einwanderer mit lateinamerikanischer Abstammung, während in Portugal die Haupteinwanderungsquelle Subsahara-Afrika ist. Einwanderer in Großbritannien, Frankreich, Norwegen und Schweden sind hinsichtlich ihrer Herkunft sehr unterschiedlich. Das interessanteste Ergebnis ist, dass der Anteil der Menschen, die aus dem erweiterten Nahen Osten und aus Nordafrika nach Europa kommen, relativ klein ist(0 – 18%), obwohl die Medienberichterstattung über Einwanderung von Nachrichten und Bildern dieser Gruppe beherrscht wird. Die verfügbaren Statistiken über den tatsächlichen Anteil der Einwandererbevölkerung in europäischen Mitgliedstaaten stimmen nicht völlig mit dem tatsächlichen Anteil und der Zusammensetzung der Einwanderer, die vom ESS gemessen wurden, überein: Der Gesamtanteil der Einwanderer wird im ESS unterschätzt. Da unser Schwerpunkt mehr auf weichen Faktoren als auf harten Zahlen liegt, betrachten wir dies nicht als ein wesentliches Problem. Um eine ausreichende Anzahl an Befragten für die Unterkategorien Messing-Ságvári: Von der Landung bis zur Ankunft. Die subtile Integration der Einwanderer innerhalb Westeuropas 15 von Einwanderern zu gewährleisten, mussten wir einige schwierige Entscheidungen über die Zusammenführung bestimmter Gruppen treffen. 3 Wir sind uns über die Begrenzungen eines solchen Ansatzes bewusst; allerdings galt es hier, einen Kompromiss zu finden. Es ist darauf hinzuweisen, dass die ESS-Daten nicht repräsentativ für die Migrantenbevölkerung in Bezug auf ihre Bevölkerungsanteile sind (Abbildung 4). Wir erarbeiten die Hypothese, dass, obwohl der ESS anteilig weniger Einwanderer festgestellt hat als sie in der Bevölkerung vertreten sind, dies die Teilstichprobe nicht beeinflusst und sie somit dafür geeignet ist, die wesentlichen Prozesse subtiler Einwandererintegration abzubilden. ABBILDUNG 4. ANTEIL DER IM AUSLAND GEBORENEN(EINWANDERER-) BEVÖLKERUNG GEMESSEN MITTELS DER EUROPÄISCHEN SOZIALERHEBUNG„ EUROPEAN SOCIAL SURVEY“ UND BERICHTET VON EUROSTAT 30% Schweiz 25% Länder mit erheblich unterrepresäntierter Einwandererbevölkerung in den Daten des ESS 20% Österreich Schweden Deutschland Irland Belgien 15% Norwegen Großbritannien Spanien Niederlande Frankreich 10% Portugal Finnland 5% Im Ausland geborene Bevölkerung, gemessen von Eurostat 0% 0% 5% 10% 15% 20% 25% 30% Im Ausland geborene Bevölkerung im ESS-Sample 3 Zum Beispiel die postkommunistischen Länder Mittel- und Osteuropas mit den Mitgliedstaaten der ehemaligen UdSSR; oder die Menschen asiatischer Abstammung als eine homogenisierte Kategorie. 16 Messing-Ságvári: Von der Landung bis zur Ankunft. Die subtile Integration der Einwanderer innerhalb Westeuropas 3 D IE SUBTILE INTEGRATION DER EINWANDERER : DER LANGE WEG DER ANPASSUNG 3.1 Wie unterscheiden sich Einwanderer von Aufnahmegesellschaften/einheimischen Gesellschaften? In diesem Abschnitt beschreiben wir subjektive, für die subtile Integration von Einwanderern relevante Merkmale und vergleichen sie mit denen der einheimischen Bevölkerung des Aufnahmelandes; wir vergleichen Einwanderergruppen verschiedener Herkunft. Als Gesamtbild ergibt sich, dass Einwanderer hinsichtlich der meisten Elemente subtiler Integration anders abschneiden als Einheimische. Dieser Unterschied variiert sowohl in den Empfängerländern als auch in den Herkunftsregionen; daher sind sowohl das Herkunfts- als auch das Aufnahmeland in Bezug auf das Ausmaß, in dem sich Einwanderer an Aufnahmegesellschaften anpassen, von Bedeutung. Der Verbundindikator des Institutionellen Einstellungs-Index(IEI) (engl. IAI) , der verschiedene Elemente von Einstellungen zu Institutionen der Aufnahmegesellschaft und der Bewertung dieser untersucht, zeigt interessante Unterschiede zwischen unterschiedlichen Einwanderergruppen sowie zwischen den Ländern. Das Gesamtbild(auf der Grundlage von 13 Ländern) ergibt, dass die Einstellungen von Einwanderern und ihre Bewertung der Institutionen der Aufnahmegesellschaft im Allgemeinen etwas positiver sind(56, auf einer Skala von 0 – 100) als die der Einheimischen(51). Es bestehen erhebliche Unterschiede zwischen den Ländern, doch es scheint, dass das Ausmaß, in dem Einwanderer mit den Institutionen zufrieden sind und diesen vertrauen, maßgeblich von den Einstellungen, die für die Nicht-Einwanderer-Mainstreambevölkerung typisch ist, abhängt(Abbildung 5). Messing-Ságvári: Von der Landung bis zur Ankunft. Die subtile Integration der Einwanderer innerhalb Westeuropas ABBILDUNG 5. INSTITUTIONELLER EINSTELLUNGS-INDEX(IEI) NACH EMPFÄNGERLAND UND HERKUNFTSREGION Nicht-Einwanderer EU-/EWR-Herkunft DSA 58 52 54 59 53 55 64 68 61 53 56 49 50 52 43 68 63 64 50 44 46 53 55 48 53 47 49 56 57 57 61 62 64 35 38 41 57 57 60 17 IEI nach Aufnahmeland IEI nach Herkunftsland 55 58 57 58 52 54 Alte EU- Postkommunistisch Mitgliedstaaten& ehemals UdSSR Nahost& Nordafrika Süd& Ostasien Subsahara-Afrika Lateinamerika In Ländern mit einem allgemein hohen Maß an Vertrauen gegenüber(und an Zufriedenheit mit) Institutionen, tendieren Einwanderer dazu, positiver zu sein(Schweiz, Finnland, Schweden und Norwegen); wohingegen Einwanderer in Ländern mit einem verhältnismäßig geringen Vertrauen gegenüber(und einer Zufriedenheit mit) Institutionen(wie Portugal, Spanien und Frankreich), ebenfalls einen niedrigeren IEI aufweisen. Es sei jedoch darauf hingewiesen, dass Einwanderer in allen Ländern Institutionen mehr vertrauen und zufriedener mit Institutionen sind als dies Einheimische sind und dass Einwanderer aus Drittstaaten einen höheren IEI aufweisen als EU-/EWR-mobile Personen. Um zu betrachten, wie Einwanderer ihre eigene gesellschaftliche Eingliederung wahrnehmen, haben wir den Wahrgenommenen Ausgrenzungs-Index(WAI) (engl. PEI) erstellt, der ein tatsächliches Maß dessen darstellt, sich aufgrund der eigenen Herkunft diskriminiert zu fühlen. Wir nahmen an, dass die Wahrnehmung, diskriminiert zu werden, nicht nur das Niveau tatsächlicher Diskriminierung darstellt, aber auch ein Bewusstsein darüber(oder das Fehlen dessen), in das Aufnahmeland und die einheimische Gesellschaft integriert zu sein. Die folgende Tabelle zeigt den WAI (engl. PEI) nach Empfängerland und Herkunftsregion. 18 Messing-Ságvári: Von der Landung bis zur Ankunft. Die subtile Integration der Einwanderer innerhalb Westeuropas ABBILDUNG 6. WAHRGENOMMENER AUSGRENZUNGS-INDEX(WAI) NACH EMPFÄNGERLAND UND HERKUNFTSREGION Nicht-Einwanderer EU-/EWR-Herkunft DSA 34 25 25 21 17 19 17 19 15 14 19 19 15 7 6 6 7 10 9 10 8 8 6 1 2 1 1 4 5 2 2 3 1 3 2 3 1 1 5 WAI nach Aufnahmeland WAI nach Herkunfsland 26 13 4 Alte EU- Postkommunistisch Mitgliedstaaten& ehemals UdSSR Nahost& Nordafrika 23 16 18 Süd& Ostasien Subsahara-Afrika Lateinamerika Die Daten zeigen, dass Einwanderer, wie wir es angenommen haben, von einem erheblich höheren Maß an wahrgenommener Diskriminierung als Einheimische berichten und es einen großen Unterschied zwischen Einwanderern gibt, die sichtbar anders sind als die einheimische Bevölkerung, und Einwanderern, bei denen dies nicht so ist. Auf der Grundlage dieses Mittels können wir sehen, dass diejenigen, die in der EU oder im EWR intern mobil sind(und wahrscheinlich nicht sichtbar anders als die einheimische Bevölkerung sind), sich zu einem größeren Maß eingegliedert fühlen. Einwanderer mit nahöstlicher und afrikanischer Abstammung fühlen sich am meisten diskriminiert und empfinden daher die größten Hürden bei der echten Eingliederung in ihr unmittelbares soziales Umfeld. In dieser Hinsicht sind zudem erhebliche Unterschiede in Bezug auf das Empfängerland vorhanden: Einwanderer in Österreich, Belgien und den Niederlanden empfinden das größte Maß an Diskriminierung, während in Ländern, in denen die Bevölkerung eine positivere Einstellung gegenüber Einwanderern aufweist(wie Norwegen, Schweiz, Schweden und Finnland), Einwanderer ein höheres Maß an persönlicher Eingliederung empfinden(siehe Messing und Ságvári, 2019). Was den dritten Aspekt der Analyse subtiler Integration – Akkulturation – betrifft, verwenden wir mehrere Proxys. Der erste ist die zu Hause verwendete Sprache: Ob Menschen mit einem Migrationshintergrund die Sprache des Aufnahmelandes verwenden oder die Sprache ihrer Herkunft sprechen. Abbildung 7 weist auf diesen Aspekt hin. Messing-Ságvári: Von der Landung bis zur Ankunft. Die subtile Integration der Einwanderer innerhalb Westeuropas ABBILDUNG 7. VERWENDUNG DER SPRACHE DES AUFNAHMELANDES (ANTEIL DERER, DIE DIE SPRACHE DES AUFNAHMELANDES ALS IM HAUSHALT VERWENDETE ERSTSPRACHE NANNTEN) 80 32 78 53 79 39 76 52 EU-/EWR-Herkunft 79 65 61 77 78 42 DSA 66 63 68 61 77 69 52 52 86 87 79 39 19 Nach Aufnahmeland Nach Herkunftsregion 83 76 76 48 46 52 Alte EU- Postkommunistisch Mitgliedstaaten& ehemalig UdSSR Nahost& Nordafrika Süd- und Ostasien Subsahara-Afrika Lateinamerika Es sind erhebliche Unterschiede in der Verwendung der Sprache der Aufnahmegesellschaft, sowohl in Bezug auf das Empfängerland als auch hinsichtlich der Herkunftsregion, zu verzeichnen. Es lässt sich feststellen, dass EU-/EWR-mobile Personen, Einwanderer aus Lateinamerika und Menschen aus Ländern des Nahen Ostens und Nordafrikas zu Hause eher die Sprache ihres Aufnahmelandes sprechen. Aber dies ist weniger ein Zeichen von Akkulturation als die Tatsache, dass sich ihre Muttersprache und die Sprache des Aufnahmelandes vermutlich mehr überschneiden(Spanisch, Französisch, Portugiesisch). Wir erkennen, dass es am wenigsten wahrscheinlich ist, dass Einwanderer aus Drittstaaten(DSA) in Österreich, der Schweiz und in Schweden die Sprache des Aufnahmelandes in ihr Privatleben übernehmen und dass in Belgien, Deutschland und Norwegen annähernd die Hälfte der Migranten aus Drittstaaten (DSA) die Sprache des Aufnahmelandes spricht. Es ist interessant, dass in Großbritannien und Irland ein Drittel der Migranten aus Drittstaaten(DSA) zu Hause nicht Englisch spricht; während die Niederlande, als ein Land mit einer nicht-globalen Sprache, am erfolgreichsten bei der sprachlichen Integration von Einwanderern zu sein scheinen. In Frankreich, Portugal und Spanien ist die Integrationssprache von Einwanderern ein geringeres Problem, da die meisten von ihnen aus ehemaligen kolonialen Gebieten kommen, wo die Sprache des Aufnahmelandes noch immer Amtssprache ist – oder zumindest Teil des Schullehrplans darstellt. Ein anderes Maß für den Akkulturationsprozess ist das Maß emotionaler Verbundenheit mit dem Aufnahmeland: Dies ist ein Zeichen, dass die einheimische kulturelle und soziale Umgebung zum Teil der Identität der einzelnen Person wird. Die folgende Tabelle zeigt für Einheimische, EU-/EWR-mobile und DAS-Einwanderer den Anteil derer, die eine starke Verbundenheit mit dem Land, in dem sie leben, empfinden(und 9 oder 10 auf einer Skala von 0 – 10 angegeben haben). 20 Messing-Ságvári: Von der Landung bis zur Ankunft. Die subtile Integration der Einwanderer innerhalb Westeuropas ABBILDUNG 8. EMOTIONALE VERBUNDENHEIT MIT DEM AUFNAHMELAND (ANTEIL DERER MIT NEUTRALER ODER POSITIVER VERBUNDENHEIT, ≥ 5 AUF EINER SKALA VON 0 – 10) Nicht-Einwanderer EU-/EWR-Herkunft DSA 44 27 20 181716 46 34 24 39 35 33 48 45 36 59 39 26 59 44 37 31 23 11 41 2122 30 24 19 55 34 24 60 61 54 46 34 27 Starke positive Verbundenheit mit Aufnahmeland Starke positive Verbundenheit mit Aufnahmeland 37 38 38 28 27 26 Alte EU- Postkommunistisch Mitgliedstaaten& ehemalig UdSSR Nahost& Nordafrika Süd-& Ostasien Subsahara-Afrika Lateinamerika Wir bemerken, dass die Aufnahmeumgebung in dieser Hinsicht mehr von Bedeutung ist als die Herkunftsregion: In manchen Ländern ist die emotionale Verbundenheit an das Land weniger deutlich, wohingegen sie in anderen sehr stark ausgeprägt ist. Und dieses Muster kann auf alle Gruppen übertragen werden, einschließlich Einheimische und Einwanderer. Im Allgemeinen drücken Menschen, die in Frankreich, Portugal und Spanien leben, ihre emotionale Verbundenheit mit dem Land aus, wohingegen in anderen, wie Belgien, den Niederlanden und Großbritannien, Menschen – sowohl Einheimische als auch Einwanderer – weniger häufig ihre positiven Gefühle gegenüber dem jeweiligen Land ausdrücken. Wir unterteilten die europäischen Länder auf Grundlage der Unterschiede zwischen Einwanderern und Einheimischen in der emotionalen Verbundenheit mit dem Land in drei Kategorien: In der ersten Ländergruppe ist die emotionale Verbundenheit unter Einwanderern wesentlich schwächer ausgeprägt als unter Einheimischen(Österreich, Schweiz, Finnland, Irland, Großbritannien und Norwegen); in der zweiten Gruppe macht der Migrationshintergrund keinen bedeutenden Unterschied hinsichtlich der emotionalen Verbundenheit mit dem Land(Belgien, Deutschland, Portugal und sogar Spanien). Die dritte ‚Gruppe‘ besteht aus Frankreich und den Niederlanden, wo sich Einwanderer sogar mehr mit dem Aufnahmeland identifizieren als die Einheimischen. Schließlich untersuchen wir kurz, wie sich Einwanderer und Einheimische in ihren grundlegenden menschlichen Werten unterscheiden; dies ist der Kerngedanke der Akkulturation. Der ESS fragt nach der persönlichen Bedeutung der 10 grundlegenden menschlichen Werte(siehe untenstehende Box). Abbildung 9 zeigt die in einer Matrix angeordneten Ergebnisse. Sie fasst die Unterschiede der grundlegenden menschlichen Werte zwischen der einheimischen Bevölkerung und Einwanderern, ihrer Messing-Ságvári: Von der Landung bis zur Ankunft. Die subtile Integration der Einwanderer innerhalb Westeuropas 21 Herkunftsregion entsprechend, zusammen. Die Zahlen stellen den Anteil derjenigen, die aussagen, dass ihnen der angegebene Wert sehr wichtig ist, dar. ABBILDUNG 9. VORHERRSCHENDE WERTE VON NICHT-EINWANDERERN UND EINWANDERERN, NACH HERKUNFTSREGION Grundlegender menschlicher Wert Herkunftsregion Sicherheit Übereinstimmung Tradition Wohlwollen Universalismus Selbstbestimmung Stimulus Hedonismus Leistung Macht Alter Mitgliedstaat 25% 11% 14% 40% 41% 33% 9% Postkommunistisch& ehemalig 32% 13% 16% 40% 37% 29% 9% UdSSR Nahost& Nordafrika 37% 20% 25% 44% 42% 26% 9% 15% 11% 3% 14% 12% 5% 16% 14% 6% Subsahara-Afrika 33% 17% 24% 41% 40% 29% 11% 17% 16% 6% Süd-& Ostasien 30% 17% 25% 36% 36% 25% 11% 14% 14% 6% Lateinamerika 35% 15% 21% 43% 46% 33% 12% 19% 14% 4% Einheimische Bevölkerung 24% 11% 14% 36% 33% 26% 8% 14% 8% 2% Anmerkung zum Konzept von menschlichen Werten und Methodik Werte sind Überzeugungen, die sich auf die erwünschten Ziele der Menschen beziehen. Sie können die Auswahl oder Bewertung von Handlungen, Grundsätzen, Menschen und Ereignissen leiten. Der ESS beinhaltet Items, die eine Reihe von grundlegenden Wertorientierungen, die in Kulturen auf der ganzen Welt anerkannt sind, abdecken. MACHT: Sozialer Status und Prestige, Kontrolle oder Dominanz über Menschen und Ressourcen(soziale Macht, Autorität, Wohlstand, mein öffentliches Bild bewahren); LEISTUNG: Persönlicher Erfolg durch den Nachweis von Kompetenz gemäß der sozialen Standards(erfolgreich, fähig, ehrgeizig, einflussreich); HEDONISMUS: Genuss und sinnliche Befriedigung für sich selbst(Vergnügen, das Leben genießen, Sich-gehen-lassen); STIMULATION: Begeisterung, Neuartigkeit und Herausforderung im Leben(gewagt, ein vielseitiges Leben, ein aufregendes Leben); SELBSTBESTIMMUNG: Unabhängiges Denken und Auswahl der Handlungen, Erschaffen, Entdecken(Kreativität, Freiheit, unabhängig, neugierig, die eigenen Ziele wählen); UNIVERSALISMUS: Verständnis, Wertschätzung, Toleranz und Schutz zum Wohlergehen der Menschen und der Natur(großzügig, Weisheit, soziale Gerechtigkeit, Gleichheit, eine Welt voller Frieden, eine Welt voller Schönheit, Einheit mit der Natur, die Umwelt schützen); WOHLWOLLEN: Erhaltung und Förderung des Wohlergehens der Menschen, mit denen man in häufigem persönlichem Kontakt steht (hilfsbereit, ehrlich, verzeihend, loyal, verantwortungsbewusst); TRADITION: Respekt, Engagement und Akzeptanz der Bräuche und Vorstellungen, die die traditionelle Kultur oder Religion dem Selbst anbieten(bescheiden, meinen Lebensweg akzeptieren, religiös, Respekt für Tradition, gemäßigt); ÜBEREINSTIMMUNG: Zurückhaltung von Handlungen, Neigungen und Impulsen, die andere verärgern oder ihnen schaden könnten und gesellschaftliche Erwartungen oder Normen verletzen könnten(Höflichkeit, gehorsam, Selbstdisziplin, Eltern und ältere Menschen ehren); SICHERHEIT: Schutz, Harmonie und Stabilität der Gesellschaft, von Beziehungen und von einem selbst(familiäre Sicherheit, nationale Sicherheit, gesellschaftliche Ordnung, Erwiderung von Gefallen). Formal beziehen sich die Zahlen in den Zellen auf jene, die einen Mittelwert von mindestens 5,5 auf einer Skala von 1 bis 6 erreichten(wo 1 = überhaupt nicht wie ich und 6= zu einem hohen Maß wie ich). Die grundlegenden Wertergebnisse wurden aus multiplen(2-3) Fragebogen-Items berechnet. Die Hauptergebnisse sind wie folgt: 22 Messing-Ságvári: Von der Landung bis zur Ankunft. Die subtile Integration der Einwanderer innerhalb Westeuropas - Im Allgemeinen ist Sicherheit als Wert für annähernd ein Viertel der einheimischen Bevölkerung aus 13 westeuropäischen Ländern von großer Bedeutung. Einwanderer der alten EU-/EWRMitgliedstaaten tendieren dazu, dasselbe Muster aufzuweisen; jedoch scheint Sicherheit für alle Einwanderergruppen aus anderen Regionen wichtiger zu sein: Etwa ein Drittel von ihnen scheint diese als sehr wichtig zu erachten. - Dasselbe gilt für den Wert Übereinstimmung , obgleich mit etwas kleineren Unterschieden. Etwa doppelt so viele Einwanderer aus dem Nahen Osten und Nordafrika als Mitglieder der einheimischen Bevölkerung halten Übereinstimmung für wichtig. Tradition tendiert dazu, für Einwanderer mit nicht-europäischer Herkunft wichtiger zu sein. Wohlwollen und Universalismus sind zwei Werte, die weitgehend von Mitgliedern der einheimischen Bevölkerung geteilt werden; aber die Zahlen sind noch höher bei allen Einwohnergruppen, außer bei Einwanderern aus Süd- und Ostasien. - Bezüglich Selbstbestimmung, Stimulus und Hedonismus sind die Unterschiede nicht wesentlich, was impliziert, dass die Unterschiede zwischen Einwanderern und Nicht-Einwanderern weniger bedeutsam sind. Leistung und Macht sind die letzten zwei Werte: Sie sind(nach Selbsterklärung) bloß für einen Bruchteil von Menschen wichtig, doch ihre Anteile sind in allen Einwanderergruppen höher. Als Wiederholung; In diesem Abschnitt haben wir herausgestellt, dass sich Einwanderer hinsichtlich ihrer Einstellungen und Wertevorstellungen von der einheimischen Bevölkerung der Aufnahmegesellschaft unterscheiden. Im Allgemeinen haben sie eine positivere Einstellung gegenüber und ein größeres Vertrauen in die wichtigen gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Institutionen des Landes, aber sie fühlen sich von der Gesellschaft ausgegrenzter als dies Einheimische tun. Im Allgemeinen schätzen sie Tradition und Sicherheit, aber auch persönliche Leistung mehr als dies Einheimische tun. Die emotionale Verbundenheit von Einwanderern mit dem Aufnahmeland hängt zum Großteil davon ab, wie die Einheimischen gegenüber ihrem eigenen Land empfinden. Es sind erhebliche Unterschiede in den subjektiven Merkmalen hinsichtlich Empfängerland und Herkunftsland vorhanden. Institutionelle Einstellungen scheinen stärker davon abhängig zu sein, wo sich die Einwanderer niedergelassen haben, wobei die Wahrnehmung der Eingliederung in die neue Umgebung abhängiger von ihrer Herkunftsregion (oder Sichtbarkeit des Migrationshintergrunds) zu sein scheint. 3.2 Passen sich Einwanderer im Laufe der Zeit an die Normen der Aufnahmegesellschaft an? Der anfängliche Schwerpunkt der Studie ist die gesellschaftliche Integration der Einwanderer durch ihre Anpassung an die von der Aufnahmegesellschaft geteilten Einstellungen und Werte. Offensichtlich vollzieht Messing-Ságvári: Von der Landung bis zur Ankunft. Die subtile Integration der Einwanderer innerhalb Westeuropas 23 sich Einwanderung nicht direkt sobald Einwanderer ankommen. In diesem Abschnitt bieten wir eine Analyse, die ein dynamischeres Bild des langwierigen Prozesses subtiler Integration zeichnet und wir untersuchen, wie die im Aufnahmeland verbrachte Zeit den Anpassungs- und Akkulturationsprozess in verschiedenen Ländern und für unterschiedliche Untergruppen von Einwanderern beeinflusst. Die akademische Literatur weist darauf hin, dass Integration in verschiedenen Sphären des Lebens (wirtschaftlich, psychologisch, gesellschaftlich) einen unterschiedlich langen Zeitraum erfordert(JasinskajaLahti et al., 2011; Berry, 1997; Jasinskaja-Lahti, 2008; Masgoret und Ward, 2006; Borjas, 1985). Auf der Grundlage dieser Literatur haben wir vier Einwanderergruppen gemäß der verstrichenen Zeit, seitdem sie in ihrem Empfängerland angekommen sind, erstellt: die, die weniger als fünf Jahre in dem Land gelebt haben; die, die seit 6-10 Jahren dort gelebt haben; die, die 10-20 Jahre dort gelebt haben; und Langzeiteinwanderer, die dort für mehr als 20 Jahre gelebt haben. Bei der Analyse derselben Indikatoren als der im vorangegangenen Abschnitt, fanden wir heraus, dass die im Einwanderungsland verbrachte Zeit sowohl dafür von großer Bedeutung ist, wie sich die Einstellungen der Menschen gegenüber Institutionen verändern als auch für ihre Eingliederungswahrnehmung. Die folgende Tabelle bildet den Institutionellen Einstellungs-Index nach der im jeweiligen Land verbrachten Zeit ab. ABBILDUNG 10. INSTITUTIONELLER EINSTELLUNGS-INDEX(IEI) NACH DER IM EMPFÄNGERLAND VEBRACHTEN ZEIT GRUNDLAGE: ALLE EINWANDERER, DIE AUS NICHT-EHEMALIGEN EU-MITGLIEDSTAATEN KOMMEN Weniger als 5 Jahre 6-10 Jahre 11-20 Jahre Mehr als 20 Jahre Nicht-Einwanderer 61 56 57 56 52 64 64 59 56 53 68 70 67 67 61 63 57 55 53 49 57 53 50 45 43 71 67 63 64 63 56 53 55 48 44 Österreich Belgien Schweiz Deutschland Spanien Finnland Frankreich 63 59 55 51 48 45 56 55 54 47 61 61 60 54 56 68 65 61 63 61 46 43 42 37 35 67 66 59 56 57 Großbritannien Irland Niederlande Norwegen Portugal Schweden Die Abbildung ist eindeutig was den allgemeinen Trend der Anpassung an die Einstellungen einer Aufnahmegesellschaft und Bewertung der wichtigen gesellschaftlichen Institutionen anbelangt. Es lässt sich herausfinden, dass Einwanderer im Allgemeinen eine positivere Einstellung haben als Einheimische. Allerdings ändert sich dies mit der im jeweiligen Land verbrachten Zeitdauer: Während der IEI neuester Einwanderer im Durchschnitt 58 beträgt, ist dieser um 5% niedriger für Langzeiteinwanderer(und der Trend ist gleichbleibend), was sehr nah am IEI der Einheimischen liegt. Sollten wir diesen Trend als eine Ernüchterung oder einen Verlust des anfänglichen Enthusiasmus interpretieren? Oder sollten wir ihn eher 24 Messing-Ságvári: Von der Landung bis zur Ankunft. Die subtile Integration der Einwanderer innerhalb Westeuropas als eine Anpassung an die Einstellungen der einheimischen Bevölkerung ansehen? Während der Trend in allen Ländern ähnlich ist, ist seine Intensität durchaus unterschiedlich: Dieser Anpassungsprozess – d.h. Verlust von Vertrauen und Zufriedenheit hinsichtlich der Institutionen – ist sehr deutlich und stark in Finnland, Schweden, Großbritannien, Portugal, Irland und Frankreich. Interessanterweise liegt der IEI neuer Einwanderer in deutschsprachigen Ländern(Deutschland, Österreich und Schweiz) sehr nah an dem der Einheimischen(innerhalb von 5 Punkten); Daher sind die Veränderungen in diesen Ländern nicht so erheblich wie anderswo. Mit der Ausnahme von Finnland und Norwegen, wo der Prozess innerhalb von 10 Jahren stattfindet, dauert es für gewöhnlich mehr als ein Jahrzehnt, um sich dem Niveau der Merkmale des IEI der Aufnahmegesellschaften anzunähern. Da wir untersuchen, ob es die Aufnahmegesellschaft oder die Herkunftsregion ist, die ausschlaggebender in Bezug auf Anpassungsniveau und-geschwindigkeit ist, bietet die folgende Tabelle(Abbildung 11) Aufschluss. ABBILDUNG 11. INSTITUTIONELLER EINSTELLUNGS-INDEX(IEI) NACH DER IM AUFNAHMELAND VERBRACHTEN ZEIT UND NACH HERKUNFTSREGION (GRUNDLAGE: ALLE EINWANDERER) Weniger als 5 Jahre 6-10 Jahre 11-20 Jahre Mehr als 20 Jahre 59 56 54 53 61 58 58 56 64 61 59 54 63 62 59 55 59 56 54 47 56 53 53 53 Alte EUMitgliedstaaten Postkommunistisch Nahost& Nordafrika Süd-& Ostasien & ehemalig UdSSR Subsahara-Afrika Lateinamerika Wenn es um die Geschwindigkeit und Tiefe der Anpassung an den IEI einer Aufnahmegesellschaft geht, spielt die Herkunftsregion eine viel kleinere Rolle als das Empfängerland. Mit Ausnahme von Einwanderern aus Lateinamerika(deren IEI sich nicht entsprechend der im Aufnahmeland verbrachten Zeit verändert), gibt es einen gleichbleibenden Trend der Anpassung für alle Einwanderergruppen. Die größte Veränderung wird bei Einwanderern aus Subsahara-Afrika, dem Nahen Osten und aus Nordafrika beobachtet. Wenn wir den Index, der die subjektive Wahrnehmung gesellschaftlicher Ausgrenzung darstellt, betrachten – der Wahrgenommene Ausgrenzungs-Index – sehen wir einen ähnlichen Trend. Im Allgemeinen lässt sich aussagen, dass je mehr Zeit Einwanderer im Aufnahmeland verbringen, desto integrierter fühlen sie sich auf einem persönlichen Niveau und desto weniger Diskriminierung aufgrund ihrer Herkunft nehmen sie wahr. Der Trend in den einzelnen Ländern ist allerdings vielseitiger. Messing-Ságvári: Von der Landung bis zur Ankunft. Die subtile Integration der Einwanderer innerhalb Westeuropas ABBILDUNG 12. WAHRGENOMMENER AUSGRENZUNGS-INDEX(WAI) NACH DER IM EMPFÄNGERLAND VEBRACHTEN ZEIT(GRUNDLAGE: ALLE EINWANDERER) Weniger als 5 Jahre 6-10 Jahre 11-20 Jahre Mehr als 20 Jahre 42 38 27 20 24 28 24 24 20 19 14 8 19 21 13 11 25 20 13 11 18 18 13 16 30 29 21 18 Österreich Belgien Schweiz Deutschland Spanien Finnland Frankreich 25 21 20 20 16 Großbritannien 18 16 9 2 Irland 33 29 24 21 Niederlande 19 15 10 6 Norwegen 32 25 21 8 Portugal 21 21 15 16 Schweden Es gibt einige Länder, bei denen der Trend wahrgenommener Ausgrenzung ausdrücklich und geradlinig verläuft: Österreich, Spanien und Portugal. In mehreren Ländern nehmen Einwanderer, die länger als 5 Jahre, aber weniger als 10 Jahre in dem Land geblieben sind, eine größere Ausgrenzung als Neuankömmlinge oder als diejenigen, die seit mehr als 10 Jahren im Aufnahmeland gelebt haben, wahr. Daraus lässt sich schließen, dass diese Art der Integration erst nach ungefähr 10 Jahren des Aufenthalts stattfindet(Belgien, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, die Niederlande, Schweden). Daher dauert es in den meisten Ländern relativ lange, sich integriert zu fühlen und nicht von der mehrheitlichen Gesellschaft als eine ‚andere‘ Minderheit angesehen zu werden. Betrachtet man den Index von der Perspektive des Herkunftslandes aus, wird ziemlich offensichtlich, dass Einwanderer, die sichtbar anders als die Bevölkerung der Aufnahmegesellschaft sind(eine dunklere Hautfarbe aufweisen) und/oder, die aus einer ärmeren Region kommen, nicht nur wahrscheinlicher davon betroffen sind, größere Diskriminierung zu erfahren, sondern wahrscheinlich auch mehr Zeit dazu benötigen, um sich akzeptiert zu fühlen, als diejenigen Einwanderer, die einen ähnlichen kulturellen und ethnischen Hintergrund wie die Mehrheit der Aufnahmegesellschaft aufweisen: Einwanderer aus Subsahara-Afrika, dem Nahen Osten und Nordafrika empfinden höhere Diskriminierung und Ablehnung von der Aufnahmegesellschaft nach 5(oder erst 10) Jahren; nur die, die länger als 20 Jahre im Land gelebt haben, berichten von einem höheren Akzeptanzniveau vonseiten der Mainstream-Gesellschaft. Während Einwanderer der postkommunistischen Region, Süd- und Ostasiens und Lateinamerikas sich in den ersten Jahren nach ihrer Ankunft von der Mainstream-Gesellschaft entfremdet fühlen, geht ihr WAI im Laufe der Zeit zurück. 26 Messing-Ságvári: Von der Landung bis zur Ankunft. Die subtile Integration der Einwanderer innerhalb Westeuropas ABBILDUNG 13. WAHRGENOMMENER AUSGRENZUNGS-INDEX(WAI) NACH DER IM AUFNAHMELAND VERBRACHTEN ZEIT UND NACH HERKUNFTSLAND(GRUNDLAGE: ALLE EINWANDERER) Weniger als 5 Jahre 6-10 Jahre 11-20 Jahre Mehr als 20 Jahre 6853 17 15 15 8 34 26 25 25 16 17 19 15 Alte EUMitgliedstaaten Postkommunistisch Nahost& Nordafrika Süd-& Ostasien & ehemalig UdSSR 31 29 27 15 Subsahara-Afrika 25 20 13 14 Lateinamerika Der Akkulturationsprozess zeigt ähnliche Trends. Abbildung 14 auf der nächsten Seite zeigt den Anteil derer, die die Sprache des Aufnahmelandes zu Hause in ihrem Privatland verwenden. In einer Vielzahl von Ländern spricht eine Mehrheit von Einwanderern dieselbe Sprache wie das Aufnahmeland(oder einen Dialekt davon). Diese schließen vor allem postkoloniale Länder wie Spanien, Portugal und Frankreich ein. In den nordischen Ländern(Finnland, Norwegen, Schweden) und in Deutschland spricht allerdings nur ein kleiner Anteil von neu angekommenen Einwanderern die Sprache des Aufnahmelandes zu Hause. Diese letztgenannte Ländergruppe zeigt, wie die Dauer der Zeit, die in einem Land verbracht wird, den Sprachgebrauch verändert: Das Tempo der sprachlichen Akkulturation ist in diesen Ländern sehr klar. ABBILDUNG14. GEBRAUCH DER SPRACHE DES AUFNAHMELANDES NACH IM LAND VERBRACHTER ZEIT (A NTEIL DERER , DIE DIE S PRACHE DES A UFNAHMELANDES ALS IM H AUSHALT VERWENDETE E RSTSPRACHE ANGEGEBEN HABEN ) Nach Aufnahmeland Weniger als 5 Jahre 6-10 Jahre 11-20 Jahre Mehr als 20 Jahre 67 50 51 47 78 59 5152 74 61 54 50 75 57 44 33 91 697173 89 48 32 20 84 68 6061 76 59 4649 97 77 47 41 83 62 50 46 76 44 33 21 96 85 7879 76 41 31 23 Nach Herkunftsregion 90 74 79 64 71 47 27 32 60 33 30 33 65 44 44 34 90 71 60 64 76 78 74 75 Alte EU- Postkommunistisch& Nahost& Nordafrika Süd-& Ostasien Mitgliedstaaten ehemalig UdSSR Subsahara-Afrika Lateinamerika Messing-Ságvári: Von der Landung bis zur Ankunft. Die subtile Integration der Einwanderer innerhalb Westeuropas 27 Ein anderes potenzielles Maß der Anpassung an Mainstream-Einstellungen ist, wie Menschen Zukunftsperspektiven von anderen Einwanderern, die kommen und sich im Land niederlassen, betrachten. Abbildung 15 zeigt den Anteil derer, die gegen Einwanderer von ärmeren, nicht-europäischen Ländern sind, die kommen und sich im Land niederlassen. Wenn wir beobachten, wie sich die Einstellungen gegenüber(anderen) Einwanderern im Laufe der Zeit verändern, stellen wir interessanterweise fest, dass Einwanderer, nachdem sie eine Weile in einem Land gelebt haben, feindlicher gegenüber der Idee anderer Einwanderer werden – obwohl dies ein endogenes Item ist(d.h. sie sollen eine Meinung bezüglich eines Themas formulieren, das direkt ihre eigene Gruppe betrifft). Im Allgemeinen lässt sich aussagen, dass, je länger Einwanderer in einem europäischen Land gelebt haben, desto negativer werden sie gegenüber neuankommenden Einwanderern und desto näher rücken ihre Einstellungen an die der einheimischen Bevölkerung heran(obwohl sie noch immer positiver bleiben). Abbildung 15 zeigt deutlich einen Prozess der Anpassung an Mainstream-Einstellungen. In allen Ländern sind neue Einwanderer toleranter als andere Einwanderer und nur ein geringer Anteil von ihnen sagt aus, es anderen Einwanderern nicht zugestehen zu wollen, sich niederzulassen. Obwohl es zutrifft, dass in allen Aufnahmeländern Einwanderer gegenüber neuen Einwanderern mit der dort verbrachten Zeitdauer weniger tolerant werden, unterscheidet sich das Ausmaß der Veränderung in den 13 Ländern dennoch erheblich. Die Veränderung ist geringfügig in den Ländern, in denen die Mainstream-Bevölkerung gegenüber Einwanderern relativ offen ist(verglichen mit anderen europäischen Ländern), wie die Schweiz oder die nordischen Länder; während sich die Einstellungen von Einwanderern gegenüber Neuankömmlingen in den Ländern, die weniger offen sind(Österreich, Portugal, Großbritannien und Frankreich), erheblich verändern, da sie sich an das höhere Niveau von einwandererfeindlichen Einstellungen anpassen. ABBILDUNG15. EINSTELLUNGEN GEGENÜBER EINWANDERERN NACH DER IM AUFNAHMELAND VERBRACHTEN ZEIT (A NTEIL DERER , DIE DIE I DEE , DASS E INWANDERER IN DAS L AND KOMMEN UND SICH DORT NIEDERLASSEN , VOLLSTÄNDIG ABLEHNEN ) Weniger als 5 Jahre 6-10 Jahre 11-20 Jahre Mehr als 20 Jahre Nicht-Einwanderer 13 15 77 3 Österreich 14 15 767 Belgien 7 7 344 Schweiz 9 10 8 10 6 Deutschland 13 3656 11 13 10 12 12 Spanien Finnland 15 12 8 44 Frankreich 19 12 45 3 Großbritannien 14 10 67 8 Irland 11 12 877 Niederlande 45 55 2 Norwegen 27 12 9 5 3 Portugal 1 3 242 Schweden In diesem Abschnitt, in dem es darum geht, wie die im Empfängerland verbrachte Zeit Einstellungen verändert, haben wir einige sehr eindeutige Trends herausgestellt: In allen Aspekten subjektiver Integration 28 Messing-Ságvári: Von der Landung bis zur Ankunft. Die subtile Integration der Einwanderer innerhalb Westeuropas ist die Dauer der im Empfängerland verbrachten Zeit in Bezug darauf, inwiefern sich Einwanderer subjektiv an die Mainstream-Gesellschaft anpassen, von großer Bedeutung. In einigen Aspekten – wie etwa bei dem Gefühl, integriert zu sein – dauert die Veränderung möglicherweise länger und sie kann je nach Herkunftsland sowie Empfängerland unterschiedlich ausfallen; doch der Trend ist in allen Kontexten und bei allen Indizes eindeutig. Was die Wahrnehmung akzeptiert zu werden(nicht ausgegrenzt zu werden) anbelangt, beobachten wir, dass sich diese Wahrnehmung in den meisten Empfängerländern im ersten Jahrzehnt verschlechtert, bevor sich das Gefühl, eingegliedert zu sein, allmählich verbessert. In dieser Hinsicht spielt die Herkunftsregion(und ob der Einwanderer einer sichtbaren Minderheit angehört oder nicht) eine Rolle. Welches Maß auch immer wir nutzen, Akkulturation vollzieht sich mit der Zeit: Nach einer Weile verwenden die meisten Einwanderer die Sprache ihres Aufnahmelandes sogar in ihrem Privatleben und übernehmen die Einstellungen der Mainstream-Gesellschaft gegenüber Einwanderern. 3.3 Wie passen sich Einwanderer an das Aufnahmeland an? Eine vergleichende Fallstudie von Türken, Polen und Russen als Einwanderer und als Gebliebene Dieser Abschnitt bietet noch einen weiteren Blickwinkel, von dem aus man den Prozess subtiler Integration untersuchen kann. Vorausgegangene Abschnitte haben ein umfassendes Bild entworfen, in welchem alle Einwanderer mit Einheimischen verglichen wurden. Allerdings sind Einwanderer, wie wir obenstehend erwähnten, eine äußerst vielschichtige Bevölkerung hinsichtlich ihrer jeweiligen Herkunft, ihrer wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Stellungen, ihrer erweiterten Wertvorstellungen und ihrer Religion. Um ein konkreteres Bild zu zeichnen, richten wir unser Augenmerk auf drei Einwanderergruppen und vergleichen ihre Einstellungen und Werte mit denen ihrer Landsleute, die nicht migriert sind. Der Einfachheit halber beziehen wir uns auf diese letztgenannt e Gruppe als ‚Gebliebene‘. Wir können keinen Kausalzusammenhang zwischen Einstellungen und der Rolle der Migration herstellen, da wir den Effekt der anfänglichen Einstellungen einer Person auf seine oder ihre Entscheidung, zu migrieren, nicht berücksichtigen können: Können die Unterschiede zwischen den Einstellungen der Gebliebenen und der Migranten auf die Anpassung der letztgenannten Gruppe an die neue gesellschaftliche und kulturelle Umgebung zurückgeführt werden oder sind diese Unterschiede durch anfänglich bereits existierende Unterschiede zwischen beider Gruppen bedingt? Schließlich ist anzunehmen, dass diejenigen, die beschließen, ihr Heimatland zu verlassen, ehrgeiziger, innovativer und aufgeschlossener oder verzweifelter sind als diejenigen, die keine solche Entscheidung treffen. Am wahrscheinlichsten handelt es sich um eine Kombination beider Elemente. Abbildung 16 zeigt den Institutionellen Einstellungs-Index für drei Gruppen von Gebliebenen und Migranten. Messing-Ságvári: Von der Landung bis zur Ankunft. Die subtile Integration der Einwanderer innerhalb Westeuropas ABBILDUNG 16. INSTITUTIONELLER EINSTELLUNGS-INDEX(IEI) FÜR RUSSISCHE, POLNISCHE UND TÜRKISCHE GEBLIEBENE UND EMIGRANTEN 54 55 51 48 41 38 38 29 Russisch Einheimisch Russisch Einwanderer Polnisch Einheimisch Polnisch Einwanderer Türkisch Einheimisch Türkisch Einwanderer EUEinheimische Durchschnitt Die Botschaft hier ist ziemlich eindeutig: Die institutionellen Einstellungen von Einwanderern liegen näher am europäischen Durchschnitt 4 als die von Gebliebenen, aber der Unterschied hängt zu einem Großteil vom Herkunftsland ab. Von den drei in Betracht gezogenen Ländern haben Türken – sowohl Gebliebene als auch Migranten – die positivste Einstellung gegenüber Institutionen. Russen haben den geringsten Glauben in Institutionen, ob in Russland oder in Europa. Allerdings sind es die Polen, die den größten Unterschied aufweisen: Sie sind in Polen institutionskritisch, doch als Einwanderer haben sie eine positivere Einstellung als Europäer insgesamt. Bei der Betrachtung der Unterschiede in der Akkulturation, liefert die Einstellung gegenüber schwulen und lesbischen Menschen ein gutes Beispiel(siehe auch Fitzgerald et al., 2014). In allen drei kulturellen Umfeldern wird Homosexualität nicht von der vorherrschenden Religion akzeptiert: Die intolerantesten Umfelder befinden sich in der Türkei und in Russland; aber auch in Polen, einem überwiegend katholischen Land, wird Homosexualität noch immer in einem schlechten Licht wahrgenommen. Abbildung 17 stellt den Anteil derer dar, die schwule und lesbische Menschen akzeptieren(die, die der Aussage zustimmen oder ihr stark zustimmen, dass schwule Männer und Lesben ihr Leben frei leben sollten wie sie dies möchten). ABBILDUNG 17. TOLERANZ GEGENÜBER SCHWULEN UND LESBEN BEI RUSSISCHEN, POLNISCHEN UND TÜRKISCHEN GEBLIEBENEN UND EMIGRANTEN (A NTEIL DER M ENSCHEN , DIE TOLERANT GEGENÜBER H OMOSEXUALITÄT SIND ) 4 Insbesondere, the averages of the 13 European states in the focus of this paper. 30 Messing-Ságvári: Von der Landung bis zur Ankunft. Die subtile Integration der Einwanderer innerhalb Westeuropas 73 59 50 82 51 25 28 Russisch Einheimisch Russisch Einwanderer Polnisch Einheimisch Polnisch Einwanderer Türkisch Einheimisch Türkisch Einwanderer EU Einheimische Durchschnitt Gemäß der Daten würde mehr als die Hälfte der Russen in Russland sowie Türken in der Türkei Homosexuelle überhaupt nicht tolerieren. Allerdings akzeptiert die Mehrheit der Einwanderer mit einem russischen(76%) oder einem türkischen Hintergrund(69%) schwule und lesbische Menschen, was bedeutet, dass Toleranz für die, die sich in einer neuen und toleranteren sozialen Umgebung niedergelassen haben, die Norm geworden ist(wo 92% der Personen tolerant gegenüber sexuellen Minderheiten sind). Diese Daten zeigen klar und eindeutig eine Anpassung an Mainstream-Werte. Die Akzeptanz gegenüber Schwulen und Lesben vonseiten der Einwanderer mit russischem, türkischem oder polnischem Hintergrund nähert sich dem Niveau innerhalb der Mainstream-Bevölkerung(92%) an, aber erreicht es nicht. Polen werden am tolerantesten; allerdings stimmen 31% der Einwanderer mit einem türkischen Hintergrund(von denen die Mehrheit muslimisch ist) und 24% der Russen(mit einem überwiegend östlich-orthodoxen Hintergrund) noch immer nicht zu, dass Schwulen und Lesben akzeptiert werden sollten und man sie ihr Leben leben lassen sollte, wie sie es für richtig erachten. Die nachfolgende(recht komplexe) Tabelle stellt die Unterschiede in den grundlegenden menschlichen Werten zwischen Einwanderern und Gebliebenen dar. ABBILDUNG 18. GRUNDLEGENDE MENSCHLICHE WERTE VON POLNISCHEN, TÜRKISCHEN UND RUSSISCHEN EINWANDERERN UND GEBLIEBENEN Polnisch Einheimisch Polnisch Einwanderer Macht Leistung Sicherheit Übereinstimmung Tradition Hedonismus Wohlwollen Stimulation Selbstbestimmung Universalismus Türkisch Einheimisch Türkisch Einwanderer Macht Leistung Sicherheit Übereinstimmung Tradition Russisch Einheimisch Russisch Einwanderer Macht Sicherheit Übereinstimmung Leistung Tradition Hedonismus Wohlwollen Stimulation Selbstbestimmung Universalismus Hedonismus Wohlwollen Stimulation Selbstbestimmung Universalismus Die Tabelle deckt einige beachtenswerte Unterschiede auf: Die Wertvorstellungen von polnischen Einwanderern unterscheidet sich von denen der polnischen Gebliebenen in dem vergleichsweise niedrigen Messing-Ságvári: Von der Landung bis zur Ankunft. Die subtile Integration der Einwanderer innerhalb Westeuropas 31 Wert, dass Einwanderer Hedonismus eine große Bedeutung beimessen und es vorziehen, das Leben zu genießen. Dieser Wertetyp könnte dem langfristigen Planen und dem Verzicht auf gegenwärtiges Vergnügen zugunsten der Zukunft im Weg stehen. Türkische Einwanderer schätzen Macht, persönliche Leistung und Stimulation mehr als türkische Gebliebene. Diese Werte sind alle instrumental hinsichtlich der erfolgreichen Integration: diejenigen, denen diese Werte am Herzen liegen, erachten es für wichtig, Verantwortung für ihr Leben zu übernehmen, gut in ihrem Beruf zu sein, ihre Leistungen zur Schau zu stellen und erfolgreich zu sein. Sie schreiben zudem Innovation und der Tatsache, etwas Neues auszuprobieren eine größere Bedeutung zu. Russische Einwanderer schätzen Macht erheblich mehr als Gebliebene, was bedeutet, dass sie sich größeren Respekt wünschen und mehr verantwortlich für ihr Leben sein möchten. Im Großen und Ganzen zeigt diese Art der Analyse eine starke Tendenz bei Einwanderern, sich an die subjektiven Eigenschaften der Mainstream-Gesellschaft anzupassen. Allerdings ist es nicht möglich, Ursache und Wirkung zu entwirren: Wir wissen nicht, ob die, die migrieren, Wertvorstellungen und Normen besitzen, die bereits näher an denen der Mainstream-europäischen Gesellschaft liegen oder ob dieser Unterschied zwischen Gebliebenen und Einwanderern als Konsequenz von Migration und davon, sich in einem neuen sozialen Umfeld mit unterschiedlichen Normen, Einstellungen und Werten niederzulassen, verstanden werden kann. Am wahrscheinlichsten ist eine Kombination aus beidem. 3.4 Vergleichende Analyse der Integration von Einwanderern der ersten und zweiten Generation Eine Reihe von Studien und Veröffentlichungen diskutieren die Unterschiede zwischen verschiedenen Generationen von Einwanderern sowie ihre Anpassung und Akkulturation. Diese Studien behandeln hauptsächlich strukturelle Bestandteile von Integration(wie beispielsweise die Eingliederung in den Arbeitsmarkt, Unternehmertum, Bildung und Sprache) und mit persönlichen Integrationserfahrungen, unter Einbeziehung eines deutlichen Schwerpunkts auf Fragestellungen zu ethnischer Identität und Kultur. Diese Literatur ist angesichts jüngster Radikalisierung bei bestimmten Gruppen von Einwanderern der zweiten Generation noch wichtiger geworden. In dieser Studie ist unser Ziel, einen umfassenden Ländervergleich von Einwanderern aus Drittstaaten(DSA) der ersten und zweiten Generation(bezugnehmend auf die Unterschiede zwischen den Hauptindikatoren, die zuvor in der Studie verwendet wurden) anzubieten und zu zeigen, dass – obwohl in manchen Ländern und bei manchen Einwanderergruppen ein Rückmarsch der Integration verzeichnet werden kann – im Großen und Ganzen ein durchgängiger Prozess erkennbar ist, durch den die Werte und Einstellungen von Einwanderern der zweiten Generation(Personen, die im Aufenthaltsland geboren wurden, aber deren Eltern beide im Ausland geboren wurden) sich an jene der einheimischen Bevölkerung ohne Migrationshintergrund annähern. 32 Messing-Ságvári: Von der Landung bis zur Ankunft. Die subtile Integration der Einwanderer innerhalb Westeuropas Abbildung 19 zeigt die Unterschiede im Institutionellen Einstellungs-Index zwischen Einwanderern der ersten und zweiten Generation im Vergleich zu Einheimischen. Ein positiver Wert weist auf ein höheres Niveau des IEI(d.h. größere Zufriedenheit mit und mehr Vertrauen in Institutionen) bei Einwanderern als bei Einheimischen hin. ABBILDUNG 19. UNTERSCHIEDE IM INSTITUTIONELLEN EINSTELLUNGS-INDEX(IEI) ZWISCHEN (1) EINHEIMISCHEN UND EINWANDERERN DER ERSTEN GENERATION UND(2) EINHEIMISCHEN UND EINWANDERERN AUS DRITTSTAATEN(DSA) DER ZWEITEN GENERATION NACH LAND(%) 5.8 1.3 Unterschied zwischen Erste Generation gegenüber Nicht-Einwanderern Zweite Generation gegenüber Nicht-Einwanderern 9.3 7.2 7.2 7.6 8.1 9.3 8.9 8.1 5.3 4.3 3.1 5.1 2.7 6.8 4.7 3.9 1.1 0.7 1.1 1.0 0.7 1.1 1.2 -0.5 Aus den Daten wird ersichtlich, dass, in den meisten Ländern, der(in Abschnitt 3.2 gezeigte) Trend, dass sich Einwanderer mit länger im Aufnahmeland verbrachter Zeit immer mehr an die Einstellungen von Einheimischen anpassen, sich bei der zweiten Einwanderergeneration fortsetzt: Ihre Zufriedenheit mit, und Vertrauen in, Institutionen wird den Einstellungen der Nicht-Einwanderer ähnlich, was auch eine Ernüchterung und Veränderung der Erwartungen impliziert. Es gibt allerdings in dieser Hinsicht ebenso einige erhebliche Unterschiede zwischen den Ländern. In allen Ländern ist der Unterschied des IEI in der ersten Generation wesentlich größer als in der zweiten(Spanien könnte eine kleine Ausnahme bilden). Allerdings bleibt der Unterschied des IEI in Spanien, Irland und Deutschland in der zweiten Generation signifikant, was bedeutet, dass selbst diejenigen, die im Aufnahmeland geboren wurden und aufgewachsen sind, den Institutionen mehr vertrauen und zufriedener mit ihnen sind als einheimische Spanier, Iren oder Deutsche. Wenn wir den Wahrgenommenen Ausgrenzungs-Index betrachten und die Wahrnehmungen der Einwanderer der ersten und zweiten Generation mit denen der Einheimischen vergleichen, so ergibt sich ein ziemlich aufschlussreiches Bild. Messing-Ságvári: Von der Landung bis zur Ankunft. Die subtile Integration der Einwanderer innerhalb Westeuropas ABBILDUNG 20. UNTERSCHIEDE IM WAHRGENOMMENEN AUSGRENZUNGS-INDEX ZWISCHEN EINHEIMISCHEN UND EINWANDERERN DER ERSTEN UND ZWEITEN GENERATION AUS DRITTSTAATEN(DSA) NACH LAND(%) Unterschied zwischen Erste Generation gegenüber Nicht-Einwanderern 36 Zweite Generation gegenüber Nicht-Einwanderern 28 15 11 11 4 17 8 19 12 16 9 21 12 14 15 14 9 26 25 12 6 26 15 19 7 33 Wieder nimmt die erste Generation ein höheres Niveau an Ausgrenzung wahr; doch sogar die, die im jeweiligen Land geboren wurden und aufgewachsen sind, fühlen sich wesentlich mehr ausgegrenzt als Einheimische. In vielen Ländern bleibt der Unterschied des WAI zwischen der zweiten Generation und den Einheimischen bei über 10%(Österreich, Belgien, Spanien, Frankreich, Großbritannien, die Niederlande, Portugal). Mit nur einer Ausnahme(Österreich), sind dies traditionelle Empfängerländer mit einer kolonialen Vergangenheit und haben folglich eine erhebliche Bevölkerung von Einwanderern der zweiten (und dritten+) Generation. Für Österreich lässt sich der vergleichsweise hohe WAI bei Einwanderern der zweiten Generation möglicherweise durch die Tatsache erklären, dass es, von allen untersuchten Ländern, das höchste WAI-Niveau bei Einwanderern der ersten Generation aufweist(Abbildung 6 in Abschnitt 3.1). Einwanderer fühlen sich persönlich am meisten eingegliedert, wo die mehrheitliche Bevölkerung am aufgeschlossensten und am willkommensten ist, wie etwa die Schweiz, Norwegen und Schweden(Messing und Ságvári, 2018). Es gibt einige wenige Ausreißer, wie etwa Großbritannien und die Niederlande, wo beinahe kein Unterschied zwischen der ersten und der zweiten Generation in Bezug darauf besteht, wie eingegliedert sie sich fühlen. Dies ist etwas beunruhigend: Wenn sich viele, die in einem Land geboren wurden und sich damit identifizieren, aufgrund ihrer Herkunft auf einer persönlichen Ebene ausgegrenzt und diskriminiert fühlen, könnte dies zu Ernüchterung, einer Identitätskrise und sogar zu Radikalisierung führen. Bei der Betrachtung des Akkulturationsprozesses stellt die folgende Tabelle einen ähnlichen Anpassungsprozess dar. Die Verwendung der Sprache des Aufnahmelandes im privaten Bereich(zu Hause) ist offensichtlich in allen Ländern häufiger bei Einwanderern der zweiten Generation vertreten (Abbildung 21). Ausgenommen von Norwegen und Österreich(!) sprechen weniger als ein Viertel der Einwanderer der zweiten Generation zu Hause die Sprache ihrer Eltern. Es gibt Länder, in denen die Veränderung der Erstsprache nach der zweiten Generation fast vollständig ist(Portugal, Irland), während in anderen Ländern viele Einwanderer die Sprache ihrer Vorfahren beibehalten(Österreich, Norwegen). 34 Messing-Ságvári: Von der Landung bis zur Ankunft. Die subtile Integration der Einwanderer innerhalb Westeuropas ABBILDUNG 21. VERWENDUNG DER SPRACHE DES AUFNAHMELANDES BEI EINWANDERERN DER ERSTEN UND ZWEITEN GENERATION AUS DRITTSTAATEN(DSA) NACH LAND(% DER EINWANDERER, DIE HAUPTSÄCHLICH DIE HEIMATSPRACHE DES AUFNAHMELANDES VERWENDEN) 67 51 Erste Generation(außerhalb des Landes geboren) 83 60 79 62 79 58 87 74 Unzuverlässige Daten aufgrund von unzureichender Anzahl von Fällen Zweite Generation (Beide Eltern außerhalb des Landes geboren) 85 58 95 50 80 66 60 42 98 81 78 55 Wir nehmen an, dass dies teilweise mit dem Wunsch zu tun hat, in die einheimische Gesellschaft hineinzupassen, doch auch die Rolle des Bildungssystems – und wie man sich der Bildung von Einwanderern und ihrem Recht, die Herkunftssprache zu verwenden, nähert – ist von Bedeutung. Europäische Länder erwarten im Allgemeinen von Einwanderern, dass sie die Landessprache erlernen und ihr Studium in dieser Sprache absolvieren. Bei Einwanderern der ersten Generation sehen wir, wie wichtig die Politik und Unterstützung für den Spracherwerb sind: In Deutschland, wo die meisten Einwanderer aus nicht-deutschsprachigen Ländern kommen, ist das Verhältnis der Einwanderer der ersten Generation, die zu Hause die Sprache des Aufnahmelandes sprechen, dasselbe wie in Großbritannien oder Irland, wo ein großer Einwandereranteil aus Ländern kommt, in denen Englisch die Amtssprache ist(oder zumindest weitestgehend gesprochen wird). Im Falle von Einwanderern der zweiten Generation sehen wir allerdings bildungspolitische Maßnahmen, die Einwanderer und Minderheiten darin unterstützen, die Sprache und Kultur ihrer jeweiligen Herkunft beizubehalten. Bei der Betrachtung politischer Daten ist der MigrantenIntegrations-Politik-Index (engl. Migrant Integration Policy Index) (MIPEX) die beste Quelle. 5 Er zeigt, dass Bildungspolitik tatsächlich einen Einfluss auf die Akkulturation von Einwanderern haben kann: Portugal, Schweden, Belgien and Norwegen schneiden hinsichtlich des MIPEX am besten ab und wir sehen, dass – mit Ausnahme von Norwegen – diese die Länder sind, in denen Akkulturation in Bezug auf den Sprachgebrauch am deutlichsten ist. Um diesen Abschnitt zusammenzufassen: Es ist ersichtlich, dass sich die subjektive Einwandererintegration über die erste Generation hinaus fortsetzt und sich – mit ein paar Ausnahmen – fast vollständig vollzieht. Dennoch fühlt sich, in manchen Ländern, etwa ein Zehntel der Einwanderer der zweiten Generation – vor 5 http://www.mipex.eu/education Messing-Ságvári: Von der Landung bis zur Ankunft. Die subtile Integration der Einwanderer innerhalb Westeuropas 35 allem unter denen, die sichtbar anders als die Einheimischen sind – aufgrund ihrer Herkunft diskriminiert. Dies ist besonders besorgniserregend in den Niederlanden, wo die Wahrnehmung gesellschaftlicher Ausgrenzung nicht nur hoch ist, sondern auch bis in die zweite Generation nahezu unverändert bleibt. Akkulturation – gemessen am Umfang, in welchem die Landessprache angenommen wird – ist ein langsamer aber stetiger Prozess. Dieser wird durch eine wahrgenommene Notwendigkeit, sich an die Mainstream-Kultur anzupassen sowie durch die von den Bildungssystemen angebotenen institutionellen Unterstützungsmechanismen gefördert. 3.5 Determinanten der Integration: Ein multivariates Modell Die Ergebnisse haben bislang Erkenntnisse über die Faktoren geliefert, die die Konvergenz institutioneller Einstellungen, wahrgenommener Integration und Akkulturation erklären. Auf der Grundlage der Logik unserer Analyse wurden die Ergebnisse bislang jeweils in einer Dimension vorgestellt: Entweder Herkunftsland oder Empfängerland oder Zeit, die im Aufnahmeland verbracht wurde. In diesem Abschnitt gehen wir einen Schritt weiter und zeigen unsere Erkenntnisse eines komplexeren multivariaten Modells, das versucht, vielfache Dimensionen einzubeziehen und deren Verhältnis zueinander nachzuweisen, indem der Prozess der subtilen Integration erläutert wird. Das folgende Modell verwendet den Wahrgenommenen Ausgrenzungs-Index als eine abhängige Variable (eine, die erklärt werden muss) und beinhaltet mehrere andere erklärende(Prädiktor-) Variablen. Das Ziel des Modells ist es, jene Faktoren herauszufinden, die die Wahrscheinlichkeit erhöhen(oder verringern), dass sich jemand aufgrund persönlicher Merkmale diskriminiert fühlt, die in direkten Zusammenhang mit dessen Migrationshintergrund gebracht werden(d.h. Ethnie(Volkszugehörigkeit) oder Hautfarbe, Sprache, Nationalität, Religion). Das Modell findet für alle Migranten der ersten Generation Anwendung, deren Herkunftsland außerhalb der gegenwärtigen Grenzen der Europäischen Union und des Europäischen Wirtschaftsraums(EWR) liegt (einschließlich die Schweiz). Der ursprüngliche Satz der erklärenden Variablen war wie folgt: • Herkunftsregion(Postkommunistisch& ehemalig UdSSR, Nahost und Nordafrika, SubsaharaAfrika, Süd- und Ostasien, Süd-& Lateinamerika) • Empfängerland • Muslimische Religion(Kategorien: 1. Ja oder 2. Nein) • Im Empfängerland verbrachte Zeit(Kategorien: 1. Weniger als 5 Jahre oder 2. Mehr als 5 Jahre) • Bildungsniveau(Kategorien: 1. Niedrig, 2. Mittel oder 3. Hoch) • Altersgruppe(Kategorien: 1. Unter 29 Jahren, 2. 30 – 49 Jahre, 3. 50 oder darüber) • Arbeitsmarktstatus(Kategorien: 1. Bezahlte Arbeit, 2. Ausbildung, 3. Arbeitslos, 4. Im Ruhestand, 5. Andere, Inaktiv) Das endgültige Modell beinhaltete nur die erklärenden Variablen, die obenstehend in Kursivschrift erscheinen. Nur diejenigen wurden beibehalten, die mindestens eine Kategorie mit einem signifikanten Effekt auf die abhängige Variable hatte. 36 Messing-Ságvári: Von der Landung bis zur Ankunft. Die subtile Integration der Einwanderer innerhalb Westeuropas Wir verwendeten binäre logistische Regression, um den Wert des Wahrgenommenen Ausgrenzungs-Index zu erklären – wie zum Beispiel ob sich jemand aufgrund von bestimmten Merkmalen diskriminiert fühlte oder nicht. Im Allgemeinen wird diese Methode dazu verwendet, um vorherzusagen, welcher der zwei Kategorien eine Person voraussichtlich angehört, bei bestimmten vorgegebenen Punktzahlen der erklärenden Variablen. Das Modell wird durch Quotenverhältnisse interpretiert: diese helfen uns, den Einfluss auf jeden Prädiktor zu bewerten. Das Quotenverhältnis stellt eine anteilige Veränderung von Quoten dar, die mit eine Referenzkategorie verglichen werden. Wenn der Wert größer als 1 ist, weist dies darauf hin, dass die Quoten des eintretenden Ergebnisses für den gegebenen Wert des Prädiktors größer sind. In unserem Fall ist das Ergebnis, wenn jemand aussagt, dass er/sie sich diskriminiert fühlt. Persönliche Merkmale mit Quotenverhältnissen größer als 1 erhöhen die Wahrscheinlichkeit, Diskriminierung zu empfinden, während Werte unter 1 dazu tendieren, sie zu verringern(z.B. der Wert von 1,35 für Einwanderer aus dem Nahen Osten und Nordafrika, was bedeutet, dass sich diese Menschen 1,35 mal wahrscheinlicher diskriminiert fühlen als Einwanderer, die aus postkommunistischen oder ehemaligen UdSSR-Ländern kommen – als die Referenzkategorie). In untenstehender Abbildung 22 ist die Referenzkategorie für jeden Prädiktor mit einem Sternchen(*) gekennzeichnet und signifikante Prädiktoren werden blau dargestellt, während nicht-signifikante Prädiktoren grau dargestellt werden. Dies bedeutet, statistisch gesprochen, dass nur diese Kategorien in blau in dem Mod ell ‚zählen’ und nur sie einen starken Einfluss darauf haben, ob sich jemand diskriminiert fühlt oder nicht. Die Ergebnisse des Modells zeigen erstens, dass sich die Herkunftsregion in starkem Maße zwischen den Einwanderergruppen zu unterscheiden scheint. Hier ist die Referenzkategorie Einwanderer aus postkommunistischen Ländern und Ländern der ehemaligen UdSSR. In vorangegangenen Abschnitten haben wir dargelegt, dass Einwanderer aus dieser Region der einheimischen Bevölkerung hinsichtlich ihrer Einstellungen und Werte am ähnlichsten sind. Die Ergebnisse zeigen, dass Einwanderer aus Süd- und Ostasien, aus dem Nahen Osten und Nordafrika, Subsahara-Afrika und aus Lateinamerika eine größere Wahrscheinlichkeit aufweisen, sich aufgrund ihrer Herkunft diskriminiert zu fühlen. Die Quoten sind für Menschen aus den Ländern Subsahara-Afrikas am höchsten(1,83), aber sie sind auch signifikant positiv für Einwanderer aus dem Nahen Osten und Nordafrika(1,35) sowie Lateinamerika(1,39). In Bezug auf Religion ist muslimisch zu sein einer der wichtigsten Prädiktoren für Ausgrenzung. Im Allgemeinen ist es doppelt so wahrscheinlich für Muslime(2,03), sich ausgegrenzt zu fühlen als für NichtMuslime. Zudem erhöht die Tatsache, weniger als fünf Jahre im Aufnahmeland gelebt zu haben, die Wahrscheinlichkeit eines Gefühls von Diskriminierung um 1,26, was darauf hindeutet, dass es im Allgemeinen erhebliche Zeit benötigt, um eine Wahrnehmung der Eingliederung zu verspüren. Jemand, der arbeitslos ist, hat eine größere Wahrscheinlichkeit(1,4), sich diskriminiert zu fühlen als jemand, der arbeitet. Dagegen beeinflusst Pensionierung Diskriminierung auf eine positive Weise(0,55) – d.h. sie verringert deutlich die Wahrscheinlichkeit, sich diskriminiert zu fühlen. Dies alles impliziert, dass Integration über den Arbeitsmarkt erfolgt. Schließlich sind einzelne Ländereffekte etwas mehrdeutig. Nach der Kontrolle aller anderen Variablen übt das Aufnahmeland selbst keinen starken Einfluss auf das Integrationsniveau aus.(Die Referenzkategorie für Länder als Prädiktoren ist Schweden). Die einzigen Ausnahmen hierzu bilden Österreich und Belgien. Bei Ersterem ist ein überwiegend positiver Ländereffekt vorhanden – d.h. in Österreich zu wohnen erhöht Messing-Ságvári: Von der Landung bis zur Ankunft. Die subtile Integration der Einwanderer innerhalb Westeuropas 37 die Wahrscheinlichkeit wahrgenommener Ausgrenzung. Bei Letzterem ist der Zusammenhang umgekehrt – d.h. allein der Effekt davon, Einwanderer in Belgien zu sein, verringert die Chancen, sich diskriminiert zu fühlen um die Hälfte. Allerdings weist die Tatsache, dass die Chancenverhältnisse für alle anderen Länder nicht maßgeblich sind, darauf hin, dass es nicht die Länder sind, die im Wesentlichen für Unterschiede bei der wahrgenommenen gesellschaftlichen Ausgrenzung verantwortlich sind, sondern dies eher das Ergebnis einer komplexen Verflechtung von individuellen, Gruppen- und länderspezifischen Merkmalen ist. ABBILDUNG 22. ERGEBNISSE DES MULTIVARIATEN BINÄREN LOGISTISCHEN REGRESSIONSMODELLS ZEIT RELIGION HERKUNFTSREGION Postkommunistisch& ehemalig UdSSR Nahost& Nordafrika Subsahara-Afrika Süd-& Ostasien Lateinamerika Referenzkategorie 1.35 1.83 1.16 1.39 Nicht-Muslimisch Referenzkategorie Muslimisch 2.03 Hat mehr als 5 Jahre im Aufnahmeland verbracht Hat weniger als 5 Jahre im Aufnahmeland verbracht Referenzkategorie 1.26 STATUS In bezahlter Arbeit Ausbildung Arbeitslos Im Ruhestand Andere Inaktiv Referenzkategorie 0.86 1.40 0.55 0.96 LAND Schweden Referenzkategorie Österreich 2.40 Belgien 0.50 Schweiz 0.73 Deutschland 0.88 Spanien 0.75 Finnland 0.89 Frankreich 0.97 Großbritannien 0.91 Irland 0.60 Niederlande 1.30 Norwegen 0.69 Portugal 0.83 4 S CHLUSSBEMERKUNGEN Insgesamt haben wir eine sehr klare und bemerkenswerte Anpassung von Einwanderern an die Werte, Normen und Einstellungen der Mainstream-Gesellschaften, in denen sie leben, gefunden. Alle angewendeten Indikatoren subjektiver Integration zeigen dies, obwohl sie Einstellungen und Werte 38 Messing-Ságvári: Von der Landung bis zur Ankunft. Die subtile Integration der Einwanderer innerhalb Westeuropas besitzen, die etwas von denen der örtlichen Bevölkerung abweichen. Dennoch liegen Einwanderer in dieser Hinsicht näher an der Bevölkerung des Gastlandes als an der Bevölkerung in ihrem Heimatland. In Bezug auf Werte, Einstellungen und Normen liegen sie dazwischen. – Sie nähern sich langsam an die Bevölkerung des Gastlandes an, während sie sich von den kulturellen Normen und Einstellungen, die für die Bevölkerung des Landes, in dem sie geboren wurden, kennzeichnend sind, wegbewegen. Im Allgemeinen sind Einwanderer positiver in Hinblick auf und haben ein größeres Vertrauen in die wesentlichen gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Institutionen des Landes, in dem sie wohnen als dies einheimische Einwohner tun, aber sie fühlen sich ausgegrenzter von der Gesellschaft. Des Weiteren legen sie im Allgemeinen mehr Wert auf Tradition und Sicherheit, aber auch auf persönliche Leistung. Daher sind Einwanderer – natürlich in Abhängigkeit von ihrer kulturellen Herkunft – konservativer in Hinblick auf Traditionen und Religion als die allgemeine Bevölkerung Westeuropas. Sie schreiben außerdem Werten, die Erfolg und Unabhängigkeit unterstützen, eine höhere Bedeutung zu(wie Wettbewerb, Streben, Selbstbestimmung und Leistung). Es gibt erhebliche Unterschiede zwischen subjektiven Merkmalen von Einwanderern, in Abhängigkeit von Empfängerland und Herkunftsland. Einstellungen gegenüber Institutionen scheinen mehr davon abzuhängen, wo sich Einwanderer niedergelassen haben, während die Wahrnehmung der Eingliederung in die neue Umgebung abhängiger von der Herkunftsregion(oder Sichtbarkeit des Migrationshintergrunds) zu sein scheint. Bei der Betrachtung von Akkulturation – das heißt der Prozess, in dem Personen, die von einem kulturellen Kontext in einen anderen wechseln, neue Verhaltensmuster und Identitäten entwickeln, die durch die vorherrschenden Normen des neuen kulturellen Kontexts geprägt werden – untersuchten wir die im privaten Bereich(zu Hause) verwendete Sprache und die emotionale Verbundenheit mit dem Aufnahmeland. Wir zeigten, dass sowohl die Anpassung an die Sprache des Aufnahmelandes als auch das Ausmaß, in dem sich Einwanderer mit ihrem Aufnahmeland emotional verbunden fühlen, zwischen Ländern stark variiert. Der erste hängt von Einwandererintegrationspolitik im Aufnahmeland ab und davon, ob die Sprache des Aufnahmelandes im Herkunftsland gesprochen wird, während der letztgenannte abhängiger davon zu sein scheint, wie emotional verbunden sich Einheimische mit dem Land fühlen(das geteilte/akzeptierte Niveau des Nationalismus). Bei der Analyse zahlreicher Aspekte subtiler Integration von Einwanderern in westeuropäischen Gesellschaften haben wir einen sehr klaren und unmissverständlichen Trend der Annäherung von Einstellungen und Werten der Einwanderer an die der Mainstream-Aufnahmegesellschaft herausgefunden. Diese Annäherung findet bei allen Einwanderergruppen, in allen Empfängerländern und in allen Aspekten der Analyse statt(institutionelle Einstellungen, Wahrnehmung von Integration und Akkulturation). Allerdings erfordert subjektive Integration Zeit – manchmal im Zusammenhang mit einem Menschenleben eine ziemlich lange Zeit. Die Geschwindigkeit der Annäherung ist nicht in allen Empfängerländern gleich. Und zudem benötigen, wie es scheint, Migranten mit dunkler Hautfarbe(„ People of Colour“), die aus ärmeren Regionen ankommen, erheblich länger, um sich an die neue Umgebung anzupassen. Anpassung an die Aufnahmegesellschaft setzt sich nach der ersten Generation fort: Die Werte und Einstellungen der Einwanderer der zweiten Generation sind denen der Einheimischen im Aufnahmeland sehr ähnlich – aber in manchen Ländern und für manche Herkunftsgruppen bleiben sie unterschiedlich. Messing-Ságvári: Von der Landung bis zur Ankunft. Die subtile Integration der Einwanderer innerhalb Westeuropas 39 Vielleicht ist die wichtigste Erkenntnis, die man aus der Analyse mitnehmen kann, dass ein gut funktionierender institutioneller Rahmen eine Grundvoraussetzung sowie eine Absicherung ist, der es Einwanderern ermöglicht, sich nicht nur in objektiver Hinsicht, sondern auch bezüglich ihren Einstellungen und Werten zu integrieren. Obwohl das Bestehen von gut funktionierenden Institutionen, die allen, die dafür infrage kommen, Zugang zu hochqualitativen öffentlichen Dienstleistungen bieten, als das effizienteste Mittel für Einwandererintegration angesehen werden sollte, spielen die Sprache des Aufnahmelandes, die allgemeine Einstellung des Aufnahmelandes gegenüber Einwanderern und die Herkunft der Einwanderer selbst alle eine sehr wichtige Rolle, sowohl in Bezug auf die Tiefe der subjektiven Einwandererintegration als auch, wie lange dies dauert. Diejenigen, die aus armen Ländern außerhalb Europas ankommen – insbesondere wenn sie sichtbare(entweder ethnische oder kulturelle) Eigenschaften aufweisen – haben es schwerer, sich in die Mainstream-Gesellschaft zu integrieren. Diese Gruppen benötigen eine gesonderte Aufmerksamkeit und mehr Unterstützung als die nicht-sichtbaren Einwanderer, die aus wohlhabenderen Teilen der Welt ankommen. Wenn wir allgemein betrachten, wie verschiedene Länder hinsichtlich subjektiver Integration abschneiden, ist es schwierig, Länder genau zu bestimmen, die sich besonders gut oder besonders schlecht hervortun. Allerdings schneidet Deutschland – das eine lange und vielfältige Einwandererbevölkerung aufweist – nicht nur verhältnismäßig gut bezüglich der meisten Indikatoren subjektiver Einwandererintegration ab, sondern dient auch als Beispiel eines Landes, in dem der Anpassungsprozess sehr ausdrücklich und deutlich ist und in dem sich dieser Prozess nach der ersten Generation fortsetzt. Der Spracherwerb spielt eine zweifelsfrei wichtige Rolle, ebenso wie eine allgemein einladende Umgebung und eine starke institutionelle Unterstützung bei der gesellschaftlichen Integration von Einwanderern. Österreich kann als der Gegenpol dazu angesehen werden: Einwanderer in Österreich sind bei allen Indikatoren subjektiver Integration niedrig angeordnet. Allerdings sieht das Bild rosiger aus, wenn wir die Länge der im Land verbrachten Zeit betrachten und beobachten, wie sich der Anpassungsprozess in der zweiten Generation fortsetzt: Den Sprachgebrauch der zweiten Generation ausgeklammert, zeigen alle Indikatoren einen eindeutigen Trend in Richtung Anpassung. Die Niederlande sind ein eher rätselhafter Fall: Während Einwanderer hinsichtlich aller Indikatoren subjektiver Integration gut abschneiden, scheint die im Land verbrachte Zeit einen geringen Effekt zu haben. Es ist etwas beunruhigend, dass auch Einwanderer der zweiten Generation in den Niederlanden ein relatives hohes Niveau an Ausgrenzung empfinden. 40 Messing-Ságvári: Von der Landung bis zur Ankunft. Die subtile Integration der Einwanderer innerhalb Westeuropas ABBILDUNG 23. ZUSAMMENFASSUNG DER HAUPTINDIKATOREN I NSTITUTIONELLER A NPASSUNGS I NDEX (IAI) Unterschied zwischen Einwanderern und Einwanderern aus Drittstaaten (DSA) (in Punkten) W AHRGENOM MENER AUSGRENZUNGS INDEX (WAI) Unterschied zwischen Einheimischen und Einwanderern aus Drittstaaten (DSA) (in Punkten) S PRACH GEBRAUCH Prozentsatz von Einwanderern aus Drittstaaten (DSA), die die Sprache des Aufnahmelandes verwenden E MOTIONALE VERBUNDENHEIT Unterschied zwischen Einheimischen und Einwanderern aus Drittstaaten (DSA) (in Punkten) Messing-Ságvári: Von der Landung bis zur Ankunft. Die subtile Integration der Einwanderer innerhalb Westeuropas 41 5 R EFERENZEN Bartram, D.(2019). Sociability among European Migrants. 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Die subtile Integration der Einwanderer innerhalb Westeuropas NOTIZEN …………………………………………………………………………………………………………… …………………………………………………………………………………………………………… …………………………………………………………………………………………………………… …………………………………………………………………………………………………………… …………………………………………………………………………………………………………… …………………………………………………………………………………………………………… …………………………………………………………………………………………………………… …………………………………………………………………………………………………………… …………………………………………………………………………………………………………… …………………………………………………………………………………………………………… …………………………………………………………………………………………………………… …………………………………………………………………………………………………………… …………………………………………………………………………………………………………… …………………………………………………………………………………………………………… …………………………………………………………………………………………………………… …………………………………………………………………………………………………………… …………………………………………………………………………………………………………… …………………………………………………………………………………………………………… …………………………………………………………………………………………………………… …………………………………………………………………………………………………………… …………………………………………………………………………………………………………… …………………………………………………………………………………………………………… …………………………………………………………………………………………………………… …………………………………………………………………………………………………………… …………………………………………………………………………………………………………… …………………………………………………………………………………………………………… …………………………………………………………………………………………………………… 6 Ü BER DIE A UTOREN VERA MESSING, P H D Soziologin, Forschungsbeauftragte Zentrum für Sozialwissenschaften, Ungarische Akademie der Wissenschaften und Kompetenzzentrum(CSS); Zentrum für Politikwissenschaften, Mitteleuropäische Universität(CEU) Vera Messing ist eine Forschungsbeauftragte am Zentrum für Sozialwissenschaften und eine Forschungsstipendiatin an der CEU, am Zentrum für Politikwissenschaften. Sie hat über 20 Jahre Erfahrung in empirischer Forschung über Ethnizität, Minderheiten, gesellschaftliche Ausgrenzung, mediale Darstellung schutzbedürftiger Gruppen und ethnische Konflikte. Ihre Arbeit konzentriert sich auf ein komparatives Verständnis unterschiedlicher Formen und Überschneidungen sozialer Ungleichheiten, Ethnizität sowie ihre Konsequenzen. Sie war im letzten Jahrzehnt an einer Vielzahl an Projekten europäischer Zusammenarbeit beteiligt und ist die Hauptforscherin für die Europäische Sozialerhebung, European Social Survey(ESS), in Ungarn. BENCE SÁGVÁRI, P H D Soziologe, Forschungsbeauftragter Zentrum für Sozialwissenschaften, Ungarische Akademie der Wissenschaften und Kompetenzzentrum(CSS); International Business School(IBS) Bence Ságvári ist der Leiter des computerbasierten Zentrums für Sozialwissenschaften (Computational Social Science Center) (CSSRecens) am Zentrum für Sozialwissenschaften. Seine Arbeit beinhaltet Forschung über gesellschaftliche Werte und Einstell ungen, Umfragenmethodik, soziale Netzwerke,„Big Data“ Analysen und Datenvisualisierung. Er wurde als ungarischer Partner in mehreren länderübergreifenden vergleichenden Umfragestudien vorgestellt, wie EU Kids Online(EUKO) oder World Internet Project (WIP). Zurzeit ist er der nationale Koordinator für die Europäische Sozialerhebung, European Social Survey(ESS), in Ungarn. Danksagungen: Die Autoren dieses Berichts möchten ihren Kollegen der Friedrich-Ebert-Stiftung in Budapest ihren Dank ausdrücken, insbesondere Csilla Malomvölgyi und Zsolt Bogár für die unschätzbare Unterstützung während des Projekts. Wir möchten András Kováts, Attila Melegh für ihre aufschlussreichen Kommentare danken und Clive Liddiard für seine gründlichen Sprachbearbeitungen. 7 I MPRESSUM © Copyright 2020, Friedrich-Ebert-Stiftung Herausgeber: Friedrich-Ebert-Stiftung, Regionales Projekt„Fl ucht, Migration, Integration in Europa“(“Flight, Migration, Integration in Europe”) H-1056 Budapest, F ő vám tér 2-3, Ungarn Tel.:+36-1-461-60-11 Fax:+36-1-461-60-18 E-Mail: fesbp@fesbp.hu http://www.fes-budapest.org Verantwortliche: Beate Martin Titelfoto: ID 17177102© Hxdbzxy| Dreamstime.com Die kommerzielle Nutzung aller von der Friedrich-Ebert-Stiftung(FES) veröffentlichter Medien ist nicht ohne schriftliche Zustimmung der FES erlaubt. Die in dieser Publikation zum Ausdruck gebrachten Ansichten sind nicht notwendigerweise die der Friedrich-Ebert-Stiftung oder die der Organisation, für die der Autor arbeitet. ISBN 978-615-81517-8-8