OKT 2020 MANAGERKREIS DER FRIEDRICH-EBERT-STIFTUNG Städte für Menschen bauen – Best-Practice-Beispiele aus Deutschland und Europa • Leipzig Charta: Das Konzept der integrierten Stadtentwicklung • Digitale Plattformen: Teilhabe durch Wissen und Tools • Viertel mit„Leuchtturm-Charakter“: Regionale Best-Practice-Beispiele • Aktive Kommunalpolitik: Landes- und Stadtregierungen als treibende Kraft • Das Quartiermanagement: Förderung der Bürgerpartizipation vor Ort Ein Impulspapier des Managerkreises der Friedrich-Ebert-Stiftung und der Abteilung Wirtschafts- und Sozialpolitik Zum Global Green Deals Forum am 1. Oktober 2020 gehört ein Labor zu sozial-ökologischer Stadtpolitik:„Städte für Menschen bauen“. Anhand von konkreten Beispielen wie Paris, Kopenhagen und München wird diskutiert, wie Transformationsprozesse gelingen können. Wie können wir das Leben in den Städten verbessern, den ökologischen Footprint von Städten verringern und soziale Teilhabe verbessern? Individuelles Verhalten kann helfen, den Treibhausgasausstoß zu reduzieren, aber das Ziel einer nachhaltigen und sozialen Stadt bedarf einer integrierten Politik. Wohnen, Mobilität, Arbeiten, soziale Infrastruktur und Freizeit müssen zusammen gedacht werden. Die Lebensqualität der Menschen steht dabei im Vordergrund. Im Vorfeld haben wir zahlreiche Best-Practice-Beispiele gesammelt, die wir hier vorstellen möchten. Vielen Dank für die Zulieferungen aus den Landesbüros der Friedrich-Ebert-Stiftung, der AG Verkehr& Mobilität des Managerkreises der FriedrichEbert-Stiftung und des Arbeitskreises Raumentwicklung der Abteilung Wirtschafts- und Sozialpolitik. Unsere Leitfragen • Welche konkreten Ziele werden mit dem Projekt verfolgt? Wie tragen sie zur sozial-ökologischen Transformation in der Stadt/ Kommune bei? • Welche Erfahrungen können wir aus den Best-PracticeBeispielen mitnehmen? • Was kann und muss Kommunalpolitik leisten? Welche Rahmenbedingungen müssen erfüllt sein? • Wie kann eine Beteiligung der betroffenen Menschen effektiv und gerecht hergestellt werden? Kontextliteratur: Leipzig Charta https://www.europarl.europa.eu/RegData/etudes/ATAG/ 2020/652020/EPRS_ATA(2020)652020_EN.pdf Die während der deutschen EU-Ratspräsidentschaft 2007 verabschiedete Leipzig-Charta hat dazu beigetragen, das Konzept der integrierten Stadtentwicklung auf EU-Ebene zu etablieren. Die Leipzig-Charta hat die Entwicklung nachfolgender EU-Initiativen wie der Stadtentwicklungsagenda stark beeinflusst. Sie wird derzeit aktualisiert und soll am Ende der laufenden deutschen Ratspräsidentschaft im Dezember 2020 verabschiedet werden. Digitale Plattformen: Teilhabe durch Wissen und Tools Copenhagenize: Förderung des fahrradfreundlichen Lebens in Kopenhagen und anderen Städten http://www.copenhagenize.com/ Copenhagenize ist ein Blog für die Förderung fahrradfreundlicher Politik und Infrastruktur. Das Ziel des Projekts ist der Bau von 7550 neuen Fahrradparkplätzen am Kopenhagener Hauptbahnhof. Darüber hinaus informiert das Projekt über Wege, wie andere Städte Kopenhagen als sozial- und umweltfreundlicher Fahrradstadt folgen können. Das Projekt erhöht durch die Information der Öffentlichkeit das Bewusstsein für nötige Verbesserungen in Kopenhagen. Durch die Vorstellung von konkreten und innovativen Problemlösungen wie dem Bau der Fahrradparkplätze am Kopenhagener Hauptbahnhof schafft es eine Diskussionsgrundlage für die weitere Stadtentwicklung. Eurocities: eine Bewegung für ein lokales Europa https://eurocities.eu/about-us/ Eurocities ist ein Netzwerk von 190 Städten in 39 Ländern, die insgesamt 130 Millionen Menschen repräsentieren. Das Besondere an dem Projekt ist der europäische Fokus zum Lösen von lokalen Problemen und die Vernetzung von Städten in ganz Europa. Durch den Wissensaustausch und koordinierte europaweite Aktivitäten stellt Eurocities sicher, dass Städte und ihre Bürger_innen auf der EU-Ebene Gehör finden. Außerdem beobachtet Eurocities die neuesten Entwicklungen in der EU und erstattet den Städten Bericht über Finanzierungsmöglichkeiten und andere Trends, die sie betreffen. Eurocities fokussiert sich auf den Erfahrungsaustausch über bewährte Praktiken zwischen den Städten. Darüber hinaus bietet Eurocities Trainings zum Aufbau von Kapazitäten zur Bewältigung aktueller und zukünftiger städtischer Herausforderungen an. Die digitale Bürgerplattform MokWi.de: Zusammenarbeit leicht gemacht https://www.mokwi.de/ MokWi.de ist eine digitale Bürgerplattform zur Motivation und Stärkung der zivilgesellschaftlichen Selbstorganisation und Vernetzung in der Kielregion. Das Besondere an der digitalen Bürgerplattform ist, dass sie eine zugängliche, datensichere Alternative zu anderen Online-Tools ist und dabei über alle Projekte in der Kielregion informiert. Die Website bietet Tools zum Teilen und Bearbeiten von Dokumenten und dem Abspeichern und der Verwaltung von Dateien an. Dadurch werden die interne administrative Projektarbeit erleichtert und zivilgesellschaftliche Organisationen gestärkt. MokWi.de fördert die regionale Vernetzung von Bürger_innen und Projekten, indem die Plattform Tools zur Koordination von Terminen und der internen und externen Kommunikation von Projekten bereitstellt. Viertel mit„Leuchtturm-Charakter“: Regionale BestPractice-Beispiele Bahnstadt-Viertel(Heidelberg): die größte Passivhaussiedlung der Welt https://www.heidelberg-bahnstadt.de/953958.html Die insgesamt 116 Hektar große Fläche des früheren Güter- und Rangierbahnhofs bietet künftig rund 12.000 Menschen Raum zum Wohnen und Arbeiten. Das Viertel wird die größte Passivhaussiedlung der Welt, welche sich durch eine hohe Energieeffizienz und Umweltfreundlichkeit auszeichnet. Es ist ein inspirierendes Beispiel für viele andere Städte und zeigt, wie man Menschen sozial- und umweltfreundlich zusammenbringen kann. Es ist eines der Best-Practice-Beispiele der Bundesregierung (Ziel 11 der Sustainable Development Goals der UN(SDGs) Außerdem wird es durch die Stadt Heidelberg mit sechs Millionen Euro für bezahlbare Mieten und Wohnungspreise unterstützt. Das Bahnstadt-Viertel ist erfolgreich, weil es auf der kommunalen, nationalen und der internationalen politischen Ebene unterstützt wird. Es zeigt, dass Projekte, welche sich im Rahmen von internationalen Vereinbarungen, wie den SDGs, befinden und sich explizit auf diese beziehen, eine größere Chance auf finanzielle Unterstützung haben. Hannover-Hainholz: Urbane Rückgewinnung von Freiräumen https://www.hcu-hamburg.de/fileadmin/documents/Professoren _und_Mitarbeiter/Projektentwicklung__-management/Forschung/ Urbane_Freiraeume_Steckbrief_Hannover_Gruene_Mitte_Hainholz.pdf S 2 Die integrierte Quartiersentwicklung im hannoverischen Hainholz ist ein gutes Beispiel für die Rückgewinnung und Qualifizierung von verwahrlosten und mindergenutzten Freiräumen im Zentrum des Stadtteils. Auf der Ebene der Beteiligung ist hervorzuheben, dass die Projektkoordination aktiv auf eine Zusammenarbeit mit verschiedenen Akteuren gesetzt hat. In einer ressortübergreifenden Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung, der Politik und Einwohnerschaft wurden gemeinsam Konzepte und Pläne entwickelt. Den Akteuren wurde es in einem mehrstufigen Beteiligungsprozess aus Anwohnerforen, Beteiligungsund Planungsworkshops sowie formellen Beteiligungsgremien ermöglicht, ihre Interessen und Ideen zu kommunizieren. Der Erfolg des Projektes liegt neben dem Umstand, dass sich die Flächen vollständig im städtischen Eigentum befinden, insbesondere in der Bündelung vielfältiger Ressourcen und einem konzentrierten Management in einem klaren Zeitfenster. zeichnet. Sozial und ökologisch ist das Quartier ein Vorbild für andere Projekte: Unter anderem hat das Quartier ein zentrales Nahwärmesystem und nutzt eine Abwärme-Kläranlage. Auf zwei der Grundstücke werden Mietwohnungen gefördert und einundzwanzig Grundstücke sind für Familien reserviert. Durch gemeinsame Aufenthaltsorte wie den Gemeinschaftsgarten, Wiesen sowie Sport- und Spielanlagen wird der Austausch zwischen den Anwohner_innen gefördert. Aktive Kommunalpolitik: Landes- und Stadtregierungen als treibende Kraft Düsseldorf: das„Handlungskonzept Wohnen“ https://www.duesseldorf.de/medienportal/pressediensteinzelansicht/pld/duesseldorf-schafft-neuen-wohnraum.html Stadtquartier Neckarbogen(Heilbronn): die Weiterverwendung der BUGA-Flächen https://www.heilbronn.de/bauen-wohnen/stadtquartierneckarbogen.html Nach dem Abschluss der BUGA mit der Stadtausstellung Neckarbogen wird das Quartier nun Schritt für Schritt zu einem Zuhause für bis zu 3500 Bewohner_innen und zu einem Arbeitsplatz für etwa 1000 Menschen. Das Quartier punktet durch seine Familienfreundlichkeit und eine zentrale Lage mit hervorragender ÖPNV-Anbindung. Es zeigt die erfolgreiche Weiterverwendung von vorherigen Projekten auf dem gleichen Gelände. Die dauerhaft zur BUGA angelegten Grünanlagen prägen das neue Stadtquartier. Die Grünflächen sind nicht nur gut für die Umwelt, sondern dienen auch der Wertsteigerung des Stadtquartiers. Das Stadtquartier Neckarbogen soll ein fester Mittelpunkt der verschiedenen Menschen und Generationen werden, welche in ihm leben. Um dieses zu fördern, wird ab 2021 die bilinguale private Josef-Schwarz-Schule gebaut, die von der Eingangsstufe(letztes Kindergartenjahr) bis zum Abitur oder dem International Baccalaureate Diplom führen soll. Alte Weberei(Tübingen): Die nachhaltige Umwandlung eines Industriegeländes https://www.tuebingen.de/alteweberei Die alte Weberei ist ein Quartier, in dem 700 Menschen – darunter viele Familien – ein neues Zuhause gefunden haben. Die alte Egira-Industriebrache wurde in neue, lebendige Wohn- und Gewerbeflächen, Freizeit- und Sportanlagen umgewandelt. Für die Erneuerung wurde die Universitätsstadt Tübingen mit dem Flächenrecyclingpreis des Landes Baden-Württemberg ausgeIn Düsseldorf ist das„Handlungskonzept Wohnen“ mit der direkten Verbindung von sozialem und freiem Wohnungsbau seit Jahren gängige Praxis. Der Oberbürgermeister Thomas Geisel hebt bei aktuellen Bauprojekten hervor:„Für ein nachhaltiges Wachstum beim Wohnungsbau kommt es darauf an, den gesamten Prozess von der Sondierung von Baugrund und Einleitung von Bebauungsplanverfahren, dem Schaffen von Planungsrecht, der Erteilung von Baugenehmigungen bis zu der Fertigstellungen der Wohnung zu forcieren“. Der Oberbürgermeister betont, dass dabei der Bürgerdialog eine entscheidende Rolle spielt. In verschiedenen Vorhaben werden Mieter aktiv in nachhaltige Prozesse mit einbezogen. Beispielsweise an der Langenfelder Straße in Wersten errichtet die städtische Wohnungsbau GmbH& Co KG einen Wohnblock, in dem der Strom mittels einer Fotovoltaik-Anlage auf dem Dach erzeugt wird. Mit dem voraussichtlichen Erstbezug haben die Mieter_innen dann die Möglichkeit, den„hauseigenen“ Strom zu beziehen und ihren eigenen Teil zur Energiewende beizutragen. Freiburg: gelebte Partizipation und Nachhaltigkeit im Quartier Vauban https://stadtteil-vauban.de/geschichte/ Das Quartier Vauban ist ein autofreier Stadtteil mit über fünftausend Einwohner_innen, die nachhaltig in Plusenergiehäusern, Passivhäuser und einer Solarsiedlung leben. Das Projekt hat viele partizipatorische Elemente: Um aus der Idee eines ökologischen, weitgehend autofreien Stadtteiles auf dem Vaubangelände Realität werden zu lassen, wurde 1994 das„Forum Vauban“ gegründet. Dort wurde unter der Mitarbeit von zahlreichen Fachleuten Konzepte für den neuen Stadtteil entwickelt. Im gleichen Jahr lobte die Stadt Freiburg einen städtebaulichen IdeenwettS 3 bewerb aus. Die Planungsvorgaben waren aktiv dafür ausgelegt, die gesellschaftliche Teilhabe von Gruppierungen zu fördern. Sie gaben ein hohes Maß an der Kompatibilität von Arbeit und Wohnen sowie der Durchmischung von sozialen Gruppen vor. Das Projekt Vauban zeigt, dass kommunale Regierungen aktiv die Teilhabe ihrer Bürger_innen durch Planungsvorgaben im Bau und durch interaktive Foren fördern kann. Das Quartiermanagement: Förderung der Bürgerpartizipation vor Ort Pfaffenhofen an der Ilm: Energiewende mit Hilfe von bürgerlicher Mitfinanzierung https://buergerenergie-pfaffenhofen.de/ Ein Vorreiter der Energiewende in Bayern ist die Gemeinde Pfaffenhofen an der Ilm. Der 2008 gegründete Energie- und Solarverein strebt die energetische Unabhängigkeit der Gemeinde durch eine regenerative und sozial gerechte Energiegewinnung an. Der Verein setzt sich für E-Mobilität ein, unterstützt die Kommune bei der Entwicklung politischer Klimaschutzkonzepte und bietet eine unabhängige Energieberatung für Bürger_innen an. Außerdem wurde 2012 eine Bürger-Energiegenossenschaft ins Leben gerufen, die seither in Zusammenarbeit mit den kommunalen Stadtwerken Projekte im Bereich der erneuerbaren Energien initiiert und mithilfe von Bürger_innenanteilen finanziert. So konnten – trotz der 10-H-Regelung – Bürgerwindparks und ein Bürgerwindrad, aber auch ein Solarcarport und diverse Fotovoltaikanlagen realisiert werden. Durch die Mitsprache- und Mitfinanzierungsmöglichkeiten der Genossenschaft wird maximale Bürger_innenbeteiligung und damit die Demokratisierung und Dezentralisierung der Energiewende garantiert. Die Seestadt(Wien): klare Verantwortlichkeiten und vielfältige Partizipationsmöglichkeiten https://www.aspern-seestadt.at/lebenswelt/nachbarschaft/ meine_seestadt_info Die Seestadt ist ein Stadtteil Wiens mit verschiedenen urbanen Funktionen. Sie ist ein Wirtschaftsstandort mit bis zu 20.000 Arbeitsplätzen und bietet Lebensraum für mehr als 20.000 Menschen. Der Stadtteil dient auf zwei Ebenen als Best-PracticeBeispiel für andere Städte: Zum einen gibt es eine bewusste Aufteilung von Verantwortlichkeiten zwischen den größten Akteuren des Viertels. Die Wien 3420 aspern Development AG und die Projektleitung Seestadt Aspern der Stadt Wien sind die beiden maßgeblichen Ansprechpartner für alle Akteure in der Seestadt. Das Stadtteilmanagement Seestadt Aspern informiert über aktuelle Entwicklungen rund um die Seestadt und kümmert sich um die Vernetzung der bestehenden und zukünftig entstehenden Nachbarschaften. Zum anderen ermöglicht die Seestadt Bürgerpartizipation durch eine Anzahl von Angeboten: Es werden regelmäßige Stammtische(on- und offline) veranstaltet. Im Rahmen des Nachbarschaftsbudgets werden Ideen und Projekte der Einwohner_innen, die das nachbarschaftliche Miteinander fördern, finanziell unterstützt. Ein weiteres interessantes Konzept ist das„Speeddating“, bei dem die Nachbarschaft eingeladen wird, um sich gegenseitig und durch Vertreter_innen des Stadtteilmanagements über Hilfs- und Unterstützungsangebote zu informieren. Quartierverein Zürich 5: ein Vermittler zwischen Politik und Gesellschaft https://www.quartierverein.ch/industriequartier/ Der Quartierverein Zürich 5 ist ein politisch und konfessionell neutraler, privatrechtlich organisierter Verein und vertritt die Interessen der Bewohner_innen des Industriequartiers. Das Beispiel des Quartiervereins zeigt die Wichtigkeit eines Vertreters, der zwischen den Einwohner_innen und der kommunalen Regierung vermitteln kann. Er/Sie ist der/die offizielle Gesprächspartner_in der Stadtverwaltung für alle Quartieranliegen und ein wichtiger Träger von Integration und Vernetzung im Quartier. Der Verein engagiert sich für den Erhalt und die Verbesserung der Lebensqualität im Viertel. Er unterstützt soziokulturelle Aktivitäten, begleitet städtebauliche sowie Verkehrsplanungen im Viertel und führt Events zur Willensbildung und Information durch. Hulsberg-Viertel(Bremen): Bürgerpartizipation in der Quartiergestaltung https://www.hcu-hamburg.de/fileadmin/documents/Professoren_ und_Mitarbeiter/Projektentwicklung__-management/Forschung/ Urbane_Freiraeume_Steckbrief_Bremen_Neues_Hulsberg-Viertel. pdf Das Hulsberg-Viertel in Bremen wurde von einem Klinikstandort in ein neues Wohnquartier umgewandelt. Das Viertel ist hervorzuheben aufgrund seines partizipativen Charakters während und nach der bezirklichen Umwandlung. Für die verträgliche städtebauliche Entwicklung des Hulsberg-Viertels wurden unterschiedliche Beteiligungsformate genutzt(aufsuchende Beteiligung, Planungsspaziergang und Themenwerkstätten) und die Ergebnisse mit zur Grundlage des städtebaulich-freiraumplanerischen Wettbewerbs gemacht. Auch danach wurden die identifizierten Kernthemen in Themenrunden öffentlich weiterbearbeitet. Hierzu gehörten auch spezielle Themenrunden zum Bebauungsplanverfahren und zu den Eckpunkten des städtebaulichen Vertrags. S 4 Domagkpark(München): Regelmäßiger Austausch zwischen den involvierten Akteuren https://www.domagkpark.de/ In München sind in den vergangenen Jahren fast alle Konversionsflächen vorbildlich entwickelt worden. Der Domagkpark wurde seit etwa 2010 geplant und 2019 fertiggestellt. Erstmals in München zeichnete sich ein Konsortium bestehend aus Baugenossenschaften, Baugemeinschaften sowie städtischen und privaten Wohnungsbaugesellschaften dafür verantwortlich, schon mit Beginn der ersten Planungsphasen ein lebendiges Wohnumfeld zu entwickeln, in dem sich alle zukünftigen Bewohner_innen zu Hause fühlen. Auf der partizipativen Ebene ist hervorzuheben, dass der Austausch zwischen den Anwohner_innen und den verschiedenen involvierten Akteuren bewusst und regelmäßig gefördert wird. Es finden jährliche Versammlungen statt, bei denen Bewohner_innen ihre Wünsche ausdrücken können. In diesen Rahmen wird außerdem durch Referent_innen der Landeshauptstadt München, die Stadtwerke München, den Bezirksausschuss, und soziale Träger über den aktuellen Stand der Entwicklungen des Quartiers informiert. Rive Gauche(Paris): Kommunikation durch Zeitschriften und Komitees http://www.parisrivegauche.com/Le-projet-urbain Mit einer Fläche von 130 Hektar ist Rive Gauche eines der größten Quartiere in Paris. Das Projekt ist auch wegen seiner Maßnahmen zur Öffentlichkeitsbeteiligung von Bedeutung. Zu Beginn des Projekts fanden Workshops, Gespräche und ein Town-Hall-Treffen statt. Darüber hinaus sind im Laufe der Zeit weitere Informations- und Konsultationsinstrumente entstanden: Ein Standortkomitee wurde gegründet, um die verschiedenen Verkehrsmittel und Einrichtungen des Quartiers zu koordinieren. Die vierteljährlich erscheinende Zeitschrift „Treize urbain“ wird an alle Einwohner_innen des dreizehnten Arrondissements verteilt. Ein von der städtischen Projektentwicklungsgesellschaft SEMAPA herausgegebener Newsletter, wird regelmäßig an die Bewohner_innen des Viertels verteilt. Das Besondere an dem Viertel Rive Gauche ist, dass nicht nur in den Anfängen des Projektes, sondern immer noch viel Wert auf die Kommunikation mit den Einwohner_innen und ihre Partizipation gelegt wird. Premiumprojekt des Städtebaus in Deutschland und wird im Förderprogramm des Bundes berücksichtigt. Im Gegensatz zu anderen Projekten wurde bei der Bayernkaserne Bürger_innen schon sehr früh bereits vor Auslobung des Wettbewerbs die Partizipation ermöglicht. Durch Auftakt- und Werkstattgespräche konnten sich die Bürger_innen mit Mitgliedern des Preisgerichts, der Bezirksausschüsse und der Stadtverwaltung über die Erwartungen an das Wettbewerbsverfahren austauschen und sich über den Auslobungstext informieren. Das umfassende Beteiligungsformat wurde auch nach dem Wettbewerb durch ganztägige Werkstattgespräche und Erörterungsveranstaltungen fortgesetzt. Holzbausiedlung Prinz-Eugen-Kaserne(München): Infrastruktur für langfristige Partizipation https://www.muenchen.de/rathaus/Stadtverwaltung/Referatfuer-Stadtplanung-und-Bauordnung/Projekte/Prinz-EugenKaserne/Holzbau.html Im südlichen Bereich des Prinz-Eugen-Parks entsteht mit rund 570 Wohnungen die größte zusammenhängende Holzbausiedlung Deutschlands. In das Wohnquartier integriert sind unter anderem zwei Kindergärten, eine Quartierszentrale, ein überdachter Marktplatz und ein Eiscafé. Außerdem gibt es viel Raum für gemeinschaftsorientierte Nutzungen, wie zum Beispiel Werkstätten, Co-Working-Spaces, Gemeinschaftsräume, gemeinschaftlich genutzte Dachgärten und Urban-GardeningFlächen. Schon während der Planungszeit haben alle Akteure im Quartier eine gemeinsame Website betrieben, über die vielseitig informiert und gemeinsame Veranstaltungen oder Belange der zukünftigen Bewohner_innen kommuniziert wurden. Die von den Bewohner_innen gegründete GeQo eG – Genossenschaft für Quartiersorganisation wird voraussichtlich im Herbst 2020 die Quartierszentrale am zentralen Platz mit Nachbarschaftscafé, Mobilitätsstation, Paketshop und Concierge-Desk in Betrieb übernehmen. Ehemalige Bayernkaserne(München): Bürgerliche Einbindung von Anfang an https://www.muenchen.de/rathaus/Stadtverwaltung/Referatfuer-Stadtplanung-und-Bauordnung/Projekte/Bayernkaserne.html Als mustergültiges„urbanes Gebiet“ ist die Bayernkaserne ein S 5 Das Klima-Handbuch für Kommunen Den solidarisch-ökologischen Wandel erfolgreich gestalten Kapitel 1 – Warum die Klimakrise sofortiges Handeln erfordert Ergänzend möchten wir Sie noch auf das neue Klima-Handbuch für Kommunen des BayernForums der Friedrich-Ebert-Stiftung hinweisen, das ab sofort online verfügbar ist. Hier finden Sie weitere Best-Practice-Beispiele und weiterführende Informationen speziell für Kommunen. Das Klima-Handbuch für Kommunen Den solidarisch-ökologischen Wandel erfolgreich gestalten Neue Publikation des BayernForums Das neue Klima-Handbuch für Kommunen ist nun online verfügbar! Die Klimakrise ist eines der größten Probleme unserer Zeit. Solidarisch-ökologischer Wandel ist notwendig. Wandel ist möglich. Kommunen kommt hierbei eine Schlüsselrolle zu. Sie als Bürgermeister_innen, Stadt-, Gemeinde-, Kreis- und Landrät_innen, Mitarbeitende in der Verwaltung, klimabewegte Gruppen und aktive Bürger_innen haben Einfluss auf die Entwicklung des Klimas und müssen die Klimakrise nicht machtlos hinnehmen. Das BayernForum möchten Sie dabei mit diesem Handbuch begleiten. Das Handbuch steht Ihnen ab sofort digital zur Verfügung – laden Sie es bitte hier herunter und leiten Sie es an weitere Interessierte weiter. Die Autorin: Elena Müller, Studentin des Bachelors Politics, Economics and Social Thought und Student Research Assistant bei TMG ThinkTank for Sustainability GmbH. Der Text wurde als Hintergrundmaterial zum Labor„Städte für Menschen bauen“ des Global Green Deals Forum der Friedrich-Ebert-Stiftung erstellt. Impressum:© Friedrich-Ebert-Stiftung| Herausgeber: Managerkreis der Friedrich-Ebert-Stiftung, Hiroshimastr. 17, 10785 Berlin| www.managerkreis.de| ISBN: 978-3-96250-662-9 Eine gewerbliche Nutzung der von der FES herausgegebenen Medien ist ohne schriftliche Zustimmung durch die FES nicht gestattet. Design: Lobo-Design.com Druck: Brandt GmbH S 6