Stefan Berger, Anja Kruke, Karsten Rudolph(Hrsg.) Helga Grebing – Wissenschaft in gesellschaftlicher Verantwortung BEITRÄGE AUS DEM ARCHIV DER SOZIALEN DEMOKRATIE| HEFT 8 Anja Kruke, Stefan Berger, Karsten Rudolph (Hrsg.) Helga Grebing Wissenschaft in gesellschaftlicher Verantwortung Beiträge aus dem Archiv der sozialen Demokratie Heft 8 Friedrich-Ebert-Stiftung Archiv der sozialen Demokratie Beiträge aus dem Archiv der sozialen Demokratie herausgegeben von Anja Kruke Archiv der sozialen Demokratie der Friedrich-Ebert-Stiftung Godesberger Allee 149 53175 Bonn Kostenloser Bezug beim Archiv der sozialen Demokratie der Friedrich-Ebert-Stiftung: public.history@fes.de https://www.fes.de/bibliothek/fes-publikationen Eine gewerbliche Nutzung der von der Friedrich-Ebert-Stiftung herausgegebenen Medien ist ohne schriftliche Zustimmung der Herausgeberin nicht gestattet. © 2020 by Friedrich-Ebert-Stiftung, Bonn Redaktion: Anja Kruke, Stephan Feldmann Gestaltung und Satz: PAPYRUS – Lektorat+ Textdesign, Anja Rosenthal, Buxtehude Umschlag: Maya Hässig, Köln Bildnachweis: privat(Rückseite), Karsten Rudolph(Titelbild) Druck: bub Bonner Universitäts-Buchdruckerei Erste Auflage Printed in Germany 2020 ISBN 978-3-96250-536-3 ISSN 1431-6080 BEITRÄGE AUS DEM ARCHIV DER SOZIALEN DEMOKRATIE| HEFT 8 3 Inhalt Einführung Stefan Berger, Anja Kruke, Karsten Rudolph Helga Grebing als Wissenschaftlerin in gesellschaftlicher Verantwortung...................................................................................... 5 Arbeiterbewegung und soziale Frage heute Tagung zur Erinnerung an Helga Grebing(2019) Konzept................................................................................. 11 Tagungsprogramm.................................................................... 12 Dietmar Süß Welche Solidarität – oder: Warum beschäftigen wir uns noch mit der Geschichte der Arbeiterbewegung? In Erinnerung an Helga Grebing.................................................. 14 Philipp Kufferath Sozialdemokratische Netzwerke zwischen Wissenschaft und Politik Peter von Oertzen und Helga Grebing als intellektuelle ­Brückenbauer... 35 Thomas Meyer Was von der Arbeiterbewegung bleibt............................................ 47 Bibliografie Publikationen von Helga Grebing................................................... 57 Beiträge.............................................................................. 57 Monografien........................................................................ 82 Sammelwerke....................................................................... 85 Sonstiges............................................................................. 88 Werke und Texte über Helga Grebing / Festschriften............................. 89 Zu den Autoren_innen ........................................................... 91 BEITRÄGE AUS DEM ARCHIV DER SOZIALEN DEMOKRATIE| HEFT 8 5 Einführung Stefan Berger, Anja Kruke, Karsten Rudolph Helga Grebing als Wissenschaftlerin in gesellschaftlicher Verantwortung Wenn man Literatur zur Geschichte der Arbeiter_innenbewegung sucht, stößt man unweigerlich auf den Namen Helga Grebing. Ihre Arbeit in der Geschichtswissenschaft war zeitlebens tief geprägt von der Vorstellung, dass Wissenschaft kein Selbstzweck, sondern der Gesellschaft zu dienen habe. Ihr Lebensweg spiegelt diese Überzeugung, dass Geschichtswissenschaft immer auch die Perspektive der Vermittlung mitdenken müsse, da sie in einer gesellschaftlichen Verantwortung stünde. Nach ihrer Dissertation hatte sie zunächst als Lektorin und als Abteilungsleiterin an der Volkshochschule München sowie als Referentin der Hessischen Landeszentrale für politische Bildung gewirkt. Nebenbei nahm sie Lehrtätigkeiten an verschiedenen Institutionen wahr. Erst danach fand sie durch ein Habilitationsstipendium ihren Weg zurück in die universitäre Wissenschaft. Sie wirkte im Folgenden an den Universitäten in Frankfurt, Göttingen und Bochum. Besonders in Bochum hat sie als Direktorin des heutigen Instituts für soziale Bewegungen, einer zentralen wissenschaftlichen Einrichtung an der Ruhr-Universität, nachhaltige Spuren hinterlassen. So war sie maßgeblich an einer Weiterentwicklung des bereits in seiner Gründungsphase den europäischen Vergleich mit inkorporierenden Institution beteiligt. Die dennoch als Institut für die Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung von Hans Mommsen gegründete Institution wurde von Helga Grebing in Institut für die Geschichte der europäischen Arbeiterbewegung umbenannt. Sie ließ der programmatischen Umbennung Taten folgen, denn immer wieder widmeten sich Forschungsprojekte am Institut europäi­ schen Themen. Das heutige Institut für soziale Bewegungen setzt diese Tendenzen mit seiner klaren Ausrichtung auf globalgeschichtliche Themen und die transnationale Einbettung einer Regionalgeschichte konsequent fort. Die Schriftenreihe 6 BEITRÄGE AUS DEM ARCHIV DER SOZIALEN DEMOKRATIE| HEFT 8 des Instituts im Klartext-Verlag, die sie begründete, wird heute noch fortgeführt und hat sich als eine gute Adresse für die Veröffentlichung von sozialgeschichtlichen, regionalgeschichtliche Arbeiten sowie Arbeiten zur Geschichte der Arbeiter- und sozialen Bewegungen fest in der bundesrepublikanischen Forschungslandschaft verankert. Daneben nennt das Institut heute drei englischsprachige Buchreihen sein eigen und hat auch die Zeitschrift des Instituts in eine englischsprachige, zunehmend transnational und vergleichend ausgerichteteten und international wahrgenommenen Forschungspublikation gemacht. Gerade die Geschichte der Gewerkschaften lag Helga Grebing immer sehr am Herzen und sie förderte selbige, wo es nur ging. Sie initiierte eine produktive Partnerschaft mit der Hans-Böckler-Stiftung, die von ihrem Nachfolger, Klaus ­Tenfelde, noch intensiviert wurde und heute nach wie vor zu den absoluten Schwerpunkten der Institutsarbeit gehören. Bahnbrechende Arbeiten zur betrieblichen Mitbestimmung und zur Sozialpartnerschaft, die in den letzten Jahren am Institut entstanden sind, sowie die Einrichung einer Kommission des DGB zu den»Erinnerungskulturen der sozialen Demokratie«(2017–2020) am Institut sprechen hier eine eindeutige Sprache. Ein weiteres Thema, das Helga Grebing am Institut konsequent weiterentwickelte, war die Geschichte von Industrieregionen. Der Regionenvergleich, innerhalb und außerhalb Deutschlands, wurde unter ihrer Ägide massiv vorangetrieben. Dies ist auch bis heute eine der Schwerpunkte der Institutsarbeit geblieben. Institutionell tief in die Region verankert, bemüht es sich, die Region in die Welt zu tragen und zugleich die Welt in die Region einzuführen. Ein auf sich selbst begrenzter Regionalismus, auch das eine der weiterführenden Einsichten Helga ­Grebings, endet notwendigerweise im Provinzialismus. Dagegen bereiten historisch vergleichende und tranregionale Perspektiven den Boden für eine weltoffene und sich selbst kontextuell verortende und reflektierende Industrieregion im Hier und Jetzt. Dabei intensivierte Grebing auch die regionalpolitische Arbeit des Instituts, die bereits unter Hans Mommsen seinen Ausdruck etwa in den abgehaltenen Schulungen für Betriebsräte gefunden hatte. Grebing setzte sich intensiv für den Erhalt der Bochumer Jahrhunderthalle ein und brach so, gemeinsam mit anderen, eine Lanze für die entstehende Industriekultur der Region, die heute zu den ­global BEITRÄGE AUS DEM ARCHIV DER SOZIALEN DEMOKRATIE| HEFT 8 7 herausragendsten Charakteristika des Ruhrgebiets gehört. Klaus Tenfelde setzte dieses Engagement durch seinen Einsatz für die Idee der Ruhrstadt fort und heute gehört das Institut, im Verbund mit anderen Forschungs- und Kulturorganisationen der Region, zu denen, die sich intensiv für die Region und ihre positive Weiterentwicklung einsetzen. Die Beförderung der Erinnerungs­geschichte der Region gehören hier ebenso erwähnt wie die Initiativen zur Gründung einer Nationalstiftung Industriekultur, die die dauerhafte Sicherung der materiellen und immateriellen Hinterlassenschaften der Schwerindustrie garantieren würde. Dass die Industriekathedralen der Moderne und ihre Bezüge zu Arbeiterleben und ­Arbeiterbewegung ebenso viel wert sein sollten wie Schlösser, Bürgerhäuser und mittelalterliche Kathdralen, das würde Helga Grebing sicher sofort unterschrieben haben. Als politische Intellektuelle war Grebing zeit ihres Lebens bemüht, eine»praktische Vergangenheit«(Hayden White) in die Gegenwart hineinwirken zu lassen, um im Hier und Jetzt bestimmte Zukunftsvorstellungen verwirklichen zu können. Das bleibt bis heute eines der Ziele des Instituts für soziale Bewegungen in Bochum, das Helga Grebing so viele Anregungen verdankt, die es auch heute noch gerne aufnimmt und weiterträgt. Überschaut man das Oeuvre von Helga Grebing, dann erscheint dieses ebenso umfangreich wie vielfältig. In seinem Zentrum liegt die Beschäftigung mit der Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung vom 19. in das 21. Jahrhundert. Hier findet man Klassiker, die bis ins Chinesische übersetzt wurden, in mehreren Auflagen erschienen und Stärken von wiederum mehreren zehntausend Exemplaren besaßen. Daneben stehen Monografien und Aufsatzsammlungen, Debattenbände und Bildbände, Zeitschriften und Handbücher, historische Stadtführer und sogar Comics. Helga Grebing bewegte sich in vielen Gattungen der historisch-­ politischen Literatur. Eine ähnliche Breite besaßen ihre methodischen Zugänge zu den historischen Gegenständen. Sie beschäftigte sich intensiv mit der Ideengeschichte, die von der Mentalitätsgeschichte vorübergehend aufgesogen wurde und heute in begriffsgeschichtlichen Fragestellungen relevant ist. In der Politikwissenschaft erlebt sie gerade eine regelrechte Renaissance. Sie beflügelte mit ihren Ideen und praktischen Initiativen die moderne historische Regionalforschung, die zeitweilig als Alternative zu einer nationalen Geschichtsschreibung gesehen und später von der sich entwickelnden Globalgeschichte teilweise aufgenommen 8 BEITRÄGE AUS DEM ARCHIV DER SOZIALEN DEMOKRATIE| HEFT 8 wurde. Sie verlieh der Parteienforschung historische Tiefe und trug mit dazu bei, dass die biografische Geschichtsschreibung rasch aus ihrer Krise in den 1970er-­ Jahren herausfand. Nicht zuletzt erledigte sie anspruchsvolle Herausgeberschaften mit Umsicht und Beharrlichkeit, Leidenschaft und Kenntnisreichtum. An ­erster Stelle ist hier die Mit-Herausgabe der voluminösen Berliner Willy-Brandt-A­ usgabe zu nennen und nicht zuletzt die zehnbändige Geschichte der Demokratiebewegungen in Mitteldeutschland. Doch begrenzt sich das Werk Helga Grebings nicht auf die Arbeiter- und Arbeiterbewegungshistoriografie. Zu ihm zählt ebenso die frühe Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus, gefolgt von Arbeiten zur Geschichte des Zentrums und des Konservatismus, zur Demokratie- und Kulturgeschichte oder sozialgeschichtliche Forschungen zu Flüchtlingen in der Nachkriegszeit und zum so genannten deutschen Sonderweg. Dass dabei das wissenschaftliche Engagement in der Öffentlichkeit auch immer mit einer besonderen Herausforderung aus Geschlechterperspektive darstellte, mag dadurch deutlich werden, dass bei Grebings erster Publikation 1959 ihr Vorname nicht auf den Umschlag gedruckt wurde. 1 Der Isar Verlag nahm an, dass sich die von einer Frau verfassten Überblicksdarstellung des Nationalsozialismus schlecht verkaufen würde. Die verschiedenen Perspektiven auf die deutsche Geschichte des 20. Jahrhunderts speisten sich aus einem spezifischen Erkenntnisinteresse, das sich mit Fragen an die aktuelle Gesellschaft verband. Helga Grebing wurde in ihrer geschichtswissenschaftlichen Arbeit motiviert von der Vorstellung, diese Erkenntnisse gesellschaftlich sinnvoll einzusetzen und sich in diesem Sinne für die politische Bildung öffentlich einzusetzen. Daher war sie neben der Hans-Böckler-Stiftung insbesondere der Friedrich-Ebert-Stiftung eng verbunden. Bereits seit 1958 nahm sie in der Georg von Vollmar-Akademie in Kochel / Bayern sowie der Heimvolkshochschule Bergneustadt – neben anderen Einrichtungen der Arbeiterbewegung – eine Lehrtätigkeit auf, die sie auch bis weit in das Emerita-Alter aufrecht erhielt. Der Vollmar-­ Akademie in Kochel blieb sie lange als Vorsitzende des Kuratoriums verbunden. Zwanzig Jahre später begann sie als Mitglied des Auswahlausschusses der Stu­ dienförderung mitzuwirken; als Vertrauensdozentin hatte sie sich schon länger 1 Dies machte Christl Wickert in ihrem Beitrag auf der Tagung 2017 zu Ehren Helga Grebings deutlich. BEITRÄGE AUS DEM ARCHIV DER SOZIALEN DEMOKRATIE| HEFT 8 9 engagiert. 2 Ihre langjährige Mitwirkung im Auswahlausschuss und auch als Vertrauens­dozentin gab sie 1994 auf; sie blieb auch danach der Studienförderung eng verbunden, z. B. durch ihre Mitarbeit an der Vergabe des Herbert-Wehner-­ Stipendiums. Die Stiftung nahm sie zudem 1996 in den Verein auf. Diese Mitglied­ schaft sollte sie bis zu ihrem Tod behalten. Sie verband in der Arbeit für die Stiftung die verschiedenen Perspektiven von Wis­ senschaft und Vermittlung. Ihr Interesse an den Fragen von Vermittlung und Engagement blieben auch nach ihrer Emeritierung bestehen. Dank ihrer Neugierde auf andere und neue Vermittlungsmöglichkeiten ließ sie sich für neue Projekte gewinnen. Sie wirkte 2011 an der Entstehung des Lesebuchs zur Geschichte der sozialen Demokratie mit – eine Buchreihe, die die Akademie für soziale Demokratie als leichte Einstiegsbücher in verschiedene Themenfelder entwickelte. 3 Schließlich wagte sie sich 2013 mit 83 Jahren an ihren ersten Comic heran, als sie zusammen mit Ansgar Lorenz eine Comic-Biografie Willy Brandts h­ erausbrachte. 4 Es war Helga Grebing immer wichtig, neue Generationen an die Fragen der Geschichte der Arbeiterbewegung zu interessieren. Daher engagierte sie sich gemeinsam mit ihrem Mitstreiter Klaus Wettig intensiv für die Einrichtung einer Förderlinie zur Geschichte der Sozialen Demokratie, die 2015 im Rahmen der Studienförderung bei der Friedrich-Ebert-Stiftung ihre Arbeit aufnahm. Auf der Tagung zu Ehren Helga Grebings im Februar 2019 haben wir dieses Engagement aufgegriffen und Doktorand_innen aus dieser Förderung gebeten, ihre Forschungsarbeiten vorzustellen mit der Fragestellung, inwiefern sie anschlussfähig sind an die Arbeiten Helga Grebings. Das Konzept der Tagung sowie ihr Programm werden daher hier abgedruckt. 5 Dazu passt in Ergänzung eine Bibliografie der Arbeiten Grebings, die erweitert wurde um eine Aufstellung der über sie und zu ihren Ehren erschienenen Publikationen. 2 Dies ließ sich bislang nicht exakt aus den Akten der Studienförderung der Friedrich-Ebert-Stiftung rekonstruieren. 3 Michael Reschke / Jochen Dahm: Geschichte der Sozialen Demokratie, Bonn 2012. 4 Helga Grebing / Ansgar Lorenz: Willy Brandt. Eine Comic-Biografie. Berlin 2013. 5 Das Tagungsprogramm wurde in seinem Planungsstand vor Beginn der Tagung belassen, auch wenn einige Personen aus Krankheitsgründen hatten absagen müssen. Vgl. den Bericht[14.02.2020]. 10 BEITRÄGE AUS DEM ARCHIV DER SOZIALEN DEMOKRATIE| HEFT 8 Aus der Tagung wurden drei Vorträge in diese Broschüre aufgenommen, die in besonderer Weise das Denken und Wirken Grebings aufgreifen. Sie beleuchten eine Triebfeder des Engagements Helga Grebing, Solidarität, die ihr nicht nur als Grundwert des Sozialen wichtig war, sondern auch als analytische Sonde diente. Dietmar Süß geht in seinem Text, mit dem er die Tagung eröffnete, dem Solidaritätsbegriff(auch) bei Grebing nach und zeigt entlang ihres Denkens heutige geschichtswissenschaftliche Perspektiven auf. Demgegenüber zeichnet Thomas Meyer in seinem Abschlussvortrag die historischen und aktuellen Perspektive der Sozia­ len Demokratie nach und breitet damit den Hintergrund aus, auf dem ­Grebing ihre Aktivitäten verfolgte. Er verdeutlicht den Wandel und die Herausforderungen, vor denen nicht nur Historiker_innen heute stehen. Philipp Kufferath beleuchtet in seinem dazwischen platzierten Beitrag, wie Helga Grebing als public intellectual in einem spezifischen Milieu der Bundesrepublik wirkte. Die Erzählung entlang der Biografie Peter von Oertzens lässt erkennen, wie eine erkenntnisreiche Biografie Helga Grebings aussehen könnte – die noch geschrieben werden muss. BEITRÄGE AUS DEM ARCHIV DER SOZIALEN DEMOKRATIE| HEFT 8 11 Arbeiterbewegung und soziale Frage heute Tagung zur Erinnerung an Helga Grebing(2019) Konzept Die Geschichte der Arbeiterbewegung(männlich, Singular) ist aus der Mode gekommen. Zu diesem Eindruck muss man gelangen, wenn man sich die Hochkonjunktur dieser durchaus politisch motivierten Forschungsperspektive während der 1970er- und 1980er-Jahre ins Gedächtnis ruft und in der Gegenwart nach ihrer fortdauernden Relevanz sucht. Richtet sich der Blick aber etwas bescheidener und differenzierter auf die neueren Forschungen über Arbeitswelten, P­ arteien, politische Ideen, Biografien oder soziale Bewegungen, ergibt sich ein ganz anderes Bild. Überall tauchen – trotz zum Teil erheblicher Verschiebungen des Blickwinkels – Bezüge zu älteren Fragestellungen auf. Die Historikerin Helga Grebing(1930–2017) hat(nicht nur) diesen Ansätzen, The­ men und Methoden eigene Impulse gegeben und langem Atem verliehen. Überschaut man ihr vielfältiges Oeuvre in historischer Perspektive, scheint eine V­ ielzahl von Anknüpfungspunkten für eine immer weiter ausdifferenzierte Forschungslandschaft der Geschichts- Sozial- und Kulturwissenschaften auf. Für die Geschich­ te der Arbeiterbewegung(und Arbeit) setzte sie Standards, in der politisch-histo­ rischen Biografik ist sie mit Arbeiten über August Bebel, Willy Brandt, Waldemar von Knoeringen oder Johannes Rau hervorgetreten. Sie hat regionalhistorische Forschungen zur Geschichte der Arbeiterbewegung in Mitteldeutschland, zu alt­ industriellen Regionen im Vergleich oder zur niedersächsischen Landesgeschichte angeregt und gefördert. Die Ideengeschichte hat sie mit einem Handbuch zur Geschichte sozialer Ideen geerdet und die Beschäftigung der Politik- sowie Geschichtswissenschaft mit einer 1962 erschienenen»Geschichte der deutschen Parteien« befördert. Ziel der Tagung ist es, unter Berücksichtigung von den einschlägigen Arbeiten Grebings den jeweiligen Stand in Lehre und Forschung sowie deren neuere Tendenzen zu reflektieren. Dies soll durch komprimiert-analytische Beiträge, die poin­ tierte Vorstellung aktueller Forschungserträge und eine offene Abschlussdiskussion geschehen. 12 BEITRÄGE AUS DEM ARCHIV DER SOZIALEN DEMOKRATIE| HEFT 8 Tagungsprogramm Mittwoch, 27. Februar 2019 13:00 Uhr Begrüßung durch die Veranstalter und Einführung Stefan Berger, Karsten Rudolph(beide Bochum) und Anja Kruke(Bonn) 13:15 Uhr Warum beschäftigen wir uns(noch) mit der Geschichte der Arbeiterbewegung? Dietmar Süß(Augsburg) 14:00 Uhr 1. Ideen, die die Welt veränder(te)n Moderation: Richard Saage(Halle-Wittenberg) Kommentar: Dimitrij Owetschkin(Bochum) Die christlich-soziale Bewegung in Deutschland im Werk von Helga Grebing Rudolf Uertz(Bonn) Zwischen Marxismus und Demokratischem Sozialismus: Die Neue Linke in der Bundesrepublik. Felix Kollritsch(Bochum) »Heimat« in der Arbeiterbewegung des Wilhelminismus und der Weimarer Republik Anna Strommenger(Duisburg-Essen) 16:00 Uhr Kaffeepause 16:30 Uhr 2. Geschichte regional Moderation: Christl Wickert Kommentar: Bernd Weisbrod(Göttingen) »Wühler«,»Schieber« und»Putschisten«? Bolschewismusfurcht und»Ostjudengefahr« in Sachsen 1921. Mike Schmeitzner(Dresden) Gedenkstätten und regionale Verankerung: Von den Ursprüngen zur staatlichen Verankerung. Günter Morsch(Berlin) Die Sozialdemokratie in Niedersachsen Matthias Micus(Göttingen) 18:30 Uhr kleiner Imbiss 19:30 Uhr ABENDVERANSTALTUNG 3. Podium: Über die historischen Dimensionen demokratischer Politik Moderation: Karsten Rudolph Peter Brandt(Hagen), Constantin Goschler(Bochum), Markus Meckel, ehem. Außenminister der DDR, Jörg Schönenborn, WDR-Fernsehdirektor, Bernd Faulenbach, Vorsitzender Gegen Vergessen – Für Demokratie e. V., Christina Morina(Amsterdam) BEITRÄGE AUS DEM ARCHIV DER SOZIALEN DEMOKRATIE| HEFT 8 13 Donnerstag, 28. Februar 2019 09:30 Uhr 4. Parteiengeschichte und politische Biografik Moderation: Ursula Bitzegeio(Bonn) Kommentar: Meik Woyke(Bonn) Klasse, Bewegung und Persönlichkeit Jürgen Schmidt(Berlin) Sozialdemokratische Netzwerke zwischen Wissenschaft und Politik Philipp Kufferath(Köln) 11:00 Uhr Kaffeepause 11:30 Uhr 5. Parteiengeschichte und soziale Bewegungen Moderation: Meik Woyke Kommentar: Bernd Faulenbach(Bochum) Die Gewerkschaften und Neue soziale Bewegungen Ulf Teichmann(Bochum) Arbeit durch Umwelt? Sozialdemokratie und Umweltbewegung im Spannungsfeld zwischen Ökologie und Ökonomie Felix Lieb(München) Homosexualität und Sozialdemokratie Mario Dahm(Köln) 13:30 Uhr Mittagsimbiss 14:00 Uhr Abschlussvortrag Was bleibt von der Arbeiterbewegung? Thomas Meyer, Politikwissenschaftler und Herausgeber der Neuen Gesellschaft  /  Frankfurter Hefte 15:00 Uhr Abreise 14 BEITRÄGE AUS DEM ARCHIV DER SOZIALEN DEMOKRATIE| HEFT 8 Dietmar Süß Welche Solidarität – oder: Warum beschäftigen wir uns noch mit der Geschichte der Arbeiterbewegung? 1 In Erinnerung an Helga Grebing Ja, wozu eigentlich? So ganz leicht fällt die Antwort auf die Frage, wozu die Geschichte der Arbeiterinnen- und Arbeiterbewegung noch da sein könnte, nicht: Sie fällt nicht leicht, weil unklar ist, wer das»wir« eigentlich ist. Sie fällt nicht leicht, weil nicht eindeutig zu bestimmen ist, wer oder was eigentlich»die Arbeiterbewegung« ist. Und sie ist auch deshalb nicht leicht, weil dieses»warum« ja nach einer normativen und nach einer wissenschaftlichen Antwort verlangt, die sich nicht aus sich selbst einfach ergibt. Mit Seminaren zur»Arbeiterbewegung« bewegt man jedenfalls die Masse der Studierenden nicht mehr. Und vielleicht ist diese Abstimmung mit den Füßen der deutlichste Hinweis darauf, wie massiv der Legitimationsverlust und wie wenig selbstverständlich das Thema inzwischen ist. Dies alleine auf die Studierenden zu schieben, wäre gleichwohl viel zu einfach. Denn: Um was würde es eigentlich in einem Seminar zur»Arbeiterbewegung« genau gehen: Um die Gewerkschaften, um die Sozialdemokratie oder die Geschichte des Kommunismus? Um Arbeiter, um Arbeiterinnen, solche, die nicht organisiert sind, solche, die vielleicht gar nicht in den alten Industrien arbeiten? Arbeiterinnen und Arbeiter, die sich als solche gar nicht fühlen, die vielleicht auch gar nicht in Deutschland, sondern in globalen Produktionsketten arbeiten? Reden wir also über neue oder alte Formen sozialer, geschlechtsspezifischer, rassistischer Ungleichheiten? Über das heterogene Prekarität der Gegenwart, das im Windschatten derer entstanden ist, die einst angetreten waren, genau solche Gruppen zu vertreten und die sich heute damit so schwer tun? 2 Sind es die großen Massenorganisationen, ihre Organisationskultur, ihre Trägheiten und Dynamiken, 1 Der Vortragsstil ist weitgehend beibehalten, und der Text nur um die nötigsten Anmerkungen ergänzt. Allein aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird im Folgenden weitgehend auf die gleichzeitige Verwendung männlicher und weiblicher Sprachformen verzichtet. Sämtliche Personenbezeichnungen gelten für beide Geschlechter. 2 Robert Castel / Klaus Dörre(Hrsg.): Prekarität, Abstieg, Ausgrenzung. Die soziale Frage am Beginn des 21. Jahrhunderts, Frankfurt am Main / New York 2009. BEITRÄGE AUS DEM ARCHIV DER SOZIALEN DEMOKRATIE| HEFT 8 15 ihre Beziehungen zu anderen sozialen Bewegungen? Und reden wir am Ende ­sogar über solche Teile der Arbeiterschaft, die so gar nicht»gut«, so gar nicht»solidarisch« mit dem Rest der ganzen Welt sein wollen – sondern nur mit sich selbst oder gar mit ihren eigenen»Volksgenossinnen und Volksgenossen«? Viel von dem, worum was es im Folgenden gehen soll, ist angeregt durch Helga Grebing, die wir alle so schmerzlich vermissen. Immer wieder hat sie darauf hingewiesen, dass sich in der Geschichte der Arbeiterbewegung zentrale Konflikte industrieller Gesellschaften und der Kommodifizierung der Arbeitskraft seit dem 19. Jahrhundert widerspiegeln. Im Begriff der»Arbeiterbewegung« schwingen zu­dem immer auch Deutungskonflikte darüber mit, was eine Arbeitsgesellschaft ist und was»die« Arbeiterbewegung eigentlich ausmacht. Strittig war die Prägekraft klassenspezifischer Erfahrungen, das Verhältnis zu Staat und Demokratie, zum Kapitalismus und seiner Überwindung. Gleichwohl, auch Grebing war klar: Die Sicherheit des Zugriffs, die eine ältere Arbeiterbewegungsgeschichte angetrieben hat, ist in der Gegenwart nicht mehr so einfach zu formulieren. Aber das ist nicht nur ein Problem, sondern auch eine Chance, die vielerorts in den unterschiedlichen Projekten sichtbar ist. Ich will in einem ersten Schritt einige der Ausgangsprobleme skizzieren, die die Historiografie der Arbeiterbewegungsgeschichte zumindest in der alten Bundesrepublik mitgeprägt haben. 3 Vollständig wird das sicher nicht sein, und vieles ließe sich ergänzen. 4 Im zweiten Teil will ich dann zumindest andeutungsweise über einen Begriff sprechen, von dem ich denke, dass in ihm einiges an Innovationskraft steckt, so abgedroschen er klingt: Der Begriff der»Solidarität«, über den auch Helga Grebing immer wieder nachgedacht hat. 5 3 Einige Überlegungen gehen zurück auf Dietmar Süß: A scheene Leich? Stand und Perspektiven der westdeutschen Arbeitergeschichte nach 1945, in: Mitteilungsblatt des Instituts für soziale Bewegungen 35, 2004, S. 51–76. 4 Zu den jüngeren Forschungsüberblicken zählt vor allem der exzellente und ausgewogene Überblick bei Kim Christian Priemel: Heaps of work. The ways of labour history, in: H-Soz-Kult, 23.01.2014, [29.05.2019]. 5 Vgl. Helga Grebing: Neue Solidarität ohne alte Arbeiterbewegung?, in: Gewerkschaftliche Monatshefte 47, 1996, H.11, S. 761–766; dies.: Was hält unsere Gesellschaft zusammen? Der Grundwert Solidarität in Zeiten der Verkündigung von»Eigenverantwortung«, in: Perspektiven ds, 2005, H. 2, S. 90–98. 16 BEITRÄGE AUS DEM ARCHIV DER SOZIALEN DEMOKRATIE| HEFT 8 I. Eine Bestandsaufnahme Wo befinden wir uns also jetzt? Über die»Krise« der Arbeiterbewegungsgeschichte ist nun wahrlich in den letzten Jahren genug geschrieben worden, auch über ihre Revitalisierungsversuche, und wenn jemand dafür geworben hat, die Attraktivität dieses Forschungsfelds immer wieder zu betonen, dann war das Helga ­Grebing. Die Krisenrhetorik hat viele Ursachen: methodische, auch politische, und manchmal ist die Rede von der»Krise« nichts anderes als der Ausdruck allzu großer Wehleidigkeit und ein Mangel an kritischer Selbstreflexion über die Art und Weise, wie Arbeiterbewegungsgeschichte geschrieben werden könnte. Ich mag mich täuschen, aber derzeit gibt es keinen allzu großen Mangel an Projekten, die im Umfeld der labour history entstehen. Mit Lutz Raphaels Buch über Arbeiterinnen und Arbeiter in Deutschland, Großbritannien und Frankreich seit den 1970er-Jahren liegt eine neue, methodisch herausragende und empirisch innovative Studie vor, die den Blick für die strukturellen Veränderungen von der Epoche»nach dem Boom« bis in unsere Gegenwart schärft 6 , und wer sieht, wie sich in den letzten Jahren das Archiv für Sozialgeschichte verändert und sein Themenspektrum erweitert hat, spürt etwas davon, wie weit der Häutungsprozess inzwischen gediehen ist. Womöglich hat dies auch etwas mit einem gesteigerten Interesse an der Globalgeschichte und der damit verbundenen global labour history zu tun 7 , die in den letzten Jahren eine ganz erstaunliche Konjunktur erfahren hat als Teil einer erneuerten Geschichte des Kapitalismus. Eindringlich sind dabei die langen Kontinuitätslinien»freier« und»unfreier« Arbeit 8 im Kontext kolonia­ ler Ausbeutungsverhältnisse untersucht und die Verwendung klassischer Instrumenten der europäischen Sozialgeschichte für die Analyse außereuropäische Gesellschaften kritisiert worden. Hier ist gleichsam ein geschichtswissenschaftliches Paralleluniversum entstanden, dessen Ergebnisse bislang nur in sehr eingeschränk6 Lutz Raphael: Jenseits von Kohle und Stahl. Eine Gesellschaftsgeschichte Westeuropas nach dem Boom, Frankfurt am Main 2019. 7 Andreas Eckert(Hrsg.): Global Histories of Work, Berlin / Boston 2016; Marcel van der Linden, Workers of the World: Essays toward a Global Labor History, Leiden 2008; Karl Heinz Roth / Marcel van der Linden: On the Road to Global Labour History. A Festschrift for Marcel van der Linden, Historical Materialism Book Series 148, Boston 2017. 8 Tom Brass / Marcel van der Linden(Hrsg.): Free and unfree labour. The debate continues, Bern / New York 1997; Thomas Welkopp: Kapitalismus und Konzepte von Arbeit. Wie systemisch zentral ist »freie Lohnarbeit« für den Kapitalismus? in: Geschichte und Gesellschaft 43, 2017, S. 197–216. BEITRÄGE AUS DEM ARCHIV DER SOZIALEN DEMOKRATIE| HEFT 8 17 Helga Grebing war viele Jahre der im österreichischen Linz stattfindenden International Conference of Labour and Social History (ITH) eng verbunden, hier auf einem Podium(Mitte) 1981. (privates Foto) tem Umfang in den deutschen Debatten zur Kenntnis genommen wurden. Und anders als noch vor zehn, 15 Jahren hat sich die Aufmerksamkeit konsequent den gegenwärtigen zeithistorischen Debatten, allen voran über die Zäsuren der 1970er-Jahre, angenähert 9 , in deren Zentrum ja die Frage nach dem veränderten Charakter der Arbeitsgesellschaften westlichen Typs und einem damit verbundenem»Strukturbruch« stehen. 10 Für die labour history jedenfalls ist dies ein weites, potenzielles Aufgabenfeld.  9 Dietmar Süß / Winfried Süß: Zeitgeschichte der Arbeit: Beobachtungen und Perspektiven, in: Knud Andresen / Ursula Bitzgeio / Jürgen Mittag(Hrsg.):»Nach dem Strukturbruch«. Kontinuität und Wandel von Arbeitsbeziehungen und Arbeitswelt(en) seit den 1970er Jahren, Bonn 2011, S. 345– 368. 10 Anselm Doering-Manteuffel / Lutz Raphael, Nach dem Boom: Perspektiven auf die Zeitgeschichte seit 1970, Göttingen 2008. 18 BEITRÄGE AUS DEM ARCHIV DER SOZIALEN DEMOKRATIE| HEFT 8 Dabei sind die Zugriffe pluraler geworden 11 : Arbeiterbewegungsgeschichte war zunächst die Geschichte der Organisation politischer Interessen, die Geschichte von Sozialdemokratie, Kommunismus und Gewerkschaften, von Richtungskonflikten innerhalb der Linken, von Ideen und Programmen, von Funktionären und ihren Biografien, von organisationskulturellen Netzwerken und ihren Ritualen. Allerdings gehörte die Frage, wie sich spezifische Arbeits- und Lebensbedingungen kapitalistischer Gesellschaften in soziale Bewegungen von Dauer verwandeln, immer auch zu den zentralen Themen, sodass»Arbeiter- und Arbeiterinnenbewegungsgeschichte« zwar unterschiedliche Probleme beschrieben, konzeptionell aber zusammengehörten – jedenfalls in den großen Pionierstudien, die das Feld in den 1970er-Jahren vermessen haben. Insgesamt wird man deshalb sagen können: Es ist weniger die Arbeiterbewegungsgeschichte – wobei der Begriff der labour history vielleicht am genauesten ist – als ihre vormaligen Repräsentanten, die in einer»Krise« – oder sagen wir: in einer schwierigen Phase der Selbstfindung sind. Aber beides hängt wohl zusammen. Nicht wenige haben jüngst die Diskussionen um die Abschaffung und Neubelebung der Historischen Kommission erlebt, die an Absurdität kaum zu überbieten waren. Dahinter steht eben doch die viel grundsätzlichere Frage nach dem Stellenwert von Geschichte als politischer Ressource, als Ressource der Selbstvergewisserung und als kritische Innovationskraft, die gerade für die Sozialdemokratie von so großer Bedeutung ist. Ein kleines Beispiel soll verdeutlichen, was damit gemeint ist. In der alten Münchner Kongresshalle 12 trafen sich vor genau 40 Jahre, im Herbst 1979, all diejenigen, denen die Arbeitergeschichte besonders am Herzen lag: Gewerkschafter und Historiker, Politologen und andere Sozialwissenschaftler. Sie fanden sich zum g­ rößten je organisierten Gewerkschaftskongress mit dem Thema»Geschichte« in Deutschland zusammen. 13 Es versammelte sich alles, was sich irgendwie für links hielt 11 Nur ein Beispiel von mehreren: Knud Andresen / Michaela Kuhnhenne / Jürgen Mittag / Johannes Platz(Hrsg.): Der Betrieb als sozialer und politischer Ort. Studien zu Praktiken und Diskursen in den Arbeitswelten des 20. Jahrhunderts, Bonn 2015. 12 Dass dieser Ort inzwischen eine vollständige Sanierung erfahren und nur noch die Fassade mit der alten Tagungsstätte gemein hat, ist dabei vielleicht ein passender Zufall. 13 Alles nach: Heinz Vetter(Hrsg.): Aus der Geschichte lernen – die Zukunft gestalten. Dreißig Jahre DGB. Protokoll der wissenschaftlichen Konferenz zur Geschichte der Gewerkschaften vom 12. und 13. Oktober 1979 in München, Köln 1980. BEITRÄGE AUS DEM ARCHIV DER SOZIALEN DEMOKRATIE| HEFT 8 19 – mit allen Schattierungen von dunkel- bis hellrot oder zartrosa, um über die Geschichte der Gewerkschaften und der Arbeiterbewegung zu streiten. Darunter wa­ ren nicht nur die damals ja noch ebenso jungen wie kämpferischen Jürgen Kocka und Hans-Ulrich Wehler, auch Helga Grebing war mit dabei, Hans Mommsen, auch Gerhard A. Ritter, Susanne Miller, Carola Stern, Peter von Oertzen, Frank Deppe und Georg Fülberth, selbst Werner Conze. Gestritten wurde über alles, was die damals noch so junge Disziplin der Sozialgeschichte, der Arbeiter- und Gewerkschaftsgeschichte umtrieb: es ging um die Räterepublik, um die Rolle der Gewerkschaften in der Weimarer Republik, um das»Versagen« oder den»Verrat« der Arbeiterfunktionäre und die»kapitalistische Restauration« nach 1945. Natürlich ging es auch um unterschiedliche methodische Zugänge, um die Erklärungskraft von Sozial-, Ideen und Organisations­ geschichte. Und, auch das war spannend zu beobachten, um die Konflikte zwischen »linken« und christlichen Gewerkschaften, für die stellvertretend der junge N­ orbert Blüm stand. 40 Jahre ist das inzwischen her, und man kann wohl nur vorsichtig erahnen, wie leidenschaftlich diese Debatten geführt wurden und welch zentrale Bedeutung sie für die Sinndeutungsgemeinschaften und Lagerzugehörigkeit der Aktiven besaßen. Bemerkenswert war, dass auf diesem Kongress erstmals, wie es Hans Mommsen in seinen einleitenden Bemerkungen ausführte, Gewerkschaften und kritische Geschichtsschreibung miteinander diskutierten und damit akademische Forschung und gewerkschaftliche Praxis aufeinander zugingen. 14 Der Vorsitzende des DGB, Heinz Oskar Vetter, eröffnete den Kongress mit einer Rede, die unter der Überschrift stand:»Aus der Geschichte lernen«! 15 Die Argumente, die Vetter in seiner Rede präsentierte, waren nicht nur zentral für das Selbst­ verständnis führender Gewerkschafter; sie dürften einigermaßen typisch auch für die damalige Generation von Gewerkschaftsfunktionären an der Spitze der Einzelgewerkschaften gewesen sein. Dabei hatte Vetter gleich zu Beginn die, wie er meinte, zentrale»generationelle Erfahrung« in den Mittelpunkt gestellt, die ihn selbst, wie aber auch andere, in die Gewerkschaftsbewegung geführt hatte. An den Beginn seiner Ausführungen stellte er seine ganz persönliche Erinnerung 14 Hans Mommsen(Leitung): Podiumsdiskussion. Geschichte und Gewerkschaften: Bestandsaufnahme – Perspektiven, in: Vetter: Aus der Geschichte lernen, S. 24–59, hier S. 24. 15 Ders., Grundsatzreferat. Aus der Geschichte lernen – die Zukunft gestalten, in: ebd., S. 12–23. 20 BEITRÄGE AUS DEM ARCHIV DER SOZIALEN DEMOKRATIE| HEFT 8 an die»Stunde Null«, den Hunger und die Zerstörung, den Krieg und die Rückkehr in die zerbombten Städte. 16 Aus der Geschichte zu lernen: das war Vetters Credo. Und das hieß zunächst: dass nicht wieder die gleichen Fehler gemacht werden und Krieg und Zerstörung über Deutschland kommen sollten. Der Nationalsozialismus, ja vor allem die Not der ersten unmittelbaren Nachkriegszeit war das, was Vetter vor Augen hatte. Die Wirrungen und Fehler der eigenen Generation, ja der Deutschen an sich, die sich für den Nationalsozialismus begeistert hatten. Diese Selbstverpflichtung,»aus der Geschichte zu lernen«, war mehr als nur eine billige Floskel oder Imperativ politischer Bildungsarbeit.»Aus der Geschichte zu lernen« war Teil einer generationellen Selbstzuschreibung, die Vetter vollzog und die wesentlich zu seinem Selbstverständnis als gewerkschaftlicher Funktionsträger der Nachkriegszeit hinzugehörte.»Aus der Geschichte zu lernen« meinte nicht nur die Forderung an die Geschichtswissenschaft, die beinahe zwanghafte, wie er sagte, Form individuellen und kollektiven Vergessens zu verhindern. Es ging also um Geschichte als Aufklärungswissenschaft. Gleichzeitig sprach er davon, Geschichte habe die Verpflichtung, eine»falsche Sicht auf die Wirklichkeit zu entlarven« – was etwas weniger aufklärerisch klang, dafür etwas mehr paternalistisch. Aber noch etwas anderes kam hinzu und gehörte zum Subtext, den alle verstanden, ohne es aussprechen zu müssen:»Aus der Geschichte lernen« hieß, die richtigen Schlüsse zu ziehen und zu erkennen, dass es schließlich die Bergarbeiter gewesen seien, die nach 1945 den Wiederaufbau bewerkstelligt hatten. Es war das offensive Credo geschichtlicher Selbstaneignung, auf der»richtigen« Seite gestanden zu haben. Und vor allem gehörte es dazu, dass es primär die»anderen« waren, die lernen sollten, weil die Mehrheit der Arbeiterbewegung ja bereits auf der »richtigen« Seite gestanden hatte – trotz mancher Verfehlungen. Dieser Sendungsauftrag war es, aus dem sich historisches Selbstbewusstsein ableitete und der sich gleichsam in Geschichte niederschlagen sollte. Liest man in den Debatten des Kongresses, so spürt man förmlich in jedem Satz die Leidenschaft, mit der dort über Vergangenheit und Gegenwart der Gewerkschaftsgeschichte gerungen wurde. Es wird deutlich, wie sehr der Streit um Deutungsmacht Teil der Suche nach Aufklärung und Emanzipation, aber auch Teil 16 Ebd., S. 12f. BEITRÄGE AUS DEM ARCHIV DER SOZIALEN DEMOKRATIE| HEFT 8 21 ritueller Abgrenzung war. Gewerkschaftsgeschichte war eben auch Projektionsfläche sozial-utopischer Gesellschaftsentwürfe, und die Geschichte der Arbeiter und der Arbeiterbewegung diente bisweilen dafür als eines ihrer Legitimationsinstrumente. Man kann diese Art des»utopischen Überschusses« durchaus eher sympathisch finden, doch sollte man gleichwohl nicht verkennen, dass die rückwärtsgewandte Suche nach politischer Identität der Disziplin – und auch der Streitkultur – nicht immer gut taten. Für eine Antwort auf die Frage nach dem »warum«, warum wir uns mit der Geschichte der Arbeiterbewegung beschäftigen sollten, gibt jedenfalls der Erfahrungshaushalt aus der alten Arbeiterbewegung in der Gegenwart nur mäßige Innovationskraft. Wenn der Band an Helga Grebing erinnert und gleichzeitig nach Gegenwart und Zukunft der Arbeiterbewegung fragt, so hat das immer auch eine recht rosarote Färbung: die Sehnsucht nach einer guten alten Zeit, in der sich diejenigen, die sich mit Arbeiter- und Arbeiterbewegungsgeschichte beschäftigten an der Spitze des Fortschrittes wähnten und gewissermaßen die Geschichte der Guten und Gerechten gegen die Reaktionäre dieser Welt schrieben. Dabei gerät nicht nur in Vergessenheit, wie schwer es manche der Protagonistinnen und Protagonisten hatten, beruflich tatsächlich Fuß zu fassen. Es gerät auch allzu leicht aus dem Blick, was der Grund dafür war – und vielleicht auch noch ist –, dass Themen der Arbeiterbewegungsgeschichte nicht sofort helle Begeisterung entfachen. War die Arbeiter- und Arbeiterbewegungsgeschichte seit den späten 1960er- und 1970er-Jahren noch der Motor der Sozialgeschichte, erschien sie Anfang der 1990er-Jahre in vielerlei Hinsicht eindimensional und methodisch rückständig: Das lag daran, dass einige der ursprünglichen Ausgangshypothesen ins Wanken geraten waren. Dazu gehörte die Vorstellung, mit der Durchsetzung des Kapitalis­ mus sei ein dominanter Typus von Lohnarbeit und eine Arbeiterschaft mit einem geschlossenen Klassenbewusstsein entstanden, und auch die Annahme, eine lineare Homogenisierung der Arbeits- und Lebensbedingungen sei die wichtigste Grundlage kollektiven Verhaltens gewesen. Gleichzeitig öffneten die neuen sozia­ len Bewegungen, wie die Frauen- und Umweltbewegung, den Blick für nicht-klassenstrukturierte soziale Beziehungen und gesellschaftliche Konflikte. Vor allem die Geschlechtergeschichte legte ihre Finger in die offenen Wunden einer über Jahrzehnte eingeschränkten Perspektive auf die industriellen Gesellschaften des 22 BEITRÄGE AUS DEM ARCHIV DER SOZIALEN DEMOKRATIE| HEFT 8 19. und 20. Jahrhunderts, womit auch der lange Zeit dominierende Alleinvertretungsanspruch des Klassenbegriffs – egal ob in seiner marxschen oder weberschen Variante – immer stärker in Frage gestellt wurde. Die master narrative der Arbeiter- und Gewerkschaftsgeschichte war die Aufstiegs- und Heldengeschichte des weißen, männlichen, allerdings als geschichtliches Neutrum beschriebenen, städti­ schen Industrie- und Facharbeiters in Lohn und Brot. Die Realität sieht wohl anders aus. Sieht man von den Pionierarbeiten Josef Moosers ab 17 , dann blieb die(w­ estdeutsche) Arbeiter- und Gewerkschaftsgeschichte nach 1945 über viele Jahrzehnte weitgehend ein Feld der»klassischen« Sozialwissenschaft ohne vertiefende sozialhistorische Perspektive – und das mit weitreichenden Folgen. Damit entfiel ein spezifisch aus dem Blickfeld der Arbeiter- und Gewerkschaftsgeschichte geformter Beitrag zur Diskussion über die Frage nach dem Wandel von Klassen und Schichten zu Lagen und Milieus – und, damit verbunden, eine Kritik an bis d­ ahin dominierenden Vorstellungen von sozialem»höher« und»tiefer« in der sozialhisto­ rischen Klassen- und Schichtenforschung. Nicht-vertikale soziale Ungleichheiten aufgrund von Geschlecht, Alter oder ethnischer Zugehörigkeit hatten ebenso selten eine Rolle gespielt wie eine analytische Verknüpfung von Sozialstruktur und Kultur, von Lebenschancen und Lebensstilen und der»Verwandlung« von sozio­ ökonomischen in symbolische Unterschiede, die die englische Sozialgeschichte in der Nachfolge von E. P. Thompson prägte. Ausnahmeerscheinungen, wie der vor einiger Zeit verstorbene Alf Lüdtke, der selbst ja ein großes Interesse an der Arbeitergeschichte hatte, standen – bedauerlicherweise – eher am Rand des akademischen Feldes. Und auch die Frage nach Auf- und Abstiegserfahrungen von Arbeiterinnern und Arbeitern als zentralem Motiv politischen oder ökonomischen Verhaltens, ihre Wertorientierungen, die Semantiken von Selbst- und Fremdbeschreibungen sowie die Mehrdimensionalität und Dynamik von Klassenzugehörigkeit blieben weitgehend ausgespart und ein Feld angrenzender Disziplinen. Gleichzeitig war ein Deutungsmuster prägend, das, in Anlehnung an Mooser, den »Abschied von der Proletarität« verkündete und damit unausgesprochen den so17 Josef Mooser: Arbeiterleben in Deutschland 1900–1970. Klassenlagen, Kultur und Politik, Frankfurt am Main 1984. BEITRÄGE AUS DEM ARCHIV DER SOZIALEN DEMOKRATIE| HEFT 8 23 zialen Aufstieg und den Fortschrittsoptimismus der 1970er-Jahre fortschrieb. In gewisser Weise betrachtete es die Arbeitergeschichte als»erledigt«, weil»gelöst«. Dafür gibt es gute Argumente, trotzdem versperrt diese Perspektive jene Kontinuitätslinien, die von den alten Unterschichten hin zum»Prekariat« der Gegenwart führen. Schließlich machte sie einen Teil der Sozialgeschichte blind für ihr eigentliches Kernfeld: die Geschichte sozialer Ungleichheit. 18 Manches hat auch mit methodischen Blockaden zu tun. Nur wenige haben sich für die»feinen Unter­ schiede« und die Deutungsangebote interessiert, die beispielsweise Pierre B­ ourdieu oder Anthony Giddens für die Beschreibung moderner Industrie- und Klassengesellschaften angeboten haben. Eine nachwachsende Generation von Sozial- und Kulturhistoriker_innen hat das dazu veranlasst, in scharfer und nicht immer ganz bescheidener Form mit den Altvorderen der Arbeiter-Geschichte abzurechnen und ihre Forschungsleistung zur Disposition zu stellen. Während die Kritik an der»Sozialgeschichte der Väter« 19 zumindest noch an einem stark modifizierten und methodisch auch für die Geschlechtergeschichte anschlussfähigen Handlungs- und Klassenbegriff zur Beschreibung sozialer Ungleichheit festhielt, gingen andere deutlich weiter und sprachen von einem dominierenden und alles überwölbenden»Produktionsparadigma« der Arbeiter- und Sozialgeschichte, das in die Irre geführt habe und deshalb über Bord geworfen werden müsse. 20 Das ist ein hartes Urteil. Aber es enthält doch eine wichtige Beobachtung: Dass sich die Arbeiterbewegungsgeschichte – im Grunde ähnlich wie allzu lange ihre politischen Repräsentanten – für eine Geschichte der Arbeit jenseits industrieller Produktion kaum interessiert hat: dass auch Krankenschwestern und Erzieherinnen arbeiten, dass auch in der Dienstleistungsindustrie gearbeitet wird, dass es eine komplexe Welt weiblicher und migrantischer Arbeit mit jeweils sehr spezifischen Bedingungen jenseits standardisierter Erwerbsbiografien gibt. Für all diese und viele andere Fragen hat sich jedenfalls die deutsche Arbeiter- und Ar18 Friedrich Lenger / Dietmar Süß: Soziale Ungleichheit in der Geschichte moderner Industriegesellschaften, in: AfS 54, 2014, S. 3–24. 19 Thomas Welskopp: Die Sozialgeschichte der Väter. Grenzen und Perspektiven der Historischen Sozialwissenschaft, in: Geschichte und Gesellschaft 24, 1998, S. 173–198. 20 Benjamin Ziemann: Sozialgeschichte jenseits des Produktionsparadigmas. Überlegungen zu Geschichte und Perspektiven eines Forschungsfeldes, in: Mitteilungsblatt des Instituts für Soziale Bewegungen 28, 2003, S. 5–35. 24 BEITRÄGE AUS DEM ARCHIV DER SOZIALEN DEMOKRATIE| HEFT 8 beiterbewegungsgeschichte viel zu lange nicht interessiert. Vielleicht wäre das im Übrigen eine erste vorsichtige Antwort auf die Frage»wozu« Arbeiterbewegungsgeschichte heute dienen kann: Relevanz dürfte sie nur dann haben, wenn sie sich für jene interessiert, deren gesellschaftliche Repräsentation eher schwach ausgebildet ist, wenn sie eine Vorstellung davon zu vermitteln hilft, welche Schatten Prozesse der Kommodifizierung von Arbeitskraft im 20. und 21. Jahrhundert werfen – und wie komplex womöglich Prozesse der Organisierung solch unterschiedlicher Interessenlagen sein können. Die Zeiten der Programm- und selbst­ referentiellen Organisationsgeschichten dürften jedenfalls so schnell nicht wiederkehren. Und darum ist es auch nicht allzu schade. II. Über Solidarität – oder: Re-Reading Helga Grebing Auf die Frage nach dem»wohin« und»wozu« gibt es nicht die eine Antwort. Es lohnt indes auf jeden Fall, für eine solche Suche einige von Helga Grebings Texten noch einmal neu zu lesen. Viele von uns hat sie zum Nachdenken angeregt, mancher und manche hätte ihr aber auch hier und da widersprochen oder fand die Arbeit und Weise, wie sie Arbeiterbewegungsgeschichte dachte, nicht mehr zeitgemäß. Sie hätte sich das angehört, dann streng geschaut und so viel jugendlichen Übermut dann doch mit scharfen Worten zurückgewiesen. Ich will hier an einen ihrer Texte aus dem Jahr 1996 erinnern, der damals in den inzwischen ja eingestellten»Gewerkschaftlichen Monatsheften« erschien und sich aus unterschiedlichen Perspektiven mit dem Begriff der»Solidarität« auseinandersetzt. 21 Mein Argument lautet: Der Begriff der»Solidarität« bietet gerade auch für die Geschichte der Arbeiterbewegung ein ungenutztes Potenzial, sofern man ihn gewissermaßen aus dem Würgegriff seiner leidenschaftlichsten Benutzerinnen und Benutzer befreit und ihn als sozialanalytisches Instrument verwendet. 22 Ziemlich spitz, wie das für Helga Grebing ja nicht untypisch war, beginnt ihr Beitrag mit der keineswegs nur rhetorisch gemeinten Frage:»Solidarität, riecht das 21 Grebing: Neue Solidarität.[ggf. digital vorhanden, wird eingebaut] 22 Der Begriff steht u. a. auch im Mittelpunkt der gemeinsamen, vom BMBF geförderten Forscher_inn­ engruppe»Transnationale Praktiken der Solidarität im 20. und 21. Jahrhundert« an der LMU München, der Hochschule für Philosophie, München, und der Universität Augsburg. URL: . BEITRÄGE AUS DEM ARCHIV DER SOZIALEN DEMOKRATIE| HEFT 8 25 nicht nach Achselschweiß mit Weihrauch vermischt? Solidarität – gilt sie nicht bestenfalls jenen, denen es bereits gut geht und noch besser gehen soll? Solidarität – mehr als ein Wort ohne sozialmoralische Deckung, die es traditionsdefiniert am Ende des 20. Jahrhunderts nicht mehr zu geben scheint, nicht mehr geben kann, auch nicht mehr zu geben braucht?« 23 Ihre Ausgangsthese lautet: Die westlichen Gesellschaften befänden sich mitten in einem umfassenden Prozess massiver Entsolidarisierung,»ein Prozeß, der gekennzeichnet ist durch brutale Entwertungen und extreme Ungleichheitserzeugung, durch die Marginalisierungen von Jungen, Alten, Kranken, Frauen, durch Verarmung und Verschuldung von Familien mit Kindern, durch den Verlust der Arbeit als Lebenssinnstiftung« 24 . Dieser Prozess berühre»inzwischen die Grundlagen des rechts- und sozialstaatlichen Konsenses.« 25 Ungleichheitserzeugung, so ihre Diagnose, mache aber nicht nur die Armen ärmer, sondern mache auch viele Reiche reicher, sozialmoralische Milieus brüchiger und individualisiere kollektive Erfahrungen. Die alten Solidaritätsmuster der Arbeiterbewegung, traditionelle»Quellen identitärer Gemeinschaftlichkeit« 26 , schienen auch ihr in einer modernen Gesellschaft zunehmend zu versiegen, wie überhaupt die»Kulturbestände des industriellen Kapitalismus aufgebraucht« 27 seien. Schon hier deutet sich ihre Skepsis gegenüber jener Steinkohleromantik an, die wir jüngst noch einmal gar nicht weit von unserem Tagungsort erleben konnten. Helga Grebing erinnert in ihrem Beitrag an die unterschiedlichen Solidarformen einer europäischen Arbeiterbewegung, deren Ursprung in den vor- und frühkapi­ talistischen Sozialmoralen verankert gewesen war und deren eigentümliche Wirkungskraft auch Eingang gefunden hatte in die bürgerlich kapitalistischen Gesellschaften. Wie lange diese Bindewirkungen proletarischer Lebenswelten prägend waren, ob sie überhaupt jemals bindend wirkten, gehört ja zu den großen Streitpunkten der Arbeiterbewegungsgeschichte. Solidarität ist ihrer Einschätzung nach etwas sehr einfaches und konkretes, wenngleich immer auch wieder ein sakral 23 Grebing: Neue Solidarität, S. 762. 24 Ebd. 25 Ebd. 26 Ebd. 27 Ebd., S. 763. 26 BEITRÄGE AUS DEM ARCHIV DER SOZIALEN DEMOKRATIE| HEFT 8 überhöhter normativer Impuls:»Da kämpften die Starken, die immer mehr und immer stärker wurden, für sich und nahmen die Schwachen mit.« 28 Inzwischen jedoch seien wir mit dem Zerfall der sozialmoralischen Milieus konfrontiert. Und Arbeitermilieus als Agenturen normsetzender Muster gebe es nicht mehr. Ihre Diagnose:»Der gesellschaftliche Zusammenhang geht verloren in dem Maße, in dem der Sozialstaat als institutionalisierend wirkendes Implantat des dem Kapitalismus immanenten alternativen Prinzips des Sozialismus keine grundsätzliche Unbefragbarkeit mehr in Anspruch nehmen kann, soll. Mit dem Verbrauch der traditionalen Wertformen wachsen die Schwierigkeiten, sich auf gruppenund interessenübergreifende Problemlösungen zu verständigen. Eindimensionale Strategien, die im Ergebnis Ungleichheiten nur verstärken und Ausgrenzungen zur ökonomischen Effizienzsteigerung nutzen, haben Konjunktur. Auch die Gewerkschaften beteiligen sich mit der Zuweisung bzw. Inanspruchnahme von sekto­ ralen Bearbeitungsfeldern an die Einzelgewerkschaften an dieser Segmentierungstendenz und betreiben in sich einheitszerstörend wirkende Entsolidarisierungen.« 29 Das ist ein scharfes und dennoch keineswegs völlig überzogenes Urteil, das H­ elga Grebing, noch vor der Agenda-Politik in der Agonie-Phase der Ära Kohl, fällte. Wenig hatte Helga Grebing übrig für jene Sonntagsredner, die viel über Solidarität sprachen, aber nicht genau sagten, was sie damit meinten. Auch sie war davon überzeugt, dass die Auflösung sozial-moralischer Milieus nicht gleichzusetzen sei mit gesellschaftlicher»Atomisierung«, es aber in modernen Gesellschaften nicht mehr ausreiche, Solidarität gleichsam als moralische Pflicht einfordern zu können.»Nachtraditionale Solidarität« sei»demnach die anhaltende Anstrengung, unterschiedliche Interessen zu überbrücken und gegenseitig Verantwortung zu tragen.« 30 Es brauchte nach ihrer Einschätzung neue Organisations- und Kommunikationsforen, die aus den disparaten sozialen Netzwerken der Gegenwart etwas Neues formen könnten, partizipative Praktiken der Demokratie, die aus der Erfahrung gelebter Beteiligung ihre Kraft und damit ihre Verbindlichkeit schöpften. Die Bedingungen und auch die Notwendigkeiten von Solidarität waren jedenfalls kei28 Ebd. 29 Ebd., S. 764. 30 Ebd. BEITRÄGE AUS DEM ARCHIV DER SOZIALEN DEMOKRATIE| HEFT 8 27 neswegs verschwunden, denn die alte Klassengesellschaft habe sich zwar grundlegend verändert, dafür seien aber neue Formen der Ungleichheit entstanden. Es komme nun darauf an, diese»alte Solidarität«, die noch vorhanden sei,»enttraditionalisiert zu buchstabieren« 31 . Helga Grebing setzte ihre Hoffnung ganz auf die Gestaltung von»Arbeit«, die sie ganz und gar nicht»ausgehen« oder»verschwinden« sah, und in deren Gestaltung sie ein möglicherweise wichtiges Moment für die Gestaltung neuer»Sozialmodelle« 32 zu erkennen glaubte. In diesen ja nicht bis ins letzte durchdeklinierten Überlegungen steckt sehr viel Kluges: die Beobachtung, dass sich die Sprache gewerkschaftlicher Ansprache und Selbstvergewisserung in vielerlei Hinsicht erschöpft hat; dass sich der sozialhistorische Resonanzboden der Arbeiterbewegung grundlegen verschoben hat und sich damit auch die Frage nach dem»wozu« der Arbeiterbewegungsgeschichte gegenwärtig neu stellt. Mit anderen Worten: Arbeiterbewegungsgeschichte muss nicht mehr primär Gewerkschafts- oder SPD-Geschichte sein. Schließlich: Der Begriff der Solidarität verweist nicht nur auf ein Problem sprachlicher Erschöpfung oder wolkiger Höhenkämme, sondern besitzt eine unterschätzte analytische Kraft. Solidarität gehört seit Ende des 19. Jahrhunderts zu den»modernen« Wertideen der internationalen Arbeiterbewegung und ist ein Kernelement der globalen Sprache katholischer Soziallehre. 33 Zugleich war Solidarität immer auch ein politisch-normativer Kampfbegriff, machtstrategisches Instrument und ideologisches Konstrukt. In ihm überlagern sich seit bald zwei Jahrhunderten religiöse und säkulare Deutungen moderner Gesellschaften – mit dem Wohlfahrtsstaat als spezifischem administrativem Arrangement institutionalisierter Solidarität. Die Zugänge zu einer Geschichte der Solidarität können sehr unterschiedlich sein. Ohne seine verschiedenen begriffsgeschichtlichen Verschiebungen ausführlich erläutern zu können, 34 spiegelt sich doch in diesem modernen Begriff eine Vorstellung davon, dass es so etwas wie eine normative Bindung und Verpflichtungen zwischen Menschen und Gruppen zur gegenseitigen Hilfe gibt; eine Hilfe, die zugleich im31 Ebd., S. 765. 32 Ebd., S. 766. 33 Als Überblick: Michael Reder: Solidarische Praktiken in globaler Perspektive. Sozialphilosophische Anmerkungen zu einem umstrittenen Begriff, in: Widerspruch 62, 2016, S. 13–26. 34 Als jüngerer Überblick, vgl. Reder: Solidarische Praktiken in globaler Perspektive; immer noch grundlegend, vgl. Kurt Bayertz(Hrsg.): Solidarität. Begriff und Problem, Frankfurt am Main 1998. 28 BEITRÄGE AUS DEM ARCHIV DER SOZIALEN DEMOKRATIE| HEFT 8 mer auch partikular geprägt ist. Émile Durkheim hat den Transformationsprozess einer mechanischen,»traditionellen« in eine»organische« Solidarität als Folge der Entwicklung arbeitsteiliger, kapitalistischer Gesellschaften beschrieben 35 – Solidarität als Integrationsmechanismus moderner Gesellschaften, die über den Begründungszusammenhang familiärer Bindungen hinausgeht. Andere dagegen, wie Rahel Jaeggi, begreifen Solidarität – idealtypisch – eher als Form symmetrisch-­ reziproker Wechselseitigkeit mit nicht-instrumentellem Charakter, deren Grundlage gemeinsame Ziele und Problemwahrnehmungen sind. Solidarität ist demnach nicht einfach da, sondern wird durch eine gemeinsame Praxis begründet, auf gemeinsamen Beziehungen und kollektiven Interessen. Solidarität ist ­demnach »[…] immer gleichzeitig gegeben und gemacht« 36 , eine soziale Ressource, die zur Minimierung von Leiderfahrung dienen könne und auf der Anerkennung einer umfassenden Verletzlichkeit aller Menschen basiere. Ein anderer Strang führt in das große Feld universaler Gerechtigkeitssemantiken, wie sie Jürgen Habermas 37 und andere diskutiert haben. Im Begriff der»Solidarität« schwingt natürlich noch viel mehr mit. Er ist immer auch ein vieldeutiger politischer Kampfbegriff, dessen semantisches Netz keineswegs auf einen hehren Internationalismus beschränkt ist, sondern inzwischen auch Teil der Sprache der politischen Rechten geworden ist. Das macht den Umgang mit ihm nicht einfacher. Mit Franz-Xaver Kaufmann lassen sich vier unterschiedliche Begründungsformen von Solidarität unterscheiden: Loyalität, Altruismus, Reziprozität und kollektive Gemeinsamkeit. 38 Während der Begriff der»Loyalität« auf die»Anerkennung bestehender Ordnungen und die Erfüllung von Regeln und berechtigten Erwartungen Dritter« setzt, zielt der Begriff des»Altruismus« stärker auf die Freiwilligkeit kooperativen Verhaltens. Gemeint sind damit soziale Handlungen, die keine reziproke Antwort des 35 Vgl. Émile Durkheim: Über soziale Arbeitsteilung. Studie über die Organisation höherer Gesellschaften, Frankfurt am Main 1992. 36 Rahel Jaeggi / Robin Celikates, Sozialphilosophie. Eine Einführung, München 2017, S. 39. 37 Vgl. Jürgen Habermas, Im Sog der Technokratie. Ein Plädoyer für europäische Solidarität, in: Ders. (Hrsg.), Im Sog der Technokratie. Kleine politische Schriften XII(= Edition Suhrkamp 2671), Frankfurt am Main 2013, S. 82–111. 38 Vgl. Franz-Xaver Kaufmann, Sozialpolitik zwischen Gemeinwohl und Solidarität, in: Herfried Münkler / Karsten Fischer(Hrsg.): Gemeinwohl und Gemeinsinn. Rhetoriken und Perspektiven sozial-moralischer Orientierung. Forschungsberichte der interdisziplinären Arbeitsgruppe»Gemeinwohl und Gemeinsinn« der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, Bd. 2, Berlin 2002, S. 19–54, hier S. 41–44; Folgendes nach ebd. BEITRÄGE AUS DEM ARCHIV DER SOZIALEN DEMOKRATIE| HEFT 8 29 Adressaten verlangen oder voraussetzen. Das bedeutet nicht, dass diese Handlungen an sich interessenlos sind; Altruismus ist immer auch die Zuschreibung eines Dritten. Sie gründen auf wertrationalen Entscheidungen, ohne aber eine unmittelbare Reziprozität, eine Form von Geben und Nehmen, zur Bedingung zu machen. Der Begriff der»erweiterten Reziprozität«, wie ihn Kaufmann einführt, lehnt sich an die tauschtheoretischen Analysen Marcel Mauss‘ an und verweist auf eine soziale Handlung, deren Motiv auf der Wahrnehmung einer direkten oder indirekten gegenseitigen Abhängigkeit beruht. Geschenke und Hilfe werden als Teil eines spezifischen Beziehungsmusters interpretiert, das nicht nur in traditionellen, sondern auch in modernen Gesellschaften Bedeutung hat.»Kollektivitätsorientiertes Verhalten«, als vierte Dimension, ist eine spezifisch»radikale«, besonders weitgehende, auf eine größere Gruppe bezogene Form der Solidarität – die Solidarität der internationalen Arbeiter- oder Gewerkschaftsbewegung beispielsweise, in der sich individuelle und kollektive Interessen überlagern und deren normative Begründung nicht nur Rechtspflichten, sondern ein höheres»allgemeineres« Ziel verfolgen. Ihre Aktivitäten gehen über solche Handlungen hinaus, die, wie im Begriff der»Loyalität« begründet, nur das Erwartete tun und deuten zudem an, dass Eigen- und Kollektivinteresse teilweise zumindest deckungsgleich sein können. Solidarität wird in dieser Hinsicht als moderner Steuerungstypus sozialen Handelns verstanden, dessen Wirkung sich insbesondere in Gesellschaften entfaltet, die weniger durch Tradition als durch funktionale Differenzierung gekennzeichnet sind. Von allen anderen sozialen Handlungsformen unterscheidet sich solidarisches Handeln dadurch, dass es vor allem die»Nachrangigkeit des Eigeninte­ resses« 39 betont. Entscheidend für die Verwendung des Begriffs sind nicht primär die Motivation, sondern die Merkmale des sozialen Handelns selbst. Insofern ist solidarisches Handeln keineswegs anachronistisch, sondern ermöglicht in komple­ xen Gesellschaften, dass»individuelle Bedürfnisse nach Anerkennung und identitätsfördernde Selbstwertgefühle eine neuartige motivationale Voraussetzung« 40 erfahren, deren Grundlage die Deutung einer gemeinsamen»Gesinnungsgemeinschaft« und eines außeralltäglichen Notstands sind. 39 Ebd., S. 41. 40 Ebd., S. 46. 30 BEITRÄGE AUS DEM ARCHIV DER SOZIALEN DEMOKRATIE| HEFT 8 Unterschiedliche Themenfelder kommen dabei in den Blick, die allesamt gar nicht so neu sind – die Geschichte von Streiks, von Arbeitsbeziehungen, von Mikropolitiken im Betrieb, der Rolle der Gewerkschaften. Der Begriff der»Solidarität« verweist in alltagsgeschichtlicher Perspektive auf die Praktiken der Arbeit, auf Formen von Nähe und Distanz im Produktionsprozess und die Selbstdeutung der Beschäftigten. Wie nahmen sich die Arbeitnehmer im Verhältnis zu ihren Kollegen wahr? Was machte die Arbeit erträglich? Welche Folgen hatten Leistungsanforderungen, betriebliche Rationalisierungen oder gar globale Standortkonkurrenz?»Solidarität« kann dabei sowohl den Versuch zur kollektiven Organisation von Interessen beschreiben als auch ein primäres Gefühl des Zusammenhalts. »Solidarität« ist dabei immer doppelbödig und deutungsoffen. In welcher Weise sich Solidarformen verändern, ist innerhalb der Arbeitswissenschaften, der Sozialpsychologie und insbesondere der Industriesoziologie in unterschiedlichen Formen immer wieder Gegenstand der Forschung gewesen. 41 Aus jüngeren Studien der 2000er-Jahre wird deutlich, wie schwer sich beispielsweise Beschäftigte im Dienstleistungsbereich überhaupt damit tun, den Begriff der Solidarität auf ihre Arbeitswelt zu beziehen. So gaben beispielsweise die für eine größere Studie befragten Sozialarbeiterinnen zu Protokoll, sie hätte erst einmal nachschlagen müssen, was denn der Begriff derzeit überhaupt bedeute.»Ich finde Solidarität ist so ein ganz großes Wort(Geste: Mit den Händen in der Luft) (das) mit so ganz vielen(…) Sachen besetzt ist irgendwie(…): das ist mir eigentlich alles zu groß.(…). Also ich find zum Beispiel, dass unter meinen Kolleginnen eine große Solidarität herrscht, würde ich jetzt sagen. Ich könnte aber auch sagen, es herrscht ein großes Miteinander«. 42 Studien, die sich mit der Wahrnehmung von»Solidarität im Arbeitsprozess« beispielsweise bei Arbeiterinnen und Arbeitern Ende der 1980er-Jahre und zu Beginn der 1990er-Jahre auseinandergesetzt haben 43 , deuten an, wie sehr sich die 41 Ursula Dallinger: Die Solidarität der modernen Gesellschaft. Der Diskurs um rationale oder normative Ordnung in Sozialtheorie und Soziologie des Wohlfahrtsstaats, Wiesbaden 2009. 42 Lucie Billmann / Josef Held: Die Bedeutung von Solidarität für junge Beschäftige im Dienstleistungsbereich, in: Lucie Billmann(Hrsg.), Solidarität in der Krise. Gesellschaftliche, soziale und individuelle Voraussetzungen solidarischer Praxis, Wiesbaden 2013, S. 179–209, hier S. 182. 43 Ulfert Herlyn / Gitta Scheller / Wulf Tessin, Neue Lebensstile in der Arbeiterschaft? Eine empirische Untersuchung in zwei Industriestädten, Opladen 1994, bes. S. 151–158. BEITRÄGE AUS DEM ARCHIV DER SOZIALEN DEMOKRATIE| HEFT 8 31 Kategorien und die Semantiken von»Solidarität« in der Sprache und den Selbstzuschreibungen industriell Beschäftigter verändert haben. Zunächst scheint»Solidarität« in dieser Hinsicht auch eine Kategorie zu sein, die die Jungen von den Alten trennt.»Solidarität« im kämpferischen Sinne scheint das zu sein, wovon die Alten am Lagerfeuer mit leuchtenden Augen erzählen – und die jüngeren Beschäftigten so für sich eher als fremd beschreiben würden. Andere Vorstellungen von»Solidarität«, weniger politisch aufgeladen, waren keineswegs verschwunden. Sie wurden indes nicht mehr primär mit Gewerkschaften oder gar einem politischen Bewusstsein verbunden. Viel eher zeigt sich, dass Solidarität – wohl verstärkt seit den 1970er-Jahren – und danach in immer größerer Intensität mit e­ iner sehr spezifischen Vorstellung von»Gemeinschaft oder Gruppe« verbunden wird. »Sich helfen, wenn es einmal nicht so gut geht«, wäre eine solche Formulierung von»Solidarität«, wie sie beispielsweise weibliche Beschäftigte Mitte der 1980er-­ Jahre bei Befragungen angaben. 44 Die Antworten auf die Frage, weshalb Solidarität nicht mehr einen vergleichsweise hohen Wert habe, fallen unterschiedlich aus. Ältere Arbeiterinnen und Arbeiter verwiesen darauf, dass sich Ende der 1970er-Jahre so etwas wie eine»Entproletarisierung«, jedenfalls im ökonomischen Sinne, vollzogen hätte. Ein Moment, wo es auf einmal möglich war, auch noch Zeit für»persönliche Dinge« zu haben. Aber es gibt auch noch andere Spuren, denen es sich lohnen würde, nachzugehen: Auf die Frage, warum womöglich Solidarität verschwinde, gab beispielweise ein angelernter VW-Arbeiter zu Protokoll:»Durch diesen Leistungsdruck, den wir haben, wird jeder mehr oder weniger abgeschottet von der(…) Menschheit, man kümmert sich nur noch um die Arbeit, man kann nichts anderes mehr machen.(…) Zum Beispiel sind private und berufliche Gespräche, die früher während der Arbeit in kleinen Zwischenpausen geführt wurden, nur noch sehr begrenzt möglich.« 45 Die Befunde sind also keineswegs eindeutig, aber es scheint doch einiges dafür zu sprechen, dass sich der Begriff der»Solidarität« in der Selbstwahrnehmung der Beschäftigten verändert hat.»Solidarität« scheint dabei eher ein Wert der»Vergangenheit« zu sein, etwas, was die»älteren« Arbeiterinnen und Arbeiter noch erlebt haben, eine Form der politisch-kulturellen Bindung, die für jüngere Be44 Ebd. 45 Ebd., S. 157. 32 BEITRÄGE AUS DEM ARCHIV DER SOZIALEN DEMOKRATIE| HEFT 8 schäftige nicht mehr den gleichen Stellenwert haben. 46 Gleichwohl sind der Begriff und das mit ihm verbundene Wertesystem nicht verschwunden, sondern gewissermaßen»politisch« entkernt – und trotzdem noch bedeutsam. Stärker nun individualisiert oder auf die Gruppe oder die Schicht bezogen, reziprok, und mit anderen Begriffen belegt, aber eben ohne den unmittelbaren lebensweltlichen Bezug. In dieser Hinsicht ließe sich wohl auch von»Kollegialität« sprechen, freilich in einem sehr spezifischen Sinne. 47 Denn der Begriff verweist auf eine Dimen­sion von Solidarität, die vor allem auf die Reziprozität von Handlungsformen abzielt und auf die getrennten Sphären von Arbeit und Freizeit verweist. Kollegialität beruht dabei auf einem kooperativen Austausch, einem normativ voraussetzungsvollen Prozess des Gabentausches. Damit sind alle solche Gesten, Hilfeleistungen und Dienste gemeint 48 , die die sozialen Beziehungen von Beschäftigten bestimmen und die auf der Annahme beruhen, dass der Arbeitsprozess nur dann auch für den einzelnen funktionieren könne, wenn es Formen der gegenseitigen Kooperation gebe. Das Geben, wie das Marcel Mauss umfangreich beschrieben hat, muss dabei nicht immer unmittelbar erwidert werden. Es ist aber Teil eines umfangreichen Zeichensystems sozialer Beziehungen, das sich in spezifischen Formen sozialer Praktiken niederschlägt. Eine solche Perspektive eröffnet nicht nur einen Einblick in komplexe Motivstrukturen abhängig Beschäftigter, sie deutet zugleich auch an, dass die Gewerkschaften gerade aus der Sicht mancher ihrer Mitglieder ihre Organisation vor allem als Instrument individueller Statussicherung begreifen, nicht aber als Teil»gruppen- oder betriebsübergreifender« Solidarität 49 . Von hier aus führt dann auch der Weg, wie das die Forschergruppe um Klaus Dörre gezeigt hat, in das Umfeld solcher Arbeitenden und Angestellten, die die Gewerkschaft und eine xenophobe Haltung gegenüber Migrantinnen und Mi­ granten gleichermaßen unterstützen. 50 46 Ebd., S. 154. 47 Klaus Kock / Edelgard Kutzner: Arbeit als kollegiales Handeln – Praktiken von Solidarität und Konkurrenz am Arbeitsplatz, in: Industrielle Beziehungen 25, 2018, H. 4, S. 446–468. 48 Ebd., S. 452. 49 Ebd., S. 466. 50 Klaus Dörre / Sophie Bose / John Lütten / Jakob Köster: Arbeiterbewegung von rechts? Motive und Grenzen einer imaginären Revolte, in: Berliner Journal für Soziologie 28, 2018, S. 55–89. BEITRÄGE AUS DEM ARCHIV DER SOZIALEN DEMOKRATIE| HEFT 8 33 III. Ausblick Die Diskussion darüber hat gerade erst begonnen. Und doch spricht viel dafür, den versteckten Hinweis, den Helga Grebing in ihrem Aufsatz ganz am Ende gegeben hat, doch auch heute noch sehr ernst zu nehmen. Für»Arbeit« sollten wir uns interessieren, aber gerade eben nicht in ihrer industriegesellschaftlichen Verengung. Wenn Arbeiterbewegungsgeschichte noch relevant sein will, dann braucht sie viel stärker wieder ein Gespür für die Pluralität arbeitsweltlicher Erfahrungen in kapitalistischen Gesellschaften, ihre Ausbeutungspraktiken und Entfremdungsformen, ihre unterschiedlich gelagerten Anerkennungskämpfe und Protestformen. Sie müsste den alten Begriff der sozialen Ungleichheit neu entdecken und empirisch neu fassen und damit gleichzeitig auch über gesellschaftlichen Reichtum sprechen. Sie sollte ihre Antennen weit ausfahren, das Gespräch mit der Arbeits- und Industriesoziologie von Neuem suchen(umgekehrt wünschte man sich das im Übrigen auch) und nicht wieder in die alte geschlechtsspezifische Blindheit verfallen. Ein einheitliches Subjekt wird sie dabei nicht finden, und vermutlich wird dabei auch deutlich werden, wie sehr sich die Arbeiterbewegung selbst seit Mitte der 1970er-Jahre verändert hat. Von Gerhard Schröder stammt aus dem Jahr 2001 der schöne Satz:»Wer arbeiten kann, aber nicht will, der kann nicht mit Solidarität rechnen. Es gibt kein Recht auf Faulheit in unserer Gesellschaft!« 51 Nun: das ist in der Tat eine bemerkenswerte Formulierung. Denn ganz offenkundig hatte Schröder, mitten in der Agenda-Zeit, eine genaue Vorstellung davon, was sozialdemokratische Solidarität im 21. Jahrhundert bedeutet. Solidarität – die muss man sich verdienen. Durch Arbeit und Leistung. In diesem kleinen, hässli­ chen Satz steckt viel von jenem Transformationsprozess der alten Arbeiterbewegung, den es historisch erst so richtig zu verstehen gilt. Auch darüber lohnt es sich nachzudenken, denn eine solche Geschichte führt uns ins Zentrum einer Geschichte der Gegenwart. Helga Grebing hat mit Blick auf den Begriff der Solidarität im Übrigen eine ebenso klare wie kluge Antwort gegeben, die so gar nicht zur schröderschen Aktivierungsideologie passt:»Statt nach dem Ende der alten Arbeiterbewegung und der Desavouierung des Sozialismus in seiner totalitären Version ein Katastrophenszenario nach dem anderen aufzulegen oder abgestan51 URL:[29.05.2019]. 34 BEITRÄGE AUS DEM ARCHIV DER SOZIALEN DEMOKRATIE| HEFT 8 dene Kollektivität zu pflegen und ihr den Vorzug zu geben vor den neuen schwereren Freiheiten oder der kriegerischen Logik des Ungleichheit erzeugenden ­Kapitalverwertungsprozesses in der Form der reinen Marktwirtschaft als naturgegeben zu folgen, gäbe es ja die Alternative neue provokante Sozialmodelle zu ›basteln‹. In ihnen könnte Solidarität nicht mehr als Unwort des letzten Jahrzehnts des 20. Jahrhunderts vorkommen, sondern eingesetzt werden in ihren Wert für eine menschenwürdige Gesellschaft.« 52 Sie fehlt uns. Heute mehr denn je. 52 Grebing: Neue Solidarität, S. 766. BEITRÄGE AUS DEM ARCHIV DER SOZIALEN DEMOKRATIE| HEFT 8 35 Philipp Kufferath Sozialdemokratische Netzwerke zwischen Wissenschaft und Politik Peter von Oertzen und Helga Grebing als intellektuelle ­Brückenbauer Dass biografische Forschungen einen wesentlichen Beitrag zur Ideengeschichte, zur Kultur- und zur Sozialgeschichte des Politischen leisten können, ist mittlerweile keine umstürzende These mehr. Akteursbezogene wissenschaftliche Ansätze standen aber immer wieder im Ruf, den Subjektivismus und die deutende Erzählung zum Prinzip zu erheben. Das gesellschaftliche Ganze, die objektive Welt könne eher über Daten und Fakten, strukturfunktionalistische Annahmen und Sozialtheorien eingefangen werden. Diese Zeiten sind jedoch zumindest in der Geschichtswissenschaft längst vorbei. Hier gibt es mittlerweile grundlegende Überlegungen zum Verhältnis von Struktur und Agency 1 sowie zahlreiche biografische Untersuchungen, die gewichtige Beiträge zur Sozialgeschichte geleistet haben. 2 Umgekehrt gilt aber auch: Trotz einer ganzen Reihe von theoretischen Angeboten und Anforderungen sind viele politische Biografien in ihrer Herangehensweise unterkomplex. Die vorgestellte Persönlichkeit, die häufig eine exponierte gesellschaftliche Stellung ausfüllte, wird ins Zentrum der Aufmerksamkeit gestellt und als konsistent handelndes Subjekt präsentiert. Die wichtige Kritik Pierre 1 Vgl. u. a. Thomas Welskopp: Unternehmen Praxisgeschichte. Historische Perspektiven auf Kapitalismus, Arbeit und Klassengesellschaft, Tübingen 2014; Volker Rolf Berghahn / Simone Lässig(Hrsg.): Biography between Structure and Agency. Central European Lives in International Historiography, New York 2008; Jürgen Mittag / Michaela Kuhnhenne / Johannes Platz / Knud Andresen(Hrsg.): Der Betrieb als sozialer und politischer Ort. Studien zu Praktiken und Diskursen in den Arbeitswelten des 20. Jahrhunderts, Bonn 2015. 2 Vgl. u. a. Werner Abelshauser: Nach dem Wirtschaftswunder. Der Gewerkschafter, Politiker und Unternehmer Hans Matthöfer, Bonn 2009; Dietmar Süß: Kumpel und Genossen. Arbeiterschaft, Betrieb und Sozialdemokratie in der bayerischen Montanindustrie 1945 bis 1976, München 2003; Thomas Kroll: Kommunistische Intellektuelle in Westeuropa. Frankreich, Österreich, Italien und Großbritannien im Vergleich, Köln / Weimar / Wien 2007. 36 BEITRÄGE AUS DEM ARCHIV DER SOZIALEN DEMOKRATIE| HEFT 8 Veranstaltung der Historischen Kommission beim Parteivorstand der SPD, ca. 1995, im Vordergrund v.l.n.r.: Helga Grebing, Bernd Faulenbach, Herta Däubler-Gmelin, Susanne Miller. (privat) Bourdieus, dass allzu leicht die biografische Illusion der Protagonisten 3 fortgeschrieben werde und im Leben nach einem roten Faden, einem Leitmotiv gesucht werde, steht deshalb am Anfang vieler wissenschaftlicher Biografien. Die Gefahr besteht insbesondere dann, wenn autobiografische Aufzeichnungen eine wesentliche Quelle der Analyse darstellen oder das nähere Umfeld der Person, seien es die Familie, der politische Freundeskreis oder die wissenschaftliche Schülerschaft, steuernd und deutend in den Forschungsprozess interveniert. Ohne einen Austausch mit diesen Bezugswelten wird allerdings jeder zeithistorische Biografieforscher es schwer haben, überhaupt zu den relevanten persönlichen Quellen und Dokumenten vorzudringen. Darüber hinaus wird ein weiterer Anspruch an wissenschaftliche Biografien angelegt: Sie müssen in der ein oder anderen Form in einen Kontext eingebettet 3 Allein aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird im Folgenden weitgehend auf die gleichzeitige Verwendung männlicher und weiblicher Sprachformen verzichtet. Sämtliche Personenbezeichnungen gelten für beide Geschlechter. BEITRÄGE AUS DEM ARCHIV DER SOZIALEN DEMOKRATIE| HEFT 8 37 werden, der sich durch das Denken und Handeln der Person erschließt. Je mehr thematische Bezüge sich in einem Leben identifizieren lassen, umso mehr Angebo­ te stehen zur Auswahl. Dass politische Biografien nicht nur den Lebensweg eines Individuums beschreiben, sondern auch etwas zum Feld der Politik aussagen können, erscheint selbstverständlich. Gleichzeitig sollen sie auch etwas über die Zeit­ umstände verraten, beziehungsweise über deren generationelle Lagerung und subjektive Verarbeitung. Biografien sind also idealerweise Prismen und Sonden für historische Zusammenhänge. Das fast immer chronologische Darstellungsprinzip kommt dabei Lesegewohnheiten durchaus entgegen, kann jedoch dazu verleiten, die Stringenz im Lebenslauf zu überhöhen. Im Folgenden soll der Versuch unternommen werden, einige grundlegende Überlegungen und Beispiele über das Verhältnis von Wissenschaft und Politik vorzustellen. Den Ausgangspunkt bildet eine politisch-intellektuelle Biografie über P­ eter von Oertzen, die insbesondere dessen situative Wechsel und Widersprüche zwischen unterschiedlichen Rollen und Lebenswelten ins Zentrum gestellt hat. 4 Auch Helga Grebing hat, wie auch in den zahlreichen Nachrufen und biografischen Skizzen anlässlich ihres Todes im September 2017 deutlich wird, viel über dieses Spannungsverhältnis nachgedacht und sich selbst als Historikerin und Intellektuelle sehr stark in das politische Zeitgeschehen eingemischt. 5 Es gibt manche Überschneidungen zwischen den Biografien von Peter von Oertzen und von Helga Grebing – generationelle, politische und wissenschaftliche. Helga Grebing hat beispielsweise über die»Entscheidung für die SPD« der Links4 Vgl. Philipp Kufferath: Peter von Oertzen(1924–2008). Eine politische und intellektuelle Biografie, Göttingen 2017. 5 Vgl. u. a. Karsten Rudolph / Christl Wickert: Helga Grebing(1930–2017). Ihr Engagement in der politischen Bildung und in der Universitätslehre, in: Zeitschrift für Geschichtswissenschaft 66(2018), S. 687–693; Bernd Faulenbach: Helga Grebing und die Geschichte der Arbeiterbewegung, in: ebd., S. 694–706; Uli Schöler:»… mein ganzes Leben bis heute bestimmend …«. Fritz(und Lucinde) Sternberg und ihr Einfluss auf Helga Grebing, in: ebd., S. 707–718; Christina Morina: Geschichte als Engagement. Erinnerungen an Helga Grebing, in: ebd., S. 719–728; Jürgen Kocka: Die Geschichtsschreibung der deutschen Arbeiterbewegung nach Helga Grebing, in: ebd., S. 729–733; Stefanie Schüler-Springorum: Für Helga Grebing, in: Perspektiven ds. Zeitschrift für Gesellschaftsanalyse und Reformpolitik 34(2017), H. 2, S. 110–113; Dietmar Süß: Trauerrede für Helga Grebing, in: ebd., S. 114–117; Richard Saage: Nachruf auf Helga Grebing, in: ebd., S. 118–120; Ralf Stegner: Sie wird uns mächtig fehlen, in: ebd., S. 120–123; Klaus-Jürgen Scherer: Was Sternberg uns heute zu sagen hätte. In Memoriam Helga Grebing, in: ebd., S. 123–129; Bernd Faulenbach: Nekrolog. ­Helga Grebing(1930–2017), in: Historische Zeitschrift(2018), H. 307, S. 412–420. 38 BEITRÄGE AUS DEM ARCHIV DER SOZIALEN DEMOKRATIE| HEFT 8 sozialisten nach 1945 geschrieben. 6 Von Oertzen hat sich nach 1945 aus anderen Gründen für die SPD entschieden und wurde danach erst zum Linksozialisten, unter anderem durch die Begegnung mit den Remigranten, über die Grebing schrieb. 7 In den 1960er-Jahren knüpfte er in Niedersachsen ein Netzwerk zwischen Wissenschaft, Politik, Gewerkschaften und Erwachsenenbildung, während Helga Grebing in Bayern und Hessen in der Bildungsarbeit tätig war. 8 Ende der 1960er-Jahre, nachdem sich von Oertzen als Wissenschaftler etabliert hatte, fokus­ sierte er sich auf seine politische Karriere und wurde niedersächsischer Kultusminister. Dies ermöglichte es ihm, zahlreiche Berufungen auszusprechen, ­unter anderem die von Helga Grebing 1972 nach Göttingen. 9 Ende der 1970er-Jahre waren dann beide in eine erbitterte Kontroverse über die Gewerkschaftsgeschichte und den Einfluss der Deutschen Kommunistischen Partei(DKP) innerhalb der Gewerkschaften involviert. 10 Und in der Erinnerungskultur war Helga Grebing eine derjenigen, die auf die Bedeutung Peter von Oertzens für die Programmatik der SPD hinwies und die ihn als sozialdemokratischen Intellektuellen definierte und gegen Deutungen aus dem Umfeld der Linken abgrenzte, die ihn primär als »Marxisten und Rätesozialisten« erinnerten. 11 Ein klassischer Weg, um über den Zusammenhang von Wissenschaft und Politik nachzudenken, ist das Konzept des Intellektuellen. Der Intellektuelle, und viel  6 Helga Grebing: Entscheidung für die SPD. Briefe und Aufzeichnungen linker Sozialisten, 1944– 1948, München 1984.  7 Vgl. Kufferath: Peter von Oertzen, S. 140ff. 8 Ebd., S. 173; Gregor Kritidis: Linkssozialistische Opposition in der Ära Adenauer, Ein Beitrag zur Frühgeschichte der Bundesrepublik Deutschland, Hannover 2008; Rudolph / Wickert: Helga ­Grebing.  9 Vgl. Kufferath: Peter von Oertzen, S. 384ff. 10 Vgl. ebd., S. 508ff.; Helga Grebing:»Eine große sozialwissenschaftliche und pädagogische Leistung«? Bemerkungen zu dem Buch von Deppe, Fülberth, Harrer(Hrsg.): Geschichte der deutschen Gewerkschaftsbewegung, in: Gewerkschaftliche Monatshefte 30(1979), S. 204–228; Ossip K. Flechtheim / Wolfgang Rudzio / Fritz Vilmar / Manfred Wilke: Der Marsch der DKP durch die Institutionen. Sowjetmarxistische Einflußstrategien und Ideologien, Frankfurt am Main 1980. 11 Helga Grebing: Linkssozialisten – Entscheidung für die Sozialdemokratie, in: Klaus Kinner(Hrsg.), Linke zwischen den Orthodoxien. Von Havemann bis Dutschke, Berlin 2011, S. 106–117; G­ rebing bezog sich kritisch auf die Interpretation von Michael Buckmiller: Peter von Oertzen – Marxist und demokratischer Rätesozialist, in: Klaus Kinner(Hrsg.): DIE LINKE – Erbe und Tradition. Teil 2: Wurzeln des Linkssozialismus, Berlin 2010, S. 241–269; Zur Programmdebatte in der SPD vgl. Helga Grebing: Ideengeschichte des Sozialismus in Deutschland. Teil II, in: dies.(Hrsg.): Geschichte der Sozialen Ideen in Deutschland. Sozialismus – Katholische Soziallehre – Protestantische Sozialethik. Ein Handbuch, Wiesbaden 2005, S. 353–596; Kufferath: Peter von Oertzen, S. 434ff. BEITRÄGE AUS DEM ARCHIV DER SOZIALEN DEMOKRATIE| HEFT 8 39 seltener: die Intellektuelle, tritt aus dem akademischen Expertenstatus hinaus und nutzt sein / ihr symbolisches Kapital, um in einem fachfremden öffentlichen Terrain Stellung zu beziehen. Er oder sie tut dies insbesondere nach den Erfahrungen im 20. Jahrhundert fast nie in einem selbstlosen, allgemeinen Sinne, wie dies klassische Definitionen annehmen, sondern fast immer aus einer spezifischen Werthaltung heraus und in einem Gefüge von Interessen und Bindungen. Ich wür­ de deshalb dafür plädieren, Intellektuelle als»Reflexionselite«(Wolfgang E­ ßbach), »Sinnvermittler«(Helmut Schelsky) und mitunter»Störungsfaktor«(Joseph Schumpeter) zu sehen, die mit einem»avantgardistischen Gespür für Relevanzen«(Jürgen Habermas) für spezifische soziale Milieus und politische Lager Deutungen und Erzählungen produzieren, die eine breitere Wahrnehmung erfahren. 12 Trotzdem scheint es mir in Bezug auf Peter von Oertzen und Helga Grebing analytisch nicht ausreichend zu sein, bei dieser durchaus zutreffenden Definition stehen zu bleiben. Hier helfen meines Erachtens Kategorien weiter, die der französische Historiker Jean-François Sirinelli etabliert hat. Sirinelli sprach bei der Analyse von intellektuellen Biografien von drei wesentlichen Dimensionen, die auch mir zentral erscheinen. Zum einen ist dies, das mag banal klingen, der individuelle Lebensweg(itinéraire), die spezifischen Bedingungen des individuellen Lebens, also Elternhaus, Sozialisation, thematische Schwerpunkte, Umbrüche und Entscheidungen. Als zweiten heuristischen Begriff greift er auf das Konzept Generation zurück, also prägende historische Konstellationen in bestimmten Altersphasen und deren Verarbeitung als Zeitgenossen. Als dritte wesentliche Dimension spricht er über intellektuelle Vergemeinschaftungen(sociabilité intellectuelle), also Formen der Gruppenbildung und Vernetzung, sei es über persönliche Kontakte, über Zeitschriften, Institutionen, Kreise, Bünde oder auch Parteien. Diese drei Dimensionen – Lebensweg, Generation, Netzwerke – scheinen mir sowohl für politische als auch für intellektuelle Biografien ein brauchbares Raster. 13 12 Vgl. Kufferath: Peter von Oertzen, S. 36f. und die dort angegebene Literatur. 13 Vgl. Hans Manfred Bock: Der Intellektuelle und der Mandarin? Zur Rolle der Intellektuellen in Deutschland und Frankreich, in: Frankreich-Jahrbuch 1998, S. 35–51; Frank-Michael Kuhlemann / Michael Schäfer(Hrsg.): Kreise – Bünde – Intellektuellen-Netzwerke. Formen bürgerlicher Verge­ sellschaftung und politischer Kommunikation 1890–1960, Bielefeld 2017; Richard Faber / C­ hristine Holste(Hrsg.): Kreise, Gruppen, Bünde. Zur Soziologie moderner Intellektuellenassoziation, Würzburg 2000. 40 BEITRÄGE AUS DEM ARCHIV DER SOZIALEN DEMOKRATIE| HEFT 8 In Bezug auf die Arbeiterbewegung und die Sozialdemokratie gibt es bereits eine ganze Reihe von Arbeiten, die das Konzept Generation verwenden. 14 Aus meiner Sicht ist es primär in Abgrenzung zu anderen Alterskohorten sinnvoll sowie mit einiger Vorsicht auch als heuristische Kategorie im Sinne Karl Mannheims, also mit der Unterscheidung zwischen Generationszusammenhang und Generationseinheit. So sind Peter von Oertzen und Helga Grebing mit sechs Jahren Alters­ unterschied, 1924 und 1930 geboren, am ehesten»45er«. 15 Sie wuchsen im Natio­ nalsozialismus auf und erlebten nach dem Krieg eine zweite Sozialisation. Damit sammelten sie also völlig andere Erfahrungen als die sozialdemokratische Widerstands- und Exilgeneration, die in der Weimarer Republik politisch sozialisiert und als Antifaschisten verfolgt worden war. Und sie waren sicherlich auch anders geprägt als die sozialistischen 68er, die die Linkswende der Jungsozialisten einläuteten. Doch sind Peter von Oertzen und Helga Grebing tatsächlich durch die gleichen generationellen Erfahrungen geprägt? Zunächst konnten sechs Jahre Altersunter­ schied in Krisen- und Kriegszeiten einen gewaltigen lebensweltlichen Unterschied machen, weshalb sich zum Beispiel eine Differenzierung zwischen der Frontgene­ ration und den Flakhelfern als sinnvoll herausgestellt hat. 16 Bei Grebing und von Oertzen kommen aber zwei klassische Kategorien der Sozialgeschichte hinzu, die es sehr fraglich machen, ob das Konzept Generation weit trägt: und zwar Klasse und Geschlecht. Grebing selbst betonte in ihren autobiografischen Erinnerungen: »Ob einer oder eine dem Nationalsozialismus verfiel, hing ab von der Herkunft, von der Prägung der Elternhäuser, von Umwelt- und Milieubedingungen, von der 14 Vgl. u. a. Klaus Schönhoven / Bernd Braun(Hrsg.): Generationen in der Arbeiterbewegung, ­München 2005; Matthias Micus: Die»Enkel« Willy Brandts. Aufstieg und Politikstil einer SPD-Generation, Frankfurt am Main / New York 2005; Max Reinhardt: Aufstieg und Krise der SPD. Flügel und Repräsentanten einer pluralisierten Volkspartei, Baden-Baden 2011. Zum konzeptionellen Ansatz vgl. Jürgen Reulecke(Hrsg.): Generationalität und Lebensgeschichte im 20. Jahrhundert, München 2003; Bernd Weisbrod(Hrsg.): Historische Beiträge zur Generationsforschung, Göttingen 2009. 15 Vgl. A. Dirk Moses: German Intellectuals and the Nazi Past, Cambridge / New York 2007; ders.: Die 45er. Eine Generation zwischen Faschismus und Demokratie, in: Neue Sammlung 40(2000), S. 233–263; Vgl. zur Fokussierung des Konzepts auf männliche Generationen kritisch: Christina von Hodenberg: Zur Generation der 45er. Stärken und Schwächen eines Deutungsmusters, in: Aus Politik und Zeitgeschichte 70(2020), H. 4–5, S. 4–9. 16 Vgl. Benjamin Möckel: Erfahrungsbruch und Generationsbehauptung. Die»Kriegsjugendgeneration« in den beiden deutschen Nachkriegsgesellschaften, Göttingen 2014. BEITRÄGE AUS DEM ARCHIV DER SOZIALEN DEMOKRATIE| HEFT 8 41 sozialen Lage, von dem gesellschaftlichen Ansehen, aber auch von der individuel­ len Entwicklungsstufe, der Affinität zu vorgegebenen Verhaltensmustern und geschlechtsspezifischen Unterschieden.« 17 Beide wuchsen zwar in Berlin auf, erlebten jedoch eine völlig unterschiedliche Prägung durch Sozialisation und Zeitumstände. Von Oertzen mit adeligen und bildungsbürgerlichen Eltern, Grebing als Arbeiterkind. Und auch die Kriegserfah­ rung war eine grundlegend unterschiedliche, einmal als Wehrmachtsoffizier zwei Einsätze und Verwundungen an der Ostfront, einmal als BdM-Führerin und Handelsschülerin in Berlin. 18 Für die ersten 20 Jahre erweist sich das Generationskonzept hier also als wenig brauchbar. Schon eher aber, wenn man das Kriegsende als biografische Zäsur annimmt und danach eine Neuorientierung innerhalb der Nachkriegsordnung konstatiert: Beide treten bis 1948 in die SPD ein, hadern aber mit dem Zustand der Partei. Beide studieren mehrere geistes- und sozialwissenschaftliche Fächer quer zu den akademischen Traditionen und schließen ihr Studium 1953 mit einer Promotion ab. 19 An dieser Stelle kann nun keine Parallelbiografie erzählt werden, sondern es soll das im Titel genannte Thema der Netzwerke zwischen Wissenschaft und Politik im Zentrum stehen. Wie bereits angedeutet, sind Vergemeinschaftungen für die biografische Entwicklung im politischen wie im intellektuellen Feld ganz zentral. Das fängt mit lokaler Parteizugehörigkeit und Universitätsinstituten an, reicht über Zeitschriften, Vereine und Bildungseinrichtungen bis hin zu Korrespondenz­ partnern, persönlichen Begegnungen und imaginierten Verbündeten im Geiste. Zu beachten ist hierbei, dass diese Vergemeinschaftungen von ganz unterschiedlicher Intensität sein können, dass sie konkurrierende Zugehörigkeits- und Loyalitätsverhältnisse bedeuten können und dass sie sich im Lebenslauf häufig verschieben. Für die Erforschung politischer und intellektueller Biografien bedeutet das, dass Personen in unterschiedlichen Rollen und Funktionen agieren, dass sie 17 Helga Grebing: Freiheit, die ich meine. Erinnerungen an Berlin, Berlin 2012, S. 68. 18 Vgl. Kufferath: Peter von Oertzen, S. 55ff.; Grebing: Freiheit, die ich meine, S. 25ff. 19 Vgl. Peter von Oertzen: Die soziale Funktion des staatsrechtlichen Positivismus, Dissertation, Universität Göttingen 1953(veröffentlicht: Frankfurt am Main 1974); Helga Grebing: Zentrum und katholische Arbeiterschaft 1918–1933. Ein Beitrag zur Geschichte des Zentrums in der Weimarer Republik, Dissertation, Freie Universität Berlin 1953(unveröffentlicht). 42 BEITRÄGE AUS DEM ARCHIV DER SOZIALEN DEMOKRATIE| HEFT 8 deshalb häufig mit widersprüchlichen Erwartungen konfrontiert sind und dass sich mitunter Brüche und Neuorientierungen ergeben. Dies lässt sich sehr leicht an den Lebenswegen ehemaliger Kommunisten oder an den Vertreterinnen und Vertretern der sogenannten Zwischengruppen nachvollziehen, wie etwa Willy Brandt, Herbert Wehner, Wolfgang Abendroth oder Otto Brenner, die sich in den 1930er-Jahren, und noch einmal nach 1945 vor Richtungsentscheidungen gestellt sahen, die sie durchaus unterschiedlich beantworteten. 20 Um Phänomene dieser Art greifen zu können, scheint mir der Netzwerkbegriff als heuristische Analysekategorie sehr gut brauchbar, weil er sowohl die latente Ressource der persönlichen Kontakte als auch die politisch-strategischen Allianzen beschreiben hilft und Möglichkeiten des Kontaktabbruchs und der Neuverknüpfung andeutet. 21 Ich habe mich also bei meinen Forschungen zu Peter von Oertzen dagegen entschieden, die politische Biografie eines Sozialdemokraten oder die intellektuelle Biografie eines Sozialwissenschaftlers zu erzählen, sondern habe sie als Spannungsverhältnis und Wechselwirkung untersucht. Niedersachsen, wo von Oertzen nach 1945 primär tätig war und wo auch Helga Grebing ab 1972 eine Wirkstätte fand, bot aus mehreren Gründen eine gute ­Basis für eine derartige Orientierung. Durch den Einfluss Adolf Grimmes, des ersten niedersächsischen Kultusministers, wurde eine spezifische Weimarer Tradition der Erwachsenenbildung etabliert, die sich zum Beispiel in der Gründung der Heimvolkshochschulen, von»Arbeit und Leben« und den universitären Kursen 20 Vgl. Richard Heigl: Oppositionspolitik. Wolfgang Abendroth und die Entstehung der Neuen Linken(1950–1968), Hamburg 2008; Jens Becker / Harald Jentsch: Otto Brenner. Eine Biografie, Göttingen 2007; Christoph Meyer: Herbert Wehner. Biografie, München 2006; Peter Merseburger: ­Willy Brandt, 1913–1992. Visionär und Realist, München 2013. 21 Vgl. Philipp Kufferath: Netzwerke als strategische Allianzen und latente Ressource. Etablierungsversuche der linken Opposition im SPD-Milieu nach 1945, in: Archiv für Sozialgeschichte 53 (2013), S. 245–268. Vgl. zur Netzwerkforschung insgesamt: Christian Stegbauer / Roger Häußling (Hrsg.): Handbuch Netzwerkforschung, Wiesbaden 2010; François Beilecke: Netzwerke und Intel­ lektuelle. Konzeptionelle Überlegungen zur politischen Rolle eines zivilgesellschaftlichen Akteurs, in: ders. / Katja Marmetschke(Hrsg.): Der Intellektuelle und der Mandarin. Für Hans-Manfred Bock, Kassel 2005, S. 49–65; Stephan Moebius: Intellektuellensoziologie – Skizze zu einer Methodologie, in: Sozial.Geschichte online 2(2010), S. 37–63. BEITRÄGE AUS DEM ARCHIV DER SOZIALEN DEMOKRATIE| HEFT 8 43 für Erwachsenenbildung niederschlug. 22 In der Sozialdemokratie waren zahlreiche Remigranten und(ehemalige) Unterstützer des Internationalen Sozialistischen Kampfbunds(ISK), der Sozialistischen Arbeiterpartei(SAP) und ehemalige Kommunisten tätig, die intellektuell geprägt waren und das strategische Denken in Netzwerken verinnerlicht hatten, selbst wenn sie loyal in der Sozialdemokratie tätig waren. Diese Traditionen prägten von Oertzens politische Orientierung in den 1950er-­ Jahren stärker als SPD-Programme oder die Arbeit im Ortsverein. Hinzu kam Helga Grebing, ca. Mitte der 1970er Jahre. (privat) seine eigentümliche Leidenschaft und Fähigkeit, ein breites Netzwerk an Korrespondenzpartnern aus ganz unterschiedlichen politischen Strömungen aufrechtzuerhalten, sowie sein intellektuelles Interesse an sämtlichen Traditionen der Arbeiterbewegung jenseits von Sozialdemokratie und Kommunismus. Es resultierte aus einem holistischen Verständnis des Marxismus als Methode, um die Totalität aller Lebensbereiche in Zusammenhang zu betrachten. Dieser etwas vermessene Anspruch erforderte viel Sendungsbewusstsein und Lernbereitschaft und konnte im Klima des Kalten Kriegs nur mit ständigen Rollenwechseln, identitären Friktionen und situativer Camouflage durchgehalten werden. 23 Dank dieses Ansatzes gelang eine beachtliche Akkumulation von Sozialkapital. Die erfolgreiche Netzwerkarbeit manifestierte sich in Niedersachsen in den 1960er-­ Jahren durch informelle Beziehungen zwischen den industriesoziologischen Forschungen am Lehrstuhl von Hans Paul Bahrdt, der Bildungsarbeit von IG Chemie-­ 22 Vgl. Willi B. Gierke / Uta Loeber-Pautsch: Die pluralen Strukturen der Erwachsenenbildung. Zur Geschichte der Erwachsenenbildung in Niedersachsen 1947–1960, Oldenburg 2000; Wolfgang Wulf / Gerd Steinbacher / Bernd Bischoff: 50 Jahre Arbeit und Leben Niedersachsen. Geschichte und Standort, Oldenburg 1998. 23 Vgl. Kufferath: Peter von Oertzen, S. 210ff. 44 BEITRÄGE AUS DEM ARCHIV DER SOZIALEN DEMOKRATIE| HEFT 8 Papier-Keramik und Arbeit und Leben sowie Gewerkschaftssekretariaten, SDSGruppen und Jungsozialisten. Obwohl diese Netzwerke zunächst unabhängig und parallel von der SPD-Politik aufgezogen wurden, hatten sie bald Rückwirkungen auf die Partei, weil sie als Ressource die Handlungsspielräume erweiterten und bald auch im sozialdemokratischen Strömungskampf mobilisiert werden konnten. 24 Die gesellschaftlich-kulturellen Öffnungen der 1960er-Jahre sowie die politischen Verschiebungen durch das Auftreten der Protestbewegungen um 1968 erweiterten zudem den Sagbarkeitsraum des Politischen und ermöglichten neue Bündniskoalitionen zwischen linksliberalen und sozialistischen Strömungen. Die sozialdemokratische Linke hatte aus ihrem Scheitern in Godesberg gelernt und formulierte nun vorsichtiger und taktischer. Von Oertzen fungierte in seinen Rollen als Politikprofessor und linker Sozialdemo­ krat und dank seiner Netzwerke als Broker zwischen 68er-Bewegung und Sozialdemokratie. Auf diese Weise gewann er Relevanz für das Parteizentrum. Er profitierte vom Mitgliederzuwachs und dem Auftreten der Jungsozialisten und war nun ein zunehmend gefragter Redner und Vermittler. Mit diesen Kapazitäten gewann er 1970 den Machtkampf mit Egon Franke um den Vorsitz im Bezirk Hannover. 25 Das Amt des Kultusministers, das er kurze Zeit später übernahm, bot sich als Schlüs­selposition für strategische Entscheidungen an. Die sozialdemokratische Alleinregierung, die allgemeine Bildungsexpansion und die Mitbestimmungsforderungen begünstigten nun den politischen Ansatz Peter von Oertzens in besonderer Weise. Als Kultusminister konnte er sowohl steuernd auf den Neubau und Ausbau von Universitäten als auch auf die Berufung von neuen Professorinnen und Professoren Einfluss nehmen. Nicht als Einzelperson, aber dank eines be­ stehenden Netzwerks zwischen Professoren, Assistenten, Ministerialbeamten und Bildungseinrichtungen. Drei neue Universitäten entstanden im Norden: Oldenburg, Osnabrück und Bremen. Hier übte von Oertzen von den Errichtungskommissio­ 24 Ebd., S. 302ff. 25 Vgl. Klaus Wettig: Ein SPD-Bezirk verändert sich. Die Wahl Peter von Oertzens zum Bezirksvorsitzenden und seine Amtszeit, in: Jürgen Seifert / Heinz Thörmer / ders.(Hrsg.): Soziale oder sozialistische Demokratie? Beiträge zur Geschichte der Linken in der Bundesrepublik. Freundesgabe für Peter von Oertzen zum 65. Geburtstag, Marburg 1989, S. 135–149; Kufferath: Peter von ­Oertzen, S. 358ff. BEITRÄGE AUS DEM ARCHIV DER SOZIALEN DEMOKRATIE| HEFT 8 45 nen bis hin zur Besetzung von Rektorat und Professuren seinen Einfluss aus, während sich gleichzeitig die Berufungslisten dank neuer Kräfteverhältnisse in den Instituten und neuer Forschungsfragen veränderten. Insbesondere in den So­zialund Geisteswissenschaften führte dies zu einem grundlegenden Wandel, der ­unverkennbar auch politische Züge trug. Von Oertzen berief z.B. vier Doktoranden von Wolfgang Abendroth, dazu einige ehemalige SDS-Mitglieder, aber auch zahlreiche Sozialdemokraten, so in Göttingen zum Beispiel Peter Lösche, Walter ­Euchner, Helga Grebing und Martin Baethge. 26 Aufgrund des Radikalenerlasses wurden zwei Berufungen von DKP-nahen Professoren im Kabinett verhindert, zudem musste von Oertzen Suspendierungen gegen Peter Brückner und Jürgen Seifert aussprechen. Im Ergebnis wurde Peter von Oertzens Hochschulpolitik äußerst polarisiert wahrgenommen: Aus Sicht der CDU und mancher Ordinarien drohte die Einführung des Sozialismus, während linke Gruppen ihm eine reaktionäre Politik unterstellten. Von Oertzen und viele seiner Verbündeten hielten sich wiederum zugute, dass es Berufungen mit pluralen linken Vorstellungen gegeben habe und die Auswahl nach fachlichen Kriterien erfolgt sei. 27 Einige Kontaktnetzwerke zerrissen in diesen Auseinandersetzungen oder wurden stark belastet, neue Verbindungen wurden jedoch gefestigt, etwa zwischen Strömungen der Jungsozialisten, sozialdemokratischen Hochschullehrern und Bildungseinrichtungen. Auf die Auseinandersetzungen mit der DKP und ihren Sympathisanten in der Gewerkschaftsarbeit um 1979 kann aus Platzgründen hier nicht näher eingegangen werden, ebenso nicht auf die Deutungskämpfe in der Erinnerungskultur. Sie sind in meiner Studie zu Peter von Oertzen ausführlich thematisiert. 28 Zusammenfassend ließe sich sagen, dass biografische Arbeiten eine Vielzahl von theoretischen Reflexionen nahelegen und es sich lohnt, sich mit Querverbindungen und Ambivalenzen des politischen Feldes zu beschäftigen. Eine biografische Studie zu Helga Grebing, die ihre Verarbeitung der historischen Umbrüche, ihre 26 Vgl. Kufferath: Peter von Oertzen, S. 420ff.; Michael Vester: Zwischen Wissenschaft und Politik. Peter von Oertzen und die Entstehung der Sozialwissenschaften in Hannover, in: Hans-Dieter Schmid(Hrsg.): Weltverstehen und gesellschaftlicher Wandel. Zur Tradition und Geschichte der Lehrerbildung und der Geistes- und Sozialwissenschaften in Hannover, Bielefeld 2007, S. 163–193. 27 Vgl. Kufferath, Peter von Oertzen, S. 410ff. 28 Vgl. ebd., S. 9ff., 480ff. und 621ff. 46 BEITRÄGE AUS DEM ARCHIV DER SOZIALEN DEMOKRATIE| HEFT 8 intellektuelle Produktivität und ihr politisches Engagement im Zusammenspiel untersucht, wäre mit Sicherheit ein spannendes Unterfangen, das zukünftigen Forschungen vorbehalten ist. Die im Archiv der sozialen Demokratie in Bonn gesammelten Bestände, insbesondere der Nachlass von Helga Grebing, aber auch zahlreiche Parteiarchivalien, böten hierfür einen guten Ausgangspunkt. BEITRÄGE AUS DEM ARCHIV DER SOZIALEN DEMOKRATIE| HEFT 8 47 Thomas Meyer Was von der Arbeiterbewegung bleibt 1 Was bleibt von der Arbeiterbewegung? Dieser schwierigen, aber wie ich zeigen möchte, aktuell wieder bedeutsameren Frage, hatten sich die Ausrichter einer großen Ausstellung aus Anlass des 100-jährigen Jubiläums der Sozialdemokratischen Partei Österreichs(SPÖ) auf Wienerisch hintergründige Art entledigt. Sie veranstalteten ein Preisausschreiben für den besten Titel zu dieser Ausstellung. Die bei den Juroren und dann auch in der Partei beliebteste Einsendung, die aber – aus einer unverständlichen Verzagtheit heraus – doch nicht genommen wurde, war der Vorschlag:»›Die österreichische Arbeiterbewegung‹ – Von der Bewegung zu Sitzung«. Diese Leichtigkeit war natürlich landesüblich mehr als ein flaches Witzchen. Sie war vielmehr in der Tiefe ein schönes Bild für die reale Lage. Denn, wenn man für die Erfolge der 150 Jahre Arbeiterbewegung eine Metapher suchte, dann wäre diese allen Ernstes besonders treffend. Schließlich müssen die Forderungen der Arbeiterbewegung in Europa heute kaum noch in Straßendemonstrationen, ungeregelten Streiks oder und ähnlichen politischen Bewegungsformen erfochten werden. Nach einem Jahrhundert der Kämpfe mit immer unsicherem Ausgang, oft der Niederlagen und Opfer, hat die demokratische Arbeiterbewegung fast überall in Europa, jedenfalls in Deutschland, politische, soziale und wirtschaftsdemokratische Institutionen errungen, in denen ihre Vertreter Sitz und Stimme haben, und Tag für Tag Erhebliches im Interesse der arbeitenden Mehrheit sozusagen als Sitzende»bewegen« können. Und wenn nur dies das Bleibende der Arbeiterbewegung wäre, dann wäre das weiß Gott nicht wenig. Geschaffen wurde ein gutes Stück wirtschaftsdemokratischer, sozialpolitischer und politischer In­ frastruktur für die Interessenvertretung der abhängig Beschäftigten und damit eine wesentliche Erweiterung und Ergänzung der liberalen Demokratie. 1 Im Folgenden wird allein aus Gründen der besseren Lesbarkeit auf die gleichzeitige Verwendung männlicher und weiblicher Sprachformen verzichtet. Sämtliche Personenbezeichnungen gelten für beide Geschlechter. 48 BEITRÄGE AUS DEM ARCHIV DER SOZIALEN DEMOKRATIE| HEFT 8 Diese Institutionen und die politische Kultur, die sie trägt, sind zu einem fundierenden Bestandteil der europäischen Demokratie geworden, normativ auf ganzer Linie, real immerhin in wirksamem Umfang. In der Bundesrepublik Deutschland gehören sie zu den Grundlagen der verfassungsmäßigen Ordnung. Das sind der Kern und eine große Teil­ lieferung für das, was wir seit Karl Marx, Ferdinand Lassalle, ­Eduard Bernstein als Soziale Demokratie verstehen und seit Hermann Heller demokratietheoretisch und verfassungsrechtlich auch sehr bewusst so nennen. Diejenigen Historiker und Historikerinnen haben recht, die sagen: der rechtHelga Grebing in der Diskussion auf einem Sympos­ ium zum Gedenken an Susanne Miller 2015. (Bernd Raschke/FES) lich gesicherte Sozialstaat ist neben dem demokratischen Rechtssaat der bedeutendste Zivilisationsfortschritt der Neuzeit. Es kann überhaupt keinen Zweifel geben, dass es auf direktem und indirektem Wege die demokratische Arbeiterbewegung Europas war, der wir diesen historischen Fortschritt vor allem verdanken. In Europa gehört heute die»soziale Bürgerschaft als Inbegriff der sozialen und wirtschaftlichen Grundrechte«, wie Thomas H. Marshall das genannt hat, zum Begriff und in immerhin in beträchtlichem, wenn auch keineswegs zureichendem Maße zur Praxis der Demokratie hinzu. 2 Das ist der gravierende Unterschied zur»libertären Demokratie« US-amerikanischen Typs, die meint, freie Wahlen 2 Thomas Humphrey Marshall: Bürgerrechte und soziale Klassen. Zur Soziologie des Wohlfahrtstaates, Frankfurt am Main 1992(zuerst engl. 1950). BEITRÄGE AUS DEM ARCHIV DER SOZIALEN DEMOKRATIE| HEFT 8 49 und freier Markt seien die zureichenden Bedingungen für eine Verfassung der Freiheit. In der Sozialen Demokratie hingegen ist dasjenige Verständnis von Freiheit verkörpert, das die Arbeiterbewegung begründet, verfochten und als Grundrecht in Europa und einigen anderen Ländern institutionell durchgesetzt hat. Was den USA gefehlt hat, um über einzelne Ansätze, wie den New Deal in den 1930er-Jahren und die Great Society in den 1960er-Jahren hinaus soziale Rech­te und wirtschaftsdemokratische Strukturen dauerhaft zu institutionalisieren – das war eben eine starke und kontinuierlich kämpfende Arbeiterbewegung. I. Freiheit In den Programmen und Forderungen der Arbeiterbewegung ist in vielen Varian­ ten zum Ausdruck gebracht worden, dass Freiheit erst möglich wird, wenn zur negativen Freiheit der Abwehr von Willkür, die dem Liberalismus genügte, die positive Freiheit der gesicherten Verfügung über die elementaren Lebensgüter hinzukommt. Und wenn beide zu gesicherten Grundrechten werden, bei denen zur juristischen Nominalgeltung in wachsendem Maße die politisch durchgesetzte Realgeltung hinzukommt. Diese einfache und klare Idee, die sich aus der Summe der Erfahrungen des Lebens der Arbeiter ergab, ist von Ferdinand Lassalle die»sittliche Idee des Arbeiterstandes« genannt worden. Sie ist zum generativen Kern fast aller Forderungen und Kämpfe der Arbeiterbewegung geworden, denn schon ihre ›Gründungsidee‹ war ja das Verlangen nach gleicher Freiheit, nicht nur rechtlich(das natürlich auch) sondern auch materiell. Das war in der Substanz, wenn auch in einem anderen theoretischen Rahmen, auch der Inbegriff der marx­ schen Bestrebungen. In der sittlichen Idee der Freiheit, wie sie aus der Erfahrungswirklichkeit des»Arbeiterstandes« hervorging, waren zwei Elemente fest verankert, die den Liberalen fremd waren und blieben. Die materielle Dimension der Ermöglichung eines selbstbestimmten Lebens und die Gleichheit, verstanden als das gleiche Recht aller auf diese volle Freiheit. Für diese sittliche Idee hat der französische»Postmarxist« Etienne Balibar die schöne Formel der»Gleichfreiheit«(»Égaliberté«) geprägt. 3 3 Étienne Balibar: Gleichfreiheit – Politische Essays, Berlin 2012, S. 104. 50 BEITRÄGE AUS DEM ARCHIV DER SOZIALEN DEMOKRATIE| HEFT 8 Es war das große historische Ziele der Arbeiterbewegung, mit dieser Forderung nach Freiheit und Gleichheit im ganzen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Leben nicht nur einzelne sozialpolitische und arbeitsrechtliche Konzessionen zu erkämpfen, sondern aus ihr ein sicher verbrieftes Recht werden zu lassen, das berühmte»des Menschen Rechte« aus dem alten Kampflied. Es ist leider ein auch in den Gewerkschaften und linken Parteien nicht sonderlich verbreitetes Wissen, dass dies in einem erstaunlichen Umfang tatsächlich gelungen ist. Freilich erst, nachdem die Weltwirtschaftskrise der 1920er-Jahre mit ihren Folgen des Nationalsozialismus und des Zweiten Weltkriegs drastisch und unabweislich demonstriert hatte, dass der sozial nicht gebändigte Kapitalismus ohne wirksame soziale Grundrechte, so wie es die führenden Köpfe der Arbeiterbewegung immer vorausgesagt hatten, am Ende nicht nur sich selbst, sondern die ganze Gesellschaft zerstören kann. Der historische Durchbruch gelang in einer Zeit, als diese kapitalismuskritische Erkenntnis überall in Europa – Ost und West – die Geister bis weit hinein ins Bürgertum für einen historischen Augenblick beherrschte. In Deutschland erklärte selbst die CDU 1946 bündig:»Die abendländische Idee der Freiheit verlangt den Sozialismus«. Mehr hatten ja selbst die Sozialisten nie verlangt. Und das war ja auch die Zeit, in der fast überall in Europa der historische»sozial­ demokratische Kompromiss« gelang: Der Verzicht auf flächendeckende Sozialisierung, Marktsteuerung und Planung im Tausch gegen die soziale Einbettung des Produktionsmitteleigentums, einen umfassenden Sozialstaat und die qualifizierte Mitbestimmung, also die Grundlagen der Wirtschaftsdemokratie. Ein Kompro­ miss, der bis vor kurzem kulturprägend und verhaltensbestimmend auf beiden Seiten des Kapitals bzw. Arbeitskonflikts war und(hoffentlich) bleibende Institutionen ausgebildet hat. Er hat jüngst jedoch unter dem Druck der Agitation und der Praxis der neoliberalen Globalisierungspolitik folgenreich gelitten. Der demokratisch sozialistische Moment der Nachkriegszeit hatte in seiner Hochzeit schon lange vor diesem Rückschlag die Erklärung der Menschenrechte von 1948 beeinflusst, die erstmals soziale Freiheitsrechte enthielt, wenn auch nur in groben Zügen und rein deklarativ. Seine eigentliche historische Wirkung entfaltete dieser Moment wegen der langen Debatten und dem intensivem Ringen erst BEITRÄGE AUS DEM ARCHIV DER SOZIALEN DEMOKRATIE| HEFT 8 51 1966, als die 1948 begonnene Arbeit an einem vollständigen Katalog universeller Grundrechten zu einem ebenso erstaunlichen wie unterschätzten Dokument führte, den»International Covenant on Economic, Social and Cultural Rights«. 4 In ihnen sind in größerem Detail und größerer Vollständigkeit als in allen sozial­ demokratischen und gewerkschaftlichen Programmen bisher die sozialen und wirtschaftlichen Grundrechte entfaltet. Sie stehen dort gleichrangig neben den bürgerlichen und politischen Grundrechten und vor allem: sie haben völkerrechtliche Gesetzeskraft erlangt. Die komplette Auflistung dieser rechtsgültigen Grundrechte liest sich wie die gründliche Entfaltung einer sehr konkreten Utopie der Sozialen Demokratie. Sie verlangen die materiell umfassend abgesicherte Gleichheit der Lebenschancen durch einen inklusiven universalistischen Sozialstaat, eine sozial geschützte und mitbestimmte Arbeitswelt, und im Ansatz sogar eine demokratisch regulierte Wirtschaft mit dem Recht auf Arbeit. Wenn es stimmt, was der Historiker ­Samuel Moyn konstatiert, dass die universalistischen Grundrechte die letzte mögliche große Utopie sind, konkret, tiefgreifend, prinzipiell einlösbar, erfahrungsoffen und zugleich in ihrem Versprechen von sozialer Freiheit und Gleichheit normativ unüberbietbar, dann hat die Arbeiterbewegung damit im Hinblick auf den Geltungsanspruch ihrer Ziele einen beispiellosen historischen Sieg errungen. 5 Diese Errungenschaft wird historisch von der Arbeiterbewegung bleiben. Es liegt auf der Hand, dass dieser normative Erfolg gleich zwei Pferdefüße hat, denn zum einen entsprechen diese Rechtsnormen bisher nur in wenigen Ländern zumindest im Ansatz der Lebenswirklichkeit, und zum anderen erweisen sich in jüngerer Zeit die sozialen und demokratischen Fortschritte auch dort, wo sie durch eine starke Arbeiterbewegung weit vorangekommen sind, wie in einigen zentralund nordeuropäischen Ländern, nirgends als faktisch irreversibel. Das ist die Erfahrung der Gegenwart. 4 United Nations: International Covenant on Economic, Social and Cultural Rights, 16.12.1966 <­https://www.ohchr.org/en/professionalinterest/pages/cescr.aspx>[17.02.2020]; Die bürgerlichen und politischen Grundrechte sind im folgendem Dokument festgehalten: United Nations: In­ ternational Covenant on Civil and Political Rights, 16.12.1966,[17.02. 2020]. 5 Samuel Moyn: The Last Utopia. Human Rights in History, Cambridge 2010. 52 BEITRÄGE AUS DEM ARCHIV DER SOZIALEN DEMOKRATIE| HEFT 8 II. Zur Zähmung des Kapitalismus Und das ist der Punkt, wo uns die Geschichte der Arbeiterbewegung ihre eigentliche Lehre enthüllt. Man könnte sagen: Das ist der Schritt von einem bloß reformistischen Deutungsrahmen zu einem an Karl Polanyi orientierten Verständnis, der Schritt vom hoffnungsfreudigen Zukunftsentwurf des immerwährenden Fortschritts zu einem historisch belehrten Realismus, der Niederlagen in Rechnung stellt, ohne zu resignieren. Polanyis Theorie zieht aus der Weltwirtschaftskrise und ihren sozialen Ursachen und Folgen erste Schlussfolgerungen für die Bedeutung des stets wandelbaren Kräfteverhältnisses zwischen den Verfechtern der»Logik des Kapitalismus« und den Verfechtern der Gegenlogik seiner»sozialen Zähmung«, also den Akteuren und Erben der Arbeiterbewegung. Es gibt im Kampf der Vertreter beider Logiken keinen dauerhaften Sieg, entscheidend für den Erhalt oder Verlust aller sozialen Errungenschaften ist immer das tatsächliche Kräfteverhältnis und die aktuelle Fähigkeit zur Mobilisierung. Aber auch die Illusion, der Kapitalismus könnte eines Tages durch eine ­komplette Alternative, sozusagen einen»System-Switch« aus einem Guss, ersetzt werden, hat keine wirkliche Stütze in der Praxis der demokratischen Arbeiterbewegung. Tatsächlich war ja Karl Marx in seiner Rolle als Politiker selbst der Initiator des in der wirklichen Arbeiterbewegung immer befolgten Paradigmas der schrittweisen Durchsetzung der sozialen gegen die kapitalistische Logik, also der z­ unehmenden Geländegewinne der Arbeiterbewegung im Reich der politischen Ökonomie. Im Kommunistischen Manifest von 1848 ist er der Auffassung, die Arbeiter müssen zunächst die Demokratie erkämpfen und in deren Rahmen dann schrittweise die »gesellschaftliche« Kontrolle des Eigentums an Produktionsmitteln organisieren. Marx selbst hat eine solche soziale Transformation des Kapitalismus durch die soziale und politische Domestizierung der kapitalistischen Logik später im Ansatz klarer skizziert. 1868 erklärte er in einem Text zum Achtstundentag:»Die Bes­ chränkung des Arbeitstages[ist] eine Vorbedingung, ohne welche alle anderen Bestrebungen nach Verbesserung und Emanzipation scheitern müssen«. 6 Worauf es ankomme, sei die Brechung der Gesetze der»politischen Ökonomie des Kapitalismus« durch Reformen zur Durchsetzung der»politischen Ökonomie 6 Marx-Engels-Werke(MEW), Bd. 16, Berlin 1989, S. 192. BEITRÄGE AUS DEM ARCHIV DER SOZIALEN DEMOKRATIE| HEFT 8 53 der Arbeiterklasse«. Deren Prinzip ist nicht die schrankenlose Kapitalverwertung, sondern die»sociale Ein- und Vorsicht« im Interesse der Arbeitenden. 7 Damit und an mehreren anderen vergleichbaren Stellen in dieser Zeit skizziert Marx die Prinzipien einer Reformstrategie zur sozialen Einbettung von Privat­ eigentum an Produktionsmitteln und Märkten in politisch-soziale Gegenstrukturen, die den Einfluss oder Vorrang gesellschaftlicher Interessen sichern. Das ist die allmähliche Umwandlung des rohen Kapitalismus in eine sozial und politisch gezügelte politische Ökonomie durch ihre voranschreitende Vergesellschaftung im Sinne von Demokratisierung. Markt und Eigentum geraten aus der Rolle von Herren der Gesellschaft allmählich in die von Dienern. Dieses»Modell des Ringens zweier entgegen gesetzter Logiken« innerhalb eines sozial ökonomischen Gesamtsystems erwies sich als die wirkmächtigste Orientierung in der Praxis der Arbeiterbewegung. Diese Vorstellung ist von anderen sozialistischen Wissenschaftlern nach Marx, besonders von Viktor Agartz, Eduard Heimann und Gunnar Adler-Karlsson, systematischer ausgearbeitet und begründet worden. Dieses Modell war immer die wirkliche Handlungsanleitung der demokratischen Arbeiterbewegung und wird nach aller Voraussicht auch künftig das zentrale Paradigma für die soziale Bändigung des Kapitalismus bleiben. Mit ihm hat sie – vor allem in den drei goldenen Jahrzehnten der Sozialdemokratie nach dem Zweiten Weltkrieg – große Erfolge errungen. Zu große, wie schon bald Stimmen aus dem liberalen Gegenlager fanden. 1983 stellte Ralf Dahrendorf dieser Politik seine berühmte Diagnose: Das sozialdemokratische Jahrhundert sei zu Ende, denn die Ziele der Arbeiterbewegung seien fast alle erreicht. Damit hätten sich die sozialdemokratischen P­ arteien historisch überflüssig gemacht. 8 III. Aktuelle Perspektiven Heute, nach drei Jahrzehnten neoliberaler Dominanz zeigt sich der Fehler dieser interessegeleiteten Diagnose. Zu vieles in den Schlüsselbereichen der sozialen Sicherheit, der Einbettung der Märkte, der Parität der Tarifparteien, der sozialen 7 Karl Marx: Manifest an die arbeitende Klasse Europas(Inauguraladresse der Internationalen Arbeiterassoziation), Marx-Engels-Gesamtausgabe(MEGA) I / 20, Berlin 1992, S. 23. 8 Ralf Dahrendorf: Die Chancen der Krise. Über die Zukunft des Liberalismus, Stuttgart 1983, S. 40. 54 BEITRÄGE AUS DEM ARCHIV DER SOZIALEN DEMOKRATIE| HEFT 8 Mobilität, der Chancengleichheit, des Aufstiegsversprechens für alle hat sich seither in die Gegenrichtung entwickelt. Die neoliberale Ära ermöglichte eine»stille Revolution« unterhalb der Wahrnehmungsschwelle der medialen Öffentlichkeit, die vieles vom ehemals sozialdemokratischen Bild der Wirklichkeit unkenntlich gemacht hat(Wolfgang Streeck). 9 Das Gesamtbild hat sich gewandelt: Die Klassengesellschaft und die Dominanz der Märkte sind in vielen Bereichen zurückgekehrt, die soziale Marktwirtschaft ist zu einem neuartigen»­Feudalkapitalismus« (Sighard Neckel) mutiert. 10 Das Leistungsprinzip und das Aufstiegsversprechen, fundamentale Legitimationsnormen unserer Gesellschaft, werden weithin demen­ tiert. Unsere Gesellschaft ist in der neoliberalen Ära zur»Abstiegsgesellschaft« (Oliver Nachtwey), genauer zur»Paternostergesellschaft«(Andreas Reckwitz geworden. 11 Die einen, die Verlierer der Globalisierung(Neue Arbeiterklasse und eine die untere Hälfte der Alten Mittelklasse) steigen sozial und kulturell ab, die Gewinner der Globalisierung, die Neue Mittelklasse, steigen sozial und kulturell auf. Die Ungleichheit wächst und mit ihr die soziale und kulturelle Spaltung. Die einst prägnanten Züge der sozialen Demokratie in der Gegenwartsgesellschaft, die historischen Errungenschaften der Arbeiterbewegung, sind merklich verblasst. Das wirft die Frage auf: Hat sich die demokratische Arbeiterbewegung damit letztlich als ein Sisyphus entpuppt? Die Antwort verlangt Differenzierung: ein wenig schon – aber eben nicht nur. Der große Stein des sozialen Fortschritts ist nicht zur Talsohle zurückgerollt. Und außerdem: Auch ein sozialer Sisyphus wäre im demokratischen Kapitalismus auf seine Art auch ein echter Held. Die These des bedeutenden Wirtschaftshistorikers Karl Polanyi erklärt dies und die Ursachen unserer jüngeren Erfahrungen plausibel. 12 Der soziale Fortschritt vollzieht sich ihm zufolge als eine Pendelbewegung zwischen Perioden der sozialen Eindämmung des Kapitalismus und Perioden, in denen dieser einen Teil des an die Gesellschaft verlorenen Terrains durch erneute Expansion der Kapitallogik zurückgewinnt –  9 Wolfgang Streeck: Gekaufte Zeit. Die vertagte Krise des demokratischen Kapitalismus, Berlin 2013. 10 Sighard Neckel: Die neuen Oligarchien. Vorboten der Refeudalisierung, in Neue Gesellschaft / Frank­ furter Hefte 6, 2016, S. 20–23. 11 Oliver Nachtwey; Die Abstiegsgesellschaft. Über das Aufbegehren in der regressiven Moderne, Berlin 2016; Reckwitz, Andreas: Die Gesellschaft der Singularitäten. Zum Strukturwandel der Moderne, Berlin 2017, S. 285. 12 Karl Polanyi: The Great Transformation: Politische und ökonomische Ursprünge von Gesellschaften und Wirtschaftssystemen, Frankfurt am Main 1973(zuerst engl. 1944). BEITRÄGE AUS DEM ARCHIV DER SOZIALEN DEMOKRATIE| HEFT 8 55 bis dann die soziale Schmerzgrenze erreicht ist, welche die gesellschaftlichen Energien seiner Eindämmung aufs Neue mobilisieren. Heute ist das Pendel viel zu weit ins Unsoziale zurückgeschwungen und die Sozialdemokratie selbst hat ihm das mitunter erleichtert(Finanzmarktliberalisierung, Sozialkürzungen), manchmal aber durchaus erschwert(Mindestlohn). Die Zeit ist jetzt also reif für ein neues sozialdemokratisches Jahrhundert. Objektiv wäre nach dem Ende der neoliberalen Episode und dem sozialen Schaden, den sie angerichtet hat, nun ein sozialdemokratischer Moment auf der Tagesordnung. Ideen, Programme, Konzepte dafür gibt es, sie können sich im Wesentlichen auf die Erneuerung des Modells der sozialen Demokratie stützen. Aber wo sind heute die mobilisierenden Kräfte, die den Druck für ihre Umsetzung schaffen und dafür auch Mehrheiten an die Wahlurnen und gegebenenfalls auch wieder auf die Straße bewegen? Wo ist die Gegenmacht der einstigen Arbeiterbewegung? Was kann heute und morgen an ihre Stelle treten? Eine Lehre der Arbeiterbewegung ist ja eindeutig: ohne Gegenmacht und Mobilisierung ist sozialer Fortschritt wenig wahrscheinlich. Um im Bild meines Anfangs zu bleiben: Ohne die Kraft der Mobilisierung sind die Institutionen immer aufs Neue gefährdet, in denen die Vertreter der sozialen Logik»von ihren Sitzen« in den Verhandlungsgremien der Mitbestimmung aus die Dinge in Bewegung bringen können. Eines ist allerdings klar, unsere Gesellschaft hat – wie Andreas Reckwitz empirisch fundiert beschreibt – durch die Finanzialisierung, Digitalisierung, Kulturalisierung und Globalisierung wieder schärfere Konturen einer Klassengesellschaft zurückgewonnen. Die Globalisierung hat zudem, zusätzlich zum fortwirkenden »sozialökonomischen einen neuen sozial – kulturellen« Grundkonflikt hervorgebracht. Er konfrontiert die eher»kosmopolitische« orientierten Globalisierungsgewinner der Neuen Mittelklasse und die eher»kommunitaristisch« orientierten Globalisierungsverlierer aus Alter Mittelklasse und Neuer Arbeiterklasse. Die Mobilisierung, die dieser Konflikt auf Seiten der»Kommunitaristen« hervorbringt, ist in vielen mittel-und nordeuropäischen Ländern fürs Erste zu erheblichen Teilen eine rechts- populistische. Das ist nicht gottgegeben. Die Frage ist offen, ob die Erben der alten Arbeiterbewegung eine Art Mosaik-Linke organisieren können, der es gelingt die eigentlichen Bedürfnisse der kommunitaristischen Ar- 56 BEITRÄGE AUS DEM ARCHIV DER SOZIALEN DEMOKRATIE| HEFT 8 beiter aufzugreifen und die Interessen der unterschiedlichen Teilmilieus der Gewerkschaften, der sozialen Netzwerke, der verbliebenen Rinnsale der neuen sozia­ len und ökologischen Bewegungen sowie der aktiven Zivilgesellschaft Aufgaben bezogen wirksam zu bündeln. Und es hängt davon ob, wie aktuell in Frankreich in Gestalt der Gelbwesten, spontane Aktionen gegen die politischen Eliten aus der Wut der Übergangen den produktiven Druck einer linken Bewegung auf neue, zeitgemäße Weise, aufbauen können. Bewegungen dieser Art stecken ja häufig an. Helga Grebing war bis ans Lebensende der Auffassung, selbst eine soziale, partizipative Demokratie, die Wirtschaftsdemokratie und universalistische Sozialstaat verbindet, als eine soziale Demokratie, könne nicht alles sein, was die Geschichte nach 150 Jahren Arbeiterbewegung als linkes Projekt noch im petto hat. Das müsse vielmehr immer noch»der Sozialismus« sein. Sie hatte damit in einer Hinsicht zweifellos recht, denn eine wirklich humane Gesellschaft ergibt sich nicht allein aus sozialen und wirtschaftlichen Rechten. Sie stellt sich erst ein, wenn die Beziehungen der Menschen untereinander von einer selbstverständlichen Solidarität des Alltags geprägt sind. Objektiv können solche Rechte zwar für mehr Gleichheit der Lebenschancen und durchgängig paritätische Mitbestimmung sorgen. Was im Sinne der Arbeiterbewegung aber darüber hinausgehen soll, ist die Veränderung der menschlichen Beziehungen. Erlösen können die Kräfte der Sozialen Demokratie die Gesellschaft nicht, aber sie können zum Fortschritt in der Kultur der Solidarität beitragen, der uns einer menschlichen Gesellschaft näherbringt. Manches spricht dafür, dass nach den neoliberalen Jahren des egoistischen Individualismus, der Austrocknung des öffentlichen Raums und der sozialen Unsicherheit, die Bereitschaft zur Erneuerung der Solidarität, des eigentlichen Ursprungsimpulses der Arbeiterbewegung, aufs Neue wächst. Die Zeit ist jedenfalls reif. Solidarität als Tagesaufgabe – auch das gehört zum bleibenden Vermächtnis der Arbeiterbewegung. BEITRÄGE AUS DEM ARCHIV DER SOZIALEN DEMOKRATIE| HEFT 8 57 Bibliografie 1 Publikationen von Helga Grebing Beiträge 2018 Sozialdemokraten und Sozialisten als Mitarbeiter und Autoren der Zukunft, in: Bayerlein, Bernhard H. / Braskén, Kasper / Sonnenberg, Uwe(Hrsg.): Globale Räume für radikale transnationale Solidarität, Berlin 2018, S. 345–353(online-Ressource, pdf, URN: ) 2017 »Die Arbeiterklasse löst sich in ihre Bestandteile auf«: Gespräch über die deutsche Gewerkschaftsbewegung mit der Historikerin Professor Dr. Helga Grebing sprach Hans-­ Otto Hemmer am 24. Januar 2017 in Berlin, in: Hoffmann, Reiner / Guggemos, Michael (Hrsg.): Gewerkschafter und Europäer. Ein Lesebuch zum 100. Geburtstag von Heinz Oskar Vetter, Berlin 2017, S. 49–62. Die deutsche Arbeiterbewegung brauchte keine Utopien. Versuch einer Umorientierung, in: Amberger, Alexander / Möbius, Thomas(Hrsg.): Auf den Spuren Utopias. Utopie und Utopieforschung, Wiesbaden 2017, S. 195–205. Einhundert Jahre deutsche Revolution 1918 / 19, in: Perspektiven ds 34, 2017, H. 1, S. 198– 201. Sternberg als sozialistischer Denker. Biografische Einführung, in: Grebing, Helga / Scherer, Klaus-Jürgen(Hrsg.): Streiten für eine Welt jenseits des Kapitalismus. Fritz Sternberg – Wissenschaftler, Vordenker, Sozialist, Leiden / Boston etc. 2017, S. 11–23. Zeitzeugenerinnerung I, in: Dowe, Dieter / Fuchs, Eckhardt / Mätzing, Heike Christina / Sammler, Steffen(Hrsg.): Georg Eckert. Grenzgänger zwischen Wissenschaft und Politik, Göttingen 2017, S. 85–89. 1 Die Bibliografie beruht auf der Recherche der Bibliothek der Friedrich-Ebert-Stiftung. Angela Rinschen und Stephan Feldmann gilt der Dank für Erstellung und Bearbeitung. Weitere publizistische Äußerungen wie Beiträge in Magazinen und Tageszeitungen sowie Beiträge in audiovisuellen Medien wurden nur ein Einzelfällen berücksichtigt. Innerhalb der Jahrgänge wurde alphabetisch nach Titel sortiert; Ausnahmen davon wurden gemacht, wenn mehrere Beiträge in einem Sammelwerk erschienen sind. 58 BEITRÄGE AUS DEM ARCHIV DER SOZIALEN DEMOKRATIE| HEFT 8 Grebing, Helga / Scherer, Klaus-Jürgen, Zur Einordnung und Aktualität von Fritz Sternberg, in: ebd., S. 239–245. 2016 August Bebel – Emperor of the Workers, in: Krell, Christian(Hrsg.): Thinkers of Social Democracy. 49 Portraits. Bonn 2016, S. 54–59(zuerst dt. 2015). Fritz Sternberg – Democratic Socialist and Early Interpreter of Globalisation, in: ebd., S. 332–337. Peter von Oertzen – Keeping the SPD Open to the Left, in: ebd., S. 258–263. Rosa Luxemburg and her Conception of a Socialist Democracy, in: ebd., S. 213–218. Waldemar von Knoeringen and the Discovery of the Human in Politics, in: ebd., S. 172– 177. Lucinde Sternberg geb. Worringer.»Man darf sich nur nicht entmutigen lassen«, in: Göttinger Stadtgespräche. Göttingen 2016, S. 245–251. Elf Ortsvereine – jeweils zum ersten Mal, in: Rudolph, Karsten(Hrsg.): Mein Ortsverein. Bochum / Freiburg 2016, S. 32–35. SPD-SED-Papier: Kein dritter Weg?, in: Perspektiven ds 33, 2016, H. 1, S. 177–179. 2015 August Bebel – Kaiser der Arbeiter, in: Krell, Christian(Hrsg.): Vordenkerinnen und Vordenker der Sozialen Demokratie. 49 Porträts, Bonn 2015, S. 54–59. Fritz Sternberg – demokratischer Sozialist und früher Deuter der Globalisierung, in: ebd., S. 337–342. Peter von Oertzen – die SPD nach links offenhalten, in: ebd., S. 263–268. Rosa Luxemburg und ihr Konzept einer sozialistischen Demokratie, in: ebd., S. 214–220. Waldemar von Knoeringen und die Entdeckung des Menschen in der Politik, in: ebd., S. 173–178. Rezension zu Schneider, Michael: In der Kriegsgesellschaft. Arbeiter und Arbeiterbewegung 1939 bis 1945, in: Perspektiven ds 32, 2015, H. 1, S. 158–160. Was bleibt von der sozialdemokratischen Arbeiterbewegung und den Ideen des demokratischen Sozialismus im 21. Jahrhundert?, in: Perspektiven ds 32, 2015, H. 1, S. 110–114. 2014 »Die Frau und der Sozialismus«. Zum Staatsverständnis von August Bebel, in: Brandt, ­Peter  /  Lehnert, Detlef(Hrsg.): Ferdinand Lassalle und das Staatsverständnis der Sozialdemokratie. Baden-Baden 2014, S. 111–119. BEITRÄGE AUS DEM ARCHIV DER SOZIALEN DEMOKRATIE| HEFT 8 59 Iring Fetscher. 4. März 1922 – 19. Juli 2014, in: Perspektiven ds 31, 2014, H. 2, S. 6–7. Grebing, Helga / Kühne, Tobias»Der Krieg steht uns noch sehr nahe«. Ein Interview mit Helga Grebing, in: Perspektiven ds 31, 2014, H. 2, S. 817. Grebing, Helga / Uekermann, Johanna,»Redet nicht so viel von Systemveränderung, sondern vom Hier und Jetzt«. Gespräch zwischen Helga Grebing und Johanna Ueckermann, in: Neue Gesellschaft / Frankfurter Hefte 61, 2014, H. 5, S. 47–53. Vom Geist der Zeit der Weimarer Moderne, in: Grebing, Helga / Scheiffele, Walter / Wettig, Klaus u.a.: Ein Politiker aus dem Kraftfeld der Moderne. Festakt zum 150. Geburtstag von Heinrich Peus(Gesprächskreis Geschichte, 104), Bonn 2014, S. 9–14. Wandel durch Annäherung? Überlegungen zu Engelberg, Ernst: Wie bewegt sich, was uns bewegt?, in: Perspektiven ds 31, 2014, H. 1, S. 168–171. 2013 Aus der Geschichte lernen?, in: Neue Gesellschaft / Frankfurter Hefte 60, 2013, H. 5, S. 80– 85. Deckname Brandt, in: Zeit-Geschichte 4, 2013, S. 26–33. Eine demokratische Sozialistin empört sich, in: Perspektiven ds 30, 2013, H. 2, S. 24–25. Das Erfurter Programm, in: Faulenbach, Bernd / Helle, Andreas(Hrsg.): Menschen, Ideen, Wegmarken. Aus 150 Jahren deutscher Sozialdemokratie, Berlin 2013, S. 42–47. Ferdinand Lassalle und die Gründung des ADAV, in: ebd., S. 18–27. Fritz Sternberg. Ein Leben für die Zukunft des Sozialismus, in: spw, 2013, H. 199, S. 60– 64. Rezension zu Brandt, Willy: Im Zweifel für die Freiheit. Reden zur sozialdemokratischen und deutschen Geschichte, in: Perspektiven ds 30, 2013, H. 1, S. 140–142. Rosa Luxemburg(1871–1919), in: Neue Gesellschaft / Frankfurter Hefte 60, 2013, H. 5, S. 28–29. So nicht, Genosse Seitz! Zu Norbert Seitz, Vorsicht Dino-Falle!, Berliner Republik 6, 2012, in: Berliner Republik, 2013, H. 1, S. 89. Grebing, Helga / Saage, Richard: Sozialdemokratie und Menschenbild, in: Aus Politik und Zeitgeschichte 63, 2013, Bd. 34–36, S. 7–10. Gabriel, Sigmar / Grebing, Helga:»Die SPD muss wieder mehr soziale Bewegung werden«. Sigmar Gabriel im Gespräch mit Helga Grebing, in: Neue Gesellschaft / Frankfurter Hefte 60, 2013, H. 5, S. 12–18. Sternberg, Fritz(Ps. Thomas Tarn, K. L. Gerstorff, Ungewitter, Fried), sozialistischer Theo­ retiker, Publizist,* 11.6.1895 Breslau, † 18.10.1963 München.(jüd., später konfessionslos), in: Neue Deutsche Biographie, Bd. 25, Berlin 2013, S. 292–294. 60 BEITRÄGE AUS DEM ARCHIV DER SOZIALEN DEMOKRATIE| HEFT 8 2012 August Bebel, Die Frau und der Sozialismus(1879), in: Kruke, Anja / Woyke, Meik(Hrsg.): Deutsche Sozialdemokratie in Bewegung. 1848 – 1863 – 2013, Bonn 2012, S. 98–103. Das Menschenbild in der Sozialdemokratie nach dem Holocaust, in: Faber, Klaus / Grebing, Helga / Saage, Richard(Hrsg.): Sozialdemokratie und Menschenbild. Historische Dimension und aktuelle Bedeutung, Marburg 2012, S. 133–153. Von München nach Bern. Zwei Stationen des jungen Worringer und ihre Folgen, in: Gramaccini, Norberto / Rößler, Johannes(Hrsg.): Hundert Jahre»Abstraktion und Einfühlung«. Konstellationen um Wilhelm Worringer, Paderborn 2012, S. 23–38. 2011 Auf der Suche nach den Vergessenen. SPD-Frauen, in: Vorwärts: das Monatsblatt für soziale Demokratie, 2011, H. 3, S. 25. Linkssozialisten – Entscheidung für die Sozialdemokratie, in: Rosa-Luxemburg-Stiftung / Kinner, Klaus(Hrsg.): Linke zwischen den Orthodoxien, Berlin 2011(Texte / Rosa-­ Luxemburg-Stiftung, 71), S. 106–117. Die Rezeption Friedrich Eberts im Wandel. Historiografische und persönliche Rückblicke, in: Mitteilungsblatt des Instituts für soziale Bewegungen 45, 2011, S. 153–162. 2010 Ende der»dritten Wege«, Verlust der»neuen Mitte«, Abschied von der Volkspartei. Welche Zukunft hat die Sozialdemokratie?, in: Perspektiven ds 27, 2010, H. 2, S. 22–35. Rezension zu Fischer, Ilse(Hrsg.): Die Einheit sozial gestalten. Dokumente aus den Akten der SPD-Führung 1989/90, in: Perspektiven ds 27, 2010, H. 2, S. 156–159. Über Selbstverständnis und Identität, in: Neue Gesellschaft / Frankfurter Hefte 57, 2010, H. 5, S. 58–60. Vorwärts zurück ins 20. Jahrhundert, in: Perspektiven ds 27, 2010, H. 1, S. 6–8. 2009 Judentum und Sozialdemokratie, in: Neue Gesellschaft / Frankfurter Hefte 56, 2009, H. 7 / 8, S. 110–111. Mehr als ein Debakel! Hat die SPD noch eine Zukunft?, in: Perspektiven ds 26, 2009, H. 2, S. 8–10. Quo vadis Tanker? Die SPD –(k)eine Partei für das 21. Jahrhundert, in: Perspektiven ds 26, 2009, H. 2, S. 40–54. BEITRÄGE AUS DEM ARCHIV DER SOZIALEN DEMOKRATIE| HEFT 8 61 Zu viel»Volksgemeinschaft« erklärt zu wenig. Anmerkungen zum Thema»Arbeiter im ›Dritten Reich‹«, in: Bitzegeio, Ursula / Kruke, Anja / Woyke, Meik(Hrsg.): Solidargemeinschaft und Erinnerungskultur im 20. Jahrhundert. Beiträge zu Gewerkschaften, Na­tionalsozialismus und Geschichtspolitik(Politik- und Gesellschaftsgeschichte, 84), Bonn 2009, S. 481–488. 2008 Herkunft und Mandat, in: Brusis, Ilse / Wettig-Danielmeier, Inge(Hrsg.):»Wir haben etwas bewegt«. Der Seniorenrat der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands: 110 Lebensläufe von Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten, Berlin 2008, S. 10–16. Konservative Republik oder soziale Demokratie? Zur Bewertung der Novemberrevolution in der neueren westdeutschen Historiographie, in: Grebing, Helga / Brandt, Peter (Hrsg.): Die deutsche Revolution 1918 / 19. Eine Analyse, Berlin 2008, S. 15–39. Die Rolle der Sozialdemokratie in der deutschen Demokratiegeschichte, in: Faulenbach, Bernd / Adler, Gunther(Hrsg.): Das sozialdemokratische Projekt im Wandel, Essen 2008, S. 45–60. Vita activa – und kein Ende, nirgends, in: Jost, Sarah(Hrsg.): Die verschwundene Arbeit. In Fotografien aus Berliner Sammlungen und Archiven, Berlin 2008, S. 13–15. Walter Benjamin auf Ibiza, in: Neue Gesellschaft / Frankfurter Hefte 55, 2008, H. 12, S. 77– 78. Wer hat die Revolution»verraten«?, in: Vorwärts: das Monatsblatt für soziale Demokratie, 2008, H. 12 / 2009, H. 1, S. 36. 2007 Johannes Rau – der Sozialdemokrat, in: Kayser, Gisela / Wettig, Klaus(Hrsg.): Johannes Rau. Das Leben menschlicher machen, Berlin 2007, S. 14–19. Der»Middle of the road man«. Johannes Rau und die Bundespolitik der SPD, in: Mittag, Jürgen / Tenfelde, Klaus(Hrsg.): Versöhnen statt spalten. Johannes Rau: Sozialdemokratie, Landespolitik und Zeitgeschichte, Oberhausen 2007, S. 259–268. Grebing, Helga / Diederich, Nils, Versunkene Welt oder ewige Vision von Freiheit und Gerechtigkeit?, in: Perspektiven ds 24, 2007, H. 2, S. 54–67. Viel Pathos statt Revolution, in: Vorwärts: das Monatsblatt für soziale Demokratie, 2007, H. 7 / 8, S. 42. Vorwärts zurück in die Zukunft. Die Wahrnehmung der europäischen»kulturellen Moderne« in der deutschen Sozialdemokratie zwischen 1890 und 1910, in: Mitteilungsblatt des Instituts für soziale Bewegungen, 38 / 2007, S. 125–133. Wie viel(von ihrer) Geschichte braucht die SPD im 21. Jahrhundert?, in: Perspektiven ds 24, 2007, H. 1, S. 124–128. 62 BEITRÄGE AUS DEM ARCHIV DER SOZIALEN DEMOKRATIE| HEFT 8 Zur Programmgeschichte der Sozialdemokratie, in: Beck, Kurt / Heil, Hubertus(Hrsg.): ­Soziale Demokratie im 21. Jahrhundert, Berlin 2007, S. 31–40. Zur Rolle der Sozialdemokratie in Niedersachsen nach 1945, in: Jüttner, Wolfgang(Hrsg.): »Niedersachsens politische Tradition ist sozialdemokratisch«(Veröffentlichungen des Instituts für Sozialgeschichte Braunschweig e.V, 1), Berlin 2007, S. 31–46. 2006 In Nidden zwischen 1933 und 1944. Gelebte Bildungsbürgerlichkeit als bewusster Protest gegen Nationalsozialismus und Krieg, in: Nidos sąsiuviniai= Niddener Hefte, 2006, H. 2, S. 14–28. Waldemar von Knoeringen und der demokratische Sozialismus in: Knoeringen, Waldemar von / Grebing, Helga(Hrsg.): Waldemar von Knoeringen 1906–1971. Ein Erneuerer der deutschen Sozialdemokratie, Berlin 2006, S. 68–83. 2005 Jüdische Intellektuelle und ihre politische Identität in der Weimarer Republik, in: Mitteilungsblatt des Instituts für soziale Bewegungen 34 / 2005, S. 11–23. Was hält unsere Gesellschaft zusammen? Der Grundwert Solidarität in Zeiten der Verkündigung von»Eigenverantwortung«, in: Perspektiven ds 22, 2005, H. 2, S. 90–98. Willy Brandt und die sozialistische Tradition in Frankreich, in: Möller, Horst / Vaïsse, Maurice(Hrsg.): Willy Brandt und Frankreich(Schriftenreihe der Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte, Sondernr.), München 2005, S. 23–28. Zwischen Integration und Verlusterfahrung. Die Deutschen aus Bessarabien, in: Neue Gesellschaft / Frankfurter Hefte 52, 2005, H. 1 / 2, S. 101–103. 2004 Die Grundwerte in Theorie und Praxis der sozialdemokratischen Arbeiterbewegung in Deutschland, in: Soziale Ideen und Bewegungen, hrsg. v. d. Sächsische Landeszentrale für Politische Bildung, Dresden 2004, S. 33–49. Lebensdaten Wilhelm Worringers, in: Böhringer, Hannes / Grebing, Helga / Söntgen, Beate (Hrsg.): Wilhelm Worringer. Schriften, Bd. 2, München 2004, S. 1.395–1.409. Die sozialen Ideen des demokratischen Sozialismus. Ihre Bedeutung für das 21. Jahrhundert, in: Perspektiven ds 21, 2004, H. 2, S. 12–20. Rezension zu Heid, Ludger: Oskar Cohn. Ein Sozialist und Zionist im Kaiserreich und in der Weimarer Republik, in: Geschichte und Psychoanalyse 32, 2004, S. 323–327. Rezension zu Prüfer, Sebastian: Sozialismus statt Religion. Die deutsche Sozialdemokratie vor der religiösen Frage 1863–1890, Göttingen 2002, in: Göttingische gelehrte Anzeigen 256, 2004, H. 1/2, S. 151–158. BEITRÄGE AUS DEM ARCHIV DER SOZIALEN DEMOKRATIE| HEFT 8 63 Der Typus des linken Intellektuellen in der Weimarer Republik, in: Münkel, Daniela / Schwarzkopf, Jutta(Hrsg.): Geschichte als Experiment. Studien zu Politik, Kultur und Alltag im 19. und 20. Jahrhundert. Festschrift für Adelheid von Saldern, Frankfurt am Main / New York 2004, S. 15–24. Verlust der Geschichte. Abschied von den GMH, in: Gewerkschaftliche Monatshefte 55, 2004, H. 11 / 12, S. 662–663. Willy Brandt. Vom deutschen Kennedy zur Ikone einer neuen Ära, in: Bilder und Macht im 20. Jahrhundert, hrsg. v. d. Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland,(Red.: Petra Rösgen), Bielefeld 2004, S. 115–121. Die Zerschlagung der ČSR und die Diktatur der Gewalt, in: Martin, Anne(Hrsg.): Nähe und Ferne. Deutsche, Tschechen und Slowaken, Leipzig 2004, S. 53–65. 2003 Die Anfänge nach 1945, in: Wettig, Klaus(Hrsg.): 1873–2003. 130 Jahre Sozialdemokratie in Göttingen, Göttingen 2003, S. 73–78. Auf dem schwierigen Weg zu einer wissenschaftlich fundierten Biographie Willy Brandts, in: Jelich, Franz-Josef / Goch, Stefan(Hrsg.): Geschichte als Last und Chance, Essen 2003, S. 537–546. Warum das Ruhrgebiet ein starkes Stück Europas sein wird, in: Ruge, Gerd(Hrsg.): Lebensbilder – Landesbilder. Geschichten aus und über Nordrhein-Westfalen, Münster 2003, S. 140–145. Zur Diskussion zwischen Horst Heimann und Johano Strasser über die Zukunft des Sozia­ lismus, in: Perspektiven ds 20, 2003, H. 1, S. 81–83. 2002 Bildungsbürgerlichkeit als Lebenssinn. Soziobiographische Annäherung an Wilhelm und Marta Worringer, in: Böhringer, Hans(Hrsg.): Wilhelm Worringers Kunstgeschichte, München 2002, S. 199–208. Brandt, Willy, früher Herbert Ernst Karl Frahm,* 18.12.1913 Lübeck, † 8.10.1992 Unkel. Journalist, ev., in: Vierhaus, Rudolf(Hrsg.): Biographisches Handbuch der Mitglieder des Deutschen Bundestages 1949–2002, München 2002, S. 91–92. Hat die Arbeit eine Zukunft oder gibt es eine Zukunft ohne Arbeit? Iring Fetscher zum 80. Geburtstag gewidmet, in:»Arbeit«. Geschichte – Gegenwart – Zukunft, Leipzig, 2002, S. 21–34. Schumacher, Kurt(Ernst Karl),* 13.10.1895 Kulm(Westpreußen), † 20.8.1952 Bonn. Staats­ wissenschaftler, Redakteur, in: ebd., S. 797–799. 64 BEITRÄGE AUS DEM ARCHIV DER SOZIALEN DEMOKRATIE| HEFT 8 2001 Inge Wettig-Danielmeier. Eine Bilanz nach mehr als vierzig Jahren Politik als Beruf, in: Grebing, Helga / Junker, Karin / Häupel, Beate(Hrsg.): Frau – Macht – Zukunft. Festschrift für Inge Wettig-Danielmeier, Marburg 2001, S. 15–35. Marta Worringer. Künstlerin – Ehefrau – Mutter, in: Schmid, Angelika(Hrsg.): Marta Worringer.»meiner Arbeit mehr denn je verfallen«,[Ausstellung im August-Macke-Haus: 18.11.2001–3.3.2002], Bonn 2001, S. 13–36. »München leuchtete«. Anmerkungen zu den Aufenthalten von Marta Schmitz und Wilhelm Worringer in München 1905 bis 1907, in: ebd., S. 37–43. Sozialismus im 21. Jahrhundert. Programmatische Konturen, in: Dowe, Dieter(Hrsg.): Demokratischer Sozialismus in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg. Referate und Diskussionen einer internationalen Konferenz des Gesprächskreises Geschichte der Friedrich-­ Ebert-Stiftung und des Instituts für Soziale Bewegungen der Universität Bochum in Berlin am 2. Oktober 2000, Bonn 2001, S. 41–55. Was geht uns Berlin an?, in: Utopie kreativ, 132, Oktober 2001, S. 869–877. Wolfgang Abendroth als Historiker der deutschen Arbeiterbewegung, in: Balzer, Friedrich-­ Martin / Bock, Hans Manfred / Schöler, Uli(Hrsg.): Wolfgang Abendroth. Wissenschaftlicher Politiker, Opladen 2001, S. 157–164. Bowe, Axel / Grebing, Helga(Hrsg.): 10 Jahre Sassenbach-Gesellschaft. Vortragsreihe zur Geschichte der deutschen Gewerkschaftsbewegung(Johannes-Sassenbach-Gesellschaft, 4), Berlin 2001. 110 Jahre Erfurter Programm. Elemente der Kontinuität und des Wandels in der Geschichte der Sozialdemokratie, in: Arbeiterbewegung und Sozialdemokratie in Thüringen, Erfurt 2001, S. 19–33. 2000 Entscheidung für die SPD – und was dann? Bemerkungen zu den politischen Aktivitäten der Linkssozialisten aus der SAP in den ersten Jahren»nach Hitler«, in: Lorenz, Einhart(Hrsg.), Perspektiven aus den Exiljahren(Schriftenreihe der Bundeskanzler-W­ illyBrandt-Stiftung, 7), Berlin 2000, S. 71–76. »Für mich war klar: Indoktrination – nicht mehr braun, jetzt rot – kommt nicht in Frage«, in: Hohls, Rüdiger(Hrsg.): Versäumte Fragen. Deutsche Historiker im Schatten des Nationalsozialismus, Stuttgart / München 2000, S. 528. Ideengeschichte des Sozialismus in Deutschland. Teil II, in: Grebing, Helga(Hrsg.): Geschichte der sozialen Ideen in Deutschland. Sozialismus – katholische Soziallehre – protestantische Sozialethik. Ein Handbuch, Essen 2000, S. 353–595. Die linken Intellektuellen und die gespaltene Arbeiterbewegung in der Weimarer Repu­ blik. Ein Überblick, in: Alemann, Ulrich von / Cepl-Kaufmann, Gertrude / Hecker, Hans u.a.:(Hrsg.), Intellektuelle und Sozialdemokratie, Opladen 2000, S. 59–76. BEITRÄGE AUS DEM ARCHIV DER SOZIALEN DEMOKRATIE| HEFT 8 65 1999 Sozialdemokratische Zustände, in: Blätter für deutsche und internationale Politik 44, 1999, H. 9, S. 1.033–1.037. Soziale Frage und Demokratie, in: Lieberknecht, Christine(Hrsg.): Orientierung im Umbruch. Analysen zu Deutschland seit 1990, Rudolstadt / Jena 1999, S. 135–140. Sozialismus im 20. Jahrhundert, in: Brockhaus – Die Bibliothek. Weltgeschichte, Bd. 5, Aufbruch der Massen – Schrecken der Kriege(1850–1945), Leipzig / Mannheim 1999, S. 488–495. »Wir wollen mehr Demokratie wagen«, in: Gross, Gerhardt / Dowe, Dieter / Schöllgen, ­Gregor u.a.(Hrsg.): Auftakt zur Ära Brandt. Gedanken zur Regierungserklärung Willy Brandts vom 28. Oktober 1969(Schriftenreihe der Bundeskanzler-­Willy-Brandt-Stiftung, 5), Berlin 1999, S. 37–39. 1998 Dritte Wege – ›Last Minute‹? Programmatische Konzepte über Alternativen zu den beiden ›real existierenden‹ Deutschland zwischen Ende 1989 und Anfang 1990, in: Bauerkämper, Arnd(Hrsg.): Doppelte Zeitgeschichte. Deutsch-deutsche Beziehungen 1945– 1990, Bonn 1998, S. 214–223. Probleme einer Neubestimmung demokratisch-sozialistischer Politik nach 1945, in: Faulenbach, Bernd / Potthoff, Heinrich(Hrsg.): Sozialdemokraten und Kommunisten nach Nationalsozialismus und Krieg, Essen 1998, S. 55–68. Der Sozialismus, in: Schildt, Axel / Sywottek, Arnold(Hrsg.): Modernisierung im Wiederaufbau. Die westdeutsche Gesellschaft der 50er Jahre, durchges. u. aktualisierte Studien­ ausg., Bonn 1998, S. 646–658. 1997 Eduard Bernstein(1850–1932), in: Erler, Hans / Heid, Ludger / Ehrlich, Ernst Ludwig(Hrsg.): »Meinetwegen ist die Welt erschaffen«. Das intellektuelle Vermächtnis des deutschsprachigen Judentums, Frankfurt am Main / New York 1997, S. 310–314. Gleichstellung verwirklichen: Das alte-neue Thema in der Geschichte der Arbeiterbewegung, in: Wettig-Danielmeier, Inge(Hrsg.): Greift die Quote?, Köln 1997, S. 39–61. Herausgeforderte Gewerkschaften. Vereinigungskrise – europäische Integration – Modernisierung der Arbeitswelt am Beispiel Chemie, Bergbau, Energie und Leder, in: ­ Tenfelde, Klaus(Hrsg.): Ein neues Band der Solidarität, Hannover 1997, S. 307–319. Jüdische Intellektuelle in der deutschen Arbeiterbewegung zwischen den beiden Weltkriegen, in: Archiv für Sozialgeschichte 37, 1997, S. 19–38. Luxemburg, Rosa(Vater: Luksemburg), auch Rosalie R., vorübergehend verh. Lübeck, politische Publizistin,* 5.3.1871 Zarnosc(südöstliches Polen), † 15.1.1919 Berlin, in: Deutsche Biographische Enzyklopädie, Bd. 6, München 1997, S. 542–543. 66 BEITRÄGE AUS DEM ARCHIV DER SOZIALEN DEMOKRATIE| HEFT 8 Nationale und zivilisatorische Identität in Europa, in: Faulenbach, Bernd(Hrsg.): Bochumer Beiträge zur Nationalismusdebatte. Dokumentation einer Vortragsreihe in der Ruhr-Universität Bochum, Essen 1997, S. 114–126. Sachsen – Wiege der sozialdemokratischen Arbeiterbewegung, in: 120 Jahre Sozialdemokratie im Sächsischen Landtag, hrsg. v. d. Friedrich-Ebert-Stiftung,(Red.: Christoph Wielepp / Heinrich Wilm), Dresden 1997, S. 18–25. Die schöne Gewöhnlichkeit: Vom Ende des Dritten Weges, in: Funkkolleg. Deutschland im Umbruch, Studienbrief 3, Weinheim 1997, S. 1–38. Sternberg, Fritz(Psued.: Thomas Tarn, K.L. Gerstorff, Ungewitter, Fried): Geb. 11.06.1895 in Breslau; gest. 18.10.1963 in München, in: Demokratische Wege. Deutsche Lebensläufe aus fünf Jahrhunderten, Stuttgart / Weimar etc. 1997, S. 618-620. Über einen Kommunismus ›mit menschlichem Anlitz‹, Rezension zu Furet, Françios: das Ende der Illusionen. Der Kommunismus im 20. Jahrhundert, in: 1. Kolloquium für Hans Mommsen, Freiheit und Sozialismus, Bochum 1997, S. 199–204. 1996 Die Arbeiterbewegung in Europa und ihre Auseinandersetzung mit dem Faschismus zwischen den Weltkriegen. Was läßt sich aus der Geschichte lernen?, in: Buchholz, Marlis / Füllberg-Stolber, Claus / Schmid, Hans-Dieter(Hrsg.): Nationalsozialismus und Region, Bielefeld 1996(Hannoversche Schriften zur Regional- und Lokalgeschichte, 11), S. 133– 143. Die Bedeutung von Grundwerten und freiheitlich-demokratischen Traditionen in der deutschen Sozialdemokratie, in: Thierse, Wolfgang(Hrsg.): Ist die Politik noch zu retten?, Berlin 1996, S. 171–178. Demokratischer Sozialismus – Die Alternative zum Kommunismus, in: Zwangsvereinigung von SPD und KPD in Brandenburg, hrsg. v. d. SPD-Parteivorstand mit dem Landesverband Brandenburg, Schmergow 1996, S. 38–49. (Anmerkung: Gleichlautender Titel ist ebenso auch in Bänden zur Zwangsvereinigung von SPD und KPD in Sachsen, Thüringen, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern erschienen, mit-herausgegeben von den jeweiligen SPD-Landesverbänden) Entscheidung für ein demokratisch-sozialistisches Deutschland in Europa, in: Keller, Claudia(Hrsg.): Die Nacht hat zwölf Stunden, dann kommt schon der Tag. Antifaschismus – Geschichte und Neubewertung, Berlin 1996, S. 160–171. Historischer Wandel der Arbeit und des Wertes der Arbeit. Geschichte und Perspektive der Arbeitsgesellschaft, in: Blaschke, Ronald(Hrsg.): Zukunft der Arbeit und der Arbeitsgesellschaft. Fachtagung 26. Oktober 1995, Dresden 1996, S. 27–34. Kurt Schumacher als Parteivorsitzender und seine Kontrahenten, in: Kurt Schumacher und seine Politik, hrsg. v. d. Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland,(Red.: Regina Krane), Berlin 1996, S. 13–28. BEITRÄGE AUS DEM ARCHIV DER SOZIALEN DEMOKRATIE| HEFT 8 67 Mitbestimmung von Arbeitnehmern als Mittel zur Demokratisierung der Gesellschaft, in: Bockermann, Dirk(Hrsg.): Freiheit gestalten: Zum Demokratieverständnis des deutschen Protestantismus: Kommentierte Quellentexte 1789–1989. Festschrift für Günter Brakelmann zum 65. Geburtstag, Göttingen 1996, S. 188–197. »Neubau« statt»Wiederaufbau« der SPD. Die Lehren aus der Weimarer Republik, in: Dowe, Dieter(Hrsg.): Kurt Schumacher und der»Neubau« der deutschen Sozialdemokratie nach 1945(Gesprächskreis Geschichte, 13), Bonn 1996, S. 73–89. Neue Solidarität ohne alte Arbeiterbewegung?, in: Gewerkschaftliche Monatshefte 47, 1996, H. 11–12, S. 761–766. Probleme einer Neubestimmung demokratisch-sozialistischer Politik nach 1945, in: Klotz, Johannes(Hrsg.): Zwangsvereinigung?(Distel-Hefte, 32), Heilbronn 1996, S. 27–29. Das Programm von Bad Godesberg und seine Bedeutung für die Politik der SPD, in: Meyer, Thomas(Hrsg.): Willi Eichler zum 100. Geburtstag. Politische Programme in Zeiten der Kommunikationsgesellschaft – Aussichten für die Sozialdemokratie. Dokumentation einer Festveranstaltung am 7. Februar 1995 in der Friedrich-Ebert-Stiftung, Bonn 1996, S. 20–36. Soziale Bewegungen, in: Evangelisches Kirchenlexikon, Bd. 4, Göttingen 1996, S. 318–324. Stellungnahme, in: IWK: Internationale wissenschaftliche Korrespondenz zur Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung 32, 1996, H. 2, S. 251. Grebing, Helga / Kleßmann, Christoph / Schönhoven, Klaus: Verfolgungsmaßnahmen gegen die Sozialdemokratie, in: Die Zwangsvereinigung und die Folgen. Die erzwungene »Vereinigung« von SPD und KPD 1946, hrsg. v. Vorstand der SPD, Historische Kommission,(Red.: Heinrich Potthoff), Bonn 1996, S. 19–20. 1995 Brandt, Willy, eigentl. Herbert Ernst Karl Frahm, Journalist, Politiker,* 18.12.1913 Lübeck, † 8. 10.1992 Unkel / Rhein, in: Deutsche biographische Enzyklopädie, Bd. 2, München 1995, S. 71–72. Entscheidung für ein demokratisch-sozialistisches Deutschland in Europa, in: Marßolek, Inge(Hrsg.): Soziale Demokratie und sozialistische Theorie. Festschrift für Hans-Josef Steinberg zum 60. Geburtstag, Bremen 1995, S. 164–170. Nationale und zivilisatorische Identität in Europa, in: Gewerkschaftliche Monatshefte 46, 1995, H. 2, S. 110–120. Politischer Radikalismus und Parteiensystem. Die Flüchtlinge in der niedersächsischen Nachkriegspolitik, in: Niedersachsen nach 1945, Hannover 1995, S. 152–158. Das Rheinland in der Zeit des Umbruchs während und nach der Revolution 1918 bis 1920, in: Riha, Karl(Hrsg.): Fatagaga-Dada: Max Ernst, Hans Arp, Johannes Theodor Baargeld und der Kölner Dadaismus, Gießen 1995, S. 7–16. 68 BEITRÄGE AUS DEM ARCHIV DER SOZIALEN DEMOKRATIE| HEFT 8 Von der Mitbestimmung zur»Repräsentation der Arbeit«, in: Giegel, Georg(Hrsg.): Glaube in Politik und Zeitgeschichte. Festschrift für Franz Josef Stegmann zum 65. Geburtstag, Paderborn 1995, S. 169–177. Warum so viel»freiwillige Blindheit«? Betrachtungen zur Legitimation von kommunistischer terroristischer Herrschaft durch Intellektuelle, in: Saage, Richard(Hrsg.): Das Scheitern diktatorischer Legitimationsmuster und die Zukunftsfähigkeit der Demokratie. Festschrift für Walter Euchner, Berlin 1995, S. 35–46. Wilhelm Dittmanns Erinnerungen, in: IWK: Internationale wissenschaftliche Korrespondenz zur Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung 31, 1995, H. 4, S. 532–537. Zeitgenosse sein. Zum 100. Geburtstag von Fritz Sternberg(1895–1963), in: Gewerkschaftliche Monatshefte 46, 1995, H. 7, S. 424–432. 1995 ein Tag der ehrlichen Inventur. Deutschland nach 1945. Befreiung – Neuaufbau und Kontinuität, in: Göttinger Tageblatt, 8. Mai 1995, S.12. »… und ist dabei doch eigenständig und unverwechselbar geblieben«, in:»Sie wollte und konnte nie etwas Halbes tun«. Die Sozialistin Rosi Wolfstein-Fröhlich 1914–1924, hrsg. v. d. Rosi-Wolfstein-Gesellschaft e. V., Witten 1995, S. 46–54. 1994 Die vom Jahrgang 1929/30. oder: Die Last der ›späten Geburt‹, in: Text+ Kritik 46, 1994, H. 4, S. 3–8. Keine Kampagne? Willy Brandt – nur ein nationaler Mann?, in: Der Sozialdemokrat, 1994, Nr. 3, hrsg. v. d. SPD, Bezirk Hessen-Süd Seite, 1–3. Kommt endlich Bewegung in die Politik?, in: Einheit. Organ der Industriegewerkschaft Bergbau und Energie 15, 1994, S. 5. Zur Kontinuität programmatischer Debatten in den Gewerkschaften, in: Meyer, Heinz-­ Werner(Hrsg.): Aufbrüche – Anstöße(Beiträge zur Reformdiskussion im Deutschen Gewerkschaftsbund und seinen Gewerkschaften, 1), Köln 1994, S. 71–87. Das Konzept»Demokratischer Sozialismus«: Zur Genesis der theoretischen Verarbeitung der sowjetrussischen Entwicklung in der deutschen und der österreichischen Sozialdemokratie während der Zwischenkriegszeit, in: Liede, Helmut / Lehners, Jean-Paul (Hrsg.): Sozialismus – das Ende einer Utopie?, Luxembourg 1994, S. 57–68. Die Myrdals – ein nordisches Familiendrama?, in: Neue Gesellschaft / Frankfurter Hefte 41, 1994, H. 2, S. 186–187. Rezension zu Zarusky, Jürgen: Die deutschen Sozialdemokraten und das sowjetische Modell. Ideologische Auseinandersetzung und außenpolitische Konzeptionen 1917–1933, München 1992, in: Archiv für Sozialgeschichte 34, 1994, S. 535–536. Sozialdemokratie, Nation, deutsche Einheit, in: Jahrbuch 1994. Nationalismus und Ethno­ zentrismus, hrsg. v. d. Akademie der Politischen Bildung der Friedrich-Ebert-Stiftung, S. 19–26. BEITRÄGE AUS DEM ARCHIV DER SOZIALEN DEMOKRATIE| HEFT 8 69 Von der»Traditionskompanie« zur»Staatspartei«. Die Modernisierung der Sozialdemokratie in den 1950er und 1960er Jahren im regionalen Vergleich, in Kocka, Jürgen / P­ uhle, Hans-Jürgen / Tenfelde, Klaus(Hrsg.): Von der Arbeiterbewegung zum modernen Sozialstaat, München 1994, S. 205–221. Grebing, Helga / Wickert, Christl: Widerstandsarbeit von Frauen gegen den Nationalsozialismus, in: Knigge-Tesche, Renate / Schacht, Konrad / Kuhn, Annette(Hrsg.): Frauen im Nationalsozialismus(Polis, 7), Wiesbaden 1994, S. 32–45. 1993 Zur Aktualität von regionalen Forschungen zur Geschichte der demokratischen Bewegung in Ostdeutschland, in: Grebing, Helga / Mommsen, Hans / Rudolph, Karsten(Hrsg.): Demokratie und Emanzipation zwischen Saale und Elbe. Beiträge zur Geschichte der sozialdemokratischen Arbeiterbewegung bis 1933, Essen 1993, S. 341–348. Die Auflösung des Milieus. Sachsen und Thüringen waren einst sozialdemokratische Hochburgen. Heute ist davon kaum etwas übriggeblieben, in: Die ZEIT, 29. Oktober 1993, S. 78. Deutschland, in: Grebing, Helga / Wobbe, Werner(Hrsg.): Industrie- und Arbeitsstrukturen im europäischen Binnenmarkt. Die große Gleichmacherei?, Köln 1993, S. 115–127. Einheit in Vielfalt statt»großer Gleichmacherei«, in: Grebing, Helga / Wobbe, Werner(Hrsg.): Industrie- und Arbeitsstrukturen im europäischen Binnenmarkt, Köln, 1993, S. 258– 264. Wiederaufbau, Restauration,»Wirtschaftswunder«. 1945–1966, in: ebd., S. 195–215. Das Konzept des Demokratischen Sozialismus als antitotalitäre Alternative. Historische Fun­ damente und aktuelle Akzentuierung, in: IWK: Internationale wissenschaftliche Korres­ pondenz zur Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung 29, 1993, H. 3, S. 283–294. Ein Pakt der Vernünftigen?, in: Kogel, Jörg-Dieter(Hrsg.): Neues Deutschland. Innenansich­ ten einer wiedervereinigten Nation, Frankfurt am Main 1993, S. 54–57. Rede der Preisträgerin Prof. Dr. Helga Grebing, in: Waldemar-von-Knoeringen-Preis 1992, hrsg. v. d. Georg-von-Vollmar-Akademie, München 1993, S. 17–36. Sozialdemokratie und Nation. Zur Geschichte der Diskussion der»nationalen Frage« in der SPD vor und nach 1945, in: in: Schönhoven, Klaus / Staritz, Dietrich(Hrsg.): Sozialismus und Kommunismus im Wandel. Hermann Weber zum 65. Geburtstag, Köln 1993, S. 69–90. Der Sozialismus, in: Schildt, Axel / Sywottek, Arnold(Hrsg): Modernisierung im Wiederaufbau. Die westdeutsche Gesellschaft der 50er Jahre, Bonn 1993(Politik- und Gesellschaftsgeschichte, 33), S. 646–658. Die Traditionen des»demokratischen Sozialismus« als Anti-These zum Marxismus-Leninismus. Der Weg zum Godesberger Programm, in: Heimann, Horst(Hrsg.): Sozialdemokratische Traditionen und Demokratischer Sozialismus 2000, Köln 1993, S. 26–43. 70 BEITRÄGE AUS DEM ARCHIV DER SOZIALEN DEMOKRATIE| HEFT 8 1992 Abwehr gegen rechts und links. Zentrismus – ein aussagekräftiger Begriff?, in: Rojahn, Jürgen / Schelz, Till / Steinberg, Hans-Josef(Hrsg): Marxismus und Demokratie. Karl Kautskys Bedeutung in der sozialistischen Arbeiterbewegung(Quellen und Studien zur Sozialgeschichte, 9), Frankfurt am Main / New York 1991, S. 140–150. Gruß und Dank an Inge Wettig-Danielmeier, in: Junker, Karin(Hrsg.): Für Inge Wettig-­ Danielmeier, Bonn 1992, S. 42–43. Nation statt Demokratie? Bemerkungen zu: Die Linke und die deutsche Einheit. Auch eine Polemik, in: Münkler, Herfried(Hrsg.): Die Chancen der Freiheit, München / Zürich 1992, S. 103–113. Nie ohne Hoffnung. Zum Gedenken an Willy Brandt, in: Gewerkschaftliche Monatshefte 43, 1992, H. 11, S. 673–678. Traditionskompanie – Volkspartei – wie weiter Genossen?, in: Ristau, Malte / Scholing, ­Michael(Hrsg.): Tanker im Nebel(Kritisches Jahrbuch des Forum Demokratischer Sozialismus), Marburg 1992. S. 10–17. Das Verhältnis von Linksparteien und Gewerkschaften in Europa, in: Gewerkschaftliche Monatshefte 43, 1992, H. 4 / 5, S. 247–253. Zusammenfassende Thesen zum sogenannten»Ende der Arbeiterbewegung in Europa«, in: Grebing, Helga / Meyer, Thomas(Hrsg.): Linksparteien und Gewerkschaften in Europa. Die Zukunft einer Partnerschaft, Köln 1992, S. 247–259. 1991 Arbeiterbewegung, in: Holtmann, Everhard(Hrsg.): Politik-Lexikon, München / Wien etc. 1991, S. 24–27. Arbeiterbewegung in Europa oder europäische Arbeiterbewegung, in: Pastoraltheologie. Monatsschrift für Wissenschaft und Praxis in Kirche und Gesellschaft 80, 1991, 9, S. 474–491. Industriearbeit und Industriearbeiter im 19. und 20. Jahrhundert, in: Geschichte und Zukunft der industriellen Arbeit(Geschichte und Zukunft der industriellen Arbeit, 1), Marburg 1991, S. 36–42. In Erinnerung an Kurt Müller, in: Dowe, Dieter(Hrsg.): Kurt Müller(1903–1990) zum Gedenken, Bonn 1991, S. 19–24. Rezension zu Kleßmann, Christoph: Zwei Staaten, eine Nation. Deutsche Geschichte 1955 bis 1970, in: Göttingische gelehrte Anzeigen 243/1991, S. 272–279. Rosa Luxemburg(1871–1919), in: Euchner, Walter(Hrsg.): Klassiker des Sozialismus, Bd. 2: Von Jaurès bis Marcuse, München 1991, S. 58–71. BEITRÄGE AUS DEM ARCHIV DER SOZIALEN DEMOKRATIE| HEFT 8 71 Von der Notwendigkeit der Zukunft des Sozialismus, in: August-Rothardt, Ursula / Kinkelbur, Dieter / Schulz, Herrmann(Hrsg.): Für eine Kultur der Gerechtigkeit. Positionen des christlich-sozialistischen Dialogs. Johannes Rau zum 60., Wuppertal 1991, S. 139–147. Zur Geschichte des Bochumer Vereins, in: Das Bochum-Projekt. Industrielandschaft. Bildende Kunst. Ausstellungen in der Jahrhunderthalle Bochum 1991, Frankfurter Hof Mainz 1991, Kunsthalle Darmstadt 1992, Mainz 1991, S. 11–22. 1990 Fortschritt – drei Thesen und drei Beispiele, in: Gewerkschaftliche Monatshefte 41, 1990, H. 1, S. 45–50. Gewerkschaften. Bewegung oder Dienstleistungsorganisation 1955 bis 1965, in: Hemmer, Hans-Otto / Schmitz, Kurt Thomas(Hrsg.): Geschichte der Gewerkschaften in der Bundesrepublik Deutschland. Von den Anfängen bis heute, Köln 1990, S. 149–182. Kann und soll die Geschichtswissenschaft sich am Schuldnachweis beteiligen?, in: Konrad, Thomas(Hrsg.): Schuld. Zusammenhänge und Hintergründe. Eine Vorlesungsreihe der Georgia Augusta, Göttingen, Frankfurt am Main / Bern etc. 1990, S. 235–251. Sozialdemokratische Arbeiterbewegung und Nationalsozialismus 1924–1933, in: Grebing, Helga / Kinner, Klaus(Hrsg.): Arbeiterbewegung und Faschismus. Faschismus-Interpretationen in der europäischen Arbeiterbewegung, Essen 1990, S. 237–246. »Soziale Marktwirtschaft«. Zur Vorgeschichte und Entwicklung eines zentralen Schlagwortes in der deutsch-deutschen Diskussion, in: Gewerkschaftliche Monatshefte 41, 1990, H. 5 / 6, S. 316–321. 1989 Angestellte zwischen Standesorganisation und Gewerkschaften. Entwicklungsrichtlinien gewerkschaftlicher Angestelltenpolitik, in: Industrieangestellte und Gewerkschaften, hrsg. v. d. Industriegewerkschaft Bochum u. d. Ruhr-Universität Bochum, Bochum 1989, S. 11–18. Arbeiterbewegung und sozialer Wandel in kapitalistischen Industriegesellschaften, in: Grebing, Helga / Brandt, Peter / Schulze-Marmeling, Ulrich(Hrsg.): Sozialismus in Europa – Bilanz und Perspektiven(Veröffentlichungen des Instituts zur Erforschung der europäischen Arbeiterbewegung A, 1), Essen 1989, S. 14–25. Die Bundesrepublik als Ende des deutschen Sonderwegs?, in: Gewerkschaftliche Monatshefte 40, 1989, H. 5, S. 276–283. Demokratie ohne Demokraten? Politisches Denken, Einstellungen und Mentalitäten in der Nachkriegszeit, in: Holtmann, Everhard(Hrsg.):Wie neu war der Neubeginn? Zum deutschen Kontinuitätsproblem nach 1945, Wissenschaftliche Tagung am 7. und 8. Juli 1989 im Kollegienhaus, Universität Erlangen-Nürnberg(Erlanger Forschungen A, 50), Erlangen 1989, S. 6–19. 72 BEITRÄGE AUS DEM ARCHIV DER SOZIALEN DEMOKRATIE| HEFT 8 Gesellschaftlicher Wertwandel und die Suche nach einer neuen Parteiidentität in den Sozialdemokratien Europas seit den 70er Jahren, in: Archiv für Sozialgeschichte 29, 1989, S. 273–296. »Von der Klassenkultur zur Massenkultur?«. Drei Fragen zur Arbeiterbewegungskultur, in: Köhler, Gerd(Hrsg.): Arbeit und Kultur. Beiträge aus Hochschulen und Gewerkschaften zur Neubestimmung des Verhältnisses von Arbeit und Kultur. Dokumentation der Woche der Wissenschaft vom 15. – 18. Juni 1988 in Recklinghausen, Freiburg im Breisgau 1989, S. 119–123. 1988 Arbeiterbewegung und sozialer Wandel im industriellen Kapitalismus: Versuch einer europäischen Vergleichsperspektive, in: Günther, Wolfgang(Hrsg.): Gesellschaftliche Bewegungen in Nordwestdeutschland und Nordpolen. Beiträge zur Geschichte der Arbeiterbewegung, Vorträge gehalten am 11. und 12. Juni auf dem Symposium des Historischen Seminars der Universität Oldenburg, Oldenburg 1988, S. 9–19. Auch eine Entscheidung für die SPD: Maria Meyer-Sevenich 1948 / 49, in: IWK: Internationale wissenschaftliche Korrespondenz zur Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung 24, 1988, H. 1, S. 43–54. Bismarck und Bebel – Zweierlei Kontinuität?: Die ›schwarze‹ und die ›weiße‹ Linie in der deutschen Geschichte, in: Streitfall Deutsche Geschichte. Geschichts- und Gegenwartsbewusstsein in den 80er Jahren, hrsg. v. d. Landeszentrale für Politische Bildung Nordrhein-Westfalen, Essen 1988, S. 71–86. Demokratie als Erbe und Auftrag der Arbeiterbewegung, in: Sozialistische Praxis, 1988, Sonderheft Februar, S. 5-8. Fritz Sternberg(1895–1963). Ein unorthodoxer Marxist und Lehrer einer Generation junger Sozialisten: Wider den Absturz in die Barbarei, in: Lösche, Peter(Hrsg.): Vor dem Vergessen bewahren. Lebenswege Weimarer Sozialdemokraten, Berlin 1988, S. 391–406. Fritz Sternberg, in: Jacoby, Edmund(Hrsg.): Lexikon linker Leitfiguren. Frankfurt am Main 1988, S. 347–349. Korsch, Karl, in: ebd., S. 215–216. »Der Geist steht rechts«? Einige Reflexionen über Konservatismus – heute, in: Arnold, Heinz Ludwig(Hrsg.): Vom Verlust der Scham und dem allmählichen Verschwinden der Demokratie, Göttingen 1988, S. 89–96. Historische Wendemarken. Sozialdemokratie, in: Vorwärts, 1988, H. 21, S. 26–28. »Ich vermag diesen Vorgang ›Revolution von oben‹ nicht zu nennen«, in: Miller, Susanne / Malte Ristau(Hrsg.): Erben deutscher Geschichte. DDR – BRD. Protokolle einer historischen Begegnung, Reinbek bei Hamburg 1988, S. 109–117. Die nationale Frage im Urteil westdeutscher Historiker seit dem Zusammenbruch der nationalsozialistischen Herrschaft, in: Von der Verdrängung zur Bagatellisierung? Aspek- BEITRÄGE AUS DEM ARCHIV DER SOZIALEN DEMOKRATIE| HEFT 8 73 te des sogenannten Historikerstreits, hrsg. v. d. Niedersächsische Landeszentrale für Politische Bildung, Hannover 1988, S. 37–48. Niedersachsen vor 40 Jahren. Gesellschaftliche Traditionen und politische Neuordnung, in: Niedersächsisches Jahrbuch für Landesgeschichte 60, 1988, hrsg. v. d. Historischen Kommission für Niedersachsen und Bremen, S. 213–228. Noske, Gustav: Politiker, Brandenburg a. d. Havel 9.7.1868, Hannover 30.11.1946, in: Benz, Wolfgang / Graml, Hermann(Hrsg.): Biographisches Lexikon zur Weimarer Republik, München 1988, S. 240–241. Scheidemann, Philipp: Politiker, Kassel 26.7.1865, Kopenhagen 29.11.1939, in: ebd., S. 286–­ 287. Schumacher, Kurt: Politiker, Culm / Chelmno a. d. Weichsel 13.10.1895, Bonn 20.8.1952, in: ebd., S. 304–305. Revolution ohne Subjekt. Marxismus und Sozialdemokratie in: Vorwärts, 1988, H. 6, S. 41– 42. Die SPD – eine Allerwelts- und Jedermanns-Partei? in: Miller, Susanne(Hrsg.): Gesellschaftlicher Wandel, soziale Demokratie. 125 Jahre SPD. Historische Erfahrungen, Gegenwartsfragen, Zukunftskonzepte, Köln 1988, S. 29–32. 125 Jahre SPD – was bleibt vom Sozialismus?, in: Arbeitshefte zur sozialistischen Theorie und Praxis 79, 1988, S. 4–14. 1987 »Abschied von der Arbeiterbewegung«. Ein international vergleichbares Phänomen in nachindustriellen Gesellschaften, in: Gewerkschaftliche Monatshefte 38, 1987, H. 2, S. 76–91. Arbeiterbewegung und sozialer Wandel im industriellen Kapitalismus – Zu Versuchen einer europäischen Vergleichsperspektive, in: Tel Aviver Jahrbuch für deutsche Geschichte 16, 1987, S. 82–95. Bericht über die Forschung zur Geschichte der Flüchtlinge und ihrer Eingliederung in Niedersachsen nach 1945, in: Schulze, Rainer / Berlie-Lewien, Doris von der / Grebing, Helga(Hrsg.): Flüchtlinge und Vertriebene in der westdeutschen Nachkriegsgeschichte. Bilanzierung der Forschung und Perspektiven für die künftige Forschungsarbeit (Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Niedersachsen und Bremen, 38; Quellen und Untersuchungen zur Geschichte Niedersachsens nach 1945, 4), Hildesheim 1987, S. 269–272. Zum Begriff der Integration, in: ebd., S. 302–304. Begrüßung und Einführung in das Symposium: Flüchtlinge und Vertriebene in der westdeutschen Nachkriegsgeschichte. Bilanzierung der Forschung und Perspektiven für die künftige Forschungsarbeit, in: Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Niedersachsen und Bremen 4, Hildesheim 1987, S. 1–5. 74 BEITRÄGE AUS DEM ARCHIV DER SOZIALEN DEMOKRATIE| HEFT 8 Deutsche Vergangenheit und politische Moral, in: Niemandsland 1, 1987, H. 1, S. 5–15. Kein dritter Weg? in: Vorwärts, 1987, H. 37, S. 10. Die Sozialdemokratische Partei Deutschlands. Auf dem Weg zu einem neuen linken Bündnis?, in: Haungs, Peter(Hrsg.): Parteien in der Krise? In- und ausländische Perspektiven, Köln 1987, S. 99–103. Zwischen Kaiserreich und Diktatur: Göttinger Historiker und ihr Beitrag zur Interpretation von Geschichte und Gesellschaft, in: Boockmann, Hartmut / Wellenreuther, Hermann(Hrsg.): Geschichtswissenschaft in Göttingen. Eine Vorlesungsreihe, Göttingen 1987, S. 204–238. 1986 Deutscher Sonderweg oder zwei Linien historischer Kontinuität in Deutschland, in: ­ Büttner, Ursula(Hrsg.): Das Unrechtsregime, Bd. 1. Ideologie – Herrschaftssystem – Wirkung in Europa, Hamburg 1986, S. 2–21. Kurt Schumacher – wieder aktuell?, in: Neue Gesellschaft / Frankfurter Hefte 33, 1986, H. 3, S. 250–253. Mut zu kontroversen Selbstdarstellungen. Der Bau des Museums gehört in die Hände des Parlaments, in: Das Parlament, 1986, H. 20–21, S. 16. Politische und soziale Probleme der Arbeiterklasse am Ende des Zweiten Weltkrieges und der unmittelbaren Nachkriegszeit, in: IWK: Internationale wissenschaftliche Korrespondenz zur Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung 22, 1986, H. 1, S. 1–20. Von der Wirtschaftsdemokratie zur Mitbestimmungsinitiative. Zur Entwicklung gewerkschaftlicher Programmatik, in: Die Mitbestimmung 32, 1986, H. 8 / 9, S. 425–428. 1985 Neubeginn oder Wiederaufbau? Die Anfänge der politischen Willensbildung in Westdeutschland 1945–1949, in: Die Neue Gesellschaft 32, 1985, S. 416–428. Politische und soziale Probleme der Arbeiterklasse am Ende des 2. Weltkrieges und in der unmittelbaren Nachkriegszeit, in: Internationale Tagung der Historiker der Arbeiterbewegung. 21. Linzer Konferenz 1985, S. 1–32. Warum an den 8. Mai 1945 denken? Stichwort: 8. Mai 1945, in: Gewerkschaftliche Monatshefte 36, 1985, H. 4, S. 193–199. Was wird aus Deutschland nach dem Krieg? Perspektiven linkssozialistischer Emigration für den Neuaufbau Deutschlands nach dem Zusammenbruch der nationalsozialistischen Diktatur, in: Gedanken an Deutschland im Exil und andere Themen(Exilforschung. Ein internationales Jahrbuch, 3), München 1985, S. 43–58. BEITRÄGE AUS DEM ARCHIV DER SOZIALEN DEMOKRATIE| HEFT 8 75 1984 Geschichte der Arbeiterbewegung – eine eigenständige wissenschaftliche Disziplin?, in: Botz, Gerhard / Weidenholzer, Josef(Hrsg.): Mündliche Geschichte und Arbeiterbewegung. Eine Einführung in Arbeitsweisen und Themenbereiche der Geschichte»geschichtsloser« Sozialgruppen, Wien / Köln 1984, S. 3–21. Konservative Legende und bürgerliche Vorurteile. Bemerkungen über das Weimar-Buch von H. Schulze, Rezension zu Schulze, Hagen: Weimar. Deutschland 1917–1933, in: Archiv für Sozialgeschichte 24, 1984, S. 637–643. Die Krise der liberalen Demokratie in Europa und der Aufstieg des Nationalsozialismus in Deutschland, in: Zwischen Demokratie und Diktatur, Hamburg 1984, S. 15–40. Ökonomische Krise und politische Moral. Thesen zur Niederlage der organisierten Arbeiterschaft im Kampf gegen den deutschen Faschismus, in: Rebe, Bernd, Lompe, Klaus, Thadden, Rudolf von(Hrsg.): Idee und Pragmatik in der politischen Entscheidung. Alfred Kubel zum 75. Geburtstag, Bonn 1984, S. 111–122. Sozialdemokratische Arbeiterbewegung am Ende der Weimarer Republik. Der Fall Emden, in: Brosius, Dieter / Last, Martin(Hrsg.): Beiträge zur niedersächsischen Landesgeschichte. Zum 65. Geburtstag von Hans Patze im Auftr. der Historischen Kommission für Niedersachsen und Bremen, Hildesheim 1984, S. 475–499. Die theoretischen Grundlagen des Godesberger Programms, in: Papcke, Sven / Schuon, Karl Theodor(Hrsg.): Braucht die SPD ein neues Grundsatzprogramm? 25 Jahre nach Godesberg(Schriftenreihe der Hochschulinitiative Demokratischer Sozialismus, 16), Berlin 1984, S. 9–17. Thesen zur Niederlage der organisierten Arbeiterschaft im Kampf gegen den deutschen Faschismus, in: Breit, Ernst(Hrsg.): Aufstieg des Nationalsozialismus. Untergang der Republik. Zerschlagung der Gewerkschaften. Dokumentation der historisch-politischen Konferenz des DGB im Mai 83 in Dortmund, Köln 1984, S. 94–106. Die zwei Linien der deutschen Geschichte, in: Deutsches Allgemeines Sonntagsblatt, 20. Mai 1984, S. 4. 1983 Arbeiten um zu leben oder leben um zu arbeiten. Zu einigen historischen und aktuellen Problemen der Sinnbestimmung der Arbeit, in: Henning, Eike / Saage, Richard(Hrsg.): Konservatismus – eine Gefahr für die Freiheit?, München/Zürich 1983, S. 219–241. Flucht vor Hitler? Historiographische Forschungsergebnisse über die Aussichten des Widerstandes der Arbeiterbewegung gegen die nationalsozialistische Machtübernahme, in: Harstick, Hans-Peter / Herzig, Arno / Pelger, Hans(Hrsg.): Arbeiterbewegung und Geschichte. Festschrift für Shlomo Na‘aman zum 70. Geburtstag, Trier 1983, S. 113–135. 76 BEITRÄGE AUS DEM ARCHIV DER SOZIALEN DEMOKRATIE| HEFT 8 Flucht vor Hitler? Historiographische Forschungsergebnisse über die Aussichten des Widerstandes der Arbeiterbewegung gegen die nationalsozialistische Machtübernahme, in: Aus Politik und Zeitgeschichte 29, 1983, Bd. 4–5, S. 26–42. Die Gewerkschaften in der Krisenphase der Weimarer Republik, in: Gewerkschaftliche Monatshefte, 34, 1983, H. 4 / 5, S. 228–238. Gewerkschaftliches Verhalten in der politischen Krise der Jahre 1930–1933, in: Gewerkschafts-Zeitung. Organ des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes 43, 1933, Bd. 5, Berlin 1933. Anhang zu: Grebing, Helga / Schneider Michael / Schönhoven, Klaus: Gewerkschaften in der Krise, Berlin / Bonn 1983, S. 7–46. Grebing, Helga / Brelie-Lewien, Doris von der: Grundprobleme der Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung. Bemerkungen zu einigen Gesamtdarstellungen und Spezialstudien, Sammelrezension in: Archiv für Sozialgeschichte 23, 1983, S. 555–573. Die Parteien, in: Ambrosius, Gerold(Hrsg.): Die Bundesrepublik Deutschland, Frankfurt am Main 1983, S. 126–191. Der Weg der Nachkriegssozialdemokratie von der Klassenpartei zur Volks- und Staatspartei. Bemerkungen zu dem Werk von Kurt Klotzbach, Rezension, in: Archiv für Sozialgeschichte 23, 1983, S. 618–624. 1982 Die Weiterentwicklung des historischen Materialismus im Kontext der Aufgabenstellung der sozialistischen Arbeiterbewegung nach dem Ersten Weltkrieg, in: Heimann, Horst / Meyer, Thomas(Hrsg.): Reformsozialismus und Sozialdemokratie. Zur Theoriediskussion des Demokratischen Sozialismus in der Weimarer Republik(Internationale Bibliothek, 125), Berlin / Bonn 1982, S. 35–58. 1981 Die deutsche Linke und ihre nationale Frage, in: L ‚80 19 / 1981, S. 61–69. Gefahren und Chancen für den demokratischen Sozialismus nach 1945 in der Deutung von Fritz Sternberg, in: Grebing, Helga(Hrsg.): Sternberg, Fritz: Für die Zukunft des Sozialismus. Werkproben, Aufsätze, unveröffentlichte Texte, Bibliographie und biographische Daten, Köln 1981, S. 143–184. Gewerkschaften als Ordnungsfaktor oder als Gegenmacht?, in: Teichmann, Ulrich(Hrsg.): Gewerkschaften. Analysen, Theorie und Politik, Darmstadt 1981, S. 54–63. Stichwort: Preußen. Wozu von Preußen reden?, in: Gewerkschaftliche Monatshefte 32, 1981, H. 12, S. 702–708. Zur Geschichte der Arbeiterbewegung in Niedersachsen 1866–1914, in: Niedersächsisches Jahrbuch für Landesgeschichte 53, 1981, S. 87–106. BEITRÄGE AUS DEM ARCHIV DER SOZIALEN DEMOKRATIE| HEFT 8 77 1980 Gewerkschaften in der Gesellschaft, in: Gewerkschaftliche Monatshefte 31, 1980, H. 3, S. 149–157. Ordnungs- und Gegenmacht in einem. Das Selbstverständnis der Gewerkschaften in der demokratischen Republik, in: Materialien zur politischen Bildung 1980, H. 3, S. 10–14. Zum Artikel von Frank Deppe, Georg Fülberth und Jürgen Harrer. Zur aktuellen Diskussion über die Geschichte der deutschen Gewerkschaftsbewegung, in: Blätter für deutsche und internationale Politik 25, 1980, H. 10, S. 1.115–1.118. 1979 Geschichte und Gewerkschaften: Bestandsaufnahme – Perspektiven: Podiumsdiskussion mit Hans Mommsen, Gerhard Beier, Werner Conze, Helga Grebing, Gerhard A. ­Ritter, Hermann Josef Wallraff, Hans Ulrich Wehler, in: Vetter, Heinz Oskar(Hrsg.): Aus der Geschichte lernen – die Zukunft gestalten. Dreißig Jahre DGB. Protokoll der wissenschaftlichen Konferenz zur Geschichte der Gewerkschaften vom 12. und 13. Oktober 1979 in München, Köln 1980, S. 24–50. »Eine große sozialwissenschaftliche und pädagogische Leistung?«. Bemerkungen zu dem Buch von Deppe, Fülberth, Harrer(Hrsg.): Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung, in: Gewerkschaftliche Monatshefte 30, 1979, H. 4, S. 204–228. Die Realität war eben anders. Zum Streit um eine Gewerkschaftsgeschichte, in: Erziehung und Wissenschaft 31, 1979, H. 9, S. 22–26. Sozialer Wandel, Konflikt und gewerkschaftliche Organisation. Einleitende Bemerkungen zum Symposium über die Geschichte der deutschen Gewerkschaftsbewegung von den Anfängen bis 1918, in: IWK: Internationale wissenschaftliche Korrespondenz zur Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung 15, 1979, H. 2, S. 226–235. Die Sozialismus-These in der Geschichtsschreibung der DDR, in: DDR-Report 12, 1979, H. 7, S. 405–408. 1978 Antifaschismus und Arbeiterbewegung, in: IWK: Internationale wissenschaftliche Korrespondenz zur Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung 14, 1978, H. 4, S. 480–485. Arbeiterbewegung und Gewalt, in: Gewerkschaftliche Monatshefte 29, 1978, H. 2, S. 65– 77. Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus, in: Luthardt, Wolfgang(Hrsg.): Sozialdemokratische Arbeiterbewegung und Weimarer Republik. Materialien zur gesellschaftlichen Entwicklung 1927–1933, Bd. 2, Frankfurt 1978, S. 259–279 / Dokumente S. 280–379. 78 BEITRÄGE AUS DEM ARCHIV DER SOZIALEN DEMOKRATIE| HEFT 8 Erneuerung des Konservatismus? Literaturabhandlung, in: Politische Vierteljahresschrift 19, 1978, S. 372–391. Grebing, Helga / Kramme, Monika, Die Herausbildung des Revisionismus vor dem Hintergrund der Situation der deutschen Sozialdemokratie im Kaiserreich, in: Heimann, Horst (Hrsg.): Bernstein und der Demokratische Sozialismus. Bericht über den Wissenschaftlichen Kongreß»Die Historische Leistung und Aktuelle Bedeutung Eduard Bernsteins« (Internationale Bibliothek, 114), Berlin 1978, S. 59–71. Die Novemberrevolution und die Auseinandersetzung der Arbeiterbewegung mit dem Faschismus in der Sicht der DDR-Historiographie, in: Politik und Kultur 5, 1978, H. 6, S. 15–36. Grebing, Helga / Meunier, Lutz / Meyer, Thomas: Streitgespräch über die Aktualität des Bernsteinschen Revisionismus, in: ebd., S. 413–422. Vom Aufschwung und den»kommunistischen Ameisen«, in: 100 Jahre Gesetz gegen die Sozialdemokratie, Vorwärts Sonderausgabe, 1978, S. 15–18. Über den Zusammenhang von Gewaltlosigkeit und demokratischem Weg zum Sozialismus, Rezension zu Huber, Wolfgang / Schwerdtfeger, Johannes(Hrsg.): Frieden, Gewalt, Sozialismus. Studien zur Geschichte der sozialistischen Arbeiterbewegung(Forschungen und Berichte der Evangelischen Studiengemeinschaft, 32), Stuttgart 1976, in: Archiv für Sozialgeschichte 18, 1978, S. 594–609. 1977 Gewerkschaften in der Gesellschaft, in: Borsdorf, Ulrich / Hemmer, Hans O. / Leminsky, Gerhard / Markmann, Heinz(Hrsg.): Gewerkschaftliche Politik: Reform aus Solidarität. Zum 60. Geburtstag von Heinz O. Vetter, Köln 1977, S. 43–59. Die intellektuelle Opposition in der DDR seit 1956. Ernst Bloch, Wolfgang Harich, Robert Havemann, in: Aus Politik und Zeitgeschichte, Bd. 45, 1977, S. 3–19. Mehr Gleichheit – mehr Demokratie, in: Fabian, Anne-Marie(Hrsg.): Arbeiterbewegung, Erwachsenenbildung, Presse. Festschrift für Walter Fabian zum 75. Geburtstag, Köln / Frankfurt am Main 1977. Eine Minderheit, die die Mehrheit repräsentiert, in: Birnbaum, Immanuel(Hrsg.): Im Prinzip Freiheit. Die Unabhängigkeit des Einzelbürgers in unserem Staat, Hannover 1977, S. 61–78. 1976 Faschismus, Mittelschichten und Arbeiterklasse. Probleme der Faschismus-Interpretation in der sozialistischen Linken während der Weltwirtschaftskrise, in: IWK: Internationale wissenschaftliche Korrespondenz zur Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung 12, 1976, H. 4, S. 443–460. BEITRÄGE AUS DEM ARCHIV DER SOZIALEN DEMOKRATIE| HEFT 8 79 Über die Bedingungen der Verwirklichung gewerkschaftlicher Zielsetzungen in der parlamentarischen Demokratie, in: Gewerkschaftliche Monatshefte 27, 1976, H. 5, S. 257– 267. Über einige Differenzierungen des Begriffs»Gleichheit« – im historischen Prozeß gesehen, in: Vorgänge 20, 1976, H. 2, S. 58–66. Volksrepräsentation und identitäre Demokratie, in: Guggenberger, Bernd(Hrsg.): Parteien­ staat und Abgeordnetenfreiheit. Zur Diskussion um das imperative Mandat, München 1976, S. 89–116. Was heißt hier»aufgeklärter Konservatismus«?, in: Fetscher, Iring / Richter, Horst-Eberhard (Hrsg.): Worte machen keine Politik. Beiträge zu einem Kampf um politische Begriffe, Reinbek bei Hamburg 1976, S. 104–117. Was ist vom Anspruch der Neo-Konservativen auf eine neue Theorie geblieben?, in: Die Neue Gesellschaft 23, 1976, S. 20–23. Zur Problematik der personellen und programmatischen Kontinuität in den Organisatio­ nen der Arbeiterbewegung in Westdeutschland 1945 / 46, in: Herkunft und Mandat. Beiträge zur Führungsproblematik in der Arbeiterbewegung(Schriftenreihe der Otto-­ Brenner-Stiftung, 5), Frankfurt am Main / Köln 1976, S. 171–194. 1975 Reformstrategien in kapitalistischen Industriegesellschaften. Ein Literaturbericht(1. Teil), in: Gewerkschaftliche Monatshefte 26, 1975, H. 5, S. 316–322. Reformstrategien in kapitalistischen Industriegesellschaften. Ein Literaturbericht(2. Teil), in: Gewerkschaftliche Monatshefte 26, 1975, H. 6, S. 338–345. Wie war das damals mit Hermann Müller? Die SPD und die Machtfrage, in: Vorwärts, 1975, H. 34, S. 8. 1974 Hue, Otto(eigtl. Konrad): Gewerkschaftler,* 2.11.1868 Hörde(Westfalen), † 18.4.1922 Essen-Rüttenscheid.(luth.), in: Neue Deutsche Biographie, Bd. 10, Berlin 1974, S. 710– 711. Was ist»legitim«, was»illegitim«»im Lichte der Marxschen Theorie«? Bemerkungen zu dem Aufsatz von Gunnar Stollberg über die Faschismusschriften Rosenbergs, Serings und Sternbergs, in: IWK: Internationale wissenschaftliche Korrespondenz zur Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung 10, 1974, H. 3, S.[314]–326. 1973 Doch noch ein Defizit an Theorie-Reflexion?, in: Das Argument 15, 1973, H. 82, S. 823– 829. 80 BEITRÄGE AUS DEM ARCHIV DER SOZIALEN DEMOKRATIE| HEFT 8 Gewerkschaften als Ordnungsfaktor oder als Gegenmacht?, in: Gewerkschaftliche Monatshefte 24, 1973, H. 7, S. 393–400. Konservatismus, in: Handlexikon zur Politikwissenschaft, Bd. 1, Frankfurt am Main 1973, S. 197–202. Die parlamentarische Demokratie im Widerstreit von rechts und links, in: Gewerkschaftliche Praxis 18, 1973, H. 9, S. 269–275. Rezension zu Plum, Günter: Gesellschaftsstruktur und politisches Bewusstsein in einer katholischen Region 1928–1933, Stuttgart 1972, in: Archiv für Sozialgeschichte 13, 1973, S. 776–778. 1972 Grebing, Helga / Kramme, Monika: Franz Mehring, in: Wehler, Hans-Ulrich(Hrsg.): Deutsche Historiker, Band V, Göttingen 1972, S. 73–94. Hirsch, Max: Sozialpolitiker, Mitbegründer Gewerkvereine,* 30.12.1832 Halberstadt, † 26.6.1905 Bad Homburg vor der Höhe, in: Neue Deutsche Biographie, Bd. 9, Berlin 1972, S. 205–206. Husemann, Fritz: Bergarbeiterführer,* 19.9.1873 Leopoldsthal(Lippe), † 15.4.1935 KZ Papenburg-Esterwegen.(ref.), in: ebd., S. 83–84. Interdependenzen von Staat und Wirtschaft im Kapitalismus als Problem reformstrategischer Überlegungen. Ein Literaturbericht, in: Gewerkschaftliche Monatshefte 23, 1972, H. 12, S. 789–797. Konservative Republik oder soziale Demokratie? Zur Bewertung der Novemberrevolution in der neueren westdeutschen Historiographie, in: Kolb, Eberhard(Hrsg.): Vom Kaiserreich zur Weimarer Republik, Köln 1972, S. 386–403. Liberalismus, Konservatismus, Marxismus. Ein Überblick, in: Politikwissenschaft, 1972, S. 63–92. Volksrepräsentation und identitäre Demokratie. Hans Herzfeld zum 80. Geburtstag, in: Politische Vierteljahresschrift 13, 1972, S. 162–180. Wie national ist die SPD oder wie national muß die SPD sein?, in: SPD-Rundschau: Ausgabe Hannover-Stadt 1972, Dezember 1972 / Januar 1973, S. 7–8. 1971 Friedrich Ebert. Kritische Gedanken zur historischen Einordnung eines deutschen Sozia­ listen, in: Aus Politik und Zeitgeschichte 21, 1971, Bd. 5, S. 3–18. Positionen des Konservatismus in der Bundesrepublik, in: Konservatismus. Eine deutsche Bilanz, München 1971, S. 33–66. BEITRÄGE AUS DEM ARCHIV DER SOZIALEN DEMOKRATIE| HEFT 8 81 1970 Moderner Konservatismus? Bemerkungen zu einigen Positionen des Konservatismus in der Bundesrepublik, in: Gewerkschaftliche Monatshefte 21, 1970, H. 5, S. 298–302. 1960–1969 Konservative Republik oder soziale Demokratie?, in: Gewerkschaftliche Monatshefte 20, 1969, H. 1, S. 18–27. Demokratischer und autoritärer Staat. Hinweise auf Studien und Thesen von Franz Neumann, in: Gewerkschaftliche Monatshefte 19, 1968, H. 12, S. 742–745. Der Sozialismus in Deutschland: 1863–1968, in: Fetscher, Iring / Grebing, Helga / Dill, ­Günter (Hrsg.): Der Sozialismus, München 1968, S. 129–212. Das Nationale in der»Einen Welt« von morgen. Internationale Entwicklungstendenzen in ihrer Rückwirkung auf die Problematik des Nationalismus, in: Politische Studien 18, 1967, H. 174, S. 416–423. Nationalismus und Demokratie in Deutschland. Versuch einer historisch-soziologischen Analyse, in: Fetscher, Iring(Hrsg.): Rechtsradikalismus(Sammlung»res novae«, 53), Frankfurt am Main 1967, S. 31–65. Die Ordnung: oder die Wiederkehr des Nationalen, in: Hessische Jugend. Zeitschrift des Hessischen Jugendringes, 1966, Sonderheft 3, S. 8–9. Giesberts, Johann: kath. Gewerkschafter, Reichspostminister,* 3.2.1865 Straelen Kr. Geldern, † 7.8. 1938 Mönchengladbach, in: Neue Deutsche Biographie, Bd. 6, Berlin 1964, S. 375–376. Hundert Jahre Sozialdemokratie in Deutschland. Von Lassalle bis Schumacher. Historischer Zwiespalt der SPD – der Weg der Arbeiter in den Staat, in: Münchner Merkur, 22./23. Mai 1963, S. 14(Sonderseite). Hundert Jahre SPD: Zwischen Tradition und Fortschritt, in: Politische Studien 14, 1963, H. 151, Seite 529–542. Von der Barrikade ins Parlament. Der Weg der deutschen Sozialdemokratie in den letzten hundert Jahren, in: Christ und Welt 16, 1963, H. 20, S. 3–4. Fehrenbach, Konstantin: Reichskanzler,* 11.1.1852 Wellendingen b. Bonndorf(Baden), † 26.3.1926 Freiburg i. Br.(kath.), in: Neue Deutsche Biographie, Bd. 5, Berlin 1961, S. 51–52. 1956–1959 Demokratischer Sozialismus und katholischer Glaube. Zu einer Begegnung zwischen Sozialdemokraten und Katholiken, in: Die Neue Gesellschaft 6, 1959, H. 4, S. 467–469. Die deutsche Sozialdemokratie seit 1914, in: Politische Studien 9, 1959, H. 91, S. 849–859. 82 BEITRÄGE AUS DEM ARCHIV DER SOZIALEN DEMOKRATIE| HEFT 8 Dransfeld, Hedwig(Ps. Angelika Harten): Führerin der kath. Frauenbewegung,* 24.2.1871 Hacheney b. Dortmund, † 13.3.1925 Werl, in: Neue Deutsche Biographie, Bd. 4, Berlin 1959, S. 102. Lüders, Marie Elisabeth / Grebing, Helga: Erkelenz, Anton Peter: Gewerkschaftspolitiker, * 10.10.1878 Neuß / Rhein, † 25.4.1945 Berlin-Zehlendorf.(kath.), in: ebd., S. 591. Fahrenbrach, Heinrich: christlicher Gewerkschafter,* 2.7.1878 Wuppertal-Ronsdorf, † 28.1.1950 Neuß / Rhein.(kath.), in: ebd., S. 745–746. Österreich-Ungarn und die»Ukrainische Aktion« 1914–18: Zur österreichisch-ungarischen Ukraine-Politik im ersten Weltkrieg. Jahrbücher für Geschichte Osteuropas 7, 1959, H. 3, S. 270–296. Die deutsche Sozialdemokratie vor dem ersten Weltkrieg, in: ebd., S. 714–722. Die Konservativen und Christlichen seit 1918. Der deutsche Katholizismus bekennt sich zur Republik. 1918, in: ebd., S. 482–491. Die Konservativen von 1848-1918. Die Anfänge der konservativen Parteigründungen, in: ebd., S. 403–412. Der Liberalismus in Deutschland 1848–1958: Die liberale Bewegung bis zur Bismarckschen Reichsgründung: 1848–1870, in: Politische Studien 9, 1958, S. 644–653. Cunow, Heinrich Wilhelm Carl: Sozialwissenschaftler,* 11.4.1862 Schwerin, † 20.8.1936 Berlin.(ev., dann Dissident), in: Neue Deutsche Biographie, Bd. 3, Berlin 1957, S. 439– 440. Dammer, Otto: Sozialpolitiker,* 20.4.1839 Stettin, † 1916 Berlin-Friedenau, in: ebd., S. 501. So macht man Revolution!, in: Politische Studien 8, 1957, S. 221–234. Kritik an der Demokratie, in: Gesellschaft, Staat, Erziehung 1, 1956, S. 15–24. Weimarer Porträts, in: Politische Studien 6, 1956, H. 71, S. 17–35. Brauer, Theodorf: Sozial- und Wirtschaftspolitiker,* 16.1.1880 Kleve, † 19.3.1942 St. Paul (USA).(kath.), in: Neue Deutsche Biographie, Bd. 2, Berlin 1955, S. 544. Brauns, Heinrich: Sozialpolitiker,* 3.1.1868 Köln, † 19.10.1939 Lindenberg(Allgäu).(kath.), in: ebd., S. 560–561. Brust, August: Gewerkschaftsführer,* 1.8.1862 Hamm b. Werden a. D. Ruhr, † 20.4.1924 Essen.(kath.), in: ebd., S. 690-591. Das Ende aller Sicherheit?, in: Politische Studien 6, 1955, S. 32–39. Monografien 2000–2013 Grebing, Helga / Lorenz, Ansgar: Willy Brandt. Ein Comic-Biografie, Berlin 2013. Freiheit, die ich meinte. Erinnerungen an Berlin, Berlin 2012. BEITRÄGE AUS DEM ARCHIV DER SOZIALEN DEMOKRATIE| HEFT 8 83 Willy Brandt. Der andere Deutsche, München 2008. Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung. Von der Revolution 1848 bis ins 21. Jahrhundert, Berlin 2007. Die Worringers. Bildungsbürgerlichkeit als Lebenssinn – Wilhelm und Marta Worringer (1881–1965), Berlin 2004. »Wie weiter, Genossen?«. Essays zur Sozialdemokratie im Epochenwechsel, Essen 2000. 1990–1999 Willy Brandt – ein Leben für Freiheit und Sozialismus. Vortrag am 22. April 1999 im Rathaus Schöneberg zu Berlin(Schriftenreihe der Bundeskanzler-Willy-Brandt-Stiftung, 4), Berlin 1999. Friedrich Ebert. Von der Verantwortung für die Demokratie in Deutschland(Kleine Schriften, hrsg. v. d. Stiftung Reichspräsident-Friedrich-Ebert-Gedenkstätte, 24), Heidelberg 1996. Was geht uns Berlin an? Eine Kritik an der traditionalistischen Gestaltung unserer Hauptstadt(Göttinger Sudelblätter), Göttingen 1995. Frauen in der deutschen Revolution 1918 / 19(Kleine Schriften, hrsg. v. d. Stiftung Reichs­ präsident-Friedrich-Ebert-Gedenkstätte, 17), Heidelberg 1994. Die deutsche Arbeiterbewegung zwischen Revolution, Reform und Etatismus(Meyers Forum, 20), Mannheim / Leipzig etc. 1993. Flüchtlinge und Parteien in Niedersachsen. Eine Untersuchung der politischen Meinungsund Willensbildungsprozesse während der ersten Nachkriegszeit 1945–1952 / 53(Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Niedersachsen und Bremen 38, 8), Hannover 1990. Wirtschaftsregionen im Vergleich: Zu einigen Varianten des sozioökonomischen Wandels in Europa, Braunschweig 1990. 1980–1989 Arbeiterbewegung. Sozialer Protest und kollektive Interessenvertretung bis 1914, München 1985(weitere Aufl. bis 1993). Arbeiterbewegung und politische Moral. Aufsätze, Kommentare und Berichte zur Geschichte und Theorie der deutschen Arbeiterbewegung, Göttingen 1985. The history of the German labour movement. A survey, überarb. Aufl., Leamington Spa, 1985(zuerst engl. 1969). Eduard Bernstein in seiner Zeit. Ein sozialer Demokrat im Kaiserreich und in der Weimarer Republik, Vortrag anlässlich der Gedenkveranstaltung der Friedrich-Ebert-Stiftung zum 50. Todestag von Eduard Bernstein in Berlin am 17. / 18. Dezember 1982,[Bonn 1982]. 84 BEITRÄGE AUS DEM ARCHIV DER SOZIALEN DEMOKRATIE| HEFT 8 Ē istoria tu germaniku ergatiku kinēmatos, Athēna 1982(zuerst dt. 1966). Grebing, Helga / Pozorski, Peter / Schulze, Rainer: Die Nachkriegsentwicklung in Westdeutschland 1945–1949. 2 Bde.(Studienreihe Politik), Stuttgart 1980. 1970–1979 100 Jahre Sozialistengesetz. Rede zur Veranstaltung der Göttinger SPD, in: Materialien SPD Göttingen 2, hrsg. v. d. SPD Göttingen, Göttingen 1979. Der Revisionismus. Von Bernstein bis zum»Prager Frühling«(Beck‘sche Elementarbücher), München 1977. Aktuelle Theorien über Faschismus und Konservatismus. Eine Kritik(Urban-Taschenbücher Reihe 808, 54), Stuttgart / Berlin etc. 1974. Friedrich Ebert. Kritische Gedanken zur historischen Einordnung eines deutschen Sozia­ listen(Schriften der Bundeszentrale für Politische Bildung), Bonn 1971. Konservative gegen die Demokratie. Konservative Kritik an der Demokratie in der Bundesrepublik nach 1945(Kritische Studien zur Politikwissenschaft), Frankfurt am Main 1971. Linksradikalismus gleich Rechtsradikalismus. Eine falsche Gleichung(Urban-Taschenbücher Reihe 80, 819), Stuttgart / Berlin etc. 1971. Rechts= links, links= rechts. Die falsche Gleichung(Information und Analyse, 1), Wiesbaden 1971. Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung. Ein Überblick. Um ein Nachwort erweiterte Taschenbuchausgabe, München 1970(zuerst 1966, weitere Aufl. bis 1981). 1960–1969 The history of the German labour movement. A survey,(zuerst dt. 1966, gekürzte Fassung), London 1969. Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung. Ein Überblick, München 1966. Der Nationalsozialismus. Ursprung und Wesen. 16., gegenüber d. 15. Aufl. durchges. Aufl., München / Wien 1965(zuerst 1959, weitere Aufl. bis 1973). Der Nationalsozialismus. Ursprung und Wesen. 14., völlig überarb. u. erweit. Aufl., München / Wien 1964(zuerst 1959). Geschichte der deutschen Parteien, Wiesbaden 1962. Der Nationalsozialismus. Ursprung und Wesen, 12. Aufl., München 1961(zuerst 1959). Grebing, Helga / Müller, Günther: Von Weimar bis Potsdam. Eine Hilfestellung zur Zeitgeschichte(Schriftenreihe der Jungsozialisten, 1961, 1), Bonn 1961. BEITRÄGE AUS DEM ARCHIV DER SOZIALEN DEMOKRATIE| HEFT 8 85 1953–1959 Der Nationalsozialismus. Ursprung und Wesen, München 1959(weitere Aufl. bis 1973). Zentrum und Katholische Arbeiterschaft 1918–1933. Ein Beitrag zur Geschichte des Zentrums in der Weimarer Republik, Berlin 1953. Sammelwerke 2010–2017 Grebing, Helga / Scherer, Klaus-Jürgen(Hrsg.): Streiten für eine Welt jenseits des Kapitalismus. Fritz Sternberg – Wissenschaftler, Vordenker, Sozialist, Paderborn 2017. Grebing, Helga(Hrsg.): Fritz Sternberg: Der Dichter und die Ratio. Erinnerungen an Bertolt Brecht, Berlin 2014. Grebing Helga / Meyer, Thomas(Hrsg.): 150 Jahre SPD(Neue Gesellschaft / Frankfurter Hefte, 5), Bonn 2013. Grebing, Helga / Heimann, Siegfried(Hrsg.): Arbeiterbewegung in Berlin. Der historische Reiseführer, Berlin 2012. Grebing, Helga / Miller, Susanne / Wettig, Klaus(Hrsg.):»Nie kämpft es sich schlecht für Freiheit und Recht!«. 150 Jahre SPD – ein Lesestück, Bonn 2012. Faber, Klaus / Grebing, Helga / Saage, Richard(Hrsg.): Sozialdemokratie und Menschenbild. Historische Dimension und aktuelle Bedeutung, Marburg 2012. 2000–2009 Grebing, Helga / Schöllgen, Gregor / Winkler, Heinrich August(Hrsg.): Willy Brandt. Berliner Ausgabe, Bonn 2000–2009. Grebing, Helga / Brandt, Peter(Hrsg.): Die deutsche Revolution 1918 / 19. Eine Analyse, Berlin 2008. Grebing, Helga(Hrsg.): Abstraktion und Einfühlung. Ein Beitrag zur Stilpsychologie, Paderborn 2007. Grebing, Helga / Süß, Dietmar(Hrsg.):Waldemar von Knoeringen. 1906–1971. Ein Erneue­ rer der deutschen Sozialdemokratie: Reden, Aufsätze, Briefwechsel und Kommentare zu Leben und Wirken. 2 Bde., Berlin 2006. Grebing, Helga(Hrsg.): Geschichte der sozialen Ideen in Deutschland. Sozialismus – Katholische Soziallehre – Protestantische Sozialethik. Ein Handbuch, Wiesbaden 2005. Böhringer, Hannes / Grebing, Helga / Söntgen, Beate(Hrsg.): Wilhelm Worringer. Schriften. 2 Bde., Paderborn / München 2004. Ehmer, Josef / Grebing, Helga / Gutschner, Peter(Hrsg.):»Arbeit«. Geschichte – Gegenwart – Zukunft, Leipzig 2002. 86 BEITRÄGE AUS DEM ARCHIV DER SOZIALEN DEMOKRATIE| HEFT 8 Grebing, Helga / Junker, Karin(Hrsg.): Frau – Macht – Zukunft. Festschrift für Inge Wettig-­ Danielmeier, Marburg 2001. Euchner, Walter / Grebing, Helga(Hrsg.): Geschichte der sozialen Ideen in Deutschland. Sozialismus – katholische Soziallehre – protestantische Sozialethik. Ein Handbuch(Veröffentlichungen des Instituts für soziale Bewegungen; 13), Essen 2000(weitere Aufl. Wiesbaden 2005). 1990–1999 Grebing, Helga / Hemmer, Hans-Otto(Hrsg.): Soziale Konflikte, Sozialstaat und Demokratie in Deutschland, Essen 1996. Grebing, Helga / Rexin, Manfred / Heimann, Siegfried(Hrsg.): Zwangsvereinigung von SPD und KPD in Berlin, Berlin 1996. »Sie wollte und konnte nie etwas Halbes tun«. Die Sozialistin Rosi Wolfstein-Fröhlich 1914 bis 1924(Schriftenreihe der Rosi-Wolfstein-Gesellschaft e.V., 1), Witten 1995. Grebing, Helga / Wickert, Christl(Hrsg.): Das»andere Deutschland« im Widerstand gegen den Nationalsozialismus. Beiträge zur politischen Überwindung der nationalsozialistischen Diktatur im Exil und im Dritten Reich(Veröffentlichungen des Instituts zur Erforschung der Europäischen Arbeiterbewegung, 6), Essen 1994. Grebing, Helga / Skroblin Jörg-Peter(Hrsg.) Strukturpolitik und Arbeitnehmererfahrungen in altindustriellen Krisenregionen: Ruhrgebiet, Pittsburgh und Asturien(Mitteilungsblatt des Instituts zur Erforschung der Europäischen Arbeiterbewegung, 15), Essen 1994. Grebing, Helga / Mommsen, Hans / Rudolph, Karsten(Hrsg.): Demokratie und Emanzipation zwischen Saale und Elbe. 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Grebing, Helga / Hinse, Ludger: Träume waren Partner der Tränen. 100 Jahre Gewerkschaft Metall Bochum. 1892–1992, Bochum 1992. BEITRÄGE AUS DEM ARCHIV DER SOZIALEN DEMOKRATIE| HEFT 8 87 Grebing, Helga / Kinner, Klaus(Hrsg.): Arbeiterbewegung und Faschismus. Faschismus-­ Interpretationen in der europäischen Arbeiterbewegung(Veröffentlichungen des Instituts zur Erforschung der Europäischen Arbeiterbewegung, 2), Essen 1990. »Gründerväter – Bürokraten – Akademiker«. Zur Rekrutierung des gewerkschaftlichen Führungspersonals(Mitteilungsblatt des Instituts zur Erforschung der Europäischen Arbeiterbewegung, 9), Essen 1990. 1980–1989 Grebing, Helga / Brandt, Peter / Schulze-Marmeling, Ulrich(Hrsg.): Sozialismus in Europa – Bilanz und Perspektiven. Festschrift für Willy Brandt(Veröffentlichungen des Instituts zur Erforschung der Europäischen Arbeiterbewegung A, 1), Essen 1989. Grebing, Helga / Storch, Dietmar / Niedersächsische Landeszentrale für Politische Bildung (Hrsg.): Von der Verdrängung zur Bagatellisierung? Aspekte des sogenannten Historikerstreits, Hannover 1988. Grebing, Helga / Brelie-Lewien, Doris von der / Schulze, Rainer(Hrsg.): Flüchtlinge und Vertriebene in der westdeutschen Nachkriegsgeschichte. Bilanzierung der Forschung und Perspektiven für die künftige Forschungsarbeit(Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Niedersachsen und Bremen XXXVIII, Quellen und Untersuchungen zur Geschichte Niedersachsens nach 1945, 4), Hildesheim 1987. Grebing, Helga / Brelie-Lewien, Doris von der / Franzen, Hans-Joachim: Der»deutsche Sonderweg« in Europa 1806–1945. Eine Kritik(Urban-Taschenbücher 381), Stuttgart / Berlin etc.1986. Grebing, Helga(Hrsg): Entscheidung für die SPD. Briefe und Aufzeichnungen linker Sozialisten 1944–1948, München 1984. Grebing, Helga(Hrsg.): Lehrstücke in Solidarität. Briefe und Biographien deutscher Sozia­ listen 1945–1949, Stuttgart 1983. Grebing, Helga(Hrsg.): Fritz Sternberg. Für die Zukunft des Sozialismus: Werkproben, Auf­ sätze, unveröffentlichte Texte, Bibliographie und biographische Daten, Kommentare zu Leben und Werk(Schriftenreihe der Otto-Brenner-Stiftung, 23), Köln 1981. 1970–1979 Grebing, Helga / Greiffenhagen, Martin / von Krockow, Christian(Hrsg.): Konservatismus, eine deutsche Bilanz(Serie Piper, 17), München 1971. Grebing, Helga / Fetscher, Iring / Dill, Günther(Hrsg.): Het socialisme. van klassenstrijd tot welvaartsstaat, Amsterdam 1970(zuerst dt. 1968). 88 BEITRÄGE AUS DEM ARCHIV DER SOZIALEN DEMOKRATIE| HEFT 8 1960–1969 Grebing, Helga(Hrsg.): Geschichte der sozialen Ideen in Deutschland(Deutsches Handbuch der Politik), München 1969. Fetscher, Iring / Grebing, Helga / Dill, Günter(Hrsg.): Der Sozialismus. Vom Klassenkampf zum Wohlfahrtsstaat. Texte, Bilder und Dokumente, München 1968. Sonstiges Vorwort in: Ulrich, Axel: Wilhelm Leuschner – ein deutscher Widerstandskämpfer. Für Freiheit und Recht, Einheit der Demokraten und eine soziale Republik, Wiesbaden 2012. Vorwort in: Owetschkin, Dimitrij: Conrad Schmidt, der Revisionismus und die sozialdemokratische Theorie. Zur theoretischen Entwicklung der Sozialdemokratie vor 1914 (Veröffentlichungen des Instituts für soziale Bewegungen: Schriftenreihe A: Darstellungen, 24), Essen 2003, S. 7–12. Vorwort in: Brunner, Detlef(Hrsg.): Der Wandel des FDGB zur kommunistischen Massenorganisation. Das Protokoll der Bitterfelder Konferenz des FDGB am 25. / 26. November 1948(Veröffentlichungen des Instituts zur Erforschung der Europäischen Arbeiterbewegung B, 4), Essen 1996, S. 6. Einleitung zu: Grebing, Helga / Wickert, Christl(Hrsg.): Das»andere Deutschland« im Widerstand gegen den Nationalsozialismus. Beiträge zur politischen Überwindung der nationalsozialistischen Diktatur im Exil und im Dritten Reich(Veröffentlichungen des Instituts zur Erforschung der Europäischen Arbeiterbewegung, Bd. 6), Essen 1994, S. 7–11. Einleitung.»… auf dem alten Grunde Neues bauen jede Stunde.«, in: Grebing, Helga / Hemmer, Hans-Otto / Christmann, Gottfried(Hrsg.): Das HolzArbeiterBuch. Die Geschichte der Holzarbeiter und ihrer Gewerkschaften, Köln 1993, S. 9–12. Einleitung, in: Grebing, Helga(Hrsg.): Entscheidung für die SPD. Briefe und Aufzeichnungen linker Sozialisten 1944–1948, München 1984, S. 7–36. Einleitung, in: Grebing, Helga(Hrsg.): Lehrstücke in Solidarität. Briefe und Biographien deutscher Sozialisten 1945–1949, Stuttgart 1983, S. 11–46. Vorwort in: Stearns, Peter N.: Arbeiterleben. Industriearbeit und Alltag in Europa 1890– 1914, Frankfurt / New York 1980. Nachwort in: Maschmann, Melita: Fazit. Mein Weg in der Hitler-Jugend, 2. Aufl., Stuttgart 1979. BEITRÄGE AUS DEM ARCHIV DER SOZIALEN DEMOKRATIE| HEFT 8 89 Werke und Texte über Helga Grebing / Festschriften [alphabetische Ordnung] Brakelmann, Günter: Helga Grebing – Professorin für Sozialgeschichte, in: Bochumer Profile. Die ersten 150 Jahre Sozialdemokratie, Bochum 2013, S. 101–102. Faulenbach, Bernd: Helga Grebing(1930–2017), in: Historische Zeitschrift 307, 2018, H. 2, S. 412–420. Faulenbach, Bernd: Helga Grebing und die Geschichte der Arbeiterbewegung, in: Zeitschrift für Geschichtswissenschaft 66, 2018, H. 9, S. 694–706. Gabriel, Sigmar: Helga Grebing(1930–2017): Ein persönlicher Nachruf, in: Neue Gesellschaft / Frankfurter Hefte, 10, 2017, H.1, S. 21. Kocka, Jürgen: Die Geschichtsschreibung der deutschen Arbeiterbewegung nach Helga Grebing, in: Zeitschrift für Geschichtswissenschaft 66, 2018, H. 9, S. 729–733. Kruppa, Nadine: Biografien der Arbeiterbewegung. Das 20. Jahrhundert. Tagung zu Ehren von Helga Grebing, in: Mitteilungsblatt des Instituts für soziale Bewegungen 44, 2010, S. 157–164. Mittag, Jürgen(Hrsg.): Biografische Ansätze zur Geschichte der Arbeiterbewegung im 20. Jahrhundert(Mitteilungsblatt des Instituts für soziale Bewegungen, 45) Essen 2011. Mommsen, Hans: Laudatio für Helga Grebing am 2. Februar 1995 in der Ruhr-Universität Bochum, in: IWK: Internationale wissenschaftliche Korrespondenz zur Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung 31, 1995, H. 1, S. 1–5. Morina, Christina: Geschichte als Engagement: Erinnerungen an Helga Grebing, in: Zeitschrift für Geschichtswissenschaft 66, 2018, H. 9, S. 719–728. Nietan, Dietmar: Laudation auf Helga Grebing. Perspektiven ds 32, 2015, H. 1, S. 107–109. Rudolph, Karsten: Helga Grebing zum 75. Geburtstag: Die Bochumer Jahre, in: Mitteilungsblatt des Instituts für soziale Bewegungen 34, 2005, S. 7–9. Rudolph, Karsten: Helga Grebing und die Geschichte der Arbeiterbewegung, in: Neue Gesellschaft / Frankfurter Hefte 62, 2015, H. 3, S. 55–57. Rudolph, Karsten  /  Wickert, Christl: Helga Grebing(1930–2017): Ihr Engagement in der Po­ litischen Bildung und in der Universitätslehre, in: Zeitschrift für Geschichtswissenschaft 66, 2018, H. 9, S. 687–693. Rudolph, Karsten / Wickert, Christl(Hrsg.): Geschichte als Möglichkeit. Über die Chancen von Demokratie. Festschrift für Helga Grebing, Essen, 1995. Saage, Richard: Nachruf auf Helga Grebing. Perspektiven ds 34, 2017, H. 2, S. 118–120. Scherer, Klaus-Jürgen: Renaissance der sozialdemokratischen Erzählung in der digitalen Welt? Für Helga Grebing zum 85. Geburtstag, in: Perspektiven ds 32, 2015, H. 1, S. 138– 142. Scherer, Klaus-Jürgen: Was Sternberg uns heute zu sagen hat. In Memoriam Helga Grebing, in: Perspektiven ds 34, 2017, H. 2, S. 123–129. 90 BEITRÄGE AUS DEM ARCHIV DER SOZIALEN DEMOKRATIE| HEFT 8 Schöler, Uli:»… mein ganzes Leben bis heute bestimmend …«. Fritz(und Lucinde) Sternberg und ihr Einfluss auf Helga Grebing, in: Zeitschrift für Geschichtswissenschaft 66, 2018, H. 9, S. 707–718. Schüler-Springorum, Stefanie: Für Helga Grebing. Rede am 24. Oktober 2017, München, in: Perspektiven ds 34, 2017, H. 2, S. 110–113. Schulz, Martin: Historikerin der deutschen Arbeiterbewegung: Nachruf, in: Vorwärts, 2017, S. 17. Stegner, Ralf: Sie wird uns mächtig fehlen, in: Perspektiven ds 34, 2017, H. 2, S. 120–123. Süß, Dietmar: Trauerrede für Helga Grebing: München, Nordfriedhof 24.10.2017, in: Perspektiven ds 34, 2017, H. 2, S. 114–117. o. A.: Helga Grebing zum 60. Geburtstag. Verzeichnis der betreuten Staatsexamens-, Magisterarbeiten und Promotionen, Verzeichnis der Lehrveranstaltungen an der Universität Göttingen, Verzeichnis der Veröffentlichungen, hrsg. v. d. Hans-Böckler-Stiftung, Düsseldorf 1990. o. A.: Verleihung des Staatspreises Nordrhein-Westfalen. Teil: 1996, am 1. Dezember 1996 in Düsseldorf an Frau Professorin Dr. Helga Grebing, Herrn Professor Gottfried Böhm, Düsseldorf 1996. BEITRÄGE AUS DEM ARCHIV DER SOZIALEN DEMOKRATIE| HEFT 8 91 Zu den Autoren_innen Stefan Berger studierte Geschichte, Germanistik und Politische Wissenschaften in Köln und Oxford. Stipendiat der Studienstiftung des deutschen Volkes und der Cecil ­Rhodes Foundation. Promotion an der University of Oxford mit der Arbeit: The British Labour Party and the German Social Democrats, 1900–1931: a Comparison(1994 bei Oxford University Press un d 2017 in Übersetzung beim J. W. H. Dietz Verlag erschienen). 1991–1992: Lecturer in English Social History, University of Plymouth, 1992–2000: Senior ­Lecturer in Modern German History, Cardiff Univer­sity, 2000–2005: Professor of Con­ temporary History, University of ­Glamorgan, 2005–2011: Professor of Modern German and Comparative European History, The University of Manchester. Seit 2011: Professor für Sozialgeschichte und Direktor des Instituts für soziale Bewegungen, Ruhr-Universität Bochum und Vorstandsvorsitzender der Stiftung Geschichte des Ruhrgebiets. Seit 2016: Honorary Professor, Cardiff University. Gastprofessuren in Paris, Freiburg, Sydney und Chang­chun. Vorsitzender der German Labour History Association seit 2017. Monografien: The Making of a New History: Historiographical Developments since the 1970s, Cambridge University Press, 2020; The Past as History: National Identity and Historical Consciousness in Modern Europe, Palgrave MacMillan, 2015; Friendly Enemies: ­Britain and the GDR, Berghahn Books, 2010; Inventing the Nation: Germany, Edward Arnold, 2005; Social Democracy and the Working Class in Nineteenth and Twentieth Century German, Longman, 2000; The Search for Normality: National Identity and Historical Consciousnes in Germany since 1800, Berghahn Books, 1997, 2nd edn, 2003. 92 BEITRÄGE AUS DEM ARCHIV DER SOZIALEN DEMOKRATIE| HEFT 8 Anja Kruke studierte Geschichte, Germanistik und Soziologie an den Universitäten Bielefeld, Sussex(GB) und Bochum. Sie wurde 2004 an der Ruhr-Universität Bochum promoviert und nahm 2004 bis 2011 Lehraufträge an den Universitäten Bochum, Hamburg und Köln wahr. Seit 2004 arbeitet sie bei der Friedrich-Ebert-Stiftung; seit 2009 leitet Anja Kruke das Archiv der sozialen Demokratie der Friedrich-E­ bert-Stiftung, zu der auch das Museum Karl-Marx-Haus gehört, das 2018 mit einer erneuerten Dauer­ ausstellung eröffnete. Sie ist Mit-Herausgeberin des Archivs für Sozialgeschichte, u.a. Mitglied des Beirats der Reichspräsident-Friedrich-E­ bert-Gedenkstätte. 2018 wurde sie zur Präsidentin der International Associa­tion of Labour History Institutions gewählt. U.a. Publikationen zur Politik- und Mediengeschichte der Bundesrepublik, zur Geschichte der Arbeiterbewegung, der Sozialen Demokratie, zur Demokratiegeschichte und zu Karl Marx. Zuletzt als Mit-Hrsg.: Von Trier in die Welt: Karl Marx, seine Ideen und ihre Wirkung bis heute. Begleitbuch zur Dauer­ ausstellung des Museum Karl-Marx-Haus, Trier, 2020. Philipp Kufferath studierte Geschichte, Medien- und Kom­munikationswissenschaft, Soziologie und Philosophie in Berlin und Göttingen. 2009–2011 wissenschaftliche Hilfskraft am Göttinger Institut für Demokratieforschung. 2011–2014 Promotionsstipendiat der Friedrich-Ebert-Stiftung, 2014– 2015 Stipendiat der Graduiertenschule für Geisteswissenschaften Göttingen. 2016 Promotion mit der Arbeit»­Peter von Oertzen(1924–2008). Eine politische und intellektuelle Biografie«(2017 im Wallstein Verlag veröffentlicht). Für die Studie erhielt er 2016 den Christian- BEITRÄGE AUS DEM ARCHIV DER SOZIALEN DEMOKRATIE| HEFT 8 93 Gottlob-Heyne-­Preis der Georg-August-Universität Göttingen für die beste geisteswissenschaftliche Dissertation und 2018 den Preis für niedersächsische Landesgeschichte der Historischen Kommission für Niedersachsen und Bremen. 2016–2019 Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Europäische Sportentwicklung und Freizeitforschung, Deutsche Sporthochschule Köln, in einem Projekt zur Geschichte der Arbeiterwohlfahrt(AWO). Die daraus hervorgehende Studie(gemeinsam verfasst mit Jürgen Mittag) erschien 2019 im Verlag J.H.W. Dietz Nachf. Seit 2016 geschäftsführender Herausgeber der Zeitschrift»Archiv für Sozialgeschichte«(AfS). Seit 2017 Referent im Archiv der sozialen Demokratie der Friedrich-Ebert-­Stiftung, Referat Public History. Thomas Meyer Lehrstuhl Politikwissenschaft an der TU Dortmund 1993–2008, Studium der Philosophie, Politikwissenschaft, Psychologie und Deutschen Literatur sowie Promotion an der J. W. Goethe Universität, Frankfurt / Main. Habilitation in Politikwissenschaft 1977 an der FU Berlin, 1982 – 1993, PD Politikwissenschaft an der Uni Siegen. Politische Akademie der Friedrich-Ebert-Stiftung von 1973 bis 2008, zuletzt als Direktor. Mitglied in der Grundwertekommission der SPD seit 1977(stv. Vorsitzender). Vorsitzender der Philosophisch – Politischen Akademie 1990–2008. Seit 2006 Hrsg. / Chefredakteur Neue Gesellschaft / Frankfurter Hefte. ­Dozent an der Akademie für Soziale Demokratie der FES. Forschung und zahlreiche Publikationen zu Europäische Union, Deutsche Arbeiterbewegung, Sozialismus und Kommunismus, Kulturelle Grundlagen der Politik, Medien und Politik: Bücher u.a. Theorie der Sozialen Demokratie, 2005; Praxis der Sozialen Demokratie, 2006, Mediokratie, 2001; Fundamentalismus, 1991/2011; Identitätspolitik, 2002; als Mit-Hrsg.: Multiple Modernities and Good Governance, 2018; Cultures, Nationalism, and Populism, 2019. 94 BEITRÄGE AUS DEM ARCHIV DER SOZIALEN DEMOKRATIE| HEFT 8 Karsten Rudolph 1992 promovierte er bei Hans Mommsen und Helga Grebing mit einer Arbeit über die Geschichte der sächsischen Sozialdemokratie im Kaiserreich und der Weimarer Republik. 2001 folgte die Habilitation an der Fakultät für Geschichtswissenschaft der Ruhr-Universität Bochum. Seine Habilitationsschrift»Wirtschaftsdiplomatie im Kalten Krieg« erschien 2004 im Campus-Verlag. Von 1992 bis 1994 war Rudolph Leiter eines Forschungsprojekts am Institut für soziale Bewegungen. Zwischen 1994 und 2001 war er wissenschaftlicher Assistent und Angestellter. Seine Schwerpunkte in der Lehrtätigkeit betreffen die Geschichte der Arbeiterbewegung, den Aufstieg des Nationalsozialismus in der Weimarer Republik sowie die Geschichte der Bundesrepublik Deutschland und des Kalten Krieges. Rudolph hält seit 1993 Lehrveranstaltungen an der Ruhr-Universität ab. Des Weiteren ist Karsten Rudolph seit 2017 Mitglied des Landtags Nordrhein-Westfalen. Bereits zwischen 2002 und 2010 war er Mitglied des Landtags und innenpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion. Rudolph ist Mitglied im Kuratorium des Wilhelm-Dröscher-Preises und des Gustav-Heinemann-Bürgerpreises. Seit 2004 ist Rudolph Mitglied im Kuratorium des Instituts für Deutsches und Internationales Parteienrecht und Parteienforschung an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Dem Redaktionsbeirat der Zeitschrift Neue Gesellschaft/Frankfurter Hefte gehört Karsten Rudolph seit 2010 an. Zwischen 1999 und 2017 war Rudolph Mitglied des Rundfunkrates des WDR. Seit 2019 ist er Mitglied des WDR-Verwaltungsrats. Dietmar Süß wurde 2001 an der LMU München promoviert; 2003–2006 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Zeitgeschichte; 2006/2007 Feodor-Lynen-Stipendiat der Alexander-von-Humboldt Stiftung an der University of Exeter; von 2007–2013 Dilthey BEITRÄGE AUS DEM ARCHIV DER SOZIALEN DEMOKRATIE| HEFT 8 95 Fellow der Volkswagen-Stiftung an der Friedrich-Schiller-Universität Jena(FSU), WS 2010/11 Habilitation an der FSU; danach Lehrstuhlvertretungen in Jena und an der HU-Berlin; seit 2013 Lehrstuhlinhaber für Neuere und Neueste Geschichte an der Universität Augsburg; seit 2016 Direktor des Jakob-F­ ugger-Zentrums für transnationale Studien(Universität Augsburg), seit 2019 Vorsitzender des Internationalen Wissenschaftlichen Beirats der Bundskanzler-W­ illy-Brandt Stiftung. Forschungsschwerpunkte im Bereich der Geschichte der Gewalt, der Geschichte der Arbeit und der sozialen Bewegungen; derzeit arbeitet er u.a. an einem interdisziplinären Projekt zu»Transnationalen Praktiken der Solidarität im 20. und 21. Jahrhundert«.