Empirische Sozialforschung 10 Zweite Wahl mit Potential? Die Struktur des politischen Wähler_innenwettbewerbs von Union und SPD im Vergleich Josephine Lichteblau und Aiko Wagner Gutachten Empirische Sozialforschung 10 Zweite Wahl mit Potential? Die Struktur des politischen Wähler_innenwettbewerbs von Union und SPD im Vergleich Josephine Lichteblau und Aiko Wagner Gutachten Impressum ISBN 978-3-96250-453-3 Herausgegeben vom Forum Berlin Friedrich-Ebert-Stiftung Jan Niklas Engels Hiroshimastraße 17 10785 Berlin Autor_innen Josephine Lichteblau und Aiko Wagner Lektorat Eckard Schuster Gestaltung Pellens Kommunikationsdesign GmbH, Bonn Umsetzung, Titelillustration Meintrup, Grafik Design Druck Druckerei Brandt GmbH, Bonn © 2019 by Friedrich-Ebert-Stiftung, Abteilung Politischer Dialog Eine gewerbliche Nutzung der von der FES herausgegebenen Medien ist ohne schriftliche Zustimmung durch die FES nicht gestattet. Inhalt 1. Einführende Bemerkungen  ............................................................... 4 2. Wahlneigungen und Wähler_innenpotenziale für die Parteien 2017  ......... 5 3. Strukturiertheit des zwischenparteilichen Wähler_innen­wettbewerbs  .... 10 3.1  Die Verfügbarkeit der Wähler_innen anderer Parteien für die CDU/CSU und die SPD  .......................................................... 10 3.2  Die Struktur des zwischenparteilichen Wettbewerbs: Hintergründe der Wähler_innenverfügbarkeit  .................................... 12 3.3  Aussichten auf Mobilisierungserfolge: Die Parteipotenziale unter den Nichtwähler_innen  .............................. 18 4.  Zusammenfassung und Fazit  ........................................................... 22 Literatur  .......................................................................................... 24 Anhang  ........................................................................................... 25 Datengrundlage ............................................................................. 25 Methodisches Vorgehen und verwendete ­Variablen für Kapitel 2 bis Kapitel 3.2 ................................................................................ 25 Berechnung von individuellen Verfügbarkeiten ......................................... 25 Berechnung von relativer Nähe zwischen den Parteien ................................ 25 Methodisches Vorgehen und verwendete Variablen für Kapitel 3.3 ................. 29 Autor_innen  .................................................................................... 31 EMPIRISCHE SOZIALFORSCHUNG 10 4 1. Einführende Bemerkungen Dass die Volksparteien im Niedergang begriffen sind, ist mittlerweile unter politischen Beobachter_innen ein Allgemeinplatz geworden. In vielen europäischen Staaten schwächeln die ehemals großen und den politischen Wettbewerb dominierenden Parteien. Stattdessen sind seit einigen Jahrzehnten Ausdifferenzierung, Pluralisierung und Fragmentierung der Parteiensysteme zu beobachten. Die Bundesrepublik Deutschland stellt bezüglich dieser Entwicklungen keine Ausnahme dar. Konnten CDU/CSU und SPD in den 1970er-Jahren zusammen noch über 90 Prozent der(gültigen Zweit-)Stimmen gewinnen, waren es bei der Bundestagswahl 2017 nur noch etwa 53 Prozent. Insbesondere die SPD leidet seit nunmehr rund zehn Jahren unter einer historischen elektoralen Schwäche. Seit dem Wahlsieg von 1998 hat sich ihr Stimmenanteil fast halbiert. Diese Entwicklung provoziert Fragen nach dem Charakter der Schwäche der Volksparteien und zuvorderst der Sozialdemokraten in Deutschland. Die vorliegende Untersuchung widmet sich dieser Frage aus der Perspektive des elektoralen Wettbewerbs. Genauer gesagt liegt der Fokus der folgenden Analysen auf den(gemeinsamen) Wähler_innenpotenzialen der Parteien: Liegt die Schwäche der SPD etwa darin begründet, dass ihr Wähler_innenpotenzial mittlerweile schlicht so klein ist(wie zuweilen mit Blick auf den Rückgang des Anteils von Arbeiter_innen und Gewerkschaftsmitgliedern argumentiert wird)? Oder stehen relativ vielen potenziellen Wähler_innen nur relativ wenige aktuelle Wähler_innen gegenüber, ist also die Ausschöpfung ihres Wähler_innenpotenzials gering? Anders formuliert: Ist die SPD schlichtweg für niemanden mehr attraktiv, oder sind andere Konkurrentinnen(gegenwärtig) einfach attraktiver? Die im folgenden Kapitel präsentierten Befunde sprechen klar für die zweite Lesart des Charakters und der Hintergründe der Schwäche der deutschen Sozialdemokratie und legen somit eine vertiefte Beschäftigung mit den politischen Wettbewerbsmustern nahe. Daher fragen wir im dritten Kapitel nach der Strukturierung des politischen Wettbewerbs: Hinsichtlich welcher Dimensionen konkurrieren die Parteien miteinander? Dominiert die Migrationsdebatte den Wettbewerb, wie es zuweilen den Anschein hat, wenn über strategische Optionen der SPD, beispielsweise mit Blick auf den Wahlsieg der dänischen Sozialdemokraten, diskutiert wird? Wenn dem so ist, konkurriert die SPD mit allen Parteien bezüglich dieser soziokulturellen Dimension, oder geht es z. B. im Wettstreit um Stimmen mit der Partei„Die Linke“ nicht eher um Fragen der Umverteilung und der sozialen Gerechtigkeit? Kurzum, es wird untersucht, mit welchen Konkurrenten die SPD wie stark im Wettbewerb steht, und in diesem Zusammenhang die unterschiedlichen Wettbewerbsmuster zwischen den Parteien. Durch diese Perspektive lassen sich Antworten darauf finden, welche Parteien füreinander die relevantesten Konkurrenten um Stimmen sind und hinsichtlich welcher Fragen diese Parteien miteinander konkurrieren. Da es im Parteienwettbewerb nicht ausschließlich um den(Rück-)Gewinn von Wechselwähler_innen, sondern auch um die Mobilisierung von Nichtwähler_innen geht, widmen wir uns im Anschluss den Potenzialen der Parteien unter den Nichtwähler_innen sowie der Struktur des Nichtwähler_innenwettbewerbs. Die wichtigsten empirischen Ergebnisse dieser Studie werden im letzten Kapitel zusammengefasst. Zweite Wahl mit Potenzial? Die Struktur des politischen Wähler_Innenwettbewerbs von Union und SPD im Vergleich 2. Wahlneigungen und Wähler_innenpotenziale für die 5 Parteien 2017 Eine Analyse des elektoralen Wettbewerbs sollte ihren Ausgangspunkt bei den normativ wichtigsten Akteuren der Demokratie nehmen – den Bürger_innen. Schließlich sind sie es bzw. ihre Stimmen, um welche die Parteien miteinander konkurrieren. Daher werden wir im Folgenden Umfragedaten der deutschen Wahlstudie GLES(German Longitudinal Election Study; Roßteutscher, SchmittBeck u. a. 2019b, Roßteutscher, Schmitt-Beck u. a. 2018) nutzen, um Wähler_innenpotenziale und das Ausmaß des Wettbewerbs um Wähler_innenstimmen zwischen den Parteien zu ermitteln. Im Zentrum steht dabei die Frage, wie viele Bürger_innen potenzielle Wähler_innen welcher Parteien sind bzw. in welchem Ausmaß sich die Parteien Wähler_innenpotenziale teilen. Um dies herauszufinden, bedienen wir uns eines Umfrageinstruments, der sogenannten Wahlneigung(propensity to vote), das in vielen nationalen wie internationalen Wahlstudien Verwendung findet(Van Der Eijk und Oppenhuis 1991, Tillie 1995). Damit wird gemessen, wie hoch die Neigung einer Person ist – zwischen null und eins –, zukünftig einmal für eine bestimmte Partei zu votieren. Ein Wert von null bedeutet dabei, dass eine Person mit Sicherheit nie für die jeweilige Partei stimmen wird, und ein Wert von eins, dass sie mit Sicherheit für diese Partei stimmen wird. Die Situation zur Bundestagswahl 2017 bezüglich der Wahlneigungen der Bürger_innen für die einzelnen Parteien gibt Abbildung 1 wieder. Abbildung 1: Wahlneigungen für die Bundestagsparteien % CDU/CSU 80 % SPD 80 60 60 40 40 20 20 0 0 0 0,5 1 0 0,5 % FDP 80 % Die Linke 80 60 60 40 40 20 20 0 0 0 0,5 1 0 0,5 % AfD 80 60 40 20 0 1 0 0,5 1 % Bündnis 90/Die Grünen 80 60 40 20 0 1 0 0,5 1 EMPIRISCHE SOZIALFORSCHUNG 10 6 Für die Regierungsparteien sind die Verteilungen eher auf die geringste Ablehnung stoßen. Dies ist für die SPD flach und recht ähnlich: Einige Bürger_innen schließen es noch deutlicher – nicht einmal jede_r Zehnte lehnt es kakategorisch aus, jemals für die Unionsparteien oder die tegorisch ab, prospektiv für sie zu stimmen. SPD zu stimmen, andere sind unentschieden, und wiederum andere sind sich sicher, zukünftig die jeweilige ParVergleicht man, um sich Wähler_innenpotenzialen zu tei zu wählen. Die durchschnittliche Wahlneigung für die nähern, die relativen Häufigkeiten der positiven WahlneiSPD und Unionsparteien liegt auf der Skala von 0 bis 1 jegungen für die Parteien, also den Anteil an Personen mit weils bei knapp 0,6. Für die Oppositionsparteien FDP und einer Wahlneigung über dem Skalenmittelpunkt von 0,5, ­Bündnis 90/Die Grünen sind sich mit 20 Prozent etwas ergibt sich das in Abbildung 2 dargestellte Bild. Für Union mehr Befragte sicher, niemals für sie zu stimmen. Durch und SPD haben über die Hälfte der Bürger_innen positive einen dennoch recht großen ihnen gegenüber positiv geWahlneigungen, d. h., sie tendieren eher zu einer Stimmstimmten Teil der Bürger_innen liegen die mittleren Wahlabgabe für diese Parteien, als dass sie sie ausschließen. Für neigungen insgesamt dennoch zwischen 0,4 und 0,5. die Grünen liegt der Anteil positiver Wahlneigungen bei über 40 Prozent, für die FDP bei gut einem Drittel, für die Ein etwas anderes Bild ergibt sich für die Linke: Die niedLinke bei einem Viertel und für die AfD bei etwa zehn Prorigere durchschnittliche Wahlneigung von 0,3 wird vor zent. Die SPD weist mit 55 Prozent den höchsten Anteil an allem von über 30 Prozent der Befragten verursacht, die Befragten mit positiver Wahlneigung auf, der Unterschied es für sich ausschließen, jemals für diese Partei zu stimzwischen SPD und Union ist jedoch verschwindend gering men. Für die AfD ergibt sich das klarste Bild: Fast 80 Pround statistisch nicht belastbar. Viel zentraler vor dem Hinzent schließen es aus, jemals für die Rechtspopulisten zu tergrund der deutlich unterschiedlichen Wahlergebnisse stimmen, die mittlere Wahlneigung liegt entsprechend von Union und SPD in den letzten Jahren ist jedoch, dass bei 0,1. Dass die großen Parteien die höchsten mittleren der Anteil an Bürger_innen mit positiven Wahlneigungen Wahlneigungen haben, liegt somit auch daran, dass sie für die SPD nicht geringer ist als für die Unionsparteien. Abbildung 2: Anteil an Bürger_innen mit positiven Wahlneigungen % 60 40 20 CDU/CSU SPD AfD FDP Die Linke Bündnis 90/Die Grünen 0 Zweite Wahl mit Potenzial? Die Struktur des politischen Wähler_Innenwettbewerbs von Union und SPD im Vergleich Abbildung 3: Anteil an Parteiwähler_innen nach Wahlneigung 7 % CDU/CSU % SPD 100 100 % AfD 100 80 80 80 60 60 60 40 40 40 20 20 20 0 0 0 0 0,5 1 0 0,5 1 0 0,5 1 % FDP 100 % 100 Die Linke % 100 Bündnis 90/Die Grünen 80 80 80 60 60 60 40 40 40 20 20 20 0 0 0 0 0,5 1 0 0,5 1 0 0,5 1 Die bisherigen Befunde legen nahe, dass die Schwäche insbesondere der SPD nicht ihrer Unbeliebtheit bzw. ihren geringen Wähler_innenpotenzialen geschuldet ist. Die insgesamt positiven Wahlneigungen setzen sich allerdings für die Unionsparteien eher in tatsächliche Wähler_innenstimmen um als für die SPD. einer immer noch sehr starken Neigung von 0,8 24(SPD) vs. 37(CDU) Prozent. Die Ausschöpfung des Potenzials erinnert für die Sozialdemokraten damit eher an die kleineren Parteien FDP, Linke und Grüne. Die AfD schöpfte ihr Potenzial am besten aus – die Neigung zur Wahl führt bei der AfD am stärksten auch zur tatsächlichen Wahl. Diese Interpretation legen auch die Befunde aus Abbildung 3 nahe. Hier wurde für die jeweiligen Wahlneigungen das tatsächliche Wahlverhalten zugunsten der jeweiligen Partei eingetragen. Wie viele derer, die sehr hohe Wahlneigungen für eine Partei ausdrücken, wählten diese auch tatsächlich bei der Bundestagswahl 2017? Wenig überraschend steigt der Anteil an Parteiwähler_innen mit der Wahlneigung an, dies jedoch durchaus unterschiedlich für die verschiedenen Parteien. So liegt der Anteil an SPD-Wähler_innen bei den Befragten mit einer SPD-Wahlneigung von eins nur bei etwa 67 Prozent, während bei der Union der entsprechende Anteil um 10 Prozentpunkte höher liegt. Für die zweithöchste zu vergebende Neigung von 0,9 sind es 44(SPD) vs. 55(CDU) Prozent und bei Es sind also stärkere Neigungen nötig, damit eine Person ihre Stimme den Sozialdemokraten gibt, als dies für die Unionsparteien der Fall ist. Anders formuliert: Eine hohe Wahlneigung für die SPD übersetzt sich weniger stark in eine tatsächliche Wahl. Relativ wenige Bürger_innen lehnen also die Union und/oder die SPD in toto ab, vielmehr neigen relativ und in etwa gleich viele Bürger_innen sogar dazu, ihnen prospektiv die Stimme zu geben. Jedoch vermag die Union ihr Potenzial weitaus besser zu realisieren und damit auszuschöpfen als die SPD. Dieser Befund, dass die beiden Volksparteien über ähnlich hohe Wahlneigungen in der Bevölkerung verfügen, diese jedoch unterschiedlich erfolgreich realisieren, kann plauEMPIRISCHE SOZIALFORSCHUNG 10 8 sibilisiert werden, wenn man nicht wie bisher die absolu- In Tabelle 1 zeigt sich ein relevanter Unterschied zwischen te, sondern die relative Höhe der Wahlneigungen für die SPD und Union. Etwa 41 Prozent aller Befragten mit mineinzelnen Parteien betrachtet. Genauer geht es dabei um destens einer positiven Wahlneigung hatte ihre maximale Fragen der Erst- und Zweitpräferenzen der Bürger_innen Wahlneigung für die Union; sie ist somit am häufigsten oder darum, inwieweit gleichzeitig hohe Wahlneigungen die beliebteste Partei. Hingegen neigen nur 32 Prozent für mehrere Parteien vorliegen( ties oder Rangplatzbindungen 1 ), somit mehr als eine Partei eine Wahloption darbei einer zukünftigen Wahl der SPD am stärksten zu. Sie stellt jedoch mit 34 Prozent für etwas mehr Befragte die stellt. Ist also die Schwäche der SPD bei der Umwandlung zweitattraktivste Wahloption dar, wohingegen die Union von Wahlneigungen in tatsächliche Stimmen darauf zudies für nur 20 Prozent der Befragten ist. Kurzum, währückzuführen, dass sie nur„jedermanns zweite Wahl“ ist? rend die Union am häufigsten die attraktivste Wahloption darstellt, ist die SPD am häufigsten die zweite Wahl der Dafür, dass eine Partei überhaupt für die Wahl infrage Bürger_innen. kommt bzw. gewählt wird, muss eine positive Wahlneigung vorliegen(vgl. Abbildung 3). Deshalb werden in die Bislang ließen wir dabei unberücksichtigt, dass Personen folgenden Untersuchungen nur Befragte einbezogen, die maximale Wahlneigungen für mehr als nur eine Partei befür mindestens eine Partei eine Wahlneigung über dem sitzen können. Dies betrifft jedoch etwa 22 Prozent der Mittelpunkt der Skala besitzen. Tabelle 1 zeigt, wie viel Befragten. Fast ein Viertel neigt demnach gleichermaßen Prozent der Befragten mit mindestens einer positiven stark zur Wahl von zwei(oder mehr) Parteien. Von allen Wahlneigung a) ihren individuell höchsten und b) ihren Befragten, die angaben, am stärksten zur Wahl nur einer individuell zweithöchsten Wert an die jeweiligen Parteien vergaben. 2 Partei zu neigen, wählten fast 75 Prozent auch diese. Die anderen blieben der Wahl fern oder stimmten 2017 für eine andere als die höchstpräferierte Partei. Differenziert Tabelle 1: Anteile an Befragten mit höchster und nach den einzelnen Parteien ergibt sich folgendes Bild: zweithöchster Wahlneigung pro Partei Zwischen 75 und 77 Prozent der Bürger_innen, die der Union, der SPD, den Grünen oder der AfD als einziger ParCDU/CSU Anteil(in%) an Befragten mit … höchster Wahl­ neigung für zweithöchster Wahl­neigung für 41 20 tei maximal zuneigen, haben der jeweiligen Partei 2017 auch ihre Stimme gegeben. Damit gelang es diesen Parteien am besten, maximale Wahlneigungen in Stimmen umzusetzen, insofern nur eine maximale Wahlneigung SPD 32 34 vorlag. Dahinter folgt die Linke mit 71 Prozent. Die FDP AfD 8 4 war am wenigsten in der Lage, diejenigen mit nur einer FDP 14 26 Die Linke 12 15 und der für sie stärksten Wahlneigung an der Wahlurne für sich zu gewinnen(65 Prozent). Bündnis 90/ 20 27 Die Grünen Doch wie entscheiden sich die Bürger_innen, die für zwei oder mehrere Parteien maximale Wahlneigungen( tie) besitzen? Wen wählen Wahlberechtigte, die eine hohe 1 Ties oder Rangplatzbindungen liegen dann vor, wenn eine Person gleichermaßen stark zur Wahl von zwei oder mehreren Parteien neigt. 2 Hiermit ist nicht der Maximalwert der Skala von 1 bzw. der zweithöchste Wert von 0,9 gemeint, sondern die höchsten und zweithöchsten Werte, die von der_dem jeweiligen Befragten über alle Parteien hinweg vergeben worden sind. Wenn eine Person zum Beispiel Wahlneigungen von 0,9 für die CDU und 0,8 für die SPD aufweist, während die Wahlneigungen für die anderen Parteien niedriger liegen, zählt sie zu den 41 Prozent derer mit der höchsten Wahlneigung für die Union und den 34 Prozent derjenigen Personen mit der zweithöchsten Wahlneigung für die SDP. Aufgrund der ties liegt die Summe der höchsten Wahlneigungen über alle Parteien bei über 100. Wahlneigung von beispielsweise 0,9 sowohl für die FDP als auch für eine Unionspartei aufweisen? Welche Partei erhält die Stimme einer Person, die mit gleichermaßen hoher Sicherheit Grüne und Sozialdemokraten wählen will? Genau um solche unentschiedenen, für mehrere Parteien offenen Bürger_innen dreht sich der politische Wettbewerb in erster Linie. Sie sind nicht auf eine Partei festgelegt. Vielmehr ist ihre Stimme auf dem politischen Markt verfügbar, sie sind daher auch häufiger Wechselwähler_ innen(vgl.Wagner 2017). Zweite Wahl mit Potenzial? Die Struktur des politischen Wähler_Innenwettbewerbs von Union und SPD im Vergleich Für die Bundestagsparteien unterscheidet sich der Anteil Union und die Grünen sind es dagegen nur 36 bzw. 33 9 der Personen, die gleichermaßen zur Wahl von mehr als Prozent. Das Schlusslicht bildet die SPD – nicht einmal jede einer Partei neigen, wie Tabelle 2 zeigt. Über die Hälfte dritte Person, die am stärksten zur Wahl der SPD und gederer, die der FDP die höchste Wahlneigung entgegennauso sehr zur Wahl einer anderen Partei neigte, stimmte bringen, neigen auch in gleicher Stärke zur Wahl minletztendlich für die Sozialdemokraten. Liegen ties bei der destens einer weiteren Partei(über 70 % davon zur CDU/ am stärksten präferierten Partei vor, schneidet die SPD am CSU). Für die Grünen und die Linken ist es etwas wenischlechtesten ab – über 70 Prozent derer, die neben der ger als die Hälfte, wobei jeweils 55 % davon zugleich am SPD noch eine oder mehrere andere Partei(en) für am atstärksten zur SPD(für Grüne) respektive zu den Grünen traktivsten hielten, entschieden sich für eine andere Par(für die Linke) neigen. 38 Prozent der Befragten mit der tei. Im direkten Vergleich der Volksparteien teilt sich die individuell höchsten Wahlneigung für die SPD sind gleiSPD damit ihre maximalen Wahlneigungen häufiger als chermaßen der Wahl(mindestens) einer weiteren Partei die Unionsparteien mit anderen Parteien und ist zudem zugeneigt(48 % Union, 44 % Grüne). Für die Unionsparvon allen Parteien diejenige, die anteilig bei gleich hohen teien sind es 31 Prozent(mit jeweils 44 % davon, die SPD maximalen Wahlneigungen die wenigsten Stimmen für und FDP den individuellen Maximalwert zuweisen). Im sich gewinnen kann. Falle der AfD teilt nur knapp ein Viertel derer, die ihr am stärksten zuneigen, diese maximale Präferierung mit einer Zusammengefasst ist also die Union für die meisten Büranderen Partei. Damit hat die AfD ein relativ gering umger_innen die attraktivste und die SPD am häufigsten die kämpftes Wähler_innenpotenzial, gefolgt von Union und zweitattraktivste Wahloption(Tabelle 1). Vor dem HinterSPD, Linken und Grünen. Die FDP teilt sich ihre Höchstprägrund, dass unter den Wähler_innen die Stimmabgabe in ferierung am häufigsten mit anderen Parteien. fast allen Fällen zugunsten der Partei mit der höchsten Wahlneigung ausfällt(85 Prozent), so denn nur eine vorTabelle 2: Anteile an Befragten mit ties bei der indivi­ liegt, ist die im Vergleich schwache elektorale Performanz duell höchsten Wahlneigung und Wahlentscheidung der SPD nicht verwunderlich. Hinzu kommt, dass sie – während sie die Partei mit den meisten positiven WahlneiAnteil(in%) an Befragten mit ties bei der höchsten Wahlneigung Anteil davon, die diese Partei wählten gungen ist(Abbildung 2) – bei Gleichstand von maximalen Wahlneigungen häufiger verliert als andere Parteien (Tabelle 2). CDU/CSU 31 36 SPD 38 29 AfD 23 68 FDP 55 47 Die Linke 43 40 Bündnis 90/ 47 33 Die Grünen Betrachtet man nun die Wahlentscheidungen der Personen mit ties bezüglich der individuell stärksten Wahlneigungen, so zeigen sich wiederum deutliche Unterschiede zwischen den Bundestagsparteien. Während fast 70 Prozent derer, die der AfD und mindestens einer weiteren Partei individuell am stärksten zuneigen, auch für die Rechtspopulisten stimmten, ist es im Falle der FDP nur ca. die Hälfte. Etwa 40 Prozent derer, die die höchste Wahlneigung zugunsten der Linken und mindestens einer anderen Partei aufwiesen, stimmten für die Linke. Für die EMPIRISCHE SOZIALFORSCHUNG 10 10 3. Strukturiertheit des zwischenparteilichen Wähler_innen­ wettbewerbs Die bisherigen Analysen haben gezeigt, dass die Unterschiede in der elektoralen Performanz von Union und SPD nicht durch unterschiedlich große Wähler_innenpotenziale zu erklären sind, sondern in erster Linie durch die unterschiedliche Realisierung oder Ausschöpfung dieser Wähler_innenpotenziale. Den Unionsparteien gelingt es im Vergleich der gegenwärtigen Regierungspartner bei gleich hohem Wähler_innenpotenzial deutlich besser, dies auch in Stimmen umzumünzen. Dennoch erhielten auch die Christdemokraten gemeinsam mit den Christsozialen bei der Bundestagswahl 2017 bei etwa 55 Prozent positiven Wahlneigungen„nur“ ein Drittel der Stimmen. Wie entscheiden sich dann die potenziellen, aber nicht reellen SPD- und Unions-Wähler_innen? Dazu untersuchen wir, unter welchen Wähler_innen welcher Parteien die Potenziale für die beiden Volksparteien hoch sind, welche Wähler_innen welcher Parteien also für die SPD und die CDU/ CSU auf dem Wähler_innenmarkt verfügbar wären, sich aber gegen sie entscheiden. 3.1  Die Verfügbarkeit der Wähler_innen anderer Parteien für die CDU/CSU und die SPD Für die Analyse des Parteienwettbewerbs ist das bereits oben angesprochene Konzept der Verfügbarkeit von Wähler_innenstimmen zentral. Es drückt aus, dass die Wähler_innenstimmen nicht festgelegt, sondern im Parteienwettbewerb verfügbar sind. Hat eine Person eine starke Wahlneigung für eine Partei und geringe Neigungen, für eine der anderen Parteien zu votieren, kommt für diese Person somit nur diese eine Partei infrage. Sie ist nur Teil des Wähler_innenpotenzials dieser einen und keiner anderen Partei – ihre Stimme gilt als nicht verfügbar. Hat eine Person hingegen ähnlich starke Wahlneigungen für mehrere Parteien, kann ihre Stimme als verfügbar auf dem Stimmenmarkt angesehen werden. Solche Personen sind wahrscheinliche Wechselwähler_innen, die den Wahlausgang maßgeblich bestimmen. Es sind diese potenziellen Wechselwähler_innen, um die sich der Parteienwettbewerb vor allem dreht. Diesen Überlegungen folgend, wurde für jede_n einzelne_n Wähler_in die individuelle Verfügbarkeit für die SPD respektive die Union auf Grundlage der Wahlneigungen berechnet. 3 Damit kann nun untersucht werden, wo die Potenziale der gegenwärtigen Regierungsparteien liegen, und damit, unter welchen Parteien wie stark zugunsten der Union respektive der SPD Abwanderungsbereite zu finden sind. Wie auch die Wahlneigungen kann das hier verwendete Maß von Verfügbarkeit Werte zwischen null und eins annehmen – je höher der Wert, desto höher die Verfügbarkeit für die SPD respektive die Union. Ein Wert von null bedeutet dabei, dass eine Person(überhaupt) nicht verfügbar ist, ein Wert von eins, dass eine Person genauso stark oder sogar stärker zur Wahl der SPD respektive der Unionsparteien neigt wie bzw. als zur Wahl der von ihr gewählten Partei. Ihre Stimme ist somit im gleichen Maße für die SPD oder für die Union verfügbar. Abbildung 4 gibt über die durchschnittlichen Verfügbarkeiten der Wähler_innen der anderen Parteien für die SPD und die Unionsparteien und somit über deren Wähler_innenpotenziale Auskunft. Ihr größtes Potenzial hat die SPD innerhalb des linken Lagers: Die durchschnittlichen Verfügbarkeiten der Grünenund Linken-Wähler_innen sind mit Werten von etwa 0,8 sehr hoch – viele Grünen- und Linken-Wähler_innen sind zugleich potenzielle SPD-Wähler_innen. Aber auch unter den Wähler_innen des bürgerlichen Lagers hat die SPD ein recht hohes Wähler_innenpotenzial. So ergeben sich sowohl für die Wähler_innen der Union als auch die der FDP Verfügbarkeitswerte über 0,7. Am geringsten verfügbar für die SPD sind die AfD-Wähler_innen. Dennoch liegt der Wert mit ca. 0,6 im mittleren Bereich; die SPD hat also auch unter dieser Wähler_innenschaft Potenzial. Die Union weist das stärkste Potenzial(etwa 0,85) bei den FPD-Wähler_innen auf. Ebenfalls für die Unionsparteien verfügbar sind die Grünen-Wähler_innen(die überhaupt 3 Die Berechnungsformel und eine kurze Erläuterung finden sich im Anhang. Zweite Wahl mit Potenzial? Die Struktur des politischen Wähler_Innenwettbewerbs von Union und SPD im Vergleich Abbildung 4: Verfügbarkeiten der Wähler_innen der anderen Parteien für die SPD und die Unionsparteien 11 CDU/CSU AfD FDP Die Linke Bündnis 90/ Die Grünen 0 SPD 0,2 0,4 0,6 0,8 1 Verfügbarkeit der Parteiwähler_innen für die SPD AfD FDP Die Linke Bündnis 90/ Die Grünen 0 0,2 0,4 0,6 0,8 1 Verfügbarkeit der Parteiwähler_innen für die CDU/CSU die offenste Wähler_innengruppe darstellen). AfD- und SPD-Wähler_innen sind für die Union in geringem Umfang verfügbar, Linken-Wähler_innen nochmals weniger. Insgesamt ist die Verfügbarkeit für die Union geringer als für die SPD, auch deshalb, da Erstere ihr Potenzial bereits besser zu realisieren vermochte. Mit einer durchschnittlichen Verfügbarkeit aller Wähler_innen anderer Parteien von etwas über 0,7 bestätigt sich hier noch einmal der Befund aus dem vorangegangenen Kapitel, dass die Sozialdemokratie generell hohe und höhere Wähler_innenpotenziale als die Union hat. Anders formuliert haben die Wähler_innen der anderen Parteien häufig ähnlich hohe Wahlneigungen für die SPD wie für die von ihnen gewählte Partei. Die Intensität des Wettbewerbs um Wählerstimmen mit der SPD also ist hoch, denn schließlich handelt es sich bei den für die SPD verfügbaren Wähler_innen der anderen Parteien um potenzielle Wechselwähler_innen hin zu den Sozialdemokraten. Die Union konkurriert am ehesten noch um Stimmen bei den Beinahe-Partnern der nicht zustande gekommenen Jamaika-Koalition. EMPIRISCHE SOZIALFORSCHUNG 10 12 3.2  Die Struktur des zwischenparteilichen Partei B, im zweiten Szenario sind beide Parteien gleich Wettbewerbs: Hintergründe der Wähler_innennahe. Partei A wird von der Person etwas weiter links der verfügbarkeit eigenen Position wahrgenommen, Partei B etwas weiter rechts, aber die relativen Abstände beider Parteien zu Wie lassen sich die Verfügbarkeiten der Wähler_innen der anderen Parteien für die Unionsparteien respektive X B sind identisch. Daher sollte die Wahlneigung von X B für Partei A, soweit die entsprechende Politikdimension die SPD nun erklären? Anders gefragt: Wodurch wird bzw. politische Konfliktlinie von Relevanz ist, im zweiten die oben beschriebene Wettbewerbssituation inhaltlich Szenario höher bzw. genauso groß sein als bzw. wie die bestimmt? Generell wird davon ausgegangen, dass der politische Wettbewerbsraum in westlichen Demokratien Wahlneigung für Partei B. Die Stimme von X B ist dann für Partei A verfügbar, auch wenn sie sich in der letzten Wahl zweidimensional ist. Abstrakt formuliert konkurrieren Parteien miteinander bezüglich einer sozioökonomischen und für B entschieden hat. Im dritten Szenario ist X B rechts von A und B positioniert, steht jedoch Partei B deutlich näher auf einer dazu orthogonal verlaufenden soziokulturellen als Partei A. Der Abstand zwischen den beiden Parteien ist Dimension(Kitschelt und McGann 1995). Fragen der Umverteilung, der Besteuerung und des Umfangs sozialstaatin Szenario 1 und 3 identisch, X B ist im dritten Fall jedoch nicht für Partei A verfügbar. Das verdeutlicht, dass eine licher Leistungen bilden die erste Dimension. Die zweite Analyse des politischen Wettbewerbs nur auf Basis der Dimension wird durch Umweltthemen, gesellschaftliche Ähnlichkeiten von Parteipositionen zu kurz greift. VielLiberalität vs. autoritäre Orientierung, Internationalismus mehr müssen die relativen Positionen zu den Wähler_invs. Nationalismus und Identitätsfragen gebildet. Für die nen mit in den Blick genommen werden, um zu validen Untersuchung einer konkreten Wahl geht es um die in Aussagen über die Hintergründe der Verfügbarkeit von der jeweiligen Situation relevanten Sachfragen, die diesen Wähler_innenstimmen zu gelangen. Dimensionen zugeordnet werden können. Dem räumlichen Erklärungsmodell der Wahlentscheidung folgend Kürzlich argumentierten jedoch Inglehart und Norris (Downs 1957) entscheiden sich die Bürger_innen in der (2019), dass die zwei den Wettbewerbsraum struktuRegel für die Parteien, die ihnen inhaltlich am nächsten rierenden Dimensionen um eine dritte, unabhängige stehen. Demnach stehen Parteien mit ähnlichen PositiDimension zu ergänzen sind – die Populismus-Pluralisonen bezüglich bestimmter Sachfragen im Wettbewerb mus-Dimension. Hierbei geht es im Gegensatz zur sozioum die gleichen Wähler_innen. Übertragen auf die Verökonomischen und zur soziokulturellen Dimension nicht fügbarkeit von Wähler_innen ist anzunehmen, dass Parum konkrete politische Sachfragen, sondern darum, wo teiwähler_innen umso verfügbarer für eine andere Partei die legitime Entscheidungsgewalt in der Demokratie liesind, je ähnlicher die Positionen beider Parteien relativ zur gen sollte. Es existierten pluralistische und populistische Position der Wähler_innen sind. Einfacher formuliert: ParVorstellungen von der Gesellschaft, sowohl bei den Parteiteien konkurrieren vor allem um die Wähler_innen, die in en als auch in der Bevölkerung. Populismus bedeutet hier, Bezug auf politische Sachfragen zwischen ihnen stehen. dass die Gesellschaft als in zwei weitgehend homogene Abbildung 5 verdeutlicht dies. und einander diametral gegenüberstehende Teile gespalten wahrgenommen wird: die Bevölkerung und die Elite. In allen drei Szenarien stimmte Person X B für die Partei B. Im ersten Szenario ist Partei A weiter von X B entfernt als Letztere würde dabei die Wünsche und Präferenzen der Bevölkerung ignorieren und ihre Repräsentationsfunktion Abbildung 5: Verfügbarkeit von Wähler_in„X B “ für Partei A Szenario 1: A Szenario 2: A Szenario 3: A X B B X B B B X B Konfliktlinie Zweite Wahl mit Potenzial? Die Struktur des politischen Wähler_Innenwettbewerbs von Union und SPD im Vergleich nicht erfüllen. Da das Volk der populistischen Lesart zufol- lativen Ähnlichkeiten bezüglich dieser Sachfragen ziehen 13 ge mit einem einheitlichen Willen ausgestattetet ist und wir jeweils die Selbsteinschätzung der Befragten sowie keine horizontalen Spaltungen oder Gegensätze in der deren Wahrnehmungen der Positionen der einzelnen ParGesellschaft existierten, seien pluralistische Interessenre- teien heran. Für die Populismus/Pluralismus-Dimension präsentationen unnötig oder gar kontraproduktiv. wird ebenfalls ein relatives Ähnlichkeitsmaß berechnet. Dieses beruht zum einen- entsprechend dem Ansatz von Befunde der Wahl- und der Parteienforschung deuten daAkkerman et al.(2014)- auf den populistischen Einstelrauf hin, dass die Populismus-Pluralismus-Dimension für lungen der Bürger_innen, ermittelt anhand einer Reihe den Parteienwettbewerb in Deutschland in der Tat relevon Fragen in der Bevölkerungsumfrage(vgl. Giebler und vant ist(vgl.Wagner und Lichteblau 2019b, i. E.). Dies liegt Wagner 2019). Zum anderen ermitteln wir auf Grundlage nicht zuletzt darin begründet, dass die deutschen Parteien der Kandidat_innenbefragung den Populismusgrad der sich hinsichtlich ihres Populismusgrads voneinander unterParteien(vgl. Lewandowsky, Giebler u. a. 2016). scheiden(Lewandowsky, Giebler u.a. 2016). Zudem sind individuelle Wahlentscheidungen maßgeblich auch durch Zusätzlich berücksichtigen wir zwei weitere Faktoren, die populistische Einstellungen der Bürger_innen zu erklären. sich nicht auf konkrete Politikinhalte oder populistische So erhöhen populistische Einstellungen die Wahrschein- Einstellungen beziehen, die Verfügbarkeit von Wähler_inlichkeit, die AfD zu wählen, und verringern die Wahlwahr- nen jedoch beeinflussen können. Zum einen handelt es scheinlichkeit von Parteien, die weniger oder nicht popu- sich um die Parteiidentifikation der Befragten. Die Identilistisch sind, insbesondere von Union und Grünen(Steiner fikation mit einer Partei als langfristige und stabile politiund Landwehr 2018, Giebler und Wagner 2019). sche Prädisposition gilt in der Wahlforschung als starker, wenn nicht stärkster Erklärungsfaktor der WahlentscheiWelchen Einfluss haben nun sozioökonomische und sodung(Schoen und Weins 2014). Von daher ist anzunehziokulturelle Sachfragen sowie populistische Einstellungen men, dass Personen mit einer Parteiidentifikation für die auf den Wettbewerb? Wie ist er inhaltlich strukturiert? gewählte Partei weniger verfügbar für andere Parteien Zur Untersuchung der Wettbewerbsstruktur berechnen sind. Zudem ist zu prüfen, inwieweit der Parteienwettbewir multivariate Regressionsmodelle 4 , die die Verfügbarwerb durch das politische(Spitzen-)Personal bzw. durch keit der Wähler_innen anderer Parteien für die SPD resdessen Bewertungen seitens der Bürger_innen beeinflusst pektive die Union auf die relativen Ähnlichkeiten zwischen wird. Schließlich ist dieser Faktor von starker Bedeutung der jeweils gewählten Partei und der SPD respektive der für die Wahlentscheidungen der Bürger_innen(Glinitzer Union zur befragten Person hinsichtlich der drei Dimenund Jungmann 2019). Ist die Stimme einer Person also sionen des Wettbewerbs zurückführen. Dazu wird die in eher für die SPD respektive die Unionsparteien verfügbar, Abbildung 5 dargestellte Logik der Verfügbarkeit auf die wenn deren Spitzenkandidat_in – 2017 also Kanzlerin drei genannten Dimensionen angewendet. In der GLESAngela Merkel und der Kanzlerkandidat Martin Schulz – Nachwahlstudie 2017 beziehen sich die sozioökonomibesser als die zu wählende Partei beurteilt wird? Könnte schen Fragen auf das Thema der Umverteilung(Steuern also die geringe Potenzialausschöpfung der SPD(auch) an und Sozialstaat). Die soziokulturelle Dimension ist durch einer relativ schlechteren Bewertung des SPD-Kandidaten das Thema der rechtlichen Regelung von Zuwanderung liegen? 5 Abbildungen 6 und 7 stellen die Ergebnisse der (Vereinfachung vs. Beschränkung von ZuwanderungsRegressionsmodelle für jede Partei grafisch dar. möglichkeiten) repräsentiert. Für die Berechnung der reZunächst fällt auf, dass der Wettbewerb um Stimmen parteispezifisch ist: Keine der inhaltlichen Dimensionen bzw. 4 Regressionsmodelle sind mathematische Modelle, in denen die Verteilung einer zu erklärenden Variablen – hier: Verfügbarkeit der Themen strukturiert die Verfügbarkeit der Wähler_innen der anderen Parteien in gleichem Maße. Zweitens ist in der Wähler_innen anderer Parteien für die SPD respektive die Unionsparteien – mit anderen Variablen in Beziehung gesetzt wird. Dabei wird geprüft, wie stark Letztere mit der zu erklärenden Variablen zusammenhängen. Multivariate Regressionsmodelle untersuchen die Zusammenhänge der zu erklärenden Variablen mit mehreren Variab5 Genauere Informationen zur Methode und zu den verwendeten len gleichzeitig. Variablen befinden sich im Anhang. EMPIRISCHE SOZIALFORSCHUNG 10 14 Tendenz die Verfügbarkeit stärker von der Politiker_innenVermutung, dass eine Person, die einer Partei im Wettbewertung abhängig als von den relativen Ähnlichkeiten bewerbsraum nähersteht, eine stärkere Wahlneigung der Positionen bezüglich der beiden Sachfragendimensiofür diese Partei aufweist als eine Person, die weiter von nen und der Populismus-Pluralismus-Unterscheidung. Der dieser Partei entfernt ist. Für den Wettbewerb zwischen elektorale Wettbewerb im Sinne der Überschneidung von zwei Parteien bedeutet dies, dass ein_e Wähler_in einer Wahlneigungen der Bürger_innen ist also weniger von Partei genau dann umso stärker zur Wahl auch einer anPositionen zu konkreten Sachfragen oder hinsichtlich des deren Partei neigt, je näher die andere Partei zu den eiPopulismus bestimmt als durch die Bewertung des jeweiligenen politischen Interessen im Vergleich zur gewählten gen Personals. Letzteres hat für Union wie SPD gegenüber Partei wahrgenommen wird. Steigt die inhaltliche Nähe allen anderen Parteien einen deutlichen Effekt: Wurde dieser anderen Partei relativ zur inhaltlichen Nähe der geMartin Schulz besser bewertet als die jeweiligen anderen wählten Partei, so steigt auch die Verfügbarkeit der PerSpitzenkandidat_innen, waren die Wähler_innen dieser son für diese andere Partei. Dies gilt jedoch, wie erwähnt, Parteien eher geneigt, ihre Stimme der SPD zu geben. nicht hinsichtlich aller Dimensionen des politischen WettUmgekehrt bedeutet dies aber auch: Martin Schulz wurde bewerbsraums für alle Parteienkombinationen in gleicher zum Zeitpunkt der Wahl weniger gut bewertet, nicht nur Weise. im Vergleich zum Zeitpunkt seiner Nominierung oder zur Amtsinhaberin Merkel, sondern auch zur SPD. Dies führte Aus Sicht der SPD können für die drei hier untersuchten (auch) zu höheren Wahlneigungen für die Union und zu Dimensionen des politischen Wettbewerbs folgende Begeringeren für die SPD. Die Sozialdemokraten benötigten funde festgehalten werden: Sozioökonomische Fragen aber, wie gezeigt, gerade stärkere Wahlneigungen, um sind relevant für die Verfügbarkeit der Wähler_innenstimdie Wähler_innenstimme dann auch tatsächlich zu ermen der Unionsparteien, der AfD, der Linken und der Grühalten. Die Amtsinhaberin Merkel wurde deutlich besser nen. Die Wähler_innen dieser vier Parteien fühlen sich bei bewertet, und ihre Popularität setzte sich auch unter den einer besseren Repräsentation ihrer Interessen hinsichtlich Wähler_innen der anderen Parteien in Wahlneigungen für der Höhe von Steuern und Abgaben und des Ausmaßes die Union um. Die Befunde lassen also den Schluss zu, sozialstaatlicher Leistungen zur SPD hingezogen. Die Verdass die im Vergleich zur Union geringere Potenzialausfügbarkeit der Stimmen der FDP-Wähler_innen hängt schöpfung der SPD eine Ursache in der unterschiedlichen dagegen nicht von sozioökonomischen Fragen ab. Das Beliebtheit der Kanzlerkandidat_innen hatte. höchste Potenzial hatte die SPD, wie Abbildung 4 zeigte, bei Grünen und Linken. Die naheliegende Interpretation Die Parteiidentifikation hat für die bürgerlichen Parteien ist somit, dass der Parteienwettbewerb im linken Lager FDP und Union eine Abschirmfunktion gegenüber den vor allem einer um Umverteilung und soziale Sicherheit Sozialdemokraten. Personen, die über längere Zeit zu ist. Ein sozioökonomisch linker Kurs der SozialdemokraLiberalen, CDU oder CSU neigten, sind für die SPD weten sollte daher Wähler_innen der anderen linken Parteien niger verfügbar. Ähnliches gilt umgekehrt für die Union: anziehen können. Eine Parteiidentifikation mit SPD, FDP oder Grünen senkt die Neigung, für die Unionsparteien zu stimmen. DarüAllerdings gilt dies auch für die Unionsparteien: Die Stimber hinaus spielen jedoch relative Sachfragenpositionen men der Wähler_innen von SPD, AfD, FDP und Grünen – welcher Partei fühlt sich ein_e Bürger_in hinsichtlich der sind dann für die CDU/CSU verfügbarer, wenn die Union Höhe von Steuern und sozialstaatlichen Leistungen und den Wähler_inneninteressen in sozioökonomischen Frain Bezug auf Einwanderungsregeln näher – sowie die regen ähnlicher wird. Interessanterweise gilt dies nicht für lative Ähnlichkeit in Fragen populistischer Einstellungen den Wettbewerb Union vs. Linke, ebenso wenig für SPD eine Rolle für die Struktur des zwischenparteilichen Wettvs. FDP. Mithin sind es die in Fragen von Steuern und Umbewerbs. Welche dieser Aspekte für welche der Parteiverteilung am weitesten voneinander entfernten Parteien, enkombinationen 2017 wichtig waren, zeigen ebenfalls mit denen Union respektive SPD gerade nicht auf der soAbbildung 6 und Abbildung 7. zioökonomischen Konfliktachse konkurrieren. Anhänger_ innen von Parteien, die vollkommen andere Vorstellungen Generell bestätigt sich die oben aus dem sogenannten vom Umfang und der Finanzierung des Wohlfahrtsstaats räumlichen Modell der Wahlentscheidung abgeleitete haben, sind auch dann nicht stärker geneigt, eine der beiZweite Wahl mit Potenzial? Die Struktur des politischen Wähler_Innenwettbewerbs von Union und SPD im Vergleich den Volksparteien zu wählen, wenn diese etwas weniger näher die SPD ihnen hinsichtlich der Populismus-Pluralis15 weit entfernt wahrgenommen wird. mus-Dimension im Vergleich zur jeweilig gewählten Partei steht. Dies lässt sich als Indiz dafür interpretieren, dass es Hinsichtlich der Frage des Zuzugs nach Deutschland, eines vor allem die pluralistisch orientierten Parteien sind, mit der wichtigsten Themen bei der Bundestagswahl 2017 denen die SPD im Wettbewerb steht. Die SPD konkurriert (Roßteutscher, Schmitt-Beck u. a. 2019a), konkurrieren kaum um die gleichen Wähler_innenstimmen wie die Podie Sozialdemokraten vor allem mit der FDP und wiederpulisten. Für die Union ist dies eine insgesamt weniger um den Grünen, während die Verfügbarkeit der Stimmen relevante Dimension des Wettbewerbs. Einzig die Vervon Linken-, Unions- und AfD-Wähler_innen nicht durch fügbarkeit der Stimmen der FDP-Wähler_innen ist davon diese Frage bestimmt wird. Gerade der letztgenannte leicht beeinflusst, wie der positive Effekt mit vergleichsBefund ist vor dem Hintergrund interessant, dass eine weise geringer Irrtumswahrscheinlichkeit in Abbildung 7 restriktivere Einwanderungspolitik von einigen Beobachzeigt. ter_innen zuweilen als Lösungsmöglichkeit der Krise ins Spiel gebracht wird. Die Ergebnisse in Abbildung 6 zeiZusammengefasst können wir festhalten, dass sich der gen jedoch, dass eine Annäherung an die Positionen von zwischenparteiliche Wettbewerb um die Wähler_innenAfD-Wähler_innen deren Verfügbarkeit für die SPD nicht stimmen für die beiden Volksparteien in Bezug auf die erhöht. Das ohnehin vergleichsweise geringe Potenzial bei Sachfragen hauptsächlich um den Themenkomplex von der AfD(vgl. Abbildung 4) kann durch eine Veränderung Steuern, Abgaben und sozialstaatlichen Leistungen dreht. der politischen Position beim Thema Zuwanderung nicht Auf dieser sozioökonomischen Konfliktlinie konkurrieren vergrößert werden. die SPD und die Union mit den anderen Parteien deutlich stärker als mit Blick auf die Migrationsdebatte. BeFür die Wettbewerbssituation der Unionsparteien spielt merkenswerterweise sind Fragen nach Zuzugsregeln auch die Zuwanderungsfrage eine ähnliche Rolle. Die Verfügnicht für den Wettbewerb mit der AfD von Belang – obbarkeit der Stimmen der Wähler_innen der Linken und, wohl dieses Thema den Wahlkampf zur Bundestagswahl mit größerer Unsicherheit, der Grünen hängt von der re2017 dominierte. lativen Nähe der Union bezüglich dieser Sachfrage ab. Interessanterweise ist die Konkurrenzsituation mit der AfD Der Grad des Populismus und die Ähnlichkeit zwischen auch für die Union nicht mit Positionierungen hinsichtlich den populistischen Einstellungen einer Person und einer restriktiverer Einwanderungsregeln verbunden. Das bePartei beeinflussen den Wettbewerb ebenfalls. Allerdings deutet, dass eine Vergrößerung des elektoralen Potenzials findet in dieser Hinsicht der Wettbewerb eher zwischen unter der AfD-Wähler_innenschaft durch eine restriktivere den etablierten Parteien statt, die 2017 weitgehend ähnPositionierung hinsichtlich der Zuwanderung auch für die lich nicht-populistisch waren und deren Wähler_innen Union unwahrscheinlich ist. ebenfalls deutlich weniger populistisch eingestellt waren als die Nicht- und die AfD-Wähler_innen. Auch hier, wie Neben politischen Sachfragen bestimmte in den letzten in Bezug auf die sozioökonomische Dimension, zeigt sich, Jahren auch das Phänomen des Populismus die politische dass der Wettbewerb weniger zwischen den Parteien an Debatte. So wird z. B. die Abgrenzung der Bundestagsden entgegengesetzten Polen einer Dimension stattfindet. parteien von der AfD nicht nur mit unvereinbaren politischen Positionen begründet. Auch stehen Populisten Vor allem bleibt für den zwischenparteilichen Wettbezuweilen unter Verdacht, nicht gleichermaßen fest zu den werb festzuhalten, dass die Kandidat_innenbewertungen pluralistisch-liberalen Werten des Grundgesetzes zu stefür die Verfügbarkeit der Stimmen maßgeblich sind. Posihen. Daher kann, wie oben diskutiert, die politische Spantionelle Neubestimmungen sind für die elektorale Attraknungslinie zwischen Populismus und Pluralismus auch tivität weniger ausschlaggebend als ein überzeugendes für den Wähler_innenwettbewerb virulent werden. Die Personal. in Abbildung 6 präsentierten Ergebnisse bestätigen dies aus SPD-Perspektive für den Wettbewerb mit der Union, den Linken sowie Bündnis 90/Die Grünen. Die Wähler_innen dieser Parteien sind für die SPD umso verfügbarer, je EMPIRISCHE SOZIALFORSCHUNG 10 16 Abbildung 6: Ergebnisse zur Struktur des Wähler_innenwettbewerbs zwischen der SPD und den anderen ­Bundestagsparteien 2017 Steuern und Sozialstaat Zuwanderung Populismus/ Pluralismus Politiker_innenbewertungen Parteiidentifikation -0,3-0,2-0,1 0 0,1 0,2 CDU/CSU AfD FDP Die Linke Bündnis 90/Die Grünen Erläuterung: Die Punkte repräsentieren die Effekte der jeweiligen Erklärungsvariablen auf die Verfügbarkeit der Wähler_innen der jeweiligen anderen Parteien für die SPD. Werte im positiven Bereich für die Variablen„Steuern vs. Sozialstaat“,„Zuwanderung“ und„Populismus/ Pluralismus“ bedeuten, dass eine größere wahrgenommene Nähe zur SPD als zur gewählten Partei bei einer Person dazu führt, dass die Verfügbarkeit für die SPD steigt. Negative Werte für die„Politiker_innenbewertung“ bedeuten, dass eine schlechtere Bewertung Martin Schulz‘ gegenüber des_der Spitzenkandidat_in der gewählten Partei mit einer geringeren Verfügbarkeit für die SPD einhergeht. Negative Werte für die Variable„Parteiidentifikation“ bedeuten, dass Personen, die sich mit der jeweils gewählten Partei identifizieren, geringere Verfügbarkeiten für die SPD aufweisen als Personen, für die keine Parteiidentifikation für die gewählte Partei vorliegt. Die horizontalen Linien stellen die 95 %-Konfidenzintervalle dar. Schließt ein Konfidenzintervall die Linie des Nullpunkts ein, so ist die Irrtumswahrscheinlichkeit, dass die jeweilige Variable tatsächlich im Zusammenhang mit der Verfügbarkeit der Wähler_innen steht, hoch. In solchen Fällen kann ein zufälliges Zustandekommen des Effekts kaum ausgeschlossen werden. Zweite Wahl mit Potenzial? Die Struktur des politischen Wähler_Innenwettbewerbs von Union und SPD im Vergleich Abbildung 7: Ergebnisse zur Struktur des Wähler_innenwettbewerbs zwischen den Unionsparteien und den 17 anderen Bundestagsparteien 2017 Steuern und Sozialstaat Zuwanderung Populismus/ Pluralismus Politiker_innenbewertungen Parteiidentifikation -0,2-0,1 0 0,1 0,2 SPD AfD FDP Die Linke Bündnis 90/Die Grünen Erläuterung: Die Punkte repräsentieren die Effekte der jeweiligen Erklärungsvariablen auf die Verfügbarkeit der Wähler_innen der jeweiligen anderen Parteien für die Union. Werte im positiven Bereich für die Variablen„Steuern vs. Sozialstaat“,„Zuwanderung“ und„Populismus/ Pluralismus“ bedeuten, dass eine größere wahrgenommene Nähe zur Union als zur gewählten Partei bei einer Person dazu führt, dass die Verfügbarkeit für die Union steigt. Negative Werte für die Variable„Politiker_innenbewertung“ bedeuten, dass eine schlechtere Bewertung Angela Merkels gegenüber des_der Spitzenkandidat_in der gewählten Partei mit einer geringeren Verfügbarkeit für die Union einhergeht. Negative Werte für die Variable „Parteiidentifikation“ bedeuten, dass Personen, die sich mit der jeweils gewählten Partei identifizieren, geringere Verfügbarkeiten für die Union aufweisen als Personen, für die keine Parteiidentifikation für die gewählte Partei vorliegt. Die horizontalen Linien stellen die 95 %-Konfidenzintervalle dar. Schließt ein Konfidenzintervall die Linie des Nullpunkts ein, so ist die Irrtumswahrscheinlichkeit, dass die jeweilige Variable tatsächlich im Zusammenhang mit der Verfügbarkeit der Wähler_innen steht, hoch. In solchen Fällen kann ein zufälliges Zustandekommen des Effekts kaum ausgeschlossen werden. EMPIRISCHE SOZIALFORSCHUNG 10 18 3.3  Aussichten auf Mobilisierungserfolge: Die 1). Dies liegt vor allem daran, dass mehr Nichtwähler_inParteipotenziale unter den Nichtwähler_innen nen es kategorisch ausschließen, die jeweiligen Parteien jemals zu wählen. Dementsprechend sind auch die Anteile Die vorherigen Untersuchungen haben gezeigt, wie groß an positiven Wahlneigungen geringer(vgl. Abbildung 2). die Potenziale der SPD unter den Wähler_innenschaften Anders als in der Gesamtbevölkerung hat die Union mit 47 der anderen Parteien sind und wie der ParteienwettbeProzent klar den größten Anteil unter den Nichtwähler_inwerb aus dieser Perspektive strukturiert ist. Jedoch geht nen, die einer zukünftigen Stimmabgabe gegenüber posies im Parteienwettbewerb nicht ausschließlich um Stimtiv gestimmt sind. Für die SPD liegt der Nichtwähler_innenmenmaximierung durch den Gewinn potenzieller Wechanteil mit positiven Wahlneigungen bei immerhin noch 40 selwähler_innen, sondern auch um die Mobilisierung von Prozent. Dahinter folgen FDP und Grüne mit 23 bzw. 22 Nichtwähler_innen. Deshalb fragen wir im letzten Schritt Prozent und die Linke mit 18 Prozent an positiven Wahldieser Untersuchung nach den Potenzialen der Parteien neigungen. Schlusslicht ist auch hier die AfD – allerdings ist unter denjenigen, die der letzten Wahl ferngeblieben ihr Anteil an Personen mit positiven Wahlneigungen unter sind. den Nichtwähler_innen etwas höher als in der Gesamtbevölkerung(16 Prozent zu 10 Prozent). Abbildung 8 zeigt die Wahlneigungen der Nichtwähler_ innen für die einzelnen Bundestagsparteien. Insgesamt Ausgehend von den absoluten Wahlneigungen besitzen weisen die Nichtwähler_innen im Vergleich zur Gesamtbealso beide Volksparteien auch unter den Nichtwähler_invölkerung niedrigere durchschnittliche Wahlneigungen für nen relativ große Potenziale, wenn auch niedrigere als in alle Parteien auf, mit Ausnahme der AfD(vgl. Abbildung der Gesamtbevölkerung. Allerdings sind hier die UnterAbbildung 8: Wahlneigungen der Nichtwähler_innen für die Bundestagsparteien % CDU/CSU 60 SPD % 60 AfD % 60 40 40 40 20 20 20 0 0 0 0 0,5 1 0 0,5 1 0 0,5 1 % FDP 60 Die Linke % 60 Bündnis 90/Die Grünen % 60 40 40 40 20 20 20 0 0 0 0 0,5 1 0 0,5 1 0 0,5 1 Zweite Wahl mit Potenzial? Die Struktur des politischen Wähler_Innenwettbewerbs von Union und SPD im Vergleich Abbildung 9: Anteil an Nichtwähler_innen mit positiven Wahlneigungen % 60 40 20 19 CDU/CSU SPD AfD FDP Die Linke Bündnis 90/Die Grünen 0 schiede zwischen den beiden Parteien zugunsten der Union differenzierter. Die Hintergründe der Wahlneigungen von Nichtwähler_innen können Aufschluss darüber geben, welche motivationalen Faktoren prospektiv zur Wahl welcher Partei führen können. Gleichzeitig lassen sich dadurch Aussagen darüber treffen, welche Faktoren den Wettbewerb um Nichtwähler_innen bestimmen. Um dies zu ermitteln, berechnen wir für jede der Bundestagsparteien ein lineares Regressionsmodell, in dem wir die absolute Wahlneigung der Nichtwähler_innen für die jeweilige Partei auf die oben ermittelten fünf Faktoren des Parteienwettbewerbs zurückführen. 6 Wiederum sind es die Bewertungen der Spitzenpolitiker_innen, die Nichtwähler_innen dazu neigen lassen, eine bestimmte Partei zu wählen. Populäre Spitzenkandidat_innen können also die Wahlneigungen der Nichtwähler_innen zugunsten der jeweiligen Parteien erhöhen und somit potenziell mobilisieren. Für jede der Parteien gilt: Je besser die jeweiligen Spitzenkandidat_innen bewertet werden, desto größer die Wahlneigungen der Nichtwähler_innen für die jeweiligen Parteien. Politische Sachfragen bestimmen die Wahlneigungen der Nichtwähler_innen hingegen nicht maßgeblich – in lediglich zwei Fällen lässt sich ein Effekt ausmachen. Für die Union und die AfD führt eine größere wahrgenommene inhaltliche Nähe zu einer erhöhten Neigung, die Partei zu wählen, allerdings auch nur in Bezug auf das Immigrationsthema. Die Irrtumswahrscheinlichkeit, dass die inhaltliche Nähe bezüglich dieser Sachfrage die Wahlneigungen der Nichtwähler_innen für die Unionsparteien und die AfD tatsächlich substantiell beeinflusst, ist jedoch sehr hoch. Das Migrationsthema war demnach, wenn überhaupt, deutlich weniger für die Wahlneigungen der Nichtwähler_innen relevant als die Bewertungen der Spitzenkandidat_innen der Parteien. 6 Genauere Informationen zu den Modellen und der verwendeten Variablen befinden sich im Anhang. Wenngleich die Wahlneigungen von Nichtwähler_innen also nicht durch konkrete Politikinhalte geprägt sind, so EMPIRISCHE SOZIALFORSCHUNG 10 20 Abbildung 10: Ergebnisse zur Struktur der Wahlneigungen von Nichtwähler_innen Steuern und Sozialstaat Zuwanderung Populismus/ Pluralismus Politiker_innenbewertungen Parteiidentifikation -0,5 0 0,5 1 CDU/CSU SPD AfD FDP Die Linke Bündnis 90/Die Grünen Erläuterung: Die Punkte repräsentieren die Effekte der jeweiligen Erklärungsvariablen auf die Wahlneigungen der Nichtwähler_innen für die Parteien. Werte im positiven Bereich für die Variablen„Steuern vs. Sozialstaat“,„Zuwanderung“ und„Populismus/Pluralismus“ bedeuten: Je größer die wahrgenommene Nähe zur jeweiligen Partei, desto höher ist die Wahlneigung. Positive Werte für die Variable„Politiker_innenbewertung“ bedeuten: Je positiver die Bewertung des_der Spitzenkandidat_in der jeweiligen Partei durch den_die Nichtwähler_in, desto höher ist die Wahlneigung. Positive Werte für die Variable„Parteiidentifikation“ bedeuten, dass Personen, die sich mit der jeweiligen Partei identifizieren, höhere Wahlneigungen für diese aufweisen als Personen, für die keine Parteiidentifikation für die jeweilige Partei vorliegt. Die horizontalen Linien stellen die 95 %-Konfidenzintervalle dar. Schließt ein Konfidenzintervall die Linie des Nullpunkts ein, so ist die Irrtumswahrscheinlichkeit, dass die jeweilige Variable tatsächlich im Zusammenhang mit der Verfügbarkeit der Nichtwähler_innen steht, hoch. In solchen Fällen kann ein zufälliges Zustandekommen des Effekts kaum ausgeschlossen werden. Zweite Wahl mit Potenzial? Die Struktur des politischen Wähler_Innenwettbewerbs von Union und SPD im Vergleich hatten jedoch populistische Einstellungen einen deutli21 chen Effekt. Nicht nur konnte die AfD viele ihrer Neuwähler_innen unter den bisherigen Nichtwähler_innen gewinnen(Wagner und Lichteblau 2019), sondern es spielte auch die relative Ähnlichkeit von persönlicher populistischer Einstellung und dem Populismusgrad der Partei eine Rolle für die Wahlneigungen der Nichtwähler_innen von 2017. Dies gilt zumindest für die Unionsparteien, FDP, Grüne und SPD, mithin für die eher nicht-populistischen Parteien: Nichtwähler_innen, die ebenfalls weniger populistisch eingestellt sind, neigen stärker zur Wahl einer dieser Parteien. Für die Höhe der Wahlneigungen von Nichtwähler_innen für die Linke und die AfD spielt populistische Ähnlichkeit hingegen keine Rolle. Neben den Bewertungen des Spitzenpersonals und populistischen Einstellungen spielen auch langfristige Parteiidentifikationen eine Rolle für prospektive Wahlneigungen der Nichtwähler_innen. Identifiziert sich eine Person mit einer Partei, wählt diese jedoch dennoch nicht, so wird die Wahrscheinlichkeit, diese Partei in Zukunft einmal zu wählen zum Teil deutlich höher eingeschätzt als diejenige einer Person, die sich mit keiner oder einer anderen Partei identifiziert. 7 Alles in allem deuten die Ergebnisse darauf hin, dass die Wahlneigungen der Nichtwähler_innen für die Parlamentsparteien nicht durch programmatische Veränderungen seitens der Parteien bezüglich sozioökonomischer und soziokultureller Sachfragen, im Konkreten hinsichtlich der Erhöhung von Steuern und Sozialabgaben zugunsten sozialstaatlicher Leistungen und der Restriktion von Zuwanderung, erhöht werden können. Die Potenziale der Parteien unter den Nichtwähler_innen im engen Sinne und der Wettbewerb um diese im weiten Sinne sind also nicht durch politische Inhalte bestimmt, sondern durch populistische Ähnlichkeiten, die Popularität des politischen Spitzenpersonals sowie langfristige Parteibindungen. Das Personal kann Nichtwähler_innen mobilisieren – je nachdem, wie es bewertet wird. Konkrete Positionen dagegen vermögen es nicht, Nichtwähler_innen zur Wahl einer der relevanten Parteien zu bringen. 7 Eine Ausnahme bildet hier die FDP. Der Wert für die FDP ist aufgrund der geringen Fallzahlen von Nichtwähler_innen, die sich mit ihr identifizieren, von einem sehr großen und die Null einschließenden Konfidenzintervall umgeben und gilt daher konventionell als nicht belastbar. EMPIRISCHE SOZIALFORSCHUNG 10 22 4. Zusammenfassung und Fazit Ausgangspunkt der vorliegenden Studie war die elektorale Schwäche der Volksparteien in vielen europäischen Staaten. Die Bundesrepublik Deutschland stellt bezüglich dieser Entwicklung keine Ausnahme dar – insbesondere sind es die Sozialdemokraten, die im Vergleich zu den Unionsparteien zunehmend Stimmen einbüßen mussten. Im ersten Teil unserer Untersuchung fragten wir nach der Ursache dieser Schwäche: Mangelt es der SPD vergleichsweise an Wähler_innenpotenzialen oder ist sie einfach weniger erfolgreich darin, ihre Potenziale in tatsächliche Stimmen umzusetzen? Die Analysen der Wahlneigungen der Bürger_innen zur Bundestagswahl 2017 brachten zunächst zutage, dass die beiden Volksparteien, Union und SPD, die größten Wähler_innenpotenziale in der Bevölkerung besaßen. Dabei waren jedoch die Wahlneigungen der Wahlberechtigten für die SPD und für die Unionsparteien ähnlich hoch. Die schlechte Performanz der SPD im Vergleich zur Union kann für 2017 also nicht mit einem geringeren Potenzial innerhalb der Bevölkerung begründet werden, sondern mit einer weniger erfolgreichen Realisierung. Letztere ähnelte hinsichtlich ihrer Potenzialausschöpfung eher derjenigen der kleineren Parteien(mit Ausnahme der AfD). Dies konnte durch Befunde plausibilisiert werden, die darauf hindeuten, dass die SPD nur jedermanns zweite Wahl zu sein scheint: Zum einen ist die Union häufiger die Erstpräferenz der Bürger_innen als die SPD; Letztere ist hingegen von allen Parteien diejenige, auf die am häufigsten die zweithöchsten Wahlneigungen fallen. Zum anderen verliert die SPD von allen Parteien am häufigsten, wenn es darum geht, die Stimmen von Personen zu gewinnen, die ihre stärkste Wahlneigung sowohl für die SPD als auch für eine oder mehrere andere Parteien haben. Bei gleich hohen Wahlneigungen entscheiden sich die Bürger_innen in der Regel also gegen die SPD(oder bleiben der Wahl fern). Das ungenutzte bzw. nicht realisierte Wähler_innenpotenzial der Sozialdemokraten ist groß und stellt damit eine Basis dar für eine elektorale Erholung in der Zukunft. Vor diesem Hintergrund widmete sich der zweite Teil der Studie dem zwischenparteilichen Wettbewerb. Wo bzw. unter den Wähler_innenschaften welcher anderen Parteien befinden sich die Potenziale der Unionsparteien, wo die der SPD? Wie war der Wettbewerb 2017 aus dieser Perspektive strukturiert? Die Untersuchungen der Verfügbarkeiten der Wähler_innen der anderen Parlamentsparteien zeigten, dass insbesondere Grünen- und LinkenWähler_innen hohe Wahlneigungen für die SPD bzw. ähnlich hohe wie für die jeweils gewählte Partei besitzen und in diesem Sinne verfügbar für die SPD waren. Auch das Potenzial der SPD unter den Unionswähler_innen war 2017 groß. Insgesamt steht die SPD in einem intensiven Wettbewerb um Wähler_innenstimmen, denn die Wähler_innen aller anderen Parteien, mit Ausnahme der AfD, sind auf hohem Niveau verfügbar für die SPD. Die Union besitzt im Vergleich zur SPD geringere Potenziale unter den Wähler_innenschaften der anderen Parteien, außer bei der FDP. Der Wettbewerb aus Perspektive der Volksparteien wurde 2017 inhaltlich von der Interessenrepräsentation der Parteien hinsichtlich der Frage der Höhe von Steuern und Abgaben und des Ausmaßes sozialstaatlicher Leistungen bestimmt sowie hinsichtlich der Frage nach der rechtlichen Regelung von Zuwanderung. Das den Wahlkampf zur Bundestagswahl 2017 dominierende soziokulturelle Thema der Zuwanderung spielte für den zwischenparteilichen Wettbewerb sowohl aus Sicht der SPD als auch der Union im Vergleich zum sozioökonomischen Thema eine untergeordnete Rolle. Interessanterweise war auch der Wettbewerb mit der AfD nicht durch das Migrationsthema strukturiert. SPD und Union wären durch Veränderungen ihrer Position bezüglich der Zuwanderungsfrage für das wenig verfügbare AfD-Elektorat demnach keine attraktiveren Wahloptionen, ihre geringen Potenziale unter dieser Wähler_innenschaft ließen sich dadurch nicht vergrößern, Stimmen sich also nicht(zurück)gewinnen, wie von einigen politischen Beobachter_innen und Kommentator_innen vermutet. Dagegen sind Themen wie Steuern und sozialstaatliche Leistungen, die im Bundestagswahlkampf vergleichsweise weniger prominent waren, zentral für den elektoralen Wettbewerb der Unionsparteien und der SPD. Die Zweite Wahl mit Potenzial? Die Struktur des politischen Wähler_Innenwettbewerbs von Union und SPD im Vergleich Volksparteien sind dann für die Wähler_innen anderer ler_innen allerdings nicht durch konkrete Politikinhalte 23 Parteien attraktiver, wenn sie deren Präferenzen in soziobestimmt. Umgekehrt impliziert das aber auch, dass den ökonomischen Fragen repräsentieren. Die SPD spricht bei Nichtwähler_innen nicht konkrete Politikinhalte fehlen, positionellen Ähnlichkeiten in diesem Bereich besonders es in diesem Sinne also keine Repräsentationslücken gibt, die Wähler_innenschaften von Grünen und Linken sowie durch deren Ansprechen sie zu mobilisieren wären. Für die von Union und AfD an, die CDU/CSU die Elektorate von Höhe der Wahlneigungen der Nichtwähler_innen für die SPD, FDP, Grünen und AfD. Damit sind die Wähler_innen Parteien sind populistische Einstellungen und insbesondeder Rechtspopulisten tendenziell eher für die Volksparteire wiederum die Bewertungen der Spitzenkandidat_innen en offen, wenn sie ihre Präferenzen mehr in Fragen von relevant. Es ist also eher unwahrscheinlich, dass PositionsSteuern, Abgaben und sozialstaatlichen Leistungen bei änderungen der Volksparteien die Kräfteverhältnisse im SPD respektive CDU/CSU widergespiegelt finden als in Parteiensystem über die Mobilisierung von Nichtwähler_ Fragen der Migration. Dass es insgesamt um diese Ausinnen ändern. Eine andere Konstellation von Spitzenkansichten jedoch schlecht steht, liegt an der dritten Dimendidat_innen vermag dies jedoch durchaus. sion des Wettbewerbs. So lassen sich mit Blick auf populistische Ähnlichkeiten starke Indizien dafür finden, dass vor allem ähnlich populistische bzw. nicht-populistische Parteien miteinander um Wähler_innenstimmen konkurrieren, während zwischen AfD auf der einen und SPD und Unionsparteien auf der anderen Seite kaum oder wenig elektoraler Wettbewerb stattfindet. Vor allem waren es jedoch die Bewertungen der Spitzenkandidat_innen, die die Verfügbarkeiten der Wähler_innen der anderen Parteien für die Union und die SPD und somit den zwischenparteilichen Wettbewerb bestimmten. Da Merkel im Vergleich zu Schulz deutlich beliebter war, waren auch die Wahlneigungen für die Union höher als diejenigen für die Sozialdemokraten. Wie wir gesehen haben, sind insbesondere für Letztere aber gerade sehr starke Wahlneigungen notwendig, um die Wähler_innenstimmen dann auch tatsächlich zu erhalten. Die geringere Potenzialausschöpfung der SPD im Vergleich zur Union und damit auch das schlechte Abschneiden der SPD kann somit stärker als auf Sachfragenpositionen auf die unterschiedliche Beliebtheit der Kanzlerkandidat_innen zurückgeführt werden – vor allem ein beliebterer Kandidat hätte der SPD geholfen, von allen anderen Parteien Stimmen zu gewinnen. Der letzte Teil unserer Studie widmete sich den Wahlneigungen bzw. den Potenzialen der Parteien unter den Nichtwähler_innen. Auch unter ihnen ergeben sich ähnlich hohe Wahlneigungen für beide Volksparteien, wenngleich auf niedrigerem Niveau als in der wahlberechtigten Gesamtbevölkerung und zugunsten der Unionsparteien. Die Wahlneigungen der Nichtwähler_innen und somit der Parteienwettbewerb um deren Mobilisierung ist im Gegensatz zum Wettbewerb um(potenzielle) WechselwähEMPIRISCHE SOZIALFORSCHUNG 10 24 Literatur Akkerman, Agnes, Mudde, Cas und Zaslove, Andrej (2014): How Populist Are the People? Measuring ­Populist Attitudes in Voters. In: Comparative Political Studies, 47, S. 1324–1353. Downs, Anthony(1957): An Economic Theory of Democracy. New York, Harper and Row. Giebler, Heiko und Wagner, Aiko(2019): Populistische Einstellungen. In: Sigrid Roßteutscher, Rüdiger ­Schmitt-Beck, Harald Schoen, Bernhard Weßels und Christof Wolf(Hrsg.): Zwischen Polarisierung und ­Beharrung: Die Bundestagswahl 2017. Baden-Baden: Nomos. Glinitzer, Konstantin und Jungmann, Nils(2019): Spitzenkandidaten. In: Sigrid Roßteutscher, Rüdiger SchmittBeck, Harald Schoen, Bernhard Weßels und Christof Wolf(Hrsg.): Zwischen Polarisierung und Beharrung: Die Bundestagswahl 2017. Baden-Baden: Nomos. 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Roßteutscher, Sigrid, Schmitt-Beck, Rüdiger, Schoen, ­Harald, Weßels, Bernhard, Wolf, Christof, Barkela, ­Berend, Bieber, Ina, Blinzler, Katharina, Blumenberg, Manuela, Blumenstiel, Jan Eric, Bucher, Hannah, Dietz, Melanie, Faas, Thorsten, Gärtner, Lea, Giebler, Heiko, Glinitzer, Konstantin, Gummer, Tobias, Heiber, Lilith, Huber, Sascha, Kratz, Agatha, Lichteblau, Josephine, Maier, Michaela, Maier, Jürgen, Melcher, Reinhold, Preißinger, Maria, Richter, Simon, Roßmann, Joss, ­Schackmann, Lena, Schäfer, Anne, Scherer, Philipp, Staudt, Alexander, Stövsand, Lars-Christopher, ­Stroppe, Anne-Kathrin, Wagner, Aiko und Wuttke, Alexander (2019): Zwischen Polarisierung und Beharrung: Die Bundestagswahl 2017. Baden-Baden, Nomos. Roßteutscher, Sigrid, Schmitt-Beck, Rüdiger, Schoen, ­Harald, Weßels, Bernhard, Wolf, Christof, Giebler, ­Heiko, Melcher, Reinhold und Wagner, Aiko(2018): Kandidatenstudie(GLES 2017), Köln, GESIS Daten­ archiv. Datenfile Version 3.0.0, doi:10.4232/1.13089. Roßteutscher, Sigrid, Schmitt-Beck, Rüdiger, Weßels, ­Bernhard, Wolf, Christof, Wagner, Aiko und Giebler, Heiko(2018): Nachwahl-Querschnitt(GLES 2017), Köln, GESIS Datenarchiv. Datenfile Version 4.0.0, doi:10.4232/1.13235. Schoen, Harald und Weins, Cornelia(2014): Der sozial­ psychologische Ansatz zur Erklärung von Wahlverhalten. In: Jürgen W. Falter und Harald Schoen(Hrsg.): Handbuch Wahlforschung. 2. Aufl. Opladen: VS Verlag für Sozialwissenschaften. Steiner, Nils D. und Landwehr, Claudia(2018): Populistische Demokratiekonzeptionen und die Wahl der AfD: Evidenz aus einer Panelstudie. In: Politische Viertel­ jahresschrift(PVJ), 59, S. 463–491. Tillie, Jean(1995): Party Utility and Voting Behavior. ­Amsterdam, Het Spinhuis. Van Der Eijk, Cees und Oppenhuis, Erik V.(1991): European Parties‘ Performance in Electoral Competition. In: European Journal of Political Research, 19, S. 55–80. 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Dabei handelt es sich um eine Face-to-face-Befragung von insgesamt 2.112 wahlberechtigten Personen. Für die Analyse der Struktur des zwischenparteilichen Wettbewerbs(Kapitel 3.2) und des Wettbewerbs um Nichtwähler_innen ziehen wir außerdem Daten der GLES-Kandidat_innenbefragung 2017(ZA6814) heran. Hierbei handelt es sich um eine online oder schriftlich durchgeführte Nachwahlbefragung der Kandidat_innen von CDU/CSU, SPD, AfD, FDP, Die Linke und Bündnis 90/Die Grünen zu verschiedenen Themenkomplexen. Um die Repräsentativität unserer Ergebnisse zu erhöhen, wurden für alle Analysen Anpassungsgewichte verwendet. Für eine detaillierte Beschreibung der Studien sowie die konkreten Frageformulierungen zu den von uns verwendeten Variablen(s. Tabelle A1, Tabelle A2) sei auf die jeweilige Studienbeschreibung verwiesen. A2 und A3 präsentieren die Ergebnisse der Regressionsmodelle, auf deren Grundlage Abbildung 6 und Abbildung 7(Kapitel 3.2) erstellt wurden. Berechnung von individuellen Verfügbarkeiten Die Berechnung der Verfügbarkeiten der Wähler_innen der anderen Parteien für die Union respektive die SPD erfolgt auf Grundlage der Wahlneigungen(PTV, propensity to vote) der Wähler_innen. Die Berechnungsformel, hier exemplarisch für die Verfügbarkeiten der Wähler_innen einer anderen gewählten Partei(„G“) für die CDU/CSU, lautet wie folgt: 1 –( PTV G – PTV CDU/CSU ), PTV CDU/CSU = 0 PTV CDU/CSU PTV G Verfügbarkeit CDU/CSU = 0, PTV CDU/CSU = 0 1, PTV CDU/CSU > PTV G Methodisches Vorgehen und verwendete ­Variablen für Kapitel 2 bis Kapitel 3.2 Um die Strukturiertheit des zwischenparteilichen Wettbewerbs aus Perspektive der Union bzw. der SPD zu untersuchen, wurden für die beiden Regierungsparteien je fünf lineare Regressionsmodelle berechnet – jeweils eines für den Wettbewerb mit jeder der anderen Konkurrenzparteien. Die abhängigen Variablen sind die individuellen Verfügbarkeiten der Wähler_innen der jeweiligen Konkurrenzpartei für die Union bzw. die SPD. Die unabhängigen Variablen sind die relative Nähe von Union bzw. SPD und der jeweils gewählten Partei zur befragten Person im Hinblick auf sozioökonomischen Sachfragen wie Steuern und Sozialabgaben, die relative Nähe im Hinblick auf soziokulturelle Fragen wie Zuwanderung, die relative populistische Ähnlichkeit der Parteien, die Bewertung der Spitzenkandidat_innen durch die Befragten sowie die Parteiidentifikation der Befragten. Die Operationalisierung der Variablen wird im Folgenden und in Tabelle A1 erläutert. Tabellen wobei PTV G die Wahlneigung für die gewählte Partei darstellt. Ist die Wahlneigung für die CDU/CSU null, so nimmt das Verfügbarkeitsmaß ebenfalls den Wert null an; der Wähler oder die Wählerin der jeweilig anderen Partei ist in diesem Fall also nicht für die CDU/CSU verfügbar. Ist die Wahlneigung für die Union größer als für die gewählte Partei, so nimmt das Maß den Maximalwert von eins an. Für weiterführende Informationen dazu siehe Wagner (2017) sowie Wagner und Lichteblau(2020 i. E.). Berechnung von relativer Nähe zwischen den Parteien Um die relative Nähe von Union bzw. SPD und der ­jeweils gewählten Partei bezüglich der konkreten sozioökonomischen und soziokulturellen Sachfragen, Steuern/­ Sozialstaat und Zuwanderung, zu ermitteln, berechnen wir quadrierte Distanzen zwischen der Position des Befragten und den Positionen von sowohl Union bzw. SPD als auch der jeweils gewählten Partei. Die Parteipositionen EMPIRISCHE SOZIALFORSCHUNG 10 26 werden über die wahrgenommenen Parteipositionen der Befragten ermittelt. Die Berechnungsformel, exemplarisch für die SPD, ist folgende: relative Nähe SPD/G =( P ego – P G ) 2 –( P ego – P SPD ) 2 , wobei P ego die Position des Befragten und P G die wahrgenommene Position der gewählten Partei zur jeweiligen Sachfrage darstellt. Die populistische Ähnlichkeit zwischen Union bzw. SPD und gewählter Partei wird analog dazu auf Basis der populistischen Einstellung der Befragten(nach Giebler und Wagner 2019) und des jeweiligen Populismusgrads der Parteien(nach Lewandowsky et al. 2016) berechnet. Zweite Wahl mit Potenzial? Die Struktur des politischen Wähler_Innenwettbewerbs von Union und SPD im Vergleich Tabelle A1: Übersicht der verwendeten Variablen für Kapitel 1 bis Kapitel 3.2 27 Name Wahlneigung Beschreibung Wahrscheinlichkeit, jemals für eine bestimmte Partei zu stimmen. Frageformulierung: „Es gibt eine Reihe von politischen Parteien in Deutschland. Jede davon würde gerne Ihre Stimme bekommen. Geben Sie bitte für jede der folgenden Parteien anhand dieser Skala an, wie wahrscheinlich es ist, dass Sie diese Partei jemals wählen würden.“ Kodierung Von 0(„würde diese Partei mit Sicherheit nicht wählen“) bis 1(„würde diese Partei mit Sicherheit wählen“) CDU CSU SPD Die Linke Die Grünen FDP AfD Wahlentscheidung Verfügbarkeit für die CDU/CSU bzw. die SPD Steuern vs. Sozialstaat Zuwanderung Populismus/­ Pluralismus Die Wahlneigungen für die CDU und CSU wurden in einer Variablen zusammengefasst, d. h. Befragten aus Bayern wurde der Wert für die CSU, Befragten aus den anderen Bundesländern der jeweilige Wert für die CDU zugewiesen. Wahlentscheidung(Zweitstimme) bei der Bundestagswahl 2017 Verfügbarkeit eines_einer Wähler_in der SPD, AfD, FDP, der Linken oder der Grünen für die Unionsparteien bzw. eines_einer Wähler_in der CDU/CSU, AfD, FDP, der Linken oder der Grünen für die SPD. Die Berechnung erfolgt auf Grundlage der Wahlneigungen für die CDU/CSU bzw. SPD und die jeweilige gewählte Partei. Relative Nähe von Union bzw. SPD und der jeweils gewählten Partei zur befragten Person(quadrierte Distanzen); Frageformulierung: „Manche wollen weniger Steuern und Abgaben, auch wenn das weniger sozialstaatliche Leistungen bedeutet, andere wollen mehr sozialstaatliche Leistungen, auch wenn das mehr Steuern und Abgaben bedeutet.“„Wie stehen Ihrer Meinung nach die Parteien dazu, wenn Sie eine Skala von 1 bis 11 verwenden?“/„Und wie ist Ihre Position zum Thema Steuern und sozialstaatliche Leistungen?“ Relative Nähe von Union bzw. SPD und der jeweils gewählten Partei zur befragten Person(quadrierte Distanzen); Frageformulierung: „Jetzt geht es um Zuzugsmöglichkeiten für Ausländer. Sollten die Zuzugsmöglichkeiten für Ausländer erleichtert oder eingeschränkt werden?“„Wie stehen Ihrer Meinung nach die Parteien dazu, wenn Sie eine Skala von 1 bis 11 verwenden?“/„Und wie ist Ihre Position zum Thema Zuzugsmöglichkeiten für Ausländer?“ Relative Nähe von Union bzw. SPD und der jeweils gewählten Partei zur befragten Person; Die populistischen Einstellungen wurden Giebler und Wagner(2019) folgend anhand einer Reihe von Fragen der Wähler_innenbefragung zum Thema ermittelt. Die Bestimmung des Populismusgrads der Parteien erfolgte nach ­Lewandowsky et al.(2016) auf Basis der GLES-Kandidat_innenbefragung 2017. 1= CDU/CSU 2= SPD 3= AfD 4= FDP 5= Die Linke 6= Bündnis 90/Die Grünen Von 0 bis 1; je höher der Wert, desto größer die Verfügbarkeit des Befragten für die CDU/CSU bzw. die SPD Standardisierter Nähe-Index (Original von 0 bis 100); je höher der Wert, desto ähnlicher die Positionen Standardisierter Nähe-Index (Original von 0 bis 100); je höher der Wert, desto ähnlicher die Positionen Standardisierter Nähe-Index (Original von 0 bis 1); je höher der Wert, desto größer die Ähnlichkeit von populistischer Einstellung der_des Wählers_in und ­Populismusgrad der ­jeweiligen Partei EMPIRISCHE SOZIALFORSCHUNG 10 28 Name Beschreibung Tabelle A1(Fortsetzung) Kodierung Politiker_innen­ bewertungen Differenzial der Bewertung von Angela Merkel bzw. Martin Schulz und dem_ der Spitzenkandidat_in der jeweils gewählten Partei Frageformulierung: „Bitte sagen Sie mir nun, was Sie von einigen führenden Politikern halten. ­Benutzen Sie dafür bitte wieder die Skala von- 5 bis+ 5. Wenn Ihnen ein Politiker nicht ausreichend bekannt ist, brauchen Sie ihn natürlich nicht einzustufen. Was halten Sie von …?“ Angela Merkel Horst Seehofer Martin Schulz Alexander Gauland Christian Lindner Sahra Wagenknecht Dietmar Bartsch Cem Özdemir Katrin Göring-Eckardt Standardisiertes Differenzial (Original von-10 bis+10). Negative Werte bedeuten, dass Merkel bzw. Schulz schlechter bewertet wurden als der_die Kandidat_in der jeweils gewählten Partei. Positive Werte stehen für eine bessere Bewertung Merkels bzw. Schulz‘. Parteiidentifikation Für Die Linke und Bündnis 90/Die Grünen wurden die Mittelwerte der Bewertungen der jeweiligen Spitzenkandidat_innen verwendet. Die Bewertungen von Merkel und Seehofer wurden in einer Variablen zusammengefasst, d. h., Befragten aus Bayern wurde der Wert für Seehofer, Befragten aus den anderen Bundesländern der jeweilige Wert für Merkel zugewiesen. Identifikation des Befragten mit der jeweils gewählten Partei Frageformulierung: „In Deutschland neigen viele Leute längere Zeit einer bestimmten politischen Partei zu, obwohl sie auch ab und zu eine andere Partei wählen. Wie ist das bei Ihnen: Neigen Sie – ganz allgemein gesprochen – einer bestimmten Partei zu? Und wenn ja, welcher?“ 0= Parteiidentifikation für andere als gewählte oder keine Partei 1= Parteiidentifikation für gewählte Partei Tabelle A2: Ergebnisse der Regressionsmodelle für die Verfügbarkeiten der Wähler_innen der anderen ­Parteien für die SPD Union Steuern vs. Sozialstaat 0,03* (0,01) Zuwanderung 0,02 (0,01) Populismus/­Pluralismus 0,04** (0,01) Politiker_innen­ bewertungen -0,09*** (0,01) Parteiidentifikation-0,09** (0,03) Konstante 0,79*** (0,02) Beobachtungen 394 Korrigiertes R2 0,22 AfD 0,08** (0,03) 0,04 (0,03) 0,03 (0,03) -0,17*** (0,04) -0,05 (0,07) 0,59*** (0,05) 98 0,34 FDP -0,02 (0,02) 0,08*** (0,02) 0,02 (0,02) -0,13*** (0,02) -0,11* (0,04) 0,73*** (0,03) 156 0,31 Linke 0,05** (0,02) 0,01 (0,02) 0,04* (0,02) -0,09*** (0,02) -0,04 (0,04) 0,81*** (0,03) 149 0,20 Grüne 0,03** (0,01) 0,03** (0,01) 0,03* (0,01) -0,05*** (0,01) -0,03 (0,02) 0,89*** (0,02) 183 0,30 Standardfehler in Klammern. Koeffizienten sind standardisiert. * p< 0,05,** p< 0,01,*** p< 0,001. Die p-Werte geben die Irrtumswahrscheinlichkeit an, R² bezeichnet den Anteil der Varianz der zu erklärenden Variable, der durch die verwendeten Variablen erklärt wird. Zweite Wahl mit Potenzial? Die Struktur des politischen Wähler_Innenwettbewerbs von Union und SPD im Vergleich Tabelle A3: Ergebnisse der Regressionsmodelle für die Verfügbarkeiten der Wähler_innen der anderen 29 ­Parteien für die CDU/CSU Steuern vs. Sozialstaat Zuwanderung Populismus/Pluralismus Politiker_innen­ bewertungen Parteiidentifikation Konstante Beobachtungen Korrigiertes R2 SPD 0,05 (0,02) 0,01 (0,02) 0,03 (0,02) -0,11 (0,02) -0,14 (0,04) 0,71 (0,03) 276 0,25 AfD ** 0,09 (0,03) 0,06 (0,03) 0,04 (0,04) ***-0,10 (0,04) ***-0,05 (0,07) *** 0,67 (0,05) 101 0,28 FDP ** 0,04 (0,01) 0,02 (0,02) 0,04 (0,02) **-0,08 (0,01) -0,07 (0,03) *** 0,89 (0,02) 155 0,41 Linke *** 0,01 (0,03) 0,12 (0,02) ** 0,01 (0,03) ***-0,14 (0,03) *-0,08 (0,05) *** 0,54 (0,03) 148 0,33 Grüne 0,07*** (0,02) *** 0,04 (0,02) -0,01 (0,02) ***-0,09*** (0,02) -0,09* (0,04) *** 0,72*** (0,03) 186 0,27 Standardfehler in Klammern. Koeffizienten sind standardisiert. * p< 0,05,** p< 0,01,*** p< 0,001. Die p-Werte geben die Irrtumswahrscheinlichkeit an, R² bezeichnet den Anteil der Varianz der zu erklärenden Variable, der durch die verwendeten Variablen erklärt wird. Methodisches Vorgehen und verwendete ­Variablen für Kapitel 3.3 Für die Untersuchung der Strukturiertheit des Wettbewerbs der Parteien um Nichtwähler_innen wurde für jede der sechs Parteien ein Regressionsmodell berechnet, in dem die Wahlneigungen der Nichtwähler_innen für die jeweils betrachtete Partei auf die Ähnlichkeiten der Nichtwähler_innenposition mit der wahrgenommenen Parteiposition hinsichtlich der Steuer- und der Zuwanderungsfrage, die Ähnlichkeit der Stärke der populistischen Einstellung des_der Nichtwähler_in mit dem Populismusgrad der jeweiligen Partei, die Bewertungen der Spitzenkandidat_innen sowie die Parteiidentifikation zurückgeführt wurde. Die Operationalisierung der Variablen wird in Tabelle A4 präsentiert; die Ergebnisse der Regressionsmodelle, auf denen Abbildung 10 beruht, in Tabelle A5. EMPIRISCHE SOZIALFORSCHUNG 10 30 Tabelle A4: Übersicht der verwendeten Variablen für Kapitel 3.3 Name Wahlneigung Nichtwähler_in Steuern vs. Sozialstaat Zuwanderung Populismus/Pluralismus Politiker_innen­ bewertungen Parteiidentifikation Beschreibung s. o. Wahlbeteiligung an der Bundestagswahl 2017 Ähnlichkeit zwischen Nichtwähler_inposition und wahrgenommener Parteiposition; Frageformulierung s. o. Ähnlichkeit zwischen Nichtwähler_inposition und wahrgenommener Parteiposition; Frageformulierung s. o. Ähnlichkeit zwischen der Stärke der populistischen Einstellung des_der Nichtwählers_in und dem Populismusgrad der jeweiligen Partei(s. o.). Bewertung des_der jeweiligen Spitzenkandidat_in der Parteien; Frageformulierung s. o. Nichtwähler_in identifiziert sich mit der jeweils betrachteten Partei Frageformulierung s. o. Kodierung s. o. 1= Nichtwähler_in 0= Wähler_in s. o. s. o. s. o. Von 0(„halte überhaupt nichts von dieser Person“) bis 10(„halte sehr viel von dieser Person“) 0= Parteiidentifikation für andere oder keine Partei 1= Parteiidentifikation für die jeweils betrachtete Partei Tabelle A5: Ergebnisse der Regressionsmodelle für die Wahlneigungen der Nichtwähler_innen Union Steuern vs. Sozialstaat-0,04 (0,03) Zuwanderung 0,06* (0,03) Populismus/Pluralismus 0,06* (0,02) Politiker-/Politikerinnen­ 0,11*** bewertungen (0,03) Parteiidentifikation 0,21*** (0,06) Konstante 0,44*** (0,03) Beobachtungen 125 Korrigiertes R2 0,38 SPD 0,01 (0,03) 0,02 (0,03) 0,08*** (0,02) 0,09*** (0,02) 0,42*** (0,06) 0,41*** (0,02) 115 0,51 AfD -0,04 (0,04) 0,08* (0,04) -0,02 (0,04) 0,16*** (0,04) 0,51 (0,11) 0,27*** (0,04) 52 0,53 FDP 0,01 (0,03) -0,01 (0,02) 0,04 (0,03) 0,15*** (0,03) 0,10*** (0,26) 0,33*** (0,03) 79 0,30 Linke -0,01 (0,03) -0,03 (0,03) 0,01 (0,03) 0,14*** (0,03) 0,46*** (0,12) 0,29*** (0,03) 90 0,34 Grüne 0,02 (0,03) 0,05 (0,03) 0,08** (0,03) 0,09** (0,03) 0,39* (0,15) 0,31*** (0,02) 96 0,36 Standardfehler in Klammern. Koeffizienten sind standardisiert. * p< 0,05,** p< 0,01,*** p< 0,001. Die p-Werte geben die Irrtumswahrscheinlichkeit an, R² bezeichnet den Anteil der Varianz der zu erklärenden Variable, der durch die verwendeten Variablen erklärt wird. Zweite Wahl mit Potenzial? Die Struktur des politischen Wähler_Innenwettbewerbs von Union und SPD im Vergleich Autor_innen 31 Josephine Lichteblau ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB) in der Abteilung„Demokratie und Demokratisierung“. Sie arbeitet in der German Longitudinal Election Study(GLES). Ihre Forschungsschwerpunkte sind elektoraler Wettbewerb und politisches Verhalten. Dr. Aiko Wagner vertritt derzeit die Professur„Vergleichende Politikwissenschaft“ an der Universität Potsdam. Zuvor arbeitete er als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung(WZB) in der Abteilung„Demokratie und Demokratisierung“ in der German Longitudinal Election Study(GLES). Seine Forschungsschwerpunkte umfassen den politischen Wettbewerb, Populismus, Wahl- und Parteiensysteme, politisches Verhalten sowie Repräsentation. EMPIRISCHE SOZIALFORSCHUNG 10 ISBN 978-3-96250-453-3