Rainer Faus, Leonie Schulz HAMBURGS THEMEN – HAMBURGS ZUKUNFT Ergebnisse einer repräsentativen Umfrage Julius-Leber-Forum FRIEDRICH-EBERT-STIFTUNG – HAMBURGS THEMEN – HAMBURGS ZUKUNFT Die Friedrich-Ebert-Stiftung Die Friedrich-Ebert-Stiftung(FES) wurde 1925 gegründet und ist die traditionsreichste politische Stiftung Deutschlands. Dem Vermächtnis ihres Namensgebers ist sie bis heute verpflichtet und setzt sich für die Grundwerte der Sozialen Demo­ kratie ein: Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität. Ideell ist sie der Sozialdemokratie und den freien Gewerkschaften verbunden. Die FES fördert die Soziale Demokratie vor allem durch: – politische Bildungsarbeit zur Stärkung der Zivilgesellschaft – Politikberatung – internationale Zusammenarbeit mit Auslandsbüros in über 100 Ländern – Begabtenförderung – das kollektive Gedächtnis der Sozialen Demokratie mit u. a. Archiv und Bibliothek Das Julius-Leber-Forum ist das Regionalbüro der Friedrich-Ebert-Stiftung für die Bundesländer Bremen, Hamburg und Schleswig-Holstein. Seit 1995 bieten wir in diesen drei Ländern Veranstaltungen zur politischen Bildung an: von öffentlichen Diskussionsforen über Ausstellungen, Exkursionen und Jugend­beteiligungsprojekte bis hin zu Kompetenztrainings und Wochenendseminaren. REPRÄSENTATIVE UMFRAGE UNTER HAMBURGER BÜRGER_INNEN Rainer Faus, Leonie Schulz HAMBURGS THEMEN – HAMBURGS ZUKUNFT Ergebnisse einer repräsentativen Umfrage INHALT VORWORT DES HERAUSGEBERS 2 1. HAMBURGS ZUKUNFT: WAS MÜSSEN WIR HEUTE FÜR MORGEN TUN? 3 2. STIMMUNG UND LEBENSQUALITÄT IN HAMBURG 4 3. HAMBURGISCHE IDENTITÄT 8 4. DIE WICHTIGSTEN ZUKUNFTSTHEMEN IN HAMBURG 10 4.1 Wohnen und Wachstum 11 4.2 Verkehr 14 4.3 Schulen/Bildung 16 4.4 Kinderbetreuung 17 4.5 Umwelt- und Klimaschutz 17 4.6 Wirtschaft 18 4.7 Integration 18 4.8 Sicherheit/Kriminalitätsbekämpfung 19 5. FAZIT: GEMEINSAMER KURS IN DIE ZUKUNFT 20 Die Autorin, der Autor 22 Abbildungsverzeichnis 23 FRIEDRICH-EBERT-STIFTUNG – HAMBURGS THEMEN – HAMBURGS ZUKUNFT 2 VORWORT DES HERAUSGEBERS Seit Jahrzehnten beobachten Soziolog_innen eine Ausdiffe­ renz­­ier­ung der deutschen Gesellschaft und die Auflösung weit­gehend homogener Milieus, in denen ähnliche politische Einstellungen vorzufinden sind. Diese gesellschaftliche Aus­ differenzierung hat neben einer sozialen und einer kulturellen auch eine geografische Dimension, die bundesweite Befragungen mit 2.000 Befragten nicht erfassen können. Einstel­ lungs­u­nter­schie­de auf engem Raum bleiben so verborgen, weshalb Region­ alstudien die großen bundesweiten Einstellungsuntersuchungen sinnvoll ergänzen können. Gerade Großstädte bieten sich dafür an, denn sie zeigen wie in einem Brennglas gesellschaftliche Entwicklungen, die zeitversetzt das ganze Land betreffen. Umso wichtiger ist es, die politischen Einstellungen einer Großstadt wie in diesem Fall Hamburg zu erfahren und mögliche politische Sollbruch­ stellen zu identifizieren. Um die Fragen zu beantworten, was speziell die Hamburger Bürger_innen politisch beschäftigt, wie sie auf ihre Stadt und deren laufende Veränderung blicken und was sie der Stadt­ politik raten, legt das Julius-Leber-Forum der Friedrich-EbertStiftung diese Studie vor. Jede Politik, die den Menschen in den Mittelpunkt stellen möchte, muss wissen, welche Themen und Probleme die Bürger_innen gerade umtreiben. Und nur wer weiß, was die Menschen über Politik und über ihre Region denken, kann ein politisches Bildungsangebot entwickeln, das thematisch und methodisch anspricht. Beides ist wichtiger denn je in einer Zeit des Verlusts von Vertrauen in politische Organisationen. Die parlamentarische Demokratie steht unter Druck und eine rechtspopulistische Bewegung träumt von einem Systemwechsel. Die Politik der demokratischen Parteien muss angesichts dessen mehr denn je sowohl die konkreten Alltagssorgen der Menschen lösen als auch das eigene Tun verständlich und dialogisch kommunizieren, damit sich Politikverdrossenheit nicht in Demokratieabkehr steigert. Somit trägt die vorliegende Studie sowohl zur gemeinwohl­ orientierten Politikberatung als auch zur Schärfung der eigenen politischen Bildungsarbeit der Friedrich-Ebert-Stiftung bei. Ich wünsche der Studie viele Leser_innen, die nach der Lektüre der Ergebnisse miteinander und mit der Hamburger Politik über die Themen und die Zukunft der Stadt diskutieren. Denn nur in einem fundierten Dialog kann eine de­mo­kratische und sozial gerechte Zukunft gedanklich ent­wickelt und politisch gestaltet werden. Dr. Dietmar Molthagen Friedrich-Ebert-Stiftung Leiter Julius-Leber-Forum REPRÄSENTATIVE UMFRAGE UNTER HAMBURGER BÜRGER_INNEN 3 1. HAMBURGS ZUKUNFT: WAS MÜSSEN WIR HEUTE FÜR MORGEN TUN? In Hamburg leben so viele Menschen wie nie zuvor. Die Hansestadt nähert sich aufgrund der hohen Geburtenrate und des Zuzugs von Personen aus dem In- und Ausland der Marke von zwei Millionen Einwohner_innen. 1 Mit dem Wachstum der Einwohner_innenzahl nehmen auch die Herausfor­ derungen zu: Hält das Angebot an Wohnraum, Kita- und Schulplätzen, Arbeitsplätzen und Mobilität dem Wachstum stand? Wie nehmen Hamburgs Bürger_innen die Veränderungen in der wachsenden Metropole wahr? Geht es in der Stadt gerecht zu und wie steht es um den gesellschaftlichen Zusammenhalt? Bleibt die Lebensqualität erhalten? In welchen Bereichen sehen die Hamburger_innen Handlungsbedarf? Welche Themen sind ihnen wichtig und welche Wünsche haben sie an die Politik? Diesen Fragen widmet sich diese Studie des Julius-Leber-Forums der Friedrich-Ebert-Stiftung. Grundlage der Studie ist eine quantitative Bevölkerungsbe­ fragung, die zwischen dem 18. März und 3. April 2019 durchgeführt wurde. Die Grundgesamtheit der Stichprobe von n= 1.565 Befragten bildet die bei den Bürgerschaftswahlen in Hamburg wahlberechtigte Bevölkerung ab 16 Jahren. Die Daten wurden mittels einer Kombination aus telefonischer Befragung und Online-Befragung erhoben. 1.100 Wahlberechtigte wurden mittels computergestützter telefonischer Interviews befragt(CATI-Methode, ADM-Festnetzstichprobe), 465 Wahlberechtigte mittels einer Online-Befragung(CAWIMethode, quotierte Stichprobenziehung aus Online-AccessPanel). Die durchschnittliche Befragungsdauer lag bei 18 Minu­ ten. Zur Gewährleistung der Repräsentativität wurden die Daten nach amtlicher Statistik gewichtet. 1 Statistisches Amt für Hamburg und Schleswig-Holstein(2019): Statistik informiert... Nr. 89/2019. Bevölkerungswachstum setzt sich fort, https://www.statistiknord.de/zahlen-fakten/bevoelkerung/bevoelkerungsstand-und-entwicklung/dokumentenansicht/bevoelkerungsprognose-fuer-hamburg-61317(22.07.2019). FRIEDRICH-EBERT-STIFTUNG – HAMBURGS THEMEN – HAMBURGS ZUKUNFT 4 2. STIMMUNG UND LEBENSQUALITÄT IN HAMBURG In verschiedenen Städterankings landet Hamburg immer wieder auf den vorderen Plätzen, wird mal als„Lieblingsstadt der Deutschen“ 2 , mal als„Deutschlands grünste Million­ enstadt“ 3 oder auch„die lebenswerteste Stadt Deutschlands“ 4 gelistet. Dass Hamburg eine hohe Lebensqualität bietet, wissen die Einwohner_innen wohl längst und bestätigen das weitverbreitete positive Bild ihrer Stadt: 97 Prozent der Hamburger_ innen geben an, gerne in ihrer Stadt zu leben, und zwar unabhängig davon, ob sie in Hamburg geboren, aufgewachsen oder erst später hinzugezogen sind, und auch unabhängig davon, in welchem Stadtbezirk sie leben. Was zeichnet die hohe Lebensqualität der Stadt aus? Die Gründe sind vielfältig, wie Abbildung 1 zeigt. Abbildung 1 Lebensqualität in Hamburg Bitte sagen Sie mir für jede dieser Aussagen, ob Sie voll und ganz zustimmen, eher zustimmen, eher nicht zustimmen oder überhaupt nicht zustimmen. stimme überhaupt nicht zu stimme eher nicht zu stimme eher zu Hamburg hat ein gutes Freizeit- und Kulturangebot. Hamburg hat attraktive Parks und Grünanlagen. Hamburg ist modern und innovativ. 4 % 30 % 7 % 6 % 32 % 9 % 8 % 43 % Hamburg bietet gute berufliche Perspektiven. Alles in allem fühle ich mich in Hamburg sicher. 7 % 6 % 39% 14 % 10 % 42% In Hamburg kann man gut alt werden. In Hamburg kann man gut eine Familie gründen und Kinder großziehen. 21 % 17 % 26 % 22 % Basis: alle Wahlberechtigten. Fehlende Werte: weiß nicht/keine Angabe. 38 % 42 % stimme voll und ganz zu 65 % 95 % 60 % 92 % 47 % 90 % 49 % 88 % 43 % 85 % 38 % 76 % 26 % 68 % 2 Schmidt, Matthias(2016):(Un)Attraktivste Städte: Imageverlust für Köln und Dresden, Berlin umstritten, https://yougov.de/news/2016/02/06/unattraktivstestadte-imageverlust-fur-koln-und-dr/(22.07.2019). 3 Tröger, Julius et al.(2016): Das sind Deutschlands grünste Großstädte, https://interaktiv.morgenpost.de/gruenste-staedte-deutschlands/(23.07.2019). 4 Spiegel Online(2017): Hamburg ist die lebenswerteste Stadt Deutschlands, https://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/hamburg-ist-die-lebenswerteste-stadtin-deutschland-staedte-raenking-a-1163112.html(23.07.2019). REPRÄSENTATIVE UMFRAGE UNTER HAMBURGER BÜRGER_INNEN 5 Unumstritten ist mit 95 Prozent Zustimmung das gute Freizeit- und Kulturangebot Hamburgs. Ebenso herrscht Einigkeit, dass das Bild der grünen Metropole seine Berechtigung hat. 92 Prozent der Befragten stimmen der Aussage zu, dass Hamburg seinen Bürger_innen attraktive Parks und Grünanlagen bietet. Das Image der Metropole am Puls der Zeit wird von einer breiten Mehrheit bestätigt: Neun von zehn Hamburger_innen nehmen die Stadt als modern und innovativ wahr. Auch den Arbeitsmarkt nehmen Hamburger_innen positiv wahr. 88 Prozent stimmen der Aussage zu, die Stadt biete gute berufliche Perspektiven. Jüngere Hamburger_innen unter 40 Jahren sehen dies mit 92 Prozent Zustimmung noch etwas positiver als ihre älteren Mitbürger_innen. Kleine Unterschiede zeigen sich entlang der formalen Bildung. Zwar schätzt ein Großteil der Bürger_innen mit Hauptschulabschluss die beruflichen Perspektiven in der Stadt als gut ein(82 Prozent Zustimmung), unter Bürger_innen mit Abitur oder Fachhochschulreife ist der Anteil mit 92 Prozent jedoch am höchsten. Ein weiterer Aspekt, der vermutlich für viele Bürger_innen zur Zufriedenheit mit ihrer Stadt beiträgt, ist die Sicherheit. 85 Prozent fühlen sich in Hamburg sicher, nur 14 Prozent der Hamburger_innen können dieser Aussage eher nicht oder überhaupt nicht zustimmen. Dieses fehlende Sicherheitsgefühl ist nicht geschlechtsspezifisch und unterscheidet sich nicht signifikant zwischen den verschiedenen Altersgruppen. Stärkere Varianz zeigt sich bei der Betrachtung entlang der Hamburger Bezirke. Bürger_innen aus dem Bezirk Altona fühlen sich am sichersten(91 Prozent Zustimmung zur Aussage, acht Prozent Ablehnung). Am geringsten ist das Sicher­heitsgefühl unter Bürger_innen aus den Bezirken Bergedorf und Harburg ausgeprägt(77 Prozent Zustimmung, 22 Prozent Ablehnung). 5 Ist die moderne Stadt, die in der Wahrnehmung der Bürger_innen gute Jobperspektiven bereithält und durch einen hohen Freizeitwert besticht, auch der richtige Ort zum Altwerden? Rund drei von vier Hamburger_innen bejahen diese Aussage. Insbesondere ältere Bürger_innen über 60 Jahre stimmen dieser Aussage noch häufiger zu(81 Prozent Zustimmung) und bestätigen somit die Annahme ihrer jüngeren Mitbürger_innen, dass die Stadt auch im Alter ein attraktiver Wohnort sein wird. Größere Uneinigkeit herrscht bezüglich der Frage, ob Hamburg der richtige Ort ist, um eine Familie zu gründen und Kinder großzuziehen. Für rund zwei Drittel der Hamburger_innen lautet auch hier die Antwort„Ja“. Diese Perspektive wird von Frauen wie Männern, Jüngeren und Älteren im gleichen Maße geteilt. Hamburger_innen, die die Entscheidung für Kinder bereits getroffen haben, bestätigen die Aussage, in Hamburg könne man gut eine Familie gründen und Kinder großziehen, mit 75 Prozent Zustimmung noch häufiger als Kinderlose. Abbildung 2 Zukunftsperspektive Ich habe Angst, mir das Leben in Hamburg in Zukunft nicht mehr leisten zu können. stimme überhaupt nicht zu stimme eher nicht zu stimme eher zu stimme voll und ganz zu alle 47 % 17 % 30 % Mieter_innen 39 % 13 % 26 % Eltern 41 % 13 % 28 % 16–39 Jahre 38 % 10 % 28 % Alter 40–59 Jahre 45 % 15 % 30 % 60 Jahre und älter 61 % 29 % 32 % Haushaltsnettoeinkommen unter 2.000  € 39 % 12 % 27 % 2.000  € –3.000  € 44 % 14 % 30 % über 3.000  € 57 % 23 % 34 % Basis: alle Wahlberechtigten. Fehlende Werte: weiß nicht/keine Angabe. 31 % 20 % 51 % 35 % 24 % 59 % 36 % 22 % 58 % 38 % 23 % 61 % 32 % 22 % 54 % 22 % 15 % 37 % 34 % 25 % 59 % 33 % 22 % 55 % 31 % 12 % 43 % 5 Aufgrund der niedrigen Zahl von Befragten pro Bezirk(jeweils rund 220) sind die Zahlenangaben in Bezirksvergleichen lediglich Tendenzen und können nicht beanspruchen, für alle Bewohner_innen eines Hamburger Bezirks repräsentativ zu sein. Die Repräsentativität gilt nur für die Ergebnisse für ganz Hamburg. FRIEDRICH-EBERT-STIFTUNG – HAMBURGS THEMEN – HAMBURGS ZUKUNFT 6 Trotz relativ guter Stimmungslage klingt die Frage, ob man sich Hamburg in Zukunft noch leisten kann, für viele bedrohlich. Denn rund jede_r Zweite hat Angst, sich das Leben in Hamburg irgendwann nicht mehr leisten zu können. Die Angst ist vor allem bei jüngeren Bürger_innen(61 Prozent) und Eltern(58 Prozent) präsent. Auch unter Mieter_innen (59 Prozent) und Bürger_innen mit geringeren Einkommen (59 Prozent) zeigt sich eine überdurchschnittliche Sorge. Selbst bei höheren Einkommen ist diese recht ausgeprägt (43 Prozent Zustimmung). Die große geteilte Sorge unter Mieter_innen und Eltern gibt einen ersten Hinweis darauf, wo in Hamburg für einige der Schuh drückt. Beide Gruppen befinden sich in Lebenslagen, in denen räumliche Mobilität und räumliche Veränderungen und somit die Abhängigkeit vom Wohnungsmarkt besonders bedeutsam sind. Dieses Thema wird im Folgenden noch eine große Rolle spielen. Werden schon heute die richtigen Maßnahmen ergriffen, um auch morgen ein gutes Leben für alle Hamburger Bürger_innen zu garantieren? 57 Prozent der Bürger_innen zeigen sich hier optimistisch und geben an, dass sich die Dinge in Hamburg momentan eher in die richtige als in die falsche Richtung bewegen. Dieser Wert sticht vor allem im Vergleich mit anderen Bundesländern als besonders positiv hervor. Auch im Bundestrend überwiegen im Vergleichszeitraum negative Zukunftserwartungen. Die positive Erwartung der zukünftigen Entwicklung wird zum einen der guten,„vernünftig hanseatischen“ politischen Führung der Stadt zugeschrieben, zum anderen aber, unabhängig von Verwaltung oder Regierung, mit der Mentalität der Hamburger_innen selbst begründet. Hamburger_innen zeichnen sich in der Selbstwahrnehmung der Befragten durch hohes bürgerschaftliches Engagement aus, seien weltoffen, vielfältig und machten die Stadt dadurch zu einem bunten und aufgeschlossenen Ort. Darauf sind viele stolz und das schafft Zuversicht für eine positive Entwicklungsperspektive. Spürbar positive Zukunftssignale geben einigen Hamburger_ innen zudem aktuelle Investitionen in die Stadtentwicklung und viele im Stadtbild sichtbare Baumaßnahmen. Es herrscht das Gefühl, dass die Politik in Hamburg viele richtige Entscheidungen treffe und die Entwicklung aktiv gestalte, anstatt ihr hinterherzurennen. Abbildung 3 Stimmung in Hamburg Würden Sie sagen, dass sich die Dinge in Hamburg ganz allgemein eher in die richtige oder eher in die falsche Richtung entwickeln? Frauen Männer 16–39 Jahre 40–59 Jahre 60 Jahre und älter Altona Bergedorf/Harburg Wandsbek Hamburg-Nord Eimsbüttel Hamburg-Mitte Basis: alle Wahlberechtigten. 57 % 58 % 60 % 52 % 60% 63 % 59 % 57 % 57 % 56 % 53 % 57 % 31 % 12 % in die richtige Richtung in die falsche Richtung weiß nicht/keine Angabe Frauen Männer 30 % 32 % 16–39 Jahre 40–59 Jahre 60 Jahre und älter 29 % 38 % 25 % Altona Bergedorf/Harburg Wandsbek Hamburg-Nord Eimsbüttel Hamburg-Mitte 26 % 28 % 32 % 32 % 34 % 33 % REPRÄSENTATIVE UMFRAGE UNTER HAMBURGER BÜRGER_INNEN 7 Warum entwickeln sich die Dinge in Hamburg eher in die richtige Richtung? Es wird viel erneuert und modernisiert. Es wird gebaut und verbessert, wo es geht. Weil in der Politik vernünftig hanseatische Entscheidungen getroffen werden. Fast jede_r dritte Hamburger_in teilt die Ansicht der posi­ tiven Entwicklung jedoch nicht. Die unterschiedliche Beur­ teilung lässt sich nicht auf Geschlechts-, Alters- oder Einkom­ mensunterschiede zurückführen. Der am häufigsten genannte Grund einer negativen Zukunftserwartung ist das Wachstum der Stadt. Während ein Teil der Hamburger_innen in den Baustellen ein Zeichen für eine positive Entwicklung, für Modernisierung und Zukunftsorientierung sieht, erkennt ein anderer Teil darin eine Einschränkung der aktuellen Lebensqualität. Ebenso werden die Entwicklung auf dem Mietmarkt und die Sorge, dass in Zukunft nicht ausreichend bezahlbarer Wohnraum für alle Hamburger_innen vorhanden sein werde, als negative Entwicklung angeführt. Auch der Themenbereich Verkehr wird als ein zentrales Problem benannt. Die Themenfelder Wohnen, Verkehr und Wachstum werden in Kapitel 4 noch ausführlicher beleuchtet. Festzuhalten bleibt an dieser Stelle, dass das Wachstum der Stadt ein komplexes Thema ist, das die Bürger_innen unterschiedlich wahrnehmen und bewerten. Welche Bilanz ziehen die Bürger_innen der Hansestadt aktuell für die Arbeit des Senats? Wird häufiger das angesprochene Bild der soliden, hanseatischen Führung geteilt oder überwiegt Unzufriedenheit aufgrund der Begleiterscheinungen des Wachstums? 60 Prozent der Bürger_innen zeigen sich aktuell zufrieden mit der Arbeit des Senats, fünf Prozent davon sogar sehr zufrieden. Bei rund jedem/jeder Sechsten überwiegt Unzufriedenheit, ebenso viele geben eine neutrale Bewertung(Mittelwert 5 auf 11-Punkte-Skala von 0 bis 10) ab. Ältere Bürger_innen über 60 Jahre zeigen sich häufiger zufrieden als jüngere. Hamburger_innen mit höherer formaler Bildung sind häufiger zufrieden als solche mit niedriger formaler Bildung. Warum entwickeln sich die Dinge in Hamburg eher in die falsche Richtung? Von der grünen Stadt bleibt nichts mehr übrig, wenn alles zugebaut wird und überall Baustellen sind. Es leben immer mehr Menschen hier. Es gibt immer weniger Platz zum Leben und Wohnen. Abbildung 4 Zufriedenheit mit der Arbeit des Hamburger Senats Auf einer Skala von 0 für„völlig unzufrieden“ bis 10 für„völlig zufrieden“, wie zufrieden sind Sie ganz allgemein mit der Arbeit des Hamburger Senats? völlig unzufrieden(0–1) eher unzufrieden(2–4) eher zufrieden(6–8) völlig zufrieden(9–10) alle 17 % 14 % 55 % Basis: alle Wahlberechtigten. Fehlende Werte: neutral(5)/weiß nicht/keine Angabe. 5 % 60 % FRIEDRICH-EBERT-STIFTUNG – HAMBURGS THEMEN – HAMBURGS ZUKUNFT 8 3. HAMBURGISCHE IDENTITÄT Prägt das Wachstum auch den Charakter der Stadt und das Bild, das die Hamburger_innen von sich selbst haben? Im Rahmen der Studie wurde nach identitätsstiftenden Charakteristiken gefragt. Da Identität durch Vergleich entsteht, wurden die Hamburger_innen gebeten, einen Vergleich zum Rest der Bundesrepublik zu ziehen und folgenden Satz zu vervollständigen:„Im Vergleich zum Rest von Deutschland sind wir in Hamburg viel …“ Es zeigt sich ein deutliches Bild geteilter identitätsstiftender Attribute. Das Selbstbild der Hamburger_innen ist von Weltoffenheit und Toleranz geprägt. Diese Begrifflichkeiten können auch als Ausdruck der starken hanseatischen Prägung der Stadt gelesen werden. Darüber hinaus lassen sich in die hanseatische Klammer noch die gehäuft auftauchenden Begrifflichkeiten„kühler“,„liberaler“,„entspannter“,„gelassener“, „nördlicher“ und„zurückhaltender“ einordnen. Auch die verbreitete Wahrnehmung Hamburgs als grüne und lebenswerte Stadt schafft es in die Selbstbeschreibung der Hamburger_innen. Ebenso wird die gute wirtschaftliche Lage des Stadtstaats reflektiert und Hamburger_innen als„besser dran“,„wohlhabender“ und„reicher“ im Vergleich zum Rest Deutschlands beschrieben. Nach negativen geteilten Zuschreibungen muss hingegen mit der Lupe gesucht werden. Vereinzelt tauchen Begrifflichkeiten wie„arroganter“ und„hochnäsiger“ auf. Im Rahmen der Studie wurden die Befragten ebenfalls nach einer Entscheidung zwischen zwei Sichtweisen gefragt, die sich verkürzt als Weltoffenheit versus Tradition umschreiben lassen. Abbildung 5 Hamburgische Identität Bitte vervollständigen Sie folgenden Satz: Im Vergleich zum Rest von Deutschland sind wir in Hamburg viel... Basis: alle Wahlberechtigten. REPRÄSENTATIVE UMFRAGE UNTER HAMBURGER BÜRGER_INNEN 9 Abbildung 6 Weltoffenheit versus Tradition Bitte sagen Sie mir, welcher Sichtweise Sie eher zustimmen. alle 68 % Deutschland sollte ein tolerantes und weltoffenes Land sein, in dem sich jeder frei entfalten kann, egal wo er herkommt, an was er glaubt oder wie er lebt. Deutschland sollte sich wieder auf seine traditionellen Werte zurückbesinnen und aufpassen, dass unsere christlich-abendländische Kultur nicht verloren geht. alle 27 % Basis: alle Wahlberechtigten. Fehlende Werte: weiß nicht/keine Angabe. Vor dem Hintergrund der geteilten Wahrnehmung und identitätsstiftenden Wirkung verwundert die recht deutliche Positionierung wenig. Rund zwei Drittel der Hamburger_innen vertreten die Ansicht, dass Weltoffenheit und Toleranz gegenüber anderen Kulturen, Herkünften und Lebensweisen in Deutschland gelebtes Selbstverständnis sein sollten. Bundesweit nimmt nur etwa jede_r zweite Bürger_in diese Position ein. 6 Dies verdeutlicht erneut die herausragende Stellung von Weltoffenheit und Aufgeschlossenheit in der Hansestadt. Noch höhere Zustimmung erfährt die Sichtweise unter Jüngeren sowie Hamburger_innen mit höherer formaler Bildung. 6 Vgl. Faus, R.; Storks, S.(2019): Das pragmatische Einwanderungsland. Was die Deutschen über Migration denken, Bonn(Friedrich-Ebert-Stiftung), S. 7. FRIEDRICH-EBERT-STIFTUNG – HAMBURGS THEMEN – HAMBURGS ZUKUNFT 10 4. DIE WICHTIGSTEN ZUKUNFTSTHEMEN IN HAMBURG Was müssen wir heute für morgen tun? Gefragt nach den Bereichen, die in den nächsten zehn Jahren wichtiger werden und in denen sich die Stadt nun stärker engagieren sollte, äußern die Hamburger_innen deutliche Prioritäten. Es zeigt sich, dass das Thema Wohnen in all seinen Facetten das aus Bürger_innensicht wichtigste Zukunftsthema ist, für das die Stadt jetzt die richtigen Weichen stellen muss. Rund jede_r Dritte stellt der Stadt eine Aufgabe aus diesem Themenbereich. Dabei werden sowohl die Schaffung neuen Wohnraums angesprochen als auch die Regulierung der Mieten für bestehenden Wohnraum, sodass bezahlbares Wohnen in Hamburg auch in Zukunft möglich ist. Das Themenfeld Wohnen landet in fast allen Bevölkerungsgruppen auf dem ersten Rang der wichtigsten Zukunftsthemen und wird von Befragten mit niedrigen und mittleren Einkommen noch etwas häufiger genannt. Die zweite große Stellschraube aus Sicht der Hamburger_innen ist Mobilität. 31 Prozent nennen Aufgaben aus dem Themenbereich Verkehr. Dabei wird besonders häufig der Ausbau von Alternativen zum Auto gefordert: den öffent­ lichen Personennahverkehr(ÖPNV) ausbauen und verbessern, mehr sichere Radwege sowie autofreie Zonen schaffen. Aber auch die zahlreichen aktuellen Baustellen werden angesprochen und für die Zukunft eine bessere Koordinierung sowie allgemein bessere Verkehrskonzepte erwartet, wie etwa eine bessere Lösung, um auf die andere Elbseite zu kommen, oder eine bessere Anbindung an das Umland. Für Männer nimmt das Thema Verkehr sogar einen größeren Stellenwert als Wohnen ein und landet auf dem ersten Rang der Prioritätenliste. Das dritte zentrale Zukunftsthema aus der Bürger_innen­ perspektive ist Bildung. Am häufigsten werden dabei explizit Abbildung 7 Wichtigste Themenbereiche der nächsten zehn Jahre Wenn Sie mal an die nächsten zehn Jahre in Hamburg denken, was ist für Sie der wichtigste Bereich, in dem sich die Stadt stärker engagieren sollte? Und was ist der zweitwichtigste Bereich? erste und zweite Nennung Wohnen Mobilität/Verkehr Bildung Soziales Umwelt- und Klimaschutz Integration Sicherheit/Kriminalität Wirtschaft Stadtbild/Stadtgrün Arbeitsmarkt/Arbeitsbedingungen 36  % 31 % 25 % 24 % 17 % 10 % 8 % 6 % 5 % 4 % Basis: alle Wahlberechtigten. Mehrfachangaben. Fehlende Werte: weiß nicht/keine Angabe. REPRÄSENTATIVE UMFRAGE UNTER HAMBURGER BÜRGER_INNEN 11 die Schulen genannt. Wie, wo und unter welchen Bedingungen werden die Hamburger Schüler_innen in den nächsten zehn Jahren lernen? Welche Weichen sollen jetzt gestellt werden? Das Thema Bildung hat vor allem für Frauen und – wie man erwarten kann – für Personen unter 40 Jahren sowie Eltern einen noch höheren Stellenwert. Knapp dahinter auf der Prioritätenliste landet das Politikfeld Soziales: Etwa jede_r Vierte sieht es als zentrale Zukunftsaufgabe der Stadt an, kein(weiteres) soziales Ungleichgewicht entstehen zu lassen. Die Bürger_innen formulieren den Anspruch, dass Hamburg eine lebenswerte Stadt für alle bleibt, für Jung und Alt, Arm und Reich, Familien und Singles. Daher werden Aufgaben formuliert wie beispielsweise eine stärkere Rücksichtnahme auf Rentner_innen, mehr Unterstützung für sozial Benachteiligte, Alleinerziehende und Geringverdiener_innen oder auch eine familienfreundlichere Stadt mit einer entsprechenden Anzahl an Betreuungsmöglichkeiten für Kinder. 17 Prozent der Hamburger_innen sprechen das Thema Umwelt- und Klimaschutz als wichtigsten Zukunftsbereich an und fordern Antworten auf die Fragen, wie Hamburg eine Stadt mit gesunder Luft und intakter Umwelt bleiben kann. Dieser vergleichsweise niedrige Wert überrascht angesichts der hohen medialen Bedeutung der„Fridays for Future“-Bewegung während des Befragungszeitraums. Allerdings ist aus anderen Studien bekannt, dass diese Aufgabe von den Befragten stärker auf Bundes- als auf Landesebene verortet wird. Die Themen Umwelt und Klima werden von Hamburger_innen mit höherer Bildung und in höheren Einkommensgruppen häufiger als Zukunftsaufgabe genannt, tauchen aber in allen soziodemo­ graf­ischen Subgruppen unter den wichtigsten Prioritäten auf. 4.1 Wohnen und Wachstum Wohnen, eine der zentralen Herausforderungen der wachsenden Stadt, sorgt bei den Bürger_innen aktuell eher für Missmut und Sorge als für Zuversicht. Wie in vielen anderen Großstädten, ist auch in Hamburg ein alter Mietvertrag viel wert. Nur sieben Prozent der Hamburger_innen schätzen es momentan als leicht ein, eine Wohnung in Hamburg zu finden, 90 Prozent sehen das gegenteilig. Die Ansicht wird über alle Alters- und Gehaltsgruppen in allen Stadtteilen geteilt. Unternimmt angesichts dieser Sorge die Stadt aus Sicht der Bürger_innen aktuell genug, um bezahlbaren Wohnraum zu schaffen? Etwa drei von vier Hamburger_innen bewerten die Bemühungen der Stadt momentan als nicht ausreichend. Ein Grund für diese negative Bewertung ist, dass selbst bei Wahrnehmung von Bautätigkeiten Zweifel bestehen, dass bezahlbarer Wohnraum für durchschnittliche Einkommen entsteht. Viele Bürger_innen teilen die Sorge, dass bei neuen Bauprojekten überwiegend hochpreisige Wohnungen für Besserverdienende entstehen oder aber Sozialwohnungen, zu deren Bezug nicht alle Hamburger_innen berechtigt sind. Besteht die Lösung also darin, noch mehr und um jeden Preis zu bauen? Hier sind die Hamburger Bürger_innen gespaltener Meinung. In den vergangenen Monaten ist eine inten­ sive Debatte in der Stadt geführt worden, inwiefern Grün­ flächen der Stadt dem Wohnungsbau zum Opfer fallen müssen bzw. dürfen. Abbildung 8 Zufriedenheit mit dem Wohnungsmarkt Bitte sagen Sie mir für jede dieser Aussagen, ob Sie voll und ganz zustimmen, eher zustimmen, eher nicht zustimmen oder überhaupt nicht zustimmen. stimme überhaupt nicht zu stimme eher nicht zu stimme eher zu stimme voll und ganz zu In Hamburg ist es leicht, eine Wohnung zu finden. 90 % Basis: alle Wahlberechtigten. Fehlende Werte: weiß nicht/keine Angabe. 55 % 35 % 6 % 7 % Abbildung 9 Bezahlbarer Wohnraum Bitte sagen Sie für jede dieser Aussagen, ob Sie voll und ganz zustimmen, eher zustimmen, eher nicht zustimmen oder überhaupt nicht zustimmen. stimme überhaupt nicht zu stimme eher nicht zu stimme eher zu stimme voll und ganz zu Hamburg unternimmt genug, um bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Basis: alle Wahlberechtigten. Fehlende Werte: weiß nicht/keine Angabe. 72 % 32 % 40 % 19 % 23 % FRIEDRICH-EBERT-STIFTUNG – HAMBURGS THEMEN – HAMBURGS ZUKUNFT 12 Abbildung 10 Bauen versus Grünflächen erhalten Bitte sagen Sie mir, welcher Sichtweise Sie eher zustimmen. alle 46 % Immer mehr Menschen wollen in Hamburg wohnen und arbeiten. Hamburg sollte daher mehr bauen, auch wenn dafür Grünflächen verbraucht werden. Hamburg soll nicht weiter wachsen. Für den Bau von Wohnungen sollten daher keine weiteren Grünflächen geopfert werden, auch wenn das bedeuten kann, dass Wohnungen knapp sind und die Mieten steigen. alle 41 % Basis: alle Wahlberechtigten. Fehlende Werte: weiß nicht/keine Angabe. Darf Wohnraum also auch auf Kosten der Grünflächen entstehen? Eine relative Mehrheit von 46 Prozent der Hamburger_innen gibt bei der Entscheidung zwischen Wohnraum und Grünflächen dem Wohnraum Priorität. Nur etwas we­ niger, nämlich 41 Prozent, teilen diese Auffassung nicht, sondern vertreten eher die Position, dass für den Bau von Wohnungen keine weiteren Grünflächen geopfert werden sollten, auch wenn das bedeuten kann, dass Wohnungen knapp sind und Mieten steigen. Eine eindeutige Positionierung in dieser Frage fällt 13 Prozent der Hamburger_innen schwer. Vor dem Hintergrund, dass zahlreiche Hamburger_innen Wohnungsbau als eine zentrale Zukunftsaufgabe benennen und über 70 Prozent der Stadt vorwerfen, nicht genug bezahlbaren Wohnraum zu schaffen, erscheint der Anteil von 41 Prozent, die sich gegen Wohnungsbau aussprechen, sehr hoch. Es verdeutlicht aber eine klare Anspruchshaltung: Bezahlbarer Wohnraum muss entstehen, aber mit Augenmaß und ohne die aktuell hohe Lebensqualität einzuschränken. Der Wunsch nach Erhalt der Grünflächen darf außerdem nicht zwangsläufig als Wachstumsfeindlichkeit interpretiert werden. 69 Prozent, darunter auch eine Mehrheit der Hamburger_innen, die keine weiteren Grünflächen für Wohnungsbau opfern wollen, stimmen der Aussage zu, es sei prinzipiell gut, dass Hamburg eine wachsende Stadt ist. Abbildung 11 Wachsende Stadt Es ist gut, dass Hamburg eine wachsende Stadt i st. stimme überhaupt nicht zu stimme eher nicht zu stimme eher zu stimme voll und ganz zu alle 28 % 7 % 21 % 41 % 29 % 70 % Befragte, die sich dafür aussprechen, mehr zu bauen 16 % 13 % Befragte, die sich dafür aussprechen, Grünflächen zu erhalten 43 % 11 % 32% 46 % 36 % 34 % 21 % 55 % 82 % Basis: alle Wahlberechtigten. Fehlende Werte: weiß nicht/keine Angabe. REPRÄSENTATIVE UMFRAGE UNTER HAMBURGER BÜRGER_INNEN 13 Von weitverbreiteter Wachstumsfeindlichkeit kann also in Hamburg nicht die Rede sein. Deutlich wird dadurch nur, dass die Frage zentral ist, wie nachhaltig die Stadt wächst. Dass sieben von zehn Hamburger_innen Wachstum gegenüber prinzipiell positiv eingestellt sind, bedeutet einen großen Vertrauensvorschuss und bietet der Politik Gestaltungsspielraum, die Hamburger_innen im Wachstumsprozess mitzunehmen. Es wird zudem deutlich, dass Wachstumsskepsis bzw.-befürwortung keine Frage des Alters, des Einkommens oder der Bildungsbiografie ist und in dieser Frage auch keine Spaltung zwischen gebürtigen Hamburger_innen und Zugezogenen zu beobachten ist. Abbildung 12 Wachsende Stadt – Subgruppen Es ist gut, dass Hamburg eine wachsende Stadt ist. stimme überhaupt nicht zu stimme eher nicht zu stimme eher zu Geschlecht Alter Haushaltsnettoeinkommen alle männlich weiblich 16–39 Jahre 40–59 Jahre 60 Jahre und älter unter 2.000  € 2.000  € –3.000  € über 3.000  € in Hamburg geboren in Hamburg aufgewachsen später zugezogen niedrig mittel hoch 28 % 7 % 21 % 28 % 7 % 21 % 28 % 7 % 21 % 24 % 5 % 19 % 31 % 9 % 22 % 28 % 6 % 22 % 29 % 8 % 21 % 26 % 5 % 21 % 25 % 5 % 20 % 28 % 7 % 21 % 26 % 9 % 17 % 28 % 6 % 22 % 27 % 8 % 19 % 30 % 7 % 23 % 27 % 6 % 21 % Aufgewachsen Schulbildung Basis: alle Wahlberechtigten. Fehlende Werte: weiß nicht/keine Angabe. 41 % 42 % 39 % 48 % 41 % 31 % 37 % 44 % 44 % 38 % 45 % 42 % 40 % 37 % 43 % stimme voll und ganz zu 29 % 28 % 29 % 24 % 25 % 38 % 31 % 27 % 28 % 30 % 29 % 28 % 27 % 31 % 27 % 70 % 70 % 68 % 72 % 66 % 69 % 68 % 71 % 72 % 68 % 74 % 70 % 67 % 68 % 70 % FRIEDRICH-EBERT-STIFTUNG – HAMBURGS THEMEN – HAMBURGS ZUKUNFT 14 4.2 Verkehr Welche Veränderungen wünschen sich die Hamburger_innen im Bereich Verkehr? Um die Prioritäten zu benennen, hilft zunächst ein Blick auf die Bewertung der aktuellen Situation. Mit dem ÖPNV zeigen sich rund acht von zehn Hamburger_ innen generell zufrieden. Kontroverser fällt das Urteil über die Fahrradfreundlichkeit der Stadt aus. Etwas mehr als die Hälfte der Bewohner_innen gibt an, in Hamburg könne man gut Fahrrad fahren. 43 Prozent sehen dies hingegen nicht so. Hamburger_innen, die ihren Arbeitsweg oder Weg zur Hochschule überwiegend mit dem Fahrrad zurücklegen, zeigen sich ähnlich gespalten. Mit 56 Prozent ist jedoch eine absolute Mehrheit der Fahrradfahrer_innen eher zufrieden als unzufrieden mit der Situation. Ein größeres Ärgernis sind für viele hingegen die Baustellen auf Hamburgs Straßen. 77 Prozent halten diese für nicht gut koordiniert. In diesem Zusammenhang ist allerdings erwähnenswert, dass dieses Thema im Befragungszeitraum einen großen Raum in der medialen Berichterstattung Hamburgs einnahm, was erfahrungsgemäß Befragungsergebnisse beeinflusst. Der Eindruck des schlechten Baustellenmanagements wird am stärksten von Autofahrer_innen geteilt. Welcher Bereich sollte bei der künftigen Verkehrsplanung Priorität genießen? Trotz der bereits relativ hohen Zufriedenheit mit dem aktuellen ÖPNV-Angebot, wünschen 46 Prozent der Befragten eine weitere Verbesserung und Investi­ tionen am ehesten in diesem Bereich, selbst wenn dafür kurzfristig mehr der unpopulären Baustellen entstehen. An zweiter Stelle rangieren Verbesserungen für den Autoverkehr: 28 Prozent der Hamburger_innen würden eine bessere Baustellenkoordination für einen fließenden Autoverkehr als wichtigste Maßnahme bevorzugen. 22 Prozent setzen Verbesserungen für Fahrradfahrer_innen an die erste Stelle und wären bereit, für bessere Fahrradwege auch Parkplätze und Autospuren zu verknappen. Die Prioritätensetzungen der verschiedenen Nutzer_innengruppen verwundern kaum: Jede Gruppe wünscht zunächst die Verbesserung des eigenen meistgenutzten Verkehrsmittels. Abbildung 13 Zufriedenheit mit Verkehrsbereichen Bitte sagen Sie mir für jede dieser Aussagen, ob Sie voll und ganz zustimmen, eher zustimmen, eher nicht zustimmen oder überhaupt nicht zustimmen. stimme überhaupt nicht zu stimme eher nicht zu stimme eher zu stimme voll und ganz zu Hamburg hat einen guten öffentlichen Nahverkehr. In Hamburg kann man gut Fahrrad fahren. Die Baustellen auf Hamburgs Straßen sind gut koordiniert. 77 % Basis: alle Wahlberechtigten. Fehlende Werte: weiß nicht/keine Angabe. 18 % 15 % 44 % 37 % 43 % 9% 34 % 37 % 16 % 53 % 38 % 39 % 16 % 20 % 81 % Abbildung 14 Prioritäten im Bereich Mobilität Wenn Sie an das Thema Mobilität in Hamburg denken: Wenn Sie sich für einen Bereich entscheiden müssten, sollte die Stadt … Alle den öffentlichen Nahverkehr verbessern, auch wenn das erst mal mehr Baustellen bedeutet. mehr für einen fließenden Autoverkehr machen und Baustellen besser koordinieren. mehr für Fahrradfahrer machen, auch wenn das auf Kosten von Parkplätzen oder Autospuren geht. keins davon 3 % 28 % 22 % Basis: alle Wahlberechtigten. Fehlende Werte: weiß nicht/keine Angabe. 46 % REPRÄSENTATIVE UMFRAGE UNTER HAMBURGER BÜRGER_INNEN 15 Abbildung 15 Prioritäten im Bereich Mobilität nach Nutzer_innengruppen Wenn Sie an das Thema Mobilität in Hamburg denken: Wenn Sie sich für einen Bereich entscheiden müssten, sollte die Stadt …? ÖPNVNutzer_innen Autofahrer_innen … öffentlichen Nahverkehr verbessern … 58 % 34 % … fließenden Autoverkehr … 18 % 47 % Fahrradfahrer_innen 27 % 12 % ... mehr für Fahrradfahrer … 22 % 14 % keins davon 1 % 5 % 2 % 59 % Basis: alle Wahlberechtigten. Fehlende Werte: weiß nicht/keine Angabe. Mit 34 Prozent bzw. 27 Prozent spricht sich aber auch ein deutlicher Anteil der Auto- und Radfahrer_innen für weitere Verbesserungen im ÖPNV aus. ÖPNV-Nutzer_innen sind wiederum Verbesserungen für Fahrradfahrer_innen wichtiger als Verbesserungen im Autoverkehr. Dies legt nahe, dass das Fahrrad, zumindest bei verbesserten Bedingungen, für ÖPNV-Nutzer_ innen eine attraktivere Alternative als das Auto darstellt. Wie genau können Verbesserungen im ÖPNV aus Sicht der Bürger_innen und Verkehrsteilnehmer_innen aussehen? Bei der Wahl zwischen Preis, Netzausbau und Taktung entscheiden sich 45 Prozent für niedrigere Ticketpreise als wichtigste Verbesserung. Knapp dahinter liegt mit 39 Prozent der Netzausbau. Zwölf Prozent würden in einer engeren Taktung die größte Verbesserung sehen. Die Prioritätensetzung variiert leicht nach Wohnlage: Anwohner_innen aus zentrumsfernen Lagen priorisieren den Netzausbau knapp vor der Senkung der Ticketpreise. Auch abhängig davon, welches Verkehrsmittel die Befragten hauptsächlich nutzen, variieren die jeweiligen Präferenzen. Wer bereits den ÖPNV nutzt, spricht sich häufiger für dessen Netzausbau aus. Auch die Taktung spielt für diese Bürger_innen eine größere Rolle als bei anderen Subgruppen. Fahrradfahrer_innen sind hingegen am stärksten für niedrigere Ticketpreise zu begeistern, während für Autofahrer_innen sowohl Kosten als auch Netzausbau eine ähnlich wichtige Rolle spielen. Abbildung 16 Prioritäten im Bereich ÖPNV Es gibt verschiedene Überlegungen, wie der öffentliche Nahverkehr in Hamburg verbessert werden könnte. Welche der folgenden Verbesserungen fänden Sie persönlich am besten? Alle niedrigere Ticketpreise Ausbau des Netzes, sodass alle Stadtteile gut angebunden sind häufigere Verbindungen durch engere Taktung 12 % keins davon 3 % Basis: alle Wahlberechtigten. Fehlende Werte: weiß nicht/keine Angabe. 45 % 39 % FRIEDRICH-EBERT-STIFTUNG – HAMBURGS THEMEN – HAMBURGS ZUKUNFT 16 4.3 Schulen/Bildung Auf Rang drei der wichtigsten Zukunftsbereiche nannten die Hamburger_innen das Thema Bildung und insbesondere die Hamburger Schulen. Angestoßen durch die Schulreformen von 2010/2011 und angeheizt durch die Volksbegehren von 2010 und 2014 führte die Stadt in diesen Jahren eine intensive Diskussion über Schulformen. Der 2010 beschlossene Schulfrieden hat der Debatte aber Feuer genommen, sodass das Thema zwar noch präsent und relevant ist, aber nicht mehr die Themen­agenda der Stadt dominiert wie vor knapp zehn Jahren. Auch die Leistungen der Hamburger Schüler_ innen haben sich in bundesweiten Vergleichen in den letzten Jahren deutlich verbessern können. Diese Verbesserungen werden von einer Mehrheit der Bürger_innen anerkannt. Sechs von zehn Hamburger_innen halten die Schulen der Stadt aktuell für gut. Auch unter den von diesem Thema besonders betroffenen Eltern stimmt eine absolute Mehrheit von 55 Prozent dieser Aussage zu. Die Frage, wie Hamburgs Schulen noch besser werden können, ist für fast zwei Drittel der Hamburger_innen vor allem eine Personalfrage. 39 Prozent sehen die dringendste Verbesserung darin, mehr Lehrpersonal einzustellen, 23 Prozent wünschen an erster Stelle eine Verbesserung der Ausbildung und der Qualifikation des eingesetzten Lehrpersonals. Das einst dominante Thema„Rückkehr zu G9“ hat demgegenüber an Relevanz eingebüßt. Auch der Zustand der Schulgebäude und die Diskussion über zu niedrige Leistungsanforderungen sind aktuell deutlich nachgeordnet. Abbildung 17 Zufriedenheit mit den Schulen Bitte sagen Sie mir für jede dieser Aussagen, ob Sie voll und ganz zustimmen, eher zustimmen, eher nicht zustimmen oder überhaupt nicht zustimmen. stimme überhaupt nicht zu stimme eher nicht zu stimme eher zu stimme voll und ganz zu Hamburg hat gute Schulen. 31 % 6 % 25 % Basis: alle Wahlberechtigten. Fehlende Werte: weiß nicht/keine Angabe. 46 % 14 % 60 % Abbildung 18 Prioritäten im Bereich Schulen Wenn Sie an das Thema Bildung in Hamburg denken, gibt es verschiedene Möglichkeiten, diese zu verbessern. Welche davon ist Ihnen am wichtigsten? alle Eltern mit Kindern unter 18 Jahren im Haushalt mehr Lehrpersonal einstellen 39 % 39 % Ausbildung und Qualifikation des Lehrpersonals verbessern 23 % 24 % den Zustand der Schulgebäude verbessern 12 % 13 % höhere Leistungsanforderungen im Unterricht stellen auch am Gymnasium zum Abitur nach neun Jahren zurückkehren keins davon 12 % 9 % 2 % 10 % 11 % 1 % Basis: alle Wahlberechtigten. Fehlende Werte: weiß nicht/keine Angabe. REPRÄSENTATIVE UMFRAGE UNTER HAMBURGER BÜRGER_INNEN 17 4.4 Kinderbetreuung Größeren Veränderungsbedarf sehen die Befragten beim Thema Kinderbetreuung. Fast die Hälfte der Hamburger_innen sind nicht der Auffassung, dass es in der Stadt ausreichend Kita-Plätze gibt. Unter den befragten Eltern sagen dies sogar 57 Prozent. Die Verfügbarkeit von Kita-Plätzen ist einer der zentralen Aspekte, bei denen das Wachstum der Stadt erfahrbar wird, und somit ein wichtiger Ansatzpunkt, um Akzeptanz für Wachstum zu schaffen und Bürger_innen eine konstant hohe Lebensqualität und ausreichende Versorgung in Hamburg zu garantieren. 4.5 Umwelt- und Klimaschutz Auch das Thema Klimaschutz steht auf der Agenda der Bürger_innen. 17 Prozent benennen es als eines der beiden wichtigsten Zukunftsthemen. Abbildung 20 verdeutlicht, dass eine breite Mehrheit der Bürger_innen ein Wirtschaften auf Kosten der Umwelt nicht toleriert. 70 Prozent räumen dem Umwelt- und Klimaschutz Priorität ein, selbst wenn dies der Wirtschaft schade. Auch die Debatte über Stadtgrün versus Bauflächen verdeutlicht, dass eine saubere Umwelt, saubere Luft und intakte Natur in der Stadt einen hohen Stellenwert haben und daher nicht unkontrollierbarem Wachstum zum Opfer fallen dürfen. Die hohe Zustimmung zu dieser Prioritätensetzung macht deutlich, dass Umweltund Klimaschutz im Jahr 2019 von einer breiten Mehrheit der Bevölkerung gefordert wird. Noch häufiger teilen diese Sichtweise Frauen sowie jüngere Hamburger_innen. Abbildung 19 Zufriedenheit mit Kita-Plätzen Bitte sagen Sie mir für jede dieser Aussagen, ob Sie voll und ganz zustimmen, eher zustimmen, eher nicht zustimmen oder überhaupt nicht zustimmen. stimme überhaupt nicht zu stimme eher nicht zu stimme eher zu stimme voll und ganz zu In Hamburg gibt es genug Kita-Plätze. 46 % 14 % 32 % Basis: alle Wahlberechtigten. Fehlende Werte: weiß nicht/keine Angabe. 24 % 7 % 31 % 57 % Eltern mit Kindern unter 38 % 18 Jahren im Haushalt Abbildung 20 Umwelt- und Klimaschutz Bitte sagen Sie mir für jede dieser Aussagen, ob Sie voll und ganz zustimmen, eher zustimmen, eher nicht zustimmen oder überhaupt nicht zustimmen. stimme überhaupt nicht zu stimme eher nicht zu stimme eher zu stimme voll und ganz zu Hamburg sollte sich stärker für Umwelt- und Klimaschutz einsetzen, auch wenn das der Wirtschaft schadet. Basis: alle Wahlberechtigten. Fehlende Werte: weiß nicht/keine Angabe. 25 % 7 % 18 % 34 % 36 % 70 % FRIEDRICH-EBERT-STIFTUNG – HAMBURGS THEMEN – HAMBURGS ZUKUNFT 18 4.6 Wirtschaft Dass auch wirtschaftliche Einbußen in Kauf genommen werden müssen, um Klima- und Umweltschutz voranzutreiben, lässt sich leichter sagen, wenn die Wirtschaft einer Stadt floriert. Aus Sicht der Bürger_innen befindet sich Hamburg in dieser erfreulichen Situation. 91 Prozent der Befragten bestätigen, dass Hamburg eine starke Wirtschaft hat. Hochwertige und gut bezahlte Arbeitsplätze werden als eine Stärke des Standorts Hamburg gesehen. Trotzdem nennen sechs Prozent der Hamburger_innen Wirtschaftsförderung und Wirtschaftswachstum als eine der zentralen Herausforderungen der Zukunft und stellen der Politik die Aufgabe, die wirtschaftliche Kraft Hamburgs langfristig zu sichern. Dazu gehört für die Bürger_innen unter anderem, eine Perspektive bzw. einen Plan für die Entwicklung des Hafens zu präsentieren. 4.7 Integration Zehn Prozent der Hamburger_innen nennen den Bereich Integration als eine der zwei wichtigsten zukünftigen Aufgaben. Zuwanderung ist ein zentraler Aspekt des Wachstums der Stadt. Sie enthält auch die Zuwanderung von Geflüchteten. Seit 2015 wurden Hamburg über 40.000 Flüchtlinge zugeteilt. Vier Jahre nach dem bislang zahlenmäßig stärksten Zuwanderungsjahr 2015 und den folgenden intensiven Diskussionen über Flüchtlings- und Migrationspolitik auf Bundesebene fällt das Urteil der Hamburger_innen über die Integrationserfolge der Stadt auffallend positiv aus. Für 58 Prozent funktioniert die Integration von Migrant_innen und Flüchtlingen in Hamburg gut. Dies sind ganz andere Werte, als in den ostdeutschen Bundesländern gemessen werden, die im Verhältnis zur Bevölkerungsgröße weniger Menschen aufgenommen haben als die Stadt Hamburg. 7 Hamburg ist aufgrund seiner Geschichte als Hafenstadt durch Seefahrt und Handel schon lange von einem vielfältigen Abbildung 21 Zufriedenheit mit der Wirtschaft Bitte sagen Sie mir für jede dieser Aussagen, ob Sie voll und ganz zustimmen, eher zustimmen, eher nicht zustimmen oder überhaupt nicht zustimmen. stimme überhaupt nicht zu stimme eher nicht zu stimme eher zu stimme voll und ganz zu Hamburg hat eine starke Wirtschaft. Hamburg bietet gute Jobs, von denen man auch leben kann. 7 % 6 % 46 % 16 % 14 % 51 % Basis: alle Wahlberechtigten. Fehlende Werte: weiß nicht/keine Angabe. 45 % 91 % 29 % 80 % Abbildung 22 Zufriedenheit mit der Integration Bitte sagen Sie mir für jede dieser Aussagen, ob Sie voll und ganz zustimmen, eher zustimmen, eher nicht zustimmen oder überhaupt nicht zustimmen. stimme überhaupt nicht zu stimme eher nicht zu stimme eher zu stimme voll und ganz zu In Hamburg funktioniert die Integration von Migranten und Flüchtlingen gut. Basis: alle Wahlberechtigten. Fehlende Werte: weiß nicht/keine Angabe. 36 % 11 % 25 % 48 % 10 % 58 % 7 Das Integrationsbarometer 2018 des Sachverständigenrats deutscher Stiftungen für Migration und Integration(SVR) kommt zu dem Schluss:„Eingetrübt hat sich das Integrationsklima in den Jahren 2016 und 2017 dort, wo der Integrationsalltag nicht persönlich erlebt werden konnte. In den Einschätzungen zeigt sich ein deutlicher Unterschied zwischen Ost und West. Auch dieser lässt sich weitgehend durch die Häufigkeit des Kontakts erklären.“ Vgl. SVR(2018): Stabiles Klima in der Integrationsrepublik Deutschland. SVR-Integrationsbarometer, S. 4. REPRÄSENTATIVE UMFRAGE UNTER HAMBURGER BÜRGER_INNEN 19 Stadtbild geprägt. Ende 2017 lebten über 650.000 Menschen mit Migrationshintergrund in Hamburg. Dies sind rund 35 Prozent aller Einwohner_innen. 8 Kapitel 3 hat verdeutlicht, wie stark die Wahrnehmung Hamburgs als multikulturelle und vielfältige Stadt verankert ist, identitätsstiftend wirkt und zum positiven Lebensgefühl vieler beiträgt. 4.8 Sicherheit/Kriminalitätsbekämpfung Das Sicherheitsgefühl in der Großstadt ist intakt. Dies belegt, dass nur acht Prozent der Hamburger_innen den Themenbereich Sicherheit/Kriminalitätsbekämpfung als einen der zwei wichtigsten Bereiche nennen, in denen sich die Stadt stärker engagieren sollte. Vor die Frage gestellt, welche Maßnahme im Bereich Sicherheit am wichtigsten ist, zeigen sich unterschiedliche Prioritäten. Etwa jede_r Dritte wünscht sich am ehesten schärfere Maßnahmen gegen Wirtschaftskriminalität und Steuerbetrug, also in Bereichen, die außerhalb des Themas„Sicherheit im öffentlichen Raum“ angesiedelt sind. Dies untermauert erneut die hohe Sicherheit, die ein Großteil der Hamburger_innen wahrnimmt. An zweiter Stelle rangieren mit gleich hohen Prozentwerten der Wunsch nach mehr Polizeipräsenz im öffentlichen Raum und der Wunsch nach schärferen Gesetzen und härteren Strafen. Mehr Videoüberwachung ist für zwölf Prozent die wichtigste Maßnahme. Abbildung 23 Prioritäten im Bereich Sicherheit Wenn Sie an das Thema„Sicherheit in Hamburg“ denken, welche der folgenden Maßnahmen ist Ihnen am wichtigsten? alle härteres Vorgehen gegen Wirtschaftskriminalität und Steuerbetrug 32 % mehr Polizei auf Straßen und Plätzen 24 % schärfere Gesetze und härtere Strafen 24 % mehr Videoüberwachung auf Straßen und Plätzen 12 % keins davon 7 % Basis: alle Wahlberechtigten. Fehlende Werte: weiß nicht/keine Angabe. 8 Statistisches Amt für Hamburg und Schleswig-Holstein(2018): Statistik informiert... Nr. III/2018, https://www.statistik-nord.de/zahlen-fakten/hamburgermelderegister/migrationshintergrund/dokumentenansicht/bevoelkerung-mit-migrationshintergrund-in-den-hamburger-stadtteilen-ende-2017-60606/ (24.07.2019). FRIEDRICH-EBERT-STIFTUNG – HAMBURGS THEMEN – HAMBURGS ZUKUNFT 20 5. FAZIT: GEMEINSAMER KURS IN DIE ZUKUNFT Hamburg als wachsende Stadt ist unumstrittener Fakt und stark in der Wahrnehmung der Hamburger Bürger_innen verankert. Weltoffenheit und Vielfalt gehören dabei fest zum hamburgischen Selbstverständnis. Nicht zuletzt dies macht die Stadt zu einem attraktiven Ziel für Zuwanderung aus dem In- und Ausland. Bei den Hamburger_innen löst der Fakt der wachsenden Metropole gemischte Gefühle aus. Ein Großteil findet die Entwicklung zunächst gut, schätzt die konstante Veränderung, Modernität und Innovationskraft in der Großstadt und ist stolz auf die Anziehungskraft und offenherzige Atmosphäre der eigenen Stadt. Die Hamburger Bürger_innen formulieren aber zugleich klare Aufgaben an die Politik, das Wachstum der Stadt in entsprechende Bahnen zu lenken, sodass die Metropole lebenswert für alle bleibt. An erster Stelle steht dabei der Wunsch nach ausreichendem und bezahlbarem Wohnraum. Die Angst, sich das Leben und notwendige Umzüge innerhalb der Stadt in Zukunft nicht mehr leisten zu können, ist in allen Teilen der Bevölkerung weitverbreitet. Auch wenn die Mieten in Hamburg zuletzt nicht so stark wie in anderen Städten stiegen, besteht hier deutlich politischer Handlungsbedarf. Eine zweite zentrale Aufgabe ist es, Mobilität innerhalb der wachsenden Stadt sinnvoll zu organisieren. Hierbei setzen die Bürger_innen vor allem auf den Ausbau und Verbesserungen des ÖPNV. Dieser muss aus Bürger_innensicht günstiger werden und sein Angebot ausweiten. Die wirtschaftliche Stärke Hamburgs und der daraus resultierende Wohlstand werden wahrgenommen und goutiert. Den Bürger_innen ist bewusst, dass sie in vielen Bereichen besser dastehen als der Rest der Republik. Attraktive Arbeitsplätze für alle Bildungsgruppen sowie gute berufliche Chancen sind ein zentraler Aspekt der Standortattraktivität. Auch hier formulieren die Bürger_innen den Anspruch an die Politik, jetzt die richtigen Weichen zu stellen, sodass die Wirtschaft weiterhin prosperiert und auch in Zukunft Wohlstand sichert. Deutlich wird die Forderung, das Wachstum„nachhaltig“ zu gestalten. Hamburgs attraktive Parks und Grünflächen sowie eine gute Luftqualität dürfen dem Wachstum nicht zum Opfer fallen. Nur so kann aus Sicht der Bürger_innen der Unterschied zwischen wachsender und wuchernder Stadt gewahrt werden. Hamburg ist für viele seiner Zukunftsaufgaben schon jetzt gut gerüstet. Die Politik des aktuellen Senats erfährt überwiegend Rückhalt aus der Bevölkerung. Ein zweiter wichtiger Faktor, der Hamburgs Weg positiv begleitet, ist der hohe Stellenwert bürgerschaftlichen Engagements in der Stadt. Jung wie Alt zeigen sich in Hamburg an Politik interessiert. REPRÄSENTATIVE UMFRAGE UNTER HAMBURGER BÜRGER_INNEN 21 Abbildung 24 Interesse an Politik Wie stark sind Sie ganz allgemein an Politik interessiert? überhaupt nicht interessiert eher weniger interessiert eher interessiert sehr interessiert Geschlecht alle 22 % 19 % weiblich 25 % 23 % männlich 19 % 15 % 16–39 Jahre 29 % 5 % 24 % 40–59 Jahre 23 % 20 % 60 Jahre und älter 14 % 13 % 43 % 46 % 40 % 44 % 43 % 41 % 34 % 77 % 29 % 75 % 41 % 81 % 27 % 71 % 33 % 76 % 45 % 86 % Alter Basis: alle Wahlberechtigten. Fehlende Werte: weiß nicht/keine Angabe. Es herrschen große Lust und Elan, die Zukunft der Stadt aktiv mitzugestalten. Drei von vier Hamburger_innen äußern Interesse an Veranstaltungen und Diskussionsrunden zu aktuellen Themen, die Hamburg betreffen. Zwei von drei wünschen sich von Politiker_innen oder Parteien vor Ort Begegnungsmöglichkeiten wie etwa Stadtteil- oder Nachbarschaftsfeste. Ebenso viele wünschen sich regelmäßige Bürgersprechstunden und damit ein stärkeres politisch-inhaltliches Angebot. Diese Gelegenheiten und die generelle Aufgeschlossenheit der Bürger_innen sollten die Politiker_innen der Stadt nutzen, um die Bürger_innen als Partner_innen auf Augenhöhe in den Diskurs über die Zukunft Hamburgs einzubeziehen und so gemeinsam die richtigen Lösungen für die wachsende Metropole zu finden, die Platz und gutes Leben für alle bietet. Abbildung 25 Gewünschte politische Angebote vor Ort Welche Angebote von Politikern und Parteien wünschen Sie sich vor Ort? alle Veranstaltungen und Diskussionsrunden zu aktuellen Themen, die Hamburg betreffen Stadtteilfeste oder Nachbarschaftsfeste regelmäßige Bürgersprechstunden Basis: alle Wahlberechtigten. Mehrfachangaben. Fehlende Werte: weiß nicht/keine Angabe. 73 % 66 % 65 % FRIEDRICH-EBERT-STIFTUNG – HAMBURGS THEMEN – HAMBURGS ZUKUNFT 22 Die Autorin, der Autor Rainer Faus ist Diplom-Sozialwissenschaftler, Autor sowie Gründer und Geschäftsführer der Forschungs- und Beratungsagentur pollytix strategic research gmbh. In den vergangenen zehn Jahren hat er zahlreiche Publikationen zu politischen und gesellschaftlichen Themen veröffentlicht. Mit pollytix berät er auf Basis qualitativer und quantitativer Forschung Kunden aus Politik, Gesellschaft und Wirtschaft strategisch zu gesellschaftlichen und politischen Fragen. Leonie Schulz studierte Medien- und Politikwissenschaft sowie politische Kommunikation in Leipzig, Lyon und Berlin. Sie arbeitet als Beraterin bei der Forschungs- und Beratungsagentur pollytix strategic research gmbh. Hier ist sie vor allem für quantitative Forschungsprojekte und Analysen verantwortlich und berät Kunden aus Politik, Gesellschaft und Wirtschaft zu gesellschaftlichen und politischen Fragen. REPRÄSENTATIVE UMFRAGE UNTER HAMBURGER BÜRGER_INNEN 23 Abbildungsverzeichnis Abbildung 1: Lebensqualität in Hamburg Abbildung 2: Zukunftsperspektive Abbildung 3: Stimmung in Hamburg Abbildung 4: Zufriedenheit mit der Arbeit des Hamburger Senats Abbildung 5: Hamburgische Identität Abbildung 6: Weltoffenheit versus Tradition Abbildung 7: Wichtigste Themenbereiche der nächsten zehn Jahre Abbildung 8: Zufriedenheit mit dem Wohnungsmarkt Abbildung 9: Bezahlbarer Wohnraum Abbildung 10: Bauen versus Grünflächen erhalten Abbildung 11: Wachsende Stadt Abbildung 12: Wachsende Stadt – Subgruppen Abbildung 13: Zufriedenheit mit Verkehrsbereichen Abbildung 14: 4 Prioritäten im Bereich Mobilität 14 Abbildung 15: 5 Prioritäten im Bereich Mobilität nach Nutzer_innengruppen 15 Abbildung 16: 6 Prioritäten im Bereich ÖPNV 15 Abbildung 17: 7 Zufriedenheit mit den Schulen 16 Abbildung 18: 8 Prioritäten im Bereich Schulen 16 Abbildung 19: 9 Zufriedenheit mit Kita-Plätzen 17 Abbildung 20: 10 Umwelt- und Klimaschutz 17 Abbildung 21: 11 Zufriedenheit mit der Wirtschaft 18 Abbildung 22: 11 Zufriedenheit mit der Integration 18 Abbildung 23: 12 Prioritäten im Bereich Sicherheit 19 Abbildung 24: 12 Interesse an Politik 21 Abbildung 25: 13 Gewünschte politische Angebote vor Ort 21 14 FRIEDRICH-EBERT-STIFTUNG – HAMBURGS THEMEN – HAMBURGS ZUKUNFT 24 IMPRESSUM: ISBN 978-3-96250-396-3 Herausgegeben vom Julius-Leber-Forum Friedrich-Ebert-Stiftung Dr. Dietmar Molthagen Rathausmarkt 5 20095 Hamburg Verfasser_in Rainer Faus Leonie Schulz Die in dieser Publikation zum Ausdruck gebrachten Ansichten sind nicht notwendigerweise die der Friedrich-Ebert-Stiftung. Durchführung der Repräsentativbefragung pollytix strategic research gmbh Dolziger Straße 7 10247 Berlin Lektorat Dr. Christian Jerger ad litteras Lektorat& Korrektorat Gestaltung Pellens Kommunikationsdesign GmbH, Bonn Titelfoto piola666/iStockphoto.com © Friedrich-Ebert-Stiftung 2019 Julius-Leber-Forum Rathausmarkt 5, 20095 Hamburg Bestellung/Kontakt: hamburg@fes.de hamburg@ fes.de Eine gewerbliche Nutzung der von der FES herausgegebenen Medien ist ohne schriftliche Zustimmung durch die FES nicht gestattet. Julius-Leber-Forum Weitere Informationen zum Thema finden Sie unter: ht tps: //w w w.fes.de /julius- leb er-forum/ ISBN 978-3-96250-396-3