STUDIE Der Libanon: Vorläufer des Arabischen Frühlings? Die Jugend ist skeptisch, aber nicht hoffnungslos FES MENA-Jugendstudie: Länderanalyse Libanon STEPHAN ROSINY April 2018 n Der Libanon erlebte bereits im März 2005 einen»Arabischen Frühling«, in dem die damalige Regierung durch Massenproteste gestürzt wurde. Unter der folgenden politischen Polarisierung und der Blockade staatlicher Institutionen leidet das Land bis heute. Insbesondere die Jugend ist enttäuscht von ihren Politiker_innen und desillusioniert, was den Sturz von Regimes anbelangt. Dies mag ihre große Skepsis gegenüber den Umbrüchen des Arabischen Frühlings von 2011 und den Folgen, insbesondere im Bürgerkriegsland Syrien, erklären. n Auch in anderer Hinsicht nimmt der Libanon eine Vorreiterrolle in der Region ein: Seit jeher spielen hier wirtschaftliche Eigeninitiative und familiärer Zusammenhalt eine entscheidende Rolle für die individuelle Lebensplanung – Faktoren, die in den anderen arabischen Ländern erst seit der Krise der neopatrimonialen Versorgungsstaaten an Relevanz gewinnen. n Die MENA-Jugendstudie der Friedrich-Ebert-Stiftung zeigt, dass Demokratie – trotz der Enttäuschung über die parlamentarische Praxis – unter libanesischen Jugendlichen mit Abstand die höchste Zustimmungsrate in der Region genießt. Bei aller Frustration über ihre Politiker_innen sind Libanons Jugendliche sehr interessiert an Politik. Inhalt STEPHAN ROSINY| DER LIBANON: VORLÄUFER DES ARABISCHEN FRÜHLINGS? 1. Einleitung 3 2. Die Erhebung.......................................................... 4 3. Wohnsitz, Familie und Bildung............................................ 5 4. Gender und Wirtschaft.................................................. 6 5. Die Mittelklasse........................................................ 6 6. Unsicherheit, wirtschaftliche Deprivation und Gewalt........................ 7 7. Werte 8 8. Politik und die Rolle des Staates 10 9. Der»Arabische Frühling« aus Sicht libanesischer Jugendlicher 11 10. Gewalt und Flüchtlingsstatus 12 11. Migration 12 12. Schlussfolgerungen 12 Literatur 15 STEPHAN ROSINY| DER LIBANON: VORLÄUFER DES ARABISCHEN FRÜHLINGS? 1. Einleitung Seit Dezember 2010 gingen in Tunesien, Ägypten, Bahrain, Marokko, Libyen, Syrien und anderen arabischen Ländern vor allem junge Menschen auf die Straßen, um gegen ihre autoritären Regime und für mehr Freiheit zu demonstrieren. Zur selben Zeit erlebten die Libanes_innen gerade einen erneuten Zusammenbruch ihrer staatlichen Ordnung und einen politischen Stillstand. Seinerzeit gab es keinen gewählten Ministerpräsidenten mehr, nur eine geschäftsführende Übergangsregierung und ein Parlament, das in Agonie lag. Während die Protestierenden in der Region»das Volk fordert den Sturz des Regimes«(asch-scha’b yurid isqat an-nizam) skandierten, beschwerten sich die Libanes_innen über das Fehlen jeglicher politischer Autorität und Ordnung in ihrem Land –»ma fi nizam«(»es gibt keine Ordnung«). Aber auch im Libanon fanden seit Februar 2011 einige größere Demonstrationen statt, vor allem von Jugendlichen und Intellektuellen. Die Kampagne zur»Abschaffung des konfessionellen Systems«(isqat an-nizam at-ta’ifi) nutzte ähnliche Formen des Protests und Symbole wie die Volksbewegungen in Tunesien und Ägypten. Abweichend von den anderen Ländern forderten die Demonstrant_innen jedoch nicht den Sturz eines autokratischen Herrschers und – anders als in allen anderen Ländern der Region – wurden sie nicht von den Sicherheitskräften beschossen. In vielerlei Hinsicht stellt der Libanon im Nahen Osten eine Ausnahme dar. Sein Laissez-faire-Staat hatte nie einen sozialen Versorgungsstaat hervorgebracht, der mit den anderen arabischen Staaten vergleichbar wäre, in dem Wohlfahrt im Gegenzug für politisches Stillhalten gewährt wurde. Deshalb wurden Libanes_innen auch nicht von der regionalen Krise dieser neopatrimonialen Ordnungen getroffen. Ein hohes Maß an kultureller und institutioneller Autonomie der achtzehn offiziell anerkannten Religionsgemeinschaften garantiert einen einzigartigen sozialen und politischen Pluralismus und ein hohes Maß an persönlicher Freiheit. Die konfessionelle Machtteilung, die Machtanteile proportional zur Größe der Gemeinschaften für die Gemeinschaftseliten vergibt, bewahrte das Land vor dem Schicksal autokratischer Herrschaft, wie sie in der Region sonst üblich war und ist. Die Kehrseite dieser Politisierung religiöser Identitäten ist ein stark ausgeprägter Konfessionalismus – eine Mentalität, die politische Einstellungen, Parteizugehörigkeit und den Verlauf von Bildung, Ehe und Privatleben eines jeden Libanesen und einer jeden Libanesin stark mit seiner Konfession verbindet. Wegen seiner nach religiöser Zugehörigkeit tief gespaltenen Gesellschaft wurde der Libanon deshalb oft als der bemitleidenswerte Ausreißer des Nahen Ostens angesehen, in dem staatliche Dienstleistungen und soziale Aufstiegsmöglichkeiten nach religiöser Zugehörigkeit und in konfessionsinternen Patronagenetzwerken vergeben werden.»Libanonisierung« war lange Zeit das Synonym für einen von Streit geprägten, wenn nicht gar gewalttätigen Machtkampf zwischen Eliten, der entlang ethnisch-konfessioneller Bruchlinien verlief und im Libanesischen Bürgerkrieg von 1975 bis 1990 gipfelte. Ein hohes Maß an politischer Gewalt prägte auch den Nachkriegslibanon seit 1990. Das Land erlebte einen Guerillakrieg der Hisbollah gegen die israelische Besatzung des Südlibanon von 1982 bis zum Jahr 2000, in dem sich Israel aus dem Libanon zurückzog, drei Kriege mit Israel in den Jahren 1993, 1996 und 2006, rund hundert politische Mordanschläge, mehrere bürgerkriegsähnliche Kämpfe sowie das Überspringen der Gewalt des syrischen (Bürger-)Krieges seit 2011 in Form von Bombenanschlägen und Kämpfen zwischen Pro- und Anti-Assad-Milizen auf libanesischem Territorium. Junge libanesische Männer kämpfen auf beiden Seiten des syrischen Krieges: Sunnitische Salafisten und dschihadistische Kämpferen schlossen sich schon 2011 dem gewaltsamen Aufstand gegen Baschar al-Assad an, während die schiitische HisbollahMiliz im Jahr 2013 massiv intervenierte, um das Regime zu stützen. Die Ermordung des ehemaligen Ministerpräsidenten Rafiq al-Hariri am 14. Februar 2005 markiert einen Wendepunkt für die politische Entwicklung des Libanon. Sie führte zu einer tiefen Spaltung des Landes in zwei Lager zwischen pro- und anti-syrischen Kräften, welche die Politik für ein Jahrzehnt lähmte. Die»Allianz des 8. März«, die ihre größte Demonstration am 8. März 2005 abhielt, vermutete eine»internationale Verschwörung« hinter Hariris Ermordung, um den Libanon zu schwächen, indem man ihn von seinem»natürlichen Verbündeten« Syrien isolierte. Auf der anderen Seite organisierten am 14. März mehrere libanesische Parteien und Intellektuelle eine Großdemonstration gegen die syrischen Besatzungstruppen, die sie für die Ermordung Hariris verantwortlich machten. Dieser Tag wurde das namensgebende Datum der»Allianz des 14. März«. We3 STEPHAN ROSINY| DER LIBANON: VORLÄUFER DES ARABISCHEN FRÜHLINGS? nige Tage später trat die pro-syrische Regierung unter Omar Karami zurück und Syrien verkündete den Abzug seiner Truppen aus dem Libanon. Der Aufstand, den seine Protagonist_innen als»Unabhängigkeits-Intifada« bezeichneten, hatte seinerzeit großen Einfluss auf die regionale und geopolitische Ideologiebildung. Die US-Regierung unter George W. Bush interpretierte die»Zedernrevolution« von 2005 – wie sie in westlichen Medien meist genannt wurde – als Beweis ihrer Strategie zur Förderung der Demokratie im»Neuen Nahen Osten« sowie indirekt als Post-Faktum-Legitimierung des umstrittenen Irak-Krieges von 2003 und des Sturzes von Saddam Hussein. Fouad Ajami, ein amerikanischer Universitätsprofessor libanesischer Abstammung, prägte für die Ereignisse im Libanon den Begriff eines»arabischen demokratischen Frühlings«, für den er George W. Bush dankte(Ajami 2005). In den folgenden Monaten und Jahren bildete der Libanon die Arena für eine regionale und internationale Auseinandersetzung in Form eines»Neuen Arabischen Kalten Krieges«(Valbjørn und Bank 2012). Iran und Saudi-Arabien kämpften auf der libanesischen Bühne um die regionale Vormacht, indem sie ihre jeweiligen lokalen Verbündeten unterstützten: Iran die schiitische Hisbollah vom 8. März, Saudi Arabien die sunnitische Zukunftsbewegung vom 14. März. Diese Konfrontation spiegelte zugleich die zunehmende Politisierung der innerislamischen konfessionellen Sunna-Schia-Spaltung wider, die die Region seit dem Irak-Krieg von 2003 erfasst hatte. Die christlichen Parteien spalteten sich in zwei Lager auf: Die Freie Patriotische Bewegung(Free Patriotic Movement, FPM) von Michel Aoun trat dem 8. März bei, während die»Libanesischen Streitkräfte«(Lebanese Forces, LF) und andere christliche Parteien Teil des 14. März waren. Viele Libanes_innen waren enttäuscht über ihre»verratene Revolution«. Konfessionalismus, Günstlingswirtschaft und Korruption blieben seit dem Rückzug der syrischen Streitkräfte im April 2005 unverändert bestehen. Die Polarisierung zwischen den beiden verfeindeten politischen Lagern, die durch regionale und globale Akteure begleitet und noch verstärkt wurde, lähmte die libanesische Politik seitdem. Zweimal, 2007–2008 und 2014–2016, konnte sich das Parlament über Monate auf keinen neuen Präsidenten einigen, und mehrfach entzogen wenige Parlamentarier_innen durch Seitenwechsel zwischen den beiden Allianzen dem Ministerpräsidenten das Vertrauen. Zudem verlor das Parlament durch die zweimalige Verschiebung von Wahlen seit 2013 an Legitimität. Die politische Elite verweigerte sich, die strukturellen Probleme einer überholten konfessionalistischen Machtteilung anzugehen. All dies führte zu einer tiefen Frustration insbesondere der libanesischen Jugend über ihre Politiker_innen. Diese negativen Erfahrungen können die allgemeine Skepsis der libanesischen Jugend gegenüber den Ereignissen und Ergebnissen des Arabischen Frühlings von 2011 und gegenüber den libanesischen Politiker_innen erklären, die sie in der vorliegenden Jugendstudie zum Ausdruck bringen. Sie scheinen im gescheiterten Arabischen Frühling ihre eigene enttäuschte Erfahrung wiederholt zu sehen. 2. Die Erhebung Im Rahmen der regionalen MENA-Jugendstudie untersuchte die Friedrich-Ebert-Stiftung 1 von Mai bis Juni 2016 eine repräsentative Stichprobe libanesischer Jugendlicher zwischen 16 und 30 Jahren. Zu diesem Zweck wurden 1.000 Jugendliche in einer standardisierten Erhebung interviewt. Darüber hinaus wurden dreizehn Jugendliche in Tiefeninterviews befragt. Diese nach dem Libanesischen Bürgerkrieg(1975–1990) geborene Generation ist mit den Kriegserinnerungen ihrer Eltern aufgewachsen und hat auch nach 1990 ein hohes Maß an politischer Gewalt erfahren. Die Ergebnisse der Umfrage sind vor diesem historischen Hintergrund zu interpretieren, der das kollektive Gedächtnis der Libanes_innen und die politische Kultur des Libanon sowie die Meinungen der befragten Jugendlichen stark beeinflusst. In vielerlei Hinsicht unterscheidet sich die Jugend des Libanon in ihren Antworten nicht oder nur geringfügig von denen der Jugend in anderen arabischen Ländern. In einigen Antworten weisen sie jedoch spezifische Muster auf, die durch diese Erfahrungen erklärt werden können. Die folgende Analyse fokussiert mehr auf diese spezifischen Merkmale im Libanon 1. Diese Umfrage ist Teil einer regionalen Studie über acht Länder in der MENA-Region. Die Ergebnisse der MENA-Jugendstudie der FriedrichEbert-Stiftung wurden veröffentlicht als: Coping with Uncertainty: Youth in the Middle East and North Africa, London: Saqi Books, 2018. Die regionalen und länderspezifischen Daten sind abrufbar unter: http://www. fes.de/lnk/jugendstudie. 4 STEPHAN ROSINY| DER LIBANON: VORLÄUFER DES ARABISCHEN FRÜHLINGS? als auf die gemeinsamen Trends der Region, die ausführlich in der länderübergreifenden MENA-Jugendstudie dargestellt werden. 3. Wohnsitz, Familie und Bildung Libanons Regionen, so auch Beirut, sind weitgehend nach Konfessionen segregiert. Im Westteil der Hauptstadt leben überwiegend Muslim_innen, während die östlichen Stadtviertel überwiegend von Christ_innen bewohnt werden. Beirut hat mehr als eine halbe Million Einwohner_innen, der Großraum Beirut umfasst sogar nahezu zwei Millionen Bewohner_innen, d. h. ungefähr die Hälfte der Gesamtbevölkerung des Libanon. 2 Beiruts Vororte haben sich aus Dörfern entwickelt und gelten verwaltungstechnisch als unabhängige Gemeinden, obwohl sie mittlerweile ökonomisch, kulturell und sozial zum Großraum Beirut gehören. Die meisten Beirutis stammen aus ländlichen Gebieten, und da es sehr aufwändig ist, den Wohnort zu wechseln, schreibt ihnen das Wahlrecht zur Stimmabgabe eine Rückkehr in ihre Heimatorte vor. Trotz dieser Anomalie des Wahlrechts und obwohl Libanes_innen weiterhin enge Bindungen zu ihren dörflichen und kleinstädtischen Herkunftsorten unterhalten, bilden sie eine überwiegend urbane Gesellschaft. Libanesische Jugendliche stellen im Vergleich zu den anderen sieben Jugendgruppen aus der arabischen Welt statistisch gesehen keine signifikanten Ausreißer_innen dar. Ihr Prozentsatz der Selbsteinschätzung als Jugendliche(88 %) und Erwachsene(12 %) liegt leicht unter dem Durchschnitt der gesamten Stichprobe(92 % bzw. 8 %). In ihrem Familienstand – 76 Prozent sind noch ledig, vier Prozent verlobt und nur 19 Prozent verheiratet(ein Prozent geschieden) – übertreffen sie den Durchschnitt der arabischen Länder, in denen nur 66 Prozent noch ledig sind. Andere Koeffizienten bestätigen diese Tendenz eines späteren Heiratsalters: 78 Prozent der Jugendlichen des Libanon leben noch bei ihren Eltern – während der Durchschnitt in allen untersuchten Ländern bei 69 Prozent liegt – und nur 19 Prozent leben bei ihren Partnern 2. Die empirische Studie weist in der Frage des Wohnmilieus zwei Ungenauigkeiten auf: Zum einen geht sie davon aus, dass die überwiegende Mehrheit der Jugendlichen in ländlichen Zentren(48 %) und kleinen Städten(41 %) leben, aber nur sechs Prozent in mittelgroßen Städten mit 100.001–500.000 Einwohner_innen und niemand in einer Großstadt mit mehr als 500.000 Einwohner_innen, obwohl Beirut mehr als eine halbe Million Einwohner_innen zählt; zum anderen erscheinen Christ_innen praktisch nicht in der Kategorie»mittelgroße Stadt« – sprich Beirut –, in der mit 98 Prozent angeblich fast ausschließlich Muslim_innen leben. (durchschnittlich 24 %). In ihrer Haushaltsgröße mit 4,7 Personen liegen sie unter dem regionalen Durchschnitt von 5,6 Personen. Der Libanon hat eine lange Tradition der Laissez-faire Staatlichkeit mit einem im Vergleich zu anderen arabischen Staaten niedrigen Niveau an staatlicher Wohlfahrt. Familien und Religionsgemeinschaften haben die Funktion wechselseitiger Unterstützung übernommen. Deshalb haben die neoliberalen Transformationen durch eine radikale Marktöffnung und die massive staatliche Austeritätspolitik, die die MENA-Region seit den späten 1980er-Jahren erlebte, das Land nicht so hart getroffen. Die Ober- und Mittelschicht des Libanon haben diese Lücke durch private karitative Initiativen und Familienunterstützung ausgeglichen – ein Trend, der sich heute in den anderen arabischen Staaten ebenfalls abzeichnet. Die libanesischen Jugendlichen fühlen sich mit der heutigen wirtschaftlichen Situation ihrer Familien außerordentlich zufrieden: 77 Prozent beurteilen sie als sehr oder eher gut und nur 23 Prozent als sehr oder ziemlich schlecht, was über dem MENA-Durchschnitt von 71 bzw. 29 Prozent liegt. Ihre persönlichen wirtschaftlichen Aussichten sehen sie hingegen weitaus pessimistischer, wie wir weiter unten noch sehen werden. Es ist üblich und keine Schande, dass Eltern für die Ausbildung und den Start ins Berufs- und Familienleben ihrer Kinder aufkommen. Auf der anderen Seite haben die Armen, die keinen entsprechenden familiären Hintergrund haben, kaum eine Chance, ihrer ererbten sozialen Position zu entkommen, wie Houssam(26 und Single), aus eigener Erfahrung weiß: »Der Grund, warum ich die Schule abgebrochen habe, ist die finanzielle Situation meiner Eltern, die ein Hindernis für meine Chancen als Jugendlicher darstellt.« Als ein Land mit kaum natürlichen Ressourcen und einer Tradition der Arbeitsemigration ist der relativ hohe Anteil von 46 Prozent an Studierenden unter den libanesischen Jugendlichen nicht überraschend. Er wird nur noch von Marokko mit 50 Prozent und Bahrain mit 57 Prozent übertroffen. Mit seinen 59 Prozent der befragten Jugendlichen, die bereits einen hohen Bildungsgrad erreicht haben, übertrifft der Libanon hingegen alle anderen in der MENA-Jugendstudie der Friedrich-EbertStiftung untersuchten Länder. 5 STEPHAN ROSINY| DER LIBANON: VORLÄUFER DES ARABISCHEN FRÜHLINGS? 4. Gender und Wirtschaft Interessanterweise haben 32 Prozent der Mütter der Befragten im Libanon einen hohen und 31 Prozent einen mittleren Bildungsabschluss. Diese Tendenz eines hohen Bildungsniveaus der Frauen nimmt in der jüngeren Generation sogar noch zu. Während 62 Prozent der weiblichen Befragten eine höhere Ausbildung genießen, trifft dies nur für 57 Prozent der männlichen Befragten zu. Dies spiegelt einen allgemeinen Trend in der MENA-Region wider, nach dem weibliche Studierende heutzutage die Mehrheit der Hochschulabsolvent_innen darstellen. Dieser Bildungsvorsprung von Frauen führt jedoch nicht notwendigerweise zu einer höheren Präsenz in gesellschaftlichen und politischen Führungspositionen. Selbst beim Familieneinkommen und bei persönlichen Freiheiten scheint nach wie vor das traditionelle Rollenbild des Mannes als Versorger der Familie vorzuherrschen, das durch die Statistiken und Befragungen von männlichen und weiblichen Jugendlichen aus dem Libanon bestätigt wird: Trotz ihres hohen Bildungsgrades sind 82 Prozent der Mütter der Befragten im Libanon»arbeitslos« oder sie »arbeiten ohne Einkommen«; d. h. sie sind Hausfrauen. Aus einer männlichen Perspektive sagt Ghassan: »Wenn ein Mann heiraten will, muss er(finanziell) stabil sein. Wenn er keine Stabilität in sein Leben bringt oder keine Hilfe von seinem Vater zumindest für ein Haus erhält, wird er die Grundvoraussetzungen für ein menschenwürdiges Leben nicht aufbringen können.(…) Arbeit ist wichtiger als Ehe, denn Arbeit ist es, die eine glückliche Ehe ausmacht, in der man Möbel, ein Haus und ein Auto kaufen muss.« Dima, eine 19-jährige Universitätsstudentin, die Bankdirektorin werden will, hat dennoch auch traditionelle Vorstellungen von einer Partnerschaft: »Es soll in einer Partnerschaft gegenseitigen Respekt geben.(…) Wichtig ist, dass der Mann die Verantwortung trägt.« Versorgungssicherheit bedeutet für die Mehrheit der Männer, eine gute Arbeit zu haben, für einen größeren Teil der Frauen hingegen, eine gute Ehe einzugehen. Für 61 Prozent der jungen Männer und für 34 Prozent der jungen Frauen hat eine gute Arbeit Vorrang, während für 44 Prozent der jungen Frauen, aber nur für 20 Prozent der jungen Männer eine gute Ehe Priorität besitzt. Diese Einstellungen sind jedoch nicht einheitlich und bedeuten nicht, dass junge Frauen diesen Status quo für die Zukunft beibehalten werden. Die junge Generation scheint auf der Suche nach neuen Rollenmodellen zu sein: »Traditionen, die besagen, dass eine Frau nicht arbeiten darf und dass ihr Platz im Haus sei, haben sich verändert und existieren nicht mehr. Heute ist die Frau ein wichtiger Bestandteil der Gesellschaft.« Ghassan Die 24-jährige Lara beschwert sich: »Mein Ehrgeiz ist es, zu arbeiten, bevor ich heirate, weil mein Mann mich in Zukunft daran hindern könnte, arbeiten zu gehen. Ich möchte von niemandem unterstützt werden«. Die politischen und wirtschaftlichen Krisen der Gegenwart führen zu veränderten Rollenzuschreibungen, und die wirtschaftliche Notwendigkeit einer gemeinsamen Verantwortung könnte die Geschlechterrollen von Mann und Frau künftig weiter angleichen. 5. Die Mittelklasse 91 Prozent der libanesischen Jugendlichen bezeichnen sich selbst als Teil der unteren und oberen Mittelklasse, nur drei Prozent als»wohlhabend« und sechs Prozent als »arm«. Dies ist eine Selbstzuschreibung der»Mittelklasse«, die in der Befragung nur noch von Bahrainis mit 93 Prozent und Tunesier_innen mit 96 Prozent übertroffen wird. Diese Selbsteinschätzung spiegelt sich in einem hohen Lebensstandard wider: 84 Prozent der libanesischen Jugendlichen leben in ihrem eigenen Zimmer, mehr als 97 Prozent der Befragten genießen Leitungswasser, Strom, WC, eine Küche, einen Herd und TV, drei Viertel einen eigenen Computer und Internetzugang. In diesen Prozentsätzen gibt es kaum Unterschiede nach Geschlecht, Familienstand, Eigenbudget und Wohnmilieu. Eine Ausnahme stellen junge Menschen mit einem niedrigen Bildungsniveau dar, denn bei ihnen ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie einen eigenen Computer besitzen, weitaus geringer(40 %) als bei mittleren(70 %) und hoch qualifizierten Befragten(85 %). 6 STEPHAN ROSINY| DER LIBANON: VORLÄUFER DES ARABISCHEN FRÜHLINGS? In der Elterngeneration der Befragten aus dem Libanon sind qualifizierte selbstständige Tätigkeiten sehr häufig. Mehr als die Hälfte der Väter arbeitet selbstständig und nur elf Prozent sind Staatsangestellte. Diese Erfahrung von Eigenverantwortung und Selbstbestimmung der Elterngeneration kann das hohe Selbstvertrauen erklären, die eigenen beruflichen Wünsche zu verwirklichen. Libanesische Jugendliche sind völlig(30 %) oder eher sicher (45 %), ihre beruflichen Wünsche verwirklichen zu können. Dieses hohe Selbstvertrauen von 75 Prozent wird sonst nur noch von tunesischen Jugendlichen mit 74 Prozent und bahrainischen Jugendlichen mit 72 Prozent erreicht. Im Libanon weist der private Sektor die größte Dynamik auf und die libanesische Jugend ist weniger vom Verlust der Beschäftigungssicherheit, der Ausweitung des Prekariats und einem gescheiterten Bildungsversprechen betroffen als die Jugendlichen in anderen arabischen Ländern. 6. Unsicherheit, wirtschaftliche Deprivation und Gewalt Die optimistischen Aussichten libanesischer Jugendlicher auf ihr künftiges Berufsleben stehen gleichwohl etwas im Gegensatz zur Einschätzung ihrer aktuellen wirtschaftlichen Situation. 70 Prozent der libanesischen Jugendlichen beschreiben ihre wirtschaftliche Situation als sehr bzw. ziemlich gut und 30 Prozent als eher bzw. sehr schlecht. Damit stehen sie zwischen den kriegszerrütteten Gesellschaften, in denen weniger Jugendliche mit»sehr / ziemlich gut« antworteten(Palästina 62 %, Jemen 34 % und syrische Flüchtlinge 10 %), und den Nichtkriegsländern: In Jordanien antworteten 71 Prozent positiv, in Ägypten 73 Prozent und in Marokko sogar 82 Prozent, mit dem Ausreißer Bahrain, wo 91 Prozent der befragten Jugendlichen ihre wirtschaftliche Lage als»sehr gut« und»eher gut« bezeichneten. Es überrascht nicht, dass libanesische Jugendliche mit niedriger Bildung mit ihrer wirtschaftlichen Situation noch unzufriedener sind – nur 45 Prozent beschreiben sie als»sehr / ziemlich gut«. In Anbetracht ihrer turbulenten Umgebung fühlen sich junge Libanes_innen mit einem Wert von 5,6 auf einer Skala zwischen 1(unsicher) und 10(sehr sicher) weniger sicher in Bezug auf ihre persönliche Situation als die meisten Befragten aus den anderen arabischen Ländern, die einen Durchschnitt von 6,2 aufweisen. Dieser geringe Wert wurde nur von den kriegserfahrenen Jemenit_innen mit 5,0 und syrischen Flüchtlingen im Libanon mit 4,5 unterboten. Mit einem relativ niedrigen Wert von 4,9 verursacht die Wahrscheinlichkeit bewaffneter Konflikte ein viel größeres Gefühl der Unsicherheit als in den meisten anderen Ländern. Dies ist vor allem auf die Tabelle 1:»Ich fühle mich sicher / unsicher in folgenden Bereichen«(Skala von 1»überhaupt nicht sicher« bis 10»völlig sicher«) Total My economic situation 5,4 My health status 7,7 My exposure to violence 7,1 My access to food 7,8 The future of my family 6,7 The probability of armed conflict 4,9 My future professional career 5,9 Education low middle high 4,4 5,6 5,4 7,1 7,8 7,8 6,5 7,2 7,2 6,8 7,8 8,0 5,6 6,9 6,8 4,2 4,9 5,0 4,8 6,0 6,0 Marital status single married 5,5 4,6 7,9 7,1 7,2 6,8 7,9 7,3 6,9 5,8 5,0 4,4 6,1 5,1 Own budget with without 5,4 5,2 7,9 7,4 7,3 6,7 8,0 7,3 6,8 6,4 4,9 5,0 6,1 5,4 7 STEPHAN ROSINY| DER LIBANON: VORLÄUFER DES ARABISCHEN FRÜHLINGS? Angst vor einem Übergreifen des syrischen Bürgerkriegs zurückzuführen, der viele Libanes_innen an ihre eigene Geschichte des Bürgerkriegs erinnert, sowie vor einer Ausweitung dschihadistischer Gewalt und der ständigen Gefahr eines wiederholten Krieges mit Israel, das in seinem letzten Krieg von 2006 einen bedeutenden Teil der libanesischen Infrastruktur zerstört hatte. Weitere Ursachen für Angst sind wirtschaftliche Unsicherheit und Skepsis über die zukünftige berufliche Karriere. Generell sind diejenigen mit geringerer Bildung und solche ohne eigenes Budget pessimistischer als diejenigen mit mittleren und höheren Bildungsabschlüssen und solche mit eigenem Budget. Die Ängste vor persönlicher wirtschaftlicher Unsicherheit und vor einem bewaffneten Konflikt sind ähnlich stark, und sie sind im Libanon ineinander verzahnt: Der Krieg im benachbarten Syrien hat den wichtigsten libanesischen Exportmarkt nahezu zum Erliegen gebracht und die einzige Überlandverbindung für Handel, etwa in die Golfregion, abgeschnitten. Darüber hinaus belastet der Zustrom syrischer Flüchtlinge die ohnehin unterentwickelten öffentlichen Dienstleistungen und strapaziert das Staatsbudget eines der am höchsten verschuldeten Staaten der Welt. All dies führte zu einem Rückgang des Wirtschaftswachstums von acht bis zehn Prozent vor 2011 auf unter zwei Prozent seit Ausbruch des Aufstandes in Syrien(Nemeh 2017). Ghassan, ein 27-jähriger Jurist, bezieht die wirtschaftlichen und politischen Ursachen der Unsicherheit aufeinander: »Die Lage der Wirtschaft und der Sicherheit beeinflussen meine Sicht auf die Zukunft, die ein wenig pessimistisch ist. Ich fühle, dass es im Libanon ›Schläferzellen‹ gibt, besonders mit dem ISIS-Phänomen. Man weiß nicht, wann sie zuschlagen werden, was zu Explosionen und Krieg führen wird.« Eine Million offiziell registrierte und eine halbe Million nicht registrierte syrische Flüchtlinge stellen im Vergleich zur libanesischen Bevölkerung von etwa vier Millionen eine große Herausforderung für die Sicherheit und die Wirtschaft des Landes dar, besonders für die unteren Schichten der Gesellschaft(Salloukh 2017). Bob, 22 Jahre alt und Abiturient, beschwert sich über die syrischen Flüchtlinge: »Die Kriege, die um uns herum stattfinden, beeinflussen uns negativ. Zum Beispiel dominieren die syrischen Flüchtlinge den Arbeitsmarkt, was zu einem Rückgang der Einkommen und einem Anstieg der Mieten führt, zusätzlich zu den Verkehrsstaus aufgrund der hohen Bevölkerungsdichte.« 7. Werte Mit einer durchschnittlichen Punktzahl von 6,6 auf einer Skala von 1 bis 10 nehmen libanesische Jugendliche im Vergleich zu den anderen untersuchten arabischen Staaten den zweitniedrigsten Rang in ihrer selbst wahrgenommenen Religiosität ein – nach den Tunesier_innen, die hier 6,0 Punkte aufweisen. 89 Prozent der interviewten Libanes_innen betrachten Religion als eine Privatangelegenheit – was allerdings in gewisser Weise der Aussage von 36 Prozent der Befragten widerspricht, die eine größere Rolle des Islam im täglichen Leben fordern. Dies ist der niedrigste Wert aller untersuchten Länder. Allerdings muss dabei berücksichtigt werden, dass 38 Prozent der libanesischen Stichprobe Christ_innen und nur 58 Prozent Muslim_innen sind. Libanesische Jugendliche schätzen Freiheiten und Rechte sehr. Die Bedeutung von Meinungs- und Redefreiheit, Versammlungs- und Bewegungsfreiheit sowie Grundrechte für Minderheiten werden höher gewichtet als in den meisten anderen arabischen Ländern. Das Bewusstsein für diese Rechte steigt mit dem Bildungsgrad, aber es gibt kaum Unterschiede nach Geschlecht, Familienstand, Budget oder Wohnmilieu. Wenn jedoch nach den»drei wichtigsten Rechten« gefragt wird, werden die Sicherheitsfragen»Abwesenheit von Gewalt« mit 88 Prozent und»Sicherung der Grundbedürfnisse« mit 75 Prozent deutlich höher gewichtet als die politischen Freiheiten – mit Ausnahme der Meinungs- und Redefreiheit, die immerhin noch 63 Prozent Unterstützung erhält. Libanesische Jugendliche sind allerdings sehr skeptisch, dass der libanesische Staat diese Rechte gewähren kann. Umso bemerkenswerter ist es, dass eine überwältigende Mehrheit(69 %) ein demokratisches System vorzieht. Dies ist mit Abstand die höchste Zustimmungsrate zur Demokratie innerhalb ihrer Generation; nach Tunesier_ innen und syrischen Flüchtlingen mit 52 Prozent kommen Ägypter_innen mit 51 Prozent Zustimmung, wäh8 STEPHAN ROSINY| DER LIBANON: VORLÄUFER DES ARABISCHEN FRÜHLINGS? Tabelle 2:»Wenn Du Dich in der Welt umschaust: Welches politische System wünschst Du Dir?« (Angaben in Prozent) A strong man who governs the country A strong woman who governs the country A religious state based on sharia A socialist system A combined socialist and Islamic system A democratic system A combined democratic and Islamic system Total 14 4 3 1 0 69 4 Gender male female 16 11 1 6 3 3 2 1 0 0 68 70 4 4 Education low middle high 22 15 12 4 5 3 7 3 2 1 1 2 1 0 0 49 68 73 7 4 3 Tabelle 3:»Hast Du Vertrauen in folgende Institutionen?«(Angaben in Prozent) Public health system Educational system Media Family Police Government Trade Unions Parliament Zawiya Neighbourhood associations Tribe Parties Religious organisations Legal system and courts Military Militias(armed groups) Total 19 40 15 85 33 9 12 9 2 2 11 9 16 18 81 3 Education low middle high 17 21 18 30 41 41 12 20 13 82 84 85 36 37 30 13 10 7 15 16 9 10 8 9 1 4 2 1 3 2 15 12 10 5 10 9 21 18 14 21 18 17 72 83 82 2 3 4 Own budget with with­out 19 17 39 40 15 16 87 79 33 33 8 11 11 13 8 11 3 2 2 3 11 11 6 15 14 20 16 21 82 81 4 1 Milieu of residence large city city rural 16 16 28 35 37 49 8 15 17 81 84 86 9 34 36 4 9 10 5 11 18 1 8 14 1 3 1 1 3 1 12 11 10 7 7 16 17 14 23 14 17 22 60 82 87 – 3 5 9 STEPHAN ROSINY| DER LIBANON: VORLÄUFER DES ARABISCHEN FRÜHLINGS? rend Jemen, Marokko und Palästina die letzten Plätze belegen – nur 23 bzw. 24 Prozent der befragten Jugendlichen bevorzugen dort eine Demokratie. Ein starker Mann, der das Land regiert, kommt für libanesische Jugendliche mit einer großen Entfernung von 14 Prozent als nächstes bevorzugtes staatliches System, wobei immerhin 22 Prozent der geringer gebildeten Jugendlichen dieses System bevorzugen. Ein religiöser Staat mit Scharia-Gesetzgebung(3 %), ein sozialistischer Staat(1 %) und ein kombinierter demokratischer und islamischer Staat(4 %) sind für libanesische Jugendliche hingegen keine Optionen. Die Jugend im Libanon scheint sich bewusst zu sein, dass ein islamischer Staat für den großen Anteil der Christ_innen im Land keine akzeptable Option wäre. Diese hohe Zustimmung zu einem demokratischen System ist umso erstaunlicher, als die Institutionen des libanesischen demokratischen Systems kein Vertrauen bei der Jugend genießen. Nur neun Prozent vertrauen dem Parlament, der Regierung und den Parteien, 18 Prozent dem Rechtssystem und den Gerichten und 19 Prozent dem öffentlichen Gesundheitssystem. Die beiden Institutionen, die mit Abstand die höchste Unterstützung unter den Jugendlichen erhalten, sind die Armee(mit 81 Prozent der höchste Wert für alle untersuchten arabischen Staaten) und die Familie(85 %). Die libanesische Armee ist die einzige nationale Institution, die als überkonfessionell gilt. Die Institutionen, zu denen man in einer Gesellschaft mit starken nichtstaatlichen Gemeinschaftsverbänden Zustimmung erwarten könnte – zawiya mit zwei Prozent, Nachbarschaftsverbände mit zwei Prozent, Stämme mit elf Prozent, religiöse Organisationen mit 16 Prozent und Milizen mit drei Prozent – genießen ebenfalls keine sonderliche Unterstützung. 8. Politik und die Rolle des Staates Während in allen untersuchten Ländern eine überwiegende Mehrheit von 77 Prozent der Jugendlichen eine größere Rolle des Staates im täglichen Leben verlangt, erzielt diese Forderung mit 92 Prozent einen Höchstwert bei Libanons Jugend. Dabei sticht heraus, dass 65 Prozent der libanesischen Jugendlichen eine stärkere»Überwachung« vom Staat fordern, gefolgt von der Forderung nach mehr sozialer Sicherheit mit 51 Prozent. Dies dürfte mit der Angst vor einem Überspringen der Gewalt aus dem syrischen Krieg in den Libanon zu tun haben. Häufige Nachrichten in den lokalen Medien, dass dschihadistische Terrorzellen aufgedeckt worden seien, befeuern diese Angst. Die libanesischen Interviewpartner_innen kritisieren jedoch, dass der Staat seine Pflicht vernachlässigen würde, ein Bildungssystem und Arbeitsmöglichkeiten insbesondere für Jugendliche zu schaffen. Sie fordern solche Aufsichtsfunktionen des Staates und beschuldigen die »korrupten« Politiker_innen, stattdessen ihre eigenen Taschen zu füllen. Wie die Tiefeninterviews zeigen, sind junge Libanes_innen zutiefst verärgert über das bestehende klientelistische System, da es ihre Aufstiegschancen durch Bildung einschränkt. Das ganze Land würde daher eine Abwanderung hoch qualifizierter Arbeitskräfte erleiden. Zudem lehnen sie die Uneinigkeit der Politiker_innen ab, die es externen Mächten erlaube, einzugreifen und die Situation auszunutzen, wie es die 22-jährige Studentin Dana auf den Punkt bringt: »Wir haben heute keine Innenpolitik mehr, weil die externe Politik uns kontrolliert. Wir haben im Libanon viele Parteien, und jede Partei wird von einem externen Staat geführt. Was auch immer ausländische Staaten wollen, wird uns im Land angetan.« Das hohe Bewusstsein für politische Prozesse und die sehr kritische Haltung gegenüber bestehenden Strukturen stehen im drastischen Gegensatz zu den Antworten auf die Frage:»Sind Sie an Politik interessiert?« 63 Prozent der befragten libanesischen Jugendlichen negieren sie und weitere 21 Prozent zeigen sich nur»ein wenig interessiert«. Es scheint, dass viele Interviewpartner_innen diese Frage missverstanden haben, die ihren Politiker_innen und den bestehenden politischen Institutionen misstrauen, sich aber durchaus politisch bewusst und interessiert zeigen. Dies kommt insbesondere in den qualitativen Interviews zutage. Beispielsweise erklärt Dima: »Ich habe keinen Grund, der Politik[den Politiker_innen] zu vertrauen, weil es sich um schlechte Taten handelt. Im Libanon gibt es viele Probleme, die nicht gelöst werden können, zum Beispiel die Müllkrise, die Elektrizität, die Straßenverhältnisse und die Wasserversorgung.« Der 20-jährige Student Sam kritisiert: 10 STEPHAN ROSINY| DER LIBANON: VORLÄUFER DES ARABISCHEN FRÜHLINGS? »Ich traue den politischen Institutionen wegen der bestehenden Korruption und Gier nicht. Die Politik ist voller Schwindel und Betrug. Politiker_innen arbeiten nur für ihre eigenen Interessen und nicht für die Interessen der Menschen.« Die Frustration mit den Politiker_innen führt zu einem geringen Interesse an der Teilnahme an Wahlen – 35 Prozent würden dies in Erwägung ziehen – und sogar zu einer noch niedrigeren tatsächlichen Wahlbeteiligung von 21 Prozent. Immerhin haben bereits 15 Prozent der Befragten an einer Demonstration und zehn Prozent an einem Streik teilgenommen; acht Prozent sind einer Partei beigetreten. In diesen Werten übertreffen Libanes_innen ihre Zeitgenoss_innen aus anderen arabischen Ländern. Die niedrige Rate von nur 21 Prozent der libanesischen Jugendlichen, die sich aktiv über Politik informieren, erklärt sich, wenn man bedenkt, dass nur 15 Prozent der Befragten den Medien vertrauen, die im Libanon sehr voreingenommen und oft konfessionell und parteipolitisch gebunden sind. 9. Der»Arabische Frühling« aus Sicht libanesischer Jugendlicher Wie oben gezeigt wertete die damalige US-Regierung die libanesische»Zedernrevolution« von 2005 als Beleg eines »Arabischen Frühlings«. Sie wollte damit auch die IrakInvasion von 2003 legitimieren, weil sie angeblich die Demokratie im»Neuen Nahen Osten« gefördert habe. Die libanesischen Jugendlichen scheinen ihre Enttäuschung über die gescheiterte Zedernrevolution heute auf den Arabischen Frühling zu projizieren. Auch leiden sie in ihrem täglichen Leben unter den gewaltsamen Folgen des syrischen Aufstands. Dies mag erklären, warum sie die Ereignisse seit 2011 deutlich skeptischer sehen als ihre Altersgenossen in anderen arabischen Staaten: 33 Prozent der Befragten stufen die Ereignisse in der Region als»ausländische Intervention« und 42 Prozent als»Anarchie« (fawda) ein. Weitere negative Assoziationen sind»Aufruhr«(18 %),»Bürgerkrieg«(10 %) und»Coup d’état« (9 %). Nur acht Prozent bezeichnen die Ereignisse als »Arabischen Frühling« und 17 Prozent als»Revolution«. Tabelle 4: Wie bewertest Du die folgenden Aussagen mit Blick auf diese Ereignisse in der MENARegion seit Ende 2010/Anfang 2011? With the events we are better off today The events brought the Arab people closer to each other The events are respon­ sible for widespread violence International actors have supported Arab regimes too long External actors insti­ gated the events International actors have worked long for the Arab regimes to fall The US wanted to stir up the whole region Total 12 20 57 31 46 44 50 Egypt 24 Jordan Lebanon Morocco Palestine Tunisia Yemen Syrian Refugees 19 6 19 6 11 8 3 26 26 13 25 12 24 15 16 44 53 66 32 67 61 68 66 24 29 40 23 34 29 29 38 31 42 59 29 56 42 55 52 32 41 54 28 57 42 53 44 38 47 60 35 66 43 58 51 11 STEPHAN ROSINY| DER LIBANON: VORLÄUFER DES ARABISCHEN FRÜHLINGS? Eine große Mehrheit unterstützt hingegen die folgenden negativen Aussagen:»Die Ereignisse sind für weit verbreitete Gewalt verantwortlich«(66 %),»Externe Akteure haben die Ereignisse angestoßen«(59 %),»Internationale Akteure haben lange daran gearbeitet, dass die arabischen Regime stürzen«(54 %) und»Die USA wollten die gesamte Region aufmischen«(60 %). Alles in allem ist die libanesische Jugend skeptischer in ihrer Bewertung als die Befragten in allen anderen Ländern. 10. Gewalt und Flüchtlingsstatus Die Frage nach persönlicher»Erfahrung von Gewalt« führt im Libanon zu einem unerwarteten Ergebnis. Nur 16 Prozent der libanesischen Jugendlichen geben an, dass sie Gewaltakte erlebt haben, was die niedrigste Rate der gesamten Erhebung in der Region ist. Wahrscheinlich hat die häufige Erfahrung politischer Gewalt seit Ende des Bürgerkriegs – drei Kriege mit Israel, Dutzende politische Attentate, bürgerkriegsähnliche Kämpfe und Bombenanschläge – eine Art kollektiver Amnesie gegenüber der Gewalt geschaffen. Bis heute neigen Libanes_innen dazu, den Bürgerkrieg von 1975 bis 1990 als»die Vorfälle«(al-ahdath) zu verharmlosen. Um das Argument zu schärfen: Libanes_innen haben möglicherweise gelernt, mit ihren realen Gewalterfahrungen umzugehen, indem sie ihre Erinnerungen daran unterdrücken, während in anderen Ländern Gewalterfahrungen noch jünger sind und deshalb schockierender wirken. Eine solche kollektive Erfahrung spiegelt sich auch in ihrer(Nicht-)Selbstbeschreibung als»Flüchtlinge« wider. Nur zwei Prozent der libanesischen Jugendlichen beantworteten Frage 169 –»Würden Sie sich als Flüchtling betrachten?« – zustimmend, obwohl Millionen von Libanes_innen Flucht und Vertreibung am eigenen Leib erlebt haben, sei es durch den Libanesischen Bürgerkrieg oder durch die israelische Besatzung des Südlibanon von 1978 bis 2000. Die Nähe des israelisch-palästinensischen Konflikts und bis zu 400.000 palästinensische Flüchtlinge, die seit Jahrzehnten im Libanon leben, haben das negative Image eines»Flüchtlings« geprägt als jemand, der sein / ihr Heimatland für immer verlassen hat. So vermieden es die jeweils rund eine Million Libanes_innen, die während der israelisch-libanesischen Kriege von 1993, 1996 und 2006 aus ihren Häusern geflohen waren, als Flüchtlinge bezeichnet zu werden, und kehrten so schnell wie möglich in ihre Heimat zurück, selbst wenn ihre Wohnhäuser zerstört worden waren. Heute weigern sich die politischen Entscheidungsträger_innen des Libanon, den Flüchtlingsstatus der Syrer_innen anzuerkennen, weil sie ihre dauerhafte Ansiedlung im Libanon und eine Wiederholung der Erfahrung mit den Palästinaflüchtlingen befürchten. 11. Migration Neun Prozent der Jugendlichen im Libanon haben bereits im Ausland gelebt, wobei Hochgebildete(11 %) deutlich häufiger im Ausland waren als Menschen mit niedrigem Bildungsabschluss(2 %); 41 Prozent der Befragten haben Verwandte, die im Ausland gelebt haben. Dies sind im regionalen Vergleich sehr hohe Werte. Mit 45 Prozent der Jugendlichen, die zumindest mit der Idee einer Auswanderung spielen, belegt der Libanon indes nur eine durchschnittliche Position, was zeigt, dass Kontakte ins Ausland nicht unbedingt neue Auswanderer_innen generieren. Die eigene Erfahrung kann jedoch das Auswanderungsziel bestimmen: Deutschland, Frankreich und Schweden sind die bevorzugten europäischen Reiseziele für libanesische Jugendliche, wahrscheinlich weil Familienmitglieder zuvor in diese Länder ausgewandert sind. 12. Schlussfolgerungen Der Libanon weist eine Politisierung konfessioneller Identitäten auf, die von einer politischen Elite angeheizt und ausgenutzt wird. Regionale und globale Akteure greifen absichtlich oder unwillentlich in diese Fragmentierung ein und vertiefen sie noch. Interne und externe Akteure übten politische Gewalt aus, die bis hin zum Bürgerkrieg eskalierte. Seit die politischen Proteste in Bahrein, Syrien, Libyen, Irak, Jemen und in Teilen Saudi-Arabiens zu gewalttätigen Konflikten mit starken ethnisch-konfessionellen und tribalen Neigungen geworden sind, hat der Libanon seine Einzigartigkeit der konfessionellen Zersplitterung und Kriegsführung verloren. Der Libanesische Bürgerkrieg kann somit als Vorläufer der gegenwärtigen Konflikte in der Region angesehen werden, denn er begann ebenfalls als politischer Machtkampf für sozioökonomische Reformen und endete in einem konfessionalistischen Bürgerkrieg. Eine weitere Parallele ist der starke Einfluss externer Akteure, die den Libanon in einen Schauplatz für Stellver12 STEPHAN ROSINY| DER LIBANON: VORLÄUFER DES ARABISCHEN FRÜHLINGS? treterkriege zwischen regionalen und globalen Akteuren gemacht hatten. Libanes_innen haben während der Zedernrevolution von 2005 einen»Arabischen Frühling« erlebt. Viele von ihnen waren aber schon bald desillusioniert von Politiker_innen, die sich progressive Forderungen auf die Fahnen schrieben, aber mit ihrer Miss- und Günstlingswirtschaft fortfuhren. Eine starke Polarisierung zwischen den Blöcken des 8. März und des 14. März führte zu einem politischen Stillstand, der die libanesische Politik eine Dekade lang lähmte. Diese negative Erfahrung und das Misstrauen gegenüber Politiker_innen erklären das große Desinteresse der für diese Studie interviewten libanesischen Jugendlichen an ihren Politiker_innen und am Arabischen Frühling, den die Mehrheit von ihnen als Produkt externer Einmischung ansieht. Auf der anderen Seite half das transitorische Machtteilungsarrangement von Ta’if(1989), im Libanon einen Teufelskreis konfessionalistischer Gewalt zu beenden, und könnte – wenn es korrekt umgesetzt würde – zu einem Lösungsmodell gegenwärtiger Konflikte in den tief gespaltenen Gesellschaften der Region werden(Rosiny 2015). Dies bringt uns zu drei allgemeinen Beobachtungen: 1. Das libanesische Beispiel bietet uns eine wichtige Lehre für die statistische Methodik. Der Libanon beweist, dass es auf historischen Erfahrungen beruhende starke lokale Besonderheiten in der Wahrnehmung von Bedrohungen und der Beschreibung von Herausforderungen gibt. Solche Unterschiede müssen berücksichtigt werden, wenn die Einstellungen der Bürger_innen in verschiedenen Gesellschaften miteinander verglichen werden. Für künftige Umfragen wäre es interessant, solche lokalen Erinnerungskulturen näher zu beleuchten und deren Einfluss auf die Ergebnisse vergleichender Befragungen zu untersuchen. Sie bleiben möglicherweise unbemerkt, wenn die quantitative statistische Methode nicht mit einer auf dem Wissen über die historische und soziopolitische Dynamik von Gesellschaften beruhenden qualitativen Analyse kombiniert wird. 2. Die Jugendstudie zeigt eine große innerlibanesische Harmonie der Antworten in der Wahrnehmung von Bedrohungen, Herausforderungen und Hoffnungen, die die konfessionellen Spaltungen und die politische Polarisierung zwischen den Lagern des 8. März und des 14. März überbrücken. Die libanesische Jugend ist den politischen Streit des letzten Jahrzehnts zwischen den Lagern vom 8. März und 14. März satt. Die Jugend scheint Politiker_innen überdrüssig zu sein, die nur ihre eigene Seite verteidigen und die Interessen der Nation ignorieren. Die Politiker_innen haben dadurch das Vertrauen einer ganzen Generation verloren. Nur wenige junge Libanes_innen engagieren sich in der Politik, obwohl ihr Land in der ganzen Region die größte Freiheit dazu bietet. Einige planen, das Land zu verlassen, während sich die meisten Jugendlichen einfach von der Politik abwenden. 3. Das erneuerte libanesische Machtteilungsarrangement von Ta’if von 1989 mit seinen garantierten Machtanteilen für Vertreter_innen aller größeren Konfessionsgemeinschaften half einst, den Bürgerkrieg zwischen konfessionalistischen Kriegsherren und Milizen zu beenden. Heute ist es überholt und wird als Belastung angesehen, weil es junge Menschen abhängig macht von konfessionalistischen Führer_innen. Daher sollten die dynamischen Elemente des Ta’if-Abkommens als transitorische Machtteilung wiederbelebt werden(Rosiny 2015). Die garantierten Machtanteile sollten einst die Grundlage für ein neues Zusammenleben nach dem Krieg bilden und dann die Zusammenarbeit zwischen Vertreter_innen verschiedener religiöser Gemeinschaften fördern, um die konfessionalistischen Trennungen zu überwinden (und nicht um sie zu zementieren). Ta’if und die überarbeitete libanesische Verfassung von 1990 verlangten, den politischen Konfessionalismus abzuschaffen und durch einen säkularen Rechtsstaat zu ersetzen. Die Ergebnisse dieser Umfrage legen einen großen Konsens in den Einstellungen und Werten der libanesischen Jugend nahe und belegen, dass diese erste Nachkriegsgeneration bereit ist, konfessionelle Quoten aufzugeben und ein säkulares, pluralistisches politisches System mit fairem Wettbewerb statt Bevorzugung und konfessionellen Privilegien zu schaffen – und damit die Versprechen des Ta’if-Abkommens zu erfüllen. Oder um es in Danas Worten zu sagen: »Etwas, das Demokratie genannt wird, sollte angewandt werden, damit alle Gemeinschaften eins werden. Nicht dass du Sunnit bist, du Schiit, deine Meinung ist eine andere als meine, du bist Christ, und ich weiß nicht, was sonst noch. Wir sollten für das Interesse des Landes vereint sein, wir müssen aufhören, dem zu gehorchen was andere Länder wollen, und ihren Druck auf uns zurückweisen.« 13 STEPHAN ROSINY| DER LIBANON: VORLÄUFER DES ARABISCHEN FRÜHLINGS? Im Jahr 2017 reformierten die libanesischen Parlamentarier_innen endlich das Wahlgesetz, indem sie proportionale Vertretung in größeren Distrikten statt eines Winner-takes-all-Systems in kleinen Wahlkreisen einführten. Dies war eine längst überfällige Reform, um Akteure mit einem nationalen politischen Programm anstelle lokaler Klientel-Netzwerke zu stärken, und ein erster Schritt in Richtung Abschaffung des Konfessionalismus. Nach Konfessionsproporz gewählte Politiker_innen mussten sich dabei an ihren eigenen Haaren aus dem Sumpf des Konfessionalismus ziehen. »Statt zu erwarten, dass die regionale Politik den Status quo im Libanon verändert, wie es viele Fraktionen seit vielen Jahren getan haben, haben lokale Parteien beschlossen, am libanesischen Verhandlungstisch ihren Frieden zu schließen, auch wenn die Wahlen im nächsten Jahr die Regierung des Landes bedrohen könnten.« Muhanna(2017) Es wird jedoch weitreichenderer Reformen bedürfen, um den libanesischen Jugendlichen Vertrauen in ihre Politiker_innen und ihr politisches System zurückzugeben. 14 Literatur STEPHAN ROSINY| DER LIBANON: VORLÄUFER DES ARABISCHEN FRÜHLINGS? Ajami, Fouad(2005):»We Have George W. Bush to Thank for the Arab Democratic Spring«, Opinion, Commentary in: The Daily Star, 23. Mai 2005; http://www.dailystar.com.lb/Opinion/Commentary/2005/May-23/96330-we-have-georgew-bush-to-thank-for-the-arab-democratic-spring.ashx. Gertel, Jörg/ Hexel, Ralf(2018): Coping with Uncertainty. Youth in the Middle East and North Africa, London: Saqi Books. Muhanna, Elias I.(2017):»Is Lebanon’s New Electoral System a Path Out of Sectarianism?«, in: The New Yorker, 29. Juni 2017; https://www.newyorker.com/news/news-desk/is-lebanons-new-electoral-system-a-path-out-of-sectarianism. Nemeh, Bassem(2017):»Precarious Republic«, in: Carnegie Middle East Center, 11. August 2017; http://carnegie-mec. org/diwan/72790?lang=en. Rosiny, Stephan(2015):»A Quarter Century of ›Transitory Power-Sharing‹. Lebanon’s Unfulfilled Ta’if Agreement of 1989 Revisited«, in: Civil Wars 17(4): 485–502; https://doi.org/10.1080/13698249.2015.1120171. Salloukh, Bassel F.(2017):»The Syrian War: Spillover Effects on Lebanon«, in: Middle East Policy 24(1): 62–78. Valbjørn, Morten/ Bank, André(2012):»The New Arab Cold War: Rediscovering the Arab Dimension of Middle East Regional Politics«, in: Review of International Studies 38(1): 3–24; https://doi.org/10.1017/S0260210511000283. 15 Über den Autor Stephan Rosiny ist Experte für den zeitgenössischen Nahen Osten. Er promovierte 1996 in Politikwissenschaft an der Johann Wolfgang Goethe-Universität, Frankfurt am Main. Er lehrte von 2000 bis 2007 Islamwissenschaft an der Freien Universität Berlin und war von 2010 bis Juni 2017 Research Fellow am Institut für Nahoststudien am GIGA in Hamburg. Seine Forschungsfelder sind der zeitgenössische schiitische Islam, Islamische Bewegungen und Machtteilungsarrangements in multiethnischen Gesellschaften im Nahen Osten. Impressum Friedrich-Ebert-Stiftung| Naher/ Mittlerer Osten und Nordafrika Hiroshimastr. 28| 10785 Berlin| Deutschland Verantwortlich: Dr. Ralf Hexel, Leiter, Naher/ Mittlerer Osten und Nordafrika Tel.:+49-30-269-35-7420| Fax:+49-30-269-35-9233 http://www.fes.de/nahost Bestellungen/ Kontakt: info.nahost@fes.de Eine gewerbliche Nutzung der von der Friedrich-Ebert-Stiftung (FES) herausgegebenen Medien ist ohne schriftliche Zustimmung durch die FES nicht gestattet. Die in dieser Publikation zum Ausdruck gebrachten Ansichten sind nicht notwendigerweise die der Friedrich-Ebert-Stiftung. Diese Publikation wird auf Papier aus nachhaltiger Forstwirtschaft gedruckt. ISBN 978-3-96250-272-0