t MuP-Praxishilfe(2018) Die Zukunftskonferenz Ein Partizipationsverfahren MuP-Redaktionsteam Überblick Die Partizipation von Bürger_innen in Kommunen, Städten, Regionen, etc. ist unabdingbar für eine stabile, lebendige Demokratie. Wie lassen sich jedoch Bürger_innen konkret in Entscheidungsprozesse einbeziehen? Um effektiv die Anregungen, Verbesserungsvorschläge und Ideen der Bürger_innen zu nutzen, gibt es verschiedene Methoden. In dieser MuP-Praxishilfe stellen wir die Methode der Zukunftskonferenz vor. Inhaltsverzeichnis Zukunftskonferenz – Was ist das? Durchführung und Ablauf Was wird benötigt? Ergebnissicherung Quellen und Verweise Zukunftskonferenz – Was ist das? Die Zukunftskonferenz, die von Marvin R. Weisbord erstmals als Verfahren beschrieben wurde, ist ein Dialog-, Planungs- und Strategieinstrument, das mit einer Großgruppe von 40-80 Teilnehmer_innen durchgeführt werden kann. Ziele der Zukunftskonferenz sind:  eine gemeinsame Plattform für die Zukunft eines Themas oder die Zukunft einer Organisation/ Gemeinde/ Stadt zu entwickeln(auf Basis aller Leitgedanken und Ziele) und  diese mit ganz konkreten Handlungsansätzen zu gestalten. N Auf den Punkt: Eine Zukunftskonferenz fördert Beteiligung, Ermutigung, Eigenverantwortung, projektorientiertes Lernen, Motivation und Vertrauen in die Kraft der Gruppe oder Organisation. Dabei sind die Grundprinzipien der Zukunftskonferenz wie folgt gegliedert: k Das ganze, offene System in einen Raum holen  Eine Zusammenarbeit mit allen an der Organisation bzw. an dem Thema Interessengruppen. Eine Annäherung an die Komplexität der Realität entfaltet sich. beteiligten á Den Fokus auf die Zukunft statt auf die Probleme richten  Es wird eine Zukunft entworfen, ein angestrebter Idealzustand, der von allen Teilnehmer_innen getragen wird.  Gemeinsamkeiten finden statt Konflikte bearbeiten  Durch diese Methode werden sehr viele Gemeinsamkeiten der unterschiedlichsten Interessengruppen sichtbar. Das Bearbeiten von Konflikten erscheint an dieser Stelle als unproduktiv und wertlos. MuP-Praxishilfe: Die Zukunftskonferenz – ein Partizipationsverfahren 1 t MuP-Praxishilfe(2018) m Erst Konsens erreichen, dann Maßnahmen planen  Es gibt eine lange Phase des gemeinsamen Zusammentragens von Informationen und Wahrnehmungen aus dem gesamten Umfeld. Bei diesem Zusammentragen steigt das Bewusstsein, dass die Zukunft anders sein wird als die Gegenwart und dass man dafür in Aktion gehen muss. YZ In selbstgesteuerten Gruppen arbeiten  Die Teilnehmer_innen bekennen sich in stärkerem Maße zu Strategien, an deren Entwicklung sie selbst mitgewirkt haben. Durchführung und Ablauf Einsatzmöglichkeiten Diese Form der Partizipation eignet sich besonders für Organisationen und/oder Gruppen aus Wirtschaft und Gesellschaft, die als gesamtes System betrachtet voneinander abhängig sind(z.B. eine Organisation und ihre Peripherie) oder die zumindest ineinander verwoben sind und der gemeinsame Konsens grundlegend für die Zukunft ist. Die Methode, bei der das gesamte Bild und alle Facetten des Themas berücksichtigt werden, eignet sich für die Entwicklung von Lösungsideen für relevante Problemlagen, kann aber auch bei konfliktären Gruppen mit divergierenden Interessen eingesetzt werden, um Konsens zu schaffen. Ablauf Die Teilnehmer_innen und externe Input-Geber_innen kommen zur Zukunftskonferenz zusammen. In Städten/Stadtteilen sind Vertreter_innen aller relevanten Bevölkerungsgruppen und Institutionen die Teilnehmer_innen. In Organisationen sind es die Mitarbeiter_innen mit Kollegen_innen anderer Abteilungen. Dabei beschäftigen sie sich in diesem heterogenen Umfeld mit der gemeinsamen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Stadt oder Organisation, um trotz divergierender Interessen, eine gemeinsame Grundlage für notwendige Projekte und Maßnahmen der Zukunft zu schaffen. Einführung Durch zwei Moderator_innen werden die Teilnehmeri_nnen in die Methode und den Ablauf eingeführt und erhalten Instruktionen für die Kleingruppenarbeit, die danach selbstorganisiert abläuft. Die sechs Phasen Vorgehen Die nachfolgend beschriebenen sechs Phasen werden jeweils in Kleingruppen(im Idealfall 8*8) durchlaufen und die Ergebnisse nach jeder Gruppenarbeit im Plenum vorgestellt und diskutiert. Die Gruppen werden nach jeder Phase neu durchmischt. Es wird empfohlen mit homogenen – also möglichst einheitlichen – Gruppen zu starten, diese in den nächsten Phasen zu durchmischen und die Maßnahmenplanung(Phase 6) wieder in homogenen Gruppen, deren Mitglieder im Alltag gemeinsam handeln, bearbeiten zu lassen. MuP-Praxishilfe: Die Zukunftskonferenz – ein Partizipationsverfahren 2 t MuP-Praxishilfe(2018) Phase 1: Vergangenheit Woher kommen wir? Phase 2: Gegenwart- außen Welche Entwicklungen kommen auf uns zu? 1. Tag, ca. 5 Stunden Phase 3: Gegenwart – innen Was gelingt uns gut, was weniger? Phase 4: Gemeinsame Zukunft Was wollen wir erreichen? Phase 5: Konsens bzgl. der Ziele Was wollen wir gemeinsam tragen? Phase 6: Maßnahmenplanung Was gehen wir an? 2. Tag, ganztägig 3. Tag, etwa 4-6 Stunden Phase 1: Reflexion der Vergangenheit Die Vergangenheit der Organisation bzw. Institution wird in den Blick genommen. Höhepunkte, Meilensteine, und sonstige wichtige Entwicklungen werden genannt und zusammengetragen, so dass ein umfassendes Bild von der Vergangenheit des Systems entsteht. Gute aber auch problematische Entwicklungen werden herausgearbeitet und Konsequenzen für die Zukunft gezogen. Ziel dieser Phase ist die Schaffung einer gemeinsamen Basis und eines Gemeinschaftsgefühls als Voraussetzung für einen konstruktiven Dialog. Phase 2: Bewertung der Gegenwart – außen Fakten und Wahrnehmungen bezüglich der Entwicklungen und Trends, die auf die Organisation bzw. Institution zukommen, werden hier zusammengetragen. Die entscheidenden Trends werden identifiziert und auf ihre Konsequenz hin überprüft. Phase 3: Bewertung der Gegenwart – innen Das Innenleben des Systems wird nun überprüft. Es wird danach gefragt, worauf die Teilnehmer_innen stolz sind und was sie bedauern. Die Wahrnehmungen aller Beteiligten werden gesammelt und interpretiert. MuP-Praxishilfe: Die Zukunftskonferenz – ein Partizipationsverfahren 3 t MuP-Praxishilfe(2018) Diese Phase macht die gemeinsamen Werte bewusst, löst häufig einen intensiven Austausch von Informationen aus und führt zu Aha-Erlebnissen. Am Ende wird deutlich, welche Dinge die Teilnehmer_innen in die Zukunft mitnehmen und welche sie gerne zurücklassen möchten. Phase 4: Entwicklung Zukunftsvision Mit kreativen Mitteln wird die gemeinsame Zukunft lebendig und anschaulich kreiert und anschließend präsentiert. Gemeinsame Ziele, Wünsche und Hoffnungen werden erkennbar und zentrale Wünsche werden identifiziert. Phase 5: Konsens finden Die Gemeinsamkeiten in den verschiedenen Zukunftsbildern werden herausgestellt und zu einer von allen getragenen Vision zusammengetragen. Phase 6: Planung konkreter Maßnahmen Im Anschluss kommt es zu einer Ergebnissicherung und dem Transfer in die Praxis. Dafür bilden sich Projektgruppen, in denen Maßnahmen erstellt und Verantwortlichkeiten festgelegt werden, um dann – nach Abschluss der Konferenz – mit der Umsetzung beginnen zu können. 5 Tipp: Beachten Sie den Zeitaufwand: Für eine Zukunftskonferenz werden in der Regel mindestens zweieinhalb Tage eingeplant. Was wird benötigt? $ Für die Praxis: Sie benötigen…  einen ausreichend großen Raum und Arbeitsgruppenräume.  Moderator_innen(Einführung in Methoden und Instruktionen für die Gruppenarbeiten, mischen sich jedoch nicht in die Organisation der Kleingruppen ein).  (Pinn-)Wände(Anzahl an die Gruppenzahl angepasst).  ausreichend Moderationsmaterialien(Kärtchen, Stifte, Pins). Ergebnissicherung Zukunftskonferenzen sind nicht nur Motivationsveranstaltungen, sondern ebenfalls Arbeits- und Planungskonferenzen. Deshalb werden die Ergebnisse in einer detaillierten Konferenzdokumentation festgehalten. Am Ende der Konferenz werden konkrete Maßnahmen geplant und Verantwortlichkeiten festgelegt, sodass danach, die in der Konferenz herausgearbeiteten Maßnahmen, in Projektgruppen bearbeitet werden können. Quellen und Verweise  Future Search- Die Zukunftskonferenz- Ein Leitfaden für die Praxis, Marvin Weisbord, Sandra Janoff, Christoph Trunk, Klett-Cotta.  Weitere Informationen zum Format Zukunftskonferenz finden Sie auf der Webseite von Agonda und hier.(zuletzt aufgerufen am 21.11.2018) MuP-Praxishilfe: Die Zukunftskonferenz – ein Partizipationsverfahren 4