1 x 1 der SV-Arbeit 1 x 1 der SV-Arbeit 1 x 1 der SV-Arbeit Impressum ISBN 978-3-96250-001-6 Herausgeberin Friedrich-Ebert-Stiftung Forum Politik und Gesellschaft Hiroshimastraße 17 10785 Berlin Autor Felix Scheel Redaktion Yvonne Lehmann Gestaltung Meintrup, Grafik-Design Druck Brandt GmbH, Bonn Bestellungen Das Handbuch kann bestellt werden unter: forumpug@fes.de Autor Felix Scheel ist Sozialpädagoge und arbeitet als Dozent für Demokratiepädagogik. Er begleitet Schülervertretungen seit 2011 durch Coachings und Seminare für Schüler_innen sowie Fortbildungen für SV-Begleiter_innen durch das Programm„SV start up. Schule ein Gesicht geben“. Neben der SV-Arbeit bietet er Workshops und Seminare zu fairer Entscheidungsfindung in Gruppen an. Danksagung Dieses Handbuch hätte in der vorliegenden Form nicht ohne die Mitarbeit vieler hilfsbereiter Menschen entstehen können. An dieser Stelle sei euch ganz herzlich gedankt! In besonderem Maß haben folgende Menschen mit­ geholfen: Philipp Breder, Sabine Brehme, Annelies Scheel, Jonas Schmidt. Durch das Schreiben von Texten haben mitgearbeitet: Paul Bahlmann, Achim Böttcher, Leno Fuhlert, Julius Gast, Oliver Gende, Franz Kloth, Barbara Krabbe, Anna Lindner, Alexander Lipp, Robert Mühling, Antonia Oesten, Daniela Rump, Juliette Schoechert. Durch Brainstormings, Textpassagen, Zurverfügungstellung von Material, Feedback oder Textarbeit haben mitgewirkt: Susann Betker, Amanda Blizniak, Lilian Frömberg, Michael Hammerbacher, Theo Hofstätter, Ulrike Kahn, Anika Kindler, Zebra Kirschning, Lilly Korinth, Xenia Kremer, Leonie Kutz, Pia-Sophie ­Loeben, Cem Lübke, Ruby Mattig-Krone, Philipp Mensah, Paul Mrosko, Lina Ninin, Zoe Paelli, Antonia Pohl, Rita Retzlaff, Mathilda Sabouri, Verena Salomon, Johannes Schäfer, Nadja Siller, Helen Schröder, Sophia Strehsow, Jakob Toussaint, Viola Walz, Fabian Wanisch, Willy Willenbrink, Anne Wisgalla, Solvejg Zacharias. Gedruckt auf RecyStar Polar, 100 % Recyclingpapier, ausgezeichnet mit dem blauen Umweltengel. © Friedrich-Ebert-Stiftung, Forum Politik und Gesellschaft Nachdruck, Veröffentlichung und Veränderung der Texte sind unter Angabe der Quelle ausdrücklich erwünscht und erlaubt. Dezember 2017 Diese Publikation wird gefördert von Pimp my School – 1 x 1 der SV-Arbeit Willkommen  ............................................... 5 Leitfaden zum Lesen ........................................ 6 Kapitel 1. Einblick in aktive Schülervertretungsarbeit  ............. 9 1. Was ist SV-Arbeit?  .................................... 10 2. Was ihr erreichen könnt – mögliche Themen und Projekte  ....... 12 3. Der Landesschülerausschuss stellt sich vor  ................... 21 4. Stand der SV-Arbeit in Berlin  ............................. 22 Kapitel 2. Mitbestimmungsmöglichkeiten der Schülervertretung  ... 25 1. Einführung: Schulgesetz und Kinderrechte  ................... 26 2. Aufbau der Schülervertretung  ............................ 28 3. Mitbestimmung in Konferenzen  ........................... 32 4. Schülervertretung im Bezirk und Land  ...................... 37 5. Besonderheiten an Grundschulen, berufsbildenden und freien Schulen  ........................ 41 6. Rechte nach dem Schulgesetz von A–Z  ..................... 43 Kapitel 3. Grundlegende Strukturen schaffen  .................. 47 1. Aufgabenprofile: Wer soll was tun?  ........................ 48 1. Das Klassensprecherteam  ............................. 48  2. Das Schulsprecherteam(SV-Vorstand)  .................... 52  3. Die SV-Begleiter_innen  ............................... 58 2. Die SV-Motoren: Aktivierende Strukturen  .................... 61 3. Kommunikationsstrukturen  .............................. 65 1. Ansprechbar sein im Schulalltag  ........................ 65 2. Hilfreiche Tools  ..................................... 67 3. Kontakte pflegen  ................................... 69 4. SV im Unterricht  ...................................... 72 1. Die Klassenberatungsstunde  ........................... 72 2. Die SV-Info-Stunde  .................................. 75 5. Nachhaltige SV-Arbeit  .................................. 77 1. Nachwuchs fördern  ................................. 77 2. Wissensweitergabe von SV-Jahr zu SV-Jahr  ................ 79 3. Die SV verankern. Verlässliche Strukturen schaffen.  .......... 82 4. Checkliste: Die SV-freundliche Schule  .................... 84 6. Was tun, wenn es noch gar keine SV bei euch gibt?  ............ 85 Kapitel 4: Das SV-Jahr  ...................................... 87 1. Einführung: Der SV-Jahresplan ............................. 88 2. Wahlen .............................................. 89 1. Rechtliche Grundsätze für Wahlen ........................ 89 2. Zehn Schritte zu guten Klassensprecher_innen ............... 90 3. Acht Schritte zum starken Schulsprecherteam ............... 95 4. Konferenzwahlen in der Gesamtschülervertretung ............ 99 3. Ein Team werden ...................................... 102 1. Kennenlernen und Zusammenwachsen ................... 102 2. Tipps für gute Zusammenarbeit und Teamplay .............. 105 3. Anerkennung und Wertschätzung ....................... 108 4. SV-Sitzungen und-treffen ............................... 111 1. Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung............. 111 2. Moderation: Rolle und Haltung einer Sitzungsleitung ......... 116 3. Methoden für effektive Treffen ......................... 119 4. Faire Entscheidungsfindung in Gruppen ................... 123 5. Projekte ............................................. 126 1. Die vier Phasen eines Projekts .......................... 126 2. Ideenfindung: Wie kommen wir zu Projekten? .............. 131 3. Methoden für Projektarbeit ............................ 133 4. Finanzierung ....................................... 136 5. Anträge stellen ..................................... 143 6. Rhetorik. Reden lernt ihr nur durch reden. ................. 148 6. Aktivieren. Motivieren. Begeistern.  .......................... 151 1. Einladende Mitmachmöglichkeiten schaffen ............... 151 2. Andere motivieren ................................... 156 7. Öffentlichkeitsarbeit –„SV? Noch nie gehört...“ .............. 158 8. Dynamische Weiterentwicklung: Evaluation und Veränderung  .... 164 Kapitel 5. Ausblick: Wie geht’s weiter? ....................... 167 1. Wer kann helfen?. ...................................... 168 1. Vernetzung mit anderen Schülervertreter_innen  ............. 168 2. Angebote in den Bezirken ............................. 169 3. Anbieter von Seminaren und Coachings .................. 171 2. Demokratisierung der Schule .............................. 174 1. Demokratie und Schule: Ein Widerspruch? ................. 174 2. Bausteine für eine demokratische Schulkultur .............. 176 3. Anbieter von Projekttagen und Netzwerke ................. 179 4. Freie und staatliche„Demokratische Schulen“ .............. 181 3. Weiterlesen und aktiv werden. ............................. 183 Pimp my School – 1 x 1 der SV-Arbeit 5 Wusstet ihr, dass jeder Klasse eine Unterrichtsstunde pro Monat zur Beratung von Klassenthemen zusteht? Oder dass ihr ein Recht darauf habt, zu erfahren, wie eure Noten zustande kommen? Im Schulgesetz stehen diese Rechte, aber vielen Schüler_innen sind sie nicht bekannt. Und wusstet ihr, dass es Schulen gibt, an denen Schüler_innen ihren Lehrer_innen regelmäßig Feedback zum Unterricht geben? Oder dass es Schülervertretungen gibt, die regelmäßig Partys, Kinoabende oder Valentinstagaktionen durchführen? SV-Arbeit ist eine tolle Möglichkeit, Demokratie im Kleinen auszuprobieren. Diese ersten Mitbestimmungserfahrungen prägen viele Schüler_innen. Ist eure Arbeit erfolgreich, macht Spaß und findet Anerkennung, so ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass ihr auch nach eurer Schullaufbahn Lust habt, euch weiter zu engagieren. Zwischen vollem Lehrplan und Notendruck bleibt jedoch häufig wenig Zeit und Raum. Dabei ist Schule eigentlich ein idealer Ort, um zu lernen, wie man sich einbringen und Entscheidungen beeinflussen kann. Ihr verbringt hier viel Zeit. Alles hat direkte Auswirkungen auf euer Leben und eure Verhandlungspartner_innen(Eltern, Schulleitung, Lehrer_innen) sind direkt vor Ort. Schülervertreter_in sein, bedeutet, nicht(mehr nur) zuzuschauen, sondern selbst Gestalter_in der eigenen Umgebung zu sein. Bestimmt euer Lernen und Leben selbst mit! Nutzt eure Möglichkeiten, seid selbstbewusst und mutig. Gemeinsam schafft ihr mehr! Das vor euch liegende Handbuch zeigt euch eure Rechte, was man alles erreichen kann und gibt euch Tipps und Hilfestellungen, wie das zu schaffen ist. Es enthält die Erfahrungen von aktiven Schülervertreter_innen und SV-Begleiter_innen, das zusammengetragene Wissen aus SV-Seminaren, vorangegangenen Handbüchern sowie der Begleitung von SV-Arbeit durch die Friedrich-Ebert-Stiftung, die in dem Bereich seit den 1980er-Jahren aktiv ist. Es ist ein Leitfaden zur Selbsthilfe, der euch als Werkzeug dienen und dazu ermutigen soll, Dinge auszuprobieren und kritisch zu sein. Und vergesst dabei nicht den Spaß. Viel Erfolg! Felix Scheel(Autor) und Yvonne Lehmann(Friedrich-Ebert-Stiftung) 6 Leitfaden zum Lesen Inhalt des Handbuchs Das Handbuch greift alle klassischen Themenbereiche der SV-Arbeit auf. Es ist ein umfangreicher Leitfaden für die SV-Arbeit. Ihr müsst es natürlich nicht von Anfang bis Ende lesen. Vielmehr sind die Kapitel und Texte so aufgebaut, dass ihr zu den für euch jeweils interessanten Themen springen könnt. Im ersten Kapitel„Einblick in aktive Schülervertretungsarbeit“ könnt ihr nachlesen, was SV-Arbeit eigentlich ist und was man als Schülervertretung alles erreichen kann. Ihr findet zu unterschiedlichen Themenbereichen jeweils Beispiele für Projekte sowie Erfahrungsberichte von Schüler_innen. Außerdem gibt der Landesschülerausschuss Einblick in seine Arbeit und liefert eine Einschätzung zur aktuellen Situation von SV-Arbeit in Berlin. Im zweiten Kapitel„Mitbestimmungsmöglichkeiten der Schülervertretung“ findet ihr die rechtlichen Grundlagen von SV-Arbeit in Berlin, z. B. eine Erklärung, welche Konferenzen es an eurer Schule gibt und welche Rechte ihr durch das Schulgesetz und die Kinderrechte habt. Im dritten Kapitel„Grundlegende Strukturen schaffen“ geht es darum, welche Strukturen für SV-Arbeit eigentlich gebraucht werden, um gut arbeiten zu können. Dabei handelt es sich z. B. darum, wer welche Aufgaben in der SV-Arbeit hat oder wie vermieden wird, dass SV-Arbeit jedes Jahr nach den Neuwahlen wieder von null beginnt. Pimp my School – 1 x 1 der SV-Arbeit 7 Im vierten Kapitel„Das SV-Jahr“ könnt ihr alle Themen nachlesen, die im Verlauf eines Jahres wichtig sind – also zu Beginn des SV-Jahres die Wahlen, dann das Kennenlernen untereinander, Projektarbeit, Öffentlichkeitsarbeit und noch einiges mehr. Im fünften und letzten Kapitel„Ausblick: Wie geht’s weiter?” findet ihr ­Informationen darüber, wie ihr euch vernetzen könnt und wer euch bei eurer Arbeit helfen kann. Außerdem könnt ihr nachlesen, wie Schulen demokratischer werden können und wo man sich zu allen Themen rund um SV und Demokratie an der Schule weiter informieren kann. Material zum Download Das Handbuch ist kombiniert mit einer Webplattform, auf der zahlreiche Downloads zur Verfügung stehen. Ihr findet dort Projektbeschreibungen, Dokumentationen von Seminaren, Texte zum Weiterlesen, weitere Handbücher, Videos und noch vieles mehr. Der Downloadbereich ist ein„GoogleDrive“. Dort findet ihr die gleiche Struktur, die das Handbuch auch hat. Das heißt, die oben beschriebenen Kapitel sind dort die Ordner, unter denen ihr jeweils das passende Material findet. Dieses Online-Archiv ist über mehrere Jahre gewachsen und lebt vom Mitmachen. Wenn ihr also selbst Material habt, das für andere interessant sein könnte, meldet euch – wie, steht unten. WEB  3 www.kurzlink.de/sv-material Aktuelle Infos zur SV-Arbeit in Berlin Ihr habt Lust auf dem Laufenden über SV-Arbeit in Berlin zu bleiben? Dann informiert euch unter www.facebook.com/LSA.Berlin oder abonniert den ­SV-Newsletter für Berlin mit einer Mail an sv-handbuch@gmx.de. Feedback erwünscht Das Handbuch wird ganz bestimmt irgendwann weiterentwickelt. Dann ist es hilfreich, zu wissen, was die Leser_innen über das Buch denken. Wie hat es euch gefallen? Was würdet ihr ergänzen? Meldet euch gern unter der Mailadresse: sv-handbuch@gmx.de. Keine Gewähr für die Richtigkeit Das Handbuch wurde nach bestem Wissen und Gewissen geschrieben. Trotzdem schleichen sich natürlich manchmal Fehler ein – oder aber die Rechtslage ändert sich. Es gibt daher keine Gewähr für die Richtigkeit der Inhalte des Handbuchs. 8 Sprachliche Regelungen im Handbuch In den letzten Jahrhunderten war unsere Gesellschaft sehr durch Männer geprägt. Das verändert sich zwar langsam, ist unserer Sprache aber immer noch sehr anzusehen. So finden wir es z. B. normal, wenn wir von Lehrern sprechen, dass damit auch die Lehrerinnen gemeint sind. Dazu kommt, dass es Menschen gibt, die sich weder als Mann noch als Frau verstehen. Um zu zeigen, dass alle Menschen gemeint sind, wird im Handbuch der Unterstrich_ verwendet. Ist also die Rede von Lehrer_innen, so sind damit die Lehrerinnen, die Menschen, die sich nicht als Mann oder Frau verstehen, sowie die Lehrer gemeint. Das ist für’s Lesen erstmal gewöhnungsbedürftigt. Die Frage ist aber: Wie kann durch Sprache ein Beitrag zur Gleichstellung, Gleichbehandlung und Gleichberechtigung aller Menschen geleistet werden? Und nun: viel Spaß beim Lesen! 1 Einblick in aktive  Schülervertretungsarbeit  10 1.1. Was ist SV-Arbeit?  Was ist die Schülervertretung(SV)?  1 Schülervertretung bedeutet Interessenvertretung. Das heißt, ihr dürft euch starkm­ achen für alle Interessen, Anliegen, Probleme und Wünsche eurer Mitschüler_innen und von euch selbst. Ihr dürft dies laut Schulgesetz„aktiv“, „eigenverantwortlich“ und mit„selbst gestellten Aufgaben“(§ 83 SchulG). Die Schülervertretung besteht aus gewählten Klassensprecher_innen, freiwilligen engagierten Schüler_innen und dem Schulsprecherteam. In der SV werden Treffen und Sitzungen organisiert, auf denen ihr eure Interessen besprechen könnt. Es werden auch Projekte und Anträge geplant und Beschlüsse für gemeinsame Aktionen gefasst. Die SV vertritt eure Interessen gegenüber Lehrer_innen, der Schulleitung und sogar den Schulbehörden. Manche Lehrer_innen und Schulleitungen verhalten sich allerdings so, als würde SV-Arbeit nur bedeuten, dass ihr in einigen Konferenzen dabei seid und ab und zu mal was mit abstimmen dürft. Das stimmt nicht. Ihr dürft und sollt laut Schulgesetz viel mehr. Es ist sogar ein offizielles Bildungsziel eurer Schule, dass ihr lernt, euch Informationen zu beschaffen, sie kritisch zu beurteilen, euch eine eigene Meinung zu bilden und diese dann zu vertreten(§ 3 SchulG). Ihr könnt daher alle Themen des schulischen Lebens aufgreifen, sie mit euren Mit­ schüler_innen und Lehrer_innen diskutieren und es zu eurer Aufgabe machen, etwas zu verändern. Ihr steht ein für den Willen der Schülerschaft! Aufgabenfelder einer Schülervertretung  1. Projekte anstoßen und durchführen, 2. „Anwalt“ sein, d. h. Beratung und Unterstützung von Mitschüler_innen gegenüber Mitschüler_innen oder Lehrer_innen, z. B. bei ungerechter Behandlung, 3. SV-Sitzungen organisieren, 4. Mitarbeit in Konferenzen der Schule. Download  3 Videos: Vorstellungen von Schülervertretungen, Dokumentation SV-Kongress 2017, Interviews zur SV-Arbeit, Was ist Schülervertretung? Politische Schülervertretungsarbeit  SV-Arbeit kann sogar politische Arbeit sein, wenn ihr aktuelle politische, ökologische oder soziale Themen an eure Schule holt. Ihr könnt eure Mitschüler_innen über solche Themen informieren, so dass sie sich eine Meinung bilden können. Daraus können dann sogar gemeinsame Aktionen entstehen, z. B. wenn ihr euch nach einer Veranstaltung zum Klimaschutz dafür einsetzt, dass nur noch Recyclingpapier bei euch an der Schule verwendet wird. Direkte Auswirkungen auf andere Menschen hat eure Arbeit auch, wenn ihr euch für die Wahrung Pimp my School – 1 x 1 der SV-Arbeit 11 von Kinder- und Menschenrechten einsetzt oder das Umfeld eurer Schule mitgestaltet und beeinflusst. Möglich und wünschenswert ist ebenfalls, wenn ihr über die eigene Schule hinaus für eure Interessen einsteht, indem ihr euch z. B. im Bezirks- oder Landesschülerausschuss für bessere Lernbedingungen einsetzt. Es gibt sogar Schülervertretungen, die Demonstrationen organisieren, wenn sie mit den Bildungsbedingungen unzufrieden sind. Lasst eure Phantasie also ruhig ein wenig spielen und werdet aktiv. Download  3 Schule und Unterricht gemeinsam verbessern Schule und Demokratie – Spannungen vorprogrammiert  Früher oder später werdet ihr merken, dass das Vertreten eurer Interessen nicht immer auf Gegenliebe stößt. Lehrer_innen und Schulleitung haben teilweise andere Interessen als ihr und sind vielleicht auch nicht gewohnt, dass Schüler_innen sich gleichberechtigt einbringen. Lasst euch davon nicht abhalten. Mitbestimmung ist ein Recht, auf das Kinder und Jugendliche durch die Kinderrechte und das Schulgesetz Anspruch haben. Weiterlesen  3 Mitbestimmungsmöglichkeiten der Schülervertretung, S. 25 12 1.2. Was ihr erreichen könnt – mögliche  Themen und Projekte  1 Gerade zu Beginn eurer SV-Arbeit habt ihr vielleicht 20 unterschiedliche Ideen und glaubt, dass sich alles gleichzeitig ändern müsste. Besser ist es, wenn ihr euch langsam steigert und Ziele setzt, die sich gut und realistisch anfühlen. Niemand hat etwas davon, wenn nach einiger Zeit die Luft raus ist und es keine SV-Arbeit mehr gibt, weil ihr euch viel zu viel vorgenommen habt. Auf den folgenden Seiten findet ihr Beispiele für SV-Projekte, die es an anderen Schulen bereits gab, sowie Erfahrungsberichte zu einzelnen Projekten. Bei einigen Projekten findet ihr auch Kontaktdaten zu Schüler_innen, die solche Projekte bereits umgesetzt haben, und, bei denen ihr euch melden könnt, wenn ihr Fragen habt. Themenfelder für eure Projektarbeit  Die folgenden Fragen beschreiben, womit sich SV-Arbeit beschäftigen kann: pp Wie kann eure Schule ein besserer Lernort werden? pp Wie kann eure Schule ein angenehmer Lebensort sein? pp Wie kann eure Schule friedlicher, demokratischer, umwelt­bewusster und toleranter werden?(§1,§3,§83 SchulG) Themenfeld 1:  Ein besserer Lernort  Gutes Lernen zu ermöglichen, ist die Kernaufgabe eurer Schule. Unterricht sollte für alle verständlich und angstfrei möglich sein. So ist es leider manchmal nicht. Auf Unterricht Einfluss zu nehmen, ist eine der schwierigsten und gleichzeitig wichtigsten Aufgaben der Schülervertretung. Die gesetzliche Grundlage dafür ist euer Recht auf Mitgestaltung des Unterrichts. Wenn ihr Kritik habt, äußert sie nicht als persönlich angreifende oder verletzende Kritik, sondern sachlich, respektvoll und gut begründet. Weiterlesen 3 Rechte nach dem Schulgesetz von A–Z, S. 43 Pimp my School – 1 x 1 der SV-Arbeit 13 Beispiele von A – Z  pp AG„How to live life“, in der praktische Sachen, die man im Leben braucht, gelernt werden können, pp Büchermarkt: Weitergabe von Schulbüchern(siehe unten), pp Ehrungen für Lehrer_innen(siehe unten), pp fächerübergreifender Unterricht und Projekte, pp Feedback für Lehrer_innen, pp Projekttage oder-wochen, die durch die SV organisiert werden. pp selbstorganisierte Nachhilfe durch Schüler_innen(siehe unten), pp Sprachcafé, pp Vorschläge machen für die angebotenen Kurse bei Wahlpflichtangeboten in der Oberstufe Erfahrungsbericht: Büchermarkt Die Beschaffung von Schulbüchern kann jedes Jahr viel Geld kosten. Der Büchermarkt ist für den Verkauf alter Schulbücher gedacht. Man bekommt Geld für die eigenen Bücher, spart dadurch beim Kauf der neuen und schafft Platz im Regal. An einem ausgemachten Tag, am besten kurz vor den Sommerferien, treffen sich alle interessierten Schüler_innen zum Verkauf. Geeignete Orte sind z. B. die Aula oder die Turnhalle. Beachtet bei der Organisation, dass sich nicht zu viele Schüler_innen gleichzeitig im Raum befinden und die Situation übersichtlich bleibt. Ansprechpartnerin  3 Xenia, Kontakt über sv-handbuch@gmx.de Erfahrungsbericht: Ehrungen für Lehrer_innen Dabei werden besonders engagierte Lehrer_innen geehrt. Zur Umsetzung empfiehlt es sich, dass zwei Personen zuständig sind. Jede Klasse bekommt einen Wahlzettel und hat die Möglichkeit, für jede Kategorie eine Stimme abzugeben. Als Preis bieten sich kleine gefüllte Schultüten an. Natürlich können diese ­Kategorien nach Belieben geändert werden. Bei uns gibt es folgende Kategorien: pp Newcomer_innen, d. h. Lehrer_innen, die neu an der Schule sind, pp beste_r Lehrer_in, pp engagierteste_r Lehrer_in, pp Preis fürs Lebenswerk, d. h. Lehrer_in, der_die schon sehr lang an der Schule ist. Ansprechpartnerin  3 Sophia, s.eckner@gmx.de 1 14 Erfahrungsbericht: Selbstorganisierte Nachhilfe durch Schüler_innen Ihr könnt mit eurer SV dafür sorgen, dass Schüler_innen bei anderen Schüler_innen für wenig Geld während der Mittagspause oder in einer Freistunde Nachhilfe bekommen können. Dafür müsst ihr euch innerhalb der SV auf alle Klassen eurer Schulen aufteilen und in diesen nachfragen, wer sich vorstellen kann, als Nachhilfelehrer_in für ein oder mehrere Fächer zu arbeiten. Eure Ergebnisse stellt ihr nun in einer Tabelle zusammen und bringt sie an einen Ort, wo jede_r Schüler_in sie lesen kann. Dafür eignet sich besonders z. B. das Sekretariat. Die Tabelle enthält dann z. B. folgende Spalten: Fach, bis zu welcher Klasse Nachhilfe gegeben werden kann, Name, Klasse, Telefonnummer. Sprecht mit den Angestellten und bittet sie, diese Tabelle aufzubewahren und Schüler_innen, die danach fragen, auszuhändigen. Ansprechpartner  3 Johannes, johannes.bb13@web.de Themenfeld 2:  Ein angenehmer Lebensort  Kultur-, Sport- oder soziale Projekte  Schule kann auch Spaß machen, wenn ihr euch darum kümmert, dass es neben dem Lernen noch andere Dinge gibt. Alles, was euch hilft, euch wohlzufühlen bzw. was das Gemeinschaftsgefühl stärkt, ist möglich. Beispiele von A–Z  pp Ausstellungen, pp Bandabende oder Konzerte, pp einen eigenen Kiosk betreiben, pp Fahrrad-TÜV, d. h. Fahrräder von Schüler_innen auf Verkehrstauglichkeit prüfen, pp Faschingsaktionen, pp Frühlingsball und Abschlussfeiern, pp Geschenkaktionen, z. B. zu Weihnachten, Nikolaus oder am Valentinstag (siehe unten), pp Jahrbuch, pp Kinoabende, pp Klassentausch mit anderen Schulen(siehe unten), pp Kleidung spenden, pp Litfaßsäule, pp Poetryslam, pp Schulball, pp Schulchor oder-orchester, pp Schulpullover oder T-Shirts mit dem SV-Logo drauf, pp Schülercafé, pp Schülerradio, d. h. Pausenradio über die Sprechanlage der Schule, Pimp my School – 1 x 1 der SV-Arbeit 15 pp Schülerzeitung, pp Spendenlauf für soziale Projekte oder die SV, pp Spielgeräteverleih für die Pause, pp Sportfest oder Sportturniere, pp SV-Partys oder Schulpartys, pp „Unsere Schule sucht den Superstar“, pp Volleyballnacht. Download  3 Planung einer Veranstaltung, Projektbeschreibungen von:„Unsere Schule sucht den Superstar“, Beachparty, Rosenverkauf am Valentinstag, Party, Kino, Weihnachts­ aktionen, Waffelverkauf für Spenden an Unicef u. v. m. Erfahrungsbericht: Geschenkaktionen Hierbei soll den Schüler_innen die Möglichkeit gegeben werden, sich zu besonderen Anlässen gegenseitig eine Freude zu bereiten. Möglich sind dabei: der Valentinstag, Ostern, Weihnachten, Nikolaus, das Oktoberfest oder auch Halloween. Grundsätzlich platziert ihr euch im Vorfeld am besten an einem vielbesuchten Ort, z. B. in der Mensa, im Foyer oder bei gutem Wetter auf dem Schulhof. Gebt dort euren Mitschüler_innen die Möglichkeit, über euch Kleinigkeiten zu verschenken, z. B. Schokoosterhasen oder-nikoläuse oder Rosen am Valentinstag. Wenn alle Bestellungen bei euch eingegangen sind und bezahlt wurden, besorgt ihr entsprechende Kleinigkeiten und teilt sie dann am von euch festgelegten Termin in den Klassen und Kursen aus. Ansprechpartnerin  3 Nadja, nadja.siller@web.de Erfahrungsbericht: Klassentausch mit anderen Schulen Beim Klassentausch handelt es sich um ein Projekt von zwei möglichst benachbarten Schulen. Im Kern geht es um das gegenseitige Kennenlernen der Schüler_innen untereinander und der jeweils anderen Schule. Bei uns(Carl-vonOssietzky-Gymasium und Rosa-Luxemburg-Gymnasium in Pankow) sind dies drei Tage, an denen alle Achtklässler_innen beider Schulen komplett durchmischt und von Teamer_innen betreut werden, um gemeinsam ein Projekt zu einem vorgegebenen Thema durchzuführen. Am Ende der Tage soll das Ergebnis jeder Gruppe in Form eines Films, Theaterstücks oder einer Präsentation vorgestellt werden. Wichtig ist auch, dass jede Gruppe mindestens einen Tag an jeder der beiden Schulen verbringt und dort das Gebäude von den jeweiligen„Heimschüler_innen“ vorgestellt wird. Die Teamer_innen(aus der 10./11. Klasse) werden bei uns immer am Wochenende vorher in einer Teamer_innenschulung auf die Projekttage vorbereitet. Ansprechpartnerin  3 Nadja, nadja.siller@web.de 1 16 Schule zu einem schönen und machen  Manchmal sind Schulhöfe sehr dreckig und vermüllt. Oder es gibt einfach keinen Ort, an dem man sich in der Pause entspannt aufhalten kann. Was könnt ihr also alles machen, damit ihr euch lieber an der Schule aufhaltet? Beispiele von A–Z  pp Aktionstag Saubere Schule oder Schöner Schulhof(siehe unten), pp Aufenthaltsraum einrichten, z. B. mit einer Theke für Getränke, Kicker, Kartenspiele ausleihen, Musik..., pp Mittagessen wird durch Schüler_innen mitbestimmt, pp Müllsammlung, z. B. als Wettbewerb mit einem Preis, pp Schließfächer für Schüler_innen, pp Veränderung der Handynutzungsregeln, pp Verschönerungswettbewerb für Klassenräume, pp Wasserspender, pp WLAN in der Schule. Download  3 Projektbeschreibung Clean Classroom Erfahrungsbericht: Aktionstag Saubere Schule An diesem Tag soll das Ziel sein, gemeinsam die Schule zu verschönern. Zum Beispiel könnten am Vormittag die eigenen Klassenräume geputzt und aufgeräumt und anschließend klassen-/jahrgangsübergreifende Gruppen gebildet werden, die auf dem Schulhof oder im Schulhaus verschiedene Projekte oder Ideen umsetzen, die den Schulhof verschönern oder das Schulhaus angenehmer gestalten. Eurer Fantasie sind natürlich keine Grenzen gesetzt. Es soll lediglich erreicht werden, dass ihr gemeinsam den Ort angenehmer gestaltet, an dem ihr täglich ein- und ausgeht, und euch so wohler fühlt. Das Tolle daran ist, dass ihr gemeinsam etwas erreicht und dass ihr es sogar jeden Tag sehen könnt. Ihr könnt z. B. Mülleimer und/oder Mauern anstreichen, z. B. wenn sie durch Graffitis beschmiert sind, oder Spielfelder wie„Himmel und Hölle“ auf freie Betonflächen malen und Sitzgelegenheiten bauen oder„Chill-out“-Ecken gestalten. Ansprechpartnerin  3 Nadja, nadja.siller@web.de Pimp my School – 1 x 1 der SV-Arbeit 17 Themenfeld 3:  Eine tolerante, friedliche, umwelt-  bewusste und demokratische Schule  Sich für eine tolerante, friedliche, umweltbewusste Schule  starkmachen  Diskriminierung, Ausgrenzung, Angst und Umweltzerstörung gibt es genug auf der Welt. Alle Menschen haben ein Recht darauf, friedlich zu leben, natürlich auch bei euch an der Schule. Manchmal muss man ein bisschen nachhelfen, damit das so ist. Beispiele von A – Z  pp Aktionstag gegen Gewalt, pp Anlegen eines Schulgartens, pp Ansprechen von Organisationen, die euch beim Arbeiten an Problemen an der Schule helfen können oder Projekttage anbieten, z. B. zu Rechtsextremismus, Gewalt, Drogen, Nachhaltigkeit und Umweltschutz, Sexismus, Rassismus oder Homophobie, pp Anti-Mobbing-Aktionen, z. B. Plakate„SV gegen Mobbing“, pp Einrichten einer AG-Vermittlung zur Unterstützung bei Konflikten zwischen Schüler_innen sowie zwischen Schüler_innen und Lehrer_innen, pp friedlicher Fußballplatz(siehe unten), pp Nutzen von Recyclingpapier in den Druckern und doppelseitigem Druck als Standardeinstellung, pp Orte, an denen Schüler_innen(besonders Schülerinnen) Angst haben, benennen, bekannt machen und etwas dagegen unternehmen, pp regionales, biologisches und/oder veganes Essen für die Mensa fordern, pp Schule ohne Rassismus/Schule mit Courage oder Faire Schule werden, pp Schülerpat_innen(siehe unten), pp Willkommensaktionen für Mitschüler_innen mit Fluchterfahrung (siehe unten), pp Willkommensparty für die neuen Jahrgänge. Download  3 Projektbeschreibung Schülerpat_innen, Video: I hate Gossip – Anti-MobbingAktionen, Broschüre„Worauf Warten – was kann ich selbst für den Umweltschutz tun? 1 18 Erfahrungsbericht: Friedlicher Fußballplatz  Auf dem Fußballplatz kann es immer wieder zu Konflikten kommen, wenn ungeklärt ist, wer spielen darf, und es niemanden gibt, der beim Lösen von Konflikten unterstützt. Wer spielen darf, kann mit einem Belegungsplan festgelegt werden. Wenn es zu viele Klassen gibt, um alle in einer Woche spielen zu lassen, kann der Plan auch A- und B-Wochen beinhalten. Eine Klasse darf dann beispielsweise immer nur in der A-Woche spielen, eine andere lediglich in der B-Woche. Außerdem kann es auch hilfreich sein, wenn es eine Aufsichtsperson für den Fußballplatz gibt, die bei Konflikten eingreift und unterstützt. Ansprechpartnerin  3 Xenia, Kontakt über sv-handbuch@gmx.de Erfahrungsbericht: Schülerpat_innen Beim Schülerpat_innenprojekt helfen die Neuntklässler_innen den neuen Siebtklässler_innen, gut an der Schule anzukommen. Dabei wird dauerhaft Kontakt zu den 7. Klassen gehalten, die neuen Schüler_innen werden den 8. und 10. Klassen vorgestellt und unterstützen sie, soweit sie können. Besonders wichtig sind die ersten paar Wochen, denn die 7. Klassen fühlen sich unsicher, komisch und vielleicht auch etwas unwohl, da ja alles neu ist. Einmal in der Woche gibt es Teammeetings, wo Konflikte oder Fragen geklärt und Projekte geplant werden. Ein Pat_innenjahr gliedert sich in eine Pat_innenfahrt, auf der man z. B. lernt eine Gruppe zu leiten. Danach wird die Einschulung der neuen Siebtklässler_innen geplant und nach Schuljahresbeginn am Pat_innenday die Klasse beim Kennenlernen unterstützt. Das Schuljahr über verbringen die Pat_innen z. B. in den Pausen Zeit mit ihren Klassen. Zum Schuljahresende werden dann neue Pat_innen gesucht, und das Projekt beginnt von vorn. Ansprechpartnerin  3 Lina, Kontakt über sv-handbuch@gmx.de Pimp my School – 1 x 1 der SV-Arbeit 19 Bsp. Willkommensprojekte für Mitschüler_innen mit Fluchterfahrung An vielen Schulen sind die Willkommensklassen nicht gut in den Schulalltag integriert, sondern laufen nebenher. Ihr könnt daher dabei helfen, dass eure Mitschüler_innen mit Fluchterfahrungen besser hier ankommen, indem ihr mit ihnen zusammen Projekte macht. Und vergesst nicht, eure Mitschüler_innen auch einfach zu stattfindenden Veranstaltungen einzuladen. Ihr findet hier Beispiele von Projekten, die an anderen Schulen durchgeführt wurden: pp Patenschaften zwischen Schüler_innen aus Regelklassen und Willkommensklassen: eine ganz einfache Möglichkeit, um gerade den geflüchteten Schüler_innen weitere Ansprechpartner_innen zu geben. Ihr solltet dies jedoch nur mit Schüler_innen machen, die darauf Lust haben, und niemanden dazu zwingen. Tauscht Kontaktdaten aus, und los geht es – egal ob nun Hilfe bei den Hausaufgaben oder einfach nur ein Eis essen. Hauptsache, ihr macht etwas gemeinsam. Ansprechpartner  3 Philipp, philipp.mensah@mailbox.org pp Freizeit zusammen verbringen: Ihr könnt gemeinsame Aktionen planen, wie z. B.: Plätzchenbacken, einen Kinoausflug, einen Tag im Zoo. Wichtig ist, dass ihr eure Ideen zusammen mit allen Beteiligten ausarbeitet und euch so besser kennenlernt. Zur Finanzierung könnt ihr Spendenaktionen auf Schulfesten oder Theateraufführungen starten oder einfach mal bei geplanten Zielorten nach Freikarten fragen. Ansprechpartnerin  3 Zoe, Kontakt über sv-handbuch@gmx.de pp Workshop mit den Willkommensklassen: Es gibt sehr viele Arten von sog. Begegnungsworkshops, bei welchen ihr euch richtig kennenlernen könnt und von ganz allein ein vertrauteres Verhältnis entsteht. pp Spendenaktionen: So können beispielsweise Kleidungsstücke, Spielwaren und Pflegeprodukte gespendet werden. Wichtig ist, dass ihr richtig Werbung für euer Projekt macht. Also ran an die Plakate und Flyer und informiert Schüler_innen, Lehrer_innen und Eltern. 1 20 Demokratisch handeln und Demokratie lernen  Die Mitbestimmung durch die Schülervertretung ist ein erster wichtiger Baustein für Demokratie in der Schule. Doch da ist noch„Luft nach oben“. Wie könnt ihr selbst mehr Demokratie lernen, leben und erleben? Weiterlesen  3 Demokratisierung der Schule, S. 174 Beispiele von A–Z  pp Debattierclub, pp Demos organisieren, z. B. zum Bildungsstreik, pp Diskussionen zu aktuellen Themen an die Schule holen, pp Infoveranstaltungen organisieren, z. B. zur Aidshilfe, den Herstellungs­ bedingungen von Kleidung oder Fairem Handel, pp mit Politiker_innen für eure Anliegen in Kontakt treten, pp Nutzung eures bildungspolitischen Mandats, z. B. mit Pressemitteilungen, pp Podiumsdiskussion zu Wahlen(siehe unten), pp U18-Wahlen organisieren. Download  3 Organisation einer Demo Erfahrungsbericht: Podiumsdiskussion zu Wahlen In Berlin dürfen Jugendliche ab 16 Jahren für die Bezirksverordnetenversammlungen wählen. Damit wir für uns eine gut begründete Wahlentscheidung treffen konnten, haben wir uns überlegt, dass wir den Parteien mal genauer auf den Zahn fühlen. Wir haben die Wahlkreiskandidat_innen der verschiedenen Parteien eingeladen und ein 2er-Team von uns hat sich spannende Fragen und den Ablauf der Veranstaltung überlegt. Diese beiden SV-Mitglieder haben später auch die Veranstaltung moderiert. Damit eine richtige Diskussion entsteht und die Politiker_innen auch die Fragen beantworten, die uns wirklich interessieren, gab es für alle Zuschauer_innen die Möglichkeit Fragen zu stellen. In dieser eineinhalb Stunden dauernden politischen Debatte kamen viele Themen, die Jugendliche wirklich unter den Nägeln brennen, auf den Tisch. Viele Mitschüler_innen wollten sich danach noch genauer mit den politischen Inhalten der Parteien auseinandersetzen und die meisten sind bei der darauffolgenden Wahl auch wirklich wählen gegangen. Ansprechpartner  3 Philipp, p.breder@yahoo.de Pimp my School – 1 x 1 der SV-Arbeit 21 1.3. Der Landesschülerausschuss stellt sich vor  Der Landesschülerausschuss über sich selbst  Der Landesschülerausschuss(LSA) ist die demokratisch legitimierte Vertretung aller ca. 330.000 Berliner Schüler_innen. Er ist der Ansprechpartner Nr. 1 in Berlin, wenn du Hilfe brauchst. Er setzt sich für eure Rechte gegenüber dem Berliner Senat, den Lehrer_innen und den Eltern ein und unterstützt euch bei euren Anliegen. Im Landesschülerausschuss sind alle zwölf Berliner Bezirke mit jeweils zwei Mitgliedern vertreten. Diese werden von den einzelnen Bezirksschülerausschüssen entsandt. Als Landesschülerausschuss koordinieren wir die Arbeit der Bezirksschülerausschüsse, organisieren SV-Seminare, Podiumsdiskussionen oder aber Demonstrationen, um auf Missstände im Berliner Bildungssystem aufmerksam zu machen. Zudem treten wir auf vielen Veranstaltungen als Kooperationspartner auf und verfassen auf unseren Klausurtagungen Positionspapiere zu verschiedenen bildungspolitischen Themen. Wir treffen uns mit Politiker_innen und Journalist_innen, um die Themen der Berliner Schüler_innen an die Öffentlichkeit zu bringen und unsere Forderungen durchzusetzen. Wesentliche Schwerpunkte der letzten Zeit waren u. a. der fatale Sanierungsstau von 5 Mrd. Euro an Berliner Schulen, die Inklusion(also gleiche Teilnahme am Unterricht von Kindern mit Behinderungen) sowie die Frage, wie Schule Schüler_innen zu ethisch handelnden Menschen in einer von Krisen beherrschten Zeit bilden kann. Einen wesentlichen Erfolg hatten wir bei der Erhöhung unseres Etats, mit dem wir unser Frühlingscamp finanzieren konnten. Jede_r Schüler_in ist uns wichtig und herzlich willkommen!  Ihr könnt beratendes Mitglied des Landesschülerausschusses werden, wenn ihr euch durch besonderes Engagement auszeichnet. Außerdem könnt ihr, wenn ihr euch vorher anmeldet, stets als Gast mit beratender Stimme an den am ersten Dienstag im Monat stattfindenden Sitzungen teilnehmen. Ihr müsst dafür kein_e Klassensprecher_in oder Schulsprecher_in sein. Was der LSA gerade konkret fordert, findet ihr im nächsten Text. Kontakt  3 https://lsaberlin.de/ und www.facebook.com/LSA.Berlin Von: Xenia Kremer und Julius Gast 22 1.4. Stand der SV-Arbeit in Berlin  Der LSA zur aktuellen Situation 1 Stand: Sommer 2017 Jungen kreativen Leuten, die Lust haben, etwas zu bewegen, werden die Grundlagen genommen: SV-Raum, Geld, Zeit! Der LSA schätzt, dass es nur an 40 % der Berliner Schulen Schülervertretungen gibt, die sich regelmäßig treffen, eigene Projekte durchführen und die Schüler_innen in den Schul- und Bezirksgremien vertreten. Die meisten Schülervertretungen, mit denen er in Kontakt steht, berichten von unannehmbaren Zuständen. Wenn man an einigen Schulen nach einer Schülervertretung fragt, wissen manche gar nicht, was das ist, geschweige denn, wer Schülersprecher_in ist. Warum? Ein Grund dafür ist, dass die Schüler_innen oft gar nichts von ihrem Vertretungsrecht wissen. Pimp my School – 1 x 1 der SV-Arbeit 23 Wir müssen weiter eine laute Stimme haben!  Wusstest du, dass es bis in die 1960er-Jahre keine Schülervertretungen gab? Lernende wie du und ich haben sich mit der SV-Legalisierung Anfang der 1970erJahre durchgesetzt. Dass Schülervertretungen gerade schlecht dastehen in Berlin, liegt in der Verantwortung der Politik. Das Schulgesetz schreibt die Förderung der Schülervertretungen in ihrer Arbeit vor. Die Schulen tun da aber noch lange nicht genug – manchmal noch nicht einmal das, was absolutes Muss ist. Der Landesschülerausschuss fordert daher für die Berliner SV-Arbeit folgende Dinge von der Berliner Politik: Zwei Unterrichtsstunden zu Beginn des Schuljahres zu SV-Themen: Zu ­Beginn des Schuljahres sind Informationen über die Mitbestimmungsmöglichkeiten der SV in der Schule notwendig. Dies wäre nach§ 47 (1) sowie§ 84 (2) SchulG auch jetzt schon möglich bzw. vorgeschrieben und wird aber in der Praxis nicht umgesetzt. Es braucht Qualifizierung der Beteiligten zur Durchführung dieser Unterrichtsstunden sowie die gesetzliche Verpflichtung, dass sie durchzuführen sind. Zeit: Das Schulgesetz gibt theoretisch den Raum für eine Klassenberatungsstunde pro Monat innerhalb des Unterrichts(§ 84 (2) SchulG). Das wird fast nie genutzt, weil Schüler_innen nicht davon wissen. Vielmehr wird stattdessen häufig eine Klassenleiterstunde durchgeführt, deren Inhalt Lehrer_innen bestimmen. Es braucht Information darüber, dass das möglich ist, sowie Schulungen, so dass die Klassen diese SV-Stunden auch selbstständig nutzen können. Begrüßenswert wäre zudem, wenn wie in Hamburg und Hessen jeder Klasse ein Intensivtag zustehen würde, an dem die Klasse vom Unterricht befreit ist und beispielweise Maßnahmen zu Rhetorik, Teambuilding oder Ausflüge organisieren kann. Geld: feste Budgets für jede Schülervertretung(mind. 300 1 pro Schuljahr) und die Bezirksschülerausschüsse(mind. 1000 1 ) zur Verwirklichung von Projekten, Beteiligung von Schüler_innen am Schulalltag und Stärkung von Eigenverantwortlichkeit. Ohne Abhängigkeit von den Schulleiter_innen. Räume: Verpflichtung für jede Schule, einen SV-Raum zur Verfügung zu stellen. Begleitung an den Schulen: In der Anfangszeit sowie an Sekundarschulen ohne gymnasiale Oberstufe wird pädagogische Begleitung von ca. fünf Stunden pro Woche gebraucht, die die Schüler_innen bei der SV-Arbeit unterstützt. SVArbeit begleitende Lehrer_innen müssen mindestens eine Ermäßigungsstunde und Freistellung von der Pausenaufsicht erhalten. Zudem braucht es staatliche Qualifizierung von SV-Begleiter_innen auf Schul-, Bezirks- und Landesebene. 1 24 Begleitung in den Bezirken: für die überregionale Begleitung beauftragte Per­ sonen und eigene Geschäftsführungen und Büros für die Bezirksschülerausschüsse. Politische Bildung: Politik als Schulfach in der Mittelstufe, bei dem es z. B. gezielt um Mitbestimmungsmöglichkeiten von Schüler_innen geht. Umbenennung des LSA in„Landesschüler*innenausschuss“ und des BSA in„Bezirksschüler*innenausschuss“, um alle Schüler_innen sprachlich einzubeziehen. Weitere Forderungen wie die stärkere Kontrolle von Mitbestimmungsmöglichkeiten durch die Schulaufsicht, ein öffentlicher Partizipationsindex, transparente Beschwerdeverfahren sowie Stimmrecht in Fach- und Gesamtkonferenzen könnt ihr online nachlesen. Damit wir diese Probleme lösen, brauchen wir DICH! Deine Unterstützung! Deine Meinung! Dein Engagement! WEB  3 https://lsaberlin.de/ und www.facebook.com/LSA.Berlin Von: Franz Kloth Pimp my School – 1 x 1 der SV-Arbeit 2 Mitbestimmungs-  möglichkeiten der Schülervertretung  26 2.1. Einführung: Schulgesetz und Kinder-  rechte  2 Das Schulgesetz  Die Rechte von Schüler_innen und Vorschriften zur SV-Arbeit sind durch das Berliner Schulgesetz geregelt. Es ist für alle Schulen verpflichtend und regelt die Grundlagen für die Arbeit der Schulen im Land Berlin. Das Gesetz ist nicht unveränderlich. Die Parteien im Abgeordnetenhaus können Änderungsvorschläge machen, über die dann abgestimmt wird. Wenn ihr möchtet, dass sich im Schulgesetz etwas ändert, sind Gespräche mit Politiker_innen, öffentliche Aktionen und Demonstrationen eine Möglichkeit, Einfluss auf Politiker_innen zu nehmen. Dafür braucht es jedoch Zeit, Mut und einen„langen Atem“. Bis in die 1970er-Jahre gab es fast keine Möglichkeiten für Mitbestimmung an Schulen. Damals war es so, dass Schüler_innen mehr Rechte einforderten und erkämpften. Heute gibt es daher im Vergleich zu damals in allen Bundesländern bessere Mitbestimmungsmöglichkeiten für die Schülervertretung. Sich einzumischen lohnt sich also... WEB  3 Schulgesetz zum Nachlesen: www.berlin.de/sen/bildung/schule/rechtsvorschriften Die Kinderrechte  Neben dem Schulgesetz gelten auch die sogenannten Kinderrechte für euch. Die Kinderrechte sind in einem internationalem Vertrag von den Vereinten Nationen beschlossen worden. Weltweit haben 193 Staaten zugestimmt, die Kinderrechte in ihrem Land umzusetzen. Deutschland tat das 1992. Kein anderer Vertrag wurde jemals von mehr Ländern auf der Welt unterzeichnet. Er gilt für alle Menschen, die jünger als 18 Jahre sind, hat 54 Artikel, die sich mit Schutz, Förderung und Mitbestimmung beschäftigen. Einige der für euch wichtigen Themenbereiche sind: Recht auf Gesundheit, Bildung, auf Spiel und Freizeit, auf freie Meinungsäußerung und Information, gewaltfreie Erziehung und Betreuung bei Behinderung. In Bezug auf eure Rechte in der Schule ist Artikel 12 am Wichtigsten. Er sichert Kindern und Jugendlichen das Recht zu, ihre Meinung in allen sie betreffenden Angelegen­ heiten frei zu äußern und dass diese angemessen berücksichtigt werden muss. WEB  3 Kurzclip zu den Kinderrechten: www.hanisauland.de/spezial/kinderrechte Pimp my School – 1 x 1 der SV-Arbeit 27 Ein Auftrag der Schule: Unterstützung von Schülervertretungsarbeit  Eigentlich haben die Schulen die Aufgabe, euch über eure Rechte zu informieren und dabei zu unterstützen, dass ihr sie wahrnehmen könnt(§ 47(1), § 69 (2) SchulG). Das ist meist allerdings nicht der Fall. So tun Schulleitungen oft nur das Notwendigste: das Einberufen einer ersten SV-Sitzung, weil diese vorgeschrieben ist, um Wahlen für die Schulkonferenz durchzuführen. Es ist sinnvoll, diese Unterstützung von der Schulleitung einzufordern und auf die Politik Einfluss zu nehmen, damit mehr für die SV-Arbeit getan wird. Wenn ihr Hilfe braucht, zögert nicht zu fragen. Weiterlesen  3 Angebote in den Bezirken, S. 169 Macht eure Rechte bekannt!  Die meisten eurer Mitschüler_innen kennen ihre Rechte nicht. Ein wesentlicher Beitrag, den ihr selbst für eine schülerfreundlichere Schule leisten könnt, liegt darin, die Rechte durch(kreative) Aktionen bekannt zu machen, z. B.„Wusstest du, dass Schüler_innen … dürfen“-Zettel im Schulhaus verteilen, auf deren Rückseite jeweils ein wichtiges SV- oder Kinderrecht steht. In Absprache mit der Schulleitung könnt ihr außerdem zu Schuljahresbeginn in den neuen Klassen über die Rechte und Aufgaben der Schülervertretung informieren. So könnt ihr gleich auch für die Mitarbeit in SV-Projekten Werbung machen. Möglich ist das im Rahmen einer Klassenberatungsstunde. Weiterlesen  3 SV im Unterricht, S. 72 Was tun, wenn’s Probleme mit euren Rechten gibt?  Wenn ihr konkrete Probleme habt, bei denen ihr glaubt, dass ihr im Recht seid, dann könnt ihr im Schulgesetz oder in den Kinderrechten nach Hilfestellungen suchen. Selbst Lehrer_innen und Schulleiter_innen, die wenig kompromissbereit scheinen, können schlecht gegen vorgelegte Paragraphen aus dem Schulgesetz argumentieren, denn diese sind die gesetzlichen Grundlagen für ihre eigene Arbeit. Sollte es Probleme beim Einfordern eurer Rechte geben, so sind eure SV-Begleiter_innen, die Schulleitung, der Bezirksschülerausschuss, der Landesschülerausschuss und danach die Schulaufsicht eure Ansprechpartner_innen. Ansprechpartnerin  3 Beim Auslegen von Rechten kann euch die Qualitätsbeauftragte des Bildungssenats helfen. Frau Mattig-Krone erreicht ihr während der Schulzeiten donnerstags 15 –18 Uhr unter 030 90227 5330 oder unter Qualitaetsbeauftragte@senbjf.berlin.de Download  3 ein SV-Quiz(eine spielerische Methode SV-Recht kennenzulernen), Beispiele, die mit dem Schulgesetz geprüft werden können, Leitfaden zur SV-Arbeit 2 28 2.2. Aufbau der Schülervertretung  Um zu zeigen, wie die Schülervertretung funktioniert, werden hier alle wichtigen Rollen und Einrichtungen kurz beschrieben. Klassensprecher_ innen (§ 83 (3),§ 84,§ 117 (3) SchulG) Ab der dritten Klasse muss in jeder Klasse bis einen Monat nach Beginn des Schuljahres gewählt werden. Für die Dauer von einem Jahr und bis Neuwahlen stattfinden, werden gewählt: pp zwei gleichberechtigte Klassensprecher_innen. Das sollen ein Junge und ein Mädchen sein, pp zwei Stellvertreter_innen für die Klassensprecher_innen und ab der siebenten Klasse zwei Vertreter_innen für die Klassenkonferenz. Oft wird hierfür keine Extra-Wahl durchgeführt und die Klassensprecher_innen vertreten euch auch in den Klassenkonferenzen. In der Oberstufe werden für jeweils 25 Schüler_innen zwei Sprecher_innen sowie zwei Vertreter_innen für die Jahrgangskonferenz gewählt. Klassensprecher_innen können nicht von Lehrer_innen abgesetzt werden, auch nicht, wenn diese„negativ aufgefallen“ sind. Sie können nur von ihren Mitschüler_innen abgewählt werden. Tipp  3 In der Oberstufe hat es sich bewährt, statt Jahrgangssprecher_innen Kurs­sprecher_innen zu wählen, denn so kann die SV über die Kurse regelmäßig Kontakt zu allen Schüler_innen aufnehmen. Tipp  3 An Berufsschulen und OSZs ist ­SV-Arbeit oft erschwert, weil alle Schüler_innen an unterschiedlichen Tagen an der Schule sind. Bewährt hat sich hier die Wahl von Tages­sprecher_innen statt Klassensprecher_innen, d. h. alle Schüler_innen, die an einem Tag in der Schule sind, wählen ihre Vertreter_innen und diese bilden dann die GSV. Leider ist das durchs Schulgesetz so nicht vorgesehen, obwohl es sinnvoll ist. Möglich ist es aber, einen“Antrag auf Modellversuch“ bei der Senatsverwaltung für Bildung zu stellen, um eine Genehmigung dafür zu bekommen. Weiterlesen  3 Oft werden nicht die gewählt, die wirklich Lust haben, sich dafür einzusetzen, dass sich an der Schule wirklich was bewegt. Wie das verhindert werden kann, könnt ihr nachlesen: Zehn Schritte zu guten Klassensprecher_innen, S. 90 Klassenberatungsstunde (=„SV-Stunde“,§ 84 (2) SchulG) Pro Monat steht jeder Klasse eine Stunde innerhalb des Unterrichts zu, um über „Angelegenheiten“ der Schüler_innen zu sprechen, z. B. Informationen aus der SV, über den nächsten Wandertag oder die Sitzordnung. Wann sie stattfindet, muss mit den Klassenlehrer_innen besprochen werden. Gibt es keine Klassen, so gilt das Recht genauso für den Jahrgang und der Termin muss mit der Jahrgangsleitung besprochen werden. Diese Stunde ist nicht das Gleiche wie eine Klassenleiterstunde, über deren Inhalt die Klassenleiter_innen entscheiden. Viele Lehrer_innen kennen dieses Recht auf eine Klassenberatungsstunde nicht. Daher Pimp my School – 1 x 1 der SV-Arbeit 29 gab es bis jetzt in eurer Klasse wahrscheinlich keine Klassenberatungsstunde und ihr müsst sie erst einfordern. Weiterlesen  3 Die Klassenberatungsstunde, S. 72 Gesamtschülervertretung (=GSV,§ 84 (2) SchulG,§ 85)  Die GSV ist das Treffen aller Klassen-, Jahrgangs- sowie Kurssprecher_innen. Hier wird alles besprochen, was für euch als Schüler_innen wichtig ist. Die GSV wird von den Schulsprecher_innen vorbereitet, einberufen und durchgeführt. Mitglieder mit Stimm-, Antrags- und Rederecht: pp alle gewählten Klassen-, Jahrgangs- und ggf. Kurssprecher_innen(ab Klasse 5), pp Schulsprecher_in und deren Stellvertreter_innen. Mitglieder mit Antrags- und Rederecht: pp Klassensprecher_innen der 3. und 4. Klassen, pp max. drei Vertrauenslehrer_innen(siehe unten), pp zwei Lehrer_innen, die von der Gesamtkonferenz gewählt werden, pp zwei Elternvertreter_innen, die von der Gesamtelternvertretung gewählt werden. Die Gesamtschülervertretung kann sich pro Monat zweimal für maximal zwei Schulstunden innerhalb der Unterrichtszeit treffen. Eure Lehrer_innen müssen euch für die Sitzungen freistellen. Weiterlesen  3 Beratende und stimmberechtigte Mitglieder, S. 32 2 30 Schulsprecher_innen  (=„Schulsprecherteam“,„SV-Vorstand“,„SV-Team“§ 85 (3),§ 86 (2) SchulG) Alle Schüler_innen der Schule wählen eine_n Schulsprecher_in sowie bis zu drei Stellvertreter_innen. Gemeinsam sind sie so etwas wie der„Kopf“ der SV. Sie organisieren die Schülervertretung, sind aber nicht dafür da,„alles für euch zu erledigen“. Es ist nicht vorgesehen, dass die GSV die Schulsprecher_innen wählt – auch wenn das an einigen Schulen so gemacht wird. Das ist nur für Berufsschulen und Oberstufenzentren so vorgeschrieben. An manchen Schulen stellen sich schon vorher gebildete Schulsprecher_innenteams zur Wahl. Das kann für die SV-Arbeit sinnvoll sein. Da dies jedoch vom Schulgesetz ebenfalls nicht vorgesehen ist, geht es nur, wenn alle Beteiligten einverstanden sind. Es kann dann vereinbart werden, dass der_die Schulsprecher_in lediglich dann antritt, wenn auch die Stellvertreter_innen gewählt werden und eine Blockwahl durchgeführt wird. Weiterlesen  3 Das Schulsprecherteam(SV-Vorstand), S. 52 Acht Schritte zum starken Schulsprecherteam, S. 95 Schülerversammlungen (=„Vollversammlung“,§ 85 (7) SchulG) Die Schülerversammlung ist ein Treffen aller Schüler_innen der ganzen Schule. Sie kann maximal zweimal pro Halbjahr von der GSV einberufen werden. Ihr könnt eure Mitschüler_innen hier über alles informieren, bei dem ihr denkt, dass es alle wissen sollten. Eine Vollversammlung ist sinnvoll, wenn ihr wollt, dass die ganze Schule über ein bestimmtes Thema spricht, z. B. wenn es um die Änderung der Handyregelungen geht. Ihr könnt so öffentlichkeitswirksam Druck erzeugen, z. B. bei bevorstehenden Entscheidungen in der Schulkonferenz. Weiterlesen  3 Schülerversammlungen, S. 160 Pimp my School – 1 x 1 der SV-Arbeit 31 Das Wichtigste zusammengefasst  Was? Klassenberatungsstunde Wie oft möglich? 1-mal im Monat für eine Unterrichtsstunde Mitglieder Alle Schüler_innen einer Klasse Gesamtschülervertretung 2-mal im Monat für zwei Unterrichtsstunden Alle Klassen-, Jahrgangs-, Kurssprecher_innen, Schul­ sprecherteam sowie beratend 3 Vertrauenslehrer_innen, 2 Lehrer_innen aus der Gesamtkonferenz sowie 2 Elternvertreter_innen aus der Gesamtelternvertretung Schülerver­ sammlung 2-mal im Halbjahr für 2 Unterrichtsstunden Alle Schüler_innen der Schule Wer? Jede Klasse Wählt was? 2 gleichberechtigte Klassensprecher_innen* 2 Vertreter_innen für die Klassenkonferenz* Alle Schüler_innen Schulsprecherteam(1 Schulsprecher_in und der Schule bis zu 3 Stellvertreter_innen) Gesamtschülervertretung 4 Mitglieder für die Schulkonferenz*(für 2 Jahre) 2 beratende Mitglieder für die Gesamtkonferenz* 2 beratende Mitglieder für Gesamtelternvertretung* 2 beratende Mitglieder für jede Fachkonferenz* 2 Mitglieder für den Bezirksschülerausschuss* *= Es werden außerdem Stellvertreter_innen gewählt. 2 32 2.3. Mitbestimmung in Konferenzen  Die Schülervertretung hat das Recht, ihre Interessen in allen wichtigen Konferenzen der Schule zu vertreten. Dazu kann sie Vertreter_innen für Ausschüsse und Konferenzen wählen. Das geschieht normalerweise zu Beginn des Schuljahres auf der ersten oder zweiten SV-Sitzung. Info: Beratende und stimmberechtigte Mitglieder  Im Schulgesetz wird unterschieden in beratende und stimmberechtigte Mitglieder einer Konferenz. Als beratendes Mitglied dürft ihr teilnehmen, zu Tagesordnungspunkten etwas sagen und auch Anträge in die Konferenz einbringen(Rederecht und Antragsrecht). Als stimmberechtigte Mitglieder habt ihr die gleichen Rechte und darüber hinaus noch ein Recht mit abzustimmen, wenn es etwas zu entscheiden gibt. Wer wird durch die GSV gewählt?  (§ 77(4), § 78(2),§ 85(4),§ 117 (2) SchulG) Spätestens sechs Wochen nach Schulbeginn werden für die Amtsdauer von zwei Jahren vier Schüler_innen für die Schulkonferenz gewählt. Für die Amtsdauer von einem Jahr werden außerdem gewählt: pp zwei beratende Mitglieder der Gesamtkonferenz, pp zwei beratende Mitglieder für die Gesamtelternvertretung, pp zwei beratende Mitglieder für jede Fachkonferenz, pp zwei Vertreter_innen für den Bezirksschülerausschuss, pp in Tempelhof-Schöneberg und Charlottenburg-Wilmersdorf Vertreter_innen für die Kinder- und Jugendparlamente. Für alle Ämter müssen jeweils Stellvertreter_innen gewählt werden. Diese vertreten die gewählten Mitglieder, z. B. wenn diese krank sind. Weiterlesen  3 Konferenzwahlen in der Gesamtschülervertretung, S. 99 Die Schulkonferenz  (§ 76,§ 78(1) SchulG) Die Schulkonferenz ist die oberste Beschluss- und Beratungskonferenz der Schule. Sie soll die Zusammenarbeit zwischen Eltern, Lehrer_innen und Schüler_innen ermöglichen und tagt mindestens viermal im Jahr. Hier geht es vor allem um Themen, die die ganze Schule betreffen. Pimp my School – 1 x 1 der SV-Arbeit 33 Die Schulkonferenz hat folgende Mitglieder, die Rede-, Antrags- und Stimmrecht haben: pp der_die Schulleiter_in, pp vier Lehrer_innen, Erzieher_innen und/oder Sozialpädagog_innen, die von der Gesamtkonferenz gewählt werden, pp vier Schüler_innen, die von der Gesamtschülervertretung gewählt werden und mindestens aus der 7. Klasse sein müssen, pp vier Elternvertreter_innen, aus der Gesamtelternvertretung, pp eine weitere Person, die nicht der Schule angehört, die von den anderen Mitgliedern der Schulkonferenz gewählt wird. Ein_e Mitarbeiter_in der Schule, die keine pädagogischen Aufgaben hat, soll der Schulkonferenz als beratendes Mitglied angehören. Die Schulkonferenz entscheidet: pp mit einfacher Mehrheit, d. h. mit mehr als 50 % der Stimmen der stimmberechtigten Mitglieder, z. B. über den täglichen Unterrichtsbeginn, Grundsätze für Schülerfahrten, Wandertage und das Warenangebot an der Schule, pp mit 2/3-Mehrheit der stimmberechtigten Mitglieder, z. B. über die Grundsätze für Personal- und Sachmittel sowie den Umfang und die Verteilung der Hausaufgaben, die Schulordnung sowie das Schulprogramm. Für euch interessante Themen in der Schulkonferenz könnten sein: warmes Mittagessen, die Änderung der Handyregelungen oder der Pausenzeiten, eine Kleiderordnung oder der Aufenthalt im Gebäude während der Pausen. Tipp  3 Mit 2/3-Mehrheit kann die Schulkonferenz ­beschließen, dass die SV-Begleiter_innen als dauerhafte Gäste an der Schulkonferenz teilnehmen. Die SV-Begleiter_innen können euch dann z. B. beim Einbringen von Anträgen unterstützen(§ 116(2) SchulG). Gesamtkonferenz (§ 79 SchulG) In der Gesamtkonferenz werden alle grundsätzlichen pädagogischen Fragen besprochen. Sie tritt mindestens dreimal im Jahr zusammen. Sie... pp besteht aus allen Lehrer_innen(mit Stimm-, Rede- und Antragsrecht) sowie mit beratender Stimme allen Sozialpädagog_innen der Schule, zwei Schüler_innen(aus der GSV) sowie zwei Elternvertreter_innen(aus der Gesamtelternvertretung), pp entscheidet mit einfacher Mehrheit, z. B. über die Grundsätze der Unterrichtsgestaltung, der Unterrichtsmethoden, Lernerfolgskontrollen, Art, Umfang und Verteilung der Klassenarbeiten, pp wählt vier Vertreter_innen für die Schulkonferenz, zwei beratende Mit­ glieder für die GSV sowie für die Gesamtelternvertretung. 2 34 Für euch u. a. interessant: die Stimmung bei den Lehrer_innen zu einzelnen Themen, Regeln für die Benotung, Planungen für Projektwochen sowie alle bevorstehenden Änderungen an der Schule. Weiterlesen  3 Kontakte pflegen, S. Klassenkonferenzen (§ 81,§ 82 SchulG) Zu jeder Klasse wird eine Klassenkonferenz gebildet. In ihr geht es um alle Angelegenheiten, die eine Klasse betreffen. Sie entscheidet z. B. mit einfacher Mehrheit über den Umfang und die Verteilung der Hausaufgaben und Lernerfolgskontrollen. Der Klassenkonferenz gehören mit Rede-, Antrags- und Stimmrecht an: pp alle in einer Klasse unterrichtenden Lehrer_innen, pp andere Mitarbeiter_innen, die regelmäßig etwas mit der Klasse zu tun haben, pp zwei Elternvertreter_innen, die von der Elternversammlung der Klasse gewählt werden, pp zwei Schüler_innen, die von der Klasse gewählt werden. Das sind meistens die Klassensprecher_innen. Wenn es um die Versetzung, Zeugnisse und Abschlüsse, das Arbeits- und Sozialverhalten oder die Förderprognose von Schüler_innen geht, treffen sich die Lehrer_innen ohne Schüler- und Elternvertreter_innen. Wenn es um Ordnungsmaßnahmen wie Verweise oder Unterrichtsausschluss für einzelne Schüler_innen geht, dürfen die Schülervertreter_innen nur teilnehmen, wenn der_die betroffene Schüler_in und seine_ihre Erziehungsberechtigten das wollen(§ 63, § 81 (5) SchulG). Fachkonferenzen (§ 80 SchulG) In Fachkonferenzen tauschen sich die Fachlehrer_innen über ihr jeweiliges Fach aus. Es gibt für jedes Fach eine Fachkonferenz, z. B. Mathematik, Deutsch, Englisch. Manchmal sind Fachkonferenzen für Fächer zusammengelegt. Sie finden meist mindestens zweimal im Jahr statt. Sie... pp bestehen aus allen Lehrer_innen und anderen Mitarbeiter_innen, die das Fach unterrichten(mit Stimm-/Rede-/Antragsrecht). Zudem gehören ihr beratend zwei Schüler_innen(von der GSV gewählt) sowie zwei Elternvertreter_innen(von der Gesamtelternvertretung gewählt) an, pp entscheiden z. B. mit einfacher Mehrheit über die Umsetzung der Rahmenlehrpläne oder die Anschaffung neuer Lehrbücher und anderer Lernmittel. Pimp my School – 1 x 1 der SV-Arbeit 35 Für euch u. a. interessant: Digitalisierung der Schule, Lernerfolgskontrollen und Klausuren oder die Ausstattung der Fachbereiche. Gesamtelternvertretung (§ 88 –§ 90 SchulG) Ähnlich wie die Schüler_innen eine Schülervertretung haben, haben die Eltern eine Elternvertretung. Dazu werden auf den Elternversammlungen jeder Klasse je zwei Elternsprecher_innen gewählt, die gleichzeitig Teil der Gesamtelternvertretung sind. Diese tagt mindestens dreimal im Jahr. Sie... pp besteht aus allen Elternsprecher_innen, die Stimm-, Rede- und Antragsrecht haben. Außerdem gehören ihr beratend zwei Vertreter_innen der GSV sowie zwei Vertreter_innen der Gesamtkonferenz an, pp bespricht alle Themen, die aus Perspektive der Eltern in Bezug auf die Schule wichtig sind, z. B. bevorstehende Schulveranstaltungen, pp wählt vier Vertreter_innen für die Schulkonferenz sowie zwei beratende Mitglieder für die GSV und die Gesamtkonferenz. Für euch u. a. interessant: Die Gesamtelternvertretung hat für euch eine besondere Bedeutung. Da vier Elternvertreter_innen in der Schulkonferenz vertreten sind, habt ihr gemeinsam mit ihren Stimmen dort eine einfache Mehrheit. Wollt ihr also einen Antrag in der Schulkonferenz stellen, sind sie wichtige Bündnispartner_innen. Weiterlesen  3 Kontakte pflegen, S. 69 36 Gesamtkonferenz Mitbestimmung in der Schule 4 4 4 11 Schulkonferenz SVVorstand organisiert Gesamtschülervertretung(GSV) Bezirksschülerausschuss Gesamtelternvertretung Fachkonferenzen Klassenkonferenzen bei Interesse Projekte AGS Klassensprecher_ innen bei Interesse 1 Schulsprecher_in+ 3 Stellvertreter_innen Schülerversammlung/ Vollversammlung max 2 mal pro Halbjahr Klassenberatungsstunde 1 mal im Monat Schüler_innen Lehrer_innen Schüler_innen Eltern Externe Person Schuleiter_in Pimp my School – 1 x 1 der SV-Arbeit 37 2.4. Schülervertretung im Bezirk und Land  Bezirksschülerausschuss (=BSA,§ 110 SchulG) In jedem Berliner Bezirk(Pankow, Treptow-Köpenick, Neukölln …) gibt es einen Bezirksschülerausschuss. Er dient eurer Interessenvertretung auf Bezirksebene. An jeder Schule im jeweiligen Bezirk wählt die GSV zwei Schüler_innen für den Bezirksschülerausschuss. Dieser setzt sich dann aus allen gewählten Vertreter_innen der einzelnen Schulen zusammen. Schülervertreter_innen von freien Schulen können dem BSA als beratende Mitglieder angehören. Die erste Sitzung im Schuljahr wird von einer Person aus dem Bezirksamt einberufen. Der BSA wählt: pp für die Dauer von einem Jahr eine_n Vorsitzende_n, pp für die Dauer von zwei Jahren zwölf Vertreter_innen für den Bezirksschulbeirat, pp für die Dauer von zwei Jahren zwei Vertreter_innen für den Landesschülerausschuss, pp für die Dauer von zwei Jahren eine_n Vertreter_in für den Landesschulbeirat. Für alle Ämter werden jeweils Stellvertreter_innen gewählt. Themen, die im BSA besprochen werden, können Austausch über SV-Arbeit an den jeweiligen Schulen, Vernetzungsprojekte, z. B. schulübergreifende Fußballturniere, gemeinsame Presseerklärungen sowie Vorbereitung der Arbeit im Bezirksschulbeirat sein. Weiterlesen  3 Der BSA kann auch Geld beantragen, z. B. bei den Kinder-/Jugendjurys in den Bezirken. Finanzierung S. 136 Download  3 Geschäftsstellen der Bezirksschülerausschüsse DOWNLOAD  3 Handbuch für Bezirksschülervertretungen aus NRW, das sich auf die ­Arbeit von Bezirksschülerausschüssen übertragen läßt. 2 38 Holt euch Unterstützung  In den letzten Jahren verlief die Arbeit in einigen Bezirksschülerausschüssen eher schwierig. Es gab teilweise wenig Unterstützung durch die Bezirksämter. Aus einigen Schulen kamen auch keine Vertreter_innen. Das Potential der Bezirksschülerausschüsse wird daher bisher nicht ausgeschöpft. Es gibt jedoch auch sehr aktive Bezirksschülerausschüsse, z. B. in Steglitz-Zehlendorf. Der BSA dort wird durch das Kinder- und Jugendbüro in Steglitz-Zehlendorf begleitet. In fast jedem Bezirk gibt es Kinder- und Jugendbeauftragte, die teilweise eine Extra-Ausbildung absolviert haben, um Kinder und Jugendliche bei Mitbestimmungsprozessen zu begleiten. Da die Zuständigkeit für die Bezirksschülerausschüsse rechtlich betrachtet beim Bezirksamt liegt, wird euch der Kontakt zu den Kinder- und Jugendbeauftragten nicht automatisch vermittelt. Passiert bei euch im BSA also nicht so viel? Wünscht ihr euch ein Coaching oder eine Beratung? Dann meldet euch bei ihnen. Sie helfen euch gern weiter. Weiterlesen  3 Angebote in den Bezirken, S. 169 Kinder- und Jugendparlamente (=KJP) In Charlottenburg-Wilmersdorf sowie Tempelhof-Schöneberg gibt es Parlamente für Kinder und Jugendliche. Die beiden Bezirke wollen die Interessenvertretung von Kindern und Jugendlichen zusätzlich fördern und haben daher Kinder- und Jugendparlamente gegründet. Kinder und Jugendliche aus den Schulen und Jugendfreizeiteinrichtungen kommen zusammen und setzen sich dafür ein, dass ihre Bezirke kinder- und jugendfreundlicher werden. Die Kinder- und Jugendparlamente können zu kinder- und jugendpolitischen Themen Stellung nehmen und so auf die Politik im Bezirk Einfluss nehmen. Themen in den letzten Jahren waren u. a. die Ausstattung von Schulen, Sauberkeit, sichere Verkehrswege und schönere Spielplätze. Auch nicht gewählte Kinder und Jugendliche sind herzlich eingeladen mitzumachen. Ihr könnt in den Arbeitsgruppen der KJP mitarbeiten oder euch mit Sorgen oder Ideen an die Vorstände der KJP wenden. WEB  3 www.kjp-cw.de, www.facebook.com/kjp.ts Pimp my School – 1 x 1 der SV-Arbeit 39 Landesschülerausschuss (=LSA,§ 114 SchulG) Der LSA dient eurer Interessenvertretung auf Landesebene, z. B. bei Verhandlungen mit der Senatsverwaltung für Bildung. Zudem wird die Arbeit im Landesschulbeirat vorbereitet. Der Landesschülerausschuss setzt sich aus den jeweils zwei Vertreter_innen aus den Bezirken zusammen. Insgesamt hat er also 24 stimmberechtigte Mitglieder. Dazu kommen mit beratender Stimme zwei Schülervertreter_innen von freien Schulen. Der LSA wählt eine_n Vorsitzende_n sowie drei Stellvertreter_innen, die gemeinsam den Vorstand bilden. Weiterlesen  3 Der Landesschülerausschuss stellt sich vor, S. 21 Bezirksschulbeirat (§ 111 SchulG) Der Bezirksschulbeirat ist für die Beratung des Bezirksamtes in schulischen Themen zuständig. Er besteht aus den im BSA gewählten Schülervertreter_innen sowie Lehrer_innen, Elternvertreter_innen und einigen weiteren Personen aus dem Bezirk. Er kann alles besprechen, was für die Schulen im Bezirk wichtig ist, z. B. die Bereitstellung von Geldern für Baumaßnahmen. Landesschulbeirat (§ 115 SchulG) Der Landesschulbeirat berät die Senatsverwaltung bzw. den_die Bildungssenator_in in allen Bildungsfragen rund um Schule und Unterricht, z. B. die Änderung der Rahmenlehrpläne oder die Ausstattung der Schulen. Er besteht u. a. aus den in den Bezirksschülerausschüssen gewählten Schüler_innen, Lehrer_innen, Elternvertreter_innen, weiteren Vertreter_innen des öffentlichen Lebens, der beruflichen Schulen sowie der freien Schulen. Da der Landesschulbeirat eine Möglichkeit ist, direkt mit dem Bildungssenat zu verhandeln, könnt ihr hier eigene Forderungen gut einbringen. Vertretungen der Eltern und Lehrer_innen  Die Vertreter_innen der Eltern und Lehrer_innen haben genauso wie die Schüler_innen Bezirksausschüsse sowie Landesausschüsse, die ihre jeweiligen Vertreter_innen für die Bezirksschulbeiräte sowie den Landesschulbeirat wählen. WEB  3 http://leaberlin.de 40 Schülervertretung im Bezirk und Land Bundesschülerkonferenz LSA-Vorstand 1 Vorsitzende_r + 3 Stellvertreter_innen Landesschülerausschuss (LSA) Verhandlung, Diskussion, Austausch Verhandlung, Diskussion, Austausch pro Bezirk BSA-Vorstand 1 Vorsitzende_r + 1 Stellvertreter_in je Bezirk Senatsverwaltung für Bildung Verhandlung, Diskussion, Austausch Landesschulbeirat 2 Bezirksschülerausschuss (BSA) pro Schule 12 Personen Bezirksschulbeirat Gesamtschülervertretung(GSV) Lehrer_innen Schüler_innen Eltern Sonstige Pimp my School – 1 x 1 der SV-Arbeit 41 2.5. Besonderheiten an Grundschulen,  berufsbildenden und freien Schulen  Grundschule (§ 84 SchulG) Für SV-Arbeit an Grundschulen gibt es folgende Vorgaben: pp ab Klasse 3 werden zwei Klassensprecher_innen gewählt, pp alle Klassensprecher_innen sollen sich mindestens zweimal im Schuljahr treffen, pp es werden beratende Mitglieder für die Schulkonferenz gewählt. Schülervertretungsarbeit an Grundschulen braucht eine sehr enge Begleitung durch die SV-Begleiter_innen. In der SV-Arbeit geht es dann darum, mit spielerischen und kreativen Methoden die eigene Meinung zum Ausdruck zu bringen, Probleme und Anliegen zu besprechen und gemeinsam Lösungen zu entwickeln. Spaß, Freude und Wertschätzung sollen im Vordergrund stehen. Schüler_innen der Grundschulen werden so früh mit Entscheidungsfindung vertraut, trainieren Gesprächsregeln und trauen sich, ihre Meinung zu äußern. Wichtig ist aber, dass die Arbeit nicht„zum Spaß“ gemacht wird, denn das würden die Schüler_innen schnell merken und das Interesse verlieren. Vielmehr geht es darum, die Anliegen der Schüler_innen schnell in Projekte zu überführen, die sie selbst umsetzen können und die zum Erfolg führen. Ansprechpartnerinnen  3 SV-Begleiterinnen an Grundschulen: Frau Walz, walz@pro-gemeinsinn.de und Frau Loebe, MartinaLoebe@gmx.de Download  3 Aufbau einer SV in der Grundschule Web  3 www.regenbogen-grundschule.de/ regenbogen/schuelerparlament.php Oberstufenzentren, Berufsschulen und Fachschulen  (§ 77,§ 86,§ 87,§ 113 SchulG) Die Schülervertretung an Oberstufenzentren, Berufsschulen und Fachschulen ist anders aufgebaut und die Schulkonferenz setzt sich anders zusammen als an allgemeinbildenden Schulen. An Oberstufenzentren ist Schülervertretungsarbeit oft schwer umzusetzen. Durch die verschiedenen Bildungsgänge haben die Schüler_innen einen sehr unterschiedlichen Alltag und auch unterschiedliche Interessen. Das heißt, dass es oft keinen gemeinsamen Termin gibt, wo sich alle Schülervertreter_innen in der Schule befinden. Um SV-Arbeit trotzdem zu ermöglichen, ist Kreativität gefordert. Download  3 Leitfaden zum SV-Recht an OSZ und Berufsschulen „Kenne und nutze deine Rechte“ 42 Erfahrungsbericht einer Schülervertretung am OSZ An der Georg-Schlesinger-Schule wurde folgendes Modell entworfen: pp Statt Abteilungsschülersprecher_innen gibt es ein System der Blockschülervertretung, damit alle Bildungsgänge in der GSV vertreten sind. Dafür 2 wurde ein Antrag bei der Senatsverwaltung gestellt. pp Es finden vier GSV-Sitzungen über das gesamte Schuljahr verteilt statt. Hierzu werden auch die Schülervertreter_innen aus den Betrieben eingeladen. pp Es gibt ein„Buddyprojekt“, bei dem die alten SV-Mitglieder die neuen Schüler_innen über SV-Arbeit und Mitbestimmungsmöglichkeiten an der Schule informieren. pp Es gibt einen SV-Klausurtag, bei dem es um SV-Recht sowie SV-Projekte geht. pp Zum Halbjahr erfolgt ein Motivationstreffen für die SV-Mitglieder, z. B. ein gemeinsames Essen, Bowling oder Kino. pp Zum Ende des Schuljahres findet ein einwöchiges SV-Seminar statt. Hier werden die Projekte fertiggestellt, das Buddyprojekt und die Übergabe an den nächsten Jahrgang vorbereitet und Teambildung betrieben. Ansprechpartner  3 Unterstützung für SV-Arbeit an beruflichen ­Schulen und OSZs gibt es bei DeVi e. V.: www.demokratieundvielfalt.de/projekte/unterstuetzung-von-schuelervertretungen Freie Schulen (§ 98(3),(7) SchulG) Freie Schulen sind Schulen, die nicht vom Land Berlin betrieben werden, sondern z. B. von Vereinen, die von Eltern gegründet wurden. Es gibt unterschiedliche freie Schulen, z. B. kirchliche Schulen, Waldorfschulen oder Alternativschulen. Freie Schulen können die Mitbestimmungsmöglichkeiten für Schüler_innen freier gestalten. Sie müssen sich nicht genau daran halten, wie Schülervertretung an öffentlichen Schulen funktioniert. Im Schulgesetz heißt es relativ allgemein, dass diese Schulen Formen der Mitbestimmung von Schüler_innen einrichten müssen, die„im Sinne“ der Schülervertretungsarbeit an öffentlichen Schulen funktioniert. Pimp my School – 1 x 1 der SV-Arbeit 43 2.6. Rechte nach dem Schulgesetz von A – Z  Anspruch auf vielfältige Meinungen im Unterricht (§ 67 (3) SchulG) Lehrer_innen müssen im Unterricht dafür sorgen, dass auch andere Auffassungen(als ihre eigenen), die für den Unterricht wichtig sind, diskutiert werden können. Eine einseitige Beeinflussung ist nicht gestattet. Beratung der SV durch Vertrauenslehrer_innen (§ 85 (6) SchulG) Die GSV kann sich zu ihrer Unterstützung bis zu drei Vertrauenslehrer_innen wählen. Diese sollen beratend an den SV-Sitzungen teilnehmen. Die genauen Aufgaben von Vertrauenslehrer_innen sind nirgends festgelegt. Die einzige Regelung besteht darin, dass sie berechtigt sind, Auskünfte über Angelegenheiten, die ihnen in ihrer Rolle als Vertrauenslehrer_innen anvertraut wurden, für sich zu behalten. Das heißt auch, dass die Schulleitung von ihnen keine Informationen erhält(außer bei Straftaten). Je nach Schule übernimmt jemand anders die Begleitung der SV. An einigen Schulen sind es die Vertrauenslehrer_innen, an einigen die Lehrervertreter_innen der Gesamtkonferenz und an anderen Sozialarbeiter_innen. Wichtig ist, dass geklärt ist, wer die offizielle Begleitung der SV übernimmt. Weiterlesen  3 Die SV-Begleiter_innen, S. 58 2 44 Beteiligung an der Gestaltung des Unterrichts (§ 46 (3),§ 47 (1) SchulG) Für jedes Fach erstellen die Fachlehrer_innen aus den Rahmenlehrplänen des Landes Berlin einen Plan für die Schule und die einzelnen Fachlehrer_innen einen Arbeitsplan für ihren Unterricht. Er enthält u. a. die Anzahl und Themen der Klassenarbeiten. Nach diesem Arbeitsplan könnt ihr eure Lehrer_innen zu Beginn eines Schulhalbjahres fragen und bitten, euch diesen vorzustellen. Ihr dürft dann zu den behandelten Themen, Schwerpunkten, der Reihenfolge und sogar der Art und Weise, wie der Unterricht gestaltet ist, Vorschläge machen. Wenn die Lehrer_innen eure Vorschläge nicht beachten, müssen sie euch erklären warum. Solltet ihr Kritik am Unterricht haben, macht möglichst konkrete und umsetzbare Vorschläge, wie der_die Lehrer_in es anders machen kann. Bildungspolitisches Mandat (§ 83 (2) SchulG) Die Schülervertretung darf sich öffentlich zu allen Fragen rund um Schul- und Bildungspolitik äußern. Es ist also z. B. möglich, dazu in der Schülerzeitung zu schreiben, auf der eigenen Facebookseite etwas zu posten oder auch Pressemitteilungen herauszugeben. Ein sogenanntes„allgemeinpolitisches“ Mandat habt ihr leider nicht. Das würde bedeuten, dass ihr euch öffentlich zu allen politischen Fragen äußern dürft. Dafür kämpften Schülervertreter_innen in den 1970er Jahren, konnten sich aber nicht durchsetzen. Einberufen der Schulkonferenz (§ 116 (1) SchulG) Die Schulleitung muss die Schulkonferenz„unverzüglich“ einberufen, wenn ein Fünftel der Mitglieder das wünscht. Da ihr an weiterführenden Schulen vier von 14 Mitgliedern stellt, könnt ihr dieses Recht also in Anspruch nehmen, wenn es erforderlich ist. Pimp my School – 1 x 1 der SV-Arbeit 45 Einsehen von Protokollen der Schulkonferenz, Gesamt­ konferenz und Fachkonferenzen (§ 122 (2) SchulG) Die Sitzungsprotokolle von Schulkonferenz, Gesamtkonferenz und den Fachkonferenzen müssen euch zugänglich gemacht werden. Nur wenn es um Personalangelegenheiten geht oder die betreffende Konferenz Verschwiegenheit beschlossen hat, dürfen Informationen fehlen. Einsicht in und Leistungsbeurteilung (§ 47 (1) SchulG)  Ihr habt das Recht, über die Grundsätze der Notengebung und Leistungsbewertung informiert zu werden. Ihr könnt daher Lehrer_innen nach den Kriterien fragen, wie Noten vergeben werden. Das ist v. a. wichtig, wenn ihr den Eindruck habt, dass unfair benotet wird. Herausgabe einer Schülerzeitung (§ 48 SchulG) Alle Schüler_innen sowie die Schülervertretung haben das Recht, Flugblätter zu verfassen oder aber eine Schülerzeitung herauszugeben. Die Schülerzeitung unterliegt – wie jede andere Zeitung – der Meinungs- und Pressefreiheit sowie dem Presserecht. Nicht erlaubt ist es natürlich, dass ihr beleidigende oder diskriminierende Inhalte verbreitet, weil das die Persönlichkeitsrechte anderer Menschen verletzt. Die Schulleitung hat nicht das Recht, den Inhalt zu überprüfen oder mitzubestimmen. Sie kann aber verbieten, dass die Zeitung auf dem Schulgelände verteilt wird, wenn davon auszugehen ist, dass die Zeitung den„Schulfrieden“ stört. Dann könnt ihr die Zeitung aber immer noch außerhalb des Geländes verteilen. Mitwirkung am Schulprogramm (§ 4 (6) SchulG) Im Schulprogramm sind die Schwerpunkte der Arbeit der Schule beschrieben. Das Schulprogramm wird durch die Schulkonferenz beschlossen. Im Schulprogramm kann z. B. stehen, dass die Schülervertretungsarbeit ein wichtiger Baustein der Arbeit an der Schule ist. An der Erarbeitung bzw. Weiterentwicklung des Schulprogramms müsst ihr beteiligt werden. Ihr könnt euch also Gedanken machen, was am Schulprogramm verändert werden soll, und das in die Schulkonferenz einbringen. Räume und Gelder (§ 49 (2),§ 121 SchulG) Die Schule muss für die„Geschäftskosten“ der Schülervertretung(z. B. Kopien, Stifte, Flipchartblätter, Schrank) aufkommen und für ihre Treffen Räume zur Verfügung stellen. Dabei reicht es aus, wenn ihr einen großen Raum wie z. B. die Mensa nutzen könnt. Einen Anspruch auf einen eigenen Raum gibt es nicht. Viele Schülervertretungen haben aber nach Verhandlungen mit der Schulleitung oder einem Antrag in der Schulkonferenz einen dauerhaften SV-Raum zur Verfügung gestellt bekommen. Weiterlesen  3 SV-Raum, S. 66& Anträge stellen, S. 143 46 Teilnahme der Mitglieder der Schulkonferenz an allen anderen  Konferenzen der Schule (§ 75 (3) SchulG) Die Mitglieder der Schulkonferenz(also auch die gewählten Schüler_innen) dürfen an allen anderen Konferenzen der Schule mit Rede- und Antragsrecht teilnehmen, d. h. an Gesamtkonferenzen, Fachkonferenzen, Klassenkonferenzen und Treffen der Gesamtelternvertretung. Nur bei Klassenkonferenzen dürfen sie wie die Klassensprecher_innen nicht teilnehmen, wenn es um die Versetzung, Zeugnisse, Abschlüsse, das Arbeits- und Sozialverhalten und Förderprognosen geht. TipP  3 Damit ihr jeweils teilnehmen könnt, müssen euch die Sitzungstermine sowie Tagesordnungspunkte bekannt gemacht werden. Bittet die Schulleitung daher am besten darum, dass ihr in die jeweiligen E-Mail-Verteiler aufgenommen werdet, über die die Einladungen versendet werden. Unterstützung durch die Schulleitung (§ 47 (1),§ 69 (2),§ 85 (5) SchulG) Die Schulleitung muss die Schülervertretung bei ihrer Arbeit unterstützen und über alle grundsätzlichen und wichtigen schulischen Angelegenheiten informieren. Dazu gehören insbesondere eure Mitbestimmungsmöglichkeiten in der Schule, im Bezirk sowie im Land Berlin. Ihr könnt um Unterstützung und Beratung bitten, wenn ihr Hilfe braucht. Auf euren Wunsch soll die Schulleitung an SV-Sitzungen teilnehmen. Sie ist dann Gast und kann sich wie alle anderen zu Wort melden. Spätestens zwei Wochen nach den Wahlen muss sie die GSV zu einem gemeinsamen Gespräch über alle wichtigen schulischen Angelegenheiten einladen. Veranstaltungen der SV (§ 83(4),(5) SchulG) Die Schülervertretung darf eigene Veranstaltungen in der Schule durchführen. Die Schulleitung kann sie nur verbieten, wenn zu erwarten ist, dass die Veranstaltung Schüler_innen gefährdet. Genehmigte Veranstaltungen sind automatisch schulische Veranstaltungen. Die Schule hat daher aber auch die Pflicht zur Beaufsichtigung. Sie soll diese jedoch„zurückhaltend“ ausüben, d. h. euch möglichst viele Freiräume lassen. Grundlegende  Strukturen  schaffen  3 48 3.1. Aufgabenprofile: Wer soll was tun?  3 3.1.1. Klassensprecherteam  Motivierte Klassensprecher_innen, die Lust haben sich in ihrer Klasse und in der SV für die Interessen ihrer Klasse einzusetzen, sind die Grundlage jeder SV-Arbeit. Häufig ist jedoch unklar, was Klassensprecher_innen eigentlich zu tun haben, und Schüler_innen orientieren sich dann nur daran, was ihnen Lehrer_innen an Aufgaben zuweisen. Nicht selten gehören dann das Aufschreiben von unruhigen Mitschüler_innen, Pausenaufsicht, Gänge ins Sekretariat oder Tafelwischen zu euren Aufgaben. Oft sehen Lehrer_innen euch als Hilfslehrer_innen oder Ordnungskräfte. Das ist natürlich nicht die Idee von Klassensprecher_innen! Rechtliche Grundlagen (§ 83,§ 84 SchulG) Zu Beginn jedes Schuljahres werden ab der dritten Klasse zwei gleichberechtigte Klassensprecher_innen gewählt. In der Oberstufe werden Jahrgangs- oder Kurssprecher_innen gewählt.„Die Schülervertreterinnen und Schülervertreter nehmen die Interessen der Schülerinnen und Schüler in der Schule gegenüber den Schulbehörden wahr und üben die Mitwirkungsrechte der Schülerinnen und Schüler in der Schule aus.“ So lautet eure offizielle Stellenbeschreibung im Schulgesetz. Übersetzt bedeutet das, dass es eure Aufgabe ist, die Interessen eurer Mitschüler_innen und eure eigenen zu vertreten. Was das ist, könnt also nur ihr und eure Mitschüler_innen bestimmen. Die Vorstellungen der Lehrer_innen spielen hier keine Rolle, und ihr solltet das, was sie euch sagen, als Empfehlungen sehen. Liegt das im Interesse von uns Schüler_innen?  Das ist die Leitfrage, mit der ihr immer überprüfen könnt, ob etwas eure Aufgabe ist oder nicht. Die folgenden Informationen sollen euch dabei helfen, ein Gespür dafür zu bekommen, wie man diese Frage für sich gut beantworten kann. Es ist daher keine Pflicht, alles genauso zu machen, wie hier beschrieben. Vielmehr sind es Empfehlungen für eure Arbeit, die euch helfen sollen, euren Job als Klassensprecher_innen besser zu verstehen. Die Wahl des Klassensprecherteams  Für die Wahl solltet ihr die euch zustehende Klassenberatungsstunde zu Beginn des Schuljahres in Anspruch nehmen und euch vor der Wahl ausführlich mit den Aufgaben von Klassensprecher_innen, den Erwartungen eurer Mitschüler_innen sowie den Vorerfahrungen aus den letzten Jahren beschäftigen. Weiterlesen  3 Zehn Schritte zu guten Klassensprecher_innen, S. 90 Pimp my School – 1 x 1 der SV-Arbeit 49 Keine_r ist als Klassensprecher_in geboren!  Du bist dir noch unsicher, ob du Klassensprecher_in werden willst? Wichtig ist, dass du motiviert bist, dass du Interesse an der Klassengemeinschaft hast und dass du dazulernen willst. Nicht, dass du schon alles weißt, verstehst und kannst. Erstellt ein Aufgabenprofil, das für eure Klasse gilt  Für die Wahl ist es ungemein hilfreich, wenn sich eure Klasse auf ein festes Aufgabenprofil für Klassensprecher_innen geeinigt hat. Das kann auf der Grundlage eurer eigenen Erwartungen, der folgenden Seiten hier im Buch oder der Empfehlungen aus der SV entstehen. Gut ist es z. B. wenn klar ist, dass pp ihr als Team arbeitet. Ihr seid zu zweit gewählt. Mit euren Stellvertreter_innen seid ihr sogar vier. Ihr könnt euch einmal im Monat als Viererteam zusammensetzen und über die Klasse sprechen, pp ihr nicht der„Problembriefkasten“ der Klasse seid, bei dem man Probleme abgibt und dann gelöst zurückbekommt. Unterstützt eure Mitschüler_innen vielmehr dabei, dass sie ihre Probleme mit eurer Hilfe angehen können. Verweist z. B. an die richtigen Stellen wie z. B. die Schulsozialarbeiter_innen, pp die Arbeit als Klassensprecher_in auch bedeutet, in der SV Verantwortung zu übernehmen und z. B. an Projekten mitzuarbeiten. Zurücktreten (§ 117(5) SchulG) Niemand muss Klassensprecher_in werden oder es bleiben, wenn er oder sie nicht(mehr) möchte. Trau dich, zurückzutreten, wenn du nicht mehr Klassensprecher_in sein willst. Das ist immer möglich. Dann muss jemand Neues gewählt werden. Neuwahlen sind ebenfalls immer möglich. Ihr könnt sie durchführen, wenn ihr denkt, dass die gewählten Klassensprecher_innen ihren Job nicht gut machen, aber nicht von alleine zurücktreten. Neu gewählt sind die Schüler_innen, die die Mehrheit der Stimmen erhalten. 3 50 Aufgaben und Rechte  In der Klasse (§ 83(3) SchulG) Du hast das Recht, wegen deiner Funktion als Klassensprecher_in„weder bevorzugt noch benachteiligt“ zu werden. Es ist nicht deine Pflicht, alle anstehenden Aufgaben deiner Klasse bzw. deines Kurses zu übernehmen, d. h. das„Mädchen für alles“ zu sein. Du... pp unterstützt einzelne Schüler_innen bei der Wahrnehmung ihrer Interessen und Rechte, z. B. vermittelst du in einem Gespräch zwischen einem_einer Schüler_in und einer Lehrkraft, wenn sich der_die Schüler_in ungerecht benotet oder behandelt fühlt, pp kümmerst dich um ein gutes Klassenklima, kannst bei Streit vermitteln, trittst gegen Ausgrenzung und Mobbing ein. In der SV-Sitzung (§ 84(2) SchulG) Du hast das Recht,„von der Klassenlehrerin oder dem Klassenlehrer oder der Jahrgangsstufenleiterin oder dem Jahrgangsstufenleiter für die Vorbereitung und Teilnahme an Gremiensitzungen im notwendigen Umfang“ freigestellt zu werden. Das bedeutet, Lehrer_innen müssen dich zu SV-Sitzungen gehen lassen. Wenn du mal nicht teilnehmen kannst, solltest du deine Vertretung schicken und dich abmelden. Du... pp bringst die Anliegen deiner Klasse in die SV-Sitzung ein, pp hast das Recht, selbst Anträge an die GSV zu stellen. Dafür solltest du möglichst eine Woche vor der nächsten SV-Sitzung Kontakt zu den Schulsprecher_innen aufnehmen und ihnen Bescheid sagen, pp machst dir Notizen über die SV-Sitzung, um deine Klasse in der nächsten Klassenberatungsstunde zu informieren. Freiwillige Mitarbeit in SV-Projekten und Vertreter_in in Konferenzen  der Schule sein  Wenn du das Schulleben aktiv mitgestalten willst, kannst du: pp SV-Projekte ins Leben rufen oder an ihnen mitarbeiten, pp dich in die Schulkonferenz, Fachkonferenzen, Gesamtkonferenz oder den Bezirksschülerausschuss wählen lassen. Pimp my School – 1 x 1 der SV-Arbeit 51 In der Klassenberatungsstunde (§ 84(2) SchulG) Als Klasse habt ihr das Recht,„innerhalb des Unterrichts nach Abstimmung mit der Klassenlehrerin oder dem Klassenlehrer(oder der Jahrgangsstufenleiterin oder dem Jahrgangsstufenleiter) mindestens eine Stunde je Schulmonat“ eine Beratung über die für euch wichtigen Themen durchzuführen. Du... pp sprichst mindestens eine Woche im Voraus mit dem_der Klassenlehrer_in ab, wann die Klassenberatungsstunde stattfinden kann, pp leitest die Klassenberatungsstunde und die Diskussion und sorgst dafür, dass Beschlüsse, die von der Klasse getroffen wurden, auch ausgeführt werden, pp berichtest mit Hilfe deiner Notizen und des Protokolls aus der SV-Sitzung, pp bringst eigene Themen ein, die dir in Bezug auf die Klasse wichtig erscheinen oder die ihr im Team der Klassensprecher_innen besprochen habt. Die Klassenberatungsstunde sollte zeitlich nah an der SV-Sitzung liegen, damit die Verbindung zur SV klar wird und bleibt. In der Klassenkonferenz (§ 81,§ 82 SchulG) Du hast das Recht, an Klassenkonferenzen deiner Klasse teilzunehmen. Allerdings gibt es ein paar Einschränkungen. Du darfst z. B. nicht daran teilnehmen, wenn über Noten oder Versetzungen gesprochen wird. In den Klassenkonferenzen geht es oft darum, eine Strafe auszusprechen. Du solltest dir dann überlegen, was für den_die betroffene_n Mitschüler_in und deine Klasse am besten ist, und das dann sagen. Wichtig ist: Alles, was ihr dort besprecht, unterliegt der Schweigepflicht, d. h., du als Klassensprecher_in darfst niemandem erzählen, was genau besprochen und beschlossen wurde. 3 52 3.1.2. Das Schulsprecherteam(SV-Vorstand)  Die Arbeit im Schulsprecherteam ist eine verantwortungsvolle Aufgabe, die riesiges Potential hat. Ihr lernt dazu, könnt Spaß haben und könnt etwas bewegen – und sie bringt einige Herausforderungen mit sich. Sitzungen für viele Menschen vorzubereiten und dann auch noch vor ihnen zu sprechen, ist auch für viele Erwachsene nicht leicht und erfordert Mut. Auch wenn ihr noch ganz am Anfang steht und das alles Neuland für euch ist: Ihr könnt mehr, als ihr denkt! Noch ist kein_e Meister_in vom Himmel gefallen. Seht die Tätigkeit als Möglichkeit, viel dazuzulernen, was euch nicht nur in der SV-Arbeit helfen wird, sondern auch für euer späteres Leben. Und scheut euch nie zu fragen! Warum überhaupt arbeiten?  Das Schulsprecherteam besteht aus dem oder der Schulsprecher_in und bis zu drei Stellvertreter_innen. Unabhängig vom genauen Wahlergebnis solltet ihr ab Beginn ein gleichberechtigtes Schulsprecherteam bilden. Es empfiehlt sich, dass die Wahl auch gleich so beworben wird, d. h. als Wahl in ein gemeinsames Schulsprecherteam, in dem vor allem Teamplay wichtig ist. Ein Team hat gegenüber Einzelkämpfer_innen eigentlich nur Vorteile. Es motiviert mehr und gibt Rückhalt, Aufgaben können auf mehrere Schultern verteilt werden, und ihr verhindert so Überlastung und Überforderung. Außerdem ist es besser zu verkraften, wenn eine_r nicht mehr mitmacht, z. B. weil er_sie schulisch doch stärker eingebunden ist als erwartet. Die Arbeit kommt dann nicht zum Stillstand. Weiterlesen  3 Ihr könnt weitere engagierte und motivierte Schüler_innen in eure Arbeit integrieren und einen erweiterten SV-Vorstand bilden, dem z. B. die Vertreter_innen der unteren Jahrgänge angehören: Erweiterter SV-Vorstand, S. 62 Rechtliche Grundlagen (§ 83 (2),§ 85 (1)&(5) SchulG) Das Schulsprecherteam ist Teil der GSV und seine Mitglieder gehören der GSV als stimmberechtigte Mitglieder an. Der_die Schulsprecher_in kann sie bis zu zweimal im Monat für jeweils zwei Unterrichtsstunden zu einer Sitzung einladen. Die Haltung des Schulsprecherteams  Ihr seid diejenigen, die die Ehre haben, die Geschicke der SV zu leiten. Ihr seid jedoch nicht die König_innen der SV. Bleibt auf Augenhöhe mit euren Mitschüler_innen. Das bedeutet ganz praktisch, z. B. während der SV-Sitzungen mit im Stuhlkreis zu sitzen und sich nicht auf eine Bühne zu stellen. Signalisiert, dass ihr an euren Mitschüler_innen interessiert seid, seid offen für ihre Meinungen und grüßt sie auf dem Gang. Durch Offenheit werdet ihr Menschen für euch gewinnen, mit Machtstreben vergraulen. Im Optimalfall holt ihr euch zudem von Zeit zu Zeit Feedback von den anderen aus der SV, z. B. bei einem Gespräch Pimp my School – 1 x 1 der SV-Arbeit 53 nebenbei. Fragt, was gut gefällt, was nicht, oder aber auch, was sie zu eurem Leitungsstil sagen. Davon profitieren beide Seiten: Für sie ändert sich was zum Positiven – und ihr könnt dazulernen. Das ist ein wertvolles Geschenk. Aufgaben von Schulsprecher_innen  Als Schulsprecherteam gibt’s einiges zu tun. Überlegt euch gut, was ihr gerade gut leisten könnt und was ihr euch zutraut. Es hilft niemandem, wenn ihr nach kurzer Zeit aufgebt.„Backt also kleine Brötchen“ und verteilt vielleicht zu Beginn einige der folgenden Arbeitsbereiche oder holt euch Verstärkung aus der SV. Ihr könnt auch die SV-Begleiter_innen fragen, ob sie zu Beginn Aufgaben davon übernehmen würden oder euch zumindest unterstützen können. Alle Aufgabenbereiche lassen sich gut an jeweils zwei Personen vergeben. Ansprechbar und erreichbar für eure Mitschüler_innen sein  Damit sich eure Mitschüler_innen mit ihren Anliegen an euch wenden können, müsst ihr erreichbar sein: via Mail, über Facebook und am besten eine feste Sprechzeit im SV-Raum. Weiterlesen  3 Ansprechbar sein im Schulalltag, S. 65 SV-Sitzungen organisieren  Viele Schülervertretungen führen eine SV-Sitzung pro Monat durch. Empfehlenswert ist es, wenn sie auf jeden Fall regelmäßig stattfindet, so dass sich die SVler_innen daran gewöhnen und darauf verlassen können, dass bald wieder eine Sitzung stattfindet. Am besten überlegt ihr euch schon zu Schuljahresbeginn die Termine für das ganze Jahr und stimmt sie einmal mit der Schulleitung ab. Dann können sie auch in den offiziellen Schulkalender eingetragen werden, und die Lehrer_innen haben das auf ihrem Zettel. Weiterlesen  3 SV-Sitzungen und Treffen, S. 111 Kontakt zu den Projektgruppen halten und ggf. helfen  Die Projektgruppen eurer SV sollen unabhängig von euch arbeiten. Natürlich könnt ihr aber in Projekten mitarbeiten, wenn es Herzensangelegenheiten sind. Ihr als Vorstand solltet immer darüber informiert sein, was der Stand der Projekte ist und welche Hilfe gerade gebraucht wird. Am besten, ihr vereinbart mit den Verantwortlichen der Projekte regelmäßige Treffen, ladet sie zu euren Vorstandssitzungen ein oder verabredet euch mit ihnen zum Quatschen in der Pause. Gebt ihnen am besten Hilfsmittel an die Hand: eine Checkliste zu Projektteamtreffen, ZWUP, SMART, Handlungsplan … Weiterlesen  3 Methoden für Projektarbeit, S. 133 3 54 Finanzen und SV-Kasse  Die Verwaltung der Kasse solltet ihr selbst übernehmen, oder ihr schafft ein Amt dafür(Kassenwart). Dieser sollte dann bei euren Treffen dabei sein. Weiterlesen  3 Finanzierung, S. 136 Teamprozesse im Blick behalten  Zu Beginn des SV-Jahres ist die SV ein bunter Haufen aus„alten Hasen“ und „Frischlingen“. Eine eurer Aufgaben ist es, dafür zu sorgen, dass ein immer besseres Teamgefühl in der SV entsteht. Das ist die beste Werbung für die Mitarbeit in der SV – wenn man sich dort wohlfühlen kann und klar ist, dass man auch als Neue_r integriert wird. Das kann auch helfen, wenn man sich in der eigenen Klasse mal gerade nicht so wohl fühlt. Achtet dabei auch darauf, dass sich die jungen SVler_innen einbringen können. Das Teamgefühl könnt ihr mit Kennenlernspielen, Teamübungen, Energizern, SV-Aktionen wie Grillen oder aber einem gemeinsamen SV-Seminar unterstützen. Weiterlesen  3 Ein Team werden, S. 102 Öffentlichkeitsarbeit  Die SV kann was! Kümmert euch darum, dass alle an der Schule wissen, was ihr als Schulsprecherteam so macht, welche Projekte es gibt, wo man alles mitarbeiten kann und welche Erfolge es zu feiern gibt! Dabei helfen Fotos, Berichte, Ankündigungen, Aushänge, Flyer … Versorgt das SV-Brett mit Infos, macht eine Vollversammlung oder führt einen SV-Infotag durch. Weiterlesen  3 Öffentlichkeitsarbeit, S. 158 Kontakte halten und aufbauen  Ihr seid die Kommunikationsschnittstelle zwischen den Schüler_innen, den Lehrer_innen, der Schulleitung, den Eltern und den Konferenzvertreter_innen. Deshalb ist es wichtig, dass ihr euch um die Kontaktpflege kümmert. Gut ist es, wenn ihr regelmäßige Treffen mit der Schulleitung abhaltet, um Projekte, Themen, Anliegen durchzusprechen und die Schulleitung auf dem neuesten Stand zu halten. Am besten alle ein bis zwei Monate ein festes Treffen. Außerdem solltet ihr immer auf dem Laufenden bleiben, was in der Gesamtkonferenz, Schulkonferenz und dem Bezirksschülerausschuss passiert. Weiterlesen  3 Kontakte pflegen, S. 69 Wahlen für das nächste Jahr im Blick haben  Jedes Jahr wieder – die Neuwahlen für die Schulsprecher_innen. Es empfiehlt sich, schon im alten Schuljahr rumzufragen, wer sich das fürs nächste Jahr vorstellen kann. Sprecht bewusst Mitschüler_innen an, bei denen ihr euch das vorstellen Pimp my School – 1 x 1 der SV-Arbeit 55 könnt. Ihr könnt euch mit den Interessierten schon mal treffen und ihnen von eurer Arbeit erzählen und es kann schon ein Wahlhelferteam gegründet werden. Weiterlesen  3 Acht Schritte zum starken Schulsprecherteam, S. 95 Wissen und Erfahrungen dokumentieren  Im Verlauf des Jahres sammelt ihr wertvolle Erfahrungen und viel Wissen. Damit all das nicht verloren geht, erstellt im Laufe des Jahres einen SV-Ordner, in dem ihr Listen, Protokolle, Ansprechpartner_innen und Projektberichte sammelt. Diesen benutzt ihr dann für die Amtsübergabe ans nächste Team. Weiterlesen  3 Wissensweitergabe von SV-Jahr zu SV-Jahr, S. 97 Politische SV-Arbeit  Wenn ihr Lust habt, bestimmte politische Inhalte in eure SV und eure Schule zu bringen, so könnt ihr das Amt einer_eines Politikbeauftragten einführen. Diese Person sammelt Informationen über ein aktuelles Thema, z. B. Klimaschutz und Nachhaltigkeit, gesunde Ernährung, Mobbing, Fair-Trade oder Kinderrechte. Dann werden ein kleiner Input, Infomaterial für die SV-Mitglieder sowie eine Diskussion vorbereitet. Ihr könnt eine Sondersitzung der SV einberufen(oder wenn genügend Zeit ist, das auf einer normalen SV-Sitzung machen) und diskutiert dann mit der SV dieses Thema. Im Optimalfall entsteht daraus eine Aktion oder Projektidee, die von der SV ins Leben gerufen wurde! 3 56 Checkliste Amtsantritt  Kontaktdaten austauschen: Telefonnummern, Mailadressen, Stundenpläne. Sich kennenlernen: Ihr wollt das ganze Jahr zusammenarbeiten. Zeit, sich ums Wohlfühlen miteinander zu kümmern. Schafft eine freundschaftliche und entspannte Atmosphäre. Nehmt euch Zeit, um rauszukriegen, wer die anderen sind und was sie z. B. gern in ihrer Freizeit machen. Klärt dann die Frage, wie ihr miteinander umgehen wollt und wer welche Vorlieben hat. Trefft euch nicht nur in der Schule, sondern auch mal bei jemandem zu Haus oder beim Eis im Park. Trefft euch mit den alten Schulsprecher_innen zur Amtsübergabe. Welche Tipps und Tricks haben sie für euch? Setzt euch gemeinsame Ziele. Was wollt ihr erreichen? Macht euch einen Plan fürs nächste SV-Jahr. Verteilt Aufgabenbereiche unter euch. Vereinbart eine feste Pause oder eine feste Stunde nach dem Unterricht für eure Arbeitstreffen. Macht euch bekannt. Eure Mitschüler_innen müssen euch unbedingt kennen. Geht durch die Klassen und stellt euch vor, ladet eure Mitschüler_innen stufenweise zu einer Vollversammlung ein, hängt in jedem Klassenzimmer Infoblätter mit euren Fotos und folgenden Informationen auf: Name, Klasse, Pläne für das neue Schuljahr, Sprechzeiten, Einladung zur Mitarbeit. Stellt euch bei der Schulleitung vor. Beim ersten Treffen beschnuppert man sich erstmal, fragt, was gerade für die Schule ansteht, ihr erzählt von euren ersten Plänen, schaut, was sie von euch erwartet, und sagt, dass ihr auch auf der Gesamtkonferenz als fester TOP was erzählen bzw. dass ihr euch gern alle ein bis zwei Monate mit der Schulleitung zusammensetzen wollt. Stellt euch zuletzt auf der Gesamtkonferenz vor. Habt ihr die Lehrer_innen auf eurer Seite, so wird einiges einfacher an der Schule. Stellt eure Pläne fürs Jahr vor. Bittet sie darum, sich bei Problemen gleich an euch zu wenden. Bittet um Verständnis, dass auch mal Unterricht betroffen sein wird. Ladet sie ein, euch bei Projekten zu unterstützen. Hier einen offenen Eindruck zu hinterlassen, ist die halbe Miete. Pimp my School – 1 x 1 der SV-Arbeit 57 Sich Hilfe holen  Nicht alles wird sofort so klappen, wie ihr euch das denkt. Lesen und Schreiben musstet ihr auch erstmal üben. Also holt euch Hilfe, wenn ihr welche braucht. Hilfe gibt’s zuhauf: von dem alten Schulsprecherteam, anderen Schülervertreter_innen, mit denen ihr euch vernetzt, z. B. aus der Nachbarschule oder aus dem Bezirksschülerausschuss, den SV-Begleiter_innen, den Kinder- und Jugendbeauftragten der Berliner Bezirke, Anbietern für SV-Seminare oder der Servicestelle für Jugendbeteiligung. Download  3 Jobprofile für Schulsprecher_ innen, Jahresplanung für Schulsprecher_innen, Protokoll für Besprechungen Weiterlesen  3 Wer kann helfen?, S. 168 Co-Autor: Leno Fuhlert Erfahrungsbericht: Lilian(15 J.), Hans-und-Hilde-Coppi-Gymnasium  Karlshorst  Ich bin eine von vier Schulsprecher_innen an meinem Gymnasium. Zu Beginn war die SV noch unstrukturiert und es fehlte an Kameradschaftsgeist. Die Treffen waren relativ unregelmäßig, man kannte sich kaum und wir erreichten nicht sonderlich viel. Durch gutes Zureden einiger Lehrer_innen, meiner Familie und Freunde und dem Schulleiter kandidierte ich als Schulsprecherin. Ich wollte mit anderen engagierten Schüler_innen das Image der SV aufbessern, die Zusammenarbeit stärken und durch eine neue Struktur unsere Ziele besser erreichen. Schulsprecher_in zu sein ist jedoch nicht immer leicht. Man muss auch außerhalb der Schule Zeit investieren und verpassten Schulstoff nachholen. In den letzten zwei Jahren wurde die Zusammenarbeit der SV u. a. durch eine gemeinsame SV-Seminar-Fahrt und einen SV-Workshop viel besser. Wir kennen uns jetzt besser und wissen, wie wir uns realistische Ziele setzen und diese erreichen. Es sind viele neue Projekte entstanden, an denen wir gern arbeiten. Man kennt sich, die SV ist offener für jeden Beitrag und der Kontakt zwischen verschiedenen Gremien sowie Eltern, Lehrer_innen und Schüler_innen ist viel besser. Natürlich ist die SV nicht perfekt. Wir müssen z. B. unsere GSV noch regelmäßiger abhalten, rechtzeitiger Aushänge machen und uns an das neu übernommene Modell mit vier gleichwertigen Schulsprecher_innen gewöhnen. Aber wir machen stetig Fortschritte, lernen dazu und entwickeln uns gemeinsam. Das ist ein äußerst schönes Gefühl. Ansprechpartnerin  3 Lilian, lilian.froemberg@web.de 3 58 3.1.3. Die SV-Begleiter_innen  Hinweis: Dieser Text ist etwas komplizierter und besonders für(neue) SV-Begleiter_innen und erfahrenere SVler_innen gedacht. Der Beginn fast jeder SV-Arbeit muss von Erwachsenen begleitet werden. Die Arbeit an Grundschulen, Sekundarschulen ohne gymnasiale Oberstufe muss sogar dauerhaft begleitet werden. In Berlin übernehmen unterschiedliche Erwachsene diese Aufgabe. Mal sind das damit beauftragte Sozialarbeiter_innen, mal die Lehrer_innen, die auf der Gesamtkonferenz gewählt werden, oder die Vertrauenslehrer_innen, die sich die SV selbst wählt. Doch was bedeutet das eigentlich, die Schülervertretung zu begleiten? Rechtliche Grundlagen (§ 85 (2)&(6) SchulG) Die GSV kann bis zu drei Vertrauenslehrer_innen wählen. Diese sollen an den Sitzungen der Schülervertretung beratend teilnehmen. Sofern es nicht um Straftaten geht, dürfen die Vertrauenslehrer_innen Dinge für sich behalten, die ihnen in ihrer Rolle als Vertrauenslehrer_in anvertraut wurden, d. h. auch der Schulleitung gegenüber. Der GSV gehören außerdem mit beratender Stimme zwei Vertreter_innen der Gesamtkonferenz an. Das Schulgesetz trifft damit keine eindeutige Aussage darüber, wer die Begleitung der SV übernehmen soll. Dies ist daher Aushandlungssache an den jeweiligen Schulen. Das Wichtigste vorweg  Die SV zu begleiten bedeutet an vielen Schulen deutlich mehr, als nur beratend zur Seite zu stehen, wie es im Schulgesetz heißt. Das Schulgesetz geht in seinen Formulierungen von einer ideal funktionierenden SV-Arbeit aus, bei der wenig Unterstützung notwendig ist. Es basiert in seiner Haltung auf Erfahrungen aus den 1980er- und 1990er-Jahren, als Schülervertretungen von allein politische Arbeit machten und dabei eigentlich keine Unterstützung brauchten. Heutzutage braucht Demokratielernen deutlich mehr Förderung und pädagogische Begleitung. Empfehlungen für die Arbeit von SV-Begleiter_innen  SV-Begleiter_innen sollten... pp einen Rollenwechsel vollziehen. SV-Begleitung bedeutet, sich als Coach und Lernbegleiter_in zu verstehen, nicht als Lehrer_in, pp Zeit mitbringen, um Beziehungen zu den SVler_innen aufbauen zu können. Schüler_innen, die sich wahrgenommen fühlen, denen man Zeit widmet und zuhört, sind motivierter, mit einer Frage oder einer Idee zur SVBegleitung und auch in die SV-Sitzung zu kommen, pp Strukturen anbieten und einführen, die die Arbeit der SV unterstützen, z. B. zeitliche Abläufe von SV-Sitzungen, Pimp my School – 1 x 1 der SV-Arbeit 59 pp Methoden vermitteln und Informationen einbringen, die Schüler_innen ermöglichen, Projekte selbst zu planen und Entscheidungen zu treffen, pp Schüler_innen dabei unterstützen, Eigenverantwortung zu übernehmen, und helfen zu verstehen, dass Fehler dabei erlaubt sind, pp das Teamgefühl der SV unterstützen, z. B. durch Projekttage, Ausflüge oder teambildende Übungen auf SV-Sitzungen oder dadurch, pp beharrlich sein. Einen Termin mit Schüler_innen auszumachen, bedeutet nicht automatisch, dass Schüler_innen dann auch kommen. Wenn Absprachen nicht eingehalten werden, braucht es eine gute Balance, dazwischen zu signalisieren, dass die Struktur eingehalten werden muss und dass es an den Schüler_innen selbst liegt, wenn etwas passieren soll, pp Reflektieren anregen, d. h. im richtigen Moment die richtigen Fragen zu stellen. Wenn etwas nicht gelingt oder anders verläuft als geplant, sind die Auswertung und die Reflexion der Schlüssel, dazuzulernen, pp Fürsprecher_in der SV gegenüber Schulleitung und Lehrer_innen sein, pp sich aus der aktiven SV-Begleitung, d. h. dem Mitmachen und Organisieren, zurückziehen, wenn Schüler_innen eigenständiger werden. Gleichzeitig bleibt es wichtig, weiter Interesse zu zeigen. Praktische Herausforderungen  SV-Arbeit muss die Vertretung von Schüler_innen bleiben. Die Balance finden zwischen„Wie viel Einfluss muss ich nehmen, damit etwas passiert und dass die Motivation der SV nicht verloren geht“ und„Wie viel Verantwortung muss ich den SVler_innen zusprechen, damit sie wirklich ihre eigenen Interessen durchsetzen können?“, ist nicht immer leicht. SV-Begleitung bedeutet für Lehrer_innen außerdem, viel ehrenamtlich aktiv zu sein. Gerade das wird von Kolleg_innen meist wenig anerkannt. Wie viel Arbeit hinter der SV-Begleitung steckt, wird oft stark unterschätzt. Lehrer_innen, die die Begleitung übernehmen, sollten daher immer versuchen, mindestens eine Ermäßigungsstunde zu erhalten. Ansprechpartnerinnen  3 Folgende SV-Begleiter_innen, die sehr aktive Schülervertretungen begleiten bzw. mitaufgebaut haben, beantworten gerne Fragen: - Juliette Schoechert, B.-Traven-Oberschule (Sekundarschule bis Klasse 10), Sozialarbeiterin, j.schoechert@tjfbg.de - Eric Nowarra, Wilma-Rudolph-Schule (Sekundarschule bis Klasse 13), Sozialarbeiter, wro@nowarra.de - Willy Willenbrink, Max-Planck-Gymnasium, Lehrer, J.Willenbrink@web.de TIPP  3 Für die Arbeit in der SV und dem Lehrerkollegium gegenüber kann es hilfreich sein, sich selbst ein Profil zu geben, das allen bekannt gemacht wird. Download  3 Beispiele für Profile. 3 60 Netzwerk zur SV-Begleitung Seit 2014 gibt es ein aktives Netzwerk zur SV-Begleitung in Berlin. Alle drei bis vier Monate findet ein Treffen zum Austausch statt. Zum Netzwerk gehört außerdem ein Newsletter, über den alle ein bis zwei Monate News und Informationen zur SV-Arbeit versendet werden. Ansprechpartner  3 Felix Scheel, Felix.Scheel@gmx.net Pimp my School – 1 x 1 der SV-Arbeit 61 3.2. Die SV-Motoren: Aktivierende  Strukturen  Hinweis: Dieser Text ist etwas komplizierter und besonders für Schüler_innen gedacht, die schon einige Erfahrung mit der SV-Arbeit haben. Wie können sich möglichst viele Schüler_innen an der Schülervertretungsarbeit beteiligen, egal, ob gewählt oder nicht gewählt? Wie gelingt es, dass die motivierten Schüler_innen gut zusammenarbeiten können und die weniger motivierten auch angesprochen werden? Wie kommt ihr also zu vielen kleinen SV-Motoren, die die Arbeit befeuern? Damit ihr gut und effektiv arbeiten könnt, müssen die SV-Strukturen, die das Gesetz vorgibt, mit aktivierenden Maßnahmen verbunden und mit Leben gefüllt werden. Offene Projektgruppen und offene AGs  Wenn die Schülervertretung Projektgruppen gebildet hat, muss diese Information schnell unter allen Schüler_innen verbreitet werden. Wirklich alle Schüler_innen an der Schule müssen wissen, dass es diese Gruppen gibt, wann sie sich treffen und dass alle herzlich zur Mitarbeit eingeladen sind. In Projektgruppen sollen sowohl gewählte Klassensprecher_innen als auch freiwillige Interessierte mitarbeiten können. Diese Projektgruppen berichten in der SV-Sitzung über ihren aktuellen Arbeitsstand und machen regelmäßige Kurztreffen in der Pause. Ist das Projektziel erreicht, löst sich die Gruppe auf. Das hat den Vorteil, dass Schüler_innen genau an dem Projekt mitarbeiten können, an dem sie gerade arbeiten wollen. Dabei muss immer sichergestellt werden, dass jeweils eine Person aus dem Schulsprecherteam feste_r Ansprechpartner_in der Projektgruppe ist, so dass die Kommunikation zwischen Schulsprecherteam und Projektgruppe sichergestellt ist. Statt Projektgruppen können auch offene AGs mit einem konkreten Oberthema gegründet werden. Zu Beginn des Schuljahres kann jede AG ein Brainstorming über mögliche Projektideen machen, diese dann in eine Reihenfolge bringen und nacheinander bearbeiten. Die AGs erarbeiten Vorschläge für Beschlüsse in der GSV, organisieren Veranstaltungen und setzen Projekte um. Denkbar sind z. B. pp AG Zusammenleben und-lernen: Hier wird alles bearbeitet, was für das Zusammenleben und-lernen der Schule gerade wichtig ist, z. B. die Schulordnung. pp AG Kultur: Hier wird alles bearbeitet, was mit Kunst und Kultur zu tun hat, z. B. Schulfeste, Valentinstagaktionen oder Partys. pp AG Öffentlichkeit: Diese AG kümmert sich darum, dass alle an der Schule gut über die Arbeit in den AGs informiert werden. Sie betreut die Webseite der SV, gibt Infoflyer über die aktuelle Arbeit raus und stellt Kontakte zur Presse her. 3 62 pp AG Finanzen: Diese AG verwaltet die Gelder der SV und kümmert sich um neue Geldquellen. pp AG Vermittlung: Diese AG beschäftigt sich mit Problemen, die Schüler_innen miteinander oder mit Lehrer_innen haben, und schaltet sich in die Lösungssuche ein. Jede_r aus der Schule kann sich an die AG Vermittlung wenden und Beschwerden vorbringen. Download  3 Text„Schule als Polis“ – Maßnahmen zur Förderung von Schülerbeteiligung SV-Sitzungen für Projektarbeit nutzen  Das Schulgesetz ermöglicht euch, euch zweimal pro Monat für zwei Stunden innerhalb des Unterrichts für SV-Sitzungen zu treffen. Doch ihr müsst ja keine klassische SV-Sitzung machen, bei der alle im Stuhlkreis sitzen. Denkbar ist auch, dass ihr euch zur Begrüßung einmal gemeinsam trefft, dann aber in euren Projektgruppen oder AGs zusammenkommt. Ihr hättet so also Projektarbeitszeit innerhalb der Unterrichtszeit. Das ist vor allem gut, weil ja oft die Zeit außerhalb des Unterrichts knapp ist. Wenn ihr das Recht, euch zu treffen, ausschöpft, habt ihr vier Stunden pro Monat zur Verfügung. Das ist schon einiges und wird an den wenigsten Schulen so genutzt. Denkbar wäre auch, dass ihr in der einen Woche eine normale SV-Sitzung habt und zwei Wochen später Projekt-SV-Treffen, dann zwei Wochen später wieder SV-Sitzung usw. Tipp  3 Während der Arbeit in Projektgruppen könnt ihr ein„Arbeitsamt“ einrichten, das von einer Person aus dem Schulsprecherteam geleitet wird. Dort kann man hingehen, wenn man gerade keine Lust auf eins der Projekte hat oder nicht weiß, was man tun soll. Man kriegt dann Vorschläge, was man tun kann oder wird in eine Diskussionsrunde gebracht, wenn man sich nicht getraut hat, von sich aus dazuzugehen, weil man niemanden kennt oder alle viel älter sind. Ebenfalls könnt ihr ein„Beratungssamt“ einführen. Das Beratungsamt berät mit Know-how, z. B. wie man einen Antrag schreibt. An manchen Schulen ist dieses Beratungsamt sogar die Schulleitung, die auf SV-Sitzungen eingeladen wird. Dann kann man mit der Schulleitung Projektideen besprechen, bevor man einen Antrag schreibt. Im besten Fall kriegt man hier sogar schon die Unterstützung für ein Projekt zugesagt. Die Hemmschwelle, einen Termin für ein eigenes Projekt mit der Schulleitung auszumachen, sinkt so natürlich enorm. Tipp  3 Statt euch alle zwei Wochen für zwei Schulstunden in der GSV zu treffen, könntet ihr auch mit der Schulleitung vereinbaren, dass ihr euch jede Woche einmal für eine Stunde trefft. Wichtig ist dann allerdings, dass es ein Rotationsprinzip gibt, also 1. Woche Montag, 1. Stunde, 2. Woche Montag 2. Stunde, …, 7. Woche Dienstag 2. Stunde usw. Sonst wäre der Ausfall von immer dem gleichen Unterricht nicht vertretbar. Ein solcher Plan bedarf einiger Planung und sollte im Voraus für das nächste Schuljahr mit der Schulleitung besprochen werden. Ein erweiterter SV-Vorstand ergänzt das Schulsprecherteam  Das bedeutet, dass die Arbeit des Schulsprecherteams auf mehreren Schultern verteilt wird. Dazu wird das Schulsprecherteam um weitere Mitglieder zu einem erweiterten SV-Vorstand ergänzt. Die genaue Zusammensetzung könnt ihr selbst festlegen. Der erweiterte SV-Vorstand kann sich z. B. aus dem Schulsprecherteam, den Mitgliedern der Schulkonferenz sowie den Vorständen der Stufen-SVs(siehe Pimp my School – 1 x 1 der SV-Arbeit 63 unten) zusammensetzen. Alternativ oder außerdem können die Leiter_innen von Projektgruppen oder die Vertreter_innen für die Gesamtkonferenz als ständige Mitglieder dazugehören. Das müsst ihr so festlegen, wie es euch am ehesten arbeitsfähige und zufriedenstellende Strukturen verschafft. Der erweiterte Vorstand ist dann z. B. für die Koordinierung der Arbeit in den Konferenzen der Schule, der Projektgruppen der SV oder für die Vorbereitung von SV-Sitzungen da. Er trifft sich(mindestens) einmal pro Woche in den Pausen oder ggf. in einer festen SV-Stunde nach dem Unterricht und wird in der Geschäftsordnung der SV festgeschrieben. TIPP  3 An Sekundarschulen, die nur bis Klasse 10 gehen, ist es oft so, dass das Schulsprecherteam aus Klasse 10 kommt und nach ein paar Monaten schon der MSA im Vordergrund steht. Gerade hier ist es empfehlenswert, wenn ihr einen erweiterten SV-Vorstand bildet und für die Jahrgangsstufen 7, 8 und 9 jeweils zwei Schüler_innen Teil des erweiterten Vorstands sind, um die Arbeit dann mit dem Wegfall der Zehntklässler_innen fortführen können und so auch schon darauf vorbereitet sind, im nächsten Jahr vielleicht selbst gewählt zu werden. Weiterlesen  3 Satzung und Geschäftsordnung, S. 82 Bildung einer„SV-Denkfabrik“  Alle Schüler_innen, die Interesse an intensiver SV-Arbeit haben, können sich in die SV-Denkfabrik wählen lassen. Das funktioniert so: Alle, die dazugehören wollen, stellen sich auf der 1. SV-Sitzung vor. Das können gewählte Klassensprecher_innen sein – oder aber Schüler_innen, die nicht gewählt sind. Diese stellen sich zur Wahl in die SV-Denkfabrik und werden von der GSV für diese Arbeit gewählt. Wenn es sich dabei um keine Klassensprecher_innen handelt, solltet ihr mit der Schulleitung absprechen, dass diese für die SV-Sitzung entschuldigt beim Unterricht fehlen dürfen, auf der sie sich vorstellen müssen. Die Zahl der Schüler_innen, die in der Denkfabrik mitarbeiten können, muss nicht beschränkt sein. Hauptsache ist, dass ihr die Zustimmung bzw. das„Mandat“ der Gesamtschülervertretung bekommt. Die Denkfabrik wird vom Schulsprecherteam geleitet und trifft sich einmal pro Woche nach dem Unterricht, um SV-Arbeit zu machen. 3 64 Bildung von Stufenschülervertretungen(Stufen-SV) Bei großen Schülervertretungen sitzen auf einer SV-Sitzung schon mal gut 60 Schüler_innen zusammen. Mit so vielen Leuten kann man nur gut arbeiten, wenn alle sehr diszipliniert sind. Habt ihr aber viele wenig motivierte Schüler_innen in der SV, so wird’s vermutlich auch mal laut und frustrierend für die, die wirklich SVArbeit machen wollen. Um kleine arbeitsfähige und motivierte Gruppen zusammenzubringen, können Stufen-SVs gebildet werden. Das funktioniert dann z. B. so: Die Jahrgänge 3 – 6, 7 – 9 sowie 10 – 12 wählen jeweils zehn Vertreter_innen für ihre jeweilige Stufen-SV. Es gibt dann also drei Stufen-SVs, die jeweils die Interessen, der jeweiligen Stufe vertreten. Die Stufen-SV... pp besteht dann also aus jeweils zehn Schüler_innen, pp wählt zwei Schüler_innen zu ihrem Stufen-SV-Vorstand, pp trifft sich alle zwei Wochen für zwei Schulstunden innerhalb des Unterrichts (Regelmäßigkeit ist hier wichtig!), pp wird von einer beauftragten Person aus dem Schulsprecherteam sowie ggf. einer SV-Begleiter_in begleitet, pp wird in der Geschäftsordnung der SV festgeschrieben. Durch die kleineren Gruppen können sich einzelne Schüler_innen leichter einbringen, das Kennenlernen ist eher möglich und die Arbeit persönlicher. Außerdem sind so eher Schüler_innen beieinander, die gleiche Interessen haben. Für gemeinsame Anliegen aller Schüler_innen gibt es alle zwei Monate eine gemeinsame SV-Sitzung mit allen Klassensprecher_innen. Der Schülerrat – neue Schnittstelle zwischen GSV und Schulleitung Der Schülerrat ermöglicht es allen Schüler_innen, die etwas an der Schule verändern wollen oder kritisieren, sich direkt einzubringen. Er ergänzt die GSV mit einer zusätzlichen Möglichkeit, sich zu beteiligen. Alle interessierten Schüler_innen können teilnehmen. Er tagt monatlich nach dem Unterricht mit einem festen Ablauf. Die Schulsprecher_innen laden zum Schülerrat ein und moderieren ihn. Auf einer Schülerratssitzung können die anwesenden Schüler_innen die für sie wichtigen Themen einbringen. Diese werden dann dort diskutiert. Es kann dabei um alles gehen, was die Schulgemeinschaft betrifft, z. B. die Cafeteria, Probleme während der Pausen, Schulshirts oder ein Fußballturnier. Wenige Tage nach der Sitzung findet immer ein Folgetermin mit der Schulleitung statt, wo die Themen aus dem Schülerrat vorgestellt werden. Dann können Fragen geklärt und strittige Themen mit der Schulleitung diskutiert werden. So können schnell und leicht Lösungen für Probleme gefunden werden. Download  3 Präsentation zum Schülerrat Pimp my School – 1 x 1 der SV-Arbeit 65 3.3. Kommunikationsstrukturen  3.3.1. Ansprechbar sein im Schulalltag  Die Schülervertretung wird dann für eure Mitschüler_innen wichtig werden, wenn sie konkret sehen, was ihnen die SV bringt und dass sie ansprechbar ist. Man sollte euch daher auf unterschiedlichen Wegen kontaktieren können: vom persönlichen Gespräch über Telefonate bis zur E-Mail oder Nachricht über Facebook. Kontaktmöglichkeiten schaffen  Es sollte die Möglichkeit geben, euch auf allerlei Arten eine Nachricht zu senden, also hängt ihr am besten einen Briefkasten an einer guten Stelle auf, z. B. vor dem SV-Raum. Wenn euch Mails zu altmodisch sind, richtet euch eine Facebookseite ein, über die man euch erreichen kann. Zu guter Letzt solltet ihr an ein SV-Postfach im Lehrerzimmer denken, das vor allem dem Sekretariat bekannt sein sollte. 3 66 „Nebenbei mal quatschen“ – ein SV-Café  Wie wäre es, wenn ihr ein eigenes kleines Schülercafé betreibt? Das kann ein fester Ort mit fester Zeit sein, wo man sich aufhalten, Tee trinken kann und Kuchen bekommt. Eine einfachere Möglichkeit, euch nebenbei kennenzulernen und so vielleicht ersten Zugang zur SV-Arbeit zu bekommen, gibt’s fast nicht. Ein SV-Raum – Schlüssel für effektive Arbeit  Ein eigener SV-Raum ist natürlich die beste Möglichkeit präsent zu sein. Nach dem Schulgesetz steht euch leider kein eigener Raum zu. Viele Schülervertretungen haben aber nach Verhandlungen mit der Schulleitung oder einem Antrag in der Schulkonferenz einen dauerhaften SV-Raum zur Verfügung gestellt bekommen. Es empfiehlt sich, bei der Raumsuche zuerst den_die Hausmeister_in anzusprechen. Er_sie wird am besten im Blick haben, welche Räume wenig genutzt werden. Habt ihr einen SV-Raum ergattert, so könnt ihr ihn gestalten, wie es für euch am besten passt: Pläne, Aufgaben und ToDos an den Wänden aufhängen, einen PC mit Internetzugang haben oder ein Sofa aufstellen, um den Raum gemütlich zu machen. Wichtig ist, dass ihr einen eigenen Schlüssel bekommt, so dass ihr nicht von anderen abgängig seid, wenn ihr den Raum nutzen wollt. Download  3 Antrag für einen SV-Raum Sprechzeiten einrichten und Beratungen anbieten  Ihr solltet mindestens eine Sprechzeit pro Woche anbieten, am besten im SVRaum. Möglich ist Beratung zu den Rechten bei der Notenvergabe, zum Umgang mit Handys an der Schule, bei Problemen mit Lehrer_innen oder auch ein offenes Ohr bei schlechten Noten zu haben. Solltet ihr nicht helfen können, ist es gut, wenn ihr auf andere verweisen könnt. Sprecht euch dazu am besten mit den SV-Begleiter_innen ab. Pimp my School – 1 x 1 der SV-Arbeit 67 3.3.2. Kommunzieren  Kontaktliste  Den einfachsten Weg, den Überblick zu behalten, wer alles in der Schülervertretung aktiv ist, bietet eine Kontaktliste. Die könnt ihr am besten zu Beginn des SV-Jahres rumgeben und ausfüllen lassen(Namen, E-Mail, Handynummer). Gruppen bei WhatsApp, oder Facebook  Solche Gruppen eignen sich dafür, schnell und kurzfristig ein Treffen auszumachen, zu fragen, wo wer ist, oder aber auch, um sich abzumelden. Wenn neue Leute aufgenommen werden, solltet ihr ihnen klar sagen, dass lustige Bilder nebenbei nicht erwünscht sind. Sonst wird eure Gruppe schnell zugespamt. Wenn nicht alle bei der jeweiligen Plattform dabei sind, kann eine Person aus der Gruppe Sprachrohr sein und die wichtigen Infos an die Leute außerhalb der Gruppe weiterleiten. Telefonkonferenzen  Wenn ihr es mal nicht schafft, euch zu treffen, könnt ihr eine Telefonkonferenz abhalten. Bekannte Anbieter sind Skype, Teamspeak oder Mumble. Nicht bei allen braucht man einen PC, sondern kann einfach eine Festnetznummer anrufen, unter der alle, die gleichzeitig anrufen, verbunden werden. Web  3 Übersicht über kostenlose Telefonkonferenzen: www.teltarif.de/i/konferenz.html E-Mail-Verteiler  Die gute alte E-Mail eignet sich vor allem, um andere Menschen über etwas zu informieren, z. B. Protokolle zu versenden. Da vor allem jüngere Schüler_innen keine Mailadresse haben, müsst ihr schauen, wann ein Mailverteiler sinnvoll ist. Klassensprecherfächer  Wenn kein Verlass darauf ist, dass eure Lehrer_innen Informationen weitergeben, die in die Lehrerfächer gelegt werden, könnt ihr eigene Klassensprecherfächer einrichten. Dazu braucht ihr einen Ort in der Schule, der in den 3 68 Pausen immer geöffnet ist, z. B. einen Freizeitbereich, der von Sozialarbeiter_innen betreut wird. Dort legt ihr dann Fächer an, aus denen die Klassensprecher_innen zu jeder Zeit Informationen entnehmen können. Gut ist es z. B., wenn die Jahrgänge 7/8, 9/10 sowie 11/12/13 jeweils ein gemeinsames Fach haben. Dazu braucht es dann die Absprache in der SV, dass mindestens alle zwei Wochen ins Fach geschaut wird. Sich gemeinsam organisieren  Projekte managen  Es gibt unterschiedliche Tools, die bei der Projektarbeit helfen können. Hier kann man gemeinsam Notizen anlegen und verwalten, To-do-Listen erstellen, Aufgaben verteilen, Abstimmungen und Umfragen machen. Alle können immer alles gleichzeitig bearbeiten. Das geht mit den Apps Trello, Wunderlist oder Evernote. Die Plattform www.wechange.de bietet die gleichen Funktionen an, versteht sich gleichzeitig aber als Vernetzungsplattform zwischen Gruppen, die gemeinsam an einem sozial-ökologischen Wandel arbeiten, d. h. sich für eine menschengerechte und nachhaltige Zukunft einsetzen. Wenn ihr wollt, könnt ihr dort sogar im Forum schauen, was andere Initiativen so tun. Terminfindung  Statt lange zu diskutieren, einfach online eine Terminumfrage starten und Zeit sparen: www.doodle.com GoogleCalendar  Eine Möglichkeit, online einen SV-Kalender zu führen: www.google.com/calendar Dropbox und GoogleDrive  Hier könnt ihr online Dateien sammeln und sie anderen zur Verfügung stellen. Möglich ist so z. B., dass ihr euch online ein Archiv anlegt, in dem alle für die SV-Arbeit wichtigen Dokumente abgelegt und von den berechtigten Personen eingesehen und verändert werden können: www.google.com/drive/,­ www.dropbox.com. Pimp my School – 1 x 1 der SV-Arbeit 69 3.3.3. Kontakte pflegen  Für die SV-Arbeit ist es hilfreich, wenn ihr euch ein gutes Netzwerk an Partner_innen und Verbündeten aufbaut. Euer Ruf und euer Ansehen in der Schule werden wachsen, indem ihr in Kontakt mit den wichtigen Personen der Schule bleibt und diese regelmäßig mitbekommen, was ihr so macht. Das hilft außerdem dabei, Unstimmigkeiten und Probleme früh zu erkennen und anzugehen. Wichtig ist es dabei nicht nur, auf diese Partner_innen zuzugehen, wenn ihr gerade etwas von ihnen wollt, sondern auch mal ohne Anlass locker mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Wenn ihr einfach mal zuhört, ohne etwas zu wollen, wird euch zu passender Gelegenheit auch zugehört werden. Schulleitung  Mit der Unterstützung der Schulleitung steht und fällt einiges an der Schule. Wenn euch die Schulleitung mag und den Eindruck hat, dass ihr wirklich was tun wollt und nicht nur„heiße Luft“ ist hinter dem, was ihr sagt, wird es deutlich leichter, Projekte umzusetzen. Dann gibt’s leichter Zustimmung zu euren Aktionen, ohne dass ihr erst groß darum kämpfen müsst. Wichtig ist das z. B., wenn ihr mal ein Coaching zur SV-Arbeit haben wollt, das Geld kostet. Da sitzt die Schulleitung an den Geldquellen. Da nicht alle Schulleitungen wirklich Interesse an der Unterstützung von Schülervertreter_innen haben, müsst ihr euch in dem Fall andere Partner_innen an der Schule suchen(zum Beispiel den Förderverein oder aktive Eltern). Empfehlungen:  pp Ihr solltet regelmäßig das Gespräch mit der Schulleitung suchen. Vielleicht vereinbart ihr sogar einen festen regelmäßigen Termin? pp Erzählt von euren neuen Projekten und fragt, welche Tipps die Schulleitung für euch hat. So holt ihr sie gleich mit ins Boot. pp Berichtet von Problemen der Schüler_innen, bei denen ihr euch Unterstützung erhofft. Selbst wenn ihr keine Unterstützung erhaltet, ist es hilfreich, wenn die Schulleitung davon weiß, weil ihr so zumindest bewusst wird, dass es ein Problem gibt. pp Fragt auch nach neuen Entwicklungen an der Schule, von denen ihr bisher vielleicht nichts mitbekommen habt. pp Nach Coachings oder besonderen Erfolgen der SV solltet ihr das Gespräch suchen und von Ergebnissen berichten. So weiß die Schulleitung, dass es etwas bringt, euch zu unterstützen. Gesamtelternvertretung  Ein weiterer wichtiger Ansprechpartner ist die Gesamtelternvertretung. Auch diese solltet ihr regelmäßig über eure Arbeit informieren. Trefft euch mit den Gesamtelternsprecher_innen und diskutiert die aktuellen Entwicklungen an der Schule. Vielleicht seid ihr mit manchen Entwicklungen nicht einverstanden 3 70 und den Eltern geht es genauso. Dann hättet ihr schon mal einen wichtigen Bündnispartner auf eurer Seite, um mit der Schulleitung das Gespräch zu suchen oder einen Antrag auf der Schulkonferenz zu stellen. Die Eltern sind auch bei der Organisation von Veranstaltungen ein interessanter Ansprechpartner. Sie haben vielleicht Kontakte zu passenden Firmen, Organisationen oder können euch dabei helfen, kostenlos an Materialien zu kommen. Gesamtkonferenz  Die Gesamtkonferenz ist ein wichtiger Ort, um zu zeigen, dass es die SV ernst meint. Ihr solltet hier regelmäßig über eure Arbeit informieren. Dafür müsst ihr die Schulleitung eine Woche vor der nächsten Gesamtkonferenz ansprechen und Bescheid geben, dass ihr eure Themen auf die Tagesordnung setzen wollt. Gut ist es, wenn ihr nicht nur über neue Projekte informiert, sondern auch betont, dass ihr euch darüber freut, wenn Lehrer_innen mitarbeiten, euch unterstützen oder einfach Ideen beisteuern. So sinken die Widerstände gegen eure Projekte und die Lehrer_innen fühlen sich nicht übergangen. Schulsekretariat  Im Schulsekretariat wird nicht nur der Schulalltag organisiert, sondern hier laufen auch viele Fäden zusammen. Wichtige Kontaktadressen und Informationen zu Veranstaltungen könnt ihr im Sekretariat bekommen. Bei vielen Schülervertretungen kommen wichtige Informationen nicht an, die per Post versendet werden, weil das Sekretariat sie nicht weiterleitet. Es empfiehlt sich daher, dass ihr mindestens zu Beginn eurer Arbeit das Gespräch mit dem Sekretariat sucht und z. B. nebenbei mal danach fragt, ob Post oder E-Mails für euch angekommen sind. Ihr könnt auch erklären, dass es für die Zukunft wichtig ist, dass euch die Post weitergeleitet wird. Gebt am besten auch eine Telefonnummer bzw. Mailadresse von euch an. Vielleicht wollt ihr sogar fragen, ob ihr ein Postfach im Sekretariat bekommt? Hausmeister_in  Wir alle wissen, dass Schule nicht funktionieren würde, wenn es eine ganz bestimmte Person nicht gäbe: den_die Hausmeister_in. Kein Computer würde laufen, die Heizung wäre dauerhaft kaputt und auch den Schnee würde im Winter niemand von den Wegen räumen. Deshalb sind die heimlichen Chefs der Schulen die Hausmeister_innen. Auch für eure Aktionen braucht ihr sicherlich mal technische Unterstützung, Schlüssel für verschlossene Räume oder einfach Rat. Daher solltet ihr euch mit den Hausmeister_innen auf jeden Fall gutstellen. Pimp my School – 1 x 1 der SV-Arbeit 71 Förderverein  Oft braucht ihr für eure Projekte eine kleine Finanzspritze. Da sollte euer erster Ansprechpartner der Förderverein der Schule sein. An den meisten Schulen gibt es einen solchen Verein, in dem Eltern oder ehemalige Schüler_innen die Entwicklung der Schule begleiten. Das heißt, dass hier Geld gesammelt und für schulische Angelegenheiten ausgegeben wird. Mit dem Förderverein könnt ihr also gemeinsame Projekte planen oder um Unterstützung für eure Projekte bitten. Schaut doch einfach mal auf einem Treffen des Fördervereins vorbei oder trefft euch mit dem_der Vorsitzenden. Ansprechpartner_innen im Bezirk  In fast jedem Berliner Bezirk gibt es eine Stelle, die für die Unterstützung der Interessen von Kindern und Jugendlichen zuständig ist. Diese können euch bei allerlei Fragen helfen. Weiterlesen  3 Angebote in den Bezirken, S. 169 Tipp  3 Es empfiehlt sich, dass die Ansprechpartner_innen unter euch für die jeweiligen Kooperationspartner_innen nicht ständig wechseln, weil sich euer Gegenüber sonst irgendwann nicht mehr so gern auf neue Leute einstellen wollen wird. Zudem entstehen Vertrauen und ein gutes Verhältnis auch nur durch kontinuierlichen Kontakt. Co-Autor: Philipp Breder 72 3.4. SV im Unterricht  3 3.4.1. Die Klassenberatungsstunde  Wenn Menschen so viel Zeit wie in einer Klasse miteinander verbringen, gibt es viel zu klären, was das Miteinander angeht. Damit das nicht nebenbei geschehen muss, sondern demokratisch geregelt werden kann, besteht das Recht auf Klassenberatungsstunden. So kann vermieden werden, dass sich die Stärksten durchsetzen und Unzufriedenheit entsteht. Demokratie im Kleinen: das gemeinsame Regeln gemeinsamer Angelegenheiten. Hartmut von Hentig Rechtliche Grundlagen (§ 84 (2) SchulG)  Um eure Angelegenheiten zu klären, habt ihr das Recht auf eine Klassenbe­ ratungsstunde(SV-Stunde) pro Monat. Sie kann in Absprache mit der Klassen­ leitung innerhalb des Unterrichts stattfinden. Dieses Recht ist vielen Lehrer_innen nicht bekannt, und so müsst ihr es eventuell erst einfordern(siehe unten). Lasst euch vor allem nicht mit Zeit in der Pause abspeisen! Was ist die Klassenberatungsstunde?  In der Klassenberatungsstunde kann alles besprochen werden, was für euch als Klasse wichtig ist. Dabei ist alles erlaubt, was euch interessiert und für niemanden verletzend ist. Wenn ihr wollt, könnt ihr sogar eigenen Unterricht gestalten! Themen können sonst sein: pp das soziale Miteinander in eurer Klasse, z. B. die Gestaltung des Klassen­ raumes, der nächste Wandertag oder Konflikte in der Klasse, pp der Unterricht, z. B. der Hausaufgabenumfang, pp Themen für die SV oder aus der SV, z. B. Anträge, die ihr an die SV stellen wollt, Vorschläge und Projektideen, pp eure Schule, z. B. die Gestaltung des Schulhofs, pp alle weiteren Themen, die euch betreffen und interessieren, z. B. aktuelle politische Ereignisse oder Aufklärung über Drogen. Die Klassenberatungsstunde sollte nicht dazu verwendet werden, ausschließlich Konflikte zu besprechen. Sie ist keine„Problemstunde“. Es sollte nur besprochen werden, was für die ganze Klasse wichtig ist. Wenn es Konflikte zwischen Einzelnen gibt, sollten sich die Betreffenden an die Sozialarbeiter_innen oder Schülermediator_innen der Schule wenden. Pimp my School – 1 x 1 der SV-Arbeit 73 Die Klassenleiterstunde ist keine Klassenberatungsstunde.  Statt einer Klassenberatungsstunde wird häufig eine Klassenleiterstunde durchgeführt. Das ist nicht das Gleiche. Wie der Name schon sagt, ist es eine Stunde, die die Klassenleitungen mit euch haben und so gestalten können, wie sie es für richtig halten, z. B. für Absprachen oder Unterricht. Es ist damit nicht eure Stunde. Klassenberatungsstunde bedeutet, ihr beruft ein, ihr führt durch und ihr besprecht, was ihr wichtig findet. Schon ein Unterschied, oder? Checkliste: Vorbereitung einer Klassenberatungsstunde  Termin mit der Klassenleitung absprechen Absprechen, wer die Gesprächsleitung macht Themen sammeln, z. B. mit einem Klassenbriefkasten oder einer Wandzeitung Tagesordnung an die Tafel schreiben Stuhlkreis stellen Ein Beispielablauf  Der genaue Ablauf kann von euch selbst festgelegt werden. Eine Möglichkeit seht ihr hier: 1. Begrüßung 2. Dank- und Lobesrunde: Was gibt es, wofür ihr anderen in der Klasse dankbar seid? Worüber habt ihr euch im letzten Monat gefreut? 3. Überprüfung der Vereinbarungen vom letzten Mal: Haben wir umgesetzt, was wir uns vorgenommen haben? 4. Themen sammeln für die heutige Stunde oder Vorlesen der Tagesordnung 5. Besprechen der Themen 1. Bericht aus der SV 2. Der nächste Wandertag 3. Ärger mit den Hausaufgaben im Deutschunterricht 6. Neue Vereinbarungen treffen und aufschreiben 7. Feedbackrunde: Wie war die heutige Stunde für uns? Was lief super? Was wollen wir beim nächsten Mal anders machen? Um beim nächsten Mal zu wissen, ob eure Vereinbarungen eingehalten wurden, braucht ihr eine Person, die Protokoll führt. Da das oft ein unbeliebter Job ist, reicht es, wenn die wichtigsten Vereinbarungen aufgeschrieben werden. Die Klassenberatungsstunde: demokratische Basis für die SV  Die Idee der Klassenberatungsstunde ist, dass Informationen schnell von den Klassen in die SV und zurückgetragen werden können. Deshalb ist es am besten, 3 74 wenn sie direkt vor oder nach der SV-Sitzung stattfindet. Sie bildet damit die basisdemokratische Verbindung zur Schülervertretung. Der Punkt„Bericht aus der SV“(siehe oben) könnte z. B. so aussehen: pp das Protokoll aus der SV vorstellen, pp die Klasse fragen, ob sie Fragen oder Anmerkungen hat, pp auf Fragen eingehen, diese notieren und sich gegebenenfalls an Schulsprecher_innen wenden, pp die Ideen der Klasse aufschreiben, pp alles Geschriebene noch einmal vorlesen. Die Ergebnisse müssen dann von den Klassensprecher_innen schnell weitergegeben werden, z. B. an die Schulsprecher_innen. Was tun, wenn’s noch keine Klassenberatungsstunde bei euch gibt?  1. Sprecht mit euren Mitschüler_innen darüber, dass ihr eine Klassenbe­ ratungsstunde haben wollt. 2. Sprecht eure Klassenlehrer_innen darauf an, dass ihr euer Recht nach § 84 (2) des Schulgesetzes in Anspruch nehmen wollt. Danach habt ihr in Abstimmung mit den Klassenlehrer_innen Anspruch auf eine Schulstunde pro Monat für die Beratung eurer Angelegenheiten. Fragt, wann das innerhalb der nächsten zwei Wochen möglich ist. 3. Es kann sein, dass die Klassenleitung das ablehnt, z. B. wenn sie selbst nur wenige Stunden mit euch in der Woche hat und sonst gar nicht mit ihrem Stoff weiterkommen würde. Auch das ist natürlich nachvollziehbar. Da es aber im Widerspruch zu eurem Recht steht, muss dann eine Ebene höher eine Lösung gefunden werden. Das ist die Schulleitung. Sie ist für die Umsetzung des Schulgesetzes an eurer Schule zuständig. Bevor ihr zur Schulleitung geht, solltet ihr mit euren SV-Begleiter_innen sprechen und absprechen, wie ihr am klügsten vorgeht. Es könnte dafür hilfreich sein, wenn ihr euer Anliegen zunächst so durchdenkt, als wäre es ein Projekt. Die Klassenberatungsstunde ist die kleine Schwester des  Klassenrats  Schulen, die ihren Schüler_innen mehr Mitsprache und Verantwortung übertragen wollen, haben häufig den Klassenrat eingeführt. Klassenrat bedeutet, dass man die Klassenberatungsstunde jede Woche statt nur einmal pro Monat durchführt. Beim Klassenrat könnt ihr euch einiges für die Umsetzung eurer Klassenberatungsstunde abschauen. TIPP  3 Damit sich alle Beteiligten an die Klassenberatungsstunde gewöhnen, vereinbart am besten mit der Klassenleitung einen festen Termin im Monat und alle Termine für das Schulhalbjahr im Voraus. Weiterlesen  3 Klassenrat, S. 177 Pimp my School – 1 x 1 der SV-Arbeit 75 3.4.2 Die SV-Info-Stunde  Stellt euch vor, ihr kommt an eine neue Schule und lernt sofort aktive Schülervertreter_innen kennen, ihr seid erstaunt, was Schüler_innen alles so machen können, und bekommt Lust, SV-Arbeit besser kennenzulernen. Möglich ist das mit einer„SV-Info-Stunde“. Dabei geht es darum, dass ältere SVler_innen zu Beginn des Schuljahres in allen neuen siebenten Klassen einen Unterrichtsbesuch machen und eine Stunde gestalten. Das Tolle dabei: Die SV kriegt ein„Gesicht“ – und zwar eures –, und ihr werdet automatisch Ansprechpartner_innen für die neuen Schüler_innen. Wenn ihr dann noch dazu einladet, sich z. B. in laufende Projekte einzubringen, habt ihr bald ein paar neue SV-Gesichter dabei! Am einfachsten ist es, wenn ihr so ein Projekt mit der Schulleitung absprecht, um zusätzliche Unterstützung zu erhalten. An manchen Schulen sind solche Projekte auch in die Unterrichtspläne integriert, z. B. in Sozialkunde. Möglich ist ebenfalls, dass es zentrale gemeinsame Veranstaltungen zu den SV-Infos gibt, z. B. durch eine Vollversammlung. Rechtliche Grundlagen (§ 84 (2) SchulG) Die rechtlichen Grundlagen für SV-Info-Projekte ist das Recht auf die Klassen­beratungsstunde. Weiterlesen  3 Die Klassenberatungsstunde, S. 72 Erfahrungsbericht: SV-Info-Projekt  Im vergangenen Schuljahr haben wir bei uns in der Schule zum ersten Mal das 7. Klassen-Info-Projekt durchgeführt. Dabei ging es darum, die neuen Schüler_innen an unserer Schule genau darüber zu informieren, wie SV-Arbeit an unserer Schule aussieht und was für Aufgaben Klassensprecher_innen eigentlich haben. Das Ganze wurde von denen organisiert und durchgeführt, die sich am besten damit auskennen: Schüler_innen aus unserer SV. Drei Schüler_innen haben sich bei uns zusammengetan und am Anfang des Schuljahres einen 45-minütigen Workshop in jeder 7. Klasse abgehalten, um das Interesse der Schüler_innen zu wecken und ihr Engagement zu fördern. Im Anschluss wurde dann das Klassensprecherteam gewählt. So soll den neuen Schüler_innen ein leichterer Einstieg in die SV ermöglicht werden. Häufig bleibt sonst während der SV-Sitzungen keine Zeit zu erklären, wie z. B. die Schulkonferenz funktioniert. Wenn ihr das Projekt auch an eurer Schule durchführen wollt, solltet ihr bereits vor den Sommerferien mit der groben Planung beginnen, da die Klassensprecherteams üblicherweise in den ersten zwei Wochen gewählt werden müssen und ihr deshalb fast direkt nach den Ferien in der Lage sein müsst, die restlichen 3 76 Kleinigkeiten zu organisieren und dann die Workshops möglichst in der zweiten Schulwoche abzuhalten. Ihr beginnt damit, ein Team von zwei bis fünf Leuten zusammenzustellen, abhängig davon, wie viel ihr euch freinehmen könnt und wie viele neue Klassen ihr haben werdet. Bei uns wurden die Workshops jeweils in 2er-Teams durchgeführt(je eine Person aus der Ober-/Mittelstufe). Dann solltet ihr die Lehrer_innen informieren, vor allem die zukünftigen Klassenlehrer_innen der neuen Klassen, und sicherstellen, dass ihr die Möglichkeit habt, das Projekt durchzuführen. Gut geeignet sind Flipcharts, um in entsprechender Größe Grafiken vorbereiten zu können, Moderationskarten für die Klassensprecherwahl, und SV-Info-Hefte für die neuen Klassensprecher. Eventuell könnt ihr auch einen kurzen Film drehen oder Bilder zeigen. Im Workshop können folgende Themen vorkommen: pp Was ist die SV und aus wem setzt sie sich zusammen? pp Welche Aufgaben hat das Klassensprecherteam(und welche nicht)? pp Was sind"Gremien" und wie arbeiten diese zusammen?(z. B. die ­Fachkonferenz). Was machen die Vertreter_innen der Schüler_innen dort? pp Wie kann ich in der SV ein Projekt umsetzen? pp Was kann ich alles ändern, wo sind die Grenzen? Während des Workshops solltet ihr offen für Fragen sein. Sagt den Schüler_innen am Anfang am besten, dass sie jederzeit alles fragen können. Generell bietet es sich an, das Ganze als einen offenen Vortrag in einem Sitzkreis und auch eher als ein freies Erzählen als einen Vortrag zu gestalten, da dies für alle Beteiligten deutlich entspannter ist. Ansprechpartnerin  3 Helen, Kontakt über sv-handbuch@gmx.de und an der ­Georg-Schlesinger-Schule ist das Projekt in den Schulunterricht integriert, Ansprechpartnerin: Frau Krabbe, barbara.krabbe@gs-schule.de TIPP  3 Wandzeitungen: Macht für jede Klasse ein kleines Plakat, das ihr dalasst und auf dem Tipps zur SV-Arbeit stehen, z. B. für die Wahl der Klassensprecher_innen, eine Übersicht, was die SV letztes Jahr gemacht hat oder wie man SVler_in wird. Downloads  3 Konzepte zu SV-Infoprojekten Pimp my School – 1 x 1 der SV-Arbeit 77 3.5. SV-Arbeit  3.5.1. fördern  Coachings für Klassensprecher_innen  Wenn keine Möglichkeit für ein SV-Seminar besteht, auf dem die Grundlagen der SV-Arbeit gelernt werden können, so kann es ein Klassensprechercoaching geben. Dieses Coaching umfasst dann nicht nur die Aufgaben und Rechte der Arbeit als Klassensprecher_innen, sondern vermittelt auch konkrete Methoden und Fähigkeiten, die euch helfen. Ein solches Coaching können die Klassensprecher_innen aus Klasse 7 und 8 sowie den Klassen 9 und 10 jeweils gemeinsam durchlaufen. Es kann von älteren SVler_innen oder Sozialarbeiter_innen durchgeführt werden. Jeder Baustein dauert dann z. B. 90 Minuten und findet während der Unterrichtszeit statt. Dazu ist natürlich das Okay derSchulleitung notwendig. Mögliche Bausteine: 1. Aufgaben und Rechte von Klassensprecher_innen und Grenzen der Arbeit 2. Wie leite ich eine Klassenberatungsstunde? 3. Strategien zur Lösung von Konflikten 4. Was mache ich bei Mobbing in meiner Klasse? 5. Rhetorik und konstruktive Gesprächsführung 6. Von der Projektidee zur Umsetzung 7. Auswertung des Jahres Ansprechpartnerin  3 Ein solches Coaching wird jedes Jahr am Max-PlanckGymnasium durchgeführt, Frau Kindler: a.kindler@tjfbg.de Download  3 Fallbeispiele„Was tun als Klassensprecher_in, wenn...“ Patenschaften in der SV  Als neue_r Klassensprecher_in verstehst du vielleicht erstmal nur„Bahnhof“ in den SV-Sitzungen, und es ist schwer zu begreifen, was die Älteren da genau machen. Eine Möglichkeit, den Einstieg in die SV-Arbeit leichter zu gestalten, ist es, wenn ältere SVler_innen eine Patenschaft für mehrere neue SVler_innen oder einen ganzen Jahrgang übernehmen. Das bedeutet z. B., die Jüngeren aus den Klassen abzuholen, vor der SV-Sitzung die Tagesordnung durchzugehen, während der SV-Sitzung neben ihnen zu sitzen und Fragen mit ihnen zu klären oder aber sie in der Klassenberatungsstunde ihrer Klasse zu besuchen. Denkbar ist auch, dass die Jüngeren beim Übernehmen neuer Aufgaben von den Älteren unterstützt und Aufgaben erst einmal gemeinsam gemacht werden, z. B. ein SV-Kuchenverkauf. So übernehmen ältere Schüler_innen die Verantwortung 3 78 dafür, dass die jüngeren an die SV-Arbeit herangeführt werden und das Zusammengehörigkeitsgefühl wird gestärkt. Mini-SV oder Kleine SV  Mit einer Mini-SV wird das Ziel verfolgt, jüngere Schüler_innen mehr in die SV-Arbeit einzubinden, da es für diese schwierig sein kann, sich bei den SVSitzungen mit den„Großen“ zu Wort zu melden. Die Idee ist daher, dass die SV-Sitzungen teilweise getrennt durchgeführt werden, d. h. z. B. die Jahrgänge 7 und 8 zusammen und 9.–10. bzw. 9.–13. gemeinsam. Auf diese Weise empfinden sich junge Schüler_innen schon früh als Teil der SV und können in die Arbeit reinwachsen. Sie können sich dann mit den Themen beschäftigen, die für sie in ihrem Alter gerade wichtig sind, z. B. neuen Tischtennisplatten oder mit dem Verhältnis zu den älteren Schüler_innen. So kann altersgemäß gearbeitet werden, und die kleinere Gruppengröße macht Mut zur Mitarbeit. Jahrgangsübergreifendes Schulsprecherteam  Das Schulsprecherteam übernimmt an den meisten Schulen einen Großteil der Arbeit. Daher besitzt es auch das größte Wissen und die meiste Erfahrung. Um dieses wichtige Wissen sicher weitergeben zu können, sollten im SV-Vorstand Schüler_innen aus verschiedenen Klassenstufen sein. Dabei können sich die Älteren darum kümmern, dass die Jüngeren von Anfang an gut mitdenken und mitarbeiten können. Es kann z. B. durch die Geschäftsordnung der SV geregelt werden, dass dem Erweiterten SV-Vorstand immer Vertreter_innen der unteren Jahrgänge angehören. Weiterlesen  3 Erweiterter SV-Vorstand, S. 62 Pimp my School – 1 x 1 der SV-Arbeit 79 3.5.2. Wissensweitergabe von SV-Jahr zu SV-Jahr  Jedes Jahr ändert sich eure Schülervertretung. Neue Klassensprecher_innen kommen dazu und alte Klassensprecher_innen gehen. Dabei passiert es oft, dass das gesamte erarbeitete Wissen der erfahrenen alten Hasen verloren geht. Gut geordnete SV-Arbeit sollte über viele Jahre und SV-Generationen hinaus Wissen und Erfahrung weitergeben und erhalten. Dabei geht es z. B. um Erfahrungen im Organisieren von Projekten, eure Rechte, Wissen zu bestimmten inhaltlichen Themen, Erfahrungen mit der Schulleitung oder Kontakte zu wichtigen Partner_innen. Wissen ist die Grundlage für eine aktive Mitarbeit. Daher müssen eure Informationen für alle so zugänglich sein, dass sie mitdenken, mitentscheiden und zusammen Verantwortung übernehmen können. Bewusste Übergabe von Jahr zu Jahr  Einführungstag zu Beginn des Schuljahres  Zu Beginn des Schuljahres könnt ihr einen Einführungstag für die Neuen machen. Hier können sie etwas über die Rechte der SV und ihren Aufbau erfahren. Die erfahrenen SVler_innen geben ihre Erfahrungen aus dem Vorjahr weiter und die neuen SVler_innen können ihre Wünsche und Ideen fürs neue SV-Jahr äußern. Download  3 Seminarplan„Wie machen wir aus unserem Nachwuchs SV-Profis?“ Amtsübergabe des Schulsprecherteams  Schon vor Ende eurer Amtszeit solltet ihr Ausschau nach Nachfolger_innen halten und diese aktiv ansprechen und einbinden. Gut ist es, wenn es am Ende des Schuljahres eine Einführung für alle neu Interessierten durch das alte Schulsprecherteam gibt. Dort könnt ihr erzählen, was im letzten Jahr so los war oder wie das mit der Geschäftsordnung der SV genau funktioniert. Nach der Wahl der neuen Schulsprecher_innen kann dann eine intensivere„echte“ Übergabe stattfinden, wo ihr den Neuen Tipps und Tricks an die Hand gebt. Überlegt doch vorher mal, welche Informationen euch am Anfang selbst gefehlt haben. Unterstützung des neuen Schulsprecherteams nach der eigenen Amtszeit  Ihr könnt mit den alten Schulsprecher_innen vereinbaren, dass sie euch zumindest eine gewisse Zeit nach ihrer Amtszeit weiter unterstützen. Möglich wäre z. B., dass ihr die erste SV-Sitzung gemeinsam plant und durchführt und sie darüber hinaus immer noch für Fragen bereitstehen. Oder aber nach dem Ende ihrer Schullaufbahn unterstützt euch jemand aus dem alten Schulsprecherteam stundenweise mit einer kleinen Entlohnung durch die Schule oder den Förderverein. 3 80 SV Protokolle schreiben  Wichtige Treffen sollten protokolliert werden. Protokolle sind zum einen dazu da, denjenigen, die nicht bei einem Treffen waren, zu erklären, was passiert ist. Zum anderen kann man später nachschlagen, was genau besprochen wurde. Auf jedem Treffen sollte zu Beginn oder davor festgelegt werden, wer Protokoll führt. Da Protokollführen oft unbeliebt ist, muss das z. B. nicht jedes Mal die gleiche Person machen. Vielleicht belohnt ihr das Protokollieren auch immer mit einer Tafel Schokolade? Der SV-Ordner  Im SV-Ordner sammelt ihr alles Wichtige zur SV-Arbeit. Das sind: Kontaktlisten zu euren SVler_innen, Talentelisten, Protokolle, Checklisten, Formulare, Projekterfahrungen. Er ist das Herzstück eurer SV-Arbeit, der gesammelte„Schatz“, und ermöglicht Neuen, sich in eure SV-Arbeit einzuarbeiten. Der Ordner sollte im SV-Raum aufbewahrt werden und kann idealerweise für die Übergabe von einem Schulsprecherteam zum nächsten benutzt werden. Elektronische Sicherung  Protokolle und Vorlagen gibt es natürlich nicht nur offline. Ihr könnt euer ­SV-Material selbstverständlich auch online sammeln und allen den Zugang ermöglichen, die ihn brauchen. Nutzbar sind dafür Plattformen wie GoogleDrive oder Dropbox. Weiterlesen  3 Hilfreiche Tools, S. 67 Pimp my School – 1 x 1 der SV-Arbeit 81 Arbeitshilfen erstellen  SV-Mappe für neue Klassensprecher_innen  Zu Beginn des Schuljahres bekommen die Klassensprecher_innen eine SV-Mappe für ihre Klasse. Diese SV-Mappe enthält Infos über die Besitzer_innen der SVMappe aus den Vorjahren, Protokollvorlagen für SV-Sitzungen, eine Terminübersicht für das kommende SV-Jahr, eine Anleitung zur Durchführung einer Klassenberatungsstunde, den Aufbau und die Rechte der SV. Diese Mappe wird von den Klassensprecher_innen verwaltet und die Notizen zur SV-Sitzung bzw. die Protokolle der SV-Sitzung werden dort abgeheftet. Die SV-Mappe hilft dann bei der Klassenberatungsstunde, aus der GSV zu berichten bzw. zu notieren, was der Klasse wichtig ist, um es zur SV-Sitzung wieder einzubringen. Die Mappe wird zu den SV-Sitzungen mitgebracht wird so langsam ein kleines SV-Archiv. Download  3 Vorlage SV-Mappe Checklisten schreiben  Checklisten helfen euren Nachfolger_innen, etwas durchzuführen, ohne dass sie es selbst schon mal gemacht haben. Gut möglich ist das z. B. für die Durchführung einer SV-Sitzung oder eines SV-Seminars. Alle Aufgaben, die zu erledigen sind, müssen dafür untereinander in der richtigen Reihenfolge aufgeschrieben werden. Achtet dabei darauf, dass alles so genau beschrieben ist, dass jemand, der das noch nie gemacht hat, weiß, was gemeint ist. Download  3 Bsp. : Durchführung einer SV-Sitzung Zusammenarbeitskartei  Über die Jahre macht die SV viele Erfahrungen damit, mit wem eine gute Zusammenarbeit möglich ist. Das sind bestimmte Lehrer_innen, Eltern oder Firmen, die Projekte unterstützt haben. Für spätere SV-Generationen ist es hilfreich, wenn ihr die Partner_innen sammelt und z. B. von A – Z in eine Reihenfolge bringt. Gut wäre auch, wenn ihr gleich noch Tipps und Vorerfahrungen aufschreibt, z. B. dass es gut ist, zum Gespräch mit der Schulleitung Kekse mitzubringen, weil dann die Stimmung gleich viel lockerer wird. Weiterlesen  3 Kontakte pflegen, S. 69 Co-Autor_in: Mathilda Sabouri, Jakob Touissant 82 3.5.3. Die SV verankern. Verlässliche Strukturen  schaffen  Hinweis: Dieser Text ist etwas komplizierter und besonders für Schüler_innen gedacht, die schon einige Erfahrung mit der SV-Arbeit haben. 3 Damit das Rad nicht jedes Jahr neu erfunden werden muss, gibt es die Möglichkeit, bestimmte Dinge festzulegen und zu„verankern“. Das hilft z. B. sehr bei der Amtsübergabe von Schulsprecherteams oder aber, wenn ihr neuen SVler_innen erklären wollt, wie die SV eigentlich funktioniert. Aufgaben der Klassensprecherteams werden durch die SV festgelegt  Möglich ist es, dass die SV ein eigenes Aufgabenprofil für Klassensprecher_innen beschließt und als Empfehlung in die einzelnen Klassen gibt. Das hat vor allem den Vorteil, dass dann in allen Klassen nach einheitlichen Kriterien gewählt wird. Es gibt Schülervertretungen, die in dieses Profil auch hineinschreiben, dass sie es nicht okay finden, wenn Klassensprecher_innen mehrmals unentschuldigt bei SV-Sitzungen fehlen oder aber die SV-Sitzung stören. Dann kann z. B. vorgeschrieben sein, dass sich die Person bei einem SV-Vermittlungsausschuss melden muss, wo die Hintergründe geklärt werden und klargemacht wird, dass es sich beim Klassensprecheramt um eine verantwortungsvolle Tätigkeit handelt. Klappt diese Vermittlung nicht, wird der_die Klassensprecher_in um Rücktritt gebeten. Weiterlesen  3 Das Klassensprecherteam, S. 48 Satzung und Geschäftsordnung  Satzung oder Geschäftsordnung bedeutet, dass in einem Dokument festgehalten wird, wie die Schülervertretung funktioniert. Das ist wie ein SV-Regelwerk. Ihr könnt also selbst Regeln aufstellen, die eurer Arbeit eine Struktur geben und sie erleichtern. Eine Satzung kann zu Beginn eine halbe Seite umfassen und nur das Allerwichtigste enthalten. An Schulen, die schon mehrere Jahre SV-Arbeit machen, wird sie meistens aber immer etwas länger, so dass sie dann schon mal auf sechs bis sieben Seiten kommen kann. Ihr könnt in der Satzung festschreiben: pp den Ablauf der SV-Sitzungen, pp die genaue Aufgabenverteilung des Schulsprecherteams, pp dass ein erweiterter SV-Vorstand aus dem Schulsprecherteam und Vertreter_innen bestimmter Klassenstufen gebildet wird, pp wie damit umgegangen wird, wenn Klassensprecher_innen auf SV-Sitzungen übermäßig viel stören, pp Wahlvorschriften. Download  3 Beispielsatzungen Pimp my School – 1 x 1 der SV-Arbeit 83 Kommissarische Schulsprecher_innen  Manchmal passiert es, dass aus dem Schulsprecherteam auf einmal niemand mehr aktiv ist oder sein will – und die SV dadurch handlungsunfähig wird. Dafür gibt es die Möglichkeit,„kommissarisch“(= übergangsweise, vertretungsweise) Schulsprecher_innen durch die GSV zu wählen. Die GSV wählt sich in dem Fall also ihr eigenes Schulsprecherteam, das in Absprache mit der Schulleitung Sitzungen der GSV einberufen kann. Dieses Vorgehen sollte auch in der Satzung stehen. Verankerung der SV-Arbeit im Schulprogramm  Jede Schule gibt sich ein Schulprogramm, das die Schwerpunkte der Arbeit der Schule beschreibt. Ein möglicher Schwerpunkt ist die Förderung der Mitbestimmung von Schüler_innen. Es gibt daher Schulen, die in ihrem Schulprogramm klar regeln, wie diese Förderung erfolgt. Möglich ist z. B., dass neben der Finanzierung von Coachings für die SV auch Unterrichtsinhalte mit der SV verknüpft werden, z. B. im Politikunterricht, oder dass das Arbeiten mit verteilten Rollen (Moderation, Redeliste, Regelwächter_in), das auf SV-Sitzungen eine Rolle spielen kann, im Unterricht geübt wird. Wenn ihr also wollt, dass sich die ganze Schule eurer Arbeit verpflichtet fühlt, könntet ihr euch dafür einsetzen, dass die Förderung von SV-Arbeit im Schulprogramm steht. Zuständig für den Beschluss über das Schulprogramm ist die Schulkonferenz. Struktur im Blick haben  Damit ihr einen guten Überblick über eure Arbeit behaltet und es neuen Leuten auch leichter ist, einzusteigen, könnt ihr eure SV-Struktur durch unterschiedlichen Plakate im SV-Raum abbilden. Dabei bieten sich folgende Plakate an: pp Jahresplan/SV-Kalender/Überblick über das SV-Jahr/Termine, pp laufende Projekte, jeweils mit Projektteam, Verbindungspersonen, pp Themen für nächste Treffen, pp Aktuelles, pp Ideen/Brainstorming, pp Konferenzen in der Schule: Vertreter_innen und Aufgaben, pp das Schulsprecherteam: Aufgabenbereiche& Verantwortliche. 3 84 3.5.4.: Die SV-freundliche Schule  Schulen können Schülervertretungen das Leben leicht- oder schwermachen. Letzteres ist z. B. der Fall, wenn Lehrer_innen nicht einsehen, dass Schüler_innen zu SV-Sitzungen gehen wollen oder aber dann doch bei allen Projekten der SV ein„Das geht nicht“ kommt. Umgekehrt gibt es einiges, was die Schule von sich aus tun kann, um SV-Arbeit zu fördern. Anerkennung und Wertschätzung  pp Bericht aus der Schülervertretung auf jeder Gesamtkonferenz, pp Ehrung von aktiven Schülervertreter_innen durch die Schulleitung, pp regelmäßige Gespräche der Schulleitung mit der SV, pp SV zeigt bei öffentlichen Anlässen, wie z. B. dem Tag der Offenen Tür oder dem Sommerfest, was sie macht, pp eigener SV-Bereich auf der Schulhomepage, pp Zeugnisvermerke, pp Urkunden. Download  3 Vorschläge für Zeugnisvermerke, Vorlagen für Zertifikate Förderung  pp einen Raum zur Verfügung stellen, pp Einrichten des Schülerhaushalts, d. h. ein festes Budget an Geld für die Schüler_innen, über das sie selbst entscheiden können, pp SV auf dem Stundenplan: Eintragen der SV-Projektstunden auf dem Stundenplan aller Schüler_innen, pp Freistellung von Schüler_innen und Finanzierung von Coachings und Seminaren zur SV-Arbeit innerhalb der Unterrichtszeit, pp Fortbildung der Klassenlehrer_innen zu den Mitbestimmungsrechten im Unterricht und in der Schule, Aufgaben der SV und Wahlen für Klassensprecher_innen, pp Aufnahme von SV-Förderung ins Schulprogramm. Weiterlesen  3 Schülerhaushalt, S. 154 Zeit für die Schülervertretung  pp Einführung einer verpflichtenden Klassenberatungsstunde für alle Klassen, pp Ermäßigungsstunde für Lehrer_innen, die SV-Arbeit begleiten, pp Beauftragung von Sozialarbeiter_innen mit 5 h/Woche für die Begleitung der Schülervertretung. Pimp my School – 1 x 1 der SV-Arbeit 85 3.6. Was tun, wenn es noch gar keine SV bei   euch gibt?  Du hast bei einer Veranstaltung andere Schülervertreter_innen kennengelernt oder dieses Handbuch in der Hand und denkst dir:„SV – das gibt’s bei uns gar nicht.“ Du möchtest jetzt selbst aktiv werden und tolle Projekte umsetzen – oder hast bereits seit langem eine Idee, die du schon immer verwirklichen wolltest? Nur die Mitstreiter_innen aus einer aktiven Schülervertretung fehlten? Das sollte sich dringend ändern, denn jede Schule hat ein Recht auf eine Schülervertretung! Schritt 1: Verbündete finden  Als Erstes empfiehlt es sich, eine kleine Gruppe zu bilden und euch darüber zu informieren, wie andere das so machen. Dafür kannst du: pp Mitschüler_innen ansprechen und erzählen, was du genau machen willst, pp bei Freund_innen von anderen Schulen nachfragen, wie die SV-Arbeit an deren Schulen funktioniert, oder im Internet recherchieren, pp rauskriegen, wer die gewählten Schulsprecher_innen sind. Die sollten normalerweise auch ein Interesse an SV-Arbeit haben und wussten bis jetzt vielleicht einfach nicht, wie sie das anstellen sollen, pp Kontakt aufnehmen zum Landesschülerausschuss. Schritt 2: Schulleitung informieren und Erwachsene um Unter­-  stützung bitten  Mit eurer neuen SV-Gruppe geht ihr nun zu den Sozialarbeiter_innen oder beantragt einen Termin bei der Schulleitung. Im Gespräch erzählt ihr, dass ihr eine Schülervertretung gründen möchtet. Bittet um Unterstützung und fragt, wie sie euch dabei helfen können. Schritt 3: Die 1. SV-Sitzung  An jeder Schule werden Klassensprecher_innen gewählt. Die Klassensprecher_innen sind normalerweise der Kern der SV-Arbeit. Ihr solltet daher eine SV-Sitzung organisieren, um eure Mitschüler_innen für die SV-Arbeit zu gewinnen. Geht dafür ins Sekretariat und lasst euch die Listen der gewählten Klassensprecher_innen geben. Ihr schreibt eine Einladung und lasst diese in den Klassen über die Lehrer_innen oder Klassenfächer verteilen. Am Tag des Treffens leitet ihr die Sitzung. Ihr begrüßt die Klassensprecher_innen, informiert sie über euer Vorhaben und fragt, wer Interesse daran hätte, in der neuen Schülervertretung mitzuarbeiten. Zu Beginn werden vielleicht nur Wenige interessiert sein. Das liegt oft daran, dass eure Mitschüler_innen gar keine Vorstellung davon haben, was SV-Arbeit sein 3 86 kann. Ihr könntet daher z. B. ein oder zwei kurze Videos von aktiven Schülervertretungen mit dem Beamer zeigen. Wenn sich unter den Klassensprecher_innen nicht so viele finden, die interessiert sind, sollte der nächste Schritt sein, auch andere Schüler_innen anzusprechen und eine Information darüber in die Klassen zu geben. Weiterlesen  3 SV-Sitzungen und-treffen, S. 111, Einblick in aktive SV-Arbeit. S. 171 Schritt 4: Die Aktivierung eurer Schülervertretung durch einen SV-Tag  Damit die SV-Arbeit richtig beginnen kann, muss die SV-Arbeit an eurer Schule erst„geboren werden“. Dazu ist es gut, sich mindestens einen ganzen Tag zu nehmen, besser zwei. Wenn ihr eine coole Schulleitung habt, so wird sie euch gestatten, dass ihr den SV-Tag während der Unterrichtszeit durchführt. Sonst müsst ihr aufs Wochenende ausweichen. Ihr könnt einen solchen Tag selbst planen, oder ihr holt euch Hilfe von einem außerschulischen Partner. Weiterlesen  3 Anbieter von Seminaren und Coachings, S. Sinnvolle Aktivierungsschritte an einem SV-Tag  1. Sich kennenlernen, so dass Vertrauen entstehen kann, 2. Sammeln von Vorerfahrungen, Ideen für Projekte, Kritik am Unterricht und der Schule und Feststellen des aktuellen Stands in der Schule, 3. Kennenlernen der eigenen Rechte, 4. Aktive SV-Arbeit kennenlernen, z. B. durch einen Gast oder dieses Handbuch, 5. Bilden von Projektgruppen, die ein gemeinsames Thema bearbeiten, 6. Anwenden von Methoden aus der Projektarbeit auf diese Projekte und vereinbaren, wann und wie es mit den Projekten weitergeht. Schritt 5: Vorstellung bei den Schüler_innen, im Lehrerkollegium sowie bei der Schulleitung  Eure Schülervertretung hat nun die ersten Projektgruppen, und die suchen bestimmt noch nach Mitstreiter_innen... Zeit für eine Auftaktveranstaltung in der Schule, um eure SV bekannt zu machen. Außerdem solltet ihr euch auf der Gesamtkonferenz sowie bei der Schulleitung mit den ersten Ergebnissen vorstellen. Wie geht’s dann weiter?  Nun habt ihr eine Schülervertretung ins Leben gerufen und müsst dafür sorgen, dass diese weiter besteht und euer Engagement nicht nachlässt! Lasst euch nicht unterkriegen von Lehrer_innen, die nichts von einer Schülervertretung halten. Nehmt Kontakt zu anderen Schülervertretungen auf. Ihr habt ein Recht darauf, eine Meinung zu haben und diese im Namen der Schülerschaft zu äußern. Weiterlesen  3 Vernetzung mit anderen Schülervertreter_innen, S. 168 Das SV-Jahr  4 4 88 4.1. Einführung: Der SV-Jahresplan  Der folgende Plan dient der Orientierung. Ihr könnt ihn natürlich je nach Schule und SV anpassen. Zwischen Sommer- und Herbstferien  pp Wahlvorbereitung: SV-Sitzung mit den alten Klassensprecher_innen: ­Ausgabe von Wahlunterlagen und Info zur Schulsprecherwahl, pp Klassensprecherwahlen, pp Schulsprecherwahlen, pp 1. SV-Sitzung: Wahlen in die Konferenzen, pp SV-Kennenlerntag und Einführung der Neuen durch die Alten. Zwischen Herbst-und Weihnachtsferien  pp Amtseinführung und Coaching der Schulsprecher_innen, Zielplanung für das SV-Jahr, pp 2. SV-Sitzung: Ideensammlung und Bildung von Projektgruppen bzw. Weiterarbeit an bestehenden Projekten, pp SV-Fahrt oder-seminar: Zusammenwachsen und Plannung von Projekten, pp SV-Infotag: Kick-off-Veranstaltung oder Vollversammlung zum Vorstellen der SV und Werben für die Mitarbeit in Projekten, pp SV-Aktionen: Nikolausaktion, Weihnachtsaktion für Bedürftige, Kinoabend. Zwischen Weihnachts- pp 3. SV-Sitzung: Wie lief es bisher? Wo hakt es? Was wollen wir uns noch vornehmen? pp SV-Aktionen: Valentinstagaktion, Lesenacht, Fußballturnier. und Sommerferien  pp 4. SV-Sitzung: Auswerten des SV-Jahres, Feedback, Kassenprüfung, pp Wissensweitergabe, nächste Schulsprecherwahlen und Klassensprecherwahlen vorbereiten, pp SV-Aktionen: Sportfest, Tag der offenen Tür, Umwelttag, pp Erfolge feiern und danke sagen: Belohnungsaktion für SV-Aktive, SV-Fest, -grillen oder-party, Eisessen. Pimp my School – 1 x 1 der SV-Arbeit 89 4.2. Wahlen  4.2.1. Rechtliche Grundsätze für Wahlen  Für die Wahlen der Schülervertretung gelten die gleichen Wahlregeln wie für alle anderen Konferenzen der Schule. Die folgenden Grundlagen sind für die Wahlen der Klassensprecher_innen sowie der Vertreter_innen für die Fachkonferenzen, für die Schulkonferenz, Gesamtkonferenz, Gesamtelternvertretung sowie den Bezirksschülerausschuss gültig. Rechtliche Grundlagen (§ 117,§ 118 SchulG)  Sämtliche Wahlen sind geheim. Sie können offen erfolgen, wenn alle anwesenden Wahlberechtigten einverstanden sind. Nicht anwesende Personen können gewählt werden, wenn eine schriftliche Einwilligung von ihnen vorliegt. Eine Briefwahl ist nicht möglich. Mädchen und Jungen sollen in gleicher Zahl gewählt werden. Stellvertreter_innen werden in einem getrennten Wahlgang gewählt. Gewählt ist, wer die meisten Stimmen erhalten hat. Stimmenthaltungen werden dabei nicht mitgezählt. Bei Stimmengleichheit erfolgt eine Stichwahl. Bei einer erneuten Stimmengleichheit nach der Stichwahl entscheidet das Los. Mit Ausnahme der Vertreter_innen für die Schulkonferenz(zwei Jahre) wird immer für die Dauer von einem Jahr gewählt. Die Amtszeit beginnt mit der Annahme der Wahl und endet mit der Neuwahl. Zurücktreten und eine Abwahl von gewählten Vertreter_innen sind jederzeit möglich. Für eine Abwahl muss mindestens die Hälfte der Wahlberechtigten anwesend sein. Als Nachfolger_in ist gewählt, wer die Mehrheit der abgegebenen Stimmen erhält. Bis eine Woche nach Bekanntgabe eines Wahlergebnisses kann jede_r Wahlberechtigte mit einer schriftlichen Begründung gegen die Gültigkeit einer Wahl Einspruch erheben. Der_die Schulleiter_in entscheidet darüber und die Wahl muss dann ggf. wiederholt werden. Was muss ich wissen, wenn ich gewählt wurde? (§ 120 SchulG)  Du bist zur Verschwiegenheit verpflichtet, wenn beschlossen wurde, dass eine Angelegenheit nicht öffentlich gemacht werden darf, oder wenn es um die Angelegenheiten einzelner Schüler_innen geht, z. B. auf der Klassenkonferenz, wenn Ordnungsmaßnahmen besprochen werden. Nach deiner Wahl bist du nicht an Aufträge und Weisungen gebunden, d. h., wenn deine Klasse z. B. will, dass du für einen Antrag stimmst, musst du dich an diese„Weisung“ nicht halten, sondern kannst auch gegen den Antrag stimmen. Allerdings wirst du dann vermutlich nicht so lange Klassensprecher_in bleiben;) 4 90 4.2.2. Zehn Schritte zu guten Klassensprecher_innen  In den meisten Klassen werden nur zehn Minuten für die Klassensprecherwahl verwendet. Dann werden manchmal die lautesten Macker gewählt, oder die, die nur einen Zeugnisvermerk wollen. So soll es nicht sein. Für das Amt der Klassensprecher_innen braucht es verantwortungsvolle Schüler_innen, die engagiert sind und sich auch in ihrer Freizeit für die Interessen von Schüler_innen einsetzen. Es ist daher sinnvoll, die Klassensprecherwahl nicht nur als kurze Abfrage zu gestalten, sondern sich Zeit dafür zu nehmen – und nebenbei zu lernen, was eigentlich eine demokratische Wahl ist. Wie ihr die Wahl genau durchführt, ist euch überlassen. Der hier folgende Text ist eine Empfehlung, die ihr so anpassen könnt, wie es für euch passt. Rechtliche Grundlagen (§ 84 SchulG) Die Wahl muss innerhalb der ersten vier Wochen des Schuljahres stattfinden. Es steht euch mindestens eine ganze Schulstunde innerhalb der Unterrichtszeit dafür zu. Es werden zwei Klassensprecher_innen, zwei Stellvertreter_innen sowie zwei Vertreter_innen für die Klassenkonferenz gewählt. In der Praxis wird die Wahl für die Klassenkonferenz oft nicht durchgeführt, und die Klassensprecher_innen vertreten euch auch in der Klassenkonferenz. Weiterlesen  3 Klassenkonferenzen, S. 34 Wahlen in Den Schüler_innen in der Oberstufe steht für die Wahl ebenfalls eine Schulstunde zur Verfügung. Die Wahlen können genauso wie oben beschrieben durchgeführt werden. Statt Jahrgangssprecher_innen können auch Kurssprecher_innen gewählt werden, weil so der Kontakt aus der SV zu den Schüler_innen einfacher funktioniert. Pimp my School – 1 x 1 der SV-Arbeit 91 Vorbereitung der Wahl  Es empfiehlt sich, zuerst zwei Wahlhelfer_innen zu bestimmen, die die Wahl vorbereiten und durch den Wahlprozess leiten. Das sollten zwei Schüler_innen sein, die nicht selbst Klassensprecher_in werden wollen. Die Wahlhelfer_innen müssen aber auch nicht aus eurer eigenen Klasse kommen. Möglich ist ebenfalls, dass erfahrene SVler_innen zu euch in die Klasse kommen, um euch in die SV-Arbeit einzuführen und dann die Wahl durchzuführen. Oft wird die Wahl aber statt durch Schüler_innen von Lehrer_innen durchgeführt, was oft zu einer 3-Minuten-Wahl führt. Macht es daher lieber selbst. Vor der Wahl muss mit der Klassenleitung abgesprochen werden, wann ihr die Klassenberatungsstunde für die Wahl durchführen könnt, Stimmzettel müssen ausgedruckt und eine Wahlurne besorgt oder gebastelt werden, z. B. ein Schuhkarton. Ablauf der Wahl  Schritt 1: Bericht aus dem letzten Jahr und Dank an die alten Klassensprecher_innen Lasst die alten Klassensprecher_innen von ihrem letzten Jahr in der SV und in der Klasse erzählen. Dankt ihnen danach für ihre Arbeit. Toll ist es natürlich, wenn sie sogar ein kleines„Dankeschön“ bekommen, z. B. eine Tafel Schokolade. Schritt 2: Was können die neuen Klassensprecher_innen nächstes Jahr tun? Überlegt gemeinsam, was zurzeit Themen in eurer Klasse sind und was euch z. B. gerade an der Schule stört oder welche Projektideen ihr habt. Das sind Hinweise darauf, womit sich die neuen Klassensprecher_innen beschäftigen können. Außerdem könnt ihr euch gemeinsam informieren, was an Schulen mit sehr aktiver Schülervertretungsarbeit so passiert, und euch so inspirieren lassen. Weiterlesen  3 Was ihr erreichen könnt – mögliche Themen und Projekte, S. 12 Schritt 3: Profil für Klassensprecher_innen erstellen Bevor ihr wählt, ist es wichtig, dass ihr gemeinsam diskutiert, welche Aufgaben und Fähigkeiten eure Klassensprecher_innen brauchen. Dafür gibt es unterschiedliche Möglichkeiten. Zwei davon seht ihr hier: Möglichkeit A: Es gibt einen Input zu den Aufgaben von Klassensprecher_innen, z. B. mit einer Powerpointpräsentation oder der Übersicht„Aufgaben von Klassensprecher_innen“ hier im Handbuch. Download  3 Powerpointpräsentation Aufgaben von Klassensprecher_innen Weiterlesen  3 Das Klassensprecherteam, S. 48 4 92 Möglichkeit B: Ihr legt das Profil eurer Klassensprecher_innen gemeinsam als Klasse fest. Wichtig sind die beiden Leitfragen:„Welche Aufgaben haben Klassensprecher_innen und welche Fähigkeiten brauchen sie?“ Das kann als Brainstorming an der Tafel, als Kleingruppenarbeit oder mit der Methode„Smarte Klassensprecher_innen“ gemacht werden. Wichtig ist, dass die Ergebnisse zusammengefasst werden und ihr euch am Ende auf ein Profil geeinigt habt. Das Ergebnis sollte im Klassenraum für alle sichtbar ausgehängt werden. Danach könnt ihr abschließend die Fragen diskutieren, welche Vorteile es für euch hat, wenn ihr Klassensprecher_innen wählt, bzw. welche Vorteile es einem persönlich bringt, wenn man gewählt wurde. Ziel ist, dass klar wird, dass es sich um einen verantwortungsvollen Job handelt und es daher auch wichtig ist, wer gewählt wird. Smarte Klassensprecher_innen: Jeweils vier bis fünf Schüler_innen erstellen gemeinsam ein Plakat oder eine Wandzeitung, auf die ein Körperumriss gezeichnet wird. Dieser Umriss wird dann mit Fähigkeiten und Aufgaben von Klassensprecher_innen gefüllt. Die Plakate werden präsentiert und verglichen. Abschließend einigt sich die Klasse auf ein gemeinsames Profil für die nächsten Klassensprecher_innen. Dieses Profil bildet dann die Grundlage für die Wahlen, so dass alle Mitschüler_innen überprüfen können, ob die vorgeschlagenene Kandidat_innen den Anforderungen für Klassensprecher_innen entsprechen. Schritt 4: Kandidat_innen suchen Sammelt Wahlvorschläge. Dabei kann sich jede_r sich selbst vorschlagen oder ihr euch untereinander. Sprecht dabei auch Mitschüler_innen an, bei denen ihr euch gut vorstellen könntet, dass sie das gut machen würden. Manchmal kann man so jemanden aktivieren, der_die sich das sonst nicht zugetraut hätte. Fragt dann nach, ob die vorgeschlagenen Schüler_innen überhaupt kandidieren wollen. Hier ist es total okay, nein zu sagen. Listet dann alle Kandidat_innen gut sichtbar an der Tafel auf. Alle Kandidat_innen bekommen nun kurz die Möglichkeit, sich mit ihren Zielen für das nächste Jahr vorzustellen und warum sie Klassensprecher_innen werden wollen. Danach könnt ihr Nachfragen an die Kandidat_innen stellen. Tipp  3 Wenn ihr das Erstellen des Profils und die Suche nach Kandidat_innen vom eigentlichen Wählen trennt und schon eine Woche vorher macht, so können sich die Kandidat_innen besser vorbereiten und sich eine kleine Rede für ihre Kandidatur überlegen. Schritt 5: Sollte ein Junge und ein Mädchen gewählt werden?  In vielen Lebensbereichen ist es noch so, dass Frauen weniger öffentlich in Erscheinung treten als Männer. Bei der Bundestagswahl 2017 gab es keine politische Partei, bei der genauso viele Frauen wie Männer als Kandidatinnen aufgestellt waren! Das hat mit alten Rollenbildern zu tun, d. h. wie Mädchen/Frauen und Jungen/ Männer zu sein haben. Diese Rollenbilder wirken besonders stark durch Werbung und Fernsehen auf uns, wenn wir z. B. sehen, dass Bauarbeiter_innen eher Männer sind – und Frauen mit viel nackter Haut auf Werbeplakaten erscheinen. Eine Möglichkeit, sicherzustellen, dass in der SV Mädchen in gleicher Zahl vertreten sind wie Jungen, besteht darin, bewusst ein Mädchen und einen Jungen zu wählen. Vor der Pimp my School – 1 x 1 der SV-Arbeit 93 Wahl könnt ihr dieses Thema diskutieren und müsst euch dann entscheiden, ob ihr einen Jungen und ein Mädchen wählen wollt. Auf euren Wahlzettel müsstet ihr dann genau einen Jungennamen sowie einen Mädchennamen schreiben. Schritt 6: Informationen zu demokratischen Wahlen  Die Wahlen in eurer Klasse sollen nach denselben Kriterien durchgeführt werden, wie sie z. B. auch bei den Bundestagswahlen gelten. Ihr solltet sie an die Tafel schreiben und mit allen besprechen. Die Wahlen sind: pp allgemein, d. h., jede_r darf wählen, pp geheim, d. h., niemand muss sagen, wen er_sie gewählt hat. Sonst ist es wahrscheinlich, dass die Wahl über Beliebtheits- und Coolnessfaktor entschieden wird, pp gleich, d. h., alle haben dieselbe Anzahl von Stimmen, pp frei, d. h., niemand darf bei der Wahlentscheidung beeinflusst werden. Schritt 7: Die Wahl der Klassensprecher_innen  Die Wahl selbst hat nun folgende Schritte: pp Alle erhalten die vorbereiteten Wahlzettel. pp Alle füllen den Wahlzettel aus. pp Die Wahlzettel werden in einer Urne eingesammelt. pp Die Stimmen werden an der Tafel ausgezählt. pp Das Wahlergebnis wird verkündet. pp Die Gewählten werden gefragt, ob sie die Wahl annehmen. pp Es wird ein herzlicher Glückwunsch ausgesprochen. Download  3 Wahlzettel Schritt 8: Wahl von Stellvertreter_innen  Es kommt immer mal vor, dass jemand krank ist und dann z. B. nicht zur ­SV-Sitzung gehen kann. Für diesen Fall werden Stellvertreter_innen gewählt, die dann die Aufgabe übernehmen, die Klassensprecher_innen zu vertreten. Es gibt zwei Möglichkeiten, die Stellvertreter_innen zu wählen: Die Wahl wird genauso wie in Schritt 7 beschrieben durchgeführt, oder der Stimmzettel aus Schritt 7 enthält auch gleich ein Feld für die Stellvertreter_innen, so dass es nur einen gemeinsamen Wahlzettel gibt. Im letzten Fall kann man natürlich sowohl als Klassensprecher_in als auch als Vertreter_in kandidieren. Werdet ihr dann als Klassensprecher_in gewählt, verfällt die Kandidatur für das Stellvertreteramt. Schritt 9: Abschluss der Wahl  Die frisch gebackenen Klassensprecher_innen füllen nun einen Meldezettel mit Name, Mailadresse, Telefonnummer aus, der an die SV weitergeleitet wird. Sie 4 94 erhalten außerdem die Einladung zur ersten SV-Sitzung sowie nach Möglichkeit eine Klassensprechermappe von der SV, die ihnen ihre Aufgaben, die Rechte von Schüler_innen und den Aufbau der SV erklärt. Download  3 Vorlage Meldezettel, Klassensprechermappe, Einladung SV-Sitzung Schritt 10: Die Arbeit beginnt  Direkt nach der Wahl sollte das neue Klassensprecherteam verabreden, wann es sich das erste Mal über die Situation in der Klasse unterhalten will. Zu diesem Treffen können auch die Stellvertreter_innen eingeladen werden, um gemeinsam mit ihnen dauerhaft ein„großes“ Klassensprecherteam zu bilden. Diese Treffen solltet ihr von Zeit zu Zeit wiederholen und so auch Themen für die Klassenberatungsstunde sammeln. Im nächsten Schritt ist ein Klassensprechercoaching und/ oder ein SV-Seminar hilfreich. Download  3 Vorlage Qualitätsver­ sprechen: Möglich ist es, dass die gewählten Klassensprecher_innen sog.„Qualitätsversprechen“ unterschreiben. Darin stimmen sie den übernommenen Aufgaben zu und verpflichten sich, ihre Aufgabe verantwortungsvoll auszuführen. Nach ein paar Monaten kann mittels eines Fragebogens, den die Klasse ausfüllt, überprüft werden, ob die Klassensprecher_innen zufriedenstellend arbeiten. Wenn nicht, können Neuwahlen durchgeführt werden. Abwahl  Wenn ihr mit euren Klassensprecher_innen nicht zufrieden seid, könnt ihr jemand Neues wählen. Das ist auch notwendig, wenn jemand zurücktritt(was natürlich immer geht). Als neue_r Klassensprecher_in ist gewählt, wer die Mehrheit der Stimmen bekommt. Pimp my School – 1 x 1 der SV-Arbeit 95 4.2.3. Acht Schritte zum starken Schulsprecherteam  Das Schulsprecherteam ist der Kopf der SV-Arbeit. Eine gute SV zeichnet sich durch motivierte Mitmacher_innen, frische Ideen und Spaß bei der Arbeit aus. Deshalb ist es besonders wichtig, dass ins Schulsprecherteam Schüler_innen gewählt werden, die wirklich etwas für die Schülerschaft erreichen wollen. Ein SV-Jahr kann ganz schön lang und öde werden, wenn die gewählt werden, die immer so„cool“ und„witzig“ sind. Rechtliche Grundlagen (§ 85 (3), § 117,§ 118 SchulG)  Für die Dauer eines Schuljahres werden ein_e Schulsprecher_in sowie bis zu drei Vertreter_innen gewählt. Sie bleiben im Amt, bis Neuwahlen durchgeführt werden, spätestens bis zur sechsten Schulwoche des neuen Schuljahres. Jede_r Schüler_in der Schule kann sich bewerben, und jede_r Schüler_in ist wahlberechtigt. Die Wahl zum_zur Schulsprecher_in und zu den Stellvertreter_innen muss in getrennten Wahlgängen durchgeführt werden. Es ist möglich, sich sowohl auf das Amt als Schulsprecher_in als auch als Vertreter_in zu bewerben. Im Fall der Wahl zum_zur Schulsprecher_in ist die andere Kandidatur hinfällig. Schulsprecherteam / SV-Team / SV-Vorstand= Schulsprecher_in+ 3 Stellvertreter_innen Bildet ein gleichberechtigtes Schulsprecherteam.  Auch wenn rechtlich betrachtet ein_e Schulsprecher_in und sogenannte„Stellvertreter_innen“ gewählt werden, heißt das nicht, dass die Stellvertreter_innen weniger Mitspracherecht haben. An Schulen mit sehr aktiven Schülervertretungen ist es üblich, dass Schulsprecher_in und die drei Vertreter_innen ein gleichberechtigtes Schulsprecherteam bilden. Ihr könnt so Arbeit besser verteilen, es gibt mehr Leute, die Verantwortung übernehmen, und es macht mehr Spaß! Was kann einem also Besseres passieren als ein schlagkräftiges 4er-Team? Ablauf einer Schulsprecherwahl  Schritt 1: Bildung eines Wahlhelferteams  Bildet am besten noch vor den Sommerferien ein Wahlhelferteam, das aus Schüler_ innen besteht, die kein Amt im Schulsprecherteam möchten. Das Wahlhelferteam ist für die Vorbereitung, Bekanntmachung und Durchführung der Schulsprecherwahl verantwortlich. Es legt gemeinsam mit der Schulleitung den Wahltermin fest und 4 96 besorgt sich im Sekretariat die Klassenlisten mit den Namen aller Schüler_innen. Damit kann während der Wahl abgehakt werden, wer schon gewählt hat. Schritt 2: Profil für Schulsprecher_innen verteilen und Kandidat_innen  finden  1. Das Wahlhelferteam legt einen Bewerbungsschluss für die Ämter fest. 2. Es muss ein öffentliches Aufgaben- und Stellenprofil für die Arbeit im Schulsprecherteam erstellt werden, das allen Schüler_innen, die wählen, und allen, die kandidieren wollen, bekannt gemacht wird. Das Profil muss klarmachen, dass ihr motivierte Schüler_innen in eurem Team braucht, die Lust darauf haben, Verantwortung zu übernehmen. 3. Alle Schüler_innen der Schule müssen informiert werden, dass bald Schulsprecherwahlen sind und man sich bewerben kann, z. B. über Aushänge, Durchsagen, Flyer, Facebook … 4. Die bisherigen Klassensprecher_innen erhalten die Aufgabe, in der Klassenberatungsstunde, die euch zusteht, über das Stellenprofil für Schulsprecher_innen zu sprechen. Ziel ist es, dass möglichst viele Schüler_innen verstehen, dass es sich um ein verantwortungsvolles Amt handelt und in den einzelnen Klassen Werbung dafür gemacht wird, zu kandidieren. Um den Klassensprecher_innen dabei unter die Arme zu greifen, könnt ihr das Profil für jede Klasse kopieren und/oder eine SV-Sitzung durchführen und das Profil dort ausführlich besprechen. 5. Ihr solltet bewusst Schüler_innen ansprechen, bei denen ihr euch vorstellen könntet, dass sie Lust auf das Schulsprecheramt haben. Download  3 Schulsprecherwahl Werbung, Steckbrief Schulsprecher_in, Video Werbung für Schulsprecherwahlen, Bsp. für Schulsprecherprofile Schritt 3: Kandidat_innen vorbereiten  Damit eure Mitschüler_innen wissen, wen sie überhaupt wählen können, müssen sich die Kandidat_innen darauf vorbereiten, sich zu präsentieren. Es ist empfehlenswert, wenn alle Kandidat_innen zu einem Wahlvorbereitungstermin eingeladen werden. Bei diesem Termin ist das alte Schulsprecherteam anwesend und erzählt aus dem alten SV-Jahr, d. h. was es zu tun gab, und gibt erste Tipps. Die Kandidat_innen sollten dann eine kleine Rede vorbereiten, in der sie erklären, warum sie Schulsprecher_innen werden wollen(max. zwei Minuten), sowie ein Plakat mit Foto erstellen. Durch dieses Verfahren wird es unwahrscheinlicher, dass sich Schüler_innen nur aus Ansehensgründen aufstellen lassen. Download  3 Fragebogen für Kandidat_innen Schritt 4: Vorstellung der Kandidat_innen  Vor der Wahl sollten möglichst viele eurer Mitschüler_innen die Möglichkeit haben, sich darüber zu informieren, wen sie wählen können. Es ist wichtig, Pimp my School – 1 x 1 der SV-Arbeit 97 dass sie sich auf unterschiedlichen Wegen informieren und auch Fragen stellen können. Wer eigentlich kandidiert, darf nicht„geheim“ bleiben. So wird eine aktive Verbindung zur SV-Arbeit geschaffen, und möglichst viele Schüler_innen können eine Beziehung zur SV-Arbeit aufbauen. Ihr solltet die Kandidat_innen bekannt machen, z. B. durch: die Schülerzeitung, einen SV-Infozettel, der verteilt wird, Plakate im Schulhaus und eure sozialen Medien. Außerdem ist es wichtig, dass persönlicher Kontakt möglich ist, z. B. durch pp Besuche der Kandidat_innen in den Klassenberatungsstunden, pp einen Frage-/Antworttag, bei dem die Kandidat_innen im Eingangsbereich der Mensa sitzen, pp eine Infoveranstaltung nach dem Unterricht, z. B. eine Podiumsdiskussion mit allen Kandidat_innen, pp eine Vollversammlung, bei der sich die Kandidat_innen mit ihrer kleinen Rede präsentieren können. Schritt 5: Letzte Vorbereitungen  1. Hängt ein paar Tage vor der Wahl Plakate mit Termin und Ort der Wahlen auf. 2. Beschafft eine Wahlkabine und Gefäße, die als Wahlurnen dienen können. 3. Bereitet Stimmzettel vor. 4. Hängt Zettel auf, die erklären, wie die Wahl abläuft, d. h. wer und wie gewählt wird. 5. Erinnert am Vortag durch eine Durchsage an die Wahlen. 6. Sofern Unterricht für die Wahlhelfer_innen ausfallen würde, sprecht eine Freistellung vom Unterricht für alle Wahlhelfer_innen mit der Schulleitung ab. Informiert dann die Lehrer_innen darüber, deren Unterricht das betrifft. 7. Wenn die Wahl bei euch in den Klassen durchgeführt wird, sorgt dafür, dass die Klassenlehrer_innen die Wahlzettel erhalten. Download  3 Kopiervorlagen Stimmzettel Schritt 6: Die Wahl  Es gibt unterschiedliche Möglichkeiten, die Wahl durchzuführen: pp Es wird in einem Wahlbüro innerhalb des Unterrichts gewählt. Dann wird mit der Schulleitung bzw. dem Lehrerkollegium abgesprochen, dass z. B. am Montag in der ersten Stunde drei Klassen ins Wahlbüro wählen kommen, in der zweiten Stunde weitere drei Klassen usw., bis alle durch sind. Der Vorteil ist eine sehr hohe Wahlbeteiligung. pp Es gibt eine Vollversammlung aller Schüler_innen oder aber mehrerer Jahrgänge nacheinander, bei der sich die Kandidat_innen vorstellen können und im Anschluss gewählt wird. Denkt dabei ggf. an Dolmetscher_innen, damit auch Willkommensklassen alles mitverfolgen können. Der Vorteil einer Vollversammlung: Alle sehen die Kandidat_innen. Der Nachteil: Die Orga- 4 98 nisation einer Vollversammlung bereitet viel Arbeit und Vollversammlungen können auch ganz schön laut werden. pp Das Wahlhelferteam und weitere Helfer_innen gehen durch die Klassen und es wird klassenweise gewählt. Das macht viel Arbeit, aber hat den Vorteil, dass in jedem Fall alle wählen und sie dabei recht gut informiert sind. pp Es wird in Kursen und Klassen gewählt und die jeweiligen Lehrer_innen begleiten das. Der Vorteil: Andere machen die Arbeit. Der Nachteil: Auf Lehrer_innen ist manchmal nur begrenzt Verlass. pp Es wird in den Pausen gewählt. Vorteil: Der Aufwand ist relativ gering. Nachteil: Die Wahlbeteiligung wird niedrig sein. Jede_r, die_der ihre_seine Stimme abgibt, wird auf den Klassenlisten abge­ strichen, damit niemand doppelt wählt. Dazu stellt ihr neben jeder Wahlkabine eine_n Wahlhelfer_in, die_der die Listen führt. Schritt 7: Auszählung und Veröffentlichung  Am Ende der Wahl zählt das Wahlkomitee öffentlich die Stimmen aus. Stimmen werden ungültig, wenn die Entscheidung nicht eindeutig ist oder zu viele Stimmen abgegeben wurden. Es wird ein Protokoll über die Wahl angefertigt und das Ergebnis veröffentlicht. Schritt 8: Amtsübergabe  Nach der Wahl sollte sich das alte Schulsprecherteam mit dem neuen zu einer Amtsübergabe treffen. Die Arbeit des Schulsprecherteams beginnt. Ein nächster Schritt könnte ein Coaching für frisch gebackene Schulsprecher_innen sein. Weiterlesen  3 Das Schulsprecherteam(SV-Vorstand), S. 52& Wer kann helfen?, S. 168 Pimp my School – 1 x 1 der SV-Arbeit 99 4.2.4. Konferenzwahlen in der Gesamtschüler-  vertretung  Konferenzwahlen in der SV sind für die meisten Beteiligten sehr anstrengend. Zum einen werden sie oft in der großen Gruppe durchgeführt, so dass es sich sehr zieht und langweilig werden kann. Zum anderen gibt es z. B. bei den Wahlen zu Fachkonferenzen oft nur wenig Interessierte. Ihr solltet die Wahlen also etwas kreativer gestalten bzw. nur für Konferenzen Vertreter_innen wählen, für die sich wirklich Schüler_innen interessieren. Rechtliche Grundlagen (§ 85 SchulG) Laut Schulgesetz müssen pp vier Schüler_innen für die Schulkonferenz, pp je zwei Schüler_innen für die Fachkonferenzen(z. B. Deutsch, Mathematik, Naturwissenschaften, Fremdsprachen, Musik, Kunst, Sport), pp zwei Schüler_innen für die Gesamtkonferenz, pp zwei Schüler_innen für die Gesamtelternvertretung sowie pp zwei Schüler_innen für den Bezirksschülerausschuss gewählt werden. Für all diese Ämter müssen außerdem Stellvertreter_innen gewählt werden. Außerdem dürft ihr bis zu drei Vertrauenslehrer_innen wählen. Tipp  3 Es empfiehlt sich mindestens zwei Schüler_innen aus dem Schulsprecherteam in die Schulkonferenz wählen zu lassen, da diese den besten Einblick in eure SV-Arbeit haben. Tipp  3 Wenn es für eure Arbeit hilfreich ist, könnt ihre weitere Ämter schaffen, z. B. Kassenwart oder„Vertrauensschüler_innen“. Konferenzen nutzen, wie ihr es braucht  Lasst euch von niemanden einreden, dass für irgendwelche Konferenzen gewählt werden muss. Wenn sich keine Interessierten finden, ist es nicht sinnvoll, Druck auszuüben, bis es jemand macht. Das ist für alle Beteiligten unangenehm. Ein zweites Mal macht man das dann nicht. Wichtig ist, dass sich ausschließlich Freiwillige finden, um euch in den Konferenzen zu vertreten. Mitbestimmung ist ein Ehrenamt und muss auf Freiwilligkeit beruhen! Das ist ein unanfechtbarer Grundsatz. Wenn sich keine_r findet, findet sich eben keine_r. Denkbar ist auch, dass sich Schüler_innen wählen lassen, aber von Anfang an klar ist, dass sie sich das erstmal anschauen können – und wenn es ihnen nicht gefällt, zurücktreten können. Ihr könnt euch auch in der GSV überlegen, welches Fach ihr in Bezug auf die Fachkonferenzen besonders interessant findet und nur dafür Vertreter_innen wählen. Sollte sich für bestimmte Konferenzen niemand finden, so ist es wichtig, dass ihr den Vorsitzenden dieser Konferenzen Bescheid gebt, dass niemand von euch kommen wird. Ihr solltet dann auch den Grund benennen. Z. B. dass gerade in Fachkonferenzen wenig 4 100 reale Mitentscheidungsmöglichkeiten für Schüler_innen bestehen. Vieles von dem, was besprochen wird, ist für euch nur mäßig interessant, einiges ohne Erklärungen ziemlich unverständlich und die Art der Konferenzen für Kinder und Jugendliche macht nicht wirklich Laune auf Mitbestimmung. Sollte dann doch später die eine oder andere Konferenz wichtig für euch werden, könnt ihr immer noch nachwählen. Empfehlung für den Ablauf von Wahlen in der GSV  Die hier aufgeführten Schritte brauchen etwas Vorbereitung. Dafür gehen die Wahlen so deutlich entspannter über die Bühne. Ihr benötigt also einige Wahlhelfer_innen, die sich um die Vorbereitung kümmern. Bei den folgenden Schritten handelt es sich um eine Empfehlung. Natürlich könnt ihr euch andere kreative Dinge einfallen lassen, wie die Wahl etwas unterhaltsamer wird. Schritt 1: Informationen zu den Konferenzen und Kandidat_innen finden  Wie bei den Wahlen zu Klassensprecher_innen und Schulsprecher_innen müssen vor der Wahl erst einmal alle verstanden haben, um was es genau bei den Wahlen geht. Dazu muss für jede Konferenz geklärt werden: pp Welche Aufgaben hat die Konferenz? Wie viele Schüler_innen müssen gewählt werden? Welche Aufgaben hat man, wenn man sich für diese Konferenz wählen lässt? pp Was war letztes Jahr so los? pp Wer hat Lust zu kandidieren? Damit die Wahlen nicht lang und langweilig werden, ist davon abzuraten, all das in der SV-Sitzung in der großen Runde zu machen. Besser ist es, wenn ihr unterschiedliche Stationen vorbereitet, wo man sich über die jeweilige Konferenz informieren, mit den alten Vertreter_innen ins Gespräch kommen und sich gleich eintragen kann, wenn man kandidieren will. Das Informieren, die Rückfragen sowie das Finden von Kandidat_innen können so in einem viel kleineren Rahmen stattfinden. Das ermöglicht auch, besser ins Gespräch darüber zu kommen. Es gäbe also für jede Konferenz, für die gewählt werden soll, jeweils eine Station, an der Informationen ausliegen und die von einer kompetenten Person betreut wird, z. B. den Schüler_innen, die im Vorjahr dort Vertreter_innen waren. Es folgt dann eine Phase von ca. 15 Minuten, in der sich alle genau dort informieren können, was sie interessiert. Pimp my School – 1 x 1 der SV-Arbeit 101 Schritt 2: Vorstellung der Kandidat_innen  Die Wahlhelfer_innen sammeln die Kandidat_innenlisten für jede Konferenz ein und tippen die Namen ab. Die Konferenzen werden in großer Runde noch einmal kurz vorgestellt und alle Kandidat_innen haben die Möglichkeit, sich kurz vorzustellen. Für die Wahl selbst werden die abgetippten Namen nun mit einem Beamer an die Wand geworfen. Schritt 3: Die Wahl  Sämtliche Schüler_innen erhalten einen Wahlzettel, auf dem sie für alle Konferenzen ihre Wunschkandidat_innen eintragen können. Die Wahlhelfer_innen sammeln die Zettel ein. Es wird zum Auszählen eine kurze Pause gemacht. Schritt 4: der Wahl  Das Ergebnis wird verkündet und„Herzlichen Glückwunsch“ gesagt. Alle gewählten Schüler_innen tragen sich in eine Liste mit Namen, Klasse, Mailadresse, Telefonnummer ein. Außerdem sollten die Gewählten mit ihren Stellvertreter_innen Nummern austauschen, so dass sie sie leicht informieren können, wenn sie nicht zu einer Sitzung gehen können. Sollte das Schulsprecherteam schon gewählt sein, so ist es gut, wenn ihr mit allen gewählten Schüler_innen ein erstes Treffen vereinbart, um mit ihnen die Zusammenarbeit im nächsten Schuljahr zu besprechen. Tipps für die Arbeit in Konferenzen  1. Sprecht die Vorsitzenden der Konferenzen persönlich an und bittet darum, dass ihr eingeladen werdet. Sonst kann es schon mal passieren, dass ihr „vergessen werdet“. 2. Neu gewählte Schüler_innen sollten an die Arbeit in Konferenzen herangeführt werden, d. h. ein kleines„Gremien-Coaching“ erhalten. 3. Oft wird in Konferenzen„Erwachsenen-Sprech“ verwendet, so dass schwer zu verstehen ist, was genau besprochen wird. Trefft euch in regelmäßigen Abständen mit allen gewählten Konferenzmitgliedern, d. h. mit allen, die für die Konferenzen oben gewählt worden sind, und dem Schulsprecherteam. Dann könnt ihr euch über die Erfahrungen in den jeweiligen Konferenzen austauschen und überlegen wie ihr die Konferenzen am besten für euch nutzen könnt. 4. Trefft euch eine halbe Stunde vor Konferenzbeginn mit allen Schüler_innen und besprecht eure Strategie und wie ihr abstimmen wollt, wenn wirklich wichtige Tagesordnungspunkte auf der Tagesordnung stehen. 5. Die Sitzungen der Gesamtkonferenz können schon mal bis zu drei Stunden dauern. Es bietet sich daher an, dass ihr die Schulleitung darum bittet, dass Themen, die für euch als Schüler_innen interessant sind am Anfang behandelt werden, so dass ihr ggf. früher gehen könnt. Das Gleiche gilt in Bezug auf die Fachkonferenzen. 102 4.3. werden  4 4.3.1. Kennenlernen und Zusammenwachsen  Zu Beginn des Schuljahres kennen sich in der SV vermutlich nur wenige untereinander. Für eure Arbeit ist es hilfreich, wenn ihr euch bewusst Zeit nehmt, um euch kennenzulernen. Nur wer sich mit Namen kennt, mal lacht und vertraut, hat auch Spaß daran, gemeinsam daran zu arbeiten, die Schule ein Stückchen besser zu machen. So werden der Zusammenhalt und das Wohlfühlen gestärkt, so dass sich eine kleine SV-Gemeinschaft herausbilden kann. Spiele  Zu Schuljahresbeginn könnt ihr am Anfang jeder SV-Sitzung ein Kennenlernspiel in die Tagesordnung einbauen. Vielleicht macht ihr auch mal eine Sitzung nur zum gegenseitigen Kennenlernen und/oder auf jeder Sitzung mindestens ein Spiel? Spielen mag am Anfang etwas kindisch wirken, kann jedoch ungeheuer Spaß bereiten, lockert die trockene und vielleicht auch mal ernste Arbeitsstimmung auf und kann neue Energien entzünden. Es gibt tausende von Spielen für Gruppen – und es gibt zu jeder Gruppe passende Spiele, auch für Spielmuffel. Welche zu euch passen, müsst ihr selbst rausfinden. Im Folgenden findet ihr für jede Spielkategorie exemplarisch eine Spielbeschreibung. Download  3 Spielereader und Anleitungen für unterschiedliche Spiele Namensspiele  Die Namen anderer Menschen zu kennen, hilft dabei, sich weniger fremd zu fühlen. Außerdem ist es angenehm, wenn man nicht sagen muss:„Hey, du da mit dem roten Pulli...“, sondern„Hey Sophia...“. Eine Person nennt ihren Namen und ein Lebensmittel oder eine Süßigkeit, die mit demselben Buchstaben beginnt wie der eigene Vorname. Danach wiederholt die Person links daneben beide Informationen und fügt ihren Namen und ihre Information hinzu, z. B.:„Das ist Martha, sie isst gerne Marmelade. Ich bin Rabia und esse gern Rote Beete.“ Danach geht es in der Reihe weiter. Damit das aber nicht ewig dauert, reicht es, wenn man die Namen und Speisen der vier Personen vor einem selbst wiederholt. Dauer: 10–15 Minuten Pimp my School – 1 x 1 der SV-Arbeit 103 Kennenlernspiele  Bei Kennenlernspielen geht es darum, mehr übereinander zu erfahren. Dabei kann sich z. B. herausstellen, dass man nicht die einzige Person ist, die schon mal in Australien war oder Fingerskateboard fährt. Durch das Entdecken von Gemeinsamkeiten entsteht Verbindung und man fühlt sich wohler in der Gruppe. Der Wind weht über alle, die... Alle sitzen im Stuhlkreis. Dabei fehlt ein Stuhl, so dass eine Person in der Mitte des Kreises steht. Diese sagt nun:„Der Wind weht über alle, die ...“, und ergänzt etwas, das auf sie selbst zutrifft und das man nicht sehen kann, z. B. gern Fußball spielen oder Mathe nicht mögen. Daraufhin stehen alle auf, auf die das auch zutrifft, und sie suchen sich möglichst schnell einen neuen Platz, der frei geworden ist. Man darf sich dabei nicht wieder auf den eigenen oder den Platz rechts oder links davon setzen. Die Person, die in der Mitte stand, versucht sich ebenfalls hinzusetzen, so dass eine neue Person in der Mitte stehen bleibt und weitermacht, z. B.:„Der Wind weht über alle, die schon mal außerhalb Europas waren.“ Das wird so lange gespielt, wie ihr Lust habt. Der Vorteil: Ihr erfahrt etwas über die anderen und es kommt etwas Bewegung in die Gruppe. Dauer: 10 – 15 Minuten Energizer(Warm-ups)  Energizer oder Warm-ups bringen Schwung in die Gruppe. Dabei muss man sich fast immer etwas bewegen. Sie sind dafür da, Spaß zu haben und mal nicht den Kopf zu benutzen. Sie eignen sich auch gut in der Mitte von anstrengenden Treffen, um die Stimmung aufzulockern. Sonne, Sonnenschutz Jede_r sucht sich eine Person im Raum, die seine_ihre persönliche „Sonne“ ist, und verrät niemandem, wer das ist. Danach sucht sich jede_r eine zweite Person, die der persönliche„Sonnenschutz“ wird. Die Sonne ist heiß und verbrennt dich! Du kannst dich aber schützen, indem du dich so hinstellst, dass zwischen dir und deiner Sonne dein Sonnenschutz steht. Auf 1, 2, 3 laufen alle los – und versuchen, sich mit ihrem Sonnenschutz vor ihrer Sonne zu schützen. Da dies alle gleichzeitig tun, gibt’s dabei ein ganz schönes Durcheinander...:) Dauer: 5 Minuten Kooperationsspiele  Bei Kooperationsspielen geht es darum, als Team gut zu funktionieren. Für eine vorgegebene Aufgabe müssen in der Gruppe Lösungen gefunden werden. Kooperationsspiele werden in der Regel nach der Durchführung gemeinsam reflektiert, um aus dem Verlauf etwas über sich und die Gruppe zu lernen. Tuch wenden Alle Teilnehmer_innen stehen auf einem großen Tuch. Ziel ist es, das Tuch zu wenden, ohne dass es jemand verlässt. Wenn ein_e Mitspieler_in den Boden berührt, muss von vorn begonnen werden. Solltet ihr keine gemeinsame Lösung finden, während ihr auf dem Tuch steht, könnt ihr auch noch mal runtergehen und euch gemeinsam Zeit nehmen, um eine passende Lösung zu finden. Ist die Aufgabe gelöst, wird die Übung gemeinsam ausgewertet. Mögliche Fragen sind:„Was lief gut?“,„Was lief nicht so gut?“, „Was kann man beim nächsten Mal anders machen?“ Die Ergebnisse der Auswertung können als Grundlage für weitere Teamarbeiten genutzt werden. 4 104 SV-Aktionen  Bei gemeinsamen Aktionen lernt man sich viel leichter und ungezwungener kennen als auf Sitzungen. SV-Aktionen sind alles, was euch Spaß macht und man gut gemeinsam machen kann, z. B. ein Intensiv-Kennenlerntag zu Schuljahresbeginn, ein SV-Grillen auf dem Schulhof oder im Park, ein SV-Film- oder-Spieleabend, ein SV-Ausflug oder ein gemeinsames Weihnachtsessen. Im Idealfall nehmt ihr euch sogar die Zeit für eine gemeinsame SV-Fahrt. Viele Schülervertretungen machen das regelmäßig und haben die Erfahrung gesammelt, dass nichts stärker zusammenschweißt als eine gemeinsame Fahrt mit einer guten Mischung aus Arbeit, Freizeit und gemeinsamem Spaß. Weiterlesen  3 Anbieter von Seminaren und Coachings, S. 171 Pimp my School – 1 x 1 der SV-Arbeit 105 4.3.2. für gute Zusammenarbeit SV-Arbeit ist ehrenamtliche Arbeit, die ihr in eurer Freizeit leistet. Sie sollte deswegen so gestaltet sein, dass ihr selbst Spaß daran habt. Sorgt dafür, dass ihr euch wohlfühlt.  Sorgt für eine angenehme Arbeitsatmosphäre mit selbstgestalteten SV-Räumen, Keksen, etwas Musik und Tee. Die einfachsten Dinge bewirken oft Wunder. Überlegt euch auch genau, zu welchen Zeiten ihr euch treffen wollt. Freitag in der siebenten Stunde könnte schon die Luft raus sein. Legt gemeinsam eure Arbeitsweise und Ziele fest.  Die Identifikation mit eurer Arbeit ist deutlich höher, wenn alle einem gemeinsamen Ziel zugestimmt haben, das erreicht werden soll. Dafür solltet ihr in eurer Arbeit öfter mal über Erwartungen sprechen. Das können die Erwartungen am Anfang eines Treffens zum Treffen selbst sein, die Erwartungen an den Umgang in eurer Gruppe oder an die SV-Arbeit im Allgemeinen. Dieses Aussprechen hilft dabei, die Realität mehr an das anzugleichen, was alle auch wirklich denken und fühlen. Achtet auf ausgewogene und faire Aufgabenverteilung.  Eine gute Arbeits(ver)teilung ist einer der größten Schlüssel zu erfolgreicher SVArbeit. Sie führt dazu, dass sich Menschen ausgeglichen und ausgeruht mit ihren Fähigkeiten in die Arbeit einbringen können. Eine Person führt z. B. gern Protokolle, die andere ist ein Organisationstalent für das Besorgen gebrauchter Sachen, eine andere leitet sehr gern Sitzungen. Für das alles können verschiedene Personen zuständig sein. Die Verantwortung für Projekte sollte gut verteilt sein. Sonst entsteht schnell der Effekt, dass die, die die meiste Verantwortung tragen, noch mehr Aufgaben an sich ziehen. Gut ist es, wenn ihr Aufgabenbereiche namentlich verteilt und das übersichtlich und für alle einsehbar aufhängt, z. B. auf einem Plakat im SV-Raum. Bei der Arbeit in Projektgruppen, könnt ihr z. B. mit folgender Aufteilung arbeiten: pp Hutträger_in: ist die Projektleitung und hat die Aufgabe den Überblick über alles zu behalten, pp Controller_in: behält alle Vereinbarungen im Auge, erinnert Leute an ihre Aufgaben und Termine, pp Koordinator_in: betreut alle Helfer_innen, achtet darauf, dass diese alle Infos haben, die sie brauchen und zum richtigen Zeitpunkt da sind, wo sie gebraucht werden, pp Kommunikationsbeauftragte_r: wann immer mit Leuten gesprochen werden muss, die nicht zum Projekt gehören, kommt diese Person zum Einsatz, 4 106 pp Finanzer_in: hat die Kosten des Projekts im Überblick, verwaltet Ein-/Aus­ gaben, informiert die anderen, wenn neues Geld gebraucht wird, pp Materialbeauftragte_r: führt eine Liste über Material, das gebraucht wird, das da ist, beschafft werden muss oder verliehen wird. Achtet darauf, dass das Material da ist, wenn es gebraucht wird. Ihr könnt dazu weitere Aufgabengebiete erfinden oder andere weglassen – je nachdem wie es für eure Arbeit hilfreich ist. Wichtig ist nur jeweils, dass alle Beteiligten wissen, wer genau was zu tun hat. Sonst entsteht Unverbindlichkeit. Download  3 Teamrollen, 10 Tipps für nachhaltigen Aktivismus Nutzt und Stärken.  Als SV seid ihr eine Gruppe, die sich aus ganz vielen verschiedenen Menschen mit unterschiedlichen Stärken und Talenten zusammensetzt. Meistens sind genau die Projekte erfolgreich, die am meisten mit euch selbst zu tun haben. Deshalb ist es gut, wenn ihr genau wisst, wer in der SV was gut kann, und das für euch nutzt. Mit einem Blick auf all eure Fähigkeiten kann es auch sein, dass ihr auf eine neue Idee kommt, z. B. wenn lauter Leute gern musizieren, könnte es mal ‘ne Jamsession geben. Fertigt am Anfang des Schuljahres für alle, die Lust haben, SV-Profile an. Folgende Fragen könnten euch dabei helfen: pp Welche Vorlieben hast du? Was macht dir Spaß? Magst du z. B. Dinge, die andere nicht so mögen, z. B. Protokolle schreiben? pp Welche Talente hast du? Was kannst du gut oder worüber weißt du viel? Z. B. gut mit Lehrer_innen reden können, Blogs erstellen, gut singen, ein Instrument spielen, gut Reden halten. pp Welche Kontakte hast du, die hilfreich sein könnten? Z. B. zu Bands, oder dein Vater kann kostenlos Holz zur Verfügung stellen, deine Mutter sitzt als Elternvertreterin in der Schulkonferenz, dein Freund ist Schul­sprecher einer anderen Schule. Lernt, Verantwortung abzugeben, und unterstützt  Eigenverantwortlichkeit.  „Delegieren“(= eine Aufgabe übergeben) ist hier das Schlüsselwort. Je mehr Verantwortung Menschen übernehmen, desto schwerer tun sie sich oft damit, Aufgaben abzugeben. Gerade in verantwortungsvollen Positionen ist das NichtDelegieren einer der wichtigsten Wege ins Burnout. Versucht euch also früh darin zu üben und anderen zu vertrauen, dass sie schaffen, was ihr ihnen übergebt. Lasst zu, dass sie Dinge auch eigenverantwortlich erledigen können, ohne dass ihr gleich hinterherkontrolliert. Sonst können sie auch nicht dazulernen. Delegieren müsst ihr übrigens nicht unbedingt nur in eurer eigenen Gruppe. Zum Pimp my School – 1 x 1 der SV-Arbeit 107 Beispiel gibt’s vielleicht jemanden, der Lust hat, DJane auf der nächsten SV-Party zu sein, aber einfach nicht in der SV ist? Sprecht also auch gezielt Leute von „außen“ an. Die Mischung machts – holt euch bewusst auch Jüngere ins Boot.  Das erleichtert zum einen das„Reinwachsen“ der Jüngeren und hat gleichzeitig den Vorteil, dass unterschiedliche Gedanken aus unterschiedlichen Klassenstufen zusammenkommen. Gestaltet anstrengende Arbeit angenehm.  Manche Arbeiten sind einfach anstrengender und unattraktiver als andere. Dann solltet ihr versuchen, sie angenehmer zu machen. Soll z. B. der SV-Raum neu gestaltet werden, so organisiert das doch so, dass es eine Gestaltungsparty wird, z. B. mit Musik, Konfetti, Pfannkuchen, Kaffee und Kuchen. 108 4.3.3. Anerkennung und Wertschätzung  Ermutigen, Loben, Dankesagen  4 Oft fällt es hinten runter, dass Kraft, Energie, Zeit und Einsatz, die hinter eurer Arbeit als Schülervertreter_in stehen, gewürdigt, anerkannt und wertgeschätzt werden. Viele Schüler_innen kriegen von der SV-Arbeit vielleicht gar nichts mit oder denken auch, die Arbeit würde sich schon„von alleine erledigen“. Loben und Dankesagen sind dabei wesentliche Bausteine, um motiviert dabeizubleiben. Ermutigen  Wenn Leute neue Ideen haben, sollten sie darin bestärkt werden, ihre Ideen in die Tat umzusetzen. Wenn man den Eindruck gewinnt, dass es niemanden interessiert, was man zu sagen hat, zieht man sich schnell wieder zurück. Loben  Kritik fällt leicht, Loben schwer. Dabei geht Lob runter wie Öl! Ziemlich viele Menschen geben in der SV-Arbeit das Beste, das sie können. Das sollte gelobt werden, auch öffentlich. Dankesagen  Dankesagen zeigt Menschen, dass andere wahrnehmen, was sie tun. Es gibt ein gutes Gefühl zu wissen, dass andere sich darüber freuen, was man gemacht hat. Allzuoft wird Dankesagen aber vergessen, weil wir viele Dinge für selbstverständlich halten. Das ist nicht so. Also vergesst nicht: danke sagen! Zum Beispiel mit Hilfe einer Projektwandzeitung, in der Schülerzeitung, mit einer Dankesveranstaltung, kleinen Geschenke wie Bonbons oder dem Anlegen einer Ahnengalerie, d. h., dass Fotos der alten Aktiven aufgehangen werden. Belohnen und Feiern  Ihr habt in die Hände gespuckt und wirklich was gerockt? Dann ist’s Zeit für eine kleine Belohnung, z. B. SV-Grillen oder eine interne SV-Party am Schuljahresende oder nach erfolgreichen Arbeitstreffen ein gemeinsamer Koch- oder Filmabend. Warmer Rücken Jede Person schreibt ihren Namen auf einen weißen, leeren A4-Zettel. Danach klebt sich jede_r seinen_ihren Zettel auf den Rücken. Nun können alle durch den Raum laufen und anderen etwas Nettes auf den Zettel schreiben. Das kann ein schöner Moment sein, den man zusammen hatte, etwas, worüber man sich bei der anderen Person freut oder was man an ihr mag – vielleicht auch einfach etwas Nettes, das ihr der anderen Person mit auf den Weg geben wollt. Versucht dabei, nicht nur denen was auf den Zettel zu schreiben, die euch sowieso sehr nah sind, sondern bei vielen oder allen etwas zu finden. Das strengt zwar vielleicht etwas an, hilft aber dabei, eine schöne Stimmung in der Gruppe zu erzeugen. Nach ca. 15 Minuten könnt ihr die Zettel abnehmen und euch durchlesen, was die anderen über euch geschrieben haben. Wichtig bei dieser Methode ist, dass ihr sie Pimp my School – 1 x 1 der SV-Arbeit nur einsetzt, wenn eine gute Grundstimmung da ist. Ansonsten ist die Gefahr groß, dass einige die Freiheit, anonym etwas aufzuschreiben, dafür nutzen, andere runterzumachen. Das wäre genau das Gegenteil von dem, was eigentlich bewirkt werden soll. Dauer: 25 Minuten 109 Wertschätzende Kommunikation  Wertschätzende Kommunikation ist die Basis guter Zusammenarbeit. Dabei stellt es eine große Herausforderung dar, mit Menschen zusammenzuarbeiten, die manchmal ganz anders sind als man selbst. Das kann schon mal nerven. Durch ein paar Kommunikationsregeln kann das erleichtert werden. Mit diesen Regeln könnt ihr euch im Projektteam, im Schulsprecherteam oder der GSV beschäftigen, so dass sie allen bekannt sind. Viele Missverständnisse und Konflikte können so vermieden werden. Tipps:  1. Ich behandle den_die anderen so, wie ich selbst behandelt werden möchte. 2. Ich bin mir dessen bewusst, dass ich es mit einem anderen wertvollen Menschen zu tun habe, und tue nichts, was das Selbstvertrauen oder die Selbstachtung des_der anderen schädigt. 3. Ich zeige dem_der anderen mit Blickkontakt meine Aufmerksamkeit. 4. Ich lasse meine_n Gesprächspartner_in aussprechen. 5. Ich verwende„Ich-Botschaften“, d. h., ich sage, wie ICH mich fühle, wie ICH die Sache verstanden habe, was ICH möchte, und nicht, dass DU mich nervst, dass DU Blödsinn erzählst. 6. Ich fasse mich kurz und gebe genaue Antworten. 7. Ich stelle keine Fragen, die die Antwort bereits vorgeben. 8. Ich kritisiere die Sache, nie die Person. Dabei mache ich konkrete ­konstruktive Vorschläge. 9. Ich gebe wertschätzendes Feedback. Wenn ihr merkt, dass ihr Schwierigkeiten mit jemandem habt, sprecht das früh an. Bittet die Person um ein kurzes Gespräch zu zweit, beschreibt mit Hilfe der Tipps oben, was euch stört. Der größte Stolperstein in der Zusammenarbeit mit anderen Menschen ist, sich nicht zu trauen, Konflikte anzusprechen, dann immer mehr zu grummeln und irgendwann zu explodieren oder sich aus der Gruppe zurückzuziehen. Download  3 Übungsmaterial zur GFK und Kommunikationsregeln Download  3 Kommunikationsregeln Dieser Text ist eine gekürzte und veränderte Version einer Vorlage der Servicestelle für Jugendbeteiligung. 4 110 Wertschätzendes Feedback  Wertschätzendes Feedback zu erhalten ist ein großes Geschenk. Wenn euch andere auf eine Art und Weise etwas rückmelden, die ihr gut annehmen könnt, so könnt ihr dazulernen und eure Arbeit verbessern. Oftmals wird Kritik aber genauso nicht geäußert, sondern verletzend. Vielleicht sogar so, dass ihr gar keine Lust hat mehr habt, darüber nachzudenken, oder euch schlecht fühlt. Um gemeinsam als SV zu wachsen, ist eine ausgeprägte Feedbackkultur wichtig. Denkbar ist, dass ihr euch angewöhnt, euch in Projektgruppen, bei SV-Sitzungen, bei Sitzungen des Schulsprecherteams oder am Ende von Projekten regelmäßig Zeit für Feedback zu nehmen. Feedback= Rückmeldung darüber, was jemand anders wahrgenommen bzw. verstanden hat, die es ermöglicht, das eigene Verhalten zu verändern. Damit Feedback wertschätzend ist, sollten folgende Regeln beachtet werden: 1. Feedback ist ein Geschenk. Man kann es annehmen, muss aber nicht. 2. Feedback enthält keine Bewertungen oder Interpretation des Verhaltens der anderen Person. 3. Feedback enthält statt„Du-Aussagen“ nur„Ich-Aussagen“. 4. Feedback enthält keine Vorwürfe und Verallgemeinerungen. Das Wort„immer“ ist immer verboten;) Immer-Aussagen treffen eigentlich nie zu. Wir nutzen sie aber gern, um unsere Aussagen stärker zu machen. Das führt oft zu Ärger beim anderen und nicht dazu, dass das Feedback gut angenommen werden kann(was aber in unserem Sinne ist, weil wir ja wollen, dass sich was ändert). Konkret heißt das: 1. Feedback bezieht sich auf eine konkrete Situation oder einen Sachverhalt. Ihr beschreibt z. B. so, wie eine Videokamera das aufnehmen würde:„Ich habe gesehen,...“ 2. Feedback beschreibt die eigenen Gefühle(„Das hat auf mich so gewirkt, dass ich mich... gefühlt habe.“). 3. Feedback informiert über die eigenen Wünsche und macht einen konkreten umsetzbaren Vorschlag(„Deshalb wünsche ich mir....“). Beispiel:„Ich habe mich bei dieser SV-Sitzung unwohl gefühlt, weil du mich zweimal unterbrochen hast, als ich gesprochen habe. Ich wünsche mir, dass du mich ausreden lässt.“ Pimp my School – 1 x 1 der SV-Arbeit 111 4.4. SV-Sitzungen und-treffen  4.4.1. Vorbereitung, Durchführung-  bereitung  SV-Sitzungen sollten wie ein Überraschungsei sein, also Spannung, Spiel und Spaß enthalten. Das ist natürlich etwas übertrieben, aber sie sollten auf jeden Fall keine anstrengende Pflichterfüllung und nicht wie Unterricht sein. Wichtig ist, dass sie Motivation für eure Arbeit schaffen und nichts besprochen wird, das nicht auch für einen Großteil von euch interessant ist. Rechtliche Grundlagen (§ 84 (2),§ 116,§ 122 SchulG) Grundsätzlich müsst ihr für die Teilnahme an SV-Sitzungen freigestellt werden. Wenn ein Fünftel der GSV-Mitglieder es beantragt, muss unverzüglich eine SVSitzung einberufen werden. Ist ein Drittel aller Mitglieder anwesend, so ist die GSV beschlussfähig. Sollten nicht genügend Mitglieder für die Beschlussfähigkeit da sein, so kann zu einer neuen GSV-Sitzung eingeladen werden, auf der dann entschieden werden kann. Voraussetzung ist, dass mindestens drei Mitglieder anwesend sind und in der Einladung darauf hingewiesen wurde, dass über bestimmte Punkte jetzt entschieden wird. Anträge sind angenommen, wenn die Mehrheit der abgegebenen Stimmen dafür ist. Stimmenthaltungen werden beim Auszählen nicht beachtet. Bei Stimmengleichheit ist der Antrag abgelehnt. Von SV-Sitzungen muss ein Protokoll angefertigt werden. Es muss folgende Angaben enthalten: Ort und Tag der Sitzung, die Namen der anwesenden Mitglieder, die besprochenen Themen und Anträge, Beschlüsse und Wahlergebnisse. Schritt 1: beantragen und Raum suchen  So früh wie möglich, spätestens aber zwei Wochen vor der geplanten Sitzung solltet ihr mit dem_der pädagogischen Koordinator_in oder der Schulleitung einen Termin absprechen und klären, welcher Raum frei ist. Wichtig bei den Versammlungen ist, dass Informationen schnell weitergetragen werden. Wartet also z. B. nach Schulkonferenzen nicht ewig, bis ihr die nächste SV-Sitzung einberuft. Tipp  3 Eine einfache Möglichkeit, Stress zu vermeiden, liegt darin, zu Schuljahresbeginn gleich alle Termine für das Halbjahr oder das ganze Jahr festzulegen und diese in den Schul­kalender eintragen zu lassen. Damit nicht immer der gleiche Unterricht ausfällt, wechselt den Termin am besten, z. B. beim ersten Mal an einem Montag, beim zweiten Mal an einem Dienstag usw. 4 112 Schritt 2: zusammenstellen  Stressfrei ist es, wenn ihr euch mindestens eine Woche vor der Sitzung zur Vorbereitung trefft und nicht erst einen Tag vorher. Das führt meist zu chaotischen und für alle anstrengenden Sitzungen. Dann solltet ihr: pp Themen sammeln, die ihr von anderen gehört habt(Mail, Briefkasten …) und die euch selbst wichtig sind, pp Themen sortieren und eine Reihenfolge festlegen, pp Methoden für die einzelnen Themen festlegen. Beachtet dabei, dass nicht alle Gruppenarbeiten oder alle Informationsrunden direkt nacheinander kommen. Die Mischung machts. Vermeidet lange Monologe. Abwechslung schafft Interesse, pp die Zeit planen. Überlegt, wie lange jeder Punkt max. besprochen werden sollte. Plant die Zeiten von vornherein großzügig. Nichts ist stressiger als ein Treffen, wo man noch möglichst viel schaffen muss. Plant immer 10 – 15 min Puffer ein. In der Mitte der Sitzung solltet ihr mindestens zehn Minuten Pause machen. Weiterlesen  3 Methoden für effektive Treffen, S. 119 Beispiel: 1. Begrüßung und Tagesordnung vorstellen..................... 5 Min. 2. Kennenlernspiel....................................... 10 Min. 3. Erklären der Redeliste.................................... 1 Min. 4. Berichte und aktuelle Infos................................ 5 Min. 5. Hausordnung a) Vorstellung der Neuerungen in der Hausordnung............ 10 Min. b) Formulierung von Fragen an die Schulleitung............... 10 Min. Pause.............................................. 10 Min. 6. Gruppenarbeit zu SV-Projekten............................ 20 Min. 7. Eigene Meinung(Sonstiges)............................... 5 Min. 8. Gemeinsames Sammeln: Was muss in den Klassen berichtet werden?................... 5 Min. 9. Feedback zur SV-Sitzung.................................. 5 Min. 10. Wann ist die nächste GSV?& Verabschiedung................. 1 Min. Pimp my School – 1 x 1 der SV-Arbeit 113 Schritt 3: Rollen für die Sitzung verteilen  Moderation (2 Personen) Moderation bedeutet Sitzungsleitung. Die Moderation leitet durch das Treffen und kümmert sich darum, dass ihr ein effektives und zielorientiertes Treffen habt. Weil Moderation kein einfacher Job ist, bietet es sich an, das immer zu zweit zu machen. Weiterlesen  3 Moderation: Rolle und Haltung einer Sitzungsleitung, S. 116 Redeliste (2 Personen) Die Beauftragten für die Redeliste behalten den Überblick darüber, wer etwas sagen will. Sie schreiben auf, wenn sich jemand meldet, und rufen laut auf, wer als Nächste_r dran ist. Als Hilfestellung kann die Person, die die Redeliste führt, einen Redegegenstand, z. B. ein Kuscheltier, zu der Person werfen, die als nächstes sprechen darf. Download  3 Vorlage Redeliste Zeitwächter_in (1 – 2 Personen)  Der_die Zeitwächter_in erhält die Tagesordnung mit Zeitplanung und ist dafür da, darauf hinzuweisen, wenn ihr euch während der Diskussion dem Ende der eingeplanten Zeit nähert. Dann gibt’s drei Möglichkeiten: Der Punkt wird abgeschlossen, der Punkt wird aufs nächste Mal verschoben oder der Punkt wird ausdiskutiert und andere Punkte fallen dafür weg. Zeitwächter_innen können auch dafür eingesetzt werden, dass die Redezeit begrenzt wird, z. B. wenn ihr Leute dabei habt, die gern Monologe halten. Protokoll (1 – 2 Personen) Das Protokoll ist rechtlich vorgeschrieben(siehe oben) und für die Ergebnissicherung wichtig. Es sollte die wichtigsten Ergebnisse sowie Vereinbarungen enthalten, wenn jemand eine Aufgabe übernimmt. Ideal ist es, wenn ihr euch einen Laptop organisiert und das Protokoll schon während der Sitzung getippt wird. Das macht es danach viel leichter, es zu verbreiten bzw. zu versenden. Download  3 Vorlage Protokoll 4 114 Schritt 4: Einladung schreiben und verteilen  Gemeinsam erstellt ihr nun eine Einladung. Die Einladung enthält eure vorbereitete Tagesordnung. So können sich eure Mitschüler_innen auf die Sitzung vorbereiten und mit ihrer Klasse nochmal Rücksprache halten. Außerdem ist es für eine faire Entscheidungsfindung wichtig, dass sie nicht erst auf der Sitzung von Dingen erfahren, über die sie abstimmen sollen. Ihr müsst die Einladung nun noch verteilen. Das sollte mindestens eine Woche vorher geschehen, da ihr sonst Ärger mit Lehrer_innen bekommt, die sich nicht darauf eingestellt hatten, dass bestimmte Schüler_innen fehlen. Ihr solltet die Einladung am SV-Brett aushängen, ins Mitteilungsbuch der Lehrer_innen legen und per Einladungsbrief in die Lehrerfächer legen. Über das Internet solltet ihr eine Mail an die SV-Begleiter_innen und Elternvertreter_innen versenden und die Sitzung auf Facebook ankündigen. Tipp  3 Stellt euch vor, es ist SV-Sitzung und niemand weiß davon! Es ist gut, wenn möglichst alle an der Schule wissen, dass ­SV-Sitzung ist und was die Themen sein werden. So merken eure Mitschüler_innen, dass ihr euch wirklich um ihre Interessen kümmert. Eure Einladung sollte auffallen. Ihr könnt ruhig knallige, farbige Aushänge an belebten Orten anbringen. Wichtig ist, dass die Einladung nicht nur ein Stück Papier mit Schrift drauf ist. Das erinnert zu sehr an langweilige Sitzungen. Gestaltet doch einmal ein Layout mit ein, zwei Fotos von SV-Aktionen und passt das dann von SV-Sitzung zu SV-Sitzung an. Download  3 Vorlage Einladung Schritt 5: Vorbereitungen vorher  Raum vorbereiten und fürs Wohlfühlen sorgen  Ein Erfolg ist eure SV-Sitzung, wenn etwas geschafft wurde und alle sich wohlgefühlt haben. Das könnt ihr selbst beeinflussen. Stellt euch doch mal die Frage, wie ihr euch selbst als Teilnehmende bei eurer eigenen Sitzung fühlen würdet. Hättet ihr Lust wiederzukommen? Hier ein paar Anregungen, was ihr fürs Wohlfühlen machen könnt: pp Stuhlkreis stellen, am besten nach Jahrgangsstufen sortiert. So können sich alle gegenseitig wahrnehmen und die Schulsprecher_innen können einfacher bestimmte Jahrgänge ansprechen. pp Willkommensplakat oder-folie gestalten. So fühlen sich eure Mitschüler_innen schon beim Reinkommen willkommen. pp Namensschilder: So entsteht eine persönlichere Atmosphäre und man hat nicht den Eindruck, einer anonymen Masse anzugehören. pp Kekse, Kuchen, Getränke und Musik lockern ein Treffen auf, und die SVSitzung fühlt sich weniger wie Unterricht an. Pimp my School – 1 x 1 der SV-Arbeit 115 Materialvorbereitungen  pp Anwesenheitsliste und Wahlzettel vorbereiten(falls gewählt wird), pp Medien besorgen: Beamer und Mikro, pp Material besorgen: Flipchartständer, Plakate, Stifte, Blätter..., pp Tagesordnung schreiben: auf ein Poster oder mit einem Beamer an die Wand werfen. Wichtig ist, dass alle sehen können, was auf sie zukommt, pp Präsentationen vorbereiten(falls es welche gibt): Je interessanter sie gestaltet sind, desto mehr Aufmerksamkeit habt ihr. Download  3 Vorlage Anwesenheitsliste Protokoll vorbereiten  Solltet ihr Mitschüler_innen haben, denen es schwerfällt, selbst in ihren Klassen zu berichten, so könnt ihr Vorlagen für ein SV-Protokoll oder ein Lückentext-SVProtokoll erstellen, das schon die wichtigsten Tagesordnungspunkte enthält. Das kopiert ihr für alle und die anderen können dann während der Sitzung selbst eintragen, was besprochen wurde. Den ausgefüllten Zettel nehmen sie mit in ihre Klasse und können ihn dann in ihre Klassen-SV-Mappe heften. Erinnern  Lasst durch die Sprechanlage nochmal an die Sitzung erinnern. Vorbesprechung der Sitzung  Es gibt euch Sicherheit, wenn ihr die Tagesordnung vorher nochmal gemeinsam durchsprecht. So fällt auch auf, wo es noch Unsicherheiten gibt. Sprecht gut ab, wer wem hilft, wenn er_sie mal nicht weiterweiß. Schritt 6: Durchführung der Sitzung  Weiterlesen  3 Moderation: Rolle und Haltung einer Sitzungsleitung, S. 116 Schritt 7: der Sitzung  Das Protokoll muss fertiggemacht und verteilt werden(über die gleichen Kanäle wie die Einladung zur Sitzung). Lasst euch dabei nicht zu viel Zeit, weil die Erinnerungen an die Sitzung sonst verschwimmen. Das Protokoll sollte so geschrieben sein, dass eure Mitschüler_innen leicht über die Sitzung berichten können. Co-Autor: Alexander Lipp 116 4.4.2. Moderation: Rolle und Haltung einer  Sitzungsleitung  4 Arbeitet man in einer Gruppe zusammen, dann ist es sinnvoll, wenn zwei Personen die Moderation übernehmen. Gibt es keine Moderation, laufen Treffen oft chaotisch und getreu dem Motto:„Viele Köche verderben den Brei.“ Eine Moderation sorgt dafür, dass alle den Überblick haben und ihr mit eurer Arbeit entspannt und erfolgreich vorankommt. Sie sagt den Ablauf an, leitet Diskussionen und kündigt an, was als Nächstes kommt. Konkret heißt das, der_die Moderator_in führt anhand der Tagesordnung durch die Sitzung, bestimmt, wann wer spricht, und sorgt dafür, dass möglichst alle Teilnehmenden beteiligt werden. Wichtig ist ein Moderationsstil, der alle ermuntert, ihre Meinung zu sagen, aber trotzdem für Ordnung sorgen kann – also die richtige Mischung aus lockerem Plauderton und sachlicher Information. Ziele einer Moderation  Gleichberechtigung Egal, ob Schüler_innen, Schulsprecher_innen oder Lehrkräfte: Die Moderation sorgt dafür, dass jede Meinung gleich viel gilt und gehört wird. Versucht dabei ein Gleichgewicht bei den Redebeiträgen zu schaffen, indem ihr bewusst auch ruhigere bzw. jüngere Schüler_innen um ihre Meinung bittet. Baut dabei aber keinen Druck auf Einzelne auf, sprechen zu müssen. Einbindung in den Prozess  Nicht nur die Meinungen der Selbstbewussten, die ständig etwas sagen, sondern die Meinungen aller Beteiligten sind für die Gruppe wichtig. Eine gute Moderation versucht, alle in den Prozess einzubinden. Aktiviert die Teilnehmenden, indem ihr selbst mehr fragt als redet. Achtet darauf, dass durch offene Fragen Raum gegeben wird. Wer fragt, führt das Gespräch. Hört aktiv zu, lasst andere unbedingt ausreden. Vielredner_innen sollten höflich gebremst werden. Erreichen der Gruppenziele  Die Moderation achtet darauf, dass die Gruppe ihre Ziele erreicht. Ist das durch das aktuelle Geschehen in Gefahr, macht das zum Thema. Besseres Gruppengefühl  Wenn Menschen sich kennen, arbeiten sie besser zusammen und können einander leichter verstehen. Die Moderation hilft den Teilnehmenden, sich besser kennenzulernen, und schafft damit eine gute Atmosphäre in der Gruppe. Legt auch mal eine Pause ein, wenn allen die Puste ausgeht oder die Stimmung schlecht wird. Pimp my School – 1 x 1 der SV-Arbeit 117 Was müsst ihr beim Moderieren beachten?  Wichtig ist eine gute Vorbereitung der Treffen. Als Moderation solltet ihr neben der methodischen Vorbereitung auf Folgendes achten: Überblick behalten  Die Tagesordnung gibt den Fahrplan vor. Die Moderation behält immer den Überblick darüber, wie viel Zeit noch bleibt und was noch zu besprechen ist. Achtet während der Diskussion darauf, dass nicht vom Thema abgewichen wird. Fasst Beiträge nach Möglichkeit zusammen, um anderen zu erleichtern der Diskussion zu folgen. Arbeitet mit Visualisierungen  Diskussionen können schnell unübersichtlich und verworren werden. Ihr helft euch selbst und anderen, wenn ihr visualisiert, d. h. für alle sichtbar macht, wie die Diskussion verläuft. Dazu nehmt ihr euch ein Flipchartpapier und schreibt z. B. die wichtigsten Argumente oder Vorschläge auf. Achtet dabei darauf, auch Sachen zu notieren, die ihr selbst nicht gut findet. Sonst manipuliert ihr die Diskussion. Sicheres Auftreten  Damit sich die Gruppe sicher fühlt und auf die Moderation einlässt, ist ein sicheres Auftreten wichtig. Da helfen eine gute Vorbereitung und ein entspannter Umgang mit eigenen Fehlern. Sicher auftreten heißt nicht, alles gleich richtig zu machen. Sprecht lieber gemeinsam über das, was nicht so gut gelaufen ist, und lernt als Gruppe daraus! Achtet auf Blickkontakt mit den Teilnehmenden. Das schafft Vertrauen. Auf Augenhöhe arbeiten  Als Moderation müsst ihr darauf achten, dass ihr weiter ein Mitglied der Gruppe seid und keine Person, die höhergestellt ist. Seid euch eurer machtvollen Rolle bewusst und vermeidet Killerphrasen wie„das hatten wir schon“ oder„dafür haben wir eh’ kein Geld“, denn das beeinflusst die anderen sehr. Passt also auf, dass ihr nicht in eine autoritäre Lehrer_innenrolle verfallt. 4 118 Neutral sein  Als Moderation steht ihr außerhalb der Diskussion. Deshalb dürfen persönliche Meinungen keine Rolle spielen und alle Teilnehmenden werden fair und gleich behandelt. Wenn eine Person aus dem Moderationsteam eine eigene Meinung sagen möchte, muss sie das deutlich machen, z. B.:„Ich spreche jetzt nicht als Moderator_in, sondern als Schüler_in …“ Tipp  3 Wenn ihr in regelmäßigen Abständen das Moderationsteam wechselt, können unterschiedliche Menschen Moderation trainieren und ihr vermeidet das Entstehen von Hierarchien. Downloads  3 Einführung in die Moderation, Leitlinien für das Leiten von ­Diskussionen, Moderation von der Servicestelle für Jugendbeteiligung Tipp  3 Als Sitzungsleitung habt ihr das Recht, Leute für den Rest der Sitzung auszuschließen, wenn sie wiederholt stören. Wenn die SV zusammenkommt, sollten die Sitzungen so ablaufen, dass ihr konzentriert zu Entscheidungen kommen könnt, d. h. ohne Störungen von Leuten, die es eigentlich gar nicht interessiert. Co-Autor: Fabian Wanisch Pimp my School – 1 x 1 der SV-Arbeit 119 4.4.3. Methoden für Für jeden Tagesordnungspunkt einer Sitzung muss die richtige Methode gesucht werden. Dabei solltet ihr darauf achten, nacheinander unterschiedliche Methoden zu benutzen. Abwechslung schafft Motivation bei euren Mitschüler_innen. Die Methode, die ihr wählt, sollte alle einbeziehen, effektiv zu einem Ergebnis führen und nach Möglichkeit Spaß machen. Es gibt ungeheuer viele Methoden, mit denen ihr arbeiten könnt. Ihr findet hier nur eine kleine Auswahl. Download  3 Moderationsmappe für Kinder- und Jugendbeteiligung, Methoden zur Gestaltung von Treffen von der LSV Hessen, Handout Moderationsmethoden,... ZIM-Papier ZIM steht für Ziel – Inhalt – Methode. ZIM ist die wichtigste Methode zum Planen von SV-Sitzungen, SV-Seminaren oder sonstigen Treffen. Man überlegt sich dazu für jeden Tagesordnungspunkt zunächst ein Ziel, das man erreichen will. Dann wird überlegt, welcher Inhalt vermittelt werden soll, und abschließend, welche Methode sich dafür eignet, dieses Ziel mit dem festgelegten Inhalt zu erreichen. Beispiel Ziel Alle haben ihre Ideen für SV-Projekte eingebracht. Inhalt Ideen, Visionen, Träume für SV-Projekte Methode Kartenabfrage in Kleingruppen Meinungen sichtbar machen  Blitzlicht  Beim Blitzlicht wird eine Frage gestellt, die alle sehr kurz der Reihe nach beantworten sollen, z. B.:„Wie geht’s dir gerade?“ Reihum sagen alle dann einen Satz mit maximal einem „und“ drin dazu, wie es ihnen geht, z. B.:„Ich habe gute Laune und bin aber etwas müde.“ Dauer: 5–15 Minuten Kartenabfrage Bei Kartenabfragen geht es darum, das kreative Potential einer Gruppe auszuschöpfen. Mit einer Kartenabfrage können einzelne Schüler_innen ihre Meinung aufschreiben oder aber eine Gruppe. Nach dem Ausfüllen können die Karten sortiert und Gleiches oder Ähnliches zusammengestellt werden, so dass sich Kategorien ergeben(=„Clustern“). Das Ergebnis wird für alle sichtbar aufgehangen. Wichtig für das Beschreiben von Moderationskarten: max. sieben Worte auf drei Zeilen auf eine Karte, lieber Halbsätze als einzelne Schlagworte, nur einen Gedanken oder eine Idee auf eine Karte. Beispiel: Ihr seid eine Gruppe von 20 Schüler_innen. Die Gruppe wird in vier Kleingruppen von jeweils fünf Schüler_innen aufgeteilt. Jede Gruppe erhält drei Moderationskarten. Die Frage ist:„Welche Ideen für SV-Projekte habt ihr?“ Die Kleingruppen beraten sich, beschreiben ihre Moderationskarten und danach habt ihr 4 Mal 5= 20 Ideen für SV-Projekte. Durch das Zusammenfassen von ähnlichen Themen sind es am Ende dann vermutlich 12–15 Themen. Dauer: 20–30 Minuten 120 Ampelkarten Jede_r aus der Gruppe erhält eine grüne, gelbe und rote Moderationskarte. Die Moderation stellt eine Frage und die Teilnehmenden legen mit den Karten ihre Antwort. Grün bedeutet:„Ja oder sehr“. Gelb bedeutet:„Mittel, unklar oder unentschieden“ und rot:„Nein oder nicht“. Beispiel:„Ich konnte heute gut meine Ideen einbringen.“ Nun legen die Teilnehmenden ihre Karte vor sich hin. Möglich ist es auch, Mischungen zu legen, z. B. grün und gelb. Die Methode eignet sich gut für große Gruppen und macht schnell Stimmungen in einer Gruppe sichtbar. Die Moderation kann dann gezielt Schüler_innen ansprechen, die eine bestimmte Kartenfarbe gelegt haben. Dauer: 5–15 Minuten 4 Meinungsbarometer Das Meinungsbarometer bringt Bewegung in die Gruppe. Dafür wird eine Linie durch den Raum mit Kreppband geklebt. Am einen Ende wird ein A4-Zettel mit „100 %/ Ja“ ausgelegt, am anderen Ende ein A4-Zettel mit„0 %/ Nein“ und in die Mitte ein Zettel mit„50 %“. Dazwischen könnt ihr weitere Zettel mit„10 %“,„20 %“ usw. legen. Nun wird eine Frage vorgelesen, der man zustimmen oder die man ablehnen kann. Komplizierte Aussagen sollten für alle sichtbar aufgeschrieben sein. Je nachdem, wie sehr man der Aussage nun zustimmt, stellt man sich entlang der Linie auf. Die Moderation kann dann hin- und hergehen und einzelne Personen dazu befragen, warum sie jeweils dort stehen, wo sie stehen. Man muss dann natürlich nichts sagen. Die Moderation kann aber zu Beginn der Methode darauf hinweisen, dass sie vom Mitmachen lebt. Nacheinander können so mehrere Fragen bearbeitet werden. Fünf Fragen reichen allerdings. Danach wird das Stehen anstrengend. Beispiel:„Ich glaube, dass an unserer Schule alle Schüler_innen gut über ihre Rechte informiert sind.“ Nun stellen sich alle entlang der Linie auf und die Moderation kann z. B. eine Person, die eher zugestimmt hat, eine aus der Mitte sowie eine, die bei wenig Zustimmung steht, bitten, ihre Meinungen kurz zu begründen. Dauer: 10–25 Minuten Punktabfrage Durch eine Punktabfrage wird die Stimmung in einer Gruppe abgefragt. Dabei erhalten alle Teilnehmenden z. B. drei Klebepunkte und können diese auf unterschiedliche Möglichkeiten, die zur Auswahl stehen, verteilen. Gibt es z. B. fünf Möglichkeiten, so können die Punkte wie folgt verteilt werden: alle drei auf eine Möglichkeit, zwei auf eine und eine auf eine andere – oder aber alle drei Punkte auf unterschiedliche Möglichkeiten. Wenn das alle getan haben, werden die Punkte zusammengezählt und es lässt sich leicht erkennen, welche Möglichkeit gerade die größte Zustimmung hat. Dauer: 10 Minuten Diskussionen führen  Große Gruppen werden manchmal von wenigen Menschen oder wenigen Ideen dominiert, was die Kreativitat und Teilnahme der anderen hemmt. Hier ein paar Alternativen dazu: Kleingruppen Kleingruppen sollten aus drei bis sechs Personen bestehen. Die Kleingruppenarbeit hat den großen Vorteil, dass der_die Einzelne mehr Zeit zum Sprechen hat, sie weniger einschüchtert als die Arbeit in der großen Gruppe und sehr effektiv ist. Kleingruppen können parallel zum selben Thema arbeiten oder aber unterschiedliche Aufträge bekommen. Wichtig ist, dass ihr Kleingruppen, bevor es losgeht, einen sehr klaren Arbeitsauftrag gebt, z. B.:„Diskutiert, welche Ziele die SV nächstes Schuljahr verfolgen soll. Macht drei Vorschläge, schreibt sie auf Moderationskarten und bereitet euch darauf vor, sie in der Pimp my School – 1 x 1 der SV-Arbeit 121 großen Gruppe kurz vorzustellen. Ihr habt dafür 20 Minuten Zeit.“. Die Ergebnisse werden für alle sichtbar aufgehangen und die Gruppen können kurz etwas zu ihren Ergebnissen sagen. Dauer: 30 Minuten Das World Café funktioniert gut für 15– 30 Personen. In einem Raum werden unterschiedliche Tischgruppen aufgestellt, z. B. vier Tische mit jeweils vier bis sechs Stühlen drum herum. Auf jeden Tisch wird ein leeres Plakat mit einer Frage und Eddings gelegt, z. B.: - Welche neuen Ideen für Projekte habt ihr? - Was stört euch gerade an der Schule? - Was gefällt euch besonders gut an der Schule? - Was für Ideen habt ihr, wie wir uns besser kennenlernen können? An jeden Tisch setzt sich eine gastgebende Person, die die Tischarbeit begleitet. Alle Teilnehmer_innen können sich nun an einen Tisch setzen, dessen Frage sie gerade am meisten interessiert, und an dem Tisch wird diskutiert. Alles, was gesagt wird und wichtig erscheint, wird auf dem Poster des Tisches notiert – also all eure Ideen, Gedanken und Meinungen zu dem Thema. Nach sechs bis acht Minuten ertönt ein Geräusch, das ein Zeichen ist, dass man den Tisch wechseln kann, wenn man will. Nach ca. 25–30 Minuten wird die Arbeit beendet. Es schließt sich eine Lesephase an, in der alle lesen können, was in der Zwischenzeit aufgeschrieben wurde, als sie an einem anderen Tisch waren. Einzelne Plakate können in der großen Gruppe noch einmal kurz besprochen und dann damit weitergearbeitet werden. Dauer: 45 Minuten Placemet Ein Poster wird in vier bzw. fünf Teile geteilt: vier Felder um ein Feld in der Mitte herum. Vier Personen setzen sich nun um das Poster und bekommen den Auftrag, sich Gedanken zu einem vorgegebenen Thema zu machen. Alles, was ihnen dazu durch den Kopf geht, können sie in das Feld schreiben, das vor ihnen liegt. Anschließend wird das Blatt um 90° gedreht, so dass jede_r das Geschriebene des_der Nachbar_in lesen kann. Das kann nun kommentiert und ergänzt werden. Dies wird so lange wiederholt, bis jede_r wieder vor dem eigenen Bereich sitzt. Dann soll die Gruppe überlegen, auf was sie sich als gemeinsames Arbeitsergebnis in Bezug auf die Fragestellung einigen kann. Diese Punkte werden in die Mitte geschrieben. Dauer: 40 Minuten Download  3 Anleitung Placemet Redeliste  Bei einer Diskussion mit Redeliste wird in die Runde gefragt:„Wer möchte etwas zu der Frage sagen?“ Daraufhin können sich alle melden und werden aufgeschrieben. Sie können dann den Arm wieder herunternehmen und dürfen sprechen, wenn die Person, die die Redeliste führt, sie aufruft. Wenn sich während der Diskussion neue Menschen melden, werden diese unten auf die Liste geschrieben. Die Moderation kann dann irgendwann sagen, dass die Redeliste nun geschlossen wird, dann werden noch alle, die auf der Liste stehen, abgearbeitet. In größeren Gruppen ist es manchmal so, dass die Jungen Diskussionen dominieren und Mädchen sich dann eher zurückziehen. Daher gibt es auch Schülervertretungen, die mit einer sog.„quotierten Redeliste“ arbeiten. Das bedeutet, dass zwei ­Redelisten geführt werden und abwechselnd ein Mädchen und ein Junge sprechen dürfen. Fishbowl Der Fishbowl ist eine Möglichkeit, sehr effektiv eine Diskussion in einer großen Gruppe zu führen. Dazu werden mit Stühlen ein Innen- und ein Außenkreis gebildet. Der Innenkreis sollte max. fünf Stühle enthalten. Der Außenkreis kann bis zu 30 Stühle haben. Im Innenkreis wird die Diskussion geführt. Der Außenkreis hört zu und unterstützt damit die Diskussion. Zu Beginn setzen sich Freiwillige in die Mitte und lassen dabei einen Stuhl frei. Dann wird in der Mitte begonnen, über eine vorgegebene Frage zu diskutieren. Hat jemand 4 122 aus dem Außenkreis Lust mitzudiskutieren, so setzt er_sie sich auf den leeren Platz in der Mitte. Das bedeutet, dass jemand anders aus der Mitte den Kreis verlassen muss und sich nach außen setzt. Die neue Person steigt dann einfach in die Diskussion ein. Ein Stuhl muss in der Mitte immer freibleiben, so dass Interessierte stets reinwechseln können. Natürlich ist es auch möglich, freiwillig wieder nach außen zu gehen, wenn man den Eindruck gewinnt, alles gesagt zu haben, was man sagen wollte. Der Vorteil bei einem Fishbowl ist, dass nur wenige diskutieren und die Diskussion sehr effektiv verläuft, gleichzeitig aber niemand ausgeschlossen wird, weil sich jede_r in die Mitte setzen kann, wenn er_sie das will. Dauer: 25–35 Minuten Kugellager Beim Kugellager stehen sich ein Innen- und ein Außenkreis an Personen gegenüber. Im Innen- und im Außenkreis muss die gleiche Anzahl von Personen stehen, so dass jede_r ein_e Partner_in hat. Nun wird eine Frage gestellt, die jeweils von den beiden Partner_innen besprochen wird. Dafür können ein bis zwei Minuten Zeit gegeben werden. Danach dreht sich ein Kreis um eine Position, so dass jede_r jetzt vor jemand anderem steht. Nun sprechen die neuen Paare zu einer neuen Frage miteinander. Das kann 5- bis 8-mal wiederholt werden, bis möglichst viele miteinander gesprochen haben. Aufeinander­ folgende Fragen könnten z. B. sein:„Was bedeutet SV-Arbeit für mich? Was wäre der größte Erfolg für unsere SV-Arbeit? Welche Ideen für SV-Projekte hast du? Wie viel Zeit hast du im nächsten halben Jahr für SV-Arbeit? Was kannst du gut, was uns helfen könnte?“... Dauer: 20 Minuten Ruherituale  Es gibt Gruppen, denen dabei geholfen werden muss, ruhig zu werden. Dafür können Ruherituale eingeführt werden. Nach dem Ritual soll Ruhe einkehren. Möglich sind: pp eine Klangschale, pp gemeinsames Klatschen eines festgelegten und eingeübten Rhythmus. Am Ende sind dann alle still. Alle, die bei Beginn noch sprechen, sind eingeladen, in den Rhythmus einzusteigen – bis alle mitmachen, pp Heben der Hand. Alle, die die Hand heben, zeigen damit, dass sie nicht mehr sprechen. Irgendwann sind alle Hände gehoben und es kann weitergemacht werden, pp „Hallo, hallo.“ Laut wird in die Runde gerufen:„Hallo, hallo?“ Die Gruppe antwortet lautstark gemeinsam mit„HALLO! HALLO!" Pimp my School – 1 x 1 der SV-Arbeit 123 4.4.4. Faire Entscheidungsfindung in Gruppen  Hinweis: Dieser Text ist etwas komplizierter und besonders für Schüler_innen gedacht, die schon einige Erfahrung mit SV-Arbeit haben. Wenn euch die Zufriedenheit eurer SVler_innen wichtig ist, so solltet ihr darauf achten, dass ihr Entscheidungen fair trefft. Sonst ziehen sich Aktive früher oder später zurück und Frustrationen entstehen. Die meisten in der Praxis getroffenen Entscheidungen sind keine fairen Entscheidungen, weil wesentliche Schritte der Abfolge hier drunter oft nicht bekannt sind. Checkliste: Faire Entscheidungsfindung  Es wird eine zu entscheidene Frage gestellt, mit der alle einverstanden sind und die für alle sichtbar aufgeschrieben wird. Es werden offene W-Fragen gestellt und beantwortet, die helfen sollen, das Problem bzw. Thema zu verstehen. Wer? Was? Wann? Wo? Warum? Wie? Es werden alle Informationen gesammelt, die es über das Thema gerade gibt. Es sollen alle alles wissen, was für die Entscheidung wichtig ist. Alle können ihre Gefühle, Sorgen und Meinungen zum Ausdruck bringen. Es geht hier nicht um Lösungsvorschläge, sondern darum zu klären, wie alle zum Thema stehen. So soll sichergestellt werden, dass alle verstehen, was das Thema für die anderen bedeutet. Selbst wenn das Ergebnis nicht allen gefallen wird, wird es ihnen leichterfallen, es zu akzeptieren, wenn sie sich„gehört“ und verstanden fühlen. Hier können unterschiedliche Methoden benutzt werden. Es werden Vorschläge zur Lösung gesammelt. Bei allen Vorschlägen werden Vor- und Nachteile schriftlich und für alle sichtbar gesammelt. Alles soll auf den Tisch kommen, so dass sich jede_r gleichberechtigt eine Meinung bilden kann und nicht Einzelne durchsetzen können, indem sie Nachteile ihrer Lieblingslösung verschweigen. Wenn möglich, werden Vorschläge kombiniert. Die Leitfrage dabei ist: „Welche Lösung ist für die gesamte Gruppe die beste?“ statt:„Welche ist für mich(oder meine Partei) am besten?“ Dabei wird darauf geachtet, die Wünsche und Bedürfnisse möglichst vieler zu beachten. Diese Vorschläge werden für alle sichtbar aufgeschrieben. 124 Das Ergebnis wird von allen bewertet mit: - einfacher Mehrheitsentscheidung, - gewichteter Mehrheitsentscheidung, - gleich vielen Stimmen für jede Möglichkeit, - 1-2-3-Verfahren. 4 Die unterlegenen Minderheiten werden gefragt:„Wie geht‘s euch mit dem Ergebnis?“ Entscheidungsverfahren  Einfache Mehrheitsentscheidung: Dieses Verfahren kennen alle. Es ist die einfachste Methode, die man anwenden kann. Leider wird sie fast immer und überall unhinterfragt eingesetzt. Jede_r hat dabei eine Stimme. Die Lösung mit den meisten Stimmen gewinnt. Gewichtete Mehrheitsentscheidung: Jede_r hat eine festgelegte Anzahl von Stimmen, z. B. fünf. Diese fünf Stimmen dürfen frei verteilt werden, z. B. gibt man einer Lösung zwei Stimmen, einer zweiten Lösung zwei Stimmen und einer dritten Lösung nur eine Stimme. Gewählt ist die Lösung mit den meisten Stimmen. Es empfiehlt sich dazuzusagen, dass max. 3 Stimmen auf eine Lösung vergeben werden können, weil sonst einige ihrer Lieblingslösung alle fünf Stimmen geben könnten und so das Ergebnis maßgeblich in ihre Richtung beeinflussen würden. Gleich viele Stimmen für jede Möglichkeit: Für jede Möglichkeit kann man genau eine oder gar keine Stimme vergeben. Das heißt, wenn ich von fünf Kandidat_innen z. B. vier gut finde, kann ich allen vier jeweils genau eine Stimme geben. Nur dem_der fünften keine. Gewählt ist die Lösung mit den meisten Stimmen. 1-2-3: Jede Möglichkeit wird einzeln von allen bewertet: Dabei kann man pp eine 1 vergeben(= Diese Lösung finde ich super.), pp eine 2(= Diese Lösung finde ich okay/naja.) oder pp eine 3(= Diese Lösung finde ich nicht so gut.). Dafür werden alle Möglichkeiten untereinander geschrieben und neben jeder Möglichkeit wird ein Rechteck eingezeichnet. Dann werden die Teilnehmenden gebeten, für jede Möglichkeit eine 1, 2 oder 3 zu vergeben und jeweils in die Rechtecke einzutragen, d. h., jede_r bewertet jede Möglichkeit. Es ist wichtig, dass sich für jede Lösung tatsächlich alle eintragen, weil sonst das Ergebnis verfälscht wird. Die Punkte für jede Möglichkeit werden zusammengezählt. Die Lösung mit den wenigsten Punkten ist gewählt. Pimp my School – 1 x 1 der SV-Arbeit 125 Was ist ein fairer Kompromiss?  Das Wort Kompromiss hat keinen guten Ruf. Kein Wunder. Oft bedeutet Kompromiss, dass Einzelne viel von dem bekommen, was sie wollten, und andere eher wenig. Das ist ein„fauler“ Kompromiss. Ein fairer Kompromiss zeichnet sich dadurch aus, dass sich die Beteiligten gleichmäßig einschränken, d. h., dass z. B. beide Parteien 70 % von dem bekommen, was sie eigentlich wollten. Ein solcher Kompromiss steht meist auf deutlich stärkeren Beinen, weil man nicht den Eindruck hat, den Kürzeren gezogen zu haben. Download  3 Die vier Schritte einer demokratischen Entscheidung Konsens und Basisdemokratie  Demokratie ist nicht das Gleiche wie Mehrheitsentscheidungen. Die meisten kennen einfach nichts anderes, und so wird munter immer weiter mit der einfachen Mehrheitsentscheidung gearbeitet. Dabei gibt es auch Konsensverfahren, mit denen effektiv Entscheidungen getroffen werden können. So lernen Gruppen achtsamer miteinander umzugehen anstatt dass jede_r einfach die eigene Meinung durchdrückt. Ansprechpartner  3 Felix, bietet Workshops zum Thema faire Entscheidungsfindung in Gruppen an: Felix.Scheel@gmx.net 126 4.5. Projekte  4 4.5.1 Die vier Phasen eines Projekts  Ein Projekt ist ein Vorhaben, bei dem es ein eindeutiges Ziel gibt, das erreicht werden soll. Außerdem gibt es einen klaren Startzeitpunkt und ein klares Ende, nach dem das Projekt abgeschlossen ist. Die Umsetzung von Projekten hat vier Phasen: die Vorbereitung, die Planung, die Durchführung sowie die Nachbereitung. In jeder Phase sind bestimmte Dinge zu beachten. Wenn ihr euch vor Projektbeginn ausführlich Gedanken über diese Dinge macht, erspart ihr euch später Frust und macht es wahrscheinlicher, dass das Projekt zu einem guten Abschluss kommt. Ihr könnt Hindernisse eures Projekts viel schneller erkennen und schon früh überlegen, wie ihr sie meistert. Download  3 mehrere Skripts zu den Grundlagen von Projektmanagement, Planung eines Projekts, Aktionsplaner für SV-Projekte Phase 1: Vorbereitung  Projektidee finden  Am Anfang steht immer eine Idee. Ideen können z. B. sich auf einem SV-Seminar entwickeln oder durch Anregungen, die man von Freund_innen anderer Schulen hört. Sucht euch dabei Projekte aus, die machbar sind. Nichts ist schlimmer als das ständige Gefühl:„Das schaffen wir nie!“ Weiterlesen  3 Ideenfindung: Wie kommen wir zu Projekten?, S. 131 Team finden  Habt ihr eine Idee, so solltet ihr als Nächstes Verbündete suchen und euch zu einem Projektteam zusammentun(3 – 9 Leute). Diese Gruppe arbeitet von nun an verbindlich zusammen und trifft sich regelmäßig, um das Projekt durchzuführen. Folgende Dinge sind in dieser Phase wichtig: pp Lernt euch mehr kennen. Das schafft Vertrauen und Motivation für die gemeinsame Arbeit. pp Klärt, wer den Hut aufhat, d. h. wer die Hauptverantwortlichen sind(am besten zwei Personen). Die beiden passen auf, dass die Gruppe nicht einschläft und erinnern z. B. kurz vorher an Treffen oder Vereinbarungen. pp Klärt Erwartungen ans Projekt und an die Gruppe. Legt fest, wie ihr miteinander umgehen wollt. Pimp my School – 1 x 1 der SV-Arbeit 127 pp Besprecht, wie ihr außerhalb eurer Treffen miteinander in Kontakt bleiben wollt, z. B. über whatsapp. pp Klärt, wann und wo ihr euch trefft. Trefft euch am besten regelmäßig. Wichtig ist, dass nicht zu viel Zeit zwischen den Treffen vergeht, weil ihr sonst vieles wieder vergessen habt und auch irgendwann die Luft raus ist. Ziele definieren Zu Beginn solltet ihr das genaue Ziel eures Projekts klären. Sonst kann es passieren, dass ihr doch nicht an einem Strang zieht oder immer wieder lange Diskussionen oder Konflikte habt. Hilfreich kann es dafür sein, pp die W-Fragen zu beantworten(Wer? Was? Wann? Wo? Warum?), pp die Frage,„Was soll nach dem Abschluss unseres Projekts anders sein als vorher?“, zu beantworten oder pp die SMART-Methode zu verwenden. Weiterlesen  3 Methoden für Projektarbeit, S. 133 Recherche  Ganz bestimmt seid ihr nicht die Ersten, die versuchen, ein solches Projekt auf die Beine zu stellen. Um sich nachher nicht zu ärgern, dass die Arbeit doppelt gemacht wurde, oder aber um Tipps zu bekommen, solltet ihr herausfinden, was es über ähnliche Projekte zu wissen gibt. Möglich sind dabei: Freund_innen von anderen Schulen, Eltern und Lehrer_innen fragen oder aber im Internet suchen. Phase 2: Planung  In dieser Phase geht es darum, das Projekt hieb- und stichfest zu machen, d. h. zu durchdenken, von allen Seiten zu beleuchten, Stolpersteine zu erkennen und Lösungen für aufkommende Probleme zu finden, bevor sie euch ein Bein stellen. Zeitplanung  Wie viel Zeit man eigentlich braucht, wird oft falsch eingeschätzt. Das konntet ihr gut beim Bau des Flughafens BER beobachten. Eigentlich braucht man immer länger, als man denkt! Macht euch realistische Zeitpläne, denn sonst wird es stressig. Hilfreich kann es sein, wenn ihr sogenannte„Meilensteine“ festlegt, d. h. Teilziele eures Projekts, die jeweils bis zu einem bestimmten Zeitpunkt erfüllt sein sollen. Das Erreichen dieser Meilensteine motiviert schon vor dem Erreichen des großen Ziels, und ihr merkt, dass es vorangeht. 4 128 In dieser Phase ist es wichtig, dass ihr pp den genauen Projektzeitraum festlegt, pp euch erkundigt, welche Fristen eingehalten oder welche sonstigen Termine beachtet werden müssen, pp überprüft, wie viel Zeit ihr wirklich zur Verfügung habt, z. B. könnte sich herausstellen, dass ihr zur geplanten Hochphase eures Projekts fast alle gar keine Zeit habt, pp Pufferzeit für unvorhergesehene Dinge einplant. Finanzplanung  Überlegt, was für euer Projekt alles gebraucht wird. Dann stellt euch folgende Fragen: Was davon gibt es kostenlos? Wie viel kostet was? Woher bekommen wir das Geld? Welche Sponsoren oder Fördermittelgeber gibt es, die in Frage kommen? Weiterlesen  3 Finanzierung, S. 136 Konzept schreiben  Ein Konzept ist ein Dokument, in dem die wichtigsten Informationen über die Umsetzung eines Projekts beschrieben werden. Ein Kurzkonzept sollte maximal eine A4-Seite lang sein und die wichtigsten Informationen aus den vorigen Schritten enthalten. Es dient u. a. dazu, dass sich Interessierte in kurzer Zeit vom Projekt ein Bild machen können. Ein Konzept beinhaltet mindestens folgende Angaben: pp Projektname, pp Kurzbeschreibung in drei Sätzen, pp wer das Projekt macht, pp Ziele des Projektes und die Zielgruppe, pp Argumente für das Projekt, pp Zeitplan mit Start- und Enddatum, pp Finanzplan, pp welche Aktionen geplant sind. Pimp my School – 1 x 1 der SV-Arbeit 129 Partner_innen und Unterstützer_innen finden  Meist braucht man etwas Unterstützung von anderen. Also solltet ihr überlegen wer aus eurem direkten Umfeld euch helfen kann, bei welchen Teilen des Projekts ihr Unterstützung von außen braucht und welche Partner_innen ihr mit ins Boot holen wollt. Aufgaben verteilen  Jetzt geht es langsam darum,„Nägel mit Köpfen“ zu machen und Verantwortlichkeiten zu verteilen. Ihr solltet nun überlegen: Welche Aufgaben fallen an? In welche Bereiche können wir die Aufgaben aufteilen? Wer trägt die Verantwortung für welche Unterbereiche und Aufgaben? Achtet dabei darauf, dass ihr die Aufgaben gleichmäßig verteilt und auf eure Grenzen achtet. Wenn ihr merkt, dass ihr eigentlich überlastet seid, sagt nein. Wenn ihr ein großes Projekt plant, das viel Vorarbeit braucht, nehmt euch bei euren Treffen regelmäßig Zeit, um die Entwicklung des Projekts zu beurteilen. Dabei merkt ihr schnell, ob ihr vielleicht die Zeit oder die Finanzen falsch eingeschätzt habt. Dann könnt ihr die Pläne verändern und darauf reagieren. Bei regelmäßigen Treffen hilft es auch, wenn ihr euch eine kleine Tagesordnung gebt und wenn jemand für die Moderation zuständig ist. Download  3 Checkliste Moderation von Projektgruppentreffen Phase 3: Durchführung  Egal, wie gut die Planung auch ist, es läuft eigentlich immer ein bisschen anders als erwartet. Seid darauf vorbereitet, indem ihr z. B. Springer_innen habt, die sich um unerwartete Probleme kümmern. Habt pro Aufgabenbereich immer mindestens eine Person, die den Überblick behält. Außerdem solltet ihr euch jetzt auch schon um die Dokumentation und Berichterstattung kümmern. Macht Fotos, filmt oder schreibt ein Projekttagebuch. Vergesst nicht, während der Projektdurchführung euer Projekt zu genießen! Phase 4: Hui. Euer Projekt ist geschafft! Glückwunsch! Die Nachbereitung kommt bei vielen Projekten zu kurz. Dabei ist sie sehr wichtig. Sie ermöglicht euch, gemeinsam zu lernen, dass ihr euch belohnt, durchatmet, Kraft tankt und euch(gegenseitig) auf die Schultern klopft. 4 130 Dokumentation und Auswertung  Dokumentation bedeutet, dass ihr alles Material, das während des Projekts entstanden ist, zusammenstellt und in einem Ordner abheftet. Das könnt ihr für die Öffentlichkeitsarbeit des Projekts nutzen und es hilft den Nächsten, die ein solches Projekt umsetzen wollen. Auswerten hilft beim persönlichen Weiterlernen und soll verhindern, dass beim nächsten Mal dieselben Fehler wiederholt werden und/oder das Rad immer wieder neu erfunden werden muss. Ihr könnt dabei folgende drei Schritte gehen und dokumentieren: pp Was lief richtig super? Welche kleinen und großen Erfolge hatten wir? pp Welche Stolpersteine gab's, die beim nächsten Mal vermieden werden können? pp Welche Tipps und Tricks wären fürs nächste Mal hilfreich? Tipp  3 Toll ist es, wenn ihr eure Erkenntnisse auch anderen Schüler_innen außerhalb eurer Schule zur Verfügung stellt und Material ins SV-Archiv hochgeladen wird: sv-handbuch@gmx.de Feiern und danke sagen  Nach einem abgeschlossenen Projekt ist es Zeit, dass ihr feiert! Ganz bestimmt gab es während des Projekts auch mal stressige Momente, wo nicht alles so geklappt hat wie gewünscht. Das könnt ihr nun hinter euch lassen, durchatmen und gemeinsam Spaß haben – Zeit, Energie zu tanken. Damit andere euch beim nächsten Mal auch gern unterstützen, dankt ihnen, vielleicht ja sogar mit einem kleinen Dankeschöngeschenk. Weiterlesen  3 Anerkennung und Wertschätzung, S. 108 Pimp my School – 1 x 1 der SV-Arbeit 131 4.5.2. Ideenfindung: Wie kommen wir zu Projekten?  Geschickt ist es, wenn euch Ideen immer nebenbei und„von alleine“ erreichen können, z. B. mit dem SV-Briefkasten, Umfragen oder aber Abfragen bei öffentlichen Anlässen. Wenn ihr z. B. die SV-Arbeit beim Sommerfest mit einem Stand präsentiert, könntet ihr ein Plakat aufhängen mit den Fragen:„Was für Ideen für neue SV-Projekte hast du?, Was soll sich an unserer Schule ändern?“ Eine weitere einfache Möglichkeit ist, selbst im Netz zu surfen und dabei nach Stichwörtern wie„Schülervertretung“,„Facebook“ und„SV-Projekte“ zu suchen. Das ist sehr ergiebig. Sehr anregend kann es sein, wenn ihr auf eure SV-Sitzung aktive Schülervertreter_innen aus anderen Schulen einladet und einfach mal erzählen lasst. So könnt ihr hautnah erleben, was alles möglich ist. Weiterlesen  3 Einblick in aktive Schülervertretungsarbeit, S. 9, Vernetzung, S. 168 Warum Methoden zur Ideenfindung einsetzen?  Manchmal wird in die Runde gefragt:„Und was habt ihr für Ideen?“ Oft kommen dann keine oder immer die gleichen Vorschläge. Oder aber es wird eine Idee in die Runde geworfen und so lange in großer Runde ausdiskutiert, bis keine_r mehr Lust darauf hat. Das ist kein Zeichen dafür, dass ihr unkreativ seid. In beiden Fällen wurde nicht ansatzweise das Potential genutzt, das in eurer Gruppe steckt! Leider ist das Diskutieren in einer großen Runde, wo abwechselnd irgendwer was sagt, eine der verbreitetsten Methoden, um in großen Gruppen Diskussionen zu führen. Diese Methode ist aber auch eine der ineffektivsten und unkreativsten, um den Ideenreichtum einer Gruppe auszuschöpfen. Die folgenden Methoden können euch vielleicht weiterhelfen. Sie sind sortiert von einfach umsetzbar hin zu aufwändiger. Brainstorming Brainstorming bedeutet eigentlich, laut zu denken. Die Moderation bereitet ein Plakat vor und fragt dann in die Gruppe, welche Ideen es gibt. Diese werden alle unkommentiert aufgeschrieben. Wichtig ist, dass„alles sein darf“. Das Brainstorming ist eine Kreativitätsmethode. Die Phantasie soll angeregt werden und dabei können ungeahnte Dinge entstehen. Sätze wie„Das geht nicht“ sind hier also fehl am Platz. Eine weitere Möglichkeit liegt darin, dass es unterschiedliche Plakate gibt, die im Raum verteilt aufgehängt sind, z. B. ein Plakat zu Ideen zum Schulhaus, eines zum Umgang miteinander, eines zum Unterricht. Alle haben dann 15 Minuten Zeit, von Plakat zu Plakat zu gehen und ihre Ideen selbst einzutragen. Dauer: 10 – 15 Minuten Brainwriting Das Brainwriting ist eine Methode, die viel Spaß macht. Dafür werden unterschiedliche Tische aufgestellt, um die jeweils vier bis fünf Stühle stehen. Nun bilden sich Kleingruppen, die sich jeweils um einen Tisch setzen. Auf den Tischen liegen viele leere A4-Zettel. Die Fragestellung ist auch wieder, welche Ideen ihr habt. Dann nimmt man sich für eine Idee, die man hat, einen leeren A4-Zettel und schreibt in die Mitte die eigene Idee auf(ruhig auch einen oder zwei Sätze dazu). Ihr sollt dabei eurer Phantasie freien Lauf lassen und euch ruhig auch„ausspinnen“. Dann gibt man den Zettel an den_die Nachbar_in rechts weiter. Wenn diese_r auch einen Zettel geschrieben hat, gibt er_sie den eigenen Zettel ebenfalls nach rechts weiter. Nun kann man den Zettel, den man neu von einer anderen Person bekommen hat, kommentieren oder mit eigener Phantasie weiterentwickeln. Das 4 132 wird aufgeschrieben und der Zettel wiederum weitergegeben. So werden Zettel immer weitergegeben und Ideen immer weitergesponnen. Wenn du gerade damit beschäftigt bist, eigene Gedanken aufzuschreiben, musst du die ankommenden Zettel aber nicht lesen. Du kannst sie auch ungelesen weitergeben. Wenn ein Zettel eine Runde rum ist, aber niemand mehr was aufschreiben möchte, wird der Zettel in die Mitte gelegt. So entsteht dort ein Stapel von tollen Ideen! Werden die Stapel der unterschiedlichen Kleingruppen danach zusammengeführt, so habt ihr richtig viele Ideen in kurzer Zeit entwickelt! Dauer: 30 – 45 Minuten Traumschule Bei einer Traumschule entwerfen kleine Gruppen gemeinsam die Schule ihrer Träume. Die Fragen dazu sind:„Wie kann eure Schule mehr die Schule eurer Träume werden?, Wie muss sie sein, dass alle Schüler_innen und ihr selbst gern in die Schule kommen und Lust auf Lernen haben?“ Dann soll diese Schule gestaltet werden, z. B. auf Postern mit allerlei Collagematerial(Zeitschriften). Dabei soll auch gedacht werden an: die Stimmung und den Umgang in den Klassen, Klassenräume, den Schulhof, Lehrer_innen oder die Unterrichtsinhalte. Es ist erlaubt und erwünscht, dass wirklich geträumt wird und auch absurde Ideen einfließen. Danach stellen alle Kleingruppen ihre Traumschule vor und die Ideen werden gesammelt. Diese Visionen werden nun gemeinsam übersetzt, um sie in reale Projektideen umzuwandeln. Dazu kann gefragt werden, was hinter den Wünschen steht bzw. wie die Ideen realistisch werden können. Bsp.: Ein Schwimmbad auf dem Dach könnte übersetzt bedeuten, dass es mehr Freizeitmöglichkeiten geben soll. Oder McDonald’s kann bedeuten: gutes Essen in der Mensa. Dauer: 2 ½ – 6 Stunden Download  3 Anleitung einer Traumschule Zukunftswerkstatt Die Zukunftswerkstatt ist eine Methode um über die Zukunft der Schule oder der SV nachzudenken. Sie gliedert sich in drei große Phasen. In Phase 1, der Kritikphase sind die Leitfragen: Welche Kritik habt ihr? Was nervt? Was stört? Das kann als Bild gestaltet werden, als Brainstorming, als Theaterstück, als Collage, als Kartenabfrage, … – Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. Hauptsache alle können mal loswerden, was sie gerade stört. Die Ergebnisse werden der Gruppe vorgestellt und Kritikpunkte gemeinsam gesammelt. In Phase 2, der Phantasie-/Utopiephase ist die Leitfrage: Wenn ihr alles Geld der Welt und alle Macht der Welt habt, wie würde dann die Lösung der angesprochenen Probleme aussehen? Auch hier kann wieder sehr kreativ gearbeitet werden und die Ergebnisse werden präsentiert und anschließend gemeinsam gesammelt. In Phase 3, der Realisierungsphase, sind die Leitfragen: Wie können die Träume in realistische Projekte umgesetzt werden? Wie können wir unsere Ziele schrittweise erreichen? Hier ist vor allem„Übersetzungsarbeit“ zu leisten, d. h. die größte Herausforderung ist es nicht bei den phantastischen Ideen stehen zu bleiben, sondern sie in realisierbare Projekte umzuwandeln, die der Gruppe entsprechen. Zukunftswerkstätten können mit 15-100 Leuten durchgeführt werden und brauchen eine gute Moderation. Dauer: 5 Stunden – 2 Tage Downloads  3 Anleitung einer Zukunftswerkstatt Web  3 Zukunftswerkstatt, die mit einer ganzen Schule umgesetzt wurde: www.ganztagsschulen.org/3754.php Pimp my School – 1 x 1 der SV-Arbeit 133 4.5.3. Methoden für Projektarbeit  Es gibt eine Vielzahl an Methoden, die bei der Projektarbeit hilfreich sein können. Hier findet ihr eine Auswahl von häufig verwendeten Methoden. Download  3 Weitere Methoden zum Projektmanagement, Checkliste Projektarbeit, ­Handouts Problembearbeitung, Analyse von Projekten Ziele finden  Reality-Check Jede_r aus der Gruppe beurteilt die Fragen,„Wie realistisch findest du unser Vorhaben?“ und„Wie viel Energie kannst du in unser Projekt stecken?“, zusammen mit einem Wert zwischen 0 und 10. Wie wahrscheinlich euer Projekt ist, ergibt sich dann mit folgender Formel: (Summe der Werte aller Teilnehmenden/Anzahl der Personen) x 10. Beispiel: Mohammad, Céline und Chantal sind Teil der Projektgruppe und vergeben die Punktzahlen 7, 8 und 9. Dann sind das(7+ 8+ 9)/ 3 x 10= 80% Dauer: 15 Minuten SMART SMART ist eine Projektmanagementmethode, die auch in der Wirtschaft verwendet wird. Ein Ziel, das formuliert wird, muss bestimmten Kriterien entsprechen. Ist es„s“pezifisch, d. h. genau formuliert? Ist es„m“essbar, d. h., kann am Ende überprüft werden, ob es ganz oder zum Teil erreicht wurde(Trick: Zahlen einbauen). Gemeint ist, dass es nicht Auslegungssache ist und die eine Person ja und die andere nein sagt. Ist es„a“ttraktiv, d. h., ist es so motivierend, so dass ihr wirklich Lust habt, es zu erreichen? Ist es„r“ealistisch, d. h. mit euren Fähigkeiten und zeitlichen Ressourcen erreichbar? Ist es„t“erminiert, d. h., habt ihr eine Deadline festgelegt, bis zu der das Projekt abgeschlossen sein soll? Beispiel: Die Formulierung:„Alle Schüler_innen sollen sich mit SV-Recht gut auskennen“, ist demnach nicht SMART. Sie ist nicht messbar und nicht terminiert – die Formulierung:„Nach dem SV-Seminar sollen alle Schüler_innen mindestens zwei SV-Rechte ohne Nachsehen benennen können“, schon. Dauer: 20 Minuten Projektplanung  Mind-Map Mindmaps sind eine Möglichkeit, Gedanken strukturiert auf Papier zu bringen. Dabei werden in die Mitte das Thema oder der Oberbegriff geschrieben, z. B. der Name des Projekts. Daran knüpfen sich unterschiedliche Ideen oder Aspekte, die man bedenken muss, an. Diese werden um den Oberbegriff angeordnet, wenn ihr Lust habt, mit Pfeilen und Strichen verbunden. Aus den Unterpunkten ergeben sich dann weitere Verästelungen, die wiederum neu verschriftlicht werden können, z. B. bei Unterstützer_innen, Lehrer_in A, Lehrer_in B... Dauer: 20–30 Minuten 134 ZWUP Ziele Unterstützer_innen Probleme Wege 4 ZWUP ZWUP steht für Ziele, Wege, Unterstützer_innen und Probleme. Die Methode hilft dabei, ein Projekt zu Beginn besser einzuschätzen. Dabei wird in fünf Schritten vor­gegangen: - Was sind die Ziele eures Projekts? - Auf welchen Wegen kommt ihr zu diesem Ziel, d. h. was muss alles gemacht werden, um die Ziele zu erreichen? - Welche Probleme könnten euch dabei begegnen? Dabei könnt ihr auch darüber nachdenken, was alles gegen das Projekt spricht. - Wenn die Probleme alle gesammelt sind, geht‘s zurück zu den Wegen. Überlegt, mit welchen neuen Wegen die Probleme überwunden werden können. - Wer könnte das Projekt alles gut und unterstützenswert finden? Bei allen Punkten ist es wichtig, sehr konkret zu sein und nicht allgemein zu bleiben. Bei der Projektumsetzung habt ihr nichts davon, wenn bei den Unterstützer_innen z. B.„Lehrer_innen“ steht. Hilfreicher ist es, wenn ihr ganz genau schreibt, welche Lehrer_innen vielleicht ansprechbar sind. Dauer: 30 Minuten Download  3 Vorlage ZWUP Prototypen Prototypen bauen bedeutet, dass man das, was man plant, einfach mal in klein schon ausprobiert. Zum Beispiel können für ein Projekt zur Umgestaltung des Schulhofes Ideen gesammelt werden und dann wird der neu gestaltete Schulhof als kleine Miniaturvariante gebaut! Der Vorteil dabei ist, dass man auf eine unverkopfte Art und Weise ins Gespräch kommt und sich das Projekt durch eure Gespräche darüber weiterentwickelt. Außerdem wird das Projekt dadurch automatisch realistischer und ihr kommt der realen Umsetzung näher. Das Bauen von Prototypen muss keine umfangreiche Kunstaktion sein. Besorgt euch einfach ein bisschen Material, z. B. Zeitschriften, Klebeband, Stifte, Pappe, und los geht’s. Wenn ihr merkt, dass ihr euren Prototyp mögt, kann dieser auch getestet werden, indem ihr euch Rückmeldungen von Mitschüler_innen und Lehrer_innen holt. Diese Rückmeldungen können dann verwendet werden, um das Projekt weiterzuplanen oder aber neue Prototypen zu bauen. Dauer: 30 Minuten – 2 Stunden Pimp my School – 1 x 1 der SV-Arbeit Handlungsplan Ein Handlungsplan ist dafür da, Aufgaben zu verteilen und Verantwort­ liche festzulegen. Gut ist es, wenn ihr Handlungspläne groß und übersichtlich gestaltet und dann im SV-Raum zu euren Treffen aufhängt. So lässt sich leicht überprüfen, ob Aufgaben übernommen wurden. Wenn nicht, könnt ihr freundlich nachfragen, ob die Person die Aufgabe noch erfüllt, oder jemand anders suchen, der_die das dann machen kann. 135 Beispiel: Wer? Christian Paula Macht was? Fragt im Baumarkt an, ob wir Holz haben können. Macht einen Termin mit der Schulleitung. Bis wann? Material 30.04.18 Erledigt? 02.05.18 Download  3 Vorlage Handlungsplan Open Space Ein Open Space steht immer unter einer bestimmten Fragestellung, z. B.:„Wie soll die Zukunft unserer Schule aussehen?“ Ein Open Space hat dann mehrere Phasen. Phase 1: die Anliegenphase: Hier sitzen alle in einem großen Kreis oder in mehreren Kreisen (also ein kleiner in der Mitte und dann immer größere drumherum). Die Fragen sind: Welche Themen bringst du mit? Was willst du besprechen? Jede_r hat die Gelegenheit, ein Anliegen einzubringen. Phase 2: die Besprechungsphase: Es gibt den ganzen Tag über unterschiedliche Zeitfenster, z. B. 11:00 – 12:00 Uhr, 14:00 – 15:00 Uhr, 15:15 – 16:15, während derer in unterschiedlichen Räumen unterschiedliche Themen besprochen werden können. Je nachdem, wie viele Räume zur Verfügung stehen, können sehr viele Themen gleichzeitig besprochen werden. Die Anliegen aus Phase 1 werden nun auf die unterschiedlichen Zeitfenster verteilt. Während des Open Space muss man sich nicht auf ein Thema festlegen, sondern kann zwischen den einzelnen Workshops hin und her wechseln. Phase 3: die Planungsphase: Bei einem Markt der Möglichkeiten können sich alle Teilnehmenden über alle besprochenen Themen informieren. Danach können Verabredungen für die Umsetzung von Anliegen getroffen werden. Ein Open Space kann mit 25 – 1000 Menschen durchgeführt werden und bedarf einiger Vorbereitung und einer erfahrenen Moderation. Dauer: 6 Stunden – 2 ½ Tage Download  3 Was ist ein Open Space? Barcamp Das Barcamp ähnelt der Methode Open Space. Auch hier werden am Anfang Themen gesammelt und unterschiedlichen Räumen und Zeiten zugeordnet. Im Unterschied zum Open Space ist das Barcamp technisch moderner, da alle Sessions(so heißen die Workshops beim Barcamp) immer von einer Person in der Session parallel im Internet dokumentiert werden. Dabei tippt diese Person ihre Notizen zum Inhalt der Session in ein OnlineDokument. Da alle die Dokumentationsseite des Barcamps kennen, können sie live, ohne dabei zu sein, sehen, was gerade in der Session besprochen wird. Es ist sogar möglich, selbst in das Online-Dokument Fragen einzutragen, die dann von der Person, die dokumentiert, in die Session eingebracht werden. Am Ende eines Barcamps gibt es sehr viel Dokumentationsmaterial, mit dem weitergearbeitet werden kann. Außerdem können natürlich auch hier Verabredungen für die Weiterarbeit getroffen werden. Dauer: 5 Stunden – 2 Tage Download  3 Methodenset Barcamp Web  3 Youtube: Was ist ein Barcamp? Einfach erklärt! 4 136 4.5.4. Finanzierung  Wenn ihr euren SV-Raum streichen, Kekse für die SV-Sitzung backen oder Projekte umsetzen wollt, braucht ihr früher oder später Geld. Wünschenswert wäre es, wenn die Schulen, Bezirke oder das Land Berlin euch dafür einfach und unkompliziert einen festen Betrag zur Verfügung stellen würden. Das ist leider bis jetzt(noch) nicht der Fall. Der Landesschülerausschuss fordert das gerade von Berliner Politiker_innen ein und freut sich über Mithilfe bei diesen Plänen. Ihr müsst euch also vorerst selbst darum kümmern, eure Projekte zu finanzieren. Zum Glück gibt es noch genügend andere Möglichkeiten. Weiterlesen  3 Stand der SV-Arbeit in Berlin, S. 22 Download  3 Finanzierungstipps der LSV Hessen Wie könnt ihr euer Geld verwalten? Es empfiehlt sich, dass ihr mindestens eine Person bestimmt oder wählt, die für die SV-Kasse zuständig ist. Es gibt folgende Möglichkeiten, euer Geld zu verwalten: pp Eine Bargeldkasse, die mit einem Kassenbuch geführt wird: Hier werden alle Einnahmen und Ausgaben schriftlich aufgelistet und am besten die Belege für eure Ausgaben gleich eingeklebt. pp Ein Konto: Leider ist es gerade in Berlin nicht möglich, dass ihr als SV selbst ein SV-Konto bei einer Bank eröffnet. Daher müsst ihr den Umweg gehen und eine erwachsene Person über 18 finden, die für euch ein Konto eröffnet, z. B. die SV-Begleiter_innen oder die Schulleitung. Diese erteilen dann eurem Kassenwart eine Vollmacht über das Konto(mit Einverständniserklärung der Eltern). pp Der Förderverein eurer Schule verwaltet euer Geld. Bei den letzten beiden Varianten ist es wichtig, dass ihr vorher sehr klar vereinbart, dass ausschließlich ihr über das Geld verfügen könnt und die Erwachsenen lediglich eure Unterstützer_innen dabei sind. Damit die SV einen groben Überblick über die Finanzen behält, sollte regelmäßig auf der SV-Sitzung ein kleiner Finanzbericht erfolgen. Außerdem ist es gut, wenn ihr Kassenprüfer_innen wählt, die die Kasse mindestens am Schuljahresende prüfen. Download  3 Vorlage Kassenbuch, Aufgaben eines Kassenwarts Pimp my School – 1 x 1 der SV-Arbeit 137 Wer kann euch helfen?  Bei Fragen zur Finanzierung von Projekten könnt ihr euch unterstützen lassen, z. B. von pp den Beauftragten für Kinder-/Jugendbeteiligung in den Bezirken, pp der Servicestelle Jugendbeteiligung, pp dem Programm Think Big und der Youthbank. Weiterlesen  3 Anträge an Förderprogramme und Stiftungen, S. 141, Angebote in den Bezirken, S. 169 Möglichkeiten ohne Geld  Was steht uns von der Schule zu?  Die Schule muss euch alle Mittel zur Erfüllung eures Geschäftsbedarfs zur Verfügung stellen. Kernaufgaben eures„Geschäfts“ sind zum Beispiel die Durchführung von Wahlen und SV-Sitzungen. Hier ein paar Beispiele, was ihr alles von der Schule bekommen müsst: Papier, Ordner, Stifte, Briefmarken, eine Möglichkeit zu kopieren, zum Faxen und Telefonieren oder aber einen Schrank zur Aufbewahrung eurer Materialien. Wo gibt’s was umsonst?  Es gibt ziemlich viele Möglichkeiten, kostenlos an Sachen zu kommen. Zum Beispiel kennt ihr vielleicht jemanden, der jemanden kennt, der wiederum ­jemanden kennt? 4 138 Für das Einrichten und Streichen des SV-Raums könnt ihr z. B.: pp Unternehmen und Geschäfte nach Sachspenden fragen, z. B. den Baumarkt um die Ecke nach Holz- oder Farbresten, pp einen Aufruf starten, euch Dinge zu spenden, z. B. mit Flyern, die ihr an eure Mitschüler_innen verteilt, dass ihr Farben, Pinsel oder Möbel braucht, pp Verschenkseiten im Internet checken: www.bsr-verschenkmarkt.de/, www.alles-und-umsonst.de oder www.ebay-kleinanzeigen.de Tipp  3 Alle paar Jahre bestellen sich große Unternehmen neue PCs oder Einrichtungsgegenstände. Ihr könnt also auch, ohne dass ihr konkret etwas braucht, einfach mal anfragen, ob demnächst etwas ausgesondert wird, das sonst nur weggeworfen wird. Tipp  3 Erstellt eine Liste, wer von euch welche Kontakte oder Möglichkeiten hat, kostenlos an etwas zu kommen. So könnt ihr das nächste Mal gleich darauf zugreifen. Geld von der Schule  Anträge an die Schulkonferenz  Ihr habt als SV die Möglichkeit, Anträge an die Schulkonferenz zu stellen, z. B. für Einrichtungsgegenstände aus eurem SV-Raum. Wenn ihr Beträge zwischen 100 und 1000 Euro beantragt, dürfte das angemessen sein. Anträge, die mit Geld zu tun haben, brauchen dann eine 2/3-Mehrheit der stimmberechtigten Mitglieder der Schulkonferenz. Weiterlesen  3 Anträge stellen, S. 143 Anfragen von Honoraren für Workshops und Seminare bei der  Schulleitung  Wenn ihr euch darum gekümmert habt, dass ein_e Referent_in einen Workshop an der Schule für euch macht, sind dafür vielleicht Honorarmittel notwendig. Über deren Verwendung entscheidet die Schulleitung und ihr müsst direkt danach fragen. Es gibt folgende Töpfe dafür: die„Personalkostenbudgetierung“, Finanzen aus dem Programm„Ganztägig lernen“, dem„Bonusprogramm“ und dem„Verfügungsfonds“ des Landes Berlin. Wichtig ist, dass ihr dieses Geld so weit wie möglich im Voraus anfragt, weil es sonst meist schon verplant ist. Tipp  3 Auch die Arbeitgeber_innen eurer Sozialarbeiter_innen vergeben teilweise Mittel für Honorare. Dafür müsst ihr bei euren Sozialarbeiter_innen nachfragen. Der Förderverein eurer Schule  Viele Schulen haben einen Förderverein, der für bestimmte Projekte Geld verteilen kann. An vielen Schulen wird zum Beispiel einmal im Jahr eine SV-Fahrt vom Förderverein mitfinanziert. Sonst ist es auch möglich, dass der Förderverein euch zunächst Geld leiht, das ihr dann zurückzahlt, z. B. bei Veranstaltungen, für die ihr Eintritt nehmt. Um für eure Projekte Geld zu bekommen, sprecht zunächst Pimp my School – 1 x 1 der SV-Arbeit 139 den oder die Vorsitzende_n des Fördervereins an. Dann müsst ihr wahrscheinlich einen Antrag stellen, aus dem z. B. hervorgehen sollte, warum euch der Förderverein unterstützen soll. Spenden sammeln  Von euren Mitschüler_innen  Wenn eure SV an der Schule etwas bekannter ist und die Schüler_innen mitbekommen haben, dass ihr gute Arbeit leistet, könnt ihr den„SV-Euro“ einführen. Dabei wird zu Beginn des Schuljahres durch die Klassensprecher_innen ein Euro von jedem_r Schüler_in eingesammelt. Um mehr Zustimmung zur Einführung des SV-Euro zu kriegen, könnt ihr die Elternabende aller Klassen abklappern und Werbung für euer Anliegen machen. Danach kann die Gesamtelternvertretung beschließen, dass ihr ab dem nächsten Schuljahr 50 Cent oder einen Euro von allen Schüler_innen einsammeln könnt – natürlich trotzdem freiwillig. Eltern anzapfen  Ihr könnt die Eltern natürlich auch direkt nach Spenden fragen. Verfasst dazu einen Flyer, auf dem ihr das Wichtigste über ein anstehendes Projekt schreibt, wofür ihr das Geld braucht und auf welches Konto gespendet werden soll, z. B. dem Förderverein. Verteilt den Flyer mit der Bitte, ihn an die Eltern weiterzugeben, an all eure Mitschüler_innen. Außerdem ist es natürlich auch hier möglich, die Elternabende oder Treffen der Gesamtelternvertretung zu besuchen, um dort euer Anliegen direkt vorzustellen und Spenden unmittelbar mit einem Hut einzusammeln. Bei öffentlichen Anlässen der Schule  Beim„Tag der offenen Tür“ oder beim nächsten Sommerfest könnt ihr eure SVArbeit mit einem eigenen Stand vorstellen, Führungen durch die Schule anbieten – und ganz nebenbei ein paar Spenden einsammeln. Sponsoring  Dabei fragt ihr einen Laden, eine Firma oder andere Organisation an, ob sie euch mit etwas Geld unterstützen würde. Überlegt vorher, von welchem Unternehmen ihr vielleicht kein Geld nehmen wollt, weil es sein Geld mit Ausbeutung, Waffenhandel oder schlechter Bezahlung der eigenen Mitarbeiter_innen verdient. Habt ihr einen Sponsor gefunden, so zeigt euch erkenntlich, indem ihr dann z. B. auf Flyern oder im Programmheft der Veranstaltung auf die Förderung hinweist. Hilfreich dabei ist es, ein gutes Konzept zu haben und die Frage beantworten zu können, warum ihr gerade die betreffende Firma ansprecht. Ihr könntet dafür z. B. Banken, Kinos, Wohnungsbaugesellschaften oder auch Supermärkte bei euch in der Nähe fragen. 4 140 Sponsorenlauf  Dazu werden unter euren Bekannten oder aber bei Firmen und Unternehmen Sponsoren gesucht, die für jeden Kilometer oder jede Runde, die ihr während der Laufdauer zurücklegt, einen festgelegten Geldbetrag spenden. Bei einer großen öffentlichen Veranstaltung bemühen sich dann alle teilnehmenden Schüler_innen, so viele Runden wie möglich zu absolvieren, damit euch entsprechend viel Geld gespendet wird. Möglich ist natürlich auch, dass ihr die Einnahmen halbiert und die andere Hälfte einem guten Zweck spendet. Download  3 Vorlagen für Elternbrief, zeitlichen Ablauf, Laufkarte Pfand kassieren  In Supermärkten gibt man Pfandflaschen fast immer an einem Automaten ab, der einem dann einen Pfandbon ausspuckt. Ihr könnt mit einem(Bio-)Supermarkt in der Nähe eine Kooperation eingehen und vereinbaren, dass ihr eine kleine Box am Automaten anbringt, in die man Pfandbons einwerfen kann. Dazu braucht es dann außerdem einen Erklärungszettel, wofür ihr das Geld verwenden wollt. Menschen, die ihr Pfand abgeben, können sich dann entscheiden, ob sie ihren Pfandbon in die Box werfen, statt ihn selbst an der Kasse einzulösen. Am Ende des Monats werden euch die nicht eingelösten Bons als Spende überwiesen! Über das Internet  Stellt euch vor, eure Eltern gehen online bei zalando, IKEA oder C&A shoppen und eure SV erhält darauf Prozente. Gibt’s nicht? Gibt’s doch. Nach diesem Prinzip arbeitet www.schulengel.de. Dafür müsst ihr euch zunächst mit einem Konto registrieren. Danach sollte eine kleine Werbekampagne folgen, so dass viele Schüler_innen und vor allen Dingen deren Eltern wissen, dass ihr nun dort Pimp my School – 1 x 1 der SV-Arbeit 141 registriert seid. Dann sollten sie gebeten werden, ihre Einkäufe über dieses Portal abzuwickeln. Dazu müssen sie auf die Webseite gehen, angeben, dass sie für euch spenden wollen, werden weitergeleitet, kaufen ein und ihr kriegt bis zu 10% des jeweiligen Einkaufswertes als Spende überwiesen. Dasselbe Prinzip wird auch bei www.smile.amazon.de(0,5% des Einkaufswertes) und www.neuemasche.de genutzt(pro von euch verkaufter Sockenbox kriegt ihr vier Euro). Download  3 Video zur Finanzierung durch Schulengel Eigenmittel erwirtschaften  Egal, wen man nachts aufweckt und nach der Finanzierung von SV-Arbeit fragt: Kuchenverkauf ist die erste Antwort. Das funktioniert natürlich auch nach 40 Jahren SV-Arbeit immer noch. Als modernere Variante könntet ihr z. B. über Waffeln, Crêpes oder einen Süßigkeitenverkauf nachdenken. Weitere Möglichkeiten: pp Verkauf von Osterhasen, Rosen, Weihnachtsmännern oder Lutschern mit einer persönlichen Botschaft für jemand anders, pp bei Schulpartys oder Konzertabenden mit einer Spendendose am Eingang oder durch den Verkauf von Getränken, pp Pfandflaschen auf dem Schulgelände sammeln und zurückgeben. Anträge an Förderprogramme und Stiftungen  In Deutschland gibt es unzählige Stiftungen und Förderprogramme, bei denen Geld beantragt werden kann. Zunächst informiert ihr euch am besten auf der Webseite des Förderprogramms, ob das Programm zu euch passt. Dann ruft einfach mal an, erzählt von eurem Projekt und fragt, ob die Mitarbeiter_innen meinen, dass es aus dem Förderprogramm gefördert werden könnte. Dann könnt ihr nebenbei gleich ein paar Tipps zur Antragstellung bekommen. Ganz bestimmt werden dann ein(kurzes) Konzept sowie ein Zeit--und Finanzierungsplan von euch verlangt werden. Die nachfolgenden Möglichkeiten sind sortiert: von wenig Geld(leicht zu beantragen) bis mehr Geld(schwerer zu beantragen): Jugendjurys in den Berliner B­ ezirken http://stark-gemacht.de/de/Programm/ programmbereich2_kontakte.php Think Big www.think-big.org In jedem Berliner Bezirk gibt es Jugendjurys, die über die Vergabe von Geldern an Jugendgruppen entscheiden, die in ihrem Kiez aktiv werden wollen. Hier erhaltet ihr bis zu 400 Euro Unterstützung und Coaching für euer Projekt. Gefördert werden Projekte, bei denen ihr versucht euer Umfeld positiv zu verändern. 4 142 Youth Bank http://youthbank.de/youthbank/berlin Jugendbildungsfonds der Rosa-Luxemburg-Stiftung Auch hier erhaltet ihr bis zu 400 Euro Unterstützung, wenn ihr ein soziales Ziel verfolgt. Ihr wollt mit eurem Projekt kritische Bildung organisieren, bei der ihr soziale Ungerechtigkeiten zum www.rosalux.de/stiftung/afpb/ Thema macht, um andere in eurem Alter zu sensibilijugendbildung/jubi-foerderung sieren? Dann könnt ihr bis zu 400 Euro beantragen. Stiftung Mitarbeit www.mitarbeit.de Hier gibt es eine kleine Starthilfeförderung von bis zu 500 Euro für Projekte aus folgenden Bereichen: Soziales, Politik, Bildung, Kultur, Umweltschutz und Gesundheit. Netzwerk Selbsthilfe https://netzwerk-selbsthilfe.de/ foerderung Mit bis zu 1100 Euro werden Projekte gefördert, die "im weitesten Sinne politisch" sind und öffentlich etwas bewegen. Möglich sind politische, soziale und kulturelle Projekte. Doris-Wuppermann-Stiftung http://doris-wuppermann-stiftung.de Hier könnt ihr bis zu 1500 Euro erhalten, wenn sich euer Projekt mit fairem Handel in der Welt, AntiRassismus, dem Schutz der Umwelt, dem Recht auf Arbeit oder sozialer Gerechtigkeit beschäftigt. Children. Jugend hilft  www.children.de/was-wir-tun/ jugend-hilft/foerderprogramm/fonds Gefördert werden mit bis zu 2500 Euro soziale Projekte, bei denen sich Jugendliche für Menschen in Armut, Krankheit, Not oder schwierigen Lebenslagen engagieren. Deutsches Kinderhilfswerk www.dkhw.de/ unsere-arbeit/projektfoerderung/ foerderantrag-stellen Hier können bis zu 5000 Euro beantragt werden für Projekte, die sich mit folgenden Themen beschäftigen: Kinderrechte, Kinderpolitik, Kinderkultur, Mediennutzung, Beteiligung und Integration von geflüchteten Kindern sowie gesunde Ernährung. Junge Muslime www.bosch-stiftung.de/content/ language1/html/49624.asp Landeszentrale für Politische Bildung www.berlin.de/politische-bildung/ foerderung/themenschwerpunkte Kreuzberger Kinderstiftung www.kreuzberger-kinderstiftung. de/foerderprogramme/kinder-undjugendengagement-in-deutschland Mit bis zu 5000 Euro werden Projekte junger Muslime gefördert, die in ihrem Lebensumfeld etwas verändern wollen und mit ihren Vorhaben zeigen, wie vielfältig der Islam in Deutschland ist. Zwischen 1000 und 5000 Euro Förderung erhalten Projekte, die den jeweiligen Förderschwerpunkten rund um das Thema Politische Bildung für das betreffende Kalenderjahr entsprechen. Beantragung jeweils bis 15.12. des Jahres davor. Hier könnt ihr Geld beantragen, wenn ihr aktiv und verantwortungsbewusst euer Lebensumfeld gestalten wollt, z. B. durch interkulturellen Austausch oder soziales Engagement. Die Kreuzberger Kinderstiftung ist dabei allerdings immer nur Mitfinanziererin. Tipp  3 Es gibt sehr umfangreiche Infoseiten zum Thema: www.finanzierung.jugendnetz.de, https://netzwerk-selbsthilfe.de/beratung/foerdertopfbroschuere/, www.stiftungen.org. Co-Autorin: Anna Lindner Pimp my School – 1 x 1 der SV-Arbeit 143 4.5.5. Anträge stellen  Spätestens, wenn ihr größere Projekte umsetzen wollt, die alle an der Schule betreffen(z. B. Streichen von Wänden, Änderung der Handyregelungen, Einrichten eines SV-Raums, Pausenregelungen...), müsst ihr einen Antrag in der Schulkonferenz stellen. Download  3 Leitfaden Anträge stellen(LSV NRW) Schritt 1: Konzept schreiben  Schreibt zunächst ein Konzept. Beantwortet dazu alle W-Fragen. Wer? Was? Wann? Wo? Wie? Warum? Schreibt Argumente auf, die für und gegen euer Vorhaben sprechen. Wichtig ist, dass ihr hier schon gut recherchiert, was es über das Projekt alles zu wissen gibt. Weiterlesen  3 Die vier Phasen eines Projekts, S. 126 Schritt 2: Vorgespräche führen  Wenn ihr eine Mehrheit für euer Projekt organisieren wollt, ist es wichtig, dass ihr die Perspektive der anderen versteht, die über den Antrag mitentscheiden. Um den Erfolg eures Antrags wahrscheinlicher zu machen, solltet ihr Kontakt zu den Betroffenen des Antrags suchen, d. h. je nach Projekt mit Lehrer_innen, Schüler_innen und Eltern. Sprecht mit ihnen, um rauszukriegen, was sie von dem Projekt halten. Versucht sie in diesem Schritt noch nicht von eurem Projekt zu überzeugen, sondern hört euch an, was sie dazu zu sagen haben. Warum z. B. ist ein bestimmter Punkt so wichtig für eure_n Gesprächspartner_in? Wenn ihr rausbekommt, welche Bedürfnisse euer Gegenüber hat, und euch Gegenargumente anhört, könnt ihr euch danach über Lösungsansätze Gedanken machen, die eure und die Bedürfnisse der anderen berücksichtigen. So steigt die Wahr- 4 144 scheinlichkeit, dass eurem Projekt später zugestimmt wird. Außerdem solltet ihr mit eventuellen Unterstützer_innen sprechen, die euch weitere Tipps geben können bzw. mit denen ihr besprechen könnt, wie sie euch unterstützen können. Schritt 3: Überarbeitung des Konzepts  Ihr habt nun vermutlich einiges Neues erfahren. Diskutiert jetzt, wie ihr euer Konzept so anpassen könnt, dass die neuen Informationen miteinfließen bzw. Hindernisse aus dem Weg geräumt werden. Beachtet dabei die Bedürfnisse und Aussagen aller Gruppen, mit denen ihr zu tun hattet. Überlegt euch, wie ihr die neuen Gegenargumente entkräften oder Kompromisse anbieten könnt. Schritt 4: Präsentation auf der SV-Sitzung  Bei Projekten, die die ganze Schülerschaft betreffen, solltet ihr euch auf einer SV-Sitzung das Okay der SV holen. Bereitet euch darauf vor, euer Projekt vorzustellen. Das ist auch eine gute Vorübung für den Antrag später. Überlegt euch am besten vorher schon, wie ihr das überzeugend präsentieren könnt, z. B. mit einer Powerpointpräsentation oder einer Grafik. Schritt 5: Den„kleinen Dienstweg“ testen  Der vorgezeichnete Weg der Schuldemokratie ist, dass ihr versucht, in der Schulkonferenz eine Mehrheit für euren Antrag zu bekommen. Es kann aber sein, dass a) die Zuständigkeit gar nicht bei der Schulkonferenz liegt(z. B. bei Honorarmitteln für Mitarbeiter_innen) oder b) die Schulleitung das Projekt so gut findet, dass es auch ohne Schulkonferenz„durchgewunken“ werden kann. Sucht daher das Gespräch mit der Schulleitung. So ist schon früh eine Anpassung des Projekts möglich und es wird verhindert, dass es später scheitert. Weiterlesen  3 Kontakte pflegen, S. 69 Pimp my School – 1 x 1 der SV-Arbeit 145 Schritt 6: Für öffentliches Interesse und Aufmerksamkeit sorgen  Wenn ihr einen Antrag stellt, von dem niemand vorher wusste, wird auch nichts passieren, wenn er einfach abgelehnt wurde. Besser ist es, wenn ihr den Inhalt eures Antrags vorher zu einem schulweiten Gesprächsthema macht. Es ist deutlich schwerer, sich gegen euren Antrag zu stellen, wenn den Anwesenden in der Schulkonferenz bekannt ist, dass viele Schüler_innen euch unterstützen und durch euch auch von der Entscheidung erfahren werden. Werft also die Öffentlichkeitsarbeitsmaschine an, um über den Antrag zu informieren: Umfragen, Flugblätter verteilen an den Eingängen der Schule, Plakate aufhängen, Infoveranstaltungen zum Thema, Facebook … Weiterlesen  3 Öffentlichkeitsarbeit, S. 158 Schritt 7:„anbrennen lassen“ – Mehrheiten organisieren  Ihr solltet nun noch einmal gezielt Unterstützer_innen ansprechen und sie danach fragen, ob ihr euch auf sie berufen könnt. Dann könnt ihr das während der Präsentation eures Antrags erwähnen. Danach nehmt am besten Kontakt zu den Elternvertreter_innen sowie Lehrer_innen auf, die in der Schulkonferenz sitzen, und besprecht vorher euren Antrag mit ihnen, um sie für euer Anliegen zu gewinnen. Sonst kann es euch passieren, dass sie auf der Sitzung das erste Mal davon hören und durch mangelnde Vorbereitung eher gegen euren Antrag stimmen. Schritt 8: Vorbereiten der Projektvorstellung auf der Sitzung  Während der Sitzung wird irgendwann zu euch gesagt werden:„Jetzt stellt den Antrag doch bitte mal vor.“ Dann müsst ihr flüssig und überzeugend in kurzer Zeit euren Antrag vorstellen. Das sollte nicht mehr als drei Minuten dauern und mindestens ein bis zwei starke Argumente, die für euer Projekt sprechen, enthalten sein. Diesen Kurzvortrag solltet ihr mit anderen gemeinsam gut durchsprechen und üben. Die Methode„Elevator Pitch“ kann euch dabei helfen. Weiterlesen  3 Elevator Pitch, S. 147 Schritt 9: Antrag schreiben und an den_die Vorsitzende_n der Schul-  konferenz weiterleiten  Euer Antrag muss folgende Dinge enthalten: Namen der Antragsteller_innen, Datum, den Satz:„Die Schulkonferenz möge beschließen...“ sowie eure Forderung, eine kurze Begründung für den Antrag und eine Unterschrift. Danach muss er an die Schulleitung weitergeleitet werden, so dass diese aus allen Anträgen eine Tagesordnung für die Schulkonferenz erstellen und diese allen Beteiligten vorher zusenden kann. Das sollte bis spätestens eine Woche vor der nächsten Schulkonferenz passieren. Download  3 Formblatt für Anträge in der Schulkonferenz, Beispielantrag SV-Büro 4 146 Schritt 10: Strategie- und Lagebesprechung vor der Schulkonferenz  Eine halbe Stunde vor der Schulkonferenz sollten sich alle Schüler_innen(am besten gemeinsam mit den SV-Begleiter_innen) treffen und ihr Gesprächsverhalten auf der Schulkonferenz besprechen. Möglich ist dabei z. B., eine Reihenfolge der Argumente festzulegen, z. B. von schwach nach stark. Wichtig ist, dass ihr nicht unterschiedliche Strategien verfolgt, sondern euch gegenseitig stärkt und z. B. auch erkennt, wenn mal jemand bei den Argumenten„schwimmt“, so dass ihr dann einspringen könnt. Eine Schulkonferenzsitzung könnt ihr auch vorher schon üben, z. B. mit einem Rollenspiel. Weiterlesen  3 Rollenspiel Schul­ konferenz, S. 147 Download  3 Rollenspiel Hausaufgaben bei der Schulkonferenz Schritt 11: Gesprächsführung und Verhandeln  „The show begins.“ Das Rampenlicht ist auf euch gerichtet. Nun ist die Zeit für den Kurzvortrag gekommen, den ihr vorher geübt habt. Ihr könnt euren Vortrag z. B. mit einem Punkt beginnen, über den sich beide Seiten einig sind. Das schafft eine produktive Arbeitsatmosphäre. Danach werden vermutlich Rückfragen an euch gestellt und anschließend beginnt die offene Diskussion. Hilfreiche Tipps: pp Während der Diskussion solltet ihr darauf achten, welche Ängste und Interessen geäußert werden. Auf diese solltet ihr reagieren. pp Sehr überzeugend wirkt es, wenn ihr euch auf Erfahrungen aus anderen Schulen beziehen könnt. pp In der Diskussion sollte klarwerden, wer euch an der Schule unterstützt und wer eure Partner_innen sind. pp Es kann auch mal sinnvoll sein, Forderungen aufzustellen, die über euer eigentliches Ziel hinausgehen. Denn eventuell werden eure Verhandlungspartner_innen versuchen, euch herunterzuhandeln, z. B. indem ihr die Erlaubnis für Handynutzung in den Pausen fordert, euch dann aber auf eine begrenzte Handyzone auf dem Schulhof runterhandeln lasst. pp Geschickt kann es sein, wenn ihr für Neues eine Probezeit anbietet, nach der gemeinsam überprüft wird, wie es geklappt hat. Vielleicht war es dann gut und es muss gar nicht mehr darüber gesprochen werden. Schritt 12: Der Antrag wurde verabschiedet(oder auch nicht)  Wenn es geklappt hat, gibt’s einen Grund zum Feiern. Trefft euch mit denen, die mitgewirkt haben, und belohnt euch für die Arbeit! Danach ist es Zeit, den Erfolg bekannt zu machen – und vor allem euren Anteil daran. Tja und wenn’s nicht geklappt hat? Überlegt zunächst, warum es nicht geklappt hat, und entwerft eine neue Strategie. Außerdem gibt es auch Situationen oder Pimp my School – 1 x 1 der SV-Arbeit 147 Konflikte, in denen man mit Verhandlungen nicht weiterkommt. Hier kann eine öffentliche Aktion, eine Demo oder die Einbeziehung der Presse helfen, um die eigene Position zu verbessern. Weiterlesen  3 Öffentlichkeitsarbeit, S. 158 Hilfreiche Methoden  Durchsetzungsstrategie Die Durchsetzungsstrategie eignet sich für das Vorbereiten von Anträgen. Dazu werden nacheinander folgende Fragen beantwortet: 1. Was ist das Ziel eures Projekts und wie heißt es? 2. Welche Argumente sprechen für das Projekt? Gibt es rechtliche Grundlagen, auf die ihr euch beziehen könnt? 3. Welche Argumente sprechen gegen euer Projekt? Wer könnte etwas dagegen haben? Wie könnt ihr darauf reagieren? 4. Wen könnt ihr dafür gewinnen, euch zu unterstützen? 5. Wie kann euer Projekt in der Schulöffentlichkeit präsent sein? Download  3 Vorlage Durchsetzstrategie Elevator Pitch Oft hat man zum eigenen Projekt 1000 Gedanken im Kopf, die manchmal auch noch nicht so strukturiert sind. Der Elevator Pitch hilft dabei, dass Wichtigste auf den Punkt zu bringen. Dazu wird ein kleines Gedankenspiel angestellt. Stellt euch vor, ihr trefft im Aufzug die Schulleitung und habt nur eine Minute Zeit, ihr euer Projekt vorzustellen, so dass sie euch danach unterstützt. Dazu wird ein kleiner Aufzug bei euch im Raum aufgebaut. Das ist z. B. leicht möglich, indem ihr mehrere Tische aufrecht hinstellt, so dass die Tischflächen nach innen zeigen. Außerdem könnt ihr auf einen Zettel Knöpfe für die einzelnen Etagen malen. Eure Projektgruppe hat nun zehn Minuten Zeit, sich zu überlegen, wie sie dieses sehr kurze Gespräch angeht und was in der einen Minute genau gesagt werden soll. Eines der besten Argumente für das Projekt sollte auf jeden Fall dabei sein. Dann sucht ihr ein bis zwei Personen aus der Gruppe aus, die gleich im Fahrstuhl die Schulleitung treffen werden. Eine weitere Person, die nicht zu eurer Gruppe gehört, spielt die Schulleitung. So beginnt das Rollenspiel: Die Schulleitung steht schon im Aufzug, ihr ruft den Aufzug, steigt ein, sagt freundlich hallo und:„Ach, super, dass ich Sie treffe...“ Dann stellt ihr in kurzer Zeit euer Projekt vor und müsst vielleicht auch noch eine Rückfrage beantworten. Die Schulleitung beendet den Aufzugstrip, indem sie nach ein bis zwei Minuten sagt:„Oh, wir sind angekommen...“, und ihr steigt aus. Der Elevator Pitch ist auch eine schöne Möglichkeit, Projektpräsentationen nicht mit Plakaten zu machen, sondern etwas unterhaltsamer. Dauer: 15 – 30 Minuten Rollenspiel Schulkonferenz Um sich auf eine Schulkonferenz vorzubereiten, kann sie in einem Rollenspiel geübt werden. Das hilft, um Aufregung zu überwinden, zu lernen, gut zu argumentieren und auf Unvorhergesehenes zu reagieren. Dafür wird der Raum so umgebaut, dass er so aussieht, wie er bei einer Schulkonferenz auch aussehen könnte, z. B. Tische in U-Form und vorne ein Tisch für die Schulleitung. Dann setzen sich an einen Tisch vier Elternvertreter_innen, an einen Tisch vier Lehrervertreter_innen sowie an einen die vier Schülervertreter_innen sowie die externe Person, die nicht der Schule angehört. Bei der Simulation der Schulkonferenz geht es nun 15 Minuten um euren Antrag. Dazu habt ihr kurz die Gelegenheit, euren Antrag vorzustellen, danach wird er diskutiert und es folgt eine Abstimmung. Zur Vorbereitung kann gut die Methode Durchsetzungsstrategie(siehe oben) verwendet werden. Nach dem Rollenspiel sollte die Simulation ausgewertet werden:„Was lief gut? Was können wir noch verbessern?“ Und dann geht’s ab zur richtigen Schulkonferenz! 4 148 4.5.6. Rhetorik. Reden lernt ihr nur durch reden  Rhetorik ist die Kunst, Inhalte so zu präsentieren, dass sie eurem Publikum im Kopf bleiben. Inhalte und Argumente bilden das Fundament von Rhetorik. Gute Vorbereitung ist alles. Wie viele Dinge ist gute Rhetorik vor allem eine Frage der Vorbereitung. Dabei ist die Menge oder die Zeit, die man investiert, gar nicht so wichtig. Man muss sich vor allem richtig vorbereiten. Download  3 Einführung in die Rhetorik, Tipps für Vorträge, u. v. m. Die Kernbotschaft: Was bleibt im Kopf?  Bevor ihr beginnt, euch über eure Rede, euren Vortrag oder euren Wortbeitrag Gedanken zu machen, solltet ihr euch fragen: Was ist eigentlich der innerste Kern von allem, was ihr erzählen wollt? Eine kleine Denkhilfe: Wenn ihr euren Vortrag in einen Twitterpost kriegen müsstet, was würdet ihr da schreiben? Die Kernbotschaft wird so zum festen Punkt eurer Rede, an dem ihr euch orientiert. Im besten Fall ordnet ihr eure ganze Rede der Kernbotschaft unter. Eure Zuhörer_innen werden sich nach einer Woche an ungefähr einen Satz von euch erinnern. Überlasst es nicht dem Zufall, welcher Satz das sein wird! Das Publikum: Was sind die Erwartungen?  Die zweite einfache Frage, die ihr euch stellen müsst, ist:„Vor wem redet ihr eigentlich?“ Unterschiedliche Zuhörer_innen haben unterschiedliche Interessen und Erwartungen. Zum Beispiel macht es einen Unterschied, ob ihr eine Präsentation zum Thema soziale Netzwerke vor Schüler_innen, euren Eltern oder Großeltern haltet. Das Argument  Das Wichtigste an einem Vortrag oder an einer Rede ist der Inhalt. Diesen strukturiert zu präsentieren ist darum besonders entscheidend. Ein Argument bedeutet, dass ihr eine Behauptung mit einer logischen Erklärung untermauert. Wenn ihr etwas nachvollziehbar erklärt, dann erzeugt ihr bei eurem Gegenüber das Gefühl:„Wenn ich selber darüber nachgedacht hätte, wäre ich auch auf diese Schlussfolgerung gekommen.“ Euer Gegenüber macht sich euer Argument zu seinem eigenen Gedanken und den eigenen Gedanken glaubt man. Passt eure Sprache der Gruppe an. Es hilft niemandem, wenn ihr möglichst viele Fremdwörter in einem Satz unterbringt, wenn euch dadurch keiner mehr versteht. Für gute Argumente, müsst ihr vier Feststellungen klären: pp Ich glaube, dass … pp Das ist so, weil … pp Ein Beispiel hierfür ist … pp Das ist wichtig, weil … Pimp my School – 1 x 1 der SV-Arbeit 149 Die Ausführung  Damit ihr überzeugend rüberkommt, beachtet folgende Dinge: pp Körperhaltung: Fühlt bewusst den Boden unter euch. Steht aufrecht. Eine stabile Körperhaltung vermittelt Selbstsicherheit. Steckt die Hände nicht in die Taschen und versteckt sie nicht hinterm Rücken. pp Atmung: Versucht, ruhig zu atmen. pp Blickkontakt: Schaut die Leute an, mit denen ihr redet. Wenn jemand direkt angeschaut wird, fühlt er sich angesprochen und hört aufmerksamer zu. pp Stimme: Sprecht deutlich und versucht, nichts zu verschlucken. Betont bewusst, was ihr sagt. Vermeidet„äh“ oder„oder so“. Sprecht mal laut und mal leiser. Abwechslung schafft Interesse. pp Tempo: Sprecht eher langsamer, als ihr es sonst macht. Setzt bewusst ­Pausen, damit euer Publikum auch mal durchatmen kann. Das Feedback  Die besten Redner_innen wurden nicht geboren, sie haben sich dazu entwickelt, indem sie ihre Fähigkeiten trainiert haben. Das beste Training ist Feedback. Auch in der SV ist das wichtig. Oft wird eine_r von euch sprechen, und die anderen erleben den Redebeitrag live mit. Ihr könnt euch danach kurz zusammensetzen und fragen:„Was war gut? Was geht besser?“ Wichtig dabei: Kritik ist keine Abrechnung. Kritik soll sich gut anfühlen, auch wenn es um Verbesserungsvorschläge geht. Redet respektvoll und motivierend miteinander. Wenn euch Dinge aufgefallen sind, die ihr nicht gut fandet, dann reitet nicht drauf rum, sondern macht ganz konkrete Vorschläge zur Verbesserung. Weiterlesen  3 Anerkennung und Wertschätzung, S. 108 Die Aufregung  Jeder Mensch ist vor wichtigen Vorträgen aufgeregt. Das ist vollkommen normal. Es gibt viele Musiker_innen, die zwar die Musik lieben, aber riesiges Lampenfieber haben. Sie schwitzen, zittern und heulen und treten dann doch vor tausenden Menschen auf. Selbst manche_r Spitzenpolitiker_in, Profis im Reden, berichten unter vier Augen von ihrer Aufregung. Wir können uns leider nicht aussuchen, ob wir zu den Menschen gehören, die sehr aufgeregt sind, oder denen, die immer cool bleiben. Das Einzige, was dir helfen wird, deine Aufregung zu überwinden, ist, der Aufregung entgegenzutreten, ihr tief in die Augen zu schauen und es trotzdem zu machen! Nur Praxis und Übung helfen wirklich dagegen. Drei gegen Unsicherheit  Wer wirklich unter großer Aufregung leidet, der hat Angst. Da kommt man ganz schnell in eine Teufelsspirale. 4 150 Folgende Tipps können euch helfen: pp Vorbereitung gegen Aufregung: Selbst die besten Redner_innen der Welt werden nervös, wenn ihnen der Ablauf der Veranstaltung nicht ganz klar ist oder wenn sie sich in ihrer Rede unwohl fühlen. Der Umkehrschluss ist also: Bereitet euch vor! Lest den Ablaufplan der Veranstaltung ganz genau und nehmt euch ausreichend Zeit, eure eigene Rede vorzubereiten. pp Unterstützung im Publikum platzieren. Wenn ihr vor vielen Menschen reden müsst, dann setzt euch Freund_innen oder Kolleg_innen aus der SV ins Publikum. Die könnt ihr beauftragen, die ganze Zeit während eurer Rede zu lächeln und zu nicken. pp Sich größer machen, als man sich fühlt: Sucht euch ein Plätzchen, auf dem ihr allein und ungestört seid, und dann streckt euch, was das Zeug hält. Macht euch riesig groß. Breitet die Arme aus, als könntet ihr die ganze Welt darin hochheben. Spielt den Gorilla oder den Löwen – aber auf keinen Fall die Maus. Klingt erstmal doof, aber Neurowissenschaften haben schon rausgefunden, dass man sein Gehirn überlisten kann. Wer nur für zwei Minuten Selbstbewusstsein vorspielt, der wird selbstbewusster. Kein Witz, probiert es aus! Und nun viel Erfolg! Download  3 Einführungen in Rhetorik Dieser Text basiert auf einem ergänzten und überarbeiteten Text von Paul Bahlmann, RPB Beratung. Pimp my School – 1 x 1 der SV-Arbeit 151 4.6. Aktivieren. Motivieren. Begeistern.  4.6.1. Mitmachmöglichkeiten schaffen  SV-Arbeit kann und sollte nicht nur von den gewählten Vertreter_innen gemacht werden, sondern von allen, die Interesse haben. Meistens gibt es viele Schüler_innen, die Interesse hätten mitzuarbeiten, wenn sie wüssten, wo und wie das geht. Manche Menschen arbeiten auch einfach nur gern für einen bestimmten Zeitraum an einem Projekt mit, haben aber keine Lust, sich wählen zu lassen. Ihr könnt mehr erreichen, wenn ihr versucht, viele kleine und große Möglichkeiten zur Mitarbeit zu schaffen, d. h., dass es möglich ist, einfach mal die Meinung zu sagen, kurz mal mitzuarbeiten oder tatsächlich länger bei einem Projekt dabei zu sein. Weiterlesen  3 Die SV-Motoren: Aktivierende Strukturen, S. 61 Nach Meinungen fragen  Eure Mitschüler_innen haben ganz sicher zu allen Themen an der Schule ebenfalls eine Meinung. Da ihr sie als SV vertretet, ist es gut, wenn ihr sie(regelmäßig) nach ihrer Meinung fragt. Die Klassenberatungsstunde  Die erste Stufe, um eine eigene Meinung einbringen zu können, ist informiert zu sein bzw. informiert zu werden. Die Klassensprecher_innen müssen also gut über die SV-Arbeit in der Klassenberatungsstunde informieren. Hier könnt ihr jüngere und unerfahrenere Schüler_innen unterstützen, z. B. durch ein vorgefertigtes Protokoll, bei dem nur Lücken ausgefüllt werden müssen. Um Meinungen einzuholen, können die Svler_innen dann zusätzlich den Auftrag bekommen, Ideen in der Klassenberatungsstunde ihrer Klasse zu sammeln. Vielen Klassensprecher_innen hilft es, wenn ihr auch hier einen konkreten Vorschlag mitgebt, wie die Abfrage genau gemacht werden soll. Weiterlesen  3 Die Klassenberatungsstunde, S. 72 Fragebögen  Diese können durch die Klassensprecher_Innen verteilt und wieder eingesammelt werden. Mögliche Themen sind: der Umgang der Schüler_innen miteinander, das Verhältnis zu den Lehrer_innen, AG-Wünsche, Zufriedenheit mit dem Schulessen, Zufriedenheit mit dem Zustand der Toiletten, Zufriedenheit mit dem Aussehen 152 und Zustand des Schulhofes. Auf Basis der Ergebnisse können anschließend Projekte entstehen, bei denen versucht wird, etwas zu verändern. Da das Auswerten von Fragebögen ziemlich aufwändig sein kann, könntet ihr ein Unterrichtsprojekt daraus machen und dafür z. B. die Politiklehrer_innen ansprechen. Feste oder der„Tag der“  Wenn ihr als SV bei öffentlichen Anlässen einen Stand macht, könntet ihr Poster vorbereiten, auf denen eure Mitschüler_innen selbst Ideen eintragen oder aber mit Klebepunkten markieren können, was ihnen gut gefällt. Auffällige Ideenplakate oder Bodenzeitungen  Hängt doch einfach in der Schule ein paar Plakate auf, auf denen ihr eure Mitschüler_innen nach Ideen für die SV-Arbeit fragt. Mögliche Fragen könnten sein: Was soll die SV dieses Jahr machen und was soll an der Schule verändert werden? Je auffälliger die Plakate sind, desto besser. Damit eure Mitschüler_innen eher darüber„stolpern“, könnten sie sogar auf dem Boden liegen. Beschwerdestelle oder-buch  An manchen Schulen wird mit Beschwerdebüchern gearbeitet. Dabei liegt an einem Ort, an den alle kommen können, ein Beschwerdebuch aus, in das eingetragen werden kann, was einen gerade an der Schule so stört. Die SV schaut da regelmäßig rein und entscheidet dann was mit der jeweiligen Beschwerde geschehen soll. Möglichkeiten zur Mitarbeit schaffen  Kleine Mitmachmöglichkeiten schaffen  Manche Aufgaben und Jobs haben gar nicht direkt mit der SV zu tun und können auch von Leuten gemacht werden, die nicht in der SV sind, z. B. Plakate malen, Wände weißen, DJane oder DJ für die nächste Schulparty sein. Indem ihr kleine Möglichkeiten zum Mitmachen schafft, weckt ihr die Neugier auf mehr. Wenn dann Interesse besteht, können„größere“ Aufgaben angeboten werden. SV-Helfer_innen  Ihr könnt auch ein offizielles Amt daraus machen mitzuhelfen: SV-Helfer_innen. Das sind Schüler_innen, die Lust haben, die SV-Arbeit zu unterstützen, aber nicht direkt in der SV mitarbeiten wollen. Wenn es aber etwas zu tun gibt, sind sie zur Stelle. Es entsteht dadurch eine Art„Helfer_innenpool“, d. h. eine Liste von Schüler_innen, die bei entsprechenden Themen angesprochen werden können. Natürlich können sie dann je nach Aufgabe auch nein sagen. Die Aufgaben können dann von Stühle stellen über Getränkeverkauf bis zur Mitorganisation von Events reichen. Pimp my School – 1 x 1 der SV-Arbeit 153 SV-Praktikant_innen  Eine witzige Idee, oder? Die SV hat eigene Praktikant_innen. An einigen Schulen, an denen Schüler_innen in der achten oder neunten Klasse ein Soziales Praktikum ableisten müssen, ist es möglich, das Praktikum bei der SV zu absolvieren. Die Schulsozialarbeit ist dann die übergeordnete Stelle. Aufgaben könnten z. B. sein: Unterstützung bei Projekten wie Valentinstagaktion, SV-Logoentwicklung oder Vorbereitung der SV-Sitzung – oder gleich das Planen einer Image- und Bekanntheitskampagne für eure Arbeit? SV-Arbeitskreis(Offene SV-Arbeit, SV-Projektstunde)  SV-Arbeitskreis heißt, dass sich das Schulsprecherteam nicht im„stillen Kämmerlein“ allein trifft, sondern dass alle Schüler_innen(egal ob Klassensprecher_in oder nicht) zu diesen offenen Treffen kommen können. Das Treffen steht allen offen, die an SV-Arbeit interessiert sind oder an Projekten mitarbeiten wollen. Auch wenn man eigentlich noch gar keinen Plan hat, aber merkt, dass einen das irgendwie interessiert, kann man hingehen. Das muss dann aber auch allen bekannt sein. Der SV-Arbeitskreis trifft sich z. B. einmal pro Woche nach dem Unterricht für eine Schulstunde oder aber Montag, Mittwoch und Freitag immer in der 2. Pause im SV-Raum. Je nachdem, wie selbstorganisiert ihr seid, kann es sinnvoll sein, dass ein_e SV-Begleiter_in dabei ist. Ein solches Treffen hat mehrere Vorteile: Ihr habt nur die wirklich interessierten Schüler_innen dabei und es kann locker und ungezwungen sein – und damit Spaß machen! Was auf den Treffen dann gemacht wird? – Alles, was das Schulsprecherteam sonst alleine machen würde, was nun aber auf mehrere Schultern verteilt werden kann. Also: Aktuelles diskutieren, Projekte planen und SV-Sitzungen vorbereiten. Wenn ihr so arbeiten wollt, macht das überall bekannt und ladet nicht nur nebenbei dazu ein. Je öfter Menschen so etwas hören, es irgendwo geschrieben steht, dass ihr so arbeitet, desto eher trauen sie sich zu kommen und glauben euch auch, dass sie wirklich eingeladen sind. Tipp  3 Diese offene SV-Arbeit kann in Absprache mit der Schulleitung auch im Stundenplan aller Schüler_innen als“SV-Projektstunde“ vermerkt werden und bekommt so einen offiziellen Charakter. Projektwochen vor den Ferien nutzen  An vielen Schulen gibt’s vor den Ferien eine Projektwoche. Mit Unterstützung der SV-Begleiter_innen könnt ihr eine SV-Projekt-AG anbieten, die von allen Interessierten besucht werden kann. Dann gibt’s endlich mal genug Zeit, um ins Arbeiten zu kommen. SV-Seminare  Die Erfahrung mit vielen Schülervertretungen zeigt, dass ein gemeinsames SVSeminar bzw. eine SV-Fahrt das Beste ist, was einer SV passieren kann. Eingeladen sind dann Schüler_innen, die gewählt sind und alle weiteren Interessierten. 4 154 Ihr könnt hier Arbeit und Freizeit, Spaß, Kennenlernen und Zusammenwachsen miteinander super verbinden. Inhaltlich kann es um eure Rechte in der Schule, Entwicklung und Arbeit an SV-Projekten, Wissensweitergabe an die Jüngeren oder politische Themen wie eine demokratischere Schule gehen. Das ist euch selbst überlassen. Wenn die SV gemeinsam einige Tage verbringt, gibt es viel Zeit, die normalerweise in der Schule nicht vorhanden ist. Daher ist die SVArbeit auch danach häufig viel produktiver. Es gibt sogar Schulen, bei denen die Schulleitung die Schüler_innen für die Teilnahme innerhalb der Unterrichtszeit freistellt, so dass die Fahrt unter der Woche stattfinden kann. Bei anderen Schülervertretungen findet sie übers Wochenende statt, z. B. Freitag 16 Uhr bis Sonntag 13 Uhr. Es gibt unterschiedliche Möglichkeiten, Unterstützung für die Durchführung eigener SV-Seminare zu bekommen: pp von Schüler_innen, die selbst Seminare organisiert haben (Leno: lenoonel@web.de und Robert: r.muehling@web.de vom Beethoven-Gymnasium), pp professionelle Begleitung und Unterstützung: Es gibt in Berlin viele Organisationen, die SV-Seminare anbieten, mit euch gemeinsam gestalten oder bei denen man lernen kann, wie man selbst SV-Seminare gestalten kann. Downloads  3 Video: Droste-Hülshoff-Gymnasiums, Checkliste für die Organisation eines SV-Seminars, Vorlage Elternbrief, Vorlage TN-Bescheinigung, Methoden zur Gestaltung von SV-Seminaren Schüler_innen entscheiden selbst  Schülerhaushalt  Beim Schülerhaushalt entwickeln und entscheiden Schüler_innen selbst darüber, welche Projekte an ihrer Schule umgesetzt werden. Es ist ein mehrstufiger demokratischer Diskussions- und Entscheidungsprozess für Gestaltungsideen an der eigenen Schule. Dazu stellen die Schule und der Förderverein eine festen Geldbetrag zur Verfügung, z. B. 1000 – 4000 Euro. Schüler_innen machen Vorschläge, und im anschließenden Wahlprozess werden die beliebtesten Gestaltungsideen ermittelt und umgesetzt. Die Schritte eines Schülerhaushalts sind: 1. Die Schüler_innen einer Schule erhalten ein festgelegtes Budget. 2. Alle Schüler_innen können Ideen einreichen. 3. Es werden Delegierte gewählt, die den Prozess organisieren. 4. Die Schüler_innen diskutieren ihre Ideen. 5. Entscheidungsträger_innen geben Feedback zu den Projektideen. 6. Alle Schüler_innen wählen die ihnen wichtigen Projektideen aus. 7. Die fünf Projektideen mit den meisten Stimmen werden umgesetzt. Pimp my School – 1 x 1 der SV-Arbeit 155 Der Schülerhaushalt wird seit 2016 an einigen Schulen in Berlin durchgeführt. Beispiele für umgesetzte Ideen aus den letzten Jahren sind: Sportgeräte und Ausstattungen, IPads zur Unterrichtsnutzung, Raumaustattung oder ein Buzzer zur Essensausgabe. Web  3 www.schuelerhaushalt.de Schülerfirmen  Noch Schüler_in, aber schon eine eigene Firma? Das geht mit dem Gründen einer Schülerfirma. Schülerfirmen gründen sich z. B. für den Verkauf von Frühstück in einer großen Pause oder aber sogar für das Betreiben der Schulkantine. Schülerfirmen werden von Schüler_innen geleitet und beratend von Lehrer_innen unterstützt. Wie in einer richtigen Firma, kann die Arbeit in unterschiedliche Bereiche unterteilt werden, z. B. Produktion, Büro oder Verkauf. So wird ganz praktisch gelernt. Jede_r erhält nach Absprache klare überschaubare Aufgaben, z. B. das Erstellen einer Speisekarte. So könnt ihr früh und mit Spaß Verantwortung lernen. Download  3 Wie gründe ich eine Schülerfirma? Aula  Aula ist ein Modellprojekt, bei dem Schüler_innen geholfen wird, mehr an der eigenen Schule mitzubestimmen und eigene Ideen zur Gestaltung ihrer Schule zu verwirklichen. Egal ob zu Unterrichtsinhalten, zur Schulhofgestaltung, für Anschaffungen oder zur nächsten Klassenfahrt: Mit Hilfe einer Online-Plattform können alle jederzeit eine Idee für ihre Schule posten, kommentieren, weiterentwickeln und dann darüber abstimmen. Diskussionen zu den Ideen finden online und offline in eigenen Aula-Stunden statt. Ab dem Schuljahr 2018/2019 steht Aula kostenfrei für alle zur Verfügung. Web  3 www.aula.de, Youtube: Marina Weisband über Aula 4 156 4.6.2. Andere motivieren  Wenn ihr an eurer Schule etwas bewegen wollt, braucht ihr die Unterstützung möglichst vieler Schüler_innen. Diese zum Mitmachen zu bewegen, ist nicht immer so einfach. Am besten funktioniert es, wenn ihr andere mit Projekten ansprecht, die direkt etwas mit ihren Wünschen und Bedürfnissen zu tun haben. Ein Beispiel ist die Mitarbeit beim Verkauf von Valentinstagrosen. Danach gibt’s glückliche Gesichter zu bestaunen;) Macht’s möglich, dass man euch kennenlernen kann  Die Mitarbeit als Klassensprecher_in oder in einer Projektgruppe kann sich für einige schon als zu verbindliche Teilnahme anfühlen. Daher ist es gut, wenn ihr Möglichkeiten schafft, wo man euch locker kennenlernen und sich informieren kann, ohne sich gleich für irgendwas zu verpflichten. Denkbar sind z. B. SV-Caférunden, zu denen ihr einladet. Dort bietet ihr z. B. einfach Tee und Kuchen an und man kann sich nebenbei über Projekte informieren. Es ist außerdem wichtig, dass ihr aufgeschlossen wirkt und nicht so, als würdet ihr lieber für euch allein arbeiten. Weiterlesen  3 Ansprechbar sein im Schulalltag, S. 65 Mitschüler_innen persönlich einladen  Die beste Möglichkeit, neue Mitstreiter_innen zu finden, ist es, wenn ihr sie persönlich ansprecht. So wird ein direkterer Bezug zur SV-Arbeit hergestellt als durch ein Infoblatt. Also fragt doch einfach bei der nächsten Gelegenheit:„Hast du nicht Lust...?“ Leute persönlich anzusprechen vermittelt am ehesten, dass euch die Mitarbeit wichtig und Mithilfe gern gesehen ist. Mitmachmachmöglichkeiten an der Schule bekannt machen  Mitmachen kann man nur, wenn man davon weiß, wann, wie und wo man mitmachen kann. Wichtig ist also, dass ihr eine gute Informationspolitik habt und eure Öffentlichkeits-AG dauerhaft Informationen verbreitet. Macht aktiv Werbung für die Treffen der Projektgruppen. Stellt sie online, fertigt Flyer an oder hängt Plakate auf. Eine kurze Erinnerung an das nächste Treffen könnt ihr z. B. auch über eine Durchsage über die Sprechanlage in der Schule verbreiten. Weiterlesen  3 Öffentlichkeitsarbeit, S. 158 Rechte bekannt machen  Die meisten eurer Mitschüler_innen werden weder wissen, was mit SV-Arbeit alles möglich ist, noch, was sie für Rechte haben. Oft ist es so, dass Schüler_innen nach SV-Seminaren und Coachings staunen, was andere Schülervertreter_innen alles auf die Beine gestellt haben und wie weitgehend manche Rechte sind, von denen man vorher gar nichts wusste. Wichtig ist daher, dass ihr eure Mitschü- Pimp my School – 1 x 1 der SV-Arbeit 157 ler_innen regelmäßig über Rechte und Mitmachmöglichkeiten informiert, z. B. mit Flyern, Vollversammlungen, Aushängen oder SV im Unterricht. Das kann man nicht oft genug wiederholen. Wie wär’s wenn ihr euch jedes Jahr eine andere Aktion überlegt, eure Rechte nach dem Schulgesetz und den Kinderrechten bekannt zu machen? Ein geheimes Ziel könnte sein, dass ihr nach 3 – 4 Jahren spontan jemand auf dem Flur ansprecht und euch die Person auf jeden Fall ein Recht nennen kann;) Weiterlesen  3 Mitbestimmungsmöglichkeiten der Schülervertretung, S. 25 Interesse wecken Das geht am leichtesten mit SV-Aktionen, die Spaß machen. Kriegen eure Mitschüler_innen mit, dass ihr eine Party, einen Kinoabend oder eine lustige Aktion zum Schuljahresende macht, so weckt das ihr Interesse, mehr über euch zu erfahren. Schon mal an Schulpullis gedacht, die von der SV gestaltet wurden? Um auf euch aufmerksam zu machen, sind kreative Bewerbungsaktionen auch besonders geeignet, z. B. Luftballonaktionen. Ihr könntet ebenso versuchen gezielt Themen anzusprechen, die bestimmte Schüler_innen interessieren könnten, z. B. die Organisation eines Fußballturniers oder eine Anti-Homophobie-Aktion. Eine SV-Chronik anlegen – Erfolge bekannt machen  Sehr überzeugend ist es auch, wenn ihr eine öffentliche„SV-Chronik“ anlegt, d. h., dass ihr beginnt zu sammeln, was in jedem SV-Jahr erreicht wurde, so dass über die nächsten Jahre eine Übersicht entsteht. Vorm SV-Raum oder auf dem SV-Brett ist ein idealer Ort, um festzuhalten, was über die Jahre geschafft wurde. Wenn ihr z. B. erreicht habt, dass sich die Handyregelungen ändern oder ein Schülercafé eingerichtet wurde, kann es sein, dass sich nach drei Jahren niemand mehr daran erinnert, dass ihr das geschafft habt! Eine solche Chronik kann man sogar begehbar organisieren, indem ihr die Fotodokumentation aller bisherigen SV-Aktionen ausdruckt und an Wänden anbringt – oder sogar ein kleines SV-Labyrinth mit Pappe bastelt? 158 4.7. Öffentlichkeitsarbeit –„SV? nie  gehört...“  4 Öffentlichkeitsarbeit ist der Schlüssel dazu, dass ihr Mitstreiter_innen findet und eure SV mehr und mehr an der Schule akzeptiert wird. Informationen sind die Grundlage fürs Mitmachen. Möglichst alle Schüler_innen sollten deshalb wissen, welche SVProjekte es gibt, wo man mitmachen kann und was schulpolitisch gerade so passiert. Dies erreicht ihr am besten, wenn ihr die hier vorgestellten Wege kombiniert. Öffentlichkeitsarbeit= jede Form der Kommunikation aus der Schülervertretung heraus, mit dem Ziel, dass ihr und eure Aktionen bekannt(er) werden. Rechtliche Grundlagen (§ 48,§ 83 (2) SchulG)  Ihr dürft euch zu allen Themen rund um Schule und Bildung äußern, weil ihr „ein bildungspolitisches Mandat“ habt. Dazu dürft ihr z. B. eine Schülerzeitung herausgeben, die nicht zensiert werden darf. Ihr könnt damit wie alle anderen Menschen die Meinungs- und Pressefreiheit in Anspruch nehmen. Wichtig ist, dass ihr dabei die Persönlichkeitsrechte anderer beachtet, z. B. das Recht am eigenen Bild, d. h., dass von niemandem gegen seinen Willen Fotos veröffentlicht werden dürfen oder ihr sie öffentlich beleidigt. Macht Öffentlichkeit zu einem festen Arbeitsbereich.  Da Öffentlichkeitsarbeit wichtig ist, um euch an der Schule zu einem festen Akteur zu machen, ist es empfehlenswert, eine AG Öffentlichkeitsarbeit zu gründen, die eng mit dem Schulsprecherteam zusammenarbeitet und in der Schüler_innen sind, die nicht auch sonst schon viel zu tun haben. Solltet ihr Mediencracks unter euch haben, könntet ihr sogar eine kleine Medienschulung anbieten, z. B. dafür, wie man einen Blog einrichtet, gute Fotos schießt oder Berichte schreibt. Worüber solltet ihr berichten?  Am besten über alles, was mit eurer Arbeit und angrenzenden Themen zu tun hat – also eure Erfolge und was ihr dafür getan habt, laufende Projekte, aktuelle schulpolitische News aus den Konferenzen der Schule, eure Rechte, Ansprechpartner_innen in der SV für bestimmte Themen oder aktuelle Aktionen und Aufrufe zur Mitarbeit, z. B. bei einer Kleiderspendeaktion. Ihr könnt aber genauso auch ganz bewusst Akzente setzen und politische Themen, die ihr an der Schule diskutiert haben wollt, thematisieren, z. B. den Sanierungsstau an Berliner Schulen oder wofür sich der Landesschülerausschuss gerade einsetzt. Pimp my School – 1 x 1 der SV-Arbeit 159 Grundsätze der Öffentlichkeitsarbeit  Seid aktuell.  Durch nichts verliert ihr schneller Interessierte als durch veraltete Infos. Achtet also darauf alte Aushänge abzunehmen oder Facebookseiten nicht einschlafen zu lassen, so dass der letzte Eintrag von 2013 ist... Leitfragen für das Verpacken eine Botschaft  Wenn ihr Menschen erreichen wollt und ihnen etwas mitteilen wollt, solltet ihr darüber nachdenken, wie ihr das macht. Überlegt mal: welche Information transportiert z. B. ein weißer A4-Zettel mit kleiner schwarzer Schrift als Aushang der SV? Eher„oh, anstrengend und langweilig“ statt„yeah – da will ich mitmachen“. Wenn ihr also Informationen verbreiten wollt, müsst ihr vorher folgende Fragen klären: pp Wer ist die Zielgruppe, d. h. wen wollen wir genau erreichen?(z. B. wir wollen die jüngeren Schüler_innen ansprechen), pp Was ist das Ziel, d. h. was wollen wir damit erreichen?(z. B. dass mindestens fünf jüngere Schüler_innen zur nächsten AG Minis kommen), pp Was ist der Inhalt bzw. die Botschaft, die wir vermitteln wollen?(z. B.„Die SV ist auch was für jüngere Schüler_innen.“,„Ihr braucht keine Angst haben, wir kümmern uns gut um euch.“), pp Welche Form wählen wir dafür, d. h. wie setzen wir das um?(z. B. Sticker mit dem Spruch:„Neu an der Schule – und schon viele Ideen, was sich ändern soll? Komm zur AG Minis – der jungen Schülervertretung“). Weckt Emotionen  „Ich habe gelernt, dass Menschen vergessen, was man gesagt hat, dass Menschen vergessen, was man getan hat, aber dass Menschen niemals vergessen, welche Gefühle man in ihnen hervorgerufen hat.“ Maya Angelou(US-amerikanische Schriftstellerin und Bürgerrechtlicherin) Reine Sachinformationen wecken eher Langeweile. Ihr könnt bewusst überlegen welche Emotion ihr wecken wollt, und dann wie ihr das erreicht. Z. B. wird der Spruch:„Schule ohne Noten? Auch bei uns an der Schule?“ oder aber:„Die SV fordert mehr Mitbestimmung im Unterricht und transparente Notenvergabe durch Lehrer_innen!“ – auf jeden Fall für Emotionen, Gespräche und damit Interesse an eurer Arbeit sorgen. Diese Forderungen sind übrigens vielleicht provokant und kritisch, aber im Hinblick auf euer bildungspolitisches Mandat (siehe oben) und eure Aufgabe als Interessenvertretung der Schüler_innen total erlaubt. 4 160 Sich ein Wiedererkennungmerkmal zulegen – SV Logos  Legt euch ein SV-Logo zu, das z. B. über einen schulweiten Wettbewerb gesucht wurde, am besten noch mit Slogan drunter. Wenn ihr dieses Logo dann auf allen Veröffentlichungen wiederholt, entsteht ein Wiedererkennungswert. Macht eure eigenen Merchandise-Artikel, die euer Logo dann enthalten können, z. B. Hoody, T-Shirt, Beutel … Wenn die Kleidung„cool“ genug ist und nicht zu teuer, ist das eine gute Möglichkeit, dass eure Werbung von allen(herum)getragen wird und sogar ein wenig Geld reinkommt. Öffentlichkeitsarbeit durch persönlichen Kontakt  Der Buschfunk – berichtet Leuten persönlich  „Mundpropaganda“, d. h. Leuten persönlich zu berichten und sie einzuladen, ist die direkteste und nachhaltigste Art der Werbung. Mit euch können eure Mitschüler_innen mehr anfangen als mit einem Zettel an der Wand. Sprecht Leute also persönlich an, wenn ihr wollt, dass sie bei euch mitmachen. Tag der offenen SV  Hier informiert ihr als SVler_innen Schüler_innen, Eltern und Lehrer_innen über die Aktionen eurer SV im letzten Schuljahr, den Ablauf der kommenden Wahlen und die Gestaltungsmöglichkeiten der SV an eurer Schule. Wendet euch auch an die jüngeren und neuen Schüler_innen, denn ihr müsst für Nachfolger_innen sorgen! Schülerversammlungen (Vollversammlungen)  Wenn ihr wollt, dass alle Schüler_innen der Schule Bescheid wissen über euch, ist eine Vollversammlung der„einfachste“ Weg, weil ihr schnell alle erreicht. Wenn sich z. B. neue Projektgruppen gebildet haben oder ihr wollt, dass sich welche bilden, dann ist eine Vollversammlung eine Möglichkeit dazu. Genauso, wenn ihr wollt, dass an der ganzen Schule das Bewusstsein für ein bestimmtes Thema steigt. Lasst euch nicht davon abhalten, dass meist keine so großen Räume zur Verfügung stehen. Teilt die Vollversammlung einfach in drei Teile und führt sie nacheinander in drei aufeinanderfolgenden Unterrichtsstunden durch. Wichtig ist, dass ihr Vollversammlungen nur umsetzt, wenn ihr davon ausgeht, dass niemand die Gelegenheit erhält, Mitschüler_innen bloßzustellen. Download  3 Organisation einer Vollversammlung Pimp my School – 1 x 1 der SV-Arbeit 161 Aktionen: Macht auf euch aufmerksam. Überrascht!  Tut Unerwartetes!  Überlegt, mit welchen Ideen ihr den normalen Schulalltag durchbrechen könnt, um Aufmerksamkeit zu bekommen. Hier ein paar Beispiele: pp ein„Roter Faden“, den ihr auf den Boden klebt und der zum SV-Raum führt, pp Slogans oder Rechte von Schüler_innen, die ihr als einzelne Zettel im Schulhaus verteilt, pp hunderte Post-its im Schulgebäude, pp Treppenstufen für Werbung verwenden, pp Postkarten, Sticker, Flyer, auf denen steht„Dreh mich um“, und auf der Rückseite steht die Einladung zu einem AG-Treffen, pp Flashmobs(„Radioballett“), d. h., Menschen bewegen sich oder tanzen an belebten Orten wie der Mensa oder auf dem Schulhof gleichzeitig auf die gleiche Art und Weise, um auf etwas bestimmtes aufmerksam zu machen. Öffentlichkeitsarbeit online  Ohne Smartphone geht ja nichts mehr … also nutzt das für euch. Ihr könnt online super Fotos, Berichte, Mimes oder Videos verbreiten. Bilder lösen mehr aus als Text. Also veröffentlicht doch Fotos von der letzten SV-Party oder macht einen SV-Film, um euch ein Image aufzubauen. Download  3 Imagefilm der LSV Österreich Öffentliche Facebookseite  Facebook kann man in Bezug auf Datenschutz kritisch sehen. Es ist aber gerade eine der einfachsten Möglichkeiten, über euch zu berichten. Kombiniert den Aufbau einer Facebookseite mit einer Aktion, z. B. Verteilen von Flyern mit„Like us on Facebook“, die ihr zwei Tage lang an jedem Eingang der Schule verteilt, und bestimmt ein Viertel eurer Mitschüler_innen wird euch adden – wenn ihr einmal ein paar Hundert Follower habt, kriegt der Rest, der nicht(mehr) bei Facebook ist, eure News über Mundpropaganda auch noch mit. Instagram und Snapchat  Instagram und Snapchat könnt ihr gut für die lockere Kontaktaufnahme mit euren Mitschüler_innen nutzen. Versendet schöne, lockere Bilder von den letzten Aktionen oder dem letzten Projekt. 4 162 Blog  Ein Blog ist eine veränderliche Seite, über die immer wieder neue Posts mit Videos, Fotos, Umfragen geschickt werden können. Blogs eignen sich gut zum übersichtlichen Präsentieren von SV-Arbeit, erreichen aber normalerweise weniger Schüler_innen als Facebook. Achtet beim Design auf Smartphonetauglichkeit. Die weit verbreitesten Blogs sind von wordpress. Web  3 www.de.wordpress.com Newsletter  Dabei werden über eine Mailingliste Mails an alle Interessierten versendet. Hierfür sammelt ihr über eine längere Zeit Mailadressen von Menschen, die Interesse an eurer SV-Arbeit haben, z. B. interessierten Schüler_innen, Eltern, Lehrer_innen und der Presse. Es gibt viele Anbieter, bei denen ihr eine Mailingliste oder einen Newsletter erstellen könnt, z. B. GoogleGroups. Download  3 Wie erstellen wir einen Newsletter? Schulhomepage  Ihr solltet einen festen Platz auf der Schulhomepage haben. Am besten legt ihr hier eine feste Seite an, die nicht so oft aktualisiert werden muss und auf eure eigentliche, aktuellere Seite verweist. Das ist gut, um Lehrer_innen, Eltern oder die Presse zu erreichen. Öffentlichkeitsarbeit offline – gibt’s wirklich immer noch...  Schülerzeitung/SV-Zeitung/SV-Infos  Eine eigene Schülerzeitung an der Schule zu haben, war früher sehr beliebt. In den letzten Jahren ist diese Tradition eher eingeschlafen. Überlegt doch mal, ob ihr die Schülerzeitung nicht wieder ins Leben rufen wollt. Heute muss man dafür auch keine Texte mehr auf Blätter kleben, sondern hat modernere Mittel zur Verfügung. Dabei kann man z. B. Layouten oder Texten lernen. Alternativ könnt ihr natürlich als Mini-Variante einen kleinen SV-Newsletter rausbringen. WEB  3 Hilfe beim Gründen von Schüler­ zeitungen: www.schuelerzeitung.de, www.jugendpresse.de Download  3 Erfahrungsbericht Gründung einer Schülerzeitung SV-Brett  Die klassische alte Pinnwand mit SV-News muss an einem sehr zentralen Ort hängen, wo wirklich viele Schüler_innen vorbeikommen, und zeitgemäß gestaltet sein. Eine Sammlung von Zetteln, dazu noch klein gedruckt, spricht niemanden an. Ihr könnt euch sicher sein, dass das niemand liest. Also lieber knallig, auffällig und mit den allerwichtigsten Infos. Pimp my School – 1 x 1 der SV-Arbeit 163 Schulradio  Schulradio bedeutet, dass sich eine Gruppe von Schüler_innen zusammentut und ein kleines Radioprogramm gestaltet, das in Pausenräumen oder über die Sprechanlage der Schule in bestimmten Pausen zu hören ist. Da könnte eine Nachrichtensendung zur SV-Arbeit fester Bestandteil sein... Download  3 Schulradio machen Nutzung der Lehrerfächer für Info-Weitergabe  Wirklich wichtige Infos, z. B. Einladungen zu SV-Sitzungen oder zum Spendenlauf, solltet ihr den Klassenleitungen ins Fach legen. Sonst geht natürlich auch:  pp Aushänge und Plakate an den Klassentüren, pp Durchsagen über die Sprechanlage, pp Stellwände im Foyer, pp SV-Webseite zur Startseite auf den Schulrechnern machen, pp Pressemitteilungen rausgeben. Download  3 Pressemitteilungen rausgeben 164 4.8. Dynamische Weiterentwicklung:  Evaluation und Weiterentwicklung  4 Um sich bewusst in eine bestimmte Richtung weiterzuentwickeln bzw. zu erkennen, wie es nicht weitergehen soll, sollte man sich ab und zu die Zeit nehmen und begutachten, was in der nahen Vergangenheit passiert ist. Gute Organisationen zeichnen sich dadurch aus, dass dieser Prozess ernst genommen und als Möglichkeit des Wachstums begriffen wird. Die Ergebnisse sollten dokumentiert werden, so dass sie gut weiterverwendet werden können. Evaluationen bieten sich in der Mitte von Prozessen, Projekten oder SV-Jahren an(um den Kurs zu ändern) und am Ende(um Schlussfolgerungen zu ziehen). Evaluation = Bewertung und Begutachtung = Wie läuft‘s bisher und was soll sich ändern? Folgende Dinge können evaluiert werden: pp die Arbeit in einer Projektgruppe, z. B. das Teamplay, pp die Arbeit auf SV-Sitzungen, z. B. die Effektivität, pp die Arbeit des Schulsprecherteams, z. B. das Erreichen gemeinsamer Ziele, pp die Zusammenarbeit mit den SV-Begleiter_innen, z. B. wie hilfreich ihre Unterstützung wirklich ist, pp die Arbeit in Konferenzen, z. B. die Zusammenarbeit mit der Gesamtelternvertretung, pp die Zusammenarbeit mit überregionalen SV-Strukturen, z. B. dem BSA. Download  3 Der Evaluationskoffer der LSV in Baden-Württemberg Ablauf einer Evaluation  Schritt 1: Zurückschauen auf die vergangene Zeit  Folgende Fragen können als Leitfragen benutzt werden: pp Mit welchen Zielen sind wir gestartet? pp Was hat funktioniert? Worauf können wir stolz sein? pp Was hat nicht funktioniert? Warum hat es nicht funktioniert? pp Was waren stressige Zeiten, wo wir an unsere Grenzen kamen oder Motivationsprobleme hatten? pp Was sollten wir auf jeden Fall weitermachen? pp Was sollten wir auf jeden Fall nicht mehr machen? Pimp my School – 1 x 1 der SV-Arbeit 165 Schritt 2: Wie geht‘s weiter? Folgende Fragen können als Leitfragen benutzt werden: pp Welche neuen Ziele wollen wir uns setzen? pp Wie wollen wir Stolpersteine aus dem Weg räumen? pp Wer kann uns dabei unterstützen? pp Wie können wir unsere Zusammenarbeit verbessern, z. B. den Fun-Faktor oder die Bewerbung verbessern? Evaluationsmethoden  Einfache Methoden  Daumenfeedback Beim Daumenfeedback wird eine Frage in den Raum gestellt, die durch alle Teilnehmenden mit ihrem Daumen beantwortet wird. Der Daumen kann hoch, in die Mitte oder nach unten zeigen. Abstufungen dazwischen sind auch möglich. Wird z. B. die Frage gestellt:„Wie zufrieden seid ihr mit den Ergebnissen der heutigen SV-Sitzung?“, zeigen alle gleichzeitig ihren Daumen vor. So lässt sich leicht schnell einschätzen, wie eine Gruppe zu einer Frage steht. Das Daumenfeedback kann auch eingesetzt werden, um während Diskussionen eine Zwischenstimmung zu erfahren oder aber am Ende von Seminaren, indem mehrere Fragen zur Auswertung hintereinander gestellt werden. Ggf. kann auch gefragt werden, ob jemand Lust hat zu begründen, warum der Daumen so oder so zeigt. Das darf aber auf gar keinen Fall mit Druck geschehen, weil eure Mitschüler_innen sonst in Zukunft vielleicht nicht mehr ehrlich sein werden, weil sie vermuten dann dranzukommen und ihre Meinung begründen zu müssen. SMS-Feedback  Die Rückkehr der SMS! Dabei erhält jede_r eine Moderationskarte und soll darauf eine SMS zu einer Fragestellung schreiben, z. B.:„Wie fandest du das SV-Seminar?“ Alle haben dann mit 160 Zeichen die Möglichkeit, ihr Feedback zum Seminar auf die Karte zu schreiben. Sämtliche Moderationskarten werden eingesammelt, aber nicht vorgelesen – eine ruhige und anonyme Möglichkeit, Feedback zu geben. Fünf-Finger-Feedback Mithilfe der eigenen Hand werden folgende Fragen mit je einem Satz beantwortet. Damit das in größeren Gruppen nicht zu lange dauert, kann man die Teilnehmenden bitten, sich auf zwei bis drei Finger zu beschränken. Daumen –„Das fand ich heute super:...“ Zeigefinger –„Darauf möchte ich hinweisen:...“ Mittelfinger –„Das hat mir heute gestunken/fand ich blöd:...“ Ringfinger –„Das nehme ich heute mit:...“ Kleiner Finger –„Das ist mir heute zu kurz gekommen:...“ Dartscheibe Auf einem Plakat ist eine Dartscheibe abgebildet, die z. B. in vier Bereiche unterteilt ist. Diese haben jeweils einen Titel, der außerhalb der Dartscheibe steht(z. B. „Räume“,„Inhalte“,„Methoden“,„Zeiteinteilung“). In die Dartscheibe kleben die Teilnehmenden Klebepunkte. Je näher der Punkt zur Mitte geklebt wird, desto besser wird der jeweilige Bereich bewertet, je weiter außen, desto schlechter. Wenn jemand noch mehr dazu sagen möchte, kann er_sie das auf einem gesonderten Plakat aufschreiben. Satzbausteine Bei den Satzbausteinen werden die Teilnehmenden gebeten, etwas mit Hilfe eines vorgegebene Satzanfangs zu beurteilen. Z. B.„Ich fand das Seminar...“. Empfehlenswert ist, wenn ihr dazusagt, dass nach den Pünktchen maximal ein„und“ kommen darf. Sonst gibt es Menschen, die trotzdem Romane erzählen. 4 166 Methoden, deren Ergebnisse mehr aussagen  Feedbackbögen(oder-zettelchen) Feedbackbögen können nach abgeschlossenen SVProjekten oder am Ende des Schuljahres in die Klassen gegeben werden, um damit die Arbeit der SV oder der Schulsprecher_innen zu bewerten. Dafür müssen sich eure Mitschüler_innen allerdings etwas Zeit nehmen und die Beantwortung von Fragen ernst nehmen. Dauer: 10 Minuten Insel-Methode Die moderierende Person malt auf ein großes Plakat eine Insel. Die unterschiedlichen Elemente der Insel stehen dabei für verschiedene Bewertungskriterien. Die Teilnehmenden schreiben zu jedem Element an dem dafür vorgesehenen Platz ihre persönlichen Eindrücke: Was ich vom Seminar mitnehme, kommt in eine Schatztruhe. Eine Sonne symbolisiert alles, was ich besonders gut fand. Was hat mich auf die Palme gebracht? Welche(Kokos-)Nuss möchte ich noch knacken? Das Wasser steht für alles, was mir noch schwammig ist. Alles, was ich schlecht fand, frisst der Haifisch. Natürlich kann sich jede_r weitere Elemente ausdenken. Dauer: 15–20 Minuten SWOT-Analyse Bei der SWOT-Analyse geht es darum ein bestehendes Projekt weiterzuentwickeln. Dazu wird ein Blatt Papier in vier Bereiche geteilt, die mit folgenden Überschriften versehen werden: - Stärken: Was läuft bei uns gut? - Schwächen: Wo liegen Fehler, Probleme, Schwachstellen? Was führt zu Spannungen? - Chancen: Welche Potentialen sehe ich bei mir und uns? Welche Potentiale sind noch nicht ausgeschöpft? - Risiken des Projekts: Welche Bedrohungen sehe ich? Was passiert, wenn nichts passiert? Was ist der"worst case"? Diese werden nacheinander mit Gedanken zum Projekt gefüllt. Danach können sich weitere Schritte anschließen: - Aus welchen Stärken ergeben sich neue Chancen? - Mit welchen Stärken und wie minimieren wir die Risiken? - Welche Strategien können wir entwickeln damit Schwächen nicht zu Risiken werden? - Wie können die Schwächen verkleinert werden, so dass neue Chancen genutzt werden können? Dauer: 45–60 Minuten NÜM-Methode NÜM steht für„n“achdenklich,„ü“beraschend, „m“erkwürdig. Merkwürdig kann dabei bedeuten„Ich möchte es mir merken“ oder„Das war seltsam“. Wenn reihum Feedback gegeben wird, sind das die Kategorien zu denen man antworten und an denen man sich orientieren kann. Dauer: 15–20 Minuten Pimp my School – 1 x 1 der SV-Arbeit Ausblick:  Wie geht’s  weiter?  5 168 5.1. Wer kann helfen?  5 5.1.1. Vernetzung mit anderen Schülervertreter_innen  Vernetzung ist eine gute Möglichkeit, voneinander zu lernen und Tipps und Tricks auszutauschen. Viele Probleme ähneln sich und Projekte wie Schülerzeitung oder Schulfest finden schulübergreifend manchmal mehr Unterstützung als nur an einer Schule. Kontakt aufnehmen  Versucht, andere Schulsprecher_innen aus eurem Kiez kennenzulernen, indem ihr die Kontaktdaten aus dem Internet recherchiert oder bei euren Nachbarschulen im Sekretariat nachfragt. Ihr könntet euch dann ab und zu in lockerer Runde treffen. Solche Bündnisse werden besonders wichtig, wenn man gemeinsam etwas erreichen will, z. B. ein gemeinsames Anti-Rassismus-Fußballturnier. Offizielle Vernetzungsstrukturen  Auf Bezirksebene könnt ihr Kontakt zum Bezirksschülerausschuss(BSA) aufnehmen. Dieser ist u. a. dafür gedacht, dass sich Schülervertretungen über ihre Arbeit austauschen. Um daran teilzunehmen, müsst ihr nicht unbedingt gewähltes Mitglied sein. Das Schulgesetz sieht vor, dass Gäste mit Zustimmung des BSA teilnehmen können. Genauso verhält es sich mit dem Landesschülerausschuss (LSA). Dort lernt ihr in jedem Fall sehr engagierte Schüler_innen kennen. Der LSA hat eine monatliche Sitzung, zu der Gäste herzlich eingeladen sind. Weiterlesen  3 Der Landesschülerausschuss stellt sich vor, S. 21 Download  3 Geschäftsstellen der Bezirksschülerausschüsse Veranstaltungen, die ihr besuchen könnt  pp SV-Kongress der Friedrich-Ebert-Stiftung: Zweimal im Jahr tauschen sich bis zu 150 Schüler_innen und SV-Begleiter_innen in unterschiedlichen Workshops über ihre Arbeit aus und können neue Netzwerke spinnen. pp SV-Vernetzungsfahrten: mehr als lernen, SV start up sowie das Wannseeforum führen jedes Jahr SV-Fahrten durch, die dem Kennenlernen und Vernetzen von Schülervertreter_innen unterschiedlicher Schulen dienen. pp Demokratietag der Deutschen Gesellschaft für Demokratiepädagogik: ­Einmal im Jahr vernetzen sich bis zu 200 Schüler_innen und Lehrer_innen zum Thema Demokratie in der Schule. Weiterlesen  3 Anbieter von Seminaren und Coachings, S. 171 WEB  3 www.demokratietag.net Pimp my School – 1 x 1 der SV-Arbeit 169 5.1.2. Angebote in den Bezirken  In jedem Bezirk gibt es Ansprechpartner_innen für die Mitbestimmung von Kindern und Jugendlichen. Es ist ihre Aufgabe, euch bei euren Fragen zu unterstützen. Viele von ihnen haben sogar eine spezielle Ausbildung dafür absolviert. Sie können euch bei der Umsetzung von Projekten, Fragen zur Finanzierung von SV-Projekten oder aber bei eurer Arbeit im Bezirksschülerausschuss unterstützen. Sie freuen sich, wenn ihr Kontakt aufnehmt! Web  3 Die jeweils aktuelle Liste der jeweiligen Ansprechpartner_innen ist im Internet unter www.mitbestimmen-in-berlin.de/info-material/downloads zu finden. Bezirk CharlottenburgWilmersdorf FriedrichshainKreuzberg Lichtenberg MarzahnHellersdorf Mitte Neukölln Pankow Reinickendorf Ansprechpartner_in Thomas Juhl, Geschäftsstelle Kinderund Jugendparlament Angelika Staudinger& Ulrike Jacobi, Kinder- und Jugendbeteiligungsbüro Manuela Elsaßer, Koordinationsstelle Kinder- und Jugendbeteiligung Frauke Groner& Ina Göllmann, Kinderund Jugendbüro Marzahn-Hellersdorf Peter Andreas& Andreas Voigt, Kinder- und Jugendbüro Mitte Katharina Homann, Koordinierungsstelle für Kinder- und Jugend­ beteiligung Mitte Renate Baier, Kinder- und Jugendbüro Neukölln Jeanette Münch, Kinderund Jugendbeauftrage des Bezirks Jörg Repp, Bezirksamt Abteilung Jugend, Familien und Soziales Adresse, E-Mail-Adresse, Webseite Otto-Suhr-Allee 100, 10585 Berlin, Tel.: 902 91 51 05, kontakt@kjp-cw.de, www.kjp-cw.de Waldemarstr. 57, 10997 Berlin, Tel.: 92 12 49 97, mail@kjbb-friedrichshain-kreuzberg.de, www.gsj-berlin.de/kinder-und-jugendbeteiligungsbuero-friedrichhain-kreuzberg Möllendorffstr. 6, 10367 Berlin, Tel.: 902 96 63 03, manuela.elsasser@lichtenberg.berlin.de, www.kjb-lichtenberg.de Marzahner Promenade 51, 12679 Berlin, Tel.: 933 94 66, kjb@hvd-bb.de, www.facebook.com/kijubue Reinickendorfer Str. 55, 13347 Berlin, Tel.: 28 38 44 10, kjbm@versanet.de, www.kjbm.de Rostocker Str. 32, 10553 Berlin, Tel.: 39 08 12-19, katharina.homann@moabiter-ratschlag.de, www.moabiter-ratschlag.de/kinderbuero Britzer Damm 93, 12347 Berlin, Tel.: 902 39 28 10, kijubue@neukoelln-jugend.de, www.neukoelln-jugend.de Berliner Allee 252–260, 13088 Berlin, Tel.: 902 95 71-17/-18, jeanette.muench@ba-pankow.berlin.de Teichstr. 65, 13407 Berlin, Tel: 90 29 46 07 9, joerg.repp@reinickendorf.berlin.de, www.ost.jugend-reinickendorf.de 170 Spandau SteglitzZehlendorf TempelhofSchöneberg TreptowKöpenick Philipp Meade, Kompaxx e. V. Michael Bandt, Kinder- und Jugendbeauftragter Janine Rittel, Kinder- und Jugendbüro Steglitz-Zehlendorf Oliver Schmidt, Kinder und Jugendparlament N. N., Fachkoordinator_in Jugendarbeit und Jugendsozialarbeit Viktoria-Ufer 4, 13597 Berlin, Tel.: 33 77 38 40, kinderrechte@kompaxx.de, www.facebook.com/bildungsbruecken Carl-Schurz-Straße 2–6, 13578 Berlin, Tel.: 902 79 24 77, kijube@ba-spandau.berlin.de Mörchinger Straße 49, 14169 Berlin, Tel.: 0178 811 99 44, kijubsz@berlin.de, www.facebook.com/KinderundJugendbueroSZ Strelitzstraße 15, 12105 Berlin, Tel.: 902 77 22 86, info@kjp-ts.de, www.kjp-ts.de Hans-Schmidt-Str. 10, 12489 Berlin Tel. 90 297-51 26 5 Für ganz Berlin ansprechbar  Servicestelle Jugendbeteiligung Scharnhorststraße 28, 10115 Berlin Tel.:+49 30 3087845 20 post@jugendbeteiligung.info www.servicestelle-jugendbeteiligung.de Pimp my School – 1 x 1 der SV-Arbeit 171 5.2.3. Anbieter von SV-Seminaren In Berlin gibt es zahlreiche Organisationen, die sich darauf spezialisiert haben, Schülervertretungen bei ihrer Arbeit zu unterstützen. Alle aktiven Anbieter mit ihren jeweiligen Angeboten sind hier zu finden. DEVI e. V. – Verein für Demokratie und Vielfalt in Schule und  beruflicher Bildung  SV-Angebote: kostenlose Seminare für Schülervertretungen von Berufsschulen, Fachschulen sowie Oberstufenzentren über ihre Rechte und Möglichkeiten, Schulungen für Vertrauens- und Verbindungslehrer_innen. Andere Angebote: Beratung, Seminare und Fortbildungen für Schüler_innen und Lehrer_innen zu Rechtsextremismus, Diskriminierung und religiösem Extremismus. Web  3 www.demokratieundvielfalt.de Dialog macht Schule  Es wurde keine Beschreibung eingereicht. Web  3 www.dialogmachtschule.de Friedrich-Ebert-Stiftung  SV-Angebote: Fortbildungen, ein- und mehrtägige Workshops mit unterschiedlichen Schwerpunkten für Schüler_innen, SV-Verbindungslehrer_innen, Vertrauenslehrer_innen, Sozialarbeiter_innen, Referendar_innen und interessierte Lehrer_innen. Andere Angebote: u. a. Anti-Mobbing-Workshops für Schüler_innen. Web  3 www.fes.de/forumpug/inhalt/jugend_und_politik.htm Jugendbildungsstätte Kurt Löwenstein  SV-Angebote: 3- bis 5-tägige Seminarfahrten mit der SV(Aufgabenplanung der Klassensprecher_innen, Auseinandersetzung mit Rechten und Aufgaben als Klassensprecher_innen und den Aufgaben verschiedener Gremien, Kompetenzvermittlung bei Rhetorik, Verhandlungsgeschick und Projektplanung, Fishbowldiskussionen mit der Schulleitung, konkrete Projektplanung durch Zukunftswerkstätten und Utopiephasen, Unterstützung bei der Realisierung von Projekten). 5 172 Andere Angebote: Wochenseminare mit Schüler_innen und Auszubildenden, internationale Begegnungen, Fortbildungen für Aktive der Jugendhilfe und Jugendverbandsarbeit und diverse Großveranstaltungen. Web  3 www.kurt-loewenstein.de Jugendbildungsstätte Flecken-Zechlin  SV-Angebote: Es wurde keine Beschreibung eingereicht. Andere Angebote: Seminare für Schüler_innen, Bildungsurlaub für Auszubildende und junge Arbeitnehmer_innen, Geschichtswerkstätten, Kunst- und Medienprojekte, internationale Begegnungen, Fortbildungen, Tagungen zu historischer politischer Bildung, Demokratie und Mitbestimmung. Web  3 www.dgbjugendbildungsstaette.de Jugendbildungsstätte Kaubstr./Alte Feuerwache e. V.  SV-Angebote: Seminare(3- bis 5-tägig mit Übernachtung): Information über die Rechte und Möglichkeiten der Mitbestimmung von Schüler_innen, Raum schaffen für die Bearbeitung konkreter Probleme wie z. B. Mobbing oder Autoritätsstrukturen, Aktionen und Projekte planen und umsetzen, Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Themen eurer Wahl, kreative Angebote wie z. B. Video-, Rap-, Theater-Workshops. Andere Angebote: Seminare zu Vielfalt und Geschlechtergerechtigkeit, Rassismus und Diskriminierung. Web  3 www.kaubstrasse.de Jugendbildungsstätte Stiftung wannseeFORUM  SV-Angebote: Seminare für sechs bis sieben Tage mit drei bis vier Schulen(Themenfindung und Projektplanung, Arbeit mit dem Schulgesetz, Moderations- und Diskussionsübungen, spielerische Simulation von Gremiensitzungen, Arbeit in künstlerischen Kleingruppen, Präsentation der Arbeitsergebnisse vor Publikum). Andere Angebote: Seminare zu politischer und kultureller Bildung. Web  3 www.wannseeforum.de Mehr als lernen  SV-Angebote: Seminarfahrten mit Schülervertretungen, Coaching der Aktiven in der Schülervertretung, Follow-up-Tag mit der SV, Vorbereitung der Schülersprecher_innenwahl, Überarbeitung des Schulprogramms, Vor- und Nachbereitung sowie Moderation der Schulkonferenz, Traumschulwochen. Pimp my School – 1 x 1 der SV-Arbeit 173 Andere Angebote: Klassenfahrten(z. B. Erlebnis-, Abenteuer-, Kennenlern-, Teambuilding- oder Abschlussfahrten), Einführen des Klassenrates, Berufs- und Lebensorientierungsseminare und Ausbildung zu_r Jugendleiter_in. Web  3 www.mehralslernen.org Selam  SV-Angebote: Moderation und Coaching zu Projektleitung, interner Organisation/Kommunikation, Öffentlichkeitsarbeit/Auftreten, Visionsarbeit, Jahresziele formulieren/Themenfindung, zu nachhaltigem Arbeiten/Nachwuchsförderung sowie ein- oder mehrtägigen Qualifizierungsworkshops zu Rhetorik& Kommunikation, Rechte und Pflichten der SV, Kreativitätstechniken und Projektmanagement, Sitzungsmoderation und partizipativen Methoden. Web  3 www.selam.berlin SV Bildungswerk  SV-Angebote: ein- und mehrtägige Seminare, die individuell von gleichaltrigen Peers geplant und durchgeführt werden(Projekt- und Ideenfindung, SV-Recht, Projektmanagement, Rhetorik, Kommunikation, Teambuilding, Bildung für nachhaltige Entwicklung). Andere Angebote: Begleitung bei der Umsetzung von nachhaltigen Projekten an der Schule im Projekt„Schule·Klima·Wandel“. Web  3 www.sv-bildungswerk.de SV start up. Schule ein Gesicht geben.  SV-Angebote: Aktivierungsseminare für die Schülervertretung(1–2 Tage), ­SV-Fahrten(3 Tage) ins Wannseeforum oder zu hochdrei in Potsdam, Schulsprecher­coachings, Fortbildungen für Schulteams zur Gestaltung von SVSeminaren, Vernetzungs­seminare, Fortbildung von SV-Begleiter_innen, Begleitung des Berliner Netzwerks der SV-Begleiter_innen, Thementage wie z. B. zu SV-Wahlen, Öffentlichkeitsarbeit oder andere motivieren und aktivieren. Andere Angebote: Workshops zu fairer Entscheidungsfindung in Gruppen. Web  3 www.sv-start-up.de 174 5.2. Demokratisierung der Schule  5 5.2.1. Demokratie und Schule: Ein Widerspruch?  Hinweis: Dieser Text ist etwas komplizierter und besonders für Schüler_innen gedacht, die schon einige Erfahrung mit SV-Arbeit haben. „Gebraucht werden keine Einzelkämpfer, angepasste Pflichterfüller oder Auswendiglerner. Auch darf es nicht sein, dass Schüler ihre angeborene Begeisterung am Lernen, Entdecken und Entwickeln zunehmend verlieren oder dass Kinder und Jugendliche mit Gleichgültigkeit, Widerstand oder gar Angst zur Schule gehen.[…] Vertrauensvolle Beziehungen und Wertschätzung sind zentrale Elemente einer Lernkultur, die Schüler dazu einlädt und inspiriert, ihre besonderen Begabungen und Potentiale zu entfalten. Diesen grundlegenden Wandel können nur wir selbst, als verantwortungsbewusste Bürger, in Gang setzen: von unten, vor Ort, an jeder einzelnen Schule.“ (Initiative Schule im Aufbruch) Web  3 www.schule-im-aufbruch.de Die aktuelle Situation an vielen deutschen Schulen  Das Zitat der Initiative„Schule im Aufbruch“ mag hart erscheinen, trifft aber den Kern des deutschen Bildungssystems. Es basiert auf Ideen, die 150 Jahre alt sind. Im Vordergrund stehen Auswendiglernen von Wissen, Bewertung von Leistungen und Konkurrenz. Die Erfahrung, sich durch schlechte Noten abgewertet zu fühlen, hat vermutlich jede_r gemacht, der_die eine öffentliche Schule besucht hat und kein_e völlige_r Überflieger_in war. Die aktuelle Situation an vielen Schulen ist nach wie vor geprägt durch wenig reale Mitbestimmung im Unterricht und geringe Mitgestaltungsmöglichkeiten. Dazu kommt, dass das deutsche Schulsystem junge Menschen deutlich früher voneinander trennt, als das in anderen Ländern der Fall ist. So wird früh in Menschen mit mehr Chancen im späteren Leben und mit weniger Chancen getrennt. Zum Vergleich: In Finnland werden alle Schüler_innen bis zum 16. Lebensjahr gemeinsam unterrichtet. Wertschätzung, Anerkennung, Freude am Lernen, Übernahme von Verantwortung, Arbeit in Gruppen und Sorge für das gemeinsame Wohlergehen sind zentrale Elemente, wie Bildung dort verstanden wird. Pimp my School – 1 x 1 der SV-Arbeit 175 Demokratisches Lernen motiviert mehr  Bildungswissenschaftler_innen haben herausgefunden, dass die Motivation zu lernen dadurch entsteht und wächst, dass Menschen merken, dass ihr Handeln eine direkte Auswirkung hat, sie über ihr Lernen selbst bestimmen und sich gleichzeitig wohl und anerkannt fühlen in ihrer Lernumgebung. Demokratisches Lernen birgt das große Potential, dass Schüler_innen zufriedener sind und sogar freiwillig und gern Verantwortung übernehmen. Demokratische Schulkultur heißt, dass es viele Möglichkeiten gibt, Lernen und Leben selbstbestimmt gemeinsam zu gestalten. Fehler werden dann nicht als Schwäche betrachtet, auf die eine Bestrafung folgt(eine schlechte Note). Vielmehr werden sie als Chance zur Weiterentwicklung gesehen. Schüler_innen werden dabei unterstützt, ihre Rechte wahrzunehmen, und Vielfalt und Toleranz werden als Grundwerte gelebt. Weniger Entscheidungsmacht liegt in den Händen der Erwachsenen. Schüler_innen können mehr Verantwortung für das Miteinander übernehmen. Die eigene Umgebung wird etwas Gestaltbares, auf das man selbst Einfluss hat. Was bringt die Zukunft?  Schon seit vielen Jahren bemühen sich vielerorts Lehrer_innen, Initiativen und Schüler_innen um eine demokratische Schulkultur – und es werden mehr. Die große Herausforderung für die Zukunft ist, mehr Erwachsene davon zu über­ zeugen, aus ihrer Gewohnheit herauszutreten und sich zu trauen, Macht abzugeben und Verantwortung an junge Menschen abzugeben – natürlich nicht in Hauruck-Aktionen, sondern Schritt für Schritt. Dabei müssen junge Menschen an ihre neuen Aufgaben herangeführt werden und erwachsene Menschen lernen, dass dann nicht das Chaos ausbricht. Beispiele dafür, dass das im Großen und im Kleinen funktionieren kann, findet ihr auf den nächsten Seiten. 176 5.2.2. Bausteine für demokratische Schulkultur  Demokratisches Lernen  5 Feedback für Lehrer_innen  Das Lehrer_innenfeedback bedeutet, dass Schüler_innen ihren Lehrer_innen eine Rückmeldung zu ihrem Unterricht geben. Die Lehrer_innen können dabei überprüfen, ob der Unterricht die Wirkung erzielt, die sie sich erhoffen, und – falls nötig – etwas verändern. Die Abfragen können sich darauf beziehen, ob der Unterrichtsstoff verständlich ist, auf die Verwendung von Medien, die Bewertungen sowie darauf, wie das Verhalten der Lehrer_innen gegenüber den Schüler_innen wirkt. Obwohl in Berlin schon länger Lehrer_innenfeedback gefordert wird, scheitert es oft am Widerstand der Lehrer_innen. Dabei gibt es aus den letzten Jahren auch sehr viele positive Erfahrungen aus Berliner Schulen, wo Lehrer_innenfeedback zu einem besseren Lernklima geführt hat – und es kann ganz einfach beginnen, z. B. mit folgenden Fragen: pp „Darüber habe ich mich heute gefreut: …“ pp „Das war heute langweilig: …“ pp „Das war heute zu schwierig: …“ pp „Für das nächste Mal wünsche ich mir: …“ Download  3 Vorlagen für Feedback für Lehrer_innen, ­Demokratielernen an Berliner Schulen Auch bei der Notenvergabe ist es möglich, dass Schüler_innen Mitspracherecht bekommen. Dabei werden sie in die Bewertung ihrer eigenen Leistung und/ oder der Leistungen ihrer Mitschüler_innen einbezogen. Die Kriterien der Bewertung werden durch Schüler_inenn und Lehrer_innen gemeinsam festgelegt. So entwickeln Schüler_innen Verantwortung für das eigene Lernen, trainieren das aufmerksame Zuhören, machen sich über die Bewertung Gedanken und lernen, diese sachlich zu äußern. Schüler_innen gestalten Unterricht selbst  Von Gleichaltrigen lernen, kann leichterfallen als von Lehrer_innen. Möglich ist z. B., dass die Oberstufe für die Unterstufe Unterrichtseinheiten gestaltet. Davon profitieren sowohl die jüngeren als auch die älteren Schüler_innen und nebenbei wird das soziale Miteinander gestärkt, indem Schüler_innen Verantwortung füreinander übernehmen. Download  3 Praxistipps für die Mitbestimmung von Schüler_innen Pimp my School – 1 x 1 der SV-Arbeit 177 Verantwortung an Schüler_innen übergeben  Klassenrat  Im Klassenrat trifft sich eine Klasse einmal pro Woche für eine Schulstunde, um über ihre Themen zu sprechen. Dabei gibt es verteilte Rollen(Moderation, Redeliste, Zeitwächter_in, Regelwächter_in) sowie einen festen Ablauf. Im Klassenrat sind alle Themen erlaubt, die für die Klasse interessant und für niemanden verletzend sind. Es kann also um die Gestaltung des Klassenraums, die Regeln in der Klasse, den nächsten Ausflug, politische Ereignisse, Umweltschutz oder Freizeitinteressen gehen. Im Klassenrat lernen Schüler_innen, Verantwortung für das gemeinsame Miteinander zu übernehmen, selbstständig Konflikte zu lösen und Projekte als Klasse zu planen und umzusetzen. Download  3 Klassenrat: Zeit für uns WEB  3 www.klassenrat.org Service Learning  Service Learning bedeutet, dass Schüler_innen im„echten Leben“ soziale Verantwortung für andere Menschen übernehmen. Das kann z. B. heißen, dass mehrsprachige Schüler_innen die Kommunikation von Eltern mit Migrationshintergrund, die die Sprache noch nicht gut sprechen, unterstützen oder dass Kinder und Jugendliche Senior_innen besuchen und bei ihrem täglichen Leben unterstützen. Gemeinsame Schulentwicklung  „Was ist die Zukunft unserer Schule?“, lautet eine geeignete Frage, die mit allen an der Schule Beteiligten diskutiert werden sollte. Normalerweise klären Lehrer_innen bzw. die Schulleitung diese Frage unter sich. Möglich ist es aber auch, dass diese Frage gemeinsam von allen bearbeitet wird. Dazu lässt sich z. B. die Methode Zukunftswerkstatt einsetzen. Dabei werden innerhalb einer Projektwoche in vielen kleinen Gruppen und mit unterschiedlichen Methoden die drei Phasen einer Zukunftswerkstatt durchlaufen: Kritikphase, also die Frage, was gerade alles stört, Phantasie-/ Utophiephase, d. h. wie die Lösung der angesprochenen Probleme aussehen kann, und Realisierungsphase: Was soll wirklich wie angegangen werden. Im Vordergrund steht, dass alle ihre Meinung einbringen und selbst Verantwortung für Veränderungsprozesse übernehmen können. Web  3 Beispiel für eine Zukunftswerkstatt mit einer ganzen Schule: www.ganztagsschulen.org/3754.php 5 178 Schüler_innen lösen ihre Konflikte selbst  Schülermediation  Mediation bedeutet übersetzt Vermittlung. Dabei unterstützen unabhängige und unparteiische Mediator_innen Konfliktparteien beim Lösen eines Konfliktes. Schülermediator_innen lernen in einer eigenen Fortbildung das Handwerk der Konfliktvermittlung. Am erfolgreichsten ist es, wenn die Schülermediator_innen selbst ein bis zwei Jahre älter sind als die Schüler_innen, die einen Konflikt miteinander haben. Im Schulalltag suchen sich die Schülermediator_innen auch mal selbst ihre Fälle auf dem Schulhof und tragen dann neonfarbene Westen, speziell bedruckte T-Shirts oder Basecaps. Wenn Eltern, Lehrer_innen und Schulleitung das Projekt und die Schüler_innen bei ihrer Arbeit unterstützen und ernstnehmen, so können Schülermediator_innen das Schulklima deutlich verbessern. Download  3 Was ist Mediation? Ansprechpartner  3 www.konflikthaus.de Friedensrat  Schüler_innen, die Probleme im Zusammenleben mit anderen Schüler_innen oder Lehrer_innen haben, können sich an den Friedensrat wenden. Er besteht aus Schüler_innen aus unterschiedlichen Klassenstufen und wird von zwei Erwachsenen begleitet. Die Erwachsenen sind jedoch nur Unterstützer_innen und für das Protokoll zuständig. In den Friedensrat werden die Beteiligten eingeladen, neutral angehört und ermuntert, selber Lösungen für ihren Konflikt zu finden. Falls das nicht möglich ist, macht der Friedensrat einen Vorschlag. Dabei geht es nicht um Bestrafung, sondern um Wiedergutmachung im weitesten Sinn. Es wird eine Vereinbarung unterzeichnet und deren Einhaltung später überprüft. Der Friedensrat funktioniert gut, weil die Schüler_innen viele der geschilderten Situationen von sich selbst kennen und daher aufmunternd auf die Beteiligten zugehen können. Ansprechpartner  3 Der Friedensrat wird z. B. hier praktiziert: www.schule-heiden.ch Pimp my School – 1 x 1 der SV-Arbeit 179 5.2.3. Anbieter von Projekttagen Zu Demokratieleben gehört neben SV-Arbeit noch einiges mehr: Engagement gegen Mobbing, Diskriminierung, Rassismus, für Vielfalt und eine nachhaltige klima- und damit menschenfreundliche Welt. Hier findet ihr eine Übersicht von Anbietern für Projekttage und Programme, die ihr euch an die Schule holen könnt. Organisationen, die Workshops für Projekttage anbieten  pp Abqueer: Workshops zu Geschlechtervielfalt, sexueller Identität und ­Homophobie (www.abqueer.de), pp Dissens: Workshops zu Geschlechterbildern und Männlichkeit (www.dissens.de), pp Friedrich-Ebert-Stiftung: Workshops für Schüler_innen, u. a. zum Umgang mit Mobbing, sexueller Vielfalt, Inklusion oder Willkommensaktionen für junge Geflüchtete (www.fes.de/de/forum-politik-und-gesellschaft/jugend-und-politik), pp Jüdisches Museum Berlin: Workshops zu religiöser Vielfalt (www.jmberlin.de/ontour-fuer-grundschulen), pp Lesben- und Schwulenverband Berlin-Brandenburg: Workshops zu sexueller Vielfalt (https://berlin.lsvd.de/themen), pp Miphgasch: Thementage zu Flucht und Migration (www.miphgasch.de), pp Mobile Beratung gegen Rechtsextremismus: Workshops und Beratung zu Rechtsextremismus (www.mbr-berlin.de), pp Netzwerk für Demokratie und Courage: Thementage u. a. zu Diskriminierung, Rassismus und Rechtsextremismus (www.netzwerk-courage.de), pp OSZ gegen rechts: Thementage zu Diskriminierung und Rechtsextremismus für Berufsschulen und OSZ (www.osz-gegen-rechts.de), pp reach out: Workshops zu Mobbing, Anti-Diskriminierung und Anti-Rassismus (www.reachoutberlin.de/de/content/bildungsbausteine), pp SV Bildungswerk: Workshops zu Klimaschutz und Nachhaltigkeit an der Schule (www.sv-bildungswerk.de/schule-klima-wandel-workshops). 5 180 Netzwerk Schule ohne Rassismus  Schule ohne Rassismus ist ein deutschlandweites Netzwerk aus Schulen, die sich gegen Rassismus und für Zivilcourage einsetzen. In Berlin gehören mittlerweile 80 Schulen zum Netzwerk. Mindestens 70 % aller Schüler_innen und Lehrer_innen müssen dabei unterschreiben, dass sie sich aktiv für Anti-Diskriminierungsprojekte einsetzen. Einmal pro Jahr muss dann ein solches Projekt an der Schule durchgeführt werden. Web  3 www.schule-ohne-rassismus.org Auszeichnung Faire Schule  Faire Schule ist eine Auszeichnung, die Schulen erhalten können, wenn sie sich in folgenden Bereichen engagieren: pp fairer Umgang miteinander, d. h. wenn eine demokratische Schulkultur gelebt wird, pp fair zu Umwelt und Klima, d. h. wenn ökologische Verantwortung ­übernommen wird, pp fair zu Menschen rund um den Globus, d. h. wenn das sogenannte ­„Globale Lernen“ eine Rolle im Unterricht spielt. Web  3 www.faire-schule.eu 181 5.2.4. Freie und staatliche„Demokratische Schulen“  Pimp my School – 1 x 1 der SV-Arbeit Freie demokratische Schulen  Weltweit gibt es ca. 120 demokratische Schulen, 17 davon in Deutschland und drei davon sogar in Berlin. Hinter demokratischen Schulen steckt die Idee von„demokratischer Bildung“. Das bedeutet: Mitbestimmung im Schulalltag, freiwilliges Lernen und Selbstbestimmung, d. h., dass jede_r für sich selbst Entscheidungen treffen darf. Demokratischen Schulen wird es in Deutschland jedoch nicht so leichtgemacht. Sie passen nicht in die herkömmlichen Vorstellungen von Bildung und haben daher oft Schwierigkeiten bei der Gründung und Finanzierung. So werden öffentlichen Schulen in Berlin z. B. zu 100 % die Personalkosten finanziert, demokratischen Schulen aber nur 93 %. Das führt dazu, dass letztere ein Schulgeld von ihren Schüler_innen erheben müssen. Der Grundgedanke der demokratischen Bildung basiert im Wesentlichen auf zwei Säulen: 1. An demokratischen Schulen soll ein respektvolles gemeinschaftliches Miteinander gelebt werden können. Dazu gehört vor allem, dass zwischen älteren und jüngeren Menschen kein klassisches Lehrer_innenSchüler_innen-Verhältnis besteht. Die Lehrer_innen an solchen Schulen sind Lernbegleiter_innen, die Schüler_innen dabei unterstützen, zu lernen, wie man lernt. Es wird dabei nicht einseitig vorgegeben, wann und was gelernt wird. Schüler_innen sollen frei in dieser Entscheidung sein. 2. Menschen, die sich an demokratischen Schulen aufhalten, sollen gleichberechtigt mitbestimmen können, wie ihr Umfeld gestaltet wird. Dazu gibt es meist eine regelmäßige Schulversammlung, an der alle teilnehmen können. Hier kann prinzipiell alles diskutiert und entschieden werden. Die Entscheidung über die Anschaffung eines neuen Trampolins hat hier ebenso ihren Platz wie das Aufstellen und Abschaffen von Regeln für den gemeinsamen Umgang miteinander. Web  3 Die freie demokratische Schule „Netzwerkschule“ in Friedrichshain bietet auf Anfrage Besuche oder Hospitationen an: www.schule.netzwerkspielkultur.de Web  3 Youtube: Demokratische Schule – Was soll das denn sein? Download  3 Demokratische Schulen in Israel Ansprechpartner  3 Paco: war selbst an einer demokratischen Schule: ocap@gmx.de Die Laborschule Bielefeld  Neben diesen freien demokratischen Schulen gibt es aber auch einige staatliche Schulen, die nach demokratischen Prinzipien arbeiten. Eine davon ist die 1974 gegründete Laborschule in Bielefeld. Der Gründer der Laborschule, Hartmut von Hentig, wollte eine Schule erschaffen, an der zum einen gut gelernt werden 5 182 kann und zum anderen Demokratie von Anfang an gelebt wird. Seine Grundidee war, dass die Schule wie eine kleine Demokratie funktioniert und man dadurch lernt, wie die„große Demokratie“ umgesetzt wird. Die Laborschule unterscheidet sich in mehreren Punkten von klassischen Schulen. So geht es weniger um Auswendiglernen als darum, anhand konkreter Erfahrungen, z. B. in Projekten, zu lernen. Es gibt keine Noten bis zur neunten Klasse und die Schüler_innen tragen von Beginn an Verantwortung für die Schule, z. B. indem es einen selbst betriebenen Kiosk gibt. Außerdem finden viele kleine„Versammlungen“ statt, die von Schüler_innen selbst geleitet und bei denen gemeinsam Entscheidungen getroffen werden, z. B. in der„Zooversammlung“ darüber, wer sich als Nächste_r um welches Tier kümmern darf. Web  3 www.uni-bielefeld.de/LS 183 5.3. Weiterlesen und aktiv werden  Pimp my School – 1 x 1 der SV-Arbeit SV-Handbücher und-tipps aus anderen Bundesländern  In anderen Bundesländern wurden teilweise sehr empfehlenswerte Handbücher geschrieben. Das sind z. B.„Das Buch“ aus Hessen,„Mischdichein“ aus Mecklenburg-Vorpommern, die„MiWi-SchülerInnenfibel“ aus Sachsen,„Plan B“ aus Brandenburg, das„Handbuch für Schülervertretungen“ aus Sachsen-Anhalt, „Einmischen will gelernt sein“ aus NRW sowie die Webseite www.svtipps.de. Download  3 Alle genannten SV-Handbücher Weiterlesen rund um alternative Bildung  Web  3 Reclaim your brain: Schulkritische Texte: www.we.riseup.net/noschool Download  3 „Mit der Schule stimmt was nicht“ – schulkritische Broschüre Web  3 Oya – ist eine Zeitschrift, die eine Bildungsrubrik hat, die sich mit ­alternativem Lernen beschäftigt: www.oya-online.de/ article/category/4-Bildung.html in Berlin  pp Der Handlungsspielraum in Neukölln: ist ein Ort für selbstbestimmte Lern- und Lebensgestaltung. Hier kannst du dich in der Gruppe oder mit anderen auf den Weg machen und rauskriegen, was für dich im Leben eigentlich wichtig ist, was du lernen willst und wie(www.handlungsspielraum-berlin.de). pp Schule für Erwachsenenbildung: ist eine selbstorganisierte Schule, in der junge Erwachsene mit selbstbestimmtem Lernen ihr Abitur nachholen können. Geeignet z. B. für Menschen, die keine staatliche Schule mehr besuchen wollen, Lust auf Mitbestimmung der Schulgestaltung und eine Schule ohne Notendruck haben(www.sfeberlin.de). Interessante Initiativen  pp Was bildet ihr uns ein: ist eine bildungspolitische Initiative, die aus ­Schüler_ innen, Studierenden und anderen Interessierten besteht. Sie hat das Ziel, dass die junge Generation bei Bildungsthemen in der öffentlichen Debatte stärker wahrgenommen wird, und beschäftigt sich mit Gerechtigkeit im Bildungssystem(www.wasbildetihrunsein.de). pp Schule im Aufbruch: ist eine Initiative, die Kindern und Jugendlichen mit anderen Lernformen und einer wertschätzenden Grundhaltung dabei helfen will, ihr eigenes Potential zu entdecken und zu entfalten, um für sich, die Mitmenschen und Natur und Umwelt Verantwortung übernehmen zu können(www.schule-im-aufbruch.de). 184 Außerhalb der Schule aktiv werden  pp Das Berliner jugendFORUM: Einmal jährlich fühlt Berlins Jugend der Politik auf den Zahn – im Abgeordnetenhaus. Jugendliche und Abgeordnete diskutieren ihre Themen(www.berliner-jugendforum.de). 5 pp pfingstAKADEMIE Jugendbeteiligung: Austausch mit anderen Jugendlichen aus ganz Deutschland zu Beteiligungsmöglichkeiten und Ideen für neue Projekte und Aktionen sowie Weiterbildung in Workshops vom Projekt­ management bis zu politischen Aktionsformen, um eure persönlichen ­Kompetenzen und methodischen Fähigkeiten für euer Engagement zu stärken(www.pfingstakademie.de).