Akademie Management und Politik Engagement im digitalen Zeitalter Trends, Chancen und Herausforderungen Katrin Matuschek und Valerie Lange CHANCEN DER DIGITALISIERUNG FÜR DAS ENGAGEMENT NUTZEN #Solidarität HILFE VOLUNTEER #Solidarität VOLUNTEER HILFE Inhaltsübersicht Vorwort Katrin Matuschek....................................... 3 Zivilgesellschaftliches Engagement im digitalen Zeitalter.............. 4 Was ist Digitalisierung? ......................................... 4 Zivilgesellschaft und Digitalisierung – Veränderungen, Chancen und Herausforderungen ................................. 5 Digitales Engagement im Fokus: Wie Digitalisierung Engagement und die NPO-Arbeit unterstützt und verändert ....................... 6 Wer engagiert sich digital? ...................................... 9 Wie digitales Engagement gelingen kann .......................... 10 Die Chancen der Digitalisierung nutzen........................... 12 Offene Daten für gute Taten .................................... 12 Gemeinsam stark: Wie mit digitalen Werkzeugen politische Anliegen in die Öffentlichkeit getragen werden können ............... 15 Digitale soziale Arbeit: Wie NPOs Online-Beratungsangebote sinnvoll einsetzen können ...................................... 18 Für die gute Sache: Digitale Innovationen in der eigenen Organisation entwickeln ....................................... 19 Den Herausforderungen der Digitalisierung aktiv begegnen.......... 21 Digitale Selbstverteidigung: Was NPOs und Engagierte zum Datenschutz wissen und beachten sollten ...................... 21 Digitale Courage entwickeln und fördern: Gegen Hass, Hetze und Parolen im Netz ........................... 24 Die digitale Transformation der Zivilgesellschaft – Rahmenbedingungen und Voraussetzungen....................... 27 Digitalisierung im Sinne des Gemeinwohls gestalten als Aufgabe für die Politik ...................................... 27 Digitales Engagement strategisch fördern .......................... 29 Die kritisch-konstruktive Gestaltung des digitalen Wandels als Aufgabe der Zivilgesellschaft ................................. 30 10 Irrtümer über digitales Engagement............................ 32 Impressum: Herausgeber: Friedrich-Ebert-Stiftung Abteilung Politische Akademie Akademie Management und Politik Godesberger Allee 149, 53170 Bonn Texte und Redaktion: Katrin Matuschek und Valerie Lange Fotos: Noun Project(Michele Pinna, XOXO, Create Stuff, TukTuk Design, Symbolon, MRFA, matias porta lezcano, Hopkins, Vinaya Kumar P.V, Thomas‘ designs) chris_lemmens, Makstorm, anamad( istock.de); peshkova( fotolia.de) Icons: peax-webdesign.com Graphisches Konzept und Gestaltung: 2 DIE.PROJEKTOREN Druck: Brandt GmbH Druckerei und Verlag, Bonn 1. Auflage: Januar 2018 ISBN: 978-3-96250-023-8 Grundlage dieser Veröffentlichung ist die Veranstaltung „Zivilgesellschaftliches Engagement im digitalen Zeitalter: Trends, Chancen und Herausforderungen“ der Akademie Management und Politik. Die Texte können jedoch nicht als Namensbeiträge zitiert werden. Geäußerte Meinungen müssen nicht in allen Teilen der ­Meinung der Friedrich-Ebert-Stiftung entsprechen. Vorwort „The internet is just a hype.“ Das sagte kein geringerer als Bill Gates noch 1993. Heute, knapp ein Vierteljahrhundert später, ist unser Alltag ohne Internet undenkbar. Auf das Smartphone, die Kommunika­ tion in den sozialen Medien oder die Suche nach Informationen in Suchmaschinen möchte kaum noch jemand verzichten. Die Digitalisierung durchdringt alle Lebensbereiche und beeinflusst somit auch das Engagement und die Arbeit von zivilgesellschaftlichen Organisationen. Digitale Anwendungen helfen, Engagement effektiv zu vernetzen, den Informationsfluss zu steigern und die interne Arbeit zu erleichtern. Freiwillige können dank sozialer ­Medien ­besser erreicht werden und viele Non-Profits generieren ihre finanziellen Ressourcen mittlerweile online. Digitales Engagement lässt sich zudem besser in die Lebenswirklichkeit vieler Menschen einbetten, weil es zum großen Teil nicht zeit- oder ortsgebunden ist, und digitale Techniken ermöglichen völlig neue Formen von Beteiligung und E­ ngagement. Von mobilfunkgestützter Ersthilfe über Wikipedia bis hin zur Koordinierung von Engagierten in Notunterkünften für Geflüchtete – digitales Engagement leistet einen wichtigen gesellschaftlichen Beitrag. Diese vielfältigen Chancen, aber auch die Herausforderungen, vor der zivilgesellschaftliche Organisationen durch den digitalen Wandel stehen, standen im Mittelpunkt der Fachkonferenz der Akademie Management und Politik„Zivilgesellschaftliches Engagement im digitalen Zeitalter“. Die Broschüre fasst die Ergebnisse der Fachkonferenz zusammen und widmet sich unter anderem folgenden Fragen: Was gibt es in punkto Datenschutz und Datensicherheit für Non-Profits zu beachten und wie können sie Hass, Hetze und Parolen im Netz aktiv begegnen? Wie können zivilgesellschaftliche Organisationen digitale Technik für Beratungs­ angebote oder NPO-K­ ampagnen erfolgreich einsetzen und offene Daten besser für gute Taten nutzen? Was können Politik und Zivilgesellschaft tun, um digitales Engagement zu ­unterstützen und die Chancen und Potenziale des digitalen Wandels besser für das Gemeinwohl zu nutzen? Die vorliegende Broschüre liefert Ihnen wertvolle praxisnahe Informationen, Ansätze und Tipps zu diesen Themen und Fragestellungen. Ich wünsche Ihnen eine anregende Lektüre und viel Erfolg beim Nutzen der Chancen und Möglichkeiten der Digitalisierung für die Zivilgesellschaft. Ihre MEHR ZUM THEMA Digitalisierung und zivilgesellschaftliches Engagement finden Sie in dem Blog, der die MuP-Fachkonferenz dokumentiert, und in Videos der Konferenzvorträge und-diskussionen auf der MuP-Webseite. Katrin Matuschek Leiterin der Akademie Management und Politik 3 #Solidarität HILFE VOLUNTEER Wurde das Internet in den 1990er Jahren noch von einigen belächelt, ist es heute aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken. Ein bedeutender Anteil unseres Lebens findet mittlerweile in der digitalen Welt statt – das gilt auch für zivilgesellschaftliches Engagement. Zivilgesellschaftliches Engagement im digitalen Zeitalter IMPULSGEBER Stephan Peters hat Sprach- und Kommunikationswissenschaft studiert. Er war zunächst als Texter tätig, dann an der FU Berlin im Exzellenzcluster„Languages of Emotion“ als wissenschaftlicher Mitarbeiter sowie als Dozent an der TU Berlin angestellt. 2013 kam er zu betterplace.org, um das Marketing zu verstärken; 2015 ins betterplace lab, um das Soziale im Digitalen zu entdecken. Was ist Digitalisierung? Digitales Zeitalter, digitale Revolution oder digitaler Wandel – diese Schlagwörter hören wir häufig im Zusammenhang mit der Erfolgsgeschichte des Internets und den damit einhergehenden gesellschaftlichen Herausforderungen und Chancen. Dabei reichen die Anfänge der Digitalisierung viel weiter zurück als zu den Wurzeln des Internets. In den 1970er Jahren gehörte die Speicherung von Daten auf Magnetbändern oder die Nutzung von Audiokassetten zur ersten digitalen Transformation. In den 1980ern ersetzte der Personal Computer die Schreibmaschine und ein weiteres Jahrzehnt später vernetzte das Internet diese Computer miteinander. Heute werden Daten in der Cloud gespeichert und sind damit von überall abrufbar. Mit der Verbindung von immer mehr Geräten zum Internet entsteht derzeit das Internet der Dinge. Und in der Entwicklung künstlicher ­Intelligenz – etwa des selbstfahrenden Autos – liegt das aktuell größte Potenzial, unseren Alltag weiter zu digitalisieren und damit nachhaltig zu verändern. Der Begriff Digitalisierung bezeichnet allgemein die Veränderungen von Prozessen, Objekten und Ereignissen, die bei einer zunehmenden Nutzung digitaler Geräte erfolgt.(…). Im weiteren(…) Sinn steht der Begriff insgesamt für den Wandel hin zu digitalen Prozessen mittels Informations- und Kommunikationstechnik. Quelle: Wikipedia All diese technologischen Fortschritte verbindet eine Gemeinsamkeit: Sie verschieben ­vormals realweltliche Prozesse ins Digitale. Die Digitalisierung jedoch rein als technologischen Fortschritt zu begreifen, als eine Entwicklung, die uns das Leben durch die Bereitstellung neuer Tools vereinfacht, wäre verkürzt. Denn mit dem digitalen Wandel gehen weitgehende gesellschaftliche Veränderungen einher. 4 Zivilgesellschaft und Digitalisierung – Veränderungen, Chancen und Herausforderungen Die gesellschaftlichen Trends, die das digitale Zeitalter mit sich bringt, machen auch vor der Zivilgesellschaft nicht halt: In der Arbeitswelt haben sich mit dem digitalen Wandel neue Formen der Kommunikation und Kooperation etabliert. Das Arbeiten ist ortsunabhängiger geworden, die Arbeitszeiten haben sich flexibilisiert. Vormals starre Hierarchien am Arbeitsplatz sind aufgeweicht, weil kooperatives Arbeiten durch digitale Tools unterstützt und erleichtert wird. Die Entwicklung des Non-Profit-Sektors unterscheidet sich hier nicht von Profitunternehmen. Darüber hinaus sind mit der Digitalisierung neue Angebotsformen und Services entstanden, die ohne digitale Unterstützung nicht denkbar wären. Das gilt auch für das Angebot zivilgesellschaftlicher Organisationen. So nutzt die Open-Education-Bewegung den niedrigschwelligen und vergleichsweise kostengünstigen Aufbau und Zugriff auf große Datenbanken, um ­offene ­Bildungsangebote für jeden zu schaffen und damit den Zugang zu B­ildung zu demo­kratisieren. Das Open-Education-Angebot von Coursera etwa ­richtet sich an Geflüchtete: Sie haben die Möglichkeit, mit sogenannten MOOCs (Massive Open Online Courses) Universitätsabschlüsse zu erlangen. Und schließlich hat der digitale Wandel – und der damit einhergehende Abbau von Barrieren, der allumfassende Zugang zu Informationen und das Zusammenrücken der Welt zu einem ‚digitalen Dorf‘ – Auswirkungen auf unser Wertebewusstsein und damit auf die Aufgabenfelder zivilgesellschaftlichen Engagements. Initiativen wie Abgeordnetenwatch oder Frag den Staat tragen etwa einem neuen ­Bedürfnis nach mehr Transparenz und Beteiligung Rechnung, das mit dem digitalen ­Wandel in Verbindung gebracht werden kann. Die Digitalisierung bietet viele Chancen für zivilgesellschaftliche Organisationen – ­sowohl um das eigene gesellschaftspolitische Anliegen effektiver zu vertreten als auch um neue Freiwillige zu gewinnen: Mit der Digitalisierung vorhandener Angebote – etwa von Bildungs- oder ­Beratungsunterlagen – können orts- und zeitunabhängig eine größere Anzahl von Nutzer_innen erreicht werden. Informationen zur Arbeit der gemeinnützigen Organisation, politische Kampagnen oder Aufrufe zu Spenden und zur Beteiligung an Aktionen können mit der ­Unterstützung digitaler Medien gezielt und kostengünstig verbreitet werden. Der Austausch zwischen zivilgesellschaftlicher Organisation und Interessierten oder Nutznießern des Angebots, aber auch die Vernetzung innerhalb der Organisation ist digital deutlich schneller und direkter möglich als analog. Mit digitalen Medien lassen sich vielfältige Formate der Beteiligung für Engagierte realisieren(z.B. Micro-Engagement, Crowdsourcing, offene Daten einbinden und weiterverwenden). Digitales Engagement als neue Engagementform neben dem klassischen Ehrenamt birgt das Potenzial, neue Freiwillige für die eigene Organisation zu gewinnen und die Freiwilligenarbeit an die Bedürfnisse der Ehrenamtlichen anzupassen. BLICK IN DIE PRAXIS Neue Formen des Engagements durch digitale Technik Ein Beispiel ist die APP Mokli, die vom Verein Karuna entwickelt wurde: Straßenkinder haben mit der APP einen Wegweiser an der Hand, der ihnen Informationen zu einem sicheren Schlafplatz, einer Essensausgabe oder ärztlicher Hilfe gibt. Oder die Mobilen Retter: Sie schulen Engagierte in erster Hilfe. Befindet sich ein Ersthelfer in der Nähe eines Notfallortes, wird er über sein Smartphone informiert – und kann Hilfe leisten, bis der Notarzt eintrifft. MEHR ZUM THEMA Wie innovative Ansätze der Zivilgesellschaft Geflüchtete in Deutschland unterstützen finden Sie im gleichnamigen Text von Ben Mason, Lavinia Schwedersky und Akram Alfawakheeri. 5 „ Digitalisierung hat Arbeit zeitungebunden und flexibel gemacht, doch bringt dies auch eine Flut an Informationen und die Gefahr der ständigen ­Erreichbarkeit mit sich. Man muss lernen, zu priorisieren. “ Sharon Blumenthal, freiberuf­ liche Organisationsberaterin im Bereich Non-Profit-Management IMPULSGEBER Hannes Jähnert ist Engagementblogger und Freizeitforscher. Er hat soziale Arbeit und Bildungswissenschaften in Erfurt und Berlin studiert und arbeitet heute beim Bundesverband des Deutschen Roten Kreuzes. Schon seit 2009 befasst er sich in seinem Blog mit dem freiwilligen Engagement im Internet(Online-Volunteering), dem Freiwilligenmanagement und der Digitalisierung in der Zivilgesellschaft. Zivilgesellschaftliche Organisationen sollten die Chancen, die die Digitalisierung bietet, nutzen. Sie müssen dafür aber ein größeres Maß an Flexibilität mitbringen, agil sein und Mut und Freude an Veränderung haben. Nur so können sie den digitalen Wandel für sich nutzen und werden nicht von den Veränderungen, die um sie herum unweigerlich geschehen, abgehängt. Das digitale Zeitalter hat aber auch Schattenseiten und stellt zivilgesellschaftliche Organisationen vor große Herausforderungen: der Schutz von Privatsphäre und Daten, die Streuung von gezielten Fehlinformationen, die Bildung von Filterblasen, Hate Speech. Zivilgesellschaftliche Organisationen müssen sich diesen Herausforderungen stellen. Das betrifft zum einen die Arbeit und das Engagement in zivilgesellschaftlichen Organisa­ tionen: Wie können wir die Daten unserer Engagierten, Interessierten schützen? Wie gehen wir mit Fehlinformationen über uns um? Was sind sinnvolle Vorgehensweisen im Umgang mit Hate Speech? Es gilt aber auch, die Digitalisierung kritisch-konstruktiv zu begleiten und zu gestalten. Um den Anforderungen des digitalen Wandels gewachsen zu sein, müssen haupt- und ehrenamtlich Engagierte neue Kompetenzen erwerben. Digitales Engagement im Fokus: Wie Digitalisierung Engage­ment und die NPO-Arbeit unterstützt und verändert Zivilgesellschaftliches Engagement zeichnet sich, so die klassische Definition, dadurch aus, dass es freiwillig, unentgeltlich, gemeinschaftlich, öffentlich und gemeinwohlorientiert ist. Für digitales Engagement gilt das ebenfalls – mit Hilfe des Internets ist es aber zusätzlich noch orts- und zeitungebunden. Die Digitalisierung des Ehrenamts zeigt sich auf vielfältige Weise(s. Abb. 1). Abb. 1: Digitalisierung des Ehrenamts in Deutschland(vgl. Jähnert/Weber 2017) Information, Vernetzung, Produktion, Beratung und Organisation: Bei diesen Aufgabenfeldern der Freiwilligenarbeit können digitale Tools Organisationen und Engagierten helfen, die Zusammenarbeit modern und flexibel zu gestalten. 6 Das Internet nutzen gemeinnützige Organisationen und Engagierte etwa für die Beschaffung oder Bereitstellung von Informationen. Durch Auftritte in sozialen Medien können sich Menschen und Organisationen der Zivilgesellschaft vernetzen und zum Beispiel zu einer aktiven Teilnahme an Aktionen oder Events aufrufen, on- und offline. „Hamburg räumt auf“ zeigt, wie das erfolgreich geschehen kann: Nach dem G20-Gipfel und den begleitenden Unruhen startete eine Hamburgerin die Initiative und forderte über Facebook auf, sich an Aufräumarbeiten im Schanzenviertel zu beteiligen. Mit Erfolg: Mehrere tausend Menschen folgten ihrem Aufruf. Ohne die schnelle Verbreitung der Informationen über soziale Medien – und die vielen Menschen, die sich schon in diesem Schritt mit nur einem Klick engagiert haben – wäre diese Aktion kaum denkbar gewesen. Das Beispiel von„Hamburg räumt auf“ zeigt darüber hinaus, dass die Nutzung von digitalen Medien für das Ehrenamt nicht bedeutet, dass das Engagement ausschließlich digital stattfindet. So spiegeln sich in ‚analogen‘ Formaten wie BarCamps Strukturen der sozialen Medien wider. Sie dienen dem inhaltlichen Austausch, dem Generieren neuer Ideen und Projekte sowie der Vernetzung Gleichgesinnter. Bei der digitalen Transformation des Ehrenamts geht es um den gezielten Einsatz der richtigen digitalen Hilfsmittel für eine bessere Erreichbarkeit und Flexibilisierung des Engagements. Mit der Digitalisierung bilden sich darüber hinaus auch neue, digitale Formen des Engagements in zivilgesellschaftlichen Organisationen heraus. Beim Online-Volunteering werden beispielsweise digitale Tools genutzt, um Aktivitäten und Kampagnen zivilgesellschaft­ licher Organisationen zu organisieren. Engagierte werden hierbei digital betreut und begleitet. Im Rahmen von Online-Volunteering-Programmen bieten zivilgesellschaftliche Organisa­ tionen oder Initiativen vermehrt Lehre und Beratungen online an – etwa Mentor_innenprogramme für Schüler_innen, Seelsorge oder Fachberatung. Eine dritte Form des digitalen Engagements ist die ehrenamtliche Erstellung oder Verbesserung von Produkten für digitale Plattformen, wie Texte, Bilder, Grafiken, Videos für Webseiten oder die Programmierung von Smartphone-Apps. Zum Online-Volunteering gehören auch Kartierungsprojekte, für die jeder mit kleinem Zeitbudget aktiv werden kann. Engagieren sich viele Online-Volunteers mit jeweils nur ein paar Klicks, spricht man von Crowdsourcing. Nutzer_innen erweitern eine digitale Karte um Informationen – etwa den Grad der Barrierefreiheit öffentlicher Orte auf wheelmap.org oder Fundorte von Obstbäumen, die geerntet werden können, auf mundraub.org, und stellen dieses Wissen der Allgemeinheit zur Verfügung. Digitales Ehrenamt ist freiwillig, unentgeltlich, gemeinschaftlich, öffentlich, gemeinwohlorientiert, orts- und zeitunge­ bunden mit Hilfe des Internets. Ein BarCamp ist eine offene(analoge) Tagung. Inhalte und Ablauf stehen nicht im Vorhinein fest, sondern werden zu Beginn von den Teilnehmer_innen festgelegt und dann in Workshops weiterentwickelt. BarCamps dienen dem inhaltlichen Austausch, dem Generieren neuer Ideen und der der Vernetzung. 7 Digitales Engagement im Überblick Erstellung von Inhalten auf digitalen Plattformen sowie deren Korrektur und Ergänzung Beispiel: Das wohl bekannteste Beispiel ist das Online-Lexikon Wikipedia, dazu zählen aber auch offene Karten, in denen Menschen Informationen hinterlegen können, wie die Plattform www.foodsharing.de zur Rettung von Lebensmitteln. Kommunikation, Lehre und Beratung via Internet Beispiel: Online-Beratung der Caritas für suizid-gefährdete Jugendliche:[U25] Deutschland: www.u25-deutschland.de Entwicklung technischer Lösungen für Organisationen und Projekte von Engagierten Beispiel: Die Türöffner-Projektplattform der Caritas, die Gesuche von Geflüchteten und potenziellen Engagierten zusammen bringt: www.werde-tueroeffner.de Beteiligung von Bürger_innen auf digitalem Weg Beispiele: Erstellung oder Unterstützung von Online-Petitionen des Bundestages auf dem Portal www.epetitionen.bundestag.de oder zivilgesellschaftliche Petitionsplatt­formen wie www.change.org sowie die digitale Beteiligung an kommunalpolitischen Themen wie z.B. über das Bürgerbeteiligungsportal der Stadt Bonn: www.bonn-macht-mit.de Auszug aus: MuP-Praxishilfe(2017): Chancen der Digitalisierung für Engagement ­entdecken. ?! Hätten Sie gewusst , dass digitales Engagement ein echter Wirtschaftsfaktor ist? Die Inhalte, die etwa von Freiwilligen bei Wikipedia zusammengetragen worden sind, haben nach Schätzungen einen Wiederbeschaffungswert von 6,6 Mrd. US-Dollar. An diesen Beispielen wird der eigentliche Kern der digitalen Revolution für die Zivilgesellschaft deutlich: Die klassische Trennung von Engagierten und denjenigen, die ein zivilgesellschaftliches Angebot nutzen, wird aufgehoben – eine Person kann beide Rollen(Gebende_r und Nehmende_r) einnehmen. So werden viele digitale Projekte gemeinnützigen Engagements von Einzelnen zu einem konkreten Problem, das sie in ­ihrem Alltag beschäftigt, angestoßen. Über das Internet können sich schnell Communities, Gemeinschaften von Gleichgesinnten, zusammenschließen und Mitstreiter_innen finden lassen. Ein Engagement in einem solchen Projekt ist in der Regel, anders als das klassische Ehrenamt, zeitlich flexibel und ortsunabhängig. Damit sinkt auch die Hemmschwelle für ­Beteiligung: Es braucht nur wenige Minuten, einen Ort bei wheelmap zu kartieren, und es ist dem Engagierten selbst überlassen, ob er gleich am nächsten Tag, erst in einigen ­Monaten oder nie wieder einen weiteren Eintrag vornimmt. Trotz dieser Flexibilität erzeugen Online-Communities ein Gemeinschaftsgefühl und Verbundenheit, die sich in das Offline-Leben übertragen kann. Diese Eigensinnigkeit, die Ehrenamtliche in digitalen Projekten verwirklichen ­können, ist für größere zivilgesellschaftliche Organisationen häufig schwer mit den ­eigenen ­Strukturen in Einklang zu bringen, in denen Zuverlässigkeit und beständiges ­Engagement gefragt sind. Es steckt jedoch auch für traditionelle zivilgesellschaftliche Organisationen viel Potenzial in einem solchen Engagement: Mit dem Angebot der richtigen digitalen Tools können B­eteiligungsmöglichkeiten geschaffen und dem Einzelnen eine Plattform zur Umsetzung eigener Ideen gegeben ­werden, die helfen, die Ziele der Organisation besser zu erreichen. Mit einem ­solchen Angebot sind auch Empowermentprozesse verbunden, die die Zivilgesellschaft b­eleben und zu einem weiteren und nachhaltigen Engagement führen können. 8 Wollen sich Non-Profits dem digitalem Engagement öffnen, sollte innerhalb der ­Organisation ein Diskurs über diese Möglichkeiten, aber auch die damit ­verbundenen Herausforderungen beginnen. So verändert Digitalisierung Engagement positiv: Die NPO-Arbeit und Engagement flexibilisieren sich: orts- und zeitunabhängiges Engagement ist möglich. Digitales Engagement bietet mehr Raum für die Eigensinnigkeit der Engagierten. Neue Formen der Kommunikation und Kooperation im Engagement sind möglich (einfacherer Zusammenschluss von Communities, Gemeinschaften von Gleich­ gesinnten zu einem gesellschaftspolitischen Anliegen). Informationen sind leichter zugänglich(Abbau von Barrieren). Digitale Werkzeuge ermöglichen und verstärken kooperatives Arbeiten. Die Möglichkeiten der Vernetzung und Beteiligung sind vielfältiger. Die Hemmschwelle für Beteiligung sinkt. Die klassische Trennung von Engagierten und denjenigen, an die sich ein zivilgesellschaftliches Angebot richtet, wird aufgehoben. Engagierte und Unterstützer_innen der Organisation sind besser erreichbar (größere Reichweite, Potenziale für Freiwilligengewinnung). Es können sich einfacher Mitstreiter_innen für ein gesellschaftspolitisches Anliegen finden lassen. Es entstehen neue Formen von Engagement(z.B. Kartierungsprojekte für den guten Zweck) sowie neue Angebotsformen/Services in Non-Profits(z.B. soziale Online-Beratung). Der Wunsch nach mehr Transparenz und Beteiligung wird durch die neuen digitalen Möglichkeiten befördert(verändertes Wertebewusstsein). Wer engagiert sich digital? Die mit dem Freiwilligensurvey erhobenen Daten geben einen ersten Einblick darüber, wer sich digital engagiert. Ein erster überraschender Befund ist: Das digitale Engagement zwischen der Stadt- und Landbevölkerung unterscheidet sich kaum. Während sich in der Stadt 59 Prozent der Freiwilligen auch digital engagiert, sind es auf dem Land 57 Prozent. In der Stadt gibt es aber im Vergleich mehr Menschen, die angeben, sich nur digital zu engagieren. Auch ein Blick in die Altersstruktur der digital Engagierten offenbart Überraschendes(s. Abb. 2). „ Ich finde, dass Digitalisierung im Ehrenamt eine große Chance ist. So kann man anderen zeigen, was schon geleistet worden ist und einen Ansporn zu einem Engagement geben. “ Konferenzteilnehmerin MEHR ZUM THEMA Wer wie digital engagiert ist finden Sie auf der Seite von Hannes Jähnert. Abb. 2: Online-& Onsite-Volunteering nach Alter(Quelle: Freiwilligensurvey 2014, gewichtete Stichprobe, eigene Berechnungen Hannes Jähnert. Basis: Alle Befragten(n= 28.689)) 9 Nicht die Jugendlichen sind es, die sich vornehmlich digital engagieren, sondern Menschen ab 20 Jahren. Das umfangreichste digitale Engagement findet sich in der Altersgruppe der 45- bis 49-Jährigen. Und selbst die 60- bis 64-Jährigen engagieren sich zu 26 Prozent teilweise online – prozentual genauso viele wie bei den 20- bis 24-Jährigen. Diese Auswertung zeigt: Ein Angebot an digitalem Engagement kann für alle Altersgruppen attraktiv sein. Und so sehr der digitale Wandel die Arbeit in gemeinnützigen Organisationen auch verändert: Das klassische Ehrenamt hat auch im digitalen Zeitalter seinen Platz. Nur wenige entscheiden sich für eine ausschließlich digitale Freiwilligenarbeit. Diejenigen, die sich nur digital engagieren, sind auch diejenigen, die die meiste Zeit in ihr Engagement investieren. 29 Prozent der Menschen, die ihre Freiwilligenarbeit einzig und allein online vornehmen, engagieren sich mehr als sechs Stunden pro Woche – bei denjenigen, die sich auf das klassische Ehrenamt konzentrieren, setzen lediglich 15 Prozent ebenso viel Zeit ein(s. Abb. 3). „ Alles ist digital und wird digitalisiert. Deswegen ist Digitalisierung für uns eine Existenzfrage. Wenn die Mitarbeitenden mitgenommen werden, läuft es wunderbar, und Erfolge werden gleich sichtbar. “ Niklas Alof, Anne Jacob und Christian Herrmanny, Kindernothilfe Abb. 3: Zeitaufwand für Online-& Onsite-Volunteering(Quelle: Freiwilligensurvey 2014, gewichtete Stichprobe, eigene Berechnungen Hannes Jähnert. Basis: Alle Befragten(n= 28.689)) Der Blick auf die Zahlen macht deutlich: Es steckt noch viel Potenzial im Online-­ Volunteering. Denn derzeit engagieren sich häufig diejenigen digital, die sich bereits ­klassisch engagieren. Wie digitales Engagement gelingen kann Digitales Engagement leistet einen wichtigen gesellschaftlichen Beitrag – und immer mehr Menschen engagieren sich online. Denn diese Engagementform ist flexibel, sie bietet vielfältige Möglichkeiten der Partizipation und Raum für Eigensinnigkeit. Am Anfang der Öffnung einer zivilgesellschaftlichen Organisation für digitales ­Engagement steht die Bereitschaft zur und Freude an Veränderung. Denn das digitale Ehrenamt kann eine Organisation grundlegend neu ausrichten, seine Einführung gehört zur strategischen Organisationsentwicklung. Dabei ist es wichtig, alle Beteiligten mitzunehmen und sie an den Entscheidungen zum digitalen Wandel in der O­ rganisation zu beteiligen. Denn nur so kann eine Aufbruchsstimmung erzeugt werden, die notwendig 10 ist, um Veränderungen positiv zu besetzen und nachhaltig zu gestalten. Dazu gehört auch, gemeinsam abzuwägen, welche Chancen die Digitalisierung für die eigene Organisation bietet und welche Herausforderungen sich ergeben. Die Digitalisierung der Organisation als Teil der Organisationsentwicklung – so geht es: Fragen Sie nach den Potenzialen: Welche digitalen Werkzeuge können unsere Arbeit und unsere Engagierten unterstützen? Fragen Sie nach den Zielen: Wie können digitale Werkzeuge unsere Sichtbarkeit erhöhen? Wie können wir uns besser vernetzen? Wie können wir unser Angebot vielfältiger machen? Fragen Sie nach der Strategie: Wie kann eine digitale Strategie aussehen, die unseren Bedürfnissen und Ressourcen gerecht wird? Auszug aus: MuP-Praxishilfe(2017): Chancen der Digitalisierung für Engagement entdecken. Ein weiterer Baustein zu einer erfolgreichen Digitalisierung ist die Personalentwicklung. ­Digitalisierung in der Organisation und digitales Engagement erfordern neue Kompetenzen, die Haupt- und Ehrenamtliche zunächst einmal erwerben müssen. Engagierte dürfen nicht ausgeschlossen werden, weil sie nicht über die erforderlichen Fähigkeiten verfügen, um sich digital zu beteiligen. Hierzu braucht es Angebote der Organisation zur Kompetenzbildung, z.B. in Form von Fortbildungen oder Mentoring. Gleichzeitig gilt, dass nicht alle alles können müssen oder der Einsatz von digitalen Tools immer besser ist. Schließlich müssen die richtigen digitalen Werkzeuge ausgewählt und strategisch eingesetzt werden. Nicht jedes Tools eignet sich für jede Organisation oder für alle Aufgaben oder Aktionen. Es kann hilfreich sein, zu erfragen, mit welchen Werkzeugen Engagierte und Hauptamtliche bereits erfolgreich arbeiten, und darauf aufzubauen. Außerdem besteht die Gefahr, Doppelstrukturen aus analogen und digitalen Angeboten aufzubauen, die Mehraufwand verursachen. Digitale Werkzeuge und Angebote sollten strategisch und zielgerichtet eingesetzt werden. Die Frage, wo sie tatsächlich unterstützen oder wo ein Einsatz mehr Aufwand verursacht als er Nutzen erbringt, sollte beim Aufbau von digitalen Engagementmöglichkeiten handlungsleitend sein. So kann digitaler Wandel in zivilgesellschaftlichen Organisationen gelingen: Seien Sie bereit für Veränderungen und haben Sie den Mut, etwas Neues auszuprobieren. Machen Sie deutlich, dass digitales Engagement analoges nicht ersetzt, sondern dieses sinnvoll ergänzen soll. Nehmen Sie Hauptamtliche und Engagierte in Ihrer Organisation mit und beteiligen Sie sie an den Entscheidungen zum digitalen Wandel in der Organisation. Setzen Sie digitale Werkzeuge und Angebote strategisch und zielgerichtet ein. Arbeiten Sie mit digitalen Tools, die Engagierte bereits nutzen. Seien Sie sich bewusst, dass digitales Engagement auch personelle und technische Ressourcen benötigt. Machen Sie Angebote zur Kompetenzbildung, um Engagierte und Interessierte mit den erforderlichen Fähigkeiten auszustatten. MEHR ZUM THEMA Veränderungsprozesse in NPOs gestalten finden Sie im MuP-Trainingsbuch„Veränderung – Vorgehen, Haltung und Organisation bei Veränderungsvorhaben in NPOs“ . 11 Kommunikation Beratung Freiwilligengewinnung OnlineKampagnen Organisation Vernetzung Fundraising Die Digitalisierung bietet gemeinnützigen Organisationen viele neue Möglichkeiten, ihre Zielgruppen direkt anzusprechen, Engagierte zu vernetzen und besser zu erreichen oder finanzielle Ressourcen zu generieren: etwa durch frei zugängliche Datenangebote, Online-Kampagnen oder OnlineBeratungen. Die Chancen der Digitalisierung nutzen IMPULSGEBERIN Helene Hahn ist Kulturwissenschaftlerin. Sie ist seit 2013 Projektleiterin für verschiedene ­Community- und Techprojekte bei der Open Knowledge Foundation Deutschland und beschäftigt sich damit, wie Daten und Technologien für eine positive Gestaltung unserer Gesellschaft genutzt werden können. Aktuell arbeitet sie in der Datenschule, dem Weiterbildungsprogramm für NPOs zum Thema Daten und Technologien, ist Teil der Policy-Gruppe, konzipiert partizipative Workshops und spricht auf Konferenzen über digitale Themen. 12 Offene Daten für gute Taten Neben der ständigen Erreichbarkeit und umfassenden Vernetzung ist die Verfügbarkeit von Informationen und Datenmaterial – und damit von Wissen – die größte Innovation, die der digitale Wandel mit sich gebracht hat. Digitale Informationen oder Daten sind beispielsweise: Karten und Satellitenaufnahmen Wetter- , Geo- und Umweltdaten medizinische Daten mathematische und wissenschaftliche Formeln statistische Daten, etwa zur Bevölkerungsentwicklung Als offene Daten werden Daten dann bezeichnet, wenn sie der Öffentlichkeit von Wissenschaft, Forschung oder der öffentlichen Verwaltung zur freien Nutzung zur Verfügung gestellt werden. Wie wichtig die einfache Verfügbarkeit von Informationen für zivilgesellschaftliches ­Engagement ist, zeigt ein Blick auf die Beteiligungspyramide(s. Abb. 4). Beteiligungsstufen Stufe 9: Selbstorganisation Stufe 8: volle Entscheidungskompetenz Stufe 7: teilweise Entscheidungskompetenz Stufe 6: Mitbestimmung Stufe 5: Einbeziehung Stufe 4: Anhörung Stufe 3: Information Stufe 2: Anweisung Stufe 1: Instrumentalisierung oder Alibi-Partizipation Volle Autonomie Partizipation Vorstufe zur Partizipation NichtPartizipation Abb. 4: Die Beteiligungspyramide, Lizenz: Public Domain Informationen bieten die Basis, von der aus sich Kommunikation, Vernetzung, Beratung und schließlich Beteiligung und Engagement entwickeln kann. Damit Engagierte und Mitarbeitende in zivilgesellschaftlichen Organisationen mit den technischen Entwicklungen mithalten und die Chancen, die diese bieten, auch wahrnehmen können, bedarf es digitaler Bildung. Denn um offene Daten für gute Taten zu nutzen, gilt es, aus der sehr großen Anzahl an verfügbaren Informationen die für das eigene Anliegen notwendigen Daten auszuwählen und sie auch richtig zu bewerten. Diese Fragen helfen Non-Profits, offene Daten für sich zu nutzen: Welche konkrete Problemstellung möchte ich mit offenen Daten bearbeiten? Welche Daten brauche ich dafür? Was sind zuverlässige Quellen, um diese Daten zu erhalten? Wie müssen die Daten ausgewertet werden, damit sie für meine Ziele eingesetzt werden können? Welche Kompetenzen sind für die Auswertung notwendig? Wie sollen die Daten in meinem Projekt dargestellt und ggf. aktualisiert werden? Wichtig für eine gute Arbeit mit offenen Daten ist, dass die Beteiligten über grundlegendes digitales Wissen verfügen – etwa Informationen richtig lesen, bewerten und sinnvoll nutzen. Hilfreich ist es auch, wenn sich für die Umsetzung eines Open-Data-Projekts ein Team zusammenfindet, in dem sich unterschiedliche Expertisen versammeln, etwa zur Softwareentwicklung, statistische Fähigkeiten oder Kompetenzen im Bereich Storytelling. Hierbei kann man sich auch Unterstützung aus der Zivilgesellschaft holen. Die gemeinnützige Open Knowledge Foundation Deutschland unterstützt mit ihren Projekten und ihrer technik-begeisterten Community diverse soziale Projekte und Anliegen: Die datenschule.de arbeitet mit NPOs zusammen und ermutigt sie durch kreative Formate, Workshops und Projektumsetzungen Daten und Technologien zielgerichtet zu nutzen. Im Rahmen des Projekts­ codefor.de arbeiten Programmierer_inQuelle: okfn.de nen an nützlichen Anwendungen und Visualisierungen rund um offene Daten zu vielen sozialen Themen, wie der Trinkwasserqualität oder zu sicheren Fahrradwegen. Wer Interesse hat, sich mit den Aktiven zu vernetzen und sich anzuschauen, wie Daten für zivilgesellschaftliche Anliegen genutzt werden können, kann ein Open Knowledge Lab in seiner Stadt besuchen. Zivilgesellschaftliche Organisationen können jedoch nicht nur bereits vorhandene Daten nutzen, sondern auch eigene Daten erheben und frei zur Verfügung stellen. So messen beispielsweise Bürger_innen, die sich für das Projekt luftdaten.info engagieren, mit selbst gebauten Feinstaubsensoren die Luftqualität ihrer Stadt und teilen die Daten öffentlich. MEHR ZUM THEMA Interpretation und Verarbeitung von offenen Daten: codefor.de Verantwortungsvoller ­Umgang mit offenen Daten: responsibledata.io Offenes Wissen, offene Daten, Transparenz und Beteiligung: Open Knowledge Foundation(Stiftung für offenes Wissen). 13 „ Ich würde mir wünschen, dass ein Medienbildungswiki eingerichtet wird, und zwar als übergeordnetes bzw. bundesweites Tool. “ Marten Gerdnun, Kulturbüro Rheinland-Pfalz, FSJ_Digital 14 Helene Hahn erläutert im Interview die Chancen und Herausforderungen für NPOs im Umgang mit offenen Daten. Welche Tipps haben Sie für NPOs, die Open Data Projekte umsetzen wollen? Es geht in erster Linie darum, NPOs dazu zu ermutigen, sich strategisch mit Fragen der Digitalisierung zu beschäftigen: Wie sehen wir unsere Rolle in einer modernen, digitalen Welt? Welche digitalen Möglichkeiten gibt es für uns, um gute Beteiligung bei unseren Anliegen zu ermöglichen? Wie können wir durch digitale Ansätze und Tools mehr Rechenschaft bei politischen Entscheidungen einfordern? Aber auch: Welche Ressourcen und welche Fähigkeiten werden wir benötigen, um neuen Herausforderungen besser zu begegnen? Digitale Mündigkeit spielt hier eine entscheidende Rolle und Ansätze wie Crowdsourcing und Open Data verändern, wie NPOs heute schon denken und arbeiten. Was steckt hinter digitaler Mündigkeit? „Digitale Mündigkeit“ bezieht sich auf diverse Fähigkeiten, die für jede einzelne Person in unserer Gesellschaft wichtig sind, um sich informiert an öffentlichen Debatten beteiligen zu können: die Fähigkeit, digitale Informationen lesen, sie kritisch bewerten und vor allem selbst nutzen zu können. Wir hinterfragen noch zu wenig, auf welche Art und Weise D­ aten – beispielsweise Grafiken und Visualisierungen zur Meinungsbildung im politischen Kontext – ausgewertet und welche für die Darstellungen genutzt werden. Wenn uns hier die digitale Lesefähigkeit fehlt, können wir uns nicht sinnvoll beteiligen. Worauf sollten NPOs bei digitalen Projekten achten? Wichtig bei digitalen Projekten ist es, sich stärker mit denen zu vernetzen, die bereits ­erste Erfahrungen mit diesen neuen Ansätzen gesammelt haben. Es geht nicht darum, alles selbst zu können. Es geht darum, die richtigen Wegbegleiter_innen zu finden. Das können andere NPOs sein oder ehrenamtlich Engagierte, die ihre digitale Expertise einbringen. Bei der Datenschule kooperieren wir beispielsweise mit NPOs, die eine hohe Expertise in ihren Themenfeldern mitbringen. Gemeinsam schauen wir, wie diese Erkenntnisse digital aufbereitet werden können, um soziale Probleme und Fragestellungen besser zu verstehen. Bei JedeSchule haben wir mit BildungsCent e.V. eine Liste aller Schulen in Deutschland online durchsuchbar gemacht und Daten von statistischen Landesämtern zu außerschulischen Aktivitäten analysiert, um den Zugang zu Schulinformationen für Eltern, Lehrer_innen und Schüler_innen zu erleichtern. Welche(auch gesellschaftlichen) Herausforderungen bringt der Umgang mit offenen Daten mit sich? Die Veröffentlichung und Nutzung offener Daten geht mit der Idee einher, mehr Transparenz, Beteiligung und Rechenschaftspflicht für politische Entscheidungen einzufordern. Ob es Bildung, Kultur, Politik oder Wirtschaft ist – Entscheidungen, die dort getroffen werden, beeinflussen unseren Alltag. Daher sollte die Grundlage dieser Entscheidungen transparent kommuniziert werden und der Prozess offen für Beteiligung sein. Offene Daten ebnen hierfür den Weg, der unsere Denk- und Arbeitskultur verändert, Hierarchien hinterfragt und Diskussionen öffnet. Die wohl größte Herausforderung unserer Zeit – digitale Bildung und digitale Fähigkeiten an alle zu vermitteln. Wie schaffen wir es, Menschen unabhängig von Alter, Herkunft und Geschlecht dazu zu befähigen, sich mündig durch die digitale Welt zu bewegen und digitale, offene Informationen richtig zu lesen, zu hinterfragen und zu nutzen? Gemeinsam stark: Wie mit digitalen Werkzeugen politische Anliegen in die Öffentlichkeit getragen werden können Wer im politischen Diskurs ein Thema setzen will, der braucht Öffentlichkeit. Diese zu erzeugen ist eine der größten Herausforderungen für politische Kampagnen. Es ist schwierig, unter der Vielzahl an Informationen, die im digitalen Zeitalter verfügbar sind, hervorzu­ stechen und damit die Aufmerksamkeit derjenigen zu wecken, die man erreichen möchte. Digitale Werkzeuge können hier eine wertvolle Unterstützung bieten. Besonders über soziale Medien wie Facebook, Twitter oder Instagram können politische Botschaften schnell verbreitet und damit die Zielgruppen erreicht werden. Diese digitalen Medien haben eine enorme Reichweite, denn sie nehmen im Alltag vieler Menschen eine wichtige Rolle ein. Nicht zu unterschätzen ist darüber hinaus, dass immer mehr Menschen einen Großteil ihrer Informationen über gesellschaftliche oder politische Themen über soziale Medien erhhalten. Gleichzeitig wäre es falsch, soziale Medien nur als Mittel zu begreifen, um Informationen oder Botschaften zu verbreiten. Nicht umsonst sind es ‚soziale‘ Medien: Sie leben von Austausch und Beteiligung, und diese Eigenschaften können sich zivilgesellschaftliche Organisationen und Parteien für ihre politischen Kampagnen zunutze machen. Wie eine politische Kampagne mit dem Einsatz sozialer Medien gelingen kann, lässt sich am Beispiel der Kampagne gegen die Vorrats­datenspeicherung des Vereins D64 – Zentrum für digitalen Fortschritt e.V. zeigen. Ziel der Kampagne war es, die SPDDelegierten zum Parteikonvent 2015 davon zu überzeugen, sich gegen die Wiedereinführung der Vorratsdatenspeicherung auszusprechen. So haben die Initiatoren der Kampagne gegen die Vorratsdatenspeicherung digitale Medien gezielt für ihre Zwecke eingesetzt: wurde eine Webseite erstellt, auf der: - Anliegen vorgestellt und Argumente gegen und Informationen zur Vorratsdatenspeicherung gesammelt wurden. - ein Musterantrag zur Verfügung gestellt wurde, den SPD-Gliederungen beim Parteivorstand einreichen konnten, um so den Parteikonvent aufzufordern, gegen den Antrag zur Vorratsdatenspeicherung zu stimmen. - Unterstützer_innen benannt und beständig aktualisiert wurden. zentralen Botschaften wurden als Kam­ pagnenfotos und -video aufbereitet und konnten über Facebook, Twitter oder Google+ geteilt werden. besseren Verbreitung der Inhalte wurden Influencer für das Projekt gewonnen. Influencer sind Personen des öffentlid-64.org/spd-vorratsdaten-im-zweifel-fuer-die-freiheit chen Lebens, die über eine große Anzahl an Freunden oder Followern auf ihren eigenen Social-Media-K­ anälen verfügen. Unterstützen sie die Kampagne, können die Botschaften eine größere Reichweite erzielen. Zwar entschied sich der Parteitag schließlich für eine Neuregelung des Gesetzes zur Vorratsdatenspeicherung, aber ein Ziel wurde erreicht: Die Debatte um das Gesetz und seine Implikationen wurde angestoßen. MEHR ZUM THEMA Non-Profits und Social Media finden Sie in der gleichnamigen MuP-Broschüre. IMPULSGEBER Henning Tillmann ist selbständiger Softwareentwickler und lebt in Berlin. Er ist u. a. Vorstandsmitglied von D64 – Zentrum für digitalen Fortschritt e. V. und Mitglied der Medien- und Netzpolitischen Kommission beim SPD-Parteivorstand. Zu seinen thematischen Schwerpunkten gehören Daten­politik und digitale Bildung. 15 Tipp: Um wirklich gute Inhalte zu erstellen, braucht es Knowhow: Deshalb ist es wichtig, Unterstützer_innen mit graphischen Fertigkeiten zu gewinnen – oder sich solches Expertenwissen von außen zu holen. Tipp: Schon in dieser Planungsphase können digitale Tools helfen: Mit Software zum kooperativen Arbeiten wie Google Docs oder Trello können sich alle, die an der Kampagne mitwirken, miteinander vernetzen und ortsunabhängig und zeitlich flexibel an den gleichen Inhalten arbeiten. Darüber hinaus können diese Werkzeuge bei einer strategischen Projektplanung unterstützen. 16 Als Erfolgsfaktoren für politische Kampagnen mithilfe von digitalen Werkzeugen lassen sich fünf Schritte identifizieren: Entwicklung, Planung, Veröffentlichung, Online-Phase und Abschluss der Kampagne. Und so gestalten Sie erfolgreiche politische Kampagnen mithilfe von digitalen Werkzeugen: Schritt 1: Entwicklung der Kampagne Entwickeln Sie eine Idee für die Kampagne. Legen Sie die Zielsetzung der Kam­ pagne fest und formulieren Sie Ihre zentralen Botschaften. Neben dem Blick auf das Budget hilft es, Meilensteine zur Zielerreichung zu definieren, einen Zeitplan festzulegen und die für die einzelnen Schritte einzusetzenden Instrumente festzulegen. In dieser Phase gilt es auch, erste Überlegungen anzustellen, welche Anforderungen die Sozialen Medien an politische Kampagnen stellen. Ziel der Kampagne gegen Vorratsdatenspeicherung war es, die SPD-Delegierten zum Parteikonvent 2015 davon zu überzeugen, sich gegen die Wiedereinführung der Vorratsdatenspeicherung auszusprechen. Zentrale Botschaften waren unter a­ nderem: Stoppt die Vorratsdatenspeicherung! Private Dinge wie Verabredungen sollten privat bleiben. Das geht den Staat nichts an. Schritt 2: Planung/Vorbereitung der Kampagne Bringen Sie Ihre Botschaften in geeignete Formate. Darauf sollten Sie bei politischen Kampagnen über soziale Medien achten: Brechen Sie komplexe Themen auf ihren Kern/konkrete Problemstellungen herunter. Halten Sie Botschaften möglichst kurz und aussagekräftig. Nutzen Sie aussagekräftige Fotos, Grafiken oder kurze Videos (max. 30 Sekunden), um die Botschaften zu verbreiten. Finden Sie Unterstützer_innen, die die Inhalte Ihrer Kampagne über ihre SocialMedia-Kanäle teilen oder anderweitig verbreiten können. Ziel ist es damit eine möglichst große Reichweite für das eigene Anliegen zu erreichen. Angesprochen werden können etwa die Stakeholder der Organisation. Im Falle der Kampagne gegen die Vorratsdatenspeicherung unterstützten die SPDGliederungen, Journalist_innen, Initiativen, die dasselbe Ziel haben, sowie Influencer die Kampagne. Schritt 3: Veröffentlichung Starten Sie Ihre Kampagne mit der Veröffentlichung der Inhalte und Botschaften. Ziel muss es sein, einen Knalleffekt zu erreichen, der dazu führt, dass viele Menschen die Informationen liken oder teilen – denn nur dann wird eine Massenwirkung ausgelöst, die politische Aufmerksamkeit erzeugt. Das hilft, um Aufmerksamkeit zu erzeugen: Verbreiten Sie Ihre Botschaften über die richtigen Influencer und sprechen Sie Journalist_innen an. Bedienen Sie möglichst viele Kanäle – Twitter, Facebook, Instagram, Google+ – mit den gleichen Inhalten – und zwar gezielt und zeitlich aufeinander abgestimmt. Denn sonst geht die Kampagne in der Vielzahl an zur Verfügung stehenden Informationen unter. Prüfen Sie, ob es sich lohnt, Werbung für die Kampagne zu schalten. Über Facebook ist es z.B. möglich, bestimmte Zielgruppen mit der Anzeige direkt anzusprechen. Schritt 4: Online-Phase Bleiben Sie mit Ihren Botschaften im Gespräch. Nach der Veröffentlichung ist vor der Veröffentlichung: Eine erfolgreiche Kampagne lebt davon, dass das Thema im Gespräch bleibt. So bleiben Sie im Gespräch: Lassen Sie den ersten Postings täglich weitere Posts folgen. Variieren Sie den Content, damit die Botschaft immer wieder neu auf Interesse stößt und geteilt wird. Lassen Sie die Inhalte aufeinander aufbauen, denn der Wiedererkennungswert ist wichtig. Nutzen Sie die Möglichkeiten der sozialen Medien zur direkten Kommunikation und fordern Sie die Nutzer_innen mit dem Posting zum Teilen der Inhalte und damit zur Beteiligung auf. Schritt 5: Abschluss der Kampagne Bringen Sie Ihre Kampagne zu einem guten Abschluss und bereiten Sie sie nach. Der Abschluss der Kampagne bedenkt die Unterstützer_innen und bereitet bereits die nächste Kampagne vor. An folgende Punkte sollten Sie denken: Informieren Sie die Unterstützer_innen über den Ausgang der Kampagne und danken Sie ihnen für die Unterstützung. Reflektieren Sie innerhalb der Organisation, was gut und was weniger gut gelaufen ist. Halten Sie die Ergebnisse dieser Reflexion als Lessons learned fest, um sie für die weitere Arbeit/die nächste Kampagne zu nutzen. Aufmerksamkeit für komplexe politische Anliegen zu erlangen, ist nicht leicht und erfordert eine Menge Arbeit. Wenn Sie es schaffen, in Ihrer Kampagne konkrete Problemstellungen zu benennen, diese in prägnante Botschaften, aussagekräftige Fotos, Grafiken oder Videos zu übersetzen und kontinuierlich mit den richtigen Unterstützer_innen zu kommunizieren, dann haben Sie eine gute Chance, im politischen Diskurs wahrgenommen zu werden. MEHR ZUM THEMA Was digitales Engagement bewirken kann, zeigt die ­Petitions­plattform change.org . 17 Online-BeratungsAngebote im Überblick: Allgemeines: jugend.bke-beratung.de Liebe, Sexualität, Pubertät: donumvitae-onlineberatung.de sexundso.de Gewalt, Missbrauch: wildwasser.de onlineberatung-imma.beranet.info Krisen, Suizidgedanken: youth-life-line.de u25-deutschland.de Trauer: youngwings.de IMPULSGEBER Niko Brockerhoff ist staatlich anerkannter Erzieher und studiert Soziale Arbeit. Seit 2016 leitet er  [U25] Gelsenkirchen, zuvor war er an diesem Projektstandort ehrenamtlicher Peerberater. Digitale soziale Arbeit: Wie NPOs Online-Beratungs­ angebote sinnvoll einsetzen können Soziale Arbeit lebt vom direkten Austausch zwischen den Menschen. Eine gute Beziehung zwischen Sozialarbeiter_in und Klient_in ist eine der wichtigsten Voraussetzungen für eine erfolgreiche Sozialarbeit. Für viele ist es deswegen schwer vorstellbar, dass Angebote ­sozialer Arbeit digitalisiert werden können. Gleichzeitig sucht jeder von uns Hilfe im Netz, ganz egal, ob uns ein gesundheitliches Problem beschäftigt, wir Rat bei der Erziehung unseres Kindes oder bei Ärger am Arbeitsplatz benötigen. Genau hier, in der Beratung von ­Menschen bei spezifischen Problemstellungen, liegt die Chance des digitalen Wandels für die soziale Arbeit. Die Caritas Gelsenkirchen etwa nutzt die Möglichkeiten der Digitalisierung für die Beratung von suizidgefährdeten Jugendlichen. Bundes­weit können sich junge Menschen in Krisensituation über das Online-Portal[U25] anmelden. Die Registrierung erfolgt anonym. Die Hilfesuchenden schreiben über das Portal eine E-Mail an die Berater_innen und erhalten Quelle: u25-gelsenkirchen.de innerhalb von zwei Werktagen eine Rückmeldung. Die Beratung erfolgt nach dem Peer-Prinzip durch von der Caritas ausgebildete Jugendliche zwischen 16 und 25 Jahren. Seit der Gründung im Mai 2013 konnten die 22 Peer-Berater_innen 1.068 Klient_innen erreichen. Digitale Beratungs- und Therapieformen beschränken sich jedoch nicht auf den E-MailKontakt. Chats oder Foren eignen sich ebenso wie Messenger-Dienste oder der Austausch über soziale Netzwerke. Das sind die Stärken digitaler Beratungsangebote: Betroffene können von der Anonymität des Netzes geschützt nach Hilfsangeboten suchen. Die Hemmschwelle, sich tatsächlich Hilfe zu holen, sinkt, weil die Anonymität auch nach Kontaktaufnahme mit den Berater_innen gewahrt bleibt. Digitale Beratungsangebote können eigenständig, aber auch begleitend zu klassischen Hilfsangeboten eingesetzt werden(Blended Counseling) und damit die Verbindung zwischen Berater_in und Klient_in stärken. Über eine Plattform kann Beratung zu verschiedenen Problemen in unterschiedlichen Krisenlagen geboten werden. Eine größere Anzahl an Hilfesuchenden kann ortsunabhängig erreicht werden. Das spart Zeit, Kosten und Personal. Betroffene können selbst Beratungsfunktionen übernehmen. So wird das Angebot für Hilfesuchenden noch niedrigschwelliger und es kann Hilfe zur Selbsthilfe gegeben werden. 18 Damit diese Art der sozialen Arbeit gelingen kann, müssen einige Voraussetzungen für digitale Beratung erfüllt sein. 1. Zivilgesellschaftliche Organisationen müssen genau abwägen, für welche ­Krisen- und Krankheitsbilder sie digitale Beratungsangebote einrichten. Nicht für alle Problemstellungen ist diese Art der Beratung geeignet. Die Potenziale zur Einsparung von Ressourcen, die sich mit der Online-Beratung ergeben, dürfen nicht zu Qualitätseinbußen führen. 2.  Digitale Beratung kann nur mit richtig ausgebildeten Berater_innen gelingen. Fachkräfte und ehrenamtliche Mitarbeiter_innen müssen akquiriert und so ausgebildet werden, dass sie die digitalen Tools auch anwenden können. Dabei müssen auch die Besonderheiten der verschiedenen Werkzeuge beachtet werden. Wenn das Beratungsangebot etwa als Chat konzipiert ist, dann sollten die Berater_innen die wichtigsten Eigenheiten der Chat-Sprache kennen. Digitale soziale Arbeit braucht zudem Schulung zu den Besonderheiten der digitalen Beratung. Ist etwa die Kommunikation ausschließlich schriftlich, muss der Berater, die Beraterin die Dramatik einer Krisensituation anhand anderer Kriterien einschätzen als in einer klassischen Beratungssituation, in der Mimik und Gestik eine wichtige Rolle spielen. Diese wichtigen Formen der non-verbalen Kommunikation fehlen in der digitalen Beratung zudem beim Beziehungsaufbau zum Klienten, zur Klientin. 3.  Digitale Beratung braucht klare Regeln und Grenzen, die auch die Berater_innen schützen. Die beständige Erreichbarkeit, die mit digitalen Tools möglich ist, kann Mitarbeiter_innen unter Druck setzen und zu einer Entgrenzung von Frei- und Arbeitszeit führen. Deshalb muss festgelegt werden, zu welchen Zeiten das Beratungsangebot zur Verfügung steht. Die Mitarbeiter_innen brauchen zudem Räume für Supervision und den Austausch untereinander, um die Belastungen für die eigene Seele, die die Beratung von Menschen in Krisensituationen mit sich bringt, verarbeiten zu können. 4.  sind Transparenz bei der Datenverarbeitung und-speicherung oberstes Gebot für digitale soziale Arbeit. Für Hilfesuchende kann es eine Herausforderung sein, zu erkennen, welche Beratungsangebote seriös sind. Auf der einen Seite bietet das Internet zwar Anonymität, gleichzeitig kann ein Online-Angebot auch abschrecken, weil Hilfesuchende nicht wissen, was mit ihren Daten nach der Beratung passiert. Deswegen ist Transparenz bei der Datenverarbeitung und-speicherung für digitale soziale Arbeit sehr wichtig. Für die gute Sache: Digitale Innovationen in der eigenen Organisation entwickeln Gemeinnützige Organisationen können neben der Nutzung vorhandener digitaler Errungenschaften die Digitalisierung auch selbst voranbringen und digitale Innovationen für das Gemeinwohl entwickeln. Innovation heißt wörtlich„Neuerung“ oder„Erneuerung“. Das Wort ist vom lateinischen Verb innovare(erneuern) abgeleitet. Quelle: Wikipedia Sie müssen dabei keine Revolution beginnen – es reicht eine Idee, für deren Umsetzung gezielt ein neues technisches Tool entwickelt oder ein bestehendes auf eine neue Art und Weise genutzt wird. MEHR ZUM THEMA Soziale Arbeit 4.0 finden Sie auf dem Blog „Zeitzuteilen – Digitaler Wandel in der sozialen Arbeit“ von Sabine Depew, die seit vielen Jahren im sozial-caritativen Bereich arbeitet. Hier werden Veröffentlichungen, Projekte und auch Praxisbeispiele vorgestellt. Soziale ­Arbeit braucht digitale Medien finden Sie auf den Webseiten von neue Caritas . IMPULSGEBER Stephan Peters 19 Stephan Peters, betterplace lab, erklärt im Interview , was unter digitalen Innovationen für das Gemeinwohl genau zu verstehen ist und unter welchen Bedingungen sie sich entwickeln können. BLICK IN DIE PRAXIS Beispiele für digitale Innovationen von betterplace lab: clarat family ist ein Portal, auf dem Familien in Deutschland Infos zu Hilfen in den Bereichen Familie, Gesundheit, Lernen& Arbeiten und Gewalt& ­Kriminalität in ihrer Nähe finden. mWater: Gesundheitshelfer testen via Smartphone-App die Qualität von Trinkwasser in T­ ansania und informieren auf einer digitalen Karte über saubere Trinkwasserstellen. trendradar.org : Drohnen werden für humanitäre Projekte eingesetzt, etwa zum Kartographieren von Landminen-Gebieten, zur Einschätzung der Radioaktivität, oder um Hilfsmaßnahmen zu koordinieren. Mit dem 3-D-Drucker werden Materialien für humanitäre Zwecke gefertigt(Prothesen, Medikamente, Lebensmittel, Häuser, …). Was sind digitale Innovationen für das Gemeinwohl? Von solchen Innovationen spricht man immer dann, wenn eine Technologie auf eine neue Weise zum Wohle möglichst vieler Menschen genutzt wird. USAID etwa hat ein„intelligentes Pflaster“ entwickelt, das über Sensoren die Atem- und Herzfrequenz sowie die Körpertemperatur des Nutzers messen kann. Vernetzt mit dem Internet werden die Daten fortlaufend analysiert und bei auffälligen Werten der Notarzt alarmiert. So können in Sierra Leone beispielsweise Ebola-Infizierte frühzeitig erkannt werden. Wie können Innovationen in einer zivilgesellschaftlichen Organisation entstehen? Dafür braucht es ein paar entscheidende Zutaten. Neben dem Problembewusstsein(bestenfalls mit klarem Bedürfnis der Zielgruppe) und dem nötigen Verständnis für die infrage kommende Technologie, braucht es eine entsprechende Kultur innerhalb der Organisation, um nach Innovationen zu streben. Denn das hat viel mit(möglichst radikalem) freiem Denken, Ausprobieren und auch Scheitern zu tun. Bei einer Innovation weiß niemand vorher, ob sie wirklich funktioniert. Dafür braucht es den entsprechenden Raum und Neugier. Was sollten zivilgesellschaftliche Organisation bei der Umsetzung beachten? Non-Profits sollten sich unbedingt austauschen. Die Mitarbeiter_innen untereinander, und auch mit anderen Organisationen, mit der Zielgruppe, aber auch mit technischen Anbietern. Im Gespräch kann man auf neue Gedanken und frische Perspektiven kommen. Der Austausch hilft zudem dabei, zu erfahren, was es überhaupt für Möglichkeiten gibt und was alles schon ausprobiert wurde. Wenn der Geistesblitz dann immer noch wie einer wirkt, einfach ausprobieren. Lieber erst mal klein mit einem Prototypen und den ständig testen und weiterentwickeln – bis das Ergebnis stimmt. So schaffen Sie gute Rahmenbedingungen für digitale Erneuerungen in Ihrer Organisation: Sie das Wort Innovation nicht zu hoch auf. Manchmal sind es kleine technische Neuerungen, die einen großen Nutzen haben. Sie, welches Ziel Sie mit der Neuerung verfolgen. Was soll die„Innovation“ besser machen? Wen soll sie unterstützen? Sie einen Perspektivwechsel und befragen Sie auch Ihre Engagierten/Mitglieder, welche Verbesserungen sie sich wünschen und welche Ideen sie haben. Sie Freiräume, Denkräume, Räume zum„Spinnen“ und über den Tellerrand hinausschauen. Vielleicht können Kreativitätsmethoden Sie dabei unterstützen. Sie, ob es für Ihr Anliegen nicht schon eine Lösung gibt. Sie sich untereinander aber auch mit anderen Organisationen und technischen Anbietern dazu aus und lassen Sie sich ggf. auch beraten (siehe auch stifter-helfen.de oder betterplace.lab). Sie Mut, gewohnte Wege zu verlassen und etwas Neues auszuprobieren. Dafür müssen auch Fehler und Scheitern(Fehlerkultur) erlaubt sein. 20 So viele Chancen die Digitalisierung für das zivilgesellschaftliche Engagement bietet, so viele Herausforderungen bringt sie mit sich. Gemeinnützige Organisationen müssen sich mit Themen wie Datensicherheit und Datenschutz, Hate Speech, Cyber-Bullying oder der Streuung von gezielten Fehlinformationen als Zeichen der Zeit auseinandersetzen. Es gibt jedoch eine Reihe an Möglichkeiten, diesen Phänomenen aktiv zu begegnen. Den Herausforderungen der Digitalisierung aktiv begegnen Digitale Selbstverteidigung: Was NPOs und Engagierte zum Datenschutz wissen und beachten sollten Spätestens seit den Enthüllungen Edward Snowdens wissen wir, dass alle Informationen, die wir digitalisieren, auch von Dritten eingesehen werden können. Es ist wichtig, sowohl als Einzelperson, aber auch als zivilgesellschaftliche Organisation ein Bewusstsein dafür zu entwickeln, was mit den Daten geschieht, die wir digital hinterlegen und preisgeben. Dabei geht es nicht nur um persönliche Daten oder den Schutz von Passwörtern, sondern auch um Such- oder Browsingverhalten im Internet, anhand dessen auf Personen maßgeschneiderte Werbung oder Anzeigen mit politischen Inhalten angezeigt werden(Filterblasen). Persönliche Daten sind zu einer eigenen Währung geworden – und unser Geld schützen wir ja auch ganz automatisch vor unerwünschtem Zugriff. Datenschutz und Datensicherheit ist nicht das Gleiche! Mit Datenschutz ist das Recht eines jeden vor missbräuchlicher Datenverarbeitung, auf informationelle Selbstbestimmung und den Schutz der Privatsphäre gemeint. Datensicherheit hingegen betrifft alle Daten, unabhängig davon, ob sie personenbezogen sind oder nicht. Hier geht es um technische Vorkehrungen, um die Daten gegen Manipulation oder den Zugriff Dritter zu schützen. Copyright: Thomas Plaßmann IMPULSGEBER Joachim Schulte ist Kommunikationswissenschaftler aus Berlin und arbeitet als Projetleiter und Koordinator für Verbraucherthemen bei  Deutschland sicher im Netz. Der gemeinnützige Verein hat das Ziel, bei Verbraucher_innen und in kleinen und mittleren Unternehmen ein Bewusstsein für einen sicheren Umgang mit Internet und IT zu fördern sowie einen praktischen und messbaren Beitrag für mehr IT-Sicherheit zu leisten. 21 „ Teilweise ist es schwierig, mit anderen in Kommunikation zu bleiben, wenn man sich wie ich zum Beispiel aus ideologischen Gründen gegen einen Dienst wie Whatsapp entscheidet. “ Konferenzteilnehmerin 22 Die Themen Datenschutz und Datensicherheit betreffen zivilgesellschaftliche Organisationen in zweierlei Hinsicht: Zum einen geht es bei der Gestaltung der Digitalisierung durch die Zivilgesellschaft auch darum, für die Gefahren des digitalen Wandels zu sensibilisieren und die Menschen zur digitalen Selbstverteidigung zu befähigen. Zum anderen müssen gemeinnützige Organisationen ihre eigene digitale Infrastruktur so ausrichten, dass Datenschutz und-sicherheit gewährleistet werden. Quelle: digitale-nachbarschaft.de So hat es sich das Projekt Digitale Nachbarschaft zur Aufgabe gemacht, Ehrenamtliche und Vereinsmitglieder, aber auch Bürger_innen für den sicheren Umgang mit dem Internet und IT-Sicherheit zu trainieren. In Grundlagentexten, Selbstlernkursen, Live-Webinaren und Tutorials werden Materialien zu Datensicherheit, verschlüsselter Kommunikation, sicherem Einkaufen und Bezahlen im Internet oder einem souveränen Umgang mit sozialen Medien zur Verfügung gestellt. Mit dem Wissen, das Engagierte in Kursen erlernen können, wie sie das Projekt Digitale Nachbarschaft weitergibt, können sie Botschafter_innen für Datenschutz und-sicherheit in der eigenen Organisation werden. Und so können Sie Ihre Organisation in Sachen Datenschutz und-sicherheit für den digitalen Wandel wappnen: 1. Sie ein Bewusstsein darüber in Ihrer Organisation, dass Datenschutz ein wichtiges Thema ist – und zwar wichtiger als jede technische Lösung. 2. Entwickeln Sie ein gemeinsames Sicherheitsbewusstsein und eine Sicherheitsstrategie in Ihrer Organisation. Die Fragen helfen für die Entwicklung einer Sicherheitsstrategie: Welche Daten braucht unsere Organisation wirklich? Wie können wir unsere Daten und Informationen schützen? Wie können wir die Daten, die uns Menschen anvertrauen, schützen? Über welche Kanäle können wir am sichersten kommunizieren? Wer bekommt den Zugang zu den Daten und den Werkzeugen der Datenverarbeitung? 3. Beachten Sie bei der Erarbeitung einer Sicherheitsstrategie folgende Grundregeln: Achten Sie darauf, so wenig wie möglich Daten online weiterzugeben oder bei Angeboten der eigenen Organisation abzufragen(Prinzip der Datensparsamkeit). Verschlüsseln Sie alle gespeicherten Daten – egal ob auf dem Smartphone, im Netz oder auf Festplatte. Verwenden Sie sichere digitale Werkzeuge für die tägliche Arbeit. So gilt der Browser Tor als besonders sicher, allerdings verlangsamt er das Surfen deutlich. Machen Sie Ihren Browser sicherer, indem Sie die Grundeinstellungen verändern. So machen Sie Ihren Browser in den Grundeinstellungen sicherer: Schalten Sie Flash- und Java-Dienste aus. Deaktivieren Sie Third Party Cookies. Aktivieren Sie die Funktion„Do Not Track“. Verhindern Sie, dass sich Plug-ins automatisch aktualisieren. Aktualisieren Sie Ihren Browser regelmäßig – und passen Sie dann die Grundeinstellungen gegebenenfalls wieder an. Add-ons wie Privacy Badger, uBlock Origin oder HTTPS Everywhere können die Sicherheit beim Surfen weiter erhöhen. Aktualisieren Sie Ihre Virenschutzprogramme regelmäßig. Vergeben Sie für jede Anwendung ein eigenes, sicheres Passwort. Passwortsicherheit ist das A und O im Datenschutz. Das hilft Ihnen, sichere Passwörter zu vergeben: Nutzen Sie für Ihr Passwort eine Kombination aus Buchstaben und Zahlen mit mindestens zwölf Stellen. Lassen Sie sich bei der Erstellung von sicheren Passwörtern durch einen Passwort-Generator wie PWGen helfen. Nutzen Sie bei der Erstellung eines eigenen Passworts am besten die Merksatzregel: Die einzelnen Buchstaben und Zahlen sollten für die Anfangsbuchstaben in einem Satz stehen, zum Beispiel: IhadMuPT1001Dg(Ich habe auf der MuP-Tagung 1001 Dinge gelernt.). Wenn in einer Organisation ein Passwort von mehreren Personen verwendet werden muss, empfiehlt es sich, auf einen sogenannten Passwort-Tresor wie KeePass oder Password Safe zurückzugreifen. Halten Sie auch bei der Kommunikation per E-Mail oder Messenger-Dienst Sicherheitsstandards ein. Als besonders sichere Mailprogramme gelten Posteo, Mailbox.org und Mail.de, bei den Messengern sind es Confide, Telegram oder ChatSecure. Achten Sie bei der Nutzung von Cloud-Diensten und Kollaborationsplattformen darauf, dass die Server der Anbieter in Deutschland stehen – nur dann gelten die deutschen Datenschutzbestimmungen. Speichern Sie niemals sensible oder personenbezogene Daten in einer Cloud. Nutzen Sie für die Suche im Internet Suchmaschinen, die das Suchverhalten nicht analysieren(etwa DuckDuckGo oder Ecosia). Nutzen Sie eine Blickschutz-Folie auf dem Laptop. Diese schützt vor einem ­heimlichen Mitlesen von Sitznachbar_innen. 4. Fördern Sie kritisches Nutzerverhalten Ihrer Organisationsmitglieder und Engagierten. Bieten Sie Informationsmaterialien und Schulungen zum Thema an. 5. Bestimmen Sie in Ihrer Organisation(mindestens) eine Person, die für die Um­ setzung der Sicherheitsstrategie und die Einhaltung der Standards verantwortlich ist. Mit einem Bewusstsein für die Wichtigkeit von Datenschutz und-sicherheit in der Organisation, einer Sicherheitsstrategie und Mitgliedern und Engagierten, die diese auch als kritische Nutzer_innen umsetzen, sind Sie gut gewappnet in punkto Datenschutz und-sicherheit. „ Es gibt einfach so wahnsinnig “ viel zu beachten! Konferenzteilnehmer zum Thema Datenschutz MEHR ZUM THEMA Sicher digital kommunizieren und zusammenarbeiten finden Sie in der gleich­namigen MuP-Praxishilfe(2017). Hier finden Sie auch Tipps für die Gestaltung einer sicheren Internetpräsenz. 23 Die Netiquette regelt das Verhalten in Computernetzwerken bzw. im Internet. Sie ist gewissermaßen der„Knigge“ für das Kommunizieren, Interagieren, den Umgang miteinander in Communities, in Diskussionsforen, in Chats und im E-Mail-Verkehr und zielt auf ein verantwortungsvolles Verhalten im virtuellen Raum insgesamt. Quelle: Wirtschaftslexikon, Gabler IMPULSGEBERIN Simone Rafael ist Journalistin und arbeitet seit 2002 für die AmadeuAntonio-Stiftung im Internet. Sie baute mut-gegen-rechte-gewalt.de auf und übernahm 2009 die Redaktion von Netz-gegenNazis.de(heute: Belltower News). Daneben entwickelt sie Strategien gegen Rechtsextremismus im Internet. Sie engagiert sich für soziale Netzwerk­ e ohne Nazis und arbeitet über soziale Medien mit Jugendlichen für mehr Demokratie im Internet. Digitale Courage entwickeln und fördern: Gegen Hass, Hetze und Parolen im Netz Besonders zivilgesellschaftliche Organisationen, die sich für eine demokratische und pluralistische ­Gesellschaft einsetzen, sind Zielscheibe von Hasskommentaren im Netz. Der richtige Umgang damit gehört zu einer der großen Herausforderungen der Digitalisierung. Quelle: belltower.news Mit der Webseite Belltower.News, vormals Netzgegen-Nazis, bietet die Amadeo-Antonio-Stiftung eine Plattform, die sich mit digitaler Gewalt und Kommunikationskultur auseinandersetzt. Zivilgesellschaftliche Organisationen finden hier Tipps, wie sie Hass im Netz begegnen können, und Vieles mehr. Wichtig ist zunächst eine Auseinandersetzung mit der Thematik und das Wissen, mit welchen Strategien man Hasskommentaren entgegentreten kann, die in der eigenen Community eingestellt werden, etwa auf Facebook, YouTube, in eigenen Foren oder als Blog-Kommentare. So können Sie als Communitymanager_in auf Hasskommentare reagieren: Ignorieren: Sie können als Communitymanager_in Hasskommentare ignorieren. Hasskommentare erhalten keine Aufmerksamkeit durch die Organisation. kann eine laute Debatte entstehen und Diskriminierung wird unkommentiert verbreitet. Moderieren: S ie können Auseinandersetzungen zwischen Community-Mitgliedern moderieren. ermöglichen Sie Raum für plurale Debatten. Voraussetzung dafür ist, dass die Organisation eine Netiquette entwickelt und diese für alle Nutzer_innen transparent und gut einsehbar ist. Der oder die Community-Manager_in greift dann ein, wenn die Diskussionsregeln verletzt oder Minderheiten geschützt werden müssen. Form der Auseinandersetzung ist aufwändig und teuer, weil die Community beständig im Auge behalten werden muss – das geht nicht nebenbei. Diskutieren: können als Community-Manager_in auch selbst an der Diskussion teilnehmen oder diese sogar initiieren. bietet die Chance, Nutzer_innen zu gewinnen, die an einer redaktionellen Meinung interessiert sind. direkte Interaktion ist noch zeitintensiver als die Moderation und der oder die Community-Manager_in braucht gute Nerven. 24 Positionieren: Sie können eine klare Haltung einnehmen und diese vertreten. der oder die Community-Manager_in eine klare Haltung ein und vertritt diese überzeugend, können andere ermutigt werden, ebenfalls Haltung zu zeigen. Das kann die Bindung der Nutzer_innen stärken. Strategie kann Protest anregen. Ironisieren: Sie können Hasskommentaren auch mit Ironie begegnen. zeigen Haltung und das mit Humor. Damit können Sie Hassk­ ommentaren die Schärfe nehmen. wird in Online-Kontexten nicht immer verstanden, verhindert offene Diskussionen und kann auch zu verhärteten Fronten führen. Löschen: Sie können – das ist die radikalste Strategie – Online-Hetze auch löschen. Community wird nicht mit Hasskommentaren konfrontiert und es werden klare Grenzen gesetzt. setzt sich auf diese Weise dem Zensurvorwurf aus und leistet kaum Überzeugungsarbeit. Die verschiedenen Strategien – die alle Vor- und Nachteile haben – schließen sich nicht gegenseitig aus: Für unterschiedliche Situationen können verschiedene Reaktionen angebracht sein. Folgende Schritte zeigen auf, wie Sie einen guten Umgang mit Hasskommentaren in den Communities Ihrer Organisation entwickeln können: 1. estimmen Sie die Kanäle, über die kommuniziert werden soll. Um auf Hasskommentare wirkungsvoll reagieren zu können, ist es empfehlenswert, sich auf wenige Plattformen zu konzentrieren, diese aber gut zu moderieren. 2. Einigen Sie sich darauf, mit welcher Strategie der oder die Community-Manager_­ in Hasskommentaren auf eigenen Plattformen/Foren entgegengetreten soll. Tauschen Sie sich miteinander dazu aus und wägen sie Vor- und Nachteile ab. 3. Halten Sie die wichtigsten Verhaltensregeln in einer Netiquette fest. Es sollte sowohl intern als auch nach außen in einer Netiquette festgelegt sein, welches Verhalten von den Nutzer_innen erwartet und was nicht toleriert wird. Diese sollte für alle transparent und gut einsehbar sein. Zivilgesellschaftliche Organisationen können ihre Handlungslinie gut mit den eigenen Organisationszielen begründen und somit transparent machen. 4. Schulen Sie Ihre Haupt- und Ehrenamtlichen in der Gegenrede(Counter Speech). Counter Speech verlangt einiges von Engagierten und Hauptamtlichen ab. Organisa­ tionen, die sich entscheiden, Hasskommentaren aktiv zu begegnen, sich also der Strategien des Moderierens, Diskutierens, Positionierens und Ironisierens bedienen, sollten ihre Haupt- und Ehrenamtlichen in der Gegenrede schulen. Im Mittelpunkt sollten dabei folgende Fragen stehen: Wie kann man Hassreden erkennen? Welche Strategien verfolgen Hassredner_innen? Wie kann man erfolgreich mit Online-Hetze umgehen und was können Gegenargumente gegen gängige Parolen sein? Ziel solcher Weiterbildungen ist es, eine eigene Haltung, digitale Courage, zu entwickeln, die bei der Auseinandersetzung im Netz hilft. Tipp: Müssen Kommentare gelöscht werden, etwa weil sie die Menschenwürde verletzen oder gegen die Grundsätze der Organisation verstoßen, dann sollte die Löschung und ihre Gründe für die Nutzer_innen nachvollziehbar sein. MEHR ZUM THEMA Leser_innen und Nutzer_innenKommentare in Medienöffentlichkeiten finden Sie im Artikel von ­Andreas Vogel:#wortgewalt(ig). 25 MEHR ZUM THEMA Parolen Paroli bieten finden Sie im MuP-Thema im ­Fokus „Rechtspopulisten Paroli bieten – Aktiv für Demokratie und Toleranz“, u.a. mit einer MuP-Praxishilfe „Rechtspopulismus durchschauen und Paroli bieten“. „ Das Internet ist ein Aktionsraum, den wir gestalten können – das muss uns bewusst sein! Digitale Courage bedeutet, die digitale Welt ernst nehmen. “ Simone Rafael 5. Sie klar Position gegen Hass und Hetze im Netz – auch wenn Sie nicht sattelfest in der Argumentation sind. Seien Sie sich bewusst: Man kann nicht auf alle Themen argumentativ vorbereitet sein, mit denen man in der Community konfrontiert werden könnte. Hier gilt: Gegenrede ist sogar dann möglich, wenn man den Diskussionsgegenstand nicht gut genug kennt, um fundierte Gegenargumente zu finden. Digitale Courage zeigen! So können Sie auch ohne fundierte Gegenargumente auf Online-Hetze reagieren: Wirken Sie deeskalierend. - Bleiben Sie respektvoll und sachlich. - Fordern Sie die Einhaltung von Diskussionsregeln. - Sprechen Sie Ängste an, die hinter der Hetze liegen. - ppellieren Sie an gemeinsame Werte und zeigen Sie, warum Werte wie Toleranz und Mitgefühl wichtig sind. - Auch wenn es schwerfällt: Setzen Sie Humor und Ironie aktiv ein. Zeigen Sie Verallgemeinerungen, Pauschalisierungen und Abwertungen auf(„Der“ Islam,„das“ Frauenbild etc.). Weisen Sie auf Gruppenzuweisungen hin(„Wir“ vs.„die“ – wer oder was soll das sein?). Fragen Sie zum Beispiel nach Quellen für die Aussagen, nach Beispielen und Belegen für die Argumentation. Zeigen Sie Unstimmigkeiten, Widersprüche und Lücken in der Diskussion auf. Verdeutlichen Sie, was die Konsequenzen des Gesagten wären. Fordern Sie Verbesserungsvorschläge. Äußern Sie Unbehagen und positionieren Sie sich. 6. Sie Diskussionen ab, wenn Diskussionsregeln wiederholt gebrochen werden. Gegenrede ist wirksam, sie hat aber Grenzen: Wenn die Gegenseite nur mit Hass ­reagiert, dann darf die Diskussion abgebrochen werden. Machen Sie zudem deutlich, warum Sie so handeln. 7. Sie Kommentare, die strafrechtlich relevant sind, an. Das Internet ist kein straffreier Raum: Kommentare, die strafrechtlich relevant sind, sollten angezeigt werden. 8. Sie realistische Erwartungen: Nicht Jede_r kann überzeugt werden. Gefestigte Nazis werden nicht über eine Diskussion im Netz von demokratischen Werten überzeugt werden. Aktive, demokratische Menschen stärken sich aber gegenseitig oder können von professionellen Netzwerken gestärkt werden. Darüber hinaus können durch das Zeigen einer klaren Haltung für Demokratie und Toleranz die schweigenden Mitleser_innen, Unentschlossene oder Unüberlegte zum Nachdenken angeregt werden. Es ist wichtig, Online-Hetze nicht unkommentiert stehen zu lassen. Setzen Sie ein Zeichen für weniger Alltagsrassismus und Diskriminierung sowie gegen die ­Verbreitung und Normalisierung von Vorurteilen und Klischees im Netz. Gerade auf Plattformen zivilgesellschaftlicher Organisationen steht man in der Verteidigung demo­ kratischer Werte nicht allein da – hier unterstützt die Community. 26 Mit großer Geschwindigkeit revolutioniert die Digitalisierung unseren Alltag und verändert unsere Gesellschaft. Politik und Zivilgesellschaft sollten die Digitalisierung als Aufgabe begreifen. Dazu gehört sowohl eine kritisch-konstruktive Auseinandersetzung mit den Auswirkungen des digitalen Wandels, als auch ein Sich-Einsetzen, um die Risiken des digitalen Wandels zu verringern und die Potenziale für das Gemeinwohl besser zu nutzen. Die digitale Transformation der ­Zivilgesellschaft – Rahmenbedingungen und Voraussetzungen Digitalisierung im Sinne des Gemeinwohls gestalten als Aufgabe für die Politik Die Digitalisierung bietet vielfältige Chancen für die Politik. Digitale Technologien können helfen, Politik transparenter zu gestalten und den Bürger_innen bessere gesellschaftliche Teilhabe zu ermöglichen. Digitale Technologien bieten politischen Akteuren die Möglichkeit: die Daten politischer Prozesse und der Verwaltung besser offen zu legen und können so: - Entscheidungen nachvollziehbarer und transparenter machen. - und Fehlplanungen aufdecken helfen. - zur Lösung von Problemen entwickeln. Menschen besser für politische Anliegen zu mobilisieren. sich stärker mit den Bürger_innen auszutauschen. Bürger_innen besser in politische Prozesse einzubinden, deren ­Perspektiven zu integrieren und gemeinsam bessere Lösungen zu entwickeln. „ Es ist wichtig, dass die Benefits, die andere ehrenamtliche Organisationen nach dem Vereinsrecht erhalten, auch auf Menschen übertragen werden, die im digitalen Ehrenamt aktiv sind. “ Heike Raab, Staatssekretärin und Bevollmächtigte beim Bund und in Europa für Medien und Digitales 27 „ Was kann Politik[für digitales Engagement] tun? Anerkennung, Wertschätzung, Gemeinnützigkeit, Rahmenbedingungen schaffen und wir brauchen mehr solche Laboratorien, wie wir sie in digitalen Dörfern haben. “ Heike Raab, Staatssekretärin und Bevollmächtigte beim Bund und in Europa für Medien und Digitales MEHR ZUM THEMA Digital­strategie in RheinlandPfalz finden Sie auf der Web­ seite der Landesr­egierung Rheinland-Pfalz. IMPULSGEBERIN Staatssekretärin Heike Raab ist als Bevollmächtigte beim Bund und in Europa für Medien und D­ igitales auch für die Medien­politik des Landes Rheinland-Pfalz und für die digitale Infrastruktur im Land zuständig. In dieser Funktion a­ rbeitet sie eng mit Ministerpräsidentin Malu Dreyer zusammen. Diese Chancen sollten politische Akteure verstärkt nutzen. Zugleich ist es Aufgabe der ­Politik, die digitale Transformation aktiv und im Sinne des Gemeinwohls zu gestalten. Wie das gut gelingen kann, zeigt das Beispiel Rheinland-Pfalz. In Rheinland-Pfalz wurde der digitale Wandel als ressortübergreifendes Schwerpunktthema etabliert und zur ‚Chefinnen‘-Sache gemacht: Die Ministerpräsidentin Malu Dreyer leitet ein Digitalkabinett, in dem alle Themen rund um die Digitalisierung besprochen und beschlossen werden. Ende 2016 haben die Ministerpräsidentin und die Landesregierung die Arbeiten an einer Digitalstrategie(Rheinland-Pfalz digital) begonnen, die im Dialogprozess mit der Zivilgesellschaft sowohl on- als auch offline erstellt werden soll. In Rheinland-Pfalz wurde erkannt: Digitalisierung als gesellschaftlicher Prozess kann nur dann erfolgreich sein, wenn die Menschen auch mitgenommen werden. Zu den Inhalten der Digitalstrategie gehören neben Themen wie dem Breitband-Ausbau oder der Digitalisierung der Wirtschaft auch die Gestaltung des demografischen Wandels und soziale, kulturelle und gesellschaftliche Teilhabe im digitalen Zeitalter. Das Thema Digitalisierung beschäftigt die Landesregierung aber schon viel länger. Bereits Anfang 2014 wurde das Konzept„Bürgermedien 3.0 – Regionale ­Medien­plattformen in Rheinland-Pfalz“ vorgestellt. Das Anliegen: Bürgermedien, eine wichtige Plattform für die Zivilgesellschaft und ein Beitrag zur Meinungsvielfalt in demokratischen Gesellschaften, sollten vor dem Hintergrund des digitalen Wandels zukunftssicher aufgestellt werden. Das Programm der zehn Offenen Kanäle, die es in Rheinland-Pfalz gibt, wurde durch Angebote im Netz und zentrale I­nternetdienste wie eine Mediathek und eine Bürgermedienplattform ergänzt. Diese Rahmenbedingungen, von der Politik unterstützt, haben weitere Formen zivilgesellschaftlichen ­Engagements hervorgebracht: Beispielsweise gibt es nun eine Senioren-Online­ zeitung. Junge Ehrenamtliche zeigen im Rahmen dieses Angebots älteren Menschen, wie digitale Inhalte erstellt werden. Das Projekt Digitale Dörfer wurde im Sommer 2015 i­nitiiert. Drei rheinland-pfälzische Verbandsgemeinden erprobten in der ersten Projektphase Konzepte für eine moderne Nachbarschaftshilfe durch digitale Technik. Über eine Internetplattform können Bewohner_innen der ländlichen Gebiete seitdem beispielsweise Waren in örtlichen Geschäften bestellen. Nachbar_innen und Pendler_innen liefern den Einkauf an die vornehmlich Älteren oder weniger Mobilen aus. Die zweite Projektphase, die bis Ende 2019 läuft, hat die Erprobung von weiteren Diensten zur Vernetzung der Gemeinschaft und Living Labs in den Gemeinden zum Schwerpunkt und soll dazu beitragen, die Anwendungen in die Breite zu bringen. Und zukünftig wird mit dem Ideenwettbewerb Ehrenamt 4.0 der erste Preis für rein digitales Ehrenamt an Engagierte in Rheinland-Pfalz vergeben. Das Beispiel Rheinland-Pfalz zeigt: Die Politik kann einiges tun, um den digitalen Wandel zu gestalten, digitales Engagement zu unterstützen und so die Zivilgesellschaft – und letztlich die Demokratie – zu beleben. 28 Den digitalen Wandel im Sinne des Gemeinwohls mitgestalten und digitales Engagement besser fördern – das kann Politik tun: Mehr Forschung und Expertise zu den Auswirkungen des digitalen Wandels auf die Zivilgesellschaft in Auftrag geben. Gemeinsam im Dialog mit der Zivilgesellschaft die gesellschaftlichen Fragen klären, die die Digitalisierung aufwirft, wie etwa: Wie wirkt sich Digitalisierung auf Zivilgesellschaft aus? Wie kann den Herausforderungen, wie etwa dem Schutz persönlicher Daten, begegnet werden? Wie können Daten und Algorithmen besser für das Gemeinwohl genutzt werden? Kanäle etablieren, um zivilgesellschaftliche Akteure besser in die politischen Prozesse und die Gestaltung der digitalen Transformation mit einzubinden. Sich verstärkt dafür einsetzen, dass Daten und Algorithmen mehr für ­gemeinnützige Zwecke genutzt werden. Digitales Engagement als vollwertiges Engagement anerkennen, gute Rahmen­ bedingungen für digitales Engagement schaffen und dieses strategisch fördern. Digitales Engagement strategisch fördern Die digitale Transformation verändert unsere Gesellschaft und somit auch das Ehrenamt: ­Digitale Technologien können zu einer besseren Koordination und Planung des Engagements und der verfügbaren Ressourcen verhelfen. Der digitale Zugang bietet zudem enorme Chancen für mehr ehrenamtliches Engagement und vielfältige neue Engagement­ formen entstehen. So ermöglicht beispielsweise das Freiwilligenprojekt Wikipedia monatlich ca. 25 Millionen Leser_innen neue und kostenfreie Zugänge zu Wissen, Teilhabe an der kollaborativen Wissenserstellung und schafft so – wie unzählige weitere digitale Engage­ mentformen von mobilfunkgestützter Ersthilfe bis zur Koordinierung von Engagierten in Notunterkünften für Geflüchtete – einen großen Mehrwert für die Gesellschaft. Die gesellschaftliche Anerkennung dafür ist vielfach jedoch nicht gegeben. Das bestätigen auch die Ergebnisse der Studie„Digitales Engagement – Analyse der Förder­ programme auf Bundesebene“, die 2017 von betterplace lab, Wikimedia Deutschland und dem Kompetenzzentrum Öffentliche IT herausgegeben wurde. Sie hat 34 Fördermaßnahmen auf Bundesebene analysiert und festgestellt, dass die Bundespolitik den digitalen Wandel als relevante Einflussgröße und Chance für bürgerschaftliches Engagement zwar anerkennt, in der Förderpraxis jedoch entsprechende Strategien, digitales Engagement systematisch und breitenwirksam zu unterstützen, fehlen. Aus der Analyse der bundespolitischen Engagem­ entförderung leiten die Autor_innen der Studie Handlungsempfehlungen für eine bessere Förderung digitalen Engagements ab. 1. braucht mehr gesellschaftliche und institutionelle Anerkennung und Wertschätzung für digitales Engagement. Digitales Engagement ist für eine wirkungsvolle Zivilgesellschaft im digitalen Zeitalter wichtig. Für diese Erkenntnis sollte Politik sensibilisieren. Das kann durch Preise für digitales Engagement gelingen, aber auch durch die Einführung einer bundesweiten Ehrenamtskarte. Weiter gehört zur Anerkennung digitalen Engagements, dass digitale Initiativen wie etwa die Freifunker ebenso den Status der Gemeinnützigkeit – und die damit verbundenen Privilegien – erhalten können wie klassische Vereine. „ Wir brauchen eine stärkere Anerkennung des digitalen Engagements in seiner gesellschaftlichen Bedeutung. Dazu gehört auch eine gleichberechtigte Behandlung mit jeder anderen Form des bürgerschaftlichen Engagements. Und konkret beinhaltet es ein klares politisches Konzept, wie die staatliche Engagementförderung im digitalen Wandel novelliert werden kann. “ Prof. Peter Parycek, Leiter des Kompetenzzentrums Öffentliche IT am Fraunhofer FOKUS IMPULSGEBER Julian Fischer ist Bereichsleiter Ideenförderung bei Wikimedia Deutschland. Zuvor war er für verschiedene Nicht-Regierungs­ organisationen tätig, unter anderem als Geschäftsführer der Deutschen Stiftung Verbraucherschutz. 29 MEHR ZUM THEMA Förderung von digitalem ­Engagement finden Sie in der Studie vom betterplace lab, Wikimedia Deutschland und dem Kompetenzzentrum Öffentliche IT am Fraunhofer FOKUS „Digitales Engagement – Analyse der Förderprogramme auf Bundesebene“. IMPULSGEBERIN Leonie Beining verantwortet bei der Stiftung Neue Verantwortung das Projekt„Gemeinwohl im digitalen Zeitalter“. Darin befasst sie sich mit der Rolle von zivilgesellschaftlichen Akteuren bei der Gestaltung des digitalen Wandels. Das Projekt gibt Anstöße, wie das Engagement der Zivilgesellschaft im Themenfeld Digitalisierung gestärkt werden kann. Davor war Leonie Beining bei der Stiftung Wissenschaft und Politik tätig. 2. Engagement sollte besser erforscht und gezielt gefördert werden. Förderprogramme für ehrenamtliches Engagement müssen vor dem Hintergrund des ­digitalen Wandels aufgestellt werden. Das bedeutet nicht nur, dass für alle zu fördernden Bereiche digitales Engagement mitgedacht wird, sondern auch, dass spezielle Förder­töpfe nur für diese Engagementformen aufgelegt werden sollten. Förderung der Zivilgesellschaft betrifft jedoch auch Programme zur Entwicklung von Medienkompetenz. Um digitales Engagement gezielt fördern zu können, bedarf es systematischer und wissenschaftlicher Untersuchungen zum Thema Digitalisierung und Zivilgesellschaft zu folgenden Fragen: Was zeichnet digitales Engagement aus? Wie wirkt es sich auf Ehrenamt und Gesellschaft aus? Wie entwickelt es sich und was braucht es für Unterstützung? 3. Vielfalt des digitalen Engagements sollte bei der Vergabe von Fördermitteln berücksichtigt werden. Digitales Engagement gibt es in ganz unterschiedlichen Formen. Kleine Initiativen brauchen andere Unterstützungsangebote als große zivilgesellschaftliche Organisationen, die sich der Digitalisierung zuwenden. Gerade für die digitale Zivilgesellschaft können Microfunding-Programme nachhaltige Wirkung erzielen. Die Vielfalt des Engagements drückt sich auch in einer oft informellen Gestaltung von gemeinnützigen Online-­ Communities aus, auf die Förderprogramme flexibel eingehen können sollten. 4. Daten und Bildungsmaterialien sollten als ein erster Schritt zu mehr Teilhabe Interessierten und Engagierten bereitgestellt werden. Information ist die Basis für Beteiligung und Engagement. Daten der öffentlichen Verwaltung sollten als Gemeinschaftsgut begriffen werden, die für gemeinnütziges ­Engagement genutzt werden können. Die gesellschaftliche Debatte um U­ rheberrechte und freie Lizenzen in Zusammenhang mit staatlich finanzierter Forschung oder ­öffentlich-rechtlichen Medien sollte unter Beteiligung der Zivilgesellschaft weitergeführt werden. 5. Zivilgesellschaft sollte aktiver in politische Prozesse und die Gestaltung des digitalen Wandels einbezogen werden. Die Digitalisierung bietet vielfältige, niedrigschwellige Möglichkeiten zur Teilhabe an politischen Prozessen. Diese sollten genutzt werden, auch wenn es darum geht, den digitalen Wandel zu gestalten. Denkbar wäre die Einrichtung einer Bürgerplattform und der Anstoß eines bundesweiten digitalen Dialogs – so, wie es Rheinland-Pfalz bei der Erarbeitung seiner Digitalstrategie vormacht. Die kritisch-konstruktive Gestaltung des digitalen Wandels als Aufgabe der Zivilgesellschaft Das digitale Zeitalter ist das Zeitalter der Daten und Algorithmen. Datengetriebene Technologien haben Einfluss auf das menschliche Zusammenleben und verändern die Gesellschaft grundlegend: Algorithmen werten die Daten aus, die wir b­ ewusst oder unbewusst in der digitalen Welt erzeugen und hinterlassen(durch Internetsuche, Online-Geschäfte, in Sozialen Medien). Das macht Rückschlüsse auf unsere persönl­ichen Verhaltensweisen und Vorlieben möglich, die v.a. wirtschaftliche Akteure für sich nutzen, etwa bei der Auswahl geeigneter Kandidat_innen für einen Job oder bei der Prüfung der Kreditwürdigkeit. In welche Richtung sich der digitale Wandel bewegt, wird bislang vor allem von der Wirtschaft bestimmt. 30 Es braucht zivilgesellschaftliche Akteure, die sich mit den Auswirkungen der ­Daten­nutzung und algorithmischer Verfahren auseinandersetzen und sich für e­ inen gemeinwohlorientierten Umgang mit Daten stark machen. Denn ­Digitalisierung mit seinen technischen Möglichkeiten bietet auch Chancen für das Gemeinwohl, die ­demokratische Aushandlungsprozesse besser machen, mehr Transparenz schaffen, mehr Chancengerechtigkeit und soziale Teilhabe ermöglichen können. Es braucht eine aktive Zivilgesellschaft, die den digitalen Wandel als Aufgabe begreift und diesen im Sinne des Gemeinwohls kritisch-konstruktiv begleitet. Das sind Voraussetzungen für eine kritisch-konstruktive Gestaltung des digitalen Wandels durch die Zivilgesellschaft: 1. Zivilgesellschaft muss viel offensiver einen gesamtgesellschaftlichen ­Wertediskurs über die Chancen und Risiken der Digitalisierung, die Verwendung von Daten und Algorithmen und deren Grenzen führen. Dabei kann es nicht darum gehen, die digitale Transformation zurückzudrehen – ein solcher Ansatz wird in einer globalisierten Welt scheitern und verkennt die Möglichkeiten, die der digitale Wandel gerade auch für das Gemeinwohl mit sich bringt. Es geht darum – unter Einbindung der technischen Community – Antworten auf folgende Fragen zu finden: Welche Daten dürfen zu welchem Zweck erhoben werden? Wo dürfen Algorithmen eingesetzt werden und welche Schutzbereiche sollen gelten? Wie können Daten und Algorithmen besser für das Gemeinwohl genutzt werden und allen Teilen der Gesellschaft zugute kommen? Welche Anforderungen müssen Technologien erfüllen? 2. wichtige Aufgabe zivilgesellschaftlicher Organisationen ist es zudem, die Menschen für einen verantwortungsvollen Umgang mit Daten zu sensibilisieren und weiterzubilden. Das schafft wichtige Voraussetzungen zur Teilhabe und Chancengleichheit: Nur wer sich über die Auswirkungen datengetriebener Technologien bewusst ist, kann informiert darüber entscheiden, welche Daten er an wen weitergeben möchte. 3. Organisationen müssen als Agenda-Setter und Advokaten für eine stärker gemeinwohlorientierte Politikgestaltung im Bereich Daten und Algorithmen auftreten. Dazu gehört unter anderem, ein zeitgemäßer Datenschutz, der sich auf Augenhöhe mit den aktuellen technischen Entwicklungen bewegt. Hier braucht es eine stärkere Positionierung und Vernetzung der zivilgesellschaftlichen Akteure, um im Sinne der Gemeinwohlorientierung der Stimme der Zivilgesellschaft mehr Gewicht zu verleihen. 4. sollte zudem die Entwicklung von Projekten zur gemeinwohlorientierten Nutzung von Daten und Algorithmen weiter vorantreiben, fördern und auch selbst initiieren. Nur so können gemeinwohlorientierte Datenprojekte Vorbilder sein und die Debatte über den technologischen Wandel konstruktiv ergänzen – im Sinne des Gemeinwohls. Für Non-Profits bietet sich hier ein neues Aufgabenfeld, das sie strategisch nutzen können. Zivilgesellschaftliche Organisationen müssen sich der Aufgabe stellen, die Gesellschaft im digitalen Zeitalter zu gestalten, um die Risiken des digitalen Wandels zu verringern und die Potenziale für das Gemeinwohl besser zu nutzen. MEHR ZUM THEMA Wie Daten und Algorithmen die Rahmenbedingungen für das Gemeinwohl verändern finden Sie im gleichnamigen Artikel von L­ eonie Beining. BLICK IN DIE PRAXIS Die Open-Data-Community setzt sich für die Nutzung offener Daten zur Bewältigung von gesellschaftlichen Herausforderungen ein. Folgende Initiativen zeigen, wie Softwaretechnologie für gemeinnützige Zwecke eingesetzt werden können: Data Science for Social Good Berlin Correl Aid Prototype Fund „ Digitalisierung ist nicht nur Instrument, sondern Aufgabe für die Zivilgesellschaft.(…) Das bedeutet, sich einzusetzen für den gemeinwohlorientierten Umgang mit unseren Daten und den Analysetools, die es mittlerweile gibt; für eine leistungsfähige digitale Infrastruktur, die allen zur Verfügung steht; für eine Digitalisierung, die ansetzt an den Bedürfnissen der Menschen und die dabei hilft, Probleme und Herausforderungen in der Gesellschaft zu lösen. “ Leonie Beining, Stiftung Neue Verantwortung 31 10 Irrtümer über digitales Engagement 1. Digitales Engagement ist kein richtiges Engagement. Auch wer sich digital engagiert, setzt sich für das Gemeinwohl ein. Selbst die kleinste Form des digitalen Engagements, das Teilen oder Liken eines Posts mit zivilgesellschaftlich relevanten Inhalten über soziale Medien, kann Wirkung erzielen: Denn derjenige, der sich diese Mühe macht, identifiziert sich mit den Inhalten, schafft Öffentlichkeit, setzt ein Zeichen. 2. Digitales Engagement ersetzt analoges Engagement. Die meisten, die sich digital engagieren, sind auch im klassischen Ehrenamt tätig. Die eine Form schließt also die andere nicht aus, beide ergänzen sich vielmehr. Eine Kombination aus einem Angebot an klassischem und digitalen Engagement führt häufig sogar zu einem höheren Einsatz bei den einzelnen Engagierten. 3. Digitales Engagement ist nur etwas für junge Menschen. Die Statistik zeigt: Es sind prozentual gesehen genauso viele 20- bis 24-Jährige wie 60- bis 64-Jährige digital engagiert. Die Älteren müssen aber oft an digitale Techniken herangeführt werden, sie brauchen Schulung und Begleitung. Hier bieten sich Mentor_innenprogramme zwischen jüngeren und älteren Ehrenamtlichen an. 4. Digitales Engagement braucht keine Anerkennung. Viele denken, digitales Engagement ließe sich nebenbei erledigen und ist nicht mehr als eine Freizeitbeschäftigung. Deswegen brauche es auch keine Anerkennung. Das ist falsch: Digitales Engagement ist genauso wertvoll wie das klassische – sich für den Einsatz der Ehrenamtlichen zu bedanken und ihn wertzuschätzen ist deswegen unerlässlich. 5. Digitales Engagement braucht immer die neueste Technik. Viel wichtiger als auf die neueste Technik zu setzen ist es, die richtige auszuwählen. Es sollte darauf geachtet werden, welche digitalen Werkzeuge bereits von Haupt- und Ehrenamt­ lichen genutzt werden. Auf diesen sollte in der strategischen Planung der Digitalisierung des Engagements aufgebaut werden. 32 6. Digitales Engagement führt zur Isolation. Das klassische Ehrenamt verbinden viele mit dem Gefühl von Gemeinschaft, die Digitalisierung dagegen mit Vereinzelung und Individualisierung. Das digitale Engagement lebt jedoch von Online-Communities, vom Austausch im Netz. Und häufig werden Formen des digitalen Engagements mit analogen Angeboten verbunden, sodass sich die Engagierten auch von Angesicht zu Angesicht kennenlernen können. 7. Digitales Engagement ist die Arbeit mit digitalen Werkzeugen. Es ist richtig, dass zur Digitalisierung des Ehrenamts der Einsatz neuer Techniken gehört, die etwa die Kommunikation mit Zielgruppen oder das kollaborative Arbeiten erleichtern. Mit dem digitalen Wandel haben sich aber auch ganz neue Formen des Engagements ent­ wickelt, die offline gar nicht möglich wären, wie etwa das digitale Freiwilligenprojekt Wikipedia oder die Mobilen Retter. 8. Digitales Arbeiten im Ehrenamt ist dem analogen vorzuziehen. Bei der digitalen Transformation einer zivilgesellschaftlichen Organisation darf nicht das Motto„Hauptsache digital“ gelten. Es gibt Angebote, etwa in der Beratung, die sich nicht zur Digitalisierung eignen. Und auch bei der Einführung digitaler Technologien in der Organisation ist immer zuerst abzuwägen, welchen Nutzen die neue Technik mit sich bringt oder ob die Umstellung langfristig Mehraufwand verursachen könnte. 9. atenschutz und-sicherheit können wir nicht gewährleisten. Non-Profits speichern und verarbeiten sensible, personenbezogene Daten. Deshalb ­müssen sie auch so gut es geht dafür sorgen, dass diese Daten nicht an Unbefugte gelangen. ­Zivilgesellschaftliche Organisationen sollten eine Strategie zur Datensicherheit entwickeln, jemanden benennen, der für Belange des Datenschutzes zuständig ist, und sie müssen Hauptund Ehrenamt­liche für das Thema sensibilisieren. 10. Zivilgesellschaft steht dem digitalen Wandel machtlos gegenüber. Die Digitalisierung ist nicht nur etwas, was um uns herum geschieht. Zu den Aufgaben der Zivilgesellschaft gehört es auch, sich den Herausforderungen des digitalen Wandels zu stellen und die digitale Transformation im Sinne des Gemeinwohls mitzugestalten. Nur so können Non-Profits ihrem Auftrag gerecht werden, die demokratische Gesellschaft zu gestalten. 33 Ihre Notizen 34 Wir danken allen Impulsgeberinnen und Impulsgebern der Fachkonferenz, den Gästen der Abschlussgesprächsrunde sowie der Moderation. Außerdem danken wir allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Fachtagung, die sich mit ihren Erfahrungen und Ideen eingebracht haben. 35 Texte und Artikel zum Thema  Beining, Leonie; Müller-Eiselt, Ralph; Wohlfarth, Anna(2017): Digitalisierung braucht Engagement: Der digitale Wandel als Gestaltungsaufgabe für die ganze Zivilgesellschaft, hrsg. für die Stiftung Neue Verantwortung und Bertelsmann Stiftung.  Belltower news – Netz für die digitale Zivilgesellschaft: Strategien im Web 2.0.  betterplace lab: Trendradar: Weltverbessern mit Weitblick.  Depew, Sabine(2015): Blog„Zeitzuteilen – Digitaler Wandel in der sozialen Arbeit“.  Digitale Nachbarschaft: Ehrenamtlich Aktive sicher im Netz.  Dufft, Nicole; Kreutter, Peter; Peters, Stephan; Olfe, Frieder(2017): Digitalisierung in Non-ProfitOrganisationen – Strategie, Kultur und Kompetenzen im digitalen Wandel.  Fischer, Julian; Rulsch, Martin; Rück, Nicolas(2016): Digitales Engagement wird immer wichtiger, Newsletter für Engagement und Partizipation in Deutschland, Bundesnetzwerk Bürgerschaftliches Engagement.  Hinz, Ulrike; Wegener, Nora; Weber, Mike; Fromm, Jens(2014): Digitales bürgerschaftliches Engagement.  Jähnert, Hannes(2017): Digitales Ehrenamt: Online-Volunteering in Deutschland – eine Summary.  Mohabbat Kar, Resa; Peters, Stephan; Bieker, Lisa; Fischer, Julian(2017): Digitales Engagement – Analyse der Förderprogramme auf Bundesebene, hrsg. für betterplace lab, Wikimedia Deutschland und das Kompetenzzentrum Öffentliche IT am Fraunhofer FOKUS. Veröffentlichungen der Friedrich-Ebert-Stiftung(FES) zum Thema  Aldehoff, Larissa; Morcos, Sarah(2017): Chancen der Digitalisierung für Engagement entdecken sowie Sicher digital kommunizieren und zusammenarbeiten, Praxishilfen der Akademie Management und Politik der Friedrich-Ebert-Stiftung.  Hartmann, Thomas; Niesyto, Johanna; Dahm, Jochen(Hrsg.)(2017): #digidemos – Kongress zu ­ Digitalisierung und Demokratie, Impulssammlung zum Kongress der Friedrich-Ebert-­Stiftung. ~ ” È È 5 ~ Veröffentlichungen der Akademie Management und Politik der FES MuP-Themen im Fokus u.a. zu „Digitalisierung und Engagement“, „Social Media für NPOs“ oder „Populisten Paroli bieten! Aktiv für Demokratie und Toleranz“ mit zahlreichen Praxistipps. MuP-Broschüren und-Trainingsbücher ZU NACHHALTIGER VORSTANDSARBEIT ZUM PROFESSIONELLEN SOCIAL MEDIA AUFTRITT IN NPOs L Leitfäden zum Thema im Social Web. Eine inhaltsanalytische Untersuchung al von Social Media für die Öffentlichkeitsarbeit von ationen, unter: www.netzwerkpr.de } Eingabe des Titels rle, Jona: Social Media Policy für Nonprofit-Organisationen, aden für den Umgang mit Sozialen Medien, E-Book unter: Netz – wie soziale Organisationen online arbeiten. ndreport 2014. zu finden unter: abe des Titels faden 2013: Internet für NGOs, rg riedrich-Ebert-Stiftung(FES) zum Thema Frederic(2011): Die digitale Öffentlichkeit – Demokratie verändert. 45(2015): Digitalisierung und Demokratie – zu finden unter: n } Eingabe des Titels der Akademie Management und Politik der FES Akademie Management und Politik Ehrenamtliche Vorstände gesucht! Führungskräfte für gemeinnützige Organisationen gewinnen, entwickeln und binden Katrin Matuschek und Valérie Lange CHANG V RÄND RUNG Vorgehen, Haltung und Organisation bei Veränderungsvorhaben in NPOs Aus der Reihe der MuP-Trainingsbücher oschüren und MuP-Trainingsbüchern sowie Downloadn Sie unter www.fes-mup.de } Veröffentlichungen i 8 ¿ EE E 8 ff Akademie Management und Politik Non-Profits und Social Media Netzwerke gewinnen, Kommunikation neu gestalten! Martin Pfafferott und Valerie Lange V E ff á i E k µ ! Sie sind in einer gesellschaftspolitischen, gemeinnützigen Organisation oder Initiative engagiert und tragen dort Verantwortung im Haupt- und/ a oder Ehrenamt? Sie suchen nach praktischen Handlungskompetenzen, Instrumenten CHANG und Verfahren, um Ihr politisches Engagement und das Ihrer zivilgesellRÄND RUNG schaftlichen Organisation professionell zu gestalten? Die Akademie Management und Politik(MuP) der Friedrich-Ebert-Stiftung möchte mit ihrem Angebot Ihre Kompetenzen als ehrenamtliche Führungskraft, als politische Mandats- und Funktionsträger und-trägerinnen vertiefen und verbessern und bietet Ihnen:  praxisnahe und funktionsbegleitende Einzelseminare ; Vorgehen, Haltung und Organisation  eine umfassende Kompetenzausbildung in den bei V A e us r b ä ild n un d g e sg r än u g n en g O s rg v an o isa r t h ion a sb , K e o n mm i u n nik N ati P on O ss und Freiwilligen-Management, die mit einem Zertifikat abschließen; Aus der Reihe der  Fachtagung M en uP , a T u ra f in de in n g e s n bü H c e h r e a r usforderungen für professionelles und erfolgreiches Engagement diskutiert und Handlungsoptionen entwickelt werden;  theoretisch fundierte und praxisorientierte Trainingsbücher, Lernmaterialien, Broschüren und Ô  aktuelle Informationen , Link- und Lese-Tipps, Arbeitshilfen, Texte und Interviews rund um die Themen ehrenamtliches Engagement, Politikmanagement und Kommunikation auf der MuP-Website www.fes-mup.de.  Unser Newsletter informiert regelmäßig über neue Themen und aktuelle Seminartermine. Er kann über mup@fes.de angefordert werden. Das Team der Akademie Management und Politik berät Sie gerne und lädt Sie herzlich dazu ein, diese Angebote als Ihren Motor für ein erfolgreiches und nachhaltiges Engagement zu nutzen. o ISBN 978-3-95861-324-9 @ ¿ 8 » ± t q · . G V m 5 E m ½ » Ô Image L NPOs q Visionen W G k V G Strategische Analyse PR-Strategie Öffentlichkeits- und t Medienarbeit in NPOs ± Konzeption entwickeln, . á Aufmerksamkeit erzeugen, KommunikationsZiele o a Kampagnen Unterstützung gewinnen Aus der Reihe der MuP-Trainingsbücher · ! 8 Beziehungspflege Ansprache µ m @ Botschaften ff Informationen zu den MuP-Broschüren, -Trainingsbüchern, -Themen im Fokus sowie Download- und Bestellmöglichkeiten finden Sie unter: fes-mup.de } Veröffentlichungen