STUDIE Optimistisch in unsicheren Zeiten Ein Bericht über die Jugend in Jordanien FES MENA-Jugendstudie: Länderanalyse Jordanien NADINE KREITMEYR Februar 2018 n Die jordanische Gesellschaft ist eine sehr junge Gesellschaft. Rund 70 Prozent der Menschen sind unter 30 und davon sind ca. 20 Prozent zwischen 15 und 24 Jahren alt. Allerdings liegt die Arbeitslosenrate allein unter Letzteren bei 33,4 Prozent (2015). Jugendliche mit einem hohen Bildungsniveau sind noch stärker betroffen und weisen eine höhere Arbeitslosenquote auf. Dies hat starke Auswirkungen auf ihre gegenwärtigen und zukünftigen Aussichten mit Blick auf ihre wirtschaftliche, soziale und politische Situation und Perspektiven. n Der Arabische Frühling hat unterstrichen, dass wirtschaftliche, soziale und politische Belange sich gegenseitig ergänzen und verstärken und insbesondere bei Jugendlichen ein Gefühl der Unsicherheit ausgelöst haben. Im Gegensatz zu anderen Ländern im Nahen und Mittleren Osten haben in Jordanien nur sehr eingeschränkt Proteste stattgefunden. Dies wirft Fragen darüber auf, wie die jordanische Jugend die politische, wirtschaftliche und soziale Situation in Jordanien sowie ihre persönliche Situation bewerten. n Insgesamt blickt die jordanische Jugend eher optimistisch auf die(zukünftige) Gesamtsituation in Jordanien, in ihrer Familie sowie ihr persönliches Leben. Inhalt NADINE KREITMEYR| OPTIMISTISCH IN UNSICHEREN ZEITEN 1. Einleitung 3 2. Kennzeichen des Samples ................................................ 3 3. Gesellschaft& Identität .................................................. 3 4. Die sozioökonomische Lage .............................................. 6 5. Politik& Gesellschaft ................................................... 10 6. Fazit ................................................................. 13 Literatur 14 NADINE KREITMEYR| OPTIMISTISCH IN UNSICHEREN ZEITEN 1. Einleitung Wir wissen wenig über die jordanische Jugend. Das überrascht nicht, wird sie in den Studien zur politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Lage Jordaniens doch nur selten betrachtet. Gleichwohl ist es erstaunlich, denn Jordanien hat, wie die meisten anderen Staaten der MENA-Region, eine sehr junge Bevölkerung. Mit dem vorliegenden Bericht soll diese Lücke geschlossen werden. Er präsentiert Ergebnisse einer Umfrage, die zwischen Mai und Juli 2016 unter 1000 jungen Jordanier_ innen zwischen 18 und 30 Jahren durchgeführt wurde. Im Dezember 2016 und Januar 2017 fanden ergänzend qualitative Interviews mit ausgewählten Teilnehmer_innen der Studie statt. Die Länderanalyse Jordanien ist Teil einer von der Friedrich-Ebert-Stiftung realisierten empirischen Untersuchung der Situation und Stimmung der Jugend im Nahen Osten und in Nordafrika. 1 Aus der Analyse der vorliegenden Daten ergibt sich, dass die jungen Jordanier_innen in ihrer spezifischen sozialen, ökonomischen und politischen Lage recht positiv in die Zukunft blicken. Vier Themen sollen im Zentrum der folgenden Betrachtung stehen: In den ersten beiden Kapiteln widmen wir uns den wichtigsten Charakteristika der jordanischen Jugend und erörtern Fragen von Gesellschaft und Identität, um im dritten und vierten Kapitel die sozioökonomische Lage und das bürgerliche und politische Engagement der jungen Menschen im Land zu diskutieren. 2. Kennzeichen des Samples Die Auswahl der Stichprobe basierte auf einer Quotierung nach Alter, Geschlecht und Region. 36 Prozent der Probanden gehörten der Altersgruppe 18 bis 20, 35 Prozent der Altersgruppe 21 bis 25 und 29 Prozent der Altersgruppe 26 bis 30 Jahre an. Die Gender-Quote garantierte eine gleichmäßige Verteilung männlicher und weiblicher Studienteilnehmer_innen im Verhältnis 50 / 50. An der Befragung nahmen Jugendliche und junge Erwachsene aus allen zwölf Regionen Jordaniens teil. Damit waren die unterschiedlichen Perspektiven und Lebensrealitäten der jordanischen Jugend abgedeckt. 1. Diese Studie ist Teil einer regionalen Erhebung in acht Ländern der MENA-Region. Die Ergebnisse der FES MENA-Jugendstudie sind unter dem Titel Zwischen Ungewissheit und Zuversicht. Jugend im Nahen Osten und in Nordafrika, Bonn: J.H.W. Dietz erschienen. Die regionalen und länderspezifischen Daten sind abrufbar: http://www.fes.de/lnk/jugendstudie. Über die drei vorstehend aufgeführten Indikatoren hinaus umfasste das Sample ein weites Spektrum von Probanden, insbesondere hinsichtlich ihres Wohnumfelds(Milieus), Bildungsniveaus und Familienstandes. 2 Die Mehrheit der Umfrageteilnehmer_innen stammt aus dem urbanen Milieu: 37 Prozent von ihnen leben in Großstädten, 33 Prozent in Mittelstädten. 14 Prozent der Probanden stammen aus Kleinstädten, 16 Prozent aus ländlichen Zentren, Dörfern oder Flüchtlingslagern. Die Analyse des Bildungshintergrunds zeigt, dass die Mehrheit der Befragten(63 Prozent), die alle potenziellen Niveaus – niedrig, mittel, hoch – abdecken, zum mittleren Segment gehört. Nur jeder Vierte von ihnen hat einen höheren Bildungsabschluss. Diese Befunde müssen in Relation zum Alter der jordanischen Jugendlichen respektive jungen Erwachsenen bewertet werden. Konkret gilt es zu berücksichtigen, dass viele Teilnehmer_innen an der Umfrage ihre Bildung noch nicht abgeschlossen haben. Ein Drittel der jungen Jordanier_innen in unserer Studie sind noch in der Ausbildung: 29 Prozent gehen zur Schule, 64 Prozent studieren und werden demnächst ihren Abschluss machen. Übersieht man diese Tatsache, entsteht ein verzerrtes Bild vom Bildungsniveau der jordanischen Jugend. Tatsächlich ist die Hochschulbesuchsrate in Jordanien unter den höchsten in der Region. Der Blick auf den Familienstand in Jordanien ergibt: 68 Prozent der jungen Menschen sind ledig, 78 Prozent beträgt der entsprechende Anteil bei den Männern, 75 Prozent bei jungen Erwachsenen mit mittlerem Bildungsniveau. Der Anteil der Verheirateten bei den jungen Frauen liegt bei 35 Prozent. Junge Menschen mit einem niedrigen respektive hohen Bildungsabschluss stellen mit 43 beziehungsweise 35 Prozent einen höheren Anteil der Ehen. Die Ergebnisse machen deutlich, dass die jordanische Jugend nicht allein auf der Grundlage ihres biologischen Alters als homogene Gruppe betrachtet werden darf. Wir müssen die soziale, ökonomische und politische Dimension einbeziehen, wenn wir die Jugend als gesellschaftliche Gruppe diskutieren. 3. Gesellschaft& Identität Die jordanische Jugend weist eine enge Bindung an ihre Familien und Religion auf. Beide spielen eine wichtige Rolle in ihrem Leben und für ihre Perspektiven. Gleichwohl stellen Freizeitbeschäftigungen, Freundschaft und 2. Das Sample umfasst nur Jordanier_innen, die sich zur Jugend zugehörig fühlen. Explizit ausgeschlossen sind junge Menschen, die sich als Erwachsene bezeichnen. 3 NADINE KREITMEYR| OPTIMISTISCH IN UNSICHEREN ZEITEN das Gefühl von Sicherheit und Angst ebenfalls relevante Aspekte für die jungen Menschen im Land dar. In praktisch allen Lebensbereichen ist die Familie die wichtigste Institution und Gruppe für die Jugendlichen und jungen Erwachsenen in Jordanien. 92 Prozent der von uns Befragten glauben, dass man eine Familie braucht, um glücklich zu sein. Die familiäre Beziehung erlaubt ein Gefühl von Sicherheit, das weder Partner noch Freunde, und in noch geringerem Maß die wirtschaftliche oder politische Lage, bieten können. So erleben 84 Prozent der Teilnehmer_innen an unserer Befragung ihre Familienbeziehung als(eher) stabil, während dies von nur 68 Prozent über die Beziehung zu ihrem Partner gesagt wird. 62 Prozent berichten über ein(eher) solides Vertrauen in ihre Freunde. Entsprechend ist die Familie auch ihre erste Anlaufstelle, wenn sie Geld brauchen(79 Prozent), krank sind(85 Prozent), persönliche Probleme haben(68 Prozent) oder ähnliche Schwierigkeiten bewältigen müssen. In signifikantem Abstand folgen Freunde und der Partner als Adressaten: Deutlich weniger junge Jordanier_innen – 13 bis 37 Prozent je nach dem spezifischen Problem, das es zu lösen gilt – suchen Hilfe bei ihnen. Überdies würden 70 Prozent der Befragten ihre Kinder genau so oder ähnlich erziehen, wie sie von ihren Eltern erzogen wurden. Nur 30 Prozent würden das(deutlich) anders handhaben. 3 Die jordanische Jugend lebt mehrheitlich – zu 70 Prozent – mit den Eltern in einem gemeinsamen Haushalt. Bei Unverheirateten liegt der Anteil bei 95 Prozent. Von den verheirateten jungen Jordanier_innen leben 9 Prozent entweder mit den Eltern im gleichen Haushalt oder im eigenen Haushalt, jedoch im gleichen Haus wie die Eltern. Zwar scheint es in diesem Zusammenhang keine Rolle zu spielen, ob die jungen Menschen über eigenes Geld verfügen oder nicht, doch interessanterweise leben diejenigen, die ein geringeres Bildungsniveau haben, seltener im gleichen Haushalt oder im gleichen Haus wie die Eltern. Die entsprechenden Anteile betragen hier 54 beziehungsweise 3 Prozent. Die Befunde hinsichtlich der wichtigen Rolle der Familie im Leben der jungen Jordanier_innen sind gleichwohl wenig überraschend, da die Familienbindung in der MENA-Region insgesamt eher eng ist. Dennoch vermit3. Bemerkenswert ist auch, dass 88 Prozent angeben, man brauche Kinder, um ein glückliches Leben zu führen. Nur 8 Prozent sagen, man könne auch ohne Kinder glücklich sein. teln sie einige Hinweise zur Generationenbeziehung. Jugendstudien in der MENA-Region und anderen Teilen der Welt gehen implizit oder explizit davon aus, dass es Generationenkonflikte gibt, die sich in dem Maß verstär ken, in dem es an Chancen für die Jugend im Vergleich zur älteren Generation mangelt(UNDP 2016). Die Erkenntnisse unserer Untersuchung bestätigen diese Annahme über die Familienbeziehungen jedoch nicht, wie die vorstehend beschriebenen Daten belegen. Tatsächlich konstatieren 73 Prozent der von uns Befragten in Antwort auf die Frage nach der Generationenbeziehung innerhalb der Familie, dass diese harmonisch sei. 4 Auch die innerfamiliären Geschlechterbeziehungen sind – so geben 84 Prozent der Probanden an – von Harmonie geprägt. 5 Dies gilt vor allem bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit einem hohen Bildungsstand(87 Prozent) und in den Großstädten(85 Prozent). Allerdings ist die Zahl der Frauen, die die Beziehungen als harmonisch erleben, mit 82 Prozent geringfügig niedriger. 62 Prozent der Befragten geben an, dass der Vater der Haushaltsvorstand ist, 59 Prozent sagen, er kümmere sich um die alltäglichen Haushaltsangelegenheiten. Nur in 6 Prozent respektive 10 Prozent der Fälle ist es die Mutter. 6 Überdies denken 69 Prozent der jugendlichen Teilnehmer_innen der Studie, dass es schwieriger geworden ist, einen Partner zu finden. Neben Tunesien erreicht Jordanien hier das höchste Maß an Zustimmung zur entsprechenden Aussage. Während die Männer betonen, dass die Frauen zu anspruchsvoll seien und sich größere finanziel le Sicherheit wünschen, beklagen die Frauen, dass immer mehr Männer arm sind oder nicht für eine Familie sorgen können, und dass die moralischen Standards zunehmend verfallen(vergleiche auch UNDP 2016: Kapitel 4). Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass neben der Familie die Religion eine bedeutende Rolle im Leben der jungen Jordanier_innen spielt. 98 Prozent der Probanden sind Muslim_innen, 2 Prozent sind Christ_innen. Sie selbst empfinden die Jugend heute – unabhängig von Ge schlecht, Bildungsniveau, Familienstand und Wohnum4. Im Wohnumfeld sinkt dieser Satz auf 50 Prozent, auf nationaler Ebene sind es nur 46 Prozent. Dieser Trend ist in allen Kategorien festzustellen. 5. Ähnlich wie bei den Generationenbeziehungen sinkt diese Rate auf der Ebene des Wohnumfeldes und des Landes insgesamt(auf 58 beziehungsweise 53 Prozent). 6. Bei 13 bis 16 Prozent ist der Haushaltsvorstand und Hauptverantwortliche für die Regelung der Alltagsangelegenheiten im Haushalt und der Familie – insbesondere bei den verheirateten jungen Jordanier_innen – der Ehemann/ die Ehefrau oder der / Befragte selbst. 4 NADINE KREITMEYR| OPTIMISTISCH IN UNSICHEREN ZEITEN feld / Milieu – religiöser als vor fünf Jahren. 7 Entsprechend der Stabilität, die ihnen die Familie vermittelt, erklären 83 Prozent der befragten Jugendlichen und jungen Erwachsenen in Jordanien, dass ihr religiöser Glaube ein(eher) stabiler Bereich in ihrem Privatleben ist. Jordanien stellt in dieser Hinsicht in der Region keine Ausnahme dar. Der Trend zu stärkerer Religiosität und die Bedeutung der Religion im Leben der jungen Menschen ist ein Phänomen, das wir überall in der Region beobachten. Entsprechend passt die in der Studie deutlich gewordene Tatsache ins Bild, dass die Hälfte der befragten Jugendlichen und jungen Erwachsenen sichtbar Zeichen ihrer religiösen Orientierung tragen. Am häufigsten sind das – mit einem Wert von 32 beziehungsweise 17 Prozent – das Kopftuch und der Gebetsfleck. 66 Prozent der männlichen Probanden – im Vergleich zu nur 20 Prozent der Frauen –, junge Menschen mit geringer Bildung(49 Prozent), Ledige(48 Prozent) und Bewohner von Kleinstädten(50 Prozent) zeigen sich jedoch eher ohne die sichtbaren Symbole ihrer Religion. 71 Prozent der jungen Jordanier_innen sind Halal-Produkte, insbesondere bei Lebensmitteln und Kosmetika, sehr wichtig. Und obwohl 71 Prozent der Probanden davon überzeugt sind, dass Religion eine Privatanagelegenheit ist, in die sich niemand einmischen sollte, meinen 66 Prozent, dass der Islam eine wichtigere Rolle im Alltag zu spielen hat. Insgesamt will die jordanische Jugend mehr Sichtbarkeit, Einmischung und eine wichtigere Rolle für die Religion im Alltag. Im Zusammenhang mit Einstellungen, Verhalten und Errungenschaften im eigenen Leben betonen die befragten Jugendlichen und jungen Erwachsenen in Jordanien, dass traditionelle oder tribale Werte und die Achtung der Kodices von Ehre und Scham für sie sehr wichtige Lebensaspekte sind. 8 Die Identität und Überzeugungen der Jugend werden nicht nur von Familie, Religion und traditionellen beziehungsweise tribalen Werten geprägt. Junge Menschen in Jordanien teilen die Interessen der Jugend der Welt und sie sind auch in ihrer Freizeit aktiv. Dabei steht für 79 Prozent der jungen Jordanier_innen das Fernsehen 7. Auf einer Skala von 1(nicht religiös) bis 10(sehr religiös) erreicht die Religiosität heute einen Durchschnittswert von 6,9 im Vergleich zu 6,3 vor fünf Jahren. 8. Der Achtung vor Recht und Gesetz wird mit einem Mittelwert von 8,6 die gleiche Bedeutung beigemessen. Am wenigsten wichtig – mit einer durchschnittlichen Zustimmung von 4,6 – ist das politische Engagement. an erster Stelle, 52 Prozent surfen im Internet, 34 Prozent hören Musik, 31 Prozent besuchen Nachbarn und Freunde und 26 Prozent unternehmen etwas mit der Familie. 9 Alternativen zu diesen eher konventionellen Aktivitäten, die nicht in Konkurrenz zu familiären Werten stehen – Kino, Tanzen, Partys, im Café sitzen, Jugendclubs besuchen –, werden von nicht einmal 10 Prozent der Befragten genannt. Eine ähnliche Dynamik lässt sich in der Region insgesamt beobachten. Zwar ist die Nutzung der letztgenannten Freizeitangebote natürlich auch von ihrer Verfügbarkeit und der finanziellen Lage der Jugendlichen und jungen Erwachsenen abhängig, doch manifestiert sich hier auch ein interessanter geschlechtsspezifischer Unterschied. Männer und Frauen frequentieren die jeweiligen Freizeitmöglichkeiten nicht in gleicher Weise. Entsprechende Differenzen werden auch hinsichtlich der geteilten Interessen mit der Jugend im internationalen Kontext deutlich: Während 44 Prozent der Männer das Interesse an Fußball teilen, ist Mode das Thema, das 46 Prozent der Frauen umtreibt. Der Fokus auf Familie und private Aktivitäten manifestiert sich ebenfalls in der Bindung und Partizipation der Jugend in Gruppen oder Cliquen. 64 Prozent der Probanden gehören einer festen Gruppe von Freunden an, die sich häufig trifft. Weniger stark ausgeprägt ist die Zugehörigkeit zu einer Clique mit 52 Prozent bei jungen Jordanier_innen mit niedrigem Bildungsniveau, mit 58 Prozent bei den Frauen – im Vergleich zu 69 Prozent der Männer –, mit 52 Prozent bei den Verheirateten und mit 53 Prozent bei der Kleinstadtjugend. Knapp die Hälfte der Befragten sind in ihrem Freundeskreis, etwa ein Drittel ist generell zufrieden, doch für 46 Prozent hat ein guter Job Priorität, für 31 Prozent eine gute Ehe, wenn es um die eigene Zukunft geht – gegenüber 4 Prozent, die ihre Clique als den wichtigsten Faktor dafür sehen. Diese Aussage steht allerdings – ähnlich wie andere Statements der jungen Menschen – im Widerspruch zur insgesamt erklärten Zufriedenheit mit der sozioökonomischen Lage der Jugend und ihrer Familien. Neben dem vorstehend diskutierten Gefühl von Stabilität im eigenen Leben, für das familiäre Bindung, Religion und Freunde, denen sie vertrauen können, wichtige Faktoren sind, erleben die jungen Jordanier_innen auch Sorge und Angst. Bevor wir einen genaueren Blick auf die9. Diese Aktivitäten deuten darauf hin, dass die große Mehrheit der befragten Jugendlichen und jungen Erwachsenen – 70 Prozent nach eigener Einschätzung – der unteren Mittelschicht angehört. 5 NADINE KREITMEYR| OPTIMISTISCH IN UNSICHEREN ZEITEN sen Aspekt werfen wollen, ist jedoch festzuhalten, dass sich die jordanischen Jugendlichen und jungen Erwachsenen von allen Befragten in der MENA-Region hinsichtlich ihrer Bildung / Ausbildung, Beschäftigung, Familie sowie mit Blick auf die Wirtschaftslage, den politischen Wandel und die zukünftige Entwicklung am sichersten fühlen. Auf einer Skala von 1(Überhaupt nicht sicher) bis 10(Völlig sicher) erreicht die Jugend Jordaniens einen Wert von 7,5; in Bahrain ist es 7,0, Marokko und Ägypten folgen mit jeweils 6,8. Die syrischen Flüchtlinge sowie die jungen Jemeniten fühlen sich mit einem Mittelwert von 4,5 respektive 5,0 am wenigsten sicher. 77 Prozent der jordanischen Jugend sind hinsichtlich der eigenen Zukunft und ihres persönlichen Lebens recht optimistisch. 83 Prozent empfinden diesen Optimismus auch mit Blick auf die Zukunft ihrer Gesellschaft. Zusammen mit den jungen Marokkaner_innen(76 Prozent) sind die befragten jungen Jordanier_innen mit 84 Prozent mit die optimistischsten Jugendlichen und jungen Erwachsenen in der MENA-Region. Am meisten Angst macht ihnen die Verarmung(41 Prozent) oder eine schwere Erkrankung (36 Prozent). 32 Prozent fürchten, weniger erfolgreich zu werden, als sie es sich wünschen. Jeweils 28 Prozent nennen die zunehmende Unsicherheit beziehungsweise einen Arbeitsplatzverlust als Hauptsorge. Generell sind die Zukunftsängste der jordanischen Männer etwas stärker ausgeprägt als die der Frauen. Insgesamt liegt das Ausmaß der Angst jedoch unter dem regionalen Durchschnitt. Jordanien gehört mit seiner Jugend zu den Ländern mit dem niedrigsten Angstniveau in der Region. Als bedeutendste Veränderungen der vergangenen fünf Jahre nennen 70 Prozent der jordanischen Jugendlichen und jungen Erwachsenen Veränderungen innerhalb der Familie, 65 Prozent verweisen auf soziale Instabilität, 63 Prozent auf den Nahrungsmittelmangel, 58 Prozent auf zunehmende Gewalt und 55 Prozent auf Arbeitsplatzverlust. Dieser jeweils hohe Prozentsatz lässt sich unter anderem durch die Tatsache erklären, dass Jordanien ein Einwanderungsland ist, in dem sich bereits vor langer Zeit viele palästinensische Flüchtlinge niederließen, und das in den vergangenen zwanzig Jahren mehrfach zahlreiche weitere – mehrheitlich irakische und syrische – Geflüchtete aufgenommen hat. Vor allem der massive Zustrom syrischer Flüchtlinge und der anhaltende Konflikt in Syrien schürt in jüngerer Vergangenheit die Ängs te der jordanischen Jugend, erschüttert ihr Gefühl von Sicherheit und ihre Wahrnehmung des Wandels. 4. Die sozioökonomische Lage 79 Prozent der jungen Jordanier_innen stufen die wirtschaftliche Situation ihrer Familie als sehr gut oder eher gut ein. Auf 2010 zurückblickend sagen das nur 74 Prozent. Generell konstatieren die von uns befragten Jugendlichen und jungen Erwachsenen in diesem Zeitraum eine Abbildung 1:»Klasseneinordnung Deiner Familie: ›Wie würdest Du Deine Familie einordnen?‹« (Angaben in Prozent) mittellos/ bedürftig Arm Mittelschicht Mittelschicht Wohlhabend Gesamt Männlich Weiblich Niedrig Mittel Geschlecht Bildung Hoch Ledig Verheiratet Mit Ohne Großstadt Stadt Ländlicher Raum Familienstand Eigenes Budget Wohnumfeld, Milieu 6 NADINE KREITMEYR| OPTIMISTISCH IN UNSICHEREN ZEITEN Erholung der Wirtschaft. Dabei werden sie in ihrem Optimismus durch die Evaluierung ihrer persönlichen Lage bestätigt. Diese entspricht ihrer Bewertung der Wirtschaftslage insgesamt: 71 Prozent der Probanden bezeichnen ihre Situation als eher oder sehr gut. 10 Überdies attestieren über 50 Prozent der Wirtschaft Stabilität. Ihre optimistische Einschätzung ist also mehr als eine Momentaufnahme. Um ihre Einstellung nachzuvollziehen, wollen wir uns im folgenden Abschnitt den Fragen nach der Schichtzugehörigkeit, Beschäftigung und Migration widmen. 70 Prozent der von uns befragten Jugendlichen und jungen Erwachsenen ordnen ihre Familien der unteren Mittelschicht zu, 19 Prozent sehen sich als wohlhabend oder Angehörige der oberen Mittelschicht(vergleiche Abb. 1). 50 Prozent zählen sich zur Arbeiterklasse. Der genauere Blick auf die untere Mittelschicht ergibt ein differenzierteres Bild. Hier lassen sich mindestens drei Segmente unterscheiden, von denen eines tendenziell der oberen Mittelschicht zugeordnet werden kann. Dies wird insbesondere deutlich, wenn wir uns die verschiedenen Indikatoren für die Schichtzugehörigkeit anschauen. Diese lässt sich mittels mehrerer Indikatoren bestimmen, darunter der Bildungsstand und Beschäftigungsstatus der Eltern, Wohnsituation, Ausgaben, Konsummuster und Freizeitbeschäftigungen. 11 Zu den ersten beiden Indikatoren berichten 40 Prozent der jungen Jordanier_innen, dass ihre Väter einen hohen, 19 Prozent, dass sie einen mittleren, und 30 Prozent, dass sie einen niedrigen Bildungsstand haben. 26 Prozent der Väter sind im Staatsdienst tätig, 12 Prozent sind selbstständig ohne höheren Bildungsabschluss, 20 Prozent sind Rentner und 10 Prozent selbstständig im Dienstleistungssektor. Sie haben ein festes Einkommen von durchschnittlich 532 Euro pro Monat. Dagegen geben nur 20 Prozent der Probanden an, dass ihre Mütter ein hohes Bildungsniveau haben, bei 36 Prozent haben sie ein mittleres und bei 26 Prozent ein niedriges Bildungsniveau. Die wenigsten Mütter haben ein festes Einkommen, da 87 Prozent von ihnen unbezahlt tätig oder erwerbslos sind, 5 Prozent sind im öffentlichen Dienst und 3 Prozent in Rente. Das Einkommen der er10. Die sichtbarste Ausnahme sind Jugendliche und junge Erwachsene auf einem niedrigen Bildungsstand, die die wirtschaftliche Lage ihrer Familie insgesamt und ihre eigene ökonomische Situation als weniger positiv bewerten. 11. Zu den Freizeitaktivitäten vergleiche den vorherigen Abschnitt. werbstätigen Mütter beträgt durchschnittlich 449 Euro pro Monat. Während 62 Prozent der erwerbstätigen Männer keine Gehaltsfortzahlung im Krankheitsfall beziehen, liegt der entsprechende Anteil der bezahlt beschäftigten Frauen mit 83 Prozent allerdings 20 Prozent über dem der berufstätigen Männer. Die Lebensbedingungen, Ausgaben und Konsummuster der Jugend Jordaniens weisen darauf hin, dass ihr gesellschaftlicher Status komplexer und differenzierter ist als häufig angenommen. Deutlich werden Faktoren, die für die untere und die obere Mittelschicht gleichermaßen charakteristisch sind. So leben 41 Prozent der Jugendlichen und jungen Erwachsenen in Einfamilienhäusern und 49 Prozent in Wohnungen. Der Anteil der Einfamilienhäuser im ländlichen Raum liegt mit 64 Prozent über dem in den Städten. 66 Prozent der Familien leben dabei in der eigenen Immobilie und 85 Prozent der jungen Jordanier_innen haben ein eigenes Zimmer. Dabei liegt der entsprechende Anteil bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit einem niedrigen Bildungsstand mit 72 Prozent jedoch unter diesem Wert. Im regionalen Vergleich schneidet die Jugend Jordaniens bei der Wohnsituation überdurchschnittlich ab. Ihr Geld geben junge Jordanier_innen vor allem für Lebensmittel aus(69 Prozent kaufen Öl, Zucker und so weiter, 54 Prozent Weizen und Brot), und weiterhin für Kleidung(45 Prozent) sowie Wasser und Strom(36 Prozent). Die untere Mittelschicht investiert dagegen deutlich weniger in Lifestyle-Aktivitäten und für die obere Mittelschicht und die Wohlhabenden typische Produkte wie Mobiltelefone, Internet, Ausgehen mit Freunden, Fast Food oder Kosmetika. Während die Wohnsituation also darauf hindeutet, dass es den befragten Jugendlichen und jungen Erwachsenen in Jordanien recht gut geht, lässt der genauere Blick auf ihre Ausgaben eher das Gegenteil vermuten. Die Konsummuster verweisen auf ein ähnlich gemischtes Bild, insbesondere beim Blick auf die untere Mittelschicht, die ihre Einkäufe vor allem in Bäckereien(62 Prozent), bei Lebensmittelhändlern(59 Prozent), in Supermärkten (43 Prozent), Metzgereien(42 Prozent) und auf Wochenmärkten(33 Prozent) erledigt. Einkaufszentren besuchen nur 29 Prozent. Die jungen Teilnehmer_innen an unserer Studie schätzen ihre soziale Klassenzugehörigkeit entsprechend niedriger ein, als die verschiedenen Indikatoren suggerieren. Allerdings variieren diese schichtspezifischen Indikatoren. In Abhängigkeit von den jeweiligen Indikatoren, die für eine Bewertung der Klassenposition 7 NADINE KREITMEYR| OPTIMISTISCH IN UNSICHEREN ZEITEN Tabelle 1: Monatliche Ausgaben(Angaben in Prozent; Mehrfachantworten möglich) Weizen und Brot 54 Lebensmittel(Öl, Zucker etc.) 69 Lokale Snacks 14 McDonald‘s, Pizza Hut, KFC 8 Kleidung 45 Mobiltelefon 26 Internet 21 Video- und Online-Spiele 2 Schuldendienst / Raten 8 Transport / Reisen 8 Zigaretten 19 Medikamente 5 Musik 2 Mit Freunden ausgehen 9 Wasser / Strom 36 Miete 18 Gasflasche(Kochen) 13 Versicherung 3 Studium 16 Kosmetik 5 Andere 2 herangezogen werden, ändern sich unter Umständen auch die entsprechenden Befunde. Diese Erkenntnis wird durch die Betrachtung der finanzi ellen Lage der Jugendlichen in Jordanien bestätigt. Drei Viertel der Umfrageteilnehmer_innen verfügt nicht über ein eigenes Einkommen. Es handelt sich bei ihnen entweder um Studierende(44 Prozent) oder um nicht Berufstätige(50 Prozent). Die meisten derjenigen, die über eigenes Geld verfügen, erhalten elterliche Zuwendungen (58 Prozent), sind erwerbstätig(37 Prozent) oder Stipendiaten(5 Prozent). Dabei handelt es sich in mehr als 50 Prozent der Fälle um unregelmäßige Einnahmen. 12 Damit 12. In 15 Prozent der Fälle, in denen die befragten Jugendlichen und jungen Erwachsenen, ihre Familien unterstützen, erfolgt die Hilfe unregelmäßig; nur bei 9 Prozent handelt es sich um regelmäßige Zuwendungen. erklärt sich, warum nur 18 Prozent der jungen Jordanier_innen ein eigenes Bankkonto besitzen. Ein eigenes Konto – und/oder eine Kreditkarte – haben in der Regel nur diejenigen, die über eigenes Geld verfügen(38 beziehungsweise 30 Prozent) und ein höheres Bildungsniveau haben(36 beziehungsweise 28 Prozent). 85 Prozent der Umfrageteilnehmer_innen haben keine Ersparnisse, allerdings legen 42 Prozent derjenigen, die über ein eigenes Einkommen verfügen, Geld zurück. Der Hauptgrund dafür ist bei 51 Prozent der Befragten der Wunsch nach Sicherheit respektive um für den Notfall vorzusorgen, 15 Prozent sparen auf eine Mitgift für die Ehe. Die Mehrheit der jordanischen Jugendlichen sparen also nicht. Allerdings sind 79 Prozent von ihnen auch schuldenfrei. Am ehesten verschulden sich die Männer(26 Prozent), junge Menschen mit niedrigem Bildungsniveau(34 Prozent) und Verheiratete(40 Prozent). 46 Prozent der jungen Jordanier_innen mit Schulden nennen mittlere Beträge (zwischen einem und sechs Monatseinkommen), 39 Prozent sind mit mehr als sechs Monatseinkommen hoch verschuldet. Bevor wir uns der Arbeitssituation der Jugend Jordaniens – einschließlich der Fragen von Jobsicherheit und-zufriedenheit – zuwenden, soll darauf hingewiesen werden, dass von den 25 Prozent der jungen Befragten, die über eigenes Geld verfügen, nur 37 Prozent dieses durch eigene Erwerbstätigkeit verdienen. Der entsprechende Anteil bei den Frauen ist mit 15 Prozent deutlich geringer als der der Männer(56 Prozent). Die Zahl der Erwerbstätigen unter den jungen Jordanier_innen, die an dieser Studie teilnahmen, ist tatsächlich sehr niedrig. 13 Die meisten jungen Berufstätigen sind im Staatsdienst (30 Prozent). Je 16 Prozent sind in fester Anstellung sozialversicherungspflichtig beziehungsweise ohne soziale Absicherung tätig. Weniger als 10 Prozent arbeiten in Familienbetrieben, sind selbstständig oder Tagelöhner. Bei der Beschäftigung zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen den Geschlechtern, beim Bildungsniveau und hinsichtlich des Wohnumfelds/Milieus. Als Grund, sich für eine bestimmte Arbeit zu entscheiden, nennen die erwerbstätigen jungen Jordanier_innen an erster Stelle die Arbeitsplatzsicherheit(61 Prozent) sowie die soziale 13. Das verweist auf die Probleme, die sich aufgrund der Jugendarbeitslosigkeit und der Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt ergeben. Die Erwerbslosenrate bei den 15- bis 24-Jährigen betrug 2015 bereits 33,4 Prozent(Dimova et al. 2016: 10; vergleiche auch Barcucci / Mryyan 2014; Brown et al. 2014). 8 NADINE KREITMEYR| OPTIMISTISCH IN UNSICHEREN ZEITEN Tabelle 2:»Warum hast Du diese Arbeit angenommen?«(Angaben in Prozent»wahr«) Ich hatte keine andere Wahl Ich kann nichts anderes Es ist eine sichere Stelle Das Unternehmen gehört meiner Familie Mein Chef kommt aus der gleichen Gegend wie ich Die Bezahlung ist gut Die Arbeit genießt gesellschaftliches Ansehen Ich kann mit Freunden und Kollegen zusammen sein Ich kann viel lernen Ich kann Karriere machen Total 56 30 61 26 24 35 60 53 52 48 Geschlecht m w 58 46 30 29 59 68 28 16 26 18 37 31 60 60 53 54 51 54 47 56 Bildung niedrig mittel 60 61 39 27 52 57 hoch 46 30 70 Familienstand ledig verheiratet 58 51 26 37 59 64 26 29 20 29 19 24 26 21 27 19 28 35 40 38 28 46 58 68 62 55 42 52 60 58 43 50 47 59 54 46 48 42 58 51 44 Budget mit ohne 42 65 26 32 66 57 Wohnumfeld / Milieu Großstadt Stadt Land 55 50 62 28 28 42 58 64 75 30 22 25 25 24 26 23 22 46 29 35 68 54 59 28 34 40 37 52 67 61 49 54 62 45 50 60 41 48 43 58 53 58 52 54 Akzeptanz ihrer Beschäftigung(60 Prozent)(vergleiche Tabelle 2). Der von 56 Prozent genannte Mangel an Alternativen bestimmt darüber hinaus häufig ihre spezifi sche Berufswahl. Wichtig ist vielen Befragten auch das Arbeitsumfeld: 53 Prozent nennen Kolleg_innen und Freund_innen als Kriterium, 52 Prozent erwähnen die ihnen in ihrem Job gebotenen Lernchancen, für 48 Prozent zählt vor allem die Möglichkeit, Karriere zu machen. Die Zufriedenheit am Arbeitsplatz ist recht hoch. Nur 22 Prozent der Probanden geben an, dass sie mit ihrem Job gar nicht oder wenig zufrieden sind. Im Gegensatz dazu betonen 45 Prozent – und mit 62 Prozent insbesondere die Frauen –, dass sie mit ihrer Arbeit sehr zufrieden sind. Die Antworten auf die Frage nach den Kriterien für eine befriedigende Beschäftigungssituation an alle Teilnehmer_innen der Jugendstudie – einschließlich der aktuell nicht erwerbstätigen Jugendlichen und jungen Erwachsenen – unterscheidet sich kaum von jenen, die die aktuell Beschäftigten geben: 57 Prozent nennen die Arbeitsplatzsicherheit als sehr wichtigen Aspekt, 56 Prozent interessiert ein gutes Einkommen, 53 Prozent wollen Karrierechancen, 52 Prozent möchten das Gefühl haben, etwas zu erreichen. 70 Prozent der jungen Jordanier_innen sind ziemlich oder absolut davon überzeugt, dass ihre Berufswünsche wahr werden. Gleichwohl geben 49 Prozent der jungen Jordanier_innen an, dass sie im Job, im Studium, im Alltag(ständig) weniger leisten, als sie leisten könnten, und nur 25 Prozent haben das Gefühl, dass die Work-Life-Balance bei ihnen stimmt. Zwischen Berufswunsch und dem abrufbaren beruflichen Potenzi al der Jugend scheint es eine tiefe Kluft zu geben. Wir wiesen bereits darauf hin, dass Ängste, aktuelle Veränderungen, die Flüchtlingsfrage und das Thema Migration die jordanische Jugend umtreiben. Knapp ein Drittel von ihnen hat Gewalt beobachtet, 11 Prozent erlebten psychische Gewalt. Dies ist vor allem ausgeprägt bei den weniger gut gebildeten jungen Menschen sowie den jungen Jordanier_innen im ländlichen Raum. 9 Prozent der befragten Jugendlichen und jungen Erwachsenen geben an, Flüchtlinge zu sein. 90 Prozent unseres Samples haben jedoch niemals im Ausland gelebt. Von den jungen Migranten lebten 30 Prozent in den Golfstaaten und 60 Prozent in anderen arabischen Ländern. 14 Nur 12 Prozent der Studienteilnehmer_innen erwähnen Migranten in der eigenen Familie. 37 Prozent von diesen gingen nach Nordamerika, 34 Prozent in die Golfstaaten, 19 Prozent nach Europa. Die jordanische Jugend verfügt also nur über eine begrenzte Erfahrung mit Migration 14. Obwohl diese Information nicht explizit vermittelt wurde, weisen die Ergebnisse darauf hin, dass die jungen Flüchtlinge schon seit langem in Jordanien leben oder dort geboren wurden. Es handelt sich also nicht um in jüngerer Zeit Geflüchtete. 9 NADINE KREITMEYR| OPTIMISTISCH IN UNSICHEREN ZEITEN und reagiert auf sie mit gemischten Gefühlen. Während einige – 20 Prozent – von der Idee einer Auswanderung fasziniert sind oder – zu 33 Prozent – die finanziellen Vorteile betonen, die mit der Emigration eines Familienmitglieds einhergehen, betrachten 27 Prozent der Befragten Auswanderung als persönlichen Verlust in ihrem Leben oder wurden durch die Emigrationserfahrung eines Familienmitglieds negativ beeinflusst(18 Prozent). 15 Etwa 55 Prozent der jordanischen Probanden mit einem Emigranten in der Familie geben an, dass Emigration keine Bedeutung für sie habe. 56 Prozent aller Probanden betonen, dass sie selbst definitiv nicht auswandern werden. Von denjenigen, die mit dem Gedanken an Auswanderung spielen, bezeichnen 36 Prozent Großbritannien und jeweils 32 Prozent Deutschland oder Frankreich als ihre präferierte Destination. Zwischen 36 und 49 Prozent der interviewten Jugendlichen erklären sich bereit, ihre Familie zu verlassen, um eine gute berufliche Qualifizierung zu erwerben oder Arbeit in einer ländli chen Region im eigenen Land, in einem arabischen Staat oder in Europa zu akzeptieren. Sie wollen so ihre eigene Situation verbessern. Ungefähr die Hälfte der jungen Jordanier_innen ist also nicht sehr flexibel, wenn es um Migration geht. Diesen starken Wunsch, in der Heimat zu bleiben gilt es bei Initiativen zur Förderung des Übergangs der Jugend aus der Bildung in die Beschäftigung und bei der Schaffung von Beschäftigungschancen zu berücksichtigen. 5. Politik& Gesellschaft Nach der Diskussion der sozialen und ökonomischen Dimension werden wir uns im folgenden Abschnitt auf die politische Ebene konzentrieren und die Themen zivilgesellschaftliches Engagement, politische Ansichten und politisches Handeln erörtern. Der Arabische Frühling zeigte, dass neue Technologien für die Jugend und ihre Mobilisierung eine wichtige Rolle spielen. Beginnen wir also mit dem Blick auf die Kommunikation. Seit circa 2009 nutzt die Jugend Jordaniens intensiv auch die moderne Kommunikationstechnik. Zwar gehörte sie nicht zu den Ersten, die in jenem Jahr bereits Handys oder Smartphones besaßen oder 2011 schon im Internet 15. Diese Aussagen lassen sich nicht verallgemeinern, da nur Jugendliche und junge Erwachsene mit Emigranten in ihrer Familie, die dieses Faktum selbst für wichtig erachten, diese Frage beantworteten. Insgesamt handelt es sich also um maximal 50 Probanden. surften, wie es im Durchschnitt in den übrigen MENAStaaten, in der unsere Studie durchgeführt wurde, der Fall war, doch heute sind beide weit verbreitete Kommunikationsmittel. 92 Prozent der jungen Jordanier_innen nutzen das Internet – allerdings nur 78 Prozent der weniger gebildeten Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Land – und fast alle von ihnen(98 Prozent) gehen via Smartphone online. Dabei haben jedoch nur 6 Prozent Handyverträge; die Mehrheit der Befragten nimmt Prepaid-Karten. Die relativ gesehen meisten Verträge – 16 Prozent – werden im ländlichen Raum abgeschlossen. Die ländliche Jugend erreicht mit 97 Prozent auch den höchsten Wert bei der Nutzung eines privaten Internetzugangs; das ist insgesamt der zweithöchste Wert aller Länder. 40 Prozent der Probanden geben an, sie nutzten das Internet überall, wo es einen Internetzugang gibt, 35 Prozent gehen am Arbeitsplatz online. Nur 20 Prozent der Jugendlichen und jungen Erwachsenen nutzen Internetcafés, Läden, Cafés und Restaurants, 12 Prozent nutzen den Internetzugang in Universitäten. Die wichtigsten sozialen Netzwerke für die jordanische Jugend sind WhatsApp(91 Prozent) und Facebook(89 Prozent). Sie dienen überwiegend Freizeitaktivitäten: 65 Prozent bleiben darüber mit Freunden in Kontakt, 43 Prozent organisieren so ihre Verabredungen, 42 Prozent teilen Musik, Videos und Fotos, 35 Prozent suchen auf diesem Weg Arbeit. Nur 16 bis 17 Prozent dienen sie als Raum für politische Diskussion und Mobilisierung, mit 18 bis 25 Prozent sind es geringfügig mehr junge Menschen, die WhatsApp und Facebook auch für religiöse Angelegenheiten einsetzen. Diese Trends entsprechen den bisher erörterten Einstellungen, Werten und Interessen der Jugend insgesamt. Auch bei den Kanälen, die junge Jordanier_innen für politische Debatten und zur Mobilisierung nutzen, sind keine Abweichungen erkennbar. Die meisten von ihnen haben schlicht kein oder nur ein begrenztes Interesse an bürgerschaftlichem oder politischem Engagement. Überdies halten 51 Prozent der Befragten die politische Lage für(eher) stabil. Das bürgerschaftliche Engagement der jordanischen Jugend beschränkt sich auf wenige Interessensgebiete, die weitgehend weder offen politisch noch kontrovers sind. Häufig unterstützt werden Interessen junger Menschen (14 Prozent), Hilfe für Arme und Schwache(12 Prozent), Verbesserung des Gemeinschaftslebens im Wohnum10 NADINE KREITMEYR| OPTIMISTISCH IN UNSICHEREN ZEITEN Tabelle 3:»Aus welchen praktischen Gründen engagierst Du Dich nicht in einem sozialen Projekt?« (Zustimmung und starke Zustimmung, Angaben in Prozent) Es gibt keine oder nur sehr wenige Initiativen in meiner Gegend Fehlendes professionelles Management der Gruppen Es ist nicht klar, wo das Geld bleibt Das nützt nur wenigen Nur starke Männer haben das Sagen Ehrenamtliche Arbeit lohnt sich nie Keine Unterstützung durch Regierung Da verdinst man nichts Das hat keine Perspektiven Meine Familie will das nicht Ich komme so schon kaum über die Runden Total 45 37 37 35 37 28 35 35 34 29 45 Geschlecht m w 45 45 niedrig Bildung mittel 34 45 hoch 53 Wohnumfeld / Milieu Großstadt Stadt Land 43 48 59 39 34 34 35 43 36 33 44 41 31 29 37 40 37 30 41 37 33 27 34 40 35 33 38 38 37 31 36 43 36 46 35 30 25 32 28 25 26 34 31 39 31 29 37 34 35 42 31 39 31 37 35 35 34 37 42 37 31 33 34 33 32 40 38 26 32 33 28 28 28 32 31 50 39 39 42 54 46 40 43 feld(12 Prozent), eine bessere und sauberere Umwelt (11 Prozent) und Verbesserungen für Menschen mit Behinderungen(11 Prozent). Die vorliegende Studie zeigt, dass sich junge Männer häufiger engagieren als junge Frauen. Der Anteil Jugendlicher mit einem höheren Bildungsniveau sowie der Ledigen unter den Aktiven ist ebenfalls höher als der anderer Gruppen. Ebenso wie sich das bürgerschaftliche Engagement der jordanischen Jugend auf bestimmte Bereiche beschränkt und politisch kontroverse Themen ausspart, weisen auch die(wenigen) Institutionen und Aktionsfelder, in denen sie sich engagiert, nur selten politische Affiliationen auf. 15 Prozent der jugendlichen Aktivisten beteiligen sich an Gruppen in ihren Schulen oder Universitäten, 9 Prozent sind in Jugendgruppen organisiert. Nur 6 Prozent verfolgen als Mitglieder religiöser Institutionen soziale Ziele. Was aber hält die jordanische Jugend davon ab, sich stärker sozial einzubringen? Die vorliegende Studie deutet auf eine Kombination persönlicher und struktureller Gründe hin, die für das mangelnde Engagement ursächlich sind. 45 Prozent der befragten jungen Menschen sagen, sie hätten so bereits Schwierigkeiten, »über die Runden zu kommen«. Ebenso viele glauben, dass es in ihrer Nähe keine oder nur wenige Initiativen gibt. Hinsichtlich struktureller Schwierigkeiten beklagen wieder andere – 37 Prozent –, die Sozialprojekte würden nicht professionell geführt, man wisse nicht, wo das Geld bleibe und nur starke Männer hätten»das Sagen« (je 37 Prozent). Hinsichtlich ihres politischen Engagements erklären 87 Prozent der befragten Jugendlichen, dass sie an Politik gar nicht oder wenig interessiert sind. Das Interesse der Probanden mit höherer Bildung und in Kleinstädten ist geringfügig stärker ausgeprägt: Von ihnen zeigen sich 17 beziehungsweise 20 Prozent politisch(sehr) interessiert. Entsprechend geben 92 Prozent der Befragten an, dass sie sich nicht aktiv über Politik informieren. 16 Mit 67 respektive 62 Prozent sind Internet und Fernsehen die Hauptinformationsquellen. Nur 16 Prozent der Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die sich aktiv um Informationen zu politischen Themen bemühen, suchen dafür das persönliche Gespräch. Von den befragten Jugendlichen nennen 6 bis 16 Prozent – also ebenfalls eine eher kleine Gruppe – die Teilnahme an Wahlen und den Boykott von Waren als politische Maßnahmen, die sie in Erwägung ziehen oder realisieren. Andere politische Aktionen, wie die Beteiligung an Demonstrationen und 16. Dies ist der höchste Satz bei den im Rahmen der FES MENA-Jugendstudie betrachteten Ländern. 82 Prozent geben durchschnittlich an, sie würden sich nicht aktiv politisch informieren. 11 NADINE KREITMEYR| OPTIMISTISCH IN UNSICHEREN ZEITEN Tabelle 4:»Hast Du Vertrauen in folgende Institutionen?«(Angaben in Prozent) Bildungswesen Medien Famile Regierung Parlament Militär Polizei Religiöse Organisationen Stamm Menschenrechtsorganisationen(NGOs) Nachbarschaftsvereine Parteien Gewerkschaften Rechtssysteme und Gerichte Vereinte Nationen Total 36 33 42 16 37 31 22 29 35 29 28 40 29 35 10 Geschlecht m w 35 37 32 35 40 45 18 14 37 38 30 31 21 23 27 32 37 34 27 30 28 29 39 40 29 29 32 39 9 11 niedrig 31 29 36 15 17 23 16 16 22 25 13 27 26 19 8 Bildung mittel 37 35 43 16 43 32 21 31 35 29 31 41 28 35 11 hoch 36 31 44 16 34 32 26 31 42 30 29 42 35 44 8 Wohnumfeld / Milieu Großstadt Stadt Land 37 34 32 34 30 35 41 46 43 16 20 11 39 36 25 34 27 21 22 21 24 32 28 21 35 41 29 28 29 35 28 33 16 39 44 36 30 33 20 36 36 34 10 15 8 Streiks oder die Mitgliedschaft in einer Partei, kommen kaum infrage beziehungsweise finden praktisch keine Befürwortung. Der entsprechende Prozentsatz liegt bei diesen Aktivitäten zwischen 0 und 3 Prozent. Dies zeigte sich bereits bei den nur wenig ausgeprägten Protesten im Zusammenhang mit dem Arabischen Frühling (Tobin 2012; Yom 2017). Die Ereignisse seit Ende 2010 und 2011 werden von 19 Prozent der Befragten meist als »Arabischer Frühling« bezeichnet, 20 Prozent sprechen von»ausländischer Intervention«, 14 Prozent sprechen von»Anarchie« oder»Chaos«. Nur 8 Prozent nennen sie eine»Revolution«. Die Jugend Jordaniens ist zu 54 Prozent der Meinung, dass die Ereignisse zwar von Jugendlichen und jungen Erwachsenen gestartet, diese dann jedoch von anderen gekapert wurden. 41 bis 47 Prozent der Befragten verweisen hier auf externe oder internationale Akteure, wie die USA. Überdies sind in den Augen von 54 Prozent der Teilnehmer_innen an der Studie die Ereignisse ursächlich für die weit verbreitete Gewalt. Für die Mehrheit der jungen Jordanier_innen ist der Arabische Frühling damit eher negativ als positiv konnotiert. Welches politische System wird denn von der Jugend Jordaniens angesichts der wenig ausgeprägten politischen Aktion und der geringen Proteste im Land präferiert? Die Befunde der Umfrage deuten auf drei Optionen hin, die der Jugend attraktiv erscheinen. 32 Prozent – die Mehrheit bei dieser Frage – bevorzugen eine von starker Hand geführte Regierung. Ein solches System findet vor allem bei den männlichen Probanden, bei Jugendlichen mit einem höheren Bildungsniveau, bei Verheirateten und bei den Bewohnern kleiner Städte Zuspruch. An zweiter Stelle folgt mit 22 Prozent eine Kombination aus Demokratie und Islam, auf Platz drei steht die von 21 Prozent bevorzugte demokratische Ordnung. Letztere ist vor allem für die ländliche Jugend die Variante der Wahl. Nicht geklärt bleibt jedoch, wie die Jugend das aktuelle politische System sieht und ob dieses ihren Wünschen entspricht. Aus dem Vertrauen, das die jordanische Jugend in staatliche Institutionen und in die Rolle des Staates im Alltag hat, lässt sich schlussfolgern, dass sie selbst diesen Fragen keine allzu große Aufmerksamkeit schenkt. Generell genießen Institutionen(recht) hohes Vertrauen(vergleiche Tabelle 4). Als vertrauenswürdig gelten die Familie(42 Prozent), Parteien(40 Prozent), das Parlament(37 Prozent), das Bildungswesen(36 Prozent) sowie die Stämme(35 Prozent). 12 NADINE KREITMEYR| OPTIMISTISCH IN UNSICHEREN ZEITEN Weniger Vertrauen genießen religiöse Organisationen(29 Prozent), Nachbarschaftsvereine(28 Prozent), die Polizei (22 Prozent) und die Regierung(16 Prozent). 34 Prozent des Samples sind zufrieden mit der Rolle, die der Staat in ihrem Alltag spielt. 63 Prozent wünschen sich, dass er eine größere Rolle spielt. Dieser Wunsch ist vor allem bei der ländlichen Jugend stärker ausgeprägt. Knapp die Hälfte der jungen Probanden fordert vom Staat mehr Aktion im Bereich Überwachung, deutlich weniger – 28 Prozent – sähen ihn gern stärker bei der sozialen Sicherheit. Diese Aussage korrespondiert mit den Ängsten und Sorgen, die die jungen Teilnehmer_innen an der Studie äußern. 6. Fazit Der vorliegende Bericht betrachtet eine Reihe sozialer, ökonomischer und politischer Aspekte, die für das Leben und die Perspektiven der Jugend in Jordanien prägend sind. Insgesamt zeigen sich die Jugendlichen der Stichprobe als recht optimistisch mit Blick auf ihre Zukunft und die soziale, wirtschaftliche und politische Lage in ihrem Land. Angesichts der politischen Instabilität und der spezifischen sozioökonomischen Situation Jordaniens ist das ein durchaus überraschendes Ergebnis. Gleichwohl empfindet die Jugend Jordaniens auch Angst. Insbesondere fürchtet sie Armut und Unsicherheit, Gefühle, die nicht zuletzt durch den Arabischen Frühling und seine Folgen in der MENA-Region insgesamt geschürt wurden und werden. Das Interesse an Politik und am politischen Handeln ist bei der jordanischen Jugend nur schwach ausgeprägt. Entsprechend verzichtet sie darauf, sich politisch zu informieren. Bestenfalls beteiligt sie sich an Wahlen. Gleichwohl betrachten die jungen Jordanier_innen – neben ihrer Familie und der Religion – staatliche Institutionen, insbesondere Regierung und Militär, als vertrauenswürdig. Das wichtigste sind ihnen jedoch Familie und Religion. Die meisten der von uns befragten jungen Jordanier_innen leben nach wie vor bei ihrer Familie, die von ihnen auch hinsichtlich aller wichtigen Angelegenheiten konsultiert wird. Die Familie steht über allen anderen Lebensaspekten. Die einzige andere Institution, die neben ihr ein starkes Gefühl von Sicherheit vermittelt, ist die Religion. Tatsächlich lässt sich in jüngerer Zeit eine Tendenz hin zu mehr Religiosität feststellen. 13 Literatur NADINE KREITMEYR| OPTIMISTISCH IN UNSICHEREN ZEITEN Barcucci, Valentina / Nader Mryaan (2014): Labour Market Transitions of Young Women and Men in Jordan. Work4Youth Publication Series No. 14, Geneva: International Labour Office. Brown, Ryan / Louay Constant / Peter Glick / Audra Grant (2014): Youth in Jordan: Transitions from Education to Employment. Santa Monica: RAND Corporation. Dimova, Ralitza / Sara Elder / Karim Stephan (2016): Labour Market Transitions of Young Women and Men in the Middle East and North Africa. Work4Youth Publication Series No. 44, Geneva: International Labour Office. Gertel, Jörg / Ralf Hexel (2017): Zwischen Ungewissheit und Zuversicht. Jugend im Nahen Osten und in Nordafrika, Bonn: J. H. W. Dietz. Tobin, Sarah (2012): Jordan’s Arab Spring: The Middle Class and Anti-Revolution. Middle East Policy 19(1), 96–109. UNDP (2016): Arab Human Development Report: Youth and the Prospects for Human Development in a Changing Reality. New York: United Nationals Development Programme(UNDP). Yom, Sean (2017): Jordan and Morocco: The Palace Gambit. Journal of Democracy 28(2), 132–146. 14 Über die Autorin Nadine Kreitmeyr ist Assistant Professor an der Graduate School of Social Sciences der Middle East Technical University in Ankara, Türkei, und promovierte Politologin der Universität Tübingen. Ihre Forschung konzentriert sich auf die Wechselwirkung von Autoritarismus und Neoliberalismus im Mittleren Osten und Nordafrika aus der Perspektive der Vergleichenden Politikwissenschaft. Die Länder Marokko, Ägypten und Jordanien stehen dabei in ihrem Fokus. Impressum Friedrich-Ebert-Stiftung| Naher / Mittlerer Osten und Nordafrika Hiroshimastr. 28| 10785 Berlin| Deutschland Verantwortlich: Dr. Ralf Hexel, Leiter, Naher / Mittlerer Osten und Nordafrika Tel.:+49-30-269-35-7420| Fax:+49-30-269-35-9233 http://www.fes.de/nahost Bestellungen / Kontakt: info.nahost@fes.de Eine gewerbliche Nutzung der von der Friedrich-Ebert-Stiftung (FES) herausgegebenen Medien ist ohne schriftliche Zustimmung durch die FES nicht gestattet. Die in dieser Publikation zum Ausdruck gebrachten Ansichten sind nicht notwendigerweise die der Friedrich-Ebert-Stiftung. Diese Publikation wird auf Papier aus nachhaltiger Forstwirtschaft gedruckt. ISBN 978-3-96250-034-4