Helen Hickmann, Anika Jansen, Sarah Pierenkemper, Dirk Werner Ohne sie geht nichts mehr Welchen Beitrag leistteenn MMiiggrraanntt__iinnnneenn uunndd Geflüchtete zur Sicherruunngg ddeerr AArrbbeeiittsskkrrääffttee-bedarfe in Fachkraftberufen in Deutschland? FES diskurs November 2021 Die Friedrich-Ebert-Stiftung Die Friedrich-Ebert-Stiftung(FES) wurde 1925 gegründet und ist die traditionsreichste politische Stiftung Deutschlands. Dem Vermächtnis ihres Namensgebers ist sie bis heute verpflichtet und setzt sich für die Grundwerte der Sozialen Demokratie ein: Freiheit, ­Gerechtigkeit und Solidarität. Ideell ist sie der Sozialdemokratie und den freien Gewerkschaften verbunden. Die FES fördert die Soziale Demokratie vor allem durch: – politische Bildungsarbeit zur Stärkung der Zivilgesellschaft; – Politikberatung; – internationale Zusammenarbeit mit Auslandsbüros in über 100 Ländern; – Begabtenförderung; – das kollektive Gedächtnis der Sozialen Demokratie mit u. a. Archiv und Bibliothek. Die Abteilung Analyse, Planung und Beratung der Friedrich-Ebert-Stiftung Die Abteilung Analyse, Planung und Beratung der Friedrich-Ebert-Stiftung versteht sich als Zukunftsradar und Ideenschmiede der Sozialen Demokratie. Sie verknüpft Analyse und Diskussion. Die Abteilung bringt Expertise aus Wissenschaft, Zivilgesellschaft, Wirtschaft, Verwaltung und Politik zusammen. Ihr Ziel ist es, politische und gewerkschaftliche Entscheidungsträger_innen zu aktuellen und zukünftigen Herausforderungen zu beraten und progressive Impulse in die gesellschaftspolitische Debatte einzubringen. FES diskurs FES diskurse sind umfangreiche Analysen zu gesellschaftspolitischen Fragestellungen. Auf Grundlage von empirischen Erkenntnissen sprechen sie wissenschaftlich fundierte Handlungsempfehlungen für die Politik aus. Über die Autor_innen Helen Hickmann ist wissenschaftliche Referentin beim Institut der deutschen Wirtschaft(IW) im Kompetenzfeld Berufliche Qualifizierung und Fachkräfte und betreut dort das KOFA. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen im Bereich internationale Fachkräfte, Ausbildung und Arbeitsmarkt. Dr. Anika Jansen ist wissenschaftliche Referentin beim IW im Kompetenzfeld Berufliche Qualifi­ zierung und Fachkräfte und betreut dort das Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung(KOFA). Ihre Forschungsschwerpunkte liegen im Bereich der Fachkräftesicherung, Rekrutierung internationaler Fachkräfte und Ausbildung. Sarah Pierenkemper ist wissenschaftliche Referentin beim IW im Kompetenzfeld Berufliche Qualifizierung und Fachkräfte und betreut dort das KOFA. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen im Bereich der Fachkräftesicherung und Rekrutierung sowie Beschäftigung internationaler Fachkräfte. Dirk Werner ist Leiter des Kompetenzfelds Berufliche Qualifizierung und Fachkräfte am Institut der deutschen Wirtschaft und dort verantwortlich für die Projekte Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung und BQ-Portal. Für diese Publikation ist in der FES verantwortlich Susan Javad, Arbeitsbereich Migration und Integration, Abteilung Analyse, Planung und Beratung. OHNE SIE GEHT NICHTS MEHR  NOVEMBER 2021  FES diskurs Helen Hickmann, Anika Jansen, Sarah Pierenkemper, Dirk Werner Ohne sie geht nichts mehr Welchen Beitrag leisten Migrant_innen und Geflüchtete zur Sicherung der Arbeitskräftebedarfe in Fachkraftberufen in Deutschland? 3 VORWORT 4 ZENTRALE ERGEBNISSE 6 1 FRAGESTELLUNG DER STUDIE UND AUSGANGSLAGE 6 1.1 Fachkräftemangel und Auswirkungen der Corona-Pandemie auf den Arbeits- und Ausbildungsmarkt 7 1.2 Situation von Migrant_innen und Geflüchteten auf dem deutschen Arbeitsmarkt 9 2 DATEN UND METHODIK 11 3 FACHKRÄFTEBEDARFE IM ÜBERBLICK 11 3.1 Berufe mit hohen Fachkräftebedarfen 12 3.2 Regionale Verteilung der Fachkräfteengpässe 14 4 BEITRAG VON MIGRANT_INNEN UND GEFLÜCHTETEN ZUR DECKUNG DER FACHKRÄFTEBEDARFE 14 4.1 Migrant_innen und Geflüchtete in Fachkraftberufen 16 4.2 Migrant_innen und Geflüchtete in Engpassberufen 18 5 AUSBILDUNGSBEDARFE IM ÜBERBLICK 20 6 MIGRANT_INNEN UND GEFLÜCHTETE IN DER DUALEN AUSBILDUNG 23 7 UNTERSCHIEDE ZWISCHEN DEN BUNDESLÄNDERN IM ÜBERBLICK 25 8 FAZIT 26 9 HANDLUNGSEMPFEHLUNGEN 26 9.1 Berufsorientierung und-vorbereitung ausbauen 27 9.2 Migrant_innen und Geflüchtete als eigene Zielgruppen in den Blick nehmen 27 9.3 Spracherwerb unterstützen 27 9.4 Betriebliche Unterstützungsangebote nutzen FRIEDRICH-EBERT-STIFTUNG 1 28 9.5 Regionale Mobilität erhöhen 28 9.6 Bleibeperspektive während und nach der Ausbildung sowie in Beschäftigung verbessern 29 9.7 Potenziale von beschäftigten Helfer_innen durch Anerkennung und Weiterqualifizierung intensiver nutzen 30 10 FACT-SHEETS ZU DEN EINZELNEN BUNDESLÄNDERN 64 Abkürzungsverzeichnis 64 Abbildungs- und Tabellenverzeichnis 65 Literaturverzeichnis 2 OHNE SIE GEHT NICHTS MEHR  NOVEMBER 2021  FES diskurs VORWORT Deutschland befindet sich in der Anfangsphase eines rasant zunehmenden demografischen Wandels. Bis 2035 wird die Zahl an Personen über 67 Jahre um 22 Prozent steigen, ­informierte das Statistische Bundesamt am 30.9.2021 in ­einer Pressemitteilung(Statistisches Bundesamt 2021a). Fachkräfte werden damit zunehmend knapp, warnte auch der Vorstandsvorsitzende der Bundesagentur für Arbeit im Sommer 2021 in einem ausführlichen Interview(SZ 2021). Einwanderung sei einer der wesentlichen Hebel, um der Deckung zukünftiger Fachkräftebedarfe nachzukommen. Diese Feststellung ist mit Blick auf die Zukunft sicher richtig. Sie gilt aber auch bereits für das Hier und Heute. Denn: Mittlerweile haben rund 12,7 Prozent der in Deutschland sozialversichert arbeitenden Personen eine andere Staatsbürgerschaft als die deutsche(Statistisches Bundesamt 2021b). Und diese Tendenz steigt seit mittlerweile etlichen Jahren. Auch die Corona-Pandemie mit ihrem kurzfristigen Beschäftigungseinbruch scheint an diesem Trend nichts Wesentliches geändert zu haben. Die hier vorliegende Studie lädt Sie nun ein, diesen steigenden Trend noch einmal genauer zu betrachten. Im Fokus der vom Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung des IW im Auftrag der Friedrich-Ebert-Stiftung(FES) erstellten Studie steht zum einen die Frage, welchen Beitrag Mi­grant_innen und Geflüchtete mittlerweile zur Deckung der Arbeitskräftebedarfe in Berufen mit vorausgegangener(dualer) Ausbildung leisten. Diese Berufe sind es nämlich, die den deutschen Begriff der„Fachkraft“ zu einem erheblichen Anteil prägen. Zum Zweiten zoomt die Studie in den Bereich der auf dem Arbeitsmarkt besonders nachgefragten Fachkraftberufe, die sogenannten Engpassberufe. Auch hier analysiert sie, welchen Anteil Migrant_innen und Geflüchtete an diesen Berufen stellen und – indem auch die jüngst abgeschlossenen Ausbildungsverträge für diese Berufe in den Blick genommen werden – stellen werden. Schließlich sind die Auszubildenden von heute, die Fachkräfte von morgen. Zum dritten bietet diese Studie einen regionalen Einblick auf Ebene der Bundesländer. 16 Fact-Sheets geben Ihnen e­ inen Überblick, in welchen Fachkraftberufen Migrant_innen und Geflüchtete derzeit im jeweiligen Bundesland besonders häufig vertreten sind und welchen Anteil sie mit Blick auf Ausbildungen in Engpassberufen stellen. Deutlich wird hier, dass manche Berufe und damit gesellschaftlich und wirtschaftlich notwendige Tätigkeiten ohne Migrant_innen nicht mehr erfüllt werden könnten, denn sie stellen hier – regional in unterschiedlicher Verteilung – einen ganz wesentlichen Anteil der Beschäftigten. Auch ist festzuhalten, dass der Anteil, den nach Deutschland geflüchtete Menschen, die auf dem Arbeitsmarkt ankommen und einer sozialversicherten Beschäftigung nachgehen, in allen 16 Bundesländern seit 2013 stark angestiegen ist. Von einem niedrigen Niveau ausgehend zwar, aber die Tendenz ist eindeutig: Es geht hier steil nach oben! Ein Blick in die aktuelle Berichterstattung zur wirtschaftlichen Situation Großbritanniens, das mit den Brexit-­ Folgen kämpft, zeigt uns, was passiert, wenn Migrant_innen auf einmal kaum mehr auf dem Arbeitsmarkt präsent sind. Auch für Deutschland, das belegen die hier ausgewerteten Zahlen, würde das ein Erlahmen, wenn nicht gar einen Stillstand in wichtigen Bereichen des Arbeitsmarkts und damit der Wirtschaft bedeuten. Insofern ist es nicht übertrieben, zu sagen: Ohne sie – nämlich die Migrant_innen und zunehmend auch Geflüchtete – geht es nicht mehr. Das abschließende Kapitel dieser Studie formuliert vor diesem Hintergrund Handlungsempfehlungen, wie Mi­ grant_innen und Geflüchtete in noch größerem Ausmaß für eine Ausbildung in Fachkraftberufen und auch Engpass­ berufen gewonnen werden können. Wir hoffen, dass diese Studie möglichst viele den deutschen Arbeits- und Ausbildungsmarkt Gestaltende ermutigt, ­Migrant_innen und Geflüchtete als zentrale Akteur_innen bei der Abfederung der massiven Folgen des demogra­ fischen Wandels mitzudenken. Hier gibt es einige konkrete Stellschrauben, die erfolgreich(er) eingestellt werden ­können und am Ende einen echten Mehrwert für alle Seiten liefern: für die Unternehmen und damit den Wirtschaftsstandort Deutschland, aber vor allem auch für die Migrant_ innen und Geflüchteten selbst, die – unter Voraussetzung rechtskonformer Arbeitsbedingungen und angemessener Bezahlung – auf dem deutschen Arbeitsmarkt häufig ­bessere Chancen für sich und ihre Familien sehen als auf dem ihrer Herkunftsländer. Dass das(noch) so ist, ist ein Glücksfall für ein Deutschland im rapiden demografischen Wandel.  Susan Javad Abteilung Analyse, Planung und Beratung Friedrich-Ebert-Stiftung FRIEDRICH-EBERT-STIFTUNG 3 ZENTRALE ERGEBNISSE Anzahl von Migrant_innen und Geflüchteten in Fachkraftberufen ist gestiegen Insgesamt hatten 2020 über 4 Millionen sozialversicherungspflichtig Beschäftigte in Deutschland keine deutsche Staatsangehörigkeit. Dies ist ein Anstieg von über 75 Prozent gegenüber 2013. Etwa 1,9 Millionen der Migrant_innen waren in Fachkraftberufen beschäftigt, für die üblicherweise eine berufliche oder schulische Ausbildung erforderlich ist. Die Anzahl Geflüchteter in sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung auf Fachkraftniveau hat sich zwischen 2013 und 2020 etwa verfünffacht. Insgesamt waren 2020 gut 315.000 Geflüchtete in sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung, davon über 120.000 in Fach­ kraftberufen. Dies liegt maßgeblich an dem gestiegenen Anteil von Geflüchteten an der Gesamtbevölkerung in Deutschland seit 2015. Mit gut 8.000 Beschäftigten waren im Jahr 2020 die meisten Geflüchteten auf Fachkraft­ niveau in der Gastronomie beschäftigt, gefolgt von der Lagerwirtschaft mit gut 7.600 beschäftigten Fachkräften. Insgesamt machte der Anteil der Geflüchteten in diesen Fachkraftberufen 2,7 beziehungsweise 1,8 Prozent aller Beschäftigten aus. Selbst im Krisenjahr 2020 stieg die ­Anzahl der in Fachkraftberufen beschäftigten Geflüchteten, obwohl sie überproportional häufig in den von der Corona-Pandemie stark betroffenen Dienstleistungsbe­ rufen beschäftigt waren, in denen überwiegend Beschäftigungsverluste zu verzeichnen waren. Dies ist als Indiz ­dafür zu werten, dass viele Qualifizierungs- und Integrationsmaßnahmen erfolgreich verlaufen sind und immer mehr Geflüchtete ihren Weg auf den deutschen Arbeitsmarkt finden. Anteil der migrantischen Beschäftigten in Engpassberufen nähert sich dem der deutschen Beschäftigten über die vergangenen Jahre an, allerdings mit einem starken Abfall im Jahr 2020 Im Jahr 2019 waren 52,0 Prozent aller deutschen Beschäftigten in Fachkraftberufen tätig, in denen Fachkräfteengpässe bestanden. Das ist ein Anstieg um 27,3 Prozentpunkte seit 2013. Im gleichen Zeitraum stieg der Anteil der beschäftigten Migrant_innen in Engpassberufen von 19,2 auf 49,4 Prozent und der Geflüchteten von 14,9 auf 42,2 Prozent. Hierbei lässt sich erkennen, dass sich der Beschäftigten­ anteil in Engpassberufen von Deutschen und Migrant_innen von 2013 bis 2019 stark angenähert hat. Lag die Differenz zwischen Deutschen(24,7 Prozent) und Migrant_innen (19,2 Prozent) im Jahr 2013 noch bei 5,5 Prozentpunkten, reduzierte diese sich bis zum Jahr 2019 auf 2,6 Prozentpunkte. Die Differenz zwischen Deutschen und Geflüchteten lag 2013 und 2019 ähnlich hoch. Im Jahr 2020 sank der Anteil der Beschäftigten in Engpassberufen in allen drei Gruppen deutlich, was auf den Corona-bedingten Rückgang der Anzahl an Engpassberufen zurückzuführen ist. Allerdings sind die Effekte bei den Gruppen unterschiedlich. Während bei den Deutschen der Anteil der Beschäftigten in Engpassberufen um 13,2 Prozentpunkte auf 38,9 Prozent gesunken ist, betrug der Rückgang bei Migrant_innen 20,9 Prozentpunkte und bei Geflüchteten 19,8 Prozentpunkte. Grund dafür ist, dass Geflüchtete und Migrant_innen häufig in klassischen Dienstleistungsberufen beschäftigt sind, die aufgrund der gesunkenen Fachkräftenachfrage im Jahr 2020 nicht mehr als Engpassberufe galten. Migrant_innen und Geflüchtete leisten einen ­zunehmend wichtigen Beitrag zur Besetzung von ­offenen Stellen in Engpassberufen In vielen Engpassberufen leisten Migrant_innen und Geflüchtete einen wichtigen und wachsenden Beitrag zur ­Besetzung von angebotenen offenen Stellen. So hatten in der Altenpflege 2020 bereits 8,2 Prozent aller Beschäftigten auf Fachkraftniveau eine nichtdeutsche Staatsangehörigkeit. Dieser Anteil lag 2013 bei lediglich 4,2 Prozent und ist seitdem kontinuierlich gestiegen. Auch in der Gesundheits- und Krankenpflege hatte 2020 jede zwölfte Fachkraft eine ausländische Staatsangehörigkeit. Dieser Anteil hat sich seit 2013 verdoppelt. In der Bauelektrik verfügte 2020 etwa jede_r achte Beschäftigte über eine ausländische Staatsangehörigkeit(2013: 5,3 Prozent). Bei den Sanitär-, Heizungs- und Klimatechniker_innen hatten über zehn Prozent der Beschäftigten eine ausländische Staatsangehörigkeit(2013: 4,7 Prozent). Die hier genannten Fachkraft­ berufe sind jene mit den zahlenmäßig größten Fachkräftelücken bundesweit. Gesunkene Ausbildungsnachfrage wurde durch Migrant_innen und Geflüchtete teilweise abgefedert In den vergangenen Jahren stieg die Zahl der Ausbildungsanfänger_innen mit nichtdeutscher Staatsangehörigkeit bis 2018 kontinuierlich. Lediglich von dem Jahr 2018 auf das Jahr 2019 gab es einen leichten Rückgang von 2,3 Prozent. Im Jahr 2019 gab es fast 60.000 neu abgeschlossene Ausbildungsverträge von Jugendlichen mit nichtdeutscher Staatsangehörigkeit, also doppelt so viel wie noch im Jahr 2009 mit circa 30.000 Verträgen. Die Zahl der Ausbildungsanfänger_innen mit einer Staatsange­ hörigkeit eines der Top-8-Asylherkunftsländer hat sich sogar verzwanzigfacht, von circa 1.000 im Jahr 2009 auf fast 21.000 im Jahr 2019. Somit konnten Migrant_innen und Geflüchtete den Rückgang der Neuabschlüsse von 77.000 unter den Personen mit deutscher Staatsangehörigkeit zumindest teilweise, wenn auch nicht komplett, abfedern. Für die Besetzung von Ausbildungsstellen und die Sicherung des Fachkräftenachwuchses spielen Menschen nichtdeutscher Staatsangehörigkeit somit eine zunehmend wichtige Rolle. 4 OHNE SIE GEHT NICHTS MEHR  NOVEMBER 2021  FES diskurs Immer mehr Geflüchtete und Migrant_innen beginnen eine Ausbildung in Engpassberufen Im Jahr 2019 haben mehr als zwei von drei geflüchteten Ausbildungsanfänger_innen(68,6 Prozent) eine Ausbildung in einem Engpassberuf begonnen. Bei den Migrant_ innen waren es 62,4 Prozent und bei den deutschen Ausbildungsanfänger_innen lediglich 57,9 Prozent. Somit leisten Migrant_innen und Geflüchtete einen wichtigen und überdurchschnittlichen Beitrag zur langfristigen Sicherung der Fachkräftebedarfe, insbesondere in den am Arbeitsmarkt stark nachgefragten Berufen. Dass über alle Jahre hinweg anteilig mehr Migrant_innen und Geflüchtete eine Ausbildung in Engpassberufen beginnen als deutsche Ausbildungsanfänger_innen, kann entweder daran liegen, dass hier die Konkurrenzsituation auf dem Ausbildungsmarkt geringer ist und so auch migrantische Jugendliche bessere Chancen auf einen Ausbildungsplatz haben oder weil hier die Anforderungen von Betrieben und die Kompetenzen der Bewerber_innen besser zusammenpassen. Immer mehr Geflüchtete beginnen eine Ausbildung generell Geflüchtete üben nach ihrem Zuzug zunächst vermehrt einfache Tätigkeiten aus. 54,6 Prozent aller sozialversicherungspflichtig beschäftigten Geflüchteten waren im ersten Jahr nach ihrem Zuzug als Helfer_innen tätig. Dies liegt zum einen an deren unsicherer Bleibeperspektive, aber auch an vor allem anfangs noch mangelnden Sprachkenntnissen. Mit zunehmender Aufenthaltsdauer sinkt der Anteil in Helfer- und Anlerntätigkeiten von 55 auf 40 Prozent nach vier Jahren. Gleichzeitig steigt der Anteil der Geflüchteten, die eine Tätigkeit auf Fachkraftniveau, also auf dem Niveau einer abgeschlossenen Berufsausbildung, ausüben. 2019 hat mehr als jedes zehnte Unternehmen Geflüchtete im Rahmen einer dualen Ausbildung beschäftigt. Dies ist ein Anstieg von knapp drei Prozentpunkten im Vergleich zu 2016. Syrer_innen stellen die größte Gruppe unter den nichtdeutschen Ausbildungsanfänger_innen Die größte Gruppe der nichtdeutschen Ausbildungsanfänger_ innen im Jahr 2019 stellten Personen mit syrischer Nationalität mit über 8.000 neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen. Dies ist sicherlich durch den hohen Anteil der syrischen Geflüchteten der großen Fluchtmigration der Jahre 2015 und 2016 zu begründen. Die Gruppe der Syrer_­ innen stellte im Jahr 2019 mit knapp einer dreiviertel ­Million Personen etwa sieben Prozent an allen nichtdeutschen Staatsangehörigen. Nachdem die ersten Jahre im Zeichen des Ankommens und des Sprachelernens standen, kommen damit nun immer mehr Geflüchtete auf dem Ausbildungsmarkt an. FRIEDRICH-EBERT-STIFTUNG 5 1 FRAGESTELLUNG DER STUDIE UND AUSGANGSLAGE Diese Studie untersucht den quantitativen Beitrag von Migrant_innen und Geflüchteten für die Deckung von Fachkräftebedarfen in Berufen mit vorausgegangener(dualer) Ausbildung in Deutschland. Konkret möchte die Studie darüber Auskunft geben, welche Anteile diese Personengruppen mittlerweile auf dem deutschen Arbeitsmarkt in diesen Berufen ausmachen und von welchem zukünftigen Trend ausgegangen werden kann. Um den ersten Teil ­dieser Frage zu beantworten, wurden aktuelle Arbeitsmarktdaten ausgewertet. Für die Beantwortung des zweiten Teils wurden Daten zu neu abgeschlossenen Ausbildungsver­ trägen herangezogen. Denn die Auszubildenden von heute sind die Fachkräfte von morgen. Kapitel 2 gibt einen ­detaillierten Einblick in verwendete Daten und Methodik. In diesem Kapitel werden aber zunächst die Rahmenbe­ dingungen, die für die Bearbeitung der Fragestellung der Studie eine wesentliche Rolle spielen, dargestellt. So wird die bereits seit Längerem bestehende Problematik des Fachkräftemangels auf dem deutschen Arbeitsmarkt, ebenso wie die erheblichen Auswirkungen der globalen Corona-­ Pandemie auf den Untersuchungszeitraum thematisiert. Auch werden im Folgenden zentrale Begrifflichkeiten definiert und erläutert. Als Fachkraftberuf gelten in dieser Studie alle Berufe, die innerhalb der„Klassifikation der Berufe 2010“ der Bundesagentur für Arbeit(BA) dem Anforderungsniveau 2 zugeordnet sind(vgl. Tabelle 1). Diese Berufe sind komplexer als Helfertätigkeiten und stärker fachlich ausgerichtet. Für ihre Ausübung wird normalerweise eine abgeschlossene zwei- bis dreijährige Berufsausbildung benötigt. Dazu gehören duale Berufsaus­ bildungen, aber auch schulische Ausbildungen an einer Berufsfachschule. Unter einer Fachkraft verstehen wir in dieser Studie eine Person, die in einem Fachkraftberuf arbeitet. Im allgemeinen Sprachgebrauch bezeichnet der Begriff Personen, welche über eine formale Qualifikation(in der Regel mindestens eine zweijährige Ausbildung) verfügen. Da aus den Beschäftigtendaten der BA nicht hervorgeht, ob und welche Ausbildung eine Person absolviert hat, beschreibt der Begriff„Fachkraft“ hier also Personen, die in einem Fachkraftberuf arbeiten, unabhängig davon, ob sie tatsächlich über eine entsprechende formale Qualifikation verfügen. Ein Engpassberuf ist ein Beruf, in dem in einer Region weniger als 100 passend qualifizierte Arbeitslose auf 100 offene Stellen kommen. Es können also rein rechnerisch nicht alle Stellen besetzt werden. (Duale) Berufsausbildung: Eine duale Ausbildung bezeichnet eine Ausbildung, die nach Berufsbildungs­ gesetz oder Handwerksordnung durchgeführt wird, zum Beispiel Koch/Köchin oder Industriemechaniker_in. Eine Berufsausbildung allgemein bezeichnet aber auch Ausbildungen an Berufsfachschulen oder Berufskollegs, zum Beispiel Krankenpfleger_in. Dies sind häufig die Abschlüsse, die auf Niveau 3 oder 4 des deutschen Qualifikationsrahmens zu finden sind. Der Begriff Migrant_innen umfasst in dieser Studie Personen mit ausschließlich nichtdeutscher Staatsangehörigkeit. Personen, die zusätzlich zu einer ausländischen Staatsangehörigkeit auch eine deutsche Staatsangehörigkeit besitzen, werden in den Statistiken als Deutsche gezählt. Die Abgrenzung erfolgt rein auf Basis der Nationalität einer Person, unabhängig davon, ob die Person tatsächlich eigene Migrationserfahrung hat. Die Angaben zu den Nationalitäten der Beschäftigten basieren auf Angaben der Arbeitgeber_innen. Der Begriff Geflüchtete beschreibt Personen mit Nationalitäten der Top-Acht-Asylherkunftsländer(gegenwärtig Afghanistan, Eritrea, Irak, Iran, Nigeria, Pakistan, Somalia und Syrien) und damit eine Teilgruppe der Migrant_innen. Diese Nationalitäten wurden von der Bundesagentur für Arbeit festgelegt. Es handelt sich um die Nationalitäten, von denen zwischen 2012 und April 2015 die meisten Asylerstanträge stammten. Sie weisen eine hohe Übereinstimmung mit im Kontext von Fluchtmigration nach Deutschland gekommenen Personen auf(BA 2021b: 5). Die Abgrenzung erfolgt rein auf Basis der Nationalität einer Person, unabhängig ­davon, ob die Person tatsächlich eine Fluchterfahrung hat. Die Angaben zu den Nationalitäten der Beschäftigten basieren auf Angaben der Arbeitgeber_innen. 6 OHNE SIE GEHT NICHTS MEHR  NOVEMBER 2021  FES diskurs 1.1 FACHKRÄFTEMANGEL UND AUSWIRKUNGEN DER CORONA-PANDEMIE AUF DEN ARBEITS- UND AUSBILDUNGSMARKT Der Fachkräftemangel stellt ein immer größeres Wirtschaftshemmnis für deutsche Unternehmen dar. In den nächsten Jahren wird dieser sich durch den demografischen Wandel und den Renteneintritt der geburtenstarken Jahrgänge der Babyboomer-Generation zunehmend verstärken. Nach Berechnungen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufs­ forschung führt die demografische Alterung isoliert betrachtet, also ohne Zuwanderung und höhere Erwerbsbeteiligung, zu einer Reduktion des Erwerbspersonenpotenzials von ca. 330.000 Menschen, jeweils im Jahr 2020 und 2021 (Bauer et al. 2020: 9). Zwar führte die Corona-Pandemie zu wesentlichen Veränderungen auf dem deutschen Arbeitsmarkt, vor allem bei der Zahl der Arbeitslosen. Diese stieg von Januar bis Dezember 2020 um etwa 22 Prozent(BA 2021a: 17). ­Dennoch bleiben viele Stellen schwer zu besetzen. Von diesen waren Ende des Jahres 2020 51,4 Prozent in Berufen mit Fachkräfteengpässen ausgeschrieben(Jansen/Hickmann 2021a: 4). Auch der Ausbildungsmarkt musste 2020 durch die ­Corona-Pandemie erhebliche Einbußen hinnehmen. Das Ausbildungsplatzangebot im Rahmen der dualen Berufsausbildung sank im Vergleich zum Vorjahr um über 50.000 Stellen auf rund 530.000 Angebote. Gleichzeitig nahm auch die Ausbildungsplatznachfrage um rund 53.000 Jugendliche auf knapp 546.000 Bewerber_innen ab(Oeynhausen et al. 2021: 3). Hierdurch kam es zu immer größeren Passungsproblemen, das heißt Angebot und Nachfrage fanden immer schwieriger zusammen. Im Vergleich zu 2019 stieg die ­Anzahl der unbesetzten Ausbildungsstellen um 6.800 Stellen auf knapp 60.000 Stellen. Auf Bewerbendenseite waren zum 30.9.2020 noch gut 78.000 Jugendliche ohne Ausbildungsplatz. Mit 467.500 neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen sank die Anzahl erstmals unter 500.000(Oeynhausen et al. 2021: 29). Mit knapp zwölf Prozent Rückgang des Ausbildungsplatzangebotes lag der größte Rückgang in Industrie und Handel(Statistisches Bundesamt 2021c). Allerdings sind die Herausforderungen des Ausbildungsmarkts nicht allein auf die Corona-Pandemie zurückzuführen. Auch steigende Studierendenzahlen führen zu einem Rückgang der Ausbildungsplatznachfrage(Statistisches Bundesamt 2021d: 9). Die Zahl der schwer zu besetzenden Fachkraftberufe ist bis zum Jahr 2019 deutlich gestiegen. Lagen 2010 in nur 25 Berufsgattungen auf Fachkraftniveau Engpässe vor, waren es 2019 184 Berufsgattungen. Durch den Stellenrückgang aufgrund der Corona-Pandemie ist die Anzahl 2020 auf 122 Berufsgattungen gesunken. Nach der Krise ist allerdings wieder ein Anstieg der Fachkräfteengpässe zu erwarten. Die Reduktion der Engpassberufe ist damit als temporär und der Corona-Pandemie geschuldet zu bewerten. Die Ver­ mutung liegt nahe, dass nach der Krise in vielen Bereichen Aufholeffekte stattfinden werden und sowohl die offenen Stellen als auch die Beschäftigungszahlen wieder steigen dürften. Die Corona-Pandemie wird aller Voraussicht nach nur einen kurzfristigen Rückgang des Fachkräftemangels herbeiführen. Stattdessen kann sie sogar gegenteilige Effekte auslösen. So warnt Detlef Scheele, Vorstandsvorsitzender der BA, vor einer Verschärfung des Fachkräftemangels durch die Corona-Pandemie, da die EU-Zuwanderung insbesondere durch Einreisebeschränkungen deutlich zurückgegangen sei(Handelsblatt 2021). 1.2 SITUATION VON MIGRANT_INNEN UND GEFLÜCHTETEN AUF DEM DEUTSCHEN ­ARBEITSMARKT Die Zahl der Migrant_innen in Deutschland ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen. Im Jahr 2020 gab es rund 11,4 Millionen Personen mit nichtdeutscher Staatsangehörigkeit in Deutschland, mehr als jede_r Zehnte (13,2 Prozent) davon ist allerdings in Deutschland geboren. Auch im Jahr 2020 ist die Zahl trotz Corona-Pandemie um 1,8 Prozent gestiegen(Statistisches Bundesamt 2021e). Insgesamt hatten 2020 über 4 Millionen der sozialver­ sicherungspflichtig beschäftigten Personen in Deutschland keine deutsche Staatsangehörigkeit, über 300.000 von ihnen stammten aus den Top-8-Asylherkunftsländern. Im Vergleich zu 2013 ist die Zahl sozialversicherungspflichtig beschäftigter Migrant_innen um über 75 Prozent gestiegen, die Zahl der geflüchteten Beschäftigten hat sich fast verfünffacht. Etwa 1,9 Millionen Migrant_innen waren 2020 in Fachkraftberufen, also in Berufen, in denen in der Regel eine(duale) Ausbildung vorausgesetzt wird, tätig. Davon stammten über 120.000 aus den Hauptasylherkunftsländern. Deutschland ist aufgrund sinkender Geburtenzahlen und der Abnahme der arbeitsfähigen Bevölkerung auf eine qualifizierte Fachkräfteeinwanderung aus dem Ausland angewiesen(Handelsblatt 2021). Um die Arbeitsmigration aus dem außereuropäischen Ausland zu erleichtern, hat die Bundesregierung im Rahmen des Migrationspakets das Fachkräfteeinwanderungsgesetz verabschiedet, welches zum 1.3.2020 in Kraft getreten ist. Pandemiebedingt hat das ­Gesetz bis jetzt keine großen quantitativen Effekte erzielen können. Deutschland ist damit mehr denn je darauf an­ gewiesen, dass die Integration von Menschen mit ausländischen Wurzeln, die bereits im Land leben, gelingt. Die Integration erwies sich in den vergangenen Jahren allerdings nicht immer als Selbstläufer. Denn trotz vieler Bemühungen während dieser Zeit verfügen Menschen mit Migrationshintergrund 1 häufiger als Deutsche ohne Migrationshintergrund über keinen allgemeinbildenden Schulabschluss und sind stärker von Arbeitslosigkeit betroffen ­ als Menschen ohne Migrationsgeschichte(Statistisches Bundesamt 2019a: 32; Statistisches Bundesamt 2019b). 1 Zur Bevölkerung mit Migrations­hintergrund zählen alle Personen, die die deutsche Staats­angehörigkeit nicht durch Geburt besitzen oder die mindestens ein Elternteil haben, auf das dies zutrifft. Damit haben alle Migrant_innen(Personen mit nicht-deutschem Pass) einen Migrations­ hintergrund. Aber nicht alle Personen mit Migrationshintergrund sind notwendigerweise Migrant_innen. FRIEDRICH-EBERT-STIFTUNG 7 Während 2019 die Erwerbslosenquote bei Personen ohne Migrationshintergrund deutschlandweit bei 2,4 Prozent lag, waren anteilig mehr als doppelt so viele(5,4 Prozent) Menschen mit Migrationshintergrund erwerbslos(Statis­ tisches Bundesamt 2020a: 51). Durch die Corona-Krise kam es zu einem Anstieg der Arbeitslosenquoten. Von diesem Anstieg sind Migrant_innen und Geflüchtete besonders betroffen. Während die Quote bei Deutschen bis Oktober 2020 um 1,1 Prozentpunkte auf 5,7 Prozent gestiegen ist, stieg sie für Migrant_ innen um 2,9 Prozentpunkte auf 14,9 Prozent und die der Geflüchteten um 4,0 Prozentpunkte auf 36,5 Prozent(BA 2021c: 17). Der hohe Anstieg der Arbeitslosigkeit bei Geflüchteten könnte unter anderem damit zusammenhängen, dass sie oft nur über befristete Verträge verfügen, häufiger in Zeitarbeit arbeiten oder in krisenanfälligen Branchen wie der Gastronomie beschäftigt sind(BA 2020: 11). Menschen ohne deutsche Staatsangehörigkeit spielen auch auf dem Ausbildungsmarkt eine wichtige Rolle. Nachdem der Anteil der migrantischen Auszubildenden seit Mitte der 1990er Jahre stark zurückgegangen war, hat sich der Trend seit dem Jahr 2007 wieder deutlich umgekehrt. Mit einem Anteil von 10,7 Prozent(etwa 142.000 Auszubildenden) hat dieser 2019 seinen bisherigen Höhepunkt erreicht(DAZUBI 2020). Ursache hierfür dürfte auch der deutliche Anstieg von geflüchteten Auszubildenden sein. Migrantische Auszubildende waren in der Vergangenheit dabei am häufigsten in den freien Berufen(2018: 14,5 Prozent) sowie im Handwerk(2018: 13,1 Prozent) anzutreffen. Im Handwerk hat sich der Anteil migrantischer Auszubildender seit 2012 sogar verdoppelt. Hingegen verfügten 2018 nur 3,3 Prozent aller Auszubildenden im öffentlichen Dienst und 3,1 Prozent in der Landwirtschaft über eine ausländische Staatsangehörigkeit(BIBB 2020: 103). Insgesamt ist die Anzahl an Ausbildungsbewerber_innen seit Jahren rückläufig. Unternehmen haben immer größere Schwierigkeiten, ihre Ausbildungsstellen zu besetzen. Gleichzeitig stieg der Zugang in die Ausbildung von Personen mit nichtdeutscher Staatsangehörigkeit von 2009 bis 2019 fast kontinuierlich. 2019 gab es knapp 60.000 neu abgeschlossene Ausbildungsverträge von Jugendlichen mit nichtdeutscher Staatsangehörigkeit, während es im Jahr 2009 noch ca. 30.000 Verträge waren(DAZUBI 2020). Die Zahl der Personen mit einer Staatsangehörigkeit eines Top-8-­ Asylherkunftslandes hat sich sogar verzwanzigfacht, von ca. 1.000 im Jahr 2009 auf fast 21.000 im Jahr 2019. Somit konnten Migrant_innen und Geflüchtete den Rückgang der Neuabschlüsse von 77.000 zwischen 2009 und 2019 unter den Personen mit deutscher Staatsangehörigkeit zumindest teilweise, wenn auch nicht komplett, abfedern. Allerdings zeigten sich die Corona-Auswirkungen besonders bei Personen mit nichtdeutscher Staatsangehörigkeit. Laut Statistischen Bundesamt schlossen 2020 gut 52.000 Personen mit ausländischer Staatsangehörigkeit einen neuen Ausbildungsvertrag ab. Dies waren 12,6 Prozent ­weniger als im Vorjahr(Statistisches Bundesamt 2021c). Auch bei den geflüchteten Bewerber_innen führte die ­Corona-Pandemie zu einem Rückgang der Zahlen. Im Jahr 2020 gab es lediglich 33.200 Bewerber_innen im Kontext der Fluchtmigration. Allgemein bekommen Geflüchtete und Migrant_innen die Auswirkungen der Corona-Pandemie besonders zu spüren, auch auf dem Arbeitsmarkt. Kurzarbeit und wirtschaftliche Unsicherheit führen zu einer Zurückhaltung bei der Einstellungsbereitschaft vieler Unternehmen(KOFA 2020: 4). Erste Erfahrungen zeigen, dass insbesondere die Bereitschaft der Unternehmen, Geflüchtete einzustellen, im Zuge der Corona-Pandemie sank ­(Falkenhain et al. 2020). So hat auch die Arbeitslosigkeit von Geflüchteten während der Corona-Pandemie deutlich zugenommen(BA 2021c: 17). Ein weiterer Grund: Geflüchtete arbeiten häufiger in Branchen, in denen sich die Krise ­besonders stark auswirkt, zum Beispiel im Gastgewerbe (BA 2020: 11; KOFA 2020: 4). Kernziel der Studie ist es, den Beitrag von Geflüchteten und Migrant_innen zur Fachkräftesicherung zu identifizieren. Dabei wird die duale Berufsausbildung als zentraler Kanal der Nachwuchssicherung besonders intensiv betrachtet. Das nächste Kapitel beschreibt zunächst die genutzten Daten und die Methodik. Kapitel 3 geht auf die aktuellen Fachkräfteengpässe ein und beschreibt, in welchen Berufen und Regionen nicht genügend Fachkräfte vorhanden sind. Kapitel 4 beschreibt, in welchen Berufen Migrant_­ innen und Geflüchtete beschäftigt sind und welchen Beitrag sie so zur Fachkräftesicherung leisten. Kapitel 5 und 6 ­fokussieren auf den Zugang in die Ausbildung, also welche Bedarfe bestehen und für welche Ausbildungsberufe Mi­ grant_innen sich entscheiden. Kapitel 7 vergleicht die einzelnen Bundesländer, Kapitel 8 schließt ein zusammenfassendes Fazit und Kapitel 9 endet mit Handlungsempfehlungen für Wirtschaft und Politik sowie den schulischen Bereich. 8 OHNE SIE GEHT NICHTS MEHR  NOVEMBER 2021  FES diskurs 2 DATEN UND METHODIK Im folgenden Kapitel werden die in der Studie verwendeten Datensätze sowie die Methodik beschrieben. Um den Beitrag von Migrant_innen und Geflüchteten zur Fachkräftesicherung in Fachkraftberufen zu analysieren, werden mehrere Datenquellen verwendet. Die Beschäftigtenstatistik der BA gibt Auskunft darüber, in welchen Berufen Mi­ grant_innen und Geflüchtete beschäftigt sind. Die IW-Fachkräftedatenbank liefert Informationen über Fachkräfteengpässe in einzelnen Berufsgattungen. Die Studie untersucht allerdings nicht nur, in welchen B­ erufen Migrant_innen und Geflüchtete beschäftigt sind, sondern auch, für welche Ausbildungsberufe sie sich entscheiden. Dafür werden sowohl die neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge als auch die gemeldeten Bewerber_­innen analysiert. Für alle verwendeten Datensätze gibt es bestimmte Voraussetzungen. Zum einen müssen sie beruflich differenzierbar sein, sodass beispielsweise die Beschäftigung in bestimmten Berufen zu dem Fachkräftebedarf in diesen ­Berufen gematcht werden kann. Außerdem müssen, zumindest bei den personenbezogenen Daten, Migrant_innen und Geflüchtete zumindest annähernd differenziert werden können. Dies wird über die Nationalität erreicht. Datenquellen, die einerseits eine ausreichende berufliche Differenzierung ermöglichen und gleichzeitig Informationen über Flucht- und/oder Migrationserfahrung verfügen, sind nicht vorhanden. Daher werden die Gruppen Geflüchtete und Migrant_innen über die Nationalität approximiert, das heißt konkret: Aus der Staatsbürgerschaft wird eine Zu­ ordnung zur jeweiligen Gruppe abgeleitet. Migrant_innen sind in dieser Studie als Personen mit ausschließlich nichtdeutscher Staatsangehörigkeit definiert. Der Begriff ­„Geflüchtete“ beschreibt Personen mit Nationalitäten der ­Top-8-Asylherkunftsländer(gegenwärtig Afghanistan, Eritrea, Irak, Iran, Nigeria, Pakistan, Somalia und Syrien). Personen, die zusätzlich zu einer ausländischen Staatsangehörigkeit auch die deutsche Staatsangehörigkeit besitzen, werden in den Statistiken als Deutsche gezählt. Alle vier Datenquellen werden im Folgenden beschrieben. A. DATEN ZU SOZIALVERSICHERUNGSPFLICHTIG BESCHÄFTIGTEN DER BESCHÄFTIGUNGSSTATISTIK DER BUNDESAGENTUR FÜR ARBEIT Um zu wissen, in welchen Berufen Migrant_innen und ­Geflüchtete beschäftigt sind, wird die Beschäftigungsstatistik der BA verwendet. Dort enthalten sind alle in Deutschland sozialversicherungspflichtig Beschäftigten. Grundlage der Statistik bildet das Melde­verfahren zur Sozialversicherung, in das alle Arbeitnehmer_innen einbezogen sind, die der Kranken- oder Rentenversicherungspflicht oder der Versicherungspflicht nach dem Sozialgesetzbuch(SGB) III unter­ liegen. Auf Basis der ­Meldungen zur Sozialversicherung durch die Betriebe wird vierteljährlich(stichtagsbezogen) mit sechs Monaten Wartezeit der Bestand an sozialversicherungspflichtig und geringfügig Beschäftigten ermittelt. Dort gibt es Informationen zu den Beschäftigten nach der Klassifikation der Berufe 2010(KldB 2010) der BA auf Ebene der 5-Steller(BA 2011). Die fünfte Stelle der KldB 2010 gibt das Anforderungsniveau des Berufes an. Das Anforderungsniveau einer Stelle beschreibt die Qualifikation, die zur Ausübung der Tätigkeit typischerweise erforderlich ist(Tabelle 1). TAB. 1 Anforderungsniveaus Anfor­ derungsniveau 1 2 3 4 Bezeichnung Typische Qualifikation Helfer_innen ohne formale Berufsqualifikation Fachkräfte Berufsausbildung(mindestens zweijährig) Spezialist_innen Expert_innen Fortbildungsabschluss(z. B. Meister_in, Techniker_in, Fachwirt_in) oder Bachelor Diplom, Master oder Promotion Quelle: IW-Darstellung auf Basis von BA 2011. Das Anforderungsniveau 2 umfasst Tätigkeiten, die typischerweise von einer Fachkraft mit Berufsausbildung ausgeführt werden. Die vorliegende Analyse betrachtet ausschließlich Berufsgattungen auf Anforderungsniveau 2, sogenannte Fachkraftberufe. Darüber hinaus sollte beachtet werden, dass die Zuordnung zwischen den Berufsgattungen der KldB 2010 (5-Steller) und den Ausbildungsberufen eine sogenannte „n zu n“-Zuordnung ist. Das bedeutet, es können zu einer Berufsgattung innerhalb der KldB 2010 mehrere Ausbildungsberufe gehören beziehungsweise ein Ausbildungsberuf je nach Fachrichtung in unterschiedliche Berufsgattungen zugeordnet werden. Beispielsweise werden die Ausbildungsberufe Fräser_in und Zerspanungsmechaniker_in beide der Berufsgattung„Berufe in der spanenden Metallbearbeitung“ zugeordnet. Der Ausbildungsberuf Gießerei­ mechaniker_in hingegen wird je nach Fachrichtung entweder der Berufsgattung„Berufe in der industriellen Gießerei“ oder der Berufsgattung„Berufe in der handwerklichen Metall- und Glockengießerei“ zugeordnet. In vielen Fällen FRIEDRICH-EBERT-STIFTUNG 9 gibt es allerdings eine eindeutige Zuordnung. Es sei ­zudem darauf hingewiesen, dass sich die Berufsgattungen der KldB 2010 teilweise aus mehreren Einzelberufen zusammensetzen, die jedoch nicht weiter differenziert werden können. B. FACHKRÄFTEDATENBANK DES INSTITUTS DER DEUTSCHEN WIRTSCHAFT Um zu wissen, in welchen Berufen Fachkräfteengpässe herrschen, wird die Fachkräftedatenbank des Instituts der deutschen Wirtschaft(IW) genutzt. Die Fachkräftedatenbank speist sich wiederum aus verschiedenen Datenquellen, berechnet darüber hinaus allerdings für jeden Beruf anhand einer eigens entwickelten Methodik verschiedene Indikatoren für die Fachkräfteengpässe. In dieser Studie ­werden Berufe in Engpassberufe und Nichtengpassberufe unterteilt. Ein Engpass liegt dann vor, wenn nicht genügend passend qualifizierte Arbeitslose für die offenen Stellen in einem Beruf vorhanden sind. Die Fachkräftelücke gibt in absoluten Zahlen an, wie viele passend qualifizierte Arbeitslose in einem Beruf rechnerisch fehlen, um alle offenen Stellen besetzen zu können. Sie ist die Differenz aus offenen Stellen und passend qualifizierten Arbeitslosen. Gibt es mehr Arbeitslose mit dem entsprechenden Profil als offene Stellen, ist die Fachkräftelücke null. Dabei muss berücksichtigt werden, dass eine Fachkräftelücke von null keineswegs bedeutet, dass tatsächlich alle Betriebe ohne Weiteres ihre Stellen besetzen können. Die Berechnung der Fachkräftelücke für Deutschland setzt zum Beispiel volle Mobilität voraus, aber nicht jede_r ist bereit, für einen Job den Standort zu wechseln. Außerdem gibt es über den Zielberuf hinaus auch weitere qualifikatorische Anforderungen der Betriebe, beispielsweise Sprachkenntnisse, bestimmte Softskills oder Programmierkenntnisse. So kann es auch sein, dass Betriebe ihre Stellen trotz des Vorhandenseins von Arbeitslosen mit dem entsprechenden Zielberuf nicht besetzen können. Damit gibt die Fachkräftelücke, die sich rein rechnerisch ergibt, nur einen Mindestwert für die tatsächliche Lücke, mit der Betriebe konfrontiert sind, an. Dies muss bei der Interpretation der Fachkräftelücke berücksichtigt werden. Für die Berechnungen werden Daten zu gemeldeten Stellen und registrierten Arbeitslosen der BA auf der Ebene der Berufsgattungen nach der KldB 2010 genutzt. Während bei den Arbeitslosen eine Vollerhebung vorliegt, werden nicht alle offenen Stellen bei der BA gemeldet. Zur Hochrechnung der offenen Stellen werden deshalb Informationen zu Meldequoten, das heißt zu dem Anteil der gemeldeten an allen offenen Stellen, aus der IAB-Stellenerhebung einbezogen. Die Meldequote für Fachkräfte und Spezialist_innen lag zuletzt bei etwa 50 Prozent, die für Expert_innen bei etwa 30 Prozent. Gemeldete Zeitarbeitsstellen wurden nur etwa zur Hälfte b­ erücksichtigt, da ­diesen nicht immer eine reale Arbeitskräftenachfrage gegenübersteht. Die genaue Methodik kann in Burstedde et al. (2020: 22–30) nachgelesen werden. C. DATENSYSTEM AUSZUBILDENDE(DAZUBI) DES BUNDESINSTITUTS FÜR BERUFSBILDUNG AUF BASIS DER DATEN DER BERUFSBILDUNGSSTATISTIK DER STATISTISCHEN ÄMTER DES BUNDES UND DER LÄNDER(ERHEBUNG ZUM 31.12.) Um die Einmündung in die Ausbildung zu analysieren, werden die Daten zu den neu abgeschlossenen Ausbildungs­ verträgen herangezogen. Das Bundesinstitut für Berufsbildung(BIBB) erhält gemäß§ 88 Berufsbildungsgesetz(BBiG) die Daten der Berufsbildungsstatistik der statistischen Ämter des Bundes und der Länder(Erhebung zum 31.12.). Die Auszubildenden-Daten der Berufsbildungsstatistik sowie verschiedene Berufsmerkmale und Berechnungen werden in der„Datenbank Auszubildende“(DAZUBI) des BIBB geführt. Diese Quelle liefert Daten zu den neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen. Für die Zahl der Auszubildenden gilt eine reine Stichtagsabgrenzung. Es werden alle neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge gezählt, die ­zwischen 1.1. und 31.12. abgeschlossen wurden(Erfassungszeitraum) und am 31.12. noch bestanden haben(Stichtagsabgrenzung). Diese beiden Indikatoren sind auf Ebene der Bundesländer, KldB-5-Steller und Nationalitäten verfügbar. Die Daten werden von den zuständigen Stellen gesammelt und an die entsprechenden statistischen Landesämter weiterge­ leitet. Zu den zuständigen Stellen gehören gemäß§71 BBiG die Industrie- und Handwerkskammern und weitere Berufskammern, wie zum Beispiel Ärztekammern. Ihnen werden durch das BBiG wichtige Aufgaben innerhalb des dualen Systems zugewiesen, zum Beispiel die Durchführung der Abschlussprüfung. Darüber hinaus sind die zuständigen Stellen auskunftspflichtig. Weitere Informationen zu diesem Datensatz werden vom BIBB und dem Statistischen Bundesamt zur Verfügung gestellt. Die Daten liegen für die Jahre 2008 bis 2019 vor. Für die vorliegende Studie wurden sowohl exklusive Sonder­auswertungen des BIBB zu den neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen in den 16 Bundesländern von Deutschen, Ausländer_innen und Geflüchteten benutzt als auch die im Internet zur Verfügung stehenden Quellen (DAZUBI 2020). D. STATISTIK DES AUSBILDUNGSSTELLENMARKTS ZU GEMELDETEN BEWERBER_­ INNEN UND AUSBILDUNGSSTELLEN DER BUNDESAGENTUR FÜR ARBEIT Schließlich wird noch analysiert, ob sich Migrant_innen und Geflüchtete eher für Engpassberufe oder Nichtengpass­ berufe bewerben. Dafür wird die Statistik des Ausbildungsstellenmarkts zu gemeldeten Bewerber_innen und Aus­ bildungsstellen der BA genutzt. Dort sind, im Gegensatz zu den neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen, auch diejenigen enthalten, die zwar gern eine Ausbildung begonnen hätten, aber keinen Platz bekommen haben. Somit kann diese Statistik das Interesse von Migrant_innen und Geflüchteten an Engpassberufen besser beschreiben. 10 OHNE SIE GEHT NICHTS MEHR  NOVEMBER 2021  FES diskurs 3 FACHKRÄFTEBEDARFE IM ÜBERBLICK Das folgende Kapitel gibt einen Überblick über die Berufe mit den größten bundesweiten Fachkräftelücken und somit großen Beschäftigungspotenzialen. Zudem werden die regionalen Engpässe bestimmt und der Anteil der Stellen dargestellt, für die es keine passend qualifizierten Arbeitslosen gibt. ABB. 1 Top-10-Engpassberufe 2020 mit den größten bundesweiten Fachkräftelücken auf An­ forderungsniveau 2 der KldB 2010 3.1 BERUFE MIT HOHEN FACHKRÄFTE­ BEDARFEN Im Jahr 2020 hat sich infolge der Corona-Pandemie innerhalb beinahe aller Engpassberufe die Fachkräftelücke verringert. Hauptursache hierfür ist die gesunkene Nachfrage nach neuen Mitarbeitenden der Unternehmen seit Ausbruch der Corona-Krise im März 2020(Jansen/Hickmann 2021a: 3). Abbildung 1 stellt die Engpassberufe mit den größten bundesweiten Fachkräftelücken 2020 dar sowie die Fachkräftelücke in den jeweiligen Berufen in den Vorjahren 2019 und 2018. Die Fachkräftelücke beschreibt die Anzahl an offenen Stellen, für die es keine passend qualifizierten Arbeitslosen gibt. Die Zahl der Berufsgattungen auf Fachkraftniveau, in denen am Arbeitsmarkt Engpässe vorlagen, ist bis 2019 deutlich gestiegen. Lagen 2010 in nur 25 solcher Berufsgattungen Engpässe vor, waren es 2019 184 Berufsgattungen. Durch den Stellenrückgang während der Corona-Krise hat sich diese Zahl 2020 auf 122 Berufsgattungen verringert, wobei dieser Effekt als temporär zu bewerten ist. Die meisten rein rechnerisch nicht zu besetzenden offenen Stellen gab es im Jahr 2020 mit über 18.000 im Bereich der Altenpflege, gefolgt von der Bauelektrik mit knapp 14.000 nicht zu besetzenden Stellen(vgl. Abbildung 1). Im Bereich der Gesundheits- und Krankenpflege gab es 2020 über 13.000 nicht zu besetzende offene Stellen. Hier machte sich der pandemiebedingte Stellenrückgang erwartungs­ gemäß am wenigsten bemerkbar. In vielen dieser Engpassberufe leisteten Migrant_innen und Geflüchtete vermehrt einen wichtigen Beitrag zur ­Besetzung der offenen Stellen. In der Altenpflege wurden 2020 8,2 Prozent aller Stellen auf Fachkraftniveau durch Menschen mit nichtdeutscher Staatsangehörigkeit besetzt. Dieser Anteil lag 2013 bei lediglich 4,2 Prozent und ist seitdem kontinuierlich gestiegen. Auch in der Gesundheitsund Krankenpflege hatte jede zwölfte Fachkraft eine ausländische Staatsangehörigkeit. Dieser Anteil hat sich seit Personenanzahl 0 Altenpflege Bauelektrik Gesundheits- und Krankenpflege Sanitär-, Heizungsund Klimatechnik Kinderbetreuung und-erziehung Elektrische Betriebstechnik Kraftfahrzeugtechnik Steuerberatung Mechatronik Zahnmedizinische Fachangestellte 5.000 10.000 15.000 20.000 18.464 20.756 21.268 13.877 17.239 17.919 13.358 13.446 12.646 10.636 12.560 12.786 9.392 10.669 9.484 6.795 10.500 10.310 6.239 13.636 15.076 4.305 4.465 4.006 3.972 6.382 7.117 3.499 5.103 4.528 Fachkräftelücke 2020 Fachkräftelücke 2019 Fachkräftelücke 2018 Hinweis: Jahresdurchschnitte, Berufe sind entsprechend der Engpässe für 2020 von oben nach unten angeordnet. Quelle: IW-Berechnung auf Basis von Sonderauswertungen der BA und des IAB 2021. 2013 verdoppelt. In der Bauelektrik verfügte 2020 mehr als jede_r achte Beschäftigte über eine ausländische Staats­ angehörigkeit(2013: 5,3 Prozent). Bei den Sanitär-, Heizungsund Klimatechniker_innen hatten über zehn Prozent der Beschäftigten eine ausländische Staatsangehörigkeit(2013: 4,7 Prozent). FRIEDRICH-EBERT-STIFTUNG 11 Über alle Berufe und Anforderungsniveaus hinweg lag der Anteil der Migrant_innen an allen Beschäftigten in Deutschland im Jahresdurchschnitt 2020 bei 12,7 Prozent. Dabei muss allerdings berücksichtigt werden, dass der ­Anteil von Migrant_innen mit 29,7 Prozent besonders unter Helfer_innen, also der Qualifikationsstufe unterhalb des Fachkraftniveaus, hoch war. Bei Fachkräften, die eine Ausbildung durchlaufen haben, lag der Anteil bei 10,5 Prozent, bei akademisch qualifizierten Expert_innen betrug er 9,2 Prozent. Bei Spezialist_innen, also in Berufen, die normalerweise mit einem Meister-, Techniker- oder Bachelorabschluss erreicht werden, belief sich der Anteil auf 6,4 Prozent. Dabei ist der Anteil von Migrant_innen an allen ­Beschäftigten in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen. Im Jahr 2013 lag er noch bei 7,9 Prozent. Selbst von 2019 auf 2020 ist der Anteil, trotz der massiven Effekte der Corona-Pandemie auf den Arbeitsmarkt, um 0,4 Prozentpunkte gestiegen. 3.2 REGIONALE VERTEILUNG DER FACHKRÄFTEENGPÄSSE Obwohl es im Jahresdurchschnitt 2020 deutlich weniger Fachkräfteengpässe als noch 2019 gab, war es auch 2020 in vielen Regionen Deutschlands schwer, alle offenen Stellen zu besetzen. Die durchschnittliche Stellenüberhangsquote in Fachkraftberufen in Deutschland lag 2020 bei 23,4 Prozent. Die Stellenüberhangsquote beschreibt den Anteil der offenen Stellen, für die es keine passend qualifizierten Arbeitslosen gibt, an allen offenen Stellen. Das heißt, dass es für knapp ein Viertel der offenen Stellen nicht genügend qualifizierte Arbeitslose gab. Dabei gibt es durch unterschiedliche wirtschaftliche und soziale Strukturen große Unterschiede zwischen den Bundesländern. Während es in Berlin lediglich für 12,6 Prozent aller offenen Stellen auf Fachkraftniveau keine geeigneten Arbeitslosen gab, lag der Anteil in Bayern bei 36,1 Prozent. In den südniedersächsischen Arbeitsagenturbezirken Nordhorn und Vechta war die Stellenüberhangsquote mit 56,5 beziehungsweise 56,4 Prozent deutschlandweit am höchsten(Abbildung 2). Für mehr als jede zweite offene Stelle auf Fachkraftniveau gab es hier keine passend qualifizierten Arbeitslosen. Auch in Nordbayern lag die Stellenüberhangsquote mit 56,2 Prozent in Ansbach-Weißenburg, 54,7 Prozent in Würzburg und 51,7 Prozent in Schweinfurt deutlich über dem Bundesdurchschnitt. Genauso wie im osthessischen Hanau und Bad Hersfeld mit einer Stellenüberhangsquote von 51,7 beziehungsweise 50,6 Prozent. Hingegen gab es in Köln nur für 9,6 Prozent der offenen Stellen keine geeigneten arbeitslosen Fachkräfte. Auch im Ruhrgebiet ist die Anzahl der Stellen, für die es nicht ge­ nügend passend qualifizierte arbeitslose Fachkräfte gab, im bundesweiten Vergleich gering. 12 OHNE SIE GEHT NICHTS MEHR  NOVEMBER 2021  FES diskurs ABB. 2 Stellenüberhangsquote 2020 – Arbeitsagenturbezirke (in Prozent) >_ 60 % <_ 60 % <_ 50 % <_ 40 % <_ 30 % <_ 20 % <_ 10 % Emden Flensburg Neumünster Kiel Lübeck Heide Elmshorn Stade Hamburg Bad Oldesloe Schwerin Stralsund Rostock Greifswald Neubrandenburg Oldenburg Bremen Lüneburg Eberswalde Nordhorn Vechta Nienburg Celle Hannover Helmstedt Stendal Neuruppin Berlin Frankfurt (Oder) Coesfeld Rheine Osnabrück Herford AhlenMünster Bielefeld Detmold Hameln Hildesheim Braunschweig Halberstadt Magdeburg Bernburg Potsdam Dessau Wesel RE Hamm G DU O E BO DO Krefeld MG Hagen ME D SG Iserlohn Meschede Paderborn Göttingen Sangerhausen Nordhausen Halle L Kassel Gotha Weißenfels Oschatz Aachen BG Köln Bonn Siegen Korbach Marburg Brühl Neuwied Suhl Limburg Gießen Bad Hersfeld Erfurt Jena Altenburg Zwickau Freiberg C Annaberg Plauen Riesa Cottbus DD Pirna Koblenz Montabaur Hanau BH Wiesbaden F Schweinfurt Bayreuth OF Trier Bamberg AschaffenBad Kreuznach Mainz burg Würzburg Weiden Darmstadt Saarland Kaiserslautern MA LU Heidelberg Schwäbisch Hall Fürth Nürnberg Schwandorf Landau Karlsruhe Heilbronn LB Waiblingen Offenburg Nagold Stuttgart Göppingen Reutlingen Aalen Ansbach Regensburg Deggendorf Donauwörth Ingolstadt Landshut Augsburg Freising Passau Freiburg Ballingen Rottweil Lörrach Ulm Konstanz Kempten München Weilheim Rosenheim Traunstein Bautzen Hinweis: Die Stellenüberhangsquote beschreibt den Anteil der offenen Stellen, für die es keine passend qualifizierten Arbeitslosen gibt, an allen offenen Stellen; Jahresdurchschnitt 2020. Quelle: IW-Berechnung auf Basis von Sonderauswertungen der BA und des IAB 2021. FRIEDRICH-EBERT-STIFTUNG 13 4 BEITRAG VON MIGRANT_INNEN UND GEFLÜCHTETEN ZUR DECKUNG DER FACHKRÄFTEBEDARFE Dieses Kapital analysiert, in welchen Fachkraftberufen Mi­ grant_innen und Geflüchtete besonders stark vertreten sind. Es zeigt jene Berufe auf, in denen im Jahr 2020 durchschnittlich die meisten Migrant_innen beschäftigt waren. Zudem wird die Engpassrelation, also das Verhältnis, wie viele passend qualifizierte Arbeitslose 100 offenen Stellen gegenüberstehen, in den jeweiligen Berufen untersucht. Zudem wird die Entwicklung des Anteils aller Migrant_innen und Geflüchteten in Engpassberufen – auch im Vergleich zu deutschen Staats­ bürger_innen – über die vergangenen Jahre analysiert. 4.1 MIGRANT_INNEN UND GEFLÜCHTETE IN FACHKRAFTBERUFEN Zum Jahresende 2020 lebten insgesamt knapp 11,4 Millionen Menschen mit einer ausländischen Staatsangehörigkeit in Deutschland(Statistisches Bundesamt 2021f). Insgesamt sind circa 4,1 Millionen Menschen mit ausschließlich nichtdeutscher Staatsangehörigkeit sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Insbesondere die Zahl der Menschen aus Asylherkunftsländern hat sich durch die historisch große Flüchtlingsmigration der Jahre 2015 und 2016, in deren Verlauf mehr als 1,2 Millionen Schutzsuchende nach Deutschland gekommen sind, deutlich erhöht(BAMF 2020: 11). Dabei sind die in Deutschland lebenden Menschen mit ausländischer Staatsangehörigkeit eine sehr heterogene Gruppe. Viele von ihnen haben keine eigene Migrationserfahrung, sondern leben schon lange in Deutschland. Von den 11,4 Millionen in Deutschland lebenden Migrant_innen sind 13,2 Prozent in Deutschland geboren. 4,3 Millionen leben schon länger als 15 Jahre in Deutschland. Lediglich 2,7 Millionen Menschen sind erst in den vergangenen vier Jahren nach Deutschland gekommen(Statistisches Bundesamt 2021g; Statistisches Bundesamt 2021h). Rund die Hälfte der Geflüchteten, die seit 2013 nach Deutschland gekommen sind, geht fünf Jahre nach ihrer Zuwanderung einer Beschäftigung nach(Brücker et al. 2020: 8). Nachdem die ersten Jahre in Deutschland für viele Geflüchtete maßgeblich durch Antragsverfahren, Integrationskurse und andere Sprachkurse geprägt waren, kommen sie nun nach und nach auf dem Arbeitsmarkt an. Studien zeigen, dass Geflüchtete nach ihrem Zuzug zunächst häufig einfache Tätigkeiten ausüben. 54,6 Prozent aller sozialversicherungspflichtig beschäftigten Geflüchteten waren im ersten Jahr nach ihrem Zuzug als Helfer_innen tätig. Dies liegt zum einen an der unsicheren Bleibeperspektive der Geflüchteten, aber auch an den mangelnden Sprachkenntnissen(Kosyakova 2020: 18f.). Mit zunehmender Aufenthaltsdauer sinkt der Anteil in Helfer- und Anlerntätigkeiten von 55 auf 40 Prozent nach vier Jahren. Gleichzeitig steigt vor allem der Anteil der Geflüchteten, die auf Fachkraftniveau, also auf dem Niveau einer abgeschlossenen Berufsausbildung, arbeiten. 2019 hat mehr als jedes zehnte Unternehmen Geflüchtete im Rahmen einer dualen Ausbildung beschäftigt. Dies ist ein Anstieg von knapp drei Prozentpunkten im Vergleich zu 2016 (Heuer/Pierenkemper 2020: 8). Natürlich hat die Corona-Pandemie Einfluss auf die Arbeitsmarktsituation von Migrant_innen und Geflüchteten. Kurzarbeit und wirtschaftliche Unsicherheit führen zu einer Zurückhaltung bei der Einstellungsbereitschaft vieler Unternehmen. Dies bekommen insbesondere Geflüchtete zu spüren(Heuer/Pierenkemper 2020: 6). Erste Erfahrungen zeigen, dass die Bereitschaft der Unternehmen, Geflüchtete einzustellen, im Zuge der Corona-Pandemie sank(Falkenhain et al. 2020). In der Folge hat auch die Arbeitslosigkeit von Geflüchteten während der Corona-Pandemie zugenommen (BA 2021c: 17). Ein weiterer Grund: Geflüchtete arbeiteten häufiger in Branchen, in denen sich die Krise besonders stark auswirkte, zum Beispiel im Gastgewerbe(KOFA 2020: 4). Beicht/Walden(2019: 11, 22) zeigen außerdem, dass sich migrantische Jugend­liche häufig für Berufe mit einem höheren Sozialprestige interessieren. Hierzu gehören auch Dienstleistungsberufe, die besonders stark durch die Auswirkungen der Corona-Pandemie betroffen waren(Jansen/ Hickmann 2021a: 3), was auch zu einem überdurchschnittlichen Anstieg der Arbeitslosigkeit von Migrant_innen ­geführt haben könnte. Tabelle 2 zeigt jene Fachkraftberufe auf, in denen im Jahr 2020 durchschnittlich die meisten Migrant_innen beschäftigt waren. Zudem enthält sie die jeweilige Engpassrelation der Jahre 2020 und 2019, also das Verhältnis, wie viele passend qualifizierte Arbeitslose 100 offenen Stellen gegenüberstehen. Mit knapp 133.000 Beschäftigten hatten insgesamt 23,6 Prozent aller Berufskraftfahrer_innen ­(Güterverkehr/Lkw) eine ausländische Staatsangehörigkeit. 2019 war dieser Beruf noch ein Engpassberuf – deutschlandweit standen im Durchschnitt lediglich 56 arbeitslose Berufskraftfahrer_innen 100 offenen Stellen gegenüber. Diese Engpassrelation hat sich im Jahr 2020 fast verdoppelt, es gibt also mehr potenzielle Bewerbende pro offene Stelle. Dies liegt maßgeblich an der pandemiebedingten gesunkenen Anzahl der offenen Stellen. 14 OHNE SIE GEHT NICHTS MEHR  NOVEMBER 2021  FES diskurs TAB. 2 Top-10-Fachkraftberufe mit den meisten beschäftigten Migrant_innen inklusive Engpassrelation 2019 und 2020 Berufsgattung nach KldB 2010 Berufskraftfahrer_innen (G ü te r ve r ke h r/ Lk w) Gastronomieservice(o. S.) Verkauf (ohne Produktspezialisierung) Büro-, Sekretariatskräfte(o. S.) Lagerwirtschaft Kaufm., techn. Betriebswirt_innen(o. S.) Gesundheits-, Krankenpflege(o. S.) Köche/Köchinnen(o. S.) Fahrzeugführer_innen Straßenverkehr(s. s. T) Maschinen-, Gerätezusammen­setzer_ innen Anzahl beschäftigter Migrant_innen 132.888 91.105 87.740 76.999 76.829 53.849 51.019 46.601 4 4. 010 41.629 Anteil Migrant_innen an allen Beschäftigten 23,6% 31,1% 10,6% 5,0% 17,6% 5,9% 8,0% 25,2% 28,2% 21,0% Engpassrelation 2020 109 133 169 402 162 245 24 148 970 726 Engpassrelation 2019 56 103 115 287 117 147 21 73 665 530 Hinweis: Jahresdurchschnitt 2020; Engpässe in Rot, o. S.: ohne Spezialisierung; s. s. T: sonstige spezifische Tätigkeitsangabe. Dies umfasst unterschiedliche spezialisierte Tätigkeiten innerhalb der Berufsgruppe, z. B. Fahrradkurier_innen innerhalb der Fahrzeugführer_innen im Straßenverkehr. Quelle: IW-Berechnung auf Basis von Sonderauswertungen der BA und des IAB 2021. Gut 91.000 Fachkräfte im Gastronomieservice verfügten 2020 über eine ausländische Staatsangehörigkeit, was knapp jede_n dritte_n Beschäftigte_n ausmacht. Auch hier hat sich die Engpasssituation im Zuge der Corona-Pandemie entspannt. Aktuell kommen auf 100 offene Stellen 133 passend qualifizierte Arbeitslose. Allerdings stieg nach Beendigung des Lockdowns die Nachfrage nach qualifiziertem Gastronomiepersonal stark an(Hickmann/Malin 2021: 3), sodass in der Zukunft wieder Engpässe auftreten könnten. Besonders knapp bemessen ist die Fachkräftesituation im Bereich der Gesundheits- und Krankenpflegefachkräfte. Zuletzt gab es deutschlandweit für drei von vier offenen Stellen keine passend qualifizierten Arbeitslosen. Mit gut 51.000 Migrant_innen verfügte 2020 jede zwölfte Gesundheitsund Krankenpflegefachkraft über eine nichtdeutsche Staatsangehörigkeit. Neben Berufen mit in absoluten Zahlen besonders vielen beschäftigten Migrant_innen gibt es Berufe, in denen der Anteil der Migrant_innen an allen Beschäftigten besonders hoch ist. Spitzenreiter waren hier die Berufe der System­ gastronomie und des Fassadenbaus mit einem Migrant_innen­ anteil von 47,5 Prozent respektive 46,0 Prozent. Die Berufsbereiche, in denen Migrant_innen und Geflüchtete auf Fachkraftniveau arbeiten, unterscheiden sich deutlich von jenen, in denen höher qualifizierte Migrant_ innen tätig sind. Akademiker_innen mit nichtdeutscher Nationalität sind in großer Zahl in der Forschung und Entwicklung sowie der Medizin tätig. Im Jahr 2020 arbeiteten über 40.000 Migrant_innen in der Hochschullehre und -forschung sowie als Ärzt_innen und über 30.000 in der Softwareentwicklung. Auf Spezialistenniveau, also mit ­Fortbildungs- oder Bachelorabschluss, sind über 20.000 Migrant_innen in leitender Position in der Unternehmensorganisation tätig, ebenso arbeiten viele von ihnen im Vertrieb sowie Marketing, Buchhaltung oder Informatik. Auch kann angenommen werden, dass viele Migrant_innen und Geflüchtete, die auf Fachkraftniveau beschäftigt sind, formal über eine Qualifikation verfügen, die sie für eine Beschäftigung auf Spezialisten- oder Expertenniveau qualifizieren würde. Denn ein Migrationshintergrund erhöht die Wahrscheinlichkeit, unterhalb des eigenen Qualifikationsniveaus zu arbeiten, noch stärker als Geschlecht oder Bildungsstatus der Eltern(Kracke 2016: 196). FRIEDRICH-EBERT-STIFTUNG 15 TAB. 3 Top-10-Fachkraftberufe mit den meisten beschäftigten Geflüchteten inklusive Engpassrelation 2019 und 2020 Berufsgattung Gastronomieservice(o. S.) Lagerwirtschaft Verkauf (ohne Produktspezialisierung) Fahrzeugführer_innen Straßenverkehr(s. s. T) Objekt-, Werte-, Personenschutz Post- und Zustelldienste Gebäudereinigung Friseurgewerbe Köche/Köchinnen(o. S.) Berufskraftfahrer_innen(Pers./PKW) Anzahl beschäftigte Geflüchtete 8.043 7. 6 4 4 6.678 6.563 5.604 4.74 4 4.129 3.462 3.269 2.716 Anteil Geflüchteter an allen Beschäftigten 2,7% 1,8% 0,8% 4,2% 3,0% 3,2% 4,0% 3,1% 1,8% 3,1% Engpassrelation 2020 133 162 169 970 128 180 172 116 148 582 Engpassrelation 2019 103 117 115 665 455 70 132 74 73 230 Hinweis: Jahresdurchschnitt 2020; Engpässe in Rot, o. S.: ohne Spezialisierung; s. s. T: sonstige spezifische Tätigkeitsangabe. Dies umfasst unterschiedliche spezialisierte Tätigkeiten innerhalb der Berufsgruppe, z. B. Fahrradkurier_innen innerhalb der Fahrzeugführer_innen im Straßenverkehr. Quelle: IW-Berechnung auf Basis von Sonderauswertungen der BA und des IAB 2021. Die Anzahl Geflüchteter in sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung auf Fachkraftniveau hat sich zwischen 2013 und 2020 mehr als verfünffacht. Dies liegt maßgeblich am gestiegenen Anteil von Geflüchteten an der Gesamtbevölkerung in Deutschland. Viele der Berufe mit den meisten beschäftigten Geflüchteten sind Berufe, in denen auch allgemein die meisten Migrant_innen arbeiten, wie der Vergleich von Tabelle 2 und Tabelle 3 zeigt. Auch geflüchtete Fachkräfte sind besonders häufig in von der Corona-Pandemie stark betroffenen Dienstleistungsberufen beschäftigt(vgl. Tabelle 2). Über alle Qualifikationsniveaus hinweg arbeiteten die meisten von ihnen 2020 allerdings in den Bereichen Verkehr, ­Logistik, Schutz und Sicherheit(37,0 Prozent) sowie Rohstoffgewinnung, Produktion und Fertigung(25,8 Prozent). Ebenso sind viele in den Bereichen kaufmännische Dienstleistungen, Warenhandel, Vertrieb, Hotel und Tourismus (11,7 Prozent) sowie im Bereich Gesundheit, Soziales und Lehre(11,1 Prozent) beschäftigt. Dies entspricht auch un­ gefähr der Tätigkeit der Geflüchteten vor ihrer Fluchterfahrung. So waren 27,8 Prozent zuvor im Bereich der Rohstoffgewinnung, Produktion und Fertigung beschäftigt und 23,1 Prozent im Bereich kaufmännische Dienstleistungen und Unternehmensorganisation(Kosyakova 2020: 12). Mit gut 8.000 Beschäftigten sind die meisten Geflüchteten auf Fachkraftniveau in der Gastronomie beschäftigt, gefolgt von der Lagerwirtschaft mit gut 7.600 beschäftigten Fachkräften. Insgesamt macht der Anteil der Geflüchteten in diesen Fachkraftberufen 2,7 beziehungsweise 1,8 Prozent aller Beschäftigten aus. Zu den Berufen, in denen der Anteil Geflüchteter an allen Beschäftigten am größten ist, aber die absoluten Zahlen geringer, gehören beispielsweise die Fachkraftberufe der Systemgastronomie(8,7 Prozent). 4.2 MIGRANT_INNEN UND GEFLÜCHTETE IN ENGPASSBERUFEN Die gestiegene Anzahl an Engpassberufen auf Fachkraftniveau innerhalb der Jahre 2013 bis 2019 führte automatisch auch zu einem gestiegenen Anteil der Beschäftigten in ­Engpassberufen. Verfügten 2013 61 aller Berufsgattungen über durchschnittlich weniger als 100 passend qualifizierte Arbeitslose für 100 offene Stellen, hat sich die Anzahl bis 2019 auf 184 Berufsgattungen erhöht. Im Jahr 2020 sank die Anzahl der Engpassberufe auf Fachkraftniveau erstmalig wieder auf 122 Berufsgattungen, was vor allem der CoronaKrise und ihren Effekten auf den Arbeitsmarkt geschuldet war. Es gab allerdings auch schon vor der Corona-Pandemie einen leichten konjunkturellen Abschwung der Auswirkungen auf die Engpasssituation in einigen industriellen Berufen hatte. Trotz gesunkener Fachkräfteengpässe spielen Migrant_innen und Geflüchtete für die Fachkräftesicherung, gerade in Engpassberufen, eine wichtige Rolle. So waren im Jahr 2019 52,0 Prozent aller deutschen Beschäftigten in Fachkraftberufen in Engpassberufen tätig. Dies ist ein Anstieg um 27,3 Prozentpunkte seit 2013. Im 16 OHNE SIE GEHT NICHTS MEHR  NOVEMBER 2021  FES diskurs ABB. 3 Der Anteil Beschäftigter in Engpassberufen an allen Beschäftigten der jeweiligen Gruppen im Zeitverlauf(in Prozent) 60 50 40 30 20 10 0 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 38,9 28,5 22,3 2020 Deutsche Migrant_innen Geflüchtete Hinweis: Engpassberufe des jeweiligen Jahres; Jahresdurchschnitte, in Prozent. Quelle: IW-Berechnung auf Basis von Sonderauswertungen der BA und des IAB 2021. gleichen Zeitraum stieg der Anteil der beschäftigten Migrant_ innen in Engpassberufen von 19,2 auf 49,4 Prozent und der Geflüchteten von 14,9 auf 42,2 Prozent. Der Beschäftigtenanteil in Engpassberufen von Deutschen und Migrant_ innen hat sich im Zeitraum 2013 bis 2019 also stark angenähert. Lag die Differenz zwischen Beschäftigten in Engpassberufen zwischen Deutschen(24,7 Prozent) und Migrant_ innen(19,2 Prozent) 2013 noch bei 5,5 Prozentpunkten, reduzierte sich diese Differenz im Jahr 2019 auf 2,6 Prozentpunkte, also um mehr als die Hälfte. Die Differenz zwischen Deutschen und Geflüchteten lag 2013 und 2019 mit rund zehn Prozentpunkten ähnlich hoch, hatte sich jedoch kurzzeitig 2015, im Zuge deutlich gestiegener Flüchtlingszahlen, auf 15,8 Prozentpunkte erhöht. Im Jahr 2020 sank der Anteil der Beschäftigten in Engpassberufen in allen drei Gruppen deutlich, was auf den Corona-bedingten Rückgang der Anzahl an Engpassberufen zurückzuführen ist(siehe Abbildung 3). Allerdings sind die Effekte bei den Gruppen unterschiedlich. Während bei den Deutschen der Anteil der Beschäftigten in Engpassberufen um 13,2 Prozentpunkte auf 38,9 Prozent gesunken ist, betrug der Rückgang bei Migrant_innen 20,9 Prozentpunkte und bei Geflüchteten 19,8 Prozentpunkte. Dies ist damit zu erklären, dass Geflüchtete und Migrant_innen häufig in klassischen Dienstleistungsberufen beschäftigt waren, die aufgrund der gesunkenen Fachkräftenachfrage im Jahr 2020 keine Engpassberufe mehr waren. FRIEDRICH-EBERT-STIFTUNG 17 5 AUSBILDUNGSBEDARFE IM ÜBERBLICK Für eine nachhaltige Fachkräftesicherung spielt die Ausbildung in Deutschland eine entscheidende Rolle. Anders als bei einem Studium steht die berufliche Ausbildung zumindest formal allen Jugendlichen offen, da es gesetzlich keine schulischen Zugangsvoraussetzungen gibt. Knapp 70 Prozent aller offenen Stellen für beruflich oder akademisch Qualifizierte waren im Dezember 2020 für Fachkräfte mit abgeschlossener Berufsausbildung ausgeschrieben (IW-Berechnung auf Basis von BA-Daten). Dabei sind etwa 62 Prozent aller offenen Stellen für Fachkräfte mit Berufsausbildung in Engpassberufen ausgeschrieben und somit schwer zu besetzen. Durch die Corona-Krise sind Angebot und Nachfrage auf dem Ausbildungsmarkt im Jahr 2020 deutlich zurückgegangen, beide befanden sich auf einem historischen Tiefpunkt. Auch die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge ist von 2019 nach 2020 um 11,0 Prozent gesunken(Jansen/Hickmann 2021b: 17). Zudem herrschten noch Passungsprobleme am Ausbildungsmarkt, da die Berufswünsche der Jugendlichen häufig nicht mit dem Angebot der Unternehmen übereinstimmten. Einige Ausbildungsberufe weisen einen besonders hohen Anteil an unbesetzten Ausbildungsplätzen am Angebot auf. Spitzenreiter waren hier 2020 der Verkauf von Fleischwaren mit 60,8 Prozent unbesetzten Ausbildungsstellen am Angebot sowie die Fleischerei mit 46,5 Prozent. Weitere Berufe mit Besetzungsproblemen waren beispielsweise Kanalbauer_innen oder Fachkräfte in der Baustoffherstellung(Jansen/Hickmann 2021b: 15). Einer der zentralen Faktoren für den Zugang zu einer betrieblichen Ausbildungsstelle ist die regionale Ausbildungsmarktlage. Deutschlandweit existieren erhebliche regionale und lokale Unterschiede hinsichtlich der Nachfrage nach und Besetzung von Ausbildungsstellen. Dies liegt zum einen an regional unterschiedlich ausgeprägten Wirtschaftsstrukturen und zum anderen daran, dass Betriebe eigenständig darüber entscheiden, ob sie ausbilden und wie viele Ausbildungsstellen sie anbieten. Gleichzeitig sind unterschiedliche Ausbildungsberufe unterschiedlich attraktiv für Ausbildungsplatzsuchende und werden entsprechend unterschiedlich stark nachfragt. Dies führt zu einem Ungleichgewicht zwischen Ausbildungsplatzangebot und-nach­ frage und hat zur Folge, dass es Regionen gibt, in denen es in manchen Berufen viel mehr Stellen als Ausbildungsin­ teressierte gibt und in anderen deutlich mehr Bewerbende als Stellen. Regionale Unterschiede zeigen sich zum Beispiel im Süden Deutschlands, wo im Aggregat eher ein Bewerbendenmangel herrscht, während in anderen Regionen eher Ausbildungsplätze fehlen. So blieb im Arbeitsagenturbezirk Deggendorf zum 30.9.2020 mit 21,4 Prozent mehr als jede fünfte bei der BA gemeldete Ausbildungsstelle unbesetzt. Auch in Freising, Schwandorf oder Weilheim lag dieser Anteil noch über 20 Prozent. Häufig gibt es auch in Ostdeutschland einen Bewerbendenmangel. Der Arbeitsagenturbezirk Altenburg-Gera war bundesweiter Spitzenreiter, hier blieb knapp ein Viertel(24,5 Prozent) aller gemeldeten Ausbildungsstellen unbesetzt. Auch in Potsdam und Greifswald blieben 20,3 beziehungsweise 19,8 Prozent aller gemeldeten Ausbildungsstellen unbesetzt. Die wenigsten unbesetzten gemeldeten Ausbildungsstellen gab es in Kassel mit gerade einmal 10,0 beziehungsweise 0,3 Prozent. 18 OHNE SIE GEHT NICHTS MEHR  NOVEMBER 2021  FES diskurs ABB. 4 Anteil unbesetzter Ausbildungsstellen an allen gemeldeten Stellen – Arbeitsagenturbezirke (in Prozent) >_ 30 % <_ 30 % <_ 20 % <_ 10 % Flensburg Emden Neumünster Kiel Lübeck Heide Elmshorn Stade Hamburg Bad Oldesloe Schwerin Stralsund Rostock Greifswald Neubrandenburg Oldenburg Bremen Lüneburg Eberswalde Nordhorn Vechta Nienburg Celle Hannover Helmstedt Stendal Neuruppin Berlin Frankfurt (Oder) Coesfeld Rheine Osnabrück Herford AhlenMünster Bielefeld Detmold Hameln Hildesheim Braunschweig Halberstadt Magdeburg Bernburg Potsdam Dessau Wesel RE Hamm G DU O E BO DO Krefeld MG Hagen ME D SG Iserlohn Meschede Paderborn Göttingen Nordhausen Sangerhausen Halle Oschatz L Kassel Gotha Weißenfelde Aachen BG Köln Bonn Siegen Korbach Marburg Brühl Neuwied Suhl Limburg Gießen Bad Hersfeld Erfurt Jena Altenburg Zwickau Freiberg C Annaberg Plauen Riesa Cottbus DD Pirna Koblenz Montabaur Hanau BH Wiesbaden F Schweinfurt Bayreuth OF Trier Bamberg AschaffenBad Kreuznach Mainz burg Würzburg Weiden Darmstadt Saarland Kaiserslautern MA LU Heidelberg Schwäbisch Hall Fürth Nürnberg Schwandorf Landau Karlsruhe Heilbronn LB Waiblingen Offenburg Nagold Stuttgart Göppingen Reutlingen Aalen Ansbach Regensburg Deggendorf Donauwörth Ingolstadt Landshut Augsburg Freising Passau Freiburg Ballingen Rottweil Lörrach Ulm Konstanz Kempten München Weilheim Rosenheim Traunstein Bautzen Hinweis: Stichtag 30.9.2020. Quelle: IW-Berechnung auf Basis von Sonderauswertungen der BA 2021. FRIEDRICH-EBERT-STIFTUNG 19 6 MIGRANT_INNEN UND GEFLÜCHTETE IN DER DUALEN AUSBILDUNG Um den Beitrag von Migrant_innen und Geflüchteten in Fachkraftberufen zu identifizieren, wird im Folgenden ihr Zugang in die Ausbildung untersucht. Konkret bedeutet dies, der Frage nachzugehen, in welchem Maße migrantische Auszubildende in die Berufsausbildung einmünden und welche Berufe bevorzugt von Migrant_innen und Geflüchteten gewählt werden. In den vergangenen Jahren stieg der Zugang in die Ausbildung von Personen mit nichtdeutscher Staatsangehörigkeit bis 2018 kontinuierlich. Im Jahr 2019 gab es fast 60.000 neu abgeschlossene Ausbildungsverträge von Jugendlichen mit nichtdeutscher Staatsangehörigkeit und damit leicht weniger als im Jahr 2018 mit etwas über 61.000. Im Jahr 2009 waren es noch lediglich circa 30.000 Jugendliche. Damit hat sich die Anfängerzahl der migrantischen Jugendlichen in der dualen Ausbildung innerhalb von zehn Jahren verdoppelt. Die Zahl der Personen mit einer Staatsangehörigkeit eines Asylherkunftslandes hat sich sogar verzwanzigfacht, von circa 1.000 im Jahr 2009 auf fast 21.000 im Jahr 2019. Somit konnten Migrant_innen und Geflüchtete den Rückgang von 77.000 Neuabschlüssen unter den Personen mit deutscher Staatsangehörigkeit zumindest teilweise, wenn auch nicht komplett, abfedern. Im Jahr 2019 gab es insgesamt 513.309 neu abgeschlossene Ausbildungsverträge. Davon waren 59.658(11,6 Prozent) Abschlüsse von Migrant_innen, also Personen mit nichtdeutscher Staatsangehörigkeit. Die größte Gruppe der nichtdeutschen Ausbildungsanfänger_innen im Jahr 2019 stellten Personen mit syrischer Nationalität dar, mit 8.010 neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen(vgl. Abbildung 5). Die ist sicherlich durch den hohen Anteil syrischer Geflüchteter während der großen Fluchtmigration 2015 und 2016 zu erklären. Die Gruppe der Syrer_innen stellte im Jahr 2019 bundesweit etwa sieben Prozent an allen nichtdeutschen Staatsangehörigen(Statistisches Bundesamt 2020d). Nachdem die ersten Jahre im Zeichen des Ankommens und des Sprachelernens standen, kommen nun immer mehr Geflüchtete auf dem Ausbildungsmarkt an. Die zweitgrößte Gruppe bilden Auszubildende mit türkischer Staatsangehörigkeit. Türkische Staatsbürger_innen stellten mit knapp 13 Prozent 2019 den größten Anteil in Deutschland lebender nichtdeutscher Staatsangehöriger dar(Statistisches Bundesamt 2020d). ABB. 5 Top-10-Nationalitäten bei neu abgeschlosse­ nen Ausbildungsverträgen(nach neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen) 0 Syrien 2.000 4.000 6.000 4.794 8.000 10.000 8.010 7.953 Türkei 6.918 8.280 9.582 Afghanistan 6.444 7.371 6.012 Italien 2.835 3.033 3.228 2.427 Irak 2.247 1.464 Polen 2.112 2.124 1.884 Kosovo 2.064 2.088 1.875 Rumänien 1.446 1.290 1.128 Griechenland 1.359 1.413 1.500 Iran, Islamische Republik 1.353 1.308 807 2019 2018 2017 Quelle:„Datenbank Auszubildende“ des BIBB auf Basis der Daten der Berufsbildungsstatistik der statistischen Ämter des Bundes und der Länder(Erhebung zum 31.12.). 20 OHNE SIE GEHT NICHTS MEHR  NOVEMBER 2021  FES diskurs ABB. 6 Top-10-Berufe bei neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen(links) und Fachkräftelücke(rechts) (nach neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen) 0 Berufe im Verkauf (ohne Produktspezialisierung) Zahnmedizinische Fachangestellte Berufe in der ­Kraftfahrzeugtechnik Berufe im Friseurgewerbe Berufe in der Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik Berufe in der Bauelektrik Berufe im Hotelservice Medizinische Fachangestellte (ohne Spezialisierung) Berufe in der ­Lagerwirtschaft Büro- und Sekretariatskräfte (ohne Spezialisierung) 1.000 2.000 3.000 4.000 3.606 3.339 2.868 2.334 2.289 2.145 2.127 2.094 2.088 5.000 6.000 5.994 5.103 13.636 2.596 12.560 17.239 3.479 Hinweis: Neu abgeschlossene Ausbildungsverträge: Stichtag 31.12.2019, Fachkräftelücke: Jahresdurchschnitt 2019. Quelle:„Datenbank Auszubildende“ des BIBB auf Basis der Daten der Berufsbildungsstatistik der statistischen Ämter des Bundes und der Länder(Erhebung zum 31.12.); IW-Berechnung auf Basis von Sonderauswertungen der BA und des IAB 2020. Abbildung 6 zeigt die Berufsgattungen, in denen Migrant_ innen zum Ausbildungsjahr 2019/2020 am häufigsten eine Ausbildung begonnen haben, sowie die Fachkräftelücke in diesen Berufen im Jahr 2019. Dabei wird ersichtlich, dass eine Ausbildung im Verkauf mit knapp 6.000 neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen die beliebteste Ausbildung unter Migrant_innen im Ausbildungsjahr 2019/2020 war. Hierzu gehören Einzelhandelskaufleute oder Verkäufer_­ innen. Mit 3.606 neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen haben Migrant_innen am zweithäufigsten eine Ausbildung als Zahnmedizinische_r Fachangestellte_r begonnen. In diesem Beruf lag die Fachkräftelücke 2019 bei über 5.000. Generell lässt sich sagen, dass viele beliebte Ausbildungsberufe von Migrant_innen hohe Fachkräftebedarfe auf dem Arbeitsmarkt aufweisen. Große Fachkräftelücken gab es auch in den Berufen der Kraftfahrzeugtechnik, der Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik sowie in der Bauelektrik, mit knapp 14.000, knapp 13.000 beziehungsweise gut 17.000 fehlenden Fachkräften im Jahr 2019. Alle diese Berufe waren sehr beliebt bei mi­ grantischen Ausbildungsanfänger_innen. So haben 3.339 Migrant_innen eine Ausbildung in der Kraftfahrzeugtechnik begonnen, 2.334 als Heizungs-, Sanitär- und Klimatech­ niker_innen und 2.289 fanden eine Ausbildung in den Berufen der Bauelektrik. Wie bereits in Abbildung 1 dargestellt, wiesen diese Berufsgattungen selbst im Corona-Jahr 2020 noch deutliche Fachkräfteeng­pässe auf. FRIEDRICH-EBERT-STIFTUNG 21 ABB. 7 Entwicklung des Anteils der neu abge­ schlossenen Ausbildungsverträge in ­Engpassberufen an allen Ausbildungs­ anfänger_innen der jeweiligen Gruppen (in Prozent) 70 68,6 62,4 60 57,9 50 40 30 20 10 0 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 Deutsche Migrant_innen Geflüchtete Hinweis: Engpassberufe des jeweiligen Jahres; Jahresdurchschnitte, in Prozent Quelle:„Datenbank Auszubildende“ des BIBB auf Basis der Daten der Berufsbildungsstatistik der statistischen Ämter des Bundes und der Länder(Erhebung zum 31.12.). ABB. 8 Bei der BA gemeldete Bewerber_innen (in Prozent) 60,9 60 57 50 43 39,1 40 30 20 10 0 Migrant_innen Deutsche kein Engpassberuf Engpassberuf Hinweis: Berichtsjahr 2019/2020, Stichtag 30.9.2020; Berufe, die 2019 ein Engpassberuf waren. Quelle: IW-Berechnung auf Basis von Sonderauswertungen der BA und des IAB 2021. Abbildung 7 stellt die Entwicklung des Anteils der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge in Engpassberufe bei Deutschen, Geflüchteten und Migrant_innen dar. Dabei zeigt sich, dass Geflüchtete und Migrant_innen häufiger eine Ausbildung in Engpassberufen, also in Berufen, die besonders knapp auf dem Arbeitsmarkt sind, beginnen als deutsche Ausbildungsanfänger_innen. Im Jahr 2019 haben mehr als zwei von drei geflüchteten Ausbildungsanfänger_ innen(68,6 Prozent) eine Ausbildung in einem Engpass­ beruf begonnen. Bei den Migrant_innen waren es 62,4 Prozent und bei den deutschen Ausbildungsanfänger_innen 57,9 Prozent. Der allgemein gestiegene Anteil der Ausbildungsanfänger_innen in Engpassberufen lässt sich auch hier mit der von 2013 bis 2019 gestiegenen Anzahl an Engpassberufen erklären. Dass über alle Jahre hinweg mehr Migrant_innen und Geflüchtete eine Ausbildung in Engpassberufen begannen als deutsche Ausbildungsanfänger_innen, kann daran liegen, dass hier die Konkurrenzsituation auf dem Ausbildungsmarkt geringer ist und so auch migrantische Jugendliche bessere Chancen auf einen Ausbildungsplatz haben. Aus Abbildung 8 wird ersichtlich, dass sich sowohl Deutsche als auch Migrant_innen häufiger auf Nichtengpassberufe als auf Engpassberufe bewerben. Mit 43,0 zu 39,1 Prozent bewarben sich Migrant_innen im Jahr 2019 anteilig leicht häufiger in Engpassberufen als deutsche Bewerber_innen. Gründe hierfür können sein, dass sich Migrant_innen in Engpassberufen bessere Chancen erhoffen, oder auch, dass Berufe, in denen die Beschäftigung von Migrant_innen ­üblicherweise schon besonders hoch ist wie beispielsweise in der Gastronomie, 2019 Engpassberufe waren. 22 OHNE SIE GEHT NICHTS MEHR  NOVEMBER 2021  FES diskurs 7 UNTERSCHIEDE ZWISCHEN DEN BUNDESLÄNDERN IM ÜBERBLICK ABB. 9 Anteil Migrant_innen und Geflüchteter an allen Beschäftigten in Fachkraftberufen – Bundesländer (in Prozent) Anteil Migrant_innen 15,1% Anteil Geflüchtete 1,3% 10,1 9,4 10,4 5,7 11,3 9,2 7,2 3,6 13,4 3,5 5,0 3,8 4,4 14,6 3,5% 0,7 0,7 0,7 0,7 1,3 0,7 0,6 0,3 0,9 0,3 0,4 0,3 0,4 1,0 0,3% 13,5 15,1 0,7 0,6 Hinweis: Jahresdurchschnitt 2020. Quelle: IW-Berechnung auf Basis von Sonderauswertungen der BA 2021. Abbildung 9 zeigt den Anteil von Migrant_innen und Geflüchteten an allen Beschäftigten in Fachkraftberufen. Dabei zeigt sich, dass die Anteile deutschlandweit sehr unterschiedlich sind. Der Anteil von Migrant_innen liegt mit 15,1 Prozent in Baden-Württemberg am höchsten, gefolgt von Hessen mit 14,6 Prozent. Auch in Bayern ist der Anteil von Migrant_innen an allen Beschäftigten mit 13,5 Prozent sehr hoch. Der geringste Anteil von Migrant_innen findet sich in Sachsen-Anhalt(3,5 Prozent). Insgesamt sind die Anteile in Ostdeutschland sehr gering. Ein ähnliches Bild ergibt sich für den Anteil der Geflüchteten an den Beschäftigten. Dieser liegt logischerweise deutlich unter dem Anteil der Migrant_innen. Der höchste Wert wird mit 1,3 Prozent in Hamburg erreicht. Die deutlichen Unterschiede zwischen ost- und westdeutschen Bundesländern erklären sich vor dem Hintergrund, dass der Anteil der Migrant_innen und Geflüchteten an der Gesamtbevölkerung im Westen deutlich höher als im Osten liegt(Statistisches Bundesamt 2021i). Die folgende Tabelle beschreibt die wichtigsten Indikatoren zum Vergleich der Bundesländer. FRIEDRICH-EBERT-STIFTUNG 23 TAB. 4 Unterschiede zwischen Bundesländern im Überblick – Fachkraftberufe auf Anforderungsniveau 2 der KldB 2010 Bundesland SchleswigHolstein Hamburg Niedersachsen Bremen NordrheinWestfalen Hessen RheinlandPfalz Baden-­ Württemberg Bayern Saarland Berlin Brandenburg MecklenburgVorpommern Sachsen Sachsen-­ Anhalt Thüringen Deutschland gesamt Anteil Migrant_ innen an allen Beschäftigten 5,7% 11,3% 7,2% 9,2% 10,1% 14,6% 9,4% 15,1% 13,5% 10,4% 13,4% 5,0% 3,6% 4,4% 3,5% 3,8% 10,5% Anteil Geflüchteter an allen Beschäftigten 0,7% 1,3% 0,6% 0,7% 0,7% 1,0% 0,7% 0,6% 0,7% 0,7% 0,9% 0,3% 0,3% 0,3% 0,4% 0,4% 0,7% Anteil Migrant_ innen in EPB an allen beschäftigten Migrant_ innen 26,3% 16,3% 43,1% 16,9% 19,6% 28,8% 43,1% 43,9% 54,0% 27,4% 7,0% 50,6% 46,6% 55,8% 51,2% 46,7% 28,5% Anteil Geflüchteter in EPB an allen beschäftigten Geflüchteten Top-2-Berufe mit den meisten Migrant_innen* Top-2-Berufe mit den meisten Geflüchteten* Anteil Migrant_ innen an allen Ausbildungsanfänger_ innen 23,2% 13,9% 28,1% 15,3% 16,5% Berufskraftfahrer_innen (Güterv./Lkw) Gastronomieservice(o. S.) Büro-, Sekretariatskräfte(o. S.) Gastronomieservice(o. S.) Berufskraftfahrer_innen (Güterv./Lkw) Fleischverarbeitung Berufskraftfahrer_innen (Güterv./Lkw) Gastronomieservice(o. S.) Berufskraftfahrer_innen (Güterv./Lkw) Verkauf(ohne Produkt­ spezialisierung) Fahrzeugführer_innen Straßenverkehr(s. s. T.) Gastronomieservice(o. S.) Gastronomieservice(o. S.) Verkauf(ohne Produktspezialisierung) Lagerwirtschaft Gastronomieservice(o. S.) Post- und Zustelldienste Gastronomieservice(o. S.) Lagerwirtschaft Fahrzeugführer_innen Straßenverkehr(s. s. T.) 7,4% 13,1% 9,0% 11,5% 10,7% 26,5% Berufskraftfahrer_innen (Güterv./Lkw) Büro-, Sekretariatskräfte(o. S.) Objekt-, Werte-, Personenschutz Gebäudereinigung 13,8% 37,4% 37,3% 48,3% 23,7% 6,4% 46,9% 55,1% 48,4% 41,2% 42,5% Berufskraftfahrer_innen (Güterv./Lkw) Gastronomieservice(o. S.) Berufskraftfahrer_innen (Güterv./Lkw) Verkauf(ohne Produkt­ spezialisierung) Berufskraftfahrer_innen (Güterv./Lkw) Gastronomieservice(o. S.) Maschinen-, Gerätezusammensetzer_innen Berufskraftfahrer_innen (Güterv./Lkw) Kaufm., techn. Betriebswirtschaft(o. S.) Gastronomieservice(o. S.) Berufskraftfahrer_innen (Güterv./Lkw) Lagerwirtschaft Gastronomieservice(o. S.) Berufskraftfahrer_innen (Güterv./Lkw) Berufskraftfahrer_innen (Güterv./Lkw) Gastronomieservice(o. S.) Berufskraftfahrer_innen (Güterv./Lkw) Gastronomieservice(o. S.) Lagerwirtschaft Gastronomieservice(o. S.) Lagerwirtschaft Gastronomieservice(o. S.) Gastronomieservice(o. S.) Objekt-, Werte-, Personenschutz Post- und Zustelldienste Gastronomieservice(o. S.) Fahrzeugführer_innen Straßenverkehr(s. s. T.) Gastronomieservice(o. S.) Gastronomieservice(o. S.) Fahrzeugführer_innen Straßenverkehr(s. s. T.) Gastronomieservice(o. S.) Friseurgewerbe Gastronomieservice(o. S.) Verkauf(ohne Produktspezialisierung) Lagerwirtschaft Gastronomieservice(o. S.) Berufskraftfahrer_innen (Güterv./Lkw) Gastronomieservice(o. S.) Maschinen-, Anlagen­führer_innen Gastronomieservice(o. S.) 9,9% 14,6% 12,8% 9,9% 13,1% 5,9% 7,5% 5,5% 5,5% 7,2% 22,3% Berufskraftfahrer_innen (Güterv./Lkw) Gastronomieservice(o. S.) Gastronomieservice(o. S.) Lagerwirtschaft 11,6% Anteil Geflüchteter an allen Ausbildungsanfänger_ innen 4,0% 5,9% 3,7% 5,0% 3,3% 5,5% 3,6% 3,9% 4,3% 4,5% 4,6% 2,4% 1,9% 2,4% 2,5% 2,6% 4,1% Hinweis:* Engpassberufe in Rot; jeweils Jahresdurchschnitt 2020, Daten zu Ausbildungsanfänger_innen vom 31.12.2019. Quelle: IW-Berechnung auf Basis von Sonderauswertungen der BA und des IAB 2021. 24 OHNE SIE GEHT NICHTS MEHR  NOVEMBER 2021  FES diskurs 8 FAZIT Bei einer steigenden Zahl von Migrant_innen in Deutschland und gleichzeitig steigenden Fachkräftebedarfen liegt es nahe, der Frage nachzugehen, welchen Beitrag Migrant_­ innen und Geflüchtete bereits heute zur Schließung der Fachkräftelücke leisten und an welchen Stellen es noch zusätzlicher Unterstützung bedarf, um die Arbeitsmarktin­te­ gration noch weiter zu verbessern. Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass Migrant_innen und Geflüchtete gegenwärtig schon einen entscheidenden Beitrag zur Fachkräftesicherung leisten. Dieser Beitrag ist in den vergangenen Jahren sogar noch deutlich gestiegen. Waren 2013 erst 19,2 Prozent der Migrant_innen und 14,9 Prozent der Geflüchteten in Engpassberufen auf Fachkraftniveau beschäftigt, stieg ihr Anteil bis 2019 auf 49,4 be­ ziehungsweise 42,2 Prozent. Dabei zeigt sich, dass sich der Anteil von in Engpassberufen beschäftigten Migrant_innen und Geflüchteten bis 2019 immer mehr dem Anteil der deutschen Beschäftigten angenähert hat. 2020 sank der Beschäftigtenanteil in Engpassberufen über alle Gruppen hinweg, da die Zahl der Engpassberufe krisenbedingt zurückging. Besonders stark waren Migrant_innen und ­Geflüchtete davon betroffen, da sie häufig in den besonders intensiv von der Krise betroffenen Dienstleistungsberufen beschäftigt waren. Auch wenn sich der Anteil bis 2019 annäherte, ist zu beobachten, dass Migrant_innen und Geflüchtete bei den Beschäftigten immer noch(etwas) seltener in Engpassberufen zu finden sind als deutsche Staatsangehörige. Bei der Ausbildung sieht dies allerdings bereits anders aus. Mi­ grant_innen und Geflüchtete beginnen anteilig häufiger eine Ausbildung in Engpassberufen als deutsche Staatsange­ hörige. Das heißt, dass Migrant_innen und Geflüchtete aktuell einen wichtigen Beitrag zur Besetzung von Ausbildungsstellen insbesondere in Engpassberufen leisten und somit auch zukünftig einen wesentlichen Beitrag zur Deckung des Fachkräftebedarfs leisten werden. Die Beteiligung von Migrant_innen und Geflüchteten an der Ausbildung nimmt auch generell zu. So ist in den vergangenen Jahren der Anteil neu abgeschlossener Ausbildungsverträge von Migrant_innen von 6,4 Prozent in 2013 auf 11,6 Prozent in 2019 gestiegen. Diese positive Entwicklung dürfte dazu beitragen, dass künftig noch mehr Migrant_­ innen am Arbeitsmarkt nach deutschem Standard qualifiziert sind. Wenn dabei berücksichtigt wird, dass sich die Aus­ bildungsberufe durch eine laufende Modernisierung der Ausbildungsordnungen beständig an den technologischen Wandel anpassen, dürfte sich dieser Trend künftig weiter verstärken. Dies gilt sowohl für Berufe, die aktuell bereits Fachkräfteengpässe aufweisen, als auch für Nichtengpass­ berufe. Dabei geht der digitale Wandel damit einher, dass dem Erwerb der deutschen Sprache bei Migrant_innen und Geflüchteten noch einmal größere Bedeutung zukommen dürfte, denn in Zeiten der Digitalisierung werden Kom­ petenzen wie Kommunikationsfähigkeit noch wichtiger (Flake et al. 2019: 10). Es ist zu erwarten, dass sich diese positive Entwicklung langfristig fortsetzt. Zwar gab es durch die Corona-Pandemie einen kurzfristigen Dämpfer bei den Fachkräftebedarfen. Aufgrund der zu erwartenden wirtschaftlichen Erholung sowie des demografischen Wandels ist jedoch sowohl kurzals auch mittel- und langfristig zu erwarten, dass die Fachkräftebedarfe weiter steigen werden. Denn die nachkommenden Jahrgänge sind deutlich kleiner als die demnächst aus dem Erwerbsleben ausscheidenden. Deutschland ist daher nach wie vor auf internationale Fachkräfte angewiesen. Ohne Zuwanderung würde bereits heute das Arbeitskräftepotenzial sinken(Burstedde et al. 2021: 20). Da der Zuzug von internationalen Fachkräften sich im Jahr 2020 leicht verringert hat, könnten die Engpässe nach Corona sogar stärker ausfallen als vorher. Im Sommer 2021 hat der Fachkräftemangel bei Akademiker_innen bereits wieder das Niveau vor der Corona-Pandemie erreicht (Burstedde et al. 2021: 2). Es ist zu erwarten, dass sich diese Entwicklung auch mit Bezug auf Fachkräfte vollzieht. Zur Deckung dieses Fachkräftebedarfs können Migrant_innen und Geflüchtete einen erheblichen Beitrag leisten, vorausgesetzt, dass gezielt in ihre sprachliche und berufliche Qualifizierung investiert wird. Deutschland ist weiter auf qualifizierte Zuwanderung aus dem Ausland angewiesen, aber auch auf eine noch ­größere Nutzung des bereits vorhandenen inländischen migrantischen Fachkräftepotenzials. Gleichzeitig kann der Weg in eine duale Ausbildung ein wichtiger Baustein für eine erfolgreiche Einmündung auf den deutschen Arbeitsmarkt und das Führen eines eigenständigen und selbstbestimmten Lebens sein. Unternehmen profitieren zudem von kulturell gemischten Teams(Heuer/Pierenkemper 2020: 10). Eine kulturell diverse Belegschaft bringt unterschiedliches Wissen, Sichtweisen und Erfahrungen zusammen. In einer vielfältig ­zusammengesetzten Belegschaft können die Teammitglieder voneinander lernen und so ihre jeweiligen Stärken kombinieren. Teams, die über Mitarbeiter_innen mit unterschiedlichen kulturellen Hintergründen verfügen, können krea­ tive Prozesse und die Innovation im Unternehmen fördern oder neue Kundengruppen erschließen. FRIEDRICH-EBERT-STIFTUNG 25 9 HANDLUNGSEMPFEHLUNGEN Die vorliegende Studie zeigt: Migrant_innen und Geflüchtete leisten bereits heute einen wichtigen Beitrag zur Fachkräftesicherung: Sie arbeiten bereits häufig in Engpassberufen und münden vermehrt in eine duale und überproportional in eine Ausbildung in Engpassberufen. Das im März 2020 in Kraft getretene Fachkräfteeinwanderungsgesetz, das Personen aus Drittstaaten unter anderem auch die Einreise nach Deutschland zur Aufnahme einer Berufsausbildung ermöglicht, dürfte diesen Trend zukünftig noch verstärken. Die im Rahmen dieser Studie ausgewerteten Daten zeigen aber auch, dass es – insbesondere in bestimmten Regionen – noch ungenutzte Potenziale gibt. Bereits in Deutschland lebende Migrant_innen und Geflüchtete könnten hier also noch stärker als bisher in Ausbildungsberufe und auch in Engpassberufe einmünden. Der Zugang sowohl in Ausbildung als auch Beschäftigung bildet hier den Ansatzpunkt für Handlungsempfehlungen zur Realisierung dieser Potenziale. Politische und strukturelle Rahmenbedingungen sollten daher die richtigen Anreize setzen und durch unterstützende Aktivitäten der Unternehmen und Betriebe sowie der betroffenen Personen selbst begleitet werden. Bei den im Folgenden dargestellten Handlungsempfehlungen ist zu berücksichtigen, dass Migrant_innen und Geflüchtete keine in sich homogenen Zielgruppen darstellen und die konkrete Umsetzung von Handlungsempfehlungen daher jeweils gezielt an die jeweiligen Teilgruppen angepasst und ausgerichtet werden muss, um die gewünschten Effekte zu erzielen. 9.1 BERUFSORIENTIERUNG UND-VORBEREITUNG AUSBAUEN Die Berücksichtigung persönlicher Neigungen ist bei der Ausbildungsplatzsuche und für einen erfolgreichen Ausbildungsabschluss zentral. Fakt ist aber auch, dass viele der 324 anerkannten Ausbildungsberufe den meisten jungen Menschen unbekannt sind und sich somit eine Mehrheit auch aus Unkenntnis dieser Breite an Möglichkeiten auf eine enge Auswahl an Ausbildungsoptionen beschränkt. Eine Berufsorientierung, die dieses Spektrum an Möglichkeiten ausleuchtet, aber auch besonders die auf dem Arbeitsmarkt stark nachgefragten Berufe(Engpassberufe) anspricht und vorstellt, ist daher sinnvoll. So gilt es mit Blick auf sinkende Ausbildungszahlen und steigende Engpässe in Fachkraftberufen, die Möglichkeit einer(dualen) Ausbildung als ­attraktive Karriereoption mit vielfältigen späteren Weiterbildungsoptionen darzustellen. ­Gerade bei Geflüchteten und Migrant_innen spielt die Information über attraktive Karrieremöglichkeiten der(dualen) Berufsausbildung sowie spätere Fortbildungsoptionen wie Meister_in und Techniker_in eine wichtige Rolle, da diese in den Herkunftsländern der Mi­ grant_innen oftmals nur unzureichend bekannt sind und vor diesem Hintergrund also auch Eltern als Orientierungshilfe bei der Berufs- und Ausbildungsplatzwahl für ihre Kinder wegfallen(Knuth 2020: 20). Hierbei gilt es, insbesondere solche Berufe in den Fokus zu nehmen, die im Zuge der voranschreitenden Digitalisierung zukünftig an Bedeutung gewinnen. Bereits jetzt gibt es Beratungs- und Förderangebote der BA, die explizit auf die Ausbildungsvorbereitung von Geflüchteten ausgelegt sind, wie zum Beispiel Perspektive für junge Geflüchtete(PerjuF). Letztere wurde begleitend eva­ luiert, und im vergangenen Jahr wurde der zweite Zwischenbericht veröffentlicht(BMAS 2020). Der Abschlussbericht liegt seit November vor(BMAS 2021). Die in der hier vorliegenden Evaluierung zusammengetragenen Ergebnisse sollten für die Weiterentwicklung von Programmen für diese Zielgruppe in jedem Fall nutzbar gemacht werden. Die Schule ist ein zentraler Ort für die Berufsorientierung junger Menschen. Daher gilt es, den Fokus auf die Berufsorientierung frühzeitig im Lehrplan zu verankern und qualitativ hochwertige Angebote zu schaffen. Dabei können zum Beispiel eigens eingesetzte Berufscoachs, die die Schüler_innen bei der Berufsorientierung unterstützen, helfen. So werden zum Beispiel in Schleswig-Holstein an berufsbildenden Schulen und in schulischen Bildungsgängen des Übergangsbereichs Berufscoachs eingesetzt, um Schüler_innen bei der Berufsfindung und Recherche nach Ausbildungsplätzen zu unterstützen. Dies geschieht im Rahmen des Arbeitsmarktprogrammes des Landes Schleswig-Holstein(Förderbank Schleswig-Holstein 2021) zum Beispiel bei der Beruflichen Schule Pinneberg(Berufliche Schule Pinneberg 2021). Über die reine Berufsorientierung hinaus ist es aber auch sinnvoll, Geflüchtete und Migrant_innen bei der Berufsvorbereitung zu unterstützen. Im Rahmen des Mentoring-Programms mit dem Namen„ROCK YOUR LIFE!“, das 2008 von einer Gruppe von Universitätsstudent_innen ins Leben gerufen wurde, werden benachteiligte Schüler_innen, darunter viele Migrant_innen, von Student_innen unterstützt. Die Mentor_innen fungieren dabei auch als Ansprechpartner_innen für die berufliche Zukunft der Schüler_innen. Das Ifo Institut hat das Programm in einer Studie evaluiert und herausgefunden, dass es die Schulnote in Mathematik, die Geduld und die Sozialkompetenzen sowie die Arbeitsmarktorientierung der Schüler_innen stärkt(Resnjanskij et al. 2021: 35). Belegbar erfolgreiche Programme sollten verstärkt eingesetzt, gefördert und verstetigt werden. 26 OHNE SIE GEHT NICHTS MEHR  NOVEMBER 2021  FES diskurs 9.2 MIGRANT_INNEN UND GEFLÜCHTETE ALS EIGENE ZIELGRUPPEN IN DEN BLICK NEHMEN Geflüchtete und Migrant_innen sind keine in sich geschlossenen homogenen Gruppen. Viele von ihnen haben Migrations- oder Fluchterfahrung und verfügen über keinen vollständig im Inland abgeleisteten Bildungsweg und keine muttersprachlichen Deutschkenntnisse. Da zumindest in dieser Studie Migrant_innen aber nur über ihre Nationalität abgegrenzt werden, sind unter den Migrant_innen auch in Deutschland geborene Personen mit Migrationshintergrund und muttersprachlichen Sprachkenntnissen einbezogen. Viele stehen häufig im engen Austausch mit ihren herkunftsspezifischen Communitys. Will man sie erreichen, lohnt es sich, Jugendliche und junge Erwachsene im ausbildungsfähigen Alter, die über Flucht- oder Migrationserfahrung verfügen, da anzusprechen, wo sie sich bevorzugt aufhalten. Dies können beispielsweise bestimmte Vereine, Jugendzentren oder migrantische Selbstorganisationen sein. Als weitere Strategie empfiehlt es sich, deren Eltern auch in den Herkunftssprachen gezielt anzusprechen, da diese häufig starken Einfluss auf die Berufswahlentscheidungen ihrer Kinder haben. Da das deutsche Modell der dualen Ausbildung außerhalb des deutschsprachigen Raums weitgehend unbekannt ist, muss hier gezielt Aufklärungsarbeit über die Arbeitsmarktchancen, die sich bieten, aber auch über die notwendigen Voraussetzungen für einen erfolgreichen Ausbildungsabschluss geleistet werden. Für Unternehmen gilt, im Hinblick auf steigende Fachkräfteengpässe und gleichzeitig sinkende Ausbildungs­ zahlen, ihren Blickwinkel bei der Suche nach Kandidat_innen noch stärker zu erweitern. Geflüchtete und Migrant_innen bilden hier eine Zielgruppe mit Potenzial. Unternehmen können diese Zielgruppen gezielt ansprechen, indem sie in ihren Stellenanzeigen beispielsweise auf ein diskrimi­ nierungsfreies und diversitätsorientiertes Arbeitsumfeld sowie auf vorhandene Unterstützungsangebote für den Deutschspracherwerb oder fachliche Weiter-/Ergänzungsqualifizierungsangebote hinweisen. Da­rüber hinaus emp­ fiehlt es sich für Betriebe, sich bei der Rekrutierung stärker auf Kompetenzen als auf Abschlüsse zu fokussieren, da ­viele der jungen Erwachsenen unter den Migrant_innen und Geflüchteten zwar Arbeitserfahrung und beruflich verwertbare Kompetenzen mitbringen, nicht aber unbedingt die entsprechenden und in Deutschland anerkannten Bildungsabschlüsse. Seit der Einführung des Anerkennungsgesetzes im Jahre 2012 können Geflüchtete und Migrant_ innen ihre beruflichen Abschlüsse anerkennen lassen und dabei auch eine sogenannte„Teilanerkennung“ bekommen, wenn nicht alle Voraussetzungen erfüllt sind. Dies ist aber mit Kosten und Bürokratieaufwand verbunden, sodass nicht alle dies tun. Hier können Betriebe Bewerber_innen bei der Beantragung unterstützen. 9.3 SPRACHERWERB UNTERSTÜTZEN Für eine gelingende Integration von Menschen mit Fluchtoder Migrationserfahrung ist es wichtig, gezielte Unterstützung anzubieten. Hilfe beim Spracherwerb nimmt hier einen zentralen Stellenwert ein. So sind mangelnde Deutschkenntnisse sowohl das Haupthemmnis für die Einstellung von Geflüchteten als auch die zentrale Herausforderung bei der Bewältigung des Arbeitsalltags(Heuer/Pierenkemper 2020: 23). Daher ist es entscheidend, frühzeitig mit der Sprachqualifizierung zu beginnen und diese nachhaltig weiterzuführen. Je nach Alter der Geflüchteten oder Migrant_innen gibt es hier zwei zentrale Wege: Für Schulpflichtige spielt sich der Spracherwerb vor allem im(berufs-)schulischen Kontext ab. Hier gilt es, frühzeitige und qualitativ hochwertige Angebote, die den Zweitspracherwerb unterstützen, am besten in den Unterricht zu inte­ grieren. Dies erfordert auch den Einsatz von entsprechend qualifiziertem Lehrpersonal. Für junge Erwachsene, die bereits einen Bildungsabschluss vorweisen können und nicht mehr schulpflichtig sind, besteht die Möglichkeit des Deutschspracherwerbs im Rahmen der vom Bundesamt für Migration- und Flüchtlinge(BAMF) verwalteten Kurse des„Gesamtprogramms Sprache“, also Integrationskurse und Berufssprachkurse. Zur Teilnahme an ersteren, die die Grundlage für den weiteren berufsspezifischen Spracherwerb bilden, ist eine große Gruppe der nach Deutschland geflüchteten Personen mittlerweile ohnehin verpflichtet. Mit Blick auf die Fachkräftebedarfsdeckung in Berufen mit vorausgegangener Berufsausbildung ist es jedoch empfehlenswert, den Kreis der Teilnahmeberechtigten an diesen Kursen sukzessive zu erweitern, um diesen jungen Erwachsenen reale Chancen auf dem Ausbildungs- und Arbeitsmarkt einzuräumen. Dieser Schritt ist angesichts der Tatsache, dass viele der derzeit nicht Teilnahmeberechtigten am Ende doch über viele Jahre in Deutschland bleiben, unter anderem auch ökonomisch sinnvoll. Während der Ausbildung muss der Spracherwerb ein weiterlaufendes permanent begleitendes Element darstellen. ­Unternehmen können die Integration und den Spracherwerb weiter passgenau und vor Ort unterstützen. Hierzu gehört neben einer(extern begleiteten und finanzierten) Unterstützung beim Spracherwerb das Angebot einer fachlichen Nachhilfe, falls vorhandene Fähigkeiten und Fertigkeiten noch nicht vollständig den Anforderungen der jeweiligen Tätigkeit entsprechen. 9.4 BETRIEBLICHE UNTERSTÜTZUNGS­ ANGEBOTE NUTZEN Für die Zielgruppe Geflüchtete können sich kleine und mittlere Unternehmen von Willkommenslots_innen unterstützen lassen, die schwerpunktmäßig in den Handwerkskammern(aber nicht nur dort) angesiedelt sind und unter anderem durch Bundesmittel finanziert werden. Diese Lots_innen können beispielsweise administrative Aufgaben übernehmen, Kandidat_innen vermitteln und zu passenFRIEDRICH-EBERT-STIFTUNG 27 den Fördermaßnahmen beraten. Für Ausbildungsplatzsuchende mit Migrations-, aber ohne Fluchterfahrung gibt es keine eigene Unterstützungsstruktur. Sie sind aber eine der Zielgruppen der„Passgenauen Besetzung“, einem Bundesprogramm, das kleine und mittlere Unternehmen bei der gezielten Besetzung offener Ausbildungsstellen unterstützen soll. Sowohl das Programm der Willkommenslots_innen als auch das der Passgenauen Besetzung(BMWi 2021b) können auf viele Erfolge verweisen. Sie laufen aktuell noch bis 2023. Eine systematische Evaluierung steht bisher jedoch aus. Um die Programme zukünftig noch effektiver zu gestalten, sollte vonseiten der Politik eine entsprechende Evaluierung angestoßen werden, um damit auch die Grundlage für eine sinnvolle Verstetigung solcher Unterstützungsangebote zu schaffen. Auch Ausbilder_innen können durch Informationen und Schulungen in ihrer Arbeit mit den Zielgruppen der Migrant_innen und Geflüchteten unterstützt werden. Ein Beispiel hierfür ist das Qualifizierungskonzept, das die Fachstelle„überaus“ in Zusammenarbeit mit dem Bildungsträger FRESKO e. V. aus Wiesbaden für Ausbilder_ innen von Geflüchteten entwickelt hat(Bethscheider et al. 2021: 8). Dabei geht es um rechtliche Rahmenbedingungen, Sprache, Wertvorstellungen und den Umgang mit Konflikten. Basierend auf solchen Konzepten können nun konkrete Schulungen für die betriebliche Praxis angeboten werden. Studien zeigen jedoch, dass Unternehmen diese vorhandenen Unterstützungsangebote oftmals nicht hinreichend bekannt sind(Flake et al. 2017: 18). Ziel muss es daher sein, Unternehmen über passende Unterstützungsangebote zu informieren, damit solche Materialien auch tatsächlich genutzt werden. verlassen(Matthes/Ulrich 2016: 101). Auch spielen sozioökonomische Faktoren eine Rolle, denn das Verlassen der Wohnregion(und damit auch häufig des familiären Kontexts) ist im Hinblick auf Wohnraum, Verpflegung und auch Transport kostspieliger. Jugendliche und junge Erwachsene mit Migrations- und Fluchtgeschichte haben hier meist weniger günstige Voraussetzungen. Zusätzlich schlägt ihnen auf dem Wohnungsmarkt häufig auch noch Diskriminierung entgegen, wie Studien nahelegen(Müller 2015: 19–23). Das geförderte Azubiwohnen kann hier ein Ansatzpunkt sein, um die Mobilitätsbereitschaft von Jugendlichen allgemein und solchen mit Migrations- oder Flucht­ geschichte zu erhöhen. Hier sind vor allem Unternehmen, Städte und Kommunen gefragt, entsprechende Möglich­ keiten zu identifizieren und zu realisieren. Gleichzeitig gilt es aber auch, Vakanzen in anderen Regionen überhaupt erst sichtbar zu machen, zum Beispiel durch den weiteren Ausbau und die Vernetzung von Ausbildungsplatzbörsen, die auch Migrant_innen und Geflüchtete besonders ansprechen, etwa durch kultursensible Formulierungen und ergänzende zweisprachliche Angebote. Innerhalb der allgemeinen Jobbörse der BA können zwar auch Ausbildungsplätze gesucht werden, doch ist das Portal nicht explizit auf die Ausbildungsplatzsuche zugeschnitten und textlich sowie grafisch nicht für Jugendliche und junge Erwachsene aufbereitet. Ein explizit auf die Ausbildungsplatzsuche ausgerichtetes Portal, das durch anschauliche Grafiken noch unbesetzte Ausbildungsplatzkapazitäten in ­anderen Regionen sichtbar macht und gleichzeitig ergänzende Informationen zum Thema Wohnen und Freizeit für Mobilitätswillige bereithält, könnte eine bessere regionale Passung begünstigen. 9.5 REGIONALE MOBILITÄT ERHÖHEN Ein wesentlicher Grund für unbesetzte Ausbildungsstellen sind regionale Diskrepanzen hinsichtlich des Angebots und der Nachfrage. Der Anteil unversorgter Bewerber_innen für einen Ausbildungsplatz bei Migrant_innen unterscheidet sich deutlich zwischen den einzelnen Bundesländern. Liegt er beispielsweise in Bayern bei nur 3,0 Prozent, sind es in Berlin 17,8 Prozent. Das heißt, dass ausbildungsinteressierte Migrant_innen in Bayern wesentlich besser ­ in die Ausbildung einmünden als in Berlin. Dies gilt zwar nicht nur für Migrant_innen, sondern für Ausbildungs­ bewerber_innen allgemein. Jedoch ist es möglich, dass Mig­ rant_ innen besonders von regionalen Ausbildungsmärkten ­profitieren, auf denen die Konkurrenzsituation tendenziell geringer ist. Daher ist es wichtig, die Mobilitätsbereit-­­ schaft von Bewerber_innen auf einen Ausbildungsplatz ­z­ u erhöhen. Dies gilt natürlich nicht nur für Migrant_innen und Geflüchtete, sondern grundsätzlich für alle Bewerber_ innen auf dem Ausbildungsmarkt. Untersuchungsergebnisse zum Thema Mobilitätsbereitschaft auf dem Ausbildungsmarkt zeigen jedoch, dass ­ es insbesondere leistungsstärkere und sehr selbstbewusste Jugendliche beziehungsweise junge Erwachsene sind, ­die ihre Herkunfts-/Wohnregion zugunsten einer Ausbildung 9.6 BLEIBEPERSPEKTIVE WÄHREND UND NACH DER AUSBILDUNG SOWIE IN ­BESCHÄFTIGUNG VERBESSERN Für Geflüchtete mit Ausbildungsplatz, deren Asylgesuch abgelehnt worden ist, besteht seit 2016 im Rahmen der so­ genannten Ausbildungsduldung, die seit dem 1.1.2020 eigenständig in§ 60c in Verbindung mit§ 60a Aufenthaltsgesetz (AufenthG) geregelt ist, die Möglichkeit, einen sicheren Aufenthalt für die Dauer ihrer Ausbildung zu erhalten, wenn eine Reihe an Voraussetzungen erfüllt ist. Im Rahmen der sogenannten 3+2-Regelung(§§ 60a, 60b in Verbindung mit § 19d Abs. 1a AufenthG) besteht nach erfolgreicher Ausbildung und e­ iner anschließenden qualifikationsangemessenen Beschäftigung ein Anspruch auf eine Aufenthaltserlaubnis für zwei weitere Jahre. Diese Aufenthaltserlaubnis kann nach zwei Jahren weiter verlängert werden. Nach insgesamt fünf Jahren mit einer Aufenthaltserlaubnis(die vorherige Duldung wird nicht eingerechnet) kann bei Vorliegen bestimmter Voraussetzungen eine Niederlassungserlaubnis, also ein unbefristeter Aufenthaltstitel, erteilt werden. Zum 31.1.2021 war 1.736 Personen deutschlandweit eine Duldung nach§ 60c Aufenthaltsgesetz erteilt worden(BA Sonder­ auswertung FES 2021). Dabei wuchs die Zahl von Monat zu Monat kontinuierlich. 28 OHNE SIE GEHT NICHTS MEHR  NOVEMBER 2021  FES diskurs Mit Blick auf die Fachkräftesicherung lohnt es sich ­darüber hinaus, die zum 1.1.2020 in Kraft getretene Beschäftigungsduldung(nach§60d AufenthG), in den Blick zu nehmen. Diese soll beschäftigten Geduldeten eine längerfristige(30 Monate) gesicherte Bleibeperspektive bieten und ihren Arbeitgeber_innen damit Planungssicherheit geben. Die Beschäftigungsduldung wird unabhängig von einer formalen Qualifikation erteilt. Anders als bei der Ausbildungsduldung, auf die bei Erfüllen der Voraussetzungen ein Anspruch besteht, gibt es bei der Beschäftigungsduldung zwar keinen Anspruch, sie ist aber in der Regel zu erteilen, wenn nicht ein atypischer Ausnahmefall besteht. Auch steht die Möglichkeit einer Beschäftigungsduldung derzeit nur geduldeten Ausländer_innen offen, die spätestens bis zum 1.8.2018 nach Deutschland eingereist sind und eine Reihe weiterer Voraussetzungen erfüllen. Dazu zählen eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung seit mindestens zwölf Monaten, vorhandene Deutschkenntnisse auf Level A2 des europäischen Referenzrahmens für Sprachen und eine eindeutig geklärte Identität. Darüber hinaus ist die Regelung zeitlich befristet und tritt zum Jahresende 2023 außer Kraft. Schließlich deuten die bisher bundesweit niedrigen, wenn auch kontinuierlich zunehmenden Erteilungszahlen(BA 2021, Sonderauswertung FES) einer solchen Duldung darauf hin, dass die Voraussetzungen für die Nutzung dieser Möglichkeit für viele in der potenziellen Zielgruppe als(zu) hoch anzusehen sind. Mit Blick auf die Gewinnung von Kandidat_innen für eine Berufsausbildung und als Fachkräfte empfiehlt sich daher, die im Kontext des Gesetzes ohnehin vereinbarte Evaluierung gerade auch mit Blick auf die Zugangsvoraussetzungen sowie den Prozess der Beantragung und Erteilung zeitnah durchzuführen. Solch eine Evaluierung kann dann die Grundlage für eine Überarbeitung der Zugangsvoraussetzungen beider Duldungsarten schaffen und die Verstetigung der Beschäftigungsduldung begründen. Der Zuwachs an verbindlicher Rechtssicherheit für die Unternehmen, der hierdurch erzielt werden könnte, wäre als klares Signal zu werten, dass sich die Investition in Auszubildende und qualifizierte Mitarbeitende mit Duldungsstatus auch ökonomisch lohnt, da sie langfristig als Fachkräfte im Unternehmen oder Betrieb beschäftigt werden können. 9.7 POTENZIALE VON BESCHÄFTIGTEN HELFER_INNEN DURCH ANERKENNUNG UND WEITERQUALIFIZIERUNG INTEN­­SIVER NUTZEN dualen Ausbildung also nicht die einzige Möglichkeit. Vielmehr kann auch eine Anerkennung der bisherigen Berufsqualifikationen, eventuell in Kombination mit einer anschließenden Anpassungsqualifizierung ein geeigneter Weg zur Qualifizierung sein. Dieser Weg ist bisher aber wenig übersichtlich ausgestaltet. Zwar gibt es mittlerweile ein zentrales Informationsportal der Bundesregierung, das Informationen bündelt, aber zuständige Stellen und notwendige Schritte unterscheiden sich nach Berufsarten und teilweise auch nach Bundesländern. Um(Teil-)Anerkennungen zu erleichtern, sollten weitere Schritte in Richtung Erhöhung der Transparenz und größere Einheitlichkeit im Bundesgebiet gegangen werden. Schließlich gilt es auch, vorhandenen, aber nicht durch entsprechende Zertifikate nachweisbaren Kompetenzen und Fähigkeiten, die Geflüchtete und Migrant_innen mitbringen, mehr Anerkennung entgegenzubringen. Um diese erfassbar zu machen, wurde in den vergangenen Jahren unter anderem mit Unterstützung der BA das Instrument MySkills(https://www.myskills.de/) entwickelt. Hierbei handelt es sich um ein computergestütztes Instrument, das mehrsprachig ausgelegt ist und Kompetenzen und Fähigkeiten in 30 Berufen sichtbar macht. Mit Blick auf die Realisierung der non-formalen Kompetenzen und Fähigkeiten in den Zielgruppen der ­Migrant_innen und Geflüchteten sowie ihrer Nutzbarmachung für die(duale) Ausbildung oder den direkten Einsatz auf Fachkraftniveau, empfiehlt es sich, dieses Instrument zu evaluieren, entsprechend weiterzuentwickeln und auszubauen. Ohne solch einer Evalu­ ierung vorgreifen zu wollen, kann festgehalten werden: Das Potenzial des Instruments könnte noch besser nutzbar ­gemacht werden, indem es innerhalb der arbeitsmarkt­ fördernden Strukturen, inner- wie außerhalb der BA bekannter gemacht wird. Auch sollte die Vernetzung mit an die Testung anschließenden(Teil-)Qualifikationsprogrammen inten­siviert werden, damit die Testergebnisse den Ausbildungs- oder Arbeitsplatzsuchenden konkrete Chancen auf dem Bewerber_innenmarkt eröffnen. Schließlich gilt es auch, auf der Ebene des Matchings zwischen den non-­ formalen, aber über Testung ermittelten Kompetenzen der Bewerber_innen und den Anforderungen vonseiten der Unternehmen und Betriebe zu einem verbesserten Abgleich zu kommen. Forschungsergebnisse zeigen, dass insbesondere Geflüchtete nach ihrer Ankunft in Deutschland zunächst einmal überwiegend in Helfertätigkeiten beschäftigt sind(Kosyakova 2020: 18). Migrant_innen und Geflüchtete bringen jedoch Kompetenzen aus ihren Herkunftsländern mit, die sich zumindest teilweise auch für eine Beschäftigung auf Fachkraftniveau nutzbar machen beziehungsweise durch eine Anpassungsqualifizierung für eine solche Tätigkeit erweitern lassen. Um bereits Beschäftigte auf Helferniveau zu Fachkräften zu qualifizieren, ist der komplette Durchlauf einer FRIEDRICH-EBERT-STIFTUNG 29 10 FACT-SHEETS ZU DEN EINZELNEN BUNDESLÄNDERN 30 OHNE SIE GEHT NICHTS MEHR  NOVEMBER 2021  FES diskurs FRIEDRICH-EBERT-STIFTUNG 31 Fact-Sheet: Baden-Württemberg 1 Der Beitrag von Migrant_innen 2 und G­ eflüchteten 3 zur Arbeitskräfte­sicherung in Fachkraftberufen 4 Anteil von Personen mit ausländischer Staatsbürgerschaft an Bevölkerung 16,6 % 5 Anteil Migrant_innen an allen Beschäftigten 15,1 % Anteil der Geflüchteten an allen Beschäftigten 0,6 % ABB. 1 Stellenüberhangsquote 6 in den Arbeitsagenturbezirken Baden-Württembergs (in Prozent) >_ 70 % <_ 70 % <_ 60 % <_ 50 % <_ 40 % <_ 30 % <_ 20 % <_ 10 % MA Heidelberg Schwäbisch Hall Karlsruhe Heilbronn Ludwigsburg Waiblingen Nagold Stuttgart Göppingen Aalen Offenburg Reutlingen Balingen Ulm Freiburg Rottweil ABB. 2 Anteil unbesetzter Ausbildungsstellen an allen gemeldeten Ausbildungsstellen in BadenWürttemberg (in Prozent) >_ 70 % <_ 70 % <_ 60 % <_ 50 % <_ 40 % <_ 30 % <_ 20 % <_ 10 % MA Heidelberg Schwäbisch Hall Karlsruhe Heilbronn Ludwigsburg Waiblingen Nagold Stuttgart Göppingen Aalen Offenburg Reutlingen Balingen Ulm Freiburg Rottweil Lörrach Konstanz Lörrach Konstanz Den höchsten Anteil offener Stellen in Fachkraftberufen, die rein rechnerisch nicht zu besetzen waren, hatte im Jahr 2020 der Arbeitsagenturbezirk Balingen mit 48,8 Prozent. In Aalen waren 20,2 Prozent aller Stellen nicht zu besetzen. Hinweis: Jahresdurchschnitt 2020; rechts: zum 30.9.2020. Quelle: IW-Berechnung auf Basis von Sonderauswertungen der BA und des IAB, 2021. In Baden-Württemberg blieben 2020 insgesamt 10,5 Prozent der gemeldeten Ausbildungsstellen zum 30.9. unbesetzt. Damit lag Baden-­Württemberg etwas unter dem bundesweiten Durchschnitt von 11,3 Prozent. Am höchsten lag dieser Anteil in Konstanz(16,6 Prozent), am niedrigsten in Mannheim (4,3 Prozent). Hinweis: Jahresdurchschnitt 2020; rechts: zum 30.9.2020. Quelle: IW-Berechnung auf Basis von Sonderauswertungen der BA und des IAB, 2021. . TAB. 1 Top-2-Fachkraftberufe am regionalen Arbeitsmarkt mit den meisten Migrant_innen und Geflüchteten in Baden-Württemberg Migrant_innen Berufsgattung nach KldB 2010 Berufskraftfahrer_innen (G ü te r ve r ke h r/ Lk w) Verkauf(ohne P ro d u k t­s p e z i a l i s i e r u n g) Geflüchtete Lagerwirtschaft Gastronomieservice(o. S.) Anzahl Anteil an allen Beschäftigten 23.849 34,7 % 19.004 1.006 858 17,0 % 1,4 % 2,4 % Hinweis: Jahresdurchschnitt 2020. Quelle: IW-Berechnung auf Basis von Sonderauswertungen der BA, 2021. Insgesamt waren 2020 in Baden-Württemberg über 375.000 Migrant_­ innen in Fachkraftberufen beschäftigt. Das Bundesland hat mit 15,1 Prozent bundesweit den höchsten Anteil von Migrant_innen an allen Beschäftigten in Fachkraftberufen. In absoluten Zahlen arbeiteten die meisten Migrant_innen als Berufskraftfahrer_innen(23.849) und im Verkauf(19.004). Die Anzahl sozialversicherungspflichtig beschäftigter Geflüchteter hat sich von 2013 bis 2020 mehr als vervierfacht. Ihr Anteil an allen Beschäftigten in Fachkraftberufen lag 2020 in Baden-Württemberg bei 0,6 Prozent beziehungsweise etwa 15.000 Beschäftigten. Die meisten Geflüchteten arbeiteten in der Lagerwirtschaft(1.006) oder als Servicekraft in der Gastronomie(858). 32 OHNE SIE GEHT NICHTS MEHR  NOVEMBER 2021  FES diskurs ABB. 3 Top-10-Fachkraftberufe 2020 mit der größten Fachkräftelücke 7 in Baden-Württemberg und der Anteil von Migrant_innen(mittelblau) und Geflüchteten(hellblau) an allen Beschäftigten in dem jeweiligen Beruf Personenanzahl 0 Gesundheits- und Krankenpflege 1.000 2.000 Migrant_innen 1.823 2.289 12,0 % Geflüchtete 0,2 % Fachkräftelücke 2020 Fachkräftelücke 2019 Altenpflege Bauelektrik Sanitär-, Heizungsund Klimatechnik Kinderbetreuung und-erziehung Zahnmedizinische Fachangestellte Elektrische Betriebstechnik Kraftfahrzeugtechnik Medizinische Fachangestellte Mechatronik 1.642 2.270 1.567 2.191 1.142 1.585 1.113 1.851 793 1.094 787 1.440 720 1.962 643 1.069 498 1.096 14,0 % 21,1 % 17,9 % 5,8 % 11,2 % 10,5 % 16,1 % 7,0 % 8,5 % 0,2 % 0,5 % 0,4 % 0,1 % 0,2 % 0,3 % 0,7 % 0,1 % 0,6 % Die größten Fachkräftelücken herrschten im Jahr 2020 in Baden-Württem­ berg in der Gesundheits- und Krankenpflege ­mit 1.823 gefolgt von der Alten­pflege mit 1.642 nicht zu besetzenden Stellen. Der Anteil beschäftigter Migrant_innen in diesen Berufen lag 2020 bei 12,0 Prozent beziehungsweise 14,0 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahr 2019 ist die Fachkräftelücke im Jahres­durchschnitt 2020 deutlich gesunken. In der Kraftfahrzeugtechnik hat sie sich in Baden-­ Württemberg beispielsweise mehr als halbiert. Nach Erholung der Wirtschaft nach der Corona-Krise ist allerdings wieder mit einem Anstieg auf Vorkrisenniveau zu rechnen. Hinweis: Jahresdurchschnitte, Berufe sind entsprechend der Engpässe für 2020 von oben nach unten angeordnet. Aus grafischen Gründen wurden unterschiedliche Maßstäbe für die Visualisierung der Kreisdiagramme in den Rubriken„Migrant_innen“ und„Geflüchtete“ verwendet. Quelle: IW-Berechnung auf Basis von Sonderauswertungen der BA und des IAB, 2021. ABB. 4 Entwicklung des Anteils der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge in Engpassberufen an allen Ausbildungsanfänger_innen der jeweiligen Gruppen (Engpassberufe des jeweiligen Jahres; Jahresdurchschnitte, in Prozent) 100 80 60 40 20 0 2013 2014 2015 2016 2017 2018 88,9 83,0 76,3 2019 Deutsche Migrant_innen Geflüchtete Im bundesweiten Durchschnitt hatte Baden-Württemberg 2020 den höchsten Anteil Migrant_innen an allen Ausbildungsanfänger_innen(14,6 Pro­zent). Der Anteil der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge von Migrant_ innen und Geflüchteten in Engpassberufen lag 2019 mit 83,0 Prozent bzw. 88,9 Prozent über dem der deutschen Staatsangehörigen(76,3 Prozent). Hinweis: Ein Beruf gilt als Engpassberuf, wenn weniger als 100 passend qualifizierte Arbeitslose auf 100 offene Stellen kommen. Quelle:„Datenbank Auszubildende“ des BIBB auf Basis der Daten der Berufsbildungsstatistik der statistischen Ämter des Bundes und der Länder(Erhebung zum 31.12.). IW-Berechnung auf Basis von Sonderauswertungen der BA und des IAB, 2021 ANMERKUNGEN 1 Aufgeführte Daten stammen, so weit nicht anders angegeben, aus eigenen Berechnungen auf Basis der exklusiven Sonderauswertungen von Daten der Bundesagentur für Arbeit für diese Studie. 2 Der Begriff Migrant_innen umfasst Personen mit ausschließlich nichtdeutscher Staatsangehörigkeit. 3 Der Begriff Geflüchtete beschreibt Personen mit Nationalitäten der Top-8-Asylherkunftsländer(Afghanistan, Eritrea, Irak, Iran, Nigeria, ­Pakistan, Somalia, Syrien). Die Abgrenzung erfolgt aus Datengründen rein auf Basis der Nationalität einer Person, unabhängig davon, ob die Person tatsächlich eine Migrations- oder Fluchterfahrung hat. 4 Der Begriff Fachkraftberufe beschreibt Berufsgattungen auf Niveau 2 der KldB 2010 und umfasst Berufe, zu deren Ausübung typischer­weise eine(duale) Ausbildung vorausgesetzt wird. 5 Statistisches Bundesamt: Ausländische Bevölkerung nach Bundes­ ländern(zum 31.12.2020), online abrufbar: https://www.destatis.de/DE/ Themen/Gesellschaft-Umwelt/Bevoelkerung/Migration-Integration/ Tabellen/auslaendische-bevoelkerung-bundeslaender.html(7.10.2020). 6 Die Stellenüberhangsquote beschreibt den Anteil an offenen ­Stellen, für die es in der Region keine passend qualifizierten Arbeitslosen gibt, an allen offenen Stellen. 7 Die Fachkräftelücke beschreibt die absolute Anzahl an offenen Stellen in einer Berufsgattung, die nicht mit passend qualifizierten Arbeitslosen besetzt werden können. FRIEDRICH-EBERT-STIFTUNG 33 Fact-Sheet: Bayern 1 Der Beitrag von Migrant_innen 2 und G­ eflüchteten 3 zur Arbeitskräfte­sicherung in Fachkraftberufen 4 Anteil von Personen mit ausländischer Staatsbürgerschaft an Bevölkerung 14,9 % 5 Anteil Migrant_innen an allen Beschäftigten 13,5 % Anteil der Geflüchteten an allen Beschäftigten 0,7 % ABB. 1 Stellenüberhangsquote 6 in den Arbeitsagenturbezirken Bayerns (in Prozent) Schweinfurt Aschaffenburg Würzburg Bamberg Bayreuth Weiden Fürth Nürnberg Schwandorf Ansbach Regensburg Deggendorf Ingolstadt Landshut Donauwörth Augsburg Freising München Traunstein >_ 70 % <_ 70 % <_ 60 % <_ 50 % <_ 40 % <_ 30 % <_ 20 % <_ 10 % Passau Kempten Weilheim Rosenheim ABB. 2 Anteil unbesetzter Ausbildungsstellen an allen gemeldeten Ausbildungsstellen in Bayern (in Prozent) Schweinfurt Aschaffenburg Würzburg Bamberg Bayreuth Weiden Fürth Nürnberg Schwandorf Ansbach Regensburg Deggendorf Ingolstadt Landshut Donauwörth Augsburg Freising München Traunstein >_ 70 % <_ 70 % <_ 60 % <_ 50 % <_ 40 % <_ 30 % <_ 20 % <_ 10 % Passau Kempten Weilheim Rosenheim Den höchsten Anteil offener Stellen in Fachkraftberufen, die rein rechnerisch nicht zu besetzen waren, hatte im Jahr 2020 in Bayern der Arbeitsagenturbezirk Ansbach-Weißenburg mit 56,2 Prozent und lag damit bundesweit auf Platz drei. Selbst in München waren aber noch 23,6 Prozent aller offenen Stellen nicht zu besetzen. Hinweis: Links: Jahresdurchschnitt 2020; rechts: zum 30.9.2020. Quelle: IW-Berechnung auf Basis von Sonderauswertungen der BA und des IAB, 2021. In Bayern blieben 2020 insgesamt 15,3 Prozent der gemeldeten Ausbildungsstellen zum 30.9. unbesetzt. Damit lag Bayern über dem bundesweiten Durchschnitt von 11,3 Prozent. Am höchsten lag dieser Anteil in Deggendorf mit 21,4 Prozent, der zweithöchste Wert bundesweit. Am niedrigsten war er in Aschaffenburg(6,1 Prozent). Hinweis: Jahresdurchschnitt 2020; rechts: zum 30.9.2020. Quelle: IW-Berechnung auf Basis von Sonderauswertungen der BA und des IAB, 2021. TAB. 1 Top-2-Fachkraftberufe am regionalen Arbeitsmarkt mit den meisten Migrant_innen und Geflüchteten in Bayern Migrant_innen Berufsgattung nach KldB 2010 Berufskraftfahrer_innen (G ü te r ve r ke h r/ Lk w) Gastronomieservice(o. S.) Geflüchtete Gastronomieservice(o. S.) Objekt-, Werte-, Personenschutz Anzahl Anteil an allen Beschäftigten 30.891 32,5 % 18.739 1.333 37,7 % 2,7 % 1.250 4,9 % Insgesamt waren 2020 in Bayern über 406.000 Migrant_innen in Fachkraftberufen beschäftigt. Dies entspricht 13,5 Prozent aller in Fachkraftberufen Beschäftigten. In absoluten Zahlen Ist Bayern damit bundesweiter Spitzenreiter. Die meisten Migrant_innen arbeiteten als Berufskraftfahrer_innen (30.891) und als Servicekraft in der Gastronomie(18.739). Die Anzahl sozialversicherungspflichtig beschäftigter Geflüchteter hat sich von 2013 bis 2020 mehr als vervierfacht. Ihr Anteil an allen Beschäftigten in Fachkraftberufen lag 2020 in Bayern bei 0,7 Prozent beziehungsweise knapp 20.000 Beschäftigten. Die meisten Geflüchteten arbeiteten als Servicekraft in der Gastronomie(1.333) oder im Objekt-, Werte-, Personenschutz(1.250). Hinweis: Jahresdurchschnitt 2020. Quelle: IW-Berechnung auf Basis von Sonderauswertungen der BA, 2021. 34 OHNE SIE GEHT NICHTS MEHR  NOVEMBER 2021  FES diskurs ABB. 3 Top-10-Fachkraftberufe 2020 mit der größten Fachkräftelücke 7 in Bayern und der Anteil von Migrant_innen(mittelblau) und Geflüchteten(hellblau) an allen Beschäftigten in dem jewei­ ligen Beruf Personenanzahl 0 1.000 Altenpflege 2.000 3.000 4.000 2.873 3.096 Migrant_innen Geflüchtete 13,6 % 0,2 % Fachkräftelücke 2020 Fachkräftelücke 2019 Gesundheits- und Krankenpflege Kinderbetreuung und-erziehung Bauelektrik Sanitär-, Heizungsund Klimatechnik Kraftfahrzeugtechnik 2.737 2.663 2.245 2.141 2.185 2.802 2.063 2.275 1.674 3.140 13,1 % 7,8 % 18,1 % 16,5 % 13,6% 0,1 % 0,2 % 0,6 % 0,5 % 0,7 % Die größten Fachkräftelücken herrschten im Jahr 2020 in Bayern in der Altenpflege mit 2.873 gefolgt von der Gesundheits- und Krankenpflege mit 2.737 nicht zu besetzenden Stellen. Der Anteil beschäftigter Migrant_innen in diesen Berufen lag 2020 bei 13,6 Prozent beziehungsweise 13,1 Prozent. Über alle Fachkraftberufe hinweg hat Bayern mit über 36.000 bundesweit die größte Fachkräftelücke. Objekt-, Werteund Personenschutz 0 Elektrische Betriebstechnik Holz-, Möbelund Innenausbau Verkauf von Fleischwaren 1.398 1.220 1.827 1.065 1.522 949 1.053 21,2 % 6,3 % 9,3 % 5,7 % 4,9 % 0,4 % 0,6 % 0,2 % Hinweis: Jahresdurchschnitte, Berufe sind entsprechend der Engpässe für 2020 von oben nach unten angeordnet. Aus grafischen Gründen wurden unterschiedliche Maßstäbe für die Visualisierung der Kreisdiagramme in den Rubriken„Migrant_innen“ und„Geflüchtete“ verwendet. Quelle: IW-Berechnung auf Basis von Sonderauswertungen der BA und des IAB, 2021. Im Vergleich zum Vorjahr 2019 ist die Fachkräftelücke im Jahresdurchschnitt 2020 in den meisten Berufen gesunken. In der Gesundheits- und Krankenpflege, der Kinderbetreuung und-erziehung sowie dem Objekt-, Werte- und Perso­ nenschutz ist die Fachkräftelücke jedoch trotz allem gestiegen. Nach Erholung der Wirtschaft nach der Corona-Krise ist allerdings allgemein wieder mit einem Anstieg auf Vorkrisenniveau zu rechnen. ABB. 4 Entwicklung des Anteils der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge in Engpassberufen an allen Ausbildungsanfänger_innen der jeweiligen Gruppen (Engpassberufe des jeweiligen Jahres; Jahresdurchschnitte, in Prozent) 100 80 60 40 20 0 2013 2014 2015 2016 2017 Deutsche Migrant_innen 87,4 83,3 79,1 2018 2019 Geflüchtete Der Anteil von Migrant_innen und Geflüchteten an allen Ausbildungsanfänger_innen lag 2020 bei 12,8 Prozent respektive 4,3 Prozent. Migrant_ innen und Geflüchtete beginnen ihre Ausbildung eher in Engpassberufen. Der Anteil der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge von Migrant_­ innen und Geflüchteten in Engpassberufen lag 2019 mit 83,3 Prozent bzw. 87,4 Prozent über dem der deutschen Staatsangehörigen(79,1 Prozent). Hinweis: Ein Beruf gilt als Engpassberuf, wenn weniger als 100 passend qualifizierte Arbeitslose auf 100 offene Stellen kommen. Quelle:„Datenbank Auszubildende“ des BIBB auf Basis der Daten der Berufsbildungsstatistik der statistischen Ämter des Bundes und der Länder(Erhebung zum 31.12.). IW-Berechnung auf Basis von Sonderauswertungen der BA und des IAB, 2021. ANMERKUNGEN 1 Aufgeführte Daten stammen, so weit nicht anders angegeben, aus eigenen Berechnungen auf Basis der exklusiven Sonderauswertungen von Daten der Bundesagentur für Arbeit für diese Studie. 2 Der Begriff Migrant_innen umfasst Personen mit ausschließlich nichtdeutscher Staatsangehörigkeit. 3 Der Begriff Geflüchtete beschreibt Personen mit Nationalitäten der Top-8-Asylherkunftsländer(Afghanistan, Eritrea, Irak, Iran, Nigeria, ­Pakistan, Somalia, Syrien). Die Abgrenzung erfolgt aus Datengründen rein auf Basis der Nationalität einer Person, unabhängig davon, ob die Person tatsächlich eine Migrations- oder Fluchterfahrung hat. 4 Der Begriff Fachkraftberufe beschreibt Berufsgattungen auf Niveau 2 der KldB 2010 und umfasst Berufe, zu deren Ausübung typischer­weise eine(duale) Ausbildung vorausgesetzt wird. 5 Statistisches Bundesamt: Ausländische Bevölkerung nach Bundes­ ländern(zum 31.12.2020), online abrufbar: https://www.destatis.de/DE/ Themen/Gesellschaft-Umwelt/Bevoelkerung/Migration-Integration/ Tabellen/auslaendische-bevoelkerung-bundeslaender.html(7.10.2020). 6 Die Stellenüberhangsquote beschreibt den Anteil an offenen ­Stellen, für die es in der Region keine passend qualifizierten Arbeitslosen gibt, an allen offenen Stellen. 7 Die Fachkräftelücke beschreibt die absolute Anzahl an offenen Stellen in einer Berufsgattung, die nicht mit passend qualifizierten Arbeitslosen besetzt werden können. FRIEDRICH-EBERT-STIFTUNG 35 Fact-Sheet: Berlin 1 Der Beitrag von Migrant_innen 2 und G­ eflüchteten 3 zur Arbeitskräfte­sicherung in Fachkraftberufen 4 Anteil von Personen mit ausländischer Staatsbürgerschaft an Bevölkerung 22,5 % 5 Anteil Migrant_innen an allen Beschäftigten 13,4 % Anteil der Geflüchteten an allen Beschäftigten 0,9 % ABB. 1 Stellenüberhangsquote 6 in den Arbeitsagenturbezirken Berlins (in Prozent) >_ 70 % <_ 70 % <_ 60 % <_ 50 % <_ 40 % <_ 30 % <_ 20 % <_ 10 % ABB. 2 Anteil unbesetzter Ausbildungsstellen an allen gemeldeten Ausbildungsstellen in Berlin (in Prozent) >_ 70 % <_ 70 % <_ 60 % <_ 50 % <_ 40 % <_ 30 % <_ 20 % <_ 10 % Berlin Berlin Im Jahr 2020 konnten im Arbeitsagenturbezirk Berlin 12,6 Prozent der­ offenen Stellen in Fachkraftberufen rein rechnerisch nicht besetzt ­werden. Die Fachkräftesituation ist somit deutlich entspannter als in den umliegenden Arbeitsagenturbezirken Brandenburgs, die Stellenüberhangsquote Berlins gehört bundesweit zu den niedrigsten. Hinweis: links: Jahresdurchschnitt 2020; rechts: zum 30.9.2020. Quelle: IW-Berechnung auf Basis von Sonderauswertungen der BA und des IAB, 2021. In Berlin blieben 2020 insgesamt 10,7 Prozent der gemeldeten Ausbildungsstellen zum 30.9. unbesetzt. Damit lag Berlin etwas unter dem bundesweiten Durchschnitt von 11,3 Prozent. Hinweis: links: Jahresdurchschnitt 2020; rechts: zum 30.9.2020. Quelle: IW-Berechnung auf Basis von Sonderauswertungen der BA und des IAB, 2021. TAB. 1 Top-2-Fachkraftberufe am regionalen Arbeitsmarkt mit den meisten Migrant_innen und Geflüchteten in Berlin Migrant_innen Berufsgattung nach KldB 2010 Kaufm., techn. Betriebswirtschaft(o. S.) Gastronomieservice(o. S.) Geflüchtete Fahrzeugführer_innen Straßenverkehr(s. s. T.) Gastronomieservice(o. S.) Anzahl Anteil an allen Beschäftigten 8.691 19,1 % 8.664 37, 8 % 660 7,5 % 499 2,2 % Insgesamt waren 2020 in Berlin knapp 102.000 Migrant_innen in Fachkraftberufen beschäftigt. Dies entspricht 13,4 Prozent aller in Fachkraftberufen Beschäftigten. In absoluten Zahlen arbeiteten die meisten Migrant_innen in der Kaufmännisch, technischen Betriebswirtschaft (8.691) und als Servicekraft in der Gastronomie(8.664). Die Anzahl sozialversicherungspflichtig beschäftigter Geflüchteter hat sich von 2013 bis 2020 mehr als versiebenfacht. Ihr Anteil an allen Beschäftigten in Fachkraftberufen lag 2020 in Berlin bei 0,9 Prozent beziehungsweise etwa 6.500 Beschäftigten. Die meisten Geflüchteten arbeiteten als Fahrzeugführer_innen im Straßenver­kehr(660) oder als Servicekraft in der Gastronomie(499). Hinweis: Jahresdurchschnitt 2020. Quelle: IW-Berechnung auf Basis von Sonderauswertungen der BA, 2021. 36 OHNE SIE GEHT NICHTS MEHR  NOVEMBER 2021  FES diskurs ABB. 3 Top-10-Fachkraftberufe 2020 mit der größten Fachkräftelücke 7 in Berlin und der Anteil von von Migrant_innen(mittelblau) und Geflüchteten(hellblau) an allen Beschäftigten in dem jeweiligen Beruf Personenanzahl 0 250 Migrant_innen 500 Geflüchtete Bauelektrik 422 458 11,6 % 0,6 % Fachkräftelücke 2020 Fachkräftelücke 2019 Sozialverwaltungund-versicherung Altenpflege Gesundheits- und Krankenpflege Sanitär-, Heizungsund Klimatechnik Triebfahrzeug­führer_innen im Eisenbahnverkehr Augenoptik Mechatronik Elektrische Betriebstechik Chemie- und Pharmatechnik 389 0 366 426 332 247 243 461 146 166 65 108 63 92 54 103 41 48 2,2 % 11,0 % 8,8 % 9,7 % 2,5 % 5,9 % 8,3 % 8,3 % 5,8 % 0,1 % 0,3 % 0,3 % 0,4 % 0,1 % 0,7 % 0,7 % 0,8 % 0,6 % Hinweis: Jahresdurchschnitte, Berufe sind entsprechend der Engpässe für 2020 von oben nach unten angeordnet. Aus grafischen Gründen wurden unterschiedliche Maßstäbe für die Visualisierung der Kreisdiagramme in den Rubriken„Migrant_innen“ und„Geflüchtete“ verwendet. Quelle: IW-Berechnung auf Basis von Sonderauswertungen der BA und des IAB, 2021. Die größten Fachkräftelücken herrsch­ ten im Jahr 2020 in Berlin in den Berufen der Bauelektrik mit 422 gefolgt von der Sozialverwaltung und-versicherung mit 389 nicht zu besetzenden Stellen. Der Anteil beschäftigter Migrant_innen in diesen Berufen lag 2020 bei 11,6 Prozent beziehungsweise 2,2 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahr 2019 ist die Fachkräftelücke im Jahresdurchschnitt 2020 überwiegend zurückgegangen. Vor allem in einigen Handwerksbe­ rufen ist die Fachkräftelücke gesunken, wohin­gegen in der Gesundheitsund Krankenpflege sowie in der Sozial­ verwaltung und-versicherung ein Anstieg zu verzeichnen war. Bei Er­ho­ lung der Wirtschaft nach der Corona-­ Krise ist hier allerdings wieder mit einem Anstieg auf Vorkrisenniveau zu rechnen. ABB. 4 Entwicklung des Anteils der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge in Engpassberufen an allen Ausbildungsanfänger_innen der jeweiligen Gruppen (Engpassberufe des jeweiligen Jahres; Jahresdurchschnitte, in Prozent) 60 43,7 40 34,7 30,1 20 0 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 Deutsche Migrant_innen Geflüchtete Der Anteil von Migrant_innen und Geflüchteten an allen Ausbildungsan­ fänger_innen lag 2020 über alle Berufe hinweg bei 13,1 Prozent beziehungs­ weise 4,6 Prozent. Migrant_innen und Geflüchtete beginnen ihre Ausbildung eher in Engpassberufen. Der Anteil der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge von Migrant_innen und Geflüchteten in Engpassberufen lag 2019 mit 34,7 Prozent bzw. 43,7 Prozent über dem der deutschen Staatsangehö­ rigen(30,1 Prozent). Hinweis: Ein Beruf gilt als Engpassberuf, wenn weniger als 100 passend qualifizierte Arbeitslose auf 100 offene Stellen kommen. Quelle:„Datenbank Auszubildende“ des BIBB auf Basis der Daten der Berufsbildungsstatistik der statistischen Ämter des Bundes und der Länder(Erhebung zum 31.12.). IW-Berechnung auf Basis von Sonderauswertungen der BA und des IAB, 2021. ANMERKUNGEN 1 Aufgeführte Daten stammen, so weit nicht anders angegeben, aus eigenen Berechnungen auf Basis der exklusiven Sonderauswertungen von Daten der Bundesagentur für Arbeit für diese Studie. 2 Der Begriff Migrant_innen umfasst Personen mit ausschließlich nichtdeutscher Staatsangehörigkeit. 3 Der Begriff Geflüchtete beschreibt Personen mit Nationalitäten der Top-8-Asylherkunftsländer(Afghanistan, Eritrea, Irak, Iran, Nigeria, ­Pakistan, Somalia, Syrien). Die Abgrenzung erfolgt aus Datengründen rein auf Basis der Nationalität einer Person, unabhängig davon, ob die Person tatsächlich eine Migrations- oder Fluchterfahrung hat. 4 Der Begriff Fachkraftberufe beschreibt Berufsgattungen auf Niveau 2 der KldB 2010 und umfasst Berufe, zu deren Ausübung typischer­weise eine(duale) Ausbildung vorausgesetzt wird. 5 Statistisches Bundesamt: Ausländische Bevölkerung nach Bundes­ ländern(zum 31.12.2020), online abrufbar: https://www.destatis.de/DE/ Themen/Gesellschaft-Umwelt/Bevoelkerung/Migration-Integration/ Tabellen/auslaendische-bevoelkerung-bundeslaender.html(7.10.2020). 6 Die Stellenüberhangsquote beschreibt den Anteil an offenen ­Stellen, für die es in der Region keine passend qualifizierten Arbeitslosen gibt, an allen offenen Stellen. 7 Die Fachkräftelücke beschreibt die absolute Anzahl an offenen Stellen in einer Berufsgattung, die nicht mit passend qualifizierten Arbeitslosen besetzt werden können. FRIEDRICH-EBERT-STIFTUNG 37 Fact-Sheet: Brandenburg 1 Der Beitrag von Migrant_innen 2 und G­ eflüchteten 3 zur Arbeitskräfte­sicherung in Fachkraftberufen 4 Anteil von Personen mit ausländischer Staatsbürgerschaft an Bevölkerung 5,4  % 5 Anteil Migrant_innen an allen Beschäftigten 5,0 % Anteil der Geflüchteten an allen Beschäftigten 0,3 % ABB. 1 Stellenüberhangsquote 6 in den Arbeitsagenturbezirken Brandenburgs (in Prozent) ABB. 2 Anteil unbesetzter Ausbildungsstellen an allen gemeldeten Ausbildungsstellen in Brandenburg (in Prozent) Neuruppin Eberswalde Neuruppin Eberswalde Berlin Frankfurt (Oder) Frankfurt (Oder) >_ 70 % <_ 70 % <_ 60 % <_ 50 % <_ 40 % <_ 30 % <_ 20 % <_ 10 % Potsdam Cottbus Den höchsten Anteil offener Stellen in Fachkraftberufen, die rein rechnerisch nicht zu besetzen waren, hatte im Jahr 2020 der Arbeits­ agenturbezirk Potsdam mit 40,6 Prozent. In Frankfurt(Oder) waren 28,3 Prozent aller Stellen nicht zu besetzen. Hinweis: links: Jahresdurchschnitt 2020; rechts: zum 30.9.2020. Quelle: IW-Berechnung auf Basis von Sonderauswertungen der BA und des IAB, 2021. >_ 70 % <_ 70 % <_ 60 % <_ 50 % <_ 40 % <_ 30 % <_ 20 % <_ 10 % Potsdam Cottbus In Brandenburg blieben 2020 insgesamt 15,1 Prozent der gemeldeten Ausbildungsstellen zum 30.9. unbesetzt. Damit lag Brandenburg etwas über dem bundesweiten Durchschnitt von 11,3 Prozent. Am höchsten lag dieser Anteil in Potsdam(20,3 Prozent), am niedrigsten in Frankfurt (Oder)(6,3 Prozent). Hinweis: links: Jahresdurchschnitt 2020; rechts: zum 30.9.2020. Quelle: IW-Berechnung auf Basis von Sonderauswertungen der BA und des IAB, 2021. TAB. 1 Top-2-Fachkraftberufe am regionalen Arbeitsmarkt mit den meisten Migrant_innen und Geflüchteten in Brandenburg Migrant_innen Berufsgattung nach KldB 2010 Berufskraftfahrer_innen (G ü te r ve r ke h r/ Lk w) Lagerwirtschaft Anzahl Anteil an allen Beschäftigten 3.682 16,3 % 1.763 16,4 % Gastronomieservice(o. S.) 162 Geflüchtete Fahrzeugführer_innen 142 Straßenverkehr(s. s. T.) 1,7 % 3,3 % Hinweis: Jahresdurchschnitt 2020. Quelle: IW-Berechnung auf Basis von Sonderauswertungen der BA, 2021. Insgesamt waren 2020 in Brandenburg rund 25.000 Migrant_innen in Fachkraftberufen beschäftigt. Dies entspricht fünf Prozent aller in Fachkraftberufen Beschäftigten, damit liegt Brandenburg unter dem bundesweiten Durchschnitt von 10,5 Prozent. In absoluten Zahlen arbeiteten die meisten Migrant_innen als Berufskraftfahrer_innen(3.682) und in der Lagerwirtschaft(1.763). Die Anzahl sozialversicherungspflichtig beschäftigter Geflüchteter hat sich von 2013 bis 2020 fast um das Sechzehnfache erhöht. Ihr Anteil an allen Beschäftigten in Fachkraftberufen lag 2020 in Brandenburg bei 0,3 Prozent beziehungsweise knapp 1.700 Beschäftigten, 2013 waren es nur knapp über 100. Die meisten Geflüchteten arbeiteten im Jahr 2020 als Service­ kräfte in der Gastronomie(162) oder als Fahrzeugführer_innen im ­Straßenverkehr(142). 38 OHNE SIE GEHT NICHTS MEHR  NOVEMBER 2021  FES diskurs ABB. 3 Top-10-Fachkraftberufe 2020 mit der größten Fachkräftelücke 7 in Brandenburg und der Anteil von Migrant_innen(mittelblau) und Geflüchteten(hellblau) an allen Beschäftigten in dem jeweiligen Beruf Personenanzahl 0 Altenpflege 500 1.000 671 706 Migrant_innen 1,9 % Geflüchtete 0,7 % Fachkräftelücke 2020 Fachkräftelücke 2019 Bauelektrik Sanitär-, Heizungsund Klimatechnik Gesundheits- und Krankenpflege Kraftfahrzeugtechnik Kinderbetreuung und-erziehung Berufskraftfahrer_ innen(Güterverkehr/Lkw) Öffentliche Verwaltung Überwachung und Wartung der Eisenbahninfrastruktur Elektrische Betriebstechnik 537 546 446 433 420 443 328 505 294 255 287 622 227 171 212 192 194 291 6,4 % 3,5 % 3,6 % 3,7 % 1,3 % 16,3 % 0,6 % 2,2 % 2,9 % 0,2 % 0,2 % 0,1 % 0,2 % 0,1 % 0,2 % 0,0 % 1,0 % 0,2 % Hinweis: Jahresdurchschnitte, Berufe sind entsprechend der Engpässe für 2020 von oben nach unten angeordnet. Aus grafischen Gründen wurden unterschiedliche Maßstäbe für die Visualisierung der Kreisdiagramme in den Rubriken„Migrant_innen“ und„Geflüchtete“ verwendet. Quelle: IW-Berechnung auf Basis von Sonderauswertungen der BA und des IAB, 2021. Die größten Fachkräftelücken herrschten im Jahr 2020 in Brandenburg in der Altenpflege mit 671 gefolgt von der Bauelektrik mit 537 nicht zu besetzenden Stellen. Der Anteil beschäftigter Migrant_innen in diesen Berufen lag 2020 bei 1,9 Prozent be­ ziehungsweise 6,4 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahr 2019 zeigt die Fachkräftelücke im Jahresdurchschnitt 2020 ein gemischtes Bild. Ob­wohl sie in vielen Berufen im Vergleich zum Vorjahr gesunken ist, gab es auch Berufe, in denen sie trotz oder gerade wegen Corona gestiegen ist. Dazu gehören beispielsweise Sanitär-, Heizungs- und Klimatechniker_innen, Erzieher_innen oder Berufe in der ­Öffentlichen Verwaltung. Nach Erholung der Wirtschaft nach der CoronaKrise ist allgemein wieder mit einem Anstieg der Fachkräftelücken auf Vor­krisenniveau zu rechnen. ABB. 4 Entwicklung des Anteils der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge in Engpassberufen an allen Ausbildungsanfänger_innen der jeweiligen Gruppen (Engpassberufe des jeweiligen Jahres; Jahresdurchschnitte, in Prozent) 80 60 40 20 0 2013 2014 2015 2016 2017 2018 69,9 65,7 53,0 2019 Deutsche Migrant_innen Geflüchtete Der Anteil von Migrant_innen und Geflüchteten an allen Ausbildungsan­ fänger_innen lag 2020 in Brandenburg bei 5,9 Prozent respektive 2,4 Prozent. Migrant_innen und Geflüchtete beginnen ihre Ausbildung eher in Engpassberufen. Der Anteil der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge von Migrant_innen und Geflüchteten in Engpassberufen lag 2019 mit 65,7 Prozent bzw. 69,9 Prozent über dem der deutschen Staatsangehörigen(53 Prozent). Hinweis: Ein Beruf gilt als Engpassberuf, wenn weniger als 100 passend qualifizierte Arbeitslose auf 100 offene Stellen kommen. Quelle:„Datenbank Auszubildende“ des BIBB auf Basis der Daten der Berufsbildungsstatistik der statistischen Ämter des Bundes und der Länder(Erhebung zum 31.12.). IW-Berechnung auf Basis von Sonderauswertungen der BA und des IAB, 2021. ANMERKUNGEN 1 Aufgeführte Daten stammen, so weit nicht anders angegeben, aus eigenen Berechnungen auf Basis der exklusiven Sonderauswertungen von Daten der Bundesagentur für Arbeit für diese Studie. 2 Der Begriff Migrant_innen umfasst Personen mit ausschließlich nichtdeutscher Staatsangehörigkeit. 3 Der Begriff Geflüchtete beschreibt Personen mit Nationalitäten der Top-8-Asylherkunftsländer(Afghanistan, Eritrea, Irak, Iran, Nigeria, ­Pakistan, Somalia, Syrien). Die Abgrenzung erfolgt aus Datengründen rein auf Basis der Nationalität einer Person, unabhängig davon, ob die Person tatsächlich eine Migrations- oder Fluchterfahrung hat. 4 Der Begriff Fachkraftberufe beschreibt Berufsgattungen auf Niveau 2 der KldB 2010 und umfasst Berufe, zu deren Ausübung typischer­weise eine(duale) Ausbildung vorausgesetzt wird. 5 Statistisches Bundesamt: Ausländische Bevölkerung nach Bundes­ ländern(zum 31.12.2020), online abrufbar: https://www.destatis.de/DE/ Themen/Gesellschaft-Umwelt/Bevoelkerung/Migration-Integration/ Tabellen/auslaendische-bevoelkerung-bundeslaender.html(7.10.2020). 6 Die Stellenüberhangsquote beschreibt den Anteil an offenen ­Stellen, für die es in der Region keine passend qualifizierten Arbeitslosen gibt, an allen offenen Stellen. 7 Die Fachkräftelücke beschreibt die absolute Anzahl an offenen Stellen in einer Berufsgattung, die nicht mit passend qualifizierten Arbeitslosen besetzt werden können. FRIEDRICH-EBERT-STIFTUNG 39 Fact-Sheet: Bremen 1 Der Beitrag von Migrant_innen 2 und G­ eflüchteten 3 zur Arbeitskräfte­sicherung in Fachkraftberufen 4 Anteil von Personen mit ausländischer Staatsbürgerschaft an Bevölkerung 20,2  % 5 Anteil Migrant_innen an allen Beschäftigten 9,2 % Anteil der Geflüchteten an allen Beschäftigten 0,7 % ABB. 1 Stellenüberhangsquote 6 in den Arbeitsagenturbezirken Bremens (in Prozent) ABB. 2 Anteil unbesetzter Ausbildungsstellen an allen gemeldeten Ausbildungsstellen in Bremen (in Prozent) >_ 70 % <_ 70 % <_ 60 % <_ 50 % <_ 40 % <_ 30 % <_ 20 % <_ 10 % Bremen Im Jahr 2020 konnte im Arbeitsagenturbezirk Bremen gut jede fünfte offene Stelle in Fachkraftberufen rein rechnerisch nicht besetzt werden (21,2 Prozent). >_ 70 % <_ 70 % <_ 60 % <_ 50 % <_ 40 % <_ 30 % <_ 20 % <_ 10 % Bremen Gleichzeitig blieben in Bremen 2020 insgesamt 7,0 Prozent der gemeldeten Ausbildungsstellen zum 30.9. unbesetzt. Damit lag Bremen deutlich unter dem bundesweiten Durchschnitt von 11,3 Prozent. Hinweis: links: Jahresdurchschnitt 2020; rechts: zum 30.9.2020. Quelle: IW-Berechnung auf Basis von Sonderauswertungen der BA und des IAB, 2021. Hinweis: links: Jahresdurchschnitt 2020; rechts: zum 30.9.2020. Quelle: IW-Berechnung auf Basis von Sonderauswertungen der BA und des IAB, 2021. TAB. 1 Top-2-Fachkraftberufe am regionalen Arbeitsmarkt mit den meisten Migrant_innen und Geflüchteten in Bremen Migrant_innen Berufsgattung nach KldB 2010 Berufskraftfahrer_innen (G ü te r ve r ke h r/ Lk w) Gastronomieservice(o. S.) Geflüchtete Post- und Zustelldienste Gastronomieservice(o. S.) Anzahl Anteil an allen Beschäftigten 927 19,3 % 722 25,7 % 90 6,0 % 88 3,1 % Insgesamt waren 2020 in Bremen knapp 15.700 Migrant_innen in Fach­ kraftberufen beschäftigt. Dies entspricht 9,2 Prozent aller in Fachkraftberufen Beschäftigten. In absoluten Zahlen arbeiteten die meisten Migrant_innen als Berufskraftfahrer_innen(927) und als Servicekraft in der Gastronomie(722). Die Anzahl sozialversicherungspflichtig beschäftigter Geflüchteter hat sich von 2013 bis 2020 mehr als vervierfacht. Ihr Anteil an allen Beschäftigten in Fachkraftberufen lag 2020 in Bremen bei 0,7 Prozent beziehungsweise über 1.200 Beschäftigten. Die meisten Geflüchteten arbeiteten in Post- und Zustelldiensten(90) oder als Servicekräfte in der Gastronomie(88). Hinweis: Jahresdurchschnitt 2020. Quelle: IW-Berechnung auf Basis von Sonderauswertungen der BA, 2021. 40 OHNE SIE GEHT NICHTS MEHR  NOVEMBER 2021  FES diskurs ABB. 3 Top-10-Fachkraftberufe 2020 mit der größten Fachkräftelücke 7 in Bremen und der Anteil von Migrant_innen(mittelblau) und Geflüchteten(hellblau) an allen Beschäftigten in dem jeweiligen Beruf Personenanzahl 0 Gesundheits- und Krankenpflege Migrant_innen 125 250 254 185 7,0 % Geflüchtete 0,3 % Fachkräftelücke 2020 Fachkräftelücke 2019 Bauelektrik Kinderbetreuung und-erziehung Altenpflege Sanitär-, Heizungsund Klimatechnik Elektrische Betriebstechnik Steuerberatung Heilerziehungspflege und Sonderpädagogik Mechatronik Anlagen-, Behälterund Apparatebau 44 44 36 43 53 42 49 36 54 147 181 130 150 121 191 121 120 117 7,3 % 7,2 % 9,2 % 10,5 % 5,3 % 3,3 % 3,6 % 2,2 % 9,9 % 1,0 % 0,7 % 0,4 % 0,5 % 0,7 % 0,1 % 0,1 % 0,3 % 1,1 % Die größten Fachkräftelücken herrschten im Jahr 2020 in Bremen in der Gesundheits- und Krankenpflege mit 254 gefolgt von der Bauelektrik mit 147 nicht zu besetzenden Stellen. Der Anteil beschäftigter Migrant_innen in diesen Berufen lag 2020 bei 7,0 Prozent beziehungsweise 7,3 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahr 2019 ist in der Gesundheits- und Krankenpflege die Fachkräftelücke im Jahresdurchschnitt 2020 deutlich gestiegen. In vielen anderen Berufen sank sie hingegen aufgrund der geringeren Zahl offener Stellen im Zuge der CoronaPandemie. Nach Erholung der Wirtschaft ist in der Zukunft allerdings wieder mit einem Anstieg auf Vorkrisenniveau zu rechnen. Hinweis: Jahresdurchschnitte, Berufe sind entsprechend der Engpässe für 2020 von oben nach unten angeordnet. Aus grafischen Gründen wurden unterschiedliche Maßstäbe für die Visualisierung der Kreisdiagramme in den Rubriken„Migrant_innen“ und„Geflüchtete“ verwendet. Quelle: IW-Berechnung auf Basis von Sonderauswertungen der BA und des IAB, 2021. ABB. 4 Entwicklung des Anteils der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge in Engpassberufen an allen Ausbildungsanfänger_innen der jeweiligen Gruppen (Engpassberufe des jeweiligen Jahres; Jahresdurchschnitte, in Prozent) 80 60 40 20 0 2013 2014 2015 2016 2017 2018 42,2 39,2 37,8 2019 Deutsche Migrant_innen Geflüchtete Der Anteil an Migrant_innen und Geflüchteten an allen Ausbildungsan­ fänger_innen lag in Bremen 2020 über alle Berufe bei 11,5 Prozent respektive 5,0 Prozent. Der Anteil der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge von Migrant_innen und Geflüchteten in Engpassberufen lag 2019 mit 39,2 Prozent bzw. 37,8 Prozent knapp unter dem der deutschen Staatsangehörigen(42,2 Prozent). Hinweis: Ein Beruf gilt als Engpassberuf, wenn weniger als 100 passend qualifizierte Arbeitslose auf 100 offene Stellen kommen. Quelle:„Datenbank Auszubildende“ des BIBB auf Basis der Daten der Berufsbildungsstatistik der statistischen Ämter des Bundes und der Länder(Erhebung zum 31.12.). IW-Berechnung auf Basis von Sonderauswertungen der BA und des IAB, 2021. ANMERKUNGEN 1 Aufgeführte Daten stammen, so weit nicht anders angegeben, aus eigenen Berechnungen auf Basis der exklusiven Sonderauswertungen von Daten der Bundesagentur für Arbeit für diese Studie. 2 Der Begriff Migrant_innen umfasst Personen mit ausschließlich nichtdeutscher Staatsangehörigkeit. 3 Der Begriff Geflüchtete beschreibt Personen mit Nationalitäten der Top-8-Asylherkunftsländer(Afghanistan, Eritrea, Irak, Iran, Nigeria, ­Pakistan, Somalia, Syrien). Die Abgrenzung erfolgt aus Datengründen rein auf Basis der Nationalität einer Person, unabhängig davon, ob die Person tatsächlich eine Migrations- oder Fluchterfahrung hat. 4 Der Begriff Fachkraftberufe beschreibt Berufsgattungen auf Niveau 2 der KldB 2010 und umfasst Berufe, zu deren Ausübung typischer­weise eine(duale) Ausbildung vorausgesetzt wird. 5 Statistisches Bundesamt: Ausländische Bevölkerung nach Bundes­ ländern(zum 31.12.2020), online abrufbar: https://www.destatis.de/DE/ Themen/Gesellschaft-Umwelt/Bevoelkerung/Migration-Integration/ Tabellen/auslaendische-bevoelkerung-bundeslaender.html(7.10.2020). 6 Die Stellenüberhangsquote beschreibt den Anteil an offenen ­Stellen, für die es in der Region keine passend qualifizierten Arbeitslosen gibt, an allen offenen Stellen. 7 Die Fachkräftelücke beschreibt die absolute Anzahl an offenen Stellen in einer Berufsgattung, die nicht mit passend qualifizierten Arbeitslosen besetzt werden können. FRIEDRICH-EBERT-STIFTUNG 41 Fact-Sheet: Hamburg 1 Der Beitrag von Migrant_innen 2 und G­ eflüchteten 3 zur Arbeitskräfte­sicherung in Fachkraftberufen 4 Anteil von Personen mit ausländischer Staatsbürgerschaft an Bevölkerung 17,4 % 5 Anteil Migrant_innen an allen Beschäftigten 11,3 % Anteil der Geflüchteten an allen Beschäftigten 1,3 % ABB. 1 Stellenüberhangsquote 6 in den Arbeitsagenturbezirken Hamburgs (in Prozent) >_ 70 % <_ 70 % <_ 60 % <_ 50 % <_ 40 % <_ 30 % <_ 20 % <_ 10 % ABB. 2 Anteil unbesetzter Ausbildungsstellen an allen gemeldeten Ausbildungsstellen in Hamburg (in Prozent) >_ 70 % <_ 70 % <_ 60 % <_ 50 % <_ 40 % <_ 30 % <_ 20 % <_ 10 % Hamburg Hamburg Im Jahr 2020 lag im Arbeitsagenturbezirk Hamburg der Anteil offener Stellen in Fachkraftberufen, die rein rechnerisch nicht zu besetzen ­waren, bei 14,2 Prozent. In Hamburg blieben 2020 insgesamt 6,9 Prozent der gemeldeten Ausbildungsstellen zum 30.9. unbesetzt. Damit lag Hamburg deutlich unter dem bundesweiten Durchschnitt von 11,3 Prozent. Hinweis: links: Jahresdurchschnitt 2020; rechts: zum 30.9.2020. Quelle: IW-Berechnung auf Basis von Sonderauswertungen der BA und des IAB, 2021. Hinweis: links: Jahresdurchschnitt 2020; rechts: zum 30.9.2020. Quelle: IW-Berechnung auf Basis von Sonderauswertungen der BA und des IAB, 2021. TAB. 1 Top-2-Fachkraftberufe am regionalen Arbeitsmarkt mit den meisten Migrant_innen und Geflüchteten in Hamburg Migrant_innen Berufsgattung nach KldB 2010 Büro-, Sekretariatskräfte (o. S.) Gastronomieservice(o. S.) Geflüchtete Gastronomieservice(o. S.) Verkauf(ohne Produkt­ spezialisierung) Anzahl Anteil an allen Beschäftigten 3.607 6,3 % 3.529 593 33,6 % 5,6 % 498 2,3 % Insgesamt waren 2020 in Hamburg über 55.000 Migrant_innen in Fach­-­ kraftberufen beschäftigt. Dies entspricht 11,3 Prozent aller in Fach­ kraftberufen Beschäftigten und ist im Vergleich zu anderen Bundesländern eher hoch. In absoluten Zahlen arbeiteten die meisten Migrant_ innen als Büro- und Sekretariatskraft(3.607) und als Servicekraft in der Gastronomie(3.529). Die Anzahl sozialversicherungspflichtig beschäftigter Geflüchteter hat sich von 2013 bis 2020 mehr als verdreifacht. Ihr Anteil an allen Beschäftigten in Fachkraftberufen lag 2020 in Hamburg bei 1,3 Prozent beziehungsweise rund 6.300 Beschäftigten. Die meisten Geflüchteten arbeiteten als ­Servicekraft in der Gastronomie(593) oder im Verkauf(498). Hinweis: Jahresdurchschnitt 2020. Quelle: IW-Berechnung auf Basis von Sonderauswertungen der BA, 2021. 42 OHNE SIE GEHT NICHTS MEHR  NOVEMBER 2021  FES diskurs ABB. 3 Top-10-Fachkraftberufe 2020 mit der größten Fachkräftelücke 7 in Hamburg und der Anteil von Migrant_innen(mittelblau) und Geflüchteten(hellblau) an allen Beschäftigten in dem jeweiligen Beruf Personenanzahl 0 Altenpflege 125 250 169 Migrant_innen 304 10,7 % Geflüchtete 0,7 % Fachkräftelücke 2020 Fachkräftelücke 2019 Gesundheits- und Krankenpflege Bauelektrik Sanitär-, Heizungsund Klimatechnik Elektrische Betriebstechnik Kraftfahrzeugtechnik Augenoptik Gebäudereinigung Sozialverwaltung und-versicherung Triebfahrzeugführer_innen im Eisenbahnverkehr 61 54 49 68 45 20 40 24 40 90 166 156 140 163 249 261 223 222 10,1 % 12,1 % 6,0 % 5,5 % 11,1 % 4,0 % 48,9 % 1,8 % 5,7 % 0,6 % 1,4 % 0,5 % 0,9 % 2,0 % 0,8 % 2,2 % 0,2 % 0,4 % Hinweis: Jahresdurchschnitte, Berufe sind entsprechend der Engpässe für 2020 von oben nach unten angeordnet. Aus grafischen Gründen wurden unterschiedliche Maßstäbe für die Visualisierung der Kreisdiagramme in den Rubriken„Migrant_innen“ und„Geflüchtete“ verwendet. Quelle: IW-Berechnung auf Basis von Sonderauswertungen der BA und des IAB, 2021. Die größten Fachkräftelücken herrschten im Jahr 2020 in Hamburg in der Altenpflege mit 169 gefolgt von der Gesundheits- und Krankenpflege mit 166 nicht zu besetzenden Stellen. Der Anteil beschäftigter Migrant_innen in diesen Berufen lag 2020 bei 10,7 Prozent beziehungsweise 10,1 Prozent. In der Gebäudereinigung ist der Anteil der Migranten unter den Top-10-Engpassberufen mit fast 50 Prozent mit Abstand am höchsten. Im Vergleich zum Vorjahr 2019 ist die Fachkräftelücke im Jahresdurchschnitt 2020 deutlich gesunken. Lediglich im Bereich Gebäudereinigung und der Sozialverwaltung ist die Fachkräftelücke von 2019 auf 2020 gestiegen. Nach Erholung der Wirtschaft nach der Corona-Krise ist hier allerdings wieder mit einem Anstieg auf Vorkrisenniveau zu rechnen. ABB. 4 Entwicklung des Anteils der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge in Engpassberufen an allen Ausbildungsanfänger_innen der jeweiligen Gruppen (Engpassberufe des jeweiligen Jahres; Jahresdurchschnitte, in Prozent) 60 51,7 49,9 49,4 40 20 0 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 Deutsche Migrant_innen Geflüchtete Ganze 13,1 Prozent der Ausbildungsanfänger_innen sind Migrant_innen. Migrant_innen und Geflüchtete beginnen ihre Ausbildung eher in Engpassberufen. Der Anteil der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge von Migrant_innen und Geflüchteten in Engpassberufen war 2019 mit 49,4 Prozent bzw. 51,7 Prozent ähnlich dem der deutschen Staatsangehörigen(49,9 Prozent). Hinweis: Ein Beruf gilt als Engpassberuf, wenn weniger als 100 passend qualifizierte Arbeitslose auf 100 offene Stellen kommen. Quelle:„Datenbank Auszubildende“ des BIBB auf Basis der Daten der Berufsbildungsstatistik der statistischen Ämter des Bundes und der Länder(Erhebung zum 31.12.). IW-Berechnung auf Basis von Sonderauswertungen der BA und des IAB, 2021. ANMERKUNGEN 1 Aufgeführte Daten stammen, so weit nicht anders angegeben, aus eigenen Berechnungen auf Basis der exklusiven Sonderauswertungen von Daten der Bundesagentur für Arbeit für diese Studie. 2 Der Begriff Migrant_innen umfasst Personen mit ausschließlich nichtdeutscher Staatsangehörigkeit. 3 Der Begriff Geflüchtete beschreibt Personen mit Nationalitäten der Top-8-Asylherkunftsländer(Afghanistan, Eritrea, Irak, Iran, Nigeria, ­Pakistan, Somalia, Syrien). Die Abgrenzung erfolgt aus Datengründen rein auf Basis der Nationalität einer Person, unabhängig davon, ob die Person tatsächlich eine Migrations- oder Fluchterfahrung hat. 4 Der Begriff Fachkraftberufe beschreibt Berufsgattungen auf Niveau 2 der KldB 2010 und umfasst Berufe, zu deren Ausübung typischer­weise eine(duale) Ausbildung vorausgesetzt wird. 5 Statistisches Bundesamt: Ausländische Bevölkerung nach Bundes­ ländern(zum 31.12.2020), online abrufbar: https://www.destatis.de/DE/ Themen/Gesellschaft-Umwelt/Bevoelkerung/Migration-Integration/ Tabellen/auslaendische-bevoelkerung-bundeslaender.html(7.10.2020). 6 Die Stellenüberhangsquote beschreibt den Anteil an offenen ­Stellen, für die es in der Region keine passend qualifizierten Arbeitslosen gibt, an allen offenen Stellen. 7 Die Fachkräftelücke beschreibt die absolute Anzahl an offenen Stellen in einer Berufsgattung, die nicht mit passend qualifizierten Arbeitslosen besetzt werden können. FRIEDRICH-EBERT-STIFTUNG 43 Fact-Sheet: Hessen 1 Der Beitrag von Migrant_innen 2 und G­ eflüchteten 3 zur Arbeitskräfte­sicherung in Fachkraftberufen 4 Anteil von Personen mit ausländischer Staatsbürgerschaft an Bevölkerung 18,1 % 5 Anteil Migrant_innen an allen Beschäftigten 14,6 % Anteil der Geflüchteten an allen Beschäftigten 1,0 % ABB. 1 Stellenüberhangsquote 6 in den Arbeitsagenturbezirken Hessens (in Prozent) >_ 70 % <_ 70 % <_ 60 % <_ 50 % <_ 40 % <_ 30 % <_ 20 % <_ 10 % Kassel Korbach Marburg Bad Hersfeld ABB. 2 Anteil unbesetzter Ausbildungsstellen an allen gemeldeten Ausbildungsstellen in Hessen (in Prozent) >_ 70 % <_ 70 % <_ 60 % <_ 50 % <_ 40 % <_ 30 % <_ 20 % <_ 10 % Kassel Korbach Marburg Bad Hersfeld Limburg Gießen Limburg Bad Homburg Frankfurt Offenbach Hanau Limburg Gießen Limburg Bad Homburg Frankfurt Offenbach Hanau Darmstadt Darmstadt Den höchsten Anteil offener Stellen in Fachkraftberufen, die rein rechne­ risch nicht zu besetzen waren, hatte im Jahr 2020 der Arbeitsagenturbezirk Hanau mit 51,7 Prozent. In Bad Homburg waren hingegen lediglich 10,5 Prozent aller Stellen nicht zu besetzen. Im bundesweiten Durchschnitt konnten 23 Prozent der Fachkraftstellen nicht besetzt werden. Hinweis: Jahresdurchschnitt 2020; rechts: zum 30.9.2020. Quelle: IW-Berechnung auf Basis von Sonderauswertungen der BA und des IAB, 2021. In Hessen blieben 2020 insgesamt 9,5 Prozent der gemeldeten Aus­bil­ dungsstellen zum 30.9. unbesetzt. Damit lag Hessen unter dem bundesweiten Durchschnitt von 11,3 Prozent. Am höchsten lag dieser Anteil in Frankfurt(18,0 Prozent), am niedrigsten in Kassel(0,3 Prozent). Hinweis: Jahresdurchschnitt 2020; rechts: zum 30.9.2020. Quelle: IW-Berechnung auf Basis von Sonderauswertungen der BA und des IAB, 2021. . TAB. 1 Top-2-Fachkraftberufe am regionalen Arbeitsmarkt mit den meisten Migrant_innen und Geflüchteten in Hessen Migrant_innen Berufsgattung nach KldB 2010 Berufskraftfahrer_innen (G ü te r ve r ke h r/ Lk w) Büro-, Sekretariatskräfte(o. S.) Anzahl 12.635 10.096 Anteil an allen Beschäftigten 33,7 % 7,9 % Geflüchtete Objekt-, Werte-, Personenschutz Gebäudereinigung 1.238 1.153 5,4 % 11,1 % Hinweis: Jahresdurchschnitt 2020. Quelle: IW-Berechnung auf Basis von Sonderauswertungen der BA, 2021. Insgesamt waren 2020 in Hessen rund 202.000 Migrant_innen in Fachkraftberufen beschäftigt. Dies entspricht 14,6 Prozent aller in Fachkraftberufen Beschäftigten. Damit ist Hessen das Land mit dem zweithöchsten Anteil an Migrant_innen. In absoluten Zahlen arbeiteten die meisten Migrant_innen als Berufskraftfahrer_innen(12.635) und als Büro- und Sekretariatskraft(10.096). Die Anzahl sozialversicherungspflichtig beschäftigter Geflüchteter hat sich von 2013 bis 2020 mehr als verdreifacht. Ihr Anteil an allen Beschäftigten in Fachkraftberufen lag 2020 in Hessen bei 1,0 Prozent beziehungsweise knapp 14.000 Beschäftigten. Die meisten Geflüchteten arbeiteten im Objekt-, Werte-, Personenschutz(1.238) oder in der Gebäudereinigung (1.153). 44 OHNE SIE GEHT NICHTS MEHR  NOVEMBER 2021  FES diskurs ABB. 3 Top-10-Fachkraftberufe 2020 mit der größten Fachkräftelücke 7 in Hessen und der Anteil von ­Migrant_innen(mittelblau) und Geflüchteten(hellblau) an allen Beschäftigten in dem jeweiligen Beruf Personenanzahl 0 Altenpflege 1.000 2.000 1.333 1.473 Migrant_innen Geflüchtete 11,5 % 0,4 % Fachkräftelücke 2020 Fachkräftelücke 2019 Bauelektrik Gesundheits- und Krankenpflege Kinderbetreuung und-erziehung Sanitär-, Heizungsund Klimatechnik Elektrische Betriebstechnik Verkauf von Fleischwaren Steuerberatung 896 864 801 795 766 794 856 422 734 299 288 296 302 1.288 20,0 % 14,8 % 6,8 % 15,3 % 8,6 % 4,6 % 6,5 % 0,8 % 0,4 % 0,2 % 0,4 % 0,5 % 0,4 % 0,1 % Die größten Fachkräftelücken herrschten im Jahr 2020 in Hessen in der Altenpflege mit 1.333 gefolgt von der Bauelektrik mit 896 nicht zu besetzenden Stellen. Der Anteil beschäftigter Migrant_innen in diesen Berufen lag 2020 bei 11,5 Prozent beziehungsweise 20 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahr 2019 ist die Fachkräftelücke im Jahresdurchschnitt 2020 gesunken. Nach Erholung der Wirtschaft nach der Corona-Krise ist hier allerdings wieder mit einem Anstieg auf Vorkrisenniveau zu rechnen. Mechatronik 277 371 8,2 % 0,7 % Kraftfahrzeugtechnik 248 726 12,9 % 0,9 % Hinweis: Jahresdurchschnitte, Berufe sind entsprechend der Engpässe für 2020 von oben nach unten angeordnet. Aus grafischen Gründen wurden unterschiedliche Maßstäbe für die Visualisierung der Kreisdiagramme in den Rubriken„Migrant_innen“ und„Geflüchtete“ verwendet. Quelle: IW-Berechnung auf Basis von Sonderauswertungen der BA und des IAB, 2021. ABB. 4 Entwicklung des Anteils der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge in Engpassberufen an allen Ausbildungsanfänger_innen der jeweiligen Gruppen (Engpassberufe des jeweiligen Jahres; Jahresdurchschnitte, in Prozent) 100 80 60 40 20 0 2013 2014 2015 2016 2017 2018 68,0 61,6 60,2 2019 Deutsche Migrant_innen Geflüchtete Migrant_innen und Geflüchtete beginnen ihre Ausbildung häufiger in Eng­ passberufen als Deutsche. Der Anteil der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge von Migrant_innen und Geflüchteten in Engpassberufen lag 2019 mit 61,6 Prozent bzw. 68 Prozent über dem der deutschen Staatsangehörigen(60,2 Prozent). Hinweis: Ein Beruf gilt als Engpassberuf, wenn weniger als 100 passend qualifizierte Arbeitslose auf 100 offene Stellen kommen. Quelle:„Datenbank Auszubildende“ des BIBB auf Basis der Daten der Berufsbildungsstatistik der statistischen Ämter des Bundes und der Länder(Erhebung zum 31.12.). IW-Berechnung auf Basis von Sonderauswertungen der BA und des IAB, 2021. ANMERKUNGEN 1 Aufgeführte Daten stammen, so weit nicht anders angegeben, aus eigenen Berechnungen auf Basis der exklusiven Sonderauswertungen von Daten der Bundesagentur für Arbeit für diese Studie. 2 Der Begriff Migrant_innen umfasst Personen mit ausschließlich nichtdeutscher Staatsangehörigkeit. 3 Der Begriff Geflüchtete beschreibt Personen mit Nationalitäten der Top-8-Asylherkunftsländer(Afghanistan, Eritrea, Irak, Iran, Nigeria, ­Pakistan, Somalia, Syrien). Die Abgrenzung erfolgt aus Datengründen rein auf Basis der Nationalität einer Person, unabhängig davon, ob die Person tatsächlich eine Migrations- oder Fluchterfahrung hat. 4 Der Begriff Fachkraftberufe beschreibt Berufsgattungen auf Niveau 2 der KldB 2010 und umfasst Berufe, zu deren Ausübung typischer­weise eine(duale) Ausbildung vorausgesetzt wird. 5 Statistisches Bundesamt: Ausländische Bevölkerung nach Bundes­ ländern(zum 31.12.2020), online abrufbar: https://www.destatis.de/DE/ Themen/Gesellschaft-Umwelt/Bevoelkerung/Migration-Integration/ Tabellen/auslaendische-bevoelkerung-bundeslaender.html(7.10.2020). 6 Die Stellenüberhangsquote beschreibt den Anteil an offenen ­Stellen, für die es in der Region keine passend qualifizierten Arbeitslosen gibt, an allen offenen Stellen. 7 Die Fachkräftelücke beschreibt die absolute Anzahl an offenen Stellen in einer Berufsgattung, die nicht mit passend qualifizierten Arbeitslosen besetzt werden können. FRIEDRICH-EBERT-STIFTUNG 45 Fact-Sheet: Mecklenburg-Vorpommern 1 Der Beitrag von Migrant_innen 2 und G­ eflüchteten 3 zur Arbeitskräfte­sicherung in Fachkraftberufen 4 Anteil von Personen mit ausländischer Staatsbürgerschaft an Bevölkerung 5,1 % 5 Anteil Migrant_innen an allen Beschäftigten 3,6 % Anteil der Geflüchteten an allen Beschäftigten 0,3 % ABB. 1 Stellenüberhangsquote 6 in den Arbeitsagenturbezirken Mecklenburg-Vorpommerns (in Prozent) >_ 70 % <_ 70 % <_ 60 % <_ 50 % <_ 40 % <_ 30 % <_ 20 % <_ 10 % ABB. 2 Anteil unbesetzter Ausbildungsstellen an allen gemeldeten Ausbildungsstellen in Mecklenburg-Vorpommern (in Prozent) >_ 70 % <_ 70 % <_ 60 % <_ 50 % <_ 40 % <_ 30 % <_ 20 % <_ 10 % Schwerin Stralsund Rostock Greifswald Neubrandenburg Schwerin Stralsund Rostock Greifswald Neubrandenburg Den höchsten Anteil offener Stellen in Fachkraftberufen, die rein rechne­risch nicht zu besetzen waren, hatte im Jahr 2020 der Arbeits­agentur­ bezirk Schwerin mit 38,2 Prozent. In Stralsund waren hingegen nur 18,9 Prozent aller Stellen nicht zu besetzen. Hinweis: links: Jahresdurchschnitt 2020; rechts: zum 30.9.2020. Quelle: IW-Berechnung auf Basis von Sonderauswertungen der BA und des IAB, 2021. In Mecklenburg-Vorpommern blieben 2020 insgesamt 14,5 Prozent der gemeldeten Ausbildungsstellen zum 30.9. unbesetzt. Damit lag ­Mecklenburg-Vorpommern über dem bundesweiten Durchschnitt von 11,3 Prozent. Am höchsten lag dieser Anteil in Greifswald(19,8 Prozent), am niedrigsten in Rostock(9,9 Prozent). Hinweis: links: Jahresdurchschnitt 2020; rechts: zum 30.9.2020. Quelle: IW-Berechnung auf Basis von Sonderauswertungen der BA und des IAB, 2021. TAB. 1 Top-2-Fachkraftberufe am regionalen Arbeitsmarkt mit den meisten Migrant_innen und Geflüchteten in Mecklenburg-Vorpommern Migrant_innen Berufsgattung nach KldB 2010 Gastronomieservice(o. S.) Berufskraftfahrer_innen (G ü te r ve r ke h r/ Lk w) Geflüchtete Gastronomieservice(o. S.) Friseurgewerbe Anzahl 1.591 Anteil an allen Beschäftigten 16, 8 % 1.101 8,3 % 179 1,9 % 62 2,2 % Hinweis: Jahresdurchschnitt 2020. Quelle: IW-Berechnung auf Basis von Sonderauswertungen der BA, 2021. Insgesamt waren 2020 in Mecklenburg-Vorpommern über 12.000 ­Mi­grant_innen in Fachkraftberufen beschäftigt. Dies entspricht 3,6 Prozent aller in Fachkraftberufen Beschäftigten. Damit ist Mecklenburg-Vorpommern das Land mit dem zweitniedrigsten Anteil an Migrant_innen. In absoluten Zahlen arbeiteten die meisten Migrant_innen als Service­ kraft in der Gastronomie(1.591) und als Berufskraftfahrer_innen(1.101). Die Anzahl sozialversicherungspflichtig beschäftigter Geflüchteter ist 2020 ganze 16-mal höher als im Jahr 2013. Ihr Anteil an allen Beschäftigten in Fachkraftberufen lag 2020 in Mecklenburg-Vorpommern bei 0,3 Prozent beziehungsweise über 1.000 Beschäftigten. Die meisten Geflüchteten arbeiteten als Servicekraft in der Gastronomie(179) oder im Friseurgewerbe(62). 46 OHNE SIE GEHT NICHTS MEHR  NOVEMBER 2021  FES diskurs ABB. 3 Top-10-Fachkraftberufe 2020 mit der größten Fachkräftelücke 7 in Mecklenburg-Vorpommern und der Anteil von Migrant_innen(mittelblau) und Geflüchteten(hellblau) an allen Beschäftigten in dem jeweiligen Beruf Personenanzahl 0 250 Bauelektrik 500 476 508 Migrant_innen 3,7 % Geflüchtete 0,3 % Fachkräftelücke 2020 Fachkräftelücke 2019 Altenpflege Kinderbetreuung und-erziehung Gesundheits- und Krankenpflege Sanitär-, Heizungsund Klimatechnik Metallbau Elektrische Betriebstechik Kraftfahrzeugtechnik Gastronomieservice 294 224 264 226 249 275 195 244 191 255 191 269 175 274 467 454 1,0 % 1,1 % 1,0 % 3,1 % 3,3 % 0,8 % 1,8 % 16,8 % 0,1 % 0,1 % 0,0 % 0,1 % 0,3 % 0,0 % 0,1 % 1,9 % Die größten Fachkräftelücken herrschten im Jahr 2020 in Mecklenburg-­ Vorpommern in der Bauelektrik mit 476 gefolgt von der Altenpflege mit 467 nicht zu besetzenden Stellen. Der Anteil beschäftigter Migrant_innen in diesen Berufen lag 2020 bei 3,7 Prozent beziehungsweise 1 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahr 2019 ist in Handwerksberufen die Fachkräftelücke im Jahresdurchschnitt 2020 gesunken. Doch in der Gesundheitsund Altenpflege sowie in Erziehungsberufen gestiegen. Nach Erholung der Wirtschaft nach der Corona-Krise ist hier allerdings wieder mit einem Anstieg auf Vorkrisenniveau zu rechnen. Mechatronik 147 170 2,1 % 0,4 % Hinweis: Jahresdurchschnitte, Berufe sind entsprechend der Engpässe für 2020 von oben nach unten angeordnet. Aus grafischen Gründen wurden unterschiedliche Maßstäbe für die Visualisierung der Kreisdiagramme in den Rubriken„Migrant_innen“ und„Geflüchtete“ verwendet. Quelle: IW-Berechnung auf Basis von Sonderauswertungen der BA und des IAB, 2021. ABB. 4 Entwicklung des Anteils der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge in Engpassberufen an allen Ausbildungsanfänger_innen der jeweiligen Gruppen (Engpassberufe des jeweiligen Jahres; Jahresdurchschnitte, in Prozent) 100 80 60 40 20 0 2013 2014 2015 2016 2017 2018 86,5 80,4 54,9 2019 Deutsche Migrant_innen Geflüchtete Migrant_innen und Geflüchtete beginnen ihre Ausbildung eher in Engpass­ berufen. Der Anteil der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge von Migrant_innen und Geflüchteten in Engpassberufen lag 2019 mit 86,5 Prozent bzw. 80,4 Prozent weit über dem der deutschen Staatsangehörigen(54,9 Prozent). Hinweis: Ein Beruf gilt als Engpassberuf, wenn weniger als 100 passend qualifizierte Arbeitslose auf 100 offene Stellen kommen. Quelle:„Datenbank Auszubildende“ des BIBB auf Basis der Daten der Berufsbildungsstatistik der statistischen Ämter des Bundes und der Länder(Erhebung zum 31.12.). IW-Berechnung auf Basis von Sonderauswertungen der BA und des IAB, 2021. ANMERKUNGEN 1 Aufgeführte Daten stammen, so weit nicht anders angegeben, aus eigenen Berechnungen auf Basis der exklusiven Sonderauswertungen von Daten der Bundesagentur für Arbeit für diese Studie. 2 Der Begriff Migrant_innen umfasst Personen mit ausschließlich nichtdeutscher Staatsangehörigkeit. 3 Der Begriff Geflüchtete beschreibt Personen mit Nationalitäten der Top-8-Asylherkunftsländer(Afghanistan, Eritrea, Irak, Iran, Nigeria, ­Pakistan, Somalia, Syrien). Die Abgrenzung erfolgt aus Datengründen rein auf Basis der Nationalität einer Person, unabhängig davon, ob die Person tatsächlich eine Migrations- oder Fluchterfahrung hat. 4 Der Begriff Fachkraftberufe beschreibt Berufsgattungen auf Niveau 2 der KldB 2010 und umfasst Berufe, zu deren Ausübung typischer­weise eine(duale) Ausbildung vorausgesetzt wird. 5 Statistisches Bundesamt: Ausländische Bevölkerung nach Bundes­ ländern(zum 31.12.2020), online abrufbar: https://www.destatis.de/DE/ Themen/Gesellschaft-Umwelt/Bevoelkerung/Migration-Integration/ Tabellen/auslaendische-bevoelkerung-bundeslaender.html(7.10.2020). 6 Die Stellenüberhangsquote beschreibt den Anteil an offenen ­Stellen, für die es in der Region keine passend qualifizierten Arbeitslosen gibt, an allen offenen Stellen. 7 Die Fachkräftelücke beschreibt die absolute Anzahl an offenen Stellen in einer Berufsgattung, die nicht mit passend qualifizierten Arbeitslosen besetzt werden können. FRIEDRICH-EBERT-STIFTUNG 47 Fact-Sheet: Niedersachsen 1 Der Beitrag von Migrant_innen 2 und G­ eflüchteten 3 zur Arbeitskräfte­sicherung in Fachkraftberufen 4 Anteil von Personen mit ausländischer Staatsbürgerschaft an Bevölkerung 10,7 % 5 Anteil Migrant_innen an allen Beschäftigten 7,2 % Anteil der Geflüchteten an allen Beschäftigten 0,6 % ABB. 1 Stellenüberhangsquote 6 in den Arbeitsagenturbezirken Niedersachsens (in Prozent) ABB. 2 Anteil unbesetzter Ausbildungsstellen an allen gemeldeten Ausbildungsstellen in Niedersachsen (in Prozent) Emden Oldenburg Stade Lüneburg Emden Oldenburg Stade Lüneburg Nordhorn >_ 70 % <_ 70 % <_ 60 % <_ 50 % <_ 40 % <_ 30 % <_ 20 % <_ 10 % Vechta Osnabrück Nieburg Celle Hannover Hameln Hildesheim Helmstedt Braunschweig Göttingen Den höchsten Anteil offener Stellen in Fachkraftberufen, die rein rechne­ risch nicht zu besetzen waren, hatte im Jahr 2020 der Arbeitsagentur­ bezirk Nordhorn mit 56,5 Prozent. In Emden-Leer waren hingegen lediglich 17,7 Prozent aller Stellen nicht zu besetzen. Hinweis: Jahresdurchschnitt 2020; rechts: zum 30.9.2020. Quelle: IW-Berechnung auf Basis von Sonderauswertungen der BA und des IAB, 2021. Nordhorn >_ 70 % <_ 70 % <_ 60 % <_ 50 % <_ 40 % <_ 30 % <_ 20 % <_ 10 % Vechta Osnabrück Nieburg Celle Hannover Hameln Hildesheim Helmstedt Braunschweig Göttingen In Niedersachsen blieben 2020 insgesamt 8,6 Prozent der gemeldeten Ausbildungsstellen zum 30.9. unbesetzt. Damit lag Niedersachsen unter dem bundesweiten Durchschnitt von 11,3 Prozent. Am höchsten lag dieser Anteil in Oldenburg-Wilhelmshaven(11,3 Prozent), am niedrigsten in Hameln(3,1 Prozent). Hinweis: Jahresdurchschnitt 2020; rechts: zum 30.9.2020. Quelle: IW-Berechnung auf Basis von Sonderauswertungen der BA und des IAB, 2021. . TAB. 1 Top-2-Fachkraftberufe am regionalen Arbeitsmarkt mit den meisten Migrant_innen und Geflüchteten in Niedersachsen Migrant_innen Berufsgattung nach KldB 2010 Berufskraftfahrer_innen (G ü te r ve r ke h r/ Lk w) Fleischverarbeitung Geflüchtete Lagerwirtschaft Gastronomieservice(o. S.) Anzahl Anteil an allen Beschäftigten 12.038 18, 8 % 6.871 793 637 60,4 % 1,9 % 2,6 % Insgesamt waren 2020 in Niedersachsen knapp 122.000 Migrant_innen in Fachkraftberufen beschäftigt. Dies entspricht 7,2 Prozent aller in Fachkraftberufen Beschäftigten. In absoluten Zahlen arbeiteten die meisten Migrant_innen als Berufskraftfahrer_innen(12.038) und in der Fleisch­ verarbeitung(6.871). Die Anzahl sozialversicherungspflichtig beschäftigter Geflüchteter hat sich von 2013 bis 2020 mehr als verfünffacht. Ihr Anteil an allen Beschäftigten in Fachkraftberufen lag 2020 in Niedersachsen bei 0,6 Prozent beziehungsweise knapp 10.000 Beschäftigten. Die meisten Geflüchteten arbeiteten in der Lagerwirtschaft(793) oder als Servicekraft in der Gas­tronomie(637). Hinweis: Jahresdurchschnitt 2020. Quelle: IW-Berechnung auf Basis von Sonderauswertungen der BA, 2021. 48 OHNE SIE GEHT NICHTS MEHR  NOVEMBER 2021  FES diskurs ABB. 3 Top-10-Fachkraftberufe 2020 mit der größten Fachkräftelücke 7 in Niedersachsen und der Anteil von ­Migrant_innen(mittelblau) und Geflüchteten(hellblau) an allen Beschäftigten in dem ­jeweiligen Beruf Personenanzahl 0 Altenpflege 1.000 2.000 Migrant_innen 2.315 2.632 5,6 % Geflüchtete 0,2 % Fachkräftelücke 2020 Fachkräftelücke 2019 Kinderbetreuung und-erziehung Bauelektrik Gesundheits- und Krankenpflege Sanitär-, Heizungsund Klimatechnik Kraftfahrzeugtechnik Elektrische Betriebstechnik Steuerberatung Holz-, Möbel- und Innenausbau Öffentliche Verwaltung 1.721 1.917 1.685 1.931 1.337 1.167 1.142 1.242 850 1.453 744 1.041 555 489 488 679 423 416 2,1 % 6,2 % 4,8 % 6,2 % 5,4 % 6,8 % 1,3 % 4,1 % 0,9 % 0,1 % 0,5 % 0,3 % 0,3 % 0,5 % 0,2 % 0,1 % 0,5 % 0,1 % Die größten Fachkräftelücken herrschten im Jahr 2020 in Niedersachsen in der Altenpflege mit 2.315 gefolgt von der Kinderbetreuung und-erziehung mit 1.721 nicht zu besetzenden Stellen. Der Anteil beschäftigter Migrant_innen in diesen Berufen lag 2020 bei 5,6 Prozent beziehungs­ weise 2,1 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahr 2019 ist die Fachkräftelücke im Jahresdurchschnitt 2020 deutlich gesunken. In der Gesundheits- und Kranken­ pflege ist die Fachkräftelücke im Vergleich zu 2019 jedoch gestiegen. Nach Erholung der Wirtschaft nach der Corona-Krise ist hier allerdings wieder mit einem Anstieg auf Vorkrisenniveau zu rechnen. Hinweis: Jahresdurchschnitte, Berufe sind entsprechend der Engpässe für 2020 von oben nach unten angeordnet. Aus grafischen Gründen wurden unterschiedliche Maßstäbe für die Visualisierung der Kreisdiagramme in den Rubriken„Migrant_innen“ und„Geflüchtete“ verwendet. Quelle: IW-Berechnung auf Basis von Sonderauswertungen der BA und des IAB, 2021. ABB. 4 Entwicklung des Anteils der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge in Engpassberufen an allen Ausbildungsanfänger_innen der jeweiligen Gruppen (Engpassberufe des jeweiligen Jahres; Jahresdurchschnitte, in Prozent) 100 80 60 40 20 0 2013 2014 2015 2016 2017 2018 70,0 63,1 57,5 2019 Deutsche Migrant_innen Geflüchtete Migrant_innen und Geflüchtete beginnen ihre Ausbildung eher in Engpassberufen. Der Anteil der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge von Migrant_innen und Geflüchteten in Engpassberufen lag 2019 mit 63,1 Prozent bzw. 70 Prozent deutlich über dem der deutschen Staatsangehörigen(57,5 Prozent). Hinweis: Ein Beruf gilt als Engpassberuf, wenn weniger als 100 passend qualifizierte Arbeitslose auf 100 offene Stellen kommen. Quelle:„Datenbank Auszubildende“ des BIBB auf Basis der Daten der Berufsbildungsstatistik der statistischen Ämter des Bundes und der Länder(Erhebung zum 31.12.). IW-Berechnung auf Basis von Sonderauswertungen der BA und des IAB, 2021 ANMERKUNGEN 1 Aufgeführte Daten stammen, so weit nicht anders angegeben, aus eigenen Berechnungen auf Basis der exklusiven Sonderauswertungen von Daten der Bundesagentur für Arbeit für diese Studie. 2 Der Begriff Migrant_innen umfasst Personen mit ausschließlich nichtdeutscher Staatsangehörigkeit. 3 Der Begriff Geflüchtete beschreibt Personen mit Nationalitäten der Top-8-Asylherkunftsländer(Afghanistan, Eritrea, Irak, Iran, Nigeria, ­Pakistan, Somalia, Syrien). Die Abgrenzung erfolgt aus Datengründen rein auf Basis der Nationalität einer Person, unabhängig davon, ob die Person tatsächlich eine Migrations- oder Fluchterfahrung hat. 4 Der Begriff Fachkraftberufe beschreibt Berufsgattungen auf Niveau 2 der KldB 2010 und umfasst Berufe, zu deren Ausübung typischer­weise eine(duale) Ausbildung vorausgesetzt wird. 5 Statistisches Bundesamt: Ausländische Bevölkerung nach Bundes­ ländern(zum 31.12.2020), online abrufbar: https://www.destatis.de/DE/ Themen/Gesellschaft-Umwelt/Bevoelkerung/Migration-Integration/ Tabellen/auslaendische-bevoelkerung-bundeslaender.html(7.10.2020). 6 Die Stellenüberhangsquote beschreibt den Anteil an offenen ­Stellen, für die es in der Region keine passend qualifizierten Arbeitslosen gibt, an allen offenen Stellen. 7 Die Fachkräftelücke beschreibt die absolute Anzahl an offenen Stellen in einer Berufsgattung, die nicht mit passend qualifizierten Arbeitslosen besetzt werden können. FRIEDRICH-EBERT-STIFTUNG 49 Fact-Sheet: Nordrhein-Westfalen 1 Der Beitrag von Migrant_innen 2 und G­ eflüchteten 3 zur Arbeitskräfte­sicherung in Fachkraftberufen 4 Anteil von Personen mit ausländischer Staatsbürgerschaft an Bevölkerung 15,4 % 5 Anteil Migrant_innen an allen Beschäftigten 10,1 % Anteil der Geflüchteten an allen Beschäftigten 0,7 % ABB. 1 Stellenüberhangsquote 6 in den Arbeitsagenturbezirken Nordrhein-Westfalens (in Prozent) >_ 70 % <_ 70 % <_ 60 % <_ 50 % <_ 40 % <_ 30 % <_ 20 % <_ 10 % Rheine Herford Coesfeld AhlenMünster Bielefeld Detmold Wesel RE DU O G BO E Hamm DO Krefeld Hagen D SG Mönchengladbach Iserlohn BergischGladbach Köln Aachen Bonn Meschede Siegen Paderborn Brühl ABB. 2 Anteil unbesetzter Ausbildungsstellen an allen gemeldeten Ausbildungsstellen in Nordrhein-Westfalen (in Prozent) >_ 70 % <_ 70 % <_ 60 % <_ 50 % <_ 40 % <_ 30 % <_ 20 % <_ 10 % Rheine Herford Coesfeld AhlenMünster Bielefeld Detmold Wesel RE DU O G BO E Hamm DO Krefeld ME Hagen D SG Mönchengladbach Iserlohn BergischGladbach Köln Aachen Bonn Meschede Siegen Paderborn Brühl Den höchsten Anteil offener Stellen in Fachkraftberufen, die rein rechne­ risch nicht zu besetzen waren, hatte im Jahr 2020 der Arbeitsagenturbezirk Coesfeld mit 42,4 Prozent. In Köln waren hingegen lediglich 9,6 Prozent aller Stellen nicht zu besetzen. Hinweis: Links: Jahresdurchschnitt 2020; rechts: zum 30.9.2020. Quelle: IW-Berechnung auf Basis von Sonderauswertungen der BA und des IAB, 2021. In Nordrhein-Westfalen blieben 2020 insgesamt 9,9 Prozent der gemel­ deten Ausbildungsstellen zum 30.9. unbesetzt. Damit lag Nordrhein-­ Westfalen etwas unter dem bundesweiten Durchschnitt von 11,3 Prozent. Am höchsten lag dieser Anteil in Gelsenkirchen(17,0 Prozent), am niedrigsten in Detmold(4,4 Prozent). Hinweis: Jahresdurchschnitt 2020; rechts: zum 30.9.2020. Quelle: IW-Berechnung auf Basis von Sonderauswertungen der BA und des IAB, 2021. TAB. 1 Top-2-Fachkraftberufe am regionalen Arbeitsmarkt mit den meisten Migrant_innen und Geflüchteten in Nordrhein-Westfalen Migrant_innen Berufsgattung nach KldB 2010 Berufskraftfahrer_innen (G ü te r ve r ke h r/ Lk w) Verkauf(ohne Produkt­ spezialisierung) Anzahl Anteil an allen Beschäftigten 24.168 21,1 % 18.74 8 11,1 % Geflüchtete Lagerwirtschaft Fahrzeugführer_innen Straßenverkehr(s. s. T.) 2.398 2.029 Hinweis: Jahresdurchschnitt 2020. Quelle: IW-Berechnung auf Basis von Sonderauswertungen der BA, 2021. 2,4 % 5,6 % Insgesamt waren 2020 in Nordrhein-Westfalen über 382.000 Migrant­_ innen in Fachkraftberufen beschäftigt. Dies entspricht 10,1 Prozent aller in Fachkraftberufen Beschäftigten. In absoluten Zahlen arbeiteten die meisten Migrant_innen als Berufskraftfahrer_innen(24.168) und im Verkauf(18.748). Die Anzahl sozialversicherungspflichtig beschäftigter Geflüchteter hat sich von 2013 bis 2020 mehr als verfünffacht. Ihr Anteil an allen Beschäftigten in Fachkraftberufen lag 2020 in Nordrhein-Westfalen bei 0,7 Prozent beziehungsweise etwa 27.000 Beschäftigten. Die meisten Geflüchteten arbeiteten in Nordrhein-Westfalen als Fachkräfte in der Lagerwirtschaft(2.398) oder als Fahrzeugführer_innen im Straßenverkehr(2.029). 50 OHNE SIE GEHT NICHTS MEHR  NOVEMBER 2021  FES diskurs ABB. 3 Top-10-Fachkraftberufe 2020 mit der größten Fachkräftelücke 7 in Nordrhein-Westfalen und der Anteil von Migrant_innen(mittelblau) und Geflüchteten(hellblau) an allen Beschäftigten in dem jewei­ligen Beruf Personenanzahl 0 1.000 Altenpflege 2.000 3.000 4.000 3.489 3.798 Migrant_innen 7 % Geflüchtete 0,2 % Fachkräftelücke 2020 Fachkräftelücke 2019 Gesundheits- und Krankenpflege Bauelektrik Sanitär-, Heizungsund Klimatechnik Elektrische Betriebstechnik Kinderbetreuung und-erziehung Steuerberatung Zahnmedizinische Fachangestellte Garten-, Landschaftsund Sportplatzbau 2.541 2.687 2.476 3.181  1.906 2.326 1.408 2.306 1.406 1.168 912 1.055 772 1.072 747 977 6,7 % 8,6 % 8,1 % 5,5 % 4,0% 3,7 % 6,8 % 10,5 % 0,3 % 0,6 % 0,4 % 0,4 % 0,2 % 0,1 % 0,4 % 0,6 % Die größten Fachkräftelücken herrschten im Jahr 2020 in Nordrhein-West­ falen in der Altenpflege mit 3.489 gefolgt von der Gesundheits- und Krankenpflege mit 2.541 nicht zu be­setzenden Stellen. Der Anteil be­ schäftigter Migrant_innen in diesen Berufen lag 2020 bei 7,0 Prozent ­beziehungsweise 6,7 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahr 2019 ist die­ Fachkräftelücke im Jahresdurch­schnitt 2020 deutlich gesunken. Nach Erholung der Wirtschaft nach der Corona-Krise ist hier allerdings wieder mit einem Anstieg auf Vorkrisen­niveau zu rechnen. Mechatronik 653 1.110 5,4 % 0,5 % Hinweis: Jahresdurchschnitte, Berufe sind entsprechend der Engpässe für 2020 von oben nach unten angeordnet. Aus grafischen Gründen wurden unterschiedliche Maßstäbe für die Visualisierung der Kreisdiagramme in den Rubriken„Migrant_innen“ und„Geflüchtete“ verwendet. Quelle: IW-Berechnung auf Basis von Sonderauswertungen der BA und des IAB, 2021. ABB. 4 Entwicklung des Anteils der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge in Engpassberufen an allen Ausbildungsanfänger_innen der jeweiligen Gruppen (Engpassberufe des jeweiligen Jahres; Jahresdurchschnitte, in Prozent) 100 80 60 40 20 0 2013 2014 2015 2016 2017 Deutsche Migrant_innen 58,1 52,5 50,8 2018 2019 Geflüchtete Migrant_innen und Geflüchtete beginnen ihre Ausbildung eher in Engpassberufen. Der Anteil der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge von Migrant_innen und Geflüchteten in Engpassberufen lag 2019 mit 52,5 Prozent bzw. 58,1 Prozent über dem der deutschen Staatsangehörigen(50,8 Prozent). Hinweis: Ein Beruf gilt als Engpassberuf, wenn weniger als 100 passend qualifizierte Arbeitslose auf 100 offene Stellen kommen. Quelle:„Datenbank Auszubildende“ des BIBB auf Basis der Daten der Berufsbildungsstatistik der statistischen Ämter des Bundes und der Länder(Erhebung zum 31.12.). IW-Berechnung auf Basis von Sonderauswertungen der BA und des IAB, 2021. ANMERKUNGEN 1 Aufgeführte Daten stammen, so weit nicht anders angegeben, aus eigenen Berechnungen auf Basis der exklusiven Sonderauswertungen von Daten der Bundesagentur für Arbeit für diese Studie. 2 Der Begriff Migrant_innen umfasst Personen mit ausschließlich nichtdeutscher Staatsangehörigkeit. 3 Der Begriff Geflüchtete beschreibt Personen mit Nationalitäten der Top-8-Asylherkunftsländer(Afghanistan, Eritrea, Irak, Iran, Nigeria, ­Pakistan, Somalia, Syrien). Die Abgrenzung erfolgt aus Datengründen rein auf Basis der Nationalität einer Person, unabhängig davon, ob die Person tatsächlich eine Migrations- oder Fluchterfahrung hat. 4 Der Begriff Fachkraftberufe beschreibt Berufsgattungen auf Niveau 2 der KldB 2010 und umfasst Berufe, zu deren Ausübung typischer­weise eine(duale) Ausbildung vorausgesetzt wird. 5 Statistisches Bundesamt: Ausländische Bevölkerung nach Bundes­ ländern(zum 31.12.2020), online abrufbar: https://www.destatis.de/DE/ Themen/Gesellschaft-Umwelt/Bevoelkerung/Migration-Integration/ Tabellen/auslaendische-bevoelkerung-bundeslaender.html(7.10.2020). 6 Die Stellenüberhangsquote beschreibt den Anteil an offenen ­Stellen, für die es in der Region keine passend qualifizierten Arbeitslosen gibt, an allen offenen Stellen. 7 Die Fachkräftelücke beschreibt die absolute Anzahl an offenen Stellen in einer Berufsgattung, die nicht mit passend qualifizierten Arbeitslosen besetzt werden können. FRIEDRICH-EBERT-STIFTUNG 51 Fact-Sheet: Rheinland-Pfalz 1 Der Beitrag von Migrant_innen 2 und G­ eflüchteten 3 zur Arbeitskräfte­sicherung in Fachkraftberufen 4 Anteil von Personen mit ausländischer Staatsbürgerschaft an Bevölkerung 12,5 % 5 Anteil Migrant_innen an allen Beschäftigten 9,4 % Anteil der Geflüchteten an allen Beschäftigten 0,7 % ABB. 1 Stellenüberhangsquote 6 in den Arbeitsagenturbezirken Rheinland-Pfalz’ (in Prozent) >_ 70 % <_ 70 % <_ 60 % <_ 50 % <_ 40 % <_ 30 % <_ 20 % <_ 10 % Neuwied Koblenz Montabaur ABB. 2 Anteil unbesetzter Ausbildungsstellen an allen gemeldeten Ausbildungsstellen in Rheinland-Pfalz (in Prozent) >_ 70 % <_ 70 % <_ 60 % <_ 50 % <_ 40 % <_ 30 % <_ 20 % <_ 10 % Neuwied Koblenz Montabaur Trier Bad Kreuznach Mainz Trier Bad Kreuznach Mainz Kaiserslautern Landau LU Landau Kaiserslautern Landau LU Landau Den höchsten Anteil offener Stellen in Fachkraftberufen, die rein rechnerisch nicht zu besetzen waren, hatte im Jahr 2020 der Arbeitsagentur­ bezirk Trier mit 42 Prozent. In Ludwigshafen waren hingegen lediglich 21,8 Prozent aller Stellen nicht zu besetzen. Hinweis: Jahresdurchschnitt 2020; rechts: zum 30.9.2020. Quelle: IW-Berechnung auf Basis von Sonderauswertungen der BA und des IAB, 2021. In Rheinland-Pfalz blieben 2020 insgesamt 10,4 Prozent der gemeldeten Ausbildungsstellen zum 30.9. unbesetzt. Damit lag Rheinland-Pfalz unter dem bundesweiten Durchschnitt von 11,3 Prozent. Am höchsten lag dieser Anteil in Trier(13,7 Prozent), am niedrigsten in Bad-Kreuznach (5,8 Prozent). Hinweis: Jahresdurchschnitt 2020; rechts: zum 30.9.2020. Quelle: IW-Berechnung auf Basis von Sonderauswertungen der BA und des IAB, 2021. TAB. 1 Top-2-Fachkraftberufe am regionalen Arbeitsmarkt mit den meisten Migrant_innen und Geflüchteten in Rheinland-Pfalz Migrant_innen Berufsgattung nach KldB 2010 Berufskraftfahrer_innen (G ü te r ve r ke h r/ Lk w) Gastronomieservice(o. S.) Geflüchtete Lagerwirtschaft Gastronomieservice(o. S.) Anzahl Anteil an allen Beschäftigten 5.760 21, 8 % 3.806 357 306 32,1 % 2,0 % 2,6 % Insgesamt waren 2020 in Rheinland-Pfalz über 74.500 Migrant_innen in Fachkraftberufen beschäftigt. Dies entspricht 9,4 Prozent aller in Fachkraftberufen Beschäftigten. In absoluten Zahlen arbeiteten die meisten Migrant_innen als Berufskraftfahrer_innen(5.760) und als Servicekraft in der Gastronomie(3.806). Die Anzahl sozialversicherungspflichtig beschäftigter Geflüchteter hat sich von 2013 bis 2020 mehr als versechsfacht. Ihr Anteil an allen Beschäftigten in Fachkraftberufen lag 2020 in Rheinland-Pfalz bei 0,7 Prozent beziehungsweise rund 5.300 Beschäftigten. Die meisten G­ eflüchteten arbeiteten in der Lagerwirtschaft(357) oder als Servicekraft in der Gastronomie(306). Hinweis: Jahresdurchschnitt 2020. Quelle: IW-Berechnung auf Basis von Sonderauswertungen der BA, 2021. 52 OHNE SIE GEHT NICHTS MEHR  NOVEMBER 2021  FES diskurs ABB. 3 Top-10-Fachkraftberufe 2020 mit der größten Fachkräftelücke 7 in Rheinland-Pfalz und der Anteil von M­ igrant_innen(mittelblau) und Geflüchteten(hellblau) an allen Beschäftigten in dem ­jeweiligen Beruf Personenanzahl 0 Altenpflege 1.000 1.136 1.238 2.000 Migrant_innen Geflüchtete 7,9 % 0,1 % Fachkräftelücke 2020 Fachkräftelücke 2019 Bauelektrik Sanitär-, Heizungsund Klimatechnik Gesundheits- und Krankenpflege Elektrische Betriebstechnik Kraftfahrzeugtechnik Steuerberatung Holz-, Möbel- und Innenausbau Kinderbetreuung und-erziehung 811 982 658 788 636 748 510 729 421 853 325 321 313 401 286 617 9,6 % 10,7 % 6,7 % 4,6 % 8,9 % 2,2 % 6,3 % 3,8 % 0,7 % 0,5 % 0,2 % 0,4 % 0,7 % 0,0 % 1,0 % 0,1 % Die größten Fachkräftelücken herrschten im Jahr 2020 in Rheinland-Pfalz in der Altenpflege mit 1.136 gefolgt von der Bauelektrik mit 811 nicht zu besetzenden Stellen. Der Anteil beschäftigter Migrant_innen in diesen Berufen lag 2020 bei 7,9 Prozent beziehungsweise 9,6 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahr 2019 ist die Fachkräftelücke im Jahresdurchschnitt 2020 deutlich gesunken. Nach Erholung der Wirtschaft nach der Corona-­ Krise ist hier allerdings wieder mit einem Anstieg auf Vorkrisenniveau zu rechnen. Öffentliche Verwaltung 279 248 1,5 % 0,1 % Hinweis: Jahresdurchschnitte, Berufe sind entsprechend der Engpässe für 2020 von oben nach unten angeordnet. Aus grafischen Gründen wurden unterschiedliche Maßstäbe für die Visualisierung der Kreisdiagramme in den Rubriken„Migrant_innen“ und„Geflüchtete“ verwendet. Quelle: IW-Berechnung auf Basis von Sonderauswertungen der BA und des IAB, 2021. ABB. 4 Entwicklung des Anteils der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge in Engpassberufen an allen Ausbildungsanfänger_innen der jeweiligen Gruppen (Engpassberufe des jeweiligen Jahres; Jahresdurchschnitte, in Prozent) 100 80 60 40 20 0 2013 2014 2015 2016 2017 Deutsche Migrant_innen 77,6 72,4 63,9 2018 2019 Geflüchtete Migrant_innen und Geflüchtete beginnen ihre Ausbildung eher in Engpassberufen. Der Anteil der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge von Migrant_innen und Geflüchteten in Engpassberufen lag 2019 mit 72,4 Prozent bzw. 77,6 Prozent über dem der deutschen Staatsangehörigen (63,9 Prozent). Hinweis: Ein Beruf gilt als Engpassberuf, wenn weniger als 100 passend qualifizierte Arbeitslose auf 100 offene Stellen kommen. Quelle:„Datenbank Auszubildende“ des BIBB auf Basis der Daten der Berufsbildungsstatistik der statistischen Ämter des Bundes und der Länder(Erhebung zum 31.12.). IW-Berechnung auf Basis von Sonderauswertungen der BA und des IAB, 2021 ANMERKUNGEN 1 Aufgeführte Daten stammen, so weit nicht anders angegeben, aus eigenen Berechnungen auf Basis der exklusiven Sonderauswertungen von Daten der Bundesagentur für Arbeit für diese Studie. 2 Der Begriff Migrant_innen umfasst Personen mit ausschließlich nichtdeutscher Staatsangehörigkeit. 3 Der Begriff Geflüchtete beschreibt Personen mit Nationalitäten der Top-8-Asylherkunftsländer(Afghanistan, Eritrea, Irak, Iran, Nigeria, ­Pakistan, Somalia, Syrien). Die Abgrenzung erfolgt aus Datengründen rein auf Basis der Nationalität einer Person, unabhängig davon, ob die Person tatsächlich eine Migrations- oder Fluchterfahrung hat. 4 Der Begriff Fachkraftberufe beschreibt Berufsgattungen auf Niveau 2 der KldB 2010 und umfasst Berufe, zu deren Ausübung typischer­weise eine(duale) Ausbildung vorausgesetzt wird. 5 Statistisches Bundesamt: Ausländische Bevölkerung nach Bundes­ ländern(zum 31.12.2020), online abrufbar: https://www.destatis.de/DE/ Themen/Gesellschaft-Umwelt/Bevoelkerung/Migration-Integration/ Tabellen/auslaendische-bevoelkerung-bundeslaender.html(7.10.2020). 6 Die Stellenüberhangsquote beschreibt den Anteil an offenen ­Stellen, für die es in der Region keine passend qualifizierten Arbeitslosen gibt, an allen offenen Stellen. 7 Die Fachkräftelücke beschreibt die absolute Anzahl an offenen Stellen in einer Berufsgattung, die nicht mit passend qualifizierten Arbeitslosen besetzt werden können. FRIEDRICH-EBERT-STIFTUNG 53 Fact-Sheet: Saarland 1 Der Beitrag von Migrant_innen 2 und G­ eflüchteten 3 zur Arbeitskräfte­sicherung in Fachkraftberufen 4 Anteil von Personen mit ausländischer Staatsbürgerschaft an Bevölkerung 13,0 % 5 Anteil Migrant_innen an allen Beschäftigten 10,7 % Anteil der Geflüchteten an allen Beschäftigten 0,7 % ABB. 1 Stellenüberhangsquote 6 in den Arbeitsagenturbezirken Saarlands (in Prozent) >_ 70 % <_ 70 % <_ 60 % <_ 50 % <_ 40 % <_ 30 % <_ 20 % <_ 10 % ABB. 2 Anteil unbesetzter Ausbildungsstellen an allen gemeldeten Ausbildungsstellen im Saarland (in Prozent) >_ 70 % <_ 70 % <_ 60 % <_ 50 % <_ 40 % <_ 30 % <_ 20 % <_ 10 % Saarland Saarland Das Saarland verfügt lediglich über einen Arbeitsagenturbezirk. Hier betrug im Jahr 2020 der Anteil offener Stellen in Fachkraftberufen, die rein rechnerisch nicht zu besetzen waren, 26,6 Prozent. In den benachbarten Arbeitsagenturbezirken Trier(42 Prozent), Bad Kreuznach (35,9 Prozent) sowie Kaiserslautern-Pirmasens mit 34,7 Prozent, lag der Anteil offener Stellen deutlich höher. Hinweis: links: Jahresdurchschnitt 2020; rechts: zum 30.9.2020. Quelle: IW-Berechnung auf Basis von Sonderauswertungen der BA und des IAB, 2021. In Saarland blieben 2020 insgesamt 7,6 Prozent der gemeldeten Ausbildungsstellen zum 30.9. unbesetzt. Damit lag das Saarland unter dem bundesweiten Durchschnitt von 11,3 Prozent. Hinweis: links: Jahresdurchschnitt 2020; rechts: zum 30.9.2020. Quelle: IW-Berechnung auf Basis von Sonderauswertungen der BA und des IAB, 2021. TAB. 1 Top-2-Fachkraftberufe am regionalen Arbeitsmarkt mit den meisten Migrant_innen und Geflüchteten in Saarland Migrant_innen Berufsgattung nach KldB 2010 Maschinen-, Geräte­ zusammensetzer_innen Berufskraftfahrer_innen (G ü te r ve r ke h r/ Lk w) Geflüchtete Post- und Zustelldienste Gastronomieservice(o. S.) Anzahl Anteil an allen Beschäftigten 1.654 20,8 % 1.041 147 137 18,3 % 6,6 % 4,7 % Insgesamt waren 2020 im Saarland rund 23.000 Migrant_innen in Fachkraftberufen beschäftigt. Dies entspricht 10,4 Prozent aller in Fachkraftberufen Beschäftigten. In absoluten Zahlen arbeiteten die meisten Migrant_innen als Maschinen-, Gerätezusammensetzer_innen(1.654) und als Berufskraftfahrer_innen(1.041). Die Anzahl sozialversicherungspflichtig beschäftigter Geflüchteter ist von 2013 bis 2020 von 180 auf 1.657 Beschäftigte gestiegen und hat sich somit mehr als verneunfacht. Ihr Anteil an allen Beschäftigten in Fachkraftberufen lag 2020 im Saarland bei 0,7 Prozent. Die meisten Geflüchteten arbeiteten im Post- und Zustelldienst(147) oder als Servicekraft in der Gastronomie(137). Hinweis: Jahresdurchschnitt 2020. Quelle: IW-Berechnung auf Basis von Sonderauswertungen der BA, 2021. 54 OHNE SIE GEHT NICHTS MEHR  NOVEMBER 2021  FES diskurs ABB. 3 Top-10-Fachkraftberufe 2020 mit der größten Fachkräftelücke 7 im Saarland und der Anteil von Migrant_innen(mittelblau) und Geflüchteten(hellblau) an allen Beschäftigten in dem jeweiligen Beruf Personenanzahl 0 Gesundheits- und Krankenpflege Migrant_innen Geflüchtete 125 250 281 185 4,4 % 0,3 % Fachkräftelücke 2020 Fachkräftelücke 2019 Altenpflege Kinderbetreuung und-erziehung Bauelektrik Sanitär-, Heizungsund Klimatechnik Kraftfahrzeugtechnik Steuerberatung Medizinische Fachangestellte Zahnmedizinische Fachangestellte Dachdeckerei 96 74 66 70 58 67 95 44 60 203 155 154 171 141 174 161 270 252 6,9 % 4,7 % 17,0 % 10,8 % 8,6 % 3,8 % 2,7 % 5,6 % 4,8 % 0,4 % 0,2 % 0,9 % 1,1 % 0,8 % 0,2 % 0,1 % 0,4 % 0,1 % Die größten Fachkräftelücken herrschten im Jahr 2020 im Saarland in der Gesundheits- und Krankenpflege mit 281 gefolgt von der Altenpflege mit 270 nicht zu besetzenden Stellen. Der Anteil beschäftigter Migrant_­ innen in diesen Berufen lag 2020 bei 4,4 Prozent beziehungsweise 6,9 Prozent. Während die Fachkräftelücke von 2019 auf 2020 in den anderen Berufen gesunken ist, ist die Fachkräftelücke im Saarland in den sozialen und gesundheitlichen Fachkraftberufen gestiegen. Der Anteil der beschäftigten Migrant_ innen liegt in der Bauelektrik mit 17 Prozent Anteil an allen Beschäftigten am höchsten. Hinweis: Jahresdurchschnitte, Berufe sind entsprechend der Engpässe für 2020 von oben nach unten angeordnet. Aus grafischen Gründen wurden unterschiedliche Maßstäbe für die Visualisierung der Kreisdiagramme in den Rubriken„Migrant_innen“ und„Geflüchtete“ verwendet. Quelle: IW-Berechnung auf Basis von Sonderauswertungen der BA und des IAB, 2021. ABB. 4 Entwicklung des Anteils der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge in Engpassberufen an allen Ausbildungsanfänger_innen der jeweiligen Gruppen (Engpassberufe des jeweiligen Jahres; Jahresdurchschnitte, in Prozent) 100 80 60 40 20 0 2013 2014 2015 2016 2017 Deutsche Migrant_innen 74,0 65,9 57,8 2018 2019 Geflüchtete Migrant_innen und Geflüchtete beginnen ihre Ausbildung eher in Engpassberufen. Der Anteil der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge von Migrant_innen und Geflüchteten in Engpassberufen lag 2019 mit 65,9 Prozent bzw. 74 Prozent über dem der deutschen Staatsangehörigen (57,8 Prozent). Hinweis: Ein Beruf gilt als Engpassberuf, wenn weniger als 100 passend qualifizierte Arbeitslose auf 100 offene Stellen kommen. Quelle:„Datenbank Auszubildende“ des BIBB auf Basis der Daten der Berufsbildungsstatistik der statistischen Ämter des Bundes und der Länder(Erhebung zum 31.12.). IW-Berechnung auf Basis von Sonderauswertungen der BA und des IAB, 2021. ANMERKUNGEN 1 Aufgeführte Daten stammen, so weit nicht anders angegeben, aus eigenen Berechnungen auf Basis der exklusiven Sonderauswertungen von Daten der Bundesagentur für Arbeit für diese Studie. 2 Der Begriff Migrant_innen umfasst Personen mit ausschließlich nichtdeutscher Staatsangehörigkeit. 3 Der Begriff Geflüchtete beschreibt Personen mit Nationalitäten der Top-8-Asylherkunftsländer(Afghanistan, Eritrea, Irak, Iran, Nigeria, ­Pakistan, Somalia, Syrien). Die Abgrenzung erfolgt aus Datengründen rein auf Basis der Nationalität einer Person, unabhängig davon, ob die Person tatsächlich eine Migrations- oder Fluchterfahrung hat. 4 Der Begriff Fachkraftberufe beschreibt Berufsgattungen auf Niveau 2 der KldB 2010 und umfasst Berufe, zu deren Ausübung typischer­weise eine(duale) Ausbildung vorausgesetzt wird. 5 Statistisches Bundesamt: Ausländische Bevölkerung nach Bundes­ ländern(zum 31.12.2020), online abrufbar: https://www.destatis.de/DE/ Themen/Gesellschaft-Umwelt/Bevoelkerung/Migration-Integration/ Tabellen/auslaendische-bevoelkerung-bundeslaender.html(7.10.2020). 6 Die Stellenüberhangsquote beschreibt den Anteil an offenen ­Stellen, für die es in der Region keine passend qualifizierten Arbeitslosen gibt, an allen offenen Stellen. 7 Die Fachkräftelücke beschreibt die absolute Anzahl an offenen Stellen in einer Berufsgattung, die nicht mit passend qualifizierten Arbeitslosen besetzt werden können. FRIEDRICH-EBERT-STIFTUNG 55 Fact-Sheet: Sachsen-Anhalt 1 Der Beitrag von Migrant_innen 2 und G­ eflüchteten 3 zur Arbeitskräfte­sicherung in Fachkraftberufen 4 Anteil von Personen mit ausländischer Staatsbürgerschaft an Bevölkerung 5,5 % 5 Anteil Migrant_innen an allen Beschäftigten 3,5 % Anteil der Geflüchteten an allen Beschäftigten 0,4 % ABB. 1 Stellenüberhangsquote 6 in den Arbeitsagenturbezirken Sachsen-Anhalts (in Prozent) Stendal >_ 70 % <_ 70 % <_ 60 % <_ 50 % <_ 40 % <_ 30 % <_ 20 % <_ 10 % ABB. 2 Anteil unbesetzter Ausbildungsstellen an allen gemeldeten Ausbildungsstellen in Sachsen-Anhalt (in Prozent) >_ 70 % <_ 70 % <_ 60 % <_ 50 % <_ 40 % Stendal <_ 30 % <_ 20 % <_ 10 % Magdeburg Magdeburg Halberstadt Bernburg Dessau Sangerhausen Halle Weißenfels Halberstadt Bernburg Dessau Sangerhausen Halle Weißenfels Der Anteil offener Stellen in Fachkraftberufen unterscheidet sich je nach Arbeitsagenturbezirk erheblich. Im Jahr 2020 lag der Arbeitsagenturbezirk Weißenfels mit 53,4 Prozent deutschlandweit im oberen Bereich. In Bernburg waren hingegen lediglich 15,7 Prozent aller Stellen nicht zu besetzen. Hinweis: links: Jahresdurchschnitt 2020; rechts: zum 30.9.2020. Quelle: IW-Berechnung auf Basis von Sonderauswertungen der BA und des IAB, 2021. In Sachsen-Anhalt blieben 2020 insgesamt 11,1 Prozent der gemeldeten Ausbildungsstellen zum 30.9. unbesetzt. Damit bewegt sich SachsenAnhalt in etwa auf dem bundesweiten Durchschnitt von 11,3 Prozent. Am höchsten lag dieser Anteil in Sangerhausen(17,3 Prozent), am niedrigsten in Halle(4,6 Prozent). Hinweis: links: Jahresdurchschnitt 2020; rechts: zum 30.9.2020. Quelle: IW-Berechnung auf Basis von Sonderauswertungen der BA und des IAB, 2021. TAB. 1 Top-2-Fachkraftberufe am regionalen Arbeitsmarkt mit den meisten Migrant_innen und Geflüchteten in Sachsen-Anhalt Migrant_innen Berufsgattung nach KldB 2010 Berufskraftfahrer_innen (G ü te r ve r ke h r/ Lk w) Gastronomieservice(o. S.) Geflüchtete Lagerwirtschaft Gastronomieservice(o. S.) Anzahl Anteil an allen Beschäftigten 2.809 14, 2 % 1.035 200 125 15,9 % 2,1 % 1,9 % Insgesamt waren 2020 in Sachsen-Anhalt rund 16.500 Migrant_innen in Fachkraftberufen beschäftigt. Dies entspricht 3,5 Prozent aller in Fachkraftberufen Beschäftigten. In absoluten Zahlen arbeiteten die meisten Migrant_innen als Berufskraftfahrer_innen(2.809) und im Gastronomieservice(1.035). Die Anzahl sozialversicherungspflichtig beschäftigter Geflüchteter ist von 2013 bis 2020 von 122 auf knapp 1.800 Beschäftigte gestiegen und hat sich damit fast verfünfzehnfacht. Ihr Anteil an allen Beschäftigten in Fachkraftberufen lag 2020 in Sachsen-­Anhalt bei 0,4 Prozent. Die meisten Geflüchteten arbeiteten in der Lagerwirtschaft(200) oder als Servicekräfte in der Gastronomie(125). Hinweis: Jahresdurchschnitt 2020. Quelle: IW-Berechnung auf Basis von Sonderauswertungen der BA, 2021. 56 OHNE SIE GEHT NICHTS MEHR  NOVEMBER 2021  FES diskurs ABB. 3 Top-10-Fachkraftberufe 2020 mit der größten Fachkräftelücke 7 in Sachsen-Anhalt und der Anteil von Migrant_innen(mittelblau) und Geflüchteten(hellblau) an allen Beschäftigten in dem jeweiligen Beruf Personenanzahl 0 500 Lagerwirtschaft 0 1.000 958 Migrant_innen Geflüchtete 9,7 % 2,1 % Fachkräftelücke 2020 Fachkräftelücke 2019 Altenpflege Bauelektrik Gesundheits- und Krankenpflege Sanitär-, Heizungsund Klimatechnik Elektrische Betriebstechnik Kraftfahrzeugtechnik Mechatronik Steuerberatung 435 443 299 348 242 227 235 305 203 310 197 244 148 117 660 685 0,9 % 5,2 % 1,0 % 2,0 % 3,8 % 1,6 % 1,7 % 0,7 % 0,0 % 0,3 % 0,1 % 0,1 % 0,2 % 0,1 % 0,0 % 0,0 % Die größten Fachkräftelücken herrschten im Jahr 2020 in Sachsen-Anhalt in der Lagerwirtschaft mit 958 nicht zu besetzenden Stellen. 2019 gab es in diesem Bereich noch keine Fachkräftelücke. Knapp 10 Prozent aller Beschäftigten verfügen hier über eine nichtdeutsche Staatsangehörigkeit. 2,1 Prozent sind Geflüchtete. Knapp jeder dritte Beschäftigte (32 Prozent) in der Fleischverar­bei­ tung verfügt über eine nichtdeutsche Staatsangehörigkeit, 0,6 Prozent kommen aus einem Asylherkunftsland. Hier liegt die Fachkräftelücke im Jahr 2020 bei 116 nicht zu besetzenden Stellen. Fleischverarbeitung 116 214 32,0 % 0,6 % Hinweis: Jahresdurchschnitte, Berufe sind entsprechend der Engpässe für 2020 von oben nach unten angeordnet. Aus grafischen Gründen wurden unterschiedliche Maßstäbe für die Visualisierung der Kreisdiagramme in den Rubriken„Migrant_innen“ und„Geflüchtete“ verwendet. Quelle: IW-Berechnung auf Basis von Sonderauswertungen der BA und des IAB, 2021. ABB. 4 Entwicklung des Anteils der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge in Engpassberufen an allen Ausbildungsanfänger_innen der jeweiligen Gruppen (Engpassberufe des jeweiligen Jahres; Jahresdurchschnitte, in Prozent) 80 60 40 20 0 2013 2014 2015 2016 2017 2018 64,4 53,8 47,7 2019 Deutsche Migrant_innen Geflüchtete Der Anteil von Migrant_innen und Geflüchteten, die ihre Ausbildung in Engpassberufen beginnen, ist seit 2013 stark gestiegen. Der Anteil der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge von Migrant_innen und Geflüchteten in Engpassberufen lag 2019 mit 53,8 Prozent bzw. 64,4 Prozent deutlich über dem der deutschen Staatsangehörigen(47,7 Prozent). Hinweis: Ein Beruf gilt als Engpassberuf, wenn weniger als 100 passend qualifizierte Arbeitslose auf 100 offene Stellen kommen. Quelle:„Datenbank Auszubildende“ des BIBB auf Basis der Daten der Berufsbildungsstatistik der statistischen Ämter des Bundes und der Länder(Erhebung zum 31.12.). IW-Berechnung auf Basis von Sonderauswertungen der BA und des IAB, 2021. ANMERKUNGEN 1 Aufgeführte Daten stammen, so weit nicht anders angegeben, aus eigenen Berechnungen auf Basis der exklusiven Sonderauswertungen von Daten der Bundesagentur für Arbeit für diese Studie. 2 Der Begriff Migrant_innen umfasst Personen mit ausschließlich nichtdeutscher Staatsangehörigkeit. 3 Der Begriff Geflüchtete beschreibt Personen mit Nationalitäten der Top-8-Asylherkunftsländer(Afghanistan, Eritrea, Irak, Iran, Nigeria, ­Pakistan, Somalia, Syrien). Die Abgrenzung erfolgt aus Datengründen rein auf Basis der Nationalität einer Person, unabhängig davon, ob die Person tatsächlich eine Migrations- oder Fluchterfahrung hat. 4 Der Begriff Fachkraftberufe beschreibt Berufsgattungen auf Niveau 2 der KldB 2010 und umfasst Berufe, zu deren Ausübung typischer­weise eine(duale) Ausbildung vorausgesetzt wird. 5 Statistisches Bundesamt: Ausländische Bevölkerung nach Bundes­ ländern(zum 31.12.2020), online abrufbar: https://www.destatis.de/DE/ Themen/Gesellschaft-Umwelt/Bevoelkerung/Migration-Integration/ Tabellen/auslaendische-bevoelkerung-bundeslaender.html(7.10.2020). 6 Die Stellenüberhangsquote beschreibt den Anteil an offenen ­Stellen, für die es in der Region keine passend qualifizierten Arbeitslosen gibt, an allen offenen Stellen. 7 Die Fachkräftelücke beschreibt die absolute Anzahl an offenen Stellen in einer Berufsgattung, die nicht mit passend qualifizierten Arbeitslosen besetzt werden können. FRIEDRICH-EBERT-STIFTUNG 57 Fact-Sheet: Sachsen 1 Der Beitrag von Migrant_innen 2 und G­ eflüchteten 3 zur Arbeitskräfte­sicherung in Fachkraftberufen 4 Anteil von Personen mit ausländischer Staatsbürgerschaft an Bevölkerung 5,5 % 5 Anteil Migrant_innen an allen Beschäftigten 4,4 % Anteil der Geflüchteten an allen Beschäftigten 0,3 % ABB. 1 Stellenüberhangsquote 6 in den Arbeitsagenturbezirken Sachsens (in Prozent) ABB. 2 Anteil unbesetzter Ausbildungsstellen an allen gemeldeten Ausbildungsstellen in Sachsen (in Prozent) Leipzig Oschatz Riesa Bautzen Zwickau Freiberg Chemnitz Annaberg Dresden Pirna Plauen >_ 70 % <_ 70 % <_ 60 % <_ 50 % <_ 40 % <_ 30 % <_ 20 % <_ 10 % Sachsen verfügt über einen hohen Anteil offener Stellen in Fachkraft­ berufen. In sechs von elf Arbeitsagenturbezirken konnten 2020 mehr als vier von zehn offenen Stellen nicht besetzt werden. Leipzig Oschatz Riesa Bautzen Zwickau Freiberg Chemnitz Annaberg Dresden Pirna Plauen >_ 70 % <_ 70 % <_ 60 % <_ 50 % <_ 40 % <_ 30 % <_ 20 % <_ 10 % In Sachsen blieben 2020 insgesamt 11,2 Prozent der gemeldeten Ausbildungsstellen zum 30.9. unbesetzt. Damit liegt Sachsen auf dem bundesweiten Durchschnitt von 11,3 Prozent. Am höchsten lag dieser Anteil in Freiberg(15,4 Prozent), am niedrigsten in Chemnitz(4,0 Prozent). Hinweis: Jahresdurchschnitt 2020; rechts: zum 30.9.2020. Quelle: IW-Berechnung auf Basis von Sonderauswertungen der BA und des IAB, 2021. Hinweis: Jahresdurchschnitt 2020; rechts: zum 30.9.2020. Quelle: IW-Berechnung auf Basis von Sonderauswertungen der BA und des IAB, 2021. . TAB. 1 Top-2-Fachkraftberufe am regionalen Arbeitsmarkt mit den meisten Migrant_innen und Geflüchteten in Sachsen Migrant_innen Berufsgattung nach KldB 2010 Berufskraftfahrer_innen (G ü te r ve r ke h r/ Lk w) Gastronomieservice(o. S.) Geflüchtete Gastronomieservice(o. S.) Verkauf(ohne Produkt­ spezialisierung) Anzahl Anteil an allen Beschäftigten 4.685 15,3 % 3.224 400 19,6 % 2,4 % 165 0,4 % Insgesamt waren 2020 in Sachsen über 40.000 Migrant_innen in Fach­ kraftberufen beschäftigt. Dies entspricht 4,4 Prozent aller in Fachkraftberufen Beschäftigten. In absoluten Zahlen arbeiteten die meisten Migrant_innen als Berufskraftfahrer_innen(4.685) und im Gastronomieservice(3.224). Die Anzahl sozialversicherungspflichtig beschäftigter Geflüchteter hat sich von 2013 bis 2020 fast verzehnfacht. Ihr Anteil an allen Beschäftig­ ten in Fachkraftberufen lag 2020 in Sachsen bei 0,3 Prozent beziehungsweise etwa 3.200 Beschäftigten. Die meisten Geflüchteten arbeiteten als Servicekraft in der Gastronomie(400) oder im Verkauf(165). Hinweis: Jahresdurchschnitt 2020. Quelle: IW-Berechnung auf Basis von Sonderauswertungen der BA, 2021. 58 OHNE SIE GEHT NICHTS MEHR  NOVEMBER 2021  FES diskurs ABB. 3 Top-10-Fachkraftberufe 2020 mit der größten Fachkräftelücke 7 in Sachsen und der Anteil von ­Migrant_innen(mittelblau) und Geflüchteten(hellblau) an allen Beschäftigten in dem ­jeweiligen Beruf Personenanzahl 0 Altenpflege 1.000 2.000 1.460 1.461 Migrant_innen Geflüchtete 2,2 % 0,0 % Fachkräftelücke 2020 Fachkräftelücke 2019 Bauelektrik Gesundheits- und Krankenpflege Kinderbetreuung und-erziehung Kraftfahrzeugtechnik Sanitär-, Heizungsund Klimatechnik Berufskraftfahrer_ innen(Güter­verkehr/Lkw) Mechatronik Elektrische Betriebstechnik Metallbau 818 943 672 485 647 773 630 799 529 586 495 915 424 529 360 436 257 381 8,9 % 2,1 % 1,0 % 2,1 % 5,9 % 15,3 % 2,3 % 3,1 % 5,8 % 0,3 % 0,1 % 0,1 % 0,2 % 0,2 % 0,2 % 0,2 % 0,3 % 0,2 % Die größten Fachkräftelücken herrschten im Jahr 2020 in Sachsen in der Altenpflege mit 1.460 gefolgt von der Bauelektrik mit 818 nicht zu besetzenden Stellen. Im Vergleich zum Vorjahr 2019 ist die Fachkräftelücke im Jahresdurchschnitt 2020 überwiegend gesunken. Die Fachkräftelücke in der Altenpflege ist jedoch gleich geblieben und in der Gesundheitsund Krankenpflege sogar um 187 Stellen gestiegen. Der Anteil beschäftigter Migrant_innen lag 2020 in diesen Berufen bei 2,2 bzw. 2,1 Prozent. Mit 15,3 Prozent Anteil an allen Beschäftigten sind die meisten Migrant_ innen prozentual als Berufskraftfahrer_ innen bzw. mit 8,9 Prozent in der Bauelektrik beschäftigt. Hinweis: Jahresdurchschnitte, Berufe sind entsprechend der Engpässe für 2020 von oben nach unten angeordnet. Aus grafischen Gründen wurden unterschiedliche Maßstäbe für die Visualisierung der Kreisdiagramme in den Rubriken„Migrant_innen“ und„Geflüchtete“ verwendet. Quelle: IW-Berechnung auf Basis von Sonderauswertungen der BA und des IAB, 2021. ABB. 4 Entwicklung des Anteils der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge in Engpassberufen an allen Ausbildungsanfänger_innen der jeweiligen Gruppen (Engpassberufe des jeweiligen Jahres; Jahresdurchschnitte, in Prozent) 100 80 60 40 20 0 2013 2014 2015 2016 2017 2018 70,9 69,2 59,9 2019 Deutsche Migrant_innen Geflüchtete Migrant_innen und Geflüchtete beginnen ihre Ausbildung eher in Engpassberufen. Der Anteil der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge von Migrant_innen und Geflüchteten in Engpassberufen lag 2019 mit 69,2 Prozent bzw. 70,9 Prozent deutlich über dem der deutschen Staats­ angehö­rigen(59,9 Prozent). Hinweis: Ein Beruf gilt als Engpassberuf, wenn weniger als 100 passend qualifizierte Arbeitslose auf 100 offene Stellen kommen. Quelle:„Datenbank Auszubildende“ des BIBB auf Basis der Daten der Berufsbildungsstatistik der statistischen Ämter des Bundes und der Länder(Erhebung zum 31.12.). IW-Berechnung auf Basis von Sonderauswertungen der BA und des IAB, 2021 ANMERKUNGEN 1 Aufgeführte Daten stammen, so weit nicht anders angegeben, aus eigenen Berechnungen auf Basis der exklusiven Sonderauswertungen von Daten der Bundesagentur für Arbeit für diese Studie. 2 Der Begriff Migrant_innen umfasst Personen mit ausschließlich nichtdeutscher Staatsangehörigkeit. 3 Der Begriff Geflüchtete beschreibt Personen mit Nationalitäten der Top-8-Asylherkunftsländer(Afghanistan, Eritrea, Irak, Iran, Nigeria, ­Pakistan, Somalia, Syrien). Die Abgrenzung erfolgt aus Datengründen rein auf Basis der Nationalität einer Person, unabhängig davon, ob die Person tatsächlich eine Migrations- oder Fluchterfahrung hat. 4 Der Begriff Fachkraftberufe beschreibt Berufsgattungen auf Niveau 2 der KldB 2010 und umfasst Berufe, zu deren Ausübung typischer­weise eine(duale) Ausbildung vorausgesetzt wird. 5 Statistisches Bundesamt: Ausländische Bevölkerung nach Bundes­ ländern(zum 31.12.2020), online abrufbar: https://www.destatis.de/DE/ Themen/Gesellschaft-Umwelt/Bevoelkerung/Migration-Integration/ Tabellen/auslaendische-bevoelkerung-bundeslaender.html(7.10.2020). 6 Die Stellenüberhangsquote beschreibt den Anteil an offenen ­Stellen, für die es in der Region keine passend qualifizierten Arbeitslosen gibt, an allen offenen Stellen. 7 Die Fachkräftelücke beschreibt die absolute Anzahl an offenen Stellen in einer Berufsgattung, die nicht mit passend qualifizierten Arbeitslosen besetzt werden können. FRIEDRICH-EBERT-STIFTUNG 59 Fact-Sheet: Schleswig-Holstein 1 Der Beitrag von Migrant_innen 2 und G­ eflüchteten 3 zur Arbeitskräfte­sicherung in Fachkraftberufen 4 Anteil von Personen mit ausländischer Staatsbürgerschaft an Bevölkerung 9,4 % 5 Anteil Migrant_innen an allen Beschäftigten 5,7 % Anteil der Geflüchteten an allen Beschäftigten 0,7 % ABB. 1 Stellenüberhangsquote 6 in den Arbeitsagenturbezirken Schleswig-Holsteins (in Prozent) >_ 70 % <_ 70 % <_ 60 % <_ 50 % <_ 40 % <_ 30 % <_ 20 % <_ 10 % Flensburg ABB. 2 Anteil unbesetzter Ausbildungsstellen an allen gemeldeten Ausbildungsstellen in Schleswig-Holstein (in Prozent) >_ 70 % <_ 70 % <_ 60 % <_ 50 % <_ 40 % <_ 30 % <_ 20 % <_ 10 % Flensburg Neumünster Kiel Lübeck Heide Elmshorn Bad Oldesloe Neumünster Kiel Lübeck Heide Elmshorn Bad Oldesloe Den höchsten Anteil offener Stellen in Fachkraftberufen, die rein rechnerisch nicht zu besetzen waren, hatte im Jahr 2020 der Arbeitsagenturbezirk Bad Oldesloe mit 44,9 Prozent. In Flensburg waren hingegen 25,1 Prozent aller Stellen nicht zu besetzen. Hinweis: links: Jahresdurchschnitt 2020; rechts: zum 30.9.2020. Quelle: IW-Berechnung auf Basis von Sonderauswertungen der BA und des IAB, 2021. In Schleswig-Holstein blieben 2020 insgesamt 10,5 Prozent der gemeldeten Ausbildungsstellen zum 30.9. unbesetzt. Damit lag SchleswigHolstein etwas unter dem bundesweiten Durchschnitt von 11,3 Prozent. Am höchsten lag dieser Anteil in Lübeck(16,3 Prozent), am niedrigsten in Flensburg(6,2 Prozent). Hinweis: links: Jahresdurchschnitt 2020; rechts: zum 30.9.2020. Quelle: IW-Berechnung auf Basis von Sonderauswertungen der BA und des IAB, 2021. TAB. 1 Top-2-Fachkraftberufe am regionalen Arbeitsmarkt mit den meisten Migrant_innen und Geflüchteten in Schleswig-Holstein Migrant_innen Berufsgattung nach KldB 2010 Berufskraftfahrer_innen (G ü te r ve r ke h r/ Lk w) Gastronomieservice(o. S.) Geflüchtete Fahrzeugführer_innen Straßenverkehr(s. s. T.) Gastronomieservice(o. S.) Anzahl Anteil an allen Beschäftigten 3.146 15,4 % 2. 215 20,9 % 299 5,1 % 287 2,7 % Insgesamt waren 2020 in Schleswig-Holstein fast 33.000 Migrant_­innen in Fachkraftberufen beschäftigt. Dies entspricht 5,7 Prozent aller in Fachkraftberufen Beschäftigten. In absoluten Zahlen arbeiteten die meisten Migrant_innen als Berufskraftfahrer_innen(3.146) und als Servicekraft in der Gastronomie(2.215). Die Anzahl sozialversicherungspflichtig beschäftigter Geflüchteter hat sich von 2013 bis 2020 mehr als versechsfacht. Ihr Anteil an allen ­Beschäftigten in Fachkraftberufen lag 2020 in Schleswig-Holstein bei 0,7 Prozent beziehungsweise knapp über 4.000 Beschäftigten. Die meisten Geflüchteten arbeiteten als Fahrzeugführer_innen im Straßenverkehr(299) oder als Servicekräfte in der Gastronomie(287). Hinweis: Jahresdurchschnitt 2020. Quelle: IW-Berechnung auf Basis von Sonderauswertungen der BA, 2021. 60 OHNE SIE GEHT NICHTS MEHR  NOVEMBER 2021  FES diskurs ABB. 3 Top-10-Fachkraftberufe 2020 mit der größten Fachkräftelücke 7 in Schleswig-Holstein und der Anteil von Migrant_innen(mittelblau) und Geflüchteten(hellblau) an allen Beschäftigten in dem jeweiligen Beruf Personenanzahl 0 500 Altenpflege 1.000 875 1.010 Migrant_innen 4,2 % Geflüchtete 0,2 % Fachkräftelücke 2020 Fachkräftelücke 2019 Bauelektrik Kinderbetreuung und-erziehung Sanitär-, Heizungsund Klimatechnik Gesundheits- und Krankenpflege Öffentliche Verwaltung Kraftfahrzeugtechnik Elektrische Betriebstechnik Garten-, Landschaftsund Sportplatzbau Holz-, Möbel- und Innenausbau 622 689 602 666 467 507 453 401 243 222 238 424 213 258 180 203 129 197 7,6 % 2,1 % 3,1 % 4,9 % 1,5 % 4,4 % 2,3 % 8,9 % 7,0 % 0,8 % 0,2 % 0,4 % 0,2 % 0,1 % 0,9 % 0,5 % 0,6 % 1,0 % Die größten Fachkräftelücken herrsch­ ten im Jahr 2020 in Schleswig-Holstein in der Altenpflege mit 875 gefolgt von der Bauelektrik mit 622 nicht zu besetzenden Stellen. Der Anteil beschäftigter Migrant_innen in diesen Berufen lag 2020 bei 4,2 Prozent beziehungsweise 7,6 Prozent. Knapp 9 Prozent aller beschäftigten Fachkräfte im Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau verfügen über eine nichtdeutsche Staatsangehörigkeit. Die Fachkräftelücke lag hier im Jahr 2020 bei 180 nicht zu besetzenden Stellen. Im Vergleich zum Vorjahr 2019 ist die Fachkräftelücke im Jahresdurchschnitt 2020 deutlich gesunken. Nach Erho­lung der Wirtschaft nach der Corona-Krise ist hier allerdings wieder mit einem Anstieg auf Vorkrisenniveau zu rechnen. Hinweis: Jahresdurchschnitte, Berufe sind entsprechend der Engpässe für 2020 von oben nach unten angeordnet. Aus grafischen Gründen wurden unterschiedliche Maßstäbe für die Visualisierung der Kreisdiagramme in den Rubriken„Migrant_innen“ und„Geflüchtete“ verwendet. Quelle: IW-Berechnung auf Basis von Sonderauswertungen der BA und des IAB, 2021. ABB. 4 Entwicklung des Anteils der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge in Engpassberufen an allen Ausbildungsanfänger_innen der jeweiligen Gruppen (Engpassberufe des jeweiligen Jahres; Jahresdurchschnitte, in Prozent) 80 60 40 20 0 2013 2014 2015 2016 2017 2018 73,9 68,7 54,1 2019 Deutsche Migrant_innen Geflüchtete Migrant_innen und Geflüchtete beginnen ihre Ausbildung eher in Engpassberufen. Der Anteil der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge von Migrant_innen und Geflüchteten in Engpassberufen lag 2019 mit 68,7 Prozent bzw. 73,9 Prozent deutlich über dem der deutschen Staatsan­ gehörigen(54,1 Prozent). Hinweis: Ein Beruf gilt als Engpassberuf, wenn weniger als 100 passend qualifizierte Arbeitslose auf 100 offene Stellen kommen. Quelle:„Datenbank Auszubildende“ des BIBB auf Basis der Daten der Berufsbildungsstatistik der statistischen Ämter des Bundes und der Länder(Erhebung zum 31.12.). IW-Berechnung auf Basis von Sonderauswertungen der BA und des IAB, 2021. ANMERKUNGEN 1 Aufgeführte Daten stammen, so weit nicht anders angegeben, aus eigenen Berechnungen auf Basis der exklusiven Sonderauswertungen von Daten der Bundesagentur für Arbeit für diese Studie. 2 Der Begriff Migrant_innen umfasst Personen mit ausschließlich nichtdeutscher Staatsangehörigkeit. 3 Der Begriff Geflüchtete beschreibt Personen mit Nationalitäten der Top-8-Asylherkunftsländer(Afghanistan, Eritrea, Irak, Iran, Nigeria, ­Pakistan, Somalia, Syrien). Die Abgrenzung erfolgt aus Datengründen rein auf Basis der Nationalität einer Person, unabhängig davon, ob die Person tatsächlich eine Migrations- oder Fluchterfahrung hat. 4 Der Begriff Fachkraftberufe beschreibt Berufsgattungen auf Niveau 2 der KldB 2010 und umfasst Berufe, zu deren Ausübung typischer­weise eine(duale) Ausbildung vorausgesetzt wird. 5 Statistisches Bundesamt: Ausländische Bevölkerung nach Bundes­ ländern(zum 31.12.2020), online abrufbar: https://www.destatis.de/DE/ Themen/Gesellschaft-Umwelt/Bevoelkerung/Migration-Integration/ Tabellen/auslaendische-bevoelkerung-bundeslaender.html(7.10.2020). 6 Die Stellenüberhangsquote beschreibt den Anteil an offenen ­Stellen, für die es in der Region keine passend qualifizierten Arbeitslosen gibt, an allen offenen Stellen. 7 Die Fachkräftelücke beschreibt die absolute Anzahl an offenen Stellen in einer Berufsgattung, die nicht mit passend qualifizierten Arbeitslosen besetzt werden können. FRIEDRICH-EBERT-STIFTUNG 61 Fact-Sheet: Thüringen 1 Der Beitrag von Migrant_innen 2 und G­ eflüchteten 3 zur Arbeitskräfte­sicherung in Fachkraftberufen 4 Anteil von Personen mit ausländischer Staatsbürgerschaft an Bevölkerung 5,5 % 5 Anteil Migrant_innen an allen Beschäftigten 3,8 % Anteil der Geflüchteten an allen Beschäftigten 0,4 % ABB. 1 Stellenüberhangsquote 6 in den Arbeitsagenturbezirken Thüringens (in Prozent) Nordhausen >_ 70 % <_ 70 % <_ 60 % <_ 50 % <_ 40 % <_ 30 % <_ 20 % <_ 10 % ABB. 2 Anteil unbesetzter Ausbildungsstellen an allen gemeldeten Ausbildungsstellen in Thüringen (in Prozent) >_ 70 % <_ 70 % <_ 60 % <_ 50 % <_ 40 % <_ 30 % <_ 20 % Nordhausen <_ 10 % Gotha Erfurt Gotha Erfurt Altenburg Jena Suhl Altenburg Jena Suhl Den höchsten Anteil offener Stellen in Fachkraftberufen, die rein rechne­ risch nicht zu besetzen waren, hatte im Jahr 2020 der Arbeitsagentur­ bezirk Jena mit 49,6 Prozent. In Nordhausen waren hingegen 18,1 Prozent aller Stellen nicht zu besetzen. Hinweis: links: Jahresdurchschnitt 2020; rechts: zum 30.9.2020. Quelle: IW-Berechnung auf Basis von Sonderauswertungen der BA und des IAB, 2021. In Thüringen blieben 2020 insgesamt 14,4 Prozent der gemeldeten Ausbildungsstellen zum 30.9. unbesetzt. Damit lag Thüringen über dem bundesweiten Durchschnitt von 11,3 Prozent. Am höchsten lag dieser Anteil in Altenburg-Gera(32,8 Prozent), am niedrigsten in Gotha(6,8 Prozent). Hinweis: links: Jahresdurchschnitt 2020; rechts: zum 30.9.2020. Quelle: IW-Berechnung auf Basis von Sonderauswertungen der BA und des IAB, 2021. TAB. 1 Top-2-Fachkraftberufe am regionalen Arbeitsmarkt mit den meisten Migrant_innen und Geflüchteten in Thüringen Migrant_innen Berufsgattung nach KldB 2010 Berufskraftfahrer_innen (G ü te r ve r ke h r/ Lk w) Gastronomieservice(o. S.) Geflüchtete Maschinen-, Anlagen­ führer_innen Gastronomieservice(o. S.) Anzahl Anteil an allen Beschäftigten 1. 241 8,1 % 1.106 18 % 147 1,5 % 119 1,9 % Insgesamt waren 2020 in Thüringen fast 18.000 Migrant_innen in Fachkraftberufen beschäftigt. Dies entspricht 3,8 Prozent aller in Fachkraftberufen Beschäftigten. In absoluten Zahlen arbeiteten die meisten Migrant_innen als Berufskraftfahrer_innen(1.241) und im Gastronomieservice(1.106). Die Anzahl sozialversicherungspflichtig beschäftigter Geflüchteter ist von 2013 bis 2020 von 110 auf 1.829 gestiegen und hat sich somit mehr als versechzehntfacht. Ihr Anteil an allen Beschäftigten in Fachkraftberufen lag 2020 in Thüringen bei 0,4 Prozent. Die meisten Geflüchteten arbeiteten als Maschinen- und Anlagenführer_innen(147) oder als Servicekräfte in der Gastronomie(119). Hinweis: Jahresdurchschnitt 2020. Quelle: IW-Berechnung auf Basis von Sonderauswertungen der BA, 2021. 62 OHNE SIE GEHT NICHTS MEHR  NOVEMBER 2021  FES diskurs ABB. 3 Top-10-Fachkraftberufe 2020 mit der größten Fachkräftelücke 7 in Thüringen und der Anteil von Migrant_innen(mittelblau) und Geflüchteten(hellblau) an allen Beschäftigten in dem jeweiligen Beruf Personenanzahl 0 Altenpflege 500 1.000 615 758 Migrant_innen 2,1 % Geflüchtete 0,0 % Fachkräftelücke 2020 Fachkräftelücke 2019 Bauelektrik Sanitär-, Heizungsund Klimatechnik Kraftfahrzeugtechnik Gesundheits- und Krankenpflege Elektrische Betriebstechnik Kinderbetreuung und-erziehung Mechatronik Metallbau 456 632 328 443 290 580 270 318 268 364 249 231 238 378 196 359 9,7 % 9,2 % 2,2 % 1,6 % 5,1 % 0,9 % 1,1 % 4,1 % 0,3 % 0,1 % 0,5 % 0,1 % 0,5 % 0,1 % 0,1 % 0,5 % Die größten Fachkräftelücken herrschten im Jahr 2020 in Thüringen in der Altenpflege mit 615 gefolgt von der Bauelektrik mit 456 nicht zu besetzenden Stellen. In der Bauelektrik verfügt fast jede_r zehnte Beschäftigte über eine nichtdeutsche Staatsangehörigkeit. In der Altenpflege lag der Anteilder beschäftigten Migrant_innen lediglich bei 2,1 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahr 2019 ist die Fachkräftelücke im Jahresdurchschnitt 2020 deutlich gesunken. Nach Erholung der Wirtschaft nach der Corona-Krise ist hier allerdings wieder mit einem Anstieg auf Vorkrisenniveau zu rechnen. Verkauf von 148 Fleischwaren 150 0,6 % 0,1 % Hinweis: Jahresdurchschnitte, Berufe sind entsprechend der Engpässe für 2020 von oben nach unten angeordnet. Aus grafischen Gründen wurden unterschiedliche Maßstäbe für die Visualisierung der Kreisdiagramme in den Rubriken„Migrant_innen“ und„Geflüchtete“ verwendet. Quelle: IW-Berechnung auf Basis von Sonderauswertungen der BA und des IAB, 2021. ABB. 4 Entwicklung des Anteils der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge in Engpassberufen an allen Ausbildungsanfänger_innen der jeweiligen Gruppen (Engpassberufe des jeweiligen Jahres; Jahresdurchschnitte, in Prozent) 80 60 40 20 0 2013 2014 2015 2016 2017 2018 75,0 71,9 61,8 2019 Deutsche Migrant_innen Geflüchtete Der Anteil von Migrant_innen und Geflüchtete, die Ihre Ausbildung in Engpassberufen beginnen, steigt seit 2015. Der Anteil der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge von Migrant_innen und Geflüchteten in Engpassberufen lag 2019 mit 75 Prozent bzw. 71,9 Prozent deutlich über dem der deutschen Staatsangehörigen(61,8 Prozent). Hinweis: Ein Beruf gilt als Engpassberuf, wenn weniger als 100 passend qualifizierte Arbeitslose auf 100 offene Stellen kommen. Quelle:„Datenbank Auszubildende“ des BIBB auf Basis der Daten der Berufsbildungsstatistik der statistischen Ämter des Bundes und der Länder(Erhebung zum 31.12.). IW-Berechnung auf Basis von Sonderauswertungen der BA und des IAB, 2021. ANMERKUNGEN 1 Aufgeführte Daten stammen, so weit nicht anders angegeben, aus eigenen Berechnungen auf Basis der exklusiven Sonderauswertungen von Daten der Bundesagentur für Arbeit für diese Studie. 2 Der Begriff Migrant_innen umfasst Personen mit ausschließlich nichtdeutscher Staatsangehörigkeit. 3 Der Begriff Geflüchtete beschreibt Personen mit Nationalitäten der Top-8-Asylherkunftsländer(Afghanistan, Eritrea, Irak, Iran, Nigeria, ­Pakistan, Somalia, Syrien). Die Abgrenzung erfolgt aus Datengründen rein auf Basis der Nationalität einer Person, unabhängig davon, ob die Person tatsächlich eine Migrations- oder Fluchterfahrung hat. 4 Der Begriff Fachkraftberufe beschreibt Berufsgattungen auf Niveau 2 der KldB 2010 und umfasst Berufe, zu deren Ausübung typischer­weise eine(duale) Ausbildung vorausgesetzt wird. 5 Statistisches Bundesamt: Ausländische Bevölkerung nach Bundes­ ländern(zum 31.12.2020), online abrufbar: https://www.destatis.de/DE/ Themen/Gesellschaft-Umwelt/Bevoelkerung/Migration-Integration/ Tabellen/auslaendische-bevoelkerung-bundeslaender.html(7.10.2020). 6 Die Stellenüberhangsquote beschreibt den Anteil an offenen ­Stellen, für die es in der Region keine passend qualifizierten Arbeitslosen gibt, an allen offenen Stellen. 7 Die Fachkräftelücke beschreibt die absolute Anzahl an offenen Stellen in einer Berufsgattung, die nicht mit passend qualifizierten Arbeitslosen besetzt werden können. FRIEDRICH-EBERT-STIFTUNG 63 ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS BA Bundesagentur für Arbeit BAMF Bundesamt für Migration und Flüchtlinge BBiG Berufsbildungsgesetz BIBB Bundesinstitut für Berufsbildung DAZUBI Datenbank Auszubildende des Bundesinstituts für Berufsbildung HwO Handwerksordnung IAB Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung IW Institut der deutschen Wirtschaft KldB Klassifikation der Berufe der Bundesagentur für Arbeit KOFA Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung SGB Sozialgesetzbuch ABBILDUNGS- UND TABELLENVERZEICHNIS(OHNE FACT-SHEETS) 9 Tabelle 1 Anforderungsniveaus 11 Abbildung 1 Top-10-Engpassberufe 2020 mit der größten Fachkräftelücke auf Anforderungsniveau 2 der KldB 2010 13 Abbildung 2 Stellenüberhangsquote – Arbeitsagenturbezirke 15 Tabelle 2 Top-10-Fachkraftberufe mit den meisten beschäftigten Migrant_ innen inklusive Engpassrelation 2019 und 2020 16 Tabelle 3 Top-10-Fachkraftberufe mit den meisten beschäftigten Geflüchteten inklusive Engpassrelation 2019 und 2020 17 Abbildung 3 Der Anteil Beschäftigter in Engpassberufen an allen Beschäftigten der jeweiligen Gruppen im Zeitverlauf 19 Abbildung 4 Anteil unbesetzter Ausbildungsstellen an allen gemeldeten Stellen – Arbeitsagenturbezirke 20 Abbildung 5 Top-10-Nationalitäten bei neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen 21 Abbildung 6 Top 10 neu abgeschlossener Ausbildungsverträge(links) und Fachkräftelücke(rechts) 22 Abbildung 7 Entwicklung des Anteils der neu abgeschlossenen Ausbildungsberufe in Engpassberufen an allen Ausbildungsanfänger_innen der jeweiligen Gruppen 22 Abbildung 8 Bei der BA gemeldete Bewerber_innen 23 Abbildung 9 Anteil Migrant_innen und Geflüchteter an allen Beschäftigten in Fachkraftberufen – Bundesländer 24 Tabelle 4 Unterschiede zwischen Bundesländern im Überblick – Fachkraftberufe auf Anforderungsniveau 2 der KldB 2010 64 OHNE SIE GEHT NICHTS MEHR  NOVEMBER 2021  FES diskurs LITERATURVERZEICHNIS Bauer, Anja; Fuchs, Johann; Gartner, Hermann; Hummel, Markus; Hutter, Christian; Wanger, Susanne; Weber, Enzo; Zika, Gerd 2020: IAB-Prognose 2020/2021: Arbeitsmarkt auf schwierigem Erholungskurs, IAB-Kurzbericht 19(2020), Nürnberg. 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WISO Diskurs 19 / 2021 Der„Migrationshintergrund“ und seine Fallstricke – Wie weiter in der interkulturellen Öffnung des öffentlichen Dienstes in Deutschland WISO direkt 18 / 2021 Geflüchtete Frauen und ihre Teilhabe an Erwerbsarbeit WISO direkt 17 / 2021 Geschlechtergerechte Arbeitsmarktinegration von Migrant_innen – Erfahrungen aus dem schwedischen Projekt„Equal Entry“ WISO direkt 12 / 2021 Deutsch lernen auf dem Land – Handlungsempfehlungen für die Sprachförderung von Migrantinnen und Migranten in Deutschland WISO Diskurs 07 / 2021 Mehr als nur ein Job: Die qualitative Dimension der Integration in Arbeit von Geflüchteten in Deutschland WISO Diskurs 09 / 2020 Die Integrationskurse werden evaluiert – Eine erste Analyse des Zwischenberichts WISO direkt 10 / 2020 In Integration investieren! Für eine Reform der Deutschsprachförderung des Bundes WISO direkt 16 / 2019 Aktuelle und zukünftige Einwanderungsbedarfe von IT-Fachkräften nach Deutschland: Wie attraktiv sind die Bundesländer WISO Diskurs 09 / 2019 Die Arbeitsmarktintegration geflüchteter Frauen WISO direkt 02 / 2019 Geflüchtete Frauen in Deutschland – Anforderungen an eine geschlechtersensible Asyl- und Integrationspolitik WISO direkt 08 / 2018 Soziale Arbeit mit Flüchtlingen – Strukturen, Konzepte und Perspektiven WISO Diskurs 14 / 2017 Volltexte und weitere Publikationen der Friedrich-Ebert-Stiftung unter www.fes.de / publikationen Impressum © 2021 Friedrich-Ebert-Stiftung Herausgeberin: Abteilung Analyse, Planung und Beratung Godesberger Allee 149, 53175 Bonn Fax 0228 883 9205 www.fes.de/apb apb-publikation@fes.de Titelfoto: picture-alliance.com/ moodboard| DeeDee DeGelia& Brent Winebrenner& DeGelia Gestaltungskonzept: www.leitwerk.com Umsetzung / Satz: Britta Liermann, Berlin Druck: www.bub-bonn.de ISBN: 978-3-98628-013-0 Die in dieser Publikation zum Ausdruck gebrachten Ansichten sind nicht notwendigerweise die der Friedrich-Ebert-­Stiftung. Eine gewerbliche Nutzung der von der FES herausgegebenen Medien ist ohne schriftliche Zustimmung durch die FES nicht gestattet. Publikationen der Friedrich-Ebert-Stiftung dürfen nicht für Wahlkampfzwecke verwendet werden. FRIEDRICH-EBERT-STIFTUNG Aufgrund sinkender Geburtenraten und der Abnahme der arbeitsfähigen Bevölkerung gewinnen Migrant_innen an Bedeutung für den deutschen Arbeitsmarkt. 2020 deckten bereits etwa 4,1 Millionen Personen mit ausländischer Staatsangehörigkeit den Fachkräftebedarf am deutschen Arbeitsmarkt. Die vorliegende Studie, die das Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung des IW Köln im Auftrag der Friedrich-Ebert-Stiftung erstellt hat, zeigt: Migrant_innen stellen mittlerweile einen ganz erheblichen Anteil der Arbeitskräfte auf Fachkraftniveau in Deutschland, und auch Geflüchtete sind zunehmend präsent in diesen Berufen. Die Studie gibt einen detail­ lierten Blick in die Situation jedes einzelnen Bundeslands und die jeweils zehn Berufe mit der größten Fachkräftelücke. Auch zeigt sie auf, dass – gerade für die sogenannten Engpassberufe – Migrant_innen und Geflüchtete eine zunehmend wichtige Rolle auf dem Arbeitsmarkt und damit auch für die Wirtschaft spielen. ISBN 978-3-98628-013-0