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Subject: International Politics and Society
Date: Tue, 20 Jan 2026 10:26:10 +0100
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   <title>International Politics and Society</title>
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t, L=E4nderanalysen  =3D International politics and society / Hrsg. von der=
 Friedrich-Ebert-Stiftung. Online. - Bonn, [Electronic ed.: 1998 - ] Vorg.:=
 Friedrich-Ebert-Stiftung: Vierteljahresberichte">
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<p><br></p><p>

</p></td>
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ty
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<td><i>Stephan Schulmeister<br>
</i><b>Der polit-=F6konomische Entwicklungszyklus der Nachkriegszeit</b>
<br>
<b>Vom B=FCndnis Realkapital-Arbeit in der Prosperit=E4t zum B=FCndnis
Realkapital- Finanzkapital in der Krise</b><i> </i>
<p>
<i><font size=3D"-1">Vorl=E4ufige Fassung / Preliminary version</font></i>
</p><p>Dieser Essay skizziert den langfristigen Zyklus von der auf die Tals=
ohle
der drei=DFiger Jahren folgenden Aufschwungsphase (1950 bis 1965) =FCber
die Transformationsphase bis etwa 1980 zur Krisenphase seither. Als "treibe=
nde
Kr=E4fte" werden einerseits die Interaktionen zwischen der technologischen
und der sozialen Innovationsdynamik und andererseits zwischen den drei
=F6konomischen "Hauptinteressen", jenen des Realkapitals,
des Finanzkapitals und der Arbeit, begriffen. </p>

<h1><font size=3D"+0"><u>Aufbruch zur Prosperit=E4t: 1950 bis 1965</u> </fo=
nt></h1>

<h2><font size=3D"+0">Die institutionellen und politischen Rahmenbedingunge=
n
</font></h2>

<p>Die Erfahrungen der drei=DFiger Jahre und ihre Aufarbeitung durch
den Keynesianismus bildeten die Grundlage f=FCr eine klare Rollenverteilung=
:
</p>

<p>=AD Der Staat setzt die "Spielregeln" (Sozialrecht, Wettbewerbsrecht
etc.), er verbessert die Wachstumsbedingungen durch Infrastrukturinvestitio=
nen,
er verst=E4rkt das Netz der sozialen Sicherheit und d=E4mpft Konjunkturschw=
ankungen
durch eine antizyklische Geld- und Fiskalpolitik. </p>

<p>=AD Die Unternehmer tragen die alleinige Verantwortung f=FCr die
Produktions- und Investitionsentscheidungen auf der betrieblichen Ebene.
</p>

<p>=AD Die Arbeitnehmer akzeptieren dies und werden daf=FCr mit wachsender
Besch=E4ftigung und einem etwa gleichbleibenden Einkommensanteil "belohnt".
</p>

<p>- Die Notenbanken tragen dazu bei, das Gewinnstreben auf Investition,
Produktion und Handel auf G=FCterm=E4rkten zu richten, indem sie
die Zinss=E4tze auf niedrigem, unter der Wachstumsrate liegenden Niveau
stabilisieren; das System fester Wechselkurse dient dem gleichen Ziel.
</p>

<p>- Bei stabilen Wechselkursen, Zinss=E4tzen, aber auch Aktienkursen
konzentrierte der Bankensektor seine Aktivit=E4ten auf die optimale
realwirtschaftliche Veranlagung seiner Einlagen, also auf die Finanzierung
der Realinvestitionen der Unternehmen. </p>

<p>=AD Die Entwicklung des Wohlfahrtsstaats und die enge Kooperation
zwischen Arbeit und Kapital wurde durch die Systemkonkurrenz und den "Kalte=
n
Krieg" gef=F6rdert: die kommunistische Herausforderung erleichterte
den =DCbergang vom "h=E4=DFlichen Kapitalismus" der
drei=DFiger Jahre zur "sozialen Marktwirtschaft" der f=FCnfziger
Jahre. </p>

<p>=DCber zwei Jahrzehnte herrschte in Wissenschaft und Politik =DCbereinst=
immung
=FCber das "relevante" =F6konomische Modell, die neoklassische
Synthese als "Kreuzung" zwischen dem keynesianischen Modell auf
makro=F6konomischer und dem Marktmodell auf mikro=F6konomischer Ebene:
Was, wie und f=FCr wen produziert wird, sollte grunds=E4tzlich durch
Unternehmerentscheidungen (hinsichtlich neuer G=FCter) und den Preismechani=
smus
auf G=FCter- und Faktorm=E4rkten (hinsichtlich bestehender G=FCter)
bestimmt werden. Wenn jedoch das Zusammenwirken der einzelwirtschaftlichen
Entscheidungen zu gesamtwirtschaftlichen Ungleichgewichten f=FChrt,
insbesondere zu Arbeitslosigkeit, so soll der Staat diese durch eine aktive
Konjunktur- und Wachstumspolitik mildern. </p>

<p>Der Konsens =FCber den Keynesianismus als der "richtigen"
Theorie der Gesamtwirtschaft bewirkte, da=DF die Akteure ihre Erwartungen
entsprechend diesem Modell bildeten: verschlechterte sich etwa die Konjunkt=
ur,
so erwarteten die Unternehmer, da=DF der Staat seine Nachfrage ausweiten
sowie die Zinsen senken und so die Wirtschaft wieder in Schwung bringen
werde. Die Unternehmer verringerten daher Investitionen und Besch=E4ftigung
viel schw=E4cher als es ohne diese Erwartung der Fall gewesen w=E4re,
was wiederum ausgepr=E4gte Konjunkturschwankungen verhinderte. </p>

<h2><font size=3D"+0">Teilprozesse der wirtschaftlichen Entwicklung 1950 bi=
s
1965 </font></h2>

<p><i><u>Politische Hauptstr=F6mungen. </u></i>In den f=FCnfziger
und sechziger Jahren wurde die Politik in den wichtigsten Industriel=E4nder=
n
durch die Dominanz gem=E4=DFigt konservativer Parteien gepr=E4gt.
Die Tatsache, da=DF es konservative Parteien waren, die in der Regierung
den Keynesianismus in die Praxis umsetzten, d=FCrfte das Mi=DFtrauen
der Unternehmerschaft gegen diese neue Doktrin gemildert und so den Konsens
dar=FCber erleichtert haben. </p>

<p><i><u>Technologische Entwicklung.</u></i> Die technologische Entwicklung
war durch eine kontinuierliche Verbesserung von Produkten und Prozessen
gekennzeichnet, die ihrem Wesen nach schon am Beginn der Periode existierte=
n.
Selbst in den USA wurden zwischen 1950 und 1970 im zivilen Bereich keine
Basisinnovationen entwickelt, wohl aber im milit=E4risch-industriellen
Komplex; diese Innovationen konzentrierten sich auf Informationstechnologie
sowie die Luft- und Raumfahrt (Stichwort: "Sputnik-Schock").
Das dominante Prinzip in der Produktionstechnik war der "Fordismus":
Die Produktion standardisierter Konsum- und Investitionsg=FCter wurde
in immer kleinere Arbeitsschritte gegliedert, diese Vertiefung der Arbeitst=
eilung
erm=F6glichte ein hohes und kontinuierliches Produktivit=E4tswachstum.
</p>

<p><i><u>Finanzierungsbedingungen, Investitionsdynamik und Staatsverschuldu=
ng</u></i>.
Zwischen 1950 und 1965 lag der Zinssatz (Bankkredit- bzw. Anleihenzins)
in den Industriel=E4ndern um etwa 3 Prozentpunkte unter der Wachstumsrate.
Diese Konstellation f=F6rderte die Realakkumulation relativ zur Finanzakkum=
ulation
aus zwei Gr=FCnden. Erstens ist die Rendite k=FCnftiger Investitionen
umso gr=F6=DFer, je h=F6her die (erwartete) gesamtwirtschaftliche
Wachstumsrate =FCber dem (erwarteten) Zinssatz liegt. Zweitens k=F6nnen
umso mehr Investitionsprojekte durch Kreditaufnahme finanziert werden,
je geringer die Zinszahlungen f=FCr die Unternehmerschuld sind (=3D die
Finanzierungskosten vergangener Investitionen); denn nur wenn der Zinssatz
niedriger ist als die Wachstumsrate, k=F6nnen Schuldnersektoren wie
die Unternehmen oder der Staat ein Prim=E4rdefizit aufrecht erhalten,
also mehr (Investitions)Kredite aufnehmen als sie an Zinsen f=FCr die
"Altschulden" zu zahlen haben, ohne da=DF sich die Relation
ihres Schuldenbestandes zum BIP erh=F6ht ("dynamische Budgetbeschr=E4nkung"=
).
Der Wachstumsproze=DF war somit dadurch charakterisiert, da=DF
die =DCbersch=FCsse der Haushalte (ihr Sparen) via Kreditaufnahme
(Defizite) der Unternehmen in Realkapital transformiert wurden. Die hohe
Investitionsdynamik bewirkte, da=DF zu Beginn der sechziger Jahre die
Defizite des Unternehmenssektors sogar deutlich h=F6her waren als die
=DCbersch=FCsse der Haushalte, soda=DF der Staat in L=E4ndern
wie Deutschland oder Japan ausgepr=E4gte Budget=FCbersch=FCsse
aufwies. </p>

<p><i><u>Einkommensverteilung.</u></i> Bis Mitte der sechziger Jahre versch=
ob
sich die (funktionelle) Verteilung der Produktionseinkommen zwischen L=F6hn=
en,
Zinsertr=E4gen und Unternehmereinkommen kaum. Die Lohnquote blieb in
den f=FCnfziger Jahren stabil, in der ersten H=E4lfte der sechziger
Jahre stieg sie leicht an. Die Ungleichheit in der personellen Einkommensve=
rteilung
nahm ab, in erster Linie als Folge einer solidarischen Lohnpolitik, progres=
siver
direkter Steuern und eines schrittweisen Ausbaus staatlicher Transferzahlun=
gen.
</p>

<p><i><u>Inflation.</u></i> Der Preisauftrieb blieb in den f=FCnfziger
Jahren m=E4=DFig (etwa 3% pro Jahr); auch in der ersten H=E4lfte
der sechziger Jahre beschleunigte sich das Inflationstempo nicht nennenswer=
t,
obwohl die L=F6hne etwas rascher wuchsen als die Arbeitsproduktivit=E4t
(die Unternehmer akzeptierten eine leichte Umverteilung zugunsten der Arbei=
tnehmer).
Auch die zweite Kostenkomponente der Wertsch=F6pfung, die Zinszahlungen,
wuchsen bei ann=E4hernd konstantem Nominalzins nur etwa gleichschrittig
mit den Gesamtkosten (=3DGesamteinkommen). </p>

<p><i><u>Besch=E4ftigung.</u></i> All diese einander erg=E4nzenden
Bedingungen erm=F6glichten ein stabiles und gleichzeitig so hohes Wirtschaf=
tswachstum,
da=DF in den europ=E4ischen Industriel=E4ndern bereits Anfang
der sechziger Jahre Vollbesch=E4ftigung erreicht wird (in Deutschland
lag die Arbeitslosenrate bei 1%). </p>

<h2><a name=3D"_Toc310925548"></a><font size=3D"+0">Phase im polit-=F6konom=
ischen
Entwicklungszyklus </font></h2>

<p>F=FCr ein konkretes Verst=E4ndnis der l=E4ngerfristigen Entwicklungsdyna=
mik
ist es n=FCtzlich, drei =F6konomische "Fundamentalinteressen"
zu unterscheiden, jene des Realkapitals, des Finanzkapital und der Arbeit(n=
ehmer).)
Realkapital ist das in Produktionsmittel angelegte Verm=F6gen; die Bildung
des Realkapitals wird teilweise durch Eigenkapital der Eigent=FCmer
und teilweise durch Kredite (Finanzschulden) finanziert. Letztere stellen
das Finanzkapital der Gl=E4ubiger dar: unmittelbar sind dies =FCberwiegend
die Banken und Sparkassen, mittelbar aber die privaten Haushalte, welche
ihr Sparverm=F6gen bei solchen Instituten ein- bzw. anlegen.) Entsprechend
den drei Verm=F6genskategorien ("stocks"), Arbeitskraft ("Verm=F6gen"
im Sinn von "K=F6nnen"), Finanzkapital und Realkapital, und
den drei Einkommenskategorien ("flows"), L=F6hne, Zinszahlungen
und Unternehmergewinne sind drei Typen =F6konomischer Interessen zu
unterscheiden: </p>

<p>- Arbeitnehmer w=FCnschen ein hohes und gesichertes Besch=E4ftigungsnive=
au
und Reall=F6hne, welche zumindest nicht langsamer wachsen als ihre Produkti=
vit=E4t.
</p>

<p>- Unternehmer sind an optimalen Bedingungen f=FCr Profiterzielung
auf G=FCterm=E4rkten interessiert, und damit an g=FCnstigen Finanzierungsbe=
dingungen
(niedrige Realzinsen, stabile Wechselkurse, keine =DCberbewertung der
"eigenen" W=E4hrung). </p>

<p>- Rentiers w=FCnschen einen hohen Zinssatz und Wechselkurs der W=E4hrung=
,
in der sie ihr Finanzkapital angelegt haben, die professionellen Manager
ihres Verm=F6gens =FCberdies instabile Finanzm=E4rkte: je st=E4rker
die Kurse schwanken, desto gr=F6=DFer der potentielle Spekulationsgewinn.
</p>

<p>Diesen drei Interessen entsprechen <b>keine</b> homogene soziale Gruppen
("Klassen"): </p>

<p>=AD Arbeitnehmer sparen und akkumulieren so Finanzverm=F6gen; sie
haben daher gleichzeitig Arbeitnehmerinteressen und Rentierinteressen.
</p>

<p>=AD Unternehmer des "non-financial business" sind zwar in
ihrer Gesamtheit (als Sektor) Nettoschuldner, in dem Ausma=DF jedoch,
in dem sie Finanzaktiva halten und ein entsprechendes Portfoliomanagement
betreiben, haben sie auch Rentierinteressen. </p>

<p>Allerdings lassen sich soziale Gruppen nach der Dominanz ihrer =F6konomi=
schen
Interessen unterscheiden: die meisten Arbeitnehmer sind "hauptberuflich"
Arbeitnehmer und die meisten Unternehmer im "non-financial business"
sind "hauptberuflich" Unternehmer (ihre Finanzkapitalertr=E4ge
sind im Vergleich zu ihren Einkommen aus selbst=E4ndiger oder unselbst=E4nd=
iger
T=E4tigkeit bedeutungslos). Wegen der enormen Konzentration der Verteilung
des Finanzverm=F6gens ist die Zahl der "hauptberuflichen"
Rentiers viel kleiner als jene der "hauptberuflichen" Unternehmer
bzw. Arbeitnehmer. </p>

<p>Die gesellschaftliche Entwicklung wird wesentlich durch (stillschweigend=
e)
"Interessensgemeinschaften" der Unternehmerschaft entweder mit
den ("hauptberuflichen") Rentiers (wie in den drei=DFiger
Jahren) oder den Arbeitnehmern (wie in den f=FCnfziger und sechziger
Jahren) gepr=E4gt. Um das Entstehen und Vergehen solcher "B=FCndnisse"
zu begreifen, mu=DF zwischen =F6konomischen und politischen Gegens=E4tzen
in der "Interessenstriade" unterschieden werden: </p>

<p><i><u>=D6konomisch </u></i>ist der Interessensgegensatz zwischen
Realkapital und Finanzkapital sch=E4rfer als zwischen Realkapital und
Arbeit; dies wird nicht nur am Verteilungskonflikt deutlich (Lohnzahlungen
flie=DFen als Konsumausgaben wieder an die Unternehmen zur=FCck,
Zinszahlungen werden hingegen in viel h=F6herem Ausma=DF gespart),
sondern auch daran, wie sehr hohe und instabile Zinss=E4tze und Wechselkurs=
e
die unternehmerischen T=E4tigkeiten auf G=FCterm=E4rkten behindern.
Anders formuliert: Unternehmer und Arbeitnehmer haben ein gemeinsames Inter=
esse
an hohem Produktionswachstum als Voraussetzung f=FCr steigende L=F6hne
und Gewinne. </p>

<p><i><u>Politisch</u></i> stehen jedoch die Unternehmer den ("hauptberufli=
chen")
Rentiers und ihre Managern bei Banken, Versicherungen und Investmentfonds
n=E4her als den Arbeitnehmern; daf=FCr d=FCrfte einerseits ein
Gef=FChl der sozialen Zusammengeh=F6rigkeit bestimmend sein und andererseit=
s
das Denken in der traditionelle Dichotomie Arbeit versus Kapital (egal
ob Real- oder Finanzkapital).) </p>

<p>Die Phasen der langfristigen polit-=F6konomischen Entwicklung lassen
sich nach den Koalitionen zwischen diesen drei gesellschaftlichen Gruppen
gliedern. Die Entwicklung zwischen 1950 und 1965 war gepr=E4gt von einer
Koalition der Unternehmer mit den Arbeitnehmern, die Finanzm=E4rkte
und damit auch die Interessen des Finanzkapitals wurden "ruhig gestellt":
niedrige Zinss=E4tze, feste Wechselkurse, insbesondere des Dollar als
Weltw=E4hrung, dementsprechend auch stabile Preise der in Dollar notierende=
n
Rohstoffe, Verbesserung der Produktionsbedingungen durch =F6ffentliche
Investitionen, Stabilisierung der Konsumnachfrage durch Ausbau des Sozialst=
aats,
lenkten das Gewinnstreben der Unternehmer systematisch auf Investition,
Produktion und Handel auf G=FCterm=E4rkten. </p>

<h2><a name=3D"_Toc310925549"></a><font size=3D"+0">Phase im wirtschaftswis=
senschaftlichen
Paradigmenzyklus </font></h2>

<p>Die jeweilige Phase des polit-=F6konomischen Entwicklungszyklus wird
auch dadurch gepr=E4gt, welche von zwei Hauptgruppen von Wirtschaftswissens=
chaftern
dominieren: </p>

<p>=AD =D6konomen, welche davon ausgehen, da=DF die Koordination
unz=E4hliger Einzelentscheidungen nur durch Preissignale nicht notwendigerw=
eise
zur bestm=F6glichen Gesamtentwicklung f=FChrt; es ist daher Aufgabe
des Staates, =F6konomische Krisen zu mildern ("Reform=F6konomen").
</p>

<p>=AD =D6konomen, welche umgekehrt annehmen, da=DF nur die Marktkr=E4fte
ein Wachstum bei Vollbesch=E4ftigung sicherstellen und da=DF deshalb
der Staat selbst die wichtigste Ursache f=FCr Wirtschaftskrisen ist
("laissez-faire"-=D6konomen). </p>

<p>Die relative Dominanz einer der beiden Gruppen h=E4ngt wesentlich
von der in der unmittelbaren Vergangenheit realisierten Entwicklungsphase
ab: Phasen einer Wirtschaftskrise st=E4rken die Position der "Reform=F6kono=
men",
insbesondere dann, wenn sie durch Aufarbeitung der Krise eine neue Theorie
entwickeln, die aufzeigt, wie man die vergangene h=E4tte vermeiden k=F6nnen=
.
Phasen der Prosperit=E4t st=E4rken die Position der "Markt=F6konomen":
je l=E4nger diese anhalten, desto mehr entschwindet die Erinnerung,
durch wieviel und welches "Krisenlehrgeld" die Prosperit=E4t
"erkauft" worden war. </p>

<p>Die f=FCnfziger und sechziger Jahre waren eine Phase, in der die
Weltwirtschaftskrise "aufgearbeitet" wurde und daher die "Reformer"
dominierten, sie "etablierten" den Keynesianismus als Paradigma;
dementsprechend konzentrierten sich die =D6konomen auf bestimmte "Hauptr=E4=
tsel"
und entwickelten entsprechende Betrachtungsweisen: Das Hauptproblem war
die Arbeitslosigkeit, die als ein makro=F6konomisches Gleichgewicht
bei Unterbesch=E4ftigung betrachtet wurde. Das analytische Instrumentarium
war die Kreislauftheorie, jeder "flow" wurde simultan in seinen
beiden Erscheinungsformen betrachtet: als Aufwand (Kosten) und Ertrag (Eink=
ommen).
</p>

<p>Die jedem Paradigma inh=E4rente Beharrungstendenz wurde im Fall des
Keynesianismus durch seinen Erfolg verst=E4rkt: die langj=E4hrige
Prosperit=E4t entzog ihm sein Hauptproblem, die Arbeitslosigkeit. Es
gelang den Keynesianern nicht, andere Probleme zu neuen "Hauptr=E4tseln"
zu machen und so eine systemische Wirtschaftstheorie (weiter) zu entwickeln=
:
</p>

<p>=AD Die Rolle der Rentiers: um diese analysieren zu k=F6nnen, h=E4tte
man die Zinseinkommen als eigene Einkommenskategorie und das Finanzkapital
als eigene Verm=F6genskategorie explizit modellieren m=FCssen. </p>

<p>=AD Der Einflu=DF von Zinsschwankungen auf die Einkommensverteilung,
die Rentabilit=E4t von Realkapital(bildung) relativ zu Finanzkapital(bildun=
g),
die Schuld/Einkommens-Relation der Unternehmer und ihre Investitionsnachfra=
ge.
</p>

<p>- Wechselwirkung zwischen Inflation und Nominalzins: beschleunigt sich
etwa die Inflation von 3% auf 5% und steigt deshalb der Nominalzins von
5% auf 7% (der Realzins bleibt bei 2% konstant), so nehmen die Zinszahlunge=
n
bei flexibel verzinster (Bank)Schuld um 40% zu ("Zinsakzelerator");
die Unternehmen werden daher versuchen, einen Teil dieser Kostensteigerung
auf die Preise zu =FCberw=E4lzen (es gibt sowohl eine Lohn-Preis-Spirale
als auch eine Zins-Preis-Spirale).) </p>

<p>=AD Die Verlagerungen der Aktivit=E4ten zwischen langfristiger
Spekulation auf den G=FCterm=E4rkten (Investitionen und Innovationen)
und kurzfristiger Spekulation auf den Finanzm=E4rkten. </p>

<p>=AD "Endogenisierung" des Faktors "Unsicherheit"
und damit die explizite Erfassung jener Variablen, welche den "state
of confidence" bestimmen. <br>
</p>

<h2><a name=3D"_Toc310925550"></a><font size=3D"+0">Interaktion von Rahmenb=
edingungen
und Teilprozessen 1950 bis 1965 </font></h2>

<p>Die Entwicklung zwischen 1950 und 1965 war auch wegen der Koh=E4renz
zwischen Rahmenbedingungen und Teilprozessen so erfolgreich: </p>

<p>=AD Der Konsens =FCber das "wahre" makro=F6konomische
Modell koordinierte Erwartungsbildung, Verhaltensmuster und Wirtschaftspoli=
tik
und erh=F6hte so r=FCckwirkend die Vertrauensw=FCrdigkeit des
Modells. </p>

<p>=AD Der Keynesianismus konnte deshalb als "Koordinatensystem"
dienen, weil er die Komplexit=E4t der Interaktion von unz=E4hligen
Einzelentscheidungen auf relativ wenige Zusammenh=E4nge reduzierte.
</p>

<p>=AD Das "Weltbild" der neoklassischen Synthese erm=F6glichte
eine klare Rollenverteilung zwischen Unternehmern, Arbeitnehmern und dem
Staat. </p>

<p>=AD Die "friedliche" Entwicklung der "labor relations"
wurde dadurch erleichtert, da=DF die Unternehmer bereit waren, das
Vollbesch=E4ftigungsziel mitzutragen. </p>

<p>=AD Der Konsens =FCber dieses Ziel und ein darauf abgestimmtes
Verhalten von Unternehmen und Staat bewirkten, da=DF Vollbesch=E4ftigung
erreicht wurde. </p>

<p>=AD Dies wieder f=F6rderte den technischen Fortschritt: die Arbeitspl=E4=
tze
wurden mit immer mehr und damit mit immer besserem Kapital ausgestattet,
um die Arbeitsproduktivit=E4t maximal zu steigern. </p>

<p>Das Verh=E4ltnis des "technisch-=F6konomischen Systems"
(dieses erweitert durch Proze=DF- und Produktinnovationen das "technisch"
m=F6gliche Produktionspotential - gewisserma=DFen die "Welt
der Ingenieure") zum "sozial-=F6konomischen System" (dieses
erm=F6glicht oder beeintr=E4chtigt durch soziale Innovationen bzw.
Dis-Innovationen wie =F6konomische Theorien oder wirtschaftspolitische
Strategien die Realisierung des Produktionspotentials - gewisserma=DFen
die "Welt der =D6konomen und Politiker") war durch ein hohes
Ma=DF an Koh=E4renz gekennzeichnet: die Implementierung der schon
in den drei=DFiger Jahren entwickelten Technik "fordistischer"
Massenproduktion erm=F6glichte eine enorme Steigerung des Produktionspotent=
ials,
welches durch die Steigerung der Massenkaufkraft auf der Grundlage einer
keynesianischen Wirtschaftspolitik ausgesch=F6pft wurde; die technische
und die soziale Innovationsdynamik waren also aufeinander abgestimmt. </p>

<h1><font size=3D"+0"><u>Von der Prosperit=E4t in die Krise: 1965 bis 1980<=
/u>
</font></h1>

<p>Die Periode zwischen Mitte der sechziger und Ende der siebziger Jahre
war eine Phase der Transformation: </p>

<p>=AD =DCbergang vom wirtschafts- und sozialpolitisch aktiven zum
passiven Staat. </p>

<p>=AD =DCbergang vom Konsens =FCber das "relevante"
makro=F6konomische Modell, den Keynesianismus, zu einem wirtschaftswissensc=
haftlichen
und -politischen Dissens. </p>

<p>=AD =DCbergang von einem gemeinsamen "Koordinatensystem"
zu einem System erh=F6hter Unsicherheit. </p>

<p>=AD =DCbergang vom korporatistischen Modell der Gestaltung der
"labor relations" zu einem System mit zunehmender Dominanz der
Unternehmer. </p>

<p>=AD =DCbergang von regulierten zu deregulierten Finanzm=E4rkten,
insbesondere: </p>

<p>=AD =DCbergang von stabilen zu instabilen Wechselkursen und Zinss=E4tzen=
.
</p>

<p><a name=3D"_Toc310925553"></a>Im folgenden sollen die wichtigsten Etappe=
n
im Transformationsproze=DF zwischen 1965 und 1980 skizziert werden.
</p>

<p>Bereits um 1960 war in Europa Vollbesch=E4ftigung erreicht worden,
die Arbeitnehmer konnten daher nicht mehr durch h=F6here Besch=E4ftigung
f=FCr ihre Kooperation "belohnt" werden: eine wesentliche
Bedingung des "gro=DFen Konsens" war nicht mehr erf=FCllbar
- paradoxerweise wegen seines Erfolgs. </p>

<p>In der ersten H=E4lfte der sechziger Jahre akzeptierten die Unternehmer
eine leicht steigende Lohnquote, ohne da=DF sie die =FCber das Produktivit=
=E4tswachstum
hinausgehenden Lohnerh=F6hungen auf die Preise =FCberw=E4lzten.
</p>

<p>Mitte der sechziger Jahre waren die Gewerkschaften auf den "Geschmack"
von Umverteilungen zu ihren Gunsten gekommen, sie erzwangen durch eine
massive Ausweitung von Streiks einen sprunghaften Anstieg der Lohnquote.
Diese Lohnsteigerungen wurden nun von den Unternehmen auf die Preise =FCber=
w=E4lzt,
was gemeinsam mit dem dadurch induzierten Anstieg der Nominalzinsen zu
einer deutlichen Beschleunigung der Inflation f=FChrte; dies bedrohte
wiederum die Interessen des Finanzkapitals. </p>

<p>In der f=FCr sie angesichts anhaltender Vollbesch=E4ftigung g=FCnstigen
Lage erhoben die Gewerkschaften neue Forderungen, insbesondere nach betrieb=
licher
und =FCberbetrieblicher Mitbestimmung. </p>

<p>Ende der sechziger Jahre stellte die Studentenbewegung das "kapitalistis=
che
Regime" radikal in Frage, durch die Unterst=FCtzung vieler Linksintellektue=
ller
in den Medien fanden ihre Forderungen ein breites Echo. </p>

<p>Wenig sp=E4ter geriet das Prosperit=E4tsmodell und insbesondere
die Unternehmer zus=E4tzlich unter eine neue Art von "fundamentalistischem
Beschu=DF", n=E4mlich jenem der =D6kologiebewegung. </p>

<p>Um 1970 waren somit die Unternehmer und "hauptberuflichen"
Rentiers gesellschaftspolitisch in der Defensive, der Wohlfahrtsstaat droht=
e
langfristig die Macht zu ihren Ungunsten zu verschieben (in Europa wurde
diese Sorge zus=E4tzlich durch den Aufstieg der Sozialdemokratie verst=E4rk=
t).
In dieser Lage nahm ihre Bereitschaft zu, jene Theorie (wieder) zu akzeptie=
ren,
welche den Wohlfahrtsstaat selbst als das "Grund=FCbel" ansieht:
der Neoliberalismus im neuen Gewand des Monetarismus.) </p>

<p>Das Jahr 1968 brachte den Durchbruch f=FCr Milton Friedman und seine
monetaristische Theorie auf akademischem Boden, ihre Postulate trugen wesen=
tlich
zu einem Kurswechsel in der Wirtschaftspolitik bei: </p>

<p>- Allein der Preismechanismus auf freien G=FCter- und Finanzm=E4rkten
erm=F6glicht die effizienteste L=F6sung des Problems, was, wie und
f=FCr wen produziert werden soll. </p>

<p>- Der Staat st=F6rt das Spiel der Marktkr=E4fte, insbesondere
durch seine Sozialpolitk: je mehr er sich zur=FCckzieht, umso besser
f=FCr das Gemeinwohl. </p>

<p>- Hauptursachen f=FCr Arbeitslosigkeit sind zu hohe Reall=F6hne,
Regulierungen des Arbeitsmarkts (K=FCndigungsschutz etc.) sowie die
Arbeitslosenunterst=FCtzungen. </p>

<p>- Deshalb kann und soll der Staat die Arbeitslosigkeit nicht bek=E4mpfen=
.
</p>

<p>- Versucht der Staat, die Arbeitslosigkeit unter ihr "nat=FCrliches"
Niveau zu senken, so steigt lediglich die Inflation an. </p>

<p>- Zinss=E4tze und Wechselkurse m=FCssen dem Spiel der Marktkr=E4fte
=FCberlassen werden.) </p>

<p>- Hauptursache f=FCr Budgetdefizit und Staatsverschuldung ist der
"ausufernde Wohlfahrtsstaat". </p>

<p>- Neben konsolidierten Staatsfinanzen durch R=FCckbau des Sozialstaats
ist das wichtigste Ziel der Wirtschaftspolitik die Bek=E4mpfung der
Inflation. </p>

<p>Die Realisierung der monetaristischen Empfehlungen erfolgte in mehreren
Schritten: Der Zusammenbruch des Systems von Bretton Woods 1971/73 f=FChrte
zu einem Regime, in dem destabilisierende W=E4hrungsspekulation starke,
mehrj=E4hrige Schwankungen der Wechselkurse um ihren realwirtschaftlichen
Gleichgewichtswert der Kaufkraftparit=E4t verursacht. Da der Dollar
den wichtigsten "Jeton" in diesem Spiel darstellt, waren und
sind die Schwankungen seines Wechselkurses bei weitem am gr=F6=DFten.
</p>

<p>Die zwei ausgepr=E4gten Entwertungen des Dollar 1971/73 und 1977/78
waren der wichtigste Grund f=FCr die beiden =D6lpreisverteuerungen
1973 und 1979, die nachfolgenden Rezessionen und den dadurch verursachten
Anstieg der Arbeitslosigkeit: da der Dollar die Weltw=E4hrung darstellt,
notieren "standard commodities", insbesondere Erd=F6l, in
Dollar. Seine Entwertung benachteiligte deshalb jene L=E4nder am st=E4rkste=
n,
die nur =FCber ein einziges, in Dollar notierendes Exportgut verf=FCgen,
die OPEC. Diese L=E4nder "revanchierten" sich mit =FCberproportionalen
Erh=F6hungen der Dollarpreise f=FCr Erd=F6l (in beiden F=E4llen
wurden politische Turbulenzen im Nahen Osten ausgen=FCtzt, 1973 der
Yom-Kippur-Krieg, 1979 der Golfkrieg zwischen dem Iran und dem Irak). </p>

<p>Der durch die beiden Dollarentwertungen und "=D6lpreisschocks"
verursachte gleichzeitige Anstieg von Arbeitslosigkeit und Inflation ("Stag=
flation")
wurde von den Monetaristen als Beweis daf=FCr verwendet, da=DF die
von Keynesianern behauptete Phillips-Kurven-Beziehung - steigt die Inflatio=
n,
so sinkt die Arbeitslosigkeit und umgekehrt - nicht existiere und damit
der Keynesianismus =FCberhaupt eine Fehlkonstruktion darstelle: vielmehr
g=E4be es eine "nat=FCrliche Arbeitslosenrate", mit einer
h=F6heren Inflation k=F6nne man daher keinen R=FCckgang der Arbeitslosigkei=
t
"erkaufen". </p>

<p>Da die Debatte um die Phillips-Kurve den Monetaristen den entscheidenden
"Sieg" =FCber die Keynesianer einbrachte, sei auf folgenden
ideologiegeschichtlichen "Treppenwitz" hingewiesen: Jene =D6konomen
wie insbesondere Milton Friedman, welche den Zusammenbruch der Phillips-Kur=
ve
als Argument gegen eine Vollbesch=E4ftigungspolitik ins Treffen f=FChrten,
haben durch ihren jahrelangen Kampf f=FCr den =DCbergang von festen
zu frei schwankenden Wechselkursen indirekt zu jenen internationalen Turbul=
enzen
beigetragen, welche die wichtigsten Ursachen f=FCr den gleichzeitigen
Anstieg von Arbeitslosigkeit und Inflation in den siebziger Jahren darstell=
en.)
</p>

<p>Der Zusammenbruch des Weltw=E4hrungssystem von Bretton Woods befreite
die USA vom Zwang, einen =FCberh=F6hten Dollarkurs zu halten. In
den siebziger Jahren verfolgten sie daher eine ausgepr=E4gte Niedrigzinspol=
itik,
bei hoher Inflation (gef=F6rdert durch den sinkenden Dollarkurs) wurde
das Realzinsniveau leicht negativ. Der niedrige Zinssatz und Wechselkurs
des Dollar schadete zwar den Rentiers, stimulierte aber nach der Rezession
1974/75 Investitionen und Exporte der USA so stark, da=DF die Arbeitslosigk=
eit
Ende der siebziger Jahre nicht h=F6her war als am Anfang des Jahrzehnts.
</p>

<p>In den europ=E4ischen Hartw=E4hrungsl=E4ndern, insbesondere
in Deutschland, trugen hingegen die Aufwertung gegen=FCber dem Dollar
und ein relativ zu den USA h=F6heres Realzinsniveau dazu bei, da=DF
der Konjunkturaufschwung nach der Rezession 1974/75 zu schwach blieb, um
die Arbeitslosigkeit wieder deutlich zu senken. </p>

<p>Das Zusammenwirken von niedrigem Dollarzins, sinkendem Dollarkurs und
einem dementsprechenden hohen Anstieg der Dollarpreise im Welthandel lie=DF
den Realzins f=FCr internationale Schulden - Eurodollarzins minus Welthande=
lsinflation
in Dollar - stark negativ werden (-7=BD% im Durchschnitt 1973/80).
Dies f=F6rderte die Akkumulation internationaler Schulden in den Entwicklun=
gsl=E4ndern
ebenso wie die Notwendigkeit, die =DCbersch=FCsse der =D6lexporteure
zu veranlagen. </p>

<p>Die Benachteiligung der Rentierinteressen durch hohe Inflation und niedr=
ige
Realzinsen - insbesondere in den USA - bereitete den Boden f=FCr die
Durchsetzung einer weiteren fundamentalen Forderung des Monetarismus: Aufga=
be
einer Politik niedriger und stabiler Zinss=E4tze und =DCbergang zu
einer Politik der Geldmengensteuerung. Ende der siebziger Jahre deklarierte=
n
die wichtigsten Notenbanken einen solchen Kurswechsel, in der Praxis verrin=
gerten
sie freilich nicht das Geldmengenwachstum, sondern erh=F6hten die Leitzinse=
n
exorbitant. </p>

<p>Im Hinblick auf den polit-=F6konomischen Entwicklungszyklus war die
Periode 1965/1980 eine Phase, in der das den Unternehmern und Rentiers
gemeinsame politische Interesse an der Wiederherstellung der alten, "geordn=
eten"
Verh=E4ltnisse der f=FCnfziger Jahre den =F6konomischen Interessensgegensat=
z
zwischen Realkapital und Finanzkapital immer st=E4rker "verdr=E4ngte".
</p>

<p>Ende der siebziger Jahre war der "Scheidungsproze=DF"
zwischen Arbeit und Realkapital abgeschlossen und das neue B=FCndnis
zwischen Realkapital und Finanzkapital besiegelt: die Unternehmerverb=E4nde
in den USA und in Gro=DFbritannien begr=FC=DFten vehement den
=DCbergang zu einer monetaristisch motivierten Hochzinspolitik, welche
die st=E4rkste Umverteilung der Nachkriegszeit von den Unternehmergewinnen
zu den Rentiereinkommen ausl=F6ste. </p>

<p>Damit setzte jene Phase ein, in der die Interessen des Finanzkapitals
bzw. seiner Manager dominierten, zum Schaden der =F6konomischen Interessen
der Unternehmer an Expansion auf G=FCterm=E4rkten, aber zum Nutzen
ihrer politischen Interessen an einer "Disziplinierung" der Gewerkschaften,
an einer Einschr=E4nkung des Wohlfahrtsstaats und an einem Zur=FCckdr=E4nge=
n
der Sozialdemokratie.) </p>

<h1><font size=3D"+0"><u>Der Weg in die Krise: 1980 bis 1997</u> </font></h=
1>

<h2><font size=3D"+0">Die institutionellen und politischen Rahmenbedingunge=
n
</font></h2>

<p>Die Phase seit 1980 war durch solche Rahmenbedingungen gekennzeichnet,
die das Wachstum des Realkapitals und der G=FCterm=E4rkte d=E4mpften
und das Wachstum des Finanzkapitals und der Finanzm=E4rkte beschleunigten:
</p>

<p>Mit dem Monetarismus wurde eine Doktrin dominant, welche die Rentierinte=
ressen
wissenschaftlich legitimiert. Dies wird an ihren Hauptzielen deutlich,
der Bek=E4mpfung der Inflation und der Staatsverschuldung, also der
beiden "Hauptfeinde" des Finanzkapitals. </p>

<p>Es herrschte ein weitgehender Konsens dar=FCber, da=DF sich der
Staat jeder aktiven Konjunktur-, Wachstums- und Besch=E4ftigungsspolitik
enthalten solle; vielmehr sollte er durch Deregulierungen die Marktkr=E4fte
f=F6rdern und sich selbst immer mehr aus dem Wirtschaftsgeschehen zur=FCckz=
iehen,
einerseits durch Steuersenkungen (f=FCr die Gutverdiener) und andererseits
durch Abbau von Sozialleistungen (f=FCr die Schlechtverdiener). </p>

<p>Die Dominanz der Konzepte des Monetarismus bzw. der "supply side
economics" trug wesentlich dazu bei, da=DF sich die wirtschaftspolitische
Macht von den Regierungen zu den Notenbanken verlagerte. </p>

<p>Da der Zinssatz erstmals in der Nachkriegszeit permanent =FCber der
Wachstumsrate lag, konnte die Regierungen auch aus finanziellen Gr=FCnden
keine aktive Wirtschaftspolitik mehr betreiben: die Verlagerung der Unterne=
hmeraktivit=E4ten
von Real- zu Finanzinvestitionen senkte das Wirtschaftswachstum, die Ausgab=
en
f=FCr immer mehr Arbeitslose stiegen, die Steuereinnahmen wurden ged=E4mpft=
,
das Budgetdefizit stieg, wobei ein wachsender Teil von den Zinszahlungen
absorbiert wurde. Anders ausgedr=FCckt: ein dauernd =FCber der Wachstumsrat=
e
liegendes Zinsniveau macht den Sozialstaat langsam, aber sicher unfinanzier=
bar.)
</p>

<p>Finanzinnovationen (Futures, Optionen, Optionen auf Futures etc.) schufe=
n
eine Vielzahl neuer Formen von Spekulation. Diese erfa=DFten alle f=FCr
Investition und Produktion zentralen Preise wie Zinss=E4tze, Wechselkurse,
Rohstoffpreise (insbesondere =D6lpreis) und Aktienkurse; computergest=FCtzt=
e
Spekulationstechniken destabilisierten diese Preise, insbesondere ihre
kurzfristige Volatilit=E4t stieg enorm an. </p>

<p><a name=3D"_Toc310925570"></a>Die gesamtwirtschaftliche Rollenverteilung
=E4nderte sich unter diesen Bedingungen radikal: </p>

<p>Der neoliberale Zeitgeist und eine permanent positives Zins-Wachstums-Di=
fferential
trugen gemeinsam dazu bei, der Staat eine aktive Rolle in der Wachstums-
und Besch=E4ftigungspolitik nicht mehr spielen wollte bzw. konnte: Arbeitsl=
osigkeit
und =F6ffentliche Verschuldung stiegen auf das h=F6chste Niveau seit
den f=FCnfziger Jahren, die =F6ffentliche Investitionsquote sank
auf ihr niedrigstes Niveau. </p>

<p>Die Unternehmer erf=FCllten ihre gesellschaftliche Funktion, das
Sparen der privaten Haushalte in Realkapital und damit auch in Arbeitspl=E4=
tze
zu transformieren, in immer geringerem Ausma=DF: Der =DCbergang
von einem negativen zu einem positiven Zins-Wachstums-Differential veranla=
=DFte
sie zu einer "Drehung" ihrer Prim=E4rbilanz von einem Defizit
in einen =DCberschu=DF (durch R=FCcknahme der Investitionen und
Kreditaufnahme). Die Unternehmer senkten ihre (Real)Investitionen allerding=
s
st=E4rker als f=FCr eine Stabilisierung ihrer Schuldenquote n=F6tig
gewesen w=E4re, weil Finanzinvestitionen, und kurzfristig orientierte
Spekulation relativ profitabler geworden waren. </p>

<p>Die Gewerkschaften haben alle wesentlichen sozialreformerischen Projekte
von umfassender Mitbestimmung bis zu nachhaltiger Arbeitszeitverk=FCrzung
weitgehend aufgegeben und mu=DFten umgekehrt wachsende Arbeitslosigkeit
und eine merkliche Umverteilung zu Lasten der Arbeitnehmer akzeptieren.
</p>

<p>Die Notenbanken agierten in wachsendem Ma=DF im Interesse des Finanzkapi=
tals,
und zwar auch deshalb, weil es drei =F6konomische Hauptinteressen gibt,
aber nur zwei politisch vertreten werden: Einerseits hat das Finanzkapital
in f=FCnf Jahrzehnten Wirtschaftswachstum ein enormes Volumen erreicht
und "verlangt" deshalb nach einer institutionellen Repr=E4sentanz.
Andererseits werden die spezifischen Interessen des Finanzkapitals nicht
gesondert wahrgenommen und sind daher auch nicht durch eigene Institutionen
vertreten (Unternehmerverb=E4nde und Gewerkschaften gibt es hingegen
schon seit langem). Dieser Widerspruch wurde schrittweise durch die Notenba=
nken
=FCberbr=FCckt: an Stelle des nicht vorhandenen "Rentiersverbandes"
=FCbernahmen sie - unmerklich und ungeplant - die Interessenvertretung
des Finanzkapitals, wissenschaftlich durch den Monetarismus fundiert.)
</p>

<p>Die (Gesch=E4fts)Banken konzentrierten sich zunehmend auf Finanzmarktakt=
ivit=E4ten,
um die gestiegene Anspr=FCchlichkeit ihrer Einleger zu befriedigen:
nicht mehr der kreditnehmende Unternehmer, dessen Investitionen und Innovat=
ionen
positive Realzinsen "erwirtschaften", war der wichtigste Kunde
des Finanzsektors, sondern der Rentier. </p>

<p>Die Akteure gew=F6hnten sich immer mehr an die Systembedingung hoher
Unsicherheit mangels eines koordinierenden, weil allgemein akzeptierten
Modells der makro=F6konomischen Erwartungsbildung. Die starken Schwankungen
von Zinss=E4tzen, Wechselkursen und Rohstoffpreisen, die in den siebziger
Jahren als "Schocks" empfunden worden waren, wurden nun immer
mehr als "Normalzustand" begriffen; dementsprechend intensivierten
die Akteure ihre Versuche, diese Preisschwankungen durch systematische
Spekulation auszun=FCtzen, was diese r=FCckwirkend erh=F6hte.
</p>

<h2><a name=3D"_Toc310925573"></a><font size=3D"+0">Teilprozesse der wirtsc=
haftlichen
Entwicklung 1980 bis 1997 </font></h2>

<p><i><u>Politische Hauptstr=F6mungen.</u></i> Seit Ende der siebziger
Jahre waren die konservativen Parteien "im Vormarsch" und l=F6sten
in wichtigen L=E4ndern die (Sozial)Demokraten als Regierungspartei ab
(Thatcher 1979, Reagan 1980, Kohl 1983). Diese Wende zum politischen Konser=
vativismus
war eine wichtige Bedingung f=FCr den neoliberalen Kurswechsel in der
Wirtschaftspolitik. Der Zusammenbruch des "realen Sozialismus"
erleichterte es konservativen Politikern in den neunziger Jahren, weitergeh=
ende
Forderungen im Sinne des Neoliberalismus zu erheben, insbesondere nach
"R=FCckbau" des in der Prosperit=E4tsphase aufgebauten
Sozialstaats, zumal dieser immer mehr "unfinanzierbar" (gemacht)
wurde (da=DF sein Ausbau wesentlich dazu beigetragen hatte, da=DF
das Wirtschaftswachstum in Europa bis Mitte der siebziger Jahre - weit
=FCber die Wiederaufbauphase hinaus - viel h=F6her ausfiel als in
den USA, wird erst in den n=E4chsten Jahren wahr genommen werden). </p>

<p><i><u>Technologische Entwicklung.</u></i> Etwa seit Ende der siebziger
Jahre wurde die Mikroelektronik in stark steigendem Ausma=DF auch zur
Steuerung mechanischer Prozesse eingesetzt: nunmehr enthalten nahezu s=E4mt=
liche
Investitionsg=FCter elektronische Komponenten; die effiziente Nutzung
dieser technischen Innovationen und die sie akkomodierenden sozialen Innova=
tionen
in der Unternehmensorganisation erm=F6glichen enorme Rationalisierungen,
insbesondere in der Industrie. </p>

<p><i><u>Finanzierungsbedingungen, Investitionsdynamik und Staatsverschuldu=
ng.</u></i>
Seit Ende der siebziger Jahre liegen die Kredit- und Anleihenzinsen permane=
nt
=FCber der Wachstumsrate. Die Unternehmen reagierten auf diesen "Regimewech=
sel"
mit einer Verlagerung von Real- zu Finanzinvestitionen: ihre Kreditaufnahme
ist seither permanent kleiner als ihre Zinszahlungen f=FCr die "Altschulden=
",
ihre Prim=E4rbilanz hat sich also in einen =DCberschu=DF "gedreht".
Die Haushalte hielten einen Prim=E4r=FCberschu=DF aufrecht, sie
sparten also weiterhin mehr, als sie an Zinsertr=E4gen einnahmen. Der
wichtigste Grund daf=FCr besteht in der Verteilung der Finanzverm=F6gen
und damit der Zinsertr=E4ge: letztere flie=DFen =FCberwiegend
solchen Haushalten zu, deren Lohn- bzw. Gewinneinkommen hoch genug sind,
um den laufenden Konsum zu finanzieren. Der durch die Notenbankpolitik
verursachte =DCbergang zu einem permanent positiven Zins-Wachstums-Differen=
tial,
lie=DF folgendes "systemische" Problem entstehen: Da die
Summe aller Prim=E4rsalden gleich Null ist, konnte es dem Staat bei
anhaltenden Prim=E4r=FCbersch=FCssen des Unternehmens- und Haushaltssektors
nicht gelingen, selbst Prim=E4r=FCbersch=FCsse zu erzielen, er
"erlitt" nahezu permanent Prim=E4rdefizite: die Investitionsschw=E4che
der Unternehmen d=E4mpfte die Steuereinnahmen und lie=DF die Zahlungen
an Arbeitslose stiegen.) Deshalb ist die =F6ffentliche Verschuldung
seit Ende der siebziger Jahre in allen Industriel=E4ndern rascher gestiegen
als das BIP: das Sparen der privaten Haushalte wurde im zunehmenden Ma=DF
in Staatsanleihen transformiert statt in private und =F6ffentliche Investit=
ionen
(und damit auch in Arbeitspl=E4tze). </p>

<p><i><u>Einkommensverteilung.</u></i> Seit 1980 ist es zur st=E4rksten
Umverteilung von den L=F6hnen zu den Gesamtgewinnen seit 1945 gekommen,
wobei die Lohnquote in den europ=E4ischen Industriel=E4ndern deutlich
st=E4rker sank als in den USA; anders ausgedr=FCckt: das Wachstum
der Reall=F6hne blieb in Europa st=E4rker hinter jenem der Arbeitsproduktiv=
it=E4t
zur=FCck (der "real wage gap" sank st=E4rker) als in den
USA. </p>

<p><i><u>Besch=E4ftigung.</u></i> Die Verbilligung des Faktors Arbeit
relativ zum Faktor Realkapital (sinkender "real wage gap" bei
steigenden Realzinsen) konnte die Unternehmer nicht zu einer relativ arbeit=
sintensiveren
Produktionsweise veranlassen. Im Gegenteil: nicht zuletzt wegen der wachsen=
den
Einsatzm=F6glichkeit der Mikroelektronik nahm die Bedeutung von Rationalisi=
erungsinvestitionen
immer mehr zu. Denn im Gegensatz zu den Annahmen der neoliberalen Theorie
wird das Einsatzverh=E4ltnis von Kapital und Arbeit (Kapitalintensit=E4t)
nicht von den relativen Faktorpreisen bestimmt, sondern vom proze=DFtechnis=
chen
Fortschritt (gewisserma=DFen von den Ingenieuren), und dieser ist irreversi=
bel:
ist eine bestimmte Produktionstechnik und damit eine bestimmte Kapitalausst=
attung
je Arbeitsplatz einmal implementiert, so wird eine relative Lohnsenkung
keine R=FCckkehr zu einem fr=FCher verwendeten, relativ arbeitsintensiveren
Verfahren bewirken, da dieses nunmehr technisch =FCberholt ist.) Obwohl
Arbeit relativ zu Kapital billiger wurde und es =FCberdies keine den
"=D6lpreisschocks" vergleichbare weltwirtschaftlichen Turbulenzen
gab, stieg die Arbeitslosigkeit in Europa viel st=E4rker als in den
siebziger Jahren; nicht zuletzt wegen des Anstiegs der Finanzkapitalrendite
(Zins) stieg auch die Renditenanspr=FCchlichkeit des Realkapitals ("shareho=
lder
value"), Investitionen konzentrierten sich deshalb immer mehr auf
Rationalisierungen. Dadurch wurden zwar erhebliche Steigerungen der Arbeits=
produktivit=E4t
pro Stunde und damit auch wachsende Reall=F6hne erm=F6glicht, bei
ged=E4mpftem Wirtschaftswachstum nahm aber gleichzeitig auch die Arbeitslos=
igkeit
zu. In den USA blieb die Arbeitslosigkeit etwa konstant; neue Jobs entstand=
en
allerdings in den achtziger Jahren prim=E4r im Bereich jener Dienstleistung=
en,
deren Erstellung nur geringe Qualifikationen erfordert ("Mac Jobs"):
dementsprechend stagnierten Arbeitsproduktivit=E4t und Reall=F6hne,
gleichzeitig wurden die "working poor" zu einem immer gr=F6=DFeren
sozialen Problem.) </p>

<p><i><u>Inflation.</u></i> In der Periode seit 1980 sind alle f=FCr
die Unternehmer weitgehend "exogenen" Produktionskosten unterdurchschnittli=
ch
gestiegen: nicht nur die Lohnst=FCckkosten wuchsen langsamer als das
Preisniveau (weil die Lohnquote sank), sondern auch die "Zinsst=FCckkosten"=
),
sowie die Rohstoffpreise nahmen nur unterdurchschnittlich zu. Die einzige
Kostenkomponente, die stark =FCberdurchschnittlich stieg, waren die
"Gewinnst=FCckkosten": Unvollkommene Konkurrenz erm=F6glichte
es den Unternehmern =FCber mehr als 15 Jahre die G=FCterpreise deutlich
st=E4rker zu erh=F6hen, als es der f=FCr sie exogenen Kostenentwicklung
entsprach, und so ihre Einkommensposition erheblich zu verbessern (trotz
der durch die Globalisierung - angeblich - so sehr gestiegenen Preiskonkurr=
enz).
Seit Anfang der neunziger Jahre w=E4chst die Wirtschaft in den USA erstmals
in der Nachkriegszeit st=E4rker als in Europa, und zwar in einem solchen
Ausma=DF, da=DF Arbeitslosigkeit und Budgetdefizit deutlich zur=FCckgingen,
w=E4hrend diese "Zwillingsprobleme" in Europa st=E4rker
stiegen als je zuvor. Der wichtigste Grund daf=FCr besteht darin, da=DF
die USA die neoliberalen Rezepturen schon unter Reagan ausprobiert hatten,
und sich daher auch fr=FCher von ihnen verabschiedeten. </p>

<h2><font size=3D"+0">Der Kurswechsel in der Wirtschaftspolitik der USA </f=
ont></h2>

<p>In der ersten H=E4lfte der achtziger Jahre hatte eine monetaristische
Wirtschaftspolitik als Kombination hoher Realzinsen, eines steigenden Dolla=
rkurses
und einer Fiskalpolitik, welche die Steuern der Bestverdiener senkte und
gleichzeitig Sozialleistungen k=FCrzte, die Position der USA auf den
Finanzm=E4rkten gest=E4rkt, auf den G=FCterm=E4rkten aber geschw=E4cht:
zwischen 1980 und 1985 stagnierten Investitionen und Exporte, die Konsumnac=
hfrage
blieb ged=E4mpft.) Erst 1983 konnte ein Konjunkturaufschwung durch eine
enorme Ausweitung des Budgetdefizit eingeleitet werden; diese verursachte
allerdings gemeinsam mit dem =FCberbewerteten Dollarkurs eine dramatische
Verschlechterung der Leistungsbilanz. </p>

<p>Die negativen Auswirkungen der "Reaganomics" veranla=DFten
die Notenbank der USA zu einem Kurswechsel: zwischen 1984 und 1986 wurden
die Leitzinsen um etwa 3 Prozentpunkte gesenkt; dies leitete eine Dollarabw=
ertung
ein, welche angesichts des hohen Leistungsbilanzdefizits weit =FCber
den realwirtschaftlichen Gleichgewichtskurs der Kaufkraftparit=E4t "hinauss=
cho=DF".
Die Unterbewertung des Dollar erm=F6glichte nicht nur anhaltende Marktantei=
lsgewinne,
sondern machten die USA auch f=FCr Direktinvestitionen wieder attraktiv.
</p>

<p>Ende der achtziger Jahre gab die Notenbank der USA das monetaristische
Konzept einer Geldmengensteuerung zur Inflationsbek=E4mpfung auf (ebenso
die "Bank of England"), weil es erwiesenerma=DFen nicht funktioniert
hatte. Anfang der neunziger Jahre wurde der geldpolitische Kurswechsel
zu einer expansiven Gesamtstrategie erweitert, welche den "systemischen"
Charakter von Arbeitslosigkeit und Staatsverschuldung ber=FCcksichtigte:
</p>

<p>- Der Diskontsatz wurde f=FCr drei Jahre auf das niedrigste Niveau
der Nachkriegszeit gesetzt, und damit eine weitere Dollarabwertung gef=F6rd=
ert.
</p>

<p>- Das Bundesbudget wurde prim=E4r einnahmenseitig konsolidiert, n=E4mlic=
h
durch eine Erh=F6hung des Grenzsteuersatzes von 31% auf 42%. Zus=E4tzlich
wurde die negative Einkommensteuer f=FCr die "working poor"
stark ausgeweitet. </p>

<p>- Die Budgetkonsolidierung der USA war somit darauf gerichtet, nicht
den Konsum, sondern das Sparen der Haushalte zu d=E4mpfen und zwar durch
eine h=F6here Besteuerung der Bestverdiener und eine Unterst=FCtzung
der Einkommensschw=E4chsten. </p>

<p>- Die Geldpolitik toleriert eine Inflation von etwa 3%: dadurch k=F6nnen
die Realzinsen leichter auf einem Niveau nahe der Wachstumsrate stabilisier=
t
werden. </p>

<p>Die Koh=E4renz der Geld- und Fiskalpolitik erm=F6glichte den USA
gemeinsam mit einem "weichen" Dollar ein so hohes Wachstum, da=DF
sowohl die Arbeitslosigkeit als auch das Budgetdefizit stark zur=FCckgingen=
.
</p>

<p>Der wirtschaftspolitische Kurswechsel der USA bedeutete keine Hinwendung
zu sozialstaaatlichen Konzepten, sondern lediglich eine "Entsorgung"
jener neoliberalen Symptomdiagnosen und -therapien, welche das Wirtschaftsw=
achstum
ged=E4mpft und die Position der USA auf den internationalen G=FCterm=E4rkte=
n
geschw=E4cht hatten. Diese Wende erh=F6hte auch die gesellschaftliche
Koh=E4renz des amerikanischen Modells: gerade weil der Erfolg als Individuu=
m
in Konkurrenz gegen die anderen einen so viel h=F6heren Stellenwert
hat als der Erfolg als Teil der Gesellschaft in Solidarit=E4t mit den
anderen, mu=DF das Gewinnstreben auf die G=FCterm=E4rkte gerichtet
werden, damit auch der "kleine Mann" die Chance erh=E4lt,
sich seinen Lebensunterhalt selbst zu erarbeiten. </p>

<p>Die "Entsorgung" jener Elemente monetaristischer Politik,
welche die Realkapitalbildung relativ zur Finanzakkumulation am st=E4rksten
benachteiligten, wie hohe Realzinsen und eine =FCberbewertete W=E4hrung,
fiel den USA umso leichter, als diese Elemente von (Kontinental)Europa
unter F=FChrung seiner hegemonialen Notenbank "freiwillig"
=FCbernommen wurden; dies zeigte sich nicht nur am Festhalten der Bundesban=
k
an (vergeblichen) Versuchen einer Geldmengensteuerung und ihrer 1989 einset=
zenden
Hochzinspolitik, sondern insbesondere an der exorbitanten =DCberbewertung
der DM: gemessen an der Gesamtheit aller G=FCter und Dienstleistungen
(BIP) war die DM gegen=FCber dem Dollar im Durchschnitt der letzten
zehn Jahre um 27,6% =FCberbewertet (eine Einheit deutsches BIP war in
einheitlicher W=E4hrung in diesem Ausma=DF teurer als ein solches
"made in USA"). F=FCr die Konkurrenzf=E4higkeit einer Volkswirtschaft
kommt es allerdings auf die Preise der international gehandelten G=FCter
an. Gemessen an einem solchen Warenkorb war die DM gegen=FCber dem Dollar
sogar um 33,0% =FCberbewertet. Dementsprechend sind die Exporte der
USA seit Mitte der achtziger Jahre mehr als doppelt so rasch gewachsen
als jene Deutschlands.) </p>

<h2><font size=3D"+0">Der Kurswechsel in der Wirtschaftspolitik in Europa <=
/font></h2>

<p>Kontinentaleuropa wurde erst Anfang der neunziger Jahre vom Neoliberalis=
mus
erfa=DFt, insbesondere in Maastricht 1991: die EU-L=E4nder setzten
sich zwar das richtige Ziel, die Staatsverschuldung einzud=E4mmen, doch
lag der "Therapie" jene neoliberale (Symptom)Diagnose zugrunde,
wonach der Staat allein schuld am Budgetdefizit sei: die Sparpolitik vernac=
hl=E4ssigte
daher, da=DF der Staat sein Defizit nur dann ohne Wachstumsverluste
reduzieren kann, wenn gleichzeitig die Unternehmen ihr Defizit durch Invest=
itionssteigerungen
ausweiten und die Haushalte ihre =DCbersch=FCsse senken. </p>

<p>Tats=E4chlich verschlechterten sich jedoch die Investitionsbedingungen
dramatisch: die deutsche Bundesbank erh=F6hte die DM-Zinsen auf das
h=F6chste Niveau der Nachkriegszeit und damit das Zinsniveau in ganz
Europa (da die DM die EU-Leitw=E4hrung darstellt). Dies wurde zum wichtigst=
en
Grund f=FCr den Zusammenbruch des Systems fester Wechselkurse in der
EU, das seit 1987 wesentlich zur relativ g=FCnstigen Wirtschaftsentwicklung
beigetragen hatte. </p>

<p>Seit September 1992 ist die EU monet=E4r gespalten, die Wechselkursversc=
hiebungen
verschafften den Weichw=E4hrungsl=E4ndern erhebliche Wettbewerbsvorteile
auf Kosten der Hartw=E4hrungsl=E4nder. In der EU als "Gesamtsystem"
haben die Wechselkursturbulenzen Investitionen und Handel ged=E4mpft
und indirekt die Budgetkonsolidierung erschwert. </p>

<p>Die zweite Ursache f=FCr die Vertiefung der Krise bestand in den
Folgen der Hochzinspolitik f=FCr den Konjunkturverlauf; die sprunghaft
steigenden Zinszahlungen verschlechterten Gewinne und Finanzlage der Untern=
ehmen
so sehr, da=DF sie 1993 ihre Investitionen stark senkten: auch Deutschland
und seine "monet=E4ren Satelliten" schlitterten in eine Rezession,
die angesichts des expansiven Effekts der deutschen Wiedervereinigung verme=
idbar
gewesen w=E4re. </p>

<p>Die dritte Ursache f=FCr die Wirtschaftskrise in der EU besteht in
der durch den Maastricht-Vertrag "gleichgeschalteten" Sparpolitik:
angesichts eines weiterhin =FCber der Wachstumsrate liegenden Zinsniveaus
und einer daher ged=E4mpften Investitionsbereitschaft, h=E4tten jene
Haushalte zu h=F6heren Konsolidierungsbeitr=E4gen herangezogen werden
m=FCssen, welche auf Einkommenseinbu=DFen mit einer Reduktion ihres
Sparens und nicht ihrer Konsumausgaben reagieren, also der besser Verdienen=
den.
Dies widerspricht jedoch dem neoliberalen Zeitgeist, also versuchten die
meisten Staaten, ihre Budgets in hohem Ma=DF durch Senkung der Sozialausgab=
en
zu konsolidieren und d=E4mpften so den Konsum und damit die Ums=E4tze
der Unternehmen. </p>

<p>Die vierte Ursache f=FCr die - besonders im Vergleich zu den USA
- ung=FCnstige Wirtschaftsentwicklung in der EU liegt in der anhaltenden
=DCberbewertung der europ=E4ischen W=E4hrungen insgesamt - gemessen
am ECU - gegen=FCber dem Dollar: auf Basis der Tradables war der ECU
im Durchschnitt der Jahre 1990 bis 1996 um 35,9% =FCberbewertet, selbst
zu den Wechselkursen vom Oktober 1997 - also nach der bis August anhaltende=
n
Dollaraufwertung - war der ECU noch immer um mehr als 20% =FCberbewertet.)
</p>

<p>Die Bilanz neoliberaler Wirtschaftspolitik f=FCnf Jahre nach Maastricht
ist ern=FCchternd. Seit die Regierungen beschlossen haben, kollektiv
zu sparen, und die Wechselkurse wieder dem Spiel der M=E4rkte =FCberlassen
wurden, ist die Staatsschuldenquote in der EU st=E4rker gestiegen als
in jeder anderen F=FCnfjahresperiode der Nachkriegszeit, gleichzeitig
nahm die Zahl der Arbeitslosen um 5 Millionen zu (und dies alles ohne weltw=
irtschaftliche
Turbulenzen wie "=D6lpreisschocks"!).) </p>

<p>Von den gro=DFen EU-L=E4ndern war die an "Reaganomics"
erinnernde Kombination von hohen Realzinsen, einem =FCberbewerteten
Wechselkurs, einem anhaltend hohen Budgetdefizit und dem Versuch, dieses
durch Sozialabbau zu verringern, am st=E4rksten in Deutschland ausgepr=E4gt
(nur die Senkung des Spitzensteuersatzes steht noch aus). Dementsprechend
entwickelte sich die deutsche Wirtschaft zwischen 1991 und 1996 besonders
ung=FCnstig.) </p>

<p>Da durch die Ausbreitung des Neoliberalismus das systemische Denken
in Vergessenheit geraten ist, sucht man die Ursachen der sich versch=E4rfen=
den
Krise dort festzumachen, wo die einzelnen Krisensymptome in Erscheinung
treten (wenn es eine "Globalisierungsfalle" gibt, dann besteht
sie in der globalen Verbreitung der suggestiv =FCberzeugenden Simplifikatio=
nen
des Neoliberalismus, also in einer Globalisierung der K=F6pfe): </p>

<p>- Die Ursache f=FCr Arbeitslosigkeit sucht man am Arbeitsmarkt selbst,
bei seiner Flexibilit=E4t, bei der Qualifikation der Arbeitskr=E4fte,
ihrer Mobilit=E4t, bei ihren Kosten, bei der H=F6he der Arbeitslosenunterst=
=FCtzungen
etc., so als ob sich an all diesen Faktoren Grundlegendes ge=E4ndert
h=E4tte seit Anfang der neunziger Jahre (erst seither ist die Arbeitslosenr=
ate
in den USA deutlich niedriger als etwa in Deutschland - in den siebziger
und achtziger Jahren beschr=E4nkte sich der Anstieg der Arbeitslosigkeit
auf die beiden Rezessionen 1974/75 und 1980/82, in den USA ebenso wie in
Europa - die Bezeichnung der Arbeitslosigkeit als "strukturell"
ist nicht nur deshalb Ausdruck von Ratlosigkeit). </p>

<p>- Viele =D6konomen und Politiker ("moderne" Christ- wie
Sozialdemokraten) glauben deshalb, da=DF Europa in wichtigen Bereichen
"amerikanisiert" werden m=FCsse, insbesondere die Arbeitslosigkeit
k=F6nne nur durch Schaffung eines Niedriglohnarbeitsmarkts verringert
werden, ohne zu bedenken, da=DF daf=FCr die Qualifikation der Arbeitskr=E4f=
te
viel zu hoch ist (insbesondere im Vergleich zu der USA) oder da=DF
in Europa mittlerweile s=E4mtliche Qualifikationshierarchien von Arbeitslos=
igkeit
betroffen sind, was gemeinsam mit der Tatsache, da=DF die Zahl der
Arbeitslosen mehr als 20 Mal h=F6her ist als jene der offenen Stellen,
auf makro=F6konomische Ursachen des Problems hinweist. </p>

<p>- Die Ursache des Budgetdefizits sucht man bei den Staatsausgaben, insbe=
sondere
im Sozialbereich: ihr Anstieg beweise, da=DF wir uns den Sozialstaat
nicht mehr leisten k=F6nnen. Aber wieso konnten wir uns den Sozialstaat
vor 10 und 20 Jahren leisten, als Einkommen und Verm=F6gen viel niedriger
waren? Und wer ist "wir"? </p>

<p>- =C4hnlich erhellend ist die These: "Wir leben =FCber unsere
Verh=E4ltnisse." Tats=E4chlich leben die europ=E4ischen Volkswirtschaften
unter ihren Verh=E4ltnissen, sie fragen weniger nach als sie produzieren
(sich leisten) k=F6nnten, dementsprechend hoch sind die ungen=FCtzten
Kapazit=E4ten von Realkapital und Arbeit, also die Arbeitslosigkeit.
Auch dieses Problem h=E4ngt unmittelbar mit der - unter dem Einflu=DF
des Neoliberalismus tabuisierten - Zunahme der Ungleichheit in der Einkomme=
ns-
und Verm=F6gensverteilung zusammen: jene Schichten, die fast ihr gesamtes
Einkommen ausgeben (m=FCssen), werden relativ =E4rmer, jene, die
fast alles haben, werden immer reicher. </p>

<p>- Andere halten die Globalisierung f=FCr den Hauptgrund der Krise,
ohne zu sehen, da=DF dieser Proze=DF nicht erst seit Ende der achtziger
Jahre begonnen hat und da=DF =FCberdies Europa gerade in dieser
Zeit seine Leistungsbilanz gegen=FCber den Entwicklungs- und Transformation=
sl=E4ndern
weiter verbessern konnte. Politikern dient diese These als Ausrede f=FCr
eine miserable Geld- und Fiskalpolitik, Unternehmern als Vorwand f=FCr
(Real)Lohnsenkungen, welche die internationale Konkurrenz erzwinge (und
das bei steigendem Gewinnanteil!). </p>

<p>Verk=FCrzt (und in Anlehnung an Karl Kraus) formuliert: Ist der Neoliber=
alismus
jene Krankheit, f=FCr deren Heilung er sich h=E4lt, so sind seine
Konzepte auch f=FCr die Diagnose ungeeignet. </p>

<p>Ein entscheidendes Hindernis auf dem Weg zu einem neuen "Prosperit=E4tsb=
=FCndnis"
besteht in der Schwierigkeit, die Interessen der B=FCrger gegen die
Beg=FCnstigung des Finanzkapitals zu organisieren; denn fast alle B=FCrger
sind selbst kleine Rentiers und k=F6nnen deshalb auf ihre Finanzkapitalinte=
ressen
hin angesprochen werden; je weniger die "kleinen Sparer" erkennen
(k=F6nnen), da=DF hohe Zinsen, eine harte W=E4hrung, eine restriktive
Wirtschaftspolitik zur Inflationsbek=E4mpfung und instabile Finanzm=E4rkte
ihren viel wichtigeren Interessen als Unternehmer oder Arbeitnehmer schwere=
n
Schaden zuf=FCgen, desto eher werden sie einer Politik im Interesse
des Finanzkapitals zustimmen. </p>

<p>Dazu ein einfaches Beispiel: Fragt man eine beliebige Gruppe, ob sie
lieber h=F6here oder niedrigere Zinsen w=FCnsche, so entscheiden
sich die Befragten f=FCr ersteres: sie sehen nicht, da=DF als Folge
von (zinsbedingten) Investitions- und Produktionseinschr=E4nkungen die
Verluste bei ihren Lohn- und Gewinneinkommen viel h=F6her ausfallen
als die Zuw=E4chse ihrer zumeist bedeutungslosen Zinsertr=E4ge.)
</p>

<p>Das bedr=FCckendste Beispiel f=FCr die "Verf=FChrbarkeit"
der B=FCrger, sich gegen ihre eigenen Hauptinteressen als Unternehmer
und Arbeitnehmer zu stellen, stellt die innerdeutsche W=E4hrungsunion
dar: Helmut Kohl versprach der ostdeutschen Bev=F6lkerung, ihr f=FCr
eine "schlechte" Ost-Mark eine "harte" DM zu geben
und so den Wert ihrer Finanzverm=F6gen zu erh=F6hen. Dieses Versprechen
war ein wesentlicher Grund f=FCr Kohls Wahlsieg im Oktober 1990; allerdings
gibt es heute in der ehemaligen DDR fast keine Industrie mehr und statt
dessen Massenarbeitslosigkeit: die W=E4hrungsumstellung 1:1 bedeutete
n=E4mlich eine reale Aufwertung der Ost-Mark um mehr als 200%; da=DF
dies der Hauptgrund f=FCr der Zusammenbruch der ostdeutschen Industrie
gewesen war, macht ein Vergleich mit der tschechischen Industrie deutlich:
diese war 1990 nicht besser als jene der DDR gewesen, doch blieb ihr eine
"W=E4hrungsverh=E4rtung" erspart.) </p>

<h2><a name=3D"_Toc310925587"></a><font size=3D"+0">Phase im polit-=F6konom=
ischen
Entwicklungszyklus </font></h2>

<p><i><u>Politisch </u></i>haben sowohl die Unternehmer als auch die ("haup=
tberuflichen")
Rentiers durch ihr "B=FCndnis" gegen die Interessen der Arbeitnehmer
gewonnen: hohe und steigende Arbeitslosigkeit, die Dominanz einer Wirtschaf=
tstheorie,
welche die Arbeitslosen selbst zu den Hauptschuldigen ihrer Lage erkl=E4rte
(weil zu teuer, zu unflexibel und zu wenig qualifiziert) und der wachsende
Einflu=DF eines neoliberalen Denkens (auch innerhalb der Sozialdemokratie,
insbesondere auf "f=FChrende K=F6pfe" in ihrem Streben
nach medialer Gunst), dr=E4ngten die Arbeitnehmer in die Defensive;
die Reall=F6hne sanken relativ zur Arbeitsproduktivit=E4t, die Streikt=E4ti=
gkeit
h=F6rte nahezu v=F6llig auf, und auch in Kontinentaleuropa begann
erstmals ein sp=FCrbarer Abbau von Sozialleistungen. </p>

<p><i><u>=D6konomisch </u></i>haben freilich auch gro=DFe Teile
der Unternehmerschaft durch die Koalition mit dem Finanzkapital verloren,
insbesondere die Besitzer von Klein- und Mittelbetrieben, die darauf angewi=
esen
sind, ihre Gewinne auf G=FCterm=E4rkten zu machen und dabei durch
die Instabilit=E4t von Zinss=E4tzen und Wechselkursen behindert werden
(im Gegensatz zu gro=DFen Konzernen). Auch ein Renditenvergleich zeigt,
da=DF unternehmerische Aktivit=E4ten auf G=FCterm=E4rkten
zur Zeit des "B=FCndnisses" Realkapital/Arbeit mit Abstand
am profitabelsten waren; obwohl die Lohnquote in den sechziger Jahren h=F6h=
er
war als in den neunziger Jahren, waren auch die Realkapitalrenditen h=F6her=
,
und zwar haupts=E4chlich aus drei Gr=FCnden: erstens war der Anteil
der Zinszahlungen viel geringer gewesen, zweitens st=E4rkte die Lohnquote
die Konsumnachfrage und drittens war bei Vollauslastung der Arbeitskr=E4fte
auch das Realkapital viel besser ausgelastet. </p>

<h2><a name=3D"_Toc310925588"></a><font size=3D"+0">Phase im wirtschaftswis=
senschaftlichen
Paradigmenzyklus </font></h2>

<p>In den siebziger Jahren hatte sich ein "mainstream" in den
Wirtschaftswissenschaften in der Bearbeitung von zwei Problemen gebildet:
"Widerlegung" der keynesianischen Theorie insbesondere im Zusammenhang
mit der Phillips-Kurven-Diskussion und mikro=F6konomische Fundierung
der makro=F6konomischen Theorie ("Bindeglied" wurde das Konzept
der "rationalen Erwartungen"). </p>

<p>In den achtziger und neunziger Jahren zerfiel der "mainstream"
wieder in verschiedene Einzelstr=F6mungen; w=E4hrend sich ein Teil
der =D6konomen mit der "real business cycle theory" in eine
"virtuelle Realit=E4t" zur=FCckzieht, in der vor lauter
Gleichgewicht nicht einmal mehr "=D6lpreisschocks" oder Finanzkrisen
Konjunkturschwankungen ausl=F6sen k=F6nnen, sondern nur mehr "Technologiesc=
hocks",)
ist den meisten anderen Einzelstr=F6mungen wie der Theorie des "endogenen
Wachstums" oder der "neuen Au=DFenhandelstheorie" gemeinsam,
da=DF sie axiomatisch von einem allgemeinen Gleichgewichtsmodell ausgehen,
und dann verschiedene Annahmen modifizieren, um Widerspr=FCche zwischen
einzelnen empirischen Beobachtungen und den Aussagen des Grundmodells zu
=FCberbr=FCcken, das Modell also zu adaptieren.) Umgekehrt formuliert:
keine dieser "Schulen" nahm die Hauptprobleme in der Realit=E4t
in ihrer Gesamtheit (und damit in ihrem Zusammenhang) als Ausgangspunkt
f=FCr die Entwicklung einer neuen makro=F6konomischen Theorie, die
Aussagen dieser Schulen sind deshalb von geringem praktischen Nutzen f=FCr
die Wirtschaftspolitik. </p>

<h2><font size=3D"+0">Interaktion von Rahmenbedingungen und Teilprozessen <=
/font></h2>

<p>Das Verh=E4ltnis zwischen dem "technisch-=F6konomischen"
und dem "sozial-=F6konomischen System" wurde seit den siebziger
Jahren durch ein wachsendes Ma=DF an Inkoh=E4renz gepr=E4gt.
W=E4hrend die technische Innovationsdynamik - insbesondere infolge der
Diffusion der Mikroelektronik - anhaltend stark blieb und so eine kontinuie=
rliche
Steigerung des Produktionspotentials erm=F6glichte, nahm die soziale
Innovationsdynamik im Bereich der Makro=F6konomie nicht nur ab, sondern
verkehrte sich in einen R=FCckschrittsproze=DF: sowohl im Bereich
der Wissenschaft als auch der Politik kehrte man zu Konzepten zur=FCck,
welche bereits in den zwanziger und drei=DFiger Jahren dominiert hatten.
Unter diesen Bedingungen wurde das technische Produktionspotential in immer
geringerem Ausma=DF ausgesch=F6pft, was insbesondere in steigender
Arbeitslosigkeit zum Ausdruck kam. </p>

<p>Der =DCbergang zu den monetaristisch/neoliberalen Systembedingungen
verursachte in (West)Europa einen wesentlich st=E4rkeren "Bruch"
in der Entwicklung als in den USA; denn die wesentlichsten Komponenten
des "Prosperit=E4tsmodells" waren in Europa in der ersten
Nachkriegsphase in viel h=F6herem Ma=DF verwirklicht worden als
in den USA - dies gilt insbesondere f=FCr die korporatistische Organisation
der "labor relations", die Vollbesch=E4ftigungspolitik und
den Ausbau des Wohlfahrtsstaates. Dementsprechend war das Wachstum von
Produktion und Besch=E4ftigung in Westeuropa bis Anfang der siebziger
Jahre deutlich h=F6her als in den USA und ist seither st=E4rker gesunken.
</p>

<p>Die unter dem Einflu=DF des Neoliberalismus zunehmende Inkoh=E4renz
in (Kontinental)Europa kommt auch im Orientierungs- und Identit=E4tsverlust
der wichtigsten Parteien zum Ausdruck: </p>

<p>Ein konstitutives Element der konservativen Parteien war ihre F=E4higkei=
t
zur Integration der Interessen von Arbeit und Kapital auf der Basis der
christlichen Soziallehre, insbesondere durch das Bekenntnis zu einem aktive=
n
Sozialstaat. Die Ausbreitung des Neoliberalismus entzieht den (ehemals)
christ-demokratischen Parteien "schleichend" dieses Fundament,
sie erscheinen daher vielen B=FCrgern, insbesondere bekennenden Christen,
immer mehr als Partei der "Reichen". </p>

<p>Noch st=E4rker beeintr=E4chtigte der neoliberale Modernismus die
Identit=E4t und den gesellschaftlichen "Orientierungssinn"
der Sozialdemokratie: denn ihre Geschichte und ihre St=E4rke ist in
besonderem Ma=DF mit der Losung "Solidarit=E4t" gegen
die Losung "jeder ist seines (Un)Gl=FCcks Schmied" verkn=FCpft,
und damit auch mit dem Ausbau eines ausgleichenden Wohlfahrtsstaats (die
Zuneigung konservativer Unternehmer(vertreter), aber auch vieler Medien(mac=
her)
zu den "modernen" Sozialdemokraten macht diese Problematik deutlich).
</p>

<h2><font size=3D"+0"><u>Ausblick</u> </font></h2>

<p>Das aus dieser Analyse resultierende Gesamtbild legt nahe, da=DF
die Entwicklung in den kommenden Jahren der Talsohle eines langfristigen
Zyklus entsprechen wird: seine Aufschwungsphase wurde durch ein "Lernen
aus der Weltwirtschaftskrise" erm=F6glicht und begann nach dem
Krieg unter dem "leadership" der USA mit dem Wiederaufbau, der
Schaffung eines stabilen Weltw=E4hrungssystems, der Liberalisierung
des Welthandels und einer keynesianischen Wirtschaftspolitik, nach einer
Phase hohen Wachstums bei Vollbesch=E4ftigung erreichte der Entwicklungszyk=
lus
Ende der sechziger Jahre seinen H=F6hepunkt. Der Zusammenbruch von Bretton
Woods, die Entwertung der Weltw=E4hrung, die "=D6lpreisschocks"
und die Inflationsbeschleunigung leiteten die Abschwungsphase ein. Die
monetaristisch inspirierte Hochzinspolitik, die dadurch mitverursachte
Schuldenkrise der Entwicklungsl=E4nder, die Verlagerung der Unternehmerakti=
vit=E4ten
von der Real- zur Finanzakkumulation sowie die starken Schwankungen von
Zinss=E4tzen, Wechselkursen, und Rohstoffpreisen trugen zu einer weiteren
Wachstumsverlangsamung seit Ende der siebziger Jahre bei. </p>

<p>Die Entstehung eines neuen "Prosperit=E4tssyndroms" und
damit die Aufschwungsphase eines neuen langfristigen Wachstumszyklus d=FCrf=
ten
erst dann einsetzen, wenn mehrere Grundbedingungen erf=FCllt sind: </p>

<p>- Entwicklung einer neuen, auf realit=E4tsnahen Annahmen aufgebauten
makro=F6konomischen Theorie, welche f=FCr die Entwicklungstendenzen
der letzten 25 Jahre und die dabei "herangewachsenen" Hauptprobleme
einen allgemeinen Erkl=E4rungsrahmen anbietet. </p>

<p>- Wiederentdeckung von Politik und Staat als die M=E4rktkr=E4fte
erg=E4nzende und unverzichtbare Instrumente zur Steuerung gesellschaftliche=
r
Prozesse, und zwar nicht nur wegen der "Eigenwerte" Gleichheit
und Demokratie (auf M=E4rkten entscheiden die "Geldstimmen",
bei Wahlen hingegen z=E4hlt jede Stimme gleich), sondern auch aus Gr=FCnden
der =F6konomischen, =F6kologischen und sozialen Effizienz und schlie=DFlich
zur Stabilisierung des Gesellschaft als eines Systems von "counterveiling
powers".) </p>

<p>- Erneuerung des "europ=E4ischen Wegs" als einer Kombination
von Konkurrenz auf M=E4rkten und Kooperation in der Politik, und zwar
sowohl zwischen Unternehmen, Arbeitnehmern und Staat als auch zwischen
den einzelnen L=E4ndern innerhalb der EU; nur durch eine eigenst=E4ndige,
den Lebensgewohnheiten und Wertvorstellungen in Europa entsprechende Wirtsc=
hafts-
und Sozialpolitik wird es gelingen, an die Traditionen der Prosperit=E4tsph=
ase
anzukn=FCpfen und gleichzeitig die europ=E4ische Identit=E4t weiterzuentwic=
keln.
</p>

<p>Bis dahin wird sich die Krise vertiefen; denn "Denken ist etwas,
das auf Schwierigkeiten folgt und dem Handeln vorangeht" (Brecht)
- und das Umdenken wird gr=FCndlich sein m=FCssen. Anders gesagt:
Erst am Ende einer Sackgasse <b>mu=DF </b>man umkehren. Man kann aber
schon fr=FCher. </p>
</td>
</tr>

<tr>
<td><img src=3D"https://www.fes.de/fes-images/fes-log1.gif"></td>

<td></td>

<td valign=3D"bottom">
<!--foot - Datum einfuegen!-->
<p>
</p><hr>
<font face=3D"arial, helvetica" size=3D"-2">
=A9 <a href=3D"mailto:wwwadm@fes.de">Friedrich Ebert Stiftung</a>
| <a href=3D"https://www.fes.de/support.html">technical support</a> | net e=
dition=20
<a href=3D"mailto:redaktion@fes.de">bh&amp;ola</a> | Januar 1998
<br>
</font></td>
</tr>
</tbody></table>



</body></html>
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