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Subject: International Politics and Society
Date: Tue, 20 Jan 2026 10:30:59 +0100
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   <title>International Politics and Society</title>
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schaft / Online] Internationale Politik und Gesellschaft : Zeitschrift f=FC=
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t, L=E4nderanalysen  =3D International politics and society / Hrsg. von der=
 Friedrich-Ebert-Stiftung. Online. - Bonn, [Electronic ed.: 1998 - ] Vorg.:=
 Friedrich-Ebert-Stiftung: Vierteljahresberichte">
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<p><br></p><p>

</p></td>
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ty
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<td><i>Wolfgang Filc<br>
</i><b>Mehr Wirtschaftswachstum durch gestaltete Finanzm=E4rkte <br>
Nationaler Verhaltenskodex und internationale Kooperation</b><br>
<p>
<i><font size=3D"-1">Vorl=E4ufige Fassung / Preliminary version</font></i>
</p><p><b>Wie effizient sind Finanzm=E4rkte?</b> </p>

<p>Die gesamtwirtschaftliche Entwicklung wird von drei Preisen beherrscht:
Lohnsatz, Wechselkurs und Zinssatz. Diese drei Gr=F6=DFen bestimmen
Konjunktur und Wirtschaftswachstum, die preisliche internationale Wettbewer=
bsf=E4higkeit
eines Landes und somit den Leistungsbilanzsaldo, Richtung und Ausma=DF
des internationalen Kapitalverkehrs, die Binnenkaufkraft des Geldes und
die Einkommensverteilung. Von diesen drei zentralen Preisen werden zwei
an Finanzm=E4rkten gebildet, n=E4mlich der Au=DFenwert der W=E4hrung
eines Landes und sein Zinsniveau. Zudem gehen von diesen Finanzmarktgr=F6=
=DFen
wesentliche Impulse auf die Lohnfindung aus. Man sollte deshalb annehmen,
da=DF die Bedeutung der Finanzm=E4rkte f=FCr die gesamtwirtschaftliche
Entwicklung eines Landes kaum =FCbersch=E4tzt werden kann. <br>
</p>

<p><b><i>"Finanzm=E4rkte sind prinzipiell effizient" </i></b><br>
</p>

<p>Es gibt jedoch =D6konomen, die dies anders sehen. Die Konzeption
des "real business cycle" betrachtet Konjunktur und Wachstum
als Reflex realer exogener Schocks, die sich (a) in Kurs- und Rendite=E4nde=
rungen
an Finanzm=E4rkten und (b) in g=FCterwirtschaftlichen =C4nderungen
im Zuge wohlfahrtsoptimierender Anpassungen ausdr=FCcken. Politikma=DFnahme=
n
k=F6nnen dabei wohl die reale Aktivit=E4t beeinflussen, nicht aber
die Wohlfahrt erh=F6hen: "It's just they can't improve matters"
(Barro). <br>
</p>

<p>In der Konzeption effizienter M=E4rkte und der damit verbundenen
Theorie rationaler Erwartungen sind wirtschaftspolitische Ma=DFnahmen
ohne Wirkung auf die G=FCterwirtschaft, Finanzm=E4rkte v=F6llig
irrelevant. Denn sind alle Preise, Kurse und Renditen an Finanzm=E4rkten
vollst=E4ndig flexibel, werden hierin alle relevanten gegenw=E4rtigen
und f=FCr die Zukunft erwarteten Determinanten korrekt ausgedr=FCckt,
so kann es an Finanzm=E4rkten keine Fehlentwicklungen geben, so k=F6nnen
von ihnen keine gesamtwirtschaftlichen Fehlentwicklungen ihren Ausgang
nehmen, und so l=E4=DFt sich schlie=DFlich die Preisentwicklung
an ihnen durch wirtschaftspolitische Ma=DFnahmen nicht systematisch
beeinflussen. Kommt es tats=E4chlich zu Fehlentwicklungen an Finanzm=E4rkte=
n,
so ist das ausschlie=DFlich auf fehlende Flexibilit=E4t der Preisbildung
zur=FCckzuf=FChren. Die Empfehlung kann dann nur lauten: Finanzm=E4rkte
sind radikal zu deregulieren, weil erst dann ihre wohlfahrtsoptimierende
Wirkung auf die Allokation von Kapital, zu jeder Zeit und intertemporal,
national wie international, zum Tragen kommt. <br>
</p>

<p>Soweit die eine Sichtweise, die von der Wirtschaftspolitik seit Anfang
der achtziger Jahre verfolgt wurde und zu einer weltweiten Deregulierungswe=
lle
Anla=DF gab, die in den USA ihren Ausgang nahm. <br>
</p>

<p><b><i>"Finanzm=E4rkte sind anf=E4llig f=FCr Fehlentwicklungen"
</i></b><br>
</p>

<p>Eine andere Sicht verweist auf eine zunehmende Eigendynamik der Finanzm=
=E4rkte,
auf ein Abkoppeln des finanzwirtschaftlichen Bereichs von der Realwirtschaf=
t,
auf Preisentwicklungen an Finanzm=E4rkten, die auf der Grundlage weithin
akzeptierter =F6konomischer Theorien und unter Heranziehung gegenw=E4rtiger
und absehbarer =F6konomischer Fundamentaldaten nicht zu erkl=E4ren
sind. Diese Sichtweise konstatiert die Anf=E4lligkeit der Finanzm=E4rkte
f=FCr spekulative =DCbertreibungen, mithin von Kurs- und Renditeentwicklung=
en,
die entweder in wirtschaftspolitischen Fehlentscheidungen angelegte gesamtw=
irtschaftliche
Fehlentwicklungen kaschieren oder aber selbst wirtschaftliche Verwerfungen
verursachen: Leistungsbilanzungleichgewichte, Rezession mit steigender
Arbeitslosigkeit, Konjunkturboom mit einhergehender Inflationierung. <br>
</p>

<p>Diese Sichtweise beruht zun=E4chst einmal auf Beobachtungen empirischer
Zusammenh=E4nge. Immer wieder hat sich gezeigt, da=DF abrupt steigende
Zinss=E4tze jede Konjunktur abzuw=FCrgen verm=F6gen, ob in Deutschland
oder in den USA: Jeder Rezession ging eine Zinsversteifung voran. Auch
ergaben sich immer wieder gesamtwirtschaftliche Fehlentwicklungen aus erheb=
lichen
Verschiebungen des Au=DFenwerts von W=E4hrungen. So fiel die extreme
Passivierung der amerikanischen Leistungsbilanz und eine Tendenz zur Deindu=
strialisierung
der USA Mitte der achtziger Jahre zusammen mit einer absurden Aufwertung
des US-Dollars. Aus der Blickrichtung jener, die Fehlentwicklungen an Finan=
zm=E4rkten
nicht per Definition ausschlie=DFen, war das kein Ergebnis realwirtschaftli=
cher
Schocks. <br>
</p>

<p>Vergleichbare Fehlentwicklungen werden auch in L=E4ndern der EU seit
Ausgang der achtziger Jahre konstatiert und dem Wirken der Devisenm=E4rkte
angelastet. Die reale Unterbewertung der D-Mark im Europ=E4ischen W=E4hrung=
ssystem
(EWS) seit Anfang 1987, vor allem gegen=FCber den s=FCdeurop=E4ischen
W=E4hrungen, wirkte in Deutschland bis 1992 wie eine Exportsubvention
bzw. wie ein Importzoll auf G=FCter aus anderen EWS-L=E4ndern. Der
damit einhergehende Exportboom in Deutschland suggerierte deutschen Unterne=
hmen
im internationalen Preiswettbewerb einen Vorsprung gegen=FCber der europ=E4=
ischen
Konkurrenz, den es tats=E4chlich nicht gab. Seit den EWS-Turbulenzen
der Jahre 1992 und 1993 hingegen und der ruckartigen Korrektur der Wechselk=
urse
in Europa wird in Deutschland verst=E4rkt eine "Standortschw=E4che"
thematisiert. <br>
</p>

<p>Wenn Kurse und Renditen an Finanzm=E4rkten Fehlentwicklungen ausweisen,
so k=F6nnen Fehlentwicklungen des Lohnsatzes - als dritten zentralen
Preises einer Volkswirtschaft - die Folge sein. Eine lang andauernde erhebl=
iche
Unterbewertung einer W=E4hrung spiegelt den Tarifvertragsparteien dann
einen wettbewerbsneutralen Verteilungspielraum vor, den es bei an =F6konomi=
schen
Fundamentalfaktoren orientierten W=E4hrungsrelationen nicht gibt. So
kann die Unterbewertung der D-Mark nach Vollzug der deutschen Einheit als
ein wesentlicher Bestimmungsgrund f=FCr Lohnabschl=FCsse gesehen
werden, die nach dem schlagartigen Abbau der Unterbewertung der D-Mark
die deutschen Lohnst=FCckkosten an die Spitze aller Industriel=E4nder
katapultierte. <br>
</p>

<p>Auch Fehlentwicklungen bei Zinss=E4tzen k=F6nnen Fehlentwicklungen
bei Lohnabschl=FCssen ausl=F6sen. Ein zu niedriges Zinsniveau, etwa
bewirkt von Zinssenkungen im Ausland oder von Aufwertungserwartungen gegen=
=FCber
der Inlandsw=E4hrung, kann Anla=DF f=FCr einen Konjunktursto=DF
geben, der abebbt, wenn sich der Zinstrend im Ausland umkehrt oder wenn
die Aufwertungserwartung gegen=FCber der Inlandsw=E4hrung schwindet.
Aber der von Zinssenkungen im Ausland generierte kurzfristige Aufschwung
im Inland kann zu Lohnsteigerungen f=FChren, die sich sp=E4ter als
nicht konjunkturgerecht herausstellen, mit der Folge steigender Arbeitslosi=
gkeit.
<br>
</p>

<p>Vorausgesetzt wird bei all diesen Interpretationen, da=DF Fehlentwicklun=
gen
an Finanzm=E4rkten =FCberhaupt auftreten k=F6nnen. Da=DF dem
in der Tat so ist, wird im folgenden begr=FCndet. <br>
<br>
</p>

<p><b>Globalisierung und ihre Folgen</b><br>
</p>

<p>Sechs problematische Aspekte kennzeichnen die Entwicklungstendenzen
an Finanzm=E4rkten seit Beginn der achtziger Jahre: </p>

<p><b>1. Ausd=FCnnung der Bankenaufsicht:</b> Das rapide Wachstum der
Finanzierung an internationalen M=E4rkten geht zu Lasten der nationalen
monet=E4ren M=E4rkte: Die Finanzierung in off-shore-Zentren expandiert
seit Mitte der siebziger Jahre mit einer durchschnittlichen Jahresrate
von 18 vH, an nationalen Finanzm=E4rkten mit 10 vH. Das Problem: Internatio=
nale
Finanzm=E4rkte entziehen sich der Kontrolle von Zentralbanken und nationale=
n
Bankenaufsichtsbeh=F6rden. <br>
</p>

<p><b>2. Zunehmende Spekulation mit Verm=F6genspreisen:</b> Forderungen
und Verbindlichkeiten und damit die Bilanzen von Unternehmen des finanziell=
en
Sektors wachsen viel schneller als die Einkommen. Das geht einher mit =FCbe=
r
mehrere Jahre hinweg andauernden zyklischen Schwankungen realer Verm=F6gens=
preise,
also weit st=E4rker ausgepr=E4gten Preis=E4nderungen an Verm=F6gensm=E4rkte=
n
als an G=FCterm=E4rkten. Das Problem: Finanzm=E4rkte werden zunehmend
genutzt, um spekulative Engagements, so in Immobilien und in Aktien, zu
finanzieren. <br>
</p>

<p><b>3. Ausd=FCnnung der Risikokontrolle:</b> An internationalen Finanzm=
=E4rkten
nimmt das Gewicht der Wertpapierfinanzierung zu Lasten von Bankkrediten
zu. Das Problem: Banken ziehen sich aus der Funktion des Sammelns und Weite=
rleitens
von Mitteln zur=FCck und beschr=E4nken sich auf die Vermittlung von
Gl=E4ubiger-Schuldner-Beziehungen zwischen Nichtbanken. Dadurch entfallen
Bonit=E4tspr=FCfungen, das Finanzsystem kann zerbrechlicher werden.
<br>
</p>

<p><b>4. Das Mengenproblem:</b> Das Potential anlagesuchender Mittel des
privaten Sektors im Gefolge krasser Leistungsbilanzungleichgewichte und
stark gestiegener Defizite der Staatshaushalte in den meisten Industriel=E4=
ndern
ist gewaltig gestiegen. Das ist das Mengenproblem an Finanzm=E4rkten.
<br>
</p>

<p><b>5. Erh=F6hte Volatilit=E4t:</b> Die Entwicklung von Finanzmarktpreise=
n
ist viel weniger berechenbar geworden. Die Volatilit=E4ten von Zinsen,
Wertpapierkursen und Wechselkursen haben erheblich zugenommen. Das ist
das Preis- oder Volatilit=E4tsproblem. <br>
</p>

<p><b>6. Finanzderivate:</b> Seit Mitte der achtziger Jahre haben sich
Umw=E4lzungen an den Finanzm=E4rkten vollzogen, die mit dem Stichwort
"Finanzinnovationen" gekennzeichnet werden. Ein besonderes Merkmal
hierbei ist das Vordringen von Transaktionen an Zukunftsm=E4rkten, also
an M=E4rkten, an denen G=FCter, Wertpapiere und Devisen der Zukunft
gehandelt werden. Insbesondere Finanzderivate verbinden verschiedene Segmen=
te
der Finanzm=E4rkte, national wie international. Zudem wurde durch neue
Handelstechniken und gesunkene Transaktionskosten der Zugang von Nichtbanke=
n
zu Devisenm=E4rkten erleichtert und verbilligt. Das l=E4dt zu Wetten
gegen W=E4hrungen ein. <br>
</p>

<p>Diese miteinander verwobenen Entwicklungen an Finanzm=E4rkten haben
einen gemeinsamen Nenner: Globalisierung. Der Abbau von Regulierungen an
Finanzm=E4rkten sowie Fortschritte in der Kommunikationstechnik haben
ebenso wie der R=FCckgang des Einflusses au=DFermarktm=E4=DFiger
Institutionen auf Finanzierungsvorg=E4nge einen Proze=DF ausgel=F6st,
der nationale Finanzm=E4rkte zusammenwachsen l=E4=DFt. Das f=FChrt
zu einer Angleichung von Preisen, Kursen und Renditen gleichartiger Finanzt=
itel
an verschiedenen nationalen Finanzm=E4rkten und den Euro-M=E4rkten,
also zu einem engen Zinsverbund, von dem sich kein Land zu trennen vermag.<=
br>
</p>

<p>Diese Globalisierung der Finanzm=E4rkte ist zun=E4chst einmal
ein notwendiges Korrelat zur Freiz=FCgigkeit des internationalen Leistungsv=
erkehrs.
Die Offenheit des internationalen Handelssystems spiegelt sich im Offenheit=
sgrad
der L=E4nder wider, gemessen am Quotienten aus der Summe von Importen
und Exporten und dem Bruttosozialprodukt. Dieser Offenheitsgrad hat sich
in allen westlichen Indusrtiel=E4ndern in den letzten Jahrzehnten erheblich
ausgeweitet: <br>
</p>

<ul>
<li>in Belgien von 76,7 vH in 1960 auf 145,1 vH in 1990. </li>
</ul>

<ul>
<li>in der Bundesrepublik Deutschland von 37,5 vH in 1960 auf 64,5 vH in
1990. </li>

<li>in den USA, die fr=FCher als weitgehend geschlossener Wirtschaftsraum
galten, von 9,3 vH in 1960 auf 21,6 vH in 1990. </li>
</ul>

<p>Die Globalisierung der Finanzm=E4rkte erlaubt eine bessere Allokation
des Kapitals im internationalen Rahmen, senkt die Kosten von Finanzdienstle=
istungen
und bietet neue M=F6glichkeiten f=FCr die Absicherung von Risiken.
<br>
</p>

<p>Dabei expandieren die zwischenstaatlichen Finanztransaktionen weitaus
st=E4rker als der internationale Leistungsaustausch. In Deutschland
haben sich von 1960 bis 1990 Importe und Exporte von Waren und Dienstleistu=
ngen
zusammengenommen vervierzehnfacht, w=E4hrend Kapitalimporte und Kapitalexpo=
rte
des privaten Sektors um den Faktor drei=DFig gestiegen sind. <br>
</p>

<p>Die Entwicklung der Finanzbeziehungen stellt Zentralbanken und Bankenauf=
sichtsbeh=F6rden
vor drei Herausforderungen. Um ihren Einflu=DF auf den Finanzierungsproze=
=DF
im Hinblick auf die gesamtwirtschaftliche Aktivit=E4t nicht zu verlieren,
m=FCssen sie sowohl mit dem oben erw=E4hnten Mengenproblem als auch
mit dem Preis- oder Volatilit=E4tsproblem fertig werden. Dar=FCber
hinaus m=FCssen sie die Auswirkungen des Vordringens derivativer Finanzprod=
ukte
unter Kontrolle halten. <br>
<br>
</p>

<p><b>Die drei Instabilit=E4tspotentiale an Finanzm=E4rkten</b> </p>

<p><b><i>Das Mengenproblem: zunehmende Verschuldungspositionen - zunehmende
Geldverm=F6gen</i></b><br>
</p>

<p>Der Finanzsektor geh=F6rt in allen Industriel=E4ndern zu den dynamischst=
en
Wirtschaftszweigen, und die rasche Expansion des internationalen Finanzsyst=
ems
h=E4lt unvermindert an. Allein die internationalen Transaktionen mit
Anleihen und Aktien der G7-L=E4nder (ohne Gro=DFbritannien) in Relation
zum Bruttoinlandsprodukt stiegen von 35 vH 1985 auf 140 vH 1995. Die intern=
ationalen
Kapitalstr=F6me =FCbersteigen seit langem die Waren- und Dienstleistungstra=
nsaktionen
zwischen L=E4ndern. So machten in Deutschland 1985 die Waren- und Dienstlei=
stungstransaktionen
mit dem Ausland noch das 1,7-fache aller grenz=FCberschreitenden Kapitalbew=
egungen
aus, 1994 dagegen betrug der Wert internationaler Kapitalstr=F6me das
3,5-fache des Leistungsaustauschs mit dem Ausland. <br>
</p>

<p>Diese Entwicklungen begr=FCnden die Bef=FCrchtung, da=DF ein
Kollaps an Finanzm=E4rkten eines Landes in einem Dominoeffekt auf andere
L=E4nder =FCbergreift, den g=FCterwirtschaftlichen Bereich erreichen
und eine weltweite Depression ausl=F6sen k=F6nnte. Freilich sind
die hohen, an Finanzm=E4rkten umgesetzten Werte noch kein Grund f=FCr
derartige Besorgnis. Denn in Nettorechnung k=F6nnen Finanzm=E4rkte
nur expandieren, wenn bei einzelnen Wirtschaftseinheiten, bei Sektoren
innerhalb eines Landes und in Volkswirtschaften Differenzen zwischen Leistu=
ngsabgabe
und Leistungsinanspruchnahme bestehen. Das weitaus h=F6here Wachstum
der Finanzm=E4rkte ist auch darauf zur=FCckzuf=FChren, da=DF
sich die Ketten der finanziellen Intermediation verl=E4ngert haben.
Am Euro-Geldmarkt zum Beispiel sind inzwischen rund zwei Drittel der Transa=
ktionen
Interbankengesch=E4fte. Hieraus ergeben sich Vorteile, etwa eine Kostenersp=
arnis
oder eine effizientere Nutzung der im Bankensystem vorhandenen Liquidit=E4t=
.
Diese Verl=E4ngerung von Kreditketten ist nicht besorgniserregend, sondern
Ausdruck gewachsener Effizienz der finanziellen Intermediation. <br>
</p>

<p>Dagegen ist das rapide Wachstum des Nettovolumens der Finanzm=E4rkte
vor allem Ausdruck gesamtwirtschaftlicher Fehlentwicklungen, von denen
einige stichwortartig genannt seien: <br>
</p>

<ul>
<li>die beiden =D6lpreisschocks, einmal zu Beginn, dann gegen Ende der
siebziger Jahre, </li>
</ul>

<ul>
<li>die Ausweitung von Leistungsbilanzsalden insbesondere gro=DFer
Industriel=E4nder, auch als Ergebnis falscher Wechselkurse, </li>
</ul>

<ul>
<li>wachsende Staatsdefizite in den meisten Industriel=E4ndern, </li>
</ul>

<ul>
<li>die Finanzierung spekulativer Engagements in Immobilien in manchen
L=E4ndern, so in den USA, Finnland, Japan und Australien. </li>
</ul>

<p>Hinzu kommt, da=DF die Nettovolumina der Finanzm=E4rkte durch
die Ertr=E4ge des Geldverm=F6gens automatisch wachsen. Die Kehrseite
ist, da=DF Zinszahlungsverpflichtungen aus der kreditfinanzierten Abdeckung
von Ausgabe=FCbersch=FCssen in der Vergangenheit zur entscheidenden
Restriktion der Nachfrage an den G=FCterm=E4rkten werden k=F6nnen
und weitere Verschuldung sowie Defizite im Leistungskreislauf erzwingen.<br=
>
</p>

<p>Das ist der materielle Gehalt der Abkoppelung des Finanzkreislaufs von
g=FCterwirtschaftlichen Bedingungen, n=E4mlich die Verselbst=E4ndigung
des Wachstums der Finanzm=E4rkte. Zudem k=F6nnen von dieser L=F6sung
der Finanzbeziehungen von g=FCterwirtschaftlichen Aktivit=E4ten Effekte
ausgehen, die auf die G=FCterm=E4rkte zur=FCckwirken. Ein Beispiel
hierf=FCr sind Entwicklungen in den USA.<br>
</p>

<p>Dort hat sich im Zuge der enormen Ausweitung der Staatsverschuldung
seit Anfang der achtziger Jahre die Struktur der Verm=F6genshaltung
des privaten Sektors erheblich ver=E4ndert, weil das Geldverm=F6gen
rascher gewachsen ist als das Sachverm=F6gen; die Portfolios sind geldverm=
=F6genslastig
geworden. Das hat zwei Konsequenzen. Erstens wird bei einem wachsenden
Anteil von Geldverm=F6gen am Reinverm=F6gen des privaten Sektors
eine steigende Rendite aus Geldverm=F6gen verlangt. Das treibt die Zinsen
nach oben. Zweitens werden von jedem Rumoren an Verm=F6gensm=E4rkten
Umschichtungen zwischen Finanzverm=F6gen und Sachverm=F6gen angeregt.
Das erh=F6ht die Volatilit=E4t von Finanzmarktpreisen, Zinss=E4tzen
und Wechselkursen, wirkt also erneut zinstreibend. Keine Frage, das hat
g=FCterwirtschaftliche Konsequenzen. <br>
</p>

<p>Als Folge der permanenten Leistungsbilanzdefizite der USA seit Beginn
der achtziger Jahre sind zudem die Portfolios weltweit dollarlastig geworde=
n.
Das l=F6st immer wieder Umschichtungsvorg=E4nge zwischen internationalen
Reservew=E4hrungen aus sowie Wechselkurs- und Zinsbewegungen, die auf
der Grundlage der g=FCterwirtschaftlichen Entwicklung der L=E4nder
nicht erkl=E4rbar sind. Fehlentwicklungen an den G=FCterm=E4rkten
sind die Folge. Mit der Globalisierung der Finanzbeziehungen werden nationa=
le
Ereignisse zu internationalen Restriktionen.<br>
</p>

<p><b><i>Das Preis- und Volatilit=E4tsproblem: h=F6here Risiken,
h=F6here Zinsen, geringere wirtschaftliche Aktivit=E4t</i></b><br>
</p>

<p>Die gewachsenen Nettovolumina haben das internationale Finanzsystem
verletzlicher gemacht. Aber die in den Mengen angelegten potentiellen Risik=
en
werden nur dann virulent, wenn die W=E4hrungsstruktur der Geldverm=F6gen
umgeschichtet wird. Das aber obliegt den Entscheidungen privater Anleger.
Folglich m=FCssen au=DFermarktm=E4=DFige Institutionen ger=FCstet
sein, um einem m=F6glichen Kollaps zu begegnen.<br>
</p>

<p>Seit Beginn der achtziger Jahre sind Entwicklungen an den Finanzm=E4rkte=
n
zu konstatieren, die nicht spurlos an den G=FCterm=E4rkten vorbeigehen
k=F6nnen: <br>
</p>

<ul>
<li>Die k=FCnftige Entwicklung der Preise und Renditen von Verm=F6genstitel=
n
sowie der Wechselkurse ist unw=E4gbarer geworden. </li>
</ul>

<ul>
<li>Diese Gr=F6=DFen schwanken zyklisch ohne erkennbare Muster.
</li>
</ul>

<ul>
<li>Sie unterliegen erh=F6hter Volatilit=E4t in der kurzen und mittleren
Frist. </li>
</ul>

<ul>
<li>Preis- und Renditeentwicklungen an den Verm=F6gensm=E4rkten haben
sich von der Preisentwicklung an den G=FCterm=E4rkten gel=F6st.
</li>
</ul>

<p>Zunehmende Unw=E4gbarkeiten hinsichtlich der Entwicklung von Preisen
und Renditen an Verm=F6gensm=E4rkten erh=F6hen das Risiko intertemporalen
wirtschaftlichen Handelns. Wirtschaftliche Akteure sind in der Regel risiko=
avers.
Je h=F6her die Risiken, desto geringer die wirtschaftliche Aktivit=E4t
und um so ausgepr=E4gter die Suche nach Absicherung vor diesen Risiken.
Risikopr=E4mien, die von Privaten f=FCr das Angebot von Absicherungsinstrum=
enten
in Rechnung gestellt werden, dr=FCcken sich in Marktpreisen aus. Selbstvers=
t=E4ndlich
ist bei markm=E4=DFiger Reaktion auch, da=DF sich Anleger in
Titeln ohne Versicherungsm=F6glichkeit gegen=FCber Wert=E4nderungsrisiken,
so in festverzinslichen Wertpapieren, die =DCbernahme von Risiken entgelten
lassen, n=E4mlich durch eine h=F6here Rendite. Vor allem deshalb
sind die Zinss=E4tze in nominaler und realer Rechnung parallel mit gewachse=
nen
Zins- und Wechselkursrisiken seit Beginn der achtziger Jahre weltweit gesti=
egen.
Steigende Zinss=E4tze wiederum d=E4mpfen die wirtschaftliche Aktivit=E4t
an G=FCterm=E4rkten. <br>
</p>

<p>Das Preisproblem an Finanzm=E4rkten wird dadurch verst=E4rkt,
da=DF sich die Gewichte der preisbestimmenden Determinanten verschoben
haben. Waren in den sechziger und in den fr=FChen siebziger Jahren die
Fundamentalfaktoren dominierend, so sind es seit geraumer Zeit instabile
Erwartungen und im Zeitverlauf variable Risikopr=E4mien. Denn die F=FClle
widerspr=FCchlicher und im einzelnen kaum bewertbarer Informationen
kann jede Wirkung auf Zinss=E4tze und Wechselkurse haben, je nachdem,
wie sie interpretiert werden. Werden irgendwelche Informationen als kursrel=
evant
eingesch=E4tzt, so kommt es zu einer Neubewertung von Risiken, zu Erwartung=
srevisionen
und zu Preisanpassungen an Finanzm=E4rkten. <br>
</p>

<p>Die im Zuge der Defizitfinanzierung gewachsenen Geldverm=F6gensbest=E4nd=
e
haben das Preisproblem auch an Devisenm=E4rkten erh=F6ht. Bei unsicheren
Erwartungen und in einem diffusen Informationsumfeld l=E4dt schon das
geringste Rumoren dazu ein, zwischen verschiedenen Formen der Verm=F6gensha=
ltung
und insbesondere zwischen Reservew=E4hrungen umzuschichten, wodurch
drastische Wechselkursspr=FCnge und Zins=E4nderungen ausgel=F6st
werden k=F6nnen. Zins- und Wechselkurstrends k=F6nnen sich dadurch
von den gegenw=E4rtigen und absehbaren gesamtwirtschaftlichen Fundamentalfa=
ktoren
trennen, die noch in den siebziger Jahren die Preis- und Kursentwicklung
an Finanzm=E4rkten entscheidend gepr=E4gt hatten. Die Entwicklung
an Finanzm=E4rkten gef=E4hrdet dann die wirtschaftliche Stabilit=E4t,
und das im Zeitalter der Globalisierung der M=E4rkte weltweit. <br>
</p>

<p>Wenn die in Zinss=E4tzen einkalkulierten Risikopr=E4mien so hoch
werden, da=DF bei herk=F6mmlichen Finanzierungsformen, etwa Bankkrediten,
vor allem Risikoliebhaber zum Zuge kommen, so steigt das Kreditausfallrisik=
o,
und Zinserh=F6hungen verdr=E4ngen jene Teilnehmer von Finanzm=E4rkten,
die nicht zu den Spielernaturen z=E4hlen. Zudem werden dadurch Direktbezieh=
ungen
zwischen Nichtbanken in Form von Wertpapierkrediten an erste Adressen beg=
=FCnstigt.
Beides erh=F6ht die Fragilit=E4t des Finanzsystems, das gesamtwirtschaftlic=
he
Aktivit=E4tsniveau wird gegen=FCber einer Situation gesenkt, in der
die Wirtschaftspolitik darauf abzielt, die Wechselkurs- und Zinsvariabilit=
=E4t
zu d=E4mpfen, und der Einflu=DF der Geldpolitik auf Finanzierungsvorg=E4nge
wird geschw=E4cht, wenn Gesch=E4ftsbanken aus der finanziellen Intermediati=
on
von Direktkreditbeziehungen zwischen Nichtbanken herausgedr=E4ngt werden.
<br>
</p>

<p><b><i>Das Problem der Finanzderivate: Hebelwirkung f=FCr spekulative
Fehlentwicklungen </i></b><br>
</p>

<p>Das explosive Wachstum des Handels mit derivativen Finanzinstrumenten
seit Mitte der achtziger Jahre ist zweifellos die gravierendste =C4nderung
im Finanzsektor seit Eintritt in die Globalisierung der Finanzm=E4rkte.
Das Volumen der ausstehenden Kontrakte in Finanzderivaten allein an den
au=DFerb=F6rslichen M=E4rkten betrug Anfang 1995 rund 40 Bio.
Dollar. Die neunziger Jahre sind in =E4hnlicher Weise das Jahrzehnt
der Derivate wie die siebziger Jahre das Jahrzehnt der Eurom=E4rkte
waren. Und wie vor zwanzig Jahren dem Wachstum der Eurom=E4rkte Systemrisik=
en
beigemessen wurden, so wird gegenw=E4rtig bef=FCrchtet, die aus Basiswerten
abgeleiteten neuen Finanzmarktinstrumente wie Swaps, Financial Futures
und Optionen k=F6nnten das Weltfinanzsystem destabilisieren. </p>

<p>Finanzderivate k=F6nnen f=FCr Arbitragezwecke eingesetzt werden,
f=FCr die Absicherung von Preis=E4nderungsrisiken und f=FCr die
Spekulation. Das Hedgingmotiv hat in den letzten Jahren an Bedeutung gewonn=
en.
Hedging mit Hilfe von Derivaten erlaubt es, Risiken zu handeln und auf
jene zu verteilen, die bereit sind, sie gegen Zahlung einer Risikopr=E4mie
zu =FCbernehmen. Auf diese Weise k=F6nnen Investitionsprojekte mit
hohen Ertragserwartungen - aber auch gro=DFen Risiken - leichter verwirklic=
ht
werden, weil der Finanzierungsvorgang von der Risikokomponente getrennt
werden kann. </p>

<p>Derivate k=F6nnen aber eben auch f=FCr Spekulationszwecke eingesetzt
werden. Wird ein Derivat erworben, ohne da=DF ein abzudeckendes Risiko
besteht, so wird ein Risiko gekauft. Derivate verleiten zu spekulativen
Engagements, auch deshalb, weil damit Spekulationsgewinne zu erzielen sind,
ohne da=DF entsprechende Verluste auf der anderen Marktseite auftreten
m=FCssen. Dieser Anreiz zur Spekulations geht mit ihrer Verbilligung
an globalisierten Finanzm=E4rkten einher. Mit Hilfe von Derivaten ist
es nicht mehr n=F6tig, in spekulativer Absicht Devisen per Kasse oder
Termin zu kaufen oder zu verkaufen. Hierzu bieten sich Devisen-Futures
an, bei denen allein die Kursdifferenzen, die im Verlauf eines Futures-Kont=
rakts
auftreten, ausgeglichen werden. Zudem ist es m=F6glich, Optionen auf
Futures abzuschlie=DFen. <br>
</p>

<p>Folglich ist es bei Verwendung von Derivaten m=F6glich, mit einem
geringen Bruchteil jener Mittel, die f=FCr outright-Devisengesch=E4fte
erforderlich sind, weit gr=F6=DFere Volumina an Devisenmarkttransaktionen
vorzunehmen. Das ist die Hebelwirkung derivativer Finanzprodukte. Ihr Einsa=
tz
kann zu Zins- und Devisenkurs=E4nderungen f=FChren, die aus nationaler
wie aus weltwirtschaftlicher Sicht Fehlentwicklungen darstellen. Bef=FCrcht=
et
werden Multiplikatorwirkungen, die Fehlentwicklungen an einem Segment der
Finanzm=E4rkte auf andere Segmente international =FCbertragen k=F6nnten.
Denn die Kombination verschiedener derivativer Finanzprodukte verbindet
Geldmarkt und Anleihemarkt, Devisenmarkt und monet=E4re M=E4rkte
eines Landes, sowie die Finanzm=E4rkte verschiedener L=E4nder. Geringf=FCgi=
ge
Kurs=E4nderungen an Terminm=E4rkten k=F6nnen weitaus st=E4rkere
Auswirkungen auf Kassam=E4rkte haben, vernachl=E4ssigbar geringe
Ver=E4nderungen von Zinss=E4tzen f=FCr die Zentralbankgeldversorgung
k=F6nnen betr=E4chtliche Effekte auf langfristige Zinss=E4tze
ausl=F6sen, die von der Geldpolitik nicht beabsichtigt sind.<br>
</p>

<p>Diese nicht verkennbaren Risiken, die aus der Verwendung derivativer
Finanzprodukte erwachsen k=F6nnen, f=FChren gelegentlich zu der Forderung,
diese Finanzinnovationen in einer m=F6glichst prohibitiven Weise durch
Bankenaufsichtsbeh=F6rden und Zentralbanken zu kontrollieren. Nur so
lie=DFe sich die Krisenanf=E4lligkeit der Finanzm=E4rkte begrenzen
und verhindern, da=DF durch die Koppelung verschiedener derivativer
Instrumente Kurs=E4nderungen an einem nationalen Finanzmarkt auf alle
Marktsegmente, alle L=E4nder und den Devisenmarkt =FCbertragen werden,
da=DF Banken mit gro=DFen Portefeuilles an Derivaten hohe Spekulationsverlu=
ste
erleiden, da=DF es zu einem Dominoeffekt von Unternehmensinsolvenzen
kommt und das Finanzsystem schlie=DFlich zusammenbricht. <br>
</p>

<p>Diese Argumentationskette l=E4=DFt unbeachtet, da=DF derivate
Finanzprodukte Marktreaktionen auf gestiegene Unw=E4gbarkeiten der Zins-
und Wechselkursentwicklung sind. Interessenten an Grundgesch=E4ften,
die in der Gegenwart abgeschlossen und in der Zukunft wirksam werden und
die Risiken vermeiden wollen, k=F6nnen mit Hilfe derivativer Instrumente
das Basisgesch=E4ft vom damit verbundenen Risiko trennen, wenn es Marktteil=
nehmer
gibt, die das Risiko deshalb =FCbernehmen, weil sie die damit verbundenen
Gewinnchancen h=F6her sch=E4tzen als die Verlustgefahren. Auf diesem
Prinzip beruht die Versicherungswirtschaft. Wohl niemand wird hierbei Syste=
mrisiken
erkennen und deshalb eine prohibitive Verteuerung von Versicherungen verlan=
gen.
Die =DCbertragung der Ratio von Versicherungskontrakten auf Finanzm=E4rkte
wird dagegen ganz anders beurteilt, obgleich sich das Grundprinzip von
Finanzderivaten nicht von dem einer Versicherung unterscheidet. <br>
</p>

<p>Das hei=DFt nun allerdings nicht, da=DF jede Kreation der Finanzindustri=
e
von Zentralbanken und Bankenaufsichtsbeh=F6rden gutzuhei=DFen sei.
Statt dessen sind abgestufte Reaktionen notwendig, daran orientiert, die
Kreativit=E4t des Finanzdesigns nicht zu l=E4hmen, wohl aber die
davon ausgehende m=F6gliche Gef=E4hrdung des Finanzsystems und der
g=FCterwirtschaftlichen Entwicklung zu begrenzen. Prohibitiv wirkende
Regulierungen sind hierf=FCr sicher nicht geeignet. Im Gegenteil: Sie
verhindern die Begrenzung der Risiken, die vom oben dargelegten Preis-
und Volatilit=E4tsproblem ausgehen. <br>
</p>

<p><b><i>Der R=FCckzug der Wirtschaftspolitik</i></b> <b><i>aus der
Verantwortung </i></b><br>
</p>

<p>Die Ursache von Mengen- und Preisproblemen an Finanzm=E4rkten sowie
der explosionsartigen Verbreitung derivativer Finanzprodukte hat einen
Namen: Deregulierung. Die Ausd=FCnnung institutioneller Begrenzungen
f=FCr Aktivit=E4ten an Finanzm=E4rkten verursachte zun=E4chst
das rapide Wachstum des Nettovolumens der Finanzm=E4rkte seit dem ersten
Drittel der siebziger Jahre, sp=E4ter die Globalisierung der Finanzbeziehun=
gen
und die Vernetzung verschiedener Segmente von Finanzm=E4rkten, schlie=DFlic=
h
auch h=F6here Volatilit=E4ten von Finanzmarktpreisen und als Folge
davon die Entwicklung von Finanzderivaten. <br>
</p>

<p>Manche Fehlentwicklungen an Finanzm=E4rkten h=E4tten von Anfang
an vermieden werden k=F6nnen, w=E4ren die institutionellen Regelungen
der Finanzierung nicht durch den R=FCckzug der Wirtschaftspolitik aufgeweic=
ht
worden. Das begann 1973 mit dem =DCbergang zu flexiblen Dollarkursen.
Klare Regeln f=FCr die Finanzierung von Leistungsbilanzdefiziten und
f=FCr die Kursentwicklung an den Devisenm=E4rkten wurden aufgegeben.
Damit wurde den Verantwortlichen f=FCr die Wirtschaftspolitik und privaten
Akteuren suggeriert, da=DF jeder Ausgabe=FCberschu=DF in beliebiger
H=F6he friktionslos, also bei gegebenen Zinss=E4tzen und Wechselkursen,
von jenen finanziert wird, die Einnahme=FCbersch=FCsse erzielen.
Als erstes machten die OPEC-L=E4nder von dieser Einladung um die Jahreswend=
e
1973/74 Gebrauch, andere L=E4nder folgten mit Leistungsbilanzdefiziten
in einer solchen Gr=F6=DFenordnung, da=DF sie bei festen Wechselkursen
nicht zu finanzieren gewesen w=E4ren. Hieraus resultierte das Mengenproblem
an Finanzm=E4rkten, und erst seitdem wird diskutiert, ob Finanzm=E4rkten
Systemrisiken beizumessen sind.<br>
</p>

<p>Der n=E4chste Schritt des R=FCckzugs der Verantwortung der Wirtschaftspo=
litik
f=FCr Marktentwicklungen war der =DCbergang der amerikanischen Geldpolitik
von der Zinssteuerung zur Steuerung der Geldmenge Ende 1979. Die Folgen
waren gr=F6=DFere Unw=E4gbarkeiten der Zins- und Wechselkursentwicklung,
steigende Volatilit=E4ten, die Abkoppelung der Preisentwicklung an G=FCterm=
=E4rkten
von jener an Verm=F6gensm=E4rkten, weltweit h=F6here Realzinss=E4tze.
So kam es zu Preisproblemen an Finanzm=E4rkten. <br>
</p>

<p>Die Reaktion hierauf war die st=E4rkere Bindung von Ressourcen f=FCr
die Gestaltung von Finanzkontrakten, also die Entwicklung derivativer Finan=
zprodukte,
daran orientiert, Risikokomponenten von grundlegenden Finanzierungsvorg=E4n=
gen
zu trennen, aber auch zum Eingehen als gewinntr=E4chtig beurteilter
Risiken. <br>
</p>

<p>Das Mengenproblem, das Preisproblem und das Problem der Finanzderivate
sind also miteinander verwoben. Versch=E4rft sich das Mengenproblem,
etwa infolge weiter wachsender Defizite =F6ffentlicher Haushalte oder
hoher Leistungsbilanzsalden gro=DFer Industriel=E4nder, so steigt
bei Umschichtungsvorg=E4ngen der Struktur des Geldverm=F6gens Privater
die Anf=E4lligkeit des Finanzsystems f=FCr abrupte Preis- und Renditeschwan=
kungen,
und der Bedarf an Finanzderivaten zur Sicherung vor Risiken nimmt zu. Ander=
erseits
l=E4dt die Entwicklung von Finanzderivaten dazu ein, sich am Wettspiel
=FCber Kurs- und Rendite=E4nderungen an Verm=F6gensm=E4rkten
zu beteiligen, mit der Folge, da=DF die Mengen- und Preisprobleme weiter
zunehmen. <br>
</p>

<p>Von all dem ausgehende St=F6rungen f=FCr den g=FCterwirtschaftlichen
Bereich bleiben nicht auf ein Land beschr=E4nkt. Denn die Deregulierung
nationaler Finanzm=E4rkte seit Beginn der achtziger Jahre ging Hand
in Hand mit der Liberalisierung des internationalen Kapitalverkehrs - erw=
=E4hnt
sei die Aufhebung aller Kapitalverkehrskontrollen im Kernbereich der Europ=
=E4ischen
Union im Jahr 1990.<br>
</p>

<p>Gegenw=E4rtig bef=FCrchtete Systemrisiken der internationalen
Finanzbeziehungen sind deshalb vor allem Ergebnis wirtschaftspolitischer
Entscheidungen der Vergangenheit. Die Wirtschaftspolitik entlie=DF
sich aus der zuvor =FCbernommenen Aufgabe, klare Regeln f=FCr die
Begrenzung der Finanzierung von Ausgabe=FCbersch=FCssen festzulegen
und die Risiken von Wert=E4nderungen des Verm=F6gens privater Anleger
zu begrenzen. Dieser Abbau institutioneller Pfl=F6cke f=FCr das Weltw=E4hru=
ngs-
und Finanzsystem, basierend auf dem Vertrauen in stets richtige Allokations=
signale
eines ungebundenen Preissystems, f=FChrte zu jenen Entwicklungen, die
nun Anla=DF geben, nach M=F6glichkeiten zu suchen, damit verbundene
Instabilit=E4tspotentiale auszuschalten, abzukapseln oder wenigstens
zu begrenzen. <br>
<br>
</p>

<p><b>Anforderungen an die Wirtschaftspolitik</b><br>
</p>

<p><b><i>Die Pr=E4misse: Finanzm=E4rkte sind nicht informationseffizient
</i></b><br>
</p>

<p>Ohne theoretisches Konzept sind alle Anregungen zur Neuordnung des finan=
ziellen
Sektors, national wie international, willk=FCrlich. Der =DCbergang
zu flexiblen Wechselkursen, die sp=E4tere zeitweilige Orientierung der
Geldpolitik vieler Industriel=E4nder am Wachstumstempo der Geldmenge,
die danach vollzogene Deregulierung von Finanzm=E4rkten - all das basierte
auf der Vorstellung effizienter Finanzm=E4rkte mit richtigen Preissignalen
als Ergebnis privatwirtschaftlicher Aktivit=E4t. Effiziente Finanzm=E4rkte
sind Voraussetzung f=FCr angemessenes Wirtschaftswachstum, optimale
Allokation, f=FCr einen hohen Besch=E4ftigungsstand, f=FCr Preisstabilit=E4=
t.
<br>
</p>

<p>Die Deregulierung der Finanzm=E4rkte beruhte auf einer derartigen
Konzeption, n=E4mlich der begr=FCndeten und empirisch erh=E4rteten
Behauptung zumindest informationseffizienter Finanzm=E4rkte. Danach
sind alle relevanten und verf=FCgbaren Informationen stets korrekt in
Kursen und Renditen abgebildet. Die hierzu vorgenommenen empirischen Unters=
uchungen
zeigten immer wieder, da=DF von Marktkr=E4ften gesteuerte Finanzm=E4rkte
Preisabfolgen generieren, die nicht prognostizierbar sind. Geht man aber
davon aus, da=DF bewertungsrelevante Informationen zuf=E4llig auf
den Markt treffen, so ist es auch in Ordnung und mit der These der Informat=
ionseffizienz
vereinbar, da=DF der Markt eine zuf=E4llige Abfolge von Kursen und
Renditen produziert. Diese Gedanken standen Pate f=FCr die Deregulierungswe=
lle
und die Globalisierung der Finanzbeziehungen, deren Folgen nun nach einer
Korrektur rufen. <br>
</p>

<p>Freilich beschr=E4nkten sich die empirischen Pr=FCfungen der Information=
seffizienz
von Finanzm=E4rkten auf lineare Abh=E4ngigkeiten, so die Prognostizierbarke=
it
von Dollarkurs=E4nderungen zwischen aufeinanderfolgenden Tagen. M=F6gliche
nichtlineare Abh=E4ngigkeiten wurden nicht thematisiert. Zwischenzeitlich
ist eine neue Generation theoretischer Konzeptionen und von Methoden empiri=
scher
Untersuchungsverfahren nichtlinearer Abh=E4ngigkeiten entwickelt worden.
<br>
</p>

<p>Das Ergebnis neuerer Forschung lautet ganz =FCberwiegend: Finanzm=E4rkte
sind allein in Ausnahmef=E4llen informationseffizient, im allgemeinen
neigen sie in einer Phase zu =FCbertriebenen Preisreaktionen, in einer
anderen Phase werden allgemein zug=E4ngliche und preisrelevante Information=
en
nicht zur Kenntnis genommen, weil der Markt im Banne eines singul=E4ren
Sachverhalts steht. Deshalb mu=DF stets damit gerechnet werden, da=DF
Abfolgen von Preisdaten an Finanzm=E4rkten nicht im Einklang mit grundlegen=
den
g=FCterwirtschaftlichen Bestimmungsgr=FCnden stehen. In diesen F=E4llen
k=F6nnen rein privatwirtschaftlich organisierte Finanzm=E4rkte nicht
die ihnen zugeschriebene dienende Funktion f=FCr Produktion und Handel
=FCbernehmen, sondern sie werden zur Quelle g=FCterwirtschaftlicher
Fehlentwicklungen. Dem Vertrauen auf stets richtige Preissignale bei freier
Preisbildung, das die Grundlage bildete f=FCr viele Deregulierungen
an Finanzm=E4rkten, ist der Boden entzogen, wenn Finanzm=E4rkte Information=
en
nicht effizient verarbeiten. Dann ist die Wirtschaftspolitik gefordert,
diesem partiellen Marktversagen zu begegnen. <br>
</p>

<p><b><i>Die Aufgabe: Offenheit plus Stabilit=E4t </i></b><br>
</p>

<p>Sind manche Fehlentwicklungen an Finanzm=E4rkten auf den Abbau instituti=
oneller
Begrenzungen von Finanzierungsvorg=E4ngen zur=FCckzuf=FChren,
so ist an diesen Ursachen anzusetzen, um Fehlentwicklungen zu begrenzen.
Ein Wiedereinf=FChren fr=FCher aufgegebener Regulierungen ist hierf=FCr
nicht geeignet, weil das offene Welthandelssystem ein offenes Weltfinanzsys=
tem
erfordert. Vielmehr ist gr=F6=DFere Stabilit=E4t des Weltfinanzsystems
notwendig, um Gefahren, die mit dem Liberalisierungsproze=DF verbunden
sind, zu begrenzen. <br>
</p>

<p><b><i>Der Weg: internationale Kooperation</i></b><br>
</p>

<p>Auf nationalstaatlicher Ebene ist das nicht zu leisten. Erforderlich
ist internationale Kooperation. Die Globalisierung der Finanz- und G=FCterm=
=E4rkte
pa=DFt nicht zusammen mit einer nationalstaatlichen Fragmentierung
der Wirtschaftspolitik. Die Umw=E4lzungen im Weltfinanzsystem erzwingen
eine internationale Kooperation der Wirtschaftspolitik. Wirtschaftspolitisc=
he
Ma=DFnahmen, die nicht zwischen Regierungen und Zentralbanken der L=E4nder
abgestimmt sind, l=F6sen wirtschaftliche Fehlentwicklungen aus, die
sich =FCber den Zins- und Wechselkurskanal international ausbreiten.
Internationale Kooperation ist schwierig, aber sie ist im Zuge des Zusammen=
wachsens
nationaler M=E4rkte unverzichtbar geworden, weil die gewachsenen internatio=
nalen
Interdependenzen die wirtschaftspolitische Autonomie ausgeh=F6hlt haben.
<br>
</p>

<p>Ein Beispiel f=FCr erfolgreiche internationale Kooperation der Wirtschaf=
tspolitik
ist die Geschichte der monet=E4ren Integration Europas. Ein internationales
institutionelles Arrangement, n=E4mlich feste Wechselkurse im EWS, erzwang
zunehmenden Gleichklang der Geldpolitik, bewirkte Konvergenz der Preisentwi=
cklung
und der langfristigen Zinss=E4tze, erm=F6glichte die Vollendung des
einheitlichen europ=E4ischen Binnenmarktes und legte die Basis, um in
Europa zu einer W=E4hrungsunion zu gelangen. <br>
</p>

<p>Zwischen den gro=DFen Wirtschafts- und W=E4hrungsr=E4umen
der Welt ist jedoch wenig Bereitschaft zu erkennen, eine auf Dauer angelegt=
e
bindende geld- und w=E4hrungspolitische Kooperation einzugehen. So wird
im 66. Jahresbericht der Bank f=FCr Internationalen Zahlungsausgleich
ausgef=FChrt: "Es ist traurig, aber wahr, da=DF seit dem Zweiten
Weltkrieg die meisten Initiativen zur St=E4rkung der internationalen
Zusammenarbeit im Finanzbereich unter dem Druck irgendeiner Finanzkrise
ergriffen wurden". Aufgabe der Wirtschaftspolitik sollte es aber sein,
zur Krisenpr=E4vention beizutragen. </p>

<p>Vorbedingung f=FCr die Stabilisierung des internationalen Finanzsystems
ist eine glaubw=FCrdige makro=F6konomische Politik mit einer mittelfristige=
n
Ausrichtung und eine sehr viel st=E4rkere Abstimmung der Geldpolitik
zwischen L=E4ndern mit hohem Gewicht in der Weltwirtschaft. Eine auf
internationaler Ebene vorgenommene Abstimmung von Geldmengen- oder Zinsziel=
en
zwischen den gro=DFen Wirtschafts- und W=E4hrungsr=E4umen der
Welt ist ein wenig realistisches Fernziel. Fortschritte k=F6nnten aber
durch kleinere Schritte erreicht werden, etwa durch eine =FCber den
Internationalen W=E4hrungsfonds vollzogene geldpolitische Abstimmung
der gro=DFen Industriel=E4nder, wie sie zwischen den Zentralbanken
der EWS-L=E4nder schon seit vielen Jahren praktiziert wird. <br>
</p>

<p>Auch die =FCbrige Wirtschaftspolitik bedarf einer besseren Abstimmung
zwischen den L=E4ndern. Hierbei w=E4re zu denken an die Installierung
eines Konjunkturrates beim Internationalen W=E4hrungsfonds. Aufgabe
sollte es sein, die gesamtwirtschaftlichen Zielvorgaben und die damit verbu=
ndenen
wirtschaftspolitischen Ma=DFnahmen zu erl=E4utern und abzustimmen.
<br>
</p>

<p><b><i>Neue Initiativen</i></b><br>
</p>

<p>In der j=FCngsten Zeit haben eine Reihe von Finanzmarktschocks -
die Mexiko-Krise, der Barings-Konkurs, die Daiwa-Handelsverluste - zu neuen
Initiativen Anla=DF gegeben, um das internationale Finanzsystem vor
Ersch=FCtterungen zu bewahren: <br>
</p>

<p><b>=DCberwachungsstrukturen:</b> Auf dem G7-Gipfeltreffen vom Juni
1996 wurde festgestellt, da=DF eine weit engere als bisher praktizierte
Kooperation der Wirtschaftspolitik notwendig sei, um Preis- und Kursschwank=
ungen
an globalisierten Finanzm=E4rkten zu begegnen. Angeregt wurde, internationa=
l
wirksame =DCberwachungsstrukturen<b> </b>zu schaffen und die Zusammenarbeit
nationaler Institutionen zur Kontrolle der Finanzm=E4rkte zu verbessern.<br=
>
</p>

<p><b>W=E4hrungsmechanismus zwischen den gro=DFen Industriel=E4ndern:</b>
Der ehemalige Vorsitzende des Board of Governors des Federal Reserve System
der USA, Paul Volcker, bemerkte, da=DF flexible Wechselkurse wesentlich
zur Instabilit=E4t der W=E4hrungs- und Finanzbeziehungen zwischen
Industriel=E4ndern beigetragen h=E4tten und dominierend f=FCr
den R=FCckgang des Wirtschaftswachstums in den vergangenen beiden Jahrzehnt=
en
gewesen seien. Gr=F6=DFere W=E4hrungsstabilit=E4t setze sich
in h=F6heres Wirtschaftswachstum und steigende Produktivit=E4t um.
Volcker pl=E4diert deshalb f=FCr einen W=E4hrungsmechanismus zwischen
allen gro=DFen Industriel=E4ndern nach europ=E4ischem Vorbild,
mithin f=FCr ein Zielzonensystem mit Bandbreiten f=FCr Wechselkursschwankun=
gen
und international abgestimmten Ma=DFnahmen der Wirtschaftspolitik bei
Erreichen von Grenzkursen. <br>
</p>

<p><b>International abgestimmte Geldpolitik:</b> Die Deutsche Bundesbank
konstatierte, da=DF mit der Globalisierung der Finanzm=E4rkte der
internationale Zinszusammenhang enger geworden sei und da=DF irgendwie
ausgel=F6ste =C4nderungen von Erwartungen heftige Kursbewegungen
an den Finanzm=E4rkten eines Landes ausl=F6sen k=F6nnten, die
sich international ausbreiten. Nach Einsch=E4tzung der Bundesbank verlangen
die strukturellen Ver=E4nderungen der Zinslandschaft international abgestim=
mte
Ma=DFnahmen der Geldpolitik, um auszuschalten, da=DF die Weltwirtschaft
in den Sog steigender Zinss=E4tze gelangt, die ihren Ausgang von erwarteten
Zinssteigerungen in den USA als internationalem Zinsf=FChrer nehmen
und auf der Grundlage fundamentaler Faktoren nicht gerechtfertigt sind.
<br>
</p>

<p><b>Mehr Liquidit=E4t f=FCr den IWF:</b> Im Anschlu=DF an die
Mexiko-Krise Anfang 1995 wurde gefordert, die Allgemeinen Kreditvereinbarun=
gen
auszudehnen, so da=DF der IWF in Krisenzeiten auch =FCber Mittel
au=DFerhalb der Zehnergruppe verf=FCgen kann. <br>
</p>

<p><b>Gegenseitige Aushilfe mit Devisenreserven:</b> Ebenfalls im Zusammenh=
ang
mit der Mexiko-Krise vereinbarten eine Reihe asiatischer L=E4nder, einander
in begrenztem Rahmen Devisenreserven in Form von Pensionsgesch=E4ften
bereitzustellen. <br>
</p>

<p>Es scheint Konsens zu werden, da=DF Gobalisierung zu einer engen
Zusammenarbeit der Wirtschaftspolitik der gro=DFen Industriel=E4nder
zwingt. Dabei sind insbesondere jene Bereiche der Wirtschaftspolitik angesp=
rochen,
die wesentlichen Einflu=DF auf die Finanzm=E4rkte haben: Geldpolitik,
Finanzpolitik und Bankenaufsicht. <br>
</p>

<p><b><i>Stabilit=E4tspakt zwischen Geld-, Finanz- und Lohnpolitik </i></b>=
<br>
</p>

<p>Geldpolitik, Finanzpolitik und Einkommenspolitik sollten f=FCr eine
Konstellation von Zinsniveau, Wechselkursen und Lohns=E4tzen sorgen,
die geeignet ist, ein inflationsfreies Wirtschaftswachstum bei hohem Besch=
=E4ftigungsstand
zu verwirklichen. Ein derartiger Stabilit=E4tspakt verlangt, da=DF
diese drei Bereiche der Stabilisierungspolitik allen drei gesamtwirtschaftl=
ichen
Zielen verpflichtet sind. Eine Zentralbank kann nur dann f=FCr ein niedrige=
s
Zinsniveau sorgen, wenn sie bei der Inflationsbek=E4mpfung von der Einkomme=
nspolitik
und von der Finanzpolitik entlastet wird. Erhebliche Lohnst=FCckkostensteig=
erungen
m=FCssen die Preisstabilit=E4t gef=E4hrden, verlangen deshalb
den restriktiven Einsatz der Zinspolitik, steigende Zinss=E4tze dr=FCcken
die Produktion und erh=F6hen die Arbeitslosigkeit. Als Folge steigt
die Staatsverschuldung, was wiederum das Mengenproblem an den Finanzm=E4rkt=
en
versch=E4rft, weil das Nettogeldverm=F6gen der Privaten, stets auf
der Suche nach attraktiver Anlage, w=E4chst. Umschichtungsvorg=E4nge
in Portfolios k=F6nnen scharfe Ausschl=E4ge von Wechselkursen und
Zinss=E4tzen bewirken. Das legt den Keim f=FCr dauerhaft hohe Zinss=E4tze
und gef=E4hrdet Wirtschaftswachstum und Besch=E4ftigung. <br>
</p>

<p>Deshalb ist ein Stabilit=E4tskonsens zwischen Geldpolitik, Finanzpolitik
und Lohnpolitik unabdingbar. Er legt die Basis f=FCr einen "wirtschaftspoli=
tischen
Verhaltenskodex", der an die Stelle klarer Zuordnungen einzelner gesamtwirt=
schaftlicher
Ziele auf jeweils einen Tr=E4ger der gesamtwirtschaftlichen Stabilisierungs=
politik
tritt. Dieser Verhaltenskodex sollte dazu f=FChren, da=DF <br>
</p>

<ul>
<li>die Lohnpolitik sich darauf besinnt, da=DF die Verteilung von der
Einkommensh=F6he begrenzt wird, </li>
</ul>

<ul>
<li>die Finanzpolitik f=FCr eine dauerhaft tragf=E4hige =F6ffentliche
Verschuldung sorgt und </li>
</ul>

<ul>
<li>die Geldpolitik ihre erheblichen realwirtschaftlichen Wirkungen zur
Kenntnis nimmt. </li>
</ul>

<p>Damit w=FCrden sich die Aussichten auf eine l=E4ngere Phase niedriger
Zinss=E4tze verbessern. Das w=FCrde die =F6ffentlichen Haushalte
entlasten, die Expansion monet=E4rer M=E4rkte d=E4mpfen und somit
einen Beitrag leisten, um das Mengen- und Preisproblem an Finanzm=E4rkten
zu entsch=E4rfen.<br>
</p>

<p><b><i>Lohnerh=F6hung am Produktivit=E4tsfortschritt orientieren</i></b><=
br>
</p>

<p>Die Regeln f=FCr die Einkommenspolitik sind klar: Die Geldlohnerh=F6hung
hat sich am Produktivit=E4tsfortschritt zu orientieren. Verteilungsk=E4mpfe
zwischen sozialen Gruppen sind auf Ebenen zu verlagern, welche die Lohnst=
=FCckkosten
nicht beeinflussen. Investivlohn, Gewinnbeteiligung in Arbeitnehmerhand,
Beteiligung der Belegschaften am Gesamtwert von Unternehmen, organisiert
auf betrieblicher Ebene, in Branchen oder in Tarifbezirken, sind hierf=FCr
geeignet, weil sie kostenneutral sind, deshalb keinen Inflationsdruck erzeu=
gen
und keine zinstreibende Geldpolitik verlangen. <br>
</p>

<p><b><i>Staatsverschuldung begrenzen </i></b><br>
</p>

<p>Die Finanzpolitik hat sich in vielen L=E4ndern in eine Situation
man=F6vriert, in der zunehmende Staatsverschuldung ma=DFgeblich
von Zinszahlungsverpflichtungen erzwungen wird. Damit hat sich der Finanzkr=
eislauf
vom G=FCterkreislauf abgekoppelt. Ferner w=E4chst in vielen L=E4ndern
seit geraumer Zeit das Geldverm=F6gen rascher als das Sachverm=F6gen.
Folglich verlangen private Anleger eine steigende Rendite aus Geldverm=F6ge=
n,
was wiederum die Sachverm=F6gensbildung d=E4mpft. Daneben werden
st=E4ndig Umschichtungsvorg=E4nge zwischen Komponenten der Verm=F6genshaltu=
ng
angeregt. Steigende Volatilit=E4ten von Kursen und Renditen an Finanzm=E4rk=
ten
treiben die Zinsen empor, mit schwachem Wirtschaftswachstum, sinkender
Besch=E4ftigung, steigenden Staatsdefiziten und zunehmender Zinsbelastung
der Staatshaushalte im Gefolge. <br>
</p>

<p>Um diesen verh=E4ngnisvollen Kreislauf zu stoppen, hat sich die Finanzpo=
litik
an den Regeln dauerhaft tragf=E4higer Verschuldung zu orientieren. Langfris=
tig
tragbar sind =F6ffentliche Defizite, wenn der Anteil des Zinsendienstes
an der Nettokreditaufnahme der =F6ffentlichen Hand und am Gesamthaushalt
des =F6ffentlichen Sektors nicht steigt. Die Voraussetzung hierf=FCr
ist, da=DF der Zins, mit dem Staatsschulden zu bedienen sind, unter
der Zuwachsrate des Steueraufkommens liegt, die wesentlich vom Einkommenswa=
chstum
bestimmt wird. <br>
</p>

<p>Verschuldungsregeln f=FCr die =F6ffentliche Hand, wie sie im Vertrag
von Maastricht festgelegt sind, haben deshalb eine unbequeme aber unbestech=
liche
Logik. Sie kurzfristiger Vorteile wegen dauerhaft zu mi=DFachten, beschleun=
igt
die L=F6sung des Finanzkreislaufs vom G=FCterkreislauf, erh=F6ht
die Verletzlichkeit des Finanzsystems und tr=E4gt dazu bei, da=DF
Zinss=E4tze und Wechselkurse immer mehr den Kontakt zu jenen Werten
verlieren, die erforderlich sind, um die gesamtwirtschaftliche Entwicklung
zufriedenstellend zu gestalten. Insoweit haben die finanzpolitischen Konver=
genzkriterien
des Vertrags =FCber die Europ=E4ische Union den Charakter eines Pilotprojek=
ts
f=FCr eine =FCber Europa hinausgehende internationale Kooperation
der Finanzpolitik. Denn die Globalisierung des Finanzsystems machte finanzp=
olitische
Fehlentwicklungen in einem gro=DFen Industrieland zu einer internationalen
Angelegenheit. <br>
</p>

<p><b><i>Zinsziel f=FCr die Geldpolitik</i></b><br>
</p>

<p>Auch die Geldpolitik ist bei einem gesamtwirtschaftlichen Stabilit=E4tsp=
akt
in die Pflicht zu nehmen. Die Geldpolitik hat zur Kenntnis zu nehmen, da=DF
die vollzogenen Umw=E4lzungen der internationalen Finanzbeziehungen
auch das Steuerungskonzept einer an dem Ziel der Geldwertstabilit=E4t
orientierten geldpolitischen Konzeption tangieren. Expansionsraten der
Geldmenge k=F6nnen nicht mehr alleinige Richtschnur f=FCr geldpolitisches
Handeln sein. <br>
</p>

<p>Je weiter die Globalisierung der Finanzm=E4rkte voranschritt, desto
st=E4rker wichen Ver=E4nderungsraten monet=E4rer Aggregate, die
Zielgr=F6=DFen der Geldpolitik sind, von zuvor bew=E4hrten Mustern
und von der Zuwachsrate des Sozialprodukts ab. Seitdem schwankt die Umlaufg=
eschwindigkeit
des Geldes st=E4rker. Eine strikte Bindung der Zentralbank an ein Geldmenge=
nziel
verlangt aber eine stetige und berechenbare Umlaufgeschwindigkeit des Gelde=
s.
Deshalb kann die Zuwachsrate der Geldmenge nicht mehr haupts=E4chliche
Leitlinie f=FCr geldpolitisches Handeln sein; die Geldmenge hat als
Indikator des geldpolitischen Kurses und f=FCr die k=FCnftige Preisentwickl=
ung
an Bedeutung verloren, w=E4hrend die von Zentralbanken gepr=E4gte
Zinsentwicklung an Gewicht f=FCr die gesamtwirtschaftliche Aktivit=E4t
gewonnen hat. Deshalb ist der Zins als prim=E4re Steuergr=F6=DFe
der Geldpolitik und als monet=E4res Ziel ins Visier zu nehmen. <br>
</p>

<p>Dabei ist jener Zins angesprochen, der von Zentralbanken unmittelbar
gesteuert werden kann, der Zins f=FCr Tagesgeld. Es sind Zinss=E4tze
anzusteuern, die nur wenig oberhalb der Inflationsrate liegen. Die Erfahrun=
gen
der letzten Jahre in der Schweiz, in den USA und in Japan belegen, da=DF
eine derartige Orientierung der Zinspolitik der Zentralbanken die Wachstums=
kr=E4fte
zu beleben vermag, ohne Preisstabilit=E4t aufs Spiel zu setzen. Aber
das setzt, wie mehrfach betont, ein weitgehend inflationsfreies Umfeld
voraus, also auch eine stabilit=E4tsorientierte Lohn- und Finanzpolitik.
Eine derart abgestimmte gesamtwirtschaftliche Konzeption konstituiert einen
glaubw=FCrdigen und stabilen Rahmen, um Fehlentwicklungen zu vermeiden,
die auf dem N=E4hrboden nicht abgestimmten wirtschaftspolitischen Verhalten=
s
wachsen und auf den g=FCterwirtschaftlichen Bereich zur=FCckwirken.
<br>
</p>

<p><b><i>Das Problem der falschen Wechselkurse </i></b><br>
</p>

<p>Der skizzierte "wirtschaftspolitische Verhaltenskodex" allein
ist unzureichend, um Gef=E4hrdungspotentialen globalisierter Finanzm=E4rkte
zu begegnen. Es gilt auch, Fehlentwicklungen an Finanzm=E4rkten auszuschalt=
en,
die sich aus einer ineffizienten Informationsverarbeitung ergeben. <br>
</p>

<p>Die Preis- und Kursentwicklung an jedem Finanzmarkt wird nicht allein
von gegenw=E4rtigen und erwarteten =F6konomischen Fundamentalfaktoren
bestimmt, sondern auch von davon getrennten Markterwartungen sowie von
Risiko=FCberlegungen. Kurs- und Zinstrends k=F6nnen sich f=FCr
l=E4ngere Zeit von =F6konomischen Fundamentaldaten trennen, so da=DF
Akteure, die gegen einen fundamental nicht gerechtfertigten Trend setzen,
Verluste hinzunehmen h=E4tten. Auch Risikopr=E4mien und ver=E4nderte
Einstellungen gegen=FCber Risiken k=F6nnen zu einem dominanten Faktor
der Zins- und Wechselkursentwicklung werden. Steigt das Verm=F6genswert=E4n=
derungsrisiko
einer Anlage oder werden gegebene Risiken st=E4rker gewichtet, so wird
ein Renditeaufschlag zur Kompensation des Risikos verlangt. Variable Risiko=
pr=E4mien
und =C4nderungen der Risikoeinstellung von Finanzmarktakteuren erh=F6hen
die Volatilit=E4t von Zinss=E4tzen und Wechselkursen, sie werden
zu einem Element der Unsicherheit, sie d=E4mpfen die gesamtwirtschaftliche
Aktivit=E4t. <br>
</p>

<p>Die Aufgabe, Ineffizienzen an Finanzm=E4rkten auszuschalten, gilt
insbesondere f=FCr den Devisenmarkt, der nationale Finanzm=E4rkte
verbindet und Fehlentwicklungen an Finanzm=E4rkten eines Landes weltweit
verbreitet. <br>
</p>

<p>Falsche Wechselkurse beeintr=E4chtigen =FCber kurz oder lang die
gesamtwirtschaftliche Entwicklung weltweit. Sie liegen vor, wenn vom Devise=
nmarkt
verzerrende Allokationssignale f=FCr grenz=FCberschreitende wirtschaftliche
Aktivit=E4ten ausgehen. Das ist gegeben, wenn sich Wechselkurstrends
vom Preissteigerungsgef=E4lle zwischen L=E4ndern l=F6sen, so da=DF
reale Wechselkursverschiebungen auftreten. Dieser Ma=DFstab enth=E4lt
als normatives Element die Vorstellung, da=DF Finanzm=E4rkte, so
auch Devisenm=E4rkte, eine dienende Funktion f=FCr den g=FCterwirtschaftlic=
hen
Bereich aus=FCben sollten, mithin Wechselkurs=E4nderungen grenz=FCberschrei=
tende
Transaktionen nicht bestimmen sollten. <br>
</p>

<p>Falsche Wechselkurse bestehen auch dann, wenn die Kursbildung am Devisen=
markt
starke kurzfristige Schwankungen ohne erkennbaren Trend aufweist, die bei
risikoaversem Verhalten den internationalen Wirtschaftsverkehr hemmen.
<br>
</p>

<p><b><i>Internationale Kooperation zur Stabilisierung von Wechselkursen
st=F6=DFt auf Hindernisse </i></b><br>
</p>

<p>Das internationale W=E4hrungssystem ben=F6tigt gestaltete Wechselkurse.
Wirtschaftspolitischer Ma=DFnahmen bed=FCrfte es hierzu nur dann
nicht, wenn alle Preise v=F6llig flexibel w=E4ren, wenn jeder Marktteilnehm=
er
auf der Grundlage des richtigen Gleichgewichtsmodells stets rational handel=
te,
wenn Anpassungskosten vernachl=E4ssigbar gering w=E4ren. Dann k=F6nnen
keine Fehlentwicklungen von Wechselkursen entstehen. Eine derartige Welt
ist denkbar, sie ist aber nicht sichtbar. Deshalb sind auch bei grunds=E4tz=
lich
flexiblen Wechselkursen die W=E4hrungsbeziehungen zwischen den gro=DFen
Wirtschaftsr=E4umen der Welt institutionell zu gestalten, um einem Marktver=
sagen
entgegenzuwirken. W=E4hrungsbeh=F6rden eines Landes allein sind damit
=FCberfordert. Die Globalisierung der M=E4rkte erzwingt die internationale
Kooperation der Wirtschaftspolitik, um Instabilit=E4tspotentiale an
Finanzm=E4rkten zu begrenzen. <br>
</p>

<p>Der Wechselkurs einer W=E4hrung setzt sowohl die Preise von Verm=F6gensb=
est=E4nden
als auch die von G=FCtern in Bezug zu den entsprechenden Preisen anderer
L=E4nder. Er beeinflu=DFt somit unmittelbar die wirtschaftliche
Entwicklung mehrerer L=E4nder. Man sollte deshalb annehmen, da=DF
eine hohe Bereitschaft auf Seiten von Regierungen und Zentralbanken besteht=
,
falsche Wechselkurse durch internationale Kooperation zu vermeiden. Aber
au=DFerhalb Europas sind bislang wenig Ans=E4tze erkennbar, zu bindenden
internationalen institutionellen Arrangements zu gelangen, um gr=F6=DFere
Stabilit=E4t, Stetigkeit und Berechenbarkeit der Wechselkurse zu erreichen.
Hierf=FCr sind mehrere Gr=FCnde ma=DFgeblich: <br>
</p>

<p><b>Gewichtung von Vor- und Nachteilen:</b> Insbesondere in Phasen hoher
Leistungsbilanzungleichgewichte und stark divergierender nationaler Inflati=
onsraten
wurden die kurzfristigen Vorteile realer Wechselkurs=E4nderungen hoch
gewichtet. Eine reale Aufwertung d=E4mpft den Preisauftrieb, die reale
Abwertung einer W=E4hrung entlastet eine passive Leistungsbilanz und
f=F6rdert Produktion sowie Besch=E4ftigung. Die damit verbundenen
langfristigen Nachteile - Allokationsverzerrungen, R=FCckgang von Produktio=
n
und Besch=E4ftigung bei realer Aufwertung, Inflationsauftrieb bei realer
W=E4hrungsabwertung - werden seit einiger Zeit deutlich h=F6her gewichtet
als noch vor einem Jahrzehnt, zumal in den meisten Industriel=E4ndern
Preisstabilit=E4t herrscht und Leistungsbilanzungleichgewichte deutlich
zur=FCckgef=FChrt werden konnten. <br>
</p>

<p><b>Das Problem des Gleichgewichtskurses:</b> Es gibt keinen allgemein
akzeptierten Ma=DFstab, an dem falsche Wechselkurse zu messen sind.
Unterschiedliche Konzeptionen gelangen zu verschiedenen Ergebnissen hinsich=
tlich
gleichgewichtiger Wechselkurse, und viele empirische Studien zur Auswirkung
von Volatilit=E4ten der Wechselkurse auf den internationalen Handel
konnten allein bei starker Disaggregation von G=FCtergruppen einen handelsh=
emmenden
Einflu=DF kurzfristiger Wechselkursausschl=E4ge feststellen. Wird
aber das empirisch ermittelte Ergebnis akzeptiert, da=DF Devisenm=E4rkte
nicht informationseffizient sind, so kann nicht in Frage gestellt werden,
da=DF mit falschen Wechselkursen zu rechnen ist. Die absurd hohe =DCberbewe=
rtung
des Dollars bis Mitte der achtziger Jahre kann deshalb ebensowenig hinwegdi=
skutiert
werden wie die Unterbewertung der D-Mark im EWS, die sich zwischen 1987
und 1992 herausgebildet hatte, mit schwerwiegenden gesamtwirtschaftlichen
Fehlentwicklungen im Gefolge. Sind ferner wirtschaftliche Akteure in ihrer
Mehrheit risikoavers, so mu=DF jede D=E4mpfung unberechenbarer Wechselkursa=
usschl=E4ge
l=E4nder=FCbergreifende wirtschaftliche Aktivit=E4ten f=F6rdern.
Der Verweis auf statistische Unklarheiten =FCber Gleichgewichtskonzepte
f=FCr Wechselkurse wird als Argument gegen internationale Kooperation
in W=E4hrungsfragen von jenen ins Feld gef=FChrt, die entgegen empirischer
Evidenz auf der These beharren, da=DF allein eine ausschlie=DFlich
vom privatwirtschaftlichen Optimierungskalk=FCl bestimmte Preisbildung
an jedem einzelnen Markt zu einem bestm=F6glichen einzelwirtschaftlichen
und gesamtwirtschaftlichen Ergebnis f=FChren kann.<br>
</p>

<p><b>Die dominierende Position der USA:</b> Kooperation zwischen gleichwer=
tigen
Partnern ist eher zu verwirklichen als zwischen Leichtgewichten und Schwerg=
ewichten.
Das gilt auch f=FCr W=E4hrungsfragen. =C4hnlich wie im monet=E4ren
Integrationsproze=DF Europas der Bundesrepublik Deutschland von Partnerl=E4=
ndern
immer wieder Dominanz und Vernachl=E4ssigung europ=E4ischer Belange
zugunsten nationaler Priorit=E4ten vorgeworfen wurde, ist der US-Dollar
uneingeschr=E4nkter Hegemon an Devisenm=E4rkten und Finanzm=E4rkten
der Welt. Ein Hegemon kooperiert nicht, er dominiert. Diese ungleiche Verte=
ilung
des Gewichts von W=E4hrungen im Weltfinanzsystem wird erst aufgehoben,
wenn in Europa die W=E4hrungsunion verwirklicht wird. Dann wird der
europ=E4ische Finanzraum dem Dollarraum gleichkommen. Mit dem Euro wird
eine internationale Reservew=E4hrung entstehen, die in ernsthafte Konkurren=
z
zum Dollar als gegenw=E4rtig =FCberragende Leitw=E4hrung tritt.
Erst dann werden Regierung und Zentralbank der USA abzuw=E4gen haben,
welche Vorteile und Nachteile das Zur=FCckweisen internationaler Kooperatio=
n
in W=E4hrungsfragen hat. Denn eine stabile Europaw=E4hrung k=F6nnte
einen instabilen Dollar als Fakturierw=E4hrung f=FCr den internationalen
Handel und zur Verm=F6gensanlage zu verdr=E4ngen drohen. Um das zu
vermeiden, sind wirtschaftspolitische Ma=DFnahmen in den USA unter
Vernachl=E4ssigung m=F6glicher Auswirkungen auf die Bewertung des
Dollars an den Devisenm=E4rkten nicht l=E4nger m=F6glich. So erzwingt
die Europ=E4ische W=E4hrungsunion internationale Kooperation in W=E4hrungsf=
ragen
=FCber Europa hinaus, also Ma=DFnahmen zur Krisenpr=E4vention.
<br>
</p>

<p><b><i>Das Fernziel: ein tripolares W=E4hrungssystem </i></b></p>

<p>Mit der Verwirklichung der Europ=E4ischen W=E4hrungsunion wird
also ein Handlungsdruck begr=FCndet, um eine wirksame internationale
Kooperation zur Stabilisierung der W=E4hrungsbeziehungen zwischen den
gro=DFen Wirtschaftsr=E4umen der Welt in Gang zu setzen. Die Globalisierung
der M=E4rkte geht damit einher, da=DF sich die Weltwirtschaft in
gro=DFen Wirtschaftsregionen organisiert - in Europa, in Nordamerika
und in Ostasien. Es ist naheliegend, diese Regionalisierung der Wirtschafts=
beziehungen
durch eine Internationalisierung der Geld- und W=E4hrungspolitik zwischen
diesen drei gro=DFen Wirtschaftsregionen der industrialisierten Welt
zu erg=E4nzen. Fixpunkte sind dabei die W=E4hrungsrelationen zwischen
Yen, US-Dollar und Euro. Ein tripolares W=E4hrungssystem mit der Orientieru=
ng
der Wechselkurse von Landesw=E4hrungen der jeweiligen Region an einer
dieser drei Leitw=E4hrungen w=E4re ein erheblicher Fortschritt zur
Stabilisierung von Wechselkursen. <br>
</p>

<p>Allerdings ist das ein Fernziel, das gegenw=E4rtig nicht zu realisieren
ist. Vorbedingungen hierf=FCr sind die Verwirklichung der Europ=E4ischen
W=E4hrungsunion mit einer wertstabilen Europaw=E4hrung und reifende
Erkenntnis in den USA, da=DF bei auf Dauer angelegter internationaler
Kooperation in W=E4hrungsfragen auch f=FCr die USA die Vorteile =FCberwiege=
n.
Bis dahin wird noch einige Zeit vergehen. <br>
</p>

<p><b><i>Einstweilen: Bessere Kanalisierung von Wechselkurserwartungen!
</i></b><br>
</p>

<p>Neben weitreichenden =DCberlegungen zur institutionellen Fundierung
der W=E4hrungsbeziehungen zwischen den gro=DFen Wirtschaftsr=E4umen
der Welt bestehen zur Vermeidung falscher Wechselkurse M=F6glichkeiten
unterhalb der Ebene, die letztlich feste Wechselkurse konstituiert. Insbeso=
ndere
sind international abgestimmte wirtschaftspolitische Ma=DFnahmen erforderli=
ch,
die zu einer Kanalisierung von Wechselkurserwartungen f=FChren. <br>
</p>

<p>Diese Forderung ergibt sich daraus, da=DF Wechselkurs=E4nderungserwartun=
gen,
auch im Widerspruch zu gesamtwirtschaftlichen Eckdaten der L=E4nder
und zur W=E4hrungsvorliebe bei der langfristigen Anlage liquider Mittel,
an Gewicht f=FCr die Kursentwicklung an den Devisenm=E4rkten gewonnen
haben. Erwartungsbedingte Wechselkurs=E4nderungen, losgel=F6st von
realwirtschaftlichen Bedingungen und von W=E4hrungspr=E4ferenzen
der Anleger, treten auf, wenn Devisenmarktgesch=E4fte f=FCr sich
genommen Renditen versprechen. Ursache kann sein, da=DF Marktteilnehmer
die sogenannten "fundamentals" falsch einsch=E4tzen oder da=DF
sie einzelnen Ereignissen zu hohes Gewicht beimessen, so da=DF kumulative
Fehlentwicklungen der Wechselkurse auftreten. Schon das leiseste Rumoren
l=E4dt zu Wetten gegen W=E4hrungen ein und setzt Finanzstr=F6me
auf der Suche nach dem letzten Pfennig oder Cent rund um die Welt in Bewegu=
ng.
Dadurch k=F6nnen sich Wechselkursentwicklungen f=FCr l=E4ngere
Zeit von Unterschieden =F6konomischer Grundbedingungen der L=E4nder
trennen. Falsche Wechselkurse sind die Folge. </p>

<p>Welche Aufgaben die Wirtschaftspolitik der gro=DFen Industriel=E4nder
in einem derartigen Umfeld wahrnehmen sollte, wird mit nicht zu =FCberbiete=
nder
Klarheit im 57. Jahresbericht der Bank f=FCr Internationalen Zahlungsausgle=
ich
formuliert: <br>
</p>

<p><i>"Sofern die Wechselkurserwartungen nicht fest verankert sind,
besteht die Gefahr, da=DF das Verhalten der M=E4rkte durch massenpsychologi=
sche
Ph=E4nomene, extrapolierende Erwartungen sowie Mutma=DFungen =FCber
wirtschaftspolitische Reaktionen bestimmt wird. Insbesondere, wenn die
Leistungsbilanzungleichgewichte sehr gro=DF sind und ein annehmbares
Ausma=DF von Wechselkursstabilit=E4t ein dementsprechend gro=DFes
Eingehen privater offener Positionen erfordert, wird es von entscheidender
Wichtigkeit sein, da=DF die Beh=F6rden ihren Standpunkt und ihre
Absichten hinsichtlich der Wechselkurse unmi=DFverst=E4ndlich erkennen
lassen. Jedes Z=F6gern =F6ffentlicher Instanzen oder internationale
Meinungsverschiedenheiten m=FCssen unter diesen Umst=E4nden W=E4hrungsunruh=
en
und turbulente Devisenmarktverh=E4ltnisse heraufbeschw=F6ren."</i><br>
</p>

<p>Die Hauptaufgabe der Wirtschaftspolitik, Bedingungen f=FCr mehr Stabilit=
=E4t
im Weltw=E4hrungssystem zu schaffen, besteht also darin, Wechselkurs=E4nder=
ungserwartungen
zu dementieren, die =F6konomisch nicht fundiert sind. Das erfordert
eine zwischen den L=E4ndern abgestimmte glaubw=FCrdige Konzeption
der Makropolitik, die skizziert wurde. Dann werden sich im Regelfall Wechse=
lkurs=E4nderungserwartungen
am internationalen Zinsgef=E4lle orientieren, die wiederum den Abstand
zwischen Inflationsraten ausdr=FCcken, mithin an =F6konomischen Grundbeding=
ungen.
<br>
</p>

<p>Orientieren sich die Kurs=E4nderungserwartungen der Devisenmarktteilnehm=
er
jedoch an irgendwelchen anderen Daten oder Vermutungen, sollten W=E4hrungsb=
eh=F6rden
die Erwartungen stabilisieren und kanalisieren und damit so leiten, da=DF
falsche Wechselkurse vermieden werden. Wie dazu im einzelnen vorgegangen
wird, ist eine Frage der Zweckm=E4=DFigkeit und der Durchsetzungsf=E4higkei=
t
im internationalen Rahmen. <br>
</p>

<p>Allgemein gilt, da=DF in einem gewinnorientierten marktwirtschaftlichen
System wirtschaftliche Aktivit=E4ten unterbleiben, wenn sie systematisch
zu Verlusten f=FChren. Daran sollten sich die Ma=DFnahmen zur Unterbindung
destabilisierender Spekulation am Devisenmarkt orientieren. Werden Spekulan=
ten
Verluste zugef=FCgt, so ziehen sie sich zur=FCck. Aus dem Spektrum
der M=F6glichkeiten, wie das gestaltet werden kann, seien einige skizziert
und kurz bewertet:<br>
</p>

<p><b>Klare offizielle Stellungnahmen:</b> Gibt es deutliche Anzeichen
f=FCr Falschbewertungen von W=E4hrungen, sind klare und gleichlautende
Stellungnahmen von W=E4hrungsbeh=F6rden der betreffenden L=E4nder
hierzu erforderlich. Wird das von Devisenmarktteilnehmern als glaubw=FCrdig=
e
und relevante Information bewertet, so werden sie zu der Einsch=E4tzung
gelangen, da=DF eine Fortsetzung des spekulativen Engagements zu Verlusten
f=FChren wird, so da=DF offene Positionen aufgel=F6st werden.
<br>
</p>

<p><b>Amtliche Notierung aussetzen:</b> Bei erkennbarer Fehlbewertung von
Wechselkursen k=F6nnte die amtliche Notierung von Kassakursen ausgesetzt
werden. Das erschwert und verteuert die Abrechnung von Devisenums=E4tzen
von Kreditinstituten mit Nichtbanken und k=F6nnte einen Beitrag leisten,
die Erwartungen neu zu orientieren. <br>
</p>

<p><b>Eingriff ins Tagesgesch=E4ft:</b> Bei scharfen Wechselkurs=E4nderunge=
n
innerhalb eines Tages, die einen festzulegenden Grenzwert =FCbersteigen,
k=F6nnten W=E4hrungsbeh=F6rden zu Interventionen verpflichtet
werden. Damit steigt das Risiko insbesondere von Gesch=E4ftsbanken,
die offene Devisenpositionen zum Abschlu=DF eines Handelstages zu schlie=DF=
en
haben, Spekulationsverluste zu erleiden. <br>
</p>

<p><b>Vielf=E4ltigere Devisenmarktinterventionen: </b>Devisenmarktintervent=
ionen
geh=F6ren ohne Frage zum Arsenal von W=E4hrungsbeh=F6rden, um
ungeordneten Marktverh=E4ltnissen zu begegnen. Die m=F6gliche Variationsbre=
ite
dieser Transaktionen wird bei weitem nicht ausgesch=F6pft: Interventionen
am Kassamarkt, an Terminm=E4rkten mit verschiedenen Fristigkeiten, Swapgesc=
h=E4fte,
Devisenpensionsgesch=E4fte, offene und verdeckte Interventionen bieten
sich zur Beeinflussung der Markterwartungen ebenso an wie Devisenmarktgesch=
=E4fte
in Drittw=E4hrungen. Es ist mehr Kreativit=E4t des Finanzdesigns
auch von W=E4hrungsbeh=F6rden erforderlich, um M=F6glichkeiten
der Steuerung von Wechselkursen auszuloten. <br>
</p>

<p><b>Swaps zwischen Zentralbanken:</b> =C4nderungen in der W=E4hrungsstruk=
tur
privater Geldverm=F6gen, die von Wechselkurs=E4nderungserwartungen
verursacht werden, k=F6nnen am Devisenmarkt vorbeigeleitet werden. Hierzu
k=F6nnten Devisenbeistandskredite in Form von Swap-Vereinbarungen zwischen
Zentralbanken der gro=DFen Industriel=E4nder, die kaum genutzt werden,
aktiviert werden. W=FCrden sich Zentralbanken im Gegenwert der Swap-Linien
gegenseitig Wertpapiere bereitstellen, so k=F6nnten sie diese an ihre
jeweiligen nationalen M=E4rkte geben. Die von den privaten Anlegern
vorgenommenen Umschichtungen in der W=E4hrungsstruktur ihrer Portfolios
wirken sich dann nicht auf die Wechselkurse aus. <br>
</p>

<p><b>Gespaltene Kurse nicht sinnvoll:</b> Eine Spaltung des Devisenmarktes
(Dornbusch) - Abwicklung des Kapitalverkehrs zu flexiblen und des internati=
onalen
Leistungsverkehrs zu festen Wechselkursen - ist weder erreichbar noch zu
empfehlen. Nicht durchsetzungsf=E4hig ist diese Konzeption, weil keine
Bereitschaft besteht, zwischen den gro=DFen Wirtschafts- und W=E4hrungsr=E4=
umen
der Welt feste Wechselkurse zu implementieren. Die Konzeption ist zudem
nicht sinnvoll, weil die optimale internationale Allokation des Kapitals
f=FCr die wirtschaftliche Entwicklung nicht weniger wichtig ist als
die von G=FCtern und Leistungen. <br>
</p>

<p><b>Keine generelle Verteuerung von Devisentransaktionen: </b>Immer wiede=
r
wird angeregt, die Volatilit=E4t der Wechselkurse durch Verteuerung
der Devisenspekulation zu begrenzen. Als M=F6glichkeiten hierzu werden
aufgef=FChrt: <br>
</p>

<ul>
<li>eine Transaktionssteuer f=FCr Devisenmarktgesch=E4fte (Tobin-Steuer),
</li>
</ul>

<ul>
<li>eine Zinsausgleichsteuer (Dornbusch), wie in den USA 1963 f=FCr
einige Jahre mit dem Ziel eingef=FChrt, den Renditeanreiz f=FCr Kapitalexpo=
rte
zu senken, </li>
</ul>

<ul>
<li>eine Anlagesteuer, wie sie in Italien und Spanien f=FCr einige Zeit
bestand, um den Kapitalverkehr mit dem Ausland zu regulieren, </li>
</ul>

<ul>
<li>die Bardepotpflicht, die 1972 in der Bundesrepublik Deutschland mit
dem Ziel eingef=FChrt wurde, Auslandsgeldanlagen abzuwehren, sowie </li>
</ul>

<ul>
<li>Mindestreserven f=FCr den Zuwachs von Verbindlichkeiten von Kreditinsti=
tuten
gegen=FCber Ausl=E4ndern. </li>
</ul>

<p>Derart pauschale administrative Eingriffe beruhen auf der Vorstellung,
da=DF insbesondere kurzfristige internationale Kapitalbewegungen stets
destabilisierende Wirkungen zeitigen. F=FCr diese Annahme gibt es keinen
Beleg. Nicht jede =C4nderung von Preisen und Kursen an Finanzm=E4rkten
stellt eine Fehlentwicklung dar, die es zu verhindern gilt. Deshalb sollte
in die Marktpreisbildung nur eingegriffen werden, wenn begr=FCndeter
Anla=DF f=FCr die Vermutung besteht, da=DF die Koordinierungsleistung
des Marktes unzureichend ist, so da=DF am Devisenmarkt falsche Wechselkurse
vorliegen. Es gibt keinen Hinweis, da=DF derartige Fehlentwicklungen
am Devisenmarkt die Regel bilden. Deshalb sind zuvor skizzierte ad hoc-Ma=
=DFnahmen
von W=E4hrungsbeh=F6rden, ebenfalls daran orientiert, Kosten und
Ertr=E4ge der Devisenspekulation zu beeinflussen, zur Verstetigung der
Wechselkursentwicklung geeigneter als eine dauerhafte und pauschale Verteue=
rung
aller grenz=FCberschreitenden Transaktionen, die zudem abtr=E4gliche
Nebenwirkungen haben k=F6nnen und in allen L=E4ndern der Welt eingef=FChrt
werden m=FC=DFte, um Ausweichm=F6glichkeiten auszuschalten. <br>
</p>

<p><b><i>Bessere Bankenaufsicht zur Kontrolle von Finanzderivaten </i></b><=
br>
</p>

<p>Die rasante Ausbreitung derivativer Finanzprodukte fordert Geldpolitik
und Bankenaufsicht in besonderer Weise, weil sie zum Teil Finanzierungsvorg=
=E4nge
au=DFerhalb von Bankbilanzen beinhalten, die sich dem geldpolitischen
Zugriff entziehen. Zudem umgibt diese Kreationen des Finanzsektors die
Aura des Geheimnisvollen. Daf=FCr sorgen gewaltige Betr=E4ge, exotische
Bezeichnungen, komplizierte Preisberechnungsmethoden und die Vernetzung
zwischen verschiedenen Segmenten der Finanzm=E4rkte. <br>
</p>

<p>Neue Produkte haben in Marktwirtschaften nur dann Aussicht auf Erfolg,
wenn sie ihren Nutzern Vorteile bieten. Das gilt auch f=FCr Finanzderivate.
Sie sind entstanden aus den gewachsenen Mengen- und Preisproblemen an Finan=
zm=E4rkten,
die sich gegenseitig verst=E4rken und die ihren Ausgangspunkt in Grundsatze=
ntscheidungen
der Wirtschaftspolitik hatten. Nach dem st=FCrmischen Wachstum von Derivate=
n
bis in das erste Drittel der neunziger Jahre hinein hat sich inzwischen
eine verhaltene Marktentwicklung herausgebildet, parallel mit weltweit
stabilen Zinss=E4tzen und Wechselkursen. Erneut wird darin belegt, da=DF
Finanzderivate ihren Markterfolg ausschlie=DFlich Unw=E4gbarkeiten
der Preis- und Renditeentwicklung an Verm=F6gensm=E4rkten verdanken.
<br>
</p>

<p>In einem einheitlichen W=E4hrungsraum bei unver=E4nderten Zinss=E4tzen
gibt es keinen Bedarf f=FCr Swaps, Optionen und Futures, weil Finanzmarktko=
ntrakte
keine Wert=E4nderungsrisiken beinhalten. Der Bedarf an derivaten Finanzprod=
ukten
schwindet in dem Ma=DFe, in dem Zinss=E4tze und Wechselkurse berechenbarer
werden. Der skizzierte "wirtschaftspolitische Verhaltenskodex",
kombiniert mit fallweisen und differenzierten Aktionen von Zentralbanken,
um Erwartungen von Devisenmarktteilnehmern zu leiten und zu stabilisieren,
bietet hierzu eine anwendbare Konzeption. Erneut ist dabei zu betonen,
da=DF eine Begrenzung der Gef=E4hrdungspotentiale von Finanzm=E4rkten
ohne internationale Kooperation nicht m=F6glich ist. <br>
</p>

<p>Aber solange auf diesem Feld keine Fortschritte zu erzielen sind, haben
sich Zentralbanken und Bankenaufsicht der Probleme anzunehmen, die sich
aus Finanzderivaten ergeben k=F6nnen. Werden diese Instrumente vor allem
spekulativ genutzt und gehen Zins- oder Wechselkurswetten nicht auf, so
kann sich ein hoher Liquidit=E4tsbedarf ergeben, der sich wellenf=F6rmig
ausbreitet, national wie weltweit. Der beste Beitrag, um dies zu vermeiden,
besteht darin, f=FCr eine stetige und einsch=E4tzbare Zins- und Wechselkurs=
entwicklung
zu sorgen. Zudem ist die Bankenaufsicht gefordert, um Wagnisse aus Finanzde=
rivaten
zu begrenzen. Hierzu werden geeignete Ma=DFnahmen empfohlen und diskutiert,
zum Teil sind sie auf dem Weg oder bereits durchgesetzt worden:<br>
</p>

<p><b>Kontrolle auf nichtbilanzielle Transaktionen ausweiten:</b> Bankenauf=
sicht
und Zentralbank sind traditionell auf Bankbilanzen konzentriert. Nichtbilan=
zielle
Transaktionen von Gesch=E4ftsbanken, die den Reiz von Finanzderivaten
ausmachen, weil sie keine Deckung mit Eigenkapital erfordern, lagen bis
vor einiger Zeit au=DFerhalb administrativer Kontrolle. Das wird den
ge=E4nderten Marktbedingungen angepa=DFt. Risiken au=DFerbilanzieller
Transaktionen von Kreditinstituten sind mit Eigenkapital zu unterlegen,
Risiken aus Finanzderivaten sind offenzulegen.<br>
</p>

<p><b>Haftung von Portfoliomanagern:</b> Das Kontroll- und Risikomanagement
der Banken ist den neuen Marktbedingungen anzupassen. Regelungen sind ineff=
izient,
wenn Portfoliomanager bei Eingehen von Risiken im Erfolgsfall mit Sonderzah=
lungen
belohnt werden, w=E4hrend im Verlustfall allein das Finanzinstitut belastet
wird. <br>
</p>

<p><b>Verpflichtung der Banken zur Risikosteuerung:</b> Die Marktrisiken
von Finanzderivaten sind von Gesch=E4ftsbanken mit Hilfe interner Bewertung=
smethoden
besser abzusch=E4tzen, und es sind Verfahren zu entwickeln, um Risikopositi=
onen
st=E4rker abzusichern. In Deutschland gelten hierf=FCr demn=E4chst
Mindestanforderungen des Bundesaufsichtsamts f=FCr das Kreditwesen,
die kostspielige Risikosteuerungssysteme f=FCr Kreditinstitute bindend
vorschreiben. Damit werden Selektionsprozesse erzeugt, die bewirken werden,
da=DF nur jene Institute Risiken aus Finanzderivaten eingehen, die
sie zu tragen verm=F6gen. Zudem werden sich Nichtbanken den Instituten
zuwenden, die sich in besonderer Weise der Risikobegrenzung verpflichtet
f=FChlen. <br>
</p>

<p><b><i>Finanzielle Globalisierung zur Mehrung des weltweiten Wohlstands
nutzen!</i></b></p>

<p>Produkte durchlaufen Zyklen. Das ist im finanziellen Sektor nicht anders
als in der gewerblichen Wirtschaft. Richtig angewandt, k=F6nnen derivative
Finanzprodukte einen Beitrag zur Verbesserung der intertemporalen Allokatio=
n
leisten. Anzustreben ist aber, da=DF diese Finanzierungsinstrumente
=FCberfl=FCssig werden. Das ist gegeben, wenn Risiken unberechenbarer
Zins- und Wechselkurs=E4nderungen entfallen. Das verlangt drei Voraussetzun=
gen:
Erstens Einsicht in die Notwendigkeit der Anpassung institutioneller Beding=
ungen
an die Globalisierung der M=E4rkte, zweitens einen Konsens =FCber
einen Kodex des wirtschaftspolitischen Verhaltens in einem jeden Land,
drittens internationale Kooperation der Wirtschaftspolitik. Sind diese
Voraussetzungen gegeben, so wird die Globalisierung finanzieller Beziehunge=
n
den Wohlstand weltweit mehren, ohne dadurch unbeherrschbare Instabilit=E4ts=
potentiale
zu erzeugen, die Anla=DF zu Bef=FCrchtungen =FCber Systemrisiken
geben. </p>
</td>
</tr>

<tr>
<td><img src=3D"https://www.fes.de/fes-images/fes-log1.gif"></td>

<td></td>

<td valign=3D"bottom">
<!--foot - Datum einfuegen!-->
<p>
</p><hr>
<font face=3D"arial, helvetica" size=3D"-2">
=A9 <a href=3D"mailto:wwwadm@fes.de">Friedrich Ebert Stiftung</a>
| <a href=3D"https://www.fes.de/support.html">technical support</a> | net e=
dition=20
<a href=3D"mailto:redaktion@fes.de">bh&amp;ola</a> | Januar 1998
<br>
</font></td>
</tr>
</tbody></table>



</body></html>
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