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Subject: Zeitschrift: Internationale Politik und Gesellschaft
Date: Mon, 26 Jan 2026 08:59:38 +0100
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<table width=3D"97%" border=3D"0" cellspacing=3D"0" cellpadding=3D"0"> <tbo=
dy><tr> <td width=3D"2%" class=3D"platz" height=3D"20"><img src=3D"https://=
www.fes.de/ipg/arc_04_d/hg/spac.gif" height=3D"20" width=3D"15"></td><td wi=
dth=3D"2%" class=3D"platz"><img src=3D"https://www.fes.de/ipg/arc_04_d/hg/s=
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&nbsp;<a name=3D"anf"></a></td><td width=3D"45%" class=3D"platz">&nbsp;</td=
><td width=3D"25%" class=3D"platz">&nbsp;</td></tr>=20
<tr> <td class=3D"text">&nbsp;</td><td class=3D"ueber" valign=3D"top" colsp=
an=3D"3">Mohamed=20
Awad Osman: The United Nations and Peace Enforcement. Wars, terrorism and d=
emocracy.=20
</td><td class=3D"ueber" valign=3D"top" rowspan=3D"6" align=3D"right"><br> =
&nbsp;</td></tr>=20
<tr> <td class=3D"text">&nbsp;</td><td class=3D"unter" valign=3D"top">&nbsp=
;</td><td class=3D"unter" valign=3D"top">&nbsp;</td><td class=3D"unter" val=
ign=3D"top">&nbsp;</td></tr>=20
<tr> <td class=3D"text">&nbsp;</td><td class=3D"unter" valign=3D"top">&nbsp=
;</td><td class=3D"unter" valign=3D"top"><b>Heft=20
3/2004</b></td><td class=3D"unter" valign=3D"top">&nbsp;</td></tr> <tr> <td=
 class=3D"text">&nbsp;</td><td class=3D"unter" valign=3D"top">&nbsp;</td><t=
d class=3D"unter" valign=3D"top">&nbsp;</td><td class=3D"unter" valign=3D"t=
op">&nbsp;</td></tr>=20
<tr> <td class=3D"text">&nbsp;</td><td class=3D"unter" valign=3D"top" colsp=
an=3D"3">Aldershot=20
(GB) 2002<br> Ashgate, ix+224 S. </td></tr> <tr> <td class=3D"text">&nbsp;<=
/td><td class=3D"unter" valign=3D"top" colspan=3D"3">&nbsp;</td></tr>=20
<tr> <td class=3D"text">&nbsp;</td><td class=3D"unter" valign=3D"top" colsp=
an=3D"4"> <p>Die=20
Schl=FCsselworte, die das Buch interessant machen, stecken im Untertitel - =
und das=20
nicht erst seit dem Irak-Abenteuer Pr=E4sident Bushs im Jahre 2003. Die Pro=
bleme=20
der Weltpolitik im Dreieck Krieg, Terror und Demokratie werden uns lange Ze=
it=20
in das neue Jahrhundert begleiten. Der 1959 geborene Autor hat diese Studie=
 der=20
"London School of Economics and Political Science" (LSE) als PhD-Dissertati=
on=20
vorgelegt und datiert sein Vorwort f=FCr die Druckfassung aus dem New Colle=
ge, Oxford,=20
auf den Sommer 2001. </p><p>Die Vereinten Nationen wurden bekanntlich nicht=
 gegr=FCndet,=20
um "peace keeping" zu betreiben, also "Frieden zu halten", nachdem ein Krie=
g zwischen=20
Staaten sich irgendwie an einer Waffenstillstandslinie festgefressen h=E4tt=
e (wie=20
zwischen Israel und den arabischen Nachbarn 1949), sondern um einen Aggress=
orstaat=20
notfalls mit Waffengewalt niederzuzwingen. Dazu wurde der Sicherheitsrat in=
 Kapitel=20
VII der Charta mit Z=E4hnen versehen. Sie wuchsen ihm nur nie richtig, gena=
u gesagt:=20
die Gro=DFm=E4chte stellten der UNO nie =FCber den Generalstabsausschuss de=
s Sicherheitsrates=20
(Art. 47) die erforderliche Milit=E4rmacht zur Verf=FCgung, sondern verbiss=
en sich=20
lieber gegenseitig - Gott sei Dank nur symbolisch, wie Hunde von der intell=
igenteren=20
Sorte! - in ihren Kalten Krieg. Unter der (auch nur symbolisch gehissten) F=
lagge=20
der Vereinten Nationen fand deshalb nur ein einziges Mal ein Verteidigungsk=
rieg=20
statt (in Korea 1950-53), und das war nur m=F6glich, weil die UdSSR im Auge=
nblick=20
der Aggression den Sicherheitsrat gerade boykottierte und somit ihr Veto ni=
cht=20
einlegen konnte. In der =C4ra Gorbatschow schmolz dann das Eis des Kalten K=
rieges;=20
es sah um 1990 so aus, als w=FCrde die von US-Pr=E4sident Bush senior prokl=
amierte=20
"Neue Weltordnung" den Vereinten Nationen neue Energie zuf=FChren. Aber sch=
on im=20
Zweiten Golfkrieg 1991, der die irakische Aggression gegen Kuwait zur=FCcks=
chlug,=20
kam nur wieder das Gleiche heraus, was 1950 bereits in Korea de facto gesch=
ehen=20
war und durch die blaue UNO-Flagge nur zugedeckt wurde: der Sicherheitsrat =
musste=20
mangels eigener Divisionen seine Exekutiv-Funktion an eine Koalition unter =
F=FChrung=20
der USA delegieren. Unser Autor legt dar, dass die USA es waren, die eine A=
ktivierung=20
des Generalstabsausschusses verhinderten, obwohl die UdSSR, China und Frank=
reich=20
sie ausdr=FCcklich w=FCnschten (S.49). Amerikanische Soldaten unter den Bef=
ehl irgendwelcher=20
Nicht-Amerikaner zu stellen, war Washington stets zuwider, egal aus welcher=
 Partei=20
der Pr=E4sident kam (eine Ausnahme erw=E4hnt Osman auf Seite 80: US-Soldate=
n unter=20
kanadischem Kommando bei der humanit=E4ren Mission am Kongo 1996). Es war j=
edoch=20
weder Bush senior noch Bush junior, der im Mai 1994 verk=FCndete "Wir stell=
en unsere=20
nationalen Interessen und die unserer Freunde ganz nach oben. Die USA werde=
n die=20
F=E4higkeit behalten, einseitig zu handeln=85 Multilaterale Friedensoperati=
on m=FCssen=20
deshalb unter den Instrumenten der US-Au=DFenpolitik in angemessene Perspek=
tive=20
ger=FCckt werden" - sondern Bill Clinton (zitiert S. 26 f.). </p><p>Unser A=
utor=20
schl=E4gt sich im theoretischen zweiten Kapitel des Buches tapfer mit solch=
en Zitaten,=20
mit den Ungereimtheiten der UN-Erfahrung =FCber f=FCnf Jahrzehnte, und mit =
diversen=20
Versuchen herum, die Unterschiede zwischen "peacekeeping", "peace enforceme=
nt"=20
und Krieg schlechthin zu definieren. Die folgenden Kapitel widmet er als em=
pirische=20
Untersuchungen (Kapitel 3) der Kuwait-Krise 1990/91, speziell der Rolle der=
 USA=20
bei der Friedenserzwingung (Kapitel 4), und den "Verfassungsproblemen" (Kap=
itel=20
5); er meint damit, was Juristen an den Interpretationen der UN-Charta zwec=
ks=20
Rechtfertigung der Praxis interessiert, vor allem den Umgang mit dem Selbst=
verteidigungs-Artikel=20
51 der Charta, der nicht recht in das Gesamtkonzept kollektiver Sicherheit =
passt=20
und 1945 von schw=E4cheren Gr=FCnderstaaten aus Misstrauen gegen die Starke=
n in die=20
Charta lanciert wurde. Das sechste Kapitel ist dem neuen, weder in der Char=
ta=20
noch im sonstigen V=F6lkerrecht vorbedachten Ph=E4nomen des globalen Terror=
ismus gewidmet.=20
Die letzten Kapitel 7 und 8 listen Erfahrungen mit einzelnen UN-Operationen=
 in=20
den Jahren des Kalten Krieges und danach auf. </p><p>Schauen wir genauer au=
f den=20
Terrorismus, der insofern seine Ziele schon erreicht hat, als er weltweit b=
ei=20
Menschen aller Schichten Schrecken verbreitet: Osman kommt in diesem ganzen=
 Kapitel=20
nicht von den Staaten los, es gelingt ihm nicht, globale "private" Netzwerk=
e scharf=20
ins Bild zu bekommen, die es ja l=E4ngst vor Al-Qaida etwa in Gestalt der A=
narchisten=20
gab. Und das aus gutem Grund: den Vereinten Nationen gelingt dieser Fokus e=
benso=20
wenig, bis heute, sie sind seit jeher und kraft ihrer Charta ebenfalls auf =
die=20
Staaten dieses Globus fixiert. Schon deshalb kam kein UN-Gremium je zu eine=
r politisch=20
oder auch nur intellektuell brauchbaren Definition von Terrorismus, und w=
=E4hrend=20
des Kalten Krieges kam noch als Behinderung hin-zu, dass regelm=E4=DFig jed=
er Staat,=20
der von West oder Ost terroristischer Aktivit=E4ten beschuldigt wurde, auto=
matisch=20
von Ost oder West in Schutz genommen wurde. Es ist ern=FCchternd, von Osman=
 auf=20
Seite 119 daran erinnert zu werden, was geschah, als der Sicherheitsrat 197=
2 versuchte,=20
"=85alle Akte von Terrorismus und Gewalt=85 im Nahen Osten =85 tief zu beda=
uern": zuerst=20
legten die UdSSR und China ihr Veto gegen =C4nderungsvorschl=E4ge ein, dann=
 sagten=20
die USA "Nein" zu dem Gesamtentwurf. 1986 scheiterte der Sicherheitsrat bei=
m Versuch,=20
mit Blick auf den Mittelmeerraum "=85alle terroristischen Aktivit=E4ten, ob=
 von Einzelnen,=20
Gruppen oder Staaten begangen=85" zu verurteilen, am Veto Frankreichs, Gro=
=DFbritanniens=20
und der USA! W=E4hrenddessen arbeiteten das Sozialistische Lager und die Dr=
itte=20
Welt gemeinsam auf den verschiedensten Ebenen internationaler Politik und d=
es=20
V=F6lkerrechts daran, die kriegerische Gewaltanwendung antikolonialer Befre=
iungsbewegungen=20
einschlie=DFlich der PLO ("bewaffneter Kampf gegen fremde Besatzung") pausc=
hal zu=20
rechtfertigen. </p><p>So ist es kein Wunder, dass das erw=E4hnte Kapitel si=
ch haupts=E4chlich=20
mit den Versuchen befasst, Libyen und den Sudan durch Sanktionen an die Kan=
dare=20
zu nehmen. Gaddafis Regime wurde bekanntlich beschuldigt, 1988 den Flugzeug=
-Anschlag=20
von Lockerbie organisiert zu haben, der Sudan, drei Attent=E4ter zu beherbe=
rgen,=20
die 1995 in =C4thiopien versucht hatten, Pr=E4sident Mubarak von =C4gypten =
zu ermorden.=20
Ob diese (oder andere) Sanktionen wirkten, bleibt undeutlich, im Buch wie i=
n der=20
Realit=E4t, allenfalls trugen sie langfristig zu einer Kurs=E4nderung der b=
etroffenen=20
Regierungen bei, kaum zu einer Sinnes=E4nderung bei "privaten" Terroristen.=
 Es ist=20
bezeichnend, dass unser Autor auf der Suche nach Quellen, die er f=FCr eine=
 Bewertung=20
heranziehen k=F6nnte, auf Seite 143 nicht mehr bietet als einen Bericht des=
 Londoner=20
"Royal Institute for International Affairs" - aus dem Jahre 1938, der offen=
bar=20
den gescheiterten V=F6lkerbund-Sanktionen gegen das faschistische Italien n=
achtrauerte,=20
das =C4thiopien =FCberfallen hatte. Im achten Kapitel finden wir eine Falls=
tudie zur=20
Kurdenpolitik der USA und ihrer damaligen Bundesgenossen im Anschluss an de=
n Golfkrieg=20
1991; sie informiert gr=FCndlich =FCber die Verh=E4ngung der Flugverbotszon=
en, die Saddam=20
Hussein in Schach halten sollten (ohne Billigung des Sicherheitsrats), geht=
 jedoch=20
leider auf das grunds=E4tzliche Problem "humanit=E4rer Interven-tionen" nic=
ht ein.=20
Auch =FCber die mehr oder weniger gescheiterten Versuche, nach 1990 dank de=
r angeblich=20
"Neuen Weltordnung" in Somalia, Liberia, Angola, Rwanda (ein besonders fins=
teres=20
Kapitel kollektiven und einzelstaatlichen Versagens), im Kongo, in Bosnienu=
nd=20
Ha=EFti so etwas wie Frieden zu erzwingen, kann man hier die gro=DFen Linie=
n der Ereignisse=20
nachlesen. </p><p>Das ist generell die St=E4rke dieses Buches. Es hilft, di=
e Erinnerung=20
an Ereignisse, die =FCber viele Orte und Jahre verstreut sind, zu einem ein=
heitlichen=20
Bild vom Funktionieren der internationalen Politik zusammen zu fassen. Oder=
 vom=20
Nicht-Funktionieren? Osman kritisiert zur=FCck-haltend, aber deutlich nach =
allen=20
Seiten. Er unterl=E4sst es, einseitig zu beschimpfen, weder die scheinbar h=
ilflose=20
UN-B=FCrokratie noch die einsame Supermacht. Dass er uns ein trauriges Bild=
 vor=20
Augen stellt, d=FCrfen wir ihm nicht vorwerfen. </p><p align=3D"RIGHT"><i>F=
ranz Ansprenger=20
<br>FU Berlin </i></p></td></tr> <tr> <td class=3D"text">&nbsp;</td><td cla=
ss=3D"unter" valign=3D"top">&nbsp;</td><td class=3D"unter" valign=3D"top">&=
nbsp;</td><td class=3D"unter" valign=3D"top">&nbsp;</td><td class=3D"unter"=
 valign=3D"top">&nbsp;</td></tr>=20
<tr> <td class=3D"text">&nbsp;</td><td class=3D"unter" valign=3D"top">&nbsp=
; </td><td class=3D"unter" valign=3D"top">&nbsp;</td><td class=3D"unter" va=
lign=3D"top">&nbsp;</td><td class=3D"unter" valign=3D"top">&nbsp;</td></tr>=
=20
<tr> <td class=3D"platz" height=3D"6" colspan=3D"5">&nbsp;</td></tr> <tr> <=
td class=3D"text">&nbsp;</td><td class=3D"text">&nbsp;</td><td class=3D"unt=
er" colspan=3D"3">&lt;&lt;=20
<b><a href=3D"https://www.fes.de/ipg/arc_04_d/03_04_d/re_03_04.htm" target=
=3D"_self">zur=FCck Rezensionen/ =DCbersicht</a></b></td></tr>=20
<tr> <td class=3D"platz" height=3D"6" colspan=3D"5">&nbsp;</td></tr> <tr> <=
td class=3D"text" height=3D"25">&nbsp;</td><td class=3D"unter" height=3D"25=
" colspan=3D"4">=20
<table width=3D"100%" border=3D"0" cellspacing=3D"0" cellpadding=3D"0"> <tb=
ody><tr> <td class=3D"unter" colspan=3D"5" bgcolor=3D"#111100"><img src=3D"=
https://www.fes.de/ipg/arc_04_d/hg/spac.gif" width=3D"2" height=3D"1"></td>=
</tr>=20
<tr> <td class=3D"unter">&nbsp;</td><td class=3D"unter">&nbsp;</td><td clas=
s=3D"unter">&nbsp;</td><td class=3D"unter">&nbsp;</td><td class=3D"unter">&=
nbsp;</td></tr>=20
<tr> <td class=3D"unter">=A9 Friedrich Ebert Stiftung</td><td class=3D"unte=
r">&nbsp;</td><td class=3D"unter">net=20
edition: <a href=3D"mailto:michelm@fes.de">malte.michel </a> | 8/2004</td><=
td class=3D"unter">&nbsp;</td><td class=3D"unter"><img src=3D"https://www.f=
es.de/ipg/arc_04_d/hg/pfeil.gif"><b><a href=3D"https://www.fes.de/ipg/arc_0=
4_d/03_04_d/r_3_04_1.htm#anf">=20
Top</a></b></td></tr> </tbody></table><br> </td></tr> </tbody></table>


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