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Subject: Zeitschrift: Internationale Politik und Gesellschaft
Date: Mon, 26 Jan 2026 09:39:13 +0100
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<table width=3D"97%" border=3D"0" cellspacing=3D"0" cellpadding=3D"0"> <tbo=
dy><tr> <td width=3D"2%" class=3D"platz" height=3D"20"><img src=3D"https://=
www.fes.de/ipg/arc_04_d/hg/spac.gif" height=3D"20" width=3D"15"></td><td wi=
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&nbsp;<a name=3D"anf"></a></td><td width=3D"45%" class=3D"platz">&nbsp;</td=
><td width=3D"25%" class=3D"platz">&nbsp;</td></tr>=20
<tr> <td class=3D"text">&nbsp;</td><td class=3D"ueber" valign=3D"top" colsp=
an=3D"3">Sammelrezension:=20
"Heiligkeit im Angesicht des Tors" - neue Perspektiven auf den Nahostkonfli=
kt=20
</td><td class=3D"ueber" valign=3D"top" rowspan=3D"6" align=3D"right"><br> =
&nbsp;</td></tr>=20
<tr> <td class=3D"text">&nbsp;</td><td class=3D"unter" valign=3D"top">&nbsp=
;</td><td class=3D"unter" valign=3D"top">&nbsp;</td><td class=3D"unter" val=
ign=3D"top">&nbsp;</td></tr>=20
<tr> <td class=3D"text">&nbsp;</td><td class=3D"unter" valign=3D"top">&nbsp=
;</td><td class=3D"unter" valign=3D"top"><b>Heft=20
4/2004</b></td><td class=3D"unter" valign=3D"top">&nbsp;</td></tr> <tr> <td=
 class=3D"text">&nbsp;</td><td class=3D"unter" valign=3D"top">&nbsp;</td><t=
d class=3D"unter" valign=3D"top">&nbsp;</td><td class=3D"unter" valign=3D"t=
op">&nbsp;</td></tr>=20
<tr> <td class=3D"text">&nbsp;</td><td class=3D"unter" valign=3D"top" colsp=
an=3D"3">Irit Neidhardt=20
(Hrsg.): Mit dem Konflikt leben!? Berichte und Analysen von Linken aus Isra=
el=20
und Pal=E4stina. <br>M=FCnster 2003 <br>UNRAST-Verlag, 167 S. <br><br>Berna=
rd Wasserstein:=20
Israel und Pal=E4stina. Warum k=E4mpfen sie und wie k=F6nnen sie aufh=F6ren=
? <br>M=FCnchen=20
2003 <br>C.H. Beck, 172 S. <br><br>Moshe Zimmermann: Goliaths Falle. Israel=
is=20
und Pal=E4stinenser im W=FCrgegriff. <br>Berlin 2004 <br>Aufbau Taschenbuch=
 Verlag,=20
192 S.</td></tr> <tr> <td class=3D"text">&nbsp;</td><td class=3D"unter" val=
ign=3D"top" colspan=3D"3">&nbsp;</td></tr>=20
<tr> <td class=3D"text">&nbsp;</td><td class=3D"unter" valign=3D"top" colsp=
an=3D"4"> <p> Fast=20
ebenso kompliziert wie das Verst=E4ndnis des Nahostkonflikts selbst ist der=
 Versuch,=20
in der Masse der Neuerscheinungen zum Thema den =DCberblick zu behalten. We=
lche=20
B=FCcher eignen sich zum "Einstieg" in die Problematik, wo werden neue Pers=
pektiven=20
aufgezeigt, wo lediglich Altbekanntes wiederholt? Diese Fragen stellen sich=
 um=20
so mehr, da die meisten Publikationen f=FCr sich reklamieren, den Konflikt =
kurz,=20
aber umfassend zu erkl=E4ren und so endlich die vermeintlichen "Wurzeln des=
 Konfliktes"=20
aufzudecken. Tats=E4chlich sind aber originelle Beitr=E4ge zur Debatte um d=
en Nahostkonflikt=20
gerade auf dem deutschen Buchmarkt nicht unbedingt die Regel. </p><p>Was wo=
llen=20
die B=FCcher von Neidhardt, Wasserstein und Zimmermann in der Flut der Naho=
stliteratur=20
noch erreichen? Auf den Werbetexten der Buchr=FCcken h=F6rt sich das so an:=
 Das Buch=20
von Irit Neidhardt will "Linke aus Israel und Pal=E4stina zu Wort" kommen l=
assen=20
und die "Themen, die hinter dem Konflikt stehen, beleuchten". F=FCr Moshe Z=
immermanns=20
Buch wird der Anspruch erhoben "die Ursachen f=FCr den Teufelskreis von Gew=
alt und=20
Gegengewalt" zu ergr=FCnden und sie "vor dem Hintergrund der Geschichte der=
 Juden=20
in Deutschland und Europa" zu deuten. Bernhard Wassersteins Buch wird als "=
konzises=20
Portrait der =82siamesischen Zwillingsgesellschaften' in Israel und Pal=E4s=
tina und=20
zugleich eine sachkundige Einf=FChrung in einen der schwierigsten politisch=
en Konflikte=20
unserer Zeit" angepriesen. Werden diese Erwartungen erf=FCllt? </p><p>Das B=
uch von=20
<i>Bernard Wasserstein</i>, Geschichtsprofessor an der Universit=E4t Glasgo=
w, ist=20
in der Tat eine gute Einf=FChrung; es ist sogar mehr als das und auch f=FCr=
 interessierte=20
Leser zu empfehlen, die mit den Grundproblemen des Konfliktes vertraut sind=
. Denn=20
Wasserstein reduziert seine Untersuchung mit dem Untertitel "Warum k=E4mpfe=
n sie=20
und wie k=F6nnen sie aufh=F6ren?" bewusst, um m=F6glichst "die Aufmerksamke=
it auf einige=20
vernachl=E4ssigte Aspekte der israelisch-pal=E4stinensischen Beziehungen" (=
S. 9) zu=20
lenken. Daf=FCr w=E4hlt er vier Themen aus, welche die Hauptkapitel des Buc=
hes bilden:=20
den demographischen ("die Menschen"), den sozio-=F6konomischen ("die Gesell=
schaft"),=20
den =F6kologischen ("die Umwelt") und den territorialen Aspekt. Ein Schluss=
kapitel=20
mit dem Titel "die Dynamik politischer Ver=E4nderung" soll m=F6gliche Persp=
ektiven=20
des Konflikts aufzeigen. </p><p>Diese Hauptkapitel sind gut ausgew=E4hlt: D=
en Faktor=20
"Demographie" an den Anfang zu setzen und eingehend zu betrachten, ist rich=
tig,=20
denn kaum ein anderes Thema hat die politische Diskussion der letzten Zeit =
in=20
Israel st=E4rker gepr=E4gt. Die demographische Situation ist gerade f=FCr d=
ie rechten=20
Bef=FCrworter einer andauernden Besatzung der Westbank und Gazas eine Horro=
rvision:=20
W=E4hrend die arabische Bev=F6lkerung in Westbank und Gazastreifen, aber au=
ch innerhalb=20
Israels aufgrund hoher Geburtenraten rapide w=E4chst, stagniert die Zahl de=
r Juden=20
in Israel. Der Status Quo ist deshalb nur eine Momentaufnahme: 2003 betrug =
die=20
Zahl der pal=E4stinensischen Einwohner im Westjordanland und im Gazastreife=
n 3,3=20
Millionen. Die arabische Bev=F6lkerung in Israel ist auf 1,3 Millionen gewa=
chsen,=20
dem gegen=FCber stehen 5,1 Millionen Juden. In wenigen Jahrzehnten wird so =
bei andauernder=20
Besatzung eine j=FCdische Minderheit =FCber eine arabische Mehrheit herrsch=
en. Deshalb=20
ist der Zionismus laut Wasserstein "dabei, den demographischen Wettlauf zu =
verlieren".=20
</p><p>Auch im zweiten Kapitel =FCber "die Gesellschaft" macht Wasserstein =
deutlich,=20
dass viele urspr=FCngliche Visionen des Zionismus gescheitert sind. Die Kon=
struktion=20
der "Sabras" (so der hebr=E4ische Name f=FCr die "im Lande geborenen" Israe=
lis) und=20
das Ideal einer neuen, egalit=E4ren Gesellschaft war letztlich einer europ=
=E4ischen=20
Elite vorbehalten; weder die orientalischen Juden noch die Araber in Israel=
 wurden=20
einbezogen. Auch die landwirtschaftlich-sozialistischen Utopien der fr=FChe=
n Einwanderer=20
sind l=E4ngst pass=E9. Die israelische Gesellschaft steht im "post-zionisti=
schen Zeitalter"=20
vor einem Identit=E4tsproblem. Letzter gemeinsamer Nenner ist der "j=FCdisc=
he Charakter"=20
des Staates, der nun ebenfalls zunehmend bedroht scheint. Eindringlich mach=
t Wasserstein=20
zugleich deutlich, dass es sich bei der israelischen und der pal=E4stinensi=
schen=20
Gesellschaft um, wie er es nennt, "siamesische Zwillingsgesellschaften" han=
delt:=20
Obwohl es seit der Mandatszeit Versuche gab, ein abgeschottetes "j=FCdische=
s Wirtschaftssystem"=20
und einen "hebr=E4ischen Arbeitsmarkt" zu schaffen, entwickelten sich in Wi=
rklichkeit=20
die Gesellschaften in Abh=E4ngigkeit und Abgrenzung zueinander - kein Mauer=
bau kann=20
an dieser Verflechtung in =F6konomischer, sozialer, milit=E4rischer oder po=
litischer=20
Hinsicht etwas =E4ndern. </p><p>Auch das dritte Kapitel =FCber "die Umwelt"=
 ist bemerkenswert,=20
denn oft wird diese Dimension des Konfliktes =FCbersehen: W=E4hrend die zio=
nistischen=20
Pioniere zu Beginn des 20. Jahrhunderts verk=FCndeten, "das Land wieder urb=
ar zu=20
machen", geschah in vielerlei Hinsicht das Gegenteil: "Ein gewaltiger Bev=
=F6lkerungszuwachs,=20
intensive Landwirtschaft, gef=FChllose St=E4dteplanung, Stra=DFenbau in gro=
=DFem Ma=DFstab=20
und die Entwicklung einer industriellen Wirtschaft haben an der =D6kologie =
Pal=E4stinas=20
katastrophale Sch=E4den angerichtet" (S. 66). Darin unterscheidet sich Isra=
el zwar=20
kaum von seinen arabischen Nachbarn. Was die Pal=E4stinenser angeht, verwei=
st Wasserstein=20
allerdings zurecht darauf, dass die Pal=E4stinenser "keine Souver=E4nit=E4t=
 =FCber ihre=20
Umwelt" haben. An der Rolle des "Wassers" f=FChrt Wasserstein auch den Grad=
 der=20
Ideologisierung =F6kologischer Debatten vor. Gegenseitige Schuldzuweisungen=
 bestimmen=20
in der Regel diese Diskussion. Dabei ist auf Dauer eine gegenseitige R=FCck=
sichtnahme=20
f=FCr beide Seiten notwendig. So stellte eine gemeinsame israelisch-pal=E4s=
tinensische=20
Expertenkommission stellte 1999 fest: "Im Hinblick auf das Wasserproblem ka=
nn=20
man Israelis und Pal=E4stinenser als siamesische Zwillinge betrachten - zwe=
i Lebewesen,=20
die eine wichtige lebenswichtige Ressource teilen" (S. 86). </p><p>=C4hnlic=
h wie=20
beim Thema "Wasser" macht der Autor im Kapitel =FCber "das Territorium" kla=
r, in=20
welchem Ma=DFe die gegenseitigen Anspr=FCche im Konflikt konstruiert sind u=
nd stellt=20
einen ebenso banalen wie wahren Satz dagegen: "L=E4nder sind ebenso wie Rel=
igionen=20
und Nationen k=FCnstliche Gebilde" (S. 87). In einem historischen Abriss ve=
rsucht=20
er zu zeigen, wie im Konflikt Fakten geschaffen wurden; nicht zuletzt durch=
 die=20
staatlich gef=F6rderte Siedlungspolitik. Im Schlusskapitel r=E4umt Wasserst=
ein ein,=20
dass die unklare Zukunft der Siedlungen einer Einigung genauso entgegensteh=
en=20
wie die anderen bekannten Hauptproblemen - die zuk=FCnftigen Grenzen, der S=
tatus=20
von Jerusalem und das R=FCckkehrrecht der Fl=FCchtlinge. Dabei rekapitulier=
t er auch=20
noch einmal ausf=FChrlich die letzten Verhandlungsrunden der beiden Konflik=
tparteien=20
und ihr Scheitern. Dass Wasserstein letztlich doch einen eher optimistische=
n Ausblick=20
wagt, ist fast paradox: Denn Hoffnung gibt ihm vor allem die Tatsache, dass=
 die=20
"demographischen, sozio-=F6konomischen und territorialen Imperative" auf la=
nge Sicht=20
die Protagonisten "irgendwann zu einer Einigung bewegen" (S. 148) werden. <=
/p><p>Auch=20
<i>Moshe Zimmermann</i>, Leiter des Koebner-Zentrums f=FCr deutsche Geschic=
hte an=20
der Universit=E4t Jerusalem, verweist auf die wahnwitzige Logik dieser Situ=
ation:=20
"Nur nach Anwendung von Gewalt zeigte sich Israel bereit, Kompromisse einzu=
gehen"=20
(S. 102). Als Beispiele bringt er die R=E4umung des Sinai nach dem Yom-Kipp=
ur-Krieg,=20
die Aufnahme der Friedensverhandlungen nach dem Golfkrieg und den R=FCckzug=
 aus=20
dem S=FCdlibanon nach dem jahrelangen Kampf gegen die Hisbollah. Die Gr=FCn=
de f=FCr=20
die z=E4hen Fortschritte sieht Zimmermann in einer in Israel vorherrschende=
n "Festungsmentalit=E4t".=20
Im zweiten Teil seiner Aufsatzsammlung "Goliaths Falle" versucht er, diesen=
 Zustand=20
und seine tiefen Wurzeln zu ergr=FCnden. Die historische Erfahrung der Wehr=
losigkeit=20
hat dabei zur Militarisierung der Gesellschaft beigetragen, die Verkn=FCpfu=
ng von=20
Shoa und Milit=E4r ist auch im =F6ffentlichen Raum vollzogen (S. 123f). L=
=E4ngst sind=20
die urspr=FCnglichen Ziele des Zionismus au=DFer Reichweite: Auf Seiten der=
 s=E4kularen=20
Kr=E4fte sieht Zimmermann eine Art "Massada-Zionismus" (Massada: die 60-70 =
n.Chr.=20
von den R=F6mern belagerte j=FCdische Festung, die mit dem kollektiven Selb=
stmord=20
der dort verschanzten Juden endete) (S. 82f), der den Mythos eines st=E4ndi=
gen Belagerungszustandes=20
in den Mittelpunkt stellt und so der israelischen Armee eine zentrale Rolle=
 innerhalb=20
der Gesellschaft zuweist. Andererseits wird der Zionismus mittlerweile vers=
t=E4rkt=20
von religi=F6s motivierten Gruppierungen und Parteienumgedeutet bzw. verein=
nahmt=20
(S. 78f). </p><p>In einem weiteren Kapitel mit der =DCberschrift "Blick auf=
 Deutschland"=20
besch=E4ftigt sich Zimmermann mit dem Ph=E4nomen des Antisemitismus und deu=
tet den=20
Konflikt vor dem Hintergrund der Geschichte der Juden in Deutschland und Eu=
ropa.=20
Dies ist die besondere St=E4rke seiner Analyse: Schlie=DFlich ist die deuts=
che Geschichte=20
durch Shoa und Einwanderung der deutschen Juden, der sogenannten "Jeckes", =
untrennbar=20
mit der Entstehung des Staates Israel und auch der Geschichte des israelisc=
h-pal=E4stinensischen=20
Konfliktes verkn=FCpft. Als Historiker bedient er sich dabei auch der Metho=
de des=20
Vergleichs. So sieht er strukturelle =C4hnlichkeiten zwischen der Lage in I=
srael=20
und der Weimarer Republik. Dieser historische Vergleich beruht auf der schl=
echten=20
Wirtschaftslage, dem schleichenden "Rechtsruck" in der politischen Landscha=
ft=20
oder der Abschaffung der zwischenzeitlichen Direktwahl des Ministerpr=E4sid=
enten.=20
Dennoch werden solche Perspektiven in Israel regelm=E4=DFig skandalisiert; =
dabei ist=20
Zimmermann keineswegs ein platter Antizionist, der Gleichsetzungen betreibt=
, wo=20
sie nicht angebracht w=E4ren. </p><p>Gleichwohl widersprecht er mit seinen =
Einw=FCrfen=20
der israelischen Mehrheitsposition und bietet oft ungew=F6hnliche, manchmal=
 auch=20
provozierende Perspektiven. So etwa wenn Zimmermann die sensiblen Beziehung=
en=20
zwischen Europa und Israel anhand des Fu=DFballs verdeutlicht, denn Zimmerm=
ann meint:=20
"Um die Seele des Volkes kennen zu lernen, gibt es nichts Besseres, als sic=
h auf=20
den R=E4ngen der Fu=DFball-Stadien umzuh=F6ren" (S. 11). Um Fu=DFball geht =
es auch im=20
letzten Text der Sammlung, dem lakonischen Artikel "Heiligkeit im Angesicht=
 des=20
Tors". Darin erkl=E4rt Zimmermann, dass der heiligste Ort in Jerusalem f=FC=
r ihn genau=20
20x60 Meter misst - dabei handelt es sich nicht um einen der weltber=FChmte=
n Orte=20
der "heiligen Stadt", sondern um das Spielfeld, auf dem sich Moshe Zimmerma=
nn=20
jede Woche mit Kollegen zum Fu=DFballspielen trifft. Als der Artikel seiner=
zeit=20
in der S=FCddeutschen Zeitung erschien, mutma=DFte die FAZ in einer Replik,=
 der israelische=20
Professor habe wohl auf dem Fu=DFballplatz einen Sonnenstich erlitten (FAZ,=
 27.04.2004).=20
Aber die scheinbare Respektlosigkeit - so wird das Auftreten von Kritikern =
der=20
nationalen Mythen vor allem in Israel verstanden - ist Ausdruck von Zimmerm=
anns=20
=DCberzeugung, dass die Reklamation von heiligen Orten und ihren politische=
n Implikationen=20
direkt an das Grundproblem des Konfliktes r=FChrt. Heilige Orte sind nicht =
heilig=20
an sich, sondern von Menschen dazu gemacht. Spitz bemerkt Zimmermann =FCber=
 Jerusalem:=20
"Heilig und scheinheilig ist f=FCr mich das gleiche - der Unterschied h=E4n=
gt allein=20
von der Einstellung des Betrachters ab" (S. 64f). Dass Zimmermann die Heili=
gt=FCmer=20
nicht nur der Religion, sondern auch der zionistischen und nationalen Ideol=
ogie=20
entweiht, hat ihn in Israel schon oft zum Gegenstand heftigster Anfeindunge=
n gemacht.=20
Trotzdem wendet er sich konsequent gegen die rechte Ideologie der Siedler u=
nd=20
tritt unter anderem f=FCr Gerechtigkeit gegen=FCber den israelischen Wehrdi=
enstverweigerern=20
ein. Die Artikelsammlung "Goliaths Falle" legt auch von diesem ganz pers=F6=
nlichen=20
Engagement Zeugnis ab. </p><p><i>Irit Neidhardt</i> will mit dem von ihr he=
rausgegebenen=20
Buch "Mit dem Konflikt leben?" vor allem "Israel im Nahen Osten verorten" u=
nd=20
so einen Perspektivwechsel vornehmen: Dabei soll im Gegensatz zu Zimmermann=
 weniger=20
die Shoa im Mittelpunkt stehen, sondern die Tatsache, dass die "Mehrheit de=
r Bev=F6lkerung=20
sowie der Bev=F6lkerungsgruppen aus dem Nahen Osten stammen" (S. 10). Das i=
st zwar=20
richtig - die Shoa als historisches, aber auch als erinnerungsgeschichtlich=
es=20
Ereignis pr=E4gt aber heute auch deren Identit=E4t. </p><p>Die einzelnen Be=
itr=E4ge=20
in dem Band sind ausgesprochen heterogen und so entsteht ein Lesebuch, was =
eher=20
Schlaglichter setzt als den Gesamtzusammenhang erkl=E4rt. Der erste Teil be=
sch=E4ftigt=20
sich im wesentlichen mit den gescheiterten Friedensbem=FChungen und der zwe=
iten=20
Intifada. Die israelische Journalistin Amira Hass schreibt einen kleinen Be=
itrag=20
=FCber die "Utopie einer normalen Zukunft", die ihrer Meinung nach davon ab=
h=E4ngt=20
"dass die politische Entwicklung nach und nach =FCber die Logik des Nationa=
lstaates=20
hinausdr=E4ngt." Aber Hass, die seit 1997 als einzige israelische Korrespon=
dentin=20
auch selbst in der Westbank lebt, ist skeptisch: Die Erfolgsaussichten ersc=
heinen=20
ihr "utopisch" (S. 44). </p><p>Die weiteren Beitr=E4ge des ersten Teils sta=
mmen=20
von Tanya Reinhart, die sich zu den Camp-David-Beratungen =E4u=DFert, und v=
on den=20
beiden pal=E4stinensischen Regisseuren Subhi al-Zobaidi und Hany Abu-Assad.=
 Sie=20
kritisieren das israelische "Recht des St=E4rkeren" im Sinne einer Ihre Kri=
tik an=20
Israel ist deutlich von der eigenen Erfahrung der Machtlosigkeit gepr=E4gt.=
 Sie=20
wissen auch, dass der gegenw=E4rtige Zustand Gift f=FCr beide Gesellschafte=
n ist:=20
"Die Besetzung fordert ihren Preis von Besatzern und Besetzten." (S. 39) </=
p><p>Diese=20
sehr pers=F6nlichen Texte von Pal=E4stinensern machen den Reiz der Sammlung=
 aus und=20
stellen tats=E4chlich "Stimmen aus dem Inneren des Konfliktes" dar. Der zwe=
ite Teil=20
des Bandes besch=E4ftigt sich mit Fragen der Identit=E4t - derjenigen der o=
rientalischen=20
Juden (Mizrahim), von Arabern in Israel und pal=E4stinensischen R=FCckkehre=
rn aus=20
dem Exil. Dagegen wirkt der l=E4ngste, fast f=FCnfzig Seiten umfassende Bei=
trag von=20
Ella Habiba Shohat eher wie eine wissenschaftliche Au=DFenansicht. Die Prof=
essorin=20
der New York University analysiert in ihrem durchaus lesenswerten Beitrag d=
ie=20
Position des klassischen Zionismus gegen=FCber den Mizrahim aus postkolonia=
ler Perspektive:=20
Dabei analysiert sie den klassischen zionistischen Diskurs, demzufolge ange=
blich=20
"der europ=E4ische Zionismus die Mizrahim aus der harten Herrschaft ihrer a=
rabischen=20
=82Eroberer gerettet' " (S. 53") habe, w=E4hrend in Wirklichkeit die europ=
=E4ischen=20
Einwanderer selbst eine Art koloniale Perspektive gegen=FCber ihren orienta=
lischen,=20
als "primitv" und "ungebildet" wahrgenommenen Landsleuten einnahmen. Trotz =
vieler=20
Verbesserungen und einer regelrechten "Mizrahi-Rebellion" besteht diese Klu=
ft=20
weiter. </p><p>Auch im zweiten Teil stammen die pers=F6nlicheren Eindr=FCck=
e von den=20
arabischen Autorinnen: Ein Interview von Awatef Sheikh gibt Einblicke in di=
e Perspektive=20
der "48er-Pal=E4stinenser" (d.h. der Araber mit israelischer Staatsangeh=F6=
rigkeit),=20
und die aus dem Exil in die Westbank zur=FCckgekehrte Filmemacherin Azza El=
-Hassan=20
schreibt =FCber ihre Versuche, der "seit langem imaginierten Heimat" n=E4he=
r zu kommen=20
und die R=FCckkehr filmisch zu verarbeiten. </p><p>Insgesamt will sich der =
im Vorwort=20
anvisierte Effekt, dass sich n=E4mlich zwischen den Artikeln "durch ihre Ko=
mposition=20
eine Art Gespr=E4ch zwischen den verschiedenen Gruppen entwickelt" nicht re=
cht einstellen.=20
Auch der Titel "Berichte und Analysen von Linken aus Israel und Pal=E4stina=
" wirkt=20
nach der Lekt=FCre des Bandes nicht recht =FCberzeugend, denn eine "linke G=
esinnung"=20
ist es nicht unbedingt, was die Autoren verbindet. Eher berechtigt ist der =
Anspruch,=20
"Hintergrundinformationen von Menschen, die mit dem Konflikt leben", zu lie=
fern,=20
denn das Buch er=F6ffnet pers=F6nliche Perspektiven, die in dieser Form zum=
indest=20
in Deutschland selten pr=E4sent sind. </p><p>Die drei B=FCcher von Wasserst=
ein, Zimmermann=20
und Neidhardt =E4hneln sich in diesem Punkt alle: Ihr Wert besteht in neuen=
 Einblicken=20
und Denkanst=F6=DFen, die weit =FCber die tagespolitischen und diplomatisch=
en Dimensionen=20
des Konfliktes hinausgehen. Insofern k=F6nnen sie sogar den hehren Anspruch=
, die=20
"Wurzeln des Konfliktes" aufzusp=FCren, einhalten. F=FCr eine tiefere Ausei=
nandersetzung=20
mit dem Nahostkonflikt - im Falle Zimmermanns auch seiner deutschen Dimensi=
on=20
- seien sie deshalb nachdr=FCcklich empfohlen. </p><p align=3D"RIGHT"><i>Re=
n=E9 Wildangel=20
<br>Zentrum Moderner Orient, Berlin </i></p></td></tr> <tr> <td class=3D"te=
xt">&nbsp;</td><td class=3D"unter" valign=3D"top">&nbsp;</td><td class=3D"u=
nter" valign=3D"top">&nbsp;</td><td class=3D"unter" valign=3D"top">&nbsp;</=
td><td class=3D"unter" valign=3D"top">&nbsp;</td></tr>=20
<tr> <td class=3D"text">&nbsp;</td><td class=3D"unter" valign=3D"top">&nbsp=
; </td><td class=3D"unter" valign=3D"top">&nbsp;</td><td class=3D"unter" va=
lign=3D"top">&nbsp;</td><td class=3D"unter" valign=3D"top">&nbsp;</td></tr>=
=20
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