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Subject: Zeitschrift: Internationale Politik und Gesellschaft
Date: Mon, 26 Jan 2026 09:54:55 +0100
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<table width=3D"97%" border=3D"0" cellspacing=3D"0" cellpadding=3D"0"> <tbo=
dy><tr> <td width=3D"2%" class=3D"platz" height=3D"20"><img src=3D"https://=
www.fes.de/ipg/arc_04_d/hg/spac.gif" height=3D"20" width=3D"15"></td><td wi=
dth=3D"2%" class=3D"platz"><img src=3D"https://www.fes.de/ipg/arc_04_d/hg/s=
pac.gif" height=3D"20" width=3D"20"></td><td width=3D"23%" class=3D"platz">=
&nbsp;<a name=3D"anf"></a></td><td width=3D"45%" class=3D"platz">&nbsp;</td=
><td width=3D"25%" class=3D"platz">&nbsp;</td></tr><tr><td class=3D"text">&=
nbsp;</td><td class=3D"ueber" valign=3D"top" colspan=3D"3">Pierre=20
Rigoulot: Nordkorea. Steinzeitkommunismus und Atomwaffen. Anatomie einer Kr=
ise</td><td class=3D"ueber" valign=3D"top" rowspan=3D"10" align=3D"right"><=
br>=20
&nbsp;</td></tr><tr><td class=3D"text">&nbsp;</td><td class=3D"ueber" valig=
n=3D"top" colspan=3D"3">&nbsp;</td></tr>=20
<tr> <td class=3D"text">&nbsp;</td><td class=3D"ueber" valign=3D"top" colsp=
an=3D"3">Kang Chol-hwan=20
zusammen mit Pierre Rigoulot: Les Aquariums de Pyongyang. Dix ans au Goulag=
 nord-cor=E9en</td></tr>=20
<tr> <td class=3D"text">&nbsp;</td><td class=3D"unter" valign=3D"top">&nbsp=
;</td><td class=3D"unter" valign=3D"top">&nbsp;</td><td class=3D"unter" val=
ign=3D"top">&nbsp;</td></tr>=20
<tr> <td class=3D"text">&nbsp;</td><td class=3D"unter" valign=3D"top">&nbsp=
;</td><td class=3D"unter" valign=3D"top"><b>Heft=20
4/2004</b></td><td class=3D"unter" valign=3D"top">&nbsp;</td></tr> <tr> <td=
 class=3D"text">&nbsp;</td><td class=3D"unter" valign=3D"top">&nbsp;</td><t=
d class=3D"unter" valign=3D"top">&nbsp;</td><td class=3D"unter" valign=3D"t=
op">&nbsp;</td></tr><tr><td class=3D"text">&nbsp;</td><td class=3D"unter" v=
align=3D"top" colspan=3D"3">K=F6ln=20
2003 <br>Kiepenheuer &amp; Witsch, 121 S.</td></tr><tr><td class=3D"text">&=
nbsp;</td><td class=3D"unter" valign=3D"top" colspan=3D"3">&nbsp;</td></tr>=
=20
<tr> <td class=3D"text">&nbsp;</td><td class=3D"unter" valign=3D"top" colsp=
an=3D"3">Paris 2000=20
<br>Robert Laffont, 237 S.</td></tr> <tr> <td class=3D"text">&nbsp;</td><td=
 class=3D"unter" valign=3D"top" colspan=3D"3">&nbsp;</td></tr>=20
<tr> <td class=3D"text">&nbsp;</td><td class=3D"unter" valign=3D"top" colsp=
an=3D"4"> <p> Nordkorea=20
geh=F6rte bis vor kurzem zu den letzten von der Au=DFenwelt hermetisch abge=
schirmten=20
Bastionen des Stalinismus. Erst zu Beginn der 1990er Jahre machte die stali=
nistische=20
Despotie seines F=FChrers Kim Il-sung und Thronerben Kim Jong-il durch Hung=
erkatastrophen=20
wieder auf sich aufmerksam. Sie kosteten nach Sch=E4tzungen der internation=
alen=20
Hilfsorganisationen ungef=E4hr zwei bis drei Millionen Menschen das Leben. =
Seitdem=20
die US-Administration unter G. W. Bush das nordkoreanische Hungerregime weg=
en=20
seiner nuklearen Ambitionen und Raketenexporte nach Syrien, Iran und Pakist=
an=20
auf die Liste der "Schurkenstaaten" gesetzt hat, hat sich die international=
e Berichterstattung=20
vermehrt diesem stalinistischen Anachronismus zugewandt. Sie machte auf das=
 Elend=20
der Fl=FCchtlingsmassen, welche die Grenze nach China =FCberqueren konnten,=
 aufmerksam.=20
Die Berichte =FCber das Massensterben, die Hungerkatastrophen, das weitverz=
weigte=20
Netz der politischen Konzentrationslager, die =F6ffentlichen Massenexekutio=
nen,=20
die Repression durch eine gut ger=FCstete Armee und Geheimpolizei oder das =
Luxusleben=20
der obersten Partei- und Armeer=E4nge sind nun nicht mehr ausschlie=DFlich =
=FCber Dokumentationen=20
von internationalen Hilfsorganisationen zug=E4nglich. Diese hatten schon zu=
vor =FCber=20
den auch von Rigoulot angesprochenen Rassismus des Regimes berichtet, Behin=
derte=20
aus den gro=DFen St=E4dten zu vertreiben, sie in Sammellager zu deportieren=
 und ihnen=20
zu verbieten, Kinder zu bekommen. Die "Rasse der Zwerge", so die offizielle=
 Begr=FCndung=20
des Regimes, solle ausgemerzt werden, um die "Reinheit" der Rasse zu erhalt=
en.=20
Die gleiche inhumane Rassenideologie wurde auch an nordkoreanischen Frauen =
exerziert,=20
die w=E4hrend ihres Fl=FCchtlingsdaseins auf chinesischem Gebiet schwanger =
wurden=20
und nach ihrer Ausweisung durch die chinesischen Beh=F6rden in den nordkore=
anischen=20
Gef=E4ngnissen und Lagern zur Abtreibung gezwungen wurden. "Ihr habt chines=
isches=20
Sperma in euch, ausl=E4ndisches Sperma. Wir Koreaner sind ein auserw=E4hlte=
s Volk.=20
Wie k=F6nnt ihr es wagen, ausl=E4ndisches Sperma hierher zu bringen?" (S. 6=
1) </p><p>Pierre=20
Rigoulot, Chefredakteur der "Cahiers d'Histoire", Mitautor des "Schwarzbuch=
 des=20
Kommunismus" und seit Jahren einer der wenigen kompetenten Nordkoreaspezial=
isten,=20
hat diese Berichte zu einer verl=E4sslichen und systematischen Dokumentatio=
n zusammengefasst.=20
Rigoulot st=FCtzt sich auf Presseberichte bekannter Zeitungen (Le Monde, Fi=
garo,=20
New York Times, Far Eastern Economic Review, Economist usw.) sowie auf s=FC=
dkoreanische=20
Zeitungen, Berichte von internationalen Hilfsorganisationen, aber auch auf =
die=20
neuere Fachliteratur. Da seine Dokumentation f=FCr einen breiten Leserkreis=
 geschrieben=20
wurde, verzichtet er auf ausf=FChrliche Fu=DFnoten und Belege. Einzelne Fak=
ten, die=20
Rigoulot pr=E4sentiert, sind inzwischen - auch dank seiner =FCber zwanzigj=
=E4hrigen=20
Pionierrolle in der Berichterstattung =FCber Nordkorea - einer breiteren, i=
nteressierten=20
=D6ffentlichkeit bekannt. Seine Dokumentation =FCber Nordkorea bietet dem L=
eser jedoch=20
einen ersten umfassenden Einblick in die Geschichte der Entstehung Nordkore=
as=20
im Kontext des Kalten Krieges, des Aufbaus einer stalinistischen Despotie m=
it=20
Landkollektivierungen, Parteis=E4uberungen, groteskem F=FChrerkult um Kim I=
l-sung,=20
hochger=FCsteter Armee, Nuklear- und Raketenindustrie und permanenter Hunge=
rkatastrophen=20
aufgrund einer verfehlten Wirtschaftspolitik. Besonders aufschlussreich sin=
d die=20
Kapitel, in denen sich Rigoulot mit der "Kunst des =DCberlebens" dieses "Sc=
hurkenstaates"=20
befasst, der trotz katastrophaler Wirtschaftslage, Massensterben und Hunger=
katastrophen=20
in der Lage zu sein scheint, mit seiner Nuklear- und Raketenproduktion sein=
e Nachbarn=20
zu politischen Konzessionen zu zwingen. Ausf=FChrlich schildert der Autor d=
ie vergeblichen,=20
mit betr=E4chtlichen finanziellen Transferleistungen verbundenen Versuche d=
er s=FCdkoreanischen=20
Regierung unter Kim Dae Jung, mit einer "sunshine policy" das nordkoreanisc=
he=20
Regime zu bewegen, im Innern die inhumane Repression zu lockern und sich au=
=DFenpolitisch=20
in ein Sicherheitssystem einzubinden. Diese s=FCdkoreanische sunshine polic=
y sowie=20
die amerikanische Politik, durch =D6llieferungen den Verzicht auf ein nordk=
oreanisches=20
Atomprogramm zu erreichen, m=FCssen als gescheitert angesehen werden. Sie h=
aben,=20
so Rigoulot, nur das =DCberleben des Regimes erm=F6glicht, das sich =FCberd=
ies durch=20
Raketenexporte, Drogenhandel, Korruption, Entf=FChrungen, Ausbildungscamps =
f=FCr Terroristen=20
und Selbstmordattent=E4ter sowie Geldw=E4sche in gro=DFem Stil zus=E4tzlich=
e Devisen erschlossen=20
hat. </p><p>Insbesondere die Raketenexporte Nordkoreas geben Anlass zur Bes=
orgnis.=20
Die Taepodong-2-Raketen lieferten die Bausteine f=FCr die pakistanische Gha=
ury-1=20
und die iranische Shahab-4 Rakete mit einer Reichweite von 2000 Kilometern.=
 Rigoulot=20
verweist darauf, dass zwischen 1980 und 1988 mehrere hundert nordkoreanisch=
e Techniker=20
an der Entwicklung des iranischen Raketenprogramms beteiligt waren. Die Aus=
wirkungen=20
dieses forcierten iranischen Raketenprogramms auf die nah=F6stliche Sicherh=
eitslage,=20
insbesondere f=FCr Israel, sind zur Zeit noch nicht kalkulierbar. Leider sc=
hweigt=20
sich Rigoulot =FCber den Export von Nukleartechnologie durch Pj=F6ngjang au=
s. Hier=20
w=E4ren die neuerdings in den internationalen Medien (zum Beispiel in der N=
ew York=20
Times) vermuteten Verbindungen zu Pakistan aufschlussreich gewesen. </p><p>=
Interessant=20
sind auch die Hinweise auf den Luxuskonsum, den Kim Jong-il f=FCr seine Hof=
haltung=20
im Stile eines Thronerben der Kim Il-sung Dynastie entfaltet hat. Die luxur=
i=F6sen=20
Villen in der Schweiz und in Portugal, das Einfliegen von Mangelwaren durch=
 Sondermaschinen=20
sowie die Luxusjachten in Hongkong passen schlecht zum offiziell propagiert=
en=20
spartanischen Lebensstil eines Regimes, das die "breiten Volksmassen" verhu=
ngern=20
l=E4sst, daf=FCr aber den internen Zusammenhalt der Nomenklatur durch eine =
luxuri=F6se=20
Selbstisolation f=F6rdern. Kim Jong-il's Verhandlungsstrategie, auf Zeit zu=
 spielen=20
und sich die R=FCckkehr zu den n=E4chsten Verhandlungsrunden mit den USA, C=
hina, Japan=20
und S=FCdkorea durch umfangreiche Nahrungsmittelhilfen und verlorene Kredit=
e bezahlen=20
zu lassen, hat den Zusammenbruch des Regimes verhindert. Auch die Hilfsprog=
ramme=20
der internationalen Organisationen tragen zur Stabilisierung des Regimes be=
i,=20
da sie nicht die Hungernden in den st=E4dtischen Elendsquartieren und abgel=
egenen=20
Provinzen erreichen, daf=FCr aber die Depots f=FCr die Parteikader und Elit=
eeinheiten=20
aus Armee und Sicherheitsorganen aufstocken. Das nordkoreanische Regime wir=
d,=20
so das Fazit von Rigoulot, =FCberleben, solange seine Nachbarn die politisc=
hen Folgen=20
und die wirtschaftlichen Kosten seines Kollapses mehr f=FCrchten als die hu=
manit=E4ren=20
Katastrophen, welche dieser "Schurkenstaat" - "=E9tat voyou", so der franz=
=F6sische=20
Titel - permanent produziert. </p><p>Zu diesen humanit=E4ren Katastrophen g=
eh=F6rt=20
sicherlich das nordkoreanische Gulag-System. Mit dem ersten authentischen B=
ericht=20
eines =DCberlebenden aus dem Totenreich der politischen Gefangenen Kim Il-s=
ung's=20
l=F6ste Rigoulot, der die Leidensgeschichte von Kang Chol-hwan redigierte, =
keine=20
Begeisterung in Frankreich und S=FCdkorea aus. Nicht wenige franz=F6sische =
Linksintellektuelle=20
wurden an ihre fr=FCheren Freundschaftsbesuche in Pj=F6ngjang und an ihre K=
ondolenzschreiben=20
erinnert, die im Mausoleum zu Ehren von Kim Il-sung auch heute noch den sta=
unenden=20
Besuchern pr=E4sentiert werden. Die freundlichen und verst=E4ndnisvollen Ko=
mmentare=20
von Mitterand und Sartre =FCber Kim Il-sung und sein Arbeiter- und Bauernpa=
radies=20
k=F6nnen auch heute noch dort nachgelesen werden. Rigoulot zitiert in diese=
m Zusammenhang=20
ausf=FChrlich die Reportagen, die Philippe Grangereau f=FCr die Lib=E9ratio=
n geschrieben=20
hat. Auch in S=FCdkorea stie=DF die Ver=F6ffentlichung in Regierungskreisen=
 auf verlegenes=20
Schweigen und massive Ablehnung, weil negative Reaktionen f=FCr die sunshin=
e policy=20
bef=FCrchtet wurden. Interessant w=E4re es auch, die Besucherlisten in den =
G=E4steh=E4usern=20
Pj=F6ngjangs nach prominenten Pilgern aus den Reihen der westdeutschen Drit=
te Welt-Befreiungsaktivisten=20
durchzumustern, die vor Ort die "Juche"- Ideologie studieren wollten und vo=
m Regime=20
Kim Il-sung's bestens versorgt und beflissen hofiert wurden. Zu K. D. Wolff=
's=20
Pilgerreise nach Pj=F6ngjang (1970) und seinem Korea-Komitee gibt es erste =
Hinweise=20
bei Gerd Koenen ("Die gro=DFen Ges=E4nge", 1991; "Das rote Jahrzehnt", 2001=
). </p><p>Kang=20
Chol-hwan wurde 1977 zusammen mit seiner Familie im Alter von neun Jahren i=
n das=20
Konzentrationslager Yodok deportiert, wo er zehn Jahre bis zu seiner Entlas=
sung=20
um sein physisches und psychisches =DCberleben zu k=E4mpfen hatte. Seine Gr=
o=DFfamilie=20
geh=F6rte in Japan zu der koreanischen Exilgemeinde, die es zu Wohlstand un=
d Ansehen=20
gebracht hatte. Vor allem auf Betreiben seiner Gro=DFmutter, einer gl=FChen=
den Kommunistin=20
und Verehrerin Kim Il-sung's, kehrte die Familie nach Pj=F6ngjang zur=FCck,=
 spendete=20
das betr=E4chtliche Verm=F6gen des Gro=DFvaters der Partei und konnte f=FCr=
 einige Jahre=20
die Privilegien der Nomenklatur genie=DFen. </p><p>Kang spricht denn auch i=
n diesem=20
Zusammenhang von einer gl=FCcklichen Jugend im Schatten des "Gro=DFen F=FCh=
rers". Erst=20
die Denunziation und Verhaftung des Gro=DFvaters zerst=F6rt diese Kinderwel=
t. Die=20
Familie des kleinen Chol-hwan wird getrennt. Die Mutter, eine verdiente Par=
teiaktivistin,=20
l=E4sst sich scheiden und bleibt in Pj=F6ngjang, w=E4hrend der Vater, die s=
iebenj=E4hrige=20
Schwester, die Gro=DFmutter und der Onkel im Zuge der Sippenhaftung f=FCr d=
ie "Verbrechen"=20
des Gro=DFvaters eine zehnj=E4hrige Haftstrafe in Yodok antreten m=FCssen. =
Den geliebten=20
und als Vorbild bewunderten Gro=DFvater sieht Kang nie mehr wieder, daf=FCr=
 kann er=20
jedoch sein Aquarium (daher der Titel des Buches), auf dem sein ganzer kind=
licher=20
Stolz beruht, zusammen mit ein paar wenigen Habseligkeiten mit ins Lager ne=
hmen.=20
</p><p>Der Lageralltag wird in allen Einzelheiten beschrieben. Die Familie =
hat=20
zun=E4chst Gl=FCck. Ihre "Verbrechen", so die offizielle Version, k=F6nnen =
durch "Arbeit=20
und Studium" "korrigiert" werden. Sie bezieht deshalb mit vier anderen Fami=
lien=20
eine Holzbaracke und entgeht damit dem Los der anderen H=E4ftlinge, die als=
 Minenarbeiter=20
Tag und Nacht in den Sch=E4chten zu Tode geschunden werden. Die t=E4gliche =
Maisration=20
von 400 Gramm zwingt jeden, der =FCberleben will, zu zus=E4tzlicher Nahrung=
ssuche=20
(Ratten, Schlangen, Fr=F6sche etc.), um bei extremer K=E4lte, fehlender Sch=
utzkleidung,=20
permanenter Arbeit, Krankheiten (ohne Medikamente und =E4rztliche Betreuung=
) ein=20
Minimum an physischer Widerstandskraft zu entwickeln. Die hohe Sterblichkei=
tsrate,=20
besonders auch die h=E4ufigen Selbstmorde unter den zwei- bis dreitausend H=
=E4ftlingen=20
ist eine Folge dieser Bedingungen. Hunger, Unterern=E4hrung, Ersch=F6pfung =
und klirrende=20
K=E4lte im Winter bilden aber nur den =E4u=DFeren Rahmen. Ausf=FChrlich geh=
t Kang auch=20
darauf ein, wie er im Laufe seiner Lagerkarriere ein Repertoire an psychisc=
hen=20
Verhaltens- und Reaktionsformen erwirbt, um sich den zahlreichen Spitzeln z=
u entziehen,=20
pr=FCgelnde Aufseher zu t=E4uschen und winzige zus=E4tzliche Rationen aus d=
em Lagerdepot=20
zu stehlen. Minuti=F6s werden die =F6ffentlichen Hinrichtungen geschildert,=
 das Ritual=20
der regelm=E4=DFig abgehaltenen Kritik- und Selbstkritiksitzungen notiert u=
nd die=20
stumpfsinnige, mit Pr=FCgeln und Schikanen gespickte ideologische Schulung =
beobachtet,=20
die f=FCr die Kinder der H=E4ftlinge an einigen Tagen in der Woche inszenie=
rt wird.=20
Bewegend fallen die Kapitel aus, in denen der heranwachsende Kang =FCber er=
ste Freundschaften=20
und Beziehungen zu gleichaltrigen Jungen und M=E4dchen im Lager berichtet.<=
/p><p>=20
Nach seiner Entlassung aus zehnj=E4hriger Lagerhaft (1987), die Kang bitter=
 mit=20
"Merci Kim Il-sung" kommentiert, wird die Familie in ein Dorf in der N=E4he=
 von=20
Yodok einquartiert, =FCberwacht und kontrolliert. Trotz anf=E4nglicher Erfo=
lge, erste=20
Schritte gesellschaftlicher Aktivit=E4ten zu unternehmen, droht eine erneut=
e Verhaftung,=20
der sich Kang durch eine abenteuerliche Flucht nach China und schlie=DFlich=
 nach=20
S=FCdkorea zu entziehen wei=DF. Hannah Arendt hat die Konzentrationslager a=
ls die=20
Laboratorien totalit=E4rer Herrschaft bezeichnet. Wer das nordkoreanische E=
xperimentierfeld=20
der Inhumanit=E4t aus der N=E4he betrachten m=F6chte, sollte diesen Bericht=
 lesen. Er=20
geh=F6rt sicher zu den klassischen Zeugnissen der condition humaine unter t=
otalit=E4ren=20
Bedingungen.</p><p align=3D"RIGHT"><i>Klaus-Georg Riegel <br>Universit=E4t =
Trier </i></p></td></tr>=20
<tr> <td class=3D"text">&nbsp;</td><td class=3D"unter" valign=3D"top">&nbsp=
;</td><td class=3D"unter" valign=3D"top">&nbsp;</td><td class=3D"unter" val=
ign=3D"top">&nbsp;</td><td class=3D"unter" valign=3D"top">&nbsp;</td></tr>=
=20
<tr> <td class=3D"text">&nbsp;</td><td class=3D"unter" valign=3D"top">&nbsp=
; </td><td class=3D"unter" valign=3D"top">&nbsp;</td><td class=3D"unter" va=
lign=3D"top">&nbsp;</td><td class=3D"unter" valign=3D"top">&nbsp;</td></tr>=
=20
<tr> <td class=3D"platz" height=3D"6" colspan=3D"5">&nbsp;</td></tr> <tr> <=
td class=3D"text">&nbsp;</td><td class=3D"text">&nbsp;</td><td class=3D"unt=
er" colspan=3D"3">&lt;&lt;=20
<b><a href=3D"https://www.fes.de/ipg/arc_04_d/04_04_d/re_04_04.htm" target=
=3D"_self">zur=FCck Rezensionen/ =DCbersicht</a></b></td></tr>=20
<tr> <td class=3D"platz" height=3D"6" colspan=3D"5">&nbsp;</td></tr> <tr> <=
td class=3D"text" height=3D"25">&nbsp;</td><td class=3D"unter" height=3D"25=
" colspan=3D"4">=20
<table width=3D"100%" border=3D"0" cellspacing=3D"0" cellpadding=3D"0"> <tb=
ody><tr> <td class=3D"unter" colspan=3D"5" bgcolor=3D"#111100"><img src=3D"=
https://www.fes.de/ipg/arc_04_d/hg/spac.gif" width=3D"2" height=3D"1"></td>=
</tr>=20
<tr> <td class=3D"unter">&nbsp;</td><td class=3D"unter">&nbsp;</td><td clas=
s=3D"unter">&nbsp;</td><td class=3D"unter">&nbsp;</td><td class=3D"unter">&=
nbsp;</td></tr>=20
<tr> <td class=3D"unter">=A9 Friedrich Ebert Stiftung</td><td class=3D"unte=
r">&nbsp;</td><td class=3D"unter">net=20
edition: <a href=3D"mailto:michelm@fes.de">malte.michel </a> | 09/2004</td>=
<td class=3D"unter">&nbsp;</td><td class=3D"unter"><img src=3D"https://www.=
fes.de/ipg/arc_04_d/hg/pfeil.gif"><b><a href=3D"https://www.fes.de/ipg/arc_=
04_d/04_04_d/r_4_04_6.htm#anf">=20
Top</a></b></td></tr> </tbody></table><br> </td></tr> </tbody></table>


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