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Subject: Zeitschrift: Internationale Politik und Gesellschaft
Date: Mon, 26 Jan 2026 11:31:15 +0100
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<table width=3D"97%" border=3D"0" cellspacing=3D"0" cellpadding=3D"0"> <tbo=
dy><tr> <td width=3D"2%" class=3D"platz" height=3D"20"><img src=3D"https://=
www.fes.de/ipg/arc_05_d/hg/spac.gif" height=3D"20" width=3D"15"></td><td wi=
dth=3D"2%" class=3D"platz"><img src=3D"https://www.fes.de/ipg/arc_05_d/hg/s=
pac.gif" height=3D"20" width=3D"20"></td><td width=3D"23%" class=3D"platz">=
&nbsp;<a name=3D"anf"></a></td><td width=3D"45%" class=3D"platz">&nbsp;</td=
><td width=3D"25%" class=3D"platz">&nbsp;</td></tr>=20
<tr> <td class=3D"text">&nbsp;</td>
    <td class=3D"ueber" valign=3D"top" colspan=3D"3">Istv=E1n Csoboth: Mitw=
irkung der B=FCrger an der Demokratie in Ungarn. Verfassungsnorm und Verfas=
sungswirklichkeit</td>
    <td class=3D"ueber" valign=3D"top" rowspan=3D"6" align=3D"right"><br>=
=20
&nbsp;</td></tr> <tr> <td class=3D"text">&nbsp;</td><td class=3D"unter" val=
ign=3D"top">&nbsp;</td><td class=3D"unter" valign=3D"top">&nbsp;</td><td cl=
ass=3D"unter" valign=3D"top">&nbsp;</td></tr>=20
<tr> <td class=3D"text">&nbsp;</td><td class=3D"unter" valign=3D"top">&nbsp=
;</td>
    <td class=3D"unter" valign=3D"top"><b>Heft 2/2005</b></td>
    <td class=3D"unter" valign=3D"top">&nbsp;</td></tr> <tr> <td class=3D"t=
ext">&nbsp;</td><td class=3D"unter" valign=3D"top">&nbsp;</td><td class=3D"=
unter" valign=3D"top">&nbsp;</td><td class=3D"unter" valign=3D"top">&nbsp;<=
/td></tr>=20
<tr> <td class=3D"text">&nbsp;</td>
    <td class=3D"unter" valign=3D"top" colspan=3D"3">Wiesbaden 2003 <br>
      Deutscher Universit=E4ts-Verlag, 145 S.</td>
  </tr> <tr> <td class=3D"text">&nbsp;</td><td class=3D"unter" valign=3D"to=
p" colspan=3D"3">&nbsp;</td></tr>=20
<tr> <td class=3D"text">&nbsp;</td>
    <td class=3D"unter" valign=3D"top" colspan=3D"4">=20
      <p> Ein sorgf=E4ltiges und fachkundiges Lektorat h=E4tte der Studie v=
on Istv=E1n Csoboth gut getan. Eine F=FClle kleiner Fehler, unklarer Zusamm=
enh=E4nge und einander widersprechender Interpretationen h=E4tte vermieden =
werden k=F6nnen. So liest sich das Buch eher z=E4h. Gleichwohl: Die Studie =
ist wichtig, weil sie am Beispiel eines Transformationslandes aufzeigt, wie=
 weit demokratische Anspr=FCche und Realit=E4t auseinander klaffen und wori=
n die Ursachen dieses Missverh=E4ltnisses zu suchen sind. Die Verfassung, d=
as Recht und die Institutionen Ungarns bieten, so der Autor, vielf=E4ltige =
Chancen zur politischen Partizipation, diese Chancen werden aber von den B=
=FCrgern kaum genutzt. Folgen die Transformationsl=E4nder Ostmitteleuropas =
dem Weimarer Vorbild einer =84Demokratie ohne Demokraten=93 =96 und k=F6nne=
n daher in einer Krisensituation anti-demokratischen F=FChrern oder Bewegun=
gen zum Opfer fallen? So weit geht der Autor nicht. Zumindest in Ungarn ist=
 die Demokratie weder gef=E4hrdet noch blo=DFe Fassade. Sie ist jedoch =84s=
chlecht gelaunt=93. </p>
      <p>Die schlechte Laune wird anhand einer Reihe von Indikatoren illust=
riert: Die Wahlbeteiligung ist im Vergleich zu den westeurop=E4ischen Staat=
en niedrig, wenn auch in der Tendenz steigend. Wahlen dienten bislang dazu,=
 die jeweils amtierende Regierung abzustrafen. Die Parteienbindung der B=FC=
rger ist d=FCrftig, ebenso die Mitgliedschaft in politischen Parteien. Dass=
elbe gilt f=FCr die Verb=E4nde sozialer Interessenvertretung. Die Gewerksch=
aften sind schwach, zersplittert und einflusslos. Trotz drastischer Senkung=
en der Reall=F6hne in den neunziger Jahren hat sich der Organisationsgrad k=
ontinuierlich verringert. Arbeitsk=E4mpfe finden nicht statt, der einzig re=
levante Streik war 1990 von den Taxifahrern (gegen die von der Regierung ve=
rf=FCgte Erh=F6hung der Ben=ADzinpreise) organisiert worden. Bei den Arbeit=
geberverb=E4ndern sieht es nicht besser aus. NGOs und B=FCrgerinitiativen s=
ind kaum pr=E4sent, die einst wichtige Umweltbewegung ist als Akteur kaum n=
och wahrnehmbar. Die ohnehin kleine Zahl an Protestaktionen beschr=E4nkt si=
ch auf die lokale Ebene. Unabh=E4ngig von der rechtlichen Lage bleibt die V=
erwaltung Ungarns autorit=E4r, ineffizient, intransparent und, so wird beha=
uptet, bestechlich. Sie ist aber trotz aller Klagen kein Gegenstand von B=
=FCrgerprotest und -kritik. Die kommunale Selbstverwaltung hat keine ausrei=
chenden finanziellen Ressourcen, sie ist abh=E4ngig vom Zentralstaat, in wi=
nzige Einheiten zersplittert und immer weniger in der Lage, die ihr obliege=
nden Aufgaben zu erf=FCllen. Konsequenterweise wird der Gesamtzustand der D=
emokratie in Ungarn in Meinungsumfragen in der Regel als wenig befriedigend=
 beurteilt, statt dessen verbreitet sich eine gewisse nostalgische Verkl=E4=
rung des alten Systems. </p>
      <p>Die politische Kultur des Landes hat, wie der Autor zeigt, einen g=
ewissen Einfluss auf die politische Partizipation. Der =84schlecht gelaunte=
n Demokratie=93 liegt ein jahrzehntelanger demographischer Abw=E4rtstrend z=
ugrunde, der durch die Transformation noch verst=E4rkt wurde. Ungarn weist =
eine der h=F6chsten Suizidraten und die geringste Lebenserwartung in Europa=
 auf, die Zahl der Eheschlie=DFungen sinkt, qualifizierte Fachkr=E4fte wand=
ern ab. Diese aktuellen Trends verbinden sich mit einer resignativ-pessimis=
tischen und gleichzeitig heroischen Sicht der Nationalgeschichte, die auch =
im politischen Alltag erstaunlich pr=E4sent ist. Die Ungarn sehen sich als =
historisches Bollwerk gegen den =84Osten=93, das vom =84Westen=93 immer wie=
der verraten wurde. Die Geschichte erscheint als eine Kette heroischer, abe=
r sinnloser Anstrengungen und desastr=F6ser Niederlagen, von der Mongolen- =
und T=FCrkeninvasion =FCber die Nie=ADderschlagung der Erhebung von 1848, d=
ie Teilung des Landes 1918 bis hin zur Niederschlagung des Aufstands von 19=
56. Diese Mischung aus Heroismus und Resignation ist ein potenziell fruchtb=
ares Feld f=FCr nationalen Populismus, und die politische Rechte wei=DF die=
ses Feld mit ihrer Propaganda aus =84New Age=93 und Mittelalter zu bestelle=
n. Die Geschichte bietet aber kaum Anreize f=FCr politische Partizipation i=
n Fragen, bei denen es nicht heroisch um Sieg oder Niederlage, sondern um V=
erhandlungen, Kompromissbildung, begrenzte Erfolge und verarbeitbare R=FCck=
schl=E4ge geht. </p>
      <p>Das Ergebnis der Studie von Csoboth ist, so hei=DFt es im knappen =
Geleitwort von Georg Simonis, =84ern=FCchternd=93 =96 und dies um so mehr, =
als Jahrzehnte des Fehlens demokratischer Strukturen und Dispositionen eige=
ntlich die Vermutung nahe legen w=FCrden, die neuen Freiheiten und Partizip=
ationsm=F6glichkeiten w=FCrden mit einem gewissen Enthusiasmus genutzt. Doc=
h auch im Vergleich zur gegenw=E4rtig ebenfalls alles andere als gut gelaun=
ten und =84reifen=93 deutschen Demokratie schneidet Ungarn schlecht ab. Der=
 Autor schr=E4nkt dieses Urteil zwar durch eine Reihe partieller Relativier=
ungen ein, erw=E4hnt aber ein zentrales Argument nur am Rande: Auch die Ein=
f=FChrung der Demokratie 1949 in der Bundesrepublik war keinesfalls mit ein=
er Bl=FCte der B=FCrgeraktivit=E4t und demokratischen Partizipation verbund=
en. Die erste gro=DFe Aufwallung demokratisch-b=FCrgerlichen Selbstbewussts=
eins gegen den (formell demokratisch verfassten) Obrigkeitsstaat war die Sp=
iegel-Aff=E4re, immerhin 13 Jahre nach der Einf=FChrung der demokratischen =
Regierungsform. Die Generation, die im Deutschland der f=FCnfziger und fr=
=FChen sechziger Jahre ma=DFgeblich war, war vor 1949, im Nationalsozialism=
us, in der Weimarer Republik oder in der Emigration politisch sozialisiert =
worden, und =C4hnliches gilt f=FCr Ungarn: Die Generation, die die Politik,=
 Wirtschaft und Kultur des Landes bestimmt, wurde im Kommunismus sozialisie=
rt, ob ihre Mitglieder dem Regime und seinen Verzweigungen angeh=F6rten, ob=
 sie in grunds=E4tzlicher Dissidenz zum Kommunismus standen oder ob sie als=
 indirekte Nutznie=DFer des Systems die Schw=E4chen des Sp=E4tkommunismus e=
rkannt hatten und die Konfusionen der Transformation f=FCr ihre (politische=
n oder privaten) Zwecke nutzen konnten. </p>
      <p>Dieses Generations-Argument greift Csoboth nur am Rande auf. Er ne=
nnt die drei Generationen, die in die junge ungarische Demokratie zu integr=
ieren sind: die 56er mit ihren traumatischen Terrorerfahrungen, die =84Scha=
chergeneration=93 (Csoboth) des sogenannten Gulaschkommunismus und die Juge=
nd. Bei dieser Aufz=E4hlung wird es belassen. Stattdessen verweist Csoboth =
auf einen zweiten, ebenso wichtigen Zusammenhang: Die Demokratisierung verl=
ief parallel zu einer grundlegenden materiellen Schlechterstellung von etwa=
 60 Prozent der Bev=F6lkerung =96 bis hin zur offenen materiellen Not, in d=
er ein relevanter Teil der ungarischen Gesellschaft lebt. Die soziale Dekla=
ssierung der Bev=F6lkerungsmehrheit <em>in der Demokratie </em>beeinflusst =
notwendig auch die Beurteilung dieser Demokratie seitens der so drastisch E=
ntt=E4uschten. Zumindest die Sp=E4tphase des K=E1d=E1rismus erscheint viele=
n aus heutiger Sicht als ein =84Goldenes Zeitalter=93, mit zwar eingeschr=
=E4nkter politischer Freiheit, aber hoher sozialer Sicherheit, biographisch=
er Stabilit=E4t und einem bescheidenen, aber akzeptablen Konsumniveau. Es k=
ommt hinzu =96 was Csoboth nicht thematisiert =96 dass der Sp=E4tkommunismu=
s unter K=E1d=E1r in einigen Bereichen =96 in der Landwirtschaft, im Handel=
, im Handwerk, aber auch in Kultur (etwa im Film) und Wissenschaft =96 indi=
viduelle Aufstiegs- und Bereicherungsm=F6glichkeiten bot, und zwar auf eine=
 Weise, die eine transparente Beziehung zwischen Leistung und Entlohnung zu=
lie=DF. Man konnte unter K=E1d=E1r reich werden, aber Reichtum blieb an har=
te Arbeit gebunden. Die massive Umverteilung der Einkommen und Verm=F6gen i=
m Zuge der Transformation dagegen ist in der Wahrnehmung der Bev=F6lkerungs=
mehrheit alles andere als transparent: Reichtum und Arbeit wurden entkoppel=
t. Reich wurde, wer =FCber Informationen und Beziehungen verf=FCgte, die le=
galen und illegalen Tricks kannte und die sich kontinuierlich ver=E4ndernde=
n Umst=E4nde schnell zu nutzen wusste. Das neue demokratische System wird a=
lso nicht nur zur materiellen Schlechterstellung der Mehrheit in Beziehung =
gesetzt, sondern auch zum Ersatz transparenter und legitimer durch intransp=
arente und illegitime Ungleichheit. </p>
      <p>Csoboths Fragestellung liegt ein bestimmtes Denkmuster zugrunde. E=
r sieht in einem niedrigen Niveau an politischer Partizipation ein Problem =
f=FCr die Demokratie. Diese Sicht ist zumindest nicht selbstverst=E4ndlich.=
 Im liberalen Politikverst=E4ndnis ist politische Partizipation eine Option=
, aber keine Pflicht und auch keine Funktionsvoraussetzung der Demokratie =
=96 so-lange die Freiheitsrechte gewahrt und die Kontrolle und Auswechselba=
rkeit der Regierung garantiert sind. Repr=E4sentative Demokratie bedeutet d=
ie Delegation politischer Willensbildung an die gew=E4hlten Repr=E4sentante=
n, was als Eingrenzung direkter Partizipation, aber auch als Entlastung der=
 B=FCrger von der Politik wahrgenommen werden kann. Kurz bevor man wie Csob=
oth ein niedriges Partizipationsniveau als Defizit wahrnimmt, w=E4re zu kl=
=E4ren, inwieweit die Qualit=E4t einer Demokratie =FCberhaupt vom Partizipa=
tionsniveau ihrer B=FCrger abh=E4ngt. Der Rezensent geht, hierin mit dem Au=
tor =FCbereinstimmend, davon aus, dass es diesen Zusammenhang gibt, dass da=
s immanente Entwicklungspotenzial der Demokratie sich nur auf der Grundlage=
 aktiver Partizipation zumindest einer Minderheit entfalten kann. Doch dies=
es Demokratieverst=E4ndnis und seine Alternativen h=E4tten ebenfalls zum Th=
ema gemacht werden m=FCssen. </p>
      <p align=3D"RIGHT"><i>Michael Ehrke<br>
        Friedrich-Ebert-Stiftung,
      Budapest</i></p>
    </td></tr> <tr> <td class=3D"text">&nbsp;</td><td class=3D"unter" valig=
n=3D"top">&nbsp;</td><td class=3D"unter" valign=3D"top">&nbsp;</td><td clas=
s=3D"unter" valign=3D"top">&nbsp;</td><td class=3D"unter" valign=3D"top">&n=
bsp;</td></tr>=20
<tr> <td class=3D"text">&nbsp;</td><td class=3D"unter" valign=3D"top">&nbsp=
; </td><td class=3D"unter" valign=3D"top">&nbsp;</td><td class=3D"unter" va=
lign=3D"top">&nbsp;</td><td class=3D"unter" valign=3D"top">&nbsp;</td></tr>=
=20
<tr> <td class=3D"platz" height=3D"6" colspan=3D"5">&nbsp;</td></tr> <tr> <=
td class=3D"text">&nbsp;</td><td class=3D"text">&nbsp;</td>
    <td class=3D"unter" colspan=3D"3">&lt;&lt; <b><a href=3D"https://www.fe=
s.de/ipg/arc_05_d/02_05_d/re_02_05.htm" target=3D"_self">zur=FCck=20
      Rezensionen/ =DCbersicht</a></b></td>
  </tr>=20
<tr> <td class=3D"platz" height=3D"6" colspan=3D"5">&nbsp;</td></tr> <tr> <=
td class=3D"text" height=3D"25">&nbsp;</td><td class=3D"unter" height=3D"25=
" colspan=3D"4">=20
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ody><tr> <td class=3D"unter" colspan=3D"5" bgcolor=3D"#111100"><img src=3D"=
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</tr>=20
<tr> <td class=3D"unter">&nbsp;</td><td class=3D"unter">&nbsp;</td><td clas=
s=3D"unter">&nbsp;</td><td class=3D"unter">&nbsp;</td><td class=3D"unter">&=
nbsp;</td></tr>=20
<tr> <td class=3D"unter">=A9 Friedrich Ebert Stiftung</td><td class=3D"unte=
r">&nbsp;</td>
          <td class=3D"unter">net edition: Gerda Axer-D=E4mmer| 04/2005</td=
>
          <td class=3D"unter">&nbsp;</td><td class=3D"unter"><img src=3D"ht=
tps://www.fes.de/ipg/arc_05_d/hg/pfeil.gif"><b><a href=3D"https://www.fes.d=
e/ipg/arc_05_d/02_05_d/r_2_05_2.htm#anf">=20
Top</a></b></td></tr> </tbody></table><br> </td></tr> </tbody></table>


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