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Subject: Zeitschrift: Internationale Politik und Gesellschaft
Date: Tue, 27 Jan 2026 13:06:24 +0100
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<title>Zeitschrift: Internationale Politik und Gesellschaft</title>

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<table width=3D"97%" border=3D"0" cellspacing=3D"0" cellpadding=3D"0"> <tbo=
dy><tr> <td width=3D"2%" class=3D"platz" height=3D"20"><img src=3D"https://=
www.fes.de/ipg/arc_06_d/hg/spac.gif" height=3D"20" width=3D"15"></td><td wi=
dth=3D"2%" class=3D"platz"><img src=3D"https://www.fes.de/ipg/arc_06_d/hg/s=
pac.gif" height=3D"20" width=3D"20"></td><td width=3D"23%" class=3D"platz">=
&nbsp;<a name=3D"anf"></a></td><td width=3D"45%" class=3D"platz">&nbsp;</td=
><td width=3D"25%" class=3D"platz">&nbsp;</td></tr>=20
<tr> <td class=3D"text">&nbsp;</td>
    <td class=3D"ueber" valign=3D"top" colspan=3D"3"><p>Jagdish Bhagwati: I=
n Defense of Globalization<br>     =20
      <br>
      Paul A. Samuelson: "Where Ricardo and Mill Rebut and Confirm Argument=
s of Mainstream Economists Supporting Globalization"<br>
      <br>
      Ricardo Hausmann/Lant Pritchett/Dani Rodrik: <br>
      Growth Accelerations <br>
      <br>
      <br>
    </p>
    </td>
    <td class=3D"ueber" valign=3D"top" rowspan=3D"3" align=3D"right"><br>=
=20
&nbsp;</td></tr> <tr> <td class=3D"text">&nbsp;</td><td class=3D"unter" val=
ign=3D"top">&nbsp;</td><td class=3D"unter" valign=3D"top"><b>Heft 1/2006</b=
></td>
<td class=3D"unter" valign=3D"top">&nbsp;</td></tr>=20
 <tr> <td class=3D"text">&nbsp;</td><td class=3D"unter" valign=3D"top" cols=
pan=3D"3">&nbsp;</td></tr>=20
<tr> <td class=3D"text">&nbsp;</td>
    <td class=3D"unter" valign=3D"top" colspan=3D"4">=20
      <p> Die Angst vor der Globalisierung geht um. Nicht nur in Deutschlan=
d, dem Exportweltmeister, gibt es bekennende Globalisierungsgegner, sondern=
 (fast) =FCberall auf der Welt. Bei ihren j=E4hrlichen Treffen, der Gegenve=
ranstaltung zu dem World Economic Forum der Reichen und M=E4chtigen, klagen=
 sie unter dem Motto "Eine andere Welt ist m=F6glich" die Globalisierung an=
, verantwortlich f=FCr (fast) alle =DCbel dieser Welt zu sein, f=FCr Lohndu=
mping und Arbeitslosigkeit in den Industriel=E4ndern, f=FCr Kinderarbeit, z=
unehmende Verelendung und Raubbau an der Natur in den Entwicklungsl=E4ndern=
. </p>
      <p>Mit der Kritik an der wirtschaftlichen Globalisierung setzt sich d=
er international renommierte Wirtschaftswissenschaftler <em>Jagdish Bhagwat=
i</em> in seinem Buch "In Defense of Globalization" dezidiert auseinander. =
"Does the world need yet another book on globalization?" Die Antwort auf di=
ese rhetorische Frage, mit der Bhagwati sein Buch beginnt, liegt f=FCr ihn,=
 der durch zahlreiche B=FCcher und Artikel als vehementer Verfechter von gl=
obalem Freihandel und Liberalisierung der M=E4rkte bekannt geworden ist, au=
f der Hand: Ja, es m=FCssen die Fakten benannt werden, damit die Globalisie=
rungsgegner begreifen, dass Globalisierung nicht das Problem ist, sondern d=
ie L=F6sung vieler Probleme. </p>
      <p>Nicht die =84hard-core=93 Anti-Globalisierer, die Bhagwati kaum f=
=FCr dialogf=E4hig h=E4lt, will er von den positiven Aspekte der =F6konomis=
chen Globalisierung =FCberzeugen, sondern er wendet sich mit seinem Buch an=
 Globalisierungskritiker, die vern=FCnftigen Argumenten zug=E4nglich seien.=
 Globalisierungsressentiments sind f=FCr Bhagwati ohnehin typisch vor allem=
 f=FCr die Gesellschaften der reichen Industriel=E4nder des Nordens, die si=
ch den Luxus von gegen die Globalisierung gerichteten Stra=DFentheatern und=
 Campusprotesten leisten k=F6nnen, w=E4hrend die Mehrzahl der politischen E=
ntscheidungstr=E4ger und die =D6ffentlichkeit der armen L=E4nder des S=FCde=
ns die Globalisierung als einen positiven Prozess betrachten w=FCrden (S. 8=
). </p>
      <p>Anti-Kapitalismus, Anti-Globalisierung und die Verdammung multinat=
ionaler Konzerne - diese "trilogy of discontents" (vermutlich eine ironisch=
e Anspielung auf den Bestseller "Globalization and its Discontens" des "abt=
r=FCnnigen" Nobelpreistr=E4gers und ehemaligen Chef=F6konomen der Weltbank,=
 Joseph Stiglitz) ist f=FCr Bhagwati die Quelle der militanten Globalisieru=
ngsgegner. Die kritische Einstellung gegen=FCber der Globalisierung speise =
sich aber auch noch aus anderen ideologischen und intellektuellen Quellen, =
wie beispielsweise aus der kruden Xenophobie eines Pat Buchanan, dem Kommun=
itarismus oder dem Anti-Amerikanismus. Die Anti-Globalisierungsbewegung wer=
de von sehr unterschiedlichen Ideen und Leidenschaften animiert, umso notwe=
ndiger sei es, sich mit ihren Protesten und ihrer Kritik konstruktiv ausein=
ander zu setzen, zumindest mit denjenigen, die leise diskutieren, aber fals=
ch informiert seien. </p>
      <p>"Globalisierung ist gut, aber nicht gut genug!" Mit dieser Kapitel=
=FCberschrift (S. 32) macht Bhagwati seine Argumentationslinie deutlich, de=
r er in der Auseinandersetzung mit den Hauptkritikpunkten der Globalisierun=
gsgegner konsequent folgt. Erh=F6ht Globalisierung die Armut in der Welt? F=
=FChrt Globalisierung zu mehr Kinderarbeit? Werden Frauen durch die Globali=
sierung benachteiligt oder beg=FCnstigt? Bedeutet Globalisierung eine Gefah=
r f=FCr die Demokratie? Bringt die kulturelle Globalisierung eine Verarmung=
 oder eine Bereicherung mit sich? Stehen L=F6hne und Arbeitsschutzstandards=
 durch die Globalisierung auf dem Spiel? Sind die transnationalen Konzerne =
=DCbelt=E4ter? Und was wird aus der Umwelt? Auf jede dieser Fragen bietet B=
hagwati Antworten an, die er wirtschaftstheoretisch und empirisch zu belege=
n versucht - und wer ihm dabei zu folgen bereit ist, wird begreifen, dass d=
ie Einbindung in die internationale Arbeitsteilung und in den Prozess der G=
lobalisierung f=FCr Entwicklungsl=E4nder die Chance bietet, wohlhabender zu=
 werden und Probleme wie Kinderarbeit und Armut allm=E4hlich zu =FCberwinde=
n. Nicht durch die =D6ffnung der M=E4rkte w=FCrden f=FCr die armen L=E4nder=
 besondere Probleme entstehen, sondern dadurch, dass sie dem Druck von Lobb=
ygruppen aus den reichen L=E4ndern nachgeben und Zugest=E4ndnisse machten, =
die mit Freihandel nichts zu tun h=E4tten, wie etwa in den Bereichen intell=
ektuelle Eigentumsrechte und Arbeitsstandards (S. 262). Angesichts der anal=
ytischen Befunde l=E4sst sich f=FCr Bhagwati die =DCberzeugung nicht aufrec=
hterhalten, der Globalisierung fehle ein menschliches Gesicht; diese =DCber=
zeugung sei ein Fehlalarm, zumal sie implizit doch auch die M=F6glichkeit e=
iner Globalisierung mit menschlichem Antlitz einschlie=DFe. </p>
      <p>Offenkundig ist Bhagwatis Welt jene sch=F6ne Welt, die jeder Studi=
erende der Wirtschaftswissenschaften schon in den ersten Semestern kennen l=
ernt, die Modellwelt der =D6konomen, in der Freihandel eine f=FCr alle Seit=
en vorteilhafte internationale Arbeitsteilung f=F6rdert, zu Produktivit=E4t=
ssteigerungen f=FChrt und rund um den Globus einen h=F6heren Lebensstandard=
 erm=F6glicht. Er wiederholt die Mantras der <em>mainstream</em> =D6konomik=
, angereichert um empirische Belege f=FCr seine positive Beurteilung des Gl=
obalisierungsprozesses, die sich aber bei genauerer Kenntnis der tats=E4chl=
ichen Hintergr=FCnde als Bruchst=FCcke selektiver Wahrnehmung von Empirie e=
rweisen. Substanziell neue Erkenntnisse zu der Globalisierungsdebatte hat B=
hagwati mit seinem Buch kaum beigetragen. </p>
      <p>Tats=E4chlich l=E4uft ja der Prozess der Globalisierung nicht ganz=
 so ab, wie das in den Lehrb=FCchern der Wirtschaftswissenschaft idealtypis=
ch beschrieben wird. Liberalisierung der M=E4rkte und Integration in die in=
ternationale Arbeitsteilung m=F6gen langfristig den allgemeinen Wohlstand e=
rh=F6hen, kurz- bis mittelfristig gibt es dabei aber nicht nur Gewinner, so=
ndern auch viele Verlierer. Kein geringerer als der Nobelpreistr=E4ger <em>=
Paul A. Samuelson</em> hat in seinem Artikel "Where Ricardo and Mill Rebut =
and Confirm Arguments of Mainstream Economists Supporting Globalization" de=
utlich gemacht, dass die zus=E4tzlichen Gewinne aus dem =DCbergang zu Freih=
andel keineswegs immer und =FCberall gro=DF genug sein werden, um die Verli=
erer entsch=E4digen zu k=F6nnen. Ausgehend von einem relativ einfachen form=
alen Modell, das auf der klassischen ricardianischen Au=DFenhandelstheorie =
der komparativen Vorteile aufbaut, zeigt Samuelson, dass der freihandelsind=
uzierte Produktivit=E4tsanstieg in einem Land unter bestimmten Bedingungen =
ausschlie=DFlich diesem Land zugute kommt, w=E4hrend das andere am Freihand=
el beteiligte Land Einbu=DFen erleidet, obwohl aus diesem Land die arbeitss=
parende technologische Innovation stammt, die zu dem Produktivit=E4tsanstie=
g gef=FChrt hat. Damit wird aber das Freihandelsdogma der (neo-)klassischen=
 Au=DFenhandelstheorie in Frage gestellt. Denn mit Samuelsons Modell lie=DF=
e sich durchaus argumentieren, dass es f=FCr die USA oder f=FCr andere Indu=
striel=E4nder nachteilig sein k=F6nne, wenn sich die Volkswirtschaften Indi=
ens oder Chinas durch Freihandel rasch entwickeln und die dortige Adaption =
des technischen Fortschritts zu sinkenden Reall=F6hnen der Arbeitnehmer in =
den Industriel=E4ndern f=FChrt. </p>
      <p>Die politische Brisanz des Beitrags von Samuelson spiegelt sich in=
 dem Echo wider, dass er in der Fachwelt und in den Medien ausgel=F6st hat.=
 Auch Jagdish Bhagwati hat sich veranlasst gesehen, in einem Leserbrief an =
die Financial Times Deutschland (vom 21.12.2004) zu dem Samuelson-Beitrag S=
tellung zu nehmen. Als bekennender Bef=FCrworter des freien Handels will Bh=
agwati den Kollegen Samuelson nicht von den gegnerischen Protektionisten un=
d Globalisierungsgegnern vereinnahmen lassen, denen er unterstellt, schon d=
ie Champagnerkorken knallen zu lassen, weil sie d=E4chten, einen Giganten z=
um Verb=FCndeten gewonnen zu haben. F=FCr Bhagwati ist das von Samuelson mo=
dellierte Szenario von keiner gr=F6=DFeren politischen Relevanz; zudem sei =
zu ber=FCcksichtigen, dass eine m=F6gliche Verringerung des Freihandelsgewi=
nns f=FCr ein Land den noch gr=F6=DFeren Einbu=DFen gegen=FCber gestellt we=
rden m=FCsse, die durch Protektionismus entst=FCnden. Bhagwati pl=E4diert d=
af=FCr, die Debatte "Freihandel versus Protektionismus" nicht noch einmal =
=FCber die Theorie zu f=FChren, sondern =FCber die empirische Analyse. </p>
      <p>Diesem Pl=E4doyer werden sich Bef=FCrworter eines Abschieds von de=
m autistischen Modellplatonismus des wirtschaftswissenschaftlichen mainstre=
am durchaus anschlie=DFen k=F6nnen. Allerdings darf man die Wirklichkeit ni=
cht nur selektiv wahrnehmen, wenn man die Effekte des =DCbergangs zu Freiha=
ndel aus der empirischen Erfahrung ableiten will. Man muss beispielsweise a=
uch zur Kenntnis nehmen, dass das Auslaufen des protektionistischen Multi-F=
aser-Abkommens zum Ende des Jahres 2004 in Bangladesh zu einem Wegfall von =
mehreren zehntausend Arbeitspl=E4tzen f=FChren wird, f=FCr die kein Ersatz =
in Aussicht ist. Und in der empirischen Analyse w=E4re exemplarisch zu ber=
=FCcksichtigen, dass sich im Falle Mexikos zehn Jahre nach dem Beitritt zu =
dem Nordamerikanischen Freihandelsb=FCndnis NAFTA keineswegs der Effekt ver=
tikaler Lohnnivellierung eingestellt hat, der nach dem Heckscher-Ohlin-Samu=
elson-Modell zu erwarten w=E4re. Zwar ist es zu einer Verlagerung von Produ=
ktionsprozessen niedriger technologischer Komplexit=E4t aus den USA in das =
Niedriglohnland Mexiko gekommen, und theoretisch h=E4tte dort die steigende=
 Nachfrage nach nicht oder geringqualifizierter Arbeit zu einem Lohnanstieg=
 f=FChren m=FCssen, bei gleichzeitig sinkendem Lohnniveau f=FCr h=F6her qua=
lifizierte Arbeit in Folge r=FCckl=E4ufiger Nachfrage, da freihandelsbeding=
t die damit zuvor in Mexiko produzierten G=FCter verst=E4rkt aus den USA im=
portiert werden. F=FCr Mexiko l=E4sst sich diese Entwicklung bislang jedoch=
 nicht best=E4tigen: Die Lohnspreizung hat sich eher noch verst=E4rkt und d=
as Land weist nach wie vor eine der ungleichsten Einkommensverteilungen in =
Lateinamerika auf. Auch der Fall Deutschland w=E4re f=FCr die empirische An=
alyse des Globalisierungsprozesses von Bedeutung, denn hier ist der Abbau i=
ndustrieller Arbeitspl=E4tze durch Outsourcing in ausl=E4ndische Produktion=
sst=E4tten keineswegs durch neue Arbeitspl=E4tze im Dienstleistungssektor k=
ompensiert worden. </p>
      <p>Die wirtschaftliche Realit=E4t ist offensichtlich doch kompliziert=
er als die sch=F6ne Welt der Wirtschaftstheorie, in der Allokationseffizien=
z und Verteilungsgerechtigkeit analytisch sauber getrennt werden, obwohl si=
e nicht zu trennen sind. Und in der realen Wirtschaftswelt geht es keineswe=
gs immer um <em>first-best</em>-Optionen, suboptimale institutionelle Arran=
gements k=F6nnen in einer Gesellschaft dauerhaft Bestand haben, wenn sie be=
stimmten Interessengruppen nutzen. Zudem deutet die empirische Evidenz dara=
uf hin, dass gesamtwirtschaftliche Entwicklungsprozesse pfadabh=E4ngig sind=
, und von dem einmal eingeschlagenen Pfad kann mit einer Reform hier und ei=
nem Ref=F6rmchen dort nicht ohne weiteres abgewichen werden. </p>
      <p>Wirtschaftswunder lassen sich nicht herbei zaubern, auch nicht mit=
 buchstabengetreuer Befolgung vermeintlich sicherer neoliberaler oder neoke=
ynesianischer Erfolgsrezepte. Wie die Harvard-=D6konomen <em>Ricardo Hausma=
nn</em>, <em>Lant Pritchett</em> und <em>Dani Rodrik</em> heraus gefunden h=
aben, erkl=E4ren die aus der herrschenden wirtschaftswissenschaftlichen Leh=
rmeinung bekannten Erfolgsdeterminanten nur einen relativ kleinen Teil der =
F=E4lle, in denen w=E4hrend der zur=FCckliegenden Dekaden ein beschleunigte=
s Wirtschaftswachstum =FCber mehre Jahre hinweg anhielt. Unter der =DCbersc=
hrift "Growth Accelerations" haben die Autoren f=FCr mehr als 100 L=E4nder =
untersucht, unter welchen Bedingungen seit den f=FCnfziger Jahren des 20. J=
ahrhunderts sich das gesamtwirtschaftliche Wachstum anhaltend beschleunigte=
. Immerhin konnten sie 83 F=E4lle einer dynamischen Wachstumsperiode von mi=
ndestens acht Jahren identifizieren (am h=E4ufigsten in Asien), und 125 F=
=E4lle, in denen f=FCnf Jahre lang beschleunigtes Wirtschaftswachstum anhie=
lt. Welche Faktoren mit dem "Wachstumswunder" korreliert waren, wurde mit H=
ilfe =F6konometrischer Tests untersucht; tendenziell f=FChrten Ausweitung d=
es Au=DFenhandels, h=F6here Investitionen, Liberalisierung der Finanzm=E4rk=
te, Abwertungen der eigenen W=E4hrung sowie politische Regimewechsel zu ein=
er Dynamisierung des Wirtschaftswachstums. Allerdings erwies sich der Zusam=
menhang nur als relativ schwach ausgepr=E4gt, und insbesondere marktwirtsch=
aftliche Reformen blieben in den meisten F=E4llen ohne nachweisbare Auswirk=
ung auf das Wirtschaftswachstum. Nur in 16 Prozent der F=E4lle ging den anh=
altenden Wachstumsperioden eine wirtschaftliche Liberalisierung voraus oder=
 hat diese begleitet. Mit anderen Worten: "Wachstumswunder" haben auch ohne=
 strikte Befolgung der g=E4ngigen =F6konomischen Heilslehren stattgefunden.=
 </p>
      <p>Die Autoren von "Growth Accelerations" raten der =D6konomenzunft d=
aher zu Bescheidenheit: Wachstumssch=FCbe werden vermutlich haupts=E4chlich=
 durch viele kleine =C4nderungen ausgel=F6st, aber welche das genau sind, i=
n welcher Kombination, in welcher Intensit=E4t und unter welchen Rahmenbedi=
ngungen, das wissen auch die =D6konomen nicht so genau. Statistisch g=E4be =
es solche Wachstumssch=FCbe h=E4ufiger, als es in der heutigen pessimistisc=
hen Politikdiskussion wahrgenommen werde. Von den 110 untersuchten L=E4nder=
 hatten in der Periode 1957-1992 immerhin 55 Prozent mindestens ein "Wachst=
umswunder" - und zwar meistens ohne gr=F6=DFere Ver=E4nderungen in der Wirt=
schaftspolitik, in den institutionellen Arrangements oder den politischen R=
ahmenbedingungen. Vielleicht sollten wir uns also die aufgeregte wirtschaft=
spolitische Reformdiskussion in Deutschland ersparen und einfach auf das n=
=E4chste Wirtschaftswunder warten. Zumindest aber sollten die =D6konomen ih=
ren ehrgeizigen Anspruch relativieren, als proskriptive Leitdisziplin den G=
esellschaftswissenschaften den Weg in eine bessere Zukunft weisen zu k=F6nn=
en. </p>
      <p align=3D"right"><em>Hartmut Sangmeister<br>
  Universit=E4t Heidelberg </em></p>
    </td></tr> <tr> <td class=3D"text">&nbsp;</td><td class=3D"unter" valig=
n=3D"top">&nbsp;</td><td class=3D"unter" valign=3D"top">&nbsp;</td><td clas=
s=3D"unter" valign=3D"top">&nbsp;</td><td class=3D"unter" valign=3D"top">&n=
bsp;</td></tr>=20
<tr> <td class=3D"text">&nbsp;</td><td class=3D"unter" valign=3D"top">&nbsp=
; </td><td class=3D"unter" valign=3D"top">&nbsp;</td><td class=3D"unter" va=
lign=3D"top">&nbsp;</td><td class=3D"unter" valign=3D"top">&nbsp;</td></tr>=
=20
<tr> <td class=3D"platz" height=3D"6" colspan=3D"5">&nbsp;</td></tr> <tr> <=
td class=3D"text">&nbsp;</td><td class=3D"text">&nbsp;</td>
    <td class=3D"unter" colspan=3D"3">&lt;&lt; <b><a href=3D"https://www.fe=
s.de/ipg/arc_06_d/01_06_d/re_01_06.htm" target=3D"_self">zur=FCck=20
      Rezensionen/ =DCbersicht</a></b></td>
  </tr>=20
<tr> <td class=3D"platz" height=3D"6" colspan=3D"5">&nbsp;</td></tr> <tr> <=
td class=3D"text" height=3D"25">&nbsp;</td><td class=3D"unter" height=3D"25=
" colspan=3D"4">=20
<table width=3D"100%" border=3D"0" cellspacing=3D"0" cellpadding=3D"0"> <tb=
ody><tr> <td class=3D"unter" colspan=3D"5" bgcolor=3D"#111100"><img src=3D"=
https://www.fes.de/ipg/arc_06_d/hg/spac.gif" width=3D"2" height=3D"1"></td>=
</tr>=20
<tr> <td class=3D"unter">&nbsp;</td><td class=3D"unter">&nbsp;</td><td clas=
s=3D"unter">&nbsp;</td><td class=3D"unter">&nbsp;</td><td class=3D"unter">&=
nbsp;</td></tr>=20
<tr> <td class=3D"unter">=A9 Friedrich Ebert Stiftung</td><td class=3D"unte=
r">&nbsp;</td>
          <td class=3D"unter">net edition: Gerda Axer-D=E4mmer | 1/2006</td=
>
          <td class=3D"unter">&nbsp;</td><td class=3D"unter"><img src=3D"ht=
tps://www.fes.de/ipg/arc_06_d/hg/pfeil.gif"><b><a href=3D"https://www.fes.d=
e/ipg/arc_06_d/01_06_d/r_1_06_1.htm#anf">=20
Top</a></b></td></tr> </tbody></table><br> </td></tr> </tbody></table>


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