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Subject: Zeitschrift: Internationale Politik und Gesellschaft
Date: Wed, 28 Jan 2026 13:37:26 +0100
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=3D"0" leftmargin=3D"0" topmargin=3D"0">
<table width=3D"97%" border=3D"0" cellspacing=3D"0" cellpadding=3D"0"> <tbo=
dy><tr> <td width=3D"2%" class=3D"platz" height=3D"20"><img src=3D"https://=
www.fes.de/ipg/arc_07_d/hg/spac.gif" height=3D"20" width=3D"15"></td><td wi=
dth=3D"2%" class=3D"platz"><img src=3D"https://www.fes.de/ipg/arc_07_d/hg/s=
pac.gif" height=3D"20" width=3D"20"></td><td width=3D"23%" class=3D"platz">=
&nbsp;<a name=3D"anf"></a></td><td width=3D"45%" class=3D"platz">&nbsp;</td=
><td width=3D"25%" class=3D"platz">&nbsp;</td></tr>=20
<tr> <td class=3D"text">&nbsp;</td>
    <td class=3D"ueber" valign=3D"top" colspan=3D"3"><p>CLAUS D. KERNIG:<br=
>
      Und mehret euch?<br>
      Deutschland und die Weltbev=F6lkerung im 21. Jahrhundert<br>
    </p>
    </td>
    <td class=3D"ueber" valign=3D"top" rowspan=3D"6" align=3D"right"><br>=
=20
&nbsp;</td></tr>=20
<tr>
  <td class=3D"text">&nbsp;</td>
  <td class=3D"unter" valign=3D"top">&nbsp;</td>
  <td class=3D"unter" valign=3D"top">&nbsp;</td>
  <td class=3D"unter" valign=3D"top">&nbsp;</td>
</tr>
<tr>
  <td class=3D"text">&nbsp;</td>
  <td class=3D"unter" valign=3D"top">&nbsp;</td>
  <td class=3D"unter" valign=3D"top"><span class=3D"Stil1"><b>Heft 1/2007</=
b></span></td>
  <td class=3D"unter" valign=3D"top">&nbsp;</td>
</tr>
<tr> <td class=3D"text">&nbsp;</td><td class=3D"unter" valign=3D"top">&nbsp=
;</td><td class=3D"unter" valign=3D"top">&nbsp;</td>
<td class=3D"unter" valign=3D"top">&nbsp;</td></tr>=20
 <tr>
   <td class=3D"text">&nbsp;</td>
   <td colspan=3D"3" valign=3D"top" class=3D"unter Stil1">Bonn 2006<br>
    Verlag J.H.W. Dietz Nachf., 231 S. </td>
 </tr>
 <tr> <td class=3D"text">&nbsp;</td><td class=3D"unter" valign=3D"top" cols=
pan=3D"3">&nbsp;</td></tr>=20
<tr> <td class=3D"text">&nbsp;</td>
    <td class=3D"unter" valign=3D"top" colspan=3D"4">=20
      <p class=3D"Stil1">  Eine wissenschaftliche Abhandlung =96 die aus ei=
nem Wutanfall entstand! Kann=20
        das gut gehen? Es kann. Das Buch sollte eigentlich =BBSchirrmachers=
 Wahn=AB hei=DFen=20
        und sich gegen die Thesen des Frankfurter Zeitungsmachers richten, =
der den=20
        gesellschaftlichen Jugendwahn postulierte und das Methusalem-Komplo=
tt ausrief.=20
        Dessen Zukunftsszenario einer bleibenden Anziehungskraft f=FCr Einw=
anderer=20
        wird schlicht als =BBirrwitzig=AB abqualifiziert (S. 103). Nicht ei=
nmal Schr=F6ders bescheidene=20
        Angebote f=FCr einige tausend Computerspezialisten fanden ein nachh=
altiges=20
        Echo. Auch im Zeitalter der Globalisierung stellt die Weltbev=F6lke=
rung=20
        keine Globalgesellschaft dar. Migranten wird es weiterhin geben, ab=
er sie stellen=20
        =FCberwiegend wenig qualifizierte Arbeitskr=E4fte. Wo qualifizierte=
 Kr=E4fte auftauchen,=20
        werden sie sich nach Kernig andere Ziele als die =BBFestung Europa=
=AB aussuchen.<br>
        <br>
        Auch in den USA gibt es eine Altenproblematik. Sie betrifft dank gr=
o=DFer Einwanderung=20
        aber nur die =BBWasps=AB (white anglosaxon protestants). Neu an dem=
=20
        Schreckensszenario ist, dass erstmals auch Nationen mit =FCberwiege=
nd katholischer=20
        Bev=F6lkerung in Europa die h=F6chsten =DCberalterungsquoten aufwei=
sen.=20
        Schon graphisch l=E4sst sich der Wandel zeigen. Aus der himmelweise=
nden Pyramide=20
        demographisch aufsteigender L=E4nder ist eine =BBSargform=AB geword=
en. Die=20
        Gr=FCnde f=FCr diese Entwicklung sind eine Fortpflanzungsverweigeru=
ng, verl=E4ngerte=20
        Lebenserwartung und Zuwanderungssperren. Das deutsche Wirtschaftswu=
nder=20
        verst=E4rkte den Trend zum =BBblauen Wunder=AB in der Demographie. =
<br>
        <br>
        Deutschland hat mit der Subventionierung veralteter Produktionsst=
=E4tten die=20
        Weichen falsch gestellt und =FCber Geb=FChr unqualifizierte Arbeits=
kr=E4fte aus dem=20
        Ausland angelockt. Hohn wird =FCber die Illusionisten gegossen, die=
 glaubten, die=20
        Migranten w=FCrden sich integrieren und brav zum Deutschunterricht =
antreten.=20
        Die Landwirtschaft wurde nach 1945 zum H=E4tschelkind des Wiederauf=
baus. Die=20
        Unterst=FCtzung der Landwirtschaft in der Dritten Welt, die ohne au=
sreichende=20
        Hilfe in die Unabh=E4ngigkeit entlassen wurde, hingegen war l=FCcke=
nhaft und nicht=20
        selten fehlgeleitet. Die Baby-Boomer kommen 2025=962034 ins Rentena=
lter, die=20
        Rentnerwelle pr=E4gt die Sargform der Alterspyramide noch mehr aus.=
=20
        <br>
        <br>
        Nach dem =BBcultural turn=AB in den Sozialwissenschaften schossen d=
ie kulturalistischen=20
        Hypothesen ins Kraut. Der verdienstvolle Herausgeber der Enzyklop=
=E4die=20
        =BBSowjetsystem und demokratische Gesellschaft=AB hat eine Aversion=
 gegen den=20
        Marxismus, bleibt aber =BBMarxianer=AB, indem er den heutigen Konfl=
ikt nicht als=20
        Kampf der Kulturen, sondern wirtschaftlich als Nord-S=FCdkonflikt z=
wischen armen=20
        und reichen L=E4ndern deutet. Die Osterweiterung der EU schien manc=
hem=20
        Politiker auch bev=F6lkerungspolitisch geboten. Kernig sieht in den=
 Alterspyramiden=20
        der neuen Mitglieder weitere =BBSargparaden eines Sammelbegr=E4bnis=
ses=AB im=20
        gigantischen Altersheim Europa voraus. Die Hoffnung auf einen riesi=
gen Binnenmarkt=20
        in Russland f=FCr deutsche Exporte h=E4lt der Autor f=FCr falsch. D=
ie L=F6hne=20
        werden nicht niedrig bleiben, aber die Kaufkraft sinkt wegen der do=
rtigen =DCberalterung.=20
        China ist wegen seiner Einkind-Politik kein Hoffnungstr=E4ger mehr,=
 Indien=20
        w=E4chst zwar rasant, aber sein Wirtschaftswachstum h=E4lt nicht Sc=
hritt. Megacities=20
        wachsen und mit ihnen der soziale Sprengstoff in der Dritten Welt. =
Israel=20
        wird immer kleiner in einem Meer von 190 Millionen Arabern. Kriege =
in Nahost=20
        haben keine Siegeschancen mehr.<br>
        <br>
        In keinem Bereich ist so h=E4ufig mit =FCberzogenen Prognosen gearb=
eitet worden,=20
        die sich auf angeblich demographische =BBGesetze=AB st=FCtzten. Pro=
gnosen =FCber=20
        die =D6lreserven erweisen sich in den Augen Kernigs als falsch. Die=
 Hoffnung auf=20
        alternative Energien ist f=FCr den Autor Illusion. Unkonventionelle=
 Energiequellen=20
        setzen Vorfabrikate voraus, deren Herstellung viel Energie kostet. =
Ab 2010 gilt=20
        f=FCr ihn Campbells Parole: =BBThe Party is over!=AB Der Autor satt=
elt noch drauf: =BBDie=20
        Drinks gehen zwar zu Ende, aber die Stimmung ist noch pr=E4chtig=AB=
 (S. 166).<br>
        <br>
        Gibt es Hoffnungen auf grundlegende technologische Innovationen? Ke=
rnig=20
        geh=F6rt nicht zu den Autoren, die mit unkonditionierten Langzeitpr=
ognosen hausieren=20
        gehen. Er sieht allenfalls einen 15-Jahreszeitraum als =FCberschaub=
ar an. Globalisierung=20
        erweist sich als umstrittener Rettungsanker, auch wenn unternehmens=
intern=20
        durch Vernetzung nun 24 Stunden rund um den Globus gearbeitet=20
        werden kann. =DCbernationale Steuerung scheint ein Ausweg aus der K=
rise. Aber=20
        die gigantischen internationalen Organisationen haben sich nach Ker=
nig in eine=20
        =BBGro=DFrechnerfalle=AB hineinman=F6vriert, weil Ziele und Ideolog=
ien nicht zu harmonisieren=20
        sind. Vier Krisen drohen sich zu kumulieren. Die Bev=F6lkerungskris=
e und=20
        in ihrem Gefolge die Verarmung der Dritten Welt, Metropolisierung u=
nd Fundamentalismus sind drei Krisen, die in wenigen Jahrzehnten auf die Re=
ssourcenkrise=20
        treffen werden. Ohne Wissenschaftsjargon bei diesem Autor kann die =
Bev=F6lkerungskrise=20
        als die =BBunabh=E4ngige Variable=AB angesehen werden, die mit den =
drei=20
        anderen Krisen verwoben ist. Die Wissenschaft ver=F6ffentlicht die =
Prognosen, die=20
        Politik nimmt sie unzureichend zur Kenntnis.<br>
        <br>
        Auch wenn die pessimistischen Schl=FCsse nicht von allen Wissenscha=
ftlern geteilt=20
        werden, ist dies eine umfassende Analyse sozialer Prozesse auf 200 =
Seiten, die=20
        man mit Genuss und Schrecken liest. Das Buch ist =E4u=DFerst lesbar=
 geschrieben.=20
        Mehrfarbige Graphiken machen das Material f=FCr Didaktiker brauchba=
r. Manche=20
        sprachlichen Metaphern verdichten sich zu poetischer Pr=E4gnanz. Zu=
m Beispiel: in=20
        zwei Dritteln der hoch entwickelten L=E4nder sehen in der drastisch=
en Sprache des=20
        Autors die =BBverbeulten Alterspyramiden=AB aus =BBwie schrumpfende=
 Hei=DFluftballons=20
        kurz nach der Landung=AB. Kernig polemisiert gelegentlich, noch lie=
ber aber=20
        zeigt er Herablassung gegen=FCber den Illusionisten in der politisc=
hen Szene.
      </p>
      <p align=3D"right" class=3D"Stil1"><em><br>
        Klaus von Beyme </em></p>
    </td>
</tr> <tr> <td class=3D"text">&nbsp;</td><td class=3D"unter" valign=3D"top"=
>&nbsp;</td><td class=3D"unter" valign=3D"top">&nbsp;</td><td class=3D"unte=
r" valign=3D"top">&nbsp;</td><td class=3D"unter" valign=3D"top">&nbsp;</td>=
</tr>=20
<tr> <td class=3D"text">&nbsp;</td><td class=3D"unter" valign=3D"top">&nbsp=
; </td><td class=3D"unter" valign=3D"top">&nbsp;</td><td class=3D"unter" va=
lign=3D"top">&nbsp;</td><td class=3D"unter" valign=3D"top">&nbsp;</td></tr>=
=20
<tr> <td class=3D"platz" height=3D"6" colspan=3D"5">&nbsp;</td></tr> <tr> <=
td class=3D"text">&nbsp;</td><td class=3D"text">&nbsp;</td>
    <td class=3D"unter" colspan=3D"3">&lt;&lt; <b><a href=3D"https://www.fe=
s.de/ipg/arc_07_d/01_07_d/re_01_07.htm" target=3D"_self">zur=FCck=20
      Rezensionen/ =DCbersicht</a></b></td>
  </tr>=20
<tr> <td class=3D"platz" height=3D"6" colspan=3D"5">&nbsp;</td></tr> <tr> <=
td class=3D"text" height=3D"25">&nbsp;</td><td class=3D"unter" height=3D"25=
" colspan=3D"4">=20
<table width=3D"100%" border=3D"0" cellspacing=3D"0" cellpadding=3D"0"> <tb=
ody><tr> <td class=3D"unter" colspan=3D"5" bgcolor=3D"#111100"><img src=3D"=
https://www.fes.de/ipg/arc_07_d/hg/spac.gif" width=3D"2" height=3D"1"></td>=
</tr>=20
<tr> <td class=3D"unter">&nbsp;</td><td class=3D"unter">&nbsp;</td><td clas=
s=3D"unter">&nbsp;</td><td class=3D"unter">&nbsp;</td><td class=3D"unter">&=
nbsp;</td></tr>=20
<tr> <td class=3D"unter">=A9 Friedrich-Ebert-Stiftung</td><td class=3D"unte=
r">&nbsp;</td>
          <td class=3D"unter">Redaktion/net edition: Gerda Axer-D=E4mmer | =
1/2007</td>
          <td class=3D"unter">&nbsp;</td><td class=3D"unter"><img src=3D"ht=
tps://www.fes.de/ipg/arc_07_d/hg/pfeil.gif"><b><a href=3D"https://www.fes.d=
e/ipg/arc_07_d/01_07_d/r_1_07_2.htm#anf">=20
Top</a></b></td></tr> </tbody></table><br> </td></tr> </tbody></table>


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