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Subject: Zeitschrift: Internationale Politik und Gesellschaft
Date: Wed, 28 Jan 2026 14:31:01 +0100
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<table width=3D"97%" border=3D"0" cellspacing=3D"0" cellpadding=3D"0"> <tbo=
dy><tr> <td width=3D"2%" class=3D"platz" height=3D"20"><img src=3D"https://=
www.fes.de/ipg/arc_07_d/hg/spac.gif" height=3D"20" width=3D"15"></td><td wi=
dth=3D"2%" class=3D"platz"><img src=3D"https://www.fes.de/ipg/arc_07_d/hg/s=
pac.gif" height=3D"20" width=3D"20"></td><td width=3D"23%" class=3D"platz">=
&nbsp;<a name=3D"anf"></a></td><td width=3D"45%" class=3D"platz">&nbsp;</td=
><td width=3D"25%" class=3D"platz">&nbsp;</td></tr>=20
<tr> <td class=3D"text">&nbsp;</td>
    <td class=3D"ueber" valign=3D"top" colspan=3D"3"><p>MANUEL PROBST:<br>
      Die humanit=E4re Interventionspflicht<br>
      <br>
    </p>
    </td>
    <td class=3D"ueber" valign=3D"top" rowspan=3D"6" align=3D"right"><br>=
=20
&nbsp;</td></tr>=20
<tr>
  <td class=3D"text">&nbsp;</td>
  <td class=3D"unter" valign=3D"top">&nbsp;</td>
  <td class=3D"unter" valign=3D"top">&nbsp;</td>
  <td class=3D"unter" valign=3D"top">&nbsp;</td>
</tr>
<tr>
  <td class=3D"text">&nbsp;</td>
  <td class=3D"unter" valign=3D"top">&nbsp;</td>
  <td class=3D"unter" valign=3D"top"><span class=3D"Stil1"><b>Heft 3/2007</=
b></span></td>
  <td class=3D"unter" valign=3D"top">&nbsp;</td>
</tr>
<tr> <td class=3D"text">&nbsp;</td><td class=3D"unter" valign=3D"top">&nbsp=
;</td><td class=3D"unter" valign=3D"top">&nbsp;</td>
<td class=3D"unter" valign=3D"top">&nbsp;</td></tr>=20
 <tr>
   <td class=3D"text">&nbsp;</td>
   <td colspan=3D"3" valign=3D"top" class=3D"unter Stil1">Hamburg 2006<br>
    lit Verlag, 127 S.</td>
 </tr>
 <tr> <td class=3D"text">&nbsp;</td><td class=3D"unter" valign=3D"top" cols=
pan=3D"3">&nbsp;</td></tr>=20
<tr> <td class=3D"text">&nbsp;</td>
    <td class=3D"unter" valign=3D"top" colspan=3D"4">=20
      <p class=3D"Stil1">Sp=E4testens seit dem Kosovo Krieg ist die Diskuss=
ion um Rechtfertigungsversuche
        humanit=E4rer Interventionen erneut entbrannt. Probst argumentiert =
in
        diesem Rahmen, geht aber zugleich weiter. Er m=F6chte humanit=E4re =
Interventionen
        nicht nur rechtfertigen, er m=F6chte in bestimmten F=E4llen eine mo=
ralische
        Pflicht f=FCr Staaten zur Intervention nachweisen, eine humanit=E4r=
e Interventionspflicht.<br>
        <br>
        Grundlage seiner Argumentation stellt der universelle Charakter der=
 Menschenrechte
        dar. Wenn diese Rechte mit dem =BBMenschsein=AB einhergehen und som=
it
        allen Menschen zugesprochen werden sollen, dann m=FCssen sie nach P=
robst
        notwendigerweise sechs Eigenschaften aufweisen: Sie m=FCssen univer=
sell, unver=E4u=DFerlich,
        zeitlos g=FCltig, vorpositiv, individuell und moralisch sein. Eine =
ausf=FChrliche
        Analyse der liberal-philosophischen Tradition von Hobbes =FCber Loc=
ke und
        Rousseau bis hin zu Kant f=F6rdert zu Tage, dass keine dieser Argum=
entationen die
        Menschenrechte =96 entgegen ihrem Selbstanspruch =96 endg=FCltig be=
gr=FCnden kann.<br>
        <br>
        Probst untersucht weiterhin den interessenorientierten Ansatz des e=
meritierten
        Philosophieprofessors Ernst Tugendhat, der sich zwar von dem Anspru=
ch
        l=F6st, die Menschenrechte endg=FCltig begr=FCnden zu wollen, nach =
Probst aber auch
        keine hinreichende Begr=FCndung f=FCr die Menschenrechtsidee liefer=
t.<br>
        <br>
        Vor diesem Hintergrund argumentiert Probst folgenderma=DFen: Die Id=
ee der
        Menschenrechte ist nicht hinreichend begr=FCndet, vielleicht nicht =
hinreichend begr=FCndbar.
        Dennoch ist dem Kern der Menschenrechte =96 Freiheit, Gleichheit, S=
olidarit=E4t
        =96 ein sehr hohes Ma=DF an =BBintuitiver Plausibilit=E4t=AB zuzuwe=
isen (S. 50 f).
        Die Nachvollziehbarkeit der Menschenrechtsidee ist f=FCr Probst dar=
an gebunden,
        wie =FCberzeugend sich die Kritik an dieser Idee darstellt. Gelingt=
 es, die sch=E4rfste
        Kritik am Menschenrechtskonzept zu diskreditieren, steigt notwendig=
erweise
        dessen Plausibilit=E4t.<br>
        <br>
        Wenn also gute Gr=FCnde f=FCr die Idee der Menschenrechte sprechen,=
 die wichtigsten
        Kritikpunkte an dieser glaubw=FCrdig unglaubw=FCrdig gemacht werden
        k=F6nnen und unsere moralische Intuition dem Kern der Menschenrecht=
sidee weiterhin
        Plausibilit=E4t zuspricht, dann kann diese Idee zu Recht Grundlage =
weiterer
        Argumentationen werden.
        <br>
        <br>
        Probst untersucht drei zentrale Str=E4nge der Kritik am Menschenrec=
htskonzept:
        Die utilitaristische Kritik, die Kritik des epistemischen Relativis=
mus und die
        des Kulturrelativismus.
        Der Utilitarist Bentham stellt nicht die Rechte des Einzelnen, sond=
ern das
        Wohlergehen einer m=F6glichst gro=DFen Anzahl von Mitgliedern einer=
 Gesellschaft
      in den Mittelpunkt seiner =DCberlegungen. Gerechtfertigt w=E4re hiern=
ach, wenn ein Arzt einen gesunden Patienten t=F6tete, um mit Hilfe von dess=
en Organen anderen
      Patienten das Leben zu retten. F=FCr Probst ist dieses Konzept nicht =
nur =BBeinfach
      nicht begr=FCndet=AB, sondern auch =BBkontraintuitiv=AB (S. 61). Weit=
ere Kritikstr=E4nge
      verm=F6gen aus der Sicht von Probst ebenso wenig zu =FCberzeugen, so =
dass das von
      ihm vorgestellte Menschenrechtskonzept weiter an =BBPlausibilit=E4t=
=AB gewinnt. Auch
      ohne endg=FCltige Begr=FCndung sieht Probst sein Konzept als =BBausre=
ichend gerechtfertigt      =AB (S. 75) an und verwendet es als Grundlage se=
iner Argumentation f=FCr eine
      humanit=E4re Interventionspflicht.<br>
      <br>
      M=F6chte man auf Grundlage der Universalit=E4t der Menschenrechte hum=
anit=E4re
      Interventionen rechtfertigen, so sieht man sich vor allem zwei Haupts=
chwierigkeiten
      gegen=FCber: Erstens sollte man glaubw=FCrdig versichern k=F6nnen, wa=
rum das
      in Artikel 2 der UN-Charta formulierte Souver=E4nit=E4tsrecht von Sta=
aten =FCbergangen
      werden kann. Zweitens sollte nachvollziehbar sein, warum es gerechtfe=
rtigt sein
      soll, Menschenrechte (Dritter!) bei einer humanit=E4ren Intervention =
zu verletzen,
      soll diese doch dem Ziel dienen, Menschenrechte als solche zu sch=FCt=
zen.<br>
      <br>
      Probst begegnet der Souver=E4nit=E4tsproblematik folgenderma=DFen: Di=
e Regierung
      eines Staates kann Souver=E4nit=E4t gegen=FCber anderen Staaten nur d=
ann beanspruchen,
      wenn sie die legitime Vertretung der Bev=F6lkerung dieses Staates ist=
.
      Sobald eine Regierung jedoch Menschenrechte massiv verletzt, entf=E4l=
lt damit ihre
      Legitimit=E4t. Souver=E4nit=E4t ist in diesem Fall kein Argument gege=
n eine Intervention.<br>
      <br>
      Der Kern des zweiten Kritikpunkts bezieht sich auf den Versuch, eine =
humanit=E4re
      Intervention und die damit verbundene Verletzung der Menschenrechte
      weniger Personen durch den Schutz der Menschenrechte vieler Personen =
=BBaufzurechnen=AB und hierdurch zu rechtfertigen. Die Entschuldigung, die =
Verletzung
      der Menschenrechte Unbeteiligter sei nicht absehbar gewesen, ist bei =
dem Standard
      heutiger westlicher Milit=E4rtechnik und deren Ausrichtung auf gro=DF=
en Schaden
      bei m=F6glichst geringen eigenen Verlusten unglaubw=FCrdig. Die entsc=
heidende
      Frage ist also: =BBWie kann man eine Intervention in dem vollen Wisse=
n rechtfertigen,
      dass dabei immer auch Unschuldige sterben werden?=AB (S. 96).<br>
      <br>
      Probst argumentiert: Es muss ein gerechter Grund =96 z. B. die Verhin=
derung
      eines Genozids (S.98) =96 gegeben sein und die Schuld der Regierung d=
es Staates
      muss feststehen, gegen welchen die Intervention durchgef=FChrt werden=
 soll. Wenn
      hingegen durch das Unterlassen einer Intervention Menschen sterben un=
d Menschenrechtsverletzungen
      in gro=DFem Ausma=DF zunehmen, ist eine Intervention gerechtfertigt.
      Jeder, der sich gegen den intervenierenden Akteur stellt, macht sich
      hiermit durch die Behinderung einer moralisch gerechtfertigten Nothil=
fe selbst
      schuldig. Eine Intervention kann also, wenn dieses Nothilfe-Szenario =
gegeben
      ist, auch gegen den Willen von Teilen der Bev=F6lkerung des Staates, =
gegen den interveniert
      wird, durchgesetzt werden.<br>
      <br>
      Probst bleibt hier allerdings nicht stehen. F=FCr ihn impliziert das =
den Menschenrechten
      innewohnende Recht auf Notwehr auch eine Pflicht zur Hilfe. Umdiese H=
ilfspflicht allerdings nicht =FCberzustrapazieren, koppelt Probst sie an Be=
dingungen.
      Zun=E4chst einmal muss der potenzielle Helferstaat =FCberhaupt von de=
n
      Menschenrechtsverletzungen wissen und muss prinzipiell sowie de facto=
 zu Hilfeleistungen
      in der Lage sein. Schlie=DFlich muss die Hilfe dem Hilfeleistenden zu=
zumuten
      sein. Sie darf ihm also =BBkeine gr=F6=DFeren Umst=E4nde=AB (S. 104) =
bereiten
      und muss sich als =BBkonkrete Hilfe=AB (ebd.) zeigen, d. h. die Folge=
n der Unterlassung
      m=FCssen dem Helfenden klar vor Augen liegen.<br>
      <br>
      Leider wird der Hauptteil des Buches seinem Anspruch, eine humanit=E4=
re Intervention
      als Pflicht zu begr=FCnden, nicht gerecht. Im Vergleich zu dem ausf=
=FChrlichen
      philosophiegeschichtlichen Begr=FCndungsversuch der Menschenrechte is=
t er zu
      kurz geraten. Die Argumente, die eine humanit=E4re Intervention recht=
fertigen und
      diesen Nothilfeanspruch zu einer Pflicht ausweiten, sind nur begrenzt=
 =FCberzeugend:
      Wie verh=E4lt es sich beispielsweise, wenn mehrere Akteure von dieser=
 Pflicht      =BBbetroffen=AB sind und wie weit ist das =BBZumutbarkeitskri=
terium=AB dehnbar?<br>
      <br>
      Bezogen auf die weitere inhaltliche Ausarbeitung l=E4sst sich sagen: =
Es findet
      sich viel, nicht aber viel Neues. Das Problem der Aufrechnung von Men=
schenrechten
      wird nicht gel=F6st, sondern umgangen. Auch wenn eine Intervention
      durch ein Nothilfe-Szenario gerechtfertig ist, werden durch eine Inte=
rvention
      wiederum immer Menschenrechte verletzt, etwa die Menschenrechte Dritt=
er. Die
      Kriterien der Theorie des gerechten Krieges werden von Probst zwar te=
ilweise
      ausdifferenziert, nicht aber hinreichend zum Objekt notwendiger Kriti=
k gemacht:
      Wie weit ist das =BBius ad bellum=AB-Kriterium, d. h. die Erforderlic=
hkeit einer Intervention,
      dehnbar? Welche Waffengewalt ist angemessen (Kriterium der Angemessen=
heit)
      und welches Ziel soll erreicht werden? Wann kann man von einer      =
=BBAbscheulichkeit=AB (S. 101) sprechen, die eine humanit=E4re Intervention=
 rechtfertigt
      (gerechter Grund)? Denkanst=F6=DFe zu diesen Bereichen fehlen dem Buc=
h, der
      Autor weicht hier auf Bekanntes aus. Die von Probst vertretene Idee, =
Intuitionen
      als =BBPr=FCfsteine=AB (S. 83) moralischer Theorien eine =BBentscheid=
ende Bedeutung=AB
      zuzusprechen, ger=E4t aufgrund dieser Problematiken an ihre Grenzen.<=
/p>
      <p align=3D"right" class=3D"Stil1"><em><br>
        Frederik Beck,<br>
        Mannheim</em></p>
    </td>
</tr> <tr> <td class=3D"text">&nbsp;</td><td class=3D"unter" valign=3D"top"=
>&nbsp;</td><td class=3D"unter" valign=3D"top">&nbsp;</td><td class=3D"unte=
r" valign=3D"top">&nbsp;</td><td class=3D"unter" valign=3D"top">&nbsp;</td>=
</tr>=20
<tr> <td class=3D"text">&nbsp;</td><td class=3D"unter" valign=3D"top">&nbsp=
; </td><td class=3D"unter" valign=3D"top">&nbsp;</td><td class=3D"unter" va=
lign=3D"top">&nbsp;</td><td class=3D"unter" valign=3D"top">&nbsp;</td></tr>=
=20
<tr> <td class=3D"platz" height=3D"6" colspan=3D"5">&nbsp;</td></tr> <tr> <=
td class=3D"text">&nbsp;</td><td class=3D"text">&nbsp;</td>
    <td class=3D"unter" colspan=3D"3">&lt;&lt; <b><a href=3D"https://www.fe=
s.de/ipg/arc_07_d/03_07_d/re_03_07.htm" target=3D"_self">zur=FCck=20
      Rezensionen/ =DCbersicht</a></b></td>
  </tr>=20
<tr> <td class=3D"platz" height=3D"6" colspan=3D"5">&nbsp;</td></tr> <tr> <=
td class=3D"text" height=3D"25">&nbsp;</td><td class=3D"unter" height=3D"25=
" colspan=3D"4">=20
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ody><tr> <td class=3D"unter" colspan=3D"5" bgcolor=3D"#111100"><img src=3D"=
https://www.fes.de/ipg/arc_07_d/hg/spac.gif" width=3D"2" height=3D"1"></td>=
</tr>=20
<tr> <td class=3D"unter">&nbsp;</td><td class=3D"unter">&nbsp;</td><td clas=
s=3D"unter">&nbsp;</td><td class=3D"unter">&nbsp;</td><td class=3D"unter">&=
nbsp;</td></tr>=20
<tr> <td class=3D"unter">=A9 Friedrich-Ebert-Stiftung</td><td class=3D"unte=
r">&nbsp;</td>
          <td class=3D"unter">Redaktion/net edition:  | 8/2007</td>
          <td class=3D"unter">&nbsp;</td><td class=3D"unter"><img src=3D"ht=
tps://www.fes.de/ipg/arc_07_d/hg/pfeil.gif"><b><a href=3D"https://www.fes.d=
e/ipg/arc_07_d/03_07_d/r_3_07_4.htm#anf">=20
Top</a></b></td></tr> </tbody></table><br> </td></tr> </tbody></table>


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