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Die Innenseite des Regimes Milosevic : =DCberleben ohne Reformen
 / Friedrich-Ebert-Stiftung, Abteilung Industriel=E4nder. - Bonn, 1997
 (Politikinformation Osteuropa ; 71)
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Die Innenseite des Regimes Milosevic : =DCberleben ohne Reformen
 / Friedrich-Ebert-Stiftung, Abteilung Industriel=E4nder. - [Electronic ed.=
]. - Bonn, 1997. - 14 Bl. : graph. Darst. =3D 52 Kb, Text
. - (Politikinformation Osteuropa ; 71)
<br>Electronic ed.: Bonn: EDV-Stelle der FES, 1998
<br><br><font size=3D"-1"><i>=A9 Friedrich-Ebert-Stiftung</i></font>
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</font>
<br><br>
<center><img src=3D"https://library.fes.de/images/digbib/d_inhalt.gif" alt=
=3D"INHALT"></center><br><br>
<!-- END BEGIN2 -->
<a name=3D"top"></a>
<ul>
<li><a href=3D"https://library.fes.de/fulltext/id/00111.html#01">Die zerstr=
ittene Opposition in der reformfeindlichen Gesellschaft</a>
</li><li><a href=3D"https://library.fes.de/fulltext/id/00111.html#02">Das R=
egime braucht soziale Erfolge</a>
</li><li><a href=3D"https://library.fes.de/fulltext/id/00111.html#03">Serbi=
sche "Reaganomics": Haushaltsdefizite und restriktive
Geldpolitik</a>
</li><li><a href=3D"https://library.fes.de/fulltext/id/00111.html#04">Staat=
liche Kontrolle statt Privatisierung</a>
</li><li><a href=3D"https://library.fes.de/fulltext/id/00111.html#05">Der g=
eknebelte Privatsektor als Selbstbedienungsladen des Regimes</a>
</li><li><a href=3D"https://library.fes.de/fulltext/id/00111.html#06">Die n=
icht reformierte Wirtschaft als gesellschaftliche Basis der
Reformgegner</a>
</li><li><a href=3D"https://library.fes.de/fulltext/id/00111.html#07">Die a=
lbanische Karte als neuer politischer Ausweg aus der wirtschaftlichen
Krise ?</a>
</li></ul>
<p>
</p><p>
Nach =FCber 3 Monate anhaltenden Demonstrationen gegen den Wahlbetrug
bei den serbischen Kommunalwahlen schien Ende des vergangenen Jahres das
<b>politische =DCberleben des serbischen Pr=E4sidenten</b> und seiner
Regierung =E4u=DFerst fraglich. Milosevic, der dieses Jahr den zehnten
Jahrestag seines politischen Aufstiegs zum F=FChrer und Pr=E4sidenten
der Serben begehen kann, h=E4lt sich trotz einer dramatischen Verschlechter=
ung
der wirtschaftlichen, sozialen und politischen Lage nach wie vor scheinbar
fest an der Macht. Die letzten Wahlen zum Bundesparlament im Herbst 1996
best=E4tigten diese Position.<br>
</p>

<center><p><b>Sitzverteilung im jugoslawischen Bundesparlament<br>
nach den Wahlen im November 1996</b> </p></center>

<center><p><img src=3D"https://library.fes.de/images/digbib/00111001.gif"> =
</p></center>

<p><b>Nach dem Sieg der Opposition: Die =FCberraschende R=FCckkehr
Milosevic's </b><br>
</p>

<p>Im Ergebnis existiert bis heute in Serbien (und Montenegro) ein politisc=
hes
System mit einer =E4u=DFerst starken Konzentration der Macht beim
Pr=E4sidenten und einem relativ schwachen Parlament. Die <b>Vormachtstellun=
g
des Pr=E4sidenten</b> kommt dabei nicht nur Kraft seiner verfassungsm=E4=DF=
igen
Kompetenzen zustande, sondern beruht auf einer intensiven Verschmelzung
von Partei (SPS), Staat, B=FCrokratie und Wirtschaft. Instrumente hierf=FCr
sind vor allem aus sozialistischen Zeiten =FCbernommene Methoden, wie
z.B. Kaderpolitik, informelle Beziehungen, =C4mterpatronage usw. .<br>
</p>

<p>Selbst der Zerfall Jugoslawiens, die Kriege in Kroatien und Bosnien,
Hyperinflation und Wirtschaftssanktionen im jugoslawischen Reststaat schien=
en
seine Machtposition kaum zu bedrohen. Erst mit dem Entstehen des <b>Opposit=
ionsb=FCndnisses
Zajedno</b> geriet sie ins Wanken. Je st=E4rker im Verlauf der Dauerdemonst=
rationen
"Zajedno" politisches Profil vor allem auch im Ausland gewinnen
konnte, desto mehr sank die Popularit=E4t des serbischen Pr=E4sidenten,
bis sie schlie=DFlich Ende Februar 1997 einen vorl=E4ufigen Tiefpunkt
erreichte. <br>
</p>

<p>Doch Milosevic ri=DF das Gesetz des Handelns wieder an sich und
bem=FCht sich, die <b>politische Krise mit altbew=E4hrten Instrumenten
zu =FCberwinden</b>. Er ignoriert die Forderungen der Opposition und
der internationalen Staatengemeinschaft (OSZE), wie z.B. nach Medienfreihei=
t
oder nach Gespr=E4chen am sogenannten "runden Tisch" oder
beantwortet sie mit dem Erla=DF von eher autorit=E4ren Gesetzen,
wie zum Beispiel mit dem im Februar '97 vorgelegten Entwurf zum neuen Medie=
ngesetz.
Anstatt den Zugang zu den elektronischen Massenmedien zu demokratisieren,
versucht die Regierung mit dem neuen Gesetz, diesen weiter zu erschweren.
<br>
</p>

<p>Auch innerhalb seiner Partei und deren montenegrinischer Schwesterorgani=
sation
setzt sich Milosevic gegen seine Kritiker scheinbar m=FChelos durch.
So lie=DF er den <b>montenegrinischen Premier</b> <b>Milo Djukanovic</b>,
einen scharfen Gegner seiner Politik und Person, kurzerhand aus der Partei
entfernen. Gleichzeitig sorgte Milosevic offensichtlich als Reaktion auf
wachsende innerparteiliche Kritik daf=FCr, da=DF seine Ehefrau,
die JUL-Ideologin Mira Markovic sich aus der =D6ffentlichkeit zunehmend
zur=FCckzieht. Um die Position seiner eigenen Partei zu st=E4rken,
gibt es offensichtlich auch Bestrebungen, den <b>Koalitionspartner JUL</b>
(jugoslawische Linke) st=E4rker zu integrieren. Diese Partei verf=FCgt
zwar =FCber kein allzu gro=DFes W=E4hler- und Mitgliederpotential,
ihre Funktion=E4re sind aber hervorragend in die wichtigsten informellen
Netzwerke vor allem im Wirtschaftsbereich integriert und verf=FCgen
damit =FCber gro=DFen Einflu=DF. <br>
</p>

<p>Als weiteres strategisches Instrument zum Machterhalt nutzt Milosevic
offensichtlich auch eine Wiederbelebung der nationalistischen Komponente.
In diesem Zusammenhang ist sicherlich das vor kurzem geschlossene Abkommen
=FCber spezielle Beziehungen mit der Republika Srpska (Bosnien-Herzegowina)
zu sehen. Diese Vereinbarung setzt sich nicht nur =FCber das Daytoner
Friedensabkommen hinweg, sondern wurde hinter dem R=FCcken der eigentlich
zust=E4ndigen Personen ausgehandelt. Inwiefern die damit auch beabsichtigte
<b>Demontage der bosnisch serbischen Pr=E4sidentin Biljiana Plavsic</b>,
die die Unterzeichnung dieses Abkommens verweigert hat, gelingt, wird sich
in n=E4chster Zukunft zeigen und d=FCrfte als weiterer Gradmesser
f=FCr die politische Machtposition Milosevics dienen.<br>
</p>

<p>Diese Machtposition st=FCtzt sich nicht auf ein Konzept zur Entwicklung
oder gar Transformation der Wirtschaft und Gesellschaft, sondern ist die
kaum ver=E4nderte Fortschreibung des alten kommunistischen Regimemodells.
In ihm <b>dominiert die Politik die =D6konomie</b> mit dem Ziel weitgehende=
r
Kontrolle und Machterhaltung. Die Wirtschaft dient zur Bereicherung der
politischen Klasse und klientelistischen Einbindung weiterer Schichten.

</p><p><a href=3D"https://library.fes.de/fulltext/id/00111.html#top">Zum An=
fang des Dokumentes ...</a>
</p><p>
<a name=3D"01"><b>Die zerstrittene Opposition in der reformfeindlichen Gese=
llschaft
</b></a>
</p>

<p>Die politischen Entscheidungen der kommenden Monate stehen unter den
Vorzeichen der <b>Parlaments- und Pr=E4sidentschaftswahlen in Serbien</b>
(wahrscheinlich im Herbst ). In diesen Wahlen besteht erstmals eine realist=
ische
Chance, da=DF die Opposition als "Zajedno" oder in weiteren
Koalitionen mehr Stimmen erh=E4lt als die jetzige Regierungskoalition.
Dies bedeutet die M=F6glichkeit, da=DF erstmals seit =FCber zehn
Jahren das politische Monopol der Regierung an entscheidender Stelle aufgeb=
rochen
wird. Die tats=E4chlichen Erfolgsaussichten der Opposition lassen sich
allerdings nur schwer einsch=E4tzen, da zuverl=E4ssige W=E4hlerbefragungen
nicht existieren, und noch einige politische Optionen vor allem aus dem
Wirtschaftsbereich, offen sind, die evtl. das Ergebnis entscheidend beeinfl=
ussen
k=F6nnen. <br>
</p>

<p>Au=DFerdem ist das Verhalten des Oppositionsb=FCndnisses momentan
=E4u=DFerst "instabil". Vor allem das Verh=E4ltnis
zwischen den beiden gro=DFen Parteien des B=FCndnisses, der SPO
unter seinem Vorsitzenden <b>Vuk Draskovic</b> und der DS unter dem Vorsitz=
enden
<b>Zoran Djindjic</b> ist im Zusammenhang mit <b>pers=F6nlichen Fehden</b>
der beiden Vorsitzenden untereinander stark belastet. Solche Personalausein=
andersetzungen,
die sich lange Zeit um die Kandidatur um das serbische Pr=E4sidentenamt
kristallisierten, st=F6ren nachhaltig das Bild der Koalition in der
=D6ffentlichkeit und haben auch Auswirkungen auf die inhaltliche Arbeit
des B=FCndnisses, obwohl die einzelnen Programme kaum Unterschiede aufweise=
n.
Mit der nun erfolgten Kandidatur von Vuk Draskovic f=FCr das serbische
Pr=E4sidentenamt hat sich wahrscheinlich der Kandidat mit den schlechteren
Aussichten durchgesetzt. <br>
</p>

<p>Die Kandidatur einer gr=F6=DFeren Anzahl relativ erfolgversprechender
Pers=F6nlichkeiten zersplittert das Lager der Regimegegner. Neben Draskovic
als Kandidat des Oppositionsb=FCndnisses, werden auch <b>Voijslav Sesjil</b=
>
von der Radikalen Partei, der fr=FChere jugoslawische Ministerpr=E4sident
<b>Milan Panic</b> und der einflu=DFreiche Gesch=E4ftsmann <b>Bogoljub
Karic</b>, ein fr=FCherer (inzwischen in Ungnade gefallener) G=FCnstling
von Milosevic kandidieren. Jeder einzelne dieser Kandidaten d=FCrfte
in der Lage sein, einen bedeutenden Stimmenanteil zu erringen. Die Anh=E4ng=
erschaft
Milosevics d=FCrfte dagegen relativ geschlossen auftreten und wie in
der Vergangenheit gut mobilisierbar sein.<br>
</p>

<p><b>Milosevic</b> strebt nunmehr das <b>Amt des jugoslawischen Pr=E4siden=
ten</b>
an. Die notwendige Mehrheit, um dieses vom Parlament gew=E4hlt Amt =FCberne=
hmen
zu k=F6nnen, erhielt seine Partei aufgrund der Ergebnisse der jugoslawische=
n
Bundeswahlen im Herbst 1996. Allerdings m=FC=DFte Milosevic dieses
Pr=E4sidentenamt erst per Verfassungs=E4nderung mit weitreichenden
pr=E4sidentialen Vollmachten ausstatten und die Macht in diesem jugoslawisc=
hen
Amt zentralisieren. F=FCr eine =C4nderung der jugoslawischen Verfassung
ben=F6tigt Milosevic eine Zweidrittelmehrheit, die er bei absoluter
Fraktionsdisziplin seiner Partei und der montenegrinischen Schwesterpartei
erhalten k=F6nnte, sollte es ihm gelingen, die Stimmen der Ultranationalist=
en,
der Radikalen Partei von Vojislav Sesilj, zu erhalten. <br>
</p>

<p>Sein Verzicht auf die Kandidatur in Serbien k=F6nnte f=FCr die
Regierungspartei ein ernsthaftes Problem bedeuten. Aufgrund seiner starken
Machtposition in der Partei und aufgrund von mehreren S=E4uberungen
innerhalb derselben in den letzten Jahren, ist dort keine politische Pers=
=F6nlichkeit
mit gen=FCgend Profil und Erfahrung f=FCr eine erfolgreiche Kandidatur
auszumachen. <br>
<br>
</p>

<p><b>Der drohende Ausbruch Montenegros </b><br>
</p>

<p>Im Zusammenhang mit der Option eines neu gestalteten jugoslawischen
Pr=E4sidentenamtes ist auch der momentane <b>Streit mit und innerhalb
der F=FChrungsriege der montenegrinischen Schwesterpartei DPS</b> zu
sehen. Der montenegrinische Ministerpr=E4sident Milo Djukanovic hatte
sich w=E4hrend der Demonstrationen im Winter in die Reihen der Gegner
von Milosevic eingereiht und steht seitdem in offener Opposition. Djukanovi=
c
verhandelte in Griechenland hinter dem R=FCcken von Milosevic =FCber
einen Kredit f=FCr Montenegro. <br>
</p>

<p>Der wichtigste Grund aber f=FCr die Vehemenz, mit der Milosevic den
montenegrinischen Regierungschef zu demontieren versucht, besteht in der
<b>Gefahr einer Abspaltung Montenegros</b> und damit der Aufl=F6sung
des gemeinsamen Bundesstaates. Mit dieser Abspaltung hat Milo Djukanovic
nicht zuletzt im Zusammenhang mit wirtschaftspolitischen Entscheidungen
dem serbischen Pr=E4sidenten wiederholt gedroht. Eine solche Abspaltung
h=E4tte nicht nur zur Folge, da=DF f=FCr Milosevic das jugoslawische
Pr=E4sidentenamt zur Fortsetzung seiner politischen Karriere nicht mehr
zur Verf=FCgung st=FCnde. Milosevic k=F6nnte dann nicht mehr auf
der Kontinuit=E4tsthese beharren. <br>
</p>

<p>Die Bundesrepublik Jugoslawien, bestehend aus Serbien und Montenegro,
betrachtet sich bislang als einziger <b>Nachfolgestaat des ehemaligen Jugos=
lawien</b>.
Das Beharren auf diesem Standpunkt hat das Land bisher teuer mit der Aufrec=
hterhaltung
des =E4u=DFeren Ringes der Sanktionen (kein Zugang zu internationalen
Institutionen) bezahlt. Diese Haltung hat zwar haupts=E4chlich politische
Gr=FCnde, eine Aufteilung der auf Devisenkonten im Ausland gehorteter
und wahrscheinlich gr=F6=DFtenteils bereits verbrauchter Verm=F6genswerte
des alten jugoslawischen Staates unter die Nachfolgestaaten bietet jedoch
f=FCr das finanziell stark angeschlagene Jugoslawien keine positive
Perspektive. Ein Ausgang des Machtkampfes zwischen Belgrad und Podgorica
ist zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht abzusehen. Milo Djukanovic konnte
seine Entfernung aus dem Regierungsamt bisher erfolgreich abwehren, was
aber nichts f=FCr die Entwicklung der n=E4chsten Zukunft bedeutet.<br>
</p><p><a href=3D"https://library.fes.de/fulltext/id/00111.html#top">Zum An=
fang des Dokumentes ...</a>
</p><p>

<a name=3D"02"><b>Das Regime braucht soziale Erfolge</b></a>
</p><p>

</p><p>Die gr=F6=DFte Gefahr f=FCr die Position Milosevics geht nicht
direkt von innerparteilichen oder oppositionellen Gruppierungen aus. Sie
liegt vielmehr im Unverm=F6gen der jetzigen Regierung begr=FCndet,
die <b>wirtschaftliche und soziale Talfahrt Serbien-Montenegros</b> zu
stoppen oder umzukehren. Tats=E4chlich hingen der Erfolg und die Dauerhafti=
gkeit
der Demonstrationen der Opposition wesentlich von sie begleitenden <b>sozia=
len
Unruhen</b> ab. Selbst nach Beendigung der Demonstrationen fand die soziale
Unzufriedenheit Ausdruck in einer Welle von Streiks, Blockaden, spontanen
Demonstrationen und verschiedenen Formen des b=FCrgerlichen Ungehorsams
(organisierte Verweigerung von Steuer- und Geb=FChrenzahlungen) durch
verschiedene gesellschaftliche Gruppen (Lehrer, Kinderg=E4rtner, Textilarbe=
iter,
Kriegsinvaliden, Rentner usw. ). Der gr=F6=DFte dieser Streiks,
die =FCber einen Monat andauernde Arbeitsniederlegung durch Lehrer und
Erzieher, die f=FCr die Auszahlung ihrer seit Monaten =FCberf=E4lligen,
ohnehin sehr niedrigen L=F6hne und eine Verbesserung ihrer sozialen
Situation k=E4mpften, wurde allerdings durch geschicktes politisches
Man=F6vrieren ohne gr=F6=DFere Zugest=E4ndnisse an die Streikenden
beendet. <br>
</p>

<p>Dennoch wird aus den politischen Entwicklungen der letzten Monate -
soziale Unruhen und der Aufstieg der Opposition - deutlich, da=DF die
wirtschaftliche und soziale Entwicklung zum wichtigsten <b>Antriebsmotor
auch f=FCr politische Ver=E4nderungen</b> geworden ist. Aber gerade
die hierf=FCr n=F6tigen substantiellen Reformen des =F6konomischen
und politischen Systems werden durch m=E4chtige wirtschaftliche Interessen
der Partei und ihrer Klientel bisher verhindert.<br>
<br>
</p>

<p><b>Der Staatshaushalt =FCberlebt durch Zwangsanleihen bei den B=FCrgern<=
/b><br>
</p>

<p>Bei einer Staatsquote von ca. 50%, die eine entsprechend hohe Besteuerun=
g
der relativ armen Bev=F6lkerung erfordert, sank der Anteil der =F6ffentlich=
en
Einnahmen am Bruttoinlandsprodukt 1996 auf 44,5% gegen=FCber 47% 1995.
Dies l=E4=DFt auf zunehmende <b>Schwierigkeiten bei der Steuererhebung</b>
schlie=DFen. =DCber 40% des Steueraufkommens wird durch Einkommenssteuern
erzielt, gefolgt von Verkaufssteuern in =E4hnlicher H=F6he, die Einnahmen
des Zolls sind am st=E4rksten zur=FCckgegangen. <br>
</p>

<p>Der Staat deckt seine Finanzierungsl=FCcke, indem er <b>ausstehende
Zahlungen</b> an Angestellte der staatlichen Verwaltung, des =F6ffentlichen
Dienstleistungsbereichs, Empf=E4nger von Kindergeld, durch Schulden
bei Lieferanten und Bauern, sowie bei Beziehern =F6ffentlicher Transferleis=
tungen
(Rentnern), sowie anderen Lieferanten =F6ffentlicher Leistungen (Gesundheit=
swesen)
nicht ausf=FChrt. Lehrer und =C4rzte m=FCssen monatelang auf ihre
Gehaltszahlungen warten. <br>
</p>

<p>Die nicht beglichenen kumulierten <b>Schulden</b> betrugen 1996 ca.
5% des Bruttoinlandsprodukts bzw. ann=E4hernd 10% der =F6ffentlichen
Ausgaben. Die Existenz solcher unregulierter Defizite stellt eine st=E4ndig=
e
akute Gefahr f=FCr die innere und =E4u=DFere W=E4hrungsstabilit=E4t
dar. Tats=E4chlich wurde im Dezember 1996 unter dem politischen Druck
der Demonstrationen in Jugoslawien ein Teil der Schulden - vor allem ausste=
hende
Rentenzahlungen - durch die Notenpresse beglichen. Der durch die Ausgabe
von gesch=E4tzten 400 bis 500 Millionen Dinar verursachte monet=E4re
Schock f=FChrte zu einer sprunghaften Abwertung des Dinar. Der Dinar,
der nach einer W=E4hrungsreform urspr=FCnglich mit 1,- DM bewertet
war, sank vor=FCbergehend von seinem Durchschnittswert 1996 von ca.
3 DIN/DM auf Werte von 4 DIN f=FCr 1DM. <br>
</p>

<p>Gleichzeitig mu=DF der Staatshaushalt jedoch auch mit der Belastung
aus hohen quasi-fiskalischen Defiziten fertig werden. Diese <b>Defizite</b>
entstehen in erster Linie =FCber den Bankensektor, d.h. durch die Nationalb=
ank
und die Gesch=E4ftsbanken, die verpflichtet sind, den gro=DFen,
zumeist staatlichen Betrieben Kredite zu gew=E4hren, deren R=FCckzahlung
von vornherein ausgeschlossen ist. Die entsprechenden Verluste, die eigentl=
ich
in den Staatshaushalt eingestellt werden m=FC=DFten, betrugen 1996
nach einem starken Anstieg gegen=FCber den Vorjahren =FCber 15 Mrd.
DIN und sind nahezu identisch mit den Verlusten der staatlichen und im
Sozialeigentum befindlichen Betriebe.<br>
</p>

<p>Auf der Ausgabenseite des offiziellen Budgets besteht das gr=F6=DFte
Problem in einem <b>=FCberladenen Sozialsystem</b>, das ausschlie=DFlich
=FCber das Budget finanziert wird und noch aus den Zeiten des sozialistisch=
en
Verteilungssystems stammt. F=FCr eine Stabilisierung der jugoslawischen
Wirtschaft ist aber eine Anpassung an die niedrigen fiskalischen M=F6glichk=
eiten
der Wirtschaft unbedingt erforderlich. Neben einer allgemeinen Reduzierung
der Ausgaben steht auch deren Umstrukturierung seit langer Zeit an, also
eine Revision der Transferleistungen, die Rationalisierung der Staatsfunkti=
onen,
Subventionsabbau, usw.. Eine Aufgabe, die zwar f=FCr die weitere Funktionst=
=FCchtigkeit
der Wirtschaft so schnell wie m=F6glich angegangen werden m=FC=DFte,
die aber in jedem Fall gr=F6=DFte politische Verteilungsk=E4mpfe
und damit Widerst=E4nde mobilisiert.<br>
</p><p><a href=3D"https://library.fes.de/fulltext/id/00111.html#top">Zum An=
fang des Dokumentes ...</a>
</p><p>


<a name=3D"03"><b>Serbische "Reaganomics": Haushaltsdefizite und restriktiv=
e
Geldpolitik</b></a>
</p><p>

</p><p>Vorl=E4ufig hat sich die Regierung zu einer grunds=E4tzlichen
Reform der Fiskalpolitik nicht entschlie=DFen k=F6nnen und beschr=E4nkt
sich auf vereinzelte Eingriffe angesichts von krisenhaften Ungleichgewichte=
n.
Die <b>staatlichen Weihnachtsgeschenke</b> im Dezember 1996 l=F6sten
im Januar 1997 eine offene Budgetkrise aus. Die Einnahmen des Staatshaushal=
ts
sanken um =FCber 30%. Im Dezember '96 waren die Einnahmen vor allem
aus der Besteuerung der Einkommen aufgrund von Lohnerh=F6hungen leicht
gestiegen. Im Januar sanken damit die Steuereinnahmen aus Lohnsteuer und
aus der Steuer auf Sozialsysteme nach Wiederherstellung der monet=E4ren
Disziplin und dem folgenden Absinken der L=F6hne. Gleichzeitig sanken
allerdings auch die Einnahmen aus indirekten Steuern (Verbrauchssteuern)
von 300 Millionen DIN auf 70 Millionen DIN. <br>
</p>

<p>Die Geldpolitik reagierte auf die chaotische Haushaltspolitik mit einer
Versch=E4rfung ihres ohnehin restriktiven Kurses. Die Nationalbank reduzier=
te
im Januar und Februar 1997 die Geldmenge um 5% und errichte so eine Stabili=
sierung
des Schwarzmarktkurses des Dinars und eine Absenkung der monatlichen Inflat=
ionsrate
auf 0,6% im Februar. Angesichts der fehlenden Reform des Finanzsektors
konnte diese <b>monet=E4re Vollbremsung </b>nicht durch Erh=F6hung
der Mindestreserven, den Verkauf von Schuldverschreibungen oder eine direkt=
e
Verringerung des Kreditvolumens erreicht werden. Die Zentralbank w=E4hlte
daher wahrscheinlich den Weg des direkten Bargeldeinzugs zusammen mit dem
Verkauf von Devisenreserven (eigene Reserven und Einzug von ca. 100 Million=
en
$ von Gesch=E4ftsbanken mit Devisenhandelslizenz)und des dann folgenden
Einzugs der erl=F6sten Dinare.<br>
</p>

<p>Die direkte Folge f=FCr die Wirtschaft war zum einen eine deutliche
<b>Rezession</b> - die industrielle Produktion sank z.B. im Januar im Vergl=
eich
zum Vormonat um 18% - L=F6hne und =F6ffentliche Einnahmen sanken
ebenfalls erheblich. Zum anderen kam es zu einer sich dramatisch zuspitzend=
en
Liquidit=E4tskrise in der Wirtschaft, die sich wiederum negativ auf
den Haushalt auswirkte.<br>
</p>

<p>Gro=DFunternehmen (z.B. im Mineral=F6lbereich) entrichten mit
dem Hinweis auf die geldpolitisch versch=E4rfte Illiquidit=E4t und
gegenseitige Verschuldung der Unternehmen die Steuern nicht mehr. Der Staat
besteht nicht auf der Eintreibung dieser Steuerschuld und hofft auf wieder
steigende L=F6hne. Die Einnahmen aus den Warenverbrauchssteuern sinken
ebenfalls, was bei gleichbleibenden Einnahmen aus den Verkaufssteuern nur
durch <b>mangelnde Steuerdisziplin</b> zu erkl=E4ren ist. Daneben wird
die g=E4ngige Praxis verz=F6gerter Auszahlungen von Transferleistungen
aus dem Budget beibehalten, unbesehen der akuten Gefahr der erneuten monet=
=E4ren
Destabilisierung durch die so entstehenden Defizite. <br>
<br>
</p>

<p><b>Der Unternehmenssektor im versteckten Dauerbankrott ...</b><br>
</p>

<p>Die <b>Unternehmen</b> sind in riesigem Umfang <b>verschuldet</b>. Der
Hauptanteil entf=E4llt dabei auf sog. =F6ffentliche Unternehmen,
d.h. Versorgungsbetriebe wie die staatliche Elektro- und Wasserwirtschaft,
die Erd=F6lindustrie, Eisenbahn, Post usw. Die Verluste der Staatsbetriebe
stiegen allein in der 2. H=E4lfte 1996 um 4 Mrd. DIN auf insgesamt weit
=FCber 45 Mrd. DIN. Die Betriebe sind auf gegenseitige Kreditierung
angewiesen, um ihre T=E4tigkeiten aufrechtzuerhalten. Die ausstehenden
Forderungen der Unternehmen untereinander erreichten im M=E4rz ca. 10
Mrd. DIN - ein Betrag der beinahe doppelt so hoch wie die Geldmenge (M1)
ist - bzw. den Bargeldumlauf um ein Vielfaches =FCbersteigt. Selbst
eigentlich solvente und =FCberlebensf=E4hige Unternehmen werden in
die immer l=E4nger werdenden Illiquidit=E4tsketten hineingezogen.
L=F6hne und Steuern werden nicht bezahlt, Lieferanten werden an das
n=E4chste Glied in der Verschuldungskette verwiesen, Banken k=F6nnen
ihre Zinsen nicht einziehen usw. .<br>
</p>

<p>Die Folgen dieser Entwicklung sind neben einem allgemeinen Produktionsr=
=FCckgang
verschiedene <b>effizienzmindernde Ausweichstrategien</b>. Bartergesch=E4ft=
e
nehmen zu und f=FCr Liquidit=E4t werden selbst Preise unter dem Kostennivea=
u
gemacht. Dies hat zwar einen allgemein preisd=E4mpfenden Effekt f=FCr
die Wirtschaft, tr=E4gt aber nicht gerade zu einer gesunden Unternehmensent=
wicklung
bei. Diese Entwicklung droht die Unternehmensaktivit=E4ten und s=E4mtliche
Zahlungsoperationen zum Stillstand zu bringen.<br>
</p>

<p>Das entscheidende Glied in dieser <b>Illiquidit=E4tskette</b> sind
die Banken. Die Gesch=E4ftsbanken und die Zentralbank vergeben die meisten
der uneinbringlichen Kredite an die gro=DFen Verlustbetriebe der Wirtschaft=
.
Die Gesch=E4ftsbanken =FCbernehmen somit quasi-fiskalische Defizite
des Staates. Au=DFerdem sind sie mit Verbindlichkeiten aus alten Spareinlag=
en,
Auslandsschulden und inl=E4ndischen Forderungen der Banken an den Staat
belastet. Neben einer kumulierten Auslandsverschuldung von ca. 9 Mrd. $
ist der jugoslawische Staat auch bei seinen eigenen B=FCrgern mit ca.
4,5 Mrd. $ aus verbrauchten Spareinlagen auf Devisenkonten verschuldet.
<br>
</p>

<p>Eine <b>Umstrukturierung und Rehabilitation der Banken</b> ist in Jugosl=
awien
bisher unterblieben. Eine solche Umstrukturierung w=FCrde bedeuten,
da=DF Verbindlichkeiten aus alten Spareinlagen, Verbindlichkeiten dem
Ausland gegen=FCber und inl=E4ndische Forderungen zum gr=F6=DFten
Teil von den Banken auf den Staat =FCbertragen werden m=FC=DFten.
Anstelle einer Umstrukturierung wurden im Gegenteil bisher 16 Gesch=E4ftsba=
nken
die Lizenzen wegen andauernder Illiquidit=E4t entzogen. <br>
</p>

<p>Die <b>Gesch=E4ftsbanken</b> insgesamt sind inzwischen in einer <b>=E4u=
=DFerst
kritischen Lage</b>. Sie m=FCssen praktisch ohne Depositenbasis operieren,
die Sparquote tendiert wegen des anhaltenden Vertrauensverlustes und wegen
der relativ niedrigen Verzinsung von Einlagen gegen Null und ihre Kreditakt=
ivit=E4ten
basieren bei einer extrem restriktiven Geldpolitik auf Bankschuldverschreib=
ungen
und den quasi-fiskalischen Aktivit=E4ten der Zentralbank. <br>
</p>

<p>Die <b>prek=E4re Liquidit=E4tslage der Banken</b> l=E4=DFt
sich an dem "Beinahekollaps" des Bankensystems im M=E4rz 1997
ablesen, als die Girokonten mit insgesamt 19,5 Millionen DIN in den roten
Zahlen und die aggregierten Bilanzen der Banken bei 118,5 Millionen DIN,
bzw. ca. 22 Millionen DM im Minus standen. Diese Liquidit=E4tskrise
der Banken wurde im M=E4rz offensichtlich durch den Druck von frischem
Geld beigelegt. Da dieses Geld nur auf indirektem Weg in den Wirtschaftskre=
islauf
gelangt, ist der entsprechende Inflationsschub erst im Sommer dieses Jahres
zu erwarten.<br>
<br>
</p>

<p><b>... wandelt sich zur landesweiten Besch=E4ftigungsgesellschaft
</b><br>
</p>

<p>Der nicht erkl=E4rte Bankrott und die strukturelle Rigidit=E4t
des Systems der staatlichen und =F6ffentlichen Betriebe lindern allerdings
die Besch=E4ftigungssituation. Trotz des dramatischen R=FCckgangs
der Produktion seit 1989 gab es aus politischen Gr=FCnden <b>keine gr=F6=DF=
eren
Entlassungswellen</b>. Bereits vor dem Verfall der Produktion und des Sozia=
lprodukts
wurde die <b>versteckte Arbeitslosigkeit</b> auf ca. 20% gesch=E4tzt.
Demnach sind zwischen 800.000 und 1 Million. Arbeiter zu viel besch=E4ftigt=
,
d.h. ihre Entlassung w=FCrde zu keinerlei Einbu=DFen beim Sozialprodukt
f=FChren. <br>
</p>

<p>Ca. 50% dieser =FCbersch=FCssigen Besch=E4ftigung wird dabei
als direkte Sanktionsfolge eingesch=E4tzt, die andere H=E4lfte gilt
als durch die gegebene =F6konomische Struktur verursacht. Die versteckte
Arbeitslosigkeit trifft dabei auf eine extrem hohe Anzahl von offiziell
registrierten Arbeitslosen. Weit =FCber 800.000 Menschen waren zu Beginn
des Jahres als arbeitslos gemeldet. Das entspricht einer Arbeitslosenrate
von =FCber 25%. Zusammen mit den versteckten Arbeitslosen w=FCrde
dies eine <b>Arbeitslosenrate von =FCber 50%</b> ergeben. <br>
</p>

<p>Die =FCbersch=FCssig besch=E4ftigten Arbeitskr=E4fte - dies
sind ca. 40 bis 50% der insgesamt in der Industrie Besch=E4ftigten -
erhalten aber dennoch, wenn auch zum Teil reduzierten Lohn. Ein Teil dieser
Summe wurde - zumindest w=E4hrend der Sanktionen - dadurch abgedeckt,
da=DF der Verfall des Reallohnes wesentlich gr=F6=DFer ausfiel,
als das Absinken des Sozialprodukts. Der andere Teil wurde und wird durch
ungesicherte Kredite, also indirekt =FCber den Staatshaushalt abgedeckt.
Ein solcher "<b>Besch=E4ftigungszwang</b>" zementiert die
existierenden Strukturen.<br>
</p>

<p>Auf der anderen Seite ist die soziale Lage breiter Bev=F6lkerungskreise
durch die =F6konomische Entwicklung ebenfalls an bzw. unter die Armutsgrenz=
e
ger=FCckt. Im Vergleich zu vor 6 Jahren leben ca. doppelt so viele Personen
unter der Armutsgrenze. Die Reall=F6hne, die seit 1990 stark sanken,
sind erst ab 1994 leicht gestiegen und erreichten 1995 wieder 46% des Nivea=
us
von 1989. Der <b>monatliche Durchschnittslohn</b> betrug im Dezember 880
DIN bzw. ca. <b>225,- DM</b>. Allerdings erhalten ca. 70% der Arbeiter
L=F6hne, die unter dem nationalen Durchschnitt liegen. Viele Unternehmen
zahlen ihre L=F6hne erst mit monatelanger Versp=E4tung aus. <br>

</p><p><a href=3D"https://library.fes.de/fulltext/id/00111.html#top">Zum An=
fang des Dokumentes ...</a>
</p><p>

<a name=3D"04"><b>Staatliche Kontrolle statt Privatisierung</b></a>
</p><p>

</p><p>Die seit 1990 unternommenen Privatisierungschritte scheuten sich, di=
e
Bedeutung des =F6ffentlichen Sektors zur=FCckzudr=E4ngen. Die
Privatisierung erfolgte auf dem Weg einer Unternehmensgesetzgebung, die
die Gr=FCndung von neuen privaten Unternehmen zulie=DF, und durch
Privatisierung existierender Unternehmen in gesellschaftlichem Eigentum.
Allerdings wurde die rasch einsetzende Expansion des privaten Sektors durch
Schockereignisse - Krieg und Wirtschaftssanktionen und in deren Gefolge
die Hyperinflation - j=E4h beendet. Ein Teil der <b>Privatisierung</b>
wurde sp=E4ter sogar <b>wieder r=FCckg=E4ngig gemacht</b>, mit
dem Argument, da=DF durch die Hyperinflation kein angemessener Betrag
f=FCr den Kauf der Betriebe entrichtet wurde. Daraus wurde die Notwendigkei=
t
einer Neubewertung der schon privatisierten Betriebe abgeleitet. Die meiste=
n
der davon betroffenen Betriebe haben gegen diese R=FCcknahme der Privatisie=
rung
geklagt. Eine endg=FCltige Entscheidung steht zwar noch aus, alles deutet
derzeit aber darauf hin, da=DF es bei der R=FCcknahme der Privatisierung
bleibt.<br>
</p>

<p>Statt einer konsequenten Privatisierung fand eine direkte <b>Verstaatlic=
hung
und Zentralisierung</b> statt, die Unternehmen quasi in "Regierungseigentum=
"
=FCberf=FChrte. Unter diese Kategorie fallen auch rein rechtliche
=C4nderungen des Eigent=FCmerstatus gro=DFer Betriebe, die sogenanntes
"institutionelles Eigentum" wurden. Auf der Grundlage direkter
staatlicher oder quasistaatlicher finanzieller Operationen wurde das gesell=
schaftliche
Eigentum auf verschiedene staatliche und quasistaatliche Institutionen
und Organisationen =FCbertragen. Durch solche Transaktionen =E4ndern
sich allerdings die betrieblichen Anreizstrukturen und Existenzbedingungen
keineswegs, was zu gleichbleibenden Verhaltensweisen der Betriebe f=FChrt.
Die vom privaten Eigentum erwarteten Effizienzsteigerungen bleiben naturgem=
=E4=DF
aus. <br>
</p>

<p>Das gleiche gilt f=FCr Privatisierungsmodelle, die die Betriebe in
<b>Aktiengesellschaften</b> umwandeln, deren Anteil intern verkauft oder
verteilt werden. Die Subventionierung aus dem Staatshaushalt, das Produktio=
nsprogramm,
das Management usw. bleiben dabei unver=E4ndert erhalten. Die Ver=E4nderung=
en
betreffen allenfalls den rechtlichen Status der Betriebe, ihre =F6konomisch=
e
Funktionsweise =E4ndert sich nicht.<br>
</p>

<p>=DCber 40% des Kapitals wurde in den letzten Jahren direkt verstaatlicht
(komplette Infrastruktur, Dienstleistungen, =F6ffentliche Versorgungsbetrie=
be,
Rohstoffindustrie usw.) w=E4hrend =FCber 40% in verschiedenen Formen
von gesellschaftlichem Eigentum verblieben ist. Der gr=F6=DFte Teil
dieser staatlichen Unternehmen sind riesige Verlustbringer mit weit fortges=
chrittener
Dekapitalisierung und geringem Restrukturierungspotential. Aber die Regieru=
ng
kann so ihren direkten <b>Einflu=DF auf die Wirtschaft</b> behalten.
<br>
</p>

<p>Viele der gro=DFen Staatsunternehmen produzieren gro=DFe Verluste
und ben=F6tigen st=E4ndige staatliche Alimentierung und sonstige
staatliche Hilfestellungen, um nicht sofort zugrunde zu gehen. Diese Betrie=
be
besch=E4ftigen aber eine gro=DFe Anzahl von Menschen. Privatisierung
und Umstrukturierung w=E4ren mit gr=F6=DFeren Entlassungswellen
und =F6konomischen Schocks verbunden - mit entsprechenden Wirkungen
auf die politische Existenz der Regierung. Au=DFerdem kam und kommt
den Gro=DFbetrieben eine wichtige Rolle bei der <b>sozialen Sicherung</b>
und in vielen sozialpolitischen Bereichen zu, womit bei einer Transformatio=
n
dieser Betriebe auch wichtige Teile des sozialen Netzwerks entfallen. Auch
in dieser Hinsicht dient also die Beibehaltung des Status Quo der Aufrechte=
rhaltung
des sozialen und damit politischen Friedens. <br>
</p>

<p>Die Regierung mischt sich immer mehr in das Funktionieren der Wirtschaft=
,
anstelle sich durch aktive Transformationsbem=FChungen aus dieser zur=FCckz=
uziehen.
Damit perpetuiert sie also <b>aus rein politischen Gr=FCnden ihre gesellsch=
aftliche
Kontrolle</b>, obwohl dies =F6konomisch kontraproduktiv und krisenversch=E4=
rfend
wirkt. <br>
</p><p><a href=3D"https://library.fes.de/fulltext/id/00111.html#top">Zum An=
fang des Dokumentes ...</a>
</p><p>

<a name=3D"05"><b>Der geknebelte Privatsektor als Selbstbedienungsladen des=
 Regimes
</b></a>
</p><p>

</p><p>Trotzdem konnte sich seit 1991 ein relativ bedeutender privater Sekt=
or
vor allem durch Gr=FCndung von Kleinst- und Kleinunternehmen entwickeln.
Von den =FCber <b>200.000 registrierten Privatunternehmen in Jugoslawien</b=
>
sind allerdings nur weniger als 60.000 auch tats=E4chlich operativ t=E4tig.
Je nach zugrunde gelegter Bewertung befinden sich nur 10 bis 20% des Kapita=
ls
in Privateigentum, der Rest ist gesellschaftliches oder Staatseigentum
bzw. kleinere Anteile sind verschiedene Mischformen. 90% der Besch=E4ftigte=
n
im staatlichen und =F6ffentlichen Sektor stehen nur 10% Besch=E4ftigte
im privaten Sektor gegen=FCber. Der Gro=DFteil der privaten Firmen
sind kleine Unternehmen mit wenigen Angestellten und einer relativ d=FCnnen
Kapitalausstattung. Dennoch erwirtschaften diese 10% Besch=E4ftigte
im privaten Sektor nach neuesten Sch=E4tzungen 42% des Sozialprodukts.<br>
</p>

<p>In Serbien existiert also ein<b> relativ gro=DFer privater Sektor</b>,
der zwar nicht die schwerwiegenden strukturellen Probleme des Landes vor
allem im industriellen Bereich in kurzer oder mittlerer Frist l=F6sen
kann, der aber eine hoffnungsvolle Grundlage bietet, sollten ernsthafte
Wirtschaftsreformen mit dem Ziel auf eine Systemtransformation beabsichtigt
werden. Sie w=FCrden den wirklichen Unternehmern, die nicht am politischen
Tropf des Regimes h=E4ngen, sondern nur gegen seine Bereicherungsversuche
=FCberleben, eine echte Chance bieten. <br>
</p>

<p>Diese Bereicherungsversuche untergraben die Existenz- und <b>Entwicklung=
sbedingungen
des privaten Sektors</b> in Serbien. W=E4hrend der =F6ffentliche
Sektor durch zahlreiche Ma=DFnahmen gesch=FCtzt und gef=F6rdert
wird, tr=E4gt der Privatsektor die Hauptfinanzierungslast der defizit=E4ren
Wirtschaft. Die privaten Unternehmen sind exzessiv besteuert, mit h=E4ufige=
n
=C4nderungen der Besteuerung - auch r=FCckwirkend - konfrontiert,
zahlen hohe =F6ffentliche Geb=FChren, haben kaum Zugang zu Fremdkapital
und im Normalfall auch nicht zu Lizenzen und Konzessionen. Sie existieren
in einem Kontext von starker, zun=E4chst von der Administration ausgehender
Unsicherheit und mangelnder Rechtssicherheit. <br>
</p>

<p>Andererseits dient der Privatsektor auch als Umverteilungs- bzw. Umwandl=
ungsinstrument
von =F6ffentlichem/staatlichem Kapital in privates: </p>

<ul>
<li>Zum einen gibt es eine Reihe sog. "<b>Funktion=E4rs-, Ministerial-
oder auch Phantomunternehmen</b>". Dies sind Unternehmen, die kaum
Besch=E4ftigte, niedrigste Kosten und enorme Gewinne und Ums=E4tze
aufweisen. =DCber ihre Konten werden die Ums=E4tze f=FCr gro=DFe
Rohstoff- und andere Vorproduktskontrakte f=FCr staatliche Firmen im
Inland oder aus Importvertr=E4gen get=E4tigt. Bei den gro=DFen
gehandelten Ums=E4tzen bleiben dann Kommissionszahlungen als prozentualer
Anteil vom Umsatz, also hohe Gewinne, beinahe ohne Abzug von Kosten =FCbrig=
.
Der Zugang zu dieser Art von Gesch=E4ften ist nat=FCrlich mit =E4u=DFerst
nahen Beziehungen zum Regime verbunden, bzw. wird von seinen obersten Prota=
gonisten
selbst get=E4tigt. </li>

<li>Daneben existieren eine Reihe "<b>Bereicherungsunternehmen</b>",
die von Managern staatlicher Firmen gegr=FCndet wurden, und die aus
diesen in gr=F6=DFerem Umfang Kapital in Form von Maschinen u.=E4.
zu weit unterbewerteten Preisen, aber auch Betriebskapital abziehen, Konzes=
sionen,
Kundenkontakte und Kontrakte, Lizenzen etc. mitnehmen. Voraussetzung f=FCr
diese Art der Beg=FCnstigung ist allerdings ebenfalls die gro=DFe
N=E4he zu B=FCrokratie und Regime, die sich innerhalb dieser Gruppe
vor allem in der JUL organisiert haben. </li>
</ul>

<p>Diese Art der Privatisierung in einer Umgebung, die in der Hauptsache
nicht durch M=E4rkte gesteuert wird, versch=E4rft nicht nur die Verm=F6gens=
verteilung,
sondern schadet auch der tats=E4chlichen Effizienz und Produktivit=E4t
dieser Unternehmen. In weiten Bereichen ersetzen <b>"Klientel"-beziehungen
zur Regierung</b> den Wettbewerb am Markt.<br>

</p><p><a href=3D"https://library.fes.de/fulltext/id/00111.html#top">Zum An=
fang des Dokumentes ...</a>
</p><p>

<a name=3D"06"><b>Die nicht reformierte Wirtschaft als gesellschaftliche Ba=
sis der
Reformgegner</b></a>
</p><p>

</p><p>In Serbien ist nun der <b>Widerstand gegen eine wirkliche Transforma=
tion</b>
besonders gro=DF, da wichtige Gruppen an der Verz=F6gerung der Umstrukturie=
rung
interessiert sind. Anders ist auch eine so lange Verweigerungshaltung in
der allgemein schlechten wirtschaftlichen und sozialen Situation politisch
kaum erkl=E4rbar. <br>
</p>

<p>Die herrschende politische Schicht bef=FCrchtet, da=DF eine umfassende
Privatisierung nicht nur eine empfindliche <b>Einsch=E4nkung ihrer =F6konom=
ischen
Verf=FCgungsgewalt</b> und Umverteilungskompetenz bedeutet, sondern
da=DF von einer privat strukturierten, pluralistisch organisierten
Wirtschaft auch starke Impulse zur Aufl=F6sung der politischen Monopolstruk=
turen
ausgehen. <br>
</p>

<p>Auch <b>weite Teile des Managements und der mittleren Funktion=E4rsschic=
ht</b>
sind an einer m=F6glichst lang anhaltenden Verz=F6gerung von Privatisierung=
s-
und anderen Reformprozessen interessiert. </p>

<ul>
<li>Zum einen m=FCssen viele, die ihre Position nur aufgrund von Korruption=
,
politischen Beziehungen und Loyalit=E4ten, Nepotismus usw. - kurz wegen
ihrer passenden Position im informellen Netzwerk - und nicht aufgrund ihrer
professionellen Qualit=E4ten innehaben um ihre Existenz f=FCrchten.
</li>

<li>Zum anderen haben diese Manager oftmals Techniken entwickelt um sich
aus den staatlichen Firmen, ungeachtet deren tats=E4chlicher Ertragslage
zu bereichern. Sie haben ausgefeilte Techniken entwickelt, um die Verluste
ihrer Unternehmen an die Allgemeinheit weiterzugeben, w=E4hrend sie
Teile des Kapitals (Fonds)oder auch Gewinne privatisieren. </li>

<li>Eine besondere Variante dabei ist die Praxis, Betriebe oder einzelne
Betriebsteile absichtlich herunterzuwirtschaften und so deren Wert zu minim=
ieren.
Bei einer sp=E4ter folgenden Privatisierung k=F6nnen diese Betriebe
dann durch das Management zu g=FCnstigsten Preisen legal erworben werden.
</li>

<li>Dabei ist sich die Schicht der Wirtschaftsfunktion=E4re durchaus
bewu=DFt, da=DF solche Verschiebungen =F6ffentlichen Verm=F6gens
in den Privatbereich f=FCr sie allenfalls eine gute Startposition im
privaten Sektor bedeutet. Die "Haltbarkeit" von Privilegien ist
in einer Kommandowirtschaft und in einer politischen Monopolsituation kurzf=
ristig
gr=F6=DFer und zumindest nicht den Risiken von Marktprozessen ausgesetzt.
</li>
</ul>

<p>Nicht zuletzt bleibt <b>breiten Schichten der Arbeiter und Angestellten<=
/b>
in dieser Kriegs- und Bereicherungs=F6konomie kaum eine Alternative
zum Festhalten am Status quo. Von grundlegenden Reformen und weitgehender
Privatisierung bzw. der Herstellung tats=E4chlicher privater Eigentumsrecht=
e
m=FCssen sie in erster Linie nur f=FCrchten, ihren Arbeitsplatz im
Rahmen der dann f=E4lligen Umstrukturierungen zu verlieren. Die Belegschaft
hat als Mehrheitsaktion=E4r oftmals die Gelegenheit, den =F6konomisch
relevanten Privatisierungs- und Umstrukturierungsproze=DF zu verhindern.
Die f=FCr ein marktwirtschaftliches Funktionieren entscheidende Trennung
zwischen den Eigent=FCmerfunktionen und den Managementfunktionen erfolgt
nicht. Daher ist auch eine breite Unterst=FCtzung der Oppositionsbewegung
durch die Arbeiterschaft ausgeblieben. Die Arbeiter streiken und demonstrie=
ren
zwar f=FCr den Erhalt ihrer Arbeitspl=E4tze und die Auszahlung von
L=F6hnen, nicht aber f=FCr eine politische Opposition, die durch
ihre Reformabsichten ihre momentane Situation gef=E4hrdet.<br>
</p>

<p>Daneben spielt in Serbien traditionell die <b>Schattenwirtschaft</b>,
bzw. "graue =D6konomie" eine bedeutende Rolle bei der Milderung
sozialer H=E4rten, die in der offiziellen Wirtschaft entstehen. Der
Anteil der Schattenwirtschaft wird manchmal sogar auf bis zu 40% des Sozial=
produkts
gesch=E4tzt, je nach dem welche T=E4tigkeitsbereiche zu diesem Sektor
gez=E4hlt werden und wie die Gr=F6=DFen im einzelnen bestimmt
werden. Nicht zuletzt, da die Ausweichm=F6glichkeit in die Schattenwirtscha=
ft
den politisch-sozialen Druck auf die Regierung mildert, sind die Eind=E4mmu=
ngsversuche
dieses florierenden Gesellschaftsbereichs durch die Regierung relativ gerin=
g.
Die Untergrundwirtschaft ist umgekehrt auch wenig an einer klar regulierten
Marktwirtschaft interessiert, die ihre Existenzbedingungen gef=E4hrdet.<br>
<br>
</p>

<p><b>Die Wirtschaft =FCberlebt dank geheimnisvoll finanzierter Importe
</b><br>
</p>

<p>1996 war die wirtschaftliche und soziale Entwicklung nach der Aufhebung
der Wirtschaftssanktionen zun=E4chst durch einen <b>leichten Aufw=E4rtstren=
d</b>
und stabilisierende Faktoren gekennzeichnet. So stieg die Industrieprodukti=
on
1996 um durchschnittlich 7%, das Sozialprodukt um 5,8%, der Wechselkurs
des Dinar (100 Dinar =3D ca. 30,-DM) war (auch auf dem Schwarzmarkt) relati=
v
stabil, die Inflationsrate war mit ca. 60% die niedrigste seit zehn Jahren
und nur halb so gro=DF wie 1995. Allerdings erreichte damit das Sozialprodu=
kt
gerade mal 55% seines Niveaus von 1989, die Industrieproduktion sogar nur
40%. =D6konomische Institute halten aber diese offiziellen Statistiken
f=FCr eine Sch=F6nf=E4rberei, die das Bruttoinlandsprodukt um
ca. 50% =FCbersch=E4tzen. <br>
</p>

<p>Seit Dezember 1996 war die Entwicklung bei vielen wirtschaftlichen Indik=
atoren
eher besorgniserregend. Das Wachstum hat zu einem hohen und zunehmenden
<b>Handelsbilanzdefizit</b> gef=FChrt, das ein Volumen von 50% der gesamten
Industrieproduktion erreicht hat. Die Importe entsprachen im letzten Quarta=
l
1996 in etwa den durchschnittlichen Monatswerten der Vorkriegszeit (1984
-1989), w=E4hrend der Export nur 57% der Vorkriegsperiode erreichte.
Bei einem Handelsbilanzdefizit von 2,260 Mrd. $ wurde lediglich eine Import=
deckung
von 44,9% erzielt - gegen=FCber einem Wert von 83% 1989. <br>
</p>

<p>Die <b>Exportschw=E4che</b> resultiert nicht nur aus der Desintegration
traditioneller M=E4rkte, sondern aus hausgemachten Problemen wie </p>

<ul>
<li>der niedrigen Wettbewerbsf=E4higkeit der Industrie, ihrem technologisch=
en
R=FCckstand, der nachlassenden Produktqualit=E4t und der fortschreitenden
Dekapitalisierung sowie </li>

<li>der realen Aufwertung des Dinars um 27% im Jahresverlauf 1996. </li>
</ul>

<p>Die <b>Deckung des hohen Au=DFenhandelsdefizits</b> ist eines der
Geheimnisse des serbischen Modells: </p>

<ul>
<li>=DCbersch=FCsse aus dem Dienstleistungsbereich, durch den Devisenkauf
durch Inl=E4nder und kurzfristige Lieferantenkredite helfen, hinterlassen
aber immer noch ein Leistungsbilanzdefizit von ca. 1,4 Mrd. $, dessen Decku=
ng
in keiner offiziellen Statistik erscheint. </li>

<li>Der Zugang zu den internationalen Finanzm=E4rkten ist Jugoslawien
nach wie vor versperrt. Die Wiederaufnahme in die internationalen Finanzorg=
anisationen
ist an relativ klare Bedingungen gekn=FCpft, die das Regime bisher nicht
akzeptieren will, obwohl dies die dringend notwendigen Umschuldungsverhandl=
ungen
blockiert. </li>

<li>Ausl=E4ndische Direktinvestitionen haben nachweislich nicht stattgefund=
en.
</li>

<li>Die offiziellen Devisenreserven sind mit gesch=E4tzten 200 bis 300
Millionen $ zu niedrig. </li>

<li>Devisenkonten jugoslawischer Unternehmen im Ausland, die diese noch
vor den Sanktionen zur Vermeidung der Devisenablieferungspflicht und des
Zwangsumtauschs zu offiziellen Kursen an die Nationalbank angelegt hatten,
und w=E4hrend der Hyperinflation weiter anf=FCllten, decken nur einen
geringeren Teil des Defizits, da w=E4hrend der letzten vier Jahre j=E4hrlic=
h
ein Defizit von 1,5 bis 2 Mrd. $ anfiel. </li>
</ul>

<p>Es bleibt also f=FCr die Deckung des gr=F6=DFten Teils des
Leistungsbilanzdefizits nur eine Erkl=E4rung aus sog. "inoffiziellen"
(staatlichen?) <b>Devisenreserven im Ausland</b>, die auch f=FCr die
Deckung der erneuten hohen Defizite in den ersten 3 Monaten 1997 herangezog=
en
wurden. Aber wenn diese zwangsl=E4ufig beschr=E4nkten Mittel aufgebraucht
sind, droht dem importabh=E4ngigen System der Kollaps.<br>

</p><p><a href=3D"https://library.fes.de/fulltext/id/00111.html#top">Zum An=
fang des Dokumentes ...</a>
</p><p>

<a name=3D"07" <b=3D"">Die albanische Karte als neuer politischer Ausweg au=
s der wirtschaftlichen
Krise ?</a>
</p><p>

</p><p>Das Modell politisch manipulierter =D6konomie st=F6=DFt auf
au=DFenwirtschaftliche Grenzen, die ihrerseits politisch bedingt sind.
Denn der <b>Zugang zu internationalen Krediten</b> h=E4ngt in der gegenw=E4=
rtigen
Phase von der politisch motivierten Haltung der Finanzinstitutionen (IWF,
Weltbank, EBRD) und gro=DFen Geber/Gl=E4ubiger ab. Der Ausschlu=DF
Jugoslawiens von diesen internationalen Institutionen und die nicht geregel=
te
Auslandsschuld verwehren ihm neue Kapitalzufl=FCsse. Au=DFerdem
ist Jugoslawien nicht in die Handelsorganisationen und das System der inter=
nationalen
Handelsbeg=FCnstigungen integriert. Vorl=E4ufig versucht die Regierung,
durch den Verkauf von gro=DFen Staatsbetrieben an das Ausland an frisches
Kapital zu gelangen. Neben Verhandlungen zu einer Auslandsbeteiligung am
gr=F6=DFten Autohersteller Zastava stehen gro=DFe Betriebe des
=F6ffentlichen Versorgungsbereichs, n=E4mlich die staatliche Telefongesells=
chaft
und der staatliche Stromerzeuger auf der Verkaufsliste. <br>
</p>

<p>Zur Aufnahme in die internationalen Institutionen m=FC=DFte Milosevic
auf alle <b>Bedingungen der internationalen Gemeinschaft </b>eingehen.
Selbst dann k=E4me es realistischerweise wahrscheinlich nicht vor Ende
des Jahres zu einer tats=E4chlichen Kreditgew=E4hrung. Und trotz
dieser politischen Konzessionen k=F6nnte sich das Regime immer noch
weigern, die mit einer gr=F6=DFeren Kreditgew=E4hrung durch die
Weltbank oder den internationalen W=E4hrungsfonds normalerweise verbundenen
Auflagen f=FCr die interne Wirtschaftspolitik (Privatisierungs- und
Stabilisierungsanstrengungen) zu erf=FCllen. <br>
</p>

<p>Eine Einforderung der eigentlich f=E4lligen <b>Auslandsschuld </b>oder
auch nur eines Teils, bzw. der f=E4lligen Zinszahlungen, h=E4tte
unter den momentanen wirtschaftlichen Gegebenheiten ohnehin einen sofortige=
n
Zusammenbruch zur Folge, bzw. man w=FCrde einer solchen Forderung schlichtw=
eg
nicht nachkommen. Eine Regelung dieses Problems wird aber immer dringender.
<br>
</p>

<p>Allerdings hat sich in den letzten Monaten f=FCr Milosevic eine v=F6llig
<b>neue politische Option</b> aus der internationalen Entwicklung ergeben,
die dieser offensichtlich auch zu nutzen gedenkt: Die totale Destabilisieru=
ng
Albaniens hat der internationalen Staatengemeinschaft drastisch die Gefahre=
n
und das m=F6gliche Ausma=DF von Krisen in der gesamten Balkanregion
vor Augen gef=FChrt. <br>
</p>

<p>Eines der wichtigsten politischen Probleme in Serbien ist f=FCr die
internationale Politik seit l=E4ngerem ohnehin die L=F6sung des <b>Kosovopr=
oblems,</b>
wo die albanische Bev=F6lkerungsmehrheit um Unabh=E4ngigkeitsrechte
von Serbien k=E4mpft, und wo die stets latente Gefahr gr=F6=DFerer
bewaffneter Auseinandersetzungen droht. Im Hinblick auf die anarchische
Entwicklung in Albanien k=F6nnte nun Milosevic - =E4hnlich wie bei
der Einbindung der bosnischen Serben in den Daytoner Friedensproze=DF
- klarmachen, da=DF er denjenigen Machtfaktor repr=E4sentiert, der
das Problem l=F6sen oder eskalieren lassen kann. <br>
</p>

<p>Das demonstrative Fernbleiben der Regierung von den diversen Gespr=E4che=
n
=FCber eine <b>Verst=E4ndigung =FCber den Kosovo</b> in den letzten
Wochen (z.B. in New York) kann in dieser Richtung interpretiert werden.
Als Preis f=FCr eine L=F6sung des Kosovoproblems k=F6nnte Milosevic
dann eine sofortige Kreditgew=E4hrung und g=FCnstige Schuldenregelung
aushandeln. Eine Strategie, die sicherlich zu einem weiteren Wahlsieg f=FCr
Milosevic und seine Partei verhelfen k=F6nnte.<br>
</p>

<p><font size=3D"-1">Diese Ausgabe der Politikinformation Osteuropa beruht
auf einem Papier von Cornelia L=FCck-Jarczyk</font><br>
</p>
<p><a href=3D"https://library.fes.de/fulltext/id/00111.html#top">Zum Anfang=
 des Dokumentes ...</a>
</p><p>
<!-- START END -->
</p><hr>
<font size=3D"-2">
=A9 <a href=3D"mailto:wwwadm@www.fes.de">Friedrich Ebert Stiftung</a>
| <a href=3D"https://library.fes.de/fulltext/id/support.html">technical sup=
port</a> | net edition=20
<a href=3D"mailto:walter.wimmer@fes.de">fes-library</a> | M=E4rz 1998 =20
</font></td></tr></tbody></table>
<!-- END END -->
</body></html>
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