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Europa und Nordafrika : mehr Paranoia als Partnerschaft
 / Michael Dauderst=E4dt. - Bonn, 1996
 (Reihe Eurokolleg ; 36). - ISBN 3-86077-459-X
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EG ; Nordafrika ; foreign policy ; political situation ; EC ; North Africa =
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<tbody><tr>
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Europa und Nordafrika : mehr Paranoia als Partnerschaft
 / Michael Dauderst=E4dt. - [Electronic ed.]. - Bonn, 1996. - 20 S. =3D 82 =
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. - (Reihe Eurokolleg ; 36). - ISBN 3-86077-459-X
<br>Electronic ed.: Bonn: EDV-Stelle der FES, 1997
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<!-- START BEGIN2 -->
</font>
<br><br>
<center><img src=3D"https://library.fes.de/images/digbib/d_inhalt.gif" alt=
=3D"INHALT"></center><br><br>
<!-- END BEGIN2 -->
<ul>
<li><a href=3D"https://library.fes.de/fulltext/id/00025.html#neue">Die neue=
n Sorgen Europas: Nordafrika zwischen Krise und Fundamentalismus</a><br>
</li><li><a href=3D"https://library.fes.de/fulltext/id/00025.html#auch">Auc=
h nach Dekolonialisierung und =D6lkrise bleibt die dauerhafte Abh=E4ngigkei=
t</a><br>
</li><li><a href=3D"https://library.fes.de/fulltext/id/00025.html#begr">Beg=
renzte Reformen von oben in Nordafrika</a><br>
</li><li><a href=3D"https://library.fes.de/fulltext/id/00025.html#para">Par=
anoia: Die voreilige Gegnerschaft zum politischen Islam verhindert eine sac=
horientierte Nordafrikapolitik </a><br>
</li><li><a href=3D"https://library.fes.de/fulltext/id/00025.html#antw">Die=
 Antwort Br=FCssels vernachl=E4ssigt Europas Sorgen zurecht</a><br>
</li><li><a href=3D"https://library.fes.de/fulltext/id/00025.html#schw">Die=
 schwierige Modernisierung klientelistischer Rentenstaaten </a><br>
</li><li><a href=3D"https://library.fes.de/fulltext/id/00025.html#nord">Nor=
dafrika braucht Partnerschaft statt Paranoia</a><br>
</li></ul>
<p>
</p><p>
<b>Zusammenfassung</b>=20
</p><ol>
<li>Seit dem Ende des Kommunismus hat sich auch Nordafrika ver=E4ndert,
allerdings eher durch z=F6gerliche Reformen als durch revolution=E4re
Umbr=FCche. Die EU versucht ihre Beziehungen neu zu definieren.
Aber =FCbertriebene =C4ngste vor islamischen Fundamentalisten
pr=E4gen die politische Debatte st=E4rker als eine n=FCchterne
Analyse europ=E4ischer Interessen und nordafrikanischer Entwicklungen.
</li><li>Seit ihrer Gr=FCndung pflegte die EU besondere Beziehungen
zu Nordafrika, teils in Fortsetzung der kolonialen Vergangenheit,
teils zur Sicherung wichtiger =D6linteressen. Trotz =D6lkrise
und Jahrzehnten der Zusammenarbeit blieb es bei der Abh=E4ngigkeit
Nordafrikas, dessen gesamtes Nationaleinkommen heute etwa die
H=E4lfte des von Baden-W=FCrttemberg ausmacht. Entsprechend
ungleichgewichtig sind die Handelsbeziehungen und die Arbeitsmigration
entwickelt.
</li><li>Alle nordafrikanischen L=E4nder haben inzwischen begonnen,
sich vom Modell staatlich gelenkter Entwicklung unter F=FChrung
autorit=E4rer Einheitsparteien zu distanzieren. W=E4hrend
die wirtschaftliche Liberalisierung unter dem Druck abnehmender
Deviseneinnahmen voranschritt, kam die Demokratisierung nur langsam
voran und machte wegen der Unterdr=FCckung der radikalen islamischen
Opposition eher wieder R=FCckschritte. Krise und Austerit=E4tspolitik
trocknen die Rentenverteilung an die Klienten der regierenden
Eliten aus und untergraben deren Legitimit=E4t. Damit sinkt
die Bereitschaft zur weiteren politischen =D6ffnung. Dieser
Teufelskreis ist nur durch parallele Demokratisierung und Wirtschaftsreform
zu durchbrechen.
</li><li>Europa mu=DF sich von der Fixierung auf das Fundamentalismusproble=
m
l=F6sen. Es kann auch mit dem politischen Islam als Nachbar
und Wirtschaftspartner leben. Die Paranoia wegen der islamistischen
Gefahr verz=F6gert die notwendigen politischen Reformen und
bindet Europa an die f=FCr die Krise in Nordafrika verantwortlichen
Staatsklassen. Ein Verst=E4ndigungs- und Auss=F6hnungsproze=DF
sollte versuchen, die antiwestlichen Vorurteile der Islamisten
abzubauen. Ebenso wichtig ist die Zusammenarbeit mit allen gesellschaftlich=
en
Kr=E4ften zwischen regierenden Eliten und gewaltbereiten Islamisten.
</li><li>Die Antwort Br=FCssels setzt auf das traditionelle Politikb=FCndel
von Freihandel, Finanzhilfe, Politikdialog und sektoraler Kooperation.
Freihandel bedeutet vor allem die =D6ffnung der nordafrikanischen
M=E4rkte und somit zus=E4tzliche Anpassungslasten. Die Finanzhilfen
erh=F6hen - soweit sie Kredite sind - die schon hohe Verschuldung
und helfen nur, wenn sie effizienter eingesetzt werden als nationale
Ersparnis. Politikdialog und Kooperation in einzelnen Beziehungsfeldern
finden schwerlich gemeinsame Interessen mit Eliten, die angesichts
der islamischen Opposition kaum kompromi=DFbereit sind. An
den beiden Hauptsorgen Europas, dem Migrationsdruck und dem Fundamentalismu=
s,
geht die neue Strategie weitgehend vorbei.
</li><li>Statt dessen mu=DF sich die EU an die schwierige Aufgabe
machen, die Modernisierung klientelistischer Rentenstaaten von
au=DFen zu unterst=FCtzen. Gezielte Mikropolitiken auf
lokaler Ebene und ein gesellschaftspolitischer Dialog mit allen
Kr=E4ften mu=DF dabei die zwangsl=E4ufig auf die Zentralregierung
und Eliten ausgerichtete zwischenstaatliche Kooperation erg=E4nzen.
</li><li>Europas Mischung aus Paranoia, symbolischer Politik und praktische=
r
Unbeweglichkeit hilft Nordafrika nicht. Mit Anpassungsbereitschaft
im eigenen Haus und gezielten Hilfen k=F6nnte die EU dazu beitragen,
da=DF die Reformen auf die Dauer zum Erfolg und damit auch
zur Linderung von Europas Sorgen f=FChren. Aber die Grenzen
der europ=E4ischen Handlungsbereitschaft enth=FCllen den
niedrigen Stellenwert Nordafrikas f=FCr Europa.
</li></ol>
<ol>
<li><b><a name=3D"neue">Die neuen Sorgen der EU: Nordafrika zwischen
Krise und Fundamentalismus </a></b>

<p>
F=FCnf Jahre nach der =D6ffnung in Mittel- und Osteuropa
ist die Europ=E4ische Union (EU) zwar noch voll damit besch=E4ftigt,
ihre Beziehungen zu dieser Nachbarregion zu strukturieren; aber
schon dr=E4ngen vor allem die Mittelmeermitglieder Frankreich,
Spanien und Italien, die 1995/96 drei aufeinander folgende EU-Pr=E4sidentsc=
haften
stellen, darauf, da=DF die EU sich intensiver um ihre s=FCdliche
Nachbarregion k=FCmmert. Der spanische EU-Kommissar Marin fordert
f=FCr die Union ein '<b>'Gleichgewicht in ihren Beziehungen
nach Osten und S=FCden''. </b>Der Europ=E4ische Rat best=E4tigte
diese Politik auf seinem Gipfeltreffen im Dezember 1994 in Essen.
</p><p>
Die s=FCdliche Nachbarregion umfa=DFt dabei einen Raum
von Mittelmeeranrainern ohne EU-Mitgliedschaft, der vom Balkan
=FCber die T=FCrkei, den Mittleren Osten bis zum Maghreb
(Libyen, Tunesien, Algerien, Marokko) reicht. <b>Innere und =E4u=DFere
Probleme innerhalb dieses Raums unterscheiden sich erheblich</b>
und rechtfertigen eine getrennte Behandlung trotz mancher Gemeinsamkeiten:

</p><ul>
<li>Der <b>Balkan</b> f=E4llt eher unter die =F6stliche
Nachbarregion der ehemals kommunistischen L=E4nder, allerdings
mit dem Sonderproblem des ehemaligen Jugoslawiens. Vor allem der
B=FCrgerkrieg in Bosnien-Herzegowina spiegelte mit seinen ethnisch-religi=
=F6sen
Konfliktlinien Elemente der gr=F6=DFeren Mittelmeerproblematik
wider.<br>

</li><li>Die Beziehungen der EU zur <b>T=FCrkei</b> sind gepr=E4gt
von den griechisch-t=FCrkischen Spannungen, dem Zypernkonflikt
und der Kurdenfrage. Menschenrechtsfragen haben den Abschlu=DF
der Zollunion in Frage gestellt. Die gro=DFe t=FCrkische
Ausl=E4nderbev=F6lkerung und das =DCberschwappen der
t=FCrkisch-kurdischen Auseinandersetzungen in Deutschland erinnern
an die Konfliktstrukturen und ihre =DCbertragbarkeit, wie sie
auch f=FCr Algerien und Frankreich zu bef=FCrchten sind.
<br>

</li><li>Der <b>Mittlere Osten</b> ist vom israelisch-arabischen Konflikt
mit seiner eigenen Logik gepr=E4gt. Der Friedensproze=DF
hat auch f=FCr die Au=DFenbeziehungen der EU im Mittelmeerraum
neue M=F6glichkeiten er=F6ffnet.<br>

</li><li>Die L=E4nder des <b>Maghreb</b> dagegen haben bei aller
Unterschiedlichkeit eine gemeinsame Tradition enger, fr=FCher
kolonialer Beziehungen zu den EU-Mittelmeeranrainern und eine
Reihe gemeinsamer, wenn auch unterschiedlich ausgepr=E4gter
Entwicklungstendenzen und Probleme: Demokratisierung, wirtschaftliche
Liberalisierung und Pr=E4senz islamischer Oppositionsbewegungen.
</li></ul>

<p>
Diese <b>Gemeinsamkeiten unter den nordafrikanischen Staaten und
die Unterschiede zu den anderen drei Regionen</b> rechtfertigen
eine gesonderte Behandlung der Teilregion, die aus Marokko, Tunesien,
Algerien und Libyen besteht, im Rahmen der gesamten EU-Mittelmeerpolitik.
Zus=E4tzlich z=E4hlt zu den nordafrikanischen Mittelmeeranrainern
noch =C4gypten, dessen Au=DFenpolitik zwar stark durch
seine Rolle im israelisch-arabischen Friedensproze=DF bestimmt
wird, dessen Binnenprobleme aber durch die gleiche Triade Demokratisierung,
wirtschaftliche Liberalisierung und Pr=E4senz islamischer Oppositionsbewegu=
ngen
gekennzeichnet sind.
</p><p>
Warum gerade jetzt ein neues gro=DFes Mittelmeerprogramm der
EU ? Im Gegensatz zu Mittel- und Osteuropa hat es in diesem Raum
keine dramatischen Regimezusammenbr=FCche gegeben, die eine
Neustrukturierung der Beziehungen zwingend nahelegen. Die Bef=FCrworter
einer <b>neuen Mittelmeerpolitik</b> f=FChren mehrere Gr=FCnde
an:<br>

</p><ul>
<li>Das Ende des Kommunismus hat auch die <b>Entwicklungs- und
Verst=E4ndigungsspielr=E4ume im Mittelmeerraum sp=FCrbar
ge=F6ffnet</b>: Der Friedensproze=DF im Nahen Osten ist
davon das deutlichste Zeichen. Aber auch f=FCr die nordafrikanischen
L=E4nder gilt, da=DF alte Konzepte politischer Herrschaft
(Einparteiensysteme, milit=E4risch gesicherte Pr=E4sidialdiktaturen
bzw. Monarchie) und wirtschaftlicher Steuerung (gro=DFer Staatssektor,
interventionistische Wirtschaftspolitik), die denen der sozialistischen
Systeme =E4hnelten, langsam reformiert werden. Diesen Reformproze=DF
gelte es zu unterst=FCtzen.<br>

</li><li>Starkes Bev=F6lkerungswachstum in Nordafrika ohne entsprechendes
Wirtschaftswachstum und politische Krisen k=F6nnten den <b>Migrationsdruck<=
/b>
erh=F6hen, der sich zun=E4chst auf die klassischen europ=E4ischen
Aufnahmel=E4nder mit schon hohem nordafrikanischen Ausl=E4nderanteil
(vor allem Frankreich) richten w=FCrde.<br>

</li><li>Neben der Migration gibt es weitere <b>Gebiete gegenseitiger
Abh=E4ngigkeit</b> wie Umweltschutz, Energieversorgung, Handel,
Investitionen und Drogenpolitik.<br>

</li><li>Die neue Welthandelsordnung nach der Uruguay-Runde verbietet
die bisherigen einseitigen Handelspr=E4ferenzen der EU f=FCr
Nordafrika und erfordert eine<b> handelspolitische Anpassung.</b>
</li></ul>

<p>
Das in der westlichen =D6ffentlichkeit vorherrschende Motiv
f=FCr eine neue Mittelmeerpolitik ist aber die sogenannte <b>''fundamentali=
stische
Bedrohung''</b>. Seit dem Ende des Kalten Krieges gibt es eine
mehr oder weniger bewu=DFte Suche nach einem neuen Feindbild
f=FCr ''den Westen''. Der damalige Nato-Generalsekret=E4r
Claes identifizierte im Februar 1995 den Islam als Gegner. Die
dahinter liegenden Interessen sind vielf=E4ltig: Milit=E4rs
und R=FCstungsindustrie suchen neue Bedrohungen zur Rechtfertigung
ihrer Budgets; Au=DFenpolitiker f=FCrchten die wachsenden
Divergenzen im westlichen Lager nach dem Ende des Belagerungszustandes.
</p><p>
Die EU hat sich davon nur wenig anstecken lassen, nennt aber ''die
Zunahme des religi=F6sen Fundamentalismus und<b> Integralismus''
als Stabilit=E4tsrisiko</b> (Erkl=E4rung des Europ=E4ischen
Rates in Lissabon 1992) oder ''fundamentalistischen Extremismus''
in einem Atemzug mit Massenauswanderung, Terrorismus, Drogensucht
und organisiertem Verbrechen als f=FCr die Union sch=E4dliche
Folgen der krisenhaften Situation in den nordafrikanischen L=E4ndern
(die EU-Kommission in ihrem Mittelmeerpapier 1994).
</p><p>
Die EU-Mittelmeeranrainer d=FCrften aber noch ein weiteres
Motiv f=FCr ihr verst=E4rktes Mittelmeerengagement haben:
Die Konzentration der EU auf Mittel- und Osteuropa sowie die EFTA-Erweiteru=
ng
haben das geographische und strategische Zentrum der Union nach
Nordosten verschoben. Die Entwicklung, Assoziation und Integration
der ehemals kommunistischen Reformstaaten nutzen in erster Linie
Deutschland und =D6sterreich als deren Hauptwirtschaftspartnern.<b>
Eine stabile und dynamische Nachbarregion in Nordafrika und deren
engere Anbindung an die EU w=FCrden dagegen zun=E4chst den
s=FCdwestlichen EU-Mitgliedern zugute kommen</b>.

</p><p>
</p></li><li><b><a name=3D"auch">Auch nach Dekolonialisierung und =D6lkrise
bleibt die dauerhafte Abh=E4ngigkeit </a></b>

<p>
Die mediterranen EU-Mitglieder, vor allem Frankreich, haben bisher
die Struktur der Beziehungen der EU zu Nordafrika bestimmt. Bei
Unterzeichnung der R=F6mischen Vertr=E4ge 1957 zur EWG-Gr=FCndung
war Algerien noch Teil des franz=F6sischen Staates, Marokko
und Tunesien hatten gerade erst 1956 ihre Unabh=E4ngigkeit
erhalten. Libyen und =C4gypten waren zwar formal schon l=E4nger
unabh=E4ngig (seit 1922 bzw. 1949), aber die letzten englischen
Truppen verlie=DFen =C4gypten erst 1954. Entsprechend diesen
<b>politisch und wirtschaftlich engen Beziehungen</b> waren entweder
bei Gr=FCndung der EG schon Regelungen vorgesehen (z.B. f=FCr
Algerien und Libyen) oder sie folgten in Form von Teilassoziationsabkommen
f=FCr Marokko und Tunesien 1969 bzw. eines pr=E4ferentiellen
Handelsabkommens mit =C4gypten 1972.
</p><p>
In den 70er Jahren restrukturierte die EU ihre S=FCdbeziehungen
- vor allem unter dem Eindruck der <b>=D6lkrise,</b> die die
Abh=E4ngigkeitsverh=E4ltnisse im Nord-S=FCd-Konflikt
zeitweilig umzukehren schien. Die Lom=E9-Konvention, der
Euro-Arabische Dialog und die Mittelmeerpolitik waren Produkte
dieser neuen Sichtweise. Ab 1972 entwickelte die EU ein '<b>'globales
Mittelmeerkonzept''</b>, das f=FCr die meisten Anrainerstaaten
Vertragsbeziehungen umfa=DFte, die unbeschr=E4nkte G=FCltigkeitsdauer
hatten, freien Zugang zum EG-Markt (au=DFer im Kohle- und
Stahl-, Agrar- sowie im Textilbereich) und<b> </b>finanzielle
und technische Zusammenarbeit (Finanzprotokolle) vorsahen. Im
Zuge dieser Politik schlo=DF die Gemeinschaft 1976 entsprechende
Kooperationsabkommen mit den Maghrebstaaten (au=DFer Libyen)
und 1977 mit den Maschrek-L=E4ndern (=C4gypten, Jordanien,
Syrien, Libanon). Die nordafrikanischen L=E4nder erhielten
von 1978 bis 1996 im Rahmen von vier Finanzprotokollen fast 1,7
Mrd. ECU an Haushaltsmitteln und =FCber 1,9 Mrd. ECU an Krediten
der Europ=E4ische Investitionsbank (EIB).
</p><p>
Neben diesen offiziellen Kapitalstr=F6men investieren auch
private Firmen aus der EU direkt in Nordafrika, allerdings in
relativ geringem Umfang. <b>Ausl=E4ndische Direktinvestitionen</b>
spielen in =C4gypten, Tunesien und Marokko eine gr=F6=DFere
Rolle. W=E4hrend die EU in =C4gypten deutlich hinter arabischen
Investoren liegt, ist sie in den beiden anderen L=E4ndern der
gr=F6=DFte Auslandsinvestor.
</p><p>
W=E4hrend das Kapital von Nord nach S=FCd flo=DF, str=F6mten
die Arbeitskr=E4fte in die andere Richtung. Vor allem Marokkaner
und Algerier leben und arbeiten in L=E4ndern der EU.
</p><p>
Das mit Abstand wichtigste europ=E4ische Aufnahmeland ist Frankreich
mit etwa 1,4 Millionen Nordafrikanern, davon 44% Algerier, 41%
Marokkaner und 15% Tunesier. In den =FCbrigen L=E4ndern
stellen die Marokkaner die gr=F6=DFte nordafrikanische
Einwanderergruppe.
</p><p>
<b>Ausl=E4nderbev=F6lkerung in ausgew=E4hlten EU-Mitgliedsstaaten
1993<br>
</b>=20
</p><p>
<table noborder=3D"">
<tbody><tr>
<th>Land </th>
<th>Gesamte Ausl=E4nderbev=F6lkerung<br>in Tausend</th>
<th>Nordafrikaner <br>in Tausend</th>
<th>Anteil <br>in %</th>
</tr>

<tr>
<td>Belgien</td>
<td align=3D"center">920,6</td>
<td align=3D"center">161,6</td>
<td align=3D"center">17,6</td>
</tr>
		     	         	        =20
<tr>
<td>Deutschland</td>
<td align=3D"center">6878,1</td>
<td align=3D"center">131,8</td>
<td align=3D"center">1,6</td>
</tr>

<tr>
<td>Frankreich</td>
<td align=3D"center">3596,6</td>
<td align=3D"center">1393,2</td>
<td align=3D"center">38,3</td>
</tr>

<tr>
<td>Italien </td>
<td align=3D"center">987,4</td>
<td align=3D"center">146,6</td>
<td align=3D"center">14,9</td>
</tr>
			 			 	      		=20
<tr>
<td>Niederlande </td>
<td align=3D"center">779,8</td>
<td align=3D"center">167,0</td>
<td align=3D"center">21,4</td>
</tr>
	 		      		 			 =20
<tr>
<td>Spanien</td>
<td align=3D"center">430,4</td>
<td align=3D"center">61,3</td>
<td align=3D"center">14,2</td>
</tr>
</tbody></table>	 		        		     		=20
 	       		 			=20
</p><p>
Quelle: OECD
</p><p>
Zur gesamten legalen Ausl=E4nderbev=F6lkerung nordafrikanischen
Ursprungs in der EU (ca. 2,1 Millionen) ist allerdings eine nicht
unbetr=E4chtliche Zahl illegaler Einwanderer (gesch=E4tzt
auf 0,5 Millionen) sowie etwa zwei Millionen vor allem in Frankreich
eingeb=FCrgerte Nordafrikaner zu addieren. Damit erreicht die
Zahl der in der EU lebenden Personen nordafrikanische Ursprungs
etwa 4,6 Millionen, also 1,5% der Bev=F6lkerung der EU.
</p><p>
Das Bruttosozialprodukt Nordafrikas ist knapp halb so gro=DF
wie das Baden-W=FCrttembergs. Entsprechend ungleichgewichtig
sind seine Handelsbeziehungen mit der EU. Die EU ist f=FCr
alle nordafrikanischen L=E4nder der wichtigste <b>Handelspartner</b>,
der =FCber die H=E4lfte der Importe liefert und der Exporte
abnimmt. Allerdings sind die Exporte in die EU meist auf wenige
Produkte konzentriert: =D6l und Gas im Falle Libyens und Algeriens,
Nahrungsmittel, Baumwolle, Textilien und Bekleidung aus Marokko,
Tunesien und =C4gypten. Unter den EU-Mitgliedern sind Frankreich,
Spanien und Italien die wichtigsten Handelspartner Nordafrikas.
Umgekehrt ist Nordafrika f=FCr die EU ein relativ unbedeutender
Handelspartner mit einem Anteil von unter 3% an den europ=E4ischen
Ein- und Ausfuhren.
</p><p>
Die Mittelmeerl=E4nder hatten dabei - trotz asymmetrischer
Markt=F6ffnung - immer mit starkem <b>EU-Protektionismus</b>
zu k=E4mpfen. Den freien Zugang f=FCr Industrieprodukte
gew=E4hrte die EU, ohne da=DF ein wettbewerbsf=E4higes
Exportangebot existierte oder auch deswegen. Eine Ausnahme bildete
der Textil- und Bekleidungssektor, dessen Importe die EU mittels
Welttextil- und Selbstbeschr=E4nkungsabkommen regulierte. Die
Regelung erlaubte aber ein kr=E4ftiges Wachstum der Textilexporte.
Die Gemeinsame Agrarpolitik beschr=E4nkte die Importe von Agrarprodukten.
Sowohl im Agrar- als auch im Fertigwarenhandel blieben aber Importm=F6glich=
keiten
(Quoten, Kontingente) unausgesch=F6pft, was eine strukturelle
Angebotsschw=E4che der nordafrikanischen =D6konomien signalisiert.
</p><p>
Die <b>S=FCderweiterung der EG</b> um Griechenland, Spanien
und Portugal erh=F6hte zwar das Handelsvolumen, aber gleichzeitig
auch die Wettbewerbsintensit=E4t zwischen EU-Anbietern und
Mittelmeerl=E4ndern, vor allem im Bereich der mediterranen
Agrarprodukte (Tomaten, Orangen, Oliven, Wein etc.) sowie bei
einfachen, lohnintensiven Fertigprodukten. Weitere handelspolitische
Zugest=E4ndnisse gestalteten sich unter diesen Bedingungen
sehr schwierig.
</p><p>
Seit 1990 unternahm die EU mehrere Versuche, ihre <b>Mittelmeerpolitik
neu zu gestalten</b>, wobei sie sich schrittweise vom alten bilateralen
Konzept entfernte:<br>

</p><ul>
<li>In Vorbereitung der Vierten Finanzprotokolle legte die Kommission
am 1.6.1990 ein Konzept f=FCr eine '<b>'Erneuerte Mittelmeerpolitik''
</b>vor, zu der der Rat 1992 entsprechende Durchf=FChrungsbestimmungen
erlie=DF. Ohne vom bisherigen Ansatz bilateraler Vereinbarungen
abzuweichen, unterstreicht die neue Politik die Bedeutung der
regionalen Kooperation und der sicherheitsrelevanten Nachbarschaft.
<br>

</li><li>Am 30.4.1992 stellte die Kommission ein neues Konzept der
Beziehungen zwischen der EU und dem Maghreb vor, das die regionale
und partnerschaftliche Dimension noch st=E4rker betont und
eine <b>EU-Maghreb-Freihandelszone</b> ins Auge fa=DFt.<br>

</li><li>Im September 1993 band die Kommission die Nahostpolitik in
dieses Konzept mit ein und schlug eine <b>regionale Kooperation
und Freihandelszone</b> nach dem Vorbild des europ=E4ischen
Integrationsprozesses vor.<br>

</li><li>Dieser konzeptionelle Entwicklung erreichte ihren vorl=E4ufigen
Abschlu=DF mit der Mitteilung der Kommission vom Oktober 1994
mit dem Vorschlag einer '<b>'Euromediterranen Zone des Friedens
und der Stabilit=E4t''.<br>
</b>=20
</li><li>Die euromediterrane <b>Au=DFenministerkonferenz in Barcelona
im November 1995</b> verabschiedete eine gemeinsame Erkl=E4rung
der 27 Partner aus EU und dem arabischen Raum, mit der die neue
Partnerschaft ins Leben gerufen werden soll. Sie sieht insbesondere
vor, bis zum Jahr 2010 eine Freihandelszone f=FCr Industrieg=FCter
einzurichten, bis 1999 Hilfegelder in H=F6he von 4,7 Mrd. ECU
nach S=FCden flie=DFen zu lassen sowie den politischen
Dialog und die sektorale Kooperation zu verst=E4rken.
</li></ul>

<p>
Diese <b>Ver=E4nderungen der EU-Mittelmeerpolitik</b> standen
im Zeichen des weltpolitischen Umbruchs seit 1989, des beginnenden
Friedensprozesses im Nahen Osten, der Liberalisierungstendenzen
in Nordafrika und des Erstarkens des islamischen Fundamentalismus.
Diese miteinander verschr=E4nkten Entwicklungen haben die Herausforderungen
f=FCr die EU in Nordafrika grundlegend ver=E4ndert.

</p><p>
</p></li><li><b><a name=3D"begr">Begrenzte Reformen von oben in Nordafrika
</a></b>

<p>
Der Zusammenbruch des kommunistischen Systems konnte an Nordafrika
nicht spurlos vor=FCbergehen. Der<b> Sozialismus</b> war<b>
in vielen arabischen L=E4ndern</b>, darunter auch in =C4gypten,
Libyen und Algerien eine staatstragende Ideologie gewesen. In
ihr verbanden sich antikolonialistische und antiimperialistische
Elemente aus der Phase der Unabh=E4ngigkeitsbewegung mit einer
am sowjetischen Modell orientierten Vorstellung nachholender Industrialisie=
rung
(staatliche Wirtschaftspl=E4ne, Gro=DFprojekte im Schwerindustrie-
und Energiesektor), engen wirtschaftlichen und sicherheitspolitischen
(u.a. R=FCstungsimporte) Beziehungen zum Ostblock und einem
autorit=E4ren System der Einparteienherrschaft. Die konkrete
Auspr=E4gung und die Mischung dieser Elemente folgte spezifischen
nationalen Bedingungen.
</p><p>
Da diese Systeme nicht von au=DFen aufgezwungen waren, brachen
sie auch nicht fast gleichzeitig zusammen - wie in Mitteleuropa,
als die Sowjetunion den Regimen ihre Unterst=FCtzung entzog.
Der Wandel erfolgte nicht als pl=F6tzlicher Umbruch, sondern
ergab sich aufgrund jeweils spezifischer Konstellationen, in denen
<b>au=DFenpolitische Reorientierung, Wirtschaftsreform und
Demokratisierung</b> ungleichzeitig voranschritten:
</p><ul>
<li><b>=C4gypten</b> l=F6ste sich endg=FCltig vom sowjetischen
Einflu=DF, als die au=DFenpolitische Zusammenarbeit mit
den USA eine weitgehende L=F6sung seiner Probleme mit Israel
(Wiederer=F6ffnung des Suezkanal, R=FCckgabe des Sinai)
erm=F6glichte. Aber die wirtschaftliche =D6ffnung (Infitah)
begann schon mit der Macht=FCbernahme Sadats nach dem Tod Nassers
1970. Au=DFenwirtschaftlich l=F6sten der Westen und Israel
den Ostblock als Haupthandelspartner ab. Zur Schw=E4chung der
Sozialisten f=F6rderte Sadat die islamischen Oppositionskr=E4fte,
vor allem die Muslim-Bruderschaften. Ansonsten blieb aber die
Demokratisierung beschr=E4nkt und unter Mubarak setzte in den
80er Jahren eine verst=E4rkte Repression der islamischen Opposition
ein. Mit der Versch=E4rfung der Zahlungsbilanz- und Verschuldungsprobleme
versuchte =C4gypten seit den 80er Jahren ohne gro=DFen
Erfolg, Anpassungsprogramme mit dem Internationalen W=E4hrungsfonds
(IWF) und der Weltbank durchzuf=FChren.<br>

</li><li><b>Libyen</b> bezeichnet sich noch immer als sozialistisches
Land. Seit dem Umsturz von 1969 regiert Qaddafi das Land mit einem
eigenwilligen System einer arabisch-sozialistischen ''Volksherrschaft''.
Dank der hohen Erd=F6leinnahmen und der geringen Gesamtbev=F6lkerung
geriet es bisher unter relativ geringeren, aber allm=E4hlich
zunehmenden Reformdruck. Immerhin r=E4umt seit 1987 die leichte
=F6konomische Liberalisierung dem Privatsektor gr=F6=DFere
M=F6glichkeiten ein. Au=DFen- und sicherheitspolitisch
bleibt Libyen gegen seinen Willen vom Westen isoliert und damit
auf Ru=DFland angewiesen. Qaddafi hat sich aber in den 90er
Jahren immer wieder entschieden, ja aggressiv gegen den radikalen
Islam ausgesprochen.<br>

</li><li><b>Tunesien</b> wies nur in den sechziger Jahren sozialistische
Tendenzen auf, die sich vor allem in der Etablierung eines staatlichen
Planwirtschaftssystems unter dem Gewerkschaftsf=FChrer Ben
Salah =E4u=DFerten. Die Einparteienherrschaft und das Pr=E4sidialsystem
von Bourgibas Destour-Partei waren eher nationalistisch, modernisierend
und antikommunistisch. Schon ab den 70er Jahren =F6ffnete sich
Tunesien wirtschaftlich und verfolgte seitdem eine exportorientierte
Strategie, die ab 1987 in Verbindung mit einem IWF-Strukturanpassungsprogra=
mm
betont auf die Privatwirtschaft setzt. Die Demokratisierung erfolgte
in kleinen Schritten nach dem Sturz Bourgibas 1987. Islamistische
Kr=E4fte, die Bourgiba brutal unterdr=FCckt hatte, erhielten
mehr Spielraum, ohne allzu gro=DFen Einflu=DF zu gewinnen
(15% der Stimmen bei den relativ freien Wahlen von 1989). Selbst
diese bescheidenen Erfolge veranla=DFten die Regierung, die
seit 1989 gew=E4hrten Freir=E4ume wieder einzuschr=E4nken.
<br>

</li><li><b>Algerien </b>sah sich nach seiner Unabh=E4ngigkeit als
islamische und sozialistische, demokratische Volksrepublik, in
der die Front de Lib=E9ration Nationale (FLN) die Rolle der
KP in den kommunistischen L=E4ndern =FCbernahm. Allerdings
=FCbte gleichzeitig das Milit=E4r starken Einflu=DF
aus, vor allem seit dem Sturz Ben Bellas durch Boumedienne 1965.
Au=DFenpolitisch verst=E4rkte sich die Ann=E4herung
an den Ostblock in den 60er Jahren bei gleichzeitiger Verstaatlichung
der Erd=F6lgesellschaften und =DCbergang zu einem Programm
der importsubstituierenden Planwirtschaft. Parallel betrieb Algerien
eine aktive Politik der Arabisierung, die - z.T. unbeabsichtigt
durch Import islamistisch orientierter Arabischlehrer aus =C4gypten
- eine Islamisierung bewirkte und den Keim der sp=E4teren islamistischen
Opposition legte. Mit dem R=FCckgang der =D6leinnahmen ab
1985 kam das Entwicklungsmodell zunehmend unter Druck. Seit der
bescheidenen politischen =D6ffnung ab 1988 sank der Einflu=DF
der FLN auf die Regierung und die Islamisten (Front Islamiste
du Salut - FIS) erwiesen sich in den Wahlen 1990/91 als erfolgreichste
Kraft. Der Abbruch der Wahlen und der Versuch der milit=E4rischen
Unterdr=FCckung der FIS seit 1992 f=FChrten zum immer noch
anhaltenden blutigen B=FCrgerkrieg. Die relativ hohe Wahlbeteiligung
bei den Pr=E4sidentschaftswahlen Ende 1995, die die Opposition
boykottierte, zeugt vom Friedenswunsch gro=DFer Bev=F6lkerungsteile.
<br>

</li><li><b>Marokko</b> nimmt als seit langem prowestliche, konstitutionell=
e
Monarchie in Nordafrika eine politische Ausnahmestellung ein.
Aber Demokratisierung und Liberalisierung stehen auch hier auf
der Tagesordnung. Marokko hatte ebenfalls lange ein etatistisches
Planwirtschaftskonzept verfolgt, das in den 80er Jahren mit hohen
Zahlungsbilanzdefiziten und Verschuldung in die Krise geriet und
damit den IWF und seine Strukturanpassungsprogramme auf den Plan
rief. Die Demokratisierung entwickelt sich in kleinen Schritten
bei weiter bestehender Dominanz des K=F6nigs, dessen islamische
Legitimation (''Besch=FCtzer der G=E4ubigen'') und nationalistische
Saharapolitik den Einflu=DF der Islamisten in Marokko bisher
sehr gering gehalten hat.
</li></ul>

<p>
Die differenzierte Parallelit=E4t der Reformen fand 1989 ihren
au=DFenpolitischen Ausdruck in der <b>Gr=FCndung der regionalen
Organisation Union du Maghreb Arabe (UMA),</b> der allerdings
nicht =C4gypten, aber zus=E4tzlich Mauretanien angeh=F6rt.
Die geplante Kooperation geht weit =FCber den Handelsbereich
hinaus und umfa=DFt die Au=DFenpolitik, die meisten Wirtschaftszweige
sowie Kultur, Bildung und Wissenschaft. Real hat sie aber bisher
kaum Bedeutung erlangt. Der regionale Handel ist gering. Die am
st=E4rksten regional orientierten L=E4nder, Marokko und
Tunesien, exportieren unter 10 % ihrer gesamten Ausfuhren in die
Region. Regionale Investitionen spielen ebenfalls kaum eine Rolle.
Nur in Libyen arbeiten eine gr=F6=DFere Anzahl Gastarbeiter
aus =C4gypten und Tunesien.
</p><p>
Der Vergleich mit Mittel- und Osteuropa (MOE) zeigt die h=F6here
Differenzierung und Komplexit=E4t der Reformprozesse in Nordafrika:
</p><ul>
<li>In<b> MOE</b> hatte die siegreiche demokratische Opposition
ein in sich weitgehend stimmiges Dreifachkonzept von Demokratie,
Marktwirtschaft und Westintegration zur Abl=F6sung von Parteidiktatur,
Planwirtschaft und sowjetischer Vorherrschaft. Der Westen hatte
ein au=DFenpolitisches und wirtschaftliches Interesse an der
F=F6rderung aller drei Komponenten. <br>

</li><li>In <b>Nordafrika</b> gibt es keine siegreiche demokratische
Opposition. Die oppositionellen Demokraten sind relativ schwach.
<b>Die st=E4rkste Opposition zur bestehenden Herrschaft ist
islamistisch</b>. Die Ideologie und die Konzepte des politischen
Islam liegen quer zu den traditionellen westlichen, liberalen
Vorstellungen von Demokratie und Marktwirtschaft, was aber nicht
bedeutet, da=DF sie damit unvertr=E4glich w=E4ren. Nicht
zuletzt aufgrund der geschichtlichen Konfrontation, wegen der
Unterst=FCtzung Israels durch westliche M=E4chte und westlichen
Feindschaftsbekundungen ist der politische Islam au=DFenpolitisch
eher anti-westlich - vor allem nach dem Ende ihres gemeinsamen
Gegners, des Kommunismus.
</li></ul>

<p>
Die <b>Regierungen</b> sind - au=DFer in Libyen - eher prowestlich,
und selbst Qaddafi ist zumindest antifundamentalistisch. Gleichzeitig
sind sie - bzw. die mit ihnen verbundenen<b> Eliten</b> -aber
f=FCr die wirtschaftliche und soziale Krise und die undemokratischen
Verh=E4ltnisse in ihren L=E4ndern hauptverantwortlich und
deren Nutznie=DFer. Es ist fraglich, ob die notwendigen grundlegenden
Reformen mit der Zustimmung dieser Eliten gegen ihre - zumindest
kurzfristigen - Interessen durchgef=FChrt werden k=F6nnen.
Der Westen und insbesondere die EU stehen dann vor folgendem Dilemma:
entweder sie versuchen, die alten Regime und damit den Krisendruck
zu erhalten, oder sie f=F6rdern deren Machtabl=F6sung mit
der ungewissen Aussicht auf Reformen.
</p><p>
Bis jetzt haben die Eliten <b>Liberalisierung und Demokratisierung</b>
nach dem Motto ''Soviel wie n=F6tig, so wenig wie m=F6glich''
betrieben. <b>Nur unter starkem Druck der Gl=E4ubiger</b> haben
sie Schritte zur Stabilisierung und =D6ffnung ihrer Wirtschaften
bzw. in Richtung auf freie Wahlen und Respektierung der Menschenrechte
unternommen, um weitere Kredite zu erhalten oder den Marktzugang
nicht zu verlieren. In Tunesien und Marokko haben sie in einigen
F=E4llen erkannt, da=DF die notwendigen Reformen in ihrem
eigenen langfristigen Interesse liegen, allerdings kurzfristig
schwer fallen.
</p><p>
Liberalisierung und Demokratisierung sind dabei in enger und widerspr=FCchl=
icher
Weise miteinander verkn=FCpft:
</p><ul>
<li>Die nordafrikanischen Regime sind <b>kaum reformierte klientelistische
Rentenstaaten</b>, die Einkommen aus =D6l (Libyen, Algerien,
in geringerem Umfang auch =C4gypten und Tunesien), Suezkanalgeb=FChren,
westlicher Hilfe (=C4gypten), Tourismus und Gastarbeiter=FCberweisungen
verteilten, in dem sie Jobs im Staatssektor schufen und Lebensmittel
subventionierten. Mit dieser Politik haben die Eliten einen gro=DFen
Teil der st=E4dtischen Bev=F6lkerung an sich und an das
Wirtschaftsmodell gebunden. Zwang ein R=FCckgang der Staatseinnahmen
zu Einschr=E4nkung dieser Politik, so konnte es zu Massenprotesten
kommen, wie sie als typische ''IWF-Unruhen'' Mitte der 80er Jahre
in einigen nordafrikanischen L=E4ndern nach Erh=F6hung der
Brotpreise auftraten. <br>

</li><li>Nur in dem Ma=DFe, wie Reichtum und Einkommen durch eigene
Arbeit und Unternehmenst=E4tigkeit erworben werden, was sich
u.a. in einer Diversifizierung der Exporte (vor allem in Tunesien
und Marokko, die zunehmend verarbeitete Produkte ausf=FChren)
ausdr=FCckt, kann sich die <b>politische =D6konomie dieser
L=E4nder =E4ndern</b>. Denn mit dem Einkommen entsteht potentiell
eine Steuerbasis, deren Steuerzahler ein politisches Interesse
an sparsamer und verantwortungsvoller Haushaltsf=FChrung und
demokratischer Kontrolle der Regierung haben. Oft genug sind die
''neuen'' Unternehmer aber Teil der alten Eliten, die ihre Machtbeziehungen
gebrauchen, um einer Besteuerung zu entgehen. Diese ''neuen''
Eliten nutzen h=E4ufig die durch die Liberalisierung er=F6ffneten
Spielr=E4ume zur rascheren Bereicherung ohne R=FCcksicht
auf die im alten klientelistischen System eingebauten F=FCrsorgeverpflichtu=
ngen.
<br>

</li><li>Reformen in Nordafrika bedeuten daher, da=DF <b>''weniger
Staat'' nur durch einen unabh=E4ngigeren Staat</b> m=F6glich
w=E4re, der sich aus der Vereinnahmung durch die alten Eliten
l=F6sen kann und relativ unabh=E4ngig Regeln f=FCr die
(private) Wirtschaft setzt, die die Marktteilnehmer weg von einer
Logik des ''rent-seeking'' zu einer Logik marktorientierter Leistungserstel=
lung
zwingen.
</li></ul>

<p>
Eine<b> konsequente Demokratisierung</b>, praktisch eine Revolution
wie in Mittel- und Osteuropa, in der die harten wirtschaftlichen
Reformen mit ihren sozialen Kosten dadurch akzeptabel werden,
da=DF sie mit politischer Freiheit und Partizipationsm=F6glichkeiten
kompensiert werden, k=F6nnte einen Ausweg aus diesem Dilemma
bieten. Aber schon die Entwicklung in MOE zeigt, wie schnell sich
<b>=F6konomische Frustrationen in politische Wendungen umsetzen</b>.
In Nordafrika kommt erschwerend hinzu, da=DF der einzige derzeit
sichtbare Tr=E4ger einer solchen Revolution der politische
Islam ist, dessen spezifisches Programm auch in Nordafrika weniger
konsensf=E4hig sein d=FCrfte als es die liberale Programmatik
der Oppositionsbewegungen in MOE war.
</p><p>
</p></li><li><b><a name=3D"para">Paranoia: Die voreilige Gegnerschaft zum
politischen Islam verhindert eine sachorientierte Nordafrikapolitik</a></b>=
<a name=3D"para">
</a>
<p>
Nicht nur unter den Regierungen, auch in weiten Kreisen der Bev=F6lkerung
findet der politische Islam in Nordafrika keine Unterst=FCtzung.
Und es gibt keine Garantie, da=DF er - einmal an der Macht
- seinen Gegnern die demokratische M=F6glichkeit lie=DFe,
ihn wieder abzuw=E4hlen. Der undifferenzierte Terrorismus extremer
Islamisten gegen Unschuldige, die nicht Vertreter der regierenden
Eliten sind, l=E4=DFt wenig <b>Respekt vor Menschenrechten</b>
erwarten. Aber dies gilt nicht f=FCr gro=DFe, gem=E4=DFigte
Teile des politischen Islam.
</p><p>
Europa als Wertegemeinschaft z=F6ge es sicher vor, wenn seine
s=FCdlichen Nachbarn die gleichen Werte (Demokratie, Menschenrechte,
etc.) teilen w=FCrden. Aber es w=E4re ungew=F6hnlich
und nicht ungef=E4hrlich, dies zur Bedingung f=FCr friedlich-nachbarschaftl=
iche
Beziehungen, wirtschaftliche Zusammenarbeit und Handel zu erheben.
Sieht man also von dieser Gesinnungsethik ab, so gibt es <b>wenig
Gr=FCnde, warum Europa Partei gegen die islamische Opposition
und f=FCr eine korrupte Elite ergreifen sollte</b>.
</p><p>
Der Westen (einschlie=DFlich Europa) hatte w=E4hrend des
Kalten Krieges immer wieder <b>gute Beziehungen zum politischen
Islam</b>, wenn es ihn als einen Verb=FCndeten gegen den Kommunismus
und den arabischen Sozialismus nutzen konnte. Staaten, die im
Inneren ein rigides islamisches Regime anwenden, wie z.B. Saudi-Arabien,
z=E4hlten und z=E4hlen zu den Partnern des Westens. In =C4gypten
hatte der Westen nichts gegen mehr Freir=E4ume f=FCr die
Muslimbr=FCder einzuwenden, um die sozialistisch orientierten
Gruppierungen zu schw=E4chen.
</p><p>
Die politischen <b>Priorit=E4ten der Islamisten liegen eher
im kulturellen Bereich und in Lebensstilfragen</b> (Rolle der
Frau, Bekleidungs- und Ern=E4hrungsvorschriften, etc.), die
- beschr=E4nkt auf Nordafrika - weder au=DFenpolitisch
noch =F6konomisch zentrale westliche Interessen tangieren.
Die westlichen Gebr=E4uche auf diesem Gebiet m=F6gen vielleicht
effizienter im Sinne des Wirtschaftswachstums sein, aber moralisch
k=F6nnen sie keine =DCberlegenheit beanspruchen. Im Gegenteil:
Fundamentalistische Str=F6mungen im Westen zeugen davon, da=DF
die Einengung des Lebenszwecks auf Wohlstandsmehrung schmerzliche
L=FCcken l=E4=DFt, die auch viele Europ=E4er durch
radikale Identifizierung mit alten oder neuen Grundwerten wie
Nation, Rasse oder Sekten zu f=FCllen versuchen.
</p><p>
Von diesen Sorgen um die Sinnentleerung =FCberf=FCtterter
Konsumgesellschaften sind die Gesellschaften Nordafrikas weit
entfernt. Das Beispiel Iran zeigt, da=DF leere B=E4uche
auf Dauer auch dem islamischen Radikalismus die Legitimationsbasis
entziehen. Es ist also absehbar, da=DF auch ein vom politischen
Islam regiertes Nordafrika die wirtschaftliche Entwicklung anstreben
wird und dazu auf den Handel und die Kooperation mit der EU angewiesen
ist. Auch <b>ordnungs- und wirtschaftspolitisch stellen die islamischen
Normen einer modernisierenden Marktwirtschaft wenig Hindernisse
in den Weg.</b> F=FCr Spezialprobleme wie die Verzinsung von
Kapital sind l=E4ngst L=F6sungen gefunden. Gef=E4hrlich
f=FCr die wirtschaftliche Entwicklung k=F6nnte der m=F6gliche
Exodus von gr=F6=DFeren Teilen der westlich akkulturierten
technischen Elite sein. Ansonsten zeigen Beispiele wie Saudi-Arabien,
da=DF z.B. die gesellschaftliche Diskriminierung der Frauen
ihre wirtschaftliche Initiative kaum dauerhaft hemmt.
</p><p>
=C4hnliches gilt auch f=FCr ein weiteres der nordafrikanischen
Probleme: das starke <b>Bev=F6lkerungswachstum</b>. Auch hier
f=F6rdert ein Blick auf den Iran den Realismus. Nachdem Khomeini
zun=E4chst die Familienplanungspolitik des Schah verurteilt
und revidiert hatte, verfolgt die islamische F=FChrung inzwischen
seit einigen Jahren eine sehr entschiedene, offene und erfolgreiche
Politik zur Senkung der Geburtenrate.
</p><p>
Problematischer f=FCr Europa w=E4re ein pl=F6tzlicher
<b>Flucht- und Migrationsschub als Folge einer islamistischen
Machtergreifung</b>. Dann droht ein Exodus gerade der westlich
eingestellten Elite - ganz zu schweigen von der Staatsklasse,
die sich zu ihren Hartw=E4hrungsguthaben im Ausland absetzen
w=FCrde. Aber die Islamisten h=E4tten selbst gro=DFes
Interesse daran, eine Abwanderungswelle zu unterbinden. Europa
k=F6nnte - je nach Interessenlage - die Zuwanderung an der
Grenze blockieren oder sie billigend hinnehmen, um eine eher gut
qualifizierte, westlich orientierte Emigrantenelite zu gewinnen.
</p><p>
Die <b>au=DFen- und sicherheitspolitische Tendenz zur Konfrontation</b>
zwischen dem politischem Islam und dem Westen ist =FCber weite
Strecken ein historischer Ballast, der in Einzelf=E4llen immer
beiseite ger=E4umt wurde, wenn andere politische oder wirtschaftliche
Interessen (Antikommunismus, =D6l, lokale Konflikte) f=FCr
ein Zusammengehen sprachen. Trotzdem hat die Geschichte in den
Beziehungen ein Gewicht, das besondere Beachtung verdient. Der
politische Islam ist - nach der arabischen Einheitsbewegung, dem
arabischen Sozialismus und anderen Ans=E4tzen - nur das j=FCngste
(und sicher nicht letzte) aus einer Reihe von politisch-ideologischen
Konzepten, mit denen die Araber ihren relativen Niedergang gegen=FCber
dem Westen erkl=E4ren und umkehren wollen. Jeder der Ans=E4tze
sucht dabei die Schuld einerseits in der arabischen Welt selbst
(in ihrer Uneinigkeit, ihren Klassenstrukturen, ihrer Abkehr von
islamischen Werten, etc.), aber andererseits immer auch in der
Politik des Westens. Daf=FCr gibt es auch in einer jahrhundertelangen
Konfrontationsgeschichte gen=FCgend Gr=FCnde, deren j=FCngste
aus diesem Jahrhundert noch besonders klar im arabischen Bewu=DFtsein
gegenw=E4rtig sind: der Verrat an den Arabern nach dem Sieg
=FCber das osmanische Reich, Kolonialismus und die Unterst=FCtzung
Israels.
</p><p>
Gegen eine solche Haltung hilft nur ein l=E4ngerer <b>Vers=F6hnungs-
und Verst=E4ndigungsproze=DF</b> nach der Art, wie ihn
Deutschland mit seinen europ=E4ischen Nachbarn vollzogen hat.
Die Europ=E4er sollten offen ihre Fehler eingestehen und sich
gegebenenfalls daf=FCr entschuldigen (Kolonialismus, schwacher
Einsatz f=FCr die Rechte der Pal=E4stinenser, Ausl=E4nderfeindlichkeit,
etc.). Besonders in Frankreich bedarf es noch einer =F6ffentlichen
Aufarbeitung des Algerienkriegs, an dem wichtige Mitglieder seiner
politischen Klasse in verantwortungsvollen Positionen beteiligt
waren. Europ=E4isch-arabische Institutionen w=E4ren einzurichten,
die sich gezielt mit der Vergangenheit befassen: Historikerkommissionen,
Gespr=E4che =FCber die Behandlung in den Schulb=FCchern,
Religionskontakte, Gedenkst=E4tten, Museen, gemeinsame Forschungseinrichtun=
gen
und -programme. Parallel mu=DF der Kontakt und Austausch unter
der jungen Generation gef=F6rdert werden. Kontraproduktiv ist
dagegen, aus einer gedankenlosen Verl=E4ngerung einer ungl=FCcklichen
Vergangenheit eine gro=DFe Konfrontation herbeizureden, wie
es Huntington, Claes u.a. betreiben. Dies produziert erst die
Bedrohung, die sie unterstellt.
</p><p>
Ein schwierigeres Problem bleibt es, die <b>Rolle der Gewalt</b>
in den bestehenden Konflikten zu verringern. Solange Europa und
die USA die Gewaltanwendung durch autorit=E4re Regime schweigend
oder gar billigend in Kauf nehmen oder diese Regime aktiv unterst=FCtzen,
wird sich die ohnm=E4chtige Wut der Opfer auch gegen den Westen
richten. Hier m=FCssen politische und wirtschaftliche Interessen
an guten Beziehungen zu Staaten und damit zu Regierungen sorgf=E4ltig
gegen die dadurch verursachten Probleme und Risiken und die Kosten
ihrer Bek=E4mpfung abgewogen werden. Grunds=E4tzlich sollte
jede Dialogm=F6glichkeit wahrgenommen werden, um alle Beteiligten
zur M=E4=DFigung und zur Gewaltlosigkeit anzuhalten. Die
europ=E4ische Position mu=DF sich einer einseitigen Vereinnahmung
entziehen und beiden Seiten verst=E4ndlich machen, da=DF
sie keine Partei ergreift, sondern f=FCr die Einhaltung bestimmter
demokratischer Regeln und Ordnungsprinzipien eintritt.
</p><p>
Denn extreme Islamisten und Regierung spielen im Effekt zusammen,
um Europas Spielr=E4ume einzuengen. Auf der einen Seite erwarten
die nordafrikanischen Regierungen Europas Unterst=FCtzung,
um angeblich gemeinsame Werte gegen die islamistische Bedrohung
zu verteidigen. Auf der anderen Seite bedrohen islamistische Extremisten
europ=E4ische Interessen und verweigern den Dialog. Beide polarisieren
so die Beziehungen und blenden Alternativen aus. Um so intensiver
mu=DF Europa das Gespr=E4ch und die <b>Zusammenarbeit mit
allen gem=E4=DFigten, demokratischen Kr=E4ften in Nordafrika</b>
suchen, seien sie nun islamisch, liberal oder sozialistisch.
</p><p>
Die <b>Distanzierung von Terroristen</b> w=E4re mit diesen
Kontakten zu islamistischen Gruppen zu verbinden, die sich gegen
Gewalt und f=FCr die Einhaltung der demokratischen Spielregeln
ausgesprochen haben. Ein <b>Dialog</b> mit ihnen =FCber Werte
und eine engere <b>kulturelle Kooperation</b> sollte den Verst=E4ndigungspr=
oze=DF
begleiten. Offensichtlich w=E4re hier ein auch und gerade f=FCr
Europa fruchtbarer Austausch m=F6glich. Denn der Islam versucht
teilweise Antworten auf Probleme des Modernisierungsprozesses
zu geben, die der Westen lange verdr=E4ngt hat und die ihn
gegenw=E4rtig mit Macht einholen, nachdem die Konfrontation
mit dem Kommunismus beendet ist.

</p><p>
</p></li><li><b><a name=3D"antw">Die Antwort Br=FCssels vernachl=E4ssigt
Europas Sorgen zurecht </a></b>

<p>
Die Nordafrikapolitik der EU steht vor zwei Herausforderungen:
</p><ol>
<li>Sie sollte die <b>Reformprozesse unterst=FCtzen</b>, um
langfristig politisch stabile und wirtschaftlich prosperierende
Nachbarl=E4nder zu haben. Die historische Erfahrung spricht
daf=FCr, da=DF dieses Ziel auf Dauer am ehesten von demokratischen
und marktwirtschaftlichen Systemen erreicht wird.<br>

</li><li>Sie will kurzfristig die beiden <b>Bedrohungen entsch=E4rfen</b>,
die in den Augen Europas am dringlichsten sind: den Migrationsdruck
und den islamischen Fundamentalismus.
</li></ol>

<p>
Die j=FCngste Antwort der EU-Kommission auf diese Herausforderungen
ist der Vorschlag einer Partnerschaft ''Europa-Mittelmeer'', die
auf eine ''europ=E4isch-mediterrane Zone der Stabilit=E4t
und Sicherheit'' und auf einen ''Wirtschaftsraum Europa-Mittelmeer''
zielt. Dazu soll ein Paket von Instrumenten dienen:
</p><ul>
<li>eine <b>Freihandelszone Europa-Mittelmeer</b> bis zum Jahr
2010;<br>

</li><li><b>Finanzhilfen</b>, die erh=F6ht, besser unter den Gebern
koordiniert und auf die Ziele der Zusammenarbeit (Modernisierung,
Liberalisierung, regionale Kooperation, etc.) ausgerichtet sind;
<br>

</li><li><b>politischer Dialog</b> zu Fragen der Menschenrechte, Demokratie=
,
Regierungsqualit=E4t (''good governance'') und Sicherheitspolitik;
<br>

</li><li><b>Zusammenarbeit</b> in bestimmten Bereichen wie Energie,
Umwelt, Verkehr, Wissenschaft, Information, Tourismus, Kriminalit=E4t,
Migration und Drogen.
</li></ul>

<p>
<b>Wie immer in der internationalen Zusammenarbeit, so entscheiden
auch in diesem Fall die Binnenfaktoren =FCber das Entwicklungsergebnis</b>.
Alle genannten Instrumente k=F6nnen nur die Entwicklung in
Nordafrika begleiten, sie aber nicht ersetzen. Selbst wenn ein
aussichtsreicher Modernisierungs- und Entwicklungsproze=DF
eingeleitet w=FCrde, k=F6nnten seine Konsequenzen f=FCr
Migration und Fundamentalismus kurzfristig eher negativ, also
versch=E4rfend wirken. Einige wahrscheinliche Folgen sind absehbar,
wenn sich die Strukturen in Nordafrika nicht in g=E4nzlich
unvorhersehbarer Weise ver=E4ndern:
</p><p>
<b>Freihandel</b>=20
</p><p>
bedeutet zun=E4chst und vor allem die<b> =D6ffnung der nordafrikanischen
M=E4rkte</b> f=FCr die EU-Exporteure. Die damit verbundene
Importkonkurrenz d=FCrfte nach vorliegenden Sch=E4tzungen
Zehntausende von Unternehmen in Nordafrika aus dem Markt dr=E4ngen
- mit entsprechenden Folgen f=FCr Besch=E4ftigung und Einkommen.
Zus=E4tzlich sinken die Staatseinnahmen (Zollausfall) und versch=E4rfen
sich die Handelsbilanzprobleme. Zwar w=FCrde eine =D6ffnung
der EU-M=E4rkte f=FCr Landwirtschaftsprodukte und andere
sensible G=FCter alternative Besch=E4ftigungsm=F6glichkeiten
bieten. Aber nur wenige Optimisten gehen davon aus, da=DF
die EU ihre Agrarpolitik st=E4rker liberalisiert, als es die
Uruguay-Runde und eventuell die Osterweiterung erforderlich machen.
<br>

</p><p>
Eine mittelmeerweite Freihandelszone f=FChrt auch zur Liberalisierung
des Handels unter den nordafrikanischen L=E4ndern. Die dort
entstehenden <b>handelspolitischen Konfliktlagen</b> <b>unter
den Mittelmeerl=E4ndern</b>, deren komparative Vorteile sich
stark =E4hneln, k=F6nnen dabei sch=E4rfer ausfallen als
die zwischen der EU und Nordafrika.
</p><p>
Angesichts dieser kurzfristigen Negativwirkungen verwundert es
nicht, da=DF die Fristen f=FCr den Abbau der Handelshemmnisse
mit dem Jahr 2010 gro=DFz=FCgig gesetzt werden. Entscheidend
sind die erhofften mittelfristigen positiven Effekte des Abbaus
der Rentenmentalit=E4t bei gesch=FCtzten Branchen und klientelistischer
Willk=FCrpraktiken und korrupter B=FCrokratie bei der Vergabe
von Importlizenzen. Aber auch wenn es der Liberalisierung gelingt,
hier Verhaltens=E4nderungen zu bewirken, so garantiert dies
noch nicht die <b>Entwicklung einer modernen, wettbewerbsf=E4higen
Industrie</b>. Im Gegenteil: die erfolgreichen Modernisierer S=FCdostasiens
haben sich eines gezielten Protektionismus verbunden mit einer
massiven Exportorientierung bedient, um ihre Wirtschaft zu entwickeln.
Allerdings gelang es dort einer entwicklungsbewu=DFten Verwaltung,
die Unternehmen fit f=FCr den Weltmarkt zu machen, w=E4hrend
die B=FCrokratien Nordafrikas ihre Aufgabe bisher darin sahen,
die ihnen klientelistisch verbundenen lokalen Unternehmen vor
Weltmarktzw=E4ngen zu sch=FCtzen.<br>

</p><p>
Unabh=E4ngig von der entwicklungspolitischen Sinnhaftigkeit
der Handelsliberalisierung bleibt aber den nordafrikanischen L=E4ndern
auf Dauer keine Alternative, wenn sie die EU-Anbindung erhalten
wollen, da die WTO-Regelungen asymmetrische Pr=E4ferenzregelungen
nur =FCbergangsweise auf dem Weg zu einer Freihandelszone bzw.
Zollunion zulassen.
</p><p>
<b>Finanzhilfen </b>
</p><p>
erweitern die Importkapazit=E4t Nordafrikas und f=F6rdern
damit ebenfalls die EU-Exporte. Viele Experten halten sie f=FCr
<b>=FCberfl=FCssig, da die Region ohnehin mit mehr ''Hilfe''
bedacht sei, als sie sinnvoll verwalten und absorbieren kann</b>.
Soweit sie als Kredite vergeben werden, erh=F6hen sie au=DFerdem
die ohnehin schon kritische Verschuldung. Um dauerhaft neue Strukturen
zu finanzieren (etwa im Stil des Aufbaus in Ostdeutschland), ist
ihr absoluter Umfang zu gering. Knapp 9 Mrd. DM f=FCr den gesamten
Mittelmeerraum f=FCr f=FCnf Jahre kann f=FCr ein einzelnes
Land kaum mehr als hundertf=FCnfzig Millionen DM/Jahr ausmachen.
Damit liegt der Mittelzuflu=DF bei einem Bruchteil des Leistungsbilanzsaldo=
s
und ist gegen=FCber dem Bruttosozialprodukt vernachl=E4ssigbar.
<br>
<br>
Entscheidend bleibt der <b>effiziente Einsatz der Kapitalzufl=FCsse</b>
f=FCr die Modernisierung der Wirtschaft. W=E4re er garantiert,
so w=E4re allerdings die Hilfe auch schon so gut wie =FCberfl=FCssig;
denn dann h=E4tte das Land keine Schwierigkeiten, die entsprechenden
Gelder auf den internationalen Kapitalm=E4rkten zu erhalten.
So h=E4ngt der Sinn der Hilfe davon ab, an der feinen Bruchlinie
zwischen ineffizienter Alimentierung des alten Rentenstaates und
der =FCberfl=FCssigen Zusatzfinanzierung einer erfolgreichen
Modernisierungspolitik den Wechsel vom ersten zum zweiten zu bewirken.
</p><p>
Aber die Finanzhilfen gehen an die Regierungen oder ihr untergeordnete
offizielle Institutionen (Entwicklungsbanken, etc.), also an die
Hochburgen des alten Systems. Nur eine <b>enge Verwendungskontrolle</b>
k=F6nnte verhindern, da=DF sie =E4hnlich verschwendet
werden wie viele andere Gelder vorher. Eine solche Kontrolle mu=DF
aber zwangsl=E4ufig die Konflikte mit den Empf=E4ngern verst=E4rken.
Sie setzt auch voraus, da=DF die Geber wirklich besser wissen,
wie die Mittel verwandt werden sollen, als die eigenen Institutionen
des Empf=E4ngerlands.
</p><p>
<b>Ein Politikdialog</b>=20
</p><p>
k=F6nnte helfen, diese Probleme zu l=F6sen, indem er eine
<b>=DCbereinstimmung zwischen Gebern und Empf=E4nger</b>
=FCber die richtige Wirtschaftspolitik herstellt. Aber die
vom liberalen ''Washington Consensus'' gepr=E4gten Geberphilosophien,
die Erfahrungen der Strukturanpassungspolitiken und die erfolgreichen
Modelle nachholender Modernisierung sind nur beschr=E4nkt miteinander
vertr=E4glich. Selbst wenn eine ''richtige'' Politik zu identifizieren
w=E4re, m=FC=DFte sie politisch gegen die Interessen
der Reformverlierer durchgesetzt werden.
</p><p>
Die au=DFenpolitische Lage macht es dabei besonders schwierig,
unwillige <b>Empf=E4nger unter Druck</b> zu setzen, vor allem
wenn die Geber gleichzeitig mehr Respekt vor Menschenrechten und
eine Austerit=E4tspolitik durchsetzen wollen. Denn die nordafrikanischen
Regierungen weisen - in einigen F=E4llen auch zurecht - darauf
hin, da=DF mehr Freir=E4ume f=FCr die Opposition bei
gleichzeitiger Beendigung der Bedienung der regierungstreuen Klientele
ein Rezept zur St=E4rkung des politischen Islam und zur Schw=E4chung
der prowestlichen Regime ist. Solange die Geber diese Logik akzeptieren
und sie sich nicht zwischen Reforminteresse und B=FCndnistreue
gegen=FCber den Eliten nicht entscheiden, sind ihnen die H=E4nde
gebunden.
</p><p>
<b>Die sektorale Kooperation</b>=20
</p><p>
mu=DF ebenfalls versuchen, Gebiete und Projekte gemeinsamen
Interesses zu finden. In Bereichen wie Umwelt, Verkehr und Energie
mag das gelingen, wenn die Geber die Rechnung bezahlen und die
Interessen der Empf=E4nger zumindest neutral oder gar positiv
sind. Aber auch hier gibt es Zielkonflikte, die eine gemeinsame
Politik der EU und Nordafrikas erschweren.<br>

</p><ul>
<li>Die<b> Migrationspolitik</b> weist ein offensichtliches Konfliktpotenti=
al
auf: Nordafrika mu=DF daran interessiert sein, da=DF seine
jungen Arbeitslosen Gelegenheit haben, in Europa zu arbeiten und
Teile ihres Einkommens zu retransferieren. Europa dagegen will
seinen Arbeitsmarkt sch=FCtzen. Demographische Gegentrends,
die es nahelegen, die =DCberalterung durch zus=E4tzliche
Einwanderung zu bek=E4mpfen, werden erst langfristig zum Tragen
kommen.<br>

</li><li>In der<b> Drogenpolitik</b> verfolgt Europa (und der Westen
allgemein) eine widerspr=FCchliche Politik irrational differenzierter
Prohibition: Alkohol und Nikotin sind schwach reguliert, viele
Psychopharmaka legal und stark reguliert, Marihuana ist nur in
Nischen legal, eine F=FClle von Drogen unterschiedlicher Gef=E4hrlichkeit
illegal. Diese Politik wird in einem sehr langsamen Proze=DF
reformiert und ist Dritten gegen=FCber schwer zu begr=FCnden.
Andererseits bringt der illegale Drogenhandel Marokko h=F6here
Deviseneinnahmen als die gesamte Auslandshilfe, die allerdings
im Schwarzmarkt versickern. Eine in Europa politisch weitgehend
tabuisierte Legalisierung k=F6nnte beiden Seiten gro=DFe
Vorteile bringen.<br>

</li><li>Beim <b>Terrorismus</b> fallen die Wahrnehmungen ebenfalls
auseinander, selbst wenn man vom Sonderfall Libyen absieht, dem
sogar die Unterst=FCtzung von antiwestlichen Terroristen vorgeworfen
wird. Zwar gibt es eine naheliegende Kooperation gegen Terroristen
und Organisationen, die Anschl=E4ge in Nordafrika und Europa,
vorzugsweise gegen Europ=E4er, ver=FCben, wie es in Algerien
und =C4gypten der Fall war. Aber manches, das die Regierungen
''Terrorismus'' nennen, ist aus der Sicht der Opposition der letzte
Ausweg aus einer Hilflosigkeit, die die Regierungen selbst durch
die Blockade demokratischer Wege der Artikulation von oppositionellen
Interessen provoziert haben. Auch bezeichnen autorit=E4re Regierungen
gerne alle Oppositionellen als Terroristen, u.a. um Asyll=E4nder
zu veranlassen, exilierten Regimegegnern den Schutz zu entziehen.
</li></ul>

<p>
Das <b>Integrationsmodell der EU</b> schreibt einerseits ihre
jahrzehntealte Politik gegen=FCber den weniger entwickelten
Nachbarregionen (Marktzugang, finanzielle und technische Hilfe)
fort. Ihre Vorg=E4nger konnten offensichtlich nicht verhindern,
da=DF in Nordafrika Entwicklungen eintraten, die heute die
EU beunruhigen. Andererseits setzt die EU in der Mittelmeerpolitik
neue Akzente wie den beidseitigen Freihandel oder den Politikdialog
und sektorale Kooperation. Beide gab es in den bisherigen Mittelmeerabkomme=
n
erst in Ans=E4tzen; sie sind aber aus dem Lom=E9-Verh=E4ltnis
schon bekannt, wenn auch nicht unbedingt f=FCr ihren Entwicklungserfolg.
Die politisch-publizistische Verpackung f=FCr die ''neue''
Strategie, f=FCr die die EU allerdings nicht verantwortlich
ist, =FCberzeichnet die Gefahren und =FCberfrachtet die
m=F6gliche konkrete Zusammenarbeit mit Anspr=FCchen und
Erwartungen, die sie kaum erf=FCllen kann.
</p><p>
Wenn man die =F6ffentlich vorgetragenen europ=E4ischen Sorgen
ernst nimmt, dann mu=DF die Priorit=E4t der Reformen und
damit der Kooperation im gesellschaftspolitischen Bereich liegen.
Die =F6konomische Entwicklung der Region dient zun=E4chst
der politischen und sozialen Stabilisierung. Aber sie ist auch
im langfristigen wirtschaftlichen Interesse Europas. Der europ=E4ische
Beitrag zur priorit=E4ren politischen Stabilit=E4t bedarf
jedoch zun=E4chst einer <b>Entemotionalisierung der Debatte</b>.
Denn der Paranoia ist der erste Schritt zu einer =FCberst=FCrzten
Politik, die an den Problemen Nordafrikas und vor allem an den
Problemen Europas mit Nordafrika vorbeigeht.

</p><p>
</p></li><li><b><a name=3D"schw">Die schwierige Modernisierung klientelisti=
scher
Rentenstaaten </a></b>

<p>
Die <b>Strukturanpassungsprogramme der 80er</b> Jahre haben in
Marokko, Tunesien und - in geringerem Ma=DF - in =C4gypten
dazu beigetragen, die makro=F6konomischen Ungleichgewichte
zu verringern. Die Inflation, die Haushalts- und Leistungsbilanzdefizite
sowie die Auslandsverschuldung sanken bzw. bewegten sich in Bereiche,
die langfristig zu finanzieren waren. Algerien begann erst sp=E4t
mit h=E4rteren Ma=DFnahmen, die deswegen bis jetzt kaum
Ergebnisse zeigten. Libyen stand dank seiner besonderen Wirtschaftsstruktur
weniger unter Druck, f=FChrte aber eigenst=E4ndig eine Reihe
von Stabilisierungspolitiken durch.
</p><p>
Eine solide Geld- und Fiskalpolitik und realistische Wechselkurse
schaffen <b>monet=E4re Stabilit=E4t</b> und Glaubw=FCrdigkeit,
wenn sie entschlossen von einer vertrauensw=FCrdigen Regierung
durchgef=FChrt werden. In der Folge nimmt die Kapitalflucht
ab und die Gastarbeiter=FCberweisungen nehmen zu. Die =DCberweisungen
lagen bisher pro Emigrant im Maghreb niedriger als etwa in Portugal,
was wahrscheinlich an dem geringeren Vertrauen in die Politik
und W=E4hrung ihrer Heimatl=E4nder liegt. Eine vertrauensw=FCrdige
W=E4hrung ben=F6tigt niedrigere Zinsen zu ihrer Stabilisierung,
was die Investitionen und das Wachstum erleichtert. Eine harte
W=E4hrung mu=DF allerdings l=E4ngere Zeit durch Unterbewertung,
selektiven Protektionismus, offensive Exportf=F6rderung, niedrige
L=F6hne, harte Geld- und sparsame Haushaltspolitik erk=E4mpft
werden. Diese Politiken finden selten die Gegenliebe der Handelspartner.
Europa mu=DF hier zu Opfern bereit sein, wenn es die Stabilisierung
Nordafrikas ernsthaft will.
</p><p>
Die Berechenbarkeit und Zuverl=E4ssigkeit der Wirtschaftspolitik
h=E4ngen wesentlich vom politischen <b>Standverm=F6gen der
Regierung</b> ab. In der Vergangenheit hielten die nordafrikanischen
Regierungen nur beschr=E4nkt den Druck aus, der als Reaktion
auf Sparpolitiken, Liberalisierung und Abwertung auf sie in Form
von Unruhen, Protesten oder direkter Beeinflussung innerhalb der
Eliten zukam. Die schwache Legitimit=E4t der Regierungen stellt
somit ein zentrales Problem der Stabilisierungspolitik dar. Die
Regierungen stehen angesichts der Erosion ihrer Rentenbasis vor
der schwierigen Aufgabe, sich eine <b>neue Legitimit=E4t</b>
zu schaffen. Nach einer =DCbergangskrise k=F6nnte sich eine
moderne, republikanische Legitimit=E4t entwickeln, die auf
einem demokratisch kontrollierten, entwicklungsorientierten Einsatz
vom Volk bewilligter und aufgebrachter Steuern beruht. Aber die
M=E4chtigen m=FCssen bef=FCrchten, da=DF sie nicht
den Wechsel vom alten auf den neuen Stuhl schaffen.
</p><p>
Nur in Marokko und Tunesien war das erfolgreiche Nachfragemanagement
im Zuge der Strukturanpassungsprogramme von einer Angebotsverbesserung
begleitet, die sich in wachsenden und zunehmend diversifizierten
Exporten ausdr=FCckte. Trotzdem stieg in allen L=E4ndern
(mit Ausnahme Libyens) die Arbeitslosigkeit deutlich an. Sparma=DFnahmen
drohen au=DFerdem, nicht nur <b>kurzfristig politische Probleme</b>
zu schaffen (z.B. bei Entlassungen im =F6ffentlichen Sektor,
Streichung der Nahrungsmittelsubventionen), sondern gef=E4hrden
eventuell die langfristige Angebotskapazit=E4t der Wirtschaft
im Fall von K=FCrzungen in Sektoren wie Erziehung, Gesundheit
oder Infrastruktur.
</p><p>
Die Vorschl=E4ge zur <b>St=E4rkung der Wettbewerbsf=E4higkeit</b>
im Rahmen von Strukturanpassungsprogrammen beschr=E4nken sich
meist auf indirekte Ma=DFnahmen. Die Liberalisierung von Importen
soll Kostendruck erzeugen und die Versorgung der Betriebe mit
Inputs erleichtern, die Abwertung zur Exportproduktion anreizen,
die Privatisierung die Effizienz von Staatsunternehmen erh=F6hen,
die Deregulierung die H=FCrden bei der Aufnahme und dem Betrieb
wirtschaftlicher Aktivit=E4ten und bei Unternehmensgr=FCndungen
abbauen. Wie weit die so ge=F6ffneten Freir=E4ume genutzt
werden, h=E4ngt aber davon ab, ob die potentiellen Unternehmer
die n=F6tigen F=E4higkeiten und Ressourcen (Ausbildung,
Kapital, Technologien, Marktkenntnisse etc.) haben bzw. erwerben
k=F6nnen. Ein in der Regel gro=DFer informeller Sektor
spricht zwar daf=FCr, da=DF gen=FCgend Initiative da
ist und die Deregulierung beabsichtigt auch, diese Aktivit=E4ten
zu legalisieren und damit das erfa=DFte Sozialprodukt und
die Steuereinnahmen zu erh=F6hen. Aber vom =DCberleben in
der Schattenwirtschaft ist es ein gro=DFer Schritt zur internationalen
Wettbewerbsf=E4higkeit.
</p><p>
Liberalisierung erleichtert erfolgreiche Modernisierung nur dort,
wo der Staat sie vorher behindert hat. Sie braucht jedoch nicht
nur die Abwesenheit des blockierenden Staats, sondern auch die
<b>Zusammenarbeit mit einem =F6ffentlichen Sektor</b>, der
komplement=E4re Inputs liefert, die der Privatsektor bzw. der
Markt nicht anbieten k=F6nnen. Erst das fruchtbare Zusammenspiel
von privaten und =F6ffentlichen Einrichtungen der verschiedensten
Ebenen (lokal, regional, national) schafft Standorte einer wettbewerbsf=E4h=
igen
Produktion.
</p><p>
<b>Effiziente Mikropolitiken</b> k=F6nnen auch die negativen
Nebenwirkungen stabilisierender Makropolitiken mehr als kompensieren:
Gezielte F=F6rderung der Prim=E4r- und Sekund=E4rerziehung
von M=E4dchen statt aufwendiger Universit=E4ten, preiswerte
Gesundheitserziehung und vorbeugende Medizin statt Gro=DFkliniken
mit teurer Apparatemedizin sind nur einige Beispiele, bei denen
weniger mehr bedeuten kann.
</p><p>
Solche Ans=E4tze m=FCssen von unten her wachsen und entwickelt
werden. Auch dazu m=FCssen in den zentralistischen Staaten
Nordafrikas Freir=E4ume ge=F6ffnet werden. <b>Dezentralisierung,
kommunale Steuerhoheit</b> (statt Abh=E4ngigkeit von zentralen
Finanzzuweisungen) und <b>lokale Demokratie</b> erlauben es, konkret
vor Ort Probleme anzupacken, private Unternehmen, gesellschaftliche
Organisationen und kommunale Verwaltung zusammenzuf=FChren,
um sich gegenseitig zu st=FCtzen und zu kontrollieren. Die
Kommune kann besser pr=FCfen, ob Unternehmer ihnen einger=E4umte
M=F6glichkeiten und Ressourcen produktiv nutzen oder konsumptiv
privatisieren. Es besteht allerdings auch die Gefahr, da=DF
lokale Eliten ihre Verwaltungen bestechen. Aber die B=FCrger
sind als kommunale Steuerzahler motiviert und k=F6nnen als
Ortsans=E4ssige leichter kontrollieren, was die Verwaltung
mit ihrem Geld anf=E4ngt. Gegenseitige Verst=E4rkung von
Leistung und Legitimit=E4t k=F6nnte den Staat von unten
erneuern. Besonders die immer weiter wachsende st=E4dtische
Jugend in ihrer Armut und Arbeitslosigkeit m=FC=DFte dabei
einbezogen werden.
</p><p>
<b>Ausw=E4rtige, zwischenstaatliche Hilfe</b> tut sich naturgem=E4=DF
schwer, die Feinstruktur lokaler Politiken zu entwickeln. Sie
ist in der Regel auf Gro=DFprogramme der Zentralregierungen
fixiert. Die Abh=E4ngigkeit von internationalen Kapitalzufl=FCssen
hat sogar die Zentralisierung eher noch verst=E4rkt, da die
Regierungen die formalen Kreditnehmer sind und die ausl=E4ndischen
Gelder oft nach der Logik des alten Rentensystems verteilen. Der
die Finanzhilfe begleitende Politikdialog k=F6nnte dagegen
auf lokale politische Reformen dr=E4ngen, die sich perspektivisch
nach oben, also =FCber die regionale auf die nationale Ebene,
fortsetzen m=FCssen. Direkter k=F6nnen die Zusammenarbeit
von Nichtregierungsorganisationen oder St=E4dtepartnerschaften
versuchen, die kommunale Entwicklung zu unterst=FCtzen.
</p><p>
<b>Auf dem Land sind ebenfalls drastische Ver=E4nderungen n=F6tig</b>,
um den Teufelskreis von hohem Bev=F6lkerungswachstum, niedriger
Produktivit=E4t und Armut zu unterbrechen, der Nordafrika zum
Import von Nahrungsmitteln zwingt und die Migration weiter ankurbelt
- zun=E4chst vom Land in die Stadt und dann ins Ausland. H=F6here
Ankaufspreise f=FCr Agrarprodukte sind nur eine Rahmenbedingung
f=FCr Modernisierung, die im Ergebnis Gro=DFbetriebe und
die =DCbernahme von Fl=E4chen durch st=E4dtisches Kapital
bevorzugt hat - mit der Folge zwar h=F6herer Produktion, aber
auch weiterer Verarmung und Landflucht. Es gibt wenig Ans=E4tze,
um der l=E4ndlichen Bev=F6lkerung in gr=F6=DFerer
Zahl eine wirtschaftlich sinnvolle Existenz und Lebensperspektive
zu bieten, etwa durch Bodenreform, besseren Zugang f=FCr Kleinbauern
zu modernen Maschinen und Produktionsmethoden und den Aufbau l=E4ndlicher
Industrie mit der Agrarproduktion vor- und nachgelagerten Aktivit=E4ten.
Gerade auf dem Lande w=FCrde eine bessere Erziehung vor allem
der M=E4dchen und Gesundheitsf=FCrsorge - allen Erfahrungen
in anderen armen L=E4ndern zufolge - am sichersten zur langfristigen
Senkung der Geburtenrate beitragen.

</p><p>
</p></li><li><b><a name=3D"nord">Nordafrika braucht Partnerschaft statt Par=
anoia
</a></b>

<p>
<b>Drei unvertr=E4gliche Komponenten</b> zeichnen die Haltung
Europas gegen=FCber Nordafrika in den letzten Monaten aus:
</p><ol>
<li>eine <b>unberechtigte Paranoia</b> =FCber den politischen
Islam, den Terrorismus und die Migrationsbewegungen;<br>

</li><li>ein Kraftakt <b>symbolischer Politik</b>, die sich um Begriffe
wie Partnerschaft, Freihandel, Politikdialog etc. rankt und in
dem Barcelonagipfel ihren vorl=E4ufigen H=F6hepunkt erreicht
hat;<br>

</li><li>eine <b>knauserige Realpolitik</b>, die um jedes Kilo Tomaten-
und Blumenimporte, um die Fischereirechte in Marokkos Gew=E4ssern
und um ECU-Summen an Hilfegeldern streitet, die Bruchteile dessen
betragen, was die Union ihren Gro=DFbauern an Subventionen
zukommen l=E4=DFt oder f=FCr Hundefutter ausgibt.
</li></ol>

<p>
Wie immer ist die Wahrheit besser an den Taten als an den Worten
zu erkennen. Was an den <b>Gefahren</b> ernst zu nehmen ist, darum
k=FCmmern sich - oft mehr schlecht als recht - Polizei und
Grenzbeh=F6rden. Legal kommen kaum noch Einwanderer aus Nordafrika
nach Europa. Die Visa- und sonstigen Einreiseformalit=E4ten
sind erheblich versch=E4rft und erschweren schon sp=FCrbar
den Reiseverkehr, der notwendig ist, um all das aufrechtzuerhalten,
was in den Sonntagsreden gefordert wird (Dialog, Partnerschaft,
Kooperation, Handel).
</p><p>
Schmerzliche Anpassungen dagegen, z.B. in der europ=E4ischen
Fischerei- und Agrarpolitik, um Nordafrikas wirtschaftliche Entwicklung
zu erleichtern, fallen gerade den EU-Mittelmeeranrainern am schwersten,
obwohl sie sich am meisten von einer Dauerkrise in Nordafrika
bedroht f=FChlen m=FC=DFten. Sie treten zwar f=FCr
h=F6here Hilfen ein, aber die k=E4men aus einem EU-Haushalt,
zu dem sie netto wenig beitragen. Diese <b>Dickfelligkeit angesichts
der beschworenen Gefahren</b> spricht daf=FCr, da=DF nach
dem politisch-publizistischen Sturm des Jahres 1995 wieder die
Ruhe des diplomatisch-b=FCrokratischen Alltags einkehren wird,
in dem es um die Verhandlung und Verwaltung des n=E4chsten
Kredits, der letzten Importbeschr=E4nkung und der n=E4chsten
Fangquote geht.
</p><p>
Eine realistische Nordafrikapolitik braucht eine <b>klare Bestimmung
der europ=E4ischen Interessen.</b> Worum geht es ?
</p><ol>
<li>Ist es eine Trocken=FCbung in symbolischer Politik zur
Beruhigung der Mittelmeermitgliedsstaaten der EU, die =FCber
den Nordosttrend der Union besorgt sind ?<br>

</li><li>Ist Europa durch Migration und islamistische Extremisten aus
Nordafrika bedroht ?<br>

</li><li>Soll eine unterentwickelte Peripherie entwicklungspolitisch
mittels einer Variante der Lom=E9-Vertr=E4ge an Europa
angebunden werden ?<br>

</li><li>Soll eine f=FCr Europa wichtige Wirtschaftsregion (Energie,
billige Arbeitskr=E4fte) in eine neue Struktur internationaler
Arbeitsteilung integriert werden ?<br>

</li><li>Oder geht es um einen weiten au=DFen- und sicherheitspolitischen
Rahmen zur Strukturierung des s=FCdlichen Nachbarschaftsraumes,
analog zum Ansatz der OSZE f=FCr Gesamteuropa, d.h. vor allem
EU und =F6stliche Nachbarn ?
</li></ol>

<p>
Offensichtlich schlie=DFen sich diese Ziele nicht gegenseitig
aus. Einzelne Mitglieder, gesellschaftliche und politische Segmente
der EU w=FCrden ihre eigenen Priorit=E4ten innerhalb dieser
Liste formulieren. Die konkrete EU-Politik ist eine verwaschene
und gelegentlich inkonsistente Resultante dieser Kr=E4fte.
Das einzige Land, das eine <b>klare F=FChrungsrolle</b> (vergleichbar
der Deutschlands gegen=FCber Mittel- und Osteuropa) einnehmen
k=F6nnte, w=E4re <b>Frankreich</b>, da Spanien und Italien
an internen F=FChrungskrisen leiden. Frankreichs Position ist
aber durch seine problematische Algerienpolitik bestimmt.
</p><p>
Der politische Dampf f=FCr die neue Politik der <b>''Partnerschaft
Europa-Mittelmeer''</b> kommt aus den beiden ersten Interessenkomplexen
(Gewichtsverlagerung in der Union und Bedrohungsperzeptionen),
die die EU nur sehr untergeordnet anspricht. Trotzdem d=FCrfte
sie das erste Ziel mit ihrer neuen Politik erreichen. Da=DF
die neue Politik an den europ=E4ischen =C4ngsten und ihren
Anl=E4ssen wenig =E4ndert, schadet kaum, da die =C4ngste
weitgehend grundlos sind oder durch andere Ma=DFnahmen, z.B.
eine rigide Einwanderungspolitik, gro=DFteils erledigt haben.
Der EU-Ansatz versucht =FCberwiegend, die drei letzten Ziele
abzudecken. Die daf=FCr notwendige Mitarbeit der Partner auf
dem anderen Ufer des Mittelmeers ist aber noch nicht gesichert.
</p><p>
Eine<b> langfristige Stabilisierung und Entwicklung Nordafrikas
bedarf aber anderer Akzente</b> in der Zusammenarbeit. Ohne die
Probleme in Nordafrika zu verharmlosen, sollte die EU<b> </b>die
positiven Entwicklungen mehr w=FCrdigen und die Nutzen f=FCr
Europa in den Vordergrund stellen. Demokratisierung und Wirtschaftsreformen
haben in der Region - vor allem in Marokko und Tunesien - unzweifelhaft
Fortschritte gemacht, auch wenn sie noch weit davon entfernt sind,
europ=E4ischen Vorstellungen zu entsprechen. Algerien hat aufgrund
seiner Rohstoffausstattung gute Chancen, nach Beendigung seines
B=FCrgerkriegs dank einer Reihe von Reformen wirtschaftlich
wieder auf die F=FC=DFe zu kommen. Libyen ist eines der
stabileren L=E4nder Nordafrikas und k=F6nnte als relativ
reiches, aber bev=F6lkerungsarmes Land einen wichtigen Beitrag
zur regionalen Entwicklung leisten. =C4gypten weist wohl die
am tiefsten sitzenden Probleme auf und bedarf am dringlichsten
weiterer wirtschaftlicher Reformen und sozialer Hilfe. Die ganze
Region bleibt au=DFerdem als Energielieferant ein wichtiger
Wirtschaftspartner f=FCr die EU, auch wenn seine Bedeutung
als Teil eines gr=F6=DFeren Produktionsverbunds noch l=E4nger
auf sich warten lassen wird.
</p><p>
Angesichts der Schwierigkeit, innere Entwicklungen von au=DFen
zu beeinflussen, sollte <b>Europa bei sich selbst anfangen</b>:
</p><ul>
<li>Strukturpolitisch sollte die EU aktiv den Abbau jener Produktionen
f=F6rdern, in denen die EU nur durch dauerhafte k=FCnstliche
Schutzma=DFnahmen wettbewerbsf=E4hig bleiben kann. Sie
sollten durch billigere Importe aus den Nachbarregionen ersetzt
werden. Ein <b>mittelfristiger Liberalisierungsfahrplan</b> sollte
den betroffenen europ=E4ischen Produzenten und den potentiellen
Anbietern in den Nachbarl=E4ndern (auch europ=E4ischen Investoren)
berechenbare Entscheidungsgrundlagen f=FCr die Anpassung an
eine k=FCnftige Arbeitsteilung geben. Eine derartige Klarheit
w=FCrde auch allen Ans=E4tzen f=FCr regionale Kooperation
(UMA bzw. CEFTA in MOE) gut tun, die u.a. daran kranken, da=DF
f=FCr alle Beteiligten der europ=E4ische Markt wichtiger
ist als der regionale ist. <br>

</li><li>Eine <b>Liberalisierung der tabuisierten Drogenpolitik</b>,
insbesondere eine Legalisierung von Cannabis, w=FCrde Nordafrika
neue legale Exportchancen einr=E4umen sowie Einkommen in den
armen Landregionen und im Staatshaushalt statt bei Drogenh=E4ndlern
schaffen.<br>

</li><li>Angesichts der vorhandenen Angebotsschw=E4che der nordafrikanische=
n
=D6konomien wird der Nutzen einer Handelsliberalisierung beschr=E4nkt
bleiben. Ihr mu=DF eine <b>Politik f=FCr Investitionen
und Migration</b> folgen, die die Bedingungen f=FCr europ=E4ische
Investoren und nordafrikanische Migranten kl=E4rt und deren
Entwicklungsbeitrag optimiert. <br>

</li><li>Die EU mu=DF eine <b>Einwanderungspolitik</b> formulieren,
die einerseits die politische und soziale Aufnahmef=E4higkeit
der Mitgliedsl=E4nder realistisch einsch=E4tzt. Sie sollte
andererseits auch den m=F6glichen Bedarf an Einwanderung angesichts
der demographischen Entwicklung in der EU ber=FCcksichtigen,
den viele Experten f=FCr Rentenversicherungsfragen auf Millionenh=F6he
sch=E4tzen, wobei sie allerdings die unrealistische Existenz
entsprechend vieler sozialversicherungspflichtiger Arbeitspl=E4tze
unterstellen.<br>

</li><li>Dabei mu=DF die EU die <b>Interessen Mittel- und Osteuropas
und Nordafrikas gegeneinander abw=E4gen</b>. Diese Interessenabw=E4gung
ist letztlich eine Abw=E4gung zwischen den Interessen des Nordostens
und des S=FCdwestens der Union, da sie jeweils am st=E4rksten
von einer neuen Arbeitsteilung mit den unmittelbaren Nachbarn
profitieren werden. <br>

</li><li>Die EU mu=DF ihre <b>Aufkl=E4rungsarbeit gegen Rassismus
und Fremdenha=DF</b>, insbesondere gegen Araber und gegen
den Islam, verst=E4rken. Dazu z=E4hlt auch eine Aufarbeitung
der eigenen kolonialen Vergangenheit. <br>

</li><li>Die EU sollte m=F6glichst rasch <b>Libyen aus der au=DFenpolitisch=
en
Isolation befreien</b>, die der dortigen F=FChrung eher Vorw=E4nde
zur Verz=F6gerung von Reformen bietet und verhindert, da=DF
das Land seine komplement=E4ren Vorteile in die regionale Kooperation
einbringt.
</li></ul>

<p>
Die offensichtliche politische Aussichtslosigkeit der meisten
dieser Vorschl=E4ge beweist, wie tief unten in der Priorit=E4tenskala
der europ=E4ischen Politik die soziale Entwicklung Nordafrikas
mit seinem relativ bescheidenen Markt und Wachstumspotential liegt.
Die <b>Mittelmeerpolitik der EU</b> mu=DF und sollte sich
daher auf die Probleme und Instrumente konzentrieren, die mit
angemessenem Aufwand sichtbare L=F6sungsfortschritte versprechen.
Weder eine rasche Handelsliberalisierung noch Gro=DFkredite
z=E4hlen zu dieser Kategorie. Statt dessen sollte sich die
EU mit bescheidenen Projekten um die f=FCr sie wichtigen Sorgenbereiche
k=FCmmern:<br>

</p><ul>
<li><b>Erziehung und Ausbildung</b> nehmen dabei eine zentrale
Position ein. Sie sollten vor allem M=E4dchen und Frauen mit
erfassen, was nach allen Erfahrungen auch der beste Weg zur Bev=F6lkerungsk=
ontrolle
ist. Sie sollten sich im Sekundarbereich darauf konzentrieren,
die Jugendlichen m=F6glichst in die Lage zu versetzen, einen
Arbeitsplatz zu finden oder eine eigene Wirtschaftst=E4tigkeit
aufzunehmen. <br>

</li><li>Diese<b> Existenzgr=FCndungen w=E4ren durch Kleinkredite
zu f=F6rdern</b>, die von lokalen Gruppen verwaltet werden,
die die Gesch=E4ftsvorhaben bewerten und mithaften. Der europ=E4ische
Beitrag kann dabei nur eine Kofinanzierung sein, die nationale
Programme erg=E4nzt oder durch voll finanzierte Pilotprojekte
Vorbilder f=FCr lokale Initiativen bietet. <br>

</li><li><b>Lokale Demokratisierung und Wirtschaftsentwicklung</b>
k=F6nnten den notwendigen Wandel langsam von unten einleiten,
ohne sofort die zentralen Eliten so sehr zu bedrohen, da=DF
sie ihn blockieren.<br>

</li><li>Der <b>gesellschaftspolitische Dialog unterhalb der Regierungseben=
e</b>
sollte vor allem mit den reformorientierten Gruppen, aber auch
mit den Vertretern des politischen Islam gef=FChrt werden.
<br>

</li><li>In vielen Feldern gemeinsamen Interesses wie <b>Umwelt, Energie,
Tourismus, Drogenpolitik und Terrorismus</b> sollten beide Seiten
vorurteilsfrei versuchen, L=F6sungen zum beiderseitigen Nutzen
zu finden, die zur Erreichung der =FCbergeordneten Ziele (dauerhafte
Stabilit=E4t und Entwicklung) beitragen.
</li></ul>

<p>
Die EU und die bilaterale Zusammenarbeit der Mitgliedsstaaten
arbeiten auf diesen Gebieten. Ob diese wenig spektakul=E4re
T=E4tigkeit noch einer grandiosen =DCberw=F6lbung durch
eine ''Europ=E4isch-Mediterrane Zone f=FCr Frieden und Stabilit=E4t''
bedarf, ist zweifelhaft. <b>Dieses Globalkonzept zielt auf eine
sehr differenzierte Gesamtregion, die sich wenig f=FCr globale
Gleichmacherei eignet</b>. Selbst die Teilregion Nordafrika mu=DF
schon l=E4nderspezifisch betrachtet und behandelt werden. Um
so mehr gilt dies f=FCr einen Raum, der sich von der T=FCrkei
=FCber Pal=E4stina und Bosnien bis nach Marokko erstreckt.
Die wenigsten Probleme betreffen die gesamte Region. So h=E4tte
es z.B. wenig Sinn, den Maghreb mit der Kurdenfrage zu befassen.
</p><p>
Aber die Logik europ=E4ischer Politikformulierung zieht eine
aufwendig inszenierte Euromediterrane Partnerschaft substantiellen
Kooperationsschritten vor. Sie schlie=DFt eine Reihe sinnvoller
Ma=DFnahmen allerdings auch nicht aus. <b>Nordafrikas Arme
und Demokraten m=FCssen sich mit der beschr=E4nkten Unterst=FCtzung
abfinden</b>, die in diesem Rahmen f=FCr sie abf=E4llt.
</p></li></ol>
<!-- START END -->
<hr>
<font size=3D"-2">
=A9 <a href=3D"mailto:wwwadm@www.fes.de">Friedrich Ebert Stiftung</a>
| <a href=3D"https://library.fes.de/fulltext/id/support.html">technical sup=
port</a> | net edition=20
<a href=3D"mailto:walter.wimmer@fes.de">fes-library</a> | M=E4rz 1998 =20
</font></td></tr></tbody></table>
<!-- END END -->


</body></html>
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