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Solidarnosc kehrt zur=FCck
 / Friedrich-Ebert-Stiftung, Abteilung Industriel=E4nder. - Bonn, 1997
 (Politikinformation Osteuropa ; 73)
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<tbody><tr>
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=3D"TITELINFO"></center><br><br>
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<!-- END BEGIN1 -->
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Solidarnosc kehrt zur=FCck
 / Friedrich-Ebert-Stiftung, Abteilung Industriel=E4nder. - [Electronic ed.=
]. - Bonn, 1997. - 8 Bl. : graph. Darst. =3D 26 Kb, Text
. - (Politikinformation Osteuropa ; 73)
<br>Electronic ed.: Bonn: EDV-Stelle der FES, 1998
<br><br><font size=3D"-1"><i>=A9 Friedrich-Ebert-Stiftung</i></font>
<!-- START BEGIN2 -->
</font>
<br>
<!-- END BEGIN2 -->
<i>(Dieses
Politikinfo st=FCtzt sich weitgehend auf ein Papier von Hans R. Blumenthal)=
</i>
<p>
</p><p><font face=3D"Times New Roman">In den vierten freien Wahlen seit 198=
9 w=E4hlten die Polen
am 21. September 1997 ihr Parlament zum ersten Mal nach Ablauf einer vollen
Regierungsperiode. Auf einen eher moderaten, fast langweiligen Wahlkampf fo=
lgte ein <strong>Erdrutschsieg</strong>
des "Post-Solidarnosc-Lagers=94 =FCber die "linke=94,
"postkommunistische=94 Regierungskoalition aus sozialdemokratischem B=FCndn=
is der
Linken (SLD) und Bauernpartei (PSL).<br>
Das <strong>"politische Erdbeben=94</strong> legte die durch das Wahlergebn=
is 1993
versch=FCtteten, urspr=FCnglichen politischen Kr=E4fteverh=E4ltnisse Polens=
 nach der Wende
wieder frei. Eine Mehrheit f=FChlt sich besser durch die
konservativ-liberal-gewerkschaftlichen Gruppen der "Post-Solidarnosc=94 ver=
treten.
Dies war 1993 nicht anders, jedoch hatte sich damals die Solidarnosc-Bewegu=
ng in zu viele
untereinander zerstrittene Gruppierungen gespalten. Obwohl diese Kr=E4fte z=
usammen etwa 35
% der Stimmen erhielten, scheiterte jede einzelne an der 5- bzw. 8-%-H=FCrd=
e des im Mai
1993 eingef=FChrten Wahlrechtes und war daher nicht im Parlament vertreten.=
 So gelang es
damals dem B=FCndnis der Linken mit 20,4 % der Stimmen 171 Sitze (37%) und =
der Bauernpartei
mit 15,4 % der Stimmen 132 Sitze (29%) zu erobern und damit eine satte Mehr=
heit der
insgesamt 460 Parlamentarier zu stellen. </font></p>

<p><img src=3D"https://library.fes.de/images/digbib/00113001.gif" width=3D"=
575" height=3D"272"> </p>

<p><font face=3D"Times New Roman">Die Wahlen von 1997 haben mit einer Betei=
ligung von nur
47,9% der W=E4hler die Parteienlandschaft klarer konturiert und zur Mitte g=
eschoben.
Tendenzen zu einem <strong>bipolaren Parteiensystem</strong> sind sichtbare=
r geworden: Dem
B=FCndnis der Demokratischen Linken (SLD), mit der sie dominierenden Sozial=
demokratie
Polens (SdRP) mit 27% auf der Linken steht die Wahlaktion Solidarnosc um di=
e sie
organisatorisch tragende Gewerkschaft "Solidarnosc=94 mit =FCber 33% gegen=
=FCber.
Die zunehmend rechtsliberale Freiheitsunion (UW), die die meisten, auch im =
Westen
bekannten fr=FCheren intellektuellen Oppositionellen der "Solidarnosc=94 wi=
e
Tadeusz Mazowiecki, Jacek Kuron, Bronislaw Geremek oder Hanna Suchocka in s=
ich vereinigt,
befindet sich, unter F=FChrung des "Vaters der polnischen Wirtschaftsreform=
en=94,
Ex-Finanzminister Leszek Balcerowicz, mit 13,37 % in der Mitte. </font></p>

<br>
<strong>Im Gegensatz zu 1993 spiegelt die
Sitzverteilung das Stimmenverh=E4ltnis</strong><p></p>

<p><font face=3D"Times New Roman">In der entscheidenden ersten Kammer des P=
arlaments, dem <a href=3D"http://www.sejm.gov.pl/"><strong>Sejm</strong></a=
>, hat das Solidarnosc-Lager eine <strong>komfortable
Mehrheit</strong>. Wahlsieger AWS verf=FCgt =FCber 201 der 460 Sitze. Der m=
=F6gliche
Koalitionspartner Freiheitsunion erzielte 60 Mandate, was eine Mehrheit von=
 30 Sitzen
erm=F6glicht. Die ehemalige Regierungskoalition hat 164 Abgeordnete der SLD=
 und 27 der
Bauernpartei. Hinzu kommen noch 6 Deputierte der national-konservativen Bew=
egung f=FCr den
Wiederaufbau Polens (ROP) und zwei Vertreter der deutschen Minderheit.<br>
Auch in der zweiten Kammer, dem nicht allzu machtvollen 100-k=F6pfigen <a h=
ref=3D"http://www.senat.gov.pl/"><strong>Senat</strong></a> hat sich das <s=
trong>Kr=E4fteverh=E4ltnis
grunds=E4tzlich ver=E4ndert</strong>. Im Jahre 1993 gew=E4hlten Senat hatte=
 die
Regierungskoalition die =FCberwiegende Mehrheit (SLD: 37 Sitze, PSL: 34). I=
m neuen Senat
verf=FCgen dagegen AWS und UW =FCber eine eindeutige Mehrheit (AWS: 51, UW:=
 8 - SLD: 28).
Die Bauernpartei verf=FCgte 1993 =FCber 34 Sitze, im neuen Senat wird sie m=
it knapp zwei
Sitzen vertreten sein, ROP mit f=FCnf.</font></p>

<p><strong>Zu den Verlierern z=E4hlen Parteien
aller Lager</strong></p>

<p><font face=3D"Times New Roman">Gr=F6=DFter Verlierer der Wahl war der kl=
einere Partner der
bisherigen Regierungskoalitions die <a href=3D"http://www.psl.org.pl/"><str=
ong>Bauernpartei
(PSL)</strong></a> unter F=FChrung von Ex-Premierminister Waldemar Pawlak. =
Mit 7,31 %
erhielt sie kaum mehr als die H=E4lfte ihrer Stimmen von 1993 (15,4 %). Ihr=
 Sitzanteil im
Sejm fiel von 132 auf 27 Mandate. Erste W=E4hlerstromanalysen deuten darauf=
 hin, da=DF etwa
20 % ihrer W=E4hler zum SLD, ca. 30 % zur AWS gewandert sind. Als ehemalige
"Blockfl=F6ten-Partei=94 versuchte sie sich, nach dem d=FCrftigen Ergebnis =
ihres
Vorsitzenden Pawlak bei den Pr=E4sidentschaftswahlen 1995 zunehmend als kir=
chennah,
konservativ und national zu profilieren. Ihre Anstrengungen, Reformen als
Koalitionspartner zu bremsen, ihre erratischen Absetzbewegungen vom Regieru=
ngspartner SLD
vor den Wahlen, ihr Mangel an innovativen Vorstellungen zur Restrukturierun=
g der
Landwirtschaft, ihre ungehemmte Posten- und Pfr=FCndenj=E4gerei, aber auch =
die unsicher -
autorit=E4r wirkende Person ihres Vorsitzenden Pawlak wurden von den W=E4hl=
ern abgestraft.
Auf dem Lande scheint sie nach vorl=E4ufigen Daten nur noch 35 % (AWS: 32 %=
, SLD: 14 %) der
W=E4hler binden zu k=F6nnen. Die Vorstellung Pawlaks, die Partei durch dies=
en Kurs als
"Z=FCnglein an der Wage=94 bzw. "Partner f=FCr jede Koalitionsgelegenheit=
=94
positionieren zu k=F6nnen, ist gr=FCndlich fehlgeschlagen. Zu den m=F6glich=
en Szenarien nach
dieser Wahlkatastrophe z=E4hlen: Eine Dominanz des Parteifl=FCgels um
Ex-Landwirtschaftsminister Roman Jagielinski, der f=FCr eine modernere Land=
wirtschaft
eintritt; der Zerfall der Partei in zwei verbands=E4hnliche Lobby-Parteien;=
 eine Koalition
mit AWS und UW oder gar eine mit SLD und UW - im Falle des Scheiterns von A=
WS und UW.<br>
Obwohl zum ersten Mal angetreten, geh=F6rt auch die<a href=3D"http://www.qd=
net.pl/rop"> <strong><font face=3D"Times New Roman">Bewegung f=FCr den Wied=
eraufbau Polens (ROP</font>)</strong></a>
unter Ex-Premierminister Jan Olszewski mit 5,56 % der Stimmen und sechs Sej=
m-Sitzen zu den
Verlierern der Wahl. Dies, da ihr Umfragen noch vor Jahresfrist bis zu 18% =
der Stimmen
zuschrieben. Ihre fundamentalistischen, nationalistischen, mit fremdenfeind=
lichen
Elementen durchsetzten, euroskeptischen Aussagen wie auch ihre Strategie, s=
ich, trotz
gleicher Herkunft, von der AWS abzusetzen, wurden von den W=E4hlern nicht h=
onoriert. <br>
Entt=E4uschter Verlierer war die kleinere, sozialdemokratische Partei <a hr=
ef=3D"http://upwww.sejm.gov.pl/"><strong>Unia Pracy (UP)</strong></a>, die =
mit 4,74 %
keinen Sitz im neuen Sejm erhalten wird. Entt=E4uscht auch, da sie sich dur=
ch die
Verbindung mit Labour-nahen Beratern ein erheblich besseres Ergebnis erhoff=
te. Sie gab
mindestens 2 %-Punkte an das gr=F6=DFere sozialdemokratische SLD ab. Ihr Wa=
hlkampf war vom
Mitteleinsatz und Auftreten eher schwach und farblos. Zudem schien er falsc=
h konstruiert
zu sein. Ihre W=E4hler waren "linksliberaler=94, als ihre, auf ein imagin=
=E4res,
linkeres Milieu abzielenden Wahlaussagen. Sie sendete zu sehr auf der gleic=
hen Frequenz
wie SLD, allerdings erheblich schw=E4cher. Ebenso wie ROP auf der Rechten s=
cheint UP den
richtigen Moment zum Arrangement mit dem gr=F6=DFeren sozialdemokratischen =
Partner SLD
verpa=DFt und die Tendenz des Stimmb=FCrgers, st=E4rkere Formationen zu w=
=E4hlen,
untersch=E4tzt zu haben. <br>
Die beiden Rentnerparteien, denen vor den Wahlen bis zu 9 % der B=FCrger Sy=
mpathie
bezeugten, blieben mit 2,18 und 1,63 % weit unter der 5-%-H=FCrde.<br>
Die deutsche Minderheit erhielt in Oppeln zwei Mandate, verlor aber ihren S=
itz im Senat.</font></p>

<strong>Die Regierungspartei SLD: ein
geschlagener Gewinner</strong><p></p>

<p><font face=3D"Times New Roman">Das<a href=3D"http://sld.sejm.gov.pl/"> <=
strong>B=FCndnis der
Demokratischen Linken (SLD)</strong></a> kann sich nach der Wahl zugleich a=
ls Verlierer
und Gewinner f=FChlen. Als partei=E4hnliches B=FCndnis legte es mit 27,13 %=
 der Stimmen
gegen=FCber 1993 (20,4 %) fast 7 % zu, als f=FChrender Regierungspartner wu=
rde es
abgew=E4hlt. Es verlie=DF sich in seiner Kampagne zu sehr auf die im Pr=E4s=
identenwahlkampf
1995 und im Referendum zur neuen Verfassung im Fr=FChjahr des Jahres erprob=
te Strategie.
Damals hatte es sich als Schutzmacht gegen eine Klerikalisierung des =F6ffe=
ntlichen Lebens,
Kommunistenhetze, Bewahrung polnischer Interessen in einem abzuschlie=DFend=
en Konkordat,
Verteidigerin der Frauen durch ein liberales Abtreibungsgesetz und Garant e=
iner weiteren
Westintegration gegen AWS profilieren k=F6nnen. Diesmal schien sie nicht zu=
 bemerken, da=DF
AWS, die aus den Fehlern der Pr=E4sidentschafts- und Referendumskampagne ge=
lernt hatte,
einen ganz anderen Wahlkampf f=FChrte. <br>
Insgesamt kann SLD eine <strong>positive Regierungsbilanz</strong> vorweise=
n. Trotz eines
schwierigen Koalitionspartners sicherte sie zum ersten Mal nach der Wende e=
ine stabile
Regierung w=E4hrend einer vierj=E4hrigen Legislaturperiode. Wirtschaftswach=
stum bis 7%,
Anstieg der Realeinkommen, Senkung der Inflationsrate und Arbeitslosenquote=
 von 34% auf
unter 14% bzw. 16% auf weniger als 12%, Reduktion des Haushaltsdefizits auf=
 2,4%, Aufnahme
Polens in die OECD, Einladung zur NATO, Kl=E4rung von Minderheitenproblemen=
 und
Auss=F6hnungsprozesse mit seinen Nachbarn, vor allem Litauen und Ukraine, p=
ositiver EU-Avis
waren beim Amtsantritt 1993 von "Postkommunisten=94 nicht erwartet worden.<=
br>
Allerdings verlangsamte die Regierung notwendige Strukturreformen - auch au=
s
sozialpolitischen Gr=FCnden - und ging (in weiser Voraussicht?) zu "machtbe=
wu=DFt=94
mit der Besetzung von =C4mtern und Posten um.Viele Wahlb=FCrger bef=FCrchte=
ten, eine
Fortsetzung der Koalition von SLD und PSL bedeute eine f=FCr Polen abtr=E4g=
liche Zunahme der
<strong>Verfilzung von Wirtschaft, Administration und Politik. </strong><br=
>
Der <strong>Wahlkampf</strong> von SLD war seltsam lahm und plump, wohl auc=
h
machtarrogant. Die meist indirekt vorgetragene Kritik aus den eigenen Reihe=
n am
Vorsitzenden der SdRP, Ex-Premierminister Jozef Oleksy, brachte Unsch=E4rfe=
n in das bisher
geschlossene Bild des SLD. Das zun=E4chst inkompetente Management der Flutk=
atastrophe und
vor allem die unklugen =C4u=DFerungen Premierministers Cimoszewicz zu Begin=
n der Flut
sorgten daf=FCr, da=DF SLD nicht die erwarteten "30 und mehr %=94 erreichte=
n. SLD
verlor bei Bauern, Arbeitern, Jugend (Sch=FCler und Studenten) und beim pro=
fessionellen
Mittelstand gegen=FCber AWS. =DCberproportional war sie bei Polizei, Armee,=
 Rentnern und vor
allem Unternehmern repr=E4sentiert. Das W=E4hlerspektrum von SLD hat sich d=
ennoch
verbreitert. Ebenso wie bei AWS sind in ihr alle Schichten und Gruppierunge=
n Polens
vertreten. In diesem Sinne ist ihr ein weiterer Schritt in Richtung "linker=
=94
Volkspartei gelungen. <br>
Nun wird von ihr erwartet, sich zu h=E4uten, von Lasten ihrer Vergangenheit=
 zu befreien, um
die neue Rolle einer starken und konstruktiven Opposition zu spielen. Der R=
=FCcktritt des
Vorsitzenden Jozef Oleksy, der selbst von Pr=E4sident Kwasniewski schon ind=
irekt gefordert
wurde, wird von vielen als Symbol daf=FCr gesehen.</font></p>

<p><strong>Das liberale Z=FCnglein an der
Waage: die "Union der Freiheit"</strong></p>

<p><font face=3D"Times New Roman">Gegen=FCber den d=FCsteren Prognosen noch=
 vor einem Jahr ist
der liberalen <a href=3D"http://www.uw.gov.pl/index.html"><strong>Union der=
 Freiheit (UW)</strong></a>
mit 13,37 % ein bedeutender <strong>Erfolg </strong>gelungen. Ein <strong>g=
ro=DFer</strong>
Sieg war es nicht, wenn man die Ergebnisse der in ihr aufgegangenen beiden =
Gruppierungen,
der Demokratischen Union und des Liberal-Demokratischen Kongresses, die sic=
h 1993 auf 15,5
% der Stimmen addierten, als Ma=DFzahl nimmt. Als wirtschaftsliberaler, am =
deutlichsten
f=FCr Westintegration, eine offene Gesellschaft und Beschleunigung der Stru=
kturreformen
pl=E4dierender, im W=E4hlerbild intellektuellster Partei ist es ihr gelunge=
n, Mitglieder-
und W=E4hlerabfl=FCsse zum SLD und zur AWS zu stoppen. <br>
Der Vorsitzende, <strong>Leszek Balcerowicz</strong>, der nach seinem Amtsa=
ntritt vor zwei
Jahren gerne als Professor und "Nicht- Politiker=94 bel=E4chelt wurde, hat
Parteistrukturen und -organisation verbessern und der Partei ein zupackende=
res,
dynamischeres Image vermitteln k=F6nnen. Balcerowicz selbst gelang ein pers=
=F6nlicher
Triumph in seinem Wahlkreis Kattowitz, in dem er den Vorsitzenden der
"Solidarnosc=94 Krzaklewski an Direktstimmen erheblich =FCbertraf. Die klar=
e Absage
an eine, von den meisten ausl=E4ndischen Diplomaten und Experten, polnische=
n
Meinungstr=E4gern und Unternehmern gew=FCnschte Koalition mit dem SLD zahlt=
e sich aus. UW
wurde auch als reformorientiertes, liberales, weltoffenes Korrektiv in denk=
baren
Koalitionen mit AWS und SLD gew=E4hlt. UW kann im neuen Sejm die Rolle des
"Spielmachers=94 zufallen, der im Notfalle, sollte AWS sich als nicht
regierungsf=E4hig erweisen, auch mit SLD (und PSL) koalieren k=F6nnte.</fon=
t></p>

<strong>Das siegreiche Sammelsurium
Solidarnosc </strong><p></p>

<p><font face=3D"Times New Roman">Mit 33,83% sind die vor etwas mehr als ei=
nem Jahr
gegr=FCndete <a href=3D"http://aw.solidarnosc.org/"><strong>Wahlaktion Soli=
darnosc (AWS)</strong></a>
und ihr Vorsitzender Marian Krzaklewski, zugleich Vorsitzender der Gewerksc=
haft
"Solidarnosc=94, der strahlende Sieger. Aber AWS umfa=DFt 35 recht
unterschiedliche, von liberal-konservativ, christdemokratisch, national-kat=
holisch bis
radikalnational reichende Gruppierungen, deren mit Abstand st=E4rkste die G=
ewerkschaft
"Solidarnosc=94 ist.<br>
Ihr Wahlkampf hat mit seinen ungewohnt moderaten T=F6nen, seiner Profession=
alit=E4t und der
Disziplin ihrer Wortf=FChrer alle Beobachter =FCberrascht. Da=DF sie 6%-7% =
mehr W=E4hler
anziehen konnte, als ihr in Umfragen zugestanden wurden, ist auch der intel=
ligenten,
gegen=FCber fr=FCheren Kampagnen erheblich moderateren Haltung der katholis=
chen <strong>Kirche</strong>
zu verdanken. Zwar warb diese f=FCr AWS, diesmal aber eher in indirekter un=
d
zur=FCckhaltender Weise. AWS gelang es auch, etwa 6% der Kwasniewski-W=E4hl=
er des
Pr=E4sidentschaftswahlkampfs von 1995, anzuziehen. <br>
Zentrum ihres <strong>Wahlkampfs</strong> waren die Begriffe "Z<strong>aws<=
/strong>ze=94
(Immer), Polen, Freiheit und Familie. Mit "Immer=94 suchte sie sich von der=
, an
seiner kommunistischen Vergangenheit tragenden SLD abzugrenzen. "Familie=94=
 sollte
PSL-W=E4hler anziehen und mit "Freiheit=94 immunisierte man sich gegen=FCbe=
r der
Union der Freiheit. AWS gelang es, ihren potentiellen W=E4hlern ein "Wir-Ge=
f=FChl=94
zu vermitteln, das gegen die "Anderen=94 mobilisierbar war. Die
"Anderen=94 waren vor allem SLD, die Regierungspartei, die Eliten der
Administration, die ihre Wahlversprechen nicht eingehalten, zu wenige Wohnu=
ngen gebaut,
ein f=FCr Polen sch=E4dliches Handelsbilanzdefizit und die Zunahme von mehr=
 armen Menschen
in Polen zugelassen h=E4tten. Mit Letzterem gelang es AWS, z.T. die sozialo=
rientierte
W=E4hlerschaft des SLD zu demobilisieren und Verlierer der Wende, die 1993 =
f=FCr SLD
gestimmt hatten, zur Wahlenthaltung zu bewegen. <br>
Die von AWS bekannten, nationalistischen, wirtschaftsetatistischen, klerika=
len und
emotional-antikommunistischen T=F6ne wurden im Wahlkampf vermieden, womit s=
ie den Angriffen
der SLD wenig Widerstandsfl=E4che bot. Auch das Image geringer Regierungsko=
mpetenz, konnte
AWS durch ihre Einigkeit, die Vorstellung eines 21-Punkte-Programms im Augu=
st und die
Pr=E4sentation von bekannten Figuren aus Wissenschaft und Kultur zumindest =
zum Teil
korrigieren. Sicherlich wurde ihr Wahlerfolg auch durch die Flutkatastrophe=
 und das
folgende Absinken der Sympathiewerte von Premierminister Cimoszewicz um 10%=
-15%
beg=FCnstigt. <br>
AWS ist bei Arbeitern und Hausfrauen in der <strong>W=E4hlerschaft</strong>=
 =FCber-, bei
F=FChrungskr=E4ften der Wirtschaft unterrepr=E4sentiert. In anderen Gruppie=
rungen und
Schichten der Bev=F6lkerung sind AWS und SLD =E4hnlich vertreten. Wichtige =
Bedingung f=FCr
den Erfolg der Wahlaktion Solidarnosc war, da=DF sie im Unterschied zu der =
zerstrittenen
Situation im Jahre 1993 eine feste, von der Gewerkschaft "Solidarnosc=94 ge=
tragene
Organisationsbasis hatte, die den aus der Vergangenheit kommenden
Organisationsm=F6glichkeiten von SLD und PSL Paroli bieten konnte. <br>
AWS hat angek=FCndigt, sich von einem Wahlb=FCndnis zur Partei wandeln zu w=
ollen. Wie dann
die <strong>Trennung von Partei und Gewerkschaft</strong> aussehen soll, wi=
rd eine
schwierige L=F6sungsaufgabe. Zun=E4chst soll die Gewerkschaft einzelne Abge=
ordnete und die
Fraktion kontrollieren. Ob dabei alle Gruppierungen der AWS mitspielen werd=
en, ist
zweifelhaft. Marian Krzaklewski hat angek=FCndigt, Fraktionsf=FChrer (und s=
p=E4ter
Pr=E4sident) werden zu wollen. Seine Vorstellungen vor der Wahl, eine Minde=
rheitsregierung
zu bilden, wie auch gewisse romantische Aussagen zum Privatisierungsproze=
=DF und dem der
Westintegration, hat Krzaklewski nach der Wahl nicht mehr wiederholt. Hier =
zeigt sich im
47 Jahre alten, promovierten Ingenieur f=FCr Regelungstechnik das realpolit=
ische Gesp=FCr
des Siegers. </font></p>

<strong>Regierungskoalition aus AWS und
UW: wahrscheinlich, aber nicht einfach </strong><p></p>

<p><font face=3D"Times New Roman">Nach der am 17. Oktober 1997 in Kraft tre=
tenden <strong>neuen
"gro=DFen Verfassung=94</strong> mu=DF der Pr=E4sident 14 Tage nach Beginn =
der neuen
Legislaturperiode (20. Oktober), einen neuen Premierminister vorschlagen. D=
ieser hat dann
14 Tage, also bis zum 3. November, Zeit, seine Regierung vorzustellen. In d=
en n=E4chsten 14
Tagen mu=DF der neue Premierminister vom Sejm best=E4tigt werden. Erh=E4lt =
der vom Pr=E4sident
vorgeschlagene Premierminister keine Mehrheit im Parlament, kann der Sejm e=
inen eigenen
Kandidaten benennen und ist verpflichtet, innerhalb 14 Tagen seinerseits ei=
ne Regierung zu
bilden. <br>
Derzeit scheint eine <strong>Koalition</strong> aus AWS und UW wahrscheinli=
ch. F=FCr eine
solche spricht die gemeinsame Herkunft aus der "Solidarnosc=94-Bewegung.
Ex-Pr=E4sident Walesa empfiehlt sie, er empfiehlt aber auch eine "Allpartei=
enkoalition
ohne SLD=94, Pr=E4sident Kwasniewski scheint auf sie zu setzen. <strong>Pro=
grammatische
und weltanschauliche Unterschiede</strong>, aber auch langj=E4hrige Animosi=
t=E4ten ihrer
wichtigsten Vertreter trennen die beiden potentiellen Koalition=E4re. Selbs=
t die beiden
F=FChrungsfiguren, der rationale Analytiker Balcerowicz und der gelegentlic=
h romantisch
wirkende, im katholischen Milieu verhaftete, dennoch autorit=E4r-machtbewu=
=DFte Marian
Krzaklewski d=FCrften allerlei Reibungen verursachen.<br>
<strong>Gemeinsam</strong> k=F6nnten sie eine st=E4rkere Dezentralisierung =
des Landes und
die mit ihr verbundene Verwaltungsreform anpacken. St=E4rkere Kontrolle des
Haushaltsdefizits und der =F6ffentlichen Verschuldung, Reduktion des Handel=
sbilanzdefizits,
Verbesserung des Bildungs- und Gesundheitswesens, Beschleunigung des Wohnun=
gsbaus,
Beitritt zur NATO und anderes mehr haben beide Formationen auf ihre Fahnen =
geschrieben.<br>
<strong>Gro=DFe Unterschiede</strong> gibt es hinsichtlich ihrer Vorstellun=
gen des
Privatisierungsprozesses, wobei es jedoch manche Anzeichen f=FCr einen sanf=
ten R=FCckzug der
AWS aus ihren bisher offensiv vorgestellten, unrealisierbaren Privatisierun=
gsstrategien
gibt. Die gr=F6=DFte H=FCrde eines Zusammenkommens stellt derzeit die Verfa=
ssungsfrage und
deren jeweiliger ideologischer Hintergrund dar. W=E4hrend UW der Verfassung=
 zugestimmt hat,
hat AWS sie aufs heftigste als nicht dem christlichen Naturrecht entspreche=
nd, bek=E4mpft. <br>
Eine Koalition, die neben UW und AWS auch die Bauernpartei PSL und die Bewe=
gung f=FCr den
Wiederaufbau Polens ROP umfassen w=FCrde, k=F6nnte mit 294 Mandaten und so =
mit mehr als drei
F=FCnfteln der Stimmen des Vetorecht des "linken=94 Pr=E4sidenten Kwasniews=
kis
=FCberwinden. Dann w=E4re es auch m=F6glich, in der Nationalversammlung, in=
 der beide Kammern
tagen, mit Dreiviertelmehrheit die Verfassung zu =E4ndern.<br>
Eine wichtige Rolle wird bei allen Koalitionsgespr=E4chen die Figur eines m=
=F6glichen <strong>Premierministers</strong>
spielen. Zwar hat Pr=E4sident Kwasniewski schon indirekt Leszek Balcerowicz=
 ins Spiel
gebracht, dem auch vom unterlegenen SLD das Amt angeboten wurde, jedoch sch=
eint diese
Kandidatur f=FCr AWS und ihren Vorsitzenden kaum akzeptabel. Einen Premierm=
inister Marian
Krzaklewski hingegen w=FCrde die Union der Freiheit akzeptieren k=F6nnen. D=
er aber m=F6chte
eher Fraktionsvorsitzender und sp=E4ter Pr=E4sident werden. In der Presse w=
urden als
m=F6gliche Kandidaten der ehemalige Chef des Rechnungshofes, Lech Kaczynski=
, der
langj=E4hrige enge Mitarbeiter von Lech Walesa und Chef seines Pr=E4sidiala=
mtes, Prof.
Andrzej Zakrzewski, kurzzeitig auch Hanna Gronkiewicz-Waltz, die Pr=E4siden=
tin der
Polnischen Nationalbank, der fr=FChere Pr=E4sident des Polnischen Fernsehen=
s Wieslaw
Walendziak, aber auch Marek Kempski und Janusz Tomaszewski als prominente V=
ertreter der
Gewerkschaft "Solidarnosc=94 benannt. </font></p>

<strong>"Reifezeugnis der
Demokratie" oder br=FCchige Scheinstabilit=E4t ? </strong><p></p>

<p><font face=3D"Times New Roman">Adam Michnik kommentierte das Wahlergebni=
s damit, Polens
Demokratie habe ihre Reifepr=FCfung bestanden. In der Tat deutet sich nun e=
in
Zweiparteiensystem =E4hnlich dem deutschen an mit einer sozialdemokratisch-=
laizistischen
Volkspartei auf der Linken, einer christlich-national-konservativen Volkspa=
rtei auf der
Rechten und einer liberalen Partei in Mitte. <br>
Leider ist diese Bild nur ein m=F6gliches Szenario der k=FCnftigen Entwickl=
ung, dessen
Verwirklichung gewaltiger politischer Anstrengungen bedarf - vor allem inne=
rhalb der
beiden potentiellen Volksparteien. Denn gegenw=E4rtig handelt es sich bei d=
en beiden
Exponenten um zwei Sammelsurien unterschiedlicher Kr=E4fte, die weit davon =
entfernt sind,
politische Parteien nach westlichem Verst=E4ndnis zu sein.<br>
In beiden Konglomeraten, SLD und AWS, gibt es erhebliche innere <strong>Int=
eressen- und
Wertekonflikte</strong>:</font> </p>
<ul>
<li>In der SLD stehen sich
"rote Manager" und die Gewerkschafter der mitgliederstarken OPZZ gegen=FCbe=
r. Die
f=FChrende Partei des Linksb=FCndnisses, die "Sozialdemokratie der Republik=
 Polen"
(SdRP) steht unter heftiger Kritik. Adam Krzeminski bezeichnete sie als "Ha=
us der
toten Seelen". Die enge klientelistische Bindung des B=FCndnisses an das al=
te
Establishment des kommunistischen Polen stellt weiter eine Belastung dar. S=
ie f=F6rdert
einen Strukturkonservatismus, der sich schlecht mit den Notwendigkeiten ein=
es modernen
Polen vertr=E4gt, das der EU beitreten will. <br>
</li><li>In der AWS dominiert die
Gewerkschaft Solidarnosc, deren Antikommunismus und Patriotismus nicht =FCb=
er den Mangel an
klaren strategischen Vorstellungen hinwegt=E4uschen kann. Sie hat auch bish=
er keine
Einbindung in internationale Parteienstrukturen gefunden, die ein wichtiges=
 Korrektiv
provinzieller Haltungen bilden k=F6nnte. Statt dessen h=E4ngt sie von stark=
en
Einzelgruppierungen wie z.B. "Radio Maria" ab, die teilweise sehr radikale =
und
spezifische Positionen vertreten, die eine Zusammenarbeit mit anderen polit=
ischen Kr=E4ften
erschweren. In der Parteibildung steht AWS noch mehr am Anfang als SLD, das=
 sich
wenigstens auf die SdRP st=FCtzen kann. <br>
</li></ul>
<font face=3D"Times New Roman">Diesen politischen Sammelsurien steht mit de=
r Freiheitsunion
ein Koalitionspartner gegen=FCber, dessen <strong>programmatische Sch=E4rfe=
</strong> alle
Ungereimtheiten grell beleuchtet. Andererseits ist auch die Freiheitsunion =
in sich uneins.
Ihr Reformwille und ihr klares Eintreten f=FCr die Westintegration decken s=
ich weitgehend
mit der Programmatik und Praxis der alten Regierung. Ihre historische Herku=
nft aus der
Solidarnosc treibt sie zum B=FCndnis mit der AWS trotz programmatischer Dif=
ferenzen.
Balzerowicz w=E4re auch in einer SLD-UW-Koalition vorstellbar, die aber Wid=
erst=E4nde
seitens der Basis der UW provozieren w=FCrde.<br>
Damit zeichnen sich bei allen drei Hauptakteuren der "reifen" polnischen
Demokratie schon <strong>Bruchlinien</strong> ab, die zu kitten es der ganz=
en Kunst der
jeweiligen politischen F=FChrung bedarf. </font><p></p>
<p>


<!-- START END -->
</p><hr>
<font size=3D"-2">
=A9 <a href=3D"mailto:wwwadm@www.fes.de">Friedrich Ebert Stiftung</a>
| <a href=3D"https://library.fes.de/fulltext/id/support.html">technical sup=
port</a> | net edition=20
<a href=3D"mailto:walter.wimmer@fes.de">fes-library</a> | M=E4rz 1998 =20
</font></td></tr></tbody></table>
<!-- END END -->
</body></html>
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