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Carlo Schmid 1896 - 1979 : Vortrag vor dem Gespr=E4chskreis Geschichte der =
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 / Helmut Schmidt. - [Electronic ed.]. - Bonn, 1996. - 24 S. =3D 42 Kb, Tex=
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Carlo Schmid 1896 - 1979 : Vortrag vor dem Gespr=E4chskreis Geschichte der =
Friedrich-Ebert-Stiftung in Bonn am 16. Oktober 1996
 / Helmut Schmidt. - [Electronic ed.]. - Bonn, 1996. - 24 S. =3D 42 Kb, Tex=
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. - (Gespr=E4chskreis Geschichte ; 16). - ISBN 3-86077-573-1
<br>Electronic ed.: Bonn: FES-Library, 1998
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<p>

<br><br>
</p><p><b><i>Meine sehr geehrten Damen und Herren,</i></b>
</p><p>Carlo Schmid habe ich =FCber ein Vierteljahrhundert gekannt, und ich=
 habe ihn bewundert. Ich bin der Autorin der heute vorzustellenden Biograph=
ie, Petra Weber, sehr dankbar, die im Detail seinen Lebensweg nachgezeichne=
t hat. Es war richtig, da=DF diese akribische, wissenschaftliche und zuglei=
ch doch sehr einf=FChlsame Arbeit durch die Friedrich-Ebert-Stiftung und du=
rch die Zeit-Stiftung gef=F6rdert worden ist. Wir, die =C4lteren im Saal, d=
ie wir dem Menschen und dem Politiker Carlo Schmid verbunden gewesen sind, =
haben sicherlich denselben Wunsch, den ich aussprechen m=F6chte: Da=DF dies=
es Buch zu einer Fundgrube werde, nicht nur f=FCr j=FCngere Historiker oder=
 Politikwissenschaftler, sondern auch f=FCr j=FCngere Politiker.
</p><p>Carlo Schmid ist mittlerweile eine Art von Legende geworden. Ich neh=
me an, ihm selber w=FCrde das h=F6chstens zur H=E4lfte gefallen, insbesonde=
re dann, wenn man dar=FCber die Inhalte =FCbers=E4he oder gar verg=E4=DFe, =
f=FCr die er Zeit seines Lebens gestanden hat. F=FCr mich ist Carlo Schmid,=
 dem ich zuerst 1953 begegnet bin, sehr schnell eines meiner Vorbilder gewo=
rden. Er war ein ideeller Vorreiter f=FCr vieles, das heute selbstverst=E4n=
dlich erscheinen mag. Er war einer, der trotz vorhersehbarer Nachteile f=FC=
r ihn selbst oft gegen den Strom geschwommen ist und nicht anderen Leuten n=
ach dem Mund geredet hat, der j=FCngeren Leuten Rat gegeben hat, ohne daf=
=FCr irgend einen Preis zu verlangen.
</p><p>Ich m=F6chte mit dem, was ich heute morgen Ihnen zu sagen beabsichti=
ge, dazu beitragen, da=DF diese Biographie wirklich gelesen werde, denn ohn=
e solche Vorbilder wie den Carlo w=E4ren wir alle arm und blieben wir ohne =
wichtige Orientierung. Ich habe "Carlo" gesagt. Es ist eine der Eigenarten =
innerhalb der Sozialdemokratischen Partei, da=DF manche beliebte Leute nur =
bei ihrem Vornamen genannt werden. Er hie=DF nicht Carlo, er hie=DF "der Ca=
rlo", genauso wie Erler "der Fritz" gehei=DFen hat, wie fr=FCher Erich Olle=
nhauer "der Erich" hie=DF und sp=E4ter
</p><p>Willy Brandt "der Willy". Herbert Wehner hie=DF =FCbrigens nicht "de=
r Herbert", er hie=DF "der Onkel". Ich rede hier also von "dem Carlo".
</p><p>Carlos Devise, kann man sagen, sei nach der Nazigeschichte gewesen: =
"Tua res agitur", d.h. f=FCr jeden, da vorne wird =FCber deine Sache verhan=
delt, du sollst dich also einmischen. Nach dieser Devise hat er sich bis zu=
 seinem Tode gerichtet. Nun k=F6nnen =E4ltere Leute, so wie ich, freier ref=
lektieren als j=FCngere, j=FCngere m=FCssen noch wiedergew=E4hlt werden, =
=E4ltere brauchen =FCberhaupt nicht mehr gew=E4hlt zu werden. Gleichwohl - =
den J=FCngeren pa=DFt das manchmal nicht - halten auch wir =C4lteren uns mi=
tverantwortlich nach dem Motto: "Tua res agitur". Und in der Beziehung ist =
der Carlo ein leuchtendes Beispiel gewesen. Ich erinnere mich an das Jahr 1=
979, da war er 83 Jahre alt. Er sa=DF auf einem Parteitag, einem Bundespart=
eitag der SPD in Berlin, todkrank, wie wir wu=DFten, aber geistig ganz pr=
=E4sent, inmitten seiner Partei, der er nach den =FCberkommenen Ma=DFst=E4b=
en der gro=DFb=FCrgerlichen Bildung seiner eigenen Jugendzeit eigentlich ni=
cht h=E4tte angeh=F6ren d=FCrfen, die er aber trotz aller R=FCckschl=E4ge s=
ein ganzes Leben lang als seine Heimat und Familie empfunden hat. Zumindest=
 den Abschnitt im Leben, den ich zu =FCberblicken vermag, hat er diese SPD =
als seine Heimat und als seine Familie empfunden.
</p><p>Vorbilder pr=E4gen, Vorbilder machen deutlich, wie klein wir selbst =
eigentlich doch nur sind, sie machen deutlich, was andere gedacht haben, wa=
s andere geleistet haben; sie fordern auf zum Nacheifern, und sie machen au=
ch neidisch; auf Carlos Bildung bin ich h=E4ufig neidisch gewesen. Nun habe=
n Vorbilder ihrerseits auch Vorbilder. So hat der Carlo =FCber Wilhelm Kais=
en, =FCber Herbert Weichmann, =FCber Paul L=F6be, =FCber Jakob Kaiser, =FCb=
er Fritz Erler und =FCber Thomas Dehler, alle zusammenfassend, in einem Sat=
z gesagt: "Von ihnen war keiner in die Politik gegangen, weil ihn die Chanc=
e reizte, Macht zu gewinnen und Karriere machen zu wollen. Sie kamen, weil =
sie darunter litten, da=DF die Welt, in der ihresgleichen lebte, mangelhaft=
er eingerichtet war, als es in Anbetracht der M=F6glichkeiten, es besser zu=
 machen, der Fall sein k=F6nnte. Wenn nur die Menschen mehr guten Willen, m=
ehr Verstand, mehr mitmenschliches F=FChlen walten lie=DFen. Sie gingen in =
die Politik, um Wandel zu schaffen, auf da=DF Idee und Wirklichkeit des Men=
schen sich decken k=F6nnen." Und das, was er hier =FCber Menschen, die er a=
ls vorbildhaft empfunden hat, gesagt hat, das hat er auch selbst gelebt.
</p><p>Man hat den Carlo nie zu mahnen brauchen, seine Begabungen als Bring=
schuld dem Gemeinwohl zur Verf=FCgung zu stellen. Das hat er vielmehr bis z=
ur k=F6rperlichen Ersch=F6pfung getan, auch weil sein eigenes Engagement f=
=FCr ihn eine Bringfreude gewesen ist; es hat ihm auch Spa=DF gemacht. Sein=
en Eintritt in die Politik, das war offiziell nach Kriegsende, hat er moral=
isch begr=FCndet mit folgenden Worten: "Ich war entschlossen, mich dem zu s=
tellen, was mit der Zerschlagung Deutschlands auf unser Volk und auf jeden =
von uns zukommen mu=DFte. Wer hat Schuld, da=DF die Macht in die H=E4nde vo=
n Unmenschen kommen konnte? Wer tr=E4gt Schuld, da=DF dieses Volk sich t=E4=
uschen, sich =FCberrumpeln lie=DF? Meine Antwort hie=DF: Ich und meinesglei=
chen sind schuld, weil wir uns zu gut waren. Wenn du nicht wieder schuldig =
werden willst, so sagte ich, wirst du dein Leben =E4ndern m=FCssen. Ich wer=
de also in die Politik gehen."
</p><p>In die Politik gehen hie=DF f=FCr ihn damals in die SPD, und die SPD=
 war nach Kriegsende durchaus nicht ohne Mi=DFtrauen gegen das B=FCrgertum,=
 sie war ganz gewi=DF kein Paradies f=FCr Intellektuelle. Carlo hat sp=E4te=
r einmal =FCber seine Partei gesagt, sie sei "eine brave alte Madka, die mi=
ch auch noch aushalten wird". Und =FCber die Arbeit im Parlament hat er gem=
eint, Opposition sei der andere Beweger in der Politik. Er hat einiges selb=
st auch bewegt und war bis zuletzt oft in der undankbaren Rolle des Vorreit=
ers. Er hat als seine Pflicht erkannt - und das gilt insbesondere f=FCr die=
 Phase vor Godesberg, vor 1959 -, die Sozialdemokratie zu =F6ffnen gegen=FC=
ber den Kirchen, insbesondere gegen=FCber der katholischen Kirche, zu =F6ff=
nen gegen=FCber den Intellektuellen, zu =F6ffnen gegen=FCber allen Bereiche=
n der Kultur, Mi=DFtrauen abzubauen, seine Partei in einen Dialog zu f=FChr=
en mit der Wirtschaft, mit der Wissenschaft. Er hat es als seine Aufgabe an=
gesehen, dem Prinzip der Auss=F6hnung den Weg zu ebnen, auch gegen=FCber Os=
teuropa, die SPD zu sensibilisieren gegen=FCber den =F6stlichen Nachbarn, u=
nd sie zu gewinnen f=FCr das Europa nach den Vorstellungen eines Jean Monet=
 oder eines Robert Schuman oder, um es mit seinem Wort zusammenzufassen, si=
e daf=FCr zu gewinnen, den "toten Ballast" abzuwerfen, der her=FCbergeschle=
ppt war aus der Weimarer Zeit und zum Teil sogar aus der Zeit vor 1914. Auf=
 diesen Feldern ist ihm eine ganze Menge gelungen, eigentlich nicht so sehr=
 durch das, was er geschrieben hat, sondern, wenn ich ein heute g=E4ngiges =
Wort benutzen darf, durch seine F=E4higkeit als Kommunikator, fr=FCher h=E4=
tte man gesagt - und er h=E4tte gesagt - als Rhetor, als jemand, der unmitt=
elbare Wirkung auf Menschen ausstrahlte.
</p><p>Man kann nicht sagen, da=DF der Carlo eine gro=DFe politische Autori=
t=E4t gewesen sei, sondern er war eine Autorit=E4t aufgrund seines Geistes,=
 aufgrund seiner Bildung und dadurch, da=DF er menschliche Beziehungen, Kon=
takte hatte zu vielen anderen Menschen des geistigen, des =F6ffentlichen Le=
bens insgesamt. Seine geistige Autorit=E4t hat ausgestrahlt auf die Politik=
, nicht umgekehrt. Und die in seiner Person begr=FCndete Autorit=E4t, die i=
n seinen jungen Jahren, als er Universit=E4tslehrer gewesen ist, auf j=FCng=
ere Menschen pr=E4gend gewirkt hat, hinterlie=DF sp=E4ter tiefen Eindruck b=
ei allen, die politisch mit ihm zu tun gehabt haben. Seine Autorit=E4t ist =
nicht leicht me=DFbar an Ergebnissen, aber sie hat auch bei allen Kontrover=
sen Menschen beeindruckt wie Adenauer oder Ben Gurion oder Nell-Breuning od=
er auch die damaligen Herren im Kreml, Chruschtschow und Genossen. Seine Au=
torit=E4t hat ihn zu einer Instanz gemacht.
</p><p>Ich selbst habe mich, wenn der Carlo im Plenum des Parlaments sprach=
 oder in der Fraktion, h=E4ufig sehr klein und sehr unbedeutend gef=FChlt -=
 ich war ein ganz junger Mann, als ich ihn kennenlernte, noch keine 40 Jahr=
e alt -, ob der Weite seines Horizonts und im Angesicht seines literarische=
n Wissens, seines kulturhistorischen =DCberblicks, auch seiner juristischen=
 Kenntnisse, die das Staatsrecht und das V=F6lkerrecht gleicherweise umfa=
=DFt haben.
</p><p>Manche haben =FCber ihn geredet oder auch in den Zeitungen geschrieb=
en, die ihn als Amalgam oder als Symbiose von Geist und Macht verstanden ha=
ben. Er war aber, und, wenn man in diesem Buch liest, findet man das best=
=E4tigt, weit mehr ein Mann des Geistes als ein Mann der Macht. Er sei zwar=
 ein Mann der Politik, aber er hat kurz vor dem Ende seines Lebens =FCber s=
ich selbst gesagt, "eigentlich hat es mir dazu an der n=F6tigen H=E4rte gef=
ehlt. Ich bin kein Mann der Macht, ich bin nur ein Machtkenner." Auch das W=
ort =FCber die fehlende H=E4rte ist genau richtig.
</p><p>Gleichwohl, Carlo hat in den Anfangsjahren unseres Staates eine bede=
utende politische Rolle mit ganz erheblichem Einflu=DF und ganz erheblichen=
 Wirkungen gespielt, und zwar als Vorsitzender des Hauptausschusses des Par=
lamentarischen Rates, der das Grundgesetz gemacht hat. Der Carlo war wirkli=
ch einer der sp=E4ter h=E4ufig apostrophierten "V=E4ter des Grundgesetzes".=
 Von ihm zum Beispiel stammt die alte Formulierung in der Pr=E4ambel: "Die =
Einheit und Freiheit Deutschlands zu vollenden und in einem geeinten Europa=
 dem Frieden zu dienen." Nach meiner Einsch=E4tzung war die Rolle im Parlam=
entarischen Rat die wichtigste, die Carlo gespielt hat.
</p><p>Er ist dann 1949 Vizepr=E4sident des ersten Bundestages geworden, er=
 war damals 53 Jahre alt, Professor f=FCr =F6ffentliches Recht, f=FCr V=F6l=
kerrecht auch, er war schon Ministerpr=E4sident des damaligen kleinen Lande=
s W=FCrttemberg-Hohenzollern, er war kommissarischer Justizminister dort ge=
wesen. In Bonn war er immer wieder ein Bef=FCrworter einer gro=DFen Koaliti=
on, nicht sehr laut, aber doch h=F6rbar. Deswegen wurde er bisweilen f=FCr =
das Palais Schaumburg als m=F6glicher Bundeskanzler oder auch f=FCr die Vil=
la Hammerschmidt als m=F6glicher Bundespr=E4sident gehandelt. Tats=E4chlich=
 hat er dann 1959 f=FCr das Amt des Bundespr=E4sidenten kandidiert und ist =
im zweiten Wahlgang Heinrich L=FCbke unterlegen gewesen. Das wei=DF heute a=
uch kaum einer mehr. Es ist immer mi=DFlich zu philosophieren =FCber die Fr=
age, was w=E4re gewesen wenn, aber das, glaube ich, kann man sagen: Wenn ma=
n die beiden Kontrahenten des damaligen Wahlgangs sich noch einmal in Erinn=
erung ruft, Heinrich L=FCbke und Carlo Schmid, dann darf man sagen, der Car=
lo h=E4tte dieses Amt mit =DCberlegenheit, mit Weisheit und mit Witz ausgef=
=FCllt.
</p><p>In den unmittelbar davorliegenden Jahren hat er eine wichtige Faktor=
rolle bei den innerparteilichen Debatten der Sozialdemokratie =FCber das ne=
ue Grundsatzprogramm gespielt, das wir uns vorgenommen hatten, sp=E4ter das=
 Godesberger Programm genannt. Es wird, wenn einmal die Geschichte der Deut=
schen im 20. Jahrhundert geschrieben werden wird, ein bedeutendes Dokument =
bleiben. Er hat sehr dazu beigetragen, da=DF diese Partei sich =F6ffnete, e=
ine Volkspartei wurde, die sich mit dem liberalen B=FCrgertum vers=F6hnen w=
ollte, die nicht l=E4nger das Ziel der Verstaatlichung von allen m=F6gliche=
n Unternehmungen verfolgte, sondern das Ziel der Vermenschlichung von Staat=
 und Gesellschaft.
</p><p>Wenn ich es richtig erinnere, und ich war damals einer der ganz jung=
en Beteiligten, ein Berichterstatter auf dem Godesberger Programmparteitag =
neben vielen anderen, gewichtigeren Berichterstattern, stammt kaum eine Zei=
le in dem Godesberger Programm aus seiner Feder. Aber insgesamt, ideell ges=
ehen, darf man sagen, da=DF das, was hier in der Stadthalle von Godesberg 1=
959 verabschiedet worden ist, auf vielen Feldern gegr=FCndet hat auf Carlo =
Schmids Gedanken. Nat=FCrlich spielten auch andere dabei eine wichtige Roll=
e, ich denke an Willi Eichler, ich denke an Adolf Arndt, an Heinrich Deist,=
 auch an Karl Schiller. Carlos Anliegen war die breite =D6ffnung.
</p><p>=DCbrigens ist es ganz erstaunlich, er hat seine breite T=E4tigkeit =
betrieben als Mitglied des Parlaments und Parteivorstands. Er vertrat f=FCr=
 die SPD den Wahlkreis Mannheim. Das war nun in der Tat in ganz S=FCddeutsc=
hland der proletarischste Wahlkreis, den man eigentlich h=E4tte finden k=F6=
nnen. Er war nicht der Typ des Arbeiterf=FChrers, ganz gewi=DF nicht. Aber =
die Kerle da in Mannheim mochten den Mann, haben ihn immer wieder gew=E4hlt=
, und noch das letzte Mal mit einer sehr sch=F6nen absoluten Mehrheit von 5=
5 Prozent. Er hat nie viel Zeit gehabt, um seinen Wahlkreis zu pflegen, gle=
ichwohl haben sie immer wieder f=FCr ihn gestimmt, auch diejenigen, die eig=
entlich der SPD nicht so furchtbar nahe standen. Er war eben eine =FCberzeu=
gende Autorit=E4t.
</p><p>=DCbrigens war er au=DFerdem auch einer der au=DFenpolitischen Sprec=
her der Fraktion. Am Anfang war die =FCberragende au=DFenpolitische Spreche=
rfigur Kurt Schumacher gewesen. Und vor dem Aufstieg Fritz Erlers war Carlo=
 in der Zwischenzeit der ma=DFgebende au=DFenpolitische Sprecher. Er hat si=
ch nicht nur mit der Regierung gerieben, sondern auch bei den notwendigen n=
euen Weichenstellungen und bei den notwendigen unkonventionellen =D6ffnunge=
n und Ans=E4tzen mit der eigenen Partei, z.B. wenn er im Verh=E4ltnis zu Po=
len die Respektierung der bestehenden Grenzen verlangt hat. Es war damals "=
politically incorrect", so etwas zu sagen. Oder z.B., wenn er daf=FCr gewor=
ben hat, mehr Augenmerk auf Israel zu richten, mehr Aufmerksamkeit zu verwe=
nden auf Amerika, auf die USA.
</p><p>Als ich 1953 in den Bundestag kam, ist mir der Carlo als <i>das </i>=
moralische Gewissen erschienen, das =FCber unsere Politik wachte. Er hat da=
mals nicht sehr oft gesprochen, aber wenn, dann hat es mich als sehr fundie=
rt beeindruckt. Bisweilen wurden l=E4ssige Bonmots. untergemischt, aber der=
 Gedankenkern war ernst, und manche der J=FCngeren, so auch ich, waren von =
diesem Mann tief beeindruckt. F=FCr uns war er die Inkarnation eines Europ=
=E4ers. In seiner Person verk=F6rperte er das Europa, von dem wir eigentlic=
h nur tr=E4umen konnten. Dazu spielten seine Sprachkenntnisse eine gro=DFe =
Rolle, sein Werben f=FCr Aufkl=E4rung, f=FCr Humanismus, f=FCr Menschenrech=
te. Wie kaum ein anderer im damaligen Parlament - ich nehme an, das hat sic=
h seit 1953 bis heute, 1996, nicht ge=E4ndert -, wie kaum ein anderer kannt=
e er sich aus in dem ganzen gro=DFen, bunten Mosaik der europ=E4ischen Lite=
ratur und der europ=E4ischen Kunst. Deshalb war es f=FCr den Carlo selbstve=
rst=E4ndlich, Europa nicht als die Summe aller Regierungen oder gar aller B=
=FCrokratien zu verstehen. Wenn ich mir vorstelle, er lebte heute, l=E4se d=
ie Zeitungen und w=FCrde gebeten um ein Interview, dann w=FCrden wir bitter=
e Bemerkungen h=F6ren =FCber die Br=FCsseler Verordnungswut bis hin zu den =
Beschl=FCssen =FCber die Qualit=E4t von Bananen und Salatgurken. Er h=E4tte=
 ganz andere S=E4ulen errichtet, er h=E4tte sich mehr Parlament, mehr Kontr=
olle gew=FCnscht, er h=E4tte sich Europa gew=FCnscht als die neue Gestaltun=
g einer alten Idee.
</p><p>Posthum kann man von Carlo beinahe sagen, da=DF er als ein Mann mit =
einem Heiligenschein um den Kopf erscheint. Runde Geburtstage, ein 100. Geb=
urtstag zumal, wirbeln nat=FCrlicherweise immer ein bi=DFchen Weihrauch auf=
. Aber dieses Buch, =FCber das wir hier heute sprechen, legt andererseits a=
uf 900 oder mehr Seiten auch dar, wie schwierig - privat und =F6ffentlich -=
 der Lebensweg dieses Mannes gewesen ist; es zeigt ein Leben voller Br=FCch=
e, voller T=E4uschungen, voller Entt=E4uschungen, mehr Entt=E4uschungen, al=
s man vielleicht denken m=F6chte, und voller Niederlagen. Es war das Ergebn=
is dieses entt=E4uschungsreichen Weges, zugleich das Ergebnis von viel Arbe=
it, viel Lesen und von schwierigen Erkenntnisprozessen, wenn wir in seinen =
sp=E4teren Jahren die Leichtigkeit miterlebt haben, mit der er =FCber das L=
eben und =FCber die Menschen und =FCber die kulturelle Evolution gesprochen=
 hat. Diese Leichtigkeit war auch das Ergebnis der R=FCckschl=E4ge, der Zur=
=FCckweisungen und bisweilen seiner schwerm=FCtigen Reflexion, wie sie nun =
einmal zu einem reichen Leben geh=F6ren. Ich f=FChle mich nicht ganz sicher=
, wenn ich dar=FCber nachdenke, wie sich Carlo wohl gegenw=E4rtig =E4u=DFer=
n oder wie er denken w=FCrde =FCber die Benediktionen, die anl=E4=DFlich se=
ines 100. Geburtstages und anl=E4=DFlich dieses Buches zu lesen oder heute =
morgen hier zu h=F6ren sind. Vielleicht h=E4tte er sie zur=FCckgewiesen mit=
 Augenzwinkern, vielleicht mit Am=FCsement, vielleicht mit ein wenig Sarkas=
mus untermischt, vielleicht h=E4tte er einen Spottvers dar=FCber formuliert=
. Andererseits h=E4tte er sich durchaus auch gefreut, daran zweifele ich ni=
cht. Am Ende seiner Tage gesundheitlich sehr beeintr=E4chtigt, aufgerieben =
auch durch k=F6rperliche Anstrengungen, abgew=E4hlt, ins Abseits gestellt, =
hat er gelitten unter der Erkenntnis, nicht mehr gebraucht zu werden.
</p><p>Zu der einzigartigen Lichtseite dieser Gestalt geh=F6rt, da=DF er ne=
ben seiner Emsigkeit als Politiker und allen m=F6glichen Funktionen au=DFer=
dem ein begabter, ein t=FCchtiger Schriftsteller war, der pers=F6nlich das =
Staunen nicht verloren hat, ein unabh=E4ngiger Denker in dem, was er geschr=
ieben hat, unabh=E4ngig auch von seiner Partei, die ihn von Fall zu Fall ge=
schm=FCckt hat und geschm=E4ht. Ihn hat nicht geschert, was die Partei beim=
 letzten Mal oder beim vorletzten Mal beschlossen haben mochte. Heute nennt=
 man so etwas eine Beschlu=DFlage. Dar=FCber h=E4tte Carlo nur einen Spottv=
ers gedichtet. Diese Beschlu=DFlage war f=FCr ihn keine Richtschnur, und bi=
ndend war sie f=FCr ihn schon =FCberhaupt nicht. Er hat auch zu Unzeiten, t=
aktischen Unzeiten, sein Mi=DFbehagen =FCber die jeweilige Beschlu=DFlage d=
eutlich zum Ausdruck gebracht. =DCbrigens hat er ungerne lange Papiere gele=
sen, er hat auch Akten nicht gerne gelesen, sondern lieber gute B=FCcher. U=
nd wenn etwas f=FCr ihn in die Mottenkiste geh=F6rte, dann hat er das auch =
laut genug gesagt.
</p><p>Er war =FCbrigens ein Anh=E4nger der Bildung von Eliten, auch dies n=
at=FCrlich beinahe Sakrileg in den Ohren mancher Sozialdemokraten. Die Schu=
le war f=FCr ihn ein Ort, an dem "Lernen schwer sein mu=DFte". Er wollte, d=
a=DF gelernt werde. Und =FCbrigens hat er einigen linken Professoren der da=
maligen Universit=E4ten Ende der 60er und in den 70er Jahren ihre Willf=E4h=
rigkeit gegen=FCber der damaligen au=DFerparlamentarischen Opposition um di=
e Ohren geschlagen. Er hat mehrfach der Bef=FCrchtung Ausdruck gegeben, da=
=DF die Autorit=E4t des Staates verfallen k=F6nnte. "Politik hat einen gro=
=DFen Feind", hat er gesagt, "die Befriedigung von Gem=FCtsbed=FCrfnissen".
</p><p>Bei alledem hat eigentlich niemand in seiner Partei einen Zweifel ge=
habt =FCber seine feste innere, von ihm gewollte Zugeh=F6rigkeit zur Sozial=
demokratie. Und viele Sozialdemokraten haben sich immer wieder dar=FCber ge=
freut, wenn der Carlo ihrem eigenen moralischen Empfinden, ihrem eigenen ph=
ilosophischen Empfinden einen Ausdruck gab und eine Tiefe, die sie selbst s=
o nicht h=E4tten formulieren k=F6nnen. Der Carlo hat insbesondere in den 50=
er Jahren, als der Parlamentarismus in Gang kam in Deutschland, vielen von =
uns J=FCngeren - da schlie=DFe ich meinen lange verstorbenen Freund Fritz E=
rler, der f=FCnf Jahre =E4lter war als ich, mit ein - eine Selbstbest=E4tig=
ung gegeben, die wir von unserem damaligen Fraktionsvorsitzenden nicht habe=
n empfangen k=F6nnen.
</p><p>F=FCr mich hat es wohl ein oder zwei Jahre gedauert, bis ich zum ers=
tenmal den Mut fa=DFte, den gro=DFen Mann =FCberhaupt anzusprechen. Es kann=
 auch umgekehrt gewesen sein, da=DF er mich in ein Gespr=E4ch gezogen hat. =
Immerhin betrug der Altersunterschied beinahe ein Vierteljahrhundert. Sp=E4=
ter, als ich dem Fraktionsvorstand angeh=F6rt habe, habe ich den Carlo des =
=F6fteren etwas gefragt. Er war immer freundlich in der Antwort, manchmal e=
twas weitschweifig. Besonders ist mir eine Begegnung in Erinnerung: Aus irg=
endeinem Grunde war der Carlo in Hamburg, wo ich wohnte. Irgend jemand klin=
gelte an der T=FCr, und da stand der Carlo vor der T=FCr, unangemeldet, vie=
lleicht hatte er ein bi=DFchen Zeit zwischen zwei Terminen, vielleicht brau=
chte er ein bi=DFchen menschliche N=E4he oder Mitteilung. Jedenfalls Loki, =
meine Frau, und ich hatten am Abend vorher im Theater Shakespeares "Sturm" =
gesehen, hatten ihn =FCberhaupt nicht verstanden, waren auch unvorbereitet =
ins Theater gegangen. Nun war der Carlo da, und wir fragten ihn. Aus dem =
=C4rmel sch=FCttelte er den ganzen Shakespeare und erkl=E4rte uns den Prosp=
ero und den Ariel und den Caliban, und wir sa=DFen da und haben nur zugeh=
=F6rt und gestaunt und nachtr=E4glich begriffen, was wir am Vorabend auf de=
r B=FChne gesehen hatten.
</p><p>Sp=E4ter, sehr viel sp=E4ter habe ich vielfach den Carlo um Rat gefr=
agt, jetzt allerdings nicht zu literarischen Inhalten und nicht zu Shakespe=
are, sondern zu politischen Fragen. Carlo war schon seit langen Jahren Koor=
dinator f=FCr die Zusammenarbeit zwischen Deutschen und Franzosen, er war d=
af=FCr pr=E4destiniert, wie hier jeder wei=DF, er war von einer franz=F6sis=
chen Mutter auf Franz=F6sischem Boden geboren, bis zu seinem 12. Lebensjahr=
 dort in Frankreich aufgewachsen. Und so hat er nicht etwa koordiniert, son=
dern er hat Einblicke vermittelt. Er kannte Frankreich besser als irgend je=
mand sonst in Deutschland, als irgend jemand jedenfalls von uns im Parlamen=
t. Er wu=DFte ganz genau Bescheid =FCber die Tragik des Verh=E4ltnisses zwi=
schen Franzosen und Deutschen, aber er hatte auch ein Gesp=FCr f=FCr die sc=
h=F6pferischen M=F6glichkeiten in der Entwicklung, in der Entfaltung der Po=
litik zwischen Deutschen und Franzosen. Wenn man so will, kann man sagen, e=
r war ein Grenzg=E4nger in persona et in spiritu. Er kannte nat=FCrlich die=
 franz=F6sische Literatur, er kannte die franz=F6sische Philosophie, er hat=
te den Baudelaire ins Deutsche =FCbersetzt, den Malraux, er hatte den De Ga=
ulle ins Deutsche =FCbersetzt und =FCbrigens nebenher auch noch den Spanier=
 Calderon und die Italiener Machiavelli und Dante. Unglaublich, da=DF ein P=
olitiker das nebenher machte. Stellen Sie sich die heutigen Politiker vor -=
 hier sitzen einige - wie sie nebenher Calderon =FCbersetzen.
</p><p>Seine Ratschl=E4ge an mich betrafen nat=FCrlich vornehmlich die Zusa=
mmenarbeit mit Frankreich. Er hat einmal gesagt, die Enge unserer Beziehung=
en zu Frankreich, die sich mehr und mehr institutionalisieren, =FCbersteigt=
 alles bisher unter Staaten =DCbliche. Das war damals richtig, es ist heute=
 noch richtiger als damals, Gott sei Dank. Ich habe ihn mehrfach, wenn ich =
gro=DFe Reden halten mu=DFte, vorher um Rat gefragt, z.B. als ich einmal in=
 der K=F6lner Synagoge 40 Jahre nach dem Pogrom vom 9. November 1938 zu red=
en hatte, oder einmal, als ich eine Parteitagerede vorbereitet habe, oder a=
uch manchmal, wenn ich nur ein Zitat brauchte; Carlo konnte die Zitate aus =
dem =C4rmel sch=FCtteln. Einmal hatte De Gaulle gesagt: "Auch Sartre ist Fr=
ankreich". Eine ganze Menge f=FCr diesen konservativen General. Und der Car=
lo hat sich in einer seiner letzten gro=DFen Reden im Parlament an General =
De Gaulle angelehnt und hat gesagt: "Auch Marx ist Deutschland". Ich habe d=
as mit Flei=DF viele Male anschlie=DFend zitiert. Ich sprach vorhin von dem=
 Berliner Parteitag im Jahre 1979. Da gibt es ein Schriftst=FCck von Carlo =
Schmid an mich, einen Ratschlag f=FCr eine Rede, die ich selbst dort zu hal=
ten hatte, und da stehen zur Nation die folgenden S=E4tze: "Nation, begreif=
t man dieses Wort nur im Sinne der Nachwirkung des Glanzes spektakul=E4rer =
Ereignisse in der Vergangenheit, so wird es uns nicht viel bringen, anders =
wenn wir die Nation als ein t=E4glich in unmerklichen Zeichen sich best=E4t=
igenden Entschlu=DF eines Volks begreifen, aus gemeinsamer Liebe zu hohen M=
enschlichkeitswerten eine Gemeinschaft zu bilden, die es ihm erlaubt, diese=
 Werte auf dem ihm von der Geschichte gewiesenen Boden zu verwirklichen". D=
a ist in einen langen Bandwurmsatz eine ganze Menge hineingepackt. Ich habe=
 ihn sicherlich so nicht verwendet in meiner Rede. Es ist mehr eine Schreib=
e als eine Rede, aber allein die letzten zwei Zeilen (diese Werte zu verwir=
klichen, auf dem ihm von der Geschichte zugewiesenen Boden) haben manche no=
ch 1989 nicht recht akzeptieren wollen: Da=DF wir uns zurechtzufinden haben=
 auf dem uns von der Geschichte des 20. Jahrhunderts zugewiesenen Boden und=
 nicht au=DFerhalb.
</p><p>Der Carlo war ein Humanist, er war auch, ich habe einige Beispiele g=
enannt, ein Literat, er war auch ein Lyriker =FCbrigens, aber politisch war=
 er doch ein Realist. Wenige Wochen vor seinem Tode, also in den sp=E4ten 7=
0er Jahren, hat er gar nicht altersm=FCde und =FCberhaupt nicht melancholis=
ch gesagt: "Es ist die Feigheit des Staates, der h=E4ufig nicht den Mut auf=
bringt, um der W=FCrde des Menschen willen, ihm, dem Menschen, auch ein bes=
timmtes Verhalten abzufordern." Die Feigheit des Staates, der seinen B=FCrg=
ern ein bestimmtes Verhalten nicht abfordert, um der W=FCrde des Menschen w=
illen! Das war damals in einer spezifischen Situation gesagt. Wir hatten es=
 zu tun mit dem Terrorismus, aber es gilt heute, und es wird auch f=FCr die=
 kommende Generation und f=FCr die darauf folgende Generation gelten m=FCss=
en. Damals gab es junge Idealisten, phantastische Ideologen, aber auch Gesi=
ndel, die alle m=F6glichen gewaltt=E4tigen Ausschreitungen ver=FCbten. Der =
Carlo hat mir damals einen Brief geschrieben, aus dem ich einen Satz zitier=
e: "Ich brauche Dir nicht zu sagen, wie sehr ich bei dem bitteren Gesch=E4f=
t des Regierens mit meinen Gedanken bei Dir bin." Das bezog sich auf den Ka=
mpf gegen den Terrorismus.
</p><p>=DCbrigens hat der Humanist Carlo Schmid schon vor einem Vierteljahr=
hundert die Gefahren gesehen, die wir heute als glotzende Gesellschaft aus =
den Videos und aus dem Fernsehen in uns hineinsaugen. Carlo, der heute in j=
eder Talk-Show durch seine Pers=F6nlichkeit, auch durch seine =E4u=DFere Er=
scheinung, anderen die Schau stehlen w=FCrde, hat bereits vor der Erfindung=
 dieser Quasselbuden, genannt Talk-Show, gesagt: "Die Praxis, =FCber Fernse=
hen und Rundfunk vor das Volk zu treten, vermag nicht politisches Handeln z=
u provozieren, vermag nur Stimmungen zu erzeugen. Stimmungen aber sind das =
Schrecklichste in der Politik. Sie haben mehr Ungl=FCck gebracht als falsch=
e Gedanken dies getan haben."
</p><p>Nun habe ich viel Lobendes =FCber ihn gesagt, aber ich m=F6chte nich=
t unterlassen zu sagen, da=DF er im Gespr=E4ch keineswegs ein moralinsaurer=
 Mahner gewesen ist, sondern da=DF er Epikurs Lehre vom klugen Lebensgenu=
=DF durchaus zugeneigt gewesen ist. Und als Bonvivant, als charmanter Plaud=
erer, der er auch war, ist er Gegenstand einer F=FClle von Anekdoten gewese=
n. Um ein Beispiel zu geben: Willy Brandt hat einmal wortreich - neben ihm =
sa=DF der Carlo, barocke Figur, L=F6wenm=E4hne - vor der Auslandspresse ref=
eriert =FCber die Geschichte der Sozialdemokratie in Deutschland, =FCber El=
end und Ausbeutung der Arbeiterklasse, und Flora Lewis, die eben nicht nur =
eine spitze Feder hat, hat dann den Willy unterbrochen, mit der Zigarette i=
n der Hand auf den Carlo gezeigt und gesagt: "And how does this guy fit int=
o your picture?"
</p><p>Wir haben die Weisheit und die G=FCte des alten Mannes wohlgetan. Es=
 hat mir auch wohlgetan, wenn ich ihn habe reden h=F6ren von den Tugenden, =
so von der Tugend der Tapferkeit, die es gebiete, trotz allem doch immer da=
s Notwendige zu tun. Und wenn ich ihn habe reden h=F6ren von der Tugend der=
 Freundschaft. Als Carlo 1979 gestorben war, habe ich einen Kondolenzbrief =
von John McCloy bekommen, der f=FCr mich eine andere Art von Autorit=E4t ge=
wesen ist und den ich, als ich Regierungschef war, auch ein- oder zweimal u=
m Rat gefragt habe, er war l=E4ngst ein Privatmann in New York-City. McCloy=
 schrieb anl=E4=DFlich des Todes von Carlo =FCber seine "warm admiration fo=
r one of the founding fathers and my deep appreciation of these significant=
 contributions he made to the welfare of this fellow citizens", die bedeute=
nden Beitr=E4ge, die Carlo gemacht habe zur Wohlfahrt seiner deutschen Mitb=
=FCrger.
</p><p>=DCbrigens, ein Ereignis mu=DF ich nachtragen, es liegt 40 Jahre zur=
=FCck. Es gab 1956 in M=FCnchen im Deutschen Museum einen gro=DFen Parteita=
g der SPD mit zwei herausragenden Starrednern, der eine war Leo Brandt, auc=
h schon lange nicht mehr unter uns, der andere war Carlo Schmid, und beide =
Vortr=E4ge galten dem Thema der zweiten industriellen Revolution. Es ging u=
m Computer, um Automatisierung der Produktion und um Kernkraftwerke. Carlo =
hielt alle diese sich damals erst am Horizont abzeichnenden, ahnbaren techn=
ischen Entwicklungen erstens f=FCr zwangsl=E4ufig und zweitens f=FCr Deutsc=
hland f=FCr dringend notwendig. Es war ein umfassender Vortrag, den er geha=
lten hat, in dem er die mit den neuen Techniken - heute sagt man Technologi=
en, es ist aber dasselbe - verbundenen gesellschaftlichen Ver=E4nderungen, =
wirtschaftlichen Ver=E4nderungen, geistigen Ver=E4nderungen, vorhersah. Er =
hat dazu dann eine Reihe von Vorschl=E4gen gemacht, eine z.B. an die Adress=
e von Ernst Breit, der hier vorne sitzt, von der Gewerkschaft. Allerdings, =
Du warst damals noch nicht DGB-Vorsitzender, Ernst, Du warst damals ein jun=
ger Mann im DGB. Carlo sah n=E4mlich voraus, da=DF das, was wir damals die =
zweite industrielle Revolution nannten, jetzt sind wir in der dritten, mit =
dem =DCbergang zur f=E4lschlich so genannten Kommunikationsgesellschaft, da=
=DF diese neuen Produktionsmethoden zu sehr viel mehr Freizeit f=FCr die ar=
beitenden Menschen f=FChren konnten. Das war 1956, damals war die 48-Stunde=
n-Woche selbstverst=E4ndlich, der 8-Stunden-Tag. Ich kann mich erinnern, di=
e J=FCngeren hier werden staunen, als ich ins Berufsleben eintrat, 1949, ha=
be ich 54 Stunden gearbeitet, und das war damals auch ganz in Ordnung. Heut=
e sind wir bald bei 34.
</p><p>Der Carlo hat diese Entwicklung vorhergesehen, und er hat sich gesor=
gt, da=DF dieser viel gr=F6=DFere Freizeitraum f=FCr den einzelnen arbeiten=
den Menschen zu seelischer und geistiger Ver=F6dung f=FChren k=F6nne. Er ha=
t auf diesem Hintergrund pl=E4diert f=FCr die Ausweitung der geistigen Bild=
ung, der moralischen Bildung, der =E4sthetischen Bildung, der intellektuell=
en Bildung. F=FCr mich war damals, und das galt wohl f=FCr fast alle der An=
wesenden, dieser Vortrag, heute vor 40 Jahren, ein gro=DFartiges Beispiel f=
=FCr umfassenden Weitblick, =DCberblick, ein Paradebeispiel auch f=FCr Carl=
os einzigartige F=E4higkeit zur Symbiose von Politik mit Geist. Am Schlu=DF=
, sagt das Protokoll, ich habe das vor einiger Zeit noch mal aufgeschlagen,=
 lang anhaltender, begeisterter Beifall. Stellen Sie sich mal die heutige S=
ozialdemokratie vor, wo einer =FCber die Notwendigkeit von Kernkraftwerken =
spricht, langanhaltender, begeisterter Beifall. Die Entschlie=DFung, die de=
r Carlo und der Leo Brandt begr=FCndet hatten, fand am Ende der Diskussion =
eine einm=FCtige, nahezu einstimmige Annahme. Sie schlo=DF den Atomplan der=
 Sozialdemokraten ein, nicht nur wissenschaftlich-technische Entwicklung im=
 allgemeinen, nicht nur die Forderungen in Richtung auf Bildung, Wissenscha=
ft, Forderungen in Richtung der Wirtschaft und der Sozialordnung, die Carlo=
 begr=FCndet hatte, sondern auch einen Atomplan. Der begr=FCndete =FCbrigen=
s die Notwendigkeit von Elektrizit=E4tsgewinnung aus Kernkraftwerken und wi=
es nota bene ausdr=FCcklich hin auch auf Gef=E4hrdungen, die damit verbunde=
n sein k=F6nnten, und erl=E4uterte in gro=DFer Sorgfalt, wie solchen Gef=E4=
hrdungen zu begegnen sei. Aber nicht etwa mit der Schlu=DFfolgerung, desweg=
en das Ganze zu lassen und auch f=FCr Windr=E4der zu pl=E4dieren und dann f=
=FCnf Jahre sp=E4ter wieder die Windr=E4der zu regulieren, was wir heute er=
leben. Der ganze Parteitag der damaligen Sozialdemokratie, personifiziert i=
n diesen beiden Hauptrednern, niedergelegt in seinen Beschl=FCssen, spiegel=
te einen Geist der Zuversicht, des Vertrauens in den technischen Fortschrit=
t und seine Nutzbarkeit zum kulturellen und gesellschaftlichen Fortschritt,=
 des Vertrauens in die F=E4higkeiten des Menschen, wie er solches Vertrauen=
 seither weder in der SPD noch sonstwo in Deutschland jemals wieder begegne=
t ist.
</p><p>Heute sind die Deutschen die Europameister der Angst und des Angstma=
chens. Alles, was neu ist, mu=DF ja schlecht sein, mu=DF ja abgelehnt werde=
n. Wer diese =FCber 900 Seiten der Biographie nicht ganz lesen will, soll w=
enigstens die Rede von Carlo lesen aus dem M=FCnchner Parteitag von 1956 un=
d sich fragen, ob die Schwarzmalerei von heute, diese Sucht, vor allem und =
jedem Angst zu haben, wirklich eine Haltung ist, mit der wir das neue Jahrh=
undert betreten d=FCrfen. Wir haben heute in Deutschland offiziell vier Mil=
lionen Arbeitslose, in Wirklichkeit zwischen f=FCnf und sechs, und die Arbe=
itslosigkeit steigt auch n=E4chstes Jahr, und wie es aussieht, f=FCrchte ic=
h, auch noch =FCbern=E4chstes Jahr, wenn alles so bleibt, wie es heute ange=
ordnet und geordnet ist. Wenn man ein bi=DFchen weiter in die Zukunft schau=
t, in das Jahr 2016, heute in 20 Jahren, dann wird kein in Wolfsburg gebaut=
es Auto in die Welt mehr exportiert werden k=F6nnen, einfach deswegen, weil=
 andere Leute die Autos mit derselben Qualit=E4t bauen, aber billiger, als =
wir das k=F6nnen. Und das erleben wir nicht nur bei Autos, das haben wir er=
lebt bei der Textilindustrie, bei der Lederindustrie, das kommt bei der Aut=
omobilindustrie im Laufe der n=E4chsten zwei Jahrzehnte. Es wird kommen, da=
=DF wir heute in 30 Jahren Propellerflugzeuge nicht in Europa bauen, sonder=
n wir werden sie aus Indonesien importieren, vielleicht in 35 Jahren sogar =
gro=DFe Passagierd=FCsenjets aus China. Diese V=F6lker sind alle ganz gewal=
tig im Vormarsch, mit unglaublichem Optimismus und mit unglaublichem Flei=
=DF, mit einem erstaunlichen Ma=DF von pers=F6nlicher Bescheidenheit verbun=
den. Und wenn wir uns nicht bef=E4higen, dann in 15 oder 20 oder 25 Jahren,=
 mit Erzeugnissen auftreten zu k=F6nnen, die die anderen noch nicht produzi=
eren k=F6nnen, dann werden wir bei 6 Millionen Arbeitslosen nicht stehen bl=
eiben, aber dann wird inzwischen diese Demokratie wegen der Arbeitslosigkei=
t eine andere geworden sein.=20
</p><p>Deswegen liegt mir so am Herzen der Hinweis auf jene Rede von Carlo =
Schmid und die von Leo Brandt aus dem Jahre 1956. Damals gab es Leute in De=
utschland, Sozialdemokraten, die darauf hingewiesen haben, die verlangt hab=
en, da=DF wir uns f=FCr neue Techniken =F6ffnen, und die gleichzeitig gesag=
t haben: Was bedeutet es psychisch, was bedeutet es geistig, was bedeutet e=
s gesellschaftlich, was bedeutet es f=FCr unsere wirtschaftliche, f=FCr uns=
ere politische Verfassung? Die Sozialdemokratie von heute w=FCrde ein ganz =
gro=DFes Verdienst sich erwerben, wenn sie Vorreiter und Wortf=FChrer w=FCr=
de der Erneuerung in Deutschland. Das ist der Carlo gewesen, ein Wortf=FChr=
er der Erneuerung.
</p><p>Als ich die Nachricht erhielt von Carlos Tode, das ist nun schon ein=
einhalb Jahrzehnte her, habe ich das Gef=FChl eines entsetzlichen Verlustes=
 gehabt. Und als ich Petra Webers Buch in die Hand bekam und darin gelesen =
habe, habe ich es beinahe noch einmal so empfunden wie damals. Es hat auch =
dunkle Stationen gegeben im Leben dieses Mannes, Schattenseiten. Eine seine=
r Lieblingsmetaphern ist aber gewesen, da=DF man sich von den schwarzen Son=
nen der Melancholie nicht verbrennen lassen d=FCrfe. Vor ein paar Tagen, al=
s dieses Buch auf den Markt gekommen ist, hat Kurt Sontheimer in der S=FCdd=
eutschen Zeitung in einer ausf=FChrlichen, verdienstvollen Besprechung des =
Buches von Frau Weber den Willy Brandt zitiert mit den Worten aus seiner Tr=
auerrede im Jahre 1979, wo er den Carlo Schmid einen "heimlichen Vater des =
freiheitlichen Deutschland" genannt und an die Mahnung Carlo Schmids erinne=
rt hat, da=DF "die Qualit=E4t des Staates rasch zum Teufel gehen kann, wenn=
 seine B=FCrger gegen die geistigen und gegen die moralischen Impulse stump=
f werden". Ihr Beifall gilt dem Carlo, den der Willy damals zitiert hat und=
 den der Sontheimer wieder ans Licht gezogen hat.
</p><p>Lassen Sie mich schlie=DFen mit einem Wort aus einer anderen Buchbes=
prechung dieser Tage. In der FAZ hat Wilhelm Hennis, der fr=FCher einmal Mi=
tarbeiter von Carlo gewesen ist in seinen jungen Jahren, in einer Buchbespr=
echung =FCber dieses Buch geschrieben:=20
</p><p>"Eine Figur wie Carlo Schmid, auf den sich immer alle gerne beriefen=
, fehlt heute im geistigen Haushalt der Nation. Und niemand, der ihm auch v=
on ferne gleichen w=FCrde, ist seitdem nachgewachsen". Dem schlie=DFe ich m=
ich an. Herzlichen Dank.
<!-- START END -->
</p><hr>
<font size=3D"-2">
=A9 <a href=3D"mailto:wwwadm@www.fes.de">Friedrich Ebert Stiftung</a>
| <a href=3D"https://library.fes.de/fulltext/historiker/support.html">techn=
ical support</a> | net edition=20
<a href=3D"mailto:walter.wimmer@fes.de">fes-library</a> | September 1998 =
=20
</font></td></tr></tbody></table>
<!-- END END -->

</body></html>
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