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Date: Wed, 7 May 2025 13:55:58 +0200
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Die Zukunft des =F6ffentlich-rechtlichen Systems : wie wird die Entwicklung=
sgarantie sichergestellt? ; Rede vor dem Gespr=E4chskreis Politik und Medie=
n der Friedrich-Ebert-Stiftung am 18.3.1997 in Bonn
 / von Fritz Pleitgen. - [Electronic ed.]. - Bonn, [1997]. - 15 S. =3D 60 K=
b, Text
&lt;br&gt;Electronic ed.: Bonn: FES Library, 1999
&lt;br&gt;&lt;br&gt;&lt;font size=3D-1&gt;&lt;i&gt;=A9 Friedrich-Ebert-Stif=
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Die Zukunft des =F6ffentlich-rechtlichen Systems : wie wird die Entwicklung=
sgarantie sichergestellt? ; Rede vor dem Gespr=E4chskreis Politik und Medie=
n der Friedrich-Ebert-Stiftung am 18.3.1997 in Bonn
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<br>Electronic ed.: Bonn: FES Library, 1999
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Die Zukunft des =F6ffentlich-rechtlichen Systems - Wie wird die Entwicklung=
sgarantie sichergestellt?
</font><p><font size=3D"+1">
von Fritz Pleitgen<br><i>Intendant des Westdeutschen Rundfunks</i></font>
<br><br>

<br><br>
</p><p>Meine sehr verehrten Damen und Herren, lieber Herr Glotz,
</p><p>ich danke herzlich f=FCr die Einladung und freue mich, heute nachmit=
tag mit Ihnen diskutieren zu k=F6nnen.
</p><p>Diese Gelegenheit erfreut mich um so mehr, nachdem ich vor kurzem fe=
ststellen durfte, da=DF es durchaus passieren kann, die Zukunft des =F6ffen=
tlich-rechtlichen Rundfunks zu diskutieren und in ein ordnungspolitisch von=
 den Verfassern bescheiden als =84wichtig" bezeichnetes Papier zu gie=DFen,=
 ohne da=DF ein Repr=E4sentant des gr=F6=DFten Teils dieses Systems, die AR=
D n=E4mlich, =FCberhaupt dazu geladen wurde.
</p><p>Ich spreche vom Papier =84Kommunikationsordnung 2000", das die Berte=
lsmann-Stiftung, gemeinn=FCtzig wie immer und vollkommen losgel=F6st von de=
n medienpolitischen Interessen des zuf=E4llig gleichnamigen <i>global playe=
rs,</i> hat erstellen lassen. Es gibt ja keinen Zweifel! Das Thema ist tats=
=E4chlich von Bedeutung, die Besetzung war beachtlich, wenn auch etwas eins=
eitig; das Ergebnis blieb allerdings deutlich hinter dem Anspruch zur=FCck,=
 wenn man bedenkt, da=DF dem Rang des einschl=E4gigen Urteils des Bundesver=
fassungsgerichts zumindest nahe gekommen werden sollte.
</p><p>Die verschiedenen Interessen und Perspektiven, die sich dort begegne=
ten, konnten nicht zu einem schl=FCssigen und =FCberzeugenden Resultat inte=
griert werden. So regieren denn die Widerspr=FCche: Wird vorne kr=E4ftig de=
m wirtschaftlich dominierten Wettbewerb und dem Markt als alleinigem Garant=
en einer w=FCnschenswerten Dynamik das Wort geredet, so bleibt hinten auch =
noch Platz f=FCr gesellschaftlich Relevantes, etwa f=FCr die Frage nach der=
 allgemeinen Vertr=E4glichkeit einer lediglich am Wettbewerb orientierten K=
ommunikationsordnung. Und die sogenannte =84Sonderstellung" des =F6ffentlic=
h-rechtlichen Rundfunks in einer deregulierten Medienwelt kommt auch noch z=
um Zuge, allerdings etwas knapp.
</p><p>Insgesamt bleibt der Eindruck zur=FCck, da=DF die Problematik zwar e=
rkannt wurde, eine angemessene Ber=FCcksichtigung bei der Gestaltung einer =
verantwortbaren Medienordnung aus Gr=FCnden des reinen Dogmas der Wirtschaf=
tsfreiheit aber leider nicht m=F6glich ist.
</p><p>Immerhin wei=DF man nun, wie sich gro=DFe Medienkonzerne die Debatte=
 offensichtlich vorstellen: Gefragt werden kann alles. Schlie=DFlich leben =
wir in einer Gesellschaft mit Meinungsfreiheit. Ob aber die Verantwortliche=
n in den Vorst=E4nden und den Strategiest=E4ben der Medienh=E4user geneigt =
sind, diese Fragen zu ber=FCcksichtigen oder gar =F6ffentliche Antworten zu=
 geben, das bleibt in das Belieben der Investoren gestellt. Im Zweifel d=FC=
rfte es ein Gesch=E4ftsgeheimnis bleiben!
</p><p>Bemerkenswert ist an diesem Papier sicher die Selbstverst=E4ndlichke=
it, man kann auch sagen, die K=FChnheit, mit der hier der Anspruch erhoben =
wird: das bi=DFchen Ordnungsrahmen, das wir noch brauchen, das regulieren w=
ir uns auch noch selber.
</p><p>Alles andere besch=E4dige, so w=FCrde Andersdenkenden vermutlich unt=
erstellt, eh nur den Standort Deutschland, der zwar 1996 wieder einen grand=
iosen Erfolg als Exporteur Nr. 2 in der Welt eingefahren hat, aber dennoch,=
 wie wir t=E4glich h=F6ren, an Unbeweglichkeit und =DCberregulierung eingeh=
t.
</p><p>Doch nun zu uns:
</p><p>=84Die   Zukunft   des   =F6ffentlich-rechtlichen Systems" hei=DFt d=
as Thema, verbunden mit der interessanten Frage: =84Wie wird die Entwicklun=
gsgarantie sichergestellt?"
</p><p>Ohne spitzfindig werden zu wollen, erlaube ich mir den kleinen Hinwe=
is:<b> Eine Garantie, die man erst noch </b><b>sicherstellen mu=DF, ist eig=
entlich keine!</b> Zu solchen Formulierungen kommt es, glaube ich , nicht v=
on ungef=E4hr.
</p><p>Nicht nur im Medienbereich sind wir es ja inzwischen gewohnt, da=DF =
einstmals scheinbar unverbr=FCchliche Zusicherungen unter dem Druck der Ver=
h=E4ltnisse urpl=F6tzlich kaum noch etwas wert sind. Das erleben wir im Ges=
undheitswesen, in der Rentenfrage, bei den Haushaltsentw=FCrfen in Bonn, au=
ch in der Wirtschaft, nicht zuletzt beim Problem der wachsenden Arbeitslosi=
gkeit, und ganz aktuell bei der Frage der Kohlesubventionen.
</p><p>Und so f=E4llt es nicht aus dem Rahmen, da=DF auch gesetzliche und s=
ogar verfassungsgem=E4=DFe Garantien in Sachen Rundfunk <i>nolens volens </=
i>auf dem Pr=FCfstand des Alltags stehen, der uns zwar so manch sch=F6nen E=
rfolg beschert, aber auch immer h=E4ufiger deutlich macht, da=DF hehre Wort=
e und Absichten nur kurze Zeit respektiert werden. Ewigkeitswerte k=F6nnen =
ohnehin nicht beansprucht werden. Aber nicht mit jedem neuen Ph=E4nomen, ma=
nchmal auch Phantasien, m=FCssen gleich auch Ordnungsprinzipien =FCber den =
Haufen geworfen werden.
</p><p><b>Damit komme ich zum j=FCngsten </b><b><i>keyword </i></b><b>der D=
ebatte um die Entwicklung der Medien: Es hei=DFt </b><b>Konvergenz.</b> Sei=
t langem f=FChren es vor allem die im Munde, die aus dem technologischen Zu=
sammenwachsen von Rundfunk, Computernetzen und Telekommunikation schlie=DFe=
n, damit sei nun endg=FCltig klar, da=DF es mit der Sonderrolle des =F6ffen=
tlich-rechtlichen Rundfunks vorbei sei. Damit meinen sie vor allem, da=DF a=
us diesem in der Vergangenheit so wichtigen =84=F6ffentlichen Gut" ein nur =
noch =84privat" nachgefragtes Gut wird.
</p><p>Die Absicht ist klar: den Handel mit privat nachgefragten G=FCtern u=
nd Dienstleistungen regelt das Wettbewerbsrecht. Dieses hat die sozialen Fo=
lgen eines schlichten Handels mit Kommunikation nie im Blickfeld gehabt. We=
r aber Augen hat zu sehen und Ohren hat zu h=F6ren, wird kaum bestreiten k=
=F6nnen, da=DF Information wie Kommunikation keine Ware wie jede andere ist=
.
</p><p>Das hei=DFt: wer hier aus Gr=FCnden des technischen Zusammenwachsens=
 die besondere Aufgabe des Rundfunks im Geflecht der Gesellschaft bestreite=
t, mag seine Eigeninteressen oder die der interessierten Investoren fordern=
. Eins tut er sicher nicht: die Bedeutung des freien Zugangs zu relevanten =
Inhalten f=FCr eine entwickelte demokratische Gesellschaft angemessen ber=
=FCcksichtigen.
</p><p>Genau das ist auch der vor kurzem im Auftrag von EU-Kommissar Bangem=
ann erstellten Studie der Unternehmensberatung KPMG vorzuwerfen. Es ist sch=
on ziemlich naiv, nach all den Erfahrungen, die gerade wir Europ=E4er mit d=
er Macht der Medien gemacht haben, umstandslos darauf zu setzen, da=DF das =
angeblich freie Spiel von Angebot und Nachfrage
</p><ul>
<li> zu ausgewogenen,
</li><li> auch Minderheiten und den politischen Dialog ber=FCcksichtigenden
</li><li> und vor allem f=FCr alle zug=E4nglichen
</li></ul>
<p>Programmen f=FChren werde.
</p><p>Aber vielleicht ist es ja auch gar nicht naiv, sondern vielmehr glei=
chg=FCltig gegen=FCber den sozialen Folgen des eigenen Handelns. Ich will g=
anz deutlich sagen: Mit Info-Eliten allein, die sich gegen <i>cash</i> auch=
 abseits des <i>mainstreams </i>mit wichtigen Informationen und attraktiven=
 Programmen eindecken k=F6nnen, ist eine Demokratie, die diesen Namen verdi=
ent, nicht zu machen.
</p><p>Ich gehe davon aus, da=DF das hier anstehende Thema der Entwicklungs=
garantie f=FCr den =F6ffentlich-rechtlichen Rundfunk auch ma=DFgeblich von =
der Beantwortung der Frage beeinflu=DFt sein wird:<b> =84Erzeugt die techno=
logische Konvergenz der =DCbertragungswege dar=FCber hinaus eine </b><b>Kon=
vergenz der Inhalte und der rechtlichen Regularien?"</b>
</p><p>Damit komme ich zu einem neuen Schlachtfeld der Medienpolitik. <u>Ko=
nvergenz</u> wird mittlerweile von gewissen Kreisen als Kampfruf f=FCr ein =
wirtschafts- bzw. industriepolitisch motiviertes Deregulierungsprogramm ver=
wendet. Einer sachlichen Debatte sind Schlagworte aber nicht zutr=E4glich. =
Fragen wir also einmal genau nach: Was steckt tats=E4chlich an realer media=
ler Entwicklung hinter dem Begriff der Konvergenz?
</p><p>Konvergenz beschreibt ein technisches Ph=E4nomen: Digitalisierung un=
d Datenkompression f=FChren dazu, da=DF die technischen =DCbertragungswege,=
 also die terrestrische =DCbermittlung, die =DCbertragung via Kabelfernsehl=
eitung, =FCber Satellit und =FCber Telephonleitung untereinander zunehmend =
austauschbar werden. =DCber das Kabelfernsehnetz wird man vermutlich schon =
in naher Zukunft telephonieren k=F6nnen, und eine Fernsehsendung wird man i=
n einigen Jahren m=F6glicherweise auch =FCber leistungsstarke Telephonleitu=
ngen empfangen k=F6nnen.
</p><p>Wenn wir aber =FCber den Rundfunk diskutieren, dann geht es um<b> In=
halte,</b> dann geht es um audiovisuelle Produktionen, die sich an ein =F6f=
fentliches Publikum wenden. Ein Blick in den Rundfunkstaatsvertrag oder die=
 Rundfunkgesetze der L=E4nder ist hilfreich: Da geht es um Programmgrunds=
=E4tze, um Schutz der Minderj=E4hrigen, um die Sicherung der Meinungsvielfa=
lt, um Werberegeln, usw., also um die Inhalte. Auf welchem technischen Weg =
diese Rundfunksendungen den Zuschauer erreichen, ist f=FCr diese Regeln une=
rheblich.
</p><p><b>Und was nun die Inhalte dieser Rundfunk</b><b>sendungen betrifft,=
 findet gerade </b><b><u>keine </u></b><b>Konvergenz statt.</b> Oder =E4nde=
rt sich der Inhalt eines Spielfilms, einer Nachrichtensendung, eines Dokume=
ntarfilms oder eines Fu=DFballspiels etwa deshalb, weil mir das Fernsehprog=
ramm statt =FCber die Dachantenne oder die Satellitensch=FCssel nun =FCber =
ein Telephon- statt =FCber ein Kabelmodem auf den Bildschirm kommt?
</p><p>Es wird allerdings verschiedentlich argumentiert, da=DF wegen der Ve=
rvielf=E4ltigung des Angebots im digitalen Multikanalzeitalter die Untersch=
eidung zwischen Massenkommunikation und Individualkommunikation zunehmend e=
ntfalle, und da=DF darin der Konvergenzeffekt bestehe.
</p><p>Wenn der Zuschauer nicht mehr einer vom Rundfunkveranstalter vorgese=
tzten Programmstruktur folgen m=FCsse, sondern sich seine Sendungen einzeln=
 zusammensuchen k=F6nne, so sei dies bereits Individualkommunikation. Und d=
iese unterliegt bekanntlich und aus guten Gr=FCnden keinen spezifischen ges=
etzlichen Auflagen, sondern findet ihre Grenzen nur in den allgemeinen Gese=
tzen.
</p><p>Ich finde es ziemlich beschr=E4nkt, zu behaupten, nur weil der Zusch=
auer eine gr=F6=DFere Auswahl habe, betreibe er Individualkommunikation! Da=
s Wesen der Individualkommunikation - klassisches Beispiel ist das Telephon=
at - ist die (Mit-)Gestaltung des Inhalts durch den Einzelnen.
</p><p>Auf den Inhalt einer Fernsehsendung hat der Zuschauer aber keinerlei=
 Einflu=DF. Allein der Rundfunkveranstalter gestaltet redaktionell das Prog=
ramm, auch wenn es als Abruf-Fernsehen =FCber den Bildschirm flimmert. Hier=
in liegt das Wesen der Massenkommunikation des Rundfunks, und hierin begr=
=FCndet liegt auch der spezielle Schutzgedanke des Rundfunkrechts.
</p><p>Selbst wenn der Zuschauer als =84gimmick" zwischen verschiedenen Kam=
eraeinstellungen beim Formel 1-Rennen w=E4hlen kann oder sich bei der Seife=
noper entscheiden kann, ob er lieber das traurige Ende oder das Happyend de=
r Geschichte sehen m=F6chte - er konsumiert immer Vorfabriziertes. Die inha=
ltliche Auswahl und Verantwortung liegt allein beim Veranstalter. Ergo: Der=
 Rundfunk wandelt sich auch unter neuen technischen Bedingungen nicht von e=
inem Massenkommunikationsmittel zu einem Mittel der Individualkommunikation=
.
</p><p>Allerdings: wenn wir nun feststellen, da=DF eine Konvergenz der Inha=
lte beim Rundfunk nicht stattfindet, dann m=FCssen wir aber doch eine ganz =
andere, dramatische Entwicklung bei den Rundfunkinhalten konstatieren. Und =
diese Entwicklung ist in der Tat das direkte Ergebnis des Wirkens der freie=
n Marktkr=E4fte, und zwar im globalen Ma=DFstab.
</p><p>Seit einigen Jahren schon werden wir Zeugen eines <i>run</i> auf die=
 Rechte f=FCr audiovisuelle Produktionen, eines <i>run,</i> der mittlerweil=
e schon Z=FCge des kalifornischen Goldrausches tr=E4gt. <b>Daraus entwickel=
t sich </b><b>ein neues Paradox: die F=FClle neuer =DCbertragungswege f=FCh=
rt zu einer Knappheit des audiovisuellen Ange</b><b>bots, was wiederum die =
Preise f=FCr die Rechte in astronomische H=F6hen klettern l=E4=DFt.</b>
</p><p>Erst recht die gro=DFen Sportereignisse werden exklusiv f=FCr das Be=
zahlfernsehen vom Markt weggekauft.
</p><p><b>Folge: Die Inhalte werden zur Mangelware. </b>
<br>Um es neudeutsch zu sagen: =84content is the bottleneck" im Information=
szeitalter! Der Verbraucher wird es zu sp=FCren bekommen. Man sollte ihn ni=
cht im Flaschenhals stecken lassen. Aber ich f=FCrchte: billiger wird die W=
are Information im freien Spiel der Marktwirtschaft nicht.
</p><p>Und noch etwas: in scharfem Kontrast zu den Zukunftsprognosen =FCber=
 die Befreiung des Individuums von der =84Bevormundung" der Rundfunkveranst=
alter und den Sieg der Individualit=E4t durch Interaktivit=E4t wird statt d=
essen der Kampf um die Vorherrschaft =FCber die audiovisuellen Inhalte nur =
zwischen ganz wenigen internationalen Medienkonzernen ausgefochten. Selbst =
deren Zahl wird, betrachtet man die fast w=F6chentlichen Gro=DFfusionen auf=
 diesem Sektor, immer kleiner.
</p><p>Was uns also angesichts der weltweiten wirtschaftlichen und technisc=
hen Entwicklung wirklich beunruhigen m=FC=DFte, das ist die Entwicklung der=
<b> Medienkonzentration,</b> und zwar insbesondere wegen der vertikalen Int=
egration der Unternehmen von der Produktion, der Rechteverwertung bis hin z=
u den technischen Infrastrukturen.
</p><p><b>Ein leistungsstarker =F6ffentlich-rechtlicher Rundfunk in einer d=
ualen Rundfunkordnung ist zwar ein </b><b>wichtiger Baustein f=FCr die Plur=
alismussicherung, seine Existenz allein reicht aber nicht aus, um die </b><=
b>Freiheitlichkeit der Medien insgesamt zu sichern.</b>
</p><p>Und viel st=E4rker als dies in der =F6ffentlichen Diskussion bisher =
geschieht, m=FC=DFte uns auch das Ph=E4nomen der =84g<i>atekeeper"</i> beun=
ruhigen, die erst durch das digitale Zeitalter zu einer neuartigen Bedrohun=
g pluralistischer und demokratischer Medienordnungen geworden sind. Ich mei=
ne damit diejenigen, die den Zugang aller Inhalteanbieter zum Zuschauer im =
Griff haben, weil sie die zum digitalen Empfang notwendigen Settop-Boxen ko=
ntrollieren, durch die alle anderen durchm=FCssen. Hier brauchen wir offene=
 Standards und faire und diskriminierungsfreie Zugangsrechte f=FCr alle. =
=DCbrigens wissen wir mittlerweile, da=DF das Problem der =84<i>gatekeeper"=
</i> nicht allein eines der Hardware ist, sondern ganz wesentlich auch der =
Software. Nicht nur wer die Box kontrolliert, auch derjenige, der die =84Sp=
rache" der Box kontrolliert, also das sog. API <i>(application Programme in=
terface)</i> sowie den EPG, den elektronischen Programmf=FChrer, stellt ein=
e potentielle Bedrohung f=FCr freiheitlich und pluralistisch verfa=DFte Med=
ien dar. Dieser Probleme m=FC=DFten wir uns dringend annehmen und auch die =
entsprechenden rechtlichen Sicherungen vorsehen.
</p><p><b>ARD und ZDF haben da ja schon deutlich Stellung bezogen: </b><b><=
u>vor</u></b><b> der F=F6rderung der technischen und </b><b>wirtschaftliche=
n Entwicklung mu=DF den demokratischen, kulturellen und sozialen Aspekten d=
er Medien </b><b>der geb=FChrende Rang zugestanden werden.</b>
</p><p>Das scheint mir gegenw=E4rtig unter der Wirkungskraft des =84gro=DFe=
n Geldes" nicht der Fall zu sein. Und so wird es darum eine harte Auseinand=
ersetzung geben, in die wir =D6ffentlich-Rechtlichen - wie ich glaube - mit=
 plausiblen Argumenten gehen; zumindest solange die meinungsbildenden und s=
ozialen Aspekte aller Kommunikation =FCberhaupt noch als relevant angesehen=
 werden!
</p><p>Die Rechtssprechung des Bundesverfassungsgerichtes bleibt ma=DFgeben=
d, auch wenn sie mancherorts als situativ deklassiert wird. Der Politik all=
es zu =FCberantworten, wie es aus dem Papier =84Kommunikationsordnung" hera=
uszulesen ist, w=E4re fahrl=E4ssige Auslieferung. Bei passenden Mehrheitsve=
rh=E4ltnissen k=F6nnten unbequeme  Rundfunkanstalten  =FCber  Nacht wegrati=
onalisiert werden.
</p><p>Aber wir d=FCrfen uns nicht hinter Karlsruhe verstecken. Das Bundesv=
erfassungsgericht ist die letzte Instanz. Sie kann nicht ersetzt werden. Wi=
r m=FCssen uns aber schon vorher durch eigene Leistungen behaupten.
</p><p>F=FCr die Politik, so habe ich h=E4ufiger den Eindruck, erscheint di=
e Medienentwicklung, so komplex sie verl=E4uft, als eines der Felder, auf d=
em noch was zu bestellen ist. Nicht selten kn=FCpfen sich Erwartungen an di=
e Medienlandschaft, die die Entt=E4uschungen auf anderen Politikfeldern kom=
pensieren sollen. Dabei wird gerne populistisch gearbeitet. Fronten werden =
aufgebaut und genutzt.
</p><p>Dazu geh=F6rt die Frage nach der Zukunft der =D6ffentlich-Rechtliche=
n heimlich oder sogar unheimlich als Verdr=E4ngungswettbewerb zu sehen: Wie=
 klein m=FCssen wir sie machen, damit die kommerziellen M=E4rkte so richtig=
 in Gang kommen?
</p><p>Deswegen keine Klage! In einer lebendigen Demokratie geht es gelegen=
tlich ruppig zu. Die =D6ffentlich-Rechtlichen brauchen ihr Licht nicht unte=
r den Scheffel zu stellen, wenn es um den publizistischen Wettbewerb geht.
</p><p>Unser Gewinn ist immateriell. Wir haben ihn voll an unsere Kunden we=
iterzugeben: in Form von Programmen, die Orientierung und Navigation im All=
tag bieten, nicht zuletzt auch durch Kurzweil und Entspannung. Um eine Tren=
dvokabel aus der Wirtschaft zu bem=FChen: auch wir trachten nach =84shareho=
lder value", aber nicht in Mark und Pfennigen, sondern mit m=F6glichst wert=
vollem Programm.=20
<br>Wenn wir nicht wirklich n=FCtzlich sind f=FCr die Menschen in diesem La=
nd, dann hilft uns auf lange Sicht auch keine verfassungsgerichtliche Entwi=
cklungsgarantie! Daf=FCr m=FCssen wir etwas tun.<b> Auch f=FCr uns </b><b>g=
ilt: =84Legitimation durch Leistung".</b>
</p><p>M=F6glicherweise haben Sie, meine Damen und Herren, in der Vergangen=
heit den Eindruck gewinnen m=FCssen, gerade diese Erkenntnis sei bei den =
=D6ffentlich-Rechtlichen mit ihrer schwerf=E4lligen Struktur noch l=E4ngst =
nicht angekommen. Dieser Eindruck tr=FCgt. =DCberall in der ARD, nicht zule=
tzt in meinem Haus, dem WDR, wird =FCber Reformen und zeitgem=E4=DFe Konzep=
te nicht nur nachgedacht, sie werden sogar tatkr=E4ftig in Angriff genommen=
. An einigen Stellen (z.B. im WDR-H=F6rfunk) mit ordentlichem Erfolg!
</p><p>In der ARD haben dar=FCber hinaus sehr ernsthafte =DCberlegungen =FC=
ber die zuk=FCnftige Struktur unserer Sendergemeinschaft eingesetzt. Ich ha=
lte es f=FCr wichtig, wenn wir uns an dieser Debatte sehr fr=FChzeitig mit =
eigenen, konstruktiven =DCberlegungen beteiligen. Ich denke, da=DF wir nich=
t unt=E4tig auf die f=FCr diese Fragen formal zust=E4ndigen Bundesl=E4nder =
warten sollten, auch, um b=F6sen =DCberraschungen vorzubeugen.
</p><p>Wie Sie sicher der Presse entnommen haben, sind in den vergangenen W=
ochen schon verschiedene Modelle in ersten Ans=E4tzen auch =F6ffentlich dis=
kutiert worden. Dabei wird auch immer wieder die Aufl=F6sung kleinerer Rund=
funkanstalten, wie z.B. des Saarl=E4ndischen Rundfunks und Radio Bremen, in=
s Gespr=E4ch gebracht. Ich bin nach wie vor nicht =FCberzeugt, ob dies tats=
=E4chlich der Weisheit letzter Schlu=DF ist. Zum einen halte ich in einem f=
=F6deralen Staat gerade auch kleine Rundfunkanstalten unter publizistischen=
 Gesichtspunkten f=FCr wichtig.
</p><p>Au=DFerdem zeigen seri=F6se Berechnungen, da=DF sich mit einer Aufl=
=F6sung dieser Anstalten und ihrer gleichzeitigen Integration in benachbart=
e gr=F6=DFere Sender nur relativ geringe Einsparungen erzielen lassen. Es m=
u=DF davon ausgegangen werden, da=DF auch nach einer Aufl=F6sung des Saarl=
=E4ndischen Rundfunks und Radio Bremens mit einer Geb=FChreneinsparung von =
weniger als 50 Pfennig pro Monat gerechnet werden kann.
</p><p>Hinzu kommt da=DF ich derzeit auch nicht erkennen kann, da=DF in den=
 betroffenen Bundesl=E4ndern eine starke politische Unterst=FCtzung f=FCr d=
erartige Ideen besteht. In anderen Bundesl=E4ndern besteht indes eine derar=
tige Zur=FCckhaltung nicht. Von dort ist zu h=F6ren, da=DF der Finanzausgle=
ich bei n=E4chster Gelegenheit gekippt wird. F=FCr diesen Fall m=FCssen die=
 bedrohten Anstalten gewappnet sein.
</p><p>Um die ARD stark zu machen, ist gegen k=FChne Ideen nichts einzuwend=
en. Dies betrifft auch das sogenannte Washington D. C.-Modell f=FCr Berlin.=
 Es sollte sorgf=E4ltig untersucht werden. Wichtig ist, da=DF es gut f=FCr =
das Publikum, gut f=FCr Berlin und gut f=FCr die ARD ist.
</p><p><b>Um unsere Zukunft in eigener Anstrengung und Initiative und vor a=
llem motiviert durch  einen zeitgem=E4=DF </b><b>interpretierten gesellscha=
ftlichen Auftrag gewinnen zu k=F6nnen, ist allerdings ein politischer wie <=
/b><b>gesamtgesellschaftlicher Konsens notwendig.</b>
</p><p>Wenn wir auch weiterhin sicherstellen sollen, da=DF alle B=FCrgerinn=
en und B=FCrger die Chance auf Teilhabe an der Informationsgesellschaft und=
 somit auf Zugang zum gesellschaftlichen Dialog haben sollen, dann mu=DF ge=
lten:
</p><p>Auch der =F6ffentlich-rechtliche Rundfunk hat das Recht, nein, er ha=
t sogar die Pflicht, seine Angebote dort zu plazieren, wo das Publikum ist.=
 Wir m=FCssen =FCberall dort zu finden sein, wo die Menschen uns erwarten. =
Also auch auf den neuen digitalen Distributionswegen, wenn sie sich denn im=
 Einzelfall auch durchsetzen. Ein konkurenziell oder wirtschaftspolitisch m=
otivierter Ausschlu=DF von neuen Wegen zum Publikum w=E4re gerade f=FCr die=
 Dialogf=E4higkeit der Gesellschaft und insbesondere dabei der Jugend von S=
chaden. Denn schlie=DFlich entspricht es nach wie vor auch unter ver=E4nder=
ten technischen Bedingungen einem Grundbed=FCrfnis des breiten Publikums, d=
en =F6ffentlich-rechtlichen Rundfunk =FCberall empfangen zu k=F6nnen.
</p><p>Es w=E4re sch=F6n, wenn wir uns darauf einigen k=F6nnten! Ich jedenf=
alls m=F6chte f=FCr diesen politischen Konsens werben.<b> Erst die Teilhabe=
 des =F6ffentlich-rechtlichen Rundfunks an allen  relevanten </b><b>medient=
echnologischen Entwicklungen versetzt ihn in die Lage, die Zukunft aus eige=
ner Kraft und mit </b><b>einem =FCberzeugenden Angebot zu gewinnen.</b>
</p><p>Nur dann, davon bin ich =FCberzeugt, wenn wir uns dem publizistische=
n Wettbewerb auch da stellen k=F6nnen, wo die Musik spielt, also da, wo die=
 Menschen real die Medien nutzen, nur dann werden wir die Entwicklungsgaran=
tie t=E4glich erk=E4mpfen und somit realisieren. Die Voraussetzungen daf=FC=
r habe ich genannt.
</p><p>Es braucht:
</p><ul>
<li>den gesellschaftlichen Konsens =FCber die Bewegungsf=E4higkeit der =D6f=
fentlich-Rechtlichen in technischer und programmlicher Sicht
</li><li>und unsere F=E4higkeit, auf die medialen Bed=FCrfnisse aller B=FCr=
gerinnen und B=FCrger - fl=E4chendeckend gewisserma=DFen - eine t=E4glich =
=FCberzeugende Antwort zu geben.
</li></ul>
<p>Um das erste m=FCssen wir, wie Sie alle wissen, sicher noch k=E4mpfen; b=
eim zweiten sind wir, denke ich, auf einem guten Weg. Doch wir k=F6nnen noc=
h zulegen. Eins aber scheint mir ein zentraler Aspekt f=FCr uns zu sein:<b>=
 In einer Zeit, in der vor allem durch die neuen digitalen Medien, durch On=
line-Angebote und </b><b>Internet, die Trennung zwischen Produzenten und Nu=
tzern von Medienangeboten immer st=E4rker zu </b><b>verwischen scheint, wo =
fast jeder Informationen, oder was er daf=FCr h=E4lt, weltweit verbreiten k=
ann, werden </b><b>Fragen der journalistischen, der professionellen Qualit=
=E4t ein erheblich verst=E4rktes Gewicht be</b><b>kommen.</b>
</p><p>Fragen der Glaubw=FCrdigkeit werden f=FCr alle professionellen Anbie=
ter essentiell sein. Erst recht aber f=FCr uns =D6ffentlich-Rechtliche. Den=
n vollkommen zu Recht erwarten die Menschen von uns zuallererst ein Angebot=
, das hohen Anspr=FCchen an die Berufsethik gen=FCgt, das Integrit=E4t, Sou=
ver=E4nit=E4t und Gemeinwohlorientierung in jedem einzelnen Programm vermit=
telt.
</p><p>Ich bin =FCberzeugt: Alle die, die durch die neuen M=F6glichkeiten, =
weltweit Medienangebote wahrzunehmen, nicht zu Unrecht eine weitgehende Ent=
grenzung voraussehen, werden sich noch =FCber die auf l=E4ngere Sicht zu er=
wartende =84Remoralisierung" der Mediendebatte wundern. Denn neben all dem =
Schmuddeligen, das die Entwicklung sicher auch mit sich bringen wird, gilt =
auch: die Sensibilit=E4t des Publikums f=FCr die Integrit=E4t und Glaubw=FC=
rdigkeit eines Anbieters wird wachsen. Das wird ein entscheidendes Kriteriu=
m des Erfolges eines seri=F6sen Anbieters von morgen sein.
</p><p>Es wird Sie nicht wundem, wenn ich darauf setze, da=DF wir die Spitz=
enwerte, die wir =D6ffentlich-Rechtlichen in punkto Glaubw=FCrdigkeit, vor =
allem im Informationsbereich, immer wieder erreichen, auch in Zukunft behau=
pten. Zur Seriosit=E4t unserer Programme sehe ich jedenfalls keine Alternat=
ive!
</p><p>Das gilt auch f=FCr den Bereich der Entspannung, der Unterhaltung. S=
ie ist - wenn Sie so wollen - ein Menschenrecht, und so ist es selbstverst=
=E4ndlich, da=DF die Menschen auch weiterhin von uns ein entsprechendes Ang=
ebot erwarten k=F6nnen. Gerade auf diesem Gebiet werden wir aber oft der - =
da ist es wieder, das Wort - Konvergenz geziehen. Das meint: Unsere Program=
me seien angeblich von denen unserer kommerziellen Konkurrenz kaum zu unter=
scheiden.
</p><p>Ich bestreite das. Denn sicher gilt zwar, da=DF auch uns eigentlich =
nichts Menschliches fremd sein mu=DF. Auch f=FCr uns sind alle Themen, die =
sich zur Darstellung in den Medien =FCberhaupt eignen, grunds=E4tzlich zug=
=E4nglich. Es kommt dabei aber entscheidend auf die Darstellung, die Umsetz=
ung ins Programm an. Vor allem in einem Punkt m=FCssen wir uns dauerhaft un=
d deutlich von allen anderen Anbietern unterscheiden: Wir d=FCrfen nicht zy=
nisch-spekulativ mit den Menschen umgehen!
</p><p>Beispielhaft sehe ich diesen Unterschied, wenn Sie etwa unsere ARD/W=
DR-Show =84Geld oder Liebe" etwa mit dem kommerziellen Angebot =84l00.000 M=
ark-Show" vergleichen. Hier sehe ich doch deutlich, da=DF J=FCrgen von der =
Lippe mit seinen Kandidaten einen anderen, viel behutsameren Umgang pflegt,=
 als dies auf der kommerziellen Schiene geschieht, wo die Teilnehmer im Ver=
laufe des Kampfes um die Moneten so manchen Psychostre=DF auszuhalten haben=
. Besonders freut mich, da=DF man auch mit einer Show, die so pfleglich und=
 fair mit den Kandidaten umgeht wie =84Geld oder Liebe", einen gro=DFen Pub=
likumserfolg haben kann. Daf=FCr sollten wir auch in Zukunft stehen. Jedenf=
alls bekommen wir unsere Geb=FChren nicht daf=FCr, Menschen vor der Kamera =
zum Seelenstriptease zu n=F6tigen!
</p><p>Aber wie setzen wir unsere Absicht, auch f=FCrderhin einen weithin g=
eachteten und vor allem von m=F6glichst vielen Menschen genutzten Beitrag z=
ur Informationsgesellschaft zu leisten, denn nun in Strategien um?
</p><p>Zun=E4chst m=F6chte ich festhalten: Kaffeesatzleserei und trendige S=
pekulation, interessengeleitete Euphorie und Zweckoptimismus gibt es in der=
 schillernden Medienbranche wahrlich genug. Wer sich daran erinnert, wie sc=
hnell Medientrends wie das =84Interaktive Fernsehen" oder k=FCrzlich die di=
gitalen Bouquets von Bertelsmann/CLT wieder von der Bildfl=E4che verschwand=
en, um der sprichw=F6rtlichen n=E4chsten Sau mit Namen =84Alles wird Intern=
et!" Platz zu machen, die durchs <i>global village</i> getrieben werden sol=
lte, der wei=DF eins: die Entwicklung ist ambivalent-bipolar. Das aber ganz=
 sicher!=20
<br>Scherz beiseite!<b> Die Digitalisierung der Me</b><b>dienlandschaft mit=
 ihren gro=DFen Optionen f=FCr Technik und </b><b>Programm wird kommen. </b=
>Soviel immerhin scheint klar zu sein.
</p><p>Aber so ziemlich alle weiteren Fragen sind offen, zum Beispiel :
</p><ul>
<li>Was werden die Menschen wirklich nutzen?
</li><li>Werden sie sich das alles leisten wollen und k=F6nnen, was da ange=
boten wird?
</li><li>Werden sie den neuen Nutzen auch wirklich f=FCr so gro=DF halten, =
da=DF sie sich vom passiven <i>consumer</i> zum interaktiven<b> </b><i>user=
</i> ver=E4ndern wollen?
</li><li>Oder sind viele Ideen f=FCr neue Angebote vielleicht zu sehr den G=
ehirnen von Technikern entsprungen?
</li></ul>
<p>All diese Fragen sind vielleicht jene L=F6sungen, die dringend Probleme =
suchen, wie einmal ein hochrangiges Mitglied der bestimmt nicht technikfein=
dlichen FCC <i>(Federal Communications </i><i>Commission)</i>, dem entschei=
denden Medienkontrollgremium der USA, formuliert hat.
</p><p>Was eine Diskussion =FCber die Entwicklungsgarantie eben so spannend=
 macht, ist die Tatsache, da=DF es darum geht, im Hinblick auf eine sehr Un=
gewisse und unsichere Zukunft einen Wechsel auszustellen, ohne da=DF irgend=
 jemand auch nur ann=E4hernd zuverl=E4ssige Eckwerte f=FCr eine solche Gara=
ntie formulieren k=F6nnte.
</p><p>Die m=F6glichen Antworten auf obige und viele andere Fragen haben ab=
er alle auch Auswirkungen auf das hier anstehende Thema =84Wie stellen wir =
die Entwicklungsgarantie sicher?".
</p><p>Ich werde mir deshalb gestatten. Ihnen in den n=E4chsten Minuten dre=
i m=F6gliche Szenarien der allgemeinen Medienentwicklung zu skizzieren, um =
die Rolle des =F6ffentlich-rechtlichen Rundfunks darin zu reflektieren. All=
e drei Szenarien gehen davon aus, da=DF die Digitalisierung der Medienprodu=
ktion und vor allem der Mediendistribution der Schl=FCsselproze=DF ist, der=
 die Herausbildung einer neuen Medienlandschaft und einer angemessenen Komm=
unikationsordnung dominiert. Von diesem Verlauf werden die letztlich entsch=
eidenden Weichenstellungen abh=E4ngen!
</p><p>Um es deutlich zu machen: wir sehen die Digitalisierung positiv. Sie=
 hilft, Engp=E4sse der =DCbertragunskapazit=E4ten zu beseitigen, f=FChrt zu=
 Einsparungen und er=F6ffnet neue M=F6glichkeiten f=FCr inhaltliche Weitere=
ntwicklungen. Doch nun zu den Szenarien:
</p><p><b>Szenario l: Die Digitalisierung setzt sich rasch durch</b>
</p><p>Stellen sie sich vor: die Digitalisierung, insbesondere im Fernsehen=
, kommt auch im deutschsprachigen Raum sehr schnell voran und setzt sich be=
im Publikum rasch durch. Sie l=F6st eine Umw=E4lzung der Rundfunklandschaft=
 aus. Globalisierung, Kommerzialisierung und eine rasche Akzeptanz und Mark=
tdurchdringung diverser Online-Angebote kennzeichnen diese Entwicklung. Dad=
urch entstehen zahlreiche neue Konkurrenzen. Im kommerziellen Lager reduzie=
rt sich die Zahl der werbegest=FCtzten Free-TV-Anbieter erheblich.
</p><p>Das Pay-TV (als Pay-per-Channel und Pay-per-View) wird zu einem =F6k=
onomisch dominierenden System. Zwar werden nur etwa ein F=FCnftel aller Hau=
shalte Pay-TV-Kunden. Dieser Marktanteil reicht jedoch f=FCr ein stabiles u=
nd lukratives Pay-TV-Gesch=E4ft und daf=FCr, die Marktmacht im Sport- und F=
ilmrechtehandel voll auszuspielen. 80 % des Publikums =84begn=FCgen" sich v=
or allem aus finanziellen Gr=FCnden mit werbedurchsetzten Voll- und Sparten=
programmen privater Anbieter und den =F6ffentlich- rechtlichen Programmen. =
F=FCr viele Haushalte wird der Fernsehkonsum allein dadurch teurer, da=DF s=
ie als Kabelkunden auch f=FCr sogenannte Basis- oder must-carry-Angebote zu=
s=E4tzlich zahlen m=FCssen.
</p><p>Es gibt eine Dreiteilung des Marktes. Attraktives, manchmal auch qua=
litativ hochwertiges Pay-TV f=FCr zahlungskr=E4ftige Haushalte, ein werbege=
st=FCtztes Free-TV auf dem Niveau des US-Fernsehens und ein =F6ffentlich-re=
chtliches Angebot, das f=FCr die Grundversorgung der Gesellschaft zu einem =
vertretbaren Preis, den alle zahlen, sorgt.
</p><p>Ich halte dieses Szenario zwar f=FCr einigerma=DFen euphorisch, aber=
 ich gebe auch zu: v=F6llig unm=F6glich ist es dann nicht, wenn die Verbill=
igung der digitalen Technik so rasant fortschreitet, da=DF sich auch im Con=
sumer-Bereich die Endger=E4te rasch verbreiten. Das ist schlie=DFlich die V=
oraussetzung daf=FCr, die Segnungen der neuen Medienwelt auch nutzen zu k=
=F6nnen.
</p><p>Entscheidend ist aber: gerade in dieser Welt eines oberfl=E4chlich b=
etrachtet beinah grenzenlos erweiterten Angebots besteht die erhebliche Gef=
ahr, durch die zunehmend exklusive Verwertung von Information und attraktiv=
en Programmen zu einer kulturellen Spaltung der Gesellschaft zu kommen: in =
die, die es sich leisten k=F6nnen, und die, die es sich nicht leisten k=F6n=
nen. Eine simple, im Alltag schleichend vorgenommene Trennung <i>by cash,</=
i> aber mit einer erheblichen Gef=E4hrdung der Koh=E4sions-kraft, die es nu=
n mal braucht, um eine Gesellschaft kulturell, psychologisch und letztlich =
auch wirtschaftlich funktionsf=E4hig zu halten.
</p><p><b>Ich halte es deshalb selbst in dieser opti</b><b>mistischen Betra=
chtung der Medienentwicklung f=FCr eine auch </b><b>zuk=FCnftig zu erbringe=
nde Basisleistung, das unerl=E4=DFliche aber gewi=DF nicht geringe Ma=DF an=
 </b><b>informationeller und kultureller Teilhabe f=FCr alle Menschen siche=
rzustellen.</b>
</p><p>Dazu braucht es <i>content provider,</i> f=FCr die dieser Auftrag ab=
soluten Vorrang vor der Rendite hat! Und dies leistet der =F6ffentlich-rech=
tliche Rundfunk. Wer auf B=F6rsennotierungen und k=FChl kalkulierende Gesel=
lschafter schielen mu=DF, wird nicht umhink=F6nnen, im Zweifel pro =84share=
holder value" zu votieren. Wir m=FCssen das nicht, und das sollte auch so b=
leiben. Denn letztlich dient Kommunikation, die der politischen und kulture=
llen Integration aller Menschen zuarbeitet, auch dem Funktionieren verschie=
dener M=E4rkte.
</p><p>Soziale Identit=E4t ist ganz und gar kein Luxusgut. Sie ist unerl=E4=
=DFliche Voraussetzung f=FCr funktionierende M=E4rkte. Und insofern sehen w=
ir unsere Rolle als gemeinwohlorientierter Kommunikator auch in diesem opti=
mistischen Szenario als gut begr=FCndet.
</p><p>Kommen wir zu Szenario 2:
</p><p><b>Szenario 2: Die Digitalisierung kommt, aber verlangsamt durch wir=
tschaftliche und kul</b><b>turelle Faktoren</b>
</p><p>Es ist nicht unwahrscheinlich, da=DF folgendes passiert: der Medienk=
onsum der B=FCrgerinnen und B=FCrger bleibt f=FCr die n=E4here Zukunft noch=
 in eher traditionellen Bahnen. Zum einen, weil im Alltag andere Probleme d=
r=E4ngender sind, auch weil der Nutzen vieler neuer Angebote nicht deutlich=
 genug wird (=84more of the same" und im Online-Bereich zu aktiv, zu anstre=
ngend, zu un=FCbersichtlich, fehlende Medienkompetenz vor allem bei den =C4=
lteren), zum anderen, weil auf das Vertraute nicht verzichtet wird und desh=
alb durch neue Angebote nicht unerhebliche Zusatzkosten entstehen, die noch=
 dazu in Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit genau abgewogen werden.
</p><p>Hinzu kommt: das zahlenm=E4=DFig gro=DFe Free-Angebot im Leitmedium =
Fernsehen in Deutschland erweist sich - trotz aller Trendrethorik der inter=
essierten Kreise aus Wirtschaft und Politik - als erheblicher Bremsfaktor b=
ei der Nachfrageentwicklung f=FCr digitales Pay-TV. Die Wachstumsentwicklun=
g auf dem Markt der Pay-TV-Nutzer streckt sich. Sie erh=E4lt zwar einen wic=
htigen Schub Anfang des 2. Jahrtausends, weil immer mehr Sport=FCbertragung=
en als das erfolgsentscheidende Angebot (neben Spielfilmen und - unerl=E4=
=DFlich! - Sex/Erotik) eingesetzt werden k=F6nnen.
</p><p>Andererseits wird ihnen m=F6glicherweise aufgrund europ=E4ischer Bes=
chl=FCsse (EG-Fernsehrichtlinie) die exklusive Verwertung wichtiger Sportre=
chte verwehrt. Insgesamt fehlt dem Pay-TV aber die Markt-Dynamik, die erst =
zu einer Umw=E4lzung insbesondere im kommerziellen Bereich f=FChren kann. D=
as wird zu wirtschaftlichen Schwierigkeiten f=FCr viele kommerzielle Anbiet=
er f=FChren, wie RTL-Chef Helmut Thoma sie ja seit geraumer Zeit prognostiz=
iert.
</p><p>Es erscheint mir deshalb einigerma=DFen unwahrscheinlich, da=DF von =
dem kommerziellen Sektor der elektronischen Medien nennenswerte Beitr=E4ge =
zu dem zu erwarten sind, was das Bundesverfassungsgericht unter Pflicht zur=
 =84Grundversorgung" in seiner ganzen thematischen Breite als unerl=E4=DFli=
che kommunikative Basis formuliert hat. Nochmals: Ich will mich ausdr=FCckl=
ich nicht allein aus Gerichtsurteilen legitimatorisch bedienen! Viel mehr k=
ommt es mir darauf an, ein den Bed=FCrfnissen der Gesellschaft angemessenes=
 Programm zu veranstalten. Aber ich denke, Sie k=F6nnen mir darin folgen, d=
a=DF von einem Anbieter, der t=E4glich ums =DCberleben k=E4mpft, kaum zu er=
warten ist, da=DF er Gemeinwohl vor Eigennutz stellt.
</p><p><b>Ich finde, auch hier gilt, da=DF gerade ein starker =F6ffentlich-=
rechtlicher Rundfunk es erm=F6glicht, die </b><b>Attraktivit=E4t der Neuen =
Medien auszutesten, ohne den Zusammenhalt der Gesellschaft fahrl=E4ssig </b=
><b>zu vernachl=E4ssigen. In diesem Sinne stehe ich zum dualen System. Aber=
 ich bestehe auch darauf, da=DF </b><b>es im Wortsinne dual, also auf zwei =
kr=E4ftigen Beinen stehen bleibt!</b>
</p><p>Gegenw=E4rtig ist das der Fall. Dies hat dazu gef=FChrt, da=DF Deuts=
chland neben England den besten Rundfunk in der Welt hat; auch dank der kom=
merziellen Anbieter. Hier gibt es also eine Menge zu verlieren.
</p><p>Erw=E4hnenswert scheint mit auch, da=DF eine wohlverstandene Entwick=
lungsgarantie f=FCr den =F6ffentlich-rechtlichen Rundfunk auch der industri=
ellen Entwicklung in Deutschland und in Europa zugute kommt. Schlie=DFlich =
sind die =F6ffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten ein stabilisierendes un=
d verl=E4=DFliches Element, das sich, losgel=F6st von partikul=E4ren Einzel=
interessen und propriet=E4ren L=F6sungen, am Bedarf in der professionellen =
Rundfunkwelt und in der Consumer-Welt orientiert. Das gro=DFe Interesse der=
 Herstellerindustrie an den =DCberlegungen und Planungen der =F6ffentlich-r=
echtlichen Rundfunkanstalten im Hinblick auf DAB und DVB zeigt, welche Orie=
ntierungshilfe unser Vorgehen f=FCr die Industrie insgesamt darstellt.
</p><p>Anf=FCgen m=F6chte ich noch: Dieses Szenario, das ich im =FCbrigen f=
=FCr das wahrscheinlichste halte, erm=F6glicht es uns =D6ffentlich-Rechtlic=
hen, wohl=FCberlegt in die digitale Zukunft zu starten. Dazu sp=E4ter mehr.=
 Vielleicht werden wir alle =FCber die faktische Entschleunigung, die im Au=
genblick zu erkennen ist, noch einmal froh sein. Ich finde n=E4mlich, man m=
u=DF nun auch nicht jeden Quatsch mitmachen, der mit dem digitalen Zauber r=
ein technisch m=F6glich scheint. Meist hat Nachdenken noch immer geholfen, =
und ich habe den Eindruck, da=DF der potentielle Konsument - der ja von den=
 Marktforschern immer h=E4ufiger als =84notorisch mi=DFtrauisch" beschriebe=
n wird - das l=E4ngst erkannt hat. Recht so. Nachdenkliche Kunden haben wir=
 nicht zu f=FCrchten!
</p><p>Lassen Sie mich zu Szenario 3 =FCbergehen:
</p><p><b>Szenario 3: Die Gesellschaft ger=E4t in eine wirtschaftliche Kris=
e, die Medienentwicklung verlangsamt sich </b><b>erheblich...</b>
</p><p>Ich will es nicht hoffen, aber ganz auszuschlie=DFen ist auch folgen=
de Entwicklung nicht: Aufgrund bislang kaum steuerbarer Prozesse der global=
en Wirtschaftsentwicklung (sozusagen der Kehrseite der weltweiten =84Deregu=
lierung" in Richtung =84<i>Free Enterprise")</i> geraten nicht nur die arme=
n L=E4nder des S=FCdens und des ehemaligen Ostblocks in eine tiefe soziale =
Krise; auch die sogenannten =84Schwellenl=E4nder", etwa die =84Tigerstaaten=
" in Asien oder Indien und Brasilien, werden in ihrer Dynamik entscheidend =
gehemmt.
</p><p>Durch die Verflechtung mit diesen L=E4ndern durch eminente Exportvol=
umina geraten auch die Industriestaaten in einen Sog, der die ohnehin auf s=
chwachen Beinen stehende Konjunktur zus=E4tzlich l=E4hmt. Damit schwindet K=
aufkraft in einem solchen Ma=DF, da=DF Medienkonsum unter scharfen Kosten/N=
utzen-Relationen betrachtet werden mu=DF. Das hei=DFt, die Menschen werden =
zu vielen Annehmlichkeiten der Medien leise =84Servus" sagen (m=FCssen).
</p><p>Damit zerplatzen die meisten hochfliegenden Pl=E4ne der Medienindust=
rien und mit ihnen die Erwartungen an Umsatz und Gewinn. Ich will das niema=
ndem w=FCnschen. Aber es hat mir schon zu denken gegeben, als ich vor einig=
er Zeit gelesen habe, da=DF die B=F6rsenanalysten in den USA die noch vor k=
urzem als sichere Wachstumstr=E4ger beurteilten Aktien der gro=DFen Medienk=
onzerne wie etwa Viacom nunmehr sehr skeptisch beurteilen.
</p><p>Viacom hat in den letzten Monaten einen Kursverlust von 30 % hinnehm=
en m=FCssen, den die Analysten vor allem auf zu sorglose Expansion und Dive=
rsifizierung zur=FCckf=FChren. Die B=F6rsen-Jungs haben ja nicht selten ein=
en guten Riecher. Deshalb frage ich mich schon, ob sich hier nicht etwa ein=
e deutliche Abk=FChlung des Medienbooms ank=FCndigt.
</p><p>Bleiben wir in diesem Szenario, so ist klar: In Zeiten einer solchen=
 Gef=E4hrdung des Zusam-menhalts, in denen an die Solidarit=E4t der Mensche=
n deshalb hohe Anforderungen gestellt w=FCrden, ist ein gemeinwohlorientier=
ter Rundfunk, der sich auch in schweren Zeiten als kommunikativer Dienstlei=
ster bew=E4hrt, erst recht unverzichtbar.
</p><p><b>Fazit: wie auch immer die Entwicklung ab</b><b>laufen wird: F=FCr=
 den =F6ffentlich-rechtlichen Rundfunk bringt die </b><b>Digitalisierung de=
r Medien, vor allem des Fernsehens, zwar gro=DFe Umw=E4lzungen, aber mit Si=
cherheit </b><b>auch gro=DFe Chancen.</b>
</p><p>Im sich nun schon aus Gr=FCnden der Refinanzierung privater Investit=
ionen abzeichnenden <i>trialen</i> Rundfunksystem aus Free-TV, Free-Radio e=
tc. und Pay-TV, Pay-Radio sowie dem =F6ffentlich-rechtlichen Rundfunk sehe =
ich die Situation anders. Ich bin ziemlich sicher: Betrachtet man die Verso=
rgung des <i>gesamten </i>Publikums, werden die Defizite immer un=FCbersehb=
arer werden. Es wird unser Job bleiben, auch unter den neuen Verh=E4ltnisse=
n die Kluft nicht gemeingef=E4hrlich gro=DF werden zu lassen!
</p><p>Soviel zu den m=F6glichen Entwicklungen und zur gesellschaftlichen R=
olle des =F6ffentlich-rechtlichen Rundfunks unter den diversen Perspektiven=
. Szenarien und Prognosen sind das eine, der Alltag ist das andere. Will ma=
n diesen nicht nur =FCberleben, sondern sogar einigerma=DFen kommod gestalt=
en, so kommt es darauf an, Szenarios und t=E4gliches Handeln in ein produkt=
ives Nebeneinander zu bringen.
</p><p>Damit Sie sehen, da=DF die ARD =FCber den Stand allgemeiner Besorgni=
s und grunds=E4tzlicher Erw=E4gungen hinaus ist, m=F6chte ich an dieser Ste=
lle noch einmal auf das, wie ich finde, smarte ARD-Konzept =84Vernetzen sta=
tt Versparten" eingehen.
</p><p>Auch in der digitalen Zukunft haben wir n=E4mlich vor, einen gemeinw=
ohlorientierten =F6ffentlich-rechtlichen Beitrag zu leisten: Mu=DF es komme=
rziellen Anbietern nicht zuletzt darum gehen, diverse neue Mautstellen im a=
ngeblich vollkommen freien Info-Universum der globalen Netze einzurichten, =
so wollen wir die technologischen M=F6glichkeiten des unmittelbaren und sel=
bstbestimmten Zugangs zu unseren Angeboten ernstnehmen und f=FCr die Nutzer=
 auch Wirklichkeit werden lassen. Als dringend notwendiges Gegengewicht zur=
 h=F6chstwahrscheinlich zunehmend exklusiven Verwertung von Information. Un=
d zwar ohne Nadel=F6hre, an denen abkassiert wird!
</p><p><b>Das DVB-Engagement der ARD - =84Vernetzen statt versparten"</b>
</p><p>Egal, mit welcher Schnelligkeit das digitale Fernsehen - und um das =
soll es im folgenden haupts=E4chlich und prototypisch gehen -fl=E4chendecke=
nd Wirklichkeit wird, die ARD wird sich, orientiert an der Marktentwicklung=
, auf diese Umw=E4lzung einstellen. Gerade weil die Entwicklung des digital=
en Marktes von gro=DFen Unsicherheiten gekennzeichnet ist, sind <b>praktisc=
he Erfahrungen f=FCr die Zukunft</b> der ARD von gro=DFer Bedeutung. Mit de=
n verschiedenen Elementen unseres DVB-Engagements wollen wir uns angemessen=
 und mit der n=F6tigen Flexibilit=E4t an den digitalen Pilotprojekten, die =
in mehreren Bundesl=E4ndern laufen werden, beteiligen. Der WDR wird dar=FCb=
er hinaus mit einem eigenen Angebot beim nordrhein-westf=E4lischen DVB-Proj=
ekt mitmachen.
</p><p>Wir wollen so neue (technische) Systeme und programmliche M=F6glichk=
eiten testen. Insbesondere geht es darum, die Resonanz des Publikums auf ei=
ne grundlegend ver=E4nderte Angebotssituation sorgf=E4ltig zu beobachten, a=
uszuwerten und dann nat=FCrlich die f=FCr uns richtigen strategischen Schl=
=FCsse daraus zu ziehen!
</p><p>F=FCr ihr Gesamtengagement hat die ARD das Motto<b> =84Vernetzen sta=
tt Versparten"</b> gepr=E4gt. Wir werden unsere vorhandenen Programme in di=
e digitale Welt einbringen und durch intelligente Verkn=FCpfung dieser Prog=
ramme dem Publikum einen Zusatznutzen =FCber das bisherige Angebot hinaus v=
erschaffen.
</p><p>Die =84Vernetzung" soll insbesondere durch eine neue Funktionalit=E4=
t erreicht werden, dem sog. elektronischen<b> Lesezeichen</b> (Arbeitstitel=
), dessen Umsetzung derzeit technisch und logistisch vorbereitet wird. Das =
Lesezeichen ist Teil eines <b>EPG.</b> Dieser Electronic Program Guide soll=
 alle ARD-Angebote auffindbar machen (DAS ERSTE, die Dritten, das =84kleine=
 ARD-Bouquet" und auch die Gemeinschaftsprogramme mit dem ZDF, wie 3 SAT, a=
rte, Phoenix und den Kinderkanal), sie eindeutig als =F6ffentlich-rechtlich=
e Angebote pr=E4sentieren und darstellen sowie durch die Programme f=FChren=
.
</p><p>EPG und Lesezeichen k=F6nnten sich als <i>das </i>Bindemittel f=FCr =
das Gesamtangebot in der digitalen Welt erweisen. Im digitalen Angebot der =
ARD sollen auch H=F6rfunkprogramme und Videotextinformationen einbezogen se=
in.
</p><p>Ziel also auch hier: dem Nutzer<b> Orientierung und Navigation</b> d=
urch das Angebot zu erm=F6glichen. Daneben wollen wir vorhandene Sendungen =
und Programme in anderen Formen und Zusammenstellungen als sogenanntes klei=
nes ARD-Bouquet anbieten:
</p><ul>
<li><b>ARD-MuXx</b> bietet eine zeitversetzte Abbildung des ARD-Gemeinschaf=
tsprogramms:
</li><li><b>DAS ERSTE</b> in der Prime-Time, zum Teil in anderer Kombinatio=
n;
</li><li><b>ARD-Extra</b> ist eine ca. 2,5-st=FCndige Programmschleife mit =
zus=E4tzlichen vertiefenden Informationsangeboten aus Archivmaterial oder a=
ktuellen Programmen;
</li><li><b>ARD-Festival</b> bietet ausgew=E4hlte Fernseh- und Dokumentarsp=
iele der Landesrundfunkanstalten der ARD in einer ca. 5-st=FCndigen Program=
mschleife.
</li></ul>
<p>Diese digitalen Zusatzangebote sind eng mit den Kernprogrammen verkn=FCp=
ft. Sie basieren auf den vorhandenen und weiter auszubauenden programmliche=
n St=E4rken der ARD. Der Nutzen entsteht dem Zuschauer in Verbindung mit de=
m ERSTEN.
</p><p>ARD-MuXx etwa verbessert die Wahlm=F6glichkeiten der Zuschauer in de=
r digitalen Welt, Sendungen ihrer Pr=E4ferenz zur gew=FCnschten Zeit und m=
=F6glichst zeitnah zu empfangen. Es steigert also die Zugriffsm=F6glichkeit=
en auf das Kernangebot. Die Vernetzung mit dem Kern-programm soll =FCber da=
s =84Lesezeichen" hergestellt werden, das den Teilnehmer auf Wunsch direkt =
in das zus=E4tzliche Angebot lotst. Auch die anderen Zusatzangebote sollen =
erm=F6glichen, das Interesse, das im Kernprogramm beim Zuschauer entstanden=
 ist, mit einem erg=E4nzenden Angebot zu befriedigen.
</p><p>Das gesamte Vorhaben soll stufenweise im Hinblick auf die in Berlin/=
Brandenburg, Hamburg, Nordrhein-Westfalen, Bayern und Rheinland-Pfalz gepla=
nten DVB-(Multimedia-) Pilotprojekte und ab der Internationalen Funkausstel=
lung 1997 realisiert werden. F=FCr die Ausgestaltung der ARD-Projektbeteili=
gung war eine entscheidende Bedingung, die Entwicklungskosten der ARD in ei=
nem vertretbaren Rahmen zu halten. Das ist uns gelungen.
</p><p>Mit unseren =DCberlegungen f=FCr das digitale Fernsehen haben wir be=
i verschiedenen Marktbeteiligten f=FCr einiges Nachdenken und Hinterfragen =
der eigenen Strategie gesorgt. Mit den gro=DFen Herstellern von Set-Top-Box=
en finden seit einiger Zeit Gespr=E4che =FCber die Entwicklung einer sogena=
nnten<b> Free-TV-Box </b>statt. Sie soll mindestens den Empfang aller =F6ff=
entlich-rechtlichen Programme und Angebote, aber auch aller sonstigen priva=
ten Free-TV-Programme erm=F6glichen.
</p><p>Die Herstellerindustrie hat erkannt, da=DF der gro=DFe Markt im digi=
talen Fernsehen (noch) nicht und unbedingt der Pay-TV-Markt ist. Wenn wir d=
avon ausgehen, da=DF das digitale Fernsehen =FCber Satellit, Kabel und auch=
 =FCber terrestrische Sender in den n=E4chsten zehn bis zwanzig Jahren =FCb=
erall Einzug halten wird, so bleibt mittelfristig der Gro=DFteil der Hausha=
lte, der weiterhin ausschlie=DFlich Free-TV nutzen will (oder kann!), ein h=
=F6chst attraktiver Markt. Die ARD hat durch ihre Initiative den notwendige=
n Standardisierungsbem=FChungen einen starken Impuls gegeben.
</p><p>Das ist auch gut f=FCr den gesamten Markt! Selbst der Unternehmer Ki=
rch zeigt sich wieder offen f=FCr Gespr=E4che. So sind wir mit unserem Vorh=
aben schon jetzt dem Ziel etwas n=E4her gekommen, in der Praxis auch die F=
=E4higkeit und Bereitschaft der technischen Plattformen zu einem wirklich =
=84offenen" System und zu einem diskriminierungsfreien Zugang zu =FCberpr=
=FCfen.
</p><p>Es wird sich zeigen, wie unser Angebot genutzt wird. Eine gute Chanc=
e auf breite Akzeptanz haben wir allein schon deshalb, weil bislang nur wir=
 ernstmachen mit dem wirklich freien Zugang zur digitalen Welt. Alle andere=
n werden sich wohl gezwungen sehen, Eintritt zu erheben.
</p><p>Vernetzen bedeutet im =FCbrigen auch, die bime-dialen Angebote von H=
=F6rfunk und Fernsehen so miteinander zu kombinieren, da=DF sie sich zu ein=
em Gesamtangebot erg=E4nzen. Gerade dies stellt eine Dom=E4ne des =F6ffentl=
ich-rechtlichen Rundfunks dar, die durch Wahrnehmung der Entwicklungsgarant=
ie in diesem Bereich weiter ausgebaut wird. Dabei setzen wir mittelfristig =
auch auf die zus=E4tzlich angebotenen Online-Dienste als wichtige Programme=
rg=E4nzung und -begleitung.
</p><p>Wie wichtig die Aktivit=E4ten der =F6ffentlich-rechtlichen Rundfunkv=
eranstalter als stabilisierendes Element in diesem Bereich sind, zeigen die=
 aktuellen Unw=E4gbarkeiten auf dem privaten Markt. Vor wenigen Tagen ist d=
ie gro=DF angek=FCndigte Kooperation zwischen Kirch und Murdoch f=FCr das d=
igitale Fernsehen geplatzt. Angesichts der - vorsichtig gesagt - sehr schle=
ppenden Entwicklung von DF l hat Murdoch seinen R=FCckzug aus den bereits b=
egonnenen Kooperationsgespr=E4chen erkl=E4rt.
</p><p><b>Man sieht auch hier: Wir d=FCrfen die Gestaltung der k=FCnftigen =
Medienwelt nicht nur dem freien Markt </b><b>=FCberlassen. Dort kommt  es  =
allein  auf wirtschaftliche Erw=E4gungen, nicht auf unabh=E4ngige und </b><=
b>verantwortungsvolle Wahrnehmung eines publizistischen Auftrages an.</b>
</p><p>Gestatten Sie mir nun noch einige S=E4tze zu unseren neuen Angeboten=
 =84Kinderkanal" und =84Phoenix": In der Einladung zu diesem Gespr=E4ch ist=
 ja bereits darauf hingewiesen worden, da=DF dieser =F6ffentlich-rechtliche=
 Einstieg in die Verspartung auf Widerspruch gesto=DFen ist.
</p><p>Niemand hat davon gesprochen, unsere Kernangebote im Ersten zugunste=
n der neuen Kan=E4le auszud=FCnnen. Insofern kann von einer losgel=F6sten V=
erspartung schon mal nicht gesprochen werden. Auch ich glaube nicht, da=DF =
es auf Sicht zu weiteren gemeinsamen Spartenprogrammen von ARD und ZDF komm=
en wird.
</p><p>Aber was ist ernsthaft gegen einen werbe- und gewaltfreien =84Kinder=
kanal" einzuwenden? Was spricht wirklich gegen =84Phoenix", einen Ereignis-=
 und Dokumentationskanal, der dazu beitragen soll, da=DF sich die parlament=
arische Demokratie direkter darstellen kann und die Idee von der europ=E4is=
chen Integration verst=E4ndlicher und popul=E4rer wird?
</p><p>Aber es w=FCrde mir etwas fehlen, wenn es um Phoenix kein Theater g=
=E4be. Nachdem nun alle politischen H=FCrden genommen worden sind, gibt es =
jetzt enorme technische Schwierigkeiten, an die Kunden heranzukommen. Die E=
inspeisung in das Kabel bereitet Probleme. Der Anfang, das war mir klar, wi=
rd besonders kri-tisch. Am Ende des Jahres l=E4uft das Projekt auf vollen T=
ouren.
</p><p>Nun wird den =D6ffentlich-Rechtlichen Kabelverstopfungspolitik vorge=
worfen. Dies ist ein absolut haltloser Vorwurf. In Nordrhein-Westfalen wie =
anderswo belegen die =D6ffentlich-Rechtlichen weit weniger Kabelkapazit=E4t=
 als die kommerziellen Anbieter. Von Gleichheit im dualen System kann da ke=
ine Rede sein, erst recht nicht, wenn man auch noch die Qualit=E4t ber=FCck=
sichtigt. Die Mehrzahl der kommerziellen Programme kommt nicht an. Viel Kab=
elplatz f=FCr wenig Publikum.
</p><p>Ich kann allerdings auch keine Triumphgef=FChle dar=FCber empfinden,=
 da=DF private Programme zugunsten =F6ffentlich-rechtlicher Angebote entfer=
nt werden. Mir ist es allemal lieber, da=DF wir uns programmlich mit unsere=
r Konkurrenz messen, als da=DF durch technische Engp=E4sse =FCber die Nutzu=
ng entschieden wird.
</p><p>Meine Damen und Herren, lassen Sie mich, bevor wir in die Diskussion=
 einsteigen, noch einmal kurz zusammenfassen:
</p><ul>
<li>Der =F6ffentlich-rechtliche Rundfunk braucht den gesellschaftlichen und=
 politischen Konsens, da=DF er auch in Zukunft seine Programme dort anbiete=
n kann, wo die Menschen ihn erwarten, also auch auf den neuen digitalen Ver=
teilwegen.
</li><li>Der =F6ffentlich-rechtliche Rundfunk wird seine Zukunft nur sicher=
n, wenn er sich nicht allein auf verfassungsgerichtliche Zusicherungen und =
das Wohlwollen ihm gesonnener Politiker verl=E4=DFt, sondern zuerst auf sei=
ne eigene Kraft baut.
</li><li>Der =F6ffentlich-rechtliche Rundfunk mu=DF sich offensiv und t=E4g=
lich =FCberzeugend in der publizistischen Konkurrenz behaupten. Auch f=FCr =
uns gilt im Rahmen unseres Auftrags:
<br>=84Legitimation durch Leistung!"
</li><li>Der =F6ffentlich-rechtliche Rundfunk hat eine gute Chance, auch in=
 der neuen Medienwelt einen weithin akzeptierten Part zu spielen, wenn er I=
ntegrit=E4t, Souver=E4nit=E4t, Professionalit=E4t und unbedingte Glaubw=FCr=
digkeit als selbstverst=E4ndliche Merkmale seiner Gemeinwohlorientierung ve=
rmitteln kann.
</li><li>Der =F6ffentlich-rechtliche Rundfunk beh=E4lt auch unter den versc=
hiedensten Szenarien die Aufgabe, die kulturelle Spaltung der Gesellschaft =
in Teilhabende und Ausgeschlossene zu verhindern. Damit dient er auch der w=
irtschaftlichen Leistungsf=E4higkeit dieses Landes.
</li><li>Der =F6ffentlich-rechtliche Rundfunk ist =FCber die Phase allgemei=
ner Besorgnis hinaus. Das ARD-Konzept =84Vernetzen statt Versparten" ist ge=
eignet, seinen Auftrag auch unter den neuen Verh=E4ltnissen zu erf=FCllen. =
Nur dieses Konzept macht bislang ernst mit der neuen technischen M=F6glichk=
eit des freien Zugangs zu relevanten und attraktiven Programmen.
</li><li>Der =F6ffentlich-rechtliche Rundfunk wird auch zuk=FCnftig der Anb=
ieter sein, der wichtige Angebote, die etwa dem gesellschaftlichen Diskurs =
oder der Integration von Gruppen und Minderheiten dienen, ungeachtet ihrer =
kommerziellen Verwertbarkeit macht.
</li><li>Wer von der technischen Konvergenz und von einer weitgehenden Dere=
gulierung erwartet, da=DF der Markt dies quasi nebenbei auch noch erledigt,=
 wird, da bin ich sicher, aufs Bitterste entt=E4uscht werden.
</li><li>Der =F6ffentlich-rechtliche Rundfunk erh=E4lt nicht zuletzt hochqu=
alifizierte Arbeitspl=E4tze und eine produktionelle Infrastruktur, die im E=
rgebnis auch unseren Konkurrenten n=FCtzen.
</li></ul>
<p>Ich finde, da=DF sind eine Menge guter Gr=FCnde, die f=FCr unsere Zukunf=
t sprechen. Wir wollen den =F6ffentlich-rechtlichen Rundfunk nicht von eine=
r hemmungslosen =D6konomisierung beerdigen lassen, denn von der Verbraucher=
seite sieht der Sargdeckel ziemlich trostlos aus.
<br>Sch=F6nen Dank.
<!-- START END -->
</p><hr>
<font size=3D"-2">
=A9 <a href=3D"mailto:wwwadm@www.fes.de">Friedrich Ebert Stiftung</a>
| <a href=3D"https://library.fes.de/fulltext/stabsabteilung/support.html">t=
echnical support</a> | net edition=20
<a href=3D"mailto:walter.wimmer@fes.de">fes-library</a> | M=E4rz 1999 =20
</font></td></tr></tbody></table>
<!-- END END -->

</body></html>
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