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Malaysia in der Asienkrise
 / Rolf Hanisch. - [Electronic ed.]. - Bonn, 2000. - 24 S. =3D 74 Kb, Text
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&lt;br&gt;Electronic ed.: Bonn : FES Library, 2001
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<tbody><tr>
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Malaysia in der Asienkrise
 / Rolf Hanisch. - [Electronic ed.]. - Bonn, 2000. - 24 S. =3D 74 Kb, Text
. - (FES-Analyse)
<br>Electronic ed.: Bonn : FES Library, 2001
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<br><br>
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=3D"INHALT"></center><br><br>
<!-- END BEGIN2 -->

<p>
</p><ul>
<ul>
<li>
<a href=3D"https://library.fes.de/fulltext/stabsabteilung/00908.htm#E283E1"=
>Die politische =D6konomie der Entwicklung vor der Krise</a>
</li><li>
<a href=3D"https://library.fes.de/fulltext/stabsabteilung/00908.htm#E283E2"=
>Die Asienkrise in Malaysia</a>
</li><li>
<a href=3D"https://library.fes.de/fulltext/stabsabteilung/00908.htm#E283E3"=
>Krise der Politik</a>
</li><li>
<a href=3D"https://library.fes.de/fulltext/stabsabteilung/00908.htm#E283E4"=
>Das Krisenmanagement</a></li></ul></ul>
<br><br>
<p><i>[Essentials]</i>

<table border=3D"1"><tbody><tr><td>
<ul>
<p></p><li><b>Die j=FCngste Asienkrise traf das Land kaum weniger heftig al=
s die anderen L=E4nder der Region. Dabei wurden Schwachstellen des bisherig=
en wirtschaftlichen Expansionskurses aufgedeckt und, wie in derartigen F=E4=
llen =FCblich, =FCbertrieben abgestraft. Das hei=DFt nicht, dass Malaysia d=
ie Krise selbst auch ausgel=F6st h=E4tte. Das Land wurde nicht Opfer einer =
Verschw=F6rung, sondern wurde "angesteckt". </b>
<p></p></li><li><b>Auch Malaysia konnte sich den realwirtschaftlichen Konse=
quenzen der Finanzkrise nicht entziehen. Firmenzusammenbr=FCche, Zahlungssc=
hwierigkeiten und Entlassungen sind auch hier zu verzeichnen. Die Realwirts=
chaft erlebte 1998 eine f=FChlbare Kontraktion. Seither scheint sie sich je=
doch wieder zu erholen.</b>
<p></p></li><li><b>Wie in Indonesien vermengte sich mit der Wirtschafts- ei=
ne politische Krise. Anders als dort kam es jedoch nicht zu chaotischen Zus=
t=E4nden, einer R=FCckkoppelung der politischen auf die wirtschaftliche Kri=
se und deren Verst=E4rkung oder zum R=FCcktritt des langj=E4hrigen Autokrat=
en. </b>
<p></p></li><li><b>Der Machtkampf zwischen dem alternden Premier Mahathir u=
nd seinem designierten Nachfolger und Stellvertreter Anwar Ibrahim wurde un=
ter tiefer Dem=FCtigung Anwars entschieden. Inhaltlich ging es um unterschi=
edliche Auffassungen beim Management der Finanz- und Wirtschaftskrise. W=E4=
hrend der Finanzminister eine "IWF-Politik ohne IWF" verfolgte, setzte der =
Premier auf ein mehr interventionistisches Krisenmanagement, durch das sich=
 Malaysia seit September 1998 von den =FCbrigen Krisenstaaten der Region un=
terscheidet. </b>
<p></p></li><li><b>Die Rezession hatte Konsequenzen: Der Einbruch der Inves=
titionen f=FChrte zur Schlie=DFung der Sparl=FCcke und zu einer positiven L=
eistungsbilanz und zur Aufstockung der Devisenreserven. Im Bankensektor sti=
egen die notleidenden Kredite, was zu einer gr=F6=DFeren Zur=FCckhaltung be=
i der Vergabe neuer Kredite f=FChrte. Gleichzeitig ging auch die Finanzieru=
ng =FCber den Kapitalmarkt deutlich zur=FCck. Beides hat die Liquidit=E4tse=
ngp=E4sse f=FCr die Unternehmen versch=E4rft. </b>
<p></p></li><li><b>Die Rezession hatte nat=FCrlich auch Einfluss auf die pe=
rs=F6nlichen Einkommen und den Arbeitsmarkt. Aus der Perspektive der Armen =
und der Armut im Lande sind die Effekte allerdings deutlich geringer als in=
 den Nachbarstaaten.</b>
<p></p></li><li><b>1999 brachte dann doch wieder ein Wirtschaftswachstum vo=
n =FCber 5 %, nach einem R=FCckgang von -7,5 % im Jahr davor. Wachstumsmoto=
r war wieder der Export (+ 10 %), der auch die Importe mit hochzog (+ 7%). =
Die Inflation befindet sich im Griff (+ 2,8 %), die Arbeitslosigkeit ist au=
f ihren niedrigen Stand vor der Krise zur=FCckgefallen (3,2 %). Die interna=
tionalen Devisenreserven (31 Mrd. $) sind betr=E4chtlich.</b>
</li></ul>
</td></tr></tbody></table>

</p><p>Malaysia wurde von der Asienkrise nicht verschont. Der Premierminist=
er sah sich, seine Entwicklungsvision und sein Land als Opfer einer =84west=
lich-j=FCdischen Verschw=F6rung" im allgemeinen und des =84ungarisch-j=FCdi=
schen US-Spekulanten" und Philantropen Georg Soros im besonderen. Es entspr=
icht nicht seinem Naturell, die Verschw=F6rungstheorie f=FCr sich zu behalt=
en. Jede =F6ffentliche =C4u=DFerung dieser Art f=FChrte zu einem weiteren S=
chw=E4cheanfall des malaysischen Ringgit. Der Einbruch des Ringgit sowie de=
r B=F6rse in Kuala Lumpur war schlie=DFlich kaum weniger gravierend als in =
den anderen betroffenen L=E4ndern der Region. Es wurden dabei Schwachstelle=
n des bisherigen wirtschaftlichen Expansionskurses aufgedeckt und, wie in d=
erartigen F=E4llen =FCblich, =FCbertrieben abgestraft.=20
</p><p><b>Das bedeutet allerdings nicht, dass Malaysia die Krise selbst auc=
h ausgel=F6st h=E4tte. Das Land wurde nicht Opfer einer Verschw=F6rung, son=
dern es wurde "angesteckt". Auch Malaysia konnte sich den realwirtschaftlic=
hen Konsequenzen der Finanzkrise nicht entziehen. Firmenzusammenbr=FCche, Z=
ahlungsschwierigkeiten und Entlassungen sind auch hier zu verzeichnen. Die =
Realwirtschaft erlebte 1998 eine f=FChlbare Kontraktion. Seither scheint si=
e sich jedoch wieder zu erholen.</b>
</p><p><b>Wie in Indonesien vermengte sich mit der Wirtschafts- eine politi=
sche Krise. Anders als beim s=FCdlichen Nachbarn f=FChrte sie jedoch nicht =
zu chaotischen Zust=E4nden, einer R=FCckkoppelung der politischen auf die w=
irtschaftliche Krise und deren Verst=E4rkung sowie zum R=FCcktritt des lang=
j=E4hrigen Autokraten.</b> Der Machtkampf zwischen dem alternden Premier un=
d dessen designierten Nachfolger und Stellvertreter wurde durch den erstere=
n, unter tiefer Dem=FCtigung des letzteren, f=FCr sich entschieden.
      <b>Inhaltlich ging es beim Machtkampf Mahathir - Anwar Ibrahim um unt=
erschiedliche Auffassungen beim Management der Finanz- und Wirtschaftskrise=
. W=E4hrend der Finanzminister eine "IWF-Politik ohne IWF" verfolgte, setzt=
e der Premier auf ein mehr interventionistisches Krisenmanagement, durch da=
s sich Malaysia seit September 1998 von den =FCbrigen Krisenstaaten der Reg=
ion unterscheidet.</b>=20
<a name=3D"E283E1"></a>
</p><h2><b>Die politische =D6konomie der Entwicklung vor der Krise</b></h2>
<p>Politik und =D6konomie in Malaysia werden gepr=E4gt durch den Dualismus =
zwischen den Malaien, die sich als bumiputeras ("S=F6hne der Erde", ca. 51 =
%, mit anderen 62 %) verstehen, und der Einwanderungsbev=F6lkerung (Chinese=
n 27 %, Inder 8 %), die meist im 19. Jahrhundert so zahlreich wie in keinem=
 anderen Fl=E4chenstaat in S=FCdostasien ins Land gekommen ist. W=E4hrend u=
rspr=FCnglich insbesondere die Chinesen die moderne urbane Wirtschaft sowie=
 den Rohstoffsektor - unterhalb der britischen Kolonialunternehmen - domini=
erten, die Malaien =FCberwiegend als Kleinbauern =F6konomisch sich eher mar=
ginalisiert hielten, vermochte die politische Elite der Malaien die Kommand=
oh=F6hen des Staates zu besetzen, allerdings nicht zu monopolisieren.=20
</p><p>Im Rahmen einer Westminsterdemokratie mit f=F6deralstaatlicher Verfa=
ssung bildeten sich politische Massenparteien - durchaus ungew=F6hnlich f=
=FCr S=FCdostasien - , unter denen sich diejenigen durchsetzten, die Mitgli=
eder und W=E4hler kommunalistisch anzusprechen vermochten.
      <b>Das Land wird seit Mitte der f=FCnfziger Jahre von einem B=FCndnis=
 im Kern derselben ethnischen Parteien (zun=E4chst drei, verbunden in der "=
Allianz") regiert, die sich in den 70er Jahren zahlenm=E4=DFig erweiterte (=
meist um 10-14 Parteien, organisiert in der "Barisan Nasional"). Die F=FChr=
ung hat die malaiische UMNO inne, deren Parteivorsitzender immer Premiermin=
ister ist.</b>=20
</p><p><b>Der Regierungskoalition stehen kommunalistische Oppositionspartei=
en gegen=FCber</b>, die die Benachteiligung bzw. unzureichende F=F6rderung =
ihrer Volksgruppe durch die Regierungskoalition thematisieren (m=FCssen), u=
m Anh=E4nger und W=E4hler zu finden. Sie sind damit auch einigerma=DFen erf=
olgreich in dem Sinne, dass sie in ihren Volksgruppen ein starkes Gegengewi=
cht zu der jewei-ligen Regierungspartei zu bilden verm=F6gen, mitunter viel=
leicht sogar eine (potentielle) Stimmenmehrheit in Einzelf=E4llen besitzen.=
 Die Programmatik macht die Oppositionsparteien jedoch nicht nur unterschei=
dbar von den Regierungsparteien, sondern zwangsl=E4ufig auch untereinander =
koalitionsunf=E4hig. Dieses Strukturproblem f=FCr die Oppositionsparteien w=
urde versch=E4rft durch die=20
    <b>weltweite Re-islamisierungswelle, die auch die Muslime in Malaysia n=
icht unber=FChrt lie=DF. Es bildeten sich zahlreiche muslimische Erweckungs=
- sowie Jugend- und Studentenbewegungen, die dem muslimischen Glauben und d=
en islamischen Gesetzen - auf unterschiedlich interpretierte Weise - mehr G=
eltung zu verschaffen versuchen. Bisher wurde der Islam von der malaiischen=
 politischen Elite mehr kulturell und identit=E4tsstiftend f=FCr die Malaie=
n praktiziert. Das galt gleicherma=DFen f=FCr beide gro=DFen malaiischen Pa=
rteien, sowohl f=FCr die UMNO als auch f=FCr die Pan-Malayan-Islamic Party =
(PMIP). Die letztere nahm jedoch die religi=F6sen Impulse auf. Eine radikal=
e muslimisch denkende F=FChrung vermochte sich durchzusetzen und die Priori=
t=E4ten umzudrehen (nun Religion vor Ethnizit=E4t). Dieser Richtungswechsel=
 fand seinen Niederschlag im neuen Namen der Partei: Parti Islam Se-Malaysi=
a (PAS). Die politisierte Ethnizit=E4t bekam deshalb f=FCr die praktische P=
olitik der PAS jedoch kaum ein geringeres Gewicht, da es nur wenige nicht-m=
alaiische Muslime im Lande gibt.</b>
</p><p>Die nun intensiver und radikaler vorgetragenen religi=F6sen Forderun=
gen mussten hingegen den Graben zur nicht-muslimischen Opposition weiter au=
frei=DFen. Durch sie setzte man allerdings auch die regierende UMNO unter Z=
ugzwang. Mit dem schnellen Aufstieg des Vorsitzenden einer bedeutenden mode=
raten muslimischen Jugendbewegung, Anwar Ibrahim, der es schlie=DFlich bis =
zum Stellvertreter und designierten Nachfolger bringen sollte, erhielt die =
Regierungspolitik auch eine islamische Komponente. Materiell wurden das Tem=
po und die Richtung der Modernisierungspolitik dadurch jedoch kaum ver=E4nd=
ert. Es handelte sich letztlich um wenig mehr als um eine symbolische Polit=
ik.
</p><p><b>Unter den Bedingungen des Mehrheitswahlrechts sowie den =E4u=DFer=
st unfairen Rahmenbedingungen f=FCr die politische Kommunikation vermochten=
 die Oppositionsparteien daher meist nicht einmal deutliche Zwei-Drittel-Me=
hrheiten (der Mandate) der Regierungskoalition zu verhindern.</b> Dies gela=
ng selbst nicht in den 90er Jahren, als die Oppositionsf=FChrungen zu losen=
 Parteib=FCndnissen (und jeweils meist einem Kandidaten je Wahlkreis) zusam=
menfanden. Ihre W=E4hler ratifizierten sehr h=E4ufig diese Absprachen nicht=
 und zogen den Kandidaten der Regierungskoalition vor.
</p><p><b>Mit den deutlichen parlamentarischen Mehrheiten verf=FCgt die Reg=
ierung =FCber einen sehr weiten Freiraum der politisch-institutionellen Ges=
taltungsm=F6glichkeiten, der auch von den eigenen Hinterb=E4nklern (bisher)=
 nicht eingeschr=E4nkt wurde und der namentlich von Premierminister Mahathi=
r zur Systemkonformierung und Zentralisierung der Macht genutzt wurde.</b>
</p><p><b>Seit Anfang der 70er Jahre sucht die Regierung durch eine affirma=
tive Politik ("New Economic Policy"), die Malaien auf Kosten der Chinesen u=
nd Inder zu f=F6rdern und in der modernen (urbanen) Wirtschaft zu etabliere=
n sowie die (absolute) Armut zu beseitigen.</b>
      <b>Malaien vermochten sich in allen Schichten, insbesondere in den gu=
t verdienenden Mittelschichten, mit Schwerpunkt allerdings im =F6ffentliche=
n Sektor, zu etablieren. Der malaiischen politischen Elite ist es ein beson=
deres Anliegen, einen Teil des modernen Produktivverm=F6gens unter malaiisc=
he Kontrolle zu bringen und eine malaiische Unternehmer- und Managerschicht=
 zu f=F6rdern. Man erzielte Erfolge. Die quantitativen Ziele wurden jedoch =
(bisher) nicht erreicht. Durch diese Politik musste man gewiss auch Qualit=
=E4tseinbu=DFen in Kauf nehmen, da "Quote" und nicht Qualifikation im Wettb=
ewerb ein wesentliches Auswahlkriterium wurde.</b> Die malaiische Kontrolle=
 =FCber einen Teil des modernen Produktivkapitals wurde nur m=F6glich durch=
 die Gr=FCndung zahlreicher Staats- und para-=F6ffentlicher Unternehmen, da=
runter u.a. auch von (UMNO-) Parteiunternehmen, sowie der gezielten F=F6rde=
rung von malaiischen crony-Unternehmern, deren oft unzureichenden Unternehm=
erqualit=E4ten selbst von Mahathir gelegentlich beklagt werden.=20
</p><p><b>Mahathirs st=FCrmisches Entwicklungsprogramm geriet Mitte der 80e=
r Jahre erstmals in eine Krise. Sie war z.T. hausgemacht (riskante Investit=
ionen in Schwer- und Grundstoffindustrien), andererseits traf sie alle L=E4=
nder der Region. Die Krise wurde =FCberwunden durch eine (weitere) Liberali=
sierung des Kapitalverkehrs, womit die Voraussetzungen f=FCr den Boom des k=
ommenden Jahrzehnts geschaffen wurden. In diesem Zusammenhang wurden auch v=
iele Staatsunternehmen privatisiert. Sie gingen nat=FCrlich nicht an die h=
=F6chsten Bieter, die f=E4higsten K=E4ufer, sondern an die politische Klien=
tel der UMNO-Faktionen.</b> Zyniker sprachen in diesem Zusammenhang von <i>=
piratisation</i>.=20
</p><p>Der Aufstieg dieser Renten-Kapitalisten trug seinerseits zu einer Tr=
ansformation der Parteipolitik der Regierungskoalition bei. In der UMNO wur=
den die Aristokratenfaktion (an der Spitze) und die Dorfschullehrer (in unt=
eren und mittleren Funktion=E4rsr=E4ngen) allm=E4hlich durch Unternehmer, R=
entenkapitalisten sowie Technokraten abgel=F6st und verdr=E4ngt. Diese setz=
en ihr Verm=F6gen auch zum Stimmenkauf in der Partei bei ihren Kandidaturen=
 f=FCr Vorstands- und Parlamentsmandate ein. Das ist nat=FCrlich verboten, =
wird auch bek=E4mpft (mit gelegentlichen Opfern), ist aber offenbar nicht a=
uszurotten. Fr=FCher wurden die Parteiarbeit und die Wahlk=E4mpfe durch chi=
nesische Unternehmer finanziert, die ihr Geld =FCber ihre Regierungspartei,=
 die MCA, leiteten. Nun vermag die UMNO ihre Arbeit direkt durch ihre Parte=
iunternehmen und durch verm=F6gende eigenen Mitglieder zu finanzieren. Chin=
esische Unternehmer, die Amtshilfe nachsuchen bzw. sich erkenntlich zeigen =
wollen, wenden sich nun nicht mehr an "ihre" Partei, die MCA, sondern gleic=
h direkt an die UMNO bzw. an UMNO-Minister. Die MCA verlor damit an funktio=
naler Bedeutung f=FCr die Regierungskoalition. Die UMNO wuchs damit von der=
 f=FChrenden Rolle, kaum wesentlich mehr als primus inter pares, in eine he=
gemoniale Stellung in der Regierungskoalition hinein, in der nun die Regier=
ungspolitik immer weniger ausgehandelt, sondern immer mehr allein von der U=
MNO diktiert wird.=20
</p><p>Dieser Prozess wurde durch den zupackenden und konfrontativen Politi=
kstil Mahathir Mohameds (seit 1981 an der Spitze) auf besondere Weise voran=
getrieben.
      <b>Wichtig ist jedoch, dass die affirmative Politik - die vielseitige=
 Diskriminierung der Chinesen zugunsten der Malaien - die Chinesen in ihrer=
 wirtschaftlichen Dynamik nicht wirklich behinderte. Es scheint eher, dass =
f=FCr diese statt dessen indirekt Anreize geschaffen wurden, durch gesteige=
rte Anstrengungen die eigene wirtschaftliche Position zu halten und auszuba=
uen. Das gelang ihnen jedenfalls eindrucksvoll.</b> Chinesische Unternehmer=
 und ausl=E4ndische Investoren, deren Anteil an den Gesamtinvestitionen, au=
=DFer in Singapur, in Asien nirgendwo so hoch ist, vermochten die wirtschaf=
tliche Entwicklung dynamisch voranzutreiben - mit einem Wachstum des BIP in=
 den 90er Jahren (bis 1997) von 8,7 % p.a. Der Schwerpunkt lag in der Expor=
tindustrialisierung. Schon das koloniale Malaya wies als Rohstoffexporteur =
die internationalisierteste =D6konomie in der Region auf. Dieses Strukturme=
rkmal wurde im Boom des letzten Jahrzehnts noch weiter vertieft.
      <b>Die (Waren-)Exporte und Importe n=E4hern sich jeweils etwa 80 % de=
s BSP, die Einfuhren und Ausfuhren an Waren und Dienstleistungen entspreche=
n in den letzten Jahren sogar jeweils etwa der H=F6he des BSP. Die Bedeutun=
g des Agrarsektors (1997: 12 % des BIP, 16 % der Besch=E4ftigten) sowie des=
 Bergbausektors (6,7 % bzw. 0,5 %) nahm deutlich zugunsten des verarbeitend=
en Sektors ab (35,7 % bzw. 27,5 %). Es gelang damit auch, die Armut drastis=
ch zu reduzieren und Vollbesch=E4ftigung zu erzielen. Die Knappheit an Arbe=
itskr=E4ften erzwang sogar die Besch=E4ftigung von (legalen und illegalen) =
Gastarbeitern aus den =E4rmeren Nachbarl=E4ndern, insbesondere in den unter=
produktiven und schlechter bezahlten T=E4tigkeiten im Plantagensektor und b=
eim Bau.</b>
<a name=3D"E283E2"></a>
</p><h2><b>Die Asienkrise in Malaysia</b></h2>
<p>Fr=FChwarnsignale f=FCr die Krise in Malaysia gab es eigentlich nicht. A=
llerdings hatte der Boom Ungleichgewichte erzeugt und die Internationalisie=
rung der =D6konomie weiter vorangetrieben und sie damit verwundbarer gemach=
t. Ob die "Unzul=E4nglichkeiten im Finanzsystem fr=FCher oder sp=E4ter" ihr=
en Tribut gekostet h=E4tten, muss dahin gestellt bleiben.=20
</p><p>Das extrem hohe Kreditwachstum im Lande sowie die Zusammensetzung de=
r Bankau=DFenst=E4nde mit dem Bias im Konsum und im Verm=F6genswertsektor m=
usste Sorgen bereiten. Hinzu kamen das hohe Leistungsbilanzdefizit und die =
Spar-Investitionsl=FCcke, die, bei sehr hoher Sparrate, aus dem Investition=
sboom resultierte. Sie ist kein Problem, wenn produktive Investitionen durc=
h ausl=E4ndisches Kapital solide finanziert werden k=F6nnen und eine absehb=
are Schlie=DFung der L=FCcke wahrscheinlich ist. Malaysia vermochte zwar sc=
hon immer umfangreiche ausl=E4ndische Direktinvestitionen mobilisieren und =
diese durch Aufnahme mittel- und langfristiger Kredite- und Anleihekapitals=
 zu erg=E4nzen, dennoch wurde zur Schlie=DFung der Bilanzl=FCcke auch zuneh=
mend kurzfristiges Kapital herangezogen. So weit die
      <b>Finanzierungsseite</b>.=20
</p><p>Auf der
      <b>Investitionsseite</b> zeigte sich gleichfalls ein bedenklicher Tre=
nd. Das Wachstum wurde zunehmend - nicht abnehmend! - durch Aufstockung des=
 Kapitals bzw. =FCberhaupt der "Inputs" (also auch der Arbeit), beides z.T.=
 in importierter Form, und nicht durch eine Verbesserung der Produktivit=E4=
t erzielt. Das Wachstum der Faktorproduktivit=E4t ("Total Factor Productivi=
ty": TFP) flachte sich seit 1988 kontinuierlich ab und war 1997 sogar negat=
iv. Der ICOR ("incremental capital-output ratio") nahm hingegen zu. Die Ver=
schlechterung der ICOR-Indikators kann (m=F6glicherweise) durch gr=F6=DFere=
 Investitionen in die Infrastruktur erkl=E4rt werden, die erst sp=E4ter ihr=
en Beitrag zum Wachstum leisten (k=F6nnen). Er kann aber auch signalisieren=
, dass das Kapital zunehmend weniger effizient investiert wird, in einem ge=
wissen Grade Ressourcen fehlgeleitet werden, was auch der sinkende TFP best=
=E4tigen w=FCrde.=20
</p><p><b>War der Ringgit vor der Krise =FCberbewertet?</b> Wie in den ande=
ren s=FCdostasiatischen L=E4ndern gleichfalls =FCblich, war der Ringgit an =
einen breiteren Warenkorb in einer gewissen Bandbreite gekoppelt, in der je=
doch (gleichfalls) der Dollar dominierte. Seit Mitte 1994 bis Mitte 1997 ga=
b es eine graduelle nominale Aufwertung des Ringgit durch Interventionen de=
r Zentralbank und durch die Aufwertung des Dollar gegen=FCber anderen wicht=
igen W=E4hrungen (Yen, DM). =D6konomen des Malaysian Institute of Economic =
Research sch=E4tzen, dass der Ringgit vor der Krise tats=E4chlich um 15 - 2=
0 % =FCberbewertet war.
</p><p>Die erfolgreiche Attacke gegen den Baht lenkte die Aufmerksamkeit au=
sl=E4ndischer und wohl auch (einiger) inl=E4ndischer Anleger auf die Stabil=
it=E4t des Ringgit. Es konnte dabei keine Rolle spielen, dass die Verh=E4lt=
nisse in Thailand deutlicher fragiler waren als in Malaysia zu diesem Zeitp=
unkt.
      <b>Im Drehbuch kurzfristig kalkulierender Finanzanleger ist kein Plat=
z f=FCr aufwendige Analysen, zumal die objektive Situation nur eine begrenz=
te Sicherheit bietet, wenn viele relevante Marktteilnehmer die Lage subjekt=
iv anders einsch=E4tzen. In volatilen Krisensituationen liberalisierter Fin=
anzm=E4rkte kann eine schnelle Reaktion das Gebot der Stunde sein, um den S=
chaden zu begrenzen. Man spricht von einem Herdentrieb der liquiden Anleger=
, die die Panik erfasst hat.</b>=20
</p><p><b>Auch aus Malaysia floss kurzfristig angelegtes und liquides Kapit=
al ab. Es handelte sich dabei selbstverst=E4ndlich nicht nur um ausl=E4ndis=
ches Kapital. Auch Malaysier suchten den Wert ihres Geldes zu erhalten, ind=
em sie dieses auf ausl=E4ndische Konten =FCberwiesen.</b>  Diese "chinesisc=
hen Million=E4re", die "den Profit vor den Patriotismus" setzen w=FCrden, s=
ollen 20 Mrd. RM au=DFer Landes gebracht haben. F=FCr den Vorsitzenden der =
UMNO-Jugend waren sie schlicht "Verr=E4ter". Umgekehrt war die freiwillige =
R=FCckf=FChrung von Auslandsverm=F6gen eher selten. Es gab allerdings noch =
andere Gr=FCnde als das fehlende Vertrauen in den Ringgit. Die Regierung wa=
r sich dessen auch bewusst. Rohstoffminister Dr. Lim Keng Yaik: Wer Geld zu=
r=FCckf=FChre, m=FCsse "Tonnen von Formbl=E4ttern" f=FCr die Zentralbank un=
d die Steuerbeh=F6rde ausf=FCllen, durch die sie "gequ=E4lt werden, die Her=
kunft des Geldes und wie sie dieses verdient h=E4tten, offenzulegen".=20
</p><p>Die Zentralbank suchte zun=E4chst durch Devisenk=E4ufe den Ringgit n=
och zu st=FCtzen, dann gab sie auf und lie=DF die W=E4hrung frei floaten. D=
er steile Fall endete erst bei 4,88 Rm/$ im Januar 1998, was einer Abwertun=
g von 48 % gegen=FCber dem Dollar entsprach. Danach erholte sich der Ringgi=
t jedoch wieder etwas, um im August 98 noch einmal bis auf 4,22 RM/$ zu st=
=FCrzen (- 40 % gegen=FCber Juni 97).=20
</p><p><b>Noch dramatischer war der Einbruch an der B=F6rse.</b> Bis Ende 1=
997 fiel der Index des Hauptmarktes um - 45 %, bis August 98 sogar um - 72 =
% (Indexstand Juni 97: 1.077; August 98: 302). Am h=E4rtesten hat es den zw=
eiten Markt und an der Hauptb=F6rse die Bumiputera-Unternehmen (- 55 %) noc=
h vor den chinesischen Unternehmen (- 52 %), mit deutlichem Abstand vor den=
 ausl=E4ndischen Unternehmen (- 36 %), getroffen. Damit verminderte sich de=
r Anteil der Bumiputeras an den Kapitalgesellschaften um - 2 % auf 27 % (Fe=
bruar 1998) und wird - aufgrund der geringeren Wachstumsaussichten dieser U=
nternehmen - noch weiter fallen.
      <b>Ausl=E4ndische Anleger, die die Talfahrt verschlafen hatten und in=
 Dollar rechneten, sahen also bis August 98 ihr Verm=F6gen um 83 % schrumpf=
en. Anschlie=DFend erholte sich die B=F6rse jedoch wieder. Im Januar 2000 w=
ar die Juni 97-B=F6rsenanlage in Dollar etwa wieder die H=E4lfte wert.</b>
</p><p><b>Auf die Realwirtschaft schlug die Krise erst 1998 durch. Als erst=
es brachen die Investitionen und insbesondere die Investitionsabsichten ein=
.</b> Das Volumen der Projektantr=E4ge f=FCr Industrieprojekte ging um - 19=
 % (1997) und noch einmal um - 45 % (1998) zur=FCck (1996: + 57 %). Der Pes=
simismus wurde in erster Linie von den malaysischen, deutlich weniger von d=
en ausl=E4ndischen Unternehmen getragen. Das Ministerium suchte diesem Tren=
d zu begegnen, indem es deutlich z=FCgiger und gro=DFz=FCgiger genehmigte. =
1998 lagen die Genehmigungen =FCber den in diesem Jahr beantragten Projekte=
n. Schlie=DFlich brach auch der Verbrauch ein. Der Verkauf von PKW st=FCrzt=
e um - 55 % ab (1998), der von Nutzfahrzeugen sogar um - 76 %. Der Bruttoum=
satz des Gro=DF- und Einzelhandels verminderte sich um - 31 % (1998). Insge=
samt verminderten sich die Investitionen 1998 um -44,9 % (private - 57,8 %,=
 =F6ffentliche - 10 %), der Verbrauch um - 10,3 %, die Importe um - 18,3 % =
und selbst die Exporte an Waren und Dienstleistungen konnten preisbereinigt=
 (in Dollar) nicht zulegen (- 0,7 %). Unter den Wirtschaftssektoren erlebte=
 der Bau einen Einbruch von einem Viertel, die Industrie von einem Zehntel =
ihrer Vorjahresproduktion. Das BIP schrumpfte um - 6,7 %.
</p><p><b>Die Rezession hatte drei Konsequenzen:</b>
</p><p><b>1. Der Einbruch der Investitionen f=FChrte nach langen Jahren wie=
der zur Schlie=DFung der Sparl=FCcke und zu einer positiven Leistungsbilanz=
 (1998: + 13,7 % des BSP) und zur Aufstockung der Devisenreserven.</b> Die =
Schlie=DFung der Sparl=FCcke erfolgte vor allem im privaten Sektor: W=E4hre=
nd die Sparrate noch einmal deutlich zulegte (+ 25 %), halbierte sich die B=
ruttokapitalbildung. Im =F6ffentlichen Sektor belie=DF man die Bruttokapita=
lbildung nominal auf dem Vorjahresniveau.
</p><p><b>2. Viele Unternehmen und Privatkunden konnten ihre Au=DFenst=E4nd=
e gegen=FCber den Banken nicht mehr bedienen.</b> Die Kredite, f=FCr die dr=
ei Monate keine Zinsen mehr gezahlt wurden (NPL), kletterten auf 85,7 MRD R=
M (Nov. 1998) oder von 3,7 % (1996) auf  14,9 % (Nov. 1998) aller ausstehen=
den Kredite. Dieser Anstieg war geringer als in der Krise Mitte der 80er Ja=
hre und in einigen Nachbarl=E4ndern. Er ist inzwischen auch wieder r=FCckl=
=E4ufig. Aufgrund der extensiven Kreditausweitung stellt sich die (potentie=
lle) volkswirtschaftliche Belastung doch etwas dramatischer dar: Ende 1998 =
entsprachen die NPL (3 Monate) 27,6% des BSP (6 Monate: 18,6 %). Ende 1997 =
waren es noch 9,1 %, Ende 1996 nur 5 % gewesen. Insgesamt brachen die Gewin=
ne der Banken - aufgrund der erh=F6hten R=FCckstellungen - schon in der zwe=
iten H=E4lfte 1997 ein. 1998 wies das gesamte Banksystem Verluste (- 2,2 Mr=
d. RM) auf. Sie entstanden im wesentlichen bei den Finanzgesellschaften und=
 den Handelsbanken. Wirklich in Bedr=E4ngnis gerieten jedoch nur zwei Banke=
n und eine Finanzgesellschaft. In Konsequenz der allgemein pessimisti-scher=
 eingesch=E4tzten wirtschaftlichen Situation legten praktisch alle Banken s=
ich bei der Vergabe von neuen Krediten gr=F6=DFere Zur=FCckhaltung auf. Gle=
ichzeitig ging auch die Finanzierung =FCber den Kapitalmarkt deutlich zur=
=FCck. Beides hat die Liquidit=E4tsengp=E4sse f=FCr die Unternehmen versch=
=E4rft.
</p><p><b>3. Die Rezession hatte nat=FCrlich auch Einfluss auf die pers=F6n=
lichen Einkommen und den Arbeitsmarkt. Aus der Perspektive der Armen und de=
r Armut im Lande sind die Effekte allerdings deutlich geringer als in den N=
achbarstaaten.</b> 1997 galten nur 6,8 % der Haushalte noch als arm. Es gab=
 Einkommensverluste, der Lohnzuwachs scheint aber immer noch =FCber der (in=
zwischen h=F6heren) Inflationsrate, bei vereinzelten nominalen K=FCrzungen,=
 zu liegen. Es gab Entlassungen, und Stellen wurden nicht wieder besetzt. D=
er binnenl=E4ndische Arbeitsmarkt wurde dadurch allerdings vorwiegend indir=
ekt durch relativen Lohndruck tangiert. Es traf vor allem die ausl=E4ndisch=
en Gastarbeiter, deren legal registrierte Zahl von 1,2 Mill. (1997) auf 0,7=
8 Mill. (1998) zur=FCckging - also etwa auf das Niveau von 1996. In Malaysi=
a herrscht seit 1991 Vollbesch=E4ftigung. Trotz des Anstiegs der Arbeitslos=
enrate von 2,5 % (1996) auf 3,9 % (1998) hat sich daran noch nichts ge=E4nd=
ert. Dabei muss angemerkt werden, dass die Arbeitslosenzahlen f=FCr Malaysi=
a wesentlich aussagekr=E4ftiger als f=FCr andere Entwicklungsl=E4nder mit h=
oher Agrar- und informeller Besch=E4ftigung sind, da=20
</p><p>dort das Problem mehr als Unterbesch=E4ftigung und in Form unterprod=
uktiver T=E4tigkeit in Erscheinung tritt als durch offene Arbeitslosigkeit.
<a name=3D"E283E3"></a>
</p><h2><b>Krise der Politik</b></h2>
<p><b>Der W=E4hrungs- und B=F6rsencrash in Malaysia stand in nichts dem Cra=
sh in Thailand nach. Den objektiven Schwierigkeiten beider L=E4nder entspra=
ch das gewiss nicht. Die Panik an den Finanzm=E4rkten der Region mag einen =
Teil dieses Umstandes erkl=E4ren. Ein weiterer verst=E4rkender Faktor f=FCr=
 Malaysia waren das =F6ffentliche Schwadronieren des Premierministers </b>u=
nd dessen Schuldzuweisungen f=FCr die Krise, die, zutreffend oder nicht, ka=
um zu einer Stabilisierung beitragen konnten. Ein Bankier spekulierte im Se=
ptember 1997, als der Ringgit schon um 20 % gefallen war, dass ohne diese R=
ederei die Abwertung vielleicht 10 - 12 % betragen h=E4tte.=20
</p><p>Dr. Mahathir sah sein Lebenswerk - Malaysia als entwickeltes Land im=
 Jahr 2020 - in Gefahr. Hausgemachte Gr=FCnde vermochte er nicht zu sehen. =
F=FCr ihn waren "die Spekulanten" im allgemeinen, der ungarische Jude und U=
S-B=FCrger Georg Soros im besonderen - wohl stellvertretend f=FCr eine "j=
=FCdische Konspiration" - verantwortlich f=FCr die Krise. Er gei=DFelte die=
 W=E4hrungsspekulation als "unn=F6tig, unproduktiv und unmoralisch, ... die=
 verboten werden m=FCsse". Von einer "geheimen Tagesordnung" ist die Rede, =
um die Bumiputeras wieder zu versklaven. Da eine direkte koloniale Kontroll=
e heute nicht mehr m=F6glich sei, w=FCrde der Westen durch die Kontrolle un=
d der Manipulation des W=E4hrungshandels einen =E4hnlichen Effekt erzielen.=
 Dadurch w=FCrde das "westliche Unbehagen" =FCber das rasante Wachstum Ost-=
Asiens =FCber so viele Jahre ausgedr=FCckt, da die Region drohe, ein ernsth=
after Rivale des Westens zu werden. "Kriegsschiffe sind heute nicht mehr no=
twendig. Durch den einfachen Prozess der Abwertung der W=E4hrung werden L=
=E4nder gezwungen, ihre Grenzen so weit gegen=FCber praktisch denselben M=
=E4chten zu =F6ffnen, die um 1900 China angegriffen haben". Es wurden die G=
lobalisierung, der freie Welthandel und die Deregulierung kritisiert, der I=
WF attackiert, ein asiatischer W=E4hrungsfonds, eine ASEAN-W=E4hrung, gefor=
dert.=20
</p><p>Bei allem teilweise nachvollziehbaren subjektiven Unverst=E4ndnis un=
d Unmut =FCber die unberechtigte Einbeziehung Malaysias in die Krise, ignor=
iert Mahathir doch, dass Malaysia bisher hervorragend von der Globalisierun=
g profitiert hatte und das eigentlich auch weiter zu tun gedenkt. Auch W=E4=
hrungsspekulationen galten bisher als nicht so anr=FCchig und unmoralisch, =
dass Malaysia sich nicht aktiv an diesen beteiligt h=E4tte. Mitte der 80er =
Jahre verlor die Zentralbank mehrere Mrd. Dollar bei einer derartigen Speku=
lation. Einige Jahre zuvor scheiterte ein =E4hnlicher Versuch desastr=F6s, =
den Warenterminmarkt f=FCr Zinn zu beeinflussen. Beides erfolgte w=E4hrend =
Mahathirs Amtszeit. Die Ausf=E4lle gegen Georg Soros und die Spinnereien um=
 die angeblichen Verschw=F6rungstheorien des Westens waren auch f=FCr die p=
olitischen Gegner Mahathirs im eigenen Lande nur der Versuch, von den eigen=
en Fehlern abzulenken, eine Ausflucht, um das eigene Handeln "nicht transpa=
renter machen zu m=FCssen".=20
</p><p><b>So legitim die Forderung nach einer institutionellen Reform der F=
inanzm=E4rkte und ihrer Regulierung ist - ob notwendig, berechtigt und mach=
bar, sei dahingestellt - die Art und Weise, wie diese Attacken vorgetragen =
wurden, die verbalen Entgleisungen, verunsicherten die Finanzm=E4rkte und f=
=FChrten zu immer weiteren Schw=E4cheanf=E4llen des Ringgit.</b> Dieser Zus=
ammenhang wurde auch von Mahathir nicht =FCbersehen. In einem Interview mit=
 einer australischen Zeitung erkl=E4rte er: "Es wurde gesagt, dass ich mein=
e Kritik abmildern w=FCrde. Das geschieht im wesentlichen aus Furcht. Es is=
t nicht l=E4nger m=F6glich, frei heraus zu sprechen und seine Meinung zu sa=
gen. Wenn Du die falschen Sachen sagst, wirst Du brutal durch Abwertung der=
 W=E4hrung bestraft, und deshalb ist es schwierig, sich zu =E4u=DFern. Wir =
haben gegenw=E4rtig keine Redefreiheit". Er hielt sich jedoch nicht an den =
selbst auferlegten Maulkorb. Eine Woche vor seinem Interview drohte ein Pol=
izeisprecher, "Ger=FCchtemachern", die die Krise versch=E4rfen w=FCrden, an=
, sie ohne Gerichtsverfahren zu inhaftieren. Das gleiche Schicksal - unter =
einem urspr=FCnglich von der Kolonialmacht erlassenen Gesetz, dem Internal =
Security Act (ISA) - war zuvor schon =F6rtlichen H=E4ndlern angedroht worde=
n, die "ausl=E4ndische Spekulanten" unterst=FCtzen w=FCrden.
</p><p><b>Finanzminister Anwar Ibrahim suchte diese Ausf=E4lle immer wieder=
 abzuschw=E4chen, den Schaden zu begrenzen. Die realwirtschaftliche Versch=
=E4rfung der Krise deckte zunehmend sachliche Differenzen zwischen dem Prem=
ier und seinem Stellvertreter im Krisenmanagement auf, die es in dieser For=
m fr=FCher nicht gegeben hatte.</b> Bis zur Krise war ihr Vertrauensverh=E4=
ltnis offenbar ungebrochen. Noch im Mai/Juni 1997 ernannte ihn Mahathir w=
=E4hrend einer zweimonatigen Abwesenheit zum amtierenden Premier und Partei=
vorsitzenden.=20
</p><p>Anwar hatte sich bei seinem rasanten Karriereaufstieg nat=FCrlich za=
hlreiche Feinde gemacht. Diese wagten zun=E4chst die offene Konfrontation n=
icht, sondern suchten, ihn durch eine Ger=FCchtekampagne in anonymen Briefe=
n pers=F6nlich zu diskreditieren. Auf dem Parteitag im Juli 1998 wurden die=
se als dickleibige Schrift "50 Gr=FCnde, warum Anwar nicht Premier werden s=
oll" allen Delegierten ins Fach gelegt. Hier wurde er mit einer wilden Mixt=
ur von Anschuldigungen belegt, die sp=E4ter z.T. gerichtlich gegen ihn aufg=
egriffen werden sollten: Ehebruch, Homosexualit=E4t, Korruption, Amtsmissbr=
auch - auch CIA-Agent und Landesverr=E4ter sollte er sein. Als diese Anschu=
ldigungen zuerst vorgebracht wurden, im Juni 1997, stellte sich Mahathir - =
nach einer Polizeiuntersuchung - noch vor Anwar. Nach gut einem Jahr diente=
n diese Diffamierungen zur
      <b>Legitimation des Sturzes von Anwar</b>. Was war geschehen?=20
</p><p>Genau wissen wir es nicht. M=F6glicherweise spielten Fehlperzeptione=
n der Hauptakteure =FCber ihre gegenseitigen Absichten eine Rolle. Die (199=
8) voranschreitende Wirtschaftskrise trieb die Ereignisse voran. Sie verurs=
achte m=F6glicherweise einen Legitimit=E4tsverlust f=FCr Mahathir und versc=
h=E4rfte die inhaltlichen Gegens=E4tze zwischen beiden f=FChrenden M=E4nner=
n. In Indonesien wurde Suharto im Mai 1998 gest=FCrzt, die Korruption und d=
ie Klientelwirtschaft seines Regimes thematisiert, der entmachtete Autokrat=
 f=FChlt sich dort durch seinen von ihm selbst designierten Nachfolger "ver=
raten", ein Liberalisierungs- und Demokratisierungsprozess wurde eingeleite=
t, der sich allerdings hart am Rande der Anarchie vollzieht.=20
</p><p>Wo der eine langj=E4hrige Autokrat fiel, wurde auch die Frage nach d=
em Verbleiben des anderen alternden Autokraten wieder aktuell., dr=E4ngten =
sich Parallelen zwischen den Rettungsaktionen f=FCr crony-Kapitalisten (auc=
h zugunsten eines Mahathir-Sohnes) diesseits und der Vetternwirtschaft jens=
eits der Stra=DFe von Malakka auf - auch wenn es in jeder Hinsicht qualitat=
ive Unterschiede gibt. W=E4hrend Mahathir in Kedah darauf beharrte, dass di=
e Ursachen der Krise eben nicht im Lande liegen w=FCrden, dass die Korrupti=
on "in Malaysia nicht so schlimm wie in einigen westlichen L=E4ndern" sei, =
rief Anwar in Sabah zur Beendigung von "Cronytum, Nepotismus und Korruption=
" auf und forderte "gr=F6=DFere Transparenz und Rechenschaftspflichtigkeit =
zur =DCberwindung der gegenw=E4rtigen Wirtschaftskrise", gleichg=FCltig,  o=
b die westlichen L=E4nder "sauber" seien oder nicht.
</p><p>Auf dem Parteitag der UMNO im Juli 1998 wurden diese Forderungen von=
 Jugendf=FChrern aus dem Umkreis Anwars (nicht von diesem selbst) vorgetrag=
en und von Mahathir mit einer detaillierten Liste pariert, mit der er zeigt=
e, dass auch Anwars Familie und Freunde zu den Beg=FCnstigten geh=F6ren. Es=
 ist m=F6glich, dass Mahathir sp=E4testens zu diesem Zeitpunkt zu der =DCbe=
rzeugung kam, dass Anwar ihn aus dem Amt zu dr=E4ngen versucht. Aufmerksame=
 Beobachter vermochten dennoch keine ernsthaften Anstrengungen des Anwar-La=
gers zu erkennen, eine =F6ffentliche Unterst=FCtzung zum Sturz Mahathirs zu=
 mobilisieren. Mahathir handelte nun hingegen entschlossen und konsequent. =
Schon im Januar 1998 hatte er Anwars Vorg=E4nger als Finanzminister, den in=
zwischen verm=F6genden Gesch=E4ftsmann Daim Zainudin als Exekutivdirektor  =
eines zur Formulierung einer Krisenstrategie neu gegr=FCndeten National Eco=
nomic Action Council (NEAC) wieder in die Politik geholt. Nach dem Parteita=
g stieg er wieder zum Minister auf, zun=E4chst f=FCr "besondere Aufgaben", =
bald nach dem Sturz Anwars wurde er wieder Finanzminister. Im Juli wurden z=
wei Anwar nahestehende Zeitungsherausgeber zum R=FCcktritt gezwungen. Im Au=
gust wurde ein gelegentlicher Tennispartner Anwars wegen angeblicher Homose=
xualit=E4t verhaftet. Am 22. August traten Anwars Vertraute, der Gouverneur=
 der Zentralbank und sein Stellvertreter, wegen "Meinungsverschiedenheiten"=
 mit dem Premier zur=FCck. Am 1. September werden Kapitalverkehrskontrollen=
 erlassen, am folgenden Tag wird Anwar als Minister entlassen und schlie=DF=
lich aus der UMNO ausgeschlossen. Im 40-k=F6pfigen Vorstand wagten (?) nur =
drei Mitglieder, f=FCr ihn zu sprechen. Anwar vermochte, bei breiter Sympat=
hie unter den Parteimitgliedern, nur die Stra=DFe zu mobilisieren. F=FCr di=
e Parteielite war es zu riskant, ihn zu unterst=FCtzen. Das deutet auch auf=
 die inzwischen noch intensiver gewordene Verquickung von politischen F=FCh=
rungspositionen und davon abh=E4ngigen wirtschaftlichen Interessen hin.
</p><p>Mahathir begr=FCndete den radikalen Schnitt gegen=FCber Anwar mit de=
ssen "moralischem Fehlverhalten" und offenbar auch, hinter verschlossenen T=
=FCren, wie der FEER wissen will, mit dem Argument, dass Anwar "das Land ve=
rkaufen" werde, wenn er Premier w=FCrde. Das w=E4re ein Nachhall auf die au=
sl=E4ndische Medienberichterstattung, die in Anwar einen Hoffnungstr=E4ger =
sah, der dem nicht gesch=E4tzten Mahathir m=F6glichst bald nachfolgen sollt=
e und m=FCsste. Obwohl die gelenkten Medien nun Anwars angebliches Sexualve=
rhalten extensiv ausbreiteten, wollte Mahathir sich mit der politischen Ent=
machtung seines (vermeintlichen?) Gegners zun=E4chst begn=FCgen. Die Schmut=
zkampagne erzielte jedoch nicht die beabsichtigte Wirkung. Sie zerst=F6rte =
nicht das Charisma Anwars, sondern widerte die pr=FCden Malaien eher an. Un=
d wurde zudem durch ein neues Medium konterkariert: Im Internet etablierten=
 sich Dutzende unzensierte Websites pro-Anwar und erreichten bald ein Milli=
onenpublikum. Anwar vermochte seine Anh=E4nger zun=E4chst in der Hauptstadt=
, dann in der Provinz f=FCr eine "Reformasi"-Bewegung zu mobilisieren. Erst=
 jetzt entschloss sich Mahathir, ihn verhaften zu lassen. Beabsichtigt war =
eine Internierung nach dem Internal Security Act (ISA), also ohne Gerichtsv=
erfahren und Freiwild auch f=FCr k=F6rperliche Misshandlungen, an denen sic=
h in diesem Fall der Polizeichef pers=F6nlich (!) beteiligte, wie sich dann=
 doch nicht verheimlichen lie=DF. Die Stra=DFendemonstrationen im Land sowi=
e insbesondere die internationalen Proteste gerade auch von hochrangigen Po=
litikern in der Region zwangen zur Er=F6ffnung von zwei, wie sich dann zeig=
en sollte, dubios verlaufenden Gerichtsverfahren gegen Anwar. Das erste (we=
gen Amtsmissbrauchs, Korruption) endete im April 1999 mit einem Schuldspruc=
h (6 Jahre Haft). Das zweite (wegen der Sexualvorw=FCrfe) begann anschlie=
=DFend und ist noch anh=E4ngig.
</p><p><b>Wichtiger als internationale Proteste war, dass die Reformasi-Bew=
egung ihre Massenproteste nicht zu verstetigen vermochte. Selbst auf ihrem =
H=F6hepunkt waren sie zwar einzigartig f=FCr Malaysia, wo selbst in normale=
n Zeiten im Wahlkampf Massenversammlungen unter freiem Himmel verboten sind=
, sie vermochten aber nie die Dynamik und den Anhang zu erzielen wie bei =
=E4hnlichen Gelegenheiten Oppositionsbewegungen in Manila, Bangkok und Djak=
arta. Programmatisch gelang es auch nicht, =FCber konkrete rechtsstaatliche=
 Forderungen hinaus, eine gemeinsame Plattform zu entwickeln.</b> Der Anwar=
-Fl=FCgel konstituierte sich im April 1999 als Partei ("Keadilan"). Die eig=
entlich unpolitische Ehefrau Anwars wurde Vorsitzende, Chandra Muzzaffar ih=
r Vize. Nach Eigenangaben soll sie 200.000 Mitglieder organisiert haben. Di=
e PAS will =FCber 700.000 Mitglieder verf=FCgen, die UMNO beansprucht 2,7 M=
ill. Mitglieder. Diese Eigenangaben sind mit Vorsicht zu verwenden: Ihre Ge=
samtzahl entspricht etwa allen malaiischen W=E4hlern. Zusammen mit der isla=
mischen PAS und der (chinesischen) DAP gelang es wieder, ein loses B=FCndni=
s (Barisan Alternatif) zu schmieden, das jeweils nur mit einem Kandidaten g=
egen die Kandidaten der regierenden Barisan Nasional (BN) in den Einmannwah=
lkreisen antreten sollte.=20
</p><p>Die Krise vermochte Mahathir dennoch zun=E4chst unter Kontrolle zu b=
ringen, entschieden konnte sie nur in Wahlen werden. Diese werden in Malays=
ia zwar frei, aber sehr unfair durchgef=FChrt. Das Mehrheitswahlrecht pr=E4=
miert den Gewinner. Der erste Wahltest fand im M=E4rz 1999 im Bundesstaat S=
abah statt, dessen Verh=E4ltnisse jedoch durch =F6rtliche Konfliktlinien st=
ark gepr=E4gt sind. Die westmalaysischen Oppositionsparteien sind hier nich=
t vertreten. Die =F6rtliche Opposition trat gespalten an und verlor gegen d=
ie BN, die ihren Stimmenanteil halten (ca. 46 %) und dennoch deutlich mehr =
Mandate gewinnen konnte. Sie soll sich dazu der =FCblichen Wahlkreismanipul=
ationen sowie des Stimmenkaufs und m=F6glicherweise auch etlicher "Phantomw=
=E4hlern" bedient haben. Die Machtfrage blieb im Bund damit weiter offen.=
=20
</p><p>Es ist das Privileg des Premierministers, die Wahlen kurzfristig fes=
tzusetzen und den Wahlkampf zu beschr=E4nken (wie dieses Mal auf kaum mehr =
als eine Woche).
      <b>Die wirtschaftliche Erholung im Verlauf des Jahres 1999 veranlasst=
e Mahathir am 10. November 1999, die Wahlen f=FCr den 29. November anzusetz=
en. Der Stimmenanteil der BN brach zwar von den au=DFergew=F6hnlich hohen 6=
5 % (1995) auf 51 % ein. Sie landete damit wieder auf dem Niveau von 1990, =
als sie gleichfalls durch eine vereinigte Opposition mit UMNO-Dissidenten h=
erausgefordert wurde. Sie eroberte jedoch 77 % der Mandate (1995: 84 %, 199=
0: 71 %) und verf=FCgt damit weiter =FCber eine komfortable verfassungs=E4n=
dernde 2/3-Mehrheit, die dem Regierungschef bisher praktisch eine nahezu vo=
llst=E4ndige politische Handlungsfreiheit gegeben hatte. Damit war die Mach=
tfrage vorerst entschieden. </b>
</p><p><b>Allerdings haben die Wahlen doch einige Ergebnisse gebracht, die =
die Politikgestaltung f=FCr den Premierminister in Zukunft erheblich erschw=
eren werden.</b> Der (nach W=E4hlerstimmen) knappe Wahlsieg der BN war nur =
m=F6glich, weil es ihr gelang, die chinesischen und indischen W=E4hler st=
=E4rker zu binden, w=E4hrend ein beachtlicher Teil ihrer malaiischen W=E4hl=
er offenbar abwanderte. Dadurch schrumpfte der Mandatsanteil der UMNO im Pa=
rlament von 49 % auf 37 % der Sitze, und ihre nicht-malaiischen B=FCndnispa=
rtner stellen nun sogar mehr Abgeordnete in der Koalition. Die UMNO verlor =
in erster Linie ihre traditional-l=E4ndlichen W=E4hler in den eindeutig mal=
aiisch dominierten Wahlkreisen. In den urbanen, ethnisch eher gemischten Wa=
hlkreisen mit einer ausdifferenzierten modernen Sozialstruktur schnitt sie =
hingegen noch ganz passabel ab. Mit anderen Worten:
      <b>Die prosperierenden malaiischen Mittelschichten, obwohl verschiede=
ntlich =FCber die Behandlung Anwars emp=F6rt, erinnerten sich doch in einem=
 ausreichenden Ma=DFe daran, dass sie ihren Aufstieg im Staatssektor und im=
 staatlich vermittelten Sektor der UMNO verdanken. F=FCr die chinesische Mi=
ttelschicht ist eine alternative Regierungskoalition unter Einschluss der P=
AS sehr schwer zu vermitteln. Sie ist in kultureller und wirtschaftspolitis=
cher Hinsicht f=FCr sie nicht plausibel und zu riskant und - wenn sie an di=
e j=FCngsten Pogrome in Indonesien denkt, die Mahathir in seinen Wahlkampf =
geschickt thematisierte - zu gef=E4hrlich. Die relativen (nicht absoluten!)=
 Modernisierungsverlierer auf dem Lande w=E4hlten die islamistische PAS, di=
e damit zur dominierenden Kraft im Oppositionslager aufstieg.</b> Die PAS r=
undete ihren Erfolg durch Mehrheiten in zwei Landesparlamenten ab, in dem e=
inen regiert sie seit 1990.=20
</p><p>Damit ergibt sich folgende komplizierte politische Konstellation: Da=
s nicht-malaiische (chinesische) Element wurde in der Regierungskoalition g=
est=E4rkt. Die UMNO m=FCsste ihre bisherige hegemoniale Position damit eige=
ntlich verlieren. In der Opposition haben umgekehrt die Nicht-Malaien an Be=
deutung verloren und werden sogar durch eine islamistisch-traditionale mala=
iische Partei relativ marginalisiert.
      <b>Das Regieren wird dadurch nicht leichter f=FCr den malaiischen Pre=
mier, der seine ethnischen W=E4hler wieder zur=FCckgewinnen will (und muss)=
 und nun zu einem verst=E4rkten Interessenausgleich mit seinen chinesischen=
 Koalitionspartnern gezwungen sein wird.</b> Hilfreich w=E4re gewiss die Wi=
ederkehr des Wirtschaftsbooms der vergangenen Jahre, der erweiterte Verteil=
ungsspielr=E4ume erm=F6glicht, mit denen ein Interessenausgleich leichter v=
orgenommen werden kann.
<a name=3D"E283E4"></a>
</p><h2><b>Das Krisenmanagement</b></h2>
<p><b>Wenn man den Markt nicht abschaffen will, gilt die =DCberwindung der =
Vertrauenskrise der relevanten Marktteilnehmer als die notwendige Vorausset=
zung f=FCr einen erneuten Aufschwung in einer W=E4hrungs-, B=F6rsen- und Wi=
rtschaftskrise. Auch in Malaysia stand ein radikaler Paradigmenwechsel - Ab=
schaffung des Marktes - nicht zur Diskussion.</b> Angesichts der weitgehend=
en Internationalisierung der =D6konomie und der Bedeutung ausl=E4ndischer U=
nternehmen als Investoren f=FCr die Kapitalbildung insbesondere in der Indu=
strie- und Industrieexportproduktion dachte keiner der relevanten Entscheid=
ungstr=E4ger in diese Richtung.=20
</p><p><b>Es ging also allein um die schwierige Frage, wie man Vertrauen wi=
eder herstellt, gegebenenfalls, ob man selektiv den Marktmechanismus aussch=
altet, um bestimmtes unerw=FCnschtes Handeln der Akteure zu verhindern bzw.=
 zu erschweren.</b> Dem Staat und dem staatlichen Handeln wird allgemein gr=
o=DFe Bedeutung bei der angemessenen Gestaltung der Rahmenbedingungen zugem=
essen: durch seine Steuer-, Infrastruktur-, Geld- und Ordnungspolitik, durc=
h die Effizienz seiner Regulierungspolitik, durch seine Subventionspolitik =
und soziale Sicherungspolitik. Auch als Nachfrager nach Waren und Dienstlei=
stungen sowie (m=F6glicherweise) nach Krediten und nach Kapital sowie als I=
nvestor tritt er in Erscheinung. Es gibt hier nat=FCrlich Spannungsverh=E4l=
tnisse und auch Nullsummenspiele zwischen absoluten bzw. relativen Nutznie=
=DFern und Verlierern der jeweiligen Politik, auch ist unbekanntes Terrain =
zu betreten, da die subjektiven Erwartungen und Perzeptionen der Akteure si=
ch durchaus nicht mit den objektiven Bedingungen und Angeboten in Einklang =
befinden m=FCssen. In diesem Zusammenhang werden immer wieder Glaubw=FCrdig=
keit, Kompetenz und Verl=E4sslichkeit, aber auch flexibles/lernf=E4higes Ve=
rhalten der Regierung gefordert.
</p><p><b>In diesem Sinne k=F6nnen die von Mahathir vorgetragenen Verschw=
=F6rungstheorien auch als Versuch verstanden werden, die eigene wirtschafts=
politische Kompetenz durch nationalistische Appelle vor dem heimischen Publ=
ikum abzusichern. Die geforderte "nationale Integration" konnte sich nat=FC=
rlich nur hinter der Regierung und hinter dem Regierungschef vollziehen. </=
b>Einen =E4hnlichen Zweck verfolgte man wohl auch durch die "Kauf malaysisc=
he Produkte"-Kampagne oder als man zu einer wenig erfolgreichen Spendenkamp=
agne zur Stabilisierung der Devisenreserven und durch Anlage von Aktien zur=
 Stabilisierung der B=F6rse aufrief.=20
</p><p>Im Finanzministerium wurde versucht, durch sch=F6ngerechnete Prognos=
en f=FCr die Entwicklung der Realwirtschaft Optimismus auszustrahlen. Bei d=
er Verabschiedung des Haushalts f=FCr 1998 im Oktober 1997 ging man noch vo=
n einem stattlichen Wachstum von 7 % f=FCr 1998 aus, das war kaum ein Proze=
nt weniger als man 1997 erreichen sollte. Diese Annahme wurde sp=E4ter wied=
erholt nach unten korrigiert, in die N=E4he des tats=E4chlichen Einbruchs v=
on etwa - 7,5% kam man jedoch nie.=20
</p><p>Die immaterielle Integrationsleistung durch die Kampagnen d=FCrfte g=
leichfalls begrenzt geblieben sein. In jedem Fall wurde sie materiell konte=
rkariert durch das Verhalten der relevanten ausl=E4ndischen und wohl auch i=
nl=E4ndischen Akteure sowie durch die immer deutlicher zutage tretende Span=
nung zwischen dem Premier und seinem Stellvertreter, die in die Entlassungs=
- und Prozesskrise m=FCndete. Nicht viel erfolgreicher war man ganz zu Begi=
nn der Krise mit dem Versuch, den B=F6rsencrash durch das nach einer Woche =
wieder aufgehobene Verbot von Leerverk=E4ufen u.a. Restriktionen aufzuhalte=
n. Eine Stabilisierung der B=F6rse gelang auch nicht durch die Ank=FCndigun=
g Anfang September 97, mit Mitteln der staatlichen Sozialversicherung (EPF)=
 Aktien von malaysischen Unternehmen kaufen zu wollen. Die Anleger nutzten =
die Gelegenheit nur, um noch halbwegs ungeschoren Aktien absto=DFen zu k=F6=
nnen. Vertrauen in die Marktentwicklung hatten sie offenbar trotz dieser ni=
cht unproblematischen Intervention nicht. Letztlich litten unter dem B=F6rs=
encrash die Bumiputera-Unternehmen am meisten, und auch realwirtschaftlich =
d=FCrften sie als =FCberwiegend binnen-orientierte Crony-Unternehmen die gr=
=F6=DFten Schwierigkeiten haben. Der Staat versuchte, einige Unternehmen zu=
 unterst=FCtzen. Darunter befand sich das Unternehmenskonglomerat von Mirza=
 Mahathir, eines Sohnes des Premierministers, sowie der Konzern Renong, fak=
tisch im Besitz der UMNO, der sich durch die Emission der bisher gr=F6=DFte=
n Anleihe im Lande (8,4 Mrd. RM =3D 2,2 Mrd. $) rekapitalisierte, die in er=
ster Linie durch Staatsunternehmen gezeichnet wurde. Nach dem Sturz Anwars =
drohte dessen Anh=E4ngern und G=FCnstlingen im Unternehmerlager der Verlust=
 der staatlichen F=F6rderung und Verg=FCnstigungen.
      <b>Von einer geschlossenen staatlichen Politik konnte weithin nicht g=
esprochen werden.</b>=20
</p><p><b>Eine umstrittene Frage ist die Rolle des Staatshaushaltes und die=
 Zinspolitik in der Krise. </b>Die Rezession lie=DF eine Absenkung der Steu=
ereinnahmen erwarten. Sollte der Staat seine Ausgaben gleichfalls k=FCrzen,=
 um Defizite zu vermeiden und die Solidit=E4t seiner Finanzpolitik als vert=
rauensbildende Ma=DFnahme unter Beweis zu stellen? Oder sollte er eine keyn=
esianische Ausgabenpolitik betreiben, den Ausfall der privaten durch =F6ffe=
ntliche Nachfrage ersetzen, um den Unternehmen =FCber die Krise zu helfen? =
Sollte der internationale Kapitalverkehr offen gehalten werden, um ausl=E4n=
disches Anlagekapital nicht zu verschrecken, sollten die Zinsen im Lande ho=
ch gehalten werden, um kurzfristiges Kapital zu binden?
</p><p>Unter dem Einfluss des IWF setzten die Nachbarl=E4nder auf eine kons=
ervative Haushaltspolitik, offene Kapitalverkehrspolitik und hohe Zinsen. M=
alaysia brauchte den IWF nicht zu Hilfe zu rufen, da es keine Zahlungsbilan=
zhilfen ben=F6tigte. Kuala Lumpur beteiligte sich hingegen selbst an den Un=
terst=FCtzungsaktionen f=FCr Thailand und Indonesien (mit zusammen 3 Mrd. $=
).
      <b>Unter dem Einfluss Anwars betrieb die Regierung zun=E4chst dennoch=
 eine konservative Fiskalpolitik.</b> Zun=E4chst wurden einige kontroverse =
Gro=DFprojekte suspendiert, dann vorl=E4ufig ganz aufgegeben. Der im Oktobe=
r 1997 verabschiedete Haushalt f=FCr 1998 sah eine geringe Erh=F6hung der I=
mportsteuern, Entlastungen bei den Unternehmenssteuern und einen moderaten =
Zuwachs von 1,9 % vor. Zwei Monate sp=E4ter kam es jedoch zu drastischen Ei=
nschnitten: Der Finanzminister verordnete linear eine K=FCrzung von 10 %, w=
eitere 8 % sollten alle Ministerien und Beh=F6rden in eigener Entscheidung =
einsparen.
</p><p><b>Schon ab M=E4rz 1998 wurde das Steuer jedoch wieder herumgerissen=
 und zus=E4tzliche Ausgaben im sozialen Sicherungs- und im Infrastrukturber=
eich beschlossen, "um die Binnennachfrage als Hauptmotor des Wachstums zu s=
timulieren".</b> Bei einem R=FCckgang der Staatseinnahmen um 14 % (1998) un=
d einem eingefrorenen laufenden Haushalt wurde der Entwicklungshaushalt um =
15 % ausgeweitet. Das ergab erstmals wieder (seit 1992) ein fiskalisches De=
fizit von 1,9 % des BSP. Es w=E4re noch um 3% des BSP h=F6her gewesen, wenn=
 nicht entsprechende Verm=F6genswerte aufgel=F6st worden w=E4ren. Interessa=
nt sind die Umschichtungen, die im Entwicklungshaushalt vorgenommen wurden:=
 Der Anteil der Verteidigung - vornehmlich wohl importierte Waffen - wurde =
drastisch reduziert, von 14,7 % (1997) auf 7,6 % (1998) des Entwicklungshau=
shaltes. Auch f=FCr den Bereich Transport und Landwirtschaft wurden die Aus=
gaben absolut und relativ gesenkt - zugunsten der Investitionen im Industri=
e- und Handelsbereich, der Gesundheit, dem Wohnungsbau sowie den =F6ffentli=
chen Versorgungsunternehmen.
</p><p>Der erste nach-Anwar-Haushalt, im Oktober 1998 vom (vor=FCbergehende=
n) Finanzminister Mahathir verk=FCndet, setzte die Defizitfinanzierung, bei=
 einem weiteren erwarteten R=FCckgang der Einnahmen von 11 %, noch massiver=
 fort: Geplant wurde mit einem Haushaltsdefizit, das 6 % des BSP entspreche=
n sollte. Um keinen Druck auf die Zinsen auszu=FCben und damit private Nach=
frager auf dem Kreditmarkt zu verdr=E4ngen, suchte man, den Fehlbetrag in e=
rster Linie durch Anleihen im Inland sowie (begrenzt) durch Kreditaufnahme =
im Ausland zu finanzieren.
</p><p>Auch die Anwarsche Politik unterschied sich in einem wesentlichen Pu=
nkt von der "IWF-Medizin": Die Zinsen wurden nicht heraufgesetzt. Auch von =
einer Restrukturierung des Bankensystems war zun=E4chst noch nicht die Rede=
. 1997 hielt der ungehemmte Kreditboom noch unvermindert an, als ob man das=
 Wetterleuchten nicht sehen wollte. Die Kredite des Bankensystems an den pr=
ivaten Sektor legten noch einmal um 26,7 % zu, erst 1998 suchte man, die Kr=
editausweitung auf 20 % (bis M=E4rz 1998) und 15 % (Ende 1998), f=FCr einig=
e Banken sogar nur auf 7,5 %, zu begrenzen. Tats=E4chlich gingen die Auslei=
hungen vom Februar bis September 1998 sogar zur=FCck. Auch viele malaysisch=
e Unternehmen hatten nun einerseits Liquidit=E4tsprobleme, andererseits auc=
h gr=F6=DFere Schwierigkeiten, bei sinkenden Margen die nun steigenden Zins=
en zu verkraften. Ihre Schwierigkeiten, die Altschulden zu bedienen, zog au=
ch die Banken in Mitleidenschaft. Durch die ansteigenden NPL wurden die Ban=
ken allgemein vorsichtiger bei ihren Neukrediten. Insbesondere kleinere Ban=
ken erlebten einen Depositenabzug, die auf ausl=E4ndische und gro=DFe einhe=
imische Banken verlagert wurden, und fielen als Mittler f=FCr eine =F6rtlic=
he Kundschaft zunehmend aus.
</p><p><b>Man steuerte nun wieder in die andere Richtung </b>und hoffte auf=
 ein Kreditwachstum von + 8 % in diesem Jahr. Es wurden dann tats=E4chlich =
magere + 1,3 % - dank der wieder anziehenden Gesch=E4ftst=E4tigkeit im letz=
ten Quartal 1998. Schon im Januar 1998 richtete man einen Fonds von sp=E4te=
r dann 1,5 Mrd. RM ein, der kleine und mittlere Betriebe zu relativ g=FCnst=
igen Zinsen bedienen sollte. Im Mai stellte man 2 Mrd. RM f=FCr den einfach=
en und mittleren Wohnungsbau zur Verf=FCgung. Die Nachfrage suchte man zu s=
timulieren, indem man seit September 98 die Bedingungen f=FCr Verbraucherkr=
edite und Wohnungsbau, den Kauf von Personenkraftwagen und sogar von Aktien=
 wieder lockerte. Man erlaubte eine drastische, wenn auch schrittweise voll=
zogene Absenkung der Mindestreserven der Verbindlichkeiten des Banksystems =
von 13,5 % auf schlie=DFlich 4 % (September 1998), um einen Beitrag zur Kos=
tensenkung und zur Erh=F6hung der Liquidit=E4t des Bankensystems zu leisten=
.
</p><p>Die notleidenden Kredite nahmen indessen zu, hinterlie=DFen auch ihr=
e Spuren in den Bilanzen der Banken und beeinflussten deren Risikobereitsch=
aft bei Neuausleihungen. Der Vorsteuergewinn des Bankensystems belief sich =
1997 noch auf 7,9 Mrd. RM, aufgrund der hohen R=FCckstellungen wurde 1998 e=
in Verlust =FCber 2,3 Mrd. RM ausgewiesen. Der Fehlbetrag ging in erster Li=
nie auf das Konto von zwei Banken und einer Finanzgesellschaft, die von der=
 Zentralbank "vorsorglich" =FCbernommen wurden, "um das Management zu st=E4=
rken". Alle =FCbrigen Institute wiesen immer noch einen mageren Gewinn =FCb=
er + 0,793 Mrd. RM aus.=20
</p><p><b>Zur Rekapitalisierung und zur Erh=F6hung der Liquidit=E4t wurden =
staatliche Unternehmen eingerichtet.</b> Eine Verm=F6gensverwertungsgesells=
chaft ("Danaharta") sollte einen Teil der NPL den Banken zu Marktpreisen ab=
kaufen und diese dann effizient rehabilitieren, restrukturieren und schlie=
=DFlich wieder verkaufen. Bis Ende 1998 =FCbernahm Danaharta etwa 20 % alle=
r NPL (zusammen 21,7 Mrd. RM) - meist zu 60 % des Nennwertes. Es ist nicht =
bekannt, ob und zu welchen Bedingungen diese Verm=F6genswerte verkauft werd=
en konnten. "Danamodel" wurde gegr=FCndet, um den Banken Kapital zu kommerz=
iellen Bedingungen zuzuf=FChren. Bis zum Januar 1999 wurden 6,15 Mrd. RM in=
 zehn Banken und Finanzgesellschaften gepumpt. In sieben der unterst=FCtzte=
n Finanzorganisationen wurden diese Kredite in Kapitalanteile umgewandelt u=
nd das F=FChrungspersonal ausgetauscht. Bis August 1999 beliefen sich die K=
osten der =FCbernommenen NPL und der Kapitalspritzen auf stattliche 60 Mrd.=
 RM (15,8 Mrd. $) f=FCr die Regierung.
</p><p><b>Schon seit Ende der 80er Jahre versucht die Zentralbank, Druck au=
f den Finanzsektor auszu=FCben, sich in gr=F6=DFeren Einheiten zusammenzusc=
hlie=DFen. Man ist der Auffassung, dass das kleine Land mit 55 Instituten =
=FCber zu viele (kleine) Finanzorganisationen verf=FCgt. Dieses fragmentier=
te Finanzsystem w=FCrde Krisen schwer verarbeiten und dem internationalen W=
ettbewerb (ab 2003) kaum standhalten k=F6nnen. Die Krise hat die Dringlichk=
eit der Bildung gr=F6=DFerer Finanzeinheiten noch einmal unterstrichen, obw=
ohl zwei Drittel der staatlichen Hilfen von zwei gro=DFen Banken in Anspruc=
h genommen wurden und viele kleine Banken die Krise recht gut zu meistern v=
erstanden.</b> 1998 schlossen sich zwei Banken, 1999 zwei weitere zusammen,=
 die damit die zweit- und drittgr=F6=DFte Bank im Lande formierten.
</p><p>Seit Anfang 1998 forderte die Zentralbank die Gesch=E4ftsbanken, Fin=
anzgesellschaften und Handelsbanken auf, sich in zun=E4chst sechzehn (bis M=
=E4rz 1999), dann sechs Einheiten (im Juli 1999) zusammenzuschlie=DFen. Die=
se sollten sich um sechs von der Zentralbank benannte "Anker-Banken" gruppi=
eren. Der Widerstand der betroffenen Banken war erheblich und f=FChrte bis =
heute immer wieder zu einem Aufschub des Zusammenschlusses. Es irritierte d=
ie mangelnde Transparenz der Entscheidung der Zentralbank. Erfolgreiche chi=
nesische Bankiers sahen sich ihrer Selbst=E4ndigkeit beraubt und z.T. unter=
 Bumiputera-Kontrolle gestellt. Vermutete Anwar-Klienten wurden als Hauptop=
fer ausgemacht. In einem Fall sollte eine Daim-nahe kleine Bank z.T. bis um=
 das Achtfache gr=F6=DFere Banken schlucken. In der Krise erfolgreiche und =
regional verankerte Nischenbanken sollten ihre Selbst=E4ndigkeit und Identi=
t=E4t verlieren. Schlie=DFlich wurde die Bef=FCrchtung artikuliert, dass di=
e so strukturierten und politisierten Gro=DFbanken besonders anf=E4llig f=
=FCr politische Pressionen sein w=FCrden, Ausleihungen f=FCr (staatliche) G=
ro=DFprojekte vorzunehmen, die nicht unbedingt als kommerziell tragf=E4hig =
gelten m=FCssen.
      <b>Die ganze =DCbung einer intransparenten Zwangskonsolidierung des B=
ankensystems durch die Zentralbank wirkte nicht eben als vertrauensbildende=
 Ma=DFnahme f=FCr ein reformiertes Finanzsystem.</b> Mahathir machte zuerst=
 einen R=FCckzieher und desavourierte damit seine Zentralbankf=FChrung und =
auch seinen Finanzminister und Freund, der als Architekt des ganzen Plans g=
alt. Er kannte ja den von ihm noch zu verk=FCndenden nahen Wahltermin und w=
ollte nicht auch noch chinesische W=E4hler vergraulen. Bis Ende September 1=
999 sollten die Finanzorganisationen Vorvertr=E4ge mit den sechs designiert=
en Anker-Banken abschlie=DFen. Sie taten es wieder nicht. Nun wurde ihnen f=
reigestellt, ihre eigenen Vorstellungen =FCber Zusammenschl=FCsse der Zentr=
albank bis Ende Januar 2000 vorzutragen. Es wurde jetzt nur noch ein Eigenk=
apital von mindestens 2 Mrd. RM (526 Mill. $) gefordert. Vier Banken reicht=
en schon Ende November 1999 ihre Vorschl=E4ge ein. Sie geh=F6rten bisher ni=
cht zu den designierten Anker-Banken. Zwei werden von Prot=E9g=E9s von Anwa=
r gef=FChrt, die sich nach der Wahlentscheidung offenbar nun wieder bessere=
 Chancen ausrechnen. Das ist der Stand der Dinge. Der Abschluss ist noch ni=
cht abzusehen.
</p><p><b>Die spektakul=E4rste Aktion war die Einf=FChrung von Kapitalverke=
hrskontrollen und die Bindung des Ringgit an den Dollar am 1. September 199=
8. Damit wurde der Zickzackkurs des bisherigen Krisenmanagements beendet.</=
b> Durch das Mobbing der bisherigen Zentralbankf=FChrung, die Ende August i=
hre Posten r=E4umte, und durch die Entlassung Anwars wurde dem auch ein sic=
htbarer personeller Ausdruck verliehen. Die politische Krise, bisher mehr o=
der weniger hinter verschlossenen T=FCren gemutma=DFt, wurde nun allerdings=
 zun=E4chst einmal in die =D6ffentlichkeit, auf die Stra=DFe, gebracht. Die=
 neue Politik war wiederum begleitet von Ausf=E4llen gegen IWF und Weltbank=
, die nichts gegen W=E4hrungsspekulanten tun w=FCrden. Stattdessen - so Mah=
athir vor der versammelten Wirtschaftselite der Welt auf dem World Economic=
 Forum im Januar 1999 in Davos - h=E4tte der IWF es darauf abgesehen gehabt=
, die Dinge in Malaysia in eine Richtung zu treiben bzw. treiben zu lassen,=
 die das Land zwingen w=FCrden, "um IWF-Unterst=FCtzung nachzusuchen, mit d=
er es die IWF-Kontrolle h=E4tte akzeptieren m=FCssen, an deren Ende Ausl=E4=
ndern erlaubt gewesen w=E4re, malaysische Banken, privatisierte Versorgungs=
betriebe und andere Unternehmen zu =FCbernehmen". "Der IWF benutzte zu dies=
em Zweck seine malaysischen Cronies, die Zinsen hochzutreiben, den Kredit a=
uszutrocknen, die Zeitspanne zu verk=FCrzen, in der Kredite als notleidend =
erkl=E4rt werden". All dies habe nicht zu einem Kapitalzufluss, sondern zu =
einem massiven Kapitalabfluss gef=FChrt.
</p><p>Mahathir und Daim Zainudin exekutierten nun ein Ma=DFnahmenpaket, da=
s ihnen die F=F6rderung einer unbefangeneren und riskanteren Kreditpolitik =
der Banken sowie die Ankurbelung der Nachfrage durch den =F6ffentlichen und=
 den privaten Sektor erm=F6glichen sollte. Bei dieser riskanten Vorw=E4rtss=
trategie wollten sie den m=F6glichen internationalen Vertrauensverlust und =
dadurch ausgel=F6ste Spekulantenattacken  ignorieren. Der Ringgit wurde fes=
t im Verh=E4ltnis 3,8 RM/1 $ an den Dollar gebunden. Das geschah zu einem Z=
eitpunkt, als er auf dem freien Markt zu 4 - 4,2 RM/$ gehandelt wurde. Er w=
urde also um 5 - 10 % aufgewertet. Anfang und Mitte 1999 sowie im Januar 20=
00 sch=E4tzte eine Gruppe von Bankiers und =D6konomen, dass der Ringgit um =
etwa 10 % unterbewertet sei. Die faire W=E4hrungsrelation sahen diese Exper=
ten und Marktteilnehmer in einer Bandbreite zwischen 3,20 - 3,60 im Durchsc=
hnitt bei 3,4 RM/$. Das verschaffte den Exporteuren, deren Kosten vor allem=
 in Ringgit anfielen, Windfallgewinne, und allgemein d=FCrfte die unterstel=
lte Unterbewertung des Ringgit die Exporte stimuliert haben.
</p><p><b>Der Handel mit malaysischen Aktien auf dem Freimarkt in Singapur =
wurde untersagt.</b> Dieser hatte sich seit 1991, nachdem die beiden B=F6rs=
en sich getrennt hatten, in einer Grauzone entwickelt. Der Handel wurde von=
 Kuala Lumpur nicht anerkannt, aber toleriert. Jetzt wurde dem Markt vorgew=
orfen, durch Leerverk=E4ufe die B=F6rsenkurse zu manipulieren. F=FCr den St=
adtstaat hatte dieser Freimarkt, an dem 113 malaysische Aktien (von 130) ge=
handelt und auf dem 40 =96 60 % des Umsatzes an der B=F6rse Singapurs get=
=E4tigt wurden, erhebliche Bedeutung. In der Falle sa=DFen 170.000 meist si=
ngapureanische Privatanleger, die ihre malaysischen Wertpapiere (zum damali=
gen Zeitpunkt) =FCber etwa 4,5 Mrd. $ (Ende 1999 wurde ihr Wert noch auf et=
wa 3 Mrd. $ gesch=E4tzt) nicht verkaufen konnten. Einen Transfer nach Kuala=
 Lumpur wollte bisher Malaysia nicht gestatten. Verschiedene Angebote malay=
sischer Unternehmen, die Aktien (mit Abschlag) zu =FCbernehmen, waren f=FCr=
 die singapureanischen Investoren offenbar zu unattraktiv. Inzwischen droht=
 Singapur, das Problem vor die Welthandelsorganisation zu bringen.
</p><p><b>Die Kapitalverkehrskontrollen wurden erlassen, um die Internation=
alisierung des Ringgit einzuschr=E4nken, der Spekulation und der Volatilit=
=E4t der W=E4hrung einen Riegel vorzuschieben, um in einem stabileren w=E4h=
rungspolitischen Umfeld die notwendigen Reformen durchf=FChren zu k=F6nnen.=
 Ein- und Ausfuhr des Ringgit wurde nur noch in engen Grenzen erlaubt, Ausl=
andsinvestitionen von Malaysiern m=FCssen seither genehmigt werden. Alle Le=
istungsbilanztransaktionen, ausl=E4ndische Direktinvestitionen im Lande, Ge=
winn-, Zins- und Dividendentransfers blieben unber=FChrt. Allerdings durfte=
 das kurzfristige (=FCberwiegend Portfolio-)Kapital 12 Monate nicht repatri=
iert werden. Im Land wurde damit vermutlich etwa 20 Mrd. RM (5,2 Mrd. $) vo=
n Ausl=E4ndern an der B=F6rse angelegtes Kapital festgesetzt.</b> Man malte=
 sich schon aus, was geschehen w=FCrde, wenn dieser administrative R=FCckf=
=FChrungsstau zum genannten Stichtag aufgehoben werden w=FCrde. Um dem vorz=
ubeugen, wurde der Transferbann im Februar 1999 aufgehoben und durch eine
      <b>Transfersteuer</b> ersetzt, die stark an die "Tobin-Steuer" erinne=
rt.
      <b>Es wurden nun auf Retransfers innerhalb eines Jahres eine Abgabe v=
on 30 %, auf R=FCckf=FChrungen von Kapital, das sich l=E4nger als ein Jahr =
im Lande befand, 10 % erhoben. Der unter diesen Bedingungen nun m=F6gliche =
Abzug des ausl=E4ndischen Portfoliokapitals hielt sich in Grenzen (328 Mill=
. $) und unterschritt sogar die Neuzufl=FCsse (April-Juni 1999: 0,8 Mrd. $)=
.</b>
</p><p>Beim Erlass der Kapitalverkehrskontrollen wurden diese als eine vor=
=FCbergehende Ma=DFnahme verk=FCndet. Inzwischen ist davon die Rede, dass s=
ie bis zur Reform der Weltfinanzm=E4rkte in Kraft bleiben sollen - das w=E4=
re also wohl f=FCr immer bzw. noch f=FCr eine unabsehbar lange Zeit.
</p><p>Als befristetes Instrument, das dem Land eine Atempause verschaffen =
sollte, um die notwendigen Reformen durchzuf=FChren, fanden sie durchaus au=
ch akademische Bef=FCrworter. Linke Globalisierungs- und (damit auch) IWF-K=
ritiker konnten nat=FCrlich von vorherein keine Probleme mit einer derartig=
en Strategie haben. Sie trauten dem Mahathir-Regime allerdings am wenigsten=
 zu, die notwendigen Reformen im Schutz dieser Kontrollen durchzuf=FChren. =
Die Wirtschaftspraktiker in der Region waren hingegen =FCberwiegend skeptis=
ch - mit Ausnahme derjenigen in Malaysia.
</p><p>Die Straits Times in Singapur artikulierte vielleicht die Ansicht de=
r politischen Klasse in dem Stadtstaat, wenn sie leitartikelte, dass die Ka=
pitalverkehrskontrollen in Malaysia als Gelegenheit genutzt w=FCrden, "mit =
der Disziplin zu spielen". Die Ergebnisse seien daher gemischt. Die Zeitung=
 hielt es f=FCr ein Klischee, wenn immer wieder auf die Gefahren des unbesc=
hr=E4nkten Verkehrs kurzfristigen Kapitals hingewiesen w=FCrde. "Die Konver=
tabilit=E4t der Kapitalbilanz kann am besten durch reife =D6konomien bewerk=
stelligt werden. Sie kann durch weniger reife nur in Etappen eingef=FChrt w=
erden".
</p><p><b>Wie ist der Sonderweg Malaysias nun zu bewerten? Es hat nicht, wi=
e von Pessimisten vorausgesagt wurde, die Entwicklung eines Devisenschwarzm=
arktes und von Devisenschmuggel gegeben. Der Ringgit blieb stabil, die Zins=
en konnten gesenkt und die private Verbrauchernachfrage wieder stimuliert w=
erden. Das R=FCckzahlungsproblem der Kreditau=DFenst=E4nde im Lande konnte =
f=FCr die Banken und zumindest f=FCr die Gro=DFschuldner letztlich glimpfli=
ch gel=F6st werden. Auch die B=F6rse erholte sich wieder. Ende Januar 2000 =
lag der Index des Hauptmarktes um =FCber 300 % =FCber dem Stand von Ende Au=
gust 1998 und nur noch 14 % unter dem Niveau von Juli 1997. Findige Anleger=
 konnten also schon wieder viel Geld verdienen. Sie taten dies, indem sie b=
evorzugt in Unternehmen mit (den richtigen) politischen Verbindungen invest=
ierten. Auch insofern hatte sich wohl nichts ge=E4ndert, trotz der auch in =
Malaysia betriebenen Beschw=F6rung von Transparenz und der Notwendigkeit de=
r Verbesserung der Unternehmensf=FChrung (corporate governance). Es kommt l=
etztlich weiter in erster Linie auf die guten Verbindungen an.</b> Ein Jour=
nalist stellte ern=FCchtert fest: "Es scheint, dass die guten alten Zeiten =
zur=FCck sind - und so auch die alten Gewohnheiten, Investitionsentscheidun=
gen zu treffen". Das Problem der Cronies und Rentenkapitalisten wurde also =
nicht angegangen. Die Sanktionen gegen die Anwar-Sch=FCtzlinge haben das Sy=
stem eher noch weiter zentralisiert und gest=E4rkt, da es allen vor Augen f=
=FChrt, wie wichtig es nach wie vor ist, namentlich in schwierigen Zeiten, =
die richtigen politischen Verbindungen zu haben. Man sollte die Frage aber =
nicht unterdr=FCcken, ob man das Problem der Klientelwirtschaft in einer so=
 schweren Krise wirklich angehen sollte, da dies ja zus=E4tzlich Verwerfung=
en verursachen w=FCrde. Andererseits w=E4re die Krise der politisch g=FCnst=
igste Zeitpunkt, er wird in normalen Zeiten kaum so gegeben sein.
</p><p><b>Ausl=E4ndische Anleger haben in letzter Zeit an der B=F6rse verst=
=E4ndlicherweise keine, als Investoren in der Realwirtschaft nur eine lustl=
ose Rolle gespielt. Letzteres traf allerdings auf malaysische Investoren in=
 noch viel gr=F6=DFerem Ma=DFe zu. Es ist die Frage, ob die Politik des Sep=
tember 1998 hier langfristig Spuren hinterl=E4sst, ob Malaysia als bisher b=
evorzugtes Anlageland ausl=E4ndischer Investoren gestrichen wird. Es sieht =
eher so aus, dass das nicht der Fall sein wird, d.h. ausl=E4ndische Anleger=
 und Unternehmen werden es ganz pragmatisch davon abh=E4ngig machen, ob sie=
 in Malaysia wieder Gesch=E4fte machen k=F6nnen oder nicht.</b>
</p><p><b>1999 brachte insgesamt ein Wirtschaftswachstum von =FCber 5 % - n=
ach einem R=FCckgang von -7,5 % im Jahr davor. Wachstumsmotor war wieder de=
r Export (+ 10 %), der auch die Importe mit hochzog (+ 7 %). Die Inflation =
befindet sich im Griff (+ 2,8 %), die Arbeitslosigkeit ist auf ihren niedri=
gen Stand vor der Krise zur=FCckgefallen (3,2 %). Die internationalen Devis=
enreserven (31 Mrd. $) sind betr=E4chtlich.</b> Inwieweit dieser Aufschwung=
 auf den Mahathirschen Interventionismus zur=FCckgef=FChrt werden muss, kan=
n nicht eindeutig gekl=E4rt werden. Vermutlich ist einem kritischen malaysi=
schen Polit=F6konomen zuzustimmen, der meint, dass das F=FCr und Wider der =
Kontrollen von beiden Seiten erheblich =FCbertrieben und =FCbersch=E4tzt wu=
rden. M=F6glicherweise kam es auf einen anderen Faktor viel mehr an: auf de=
n Weltmarkt, hier konkret auf den Nachfragepush auf dem Computermarkt nach =
einigen Jahren der Baisse. Malaysia konnte hiervon in besonderer Weise prof=
itieren. Es ist allerdings nicht das einzige Land in der Region: Auch die a=
nderen Krisenl=E4nder - mit Ausnahme des Sonderfalls Indonesien - konnten a=
lles in allem 1999 wieder einen beachtlichen Aufschwung erleben. Malaysia n=
immt hierbei eine mittlere Stellung ein.
<!-- START END -->
</p><hr>
<font size=3D"-2">
=A9 <a href=3D"mailto:wwwadm@www.fes.de">Friedrich Ebert Stiftung</a>
| <a href=3D"https://library.fes.de/fulltext/stabsabteilung/support.html">t=
echnical support</a> | net edition=20
<a href=3D"mailto:walter.wimmer@fes.de">fes-library</a> | Januar 2001
</font></td></tr></tbody></table>
<!-- END END -->

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