From: <Saved by Blink>
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Subject: BSE
Date: Wed, 7 May 2025 14:23:49 +0200
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52">
  =20
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9" alink=3D"#FF0000">

<center><b><font face=3D"Arial,Helvetica"><font color=3D"#000000"><font siz=
e=3D"+1">Globalisierung
und Gerechtigkeit</font></font></font></b>
<br><b><font face=3D"Arial,Helvetica"><font color=3D"#000000"><font size=3D=
"-1">Materialien
zur Modernisierung sozialer Demokratie</font></font></font></b>
<br>
<hr size=3D"1" width=3D"100%">
<br><b><font face=3D"Arial,Helvetica"><font color=3D"#000099">Michael Ehrke=
</font></font></b>
<br><b><font face=3D"Arial,Helvetica"><font color=3D"#000099"><font size=3D=
"+2">Frisch
auf den Tisch...</font></font></font></b>
<br><b><font face=3D"Arial,Helvetica"><font color=3D"#990000">Die BSE-Krise=
,
die europ=E4ische Agrarpolitik und der Verbraucherschutz</font></font></b><=
/center>
<font face=3D"Arial,Helvetica"><font size=3D"-1"></font></font>
<p><font face=3D"Arial,Helvetica"><font color=3D"#000099"><font size=3D"-1"=
>Die
BSE-Krise ist einer von vielen Lebensmittelskandalen, die f=FCr die
europ=E4ische Landwirtschaft und Nahrungsmittelindustrie kennzeichnend
sind. BSE verdeutlicht ein weiteres Mal die&nbsp; Systemrisiken der intensi=
ven
Landwirtschaft und Massentierhaltung.</font></font></font><font face=3D"Ari=
al,Helvetica"><font color=3D"#000099"><font size=3D"-1"></font></font></fon=
t>
</p><p><font face=3D"Arial,Helvetica"><font color=3D"#000099"><font size=3D=
"-1">BSE
und andere Lebensmittelskandale sind das Produkt einer Agrarordnung, die
die landwirtschaftlichen Betriebe zur Kostensenkung zwingt, Importe verbiet=
et
oder verteuert und mit artifiziellen Preisen zur =DCberproduktion anregt.
Eher =FCberraschend ist dagegen, dass die BSE-Krise zu einer Politisierung
des Agrarbereichs gef=FChrt hat. Der technische Fortschritt in der Landwirt=
schaft
wird nicht mehr als gegeben hingenommen, sondern zu einem politischen Probl=
em.
So wird die BSE-Krise auch auf den bevorstehenden =DCbergang von der
konventionellen zur gentechnischen Landwirtschaft einwirken.</font></font><=
/font><font face=3D"Arial,Helvetica"><font color=3D"#000099"><font size=3D"=
-1"></font></font></font>
</p><p><font face=3D"Arial,Helvetica"><font color=3D"#000099"><font size=3D=
"-1">Die
BSE-Krise wirft aber auch die ordnungspolitische Frage auf, bis zu welchem
Grade Vertrauen in die Leistungen des Marktes gerechtfertigt ist, und bis
zu welchem Grade politische Interventionen notwendig und legitim sind.</fon=
t></font></font>
<br>
</p><hr size=3D"1" width=3D"100%">
<br><font face=3D"Arial,Helvetica"><font size=3D"-1">Die gr=FCndlichste Wen=
de,
die die rot-gr=FCne Koalition in Deutschland bislang nicht nur gegen=FCber
ihrer unmittelbaren Vorg=E4ngerin, sondern gegen=FCber allen vorherigen
Regierungen der Bundesrepublik vollzog, fand auf dem Feld der Agrarpolitik
statt. Dies ist insofern bemerkenswert, als die Agrarpolitik normalerweise
nicht zu den Priorit=E4ten sozialdemokratisch gef=FChrter Regierungen
z=E4hlt, insbesondere nicht in einer Zeit, in der die =84New Economy=93
die Wirtschaft aus den Niederungen der Materie heraus in die virtuelle
Sph=E4re zu f=FChren verspricht. Die BSE-Krise, die die deutsche
Bundesregierung im Januar 2001 zu einem agrarpolitischen Kurswechsel veranl=
asste,
f=FChrte Wirtschaft und Gesellschaft wieder zur=FCck in das Reich
der (in diesem Fall organischen) Stoffe. Die Krise, so wurde im November
2000 deutlich, war nicht auf Gro=DFbritannien beschr=E4nkt und warf
ein unerwartet grelles Licht auf die Produktionsmethoden der modernen Landw=
irtschaft
in ganz Europa. Sie verdeutlichte exemplarisch die Risiken der intensiven
chemischen Landwirtschaft und Massentierhaltung und machte damit den techni=
schen
Fortschritt in der Landwirtschaft zu einer politischen Frage.</font></font>=
<font face=3D"Arial,Helvetica"><font size=3D"-1"></font></font>
<p><font face=3D"Arial,Helvetica"><font size=3D"-1">Die BSE-Krise f=E4llt
zeitlich in die kritische Phase des =DCbergangs von der konventionellen
zur gentechnischen Landwirtschaft =96 und sie wird diesen =DCbergang beeinf=
lussen.
Der Fortschritt zur Gentechnologie wird dank der BSE-Krise nicht in der
Form einer markt- oder technologiegesteuerten Eigengesetzlichkeit verlaufen
k=F6nnen, sondern muss nun in politische Entscheidungsprozesse eingebettet
werden =96 was bedeutet, dass er auch modifiziert, abgebrochen oder verz=F6=
gert
werden kann, zumal die BSE-Krise die zur gentechnischen und konventionellen
Landwirtschaft alternative Option der =F6kologischen Landwirtschaft
in die Diskussion gebracht hat. Die Risiken der konventionellen Landwirtsch=
aft,
die BSE vor Augen gef=FChrt hat, beleuchten indirekt auch das Risikopotenti=
al
der Gentechnologie, wobei der =DCbergang von der konventionellen zur
gentechnischen Landwirtschaft =96 zu Recht oder zu Unrecht =96 auch hinsich=
tlich
der Risiken die Assoziation mit dem Wechsel von der konventionellen zur
Nuklearenergie hervorruft.</font></font><font face=3D"Arial,Helvetica"><fon=
t size=3D"-1"></font></font>
</p><p><font face=3D"Arial,Helvetica"><font size=3D"-1">Es ist daher durcha=
us plausibel,
die BSE-Krise in einer =96 wie immer begrenzten =96 Analogie zum Reaktorunf=
all
von Tschernobyl zu sehen, als Krise also, die die Politik zwingt, die Eigen=
dynamik
marktgesteuerter und/oder technologischer Entwicklungen zu kontrollieren,
zu gestalten oder zu stoppen. Neben der technologischen enth=E4lt die
Krise auch eine ordnungspolitische Dimension: Sie thematisiert am Beispiel
eines sensiblen Wirtschaftssektors die legitime Reichweite von Marktprozess=
en
sowie das legitime und notwendige Spektrum politischer Interventionen =96
etwa im Rahmen des Verbraucherschutzes. Nun wird die europ=E4ische Landwirt=
schaft
allenfalls partiell vom Markt gesteuert: Sie gilt als Produkt b=FCrokratisc=
her
Regulierung, dessen geradezu monstr=F6sen Z=FCge sich vortrefflich
zur Illustration der Sch=E4dlichkeit politischer Wirtschaftsinterventionen
eignen. Die Tatsache allerdings, dass die BSE-Krise nicht auf einem idealen=
,
sondern hoch regulierten Markt ausbrach, entlastet nicht den Markt, sondern
wirft die zus=E4tzliche Frage nach dem Zweck und der Wirkung b=FCrokratisch=
er
Interventionen, in diesem Falle der EU, auf.</font></font><font face=3D"Ari=
al,Helvetica"><font size=3D"-1"></font></font>
</p><p><b><font face=3D"Arial,Helvetica"><font color=3D"#990000"><font size=
=3D"-1">BSE
=96 zwei Theorien</font></font></font></b><font face=3D"Arial,Helvetica"><f=
ont size=3D"-1"></font></font>
</p><p><font face=3D"Arial,Helvetica"><font size=3D"-1">Wie verbreitet sich=
 BSE?
Um die Beantwortung dieser Frage konkurrieren zur Zeit zwei Theorien. Beide
gehen davon aus, dass die Krankheit sporadisch durch spontane Mutationen
entstehen kann, erkl=E4rungsbed=FCrftig ist das massenhafte Auftreten
von BSE seit Ende der achtziger Jahre in England, wo bis jetzt immer noch
=FCber 99 Prozent aller F=E4lle registriert wurden. Der zur Zeit
dominierenden Theorie zufolge verbreitet sich BSE durch die Verf=FCtterung
von Tiermehl, bei der das mit mutiertem Eiwei=DF (Prionen) belastete
Gewebe von BSE-befallenen Rindern gesunde Tiere infiziert. Die Praxis der
Tiermehlverf=FCtterung macht aus extrem seltenen Mutationen eine Seuche,
die =FCber den Verzehr von Rindfleisch in der Form einer Variante der
Creutzfeld-Jacobs-Krankheit (vCJK) auch den Menschen erreicht. Eine alterna=
tive
Theorie f=FChrt BSE auf Umweltschadstoffe wie Schwermetalle und Insektizide
zur=FCck, genauer: auf eine Kombination aus Kupfermangel, einem =DCberfluss
an Mangan und einem chemischen Ausl=F6ser =96 Phosmet, ein auf Nervengas
basierendes Insektizid =96 , die bei genetisch disponierten Rindern eine
Mutation des Eiwei=DFes im Gehirn ausl=F6sen kann. Die vCJK beim
Menschen geht dieser Theorie zufolge nicht auf Rindfleischverzehr zur=FCck.
Es sind vielmehr dieselben toxischen Kombinationen, die beim Menschen vCJK
und bei Rindern BSE ausl=F6sen.</font></font><font face=3D"Arial,Helvetica"=
><font size=3D"-1"></font></font>
</p><p><font face=3D"Arial,Helvetica"><font size=3D"-1">Warum brach BSE ger=
ade in
Gro=DFbritannien aus? Der ersten Theorie zufolge wurden bei der Produktion
von Tiermehl bestimmte Normen nicht beachtet, und das sp=E4tere Verbot
der Verf=FCtterung wurde unzureichend kontrolliert. Der zweiten Theorie
zufolge brach die Krankheit in Gro=DFbritannien aus, weil die britische
Landwirtschaft bei neuen Agrartechniken, unter anderem dem Einsatz von
Phosmet bei der Sch=E4dlingsvernichtung, eine Vorreiterrolle spielt.
Die britische Landwirtschaft ist moderner und effizienter als die der ander=
en
europ=E4ischen L=E4nder, daher ist Gro=DFbritannien auch die
Avantgarde bei der Entstehung neuartiger Sch=E4den. Diese zweite Theorie
behandelt BSE also nicht als Seuche, sondern als Umweltkrankheit. Der Unter=
schied
hat f=FCr den politischen Umgang mit dem Ph=E4nomen entscheidende
Konsequenzen: Sollte sich die erste Theorie als richtig erweisen, kann
die Seuche durch die Vernichtung des infizierten Bestandes und das Abschnei=
den
der =DCbertragungswege =96 also das Verbot der Tiermehlverf=FCtterung
bzw. das Einstellen des Rindfleischverzehrs =96 an der Ausbreitung und =DCb=
ertragung
auf den Menschen gehindert werden. Das Problem BSE w=E4re dramatisch,
aber eingrenzbar. Erweist sich die zweite Theorie als zutreffend, w=E4re
das BSE-Syndrom nur eines von vielen Folgeproblemen, die eine intensive
Landwirtschaft und Massentierhaltung nach sich zieht. Es w=E4re weniger
dramatisch =96 die Massenschlachtung von Tieren oder der Verzicht auf Rindf=
leischverzehr
k=F6nnten unterbleiben =96, aber komplexer verursacht und daher schwerer
eingrenzbar. Die Seuchentheorie zwingt zu direkten und begrenzten politisch=
en
Aktionen mit klaren Zielen, die Umwelttheorie dagegen stellt einen Wirtscha=
ftsmodus
=96 intensive Landwirtschaft und Massentierhaltung =96 zur Disposition. Sie
kann radikale Ver=E4nderungen der Wirtschaftsweise ebenso motivieren
wie zynische die Inkaufnahme von mehr vCJK-F=E4llen als unvermeidlichen
Preis, den fortgeschrittene Industriegesellschaften daf=FCr zu zahlen
haben, dass sie =FCber billige Nahrungsmittel (und entsprechend erweiterte
Konsumoptionen) verf=FCgen. Die vCJK-Opfer w=E4ren in dieser Lesart
die unvermeidlichen Verkehrstoten der Landwirtschaft.</font></font><font fa=
ce=3D"Arial,Helvetica"><font size=3D"-1"></font></font>
</p><p><b><font face=3D"Arial,Helvetica"><font color=3D"#990000"><font size=
=3D"-1">Schurkerei
oder Systemrisiko?</font></font></font></b><font face=3D"Arial,Helvetica"><=
font size=3D"-1"></font></font>
</p><p><font face=3D"Arial,Helvetica"><font size=3D"-1">Ob nun Tiermehl-Sto=
ry oder
ein bestimmter agrochemischer Cocktail zur Ausbreitung von BSE f=FChren:
Die Krise ist nur das letzte Glied einer lange Reihe europ=E4ischer
Ern=E4hrungsskandale: Industrie=F6l im Speise=F6l, H=FChnerembryos
im Fl=FCssig-Ei, Alt=F6l im Tierfutter, Dioxin im H=FChnerfutter,
Ringelw=FCrmer im Fisch, Nikotin in der Babynahrung, Frostschutzmittel
im Wein, Hormone im Kalbsfleisch, Antibiotika im Schweinefleisch =96 dies
sind nur einige Beispiele f=FCr die, wie es scheint, nicht ausnahmsweise,
sondern systematische Versetzung von Nahrungsmitteln mit ekelerregenden,
ungenie=DFbaren, krank machenden, giftigen und =96 im Extremfall =96 t=F6dl=
ichen
Stoffen, die die europ=E4ische Landwirtschaft als agro-veterin=E4re
Mafia erscheinen l=E4sst, als kriminelle Supervereinigung, die aus Profitgi=
er
mit Giften panscht und die Krankheit oder gar den Tod ihrer Kunden billigen=
d
in Kauf nimmt. Die Kannibalisierung von Pflanzenfressern, die man zwingt,
ihre zermahlenen Artgenossen zu fressen, erscheint nur als der letzte und
widerw=E4rtigste Ausbruch von Geldgier und krimineller Energie (was
unter ethischen Gesichtspunkten vielleicht auch zutrifft), mit der das
Agrarbusiness aufgeladen ist. Diese Sicht ist freilich verharmlosend: Agroi=
ndustrielle
Katastrophen gehen nicht nur und nicht in erster Linie auf illegale Akte
zur=FCck, sondern auf Systemrisiken der intensiven Landwirtschaft und
Massentierhaltung.</font></font><font face=3D"Arial,Helvetica"><font size=
=3D"-1"></font></font>
</p><p><font face=3D"Arial,Helvetica"><font size=3D"-1">Wenn die Landwirtsc=
haft,
in der fr=FCher die gro=DFe Mehrheit der arbeitenden Bev=F6lkerung
t=E4tig war, heute mit zwei Prozent der Besch=E4ftigten nicht nur
eine stark gewachsene Bev=F6lkerung mit ausreichend Nahrungsmitteln
versorgt, sondern auch noch =DCbersch=FCsse erwirtschaftet, geht
dies auf eine dramatische Zunahme der Produktivit=E4t =96 und das hei=DFt
in erster Linie auf Ver=E4nderungen von Produktionsprozessen =96 zur=FCck.
Und da die Landwirtschaft mit organischen Stoffen zu tun hat, ver=E4ndern
sich mit den Produktionsprozessen auch die Produkte. Agrarprodukte sind
keine reinen, sondern chemisch ver=E4nderte Naturprodukte. Die Landwirtscha=
ft
ist wie jede moderne Wirtschaftsbranche =84innovativ=93 =96 sie erfindet st=
=E4ndig
neue Prozesse, Produkte und Produktkombinationen, deren Langzeitwirkungen
auf den menschlichen Organismus zwangsl=E4ufig unbekannt sind. Alle
landwirtschaftlichen Produzenten und nicht nur die kriminellen schwarzen
Schafe gehen damit unter dem Druck der Produktivit=E4tssteigerung das
Risiko ein, das Wohlbefinden ihrer Kunden zu beeintr=E4chtigen, sie
krank zu machen oder zu vergiften.</font></font><font face=3D"Arial,Helveti=
ca"><font size=3D"-1"></font></font>
</p><p><font face=3D"Arial,Helvetica"><font size=3D"-1">Der technische Fort=
schritt
setzt sich =FCber Marktprozesse durch. Landwirtschaftliche Betriebe
operieren auch in Europa unter harten budget constraints, sie m=FCssen,
um ihr wirtschaftliches =DCberleben zu sichern, ihre Produktivit=E4t
steigern und ihre Kosten senken. Wettbewerb in der Landwirtschaft ist in
erster Linie Kostenwettbewerb, kein Wettbewerb um Qualit=E4t oder Produktdi=
fferenzierung.
Um ihre wirtschaftliche Existenz zu erhalten, m=FCssen die landwirtschaftli=
chen
Produzenten zum Beispiel den Rohstoff =84Rind=93 so schnell und profitabel
wie m=F6glich verwerten. Dies schlie=DFt ein, dass die von der Natur
vorgesehenen Reifungszeiten, Nahrungs-, Bewegungs- und Aufenthaltsgewohnhei=
ten
systematisch manipuliert werden m=FCssen, etwa =FCber Anreicherung
des Rohstoffes =84Rind=93 mit Futtermitteln und Medikamenten. Der Rohstoff
ist&nbsp; aber ein komplexes biologisches System, das auf Ver=E4nderungen
seiner nat=FCrlichen Lebensbedingungen sensibel reagiert: Die vom Markt
erzwungene systematische Zurichtung der Tiere f=FChrt zwangsl=E4ufig
zu Produktdefekten, die wiederum mit technischen Eingriffen und Medikamente=
n
behoben werden m=FCssen. Zum Beispiel: Weil H=FChner in Massentierhaltung
keine stabilen Knochen entwickeln, m=FCssen sie mit Mangan gef=FCttert
werden, das sie zu 98 Prozent wieder ausscheiden; die H=FChnerkot-Maganmisc=
hung
wird wiederum an Rinder verf=FCttert, die auf die =DCberdosis an
Mangan ihrerseits kritisch (wom=F6glich mit BSE) reagieren. Massentierhaltu=
ng
und chemische Pflanzenproduktion schaffen zwangsl=E4ufig instabile Kreisl=
=E4ufe
und wechselseitig sich verst=E4rkende R=FCckkopplungen, sie zwingen
zu kompensierenden Eingriffen, die neue Eingriffe notwendig machen usw.
Es ist h=F6chst unwahrscheinlich, dass sich das Ende der Nahrungskette
=96 der menschliche Organismus =96 von den Folgen dieser Manipulationen des
nat=FCrlichen Materials isolieren l=E4sst.</font></font><font face=3D"Arial=
,Helvetica"><font size=3D"-1"></font></font>
</p><p><b><font face=3D"Arial,Helvetica"><font color=3D"#990000"><font size=
=3D"-1">Der
europ=E4ische Agrarmarkt</font></font></font></b><font face=3D"Arial,Helvet=
ica"><font size=3D"-1"></font></font>
</p><p><font face=3D"Arial,Helvetica"><font size=3D"-1">Unter reinen Marktb=
edingungen
h=E4tten die Konsumenten die M=F6glichkeit, sich zu wehren, indem
sie die Produzenten durch Kaufverweigerung bestrafen, sie zu Verhaltens=E4n=
derungen
zwingen und unter Umst=E4nden in den Ruin treiben. Wenn sie es nicht
tun, bedeutet dies, dass sie mit den Produkten zumindest nicht unzufrieden
sind. Wenn die Konsumenten eine Pr=E4ferenz f=FCr billige Agrarprodukte
entwickeln, deren Verzehr gesundheitliche Risiken mit sich bringt, wenn
also ein niedriger Preis f=FCr Lebensmittel eher die Kaufentscheidung
motiviert als hohe Qualit=E4t oder Lebensmittelsicherheit, ist gegen
das Urteil des Souver=E4ns unter marktwirtschaftlichen Bedingungen nichts
mehr einzuwenden. Ethische Bedenken gegen intensive Landwirtschaft und
Massentierhaltung haben auf dem Markt keinen Platz, es sei denn sie f=FChre=
n
=FCber den politischen Markt und Wahlentscheidungen zu einer Ver=E4nderung
des gesetzlichen Rahmens. Voraussetzung eines souver=E4nen Konsumentenurtei=
ls
ist freilich, dass die Konsumenten die Risiken kennen, die sie eingehen,
wenn sie billige Nahrungsmittel erwerben =96 eine Voraussetzung, die in der
Regel nicht gegeben sein wird. Wer konnte vor dem Ausbruch der BSE-Krise
schon wissen, woraus sich die Currywurst zusammensetzte?</font></font><font=
 face=3D"Arial,Helvetica"><font size=3D"-1"></font></font>
</p><p><font face=3D"Arial,Helvetica"><font size=3D"-1">Es kommt jedoch hin=
zu, dass
die europ=E4ische Landwirtschaft nicht nach reinen marktwirtschaftlichen
Prinzipien organisiert, sondern eine Kombination von Markt und Nicht-Markt
ist. Sie funktioniert wie eine Marktwirtschaft, insofern sie Kosteneffizien=
z
und Produktivit=E4t belohnt, sie funktioniert nicht wie eine Marktwirtschaf=
t,
insofern sie den Konsumenten de facto die M=F6glichkeit nimmt, das Verhalte=
n
der Produzenten durch Kaufentscheidungen zu beeinflussen. Innerhalb der
EU sind Agrarpreise keine Marktpreise, es sind politische Preise, die unter
f=FCr Au=DFenstehende schwer zu durchschauenden Bedingungen ausgehandelt
wurden, und die nicht =84den Markt r=E4umen=93, sondern den Produzenten
ein =84angemessenes Einkommen=93 sichern sollen. Wenn preiswerte Importe da=
s
Preisniveau, das den Produzenten ein angemessenes Einkommen sichert, zu
untergraben drohen, werden sie untersagt oder verteuert. Wenn die europ=E4i=
sche
Nachfrage nach Agrarprodukten trotz Importbeschr=E4nkungen nicht ausreicht,
um den landwirtschaftlichen Produzenten ein angemessenes Einkommen zu versc=
haffen,
schafft die EU durch den Aufkauf, die Lagerung und den subventionierten
Export von Agrarprodukten die ben=F6tigte zus=E4tzliche Nachfrage.
Was die Europ=E4er m. a. W. als Verbraucher von Agrarprodukten nicht
zahlen wollen, zahlen sie als Steuerzahler. Der Produktpreis, mit dem ein
europ=E4ischer Agrarproduzent kalkulieren muss und an dem er also sein
Investitionsrisiko zu messen hat, ist der Interventionspreis der EU. Da
die EU-Subventionen unter dem Gesichtspunkt der Effizienz und nicht unter
dem der Umweltschonung, der Qualit=E4t, der artgerechten Tierhaltung
oder des Verbraucherschutzes (obwohl diese letztgenannten Kriterien mit
der Reform der Agrarpolitik an Bedeutung gewonnen haben) vergeben werden,
kann sich der Produzent ohne Risiko und unter Missachtung qualitativer
Gesichtspunkte auf die kosteng=FCnstige Produktion gro=DFer Mengen
konzentrieren. Die europ=E4ischen Agrarpreise erf=FCllen eine Funktion
von Preisen: sie rufen ein Angebot hervor. Sie erf=FCllen deren zweite
Funktion, das Angebot zu limitieren (bzw. im Interesse der Konsumenten
zu strukturieren) nur unzureichend.</font></font><font face=3D"Arial,Helvet=
ica"><font size=3D"-1"></font></font>
</p><p><font face=3D"Arial,Helvetica"><font size=3D"-1">Die Konsequenzen di=
eser Agrarordnung
wurden oft genug beklagt: Die europ=E4ische Landwirtschaft produziert
systematisch =DCbersch=FCsse =96 Milchseen und Butterberge =96, die zu
hohen Kosten gelagert, vernichtet oder exportiert werden; die gemeinsame
Agrarpolitik beg=FCnstigt gro=DFe Agrarbetriebe; kleinere b=E4uerliche
Betriebe k=F6nnen im Wettbewerb mit den hoch subventionierten Agrarfabriken
oft nicht mithalten; die Konsumenten zahlen h=F6here Lebensmittelpreise
als sie unter reinen Marktbedingungen zahlen m=FCssten; die Importe
kosteng=FCnstiger produzierender au=DFereurop=E4ischer Anbieter
werden behindert und die subventionierten EU-Exporte behindern au=DFereurop=
=E4ische
Produzenten in ihrer Heimat und auf Drittm=E4rkten.</font></font><font face=
=3D"Arial,Helvetica"><font size=3D"-1"></font></font>
</p><p><font face=3D"Arial,Helvetica"><font size=3D"-1">Aus den absurden Ko=
nsequenzen
der europ=E4ischen Agrarordnung lassen sich freilich unterschiedliche
Schl=FCsse ziehen: Auf der einen Seite kann man, wie zuletzt Otto Graf
Lambsdorff in einem Artikel in der FAZ (vom 10. 2. 2001), die gemeinsame
Agrarpolitik als Inbegriff b=FCrokratischer Wirtschaftslenkung generell
ablehnen und Landwirtschaft und Nahrungsmittelindustrie v=F6llig dem
Markt =FCberlassen. Auf der anderen Seite kann sich die Kritik an der
gemeinsamen Agrarpolitik weniger auf den Sachverhalt als auf den Zweck
der Subventionen richten. Es w=E4re ja denkbar, dass die EU im Konsens
mit oder stellvertretend f=FCr die Verbraucher die Landwirtschaft subventio=
niert
und h=F6here Preise als Marktpreise f=FCr landwirtschaftliche Produkte
zul=E4sst, um die Qualit=E4t der Produkte, eine artgerechte Tierhaltung
oder die Bewahrung =F6kologischer Gleichgewichte zu sichern. Eine h=F6here
Qualit=E4t der Ern=E4hrung k=F6nnte unter anderem die Gesundheitskosten
verringern und =F6kologische Sch=E4den minimieren. Dies ist =96 wie
angemerkt =96 in der EU nicht der Fall. Die Subventionierung erfolgt im Int=
eresse
der Produzenten, die Agrarpolitik ist redistributiv, und zwar in einer
Form, die die Steigerung des Produktionsvolumens honoriert. Erst in j=FCngs=
ter
Zeit wurde die gemeinsame Agrarpolitik partiell reformiert, indem die Subve=
ntionierung
der Produktion durch direkte Einkommenstransfers an die Produzenten ersetzt
wurde.</font></font><font face=3D"Arial,Helvetica"><font size=3D"-1"></font=
></font>
</p><p><font face=3D"Arial,Helvetica"><font size=3D"-1">Die Verfassung der =
europ=E4ischen
Landwirtschaft und das h=E4ufige Auftreten von Ern=E4hrungs-skandalen
h=E4ngen also ein dreierlei Weise miteinander zusammen:</font></font>
</p><ul>
<li>
<font face=3D"Arial,Helvetica"><font size=3D"-1">Erstens arbeiten die europ=
=E4ischen
Agrarbetriebe unter Wettbewerbsbedingungen und Kostendruck, der zu st=E4ndi=
gen,
unter Umst=E4nden riskanten Produktinnovationen (einschlie=DFlich
minderwertiger Materialmischungen) zwingt.</font></font></li>

<li>
<font face=3D"Arial,Helvetica"><font size=3D"-1">Zweitens haben die Konsume=
nten
nur geringe M=F6glichkeiten, das Angebot durch Kaufentscheidungen zu
strukturieren.</font></font></li>

<li>
<font face=3D"Arial,Helvetica"><font size=3D"-1">Drittens wird der Zugang a=
u=DFerhalb
Europas oft unter =F6kologisch g=FCnstigeren Umst=E4nden erzeugter
Agrarprodukte behindert. Ein Beispiel w=E4re lateinamerikanisches Rindfleis=
ch.
Die Kombination aus Wettbewerbsbeschr=E4nkungen (Importquoten) und Wettbewe=
rb
erm=F6glicht es den europ=E4ischen Erzeugern =96 und zwingt sie dazu
=96, ihre =84nat=FCrlichen=93 Standortnachteile durch den Einsatz von Techn=
ik
und Medikamenten auszugleichen.</font></font></li>
</ul>
<b><font face=3D"Arial,Helvetica"><font color=3D"#990000"><font size=3D"-1"=
>Hintergrund:
Der agrar-politische Komplex</font></font></font></b><font face=3D"Arial,He=
lvetica"><font size=3D"-1"></font></font>
<p><font face=3D"Arial,Helvetica"><font size=3D"-1">Wie ist zu erkl=E4ren,
dass die Europ=E4ische Union bis zu 80 Prozent ihrer finanziellen Mittel
(1999 waren es dank mehrerer Reformen nur noch 45,2 Prozent) sieben Prozent
ihrer Bev=F6lkerung zugute kommen lie=DF? Warum lie=DF man es
zu, dass das Projekt der europ=E4ischen Integration mit absurden Milchseen,
Butterbergen oder subventionierten Rindfleischexporten nach Brasilien ident=
ifiziert
werden konnte?</font></font><font face=3D"Arial,Helvetica"><font size=3D"-1=
"></font></font>
</p><p><font face=3D"Arial,Helvetica"><font size=3D"-1">Eine Ursache f=FCr =
die
Persistenz einer anerkannterma=DFen unsinnigen Agrarpolitik liegt sicherlic=
h
darin, dass sich die Benachteiligten dieser Politik nicht wirksam widersetz=
en
konnten oder wollten. Gegrummelt =FCber die Agrarpolitik haben neoliberale
=D6konomen oder =F6kologisch inspirierte Journalisten immer&nbsp;
=96 die Verbraucher aber haben diese Politik zumindest akzeptiert. Die Refo=
rmen,
die es gab, wurden nicht vom Protest der Verbraucher, Umwelt- oder Tiersch=
=FCtzer
angetrieben, sondern entweder von den Handelspartnern der EU =96 den L=E4nd=
ern
der CAIRNS-Gruppe und den USA, die der Union im Zuge der Uruguay-Runde
eine Reform ihrer Agrarpolitik abn=F6tigten =96 oder von der EU-B=FCrokrati=
e
selbst, die einen Ausweg aus der Sackgasse suchen musste, in die sie sich
mit ihrer Agrarpolitik man=F6vriert hatte: Die Kosten der gemeinsamen
Agrarpolitik drohten immer wieder das Budget der Union zu sprengen. Die
Passivit=E4t der Verbraucher bzw. der nicht-landwirtschaftlichen Bev=F6lker=
ung
k=F6nnte auch darauf zur=FCckgef=FChrt werden, dass die europ=E4ische
Landwirtschaft zumindest eines erreicht hat: Die Preise landwirtschaftliche=
r
Erzeugnisse und der Anteil der Ern=E4hrung an den Ausgaben der Haushalte
sind auch in Europa kontinuierlich zur=FCckgegangen =96 was freilich nur
eine =F6konomische Gesetzm=E4=DFigkeit (Engels Gesetz) best=E4tigt.</font><=
/font><font face=3D"Arial,Helvetica"><font size=3D"-1"></font></font>
</p><p><font face=3D"Arial,Helvetica"><font size=3D"-1">Es kommt hinzu, das=
s die
Produktion und der Verzehr von Nahrungsmitteln selbst in postindustriellen
Gesellschaften, in denen die Landwirtschaft auf eine marginale Gr=F6=DFe
geschrumpft ist, eine andere Bedeutung haben als die Fertigung und Nutzung
industrieller G=FCter. Der Verzehr von Nahrungsmitteln ist keine Option,
sondern Grundvorgang der Existenzerhaltung. Die Einverleibung organischer
Substanzen durch den Organismus ist affektiv anders besetzt als der Umgang
mit Produkten aus anorganischem Material: Auf den Zusammenbruch der Compute=
r-Festplatte
reagiert man nicht wie auf die W=FCrmer im Fisch. Eine gewisse Beunruhigung
liegt auch darin, dass die Ern=E4hrung, Grundlage der biologischen Existenz=
,
vom Markt, also anonymen Angebots- und Nachfragebewegungen, abh=E4ngig
sein soll. Gerade am Beispiel der Ern=E4hrung wird deutlich, dass die
Kontrolle, die ein moderner B=FCrger der EU =FCber seine Selbsterhaltungsbe=
dingungen
aus=FCbt, weitaus schw=E4cher ist als bei einem Neandertaler. Dies
k=F6nnte der Grund f=FCr die Bereitschaft auch der Verbraucher sein,
die Nahrungsmittelproduzenten als Produzenten sui generis, als die letzten
Vertreter eines besonderen Standes zu betrachten, der zumindest partiell
den modernen industriellen Konflikten und postindustriellen Un=FCbersichtli=
chkeiten
entzogen sein sollte.</font></font><font face=3D"Arial,Helvetica"><font siz=
e=3D"-1"></font></font>
</p><p><font face=3D"Arial,Helvetica"><font size=3D"-1">Diese Bereitschaft =
der Nachfrager
findet auf der =84Angebotsseite=93 ihr Pendant in einer stark organisierten=
,
konfliktbereiten und in fast allen kontinentaleurop=E4ischen L=E4ndern
(weniger in Gro=DFbritannien und Skandinavien) eng mit dem politischen
Konservatismus verbundenen Bauernschaft. Diese Symbiose ergibt sich aus
der europ=E4ischen Sozialgeschichte =96 das hei=DFt der sozialen K=E4mpfe
des 19. Jahrhunderts, in denen sich das auch heute noch bestehende politisc=
he
Parteienspektrum bildete. Die Bauernschaft war die nat=FCrliche Massenbasis
eines selber agrarisch basierten, oft klerikal eingef=E4rbten Konservatismu=
s,
ein Gegengewicht gegen die (reale oder bef=FCrchtete) Vorherrschaft
der Liberalen und der Sozialdemokratie in den St=E4dten. Konservative
und Christdemokraten versuchten daher immer zu verhindern, dass die Bauerns=
chaft
ihre spezifische Standesidentit=E4t verlor und in die =84modernen=93 Ausein=
andersetzungen
zwischen Industrieproletariat und kapitalistischen Unternehmern hineingezog=
en
wurde. Dabei musste die&nbsp; Fragmentierung der Bauernschaft sowohl in
geographisch-wirtschaftlicher Hinsicht (mit regional unterschiedlichen
klimatischen und Bodenbedingungen) als auch in sozialer Hinsicht (Agrarfabr=
iken
versus Kleinbauern) durch eine wie immer artifizielle Ideologie der st=E4nd=
ischen
Einheit des Bauerntums =FCbert=FCncht werden.</font></font><font face=3D"Ar=
ial,Helvetica"><font size=3D"-1"></font></font>
</p><p><font face=3D"Arial,Helvetica"><font size=3D"-1">Die konservativ-aga=
rische
Symbiose beg=FCnstigte die Bildung =84eiserner Dreiecke=93 aus landwirtscha=
ftlichen
Verb=E4nden, staatlicher Agrarb=FCrokratie und konservativen Agrarpolitiker=
n,
die abgeschirmt von den Parlamenten und der =D6ffentlichkeit die politische=
n
Rahmenbedingungen der Landwirtschaft festlegen. Diese eisernen Dreiecke
auf nationaler Ebene reproduzieren sich auf der europ=E4ischen Ebene:
Der Landwirtschaftskommissar der EU ist meist ein konservativer Politiker
(Franz Fischler ist Mitglied der =D6VP), die Beamten der Generaldirektion
VI f=FCr Landwirtschaft =96 der personell und finanziell am besten ausgesta=
tteten
EU-Beh=F6rde =96 rekrutieren sich aus den meist konservativ gef=FChrten
Agrarministerien Frankreichs, Deutschlands und Irlands, und die europ=E4isc=
he
Interessenvertretung der landwirtschaftlichen Produzenten=96 die Confederat=
ion
of Professional Agricultural Organizations (COPA) =96 ist hinsichtlich Pers=
onal,
finanzieller Ressourcen und Organisationsgrad besser ausgestattet als alle
anderen supranationalen Interessenverb=E4nde. Die starke Repr=E4sentation
der Bauern auf nationaler wie auf europ=E4ischer Ebene hat freilich
nicht verhindert, dass es wiederum meist die Bauern (und Fischer) waren
und sind, die am lautst=E4rksten gegen die Agrarpolitik der EU protestierte=
n
=96 wenn die EU unter dem Druck der au=DFereurop=E4ischen Handelspartner,
des eigenen Budgets oder der bevorstehenden Osterweiterung begrenzte Reform=
en
vornehmen musste.</font></font><font face=3D"Arial,Helvetica"><font size=3D=
"-1"></font></font>
</p><p><font face=3D"Arial,Helvetica"><font size=3D"-1">Die Entstehung der =
gemeinsamen
europ=E4ischen Agrarpolitik im engeren Sinne geht auf einen Kompromiss
zwischen Frankreich und Deutschland zur=FCck (hier erwies sich als relevant=
,
dass weder Gro=DFbritannien noch ein skandinavisches Land zu den Gr=FCndung=
smitgliedern
der EWG geh=F6rte). Frankreich mit seiner effizienten Landwirtschaft
bestand auf einem offenen Agrarbinnenmarkt, um seine Produkte vor allem
in Deutschland absetzen zu k=F6nnen; nur unter dieser Bedingung war
es bereit, seinen Markt f=FCr deutsche Industrieg=FCterexporte zu
=F6ffnen. Unter =F6konomischen Gesichtpunkten h=E4tte die Bundesrepublik
Deutschland mit ihrer schwachen, fragmentierten Landwirtschaft und ihrer
starken Industrie ebenfalls f=FCr einen freien Agrarmarkt eintreten
m=FCssen =96 was bedeutet h=E4tte, dass sie in gewissem Umfang die
b=E4uerlichen den industriellen Interessen h=E4tte opfern m=FCssen.
Ebendies war politisch nicht m=F6glich: Bauernlobby und Christdemokratie
stimmten =FCberein, dass die Landwirtschaft als Wirtschaftsform sui
generis zu sch=FCtzen sei =96 eine =DCbereinkunft, die dann in die
gemeinsame europ=E4ische Agrarpolitik =FCbersetzt wurde.</font></font><font=
 face=3D"Arial,Helvetica"><font size=3D"-1"></font></font>
</p><p><font face=3D"Arial,Helvetica"><font size=3D"-1">Weder der nationale=
 agrarpolitische
Komplex, noch die europ=E4ische Agrarpolitik wurde von sozialdemokratischer
Seite je ernsthaft zur Diskussion oder gar zur Disposition gestellt. Die
Sozialdemokratie konnte in Kontinentaleuropa (anders als in Skandinavien)
kaum an demokratische oder gar agrarrevolution=E4re Traditionen in der
Bauernschaft ankn=FCpfen; ohne die geringste Aussicht, die Bindung der
Bauern an den Konservatismus schw=E4chen zu k=F6nnen, beschr=E4nkte
sich die sozialdemokratische Agrarpolitik (sofern man sie nicht ganz einem
Koalitionspartner =FCberlie=DF) in der Regel darauf, die Bauern
=84ruhig zu stellen=93, indem man ihren Forderungen so weit wie m=F6glich
nachkam =96 und sich ansonsten anderen Bereichen zuwendete. Die hohe Mobili=
sierbarkeit
der Bauern, ihre Verf=FCgung =FCber schweres landwirtschaftliches
Ger=E4t und ihre Bereitschaft zur Brachialgewalt machte den deutlich
sichtbaren b=E4uerlichen Protest zum Alptraum jeder, insbesondere jeder
sozialdemokratischen Regierung. Auch die Paradoxie der europ=E4ischen
Agrarpolitik, die Konzentration der Subventionen auf die gro=DFen Agrarbetr=
iebe
=96 auf Kosten der Kleinbauern =96, wurde von sozialdemokratischer Seite ni=
e
aufgegriffen. Der Ministerwechsel vom Januar 2001 in Deutschland, bei dem
der Verbraucherschutz als Kern der Agrarpolitik definiert wurde, kommt
daher in der Tat einer Revolution von oben gleich. Voraussetzung war eine
Revolution von unten, eine Revolution der Verbraucher, die mit ihren Kaufen=
tscheidungen
in k=FCrzester Zeit den Markt f=FCr Rindfleisch vernichtet hatten.</font></=
font><font face=3D"Arial,Helvetica"><font size=3D"-1"></font></font>
</p><p><b><font face=3D"Arial,Helvetica"><font color=3D"#990000"><font size=
=3D"-1">Verbraucherschutz</font></font></font></b><font face=3D"Arial,Helve=
tica"><font size=3D"-1"></font></font>
</p><p><font face=3D"Arial,Helvetica"><font size=3D"-1">Die europ=E4ischen =
Verbraucher
bezahlen =96 wie erw=E4hnt =96 f=FCr Agrarprodukte mehr als sie auf einem
freien Markt bezahlen m=FCssten. Sie erhalten f=FCr h=F6here Preise
keine h=F6herwertigen Produkte, sondern gr=F6=DFere Mengen von
minderwertiger bis hin zu ekelerregender, gef=E4hrlicher oder gar t=F6dlich=
er
Qualit=E4t. Auf dem Markt f=FCr Nahrungsmittel erweist sich das seit</font>=
</font>
<br><font face=3D"Arial,Helvetica"><font size=3D"-1">Adam Smith g=E4ngige
Vertrauen in den Markt als naiv: Adam Smith folgend kann ich gerade deshalb
darauf vertrauen, dass sich meine Bed=FCrfnisse =FCber den Markt
befriedigen lassen, weil ich nicht auf die Menschenliebe des B=E4ckers
und des Schlachters hoffen muss, sondern zuverl=E4ssig mit deren Gewinnstre=
ben
rechnen kann. Unter Wettbewerbsbedingungen werden mir Schlachter und B=E4ck=
er
in ihrem ureigensten Interesse Produkte in der Menge und Qualit=E4t
verkaufen, die ich w=FCnsche. Dies gilt aber nur auf einem vollkommen
transparenten Markt. Schon der B=E4cker kann versuchen, den Konsumenten
zu t=E4uschen, indem er das Mehl mit S=E4gesp=E4nen versetzt.
Doch was ist ein mit S=E4gesp=E4nen versetztes Brot im Vergleich
zu dem Cocktail aus Medikamenten und Tiermehl, der uns in der Form eines
Rindersteaks vorgesetzt wird? Auch auf dem scheinbar einfachsten Markt,
dem Markt f=FCr Nahrungsmittel, ist Information asymmetrisch verteilt.
Der Markt funktioniert nur, weil die Konsumenten den Produzenten vertrauen
=96 ein Vertrauen, das jeder =F6konomischen Transaktion vorgeordnet ist
und diese erst erm=F6glicht. Erst im Falle einer Ersch=FCtterung
dieses Vertrauens erweist sich dessen =F6konomische Bedeutung.</font></font=
><font face=3D"Arial,Helvetica"><font size=3D"-1"></font></font>
</p><p><font face=3D"Arial,Helvetica"><font size=3D"-1">Wenn dem segensbrin=
genden
Automatismus des Marktes, dessen unsichtbare Hand den Egoismus der Subjekte
in allgemeine Harmonie verwandelt, nicht mehr vertraut werden kann, werden
vom Markt unabh=E4ngige Kontrollorgane notwendig, Verbraucherschutz
also, der jedoch als =84nachsorgende=93 Kontrolle der Produkte die Gef=E4hr=
dung
der Konsumenten kaum verhindern kann. Ganz abgesehen davon, dass der Verbra=
ucherschutz
als typisches Stiefkind der Politik ohnehin ein Schattendasein f=FChrt
und dass die Verbraucher als Lobby nicht oder schwer zu organisieren sind,
stehen mehrere Sachverhalte einem wirksamen Verbraucherschutz entgegen:</fo=
nt></font><font face=3D"Arial,Helvetica"><font size=3D"-1"></font></font>
</p><p><font face=3D"Arial,Helvetica"><font size=3D"-1">Erstens ist der Ver=
braucherschutz
f=FCr Anh=E4nger des freien Marktes ein nat=FCrliches =C4rgernis.
Wenn im Namen des Verbraucherschutzes bestimmte Stoffe ge- oder verboten
werden (so muss in Deutschland Kalbsleberwurst zu zehn Prozent (!) aus
Kalbsleber bestehen), erkl=E4rt diese =FCberfl=FCssige Regulierung
die Verbraucher indirekt f=FCr unm=FCndig und schr=E4nkt ihre
Optionen paternalistisch ein =96 in der kaum begr=FCndbaren Annahme, die
B=FCrokratie wisse besser als die Konsumenten, was f=FCr sie gut
sei. Dieser Einwand gilt mit Einschr=E4nkungen auch dann, wenn der Verbrauc=
herschutz
lediglich informiert, also zur Einhaltung bestimmter Regeln bei der Etikett=
ierung
von Produkten zwingt. In diesem Fall w=FCrde der Verbraucherschutz zwar
erst die Transparenz des Marktes herstellen und die Konsumenten in die
Lage versetzen, eine rationale Kaufentscheidung in Kenntnis des Risikos
zu treffen, das der Verzehr bestimmter Produkte mit sich bringt. Doch da
auch die Regeln f=FCr die Produktetikettierung von einer B=FCrokratie
erlassen werden, deren Weisheit zweifelhaft ist, besteht die M=F6glichkeit
der Fehlinformation, die als Handelshemmnis wirken kann. Dies f=FChrt
zu einem zweiten Sachverhalt, der einem wirksamen Verbraucherschutz entgege=
nsteht:
Auf dem gemeinsamen europ=E4ischen Markt k=F6nnen die Argumente des
Verbraucherschutzes missbraucht werden, um Importe zu diskriminieren. Wenn
etwa in Italien nur die Nudeln als pasta bezeichnet werden d=FCrfen,
die aus s=FCditalienischem Hartweizen gefertigt wurden, Importe dagegen
als =84pasta-=E4hnliches Gemisch=93 etikettiert werden m=FCssen, gehen
Verbraucherinformation und Protektionismus eine unzul=E4ssige Verbindung
ein. Um dies zu verhindern, muss die EU entweder in langwierigen Verhandlun=
gen
auf europ=E4ischer Ebene Standards entwickeln (man brauchte 14 Jahre,
um eine europ=E4ische Direktive zur Zusammensetzung von Fruchtmarmeladen
und Gelees auszuhandeln; auf eine Mineralwasserdirektive konnte man sich
nach elf Jahren einigen), oder aber jedes Mitgliedsland muss die Standards
jedes anderen Mitgliedslandes anerkennen. Nach einem Spruch des Europ=E4isc=
hen
Gerichtshofs von 1977 und vor allem seit der Herstellung der gemeinsamen
Binnenmarktes 1992 ist die wechselseitige Anerkennung von Standards geltend=
es
europ=E4isches Recht. Dies kann f=FCr den Verbraucherschutz eine
=84Spirale nach unten=93, also hin zu den europaweit niedrigsten Standards,
bedeuten. In der hohen Priorit=E4t, die der freie Handel f=FCr die
EU vor anderen Belangen hat und haben muss, liegt =96 zumindest im Konflikt=
fall
=96 ein gewisser =84struktureller=93 bias gegen den Verbraucherschutz. Wenn=
 also
das Umwelt-Bundesamt empfiehlt, beim Erwerb von Nahrungsmitteln Produkte
aus der n=E4heren Region zu bevorzugen, werden =FCber kurz oder lang
Organe der EU, im Zweifelsfall der Europ=E4ische Gerichtshof, intervenieren=
,
um zum Schutz des gemeinsamen Marktes diese Behinderung extraregionaler
Produkte abzustellen.</font></font><font face=3D"Arial,Helvetica"><font siz=
e=3D"-1"></font></font>
</p><p><font face=3D"Arial,Helvetica"><font size=3D"-1">Drittens teilen im =
Interesse
des informierenden wie des ge- und verbietenden Verbraucherschutzes vorgeno=
mmene
Produktdefinitionen das Problem aller Grenzwerte: Definiert wird eine H=F6c=
hstgrenze,
=FCber der die Konzentration eines Stoffes als sch=E4dlich zu gelten
hat; unterhalb des festgelegten Grenzwertes dagegen gilt die Konzentration
als problemlos. Dabei werden die langfristigen Folgen und die Effekte,
die in der Verbindung mehrerer Schadstoffe auftreten k=F6nnen, nicht
oder nur unzureichend ber=FCcksichtigt. Hier stellt sich die Frage,
wer unter welchen Bedingungen die Definitionen vornimmt. Welchen Einfluss
nehmen die organisierten Erzeuger und die von ihnen bezahlten Experten
auf die Definition von Grenzwerten, die Festlegung von Zusammensetzungen,
das Verwendungsverbot von Schadstoffen und die Etikettierung von Lebensmitt=
eln?
Sind Grenzwerte politische Kompromisse zwischen den Interessen der Erzeuger=
,
dem medizinisch-wissenschaftlichen Erkenntnisstand und den Verbraucherinter=
essen?
Wiegen im Interesse des Verbrauchschutzes vorgenommene Definitionen die
Konsumenten nicht systematisch in falscher Sicherheit?</font></font><font f=
ace=3D"Arial,Helvetica"><font size=3D"-1"></font></font>
</p><p><font face=3D"Arial,Helvetica"><font size=3D"-1">Viertens stellt die=
 schiere
Menge der verf=FCgbaren Produkte gerade bei den Nahrungsmitteln den
Verbraucherschutz vor unl=F6sbare Probleme. Nahrungsmittel setzen sich
zunehmend aus einer un=FCbersehbaren Anzahl chemischer Verbindungen
zusammen, deren Spektrum dank der permanenten Innovation auch in der Nahrun=
gsmittelproduktion
st=E4ndig neue Stoffe und Stoffkombinationen umfasst. Wer Rindfleisch
verzehrt, genie=DFt auch vom Rind =84weiter verarbeitetes=93 Viehfutter
(also unter anderem H=FChnerkot, Alt=F6l, zermahlene Katzen) plus
eine ganze Reihe von Medikamenten, Antibiotika, Hormonen usw. Diese Stoffe
flie=DFen in die menschliche Nahrung ein, =FCber ihre kombinierte
und Langzeitwirkung auf Wohlbefinden, Gesundheit und Lebenserwartung liegen
aber keine Erfahrungen und keine gesicherten Erkenntnisse vor. Aufgrund
der Komplexit=E4t und der permanenten Innovation der Produkte hinkt
der Verbraucherschutz notwendig hinter der Produktion her. Die Verbraucheri=
nformation
wird entweder undurchschaubar oder falsch. Die Hausfrau, die sicher gehen
will, dass sie ihrer Familie kein Gift auftischt, muss nicht nur ein Studiu=
m
der Lebensmittelchemie absolviert haben, sie muss auch einen gro=DFen
Teil ihrer Zeit darauf verwenden, die jeweils neuesten Entwicklungen zu
verfolgen =96 und ist dann immer noch nicht sicher, anders als der Raucher,
dem immerhin mitgeteilt wird, welches Risiko er eingeht, wenn er ein P=E4ck=
chen
Zigaretten konsumiert.</font></font><font face=3D"Arial,Helvetica"><font si=
ze=3D"-1"></font></font>
</p><p><font face=3D"Arial,Helvetica"><font size=3D"-1">Angesichts der un=
=FCbersehbaren
Zahl von Nahrungsmitteln und deren Kombinationen sowie der vielen Millionen
Kaufakte, die pro Tag in der Nahrungsmittelkette get=E4tigt werden,
wird die Vorstellung einer effektiven =DCberwachung der zum Zwecke des
Verbraucherschutzes erlassenen Regeln geradezu alptraumartig =96 die Geschi=
chte
der BSE-Krise ist hierf=FCr ein Beleg: Die europ=E4ischen Staaten
erwiesen sich als nicht in der Lage, die =96 wie man vermutet =96 f=FCr
den Menschen sch=E4dliche bis t=F6dliche Verf=FCtterung von Tiermehl
an Pflanzenfresser wirksam zu untersagen (so viel zur Debatte =FCber
das Verh=E4ltnis zwischen Staat und Markt). Unter den gegenw=E4rtigen
Bedingungen kann der Verbraucherschutz die Verbraucher kaum&nbsp; angemesse=
n
informieren, noch sie sch=FCtzen. Er kann entweder versuchen, durch
symbolische Aktionen das Vertrauen der Verbraucher in die Lebensmittelsiche=
rheit
aufrechtzuerhalten oder im Krisenfall wieder herzustellen. Er w=FCrde
in dann als zus=E4tzliche Marketingagentur der Nahrungsmittelproduzenten
wirken. Oder aber =96 dies ist die Alternative, die die Bundesregierung ein=
zuschlagen
verspricht =96 der Verbraucherschutz muss in der Nahrungsmittelproduktion
anstatt der Produkte die Produktionsprozesse der Kontrolle unterziehen,
das hei=DFt bestimmte Prozesse ge- oder verbieten und die Verbraucher
=FCber die Art des Produktionsprozesses informieren. Die =F6kologische
Landwirtschaft ist das herausragende&nbsp; Beispiel f=FCr eine Reihe
mehr oder weniger streng definierter Prozesse, als deren Ergebnis man auf
ein bestimmtes Niveau der Produktqualit=E4t erwarten kann. Die zur Zeit
in der konventionellen Landwirtschaft =FCbliche =84gute fachliche Praxis=93
als Kriterium der eingesetzten Produktionsverfahren dagegen wird =96 wie
die Vielzahl von Krisen zeigt =96 die Verbraucher kaum sch=FCtzen..</font><=
/font><font face=3D"Arial,Helvetica"><font size=3D"-1"></font></font>
</p><p><b><font face=3D"Arial,Helvetica"><font color=3D"#990000"><font size=
=3D"-1">Optionen:
Liberalisierung, Etikettierung, Produkthaftung</font></font></font></b><fon=
t face=3D"Arial,Helvetica"><font size=3D"-1"></font></font>
</p><p><font face=3D"Arial,Helvetica"><font size=3D"-1">Grunds=E4tzlich gib=
t es
zwei agrarpolitische Optionen. Die erste Option w=E4re die vollst=E4ndige
Liberalisierung des Agrarmarktes und seine uneingeschr=E4nkte =D6ffnung
f=FCr Importe. Diese Option w=FCrde von jeder weiteren politischen
Entscheidung entlasten, da nun zumindest formell dem Markt (den Verbraucher=
n)
die Zust=E4ndigkeit f=FCr die Gestaltung der Landwirtschaft zuerteilt
w=FCrde. Wenn dagegen eine ausschlie=DFlich marktgem=E4=DFe
Ordnung der Landwirtschaft f=FCr unzureichend gehalten wird, er=F6ffnet
sich eine ganze Palette politischer Optionen, sowohl hinsichtlich der bevor=
zugten
Technologien (=F6kologisch, konventionell oder gentechnisch), der priorit=
=E4r
gesch=FCtzten Interessen (Verbraucher, Produzenten, =84Natur=93 und Landsch=
aft)
sowie der bevorzugten Interventionsformen (Subventionen oder Regulierung,
Subvention der Produktion oder Einkommenstransfers).</font></font><font fac=
e=3D"Arial,Helvetica"><font size=3D"-1"></font></font>
</p><p><font face=3D"Arial,Helvetica"><font size=3D"-1">Die Vorteile einer =
rein marktwirtschaftlichen
L=F6sung sind:</font></font>
</p><ul>
<li>
<font face=3D"Arial,Helvetica"><font size=3D"-1">F=FCr den europ=E4ischen
Verbraucher sind die Lebensmittelpreise Weltmarktpreise, das hei=DFt
sie liegen unterhalb des vom gemeinsamen Agrarmarkt garantierten Niveaus.</=
font></font></li>

<li>
<font face=3D"Arial,Helvetica"><font size=3D"-1">Das Budget der EU wird ent=
lastet;
die Mittel der Gemeinschaft k=F6nnen sinnvoller eingesetzt werden; die
politische Legitimation der Union wird gest=E4rkt.</font></font></li>

<li>
<font face=3D"Arial,Helvetica"><font size=3D"-1">Die Verbraucher erhalten d=
ie
Chance, das Angebot durch ihre Kaufentscheidungen zu beeinflussen.</font></=
font></li>

<li>
<font face=3D"Arial,Helvetica"><font size=3D"-1">Die Qualit=E4t des Angebot=
s
wird sich aller Voraussicht nach verbessern, zum einen aufgrund&nbsp; der
gest=E4rkten Nachfragemacht der Konsumenten, zum andern, weil der Markt
nun auch Produkte aufnehmen kann, die unter g=FCnstigeren Klima- und
Bodenbedingungen erzeugt wurden (argentinisches Rindfleisch).</font></font>=
</li>

<li>
<font face=3D"Arial,Helvetica"><font size=3D"-1">Landwirtschaftliche Produz=
enten
au=DFerhalb Europas erhalten Zugang zum europ=E4ischen Markt sowie
zu Drittm=E4rkten, die vorher von subventionierten europ=E4ischen
Exporten =FCberschwemmt waren;</font></font></li>

<li>
<font face=3D"Arial,Helvetica"><font size=3D"-1">Die negativen =F6kologisch=
en
und landschaftlichen Folgen der Massentierhaltung und intensiven Bodenbewir=
tschaftung
in Europa werden gemildert.</font></font></li>
</ul>
<font face=3D"Arial,Helvetica"><font size=3D"-1">Die negativen Konsequenzen=
:
Ein Teil der landwirtschaftlichen Produzenten Europas w=FCrde aus dem
Markt gedr=E4ngt, Arbeitspl=E4tze nicht nur in der Landwirtschaft,
sondern zu einem gewissen Anteil auch in den Input-Industrien (Landmaschine=
n,
Viehfutter, Medikamente, D=FCngemittel, Agro-Chemikalien) und weiterverarbe=
itenden
Branchen w=FCrden verloren gehen. Damit w=FCrde auch die Budgetentlastung
zum Teil wieder f=FCr die soziale Kompensation der Betroffenen aufgewandt
werden m=FCssen. Allerdings w=E4re zu ber=FCcksichtigen:</font></font>
<ul>
<li>
<font face=3D"Arial,Helvetica"><font size=3D"-1">Der schleichende Prozess d=
er
Verdr=E4ngung kleinerer Betriebe im Rahmen der europ=E4ischen Subventionspo=
litik
w=FCrde lediglich beschleunigt werden: f=FCr viele kleinere Betriebe
w=FCrde das Ende mit Schrecken nur an die Stelle des Schreckens ohne
Ende treten.</font></font></li>

<li>
<font face=3D"Arial,Helvetica"><font size=3D"-1">Der gr=F6=DFte Teil der
Input- und ein Teil der weiterverarbeitenden Industrien sind international
orientiert und w=FCrden nicht notwendig von einem Schrumpfen der europ=E4is=
chen
Landwirtschaft beeintr=E4chtigt werden; und</font></font></li>

<li>
<font face=3D"Arial,Helvetica"><font size=3D"-1">Ein gro=DFer Teil der euro=
p=E4ischen
Landwirtschaft (in der Ile de France, Nord- und Ostdeutschland, in D=E4nema=
rk
und den Niederlanden, der Poebene, der spanischen Mittelmeerk=FCste)
w=E4re auch auf einem freien Markt international konkurrenzf=E4hig.</font><=
/font></li>
</ul>
<font face=3D"Arial,Helvetica"><font size=3D"-1">Eine liberale Agrarpolitik=
 w=FCrde
den Verbraucherschutz nicht in der Form von Ge- und Verboten zu gew=E4hrlei=
sten
suchen, sondern den Konsumenten zum Souver=E4n erkl=E4ren, der letztlich
durch seine Kaufentescheidungen bestimmt, was und wie produziert wird.
Dies betrifft auch die technologischen Pr=E4ferenzen, das hei=DFt
den Mix aus =F6kologischer, konventioneller und gentechnischer Produktion.
Um einen wirklich transparenten Markt herzustellen, m=FCsste allerdings
auch eine konsequent liberale Agrarpolitik zweierlei gew=E4hrleisten:</font=
></font>
<ul>
<li>
<font face=3D"Arial,Helvetica"><font size=3D"-1">eine umfassende und eindeu=
tige
Verbraucherinformation, etwa nach dem Muster der Zigarettenetikettierung.
Hierf=FCr m=FCsste der Verbraucherschutz =96 um verstecktem Protektionismus
entgegenzuwirken, auf europ=E4ischer Ebene =96, zentralisiert und nach
dem Vorbild der amerikanischen Food and Drugs Administration zur Angelegenh=
eit
einer spezialisierten und von den Produzenteninteressen unabh=E4ngigen
Beh=F6rde werden. Die EU-Kommission hat in ihrem Wei=DFbuch zur
Lebensmittelsicherheit die Bildung einer entsprechenden europ=E4ischen
Beh=F6rde vorgeschlagen, von der man unter den gegebenen Bedingungen
allerdings nicht wei=DF, wie unabh=E4ngig sie sein kann;</font></font></li>

<li>
<font face=3D"Arial,Helvetica"><font size=3D"-1">das Produkthaftungsrecht m=
=FCsste
=96 wiederum nach amerikanischen Vorbild =96 neu gefasst werden, das hei=DF=
t
die Produzenten m=FCssten f=FCr Sch=E4digungen, die der Verzehr
eines Nahrungsmittels hervorruft, die volle Verantwortung tragen. Dabei
darf die Beweislast nicht einseitig auf der Seite des Gesch=E4digten
liegen.</font></font></li>
</ul>
<font face=3D"Arial,Helvetica"><font size=3D"-1">Im Hinblick auf die europ=
=E4ische
Integration w=E4re die Liberalisierung des Agrarmarkts ein =84R=FCckbau=93:
eine Einschr=E4nkung des politischen Kompetenzbereichs der Gemeinschaft
zugunsten des Marktes und damit auch eine Einschr=E4nkung der europ=E4ische=
n
Kooperation. Die Erhaltung eines Kooperationsmodells allerdings, das =96
wie die gemeinsame Agrarpolitik =96 nur einer Minderheit zugute kommt und
die Legitimit=E4t der Integration insgesamt in Frage zu stellen droht,
kann jedoch kaum Selbstzweck sein.</font></font><font face=3D"Arial,Helveti=
ca"><font size=3D"-1"></font></font>
<p><font face=3D"Arial,Helvetica"><font size=3D"-1"><b><font color=3D"#9900=
00">Optionen:
Subventionierung zu welchem Zweck?</font></b></font></font><font face=3D"Ar=
ial,Helvetica"><font size=3D"-1"></font></font>
</p><p><font face=3D"Arial,Helvetica"><font size=3D"-1">Der Option eines fr=
eien Agrarmarkts
k=F6nnen mehrere Alternativmodelle gegen=FCbergestellt werden. Bei
der Produktion von Nahrungsmitteln, so lie=DFe sich argumentieren,&nbsp;
k=F6nnen die Kriterien der h=F6chsten Effizienz und der niedrigsten
Preise nicht die wichtigsten, auf keinen Fall aber die einzigen Produktions=
kriterien
sein. H=F6here Preise als marktr=E4umende Weltmarktpreise k=F6nnen
gerechtfertigt sein, wenn der Zweck, der mit der Subventionierung oder
Regulierung verfolgt wird, gerechtfertigt ist. Die derzeitige gemeinsame
Agrarpolitik der EU bezweckt den Schutz der Produzenten mittels garantierte=
r
Abnahmepreise, und die laufenden Reformen zielen auf die Ersetzung der
Preissubventionen durch direkte Einkommenstransfers. In technologischer
Hinsicht f=F6rdert die derzeitige Agrarpolitik die konventionell-chemische
Landwirtschaft und hierbei vor allem spezialisierte Betriebe mit hohem
Produktionsvolumen und hohen economies of scale.</font></font><font face=3D=
"Arial,Helvetica"><font size=3D"-1"></font></font>
</p><p><font face=3D"Arial,Helvetica"><font size=3D"-1">Technologisch biete=
n sich
zur herk=F6mmlichen Agrarpolitik der EU grunds=E4tzlich zwei Alternativen
an: Die spezielle F=F6rderung der gentechnischen oder der =F6kologischen
Landwirtschaft. Wenn der Staat bzw. die EU ihre vorrangige Aufgabe in der
F=F6rderung der Gentechnologie sehen =96 um die Wettbewerbsf=E4higkeit
Europas in einer neuen Technologie zu erhalten oder herzustellen; um einen
neuen landwirtschaftlichen Produktivit=E4tsschub und Preissenkungen
zu erzielen =96, dann steht das ganze Arsenal industriepolitischer Instrume=
nte
zur Verf=FCgung, das etwa bei der F=F6rderung der Atomtechnologie
zum Einsatz kam. Wichtigste Instrumente w=E4ren vermutlich die vom Staat/de=
r
EU gef=F6rderte oder selbst betriebene vorwettbewerbliche Forschung;
der Einsatz der staatlichen/gemeinschaftlichen Nachfragemacht; subventionie=
rte
Kredite und andere Mechanismen der Mittelstands- und Regionalf=F6rderung;
Ausbildungsma=DFnahmen; der Aufbau einer entsprechenden Infrastruktur;
und das Setzen von Industriestandards. Die bevorzugten Interessengruppen
w=E4ren zum einen die landwirtschaftlichen Produzenten, die bereit und
in der Lage sind, zur Gentechnologie =FCberzugehen, und zum andern die
auf landwirtschaftliche Anwendungen spezialisierte gentechnische Industrie.
Zumindest zu gro=DFen Teilen wird diese Interessengruppe mit dem heutigen
agro-chemisch-veterin=E4ren Komplex deckungsgleich sein. Kernst=FCck
der staatlichen oder gemeinschaftlichen agrarischen =84Industriepolitik=93
w=E4re es, die Produzenten von den potentiellen Risiken der Gentechnologie
zu entlasten und sie selbst zu =FCbernehmen (das hei=DFt die Steuerzahler
=FCbernehmen zu lassen) oder auf die Verbraucher abzuw=E4lzen. Die
Verbraucher w=FCrden insofern profitieren, als Nahrungsmittel m=F6glicherwe=
ise
billiger w=FCrden, sie w=FCrden aber auch die langfristigen (heute
unbekannten) Risiken zu tragen haben, die mit der gentechnischen Erzeugung
von Lebensmitteln verbunden sind. Ob der Einsatz der Gentechnologie in
der Landwirtschaft gewisse Extremformen der konventionellen Agrarproduktion
mildert (so wie der Einsatz der Kerntechnologie die Luftverschmutzung durch
Abgase mindert), kann an dieser Stelle nicht vorausgesagt werden.</font></f=
ont><font face=3D"Arial,Helvetica"><font size=3D"-1"></font></font>
</p><p><font face=3D"Arial,Helvetica"><font size=3D"-1">Bei der F=F6rderung=
 der
=F6kologischen Landwirtschaft k=F6nnten im Prinzip dieselben Instrumente
zur Anwendung kommen, eine =F6kologische Agrarpolitik w=E4re aber
insofern komplizierter, als sie gegen die Mehrheit und die Macht der Produz=
enten
=96 den agro-chemisch-veterin=E4ren und den agro-gentechnischen Komplex
=96 durchgesetzt werden m=FCsste und sich dabei auf keine organisierte
Basis st=FCtzen k=F6nnte. Nutznie=DFer dieser Politik w=E4ren
eine minorit=E4re Gruppe der Produzenten und vor allem die Verbraucher,
deren Ern=E4hrungsrisiko verringert w=FCrde, was aber mit h=F6heren
Lebensmittelpreisen verbunden sein k=F6nnte. Aber zum einen sind Verbrauche=
rinteressen
schwerer zu organisieren als Produzenteninteressen; zum andern ist nicht
voraussehbar, ob die Verbraucher (und designierten Patienten) sich mit
ihren Kaufentscheidungen wirklich f=FCr eine h=F6here Produktqualit=E4t
entscheiden werden =96 oder ob sie nicht doch den niedrigen Preisen den Vor=
zug
geben. Nutznie=DFer soll zum anderen =84die Natur=93 sein, deren systematis=
che
Sch=E4ndung durch die konventionelle Landwirtschaft von vielen als beunruhi=
-gend
empfunden wird, aus einem religi=F6sen Motiv heraus oder aufgrund anderweit=
iger
moralischer =DCberzeugungen. Kirchen, =D6kologiebewegung, Tier-,
Natur- und Landschaftsschutz machen sich zu Stellvertretern der Natur,
die sich direkt kein Geh=F6r verschaffen (wohl aber, wie auch BSE zeigt,
in Form einer Katastrophe reagieren) kann.</font></font><font face=3D"Arial=
,Helvetica"><font size=3D"-1"></font></font>
</p><p><font face=3D"Arial,Helvetica"><font size=3D"-1">Die Mittel zur F=F6=
rderung
der =F6kologischen Landwirtschaft werden freilich begrenzt sein. Auch
nach einer Reform der gemeinsamen Agrarpolitik im Zuge der Agenda 2000
werden Transferzahlungen an alle landwirtschaftlichen Produzenten geleistet
werden; als Gegenleistung bieten die Landwirte zur Zeit =F6kologische
und landschaftssch=FCtzerische Dienstleistungen an; man k=F6nnte
aber auch daran denken, f=FCr die Landwirte mit diesen Transferzahlungen
die Einkommensdifferenzen auszugleichen, die zwischen konventioneller und
=F6kologischer Landwirtschaft auftreten. Dies kann damit begr=FCndet
werden, dass die =F6kologische Landwirtschaft geringere Risiken mit
sich bringt als die chemisch-veterin=E4r-konventionelle oder gentechnische,
dass sie die Gesundheitsrisiken senken und Ern=E4hrungsskandale wie
die BSE-Krise vermeiden hilft. Eine massive Subventionierung kann dennoch
nur =FCbergangsweise erfolgen. Auf mittlere Sicht m=FCsste auch die
=F6kologische Landwirtschaft ihren eigenen Markt entwickeln, der weitgehend
ohne staatliche Subventionen auskommt (dasselbe g=E4lte f=FCr die
gentechnische Landwirtschaft). Das hei=DFt: das Projekt der =F6kologischen
Landwirtschaft w=E4re auf Dauer zum Scheitern verurteilt, wenn die Konsumen=
ten
nicht bereit w=E4ren, einen geringf=FCgig h=F6heren Anteil ihrer
Konsumausgaben f=FCr Nahrungsmittel aufzuwenden. Zur Zeit allerdings
haben die Konsumenten kaum die Chance, eine Entscheidung f=FCr oder
gegen =F6kologisch erzeugte Produkte zu treffen, da der Handel hierf=FCr
nur Nischen bereit stellt. Die F=F6rderung der =F6kologischen Landwirtschaf=
t
m=FCsste also in erster Linie darauf gerichtet sein, die (vermutete)
Nachfrage nach =F6kologischen Produkten =FCber den Handel mit dem
(potentiellen) Angebot in Kontakt zu bringen.</font></font><font face=3D"Ar=
ial,Helvetica"><font size=3D"-1"></font></font>
</p><p><font face=3D"Arial,Helvetica"><font size=3D"-1">Die Durchsetzung de=
r =F6kologischen
L=E4ndwirtschaft k=F6nnte zur Bildung zweier K=E4uferklassen f=FChren,
einer wohlhabenden Schicht, die sich die =D6koschnitzel zu Gem=FCte
f=FChrt, und einer Unterklasse von Deathburger-Konsumenten. Die Gruppe
derjenigen allerdings, die entweder ihren Nahrungsmittelverzehr mit gesundh=
eitssch=E4dlichen
Folgen einschr=E4nken m=FCssten oder aber zum Verzehr von Risikomaterial
gezwungen w=FCrden, d=FCrfte aber nicht allzu gro=DF und k=F6nnte
durch eine Steigerung der Sozialhilfe kompensiert werden. Insgesamt w=E4re
es von Vorteil, wenn die Definition des akzeptablen Ern=E4hrungsrisikos
zu einem hohen Anteil von den Verbraucherentscheidungen abh=E4ngig w=E4re
=96 wobei die Verbraucher freilich erst in die Lage versetzt werden m=FCsst=
en,
rationale Entscheidungen zu f=E4llen.</font></font><font face=3D"Arial,Helv=
etica"><font size=3D"-1"></font></font>
</p><p><font face=3D"Arial,Helvetica"><font size=3D"-1">Auf jeden Fall w=FC=
rde
auch eine gezielte F=F6rderung der =F6kologischen Landwirtschaft
nichts daran =E4ndern, dass sich das Gros des Sektors auch weiterhin
aus konventionell arbeitenden Betrieben zusammensetzt. Diese Mehrheitsgrupp=
e
von Agrarbetrieben wird auch in Zukunft Transferleistungen beziehen. Die
Subventionierung der Landwirtschaft wird also weiterhin mit der Subventioni=
erung
der Agrarproduzenten gleichbedeutend sein, mit dem Erhalt eines =84Standes=
=93,
der freilich immer weniger wegen seiner wirtschaftlichen Leistung und immer
mehr wegen des Verzichts auf Wirtschaftsleistung gef=F6rdert wird. Der
Einkommenstransfer auch an die konventionellen Agrarproduzenten ist zuminde=
st
formell an bestimmte Auflagen gebunden. Auch ohne den Kriterien der =F6kolo=
gischen
Landwirtschaft im strengen Sinne zu gen=FCgen (denen zufolge etwa der
Umfang der Tierhaltung an die f=FCr den Betrieb verf=FCgbare Gr=FCnfl=E4che
gebunden ist), k=F6nnen und m=FCssen auch die konventionellen Unternehmen
=F6kologische Dienstleistungen erbringen, und zwar nicht nur im Natur-
und Landschaftsschutz, sondern auch in der Produktion von Agrarerzeugnissen=
.
Das Gegensatzpaar =84=F6kologisch-konventionell=93 m=FCsste daher in
eine Skala unterschiedlicher Produktionsmodi ausdifferenziert werden. In
der deutschen Landwirtschaft etwa schreibt eine unter dem Namen =84Neuland=
=93
arbeitende Produzentengruppe Kriterien der Rinderhaltung vor, die zwar
nicht den strengen =F6kologischen Regeln entsprechen, aber doch einen
gro=DFen Schritt aus der chemisch-veterin=E4ren Tierhaltung heraus
f=FChren. Investitionen der Landwirte, die die Betriebe auf neue Kriterienk=
ataloge
ausrichten, k=F6nnen staatlich gef=F6rdert werden, wenn sie nachweisbar
zum R=FCckbau chemischer und veterin=E4rer und zur St=E4rkung
nat=FCrlicher Kreisl=E4ufe in der Tier- und Pflanzenproduktion beitragen.</=
font></font><font face=3D"Arial,Helvetica"><font size=3D"-1"></font></font>
</p><p><b><font face=3D"Arial,Helvetica"><font color=3D"#990000"><font size=
=3D"-1">Schluss</font></font></font></b><font face=3D"Arial,Helvetica"><fon=
t size=3D"-1"></font></font>
</p><p><font face=3D"Arial,Helvetica"><font size=3D"-1">Es ist nicht ausges=
chlossen,
dass die BSE-Krise neue Anreize nicht nur f=FCr die Produzenten, sondern
auch f=FCr die Verbraucher und den Handel schafft, dass sich neue Vermarktu=
ngskan=E4le
(vom =D6kobauern zum lokalen Schlachter anstatt von der Agrarfabrik
zum Supermarkt) auftun, und dass sich die Ern=E4hrungsgewohnheiten =84struk=
turell=93
ver=E4ndern. Die BSE-Krise k=F6nnte zur einer Art =84=D6lkrise der
Landwirtschaft=93 werden, die neue Verbrauchsmuster hervorruft. Die BSE-Kri=
se
ist aber auch und vor allem politischer und ethischer Natur =96 und zwar
weit =FCber den traditionellen Tierschutz hinaus. Sie wirft letztlich
die Frage auf, wie viel Zurichtung der Natur wir akzeptieren wollen, um
=FCber (geringf=FCgig) billigere Nahrungsmittel und erweiterte Konsumoption=
en
verf=FCgen zu k=F6nnen. Die dank Fleischkonsum =96 scheinbar =96 h=F6here
Qualit=E4t unserer Ern=E4hrung ist erkauft mit h=F6heren Gesundheitsrisiken=
,
aber auch Zust=E4nden in der Tierhaltung, die jeden zur Sympathie f=E4higen
Menschen zum Vegetarier werden lassen w=FCrden, der w=FCsste, was
hinter den W=E4nden der St=E4lle und Schlachth=F6fe vor sich geht.</font></=
font><font face=3D"Arial,Helvetica"><font size=3D"-1"></font></font>
</p><p><font face=3D"Arial,Helvetica"><font size=3D"-1">Krise und Kritik h=
=E4ngen
zusammen: Die Krise macht die Ern=E4hrung, die zuvor als Angelegenheit
des privaten Geschmacks von =F6ffentlicher Er=F6rterung weitgehend
verschont blieb bzw. als Angelegenheit unverbesserlicher Apostel (Vegetarie=
r,
Veganer, M=FCslis usw.) galt, zum Gegenstand der kritischen =F6ffentlichen
Debatte. Mit dem BSE-Skandal ist eine weitere Facette der Risikogesellschaf=
t
sichtbar geworden: Es gibt ein Reservat weniger, in dem Konsumenten und
B=FCrger vom Zwang zur Reflexion und zu grunds=E4tzlichen Entscheidungen
entlastet w=E4ren =96 der Privatbereich der Nahrungsmittelaufnahme ist
nicht mehr privat. Selbst die Auswahl der Speisen wird zu einer Angelegenhe=
it
mit ethischem Hintergrund und potentiell t=F6dlichem Ausgang. Damit
wird vieles von dem, was zuvor der Gewohnheit und der Tradition =FCberlasse=
n
war, zu einem Gegenstand reflexiver Entscheidungen =96 und dem politischen
Handeln zug=E4nglich.</font></font>
<br><font face=3D"Arial,Helvetica"><font size=3D"-1"></font></font>&nbsp;


</p></body></html>
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