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Subject: Steuerharmonisierung
Date: Wed, 7 May 2025 14:33:26 +0200
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52">
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   <title>Steuerharmonisierung</title>
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9" alink=3D"#FF0000">

<center><b><font face=3D"Frutiger 45 Light"><font color=3D"#15686A"><font s=
ize=3D"+2">Steuerharmonisierung
in der EU - Argumente und Gegenargumente</font></font></font></b>
<p><b><font color=3D"#990000">Ein FES-Politikinfo von Alfred Pfaller</font>=
</b></p></center>

<p>Zwischen den einzelnen Mitgliedsstaaten der Europ=E4ischen Union
divergieren die Steuers=E4tze betr=E4chtlich. Dies gilt sowohl f=FCr
die Mehrwertsteuer (und andere indirekte Steuern, etwa auf Tabak, Spirituos=
en
oder Treibstoff) als auch f=FCr die Einkommens- und Unternehmenssteuern.
Bei letzteren kommt hinzu, dass auch die Bemessungsgrundlagen - also die
Festlegung der steuerpflichtigen Einkommen und Gewinne - von Land zu Land
unterschiedlich sind. Seit langem wird eine Harmonisierung gefordert, aber
auch abgelehnt. Politisch brisant ist vor allem der Bereich der direkten
Steuern. Auf ihn konzentrieren sich die folgenden Thesen.
</p><p><b><font color=3D"#990000">Das Basisargument f=FCr Steuerharmonisier=
ung:
Stopp dem Unterbietungswettlauf!</font></b>
<br>Unternehmen sind immer weniger an einen nationalen Standort gebunden.
Sie machen ihre Standortentscheidungen l=E4nder=FCbergreifend davon
abh=E4ngig, wo sie die h=F6chste Rendite f=FCr das investierte
Kapital erwarten. Die von der jeweiligen Gebietsk=F6rperschaft - die
wichtigste davon ist der Nationalstaat - erhobenen Steuern auf Unternehmens=
ergebnisse
und -aktiva sind dabei ein wichtiges Kriterium. Den Staaten wiederum ist
daran gelegen, dass auf ihrem Gebiet m=F6glichst viel produziert wird.
Das bedeutet Wohlstand f=FCr die Bev=F6lkerung, nicht zuletzt =FCber
vermehrte Einkommenschancen (Arbeitspl=E4tze und Entlohnung) auf dem
Arbeitsmarkt. Die L=E4nder stehen also in einem internationalen Wettbewerb
um die Gunst investierender Unternehmen. Dieser Wettbewerb tendiert dazu,
ein Unterbietungswettbewerb zu werden: die Staaten suchen sich gegenseitig
mit immer attraktiveren Steuerbedingungen zu =FCbertrumpfen. Sollte
ein einzelner Staat dagegen halten, wandern ihm nach und nach die Unternehm=
en
ab. Neuinvestitionen werden anderswo get=E4tigt. Dies gilt in besonderem
Ma=DFe f=FCr die Europ=E4ische W=E4hrungsunion, wo es aufgrund
der hohen Marktintegration und des nicht mehr existierenden W=E4hrungsrisik=
os
f=FCr Unternehmen besonders leicht ist, sich andere Standorte auszusuchen.
</p><p>Die Konsequenz: Zur Finanzierung der Staatsaufgaben (Infrastruktur,
Ausbildung, =F6ffentliche Sicherheit, soziale Absicherung etc.) m=FCssen
mehr und mehr diejenigen herangezogen werden, die keine Standortwahl haben:
Arbeitnehmer, Verbraucher, Immobilienbesitzer. Das ist ungerecht. Gleichzei=
tig
m=FCssen immer mehr Abstriche bei den =F6ffentlichen Leistungen gemacht
werden. Das senkt die Lebensqualit=E4t.
</p><p><b><font color=3D"#990000">Das Basisargument f=FCr Steuerwettbewerb:
ein effizienterer Staat</font></b>
<br>Staaten neigen dazu, immer mehr Steuern zu erheben, um politisch wichti=
ge
Gruppen zufrieden zu stellen. Da sie auf ihrem Gebiet das Monopol in der
Bereitstellung =F6ffentlicher G=FCter haben, stehen sie nicht unter
Druck, dies m=F6glichst effizient zu tun. Wettbewerb zwischen den Staaten
um die Gunst investierender Unternehmen f=FChrt einen w=FCnschenswerten
Druck ein, die staatlichen Leistungen m=F6glichst effizient zu erbringen
und Dinge sein zu lassen, deren Nutzen zweifelhaft ist.
</p><p>Es besteht keine Gefahr, dass es zu einer unbegrenzten Unterbietungs=
konkurrenz
kommt. Denn Unternehmen sehen nicht nur auf den Kostenfaktor "Steuern",
sondern auch auf den Nutzenfaktor&nbsp; "=F6ffentliche&nbsp; Leistungen".
Sie gehen nicht dorthin, wo die Steuern am niedrigsten sind, sondern dorthi=
n,
wo das Verh=E4ltnis zwischen dem Preis (d.h. den zu entrichtenden Steuern)
und den daf=FCr gebotenen =F6ffentlichen Leistungen g=FCnstig
ist. Harmonisierung der Unternehmensbesteuerung w=FCrde den effizienzf=F6rd=
ernden
Wettbewerb wieder ausschalten und ein Kartell der tendenziell uners=E4ttlic=
hen
Fiskusse etablieren - zum Schaden der Allgemeinheit.
</p><p><b><font color=3D"#990000">Gegenargument: Der Markt f=FCr =F6ffentli=
che
G=FCter funktioniert anders</font></b>
<br>Die Hoffnung, dass Steuerwettbewerb f=FCr eine effizientere Bereitstell=
ung
=F6ffentlicher G=FCter sorgt, beruht auf einer zu simplen Vorstellung
von einem "Markt f=FCr =F6ffentliche G=FCter". Dort gelten andere
Gesetze als auf dem f=FCr private G=FCter.
</p><p>=D6konomen weisen darauf hin, dass bei =F6ffentlichen G=FCtern
(etwa Verkehrswegen und Bildungseinrichtungen) die Grenzkosten weit unter
den Durchschnittskosten liegen. D.h., wenn die entsprechenden Investitionen
einmal get=E4tigt sind, fallen f=FCr die Bereitstellung der zugeh=F6rigen
Leistungen nur noch geringe bis gar keine Kosten an. Steuerwettbewerb zwisc=
hen
den Staaten konkurriert dann den Preis, den die Unternehmen f=FCr die
=F6ffentlichen Leistungen zahlen m=FCssen, soweit herunter, dass
nur noch die Grenzkosten abgedeckt werden. Auf l=E4ngere Frist reichen
die Steuereinnahmen nicht, um die =F6ffentlichen Aufgaben zu finanzieren.
</p><p>Aber auch diese Vorstellung wird der Realit=E4t nicht gerecht. Vielm=
ehr
wird die Bereitstellung =F6ffentlicher G=FCter von den B=FCrgern
politisch (vermittelt =FCber Wahlen, Parlament etc.) beschlossen - als
kollektive Konsumentscheidung. Die B=FCrger lassen sich die =F6ffentlichen
G=FCter steuerlich etwas kosten, weil sie den gemeinsamen Nutzen im
Auge haben. Ein Aspekt dieses Nutzens ist die Attraktivit=E4t des nationale=
n
Standorts f=FCr Investoren. Sie zahlt sich in Arbeitspl=E4tzen und
Einkommenszuwachs aus. Auf dem Markt f=FCr "Standortdienste" zahlen
die Unternehmen nicht in erster Linie mit Steuern f=FCr den Anbieter
"Staat", sondern mit Einkommensquellen f=FCr den Anbieter "Gemeinschaft
der B=FCrger". Damit aber kommt doch die Frage nach dem Preis auf, den
die Gemeinschaft hierf=FCr in Form von "Gratis-Vorleistungen" zahlen
muss. Steuerkonkurrenz erh=F6ht diesen Preis.
</p><p><b><font color=3D"#990000">Steuerkonkurrenz verteilt die Steuerlast =
um</font></b>
<br>Ungerecht? Nicht unbedingt. Die =F6konomische Logik spr=E4che
daf=FCr, Unternehmen grunds=E4tzlich von jeder Steuer zu befreien
und lediglich die Einkommen, die Verm=F6gen und den Konsum der B=FCrger
(bzw. der Einwohner) zu besteuern. Unternehmen sind im Grunde "Wohlstandser=
zeugungsmaschinen",
die es zu pflegen gilt. Erst wenn der erzeugte Wohlstand verteilt ist -
in Form von Gewinnen, L=F6hnen, Zinsen und Renten - entsteht eigentlich
die Frage nach der Steuergerechtigkeit. Ob Unternehmen hingegen hohe, gerin=
ge
oder gar keine Steuern zahlen, hat mit Gerechtigkeit erst mal nichts zu
tun. So gesehen, k=F6nnte man dem Steuerwettbewerb, was Unternehmenssteuern
betrifft, getrost freien Lauf lassen.
</p><p>Dieses =F6konomische Ideal l=E4sst sich jedoch schwer verwirklichen.
Denn die Einkommen, die aus Kapitalbesitz entstehen, k=F6nnen sich der
Besteuerung in gro=DFem Umfang entziehen, wenn sie nicht bereits an
der Quelle, n=E4mlich auf der Ebene der Unternehmen, erfasst werden.
L=E4sst man zu, dass Standortwettbewerb die Unternehmensbesteuerung
immer mehr absenkt, bleibt die Finanzierungslast f=FCr die =F6ffentlichen
Leistungen immer st=E4rker an den Einkommen h=E4ngen, die sich der
Besteuerung nicht entziehen k=F6nnen, d.h. vor allem den Lohneinkommen.
</p><p>Die wahren "free riders", die =F6ffentliche Leistungen in Anspruch
nehmen, ohne daf=FCr zu bezahlen, sind gem=E4=DF dieser Sichtweise
aber
nicht die Unternehmen. Es sind die Staatsb=FCrger, die sich der Verpflichtu=
ng
gegen=FCber ihrem Gemeinwesen entziehen - obwohl sie dessen Schutz und
als Einwohner meist auch dessen sonstige =F6ffentliche Leistungen in
Anspruch nehmen.
<br>Die Leidtragenden sind nicht in erster Linie die Armen, sondern eher
die standortgebundenen Bezieher voll versteuerter mittlerer Einkommen.
Sie sind es auch, die mit ihren Steuern die Umverteilung zugunsten der
Bed=FCrftigen finanzieren. Auch hier bietet sich ein "free ride" f=FCr
die steuerfl=FCchtigen Kapitalbesitzer. Denn Umverteilung ist eine Investit=
ion
in gesellschaftliche Stabilit=E4t, die vor allem auch ihnen zugute kommt.
</p><p><b><font color=3D"#990000">Kein Unterbietungs-, sondern ein Optimier=
ungswettbewerb</font></b>
<br>Es gibt eine andere Sicht der Dinge: Die Finanzierung der =F6ffentliche=
n
Leistungen und die Verteilung der Steuerlast sind Scheinprobleme. In Wirkli=
chkeit
geht es nicht prim=E4r darum, wo Unternehmen investieren, sondern darum,
dass sie investieren. Es geht - weltweit - um ein Steuersystem, das optimal=
e
Anreize f=FCr produktive Investition und somit die Schaffung von Arbeitspl=
=E4tzen
und die Mehrung des gesellschaftlichen Wohlstands bietet. Ein derartiges
Steuersystem beruht (a) auf m=E4=DFigen Spitzensteuers=E4tzen
auf Unternehmensergebnisse und Einkommen (etwa 30-35 %) und (b) einer breit=
en
Steuerbasis, die wenige steuerbefreiende Tatbest=E4nde vorsieht.
</p><p>In den vergangenen 20 Jahren ist weltweit ein Trend in genau diese R=
ichtung
festzustellen. Diejenigen L=E4nder, die ihm nicht folgen, die =FCberdurchsc=
hnittlich
hohe Grenzsteuers=E4tze aufweisen, haben in der Tat ein Problem im Wettbewe=
rb
um produktive Investitionen. Dieser Wettbewerb ist aber kein endloser Unter=
bietungswettbewerb.
Die im Zuge der Globalisierung zu konstatierende weltweite Konvergenz der
Unternehmenssteuern ist keine Konvergenz gegen Null. Vielmehr =FCbt
der Standortwettbewerb heilsamen Druck auf alle L=E4nder aus, die wachstums=
feindlichen
Fehlentwicklungen vergangener Jahrzehnte zu korrigieren. Dieser Wettbewerb
ist kein Verdr=E4ngungswettbewerb, sondern der Mechanismus, der weltweit
die "best practice", also das effizienteste Wirtschaftssystem, durchsetzt.
</p><p>Dar=FCber hinaus f=FChrt die Eliminierung der vielen Steuervermeidun=
gsm=F6glichkeiten,
die in Deutschland vor allem den Einkommensstarken offen stehen, im Ergebni=
s
zu mehr Steuergerechtigkeit - trotz verringerter Spitzensteuers=E4tze.
Woher kommt die Zuversicht, dass der Standortwettbewerb nicht =FCber
die "optimalen" S=E4tze hinaus zu immer weiteren Steuersenkungen f=FChrt?
Drei Antworten gibt es:
</p><ul>
<li>
In der Realit=E4t l=E4sst sich bisher kein "race to the bottom" beobachten.
Die Gesamtbesteuerung des Kapitals ist f=FCr den Durchschnitt der Industrie=
l=E4nder
=FCber Jahrzehnte bemerkenswert konstant geblieben.</li>

<li>
Der "Systemwettbewerb" =FCbt starken Druck auf alle Staaten aus, die
=F6ffentlichen Haushalte m=F6glichst ausgeglichen zu halten und evtl.
sogar bestehende Schulden zu verringern. Angesichts eng begrenzter M=F6glic=
hkeiten
zur Ausgabenk=FCrzung haben sie deshalb ein gemeinsames Interesse an
der Aufrechterhaltung des Steuereinkommens.</li>

<li>
Die Unternehmen sind bei weitem nicht so mobil, wie der Globalisierungsdisk=
urs
oft unterstellt.</li>
</ul>
<b><font color=3D"#990000">Steuerflucht: die Pervertierung des Leistungswet=
tbewerbs</font></b>
<br>Selbst wer Steuerwettbewerb als effizienz- und/oder wachstumsf=F6rdernd
ansieht, muss konstatieren, dass einzelne Staaten just damit wirtschaftlich=
e
Vorteile zu erlangen suchen, dass sie ausl=E4ndischem Kapital Schutz
vor dem Zugriff der Steuer anbieten. Hierbei geht es nicht um Realinvestiti=
onen,
sondern um Geldanlagen. Es geht um Wettbewerbsvorteile in einem ganz bestim=
mten
Wirtschaftszweig: den Finanzdienstleistungen. Die Frage nach dem Preis-Leis=
tungs-Verh=E4ltnis
bei =F6ffentlichen G=FCtern spielt dabei keine Rolle. Trittbrettfahren
(angemessener: Schwarzfahren) ist hier das Prinzip. Denn man enth=E4lt
denjenigen Staaten die Steuern vor, deren =F6ffentliche Leistungen man
als Staatsb=FCrger in Anspruch nimmt.
<p>Auch Unternehmen nutzen den Beihilfewettbewerb zur Steuerhinterziehung
aus. Steuerverg=FCnstigungen veranlassen Unternehmen, ihre Gewinne -
mit Hilfe fiktiver Verrechnungspreise - nicht in den L=E4ndern anfallen
zu lassen, in denen sie tats=E4chlich entstanden sind. Dies kommt einer
Perversion des Preis-Leistungs-Gedankens f=FCr =F6ffentliche G=FCter
gleich; denn die Steuer kommt gerade nicht den Staaten zugute, deren Stando=
rtdienste
man f=FCr die Produktion in Anspruch nimmt. Die "Steueroasen" aber profitie=
ren
von einer zus=E4tzlichen Steuerbasis, f=FCr die sie nicht viel tun
m=FCssen.
</p><p>Beide Varianten dieses rein buchgeldbezogenen Steuerwettbewerbs spre=
chen
dem Prinzip der Steuergerechtigkeit Hohn. Je mehr er um sich greift, desto
schwieriger wird letztlich auch die Finanzierung =F6ffentlicher Leistungen;
denn das Einkommen (bzw. der Konsum) der nicht-mobilen B=FCrger sowie
das nicht-mobile Verm=F6gen (Grundbesitz) sind nicht unbegrenzt belastbar.
</p><p>Diejenigen Staaten, die in diesem Wettbewerb die Nase vorn haben, pr=
ofitieren
zum Schaden der anderen L=E4nder. Lassen sich aber viele - oder gar
alle - Staaten auf das Spiel ein, kommt es zu einem klassischen Negativ-Sum=
men-Spiel.
D.h. alle verlieren, nirgendwo entsteht ein dauerhafter Nutzen - weder
in Form effizienterer Standortdienste noch in Form beschleunigten Wirtschaf=
tswachstums.
Auch die Effizienz der Unternehmen als "Wohlstandserzeugungsmaschinen"
leidet. Denn der Wettbewerb zwingt sie, gro=DFen, volkswirtschaftlich
unproduktiven Aufwand f=FCr komplexe Steuerbelastungsvergleiche zu treiben.
</p><p><b><font color=3D"#990000">Die politischen Priorit=E4ten</font></b>
</p><p><b><font color=3D"#156A66">Beseitigung der Steueroasen f=FCr Zinsein=
kommen</font></b>
<br>F=FCr das Anlocken von Geldkapital durch die Gew=E4hrung von
"Steuerasyl" kann kein legitimes Argument vorgebracht werden. Dass einige
Mitgliedsstaaten der EU genau dieses tun, sollte nicht l=E4nger toleriert
werden. Die Wege zur Beendigung dieses Zustands sind (a) eine EU-weite
einheitliche Quellensteuer, (b) Information der zust=E4ndigen Steuerbeh=F6r=
den
=FCber die Zinseink=FCnfte von Kontoinhabern.
</p><p><b><font color=3D"#166169">Mindests=E4tze f=FCr Unternehmenssteuern<=
/font></b>
<br>Eine probate Methode illegitimer Steuervermeidung sind Verrechnungsprei=
se,
die - unabh=E4ngig vom realen Produktionsprozess - Gewinne an Niedrigsteuer=
standorten
anfallen lassen. Angemessen hohe Mindeststeuers=E4tze w=FCrden solche
M=F6glichkeiten stark beschneiden.
</p><p><b><font color=3D"#15666A">EU-weites Informations- und Kontrollsyste=
m</font></b>
<br>Steuerhinterziehung durch Geldanlage im EU-Ausland wird schwieriger,
wenn die Anlagel=E4nder die Steuerbeh=F6rden der Herkunftsl=E4nder
systematisch informieren w=FCrden.
</p><p><b><font color=3D"#15606A">Verringerung und Harmonisierung der Steue=
rverg=FCnstigungen</font></b>
<br>Auch wer Steuerwettbewerb als ein Mittel zur Verbesserung des Preis-Lei=
stungs-Verh=E4ltnisses
f=FCr =F6ffentliche G=FCter oder zur generellen Dynamisierung
der Wirtschaft ansieht, muss gezielte Steuerprivilegien als effizienzfeindl=
ich
ablehnen. Diese Art von Subventionswettbewerb, die in der EU durchaus verbr=
eitet
ist, sollte unterbunden werden. Dann lie=DFe sich immer noch =FCber
einen Wettbewerb der allgemein geltenden Steuers=E4tze diskutieren.
</p><p><b><font color=3D"#166569">Globalisierung des Kampfes gegen Steuerfl=
ucht</font></b>
<br>Die Ausschaltung der sch=E4dlichen Varianten des Steuerwettbewerbs
auf EU-Ebene bringt wenig, wenn Unternehmen und Einkommensbezieher auf
Steueroasen au=DFerhalb der Union ausweichen k=F6nnen. Harmonisierung
und Informationsaustausch w=E4ren also zu "globalisieren". Trotzdem
sollte man bis dahin die sch=E4dlichen Praktiken auf EU-Ebene nicht
gew=E4hren lassen.
</p><p><b><font color=3D"#990000">Vernunft, Privilegien und politische Ents=
cheidungsregeln</font></b>
<br>Dar=FCber, dass bestimmte Praktiken des Steuerwettbewerbs sch=E4dlich
sind, besteht kein Dissens. Dies betrifft
</p><ul>
<li>
die Beihilfe zur Steuerhin-terziehung f=FCr Geldanleger</li>

<li>
die M=F6glichkeit und den Anreiz zu fiktiven Verrechnungspreisen</li>

<li>
den gezielten Einsatz von Steuerverg=FCnstigungen.</li>
</ul>
Interesse an ihrer Aufrechterhaltung haben einzelne Staaten, die bislang
klare Vorteile aus ihnen bezogen haben (Luxemburg, Irland, UK). Diese Vorte=
ile
gereichen anderen EU-Staaten eindeutig zum Schaden.
<p>Warum ist Abhilfe so schwierig? Weil sie gem=E4=DF den EU-Entscheidungsr=
egeln
nicht durch Mehrheitsbeschluss herbeigef=FChrt werden kann. Die Minderheit
der Nutznie=DFer hat ein Vetorecht. Der Vernunft k=F6nnte dennoch
der Durchbruch gelingen,
</p><ul>
<li>
wenn der Europ=E4ische Gerichtshof die jetzt praktizierten Steuerverg=FCnst=
igungen
als eine Art unerlaubter Beihilfen interpretiert, und mit dem einheitlichen
Binnenmarkt f=FCr unvereinbar erkl=E4rt;</li>

<li>
wenn die Mehrheit der Staaten =FCbereinkommt, sowohl auf die Unternehmen
als auch auf die =84Au=DFenseiterstaaten=93 Druck auszu=FCben</li>

<li>
wenn die Mehrheit der Staaten voll in den Steuerverg=FCnstigungswettbewerb
einsteigt und so bewusst eine unhaltbare Situation herbeif=FChrt, die
generell die Bereitschaft zu vern=FCnftigen L=F6sungen erh=F6ht.</li>
</ul>

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<br>Friedrich-Ebert-Stiftung, 5310 Bonn, fax: 0228 / 883 625, E-Mail: <a hr=
ef=3D"mailto:PfallerA@fes.de">PfallerA@fes.de</a>


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