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Subject: Privatisierung
Date: Wed, 7 May 2025 14:35:58 +0200
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   <title>Privatisierung</title>
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<center><b><font face=3D"Frutiger 45 Light"><font color=3D"#09775F"><font s=
ize=3D"+2">Privatisierungen
als Schl=FCssel zur Entwicklung Ekuadors?</font></font></font></b>
<p><b><font color=3D"#CC0000"><font size=3D"-1">Hintergr=FCnde und Auswirku=
ngen
einer Politik - Ein Bericht von Simone Burkhart</font></font></b></p></cent=
er>

<p><b><font color=3D"#0B755E"><font size=3D"-1">1. Einleitung</font></font>=
</b>
</p><p><font size=3D"-1">Eine Welle von Privatisierungen =FCberzog Lateinam=
erika,
aber auch Nordamerika, Europa und die Staaten des ehemaligen Ostblocks
in den letzten Dekaden. Solche Privatisierungsprogramme waren Ausdruck
einer allgemeinen Tendenz einer st=E4rkeren Marktorientierung der Volkswirt=
schaften.
Nach dem Zusammenbruch des Sozialismus und dem damit verbundenen Scheitern
der Idee der Planwirtschaft wurde das neoliberale Marktmodell auch als
Strategie f=FCr Entwicklungsl=E4nder propagiert, welches Wachstum
und Prosperit=E4t versprach - ein Entwicklungsmodell, das bis in die
letzten Jahre unter Wissenschaftlern relativ unangefochten war.</font>
</p><p><font size=3D"-1">Ekuador schloss sich der Tendenz einer st=E4rkeren
Betonung des Marktes vergleichsweise sp=E4t, n=E4mlich erst Mitte
der 90er Jahre an, mit umfangreichen Pl=E4nen zur Privatisierung von
Staatsbetrieben, unter anderem in den Sektoren Telekommunikation, Elektrizi=
t=E4t
und Infrastruktur. Der Prozess der Privatisierung ist in Ekuador, wie in
anderen L=E4ndern, nicht unumstritten, sondern f=FChrte und f=FChrt
zu heftigen ideologischen Debatten =FCber die Rolle des Staates und
die F=E4higkeiten des Marktes. Bef=FCrworter versprechen sich eine
Reihe von Privatisierungssegnungen - wie die Erh=F6hung der Effizienz
ehemaliger Staatsbetriebe, Anziehung von ausl=E4ndischen Investoren,
eine g=FCnstige Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt, langfristige Entwicklungs=
perspektiven
und Wettbewerbsf=E4higkeit der Wirtschaft, um nur einige zu nennen.
Im Vertrauen auf die Kr=E4fte des Marktes fordern sie "einen aggressiven
Privatisierungsplan, mit dem der Staat in k=FCrzester Zeit seine Rolle
als Produzent an den Privatsektor =FCberf=FChrt".&nbsp; Andere stehen
diesen Visionen skeptisch gegen=FCber und weisen darauf hin, dass, was
in der Theorie Wohlstand und wirtschaftliche Entwicklung verspricht, nicht
ohne weiteres auf ein Entwicklungsland wie Ekuador angewandt werden kann.
Zudem =FCbt man heftige Kritik an der Art und Weise des Privatisierungsproz=
esses
in Ekuador, die dazu dienen k=F6nnte, "eine Anleitung zu schreiben,
die lehrt, wie man nicht privatisiert".&nbsp; Im Folgenden sollen nach
einem kurzen Abriss zur Geschichte und Wirtschaftsentwicklung Ekuadors
die theoretischen Hintergr=FCnde dieser Debatte er=F6rtert und am
Beispiel des Prozesses der Privatisierung in Ekuador Vor- und Nachteile
sowie die Konsequenzen der Privatisierungen f=FCr Ekuador beleuchtet
werden.</font>
</p><p><b><font color=3D"#0C746C"><font size=3D"-1">2. Die Politische und W=
irtschaftliche
Entwicklung Ekuadors</font></font></b>
</p><p><font size=3D"-1">Ekuador blickt auf Dekaden von politischer und wir=
tschaftlicher
Instabilit=E4t zur=FCck. Nach einer Milit=E4rdiktatur wurde das
Land Ende der 70er Jahre in eine Demokratie =FCberf=FChrt, aber bis
heute wurden weder politische Stabilit=E4t noch wirtschaftliche Entwicklung
erreicht. Wirtschaftlich ist Ekuador einseitig auf den Export von Erd=F6l,
Bananen, Schrimps und Blumen sowie landwirtschaftliche Prim=E4rprodukte
ausgerichtet. 18 %&nbsp; der Gesamtexporte sind Erd=F6l, 25 % Bananen
und 6 % Meeresfr=FCchte.&nbsp; Allein der Erd=F6lsektor erwirtschaftet
28 % der Staatseinnahmen. Damit ist das Land nat=FCrlich anf=E4llig
und verwundbar gegen=FCber Schwankungen der Weltmarktpreise. Eine hohe
Auslandsverschuldung, Naturkatastrophen, ausufernde Korruption in Politik
und Wirtschaft und fehlende Politikkonzepte verhinderten in den letzten
Jahren die Entwicklung des Landes.</font>
</p><p><font size=3D"-1">In den 70er Jahren bescherte die Entdeckung von Er=
d=F6lvorkommen
im Amazonasgebiet eine Periode des wirtschaftlichen Aufschwunges mit j=E4hr=
lichen
Wachstumsraten von 9 %. Man verfolgte eine Politik der Industrialisierung
durch Importsubstitution. Die Staatsausgaben stiegen stark an, eine Reihe
von Staatsbetrieben wurde gegr=FCndet. Das daf=FCr n=F6tige Kapital
wurde durch umfangreiche Kreditaufnahme im Ausland beschafft.</font>
</p><p><font size=3D"-1">In den 80er Jahren wurde Ekuador - wie ganz Latein=
amerika
- durch die Schuldenkrise erfasst, die das Land in eine schwere Wirtschafts=
krise
st=FCrzte, vergleichbar mit der Weltwirtschaftskrise der 30er Jahren
in Europa und Nordamerika. Da Ekuador zu den am st=E4rksten verschuldeten
L=E4ndern geh=F6rte (und immer noch geh=F6rt), wurde das Land
besonders schwer getroffen. Als ab 1986 die =D6lpreise drastisch fielen
sowie ein Erdbeben 1987 das Land heimsuchte und die einzige =D6lpipeline
zerst=F6rte, versch=E4rfte sich die Lage weiter.</font>
</p><p><font size=3D"-1">Zwischen 1988 und 1992 versuchte man durch graduel=
le Reformen
eine Stabilisierung der Wirtschaft zu erreichen. Der Staat begann sich
aus der Wirtschaft zur=FCckzuziehen und seine Ausgaben zu senken. Steigende
=D6lpreise entspannten die Lage ein wenig, und ein geringes Wirtschaftswach=
stum
setzte ein. Die Inflation stieg jedoch und erreichte eine Rate von 60</font=
>
<br><font size=3D"-1">% j=E4hrlich.</font>
</p><p><font size=3D"-1">Der 1992 ins Amt gew=E4hlte Pr=E4sident Sixto Dura=
n
Ballen brachte einen umfangreichen Stabilisierungsplan mit Unterst=FCtzung
des IWF auf den Weg. Neben makro=F6konomischen Stabilisierungsma=DFnahmen
sollte sich der Staat aus der Wirtschaftsaktivit=E4t zur=FCckziehen
und der private Sektor gest=E4rkt werden. Eine Reihe von Gesetzes=E4nderung=
en
traten in Kraft, mit dem Ziel, den Finanz-, Energie-, Telekommunikations-
und Agrarsektor zu reformieren, die B=FCrokratie abzubauen und die Staatsau=
sgaben
zu senken. Ekuador wurde Mitglied der WTO. 1995 brach ein Krieg als Folge
eines lange schwelenden Grenzkonfliktes mit Peru aus. Nicht nur die Auswirk=
ungen
des Krieges und damit verbundene verst=E4rkte Verteidigungsausgaben
belasteten Ekuador, zus=E4tzlich ersch=FCtterten Korruptionsskandale
und eine schwere Bankenkrise das Land.</font>
</p><p><font size=3D"-1">Der 1996 neugew=E4hlte Pr=E4sident Duran Bucaram,
einst Kritiker von liberalen Reformen, versuchte, einmal ins Amt gew=E4hlt,
ebenfalls liberale Reformen durchzusetzen. Seine politische Glaubw=FCrdigke=
it
wurde durch Erpressungs- und Korruptionsskandale derart zerst=F6rt,
dass Massendemonstrationen 1997 seinen R=FCcktritt erzwangen. Sein Nachfolg=
er
Fabian Alcarcon hatte mit einer neuen =D6lpreiskrise und dem Klimaph=E4nome=
n
El Nino&nbsp; zu k=E4mpfen. Da schon 1998 Neuwahlen ausgeschrieben waren,
blieb Alcarcon keine Zeit, ein langfristiges Wirtschaftsprogramm zu entwick=
eln.
Jedoch begannen unter seiner Pr=E4sidentschaft Friedensverhandlungen
mit Peru, die unter seinem Nachfolger Jamil Mahuad in einen Friedensvertrag
m=FCndeten.</font>
</p><p><font size=3D"-1">1999 ersch=FCtterte eine der drastischsten Wirtsch=
afts-
und Finanzkrisen in der Geschichte Ekuadors das Land. Die Ursache hierf=FCr
bildeten fallende =D6lpreise, die Finanzkrise in Asien und Brasilien
sowie neuerliche Verw=FCstungen durch "El Nino" zusammen mit hausgemachten
Problemen wie Handlungsunf=E4higkeit und Uneinigkeit =FCber Wirtschaftsrefo=
rmen
auf politischer Ebene. Die Krise traf Ekuador so hart durch die katastropha=
le
Handhabung der Finanzkrise, die ihren Anfang 1994 nahm und beispielhaft
f=FCr mangelhafte Umsetzung von Reformen und schlechtes Krisenmanagement
ist. Ab 1994 liberalisierte man umfassend das Bankenwesen, ohne dass eine
funktionierende Bankenaufsicht geschaffen wurde. Die Banken vergaben in
der Folgezeit unkontrolliert Kredite, h=E4ufig an Personen oder Unternehmen=
,
die diesen Banken nahe standen. Als durch diese Praktik mehreren Banken
die Zahlungsunf=E4higkeit drohte, erweiterte die Zentralbank ungesteuert
die Geldmenge, um Kredite an die vom Bankrott bedrohten Gesch=E4ftsbanken
zu vergeben. Da dadurch die Ursachen der Krise nicht behoben, sondern nur
hinausgez=F6gert und versch=E4rft wurden, kam es im M=E4rz 1999
zur akuten Krise. Die Bankguthaben wurden eingefroren, was einer faktischen
Enteignung der Sparer gleichkam, w=E4hrend die Kreditvergabe fortgesetzt
wurde. Zur Kapitalisierung der Banken wurde eine Summe von 6 Mrd. US$ zur
Verf=FCgung gestellt (=FCber die H=E4lfte durch die Einfrierung
der Bankkonten und damit zu Lasten der Sparer). Die damit verbundene Emissi=
on
trieb die Inflation auf 52 % und entwertete den Sucre, die damalige nationa=
le
W=E4hrung, drastisch. Die =F6konomischen und sozialen Folgen zeigten
sich in einem Negativwachstum von 7,3 %, der Verarmung weiter Bev=F6lkerung=
sschichten,
w=E4hrend die Einkommenskonzentration auf die oberen sozialen Schichten
zunahm.</font>
</p><p><font size=3D"-1">Pl=E4ne des Pr=E4sidenten, das Land zu dollarisier=
en,
und umstrittene Preiserh=F6hungen im =F6ffentlichen Transportwesen
sowie f=FCr Haushaltsgas f=FChrten zu einem Aufstand der Ind=EDgina-Bewegun=
g&nbsp;
im Januar 2000. Der weitgehend friedliche Protest, begleitet von Stra=DFens=
perren
und politischen Turbulenzen, m=FCndete schlie=DFlich im Sturz des
Pr=E4sidenten, der R=FCcknahme einiger Preiserh=F6hungen und in
der Verpflichtung der Regierung, mit der Ind=EDgina-Bewegung in einen
Dialog =FCber strittige Fragen einzutreten.&nbsp; Vizepr=E4sident
Gustavo Noboa, der die Pr=E4sidentschaft =FCbernahm, verfolgte die
Dollarisierungspl=E4ne seines Vorg=E4ngers weiter, und so wurde gegen
den vehementen Widerstand der Bev=F6lkerung der Dollar als neues offizielle=
s
Zahlungsmittel eingef=FChrt. Die =F6konomischen Parameter f=FCr
2001 zeigen eine Stabilisierung und leichte Erholung der ecuadorianischen
Wirtschaft auf geringem Niveau. Stabilisierend wirkt vor allem der Abschlus=
s
der Verhandlungen mit einem internationalen Konsortium im Februar 2001
zum Bau einer neuen =D6lpipeline im Amazonasgebiet. Das Konsortium k=FCndig=
te
ein Investitionsvolumen von 1,1 Milliarden US$ =FCber einem Zeitraum
von zwei Jahren an. Von zus=E4tzliche Investitionen verspricht man sich
ein Gesamtinvestitionsvolumen von 2 Milliarden US$, was etwa 13 % des BIP
entspricht.&nbsp; F=FCr die nahe Zukunft stehen schwierige Verhandlungen
mit dem IWF zur Stabilisierung und Schuldentilgung bevor. Geforderte Reform=
en
scheinen politisch schwer durchsetzbar und sozial h=F6chst problematisch.</=
font>
</p><p><b><font color=3D"#0D7359"><font size=3D"-1">3. Hintergrund der Priv=
atisierung:
Neoliberale Entwicklungstheorie und die "Washington Consensus"</font></font=
></b>
</p><p><font size=3D"-1">Die Reformempfehlungen f=FCr Entwicklungs- und Tra=
nsformationsl=E4nder
der letzten Dekade werden oft unter dem Schlagwort "Washington Consensus"
zusammengefasst. Der =D6konom John Williamson pr=E4gte den Begriff
im Jahre 1990. Unter den "Washington Consensus" fasst man 10 Politikempfehl=
ungen
f=FCr marktorientierte Wirtschaftsreformen,&nbsp; die prim=E4r auf
Liberalisierungen in Handel und Wirtschaft und auf eine Verkleinerung des
Staates fokussieren. Eine Ideologisierung des Begriffs setzte ein, die
selbst von Williamson (1999) als Marktfundamentalismus der Methode "let's
bash the state, the markets will resolve everything", verurteilt wird.
Jedoch war es genau diese Interpretation, die als Ausgangspunkt f=FCr
die Reformprogramme mit Unterst=FCtzung des IWF in Lateinamerika und
Osteuropa zu Beginn der 90er Jahre galt. Besonderes Augenmerk der Reformer
richtete sich auf Privatisierung, Deregulierung und Handelsliberalisierung.
Schon 1994 wurde der Mangel dieser Reformpakete deutlich, als sich in viele=
n
Reformstaaten Lateinamerikas und Osteuropas nicht der erhoffte und prognost=
izierte
Erfolg einstellte. Die Asienkrise Ende der 90er Jahre brachte die Reformkon=
zepte
aufs Neue in Misskredit. W=E4hrend Vertreter der starren marktorientierten
Version eine halbherzige und unzureichende Implementierung der Reformen
f=FCr dessen Scheitern verantwortlich machen, machten mehr und mehr
Wissenschaftler die Schw=E4che und Vernachl=E4ssigung von Institutionen
als Hauptgrund f=FCr die unbefriedigenden Resultate aus. Es fehle an
funktionierenden Marktkontrollmechanismen, angefangen von einer Monopolkont=
rolle
=FCber ausreichende Kontrolle der Finanzm=E4rkte bis hin zu einem
funktionierenden Steuer- und Rechtssystem, ganz zu schweigen von sozialen
Leistungen f=FCr die Bev=F6lkerung. Moises Naim (2000) stellt hierzu
fest: "It became apparent that stronger, more effective institutions were
urgently needed to complement macroeconomic policy changes". Wieder andere
Wissenschaftler fordern ein generelles =DCberdenken der neoliberalen
Konzepte, da sich diese als unbrauchbar herausgestellt h=E4tten, die
Entwicklung in Staaten der Dritten Welt oder Transformationsstaaten des
Ostblocks nachhaltig und erfolgreich voranzutreiben.</font>
</p><p><b><font color=3D"#0B755A"><font size=3D"-1">4. Privatisierung in Ec=
uador</font></font></b>
</p><p><b><font color=3D"#CC0000"><font size=3D"-1">4.1. Zeitlicher Abriss =
und aktuelle
Situation des Privatisierungsprozesses</font></font></b>
<br><font size=3D"-1">Unter Privatisierung versteht man im Allgemeinen die
Transformation von Eigentum des Staates oder von staatlicher Kontrolle
=FCber den =D6ffentlichen Sektor (Bereiche wie Telekommunikation,
Infrastruktur, Abbau von Rohstoffen etc.) in den Bereich des Privatsektors.
In Anbetracht der Tatsache, dass Ekuador vergleichsweise sp=E4t ein
Privatisierungsprogramm auf den Weg brachte, wird es oft als "Nachz=FCgler"
bezeichnet .</font>
</p><p><font size=3D"-1">Als "Pionier" der Privatisierung wird h=E4ufig Chi=
le
zitiert, das schon 1973 mit einer gro=DFen Privatisierungswelle begann,
also noch vor den neoliberalen Reformen in Gro=DFbritannien unter Thatcher
und in den USA unter Reagan. In Lateinamerika folgten Venezuela (1981),
Mexiko (1983), Jamaika (1985), Costa Rica, Kolumbien (1986), Peru, Bolivien=
,
Brasilien (1988), Argentinien (1989) und Paraguay (1990).</font>
</p><p><font size=3D"-1">In Ekuador begannen unter der Regierung von Pr=E4s=
ident
Sixto Duran Ballen (1992-96) Bestrebungen des Staates, den Anteil des =F6ff=
entlichen
Sektors in der Wirtschaft zu verringern. Das "Gesetz zur Modernisierung
des Staates"&nbsp; bildete daf=FCr die gesetzliche Grundlage. Er&nbsp;
wurde im Dezember 1993 durch den Nationalkongress verabschiedet. Zwei Haupt=
ziele
sind in diesem Gesetz verankert: Erstens, die Restrukturierung der Verwaltu=
ng
des Staates durch eine effizientere, rationalere und dezentrale Verwaltung.
Zweitens, die Privatisierung von ineffizienten Staatsbetrieben. Im 5. Kapit=
el
des Gesetzes&nbsp; hei=DFt es, dass in den Sektoren Trinkwasserversorgung,
Bew=E4sserung, Sanierung, Stromversorgung, Telekommunikation, Stra=DFenbau,
H=E4fen, Flugh=E4fen, Schienennetz, Postdienste und =E4hnlichen
Bereichen private und gemischte Unternehmen die Bereitstellung von Dienstle=
istungen
=FCbernehmen k=F6nnen. Die Ausbeutung nicht erneuerbarer Ressourcen
bleibt dem Staat vorbehalten, und diese Ressourcen sind Staatseigentum.
Der Staat kann die Ausbeutung dieser Ressourcen an staatliche, private
oder gemischte Unternehmen delegieren. Weiterhin sieht das Gesetz zur Moder=
nisierung
des Staates die Schaffung der staatlichen Modernisierungsbeh=F6rde CONAM&nb=
sp;
vor, deren Aufgabe die administrative =DCberwachung, Koordinierung und
Durchf=FChrung des Gesetzes ist. Damit unterliegt CONAM auch die Durchf=FCh=
rung
der Privatisierung von Staatsbetrieben.</font>
</p><p><font size=3D"-1">Als erster gro=DFer Staatbetrieb wurde das Zementw=
erk
"Cemento Nacional" 1993 privatisiert. 1994 wurden zwei private Telefondiens=
tleister
(Bellsouth und CONECEL) zugelassen. 1996 erfolgte die Privatisierung von
"Ecuatoriana de Aviacion", der nationalen Fluggesellschaft. Insgesamt =FCbe=
rtrug
der Staat zwischen 1992 bis 1995 einen Teil der Aktien von 14 Unternehmen
mit staatlicher Beteiligung an den Privatsektor. J. Mahuad versuchte w=E4hr=
end
seiner Pr=E4sidentschaft von 1998 - 2000, einen schnellen Plan mit umfassen=
den
Privatisierungen durchzusetzen. Dieses Vorhaben scheiterte weitgehend an
der Implementierung von notwendigen Strukturreformen und am Widerstand
im Kongress. Sp=E4testens mit dem Einsetzen der schweren Wirtschaftskrise
1999 wurden einige Privatisierungsvorhaben wieder auf Eis gelegt.</font>
</p><p><font size=3D"-1">Nach dem Reformprogramm von 1993 verabschiedete di=
e Noboa-Regierung
am 13. M=E4rz 2000 ein neues Reformprogramm zur =DCberwindung der
Wirtschaftskrise, das "fundamentale Gesetz zur Wirtschaftstransformation
in Ekuador".&nbsp; Kern des Gesetzes bilden die Dollarisierung des Landes,
weitreichende Strukturreformen im Arbeitmarkt und im Erd=F6lsektor (Privatu=
nternehmen
ist es gestattet, =D6l und Gas zu f=F6rdern sowie Pipelines zu bauen)
sowie neuerliche Privatisierungen. Schwerpunkte der aus dem Gesetz folgende=
n
Privatisierungen sind die Bereiche Telekommunikation (Andinatel und Pacific=
tel),
Elektrizit=E4t (INECEL) und die H=E4fen Esmeraldas und Puerto Bolivar,
welche gegen Ende dieses Jahres in private Hand =FCberf=FChrt werden
sollen, sowie der Hafen von Guayaquil zu Beginn des n=E4chsten Jahres.</fon=
t>
</p><p><font size=3D"-1">Beispiele f=FCr die "Stop-and-go"-Politik der Priv=
atisierung
in den letzen Jahren finden sich im Telekommunikations- und Elektrizit=E4ts=
bereich.
1995 wurde ein Gesetz zur Telefonprivatisierung verabschiedet, welches
vorsah, 35 % der Aktien des staatlichen Kommunikationsunternehmens "EMETEL"=
&nbsp;
f=FCr 800 Mio. US$ zu verkaufen. EMETEL wurde in zwei Unternehmen aufgespal=
tet:
Andinatel und Pacifictel die jeweils unterschiedliche Regionen versorgen.
Diese Aktien wurden in einen Solidarit=E4tsfond unter staatlicher Kontrolle
=FCberf=FChrt. Der Verkauf der Aktien beider Unternehmen an private
Hand scheiterte zweimal: im November 1997 und im April 1998 am Widerstand
im Kongress. Nachdem einige neue Privatisierungsvorschl=E4ge diskutiert
wurden (zum Beispiel der Verkauf von 51 % statt 31 % der Aktien), erkl=E4rt=
e
die Regierung im Januar 2001, dass die Pl=E4ne f=FCr eine sofortige
Privatisierung aufgegeben werden und stattdessen ein internationaler Invest=
or
gesucht werden soll. Von einer Privatisierung verspricht man sich eine
Verbesserung dieser weitgehend unterentwickelten Dienstleistung: nur 6
von 100 Personen besitzen im Moment einen Telefonanschluss, wobei die Telef=
onleitungen
auf die zwei gr=F6=DFten St=E4dte des Landes konzentriert sind.</font>
</p><p><font size=3D"-1">1996 verabschiedete der Kongress ein Gesetz zur Pr=
ivatisierung
des Elektrizit=E4tssektors. Seitdem gibt es einige kleine private Wasserkra=
ftwerke
und einen privaten Anbieter in Guayaquil, Ekuadors gr=F6=DFter Stadt.
Die Energieversorgung wird jedoch weitgehend von dem Staatsunternehmen
INECEL sichergestellt. Zun=E4chst war geplant, die Privatisierung von
INECEL 1998 abzuschlie=DFen, was scheiterte. Ein neuer Anlauf soll
im September diesen Jahres unternommen werden. 51 % der Aktien von INECEL
sollen am 28. September versteigert werden. Doch beschert das Privatisierun=
gsvorhaben
einigen =F6ffentlichen Disput. Der Vorwurf der Privatisierungsgegner:
Unternehmen seien nur an Gewinnen interessiert, nicht an einer Versorgung
der Bev=F6lkerung. Die Erfahrung zeige, dass alles was privatisiert
wurde, eine schlechtere und teurere Versorgung nach sich z=F6ge. Man
f=FCrchtet weiterhin Arbeitslosigkeit und Preiserh=F6hungen. Der
Tenor lautet: Wasser und Licht sind zu wichtige Bereiche f=FCr die Bev=F6lk=
erung,
als dass sie privatisiert werden sollten. Sch=E4tzungen =FCber den
Wert des Unternehmens INECEL belaufen sich auf 7 Milliarden US$, w=E4hrend
die Regierung lediglich einen Preis von 1,206 Milliarden US$ festgesetzt
hat.</font>
</p><p><font size=3D"-1">Oft wurde der z=F6gerliche Prozess der Privatisier=
ung
im Vergleich zu anderen L=E4ndern kritisiert: Zwischen 1994 und 1996
erreichten die Privatisierungen einen Umfang von 147 Millionen US$. Damit
liegt Ekuador am untersten Ende der Skala im regionalen Vergleich. Im selbe=
n
Zeitraum privatisierten zum Beispiel Peru oder Venezuela Staatsunternehmen
in Wert von 5,98 Milliarden US$ bzw. 2,13 Milliarden US$. Andererseits
gab es in Ekuador nie Staatsunternehmen im gro=DFen Stil. 1991 existierten
72 Staatsunternehmen mit einem Staatsanteil von 100 %, 42 gemischte Unterne=
hmen
mit einem Staatsanteil von =FCber 50% und 53 Unternehmen mit einem Staatsan=
teil
von unter 50 %. Insgesamt gab es also nur 167 Unternehmen, die f=FCr
eine Privatisierung in Frage kamen.&nbsp; Vergleicht man diese Zahlen mit
Chile, wo allein in der ersten Privatisierungswelle (zwischen 1973 und
1978) 259 Unternehmen und 103 Gesellschaften mit Staatsbeteiligung privatis=
iert
wurden, oder mit Mexiko, wo es =FCber 1.200 Staatsunternehmen gab, werden
die unterschiedlichen Ausma=DFe deutlich.</font>
</p><p><b><font color=3D"#CC0000"><font size=3D"-1">4.2. Nutzen der Privati=
sierung</font></font></b>
<br><font size=3D"-1">Wie schon erw=E4hnt fu=DFt die umfassende Privatisier=
ungswelle
in den Entwicklungsl=E4ndern der 90er Jahre zumeist auf dem neoliberalen
Entwicklungsmodell. So auch in Ekuador, wo sowohl die Reformpakete von
1993 als auch von 2001 mit Unterst=FCtzung des IWF ausgearbeitet wurden.
Die grundlegende Ideologie hinter diesen Ma=DFnahmen ist eine drastische
Reduzierung der Rolle des Staates, zur=FCckzuf=FChren auf eine generelle
Skepsis gegen=FCber der Institution Staat: "Am Ende diesen Jahrhunderts
haben in Lateinamerika wenige Institutionen ein geringeres Prestige als
der Staat. Die generelle Wahrnehmung generalisiert, dass der Staat zu inkom=
petent,
korrupt und unbeweglich aufgrund seiner politischen Restriktionen ist,
als dass er ein Instrument sei, dem man vertrauen kann, um Kollektivziele
zu erreichen." (Moises Naim, ehemaliger venezolanischer Minister)</font>
</p><p><font size=3D"-1">Der Staat, so die Annahme, hat krankhafte Ausma=DF=
e
erreicht, hemmt durch seine Beteiligung im Wirtschaftssektor die wirtschaft=
liche
Entwicklung des Landes, indem er Privatinitiative unterdr=FCckt und
ineffiziente Staatsunternehmen den Haushalt belasten und das Problem der
Verschuldung verschlimmern. Als Ausweg aus der Krise des Staates und der
Wirtschaft schl=E4gt das neoliberale Entwicklungsmodell den Weg einer
drastischen Reduzierung des Staates vor. Der optimale Staat sei ein kleiner
Staat, der sich darauf konzentriert, die innere und =E4u=DFere Sicherheit
zu garantieren und Basisdienstleistungen wie Bildung oder Gesundheit bereit=
zustellen.
Ansonsten solle sich der Staat jedoch aus dem Wirtschaftsgeschehen zur=FCck=
ziehen
und durch die Schaffung eines gesetzlichen Rahmens die Einhaltung der Wirts=
chaftsordnung
=FCberwachen.</font>
</p><p><b><font size=3D"-1">4.2.1. Effizienzsteigerung, verringerte Korrupt=
ion</font></b>
<br><font size=3D"-1">Der Ausgangspunkt des Privatisierungsgedankens ist, d=
ass
der Staat nicht zu einer effizienten Nutzung von knappen Ressourcen f=E4hig
sei. Staatsunternehmen operieren in einem Umfeld der Sicherheit, sind h=E4u=
fig
Staatsmonopole und haben keine Anreize, die ihnen zur Verf=FCgung stehenden
Ressourcen optimal zu nutzen. Nur der Markt k=F6nne die notwendigen
Anreizstrukturen zur Effizienzsteigerung schaffen. Dies wiederum diene
der Allgemeinheit, denn der Staatshaushalt wird von Ausgaben f=FCr ineffizi=
ente
Unternehmen und Subventionen befreit, und kann frei werdende Ressourcen
f=FCr Zwecke wie Bildung oder Armutsbek=E4mpfung ausgeben. Werden
staatliche Monopole zerschlagen und ein freier Wettbewerb des Marktes gesch=
affen,
so f=FChre das nicht nur zu einer besseren Ressourcenallokation, sondern
auch zu einer erh=F6hten Produktion, einer besseren Anpassung der Produktio=
n
an die Bed=FCrfnisse der Kunden und verbilligten Preisen zum Wohle der
Konsumenten. Da die Unternehmen nach einer Privatisierung nationaler und
internationaler Konkurrenz ausgesetzt sind, verst=E4rke sich zudem die
(langfristige) Wettbewerbsf=E4higkeit der Unternehmen. Weiterhin w=FCrde
der Staat von Korruptionspotential befreit. Ein kleiner Staat sei besser
kontrollierbar und Korruption leichter zu ahnden. Zudem l=F6sen sich
die Verflechtungen zwischen Staat und Politik, die in der Vergangenheit
immer wieder von Korruption betroffen war. Fallen Subventionen weg, so
wird auch ein weiterer Herd st=E4ndiger Korruption und Unterschlagung
ausgel=F6scht. Drastisch subventioniert war zum Beispiel Haushaltsgas,
der wichtigste Energietr=E4ger vor allem f=FCr Haushalte der unteren
Einkommensschichten. 1998 lag der Gaspreis um das 10fache niedriger als
in den Nachbarl=E4ndern Peru und Kolumbien, was den Schmuggel bl=FChen
und damit Geld des Staates versickern lie=DF.</font>
</p><p><b><font size=3D"-1">4.2.2. Haushaltsentlastung</font></b>
<br><font size=3D"-1">Eine durch Privatisierung hervorgerufene und begleite=
nde
Rationalisierung und Reduzierung der =F6ffentlichen Ausgaben k=F6nne
dazu beitragen, das Haushaltsdefizit zu verringern. Dies ergibt sich einers=
eits
daraus, dass der Staat unproduktiven Unternehmen keine Geldmittel mehr
gew=E4hren muss, also von der Last der Subventionen befreit wird. Weiterhin
kann der Staat mit Steuereinnahmen sowie mit (einmaligen) Privatisierungser=
l=F6sen
rechnen, und damit seinen Haushalt sanieren. Ironischerweise wies der Haush=
alt
Ecuadors ab 1989 einen =DCberschuss auf (1992 3% des BIP, 1993 2% des
BIP), rutschte aber nach der Auflage des Privatisierungsprogramms ins Defiz=
it
(0,9% des BIP im Jahre 1995 und 3,0% 1997).</font>
</p><p><b><font size=3D"-1">4.2.3. Abbau der Auslandsverschuldung</font></b=
>
<br><font size=3D"-1">Ein weiteres dr=FCckendes Problem k=F6nne mit Privati=
sierungen
zumindest teilweise gel=F6st werden: die enorme Schuldenlast der meisten
L=E4nder S=FCd- und Lateinamerikas. Ekuador geh=F6rt zu den am
st=E4rksten verschuldeten L=E4ndern der Region. Seit 1980 erh=F6hte
sich die Auslandsverschuldung Ekuadors von 3,53 auf 13,75 Mrd. US$ im Jahre
1999. Damit ist die Auslandsverschuldung etwa genau so hoch wie das gesamte
BIP Ekuadors, was 1999 13,77 Mrd. US$ betrug. Die Gesamtverschuldung (inter=
ne
und externe Verschuldung) lag 1999 bei 18,95 Mrd. US$. 40 % des Staatshaush=
altes
werden zur Schuldentilgung verwendet, w=E4hrend 30 % der Staatseinnahmen
auf Neuverschuldung zur=FCckgehen. Erl=F6se aus den Privatisierungseinnahme=
n
k=F6nnten zum Teil zur Schuldentilgung verwendet werden.</font>
</p><p><b><font size=3D"-1">4.2.4. Modernisierung durch Privatisierung?</fo=
nt></b>
<br><font size=3D"-1">Neben der immensen Armut ist Unterentwicklung von Sch=
l=FCsselsektoren
wie Versorgung der Bev=F6lkerung mit Elektrizit=E4t, Trinkwasser,
ausreichende Infrastruktur in den Bereichen Stra=DFenbau, Telekommunikation=
,
Gesundheitswesen u.a. das schwierigste Problem Ekuadors auf dem Weg zu
einem "modernen Staat". Einige Zahlen sollen die Ausma=DFe der notwendigen
Modernisierungsanstrengungen verdeutlichen: 42 % der Bev=F6lkerung haben
keinen Zugang zu Trinkwasser, 60 % entbehren einen Zugang zu Abwassersystem=
en.
56 % sind an keine M=FCllbeseitigung angeschlossen, 20 % m=FCssen
ohne Elektrizit=E4t auskommen. In l=E4ndlichen Gebieten sind diese
Zahlen weit alarmierender: 70 % (Trinkwasser), 91 % (Abwasser), 92 % (M=FCl=
lbeseitigung),
46% (Elektrizit=E4t) haben hier keinen Zugang zu der genannten Infrastruktu=
r.
Nur 18 % der Gesamtbev=F6lkerung und 4 % der Landbev=F6lkerung besitzen
einen Telefonanschlu=DF. Die Elektrizit=E4tsversorgung litt in den
letzten Jahren wiederholt an Engp=E4ssen. Bereiche der Verkehrs-, Schiffs-
und Fluginfrastruktur bed=FCrfen einer dringenden Modernisierung.</font>
</p><p><font size=3D"-1">Die Handelskammer Quito erarbeitete 1998 eine Stud=
ie,
die die Investitionsdefizite in der Infrastruktur des Landes in den Sektore=
n
Wasser-, Abwasser- und Gesundheitsversorgung, Telekommunikation, Elektrizit=
=E4t,
Verkehrs-, Schiffsverkehr und Flugwesen sowie im sozialen Sektor auflistet
und m=F6gliche Finanzierungsm=F6glichkeiten aufzeigt. Die Berechnung
ergab ein notwendiges Investitionsvolumen von der astronomischen Summe
von 22,41 Mrd. US$, was mehr als das Anderthalbfache des BIP des Jahres
2000 darstellt und h=F6her als die gesamte Verschuldung des Staates
ist. F=FCr die Finanzierung notwendiger Investitionen sei eine weitere
Verschuldung des Staates oder eine Involvierung des Staates ausgeschlossen,
eine Finanzierung durch interne Ersparnisse steht aufgrund der geringen
internen Sparquote Ekuadors ebenfalls nicht zur Diskussion. Als einzig
m=F6glicher Ausweg den Investitionsbedarf zu decken, empfiehlt man die
Anlockung ausl=E4ndischer Direktinvestitionen (ADI) durch umfassende
Privatisierungsma=DFnahmen und/ oder Konzessionen. Wenn ausl=E4ndischen
Firmen die M=F6glichkeit gegeben wird, ehemalige Staatsbetriebe zu erwerben=
,
k=F6nnen diese mit Hilfe ihrer oftmals bedeutend h=F6heren Kapitalressource=
n
das Unternehmen sanieren sowie mit umfangreichen Neuinvestitionen die Verso=
rgungsleistung/
Produktion erh=F6hen und qualitativ verbessern. Somit k=F6nnten ADI
durch Technologietransfers zum Motor der Entwicklung eines Landes werden,
vorausgesetzt ein Land l=E4sst seine Schranken f=FCr ausl=E4ndische
Investitionen fallen. Eine Liberalisierung in diesem Sinne erfolgte in
Ecuador durch Gesetzes=E4nderungen, die ausl=E4ndischen Investoren
dieselben Rechte sichern wie nationalen Investoren, schon zwischen 1991
und 1993. Einige noch bestehende Restriktionen (f=FCr nationale wie
internationale Investoren) bestehen noch f=FCr den Erd=F6lsektor,
Bergbau, Elektrizit=E4t, Telekommunikation und die Fischereiwirtschaft
.</font>
</p><p><b><font size=3D"-1">4.2.5. Privatisierung und Besch=E4ftigung</font=
></b>
<br><font size=3D"-1">Neben Arbeitslosigkeit ist Unterbesch=E4ftigung&nbsp;
in Ecuador weit verbreitet. 9% der arbeitswilligen Bev=F6lkerung war
im Jahre 2000 arbeitslos, =FCber 65,9 % unterbesch=E4ftigt. Nur 25,1
% hatten einen regul=E4ren Arbeitsvertrag, der Zugang zu Sozialversicherung=
sleistungen
gew=E4hrt. Die Situation versch=E4rfte sich in den letzten Jahren
mit dem Abbau von K=FCndigungsschutz, Beschneidung von Gewerkschaftsrechten
und der Wirtschaftskrise. Die neoliberale Theorie geht davon aus, dass
in Staatsunternehmen normalerweise =DCberbesch=E4ftigung herrscht,
die im Falle einer Privatisierung abgebaut wird. Langfristig werde sich
jedoch durch erh=F6hte Effizienz eine verst=E4rkte Expansion der
Unternehmen einstellen. Zudem werden in Wettbewerbsm=E4rkten neue Unternehm=
en
des gleichen Sektors gegr=FCndet. Diese zwei Faktoren sollten langfristig
zu einer verst=E4rkten Nachfrage nach Arbeit und somit zu einer Reduzierung
der Arbeitslosigkeit f=FChren.</font>
</p><p><b><font color=3D"#CC0000"><font size=3D"-1">4.3. Kritik an der Priv=
atisierungsstrategie
anhand der Erfahrungen Ekuadors</font></font></b>
<br><font size=3D"-1">Auch bei neoliberalen Reformanh=E4ngern setzt sich
immer mehr die Auffassung durch, dass ein allein auf den Markt orientiertes
Reformkonzept nicht den entsprechenden Erfolg bringen kann. Ohne einen
funktionierenden Staat, der durch Institutionen Monopole kontrolliert oder
zerschl=E4gt, die Sicherstellung eines funktionierenden Rechtssystems
den Markt reguliert und bei Marktversagen einschreitet, greifen Reformen
zu kurz. W=E4hrend also eine Trendwende hin zu einer st=E4rkeren
Ber=FCcksichtigung auf Institutionen in der neoliberalen Theorie zu
erkennen ist (obwohl Rezepte f=FCr eine erfolgreiche institutionelle
Reform weiterhin fehlen), bleibt die Rolle des Staates weiterhin einer
der Kritikans=E4tze f=FCr die meisten Kritiker des Neoliberalismus.
F=FCr diese ist es fatal, den Staat als Antagonisten zur Wirtschaft
zu sehen, vielmehr solle der Staat eine aktivere Rolle in der Entwicklung
des Landes =FCbernehmen. In Anbetracht der Tatsache, dass die Staatsquote&n=
bsp;
der meisten Entwicklungsl=E4nder weit unter dem Niveau der Industriel=E4nde=
r
liegt, halten sie die Behauptung, der Staat sei zu aufgebl=E4ht und
zu stark in die Wirtschaft involviert, f=FCr eine gef=E4hrliche Fehleinsch=
=E4tzung.
Nach Angaben der Weltbank lag die Staatsquote Ecuadors 1997 bei nur 12,4
% des BIP im Vergleich dazu sind in den Industriel=E4nder Westeuropas
Quoten zwischen 40 und 54 % zu finden, in den USA liegt die Staatsquote
mit 30 % niedriger, jedoch immer noch bedeutend h=F6her als in den meisten
L=E4ndern Lateinamerikas . Nicht der Staatsumfang sei von entscheidender
Bedeutung, es komme vielmehr auf die Qualit=E4t des Staates an. In einem
Staat, in dem es keine effektive Markt- und Monopolkontrolle gibt, in dem
das Gerichtswesen nur leidlich funktioniert, in dem durch laxe Bankenaufsic=
ht
die Finanzm=E4rkte nicht ausreichend abgesichert sind, in dem Korruption
grassiert, k=F6nnten keine Reformen greifen. Eine weitere wichtige Rolle
spielt die Beteiligung und Absicherung der unteren Bev=F6lkerungsschichten.
Die wenigsten Reformprogramme Lateinamerikas enthielten wirksame Konzepte
f=FCr die Absicherung der Bev=F6lkerung vor den Reformfolgen, wie
Arbeitslosigkeit, Preissteigerungen f=FCr Basisprodukte und Armut. H=E4ufig
wurde allein eine makropolitische Stabilisierung verfolgt, der Aufbau eines
funktionierenden sozialen Netzes jedoch wurde nicht angegangen. So ist
es auch nicht verwunderlich, dass ein Gro=DFteil der Bev=F6lkerung
Ekuadors den Reformkonzepten der Regierung skeptisch gegen=FCberstand
und immer wieder durch Massenproteste versuchte und versucht, diese zu
Fall zu bringen.</font>
</p><p><font size=3D"-1">Das alleinige Vertrauen auf den Markt scheint in d=
er Wissenschaft
zunehmend weniger Anh=E4nger zu finden. Wie Rodik (2000) feststellt:
"So we enter the 21 century with a better understanding of the complementar=
y
between markets and the state a greater appreciation of the virtues of
the mixed economy. That is the good news. The bad news is that the operatio=
nal
implications of this for the design of development strategy are not that
clear." Und weiter: "Every well-functioning market economy is a mix of
state and market, laissez faire and intervention."</font>
</p><p><font size=3D"-1">Im Weiteren soll die Praxis der Privatisierungen i=
n Ekuador
n=E4her beleuchtet werden, ihre Ergebnisse analysiert und nach Gr=FCnden
f=FCr ihre oft nicht optimalen Ergebnisse gesucht werden. Dazu werden
die im letzten Kapitel erw=E4hnten Vorteile aufgegriffen und auf ihre
Tauglichkeit in der Praxis =FCberpr=FCft.</font>
</p><p><b><font size=3D"-1">4.3.1. Kluft zwischen Theorie und Praxis?</font=
></b>
<br><font size=3D"-1">Offen, transparent und nachvollziehbar sollte der Pro=
zess
der Privatisierung nach Vorgaben des Gesetzes zur Modernisierung des Staate=
s
ablaufen. =DCberst=FCrzt und unausgegoren sei er in der Praxis gewesen,
so die Kritiker. Anstatt Korruption zu bek=E4mpfen, h=E4tten sich
Korruption und Vetternwirtschaft noch versch=E4rft. Der Prozess der
Privatisierung von =84Cemento Nacional=93, dem staatlichen Zementunternehme=
n,
war beispielsweise von Skandalen begleitet: Eine niedrige und subjektive
Werteinsch=E4tzung sei dem Verkauf vorangegangen. Die Benachrichtigung
potentieller Interessenten und die Information der Bev=F6lkerung seien
mangelhaft verlaufen, so die Kritiker. Au=DFerdem lag der tats=E4chlich
gezahlte Kaufpreis unter dem urspr=FCnglich ausgehandelten. Nach der
Privatisierung war die Zementproduktion praktisch in privater Monopolhand,
verhinderte die Gr=FCndung von Konkurrenzunternehmen und lie=DF
die Preise f=FCr Zement und Folgeprodukte ansteigen. Nicht viel gl=FCcklich=
er
sehen die Resultate der Privatisierung der staatlichen Fluglinie Ecuatorian=
a
aus: seit ihrem Verkauf verlor sie Prestige, Passagiere und Flugrouten.</fo=
nt>
</p><p><b><font size=3D"-1">4.3.2. Privatisierung und verbesserter Effizien=
z</font></b>
<br><font size=3D"-1">W=E4hrend man theoretisch die Effizienzsteigerung
durch Privatisierungen belegen kann, ist sie in der Realit=E4t nicht
immer anzutreffen. Entwicklungsl=E4nder wie Ekuador sind in den seltensten
F=E4llen durch ein System funktionierender M=E4rkte gekennzeichnet.
In Ekuador =FCberwiegen stattdessen Monopol- und Oligopolstrukturen:
"In der Landwirtschaft, in der Industrie, dem Servicesektor und den Banken
gibt es eine minimierte Anzahl von Unternehmen, die den Sektor kontrolliere=
n.
Diese Unternehmen unterhalten Wirtschafts- sogar Familienbeziehungen und
bilden Monopolgruppen. In all diesen Gruppen sind Banken eingegliedert
und umschlie=DFen die Gesamtheit der Sektoren - Industrie, Services,
Agrarindustrie, Kommunikation - und treten in diesem Sinne wie Finanzgruppe=
n
auf." (Fundacion Jose Peralta: 1999 S. 237)</font>
</p><p><font size=3D"-1">Monopolgruppen haben in den letzten Jahren eine st=
=E4ndig
steigende Akkumulation von Kapital und Reichtum auf sich vereint. Die gr=F6=
=DFte
und einflussreichste Monopolgruppe ist nach dem Gr=FCnder des Imperiums
Luis Noboa als NOBOA Gruppe bekannt, die ihre rasante Entwicklung dem Aufsc=
hwung
des von ihr kontrollierten Bananenexportes verdankt. Nach dem Tod von Luis
Noboa wurde sein Verm=F6gen auf drei Teile innerhalb seiner Familie
aufgeteilt. Das Verm=F6gen der Gruppe wurde 1997 auf 1,200 Mrd. Dollar
gesch=E4tzt, was 5 % des BIP Ekuadors entspricht. Insgesamt geh=F6ren
=FCber 100 Unternehmen dieser Gruppe an, die 20.000 Menschen besch=E4ftigt.
Die "Fundacion Jose Peralta" (1999) listet weitere 13 Wirtschafts- und
Finanzimperien auf. Im Jahre 1996 vereinigten sechs Monopolgruppen 62 %
der Exportdevisen auf sich. Diese Gruppen sind nicht nur in sich selbst
verbunden, sondern pflegen auch politische Verkn=FCpfungen. Alvaro Noboa,
einer der Erben des NOBOA Verm=F6gens und reichster Mann Ekuadors war
1998 Pr=E4sidentschaftskandidat, und unterlag nur knapp seinem Herausforder=
er.
Er gilt als m=F6glicher Kandidat f=FCr die bevorstehenden Wahlen
2002 und war und ist stark in die Politik der gr=F6=DFten Stadt
Ekuadors, Guayaquil, und der K=FCstenregion involviert.</font>
</p><p><font size=3D"-1">Man kann also in Ekuador nicht von einem ausgeglic=
henen
Wettbewerbsmarkt sprechen, vielmehr ist der Markt von Monopol- und Oligopol=
strukturen
gepr=E4gt. Eine finanzstarke Mittelschicht, die als Konkurrent im Markt
auftreten kann, existiert in Ekuador nicht. Somit bestand die Gefahr, dass
ehemalige Staatsmonopole direkt in Privatmonopole =FCberf=FChrt wurden.
Diese Gefahr wurde vor allem dadurch verst=E4rkt, dass eine Privatisierungs=
strategie
eingeschlagen wurde, die diesen Prozess f=F6rderte: Anstatt Aktien von
Staatsunternehmen an breite Bev=F6lkerungsschichten zu verkaufen, wurden
die Aktienpakete an ein einziges Unternehmen verkauft oder an eine Gruppe
von Anbietern. Innerhalb dieses Schemas, so der Vorwurf von Gruzman (1998:
S. 201), wurden G=FCter des Staates von enormem Wert zu Gunsten wirtschaftl=
ich
konzentrierter Gruppen verkauft. Damit wurde aber die starke Marktverzerrun=
g,
die in Ekuador herrscht, nur noch weiter versch=E4rft, zu Lasten von
kleineren und mittleren Unternehmen. Selbst wenn man den Wettbewerb gef=F6r=
dert
und es eine funktionierende Monopolkontrolle gegeben h=E4tte, bleibt
die Privatisierung =F6ffentlicher Dienstleistungen wie Elektrizit=E4t
oder Abwasserversorgung ein Sonderfall. Diese Dienstleistungen sind fast
ausnahmslos nat=FCrliche Monopole.</font>
</p><p><font size=3D"-1">Damit regelt der Markt die Bereitstellung dieser G=
=FCter
nur unvollkommen, man ben=F6tigt eine angemessene Regelung und Kontrolle
durch den Staat. Monopolstrukturen sind der wirtschaftlichen Theorie nach
niemals effizient. Sie nutzen ihre Monopolstellung aus, um Gewinne abzusch=
=F6pfen.
Deswegen f=FChrte eine Privatisierung der Art Ekuadors nicht zum Nutzen
der Konsumenten, sondern im Gegenteil zu ihrem Schaden, indem die Preise
f=FCr G=FCter und Dienstleistungen nicht fielen, sondern stiegen.
Ein Staatsunternehmen, so die Gegner der Privatisierung, hat als prim=E4ren
Fokus nicht das Gewinnstreben, sondern die Sicherstellung der Versorgung.
Aus diesem Grunde sei es besser, bei berechtigten Bef=FCrchtungen vor
Marktversagen, der Existenz von Monopolstrukturen oder nat=FCrlichen
Monopolen, fehlendem Wettbewerb oder extrem ungleich verteiltem Einkommen,
Staatsunternehmen nicht in private Hand zu =FCberf=FChren.</font>
</p><p><font size=3D"-1">Weiterhin bezweifeln Gegner eines Marktfundamental=
ismus
das Dogma, ein Staatsunternehmen sei praktisch von sich aus immer ineffizie=
nt,
wohingegen der Markt Effizienz schaffe. Empirisch, so Alberto Acosta (1998:
108) sei es nur schwer nachpr=FCfbar, dass Staatsunternehmen ineffizienter
operieren als Privatunternehmen. Um diese These zu pr=FCfen, sei es
notwendig, M=E4rkte derselben Struktur miteinander zu vergleichen. Kurz:
Was f=FCr Wettbewerbsm=E4rkte mit funktionierender Monopolkontrolle
gilt, ist nicht ohne weiteres auf einen Markt wie den Ekuadors zu =FCbertra=
gen,
der =FCber eine starke Marktkonzentration verf=FCgt. Die meisten
Studien belegen, dass die Effizienz eines Privatunternehmens eine Funktion
des Wettbewerb ist: Je h=F6her der Wettbewerb, desto effizienter arbeiten
private Unternehmen. In diesen F=E4llen sind sie Staatsunternehmen vorzuzie=
hen.&nbsp;
Aber Wettbewerb allein schafft noch keine Effizienz. Ein effizientes Untern=
ehmen
ben=F6tigt eine funktionierende und ressourcenschonende Verwaltung und
Unternehmensf=FChrung. Den meisten Unternehmen in Ekuador fehlt es jedoch
an administrativem und technologischem Know-how f=FCr eine effiziente
Verwaltung. F=FCr die meisten Unternehmen ist es eintr=E4glicher,
die Protektion durch den Staat zu suchen. Steuerverg=FCnstigungen oder
Subventionen sind ein Weg hierzu. Im Umfeld der weitverbreiteten Korruption
in Wirtschaft und Staat sind die Chancen zum Erfolg daf=FCr durchaus
gegeben. Modernisierung und damit einhergehende Effizienzsteigerung setzt
einen Wechsel der Mentalit=E4t hin zu der Betonung von Eigenverantwortung
und Eigeninitiative, ein ausreichendes Bildungsniveau der Bev=F6lkerung,
wirksame Korruptionsbek=E4mpfung und funktionierende M=E4rkte voraus,
etwas - so viele Kritiker - was nicht von heute auf morgen durch ein Privat=
isierungsprogramm
geschieht.</font>
</p><p><b><font size=3D"-1">4.3.2.Privatisierung und Haushaltssanierung/ Sc=
huldenabbau</font></b>
<br><font size=3D"-1">Um den Haushalt zu sanieren und Schulden abzubauen, m=
=FCssten
aus Privatisierungserl=F6sen erhebliche Summen flie=DFen. Sind jedoch
Staatsunternehmen veraltet und haben einen hohen Modernisierungsbedarf,
ist es eine Illusion anzunehmen, dass man ausreichende Erl=F6se f=FCr
einen wirksamen Schuldenabbau erwirtschaftet oder seinen Staathaushalt
langfristig sanieren kann. Die Erl=F6se der Privatisierungen von 1994
bis 1996 h=E4tten gerade einmal 1 % der Auslandsverschuldung abgebaut,
wenn sie vollst=E4ndig in die Schuldentilgung geflossen w=E4ren.
Vergegenw=E4rtigt man sich das Beispiel der Privatisierung der Staatsbetrie=
be
der ehemaligen DDR, so ist es bezeichnend, dass die Treuhandanstalt mit
einem Defizit als Schlussbilanz aus den Verk=E4ufen ging. Dar=FCber
hinaus sind Verkaufserl=F6se aus Privatisierungen einmalige Einnahmen.
Diese in den Staatshaushalt einzurechnen, ohne eine sp=E4tere Ausgabenreduk=
tion
vorzunehmen, belastet den Haushalt in der Zukunft und verlagert die Problem=
e
nur auf eine sp=E4tere Zeit.</font>
</p><p><b><font size=3D"-1">4.3.3. Privatisierung und Modernisierung/Ausl=
=E4ndische
Direktinvestition</font></b>
<br><font size=3D"-1">Die Idee, durch Ausl=E4ndische Direktinvestitionen
(ADI) eine dringend notwendige Modernisierung des Staates zu erreichen,
l=E4sst in Ekuador mit positiven Resultaten auf sich warten. Obwohl
der Staat wesentliche Investitionshindernisse aus dem Weg r=E4umte und
ausl=E4ndische Unternehmen prinzipiell zu privatisierende Unternehmen
erwerben k=F6nnen, ist das Ergebnis in Ekuador unbefriedigend. Im Rahmen
der Globalisierung und der Standortdiskussion reicht es f=FCr ein Land
nicht aus, juristische Hindernisse aus dem Weg zu r=E4umen. Langfristige
Gewinnaussichten, Politische Stabilit=E4t, das gesamtwirtschaftliche
Umfeld sind notwendige Voraussetzungen f=FCr Investitionsentscheidungen.
Im Umfeld von politischer Instabilit=E4t und wirtschaftlicher Dauerkrise
in Ekuador flie=DFen ADI h=F6chstens in den profittr=E4chtigen
=D6lsektor. "In the short and medium term, I think prospects for more
privatizations are very bad in Ecuador, and also in some other Latin Americ=
an
countries such as Venezuela and Colombia. It's not just the opposition
to privatization. People are not investing down here anymore. When you've
got strong opposition and [an] economic crisis what foreign investor is
going to say, 'Okay, I want to buy a company there.'?" bemerkt der ekuadori=
anische
=D6konom Gustavo Arteta in der "Washington Post" (1999).</font>
</p><p><b><font size=3D"-1">4.3.4. Privatisierung und Armut</font></b>
<br><font size=3D"-1">Zwischen Privatisierung, wie sie versprochen und letz=
tendlich
privatisiert wurde, liegen Welten. Eine Privatisierung sollte vor allem
auch den unteren Schichten der Bev=F6lkerung zugute kommen, durch bessere
Versorgungsleistung, niedrigere Preise und eine Belebung der Gesamtwirtscha=
ft.
Das Gegenteil wird von Kritikern beklagt: anstatt die Einnahmen von "unten
nach oben" zu verteilen und eine sinnvolle Redistributionspolitik zu betrei=
ben,
verteilte die Privatisierung Ressourcen an die einflussreichsten und reichs=
ten
Gruppen des Landes, so der Vorwurf von Alberto Acosta (1998).</font>
</p><p><font size=3D"-1">Armut&nbsp; und Einkommensunterschiede haben in de=
n letzten
Jahre rasant zugenommen: zwischen 1995 und 2000 stieg die Zahl der Armen
von 3,9 auf 8,4 Millionen (das ist ein prozentualer Anstieg von 34 % auf
71 %). Die extreme Armut&nbsp; erh=F6hte sich im selben Zeitraum von
12 % auf 35 % der Bev=F6lkerung. Drastisch ist die Situation der Kinder:
75 % von ihnen leben in Armut. Gleichzeitig sanken die Sozialausgaben pro
Kopf um 22 % f=FCr Bildung und um 26 % f=FCr Gesundheit.&nbsp; Mit
der ansteigenden Armut versch=E4rften sich auch die Unterschiede zwischen
Arm und Reich: 1990 vereinigten 20 % der =C4rmsten noch 4,6 % der Einkommen
auf sich, w=E4hrend die reichsten 20 %&nbsp; =FCber 52 % der Einkommen
verf=FCgten. 1995 verf=FCgten 20 % der =C4rmsten =FCber 4,1
%, 1999 nur noch =FCber 2,46 % der Einkommen w=E4hrend sich der Anteil
der Reichsten auf 54,9 % und 61,2 % steigerte.</font>
</p><p><font size=3D"-1">Die Ursachen f=FCr diese Entwicklung sind vielschi=
chtig
und sicher nicht das (alleinige) Resultat von Privatisierungen. Jedoch
konnten Privatisierungsma=DFnahmen diese Entwicklungen nicht kompensieren,
und die Art ihrer Durchf=FChrung trug eher zu einer Versch=E4rfung
der Situation bei. Estache, Gomez-Lobo, und Leipziger (2000) kommen in
ihrer Studie "Utility Privatization and the Needs of the Poor in Latin
America: Have We Learned Enough to Get It Right?" zu dem Ergebnis, dass
arme Haushalte nicht zwangsl=E4ufig zu den Verlierern einer Reform geh=F6re=
n
m=FCssen. Es existierten viele Beispiele f=FCr Privatisierungen,
von denen untere soziale Schichten profitieren. Eine Voraussetzung daf=FCr
ist, dass, wenn m=F6glich, Wettbewerb geschaffen wird. Eine der Schlussfolg=
erungen
scheint entscheidend im Hinblick auf die Erfahrungen in Ecuador: "Essential=
ly
what is needed is political commitment to doing the right thing. If policy
is weak before privatization, it is going to be weak after privatization
as well. Privatization is no substitute for responsible policy on redistrib=
ution."</font>
</p><p><b><font color=3D"#0C7462"><font size=3D"-1">5. Abschlie=DFende Beme=
rkungen</font></font></b>
</p><p><font size=3D"-1">Es scheint symptomatisch f=FCr die Wirtschaftspoli=
tik
Ekuadors, dass einzelne Reformma=DFnahmen wie die Mitte der 90er Jahre
die Privatisierungen und aktuell die Dollarisierung als Schl=FCssel
f=FCr die Entwicklung des Landes betrachtet werden. Wie die gro=DFe
ekuadorianische Tageszeitung El Universo 1990 schrieb : "Das Staatsunterneh=
men,
schwerf=E4llig und unrentable, kann vom einen auf den anderen Tag in
ein bl=FChendes Unternehmen umgewandelt werden, indem man das 'Magische
Wort' anwendet: Dieses Wunderwort hei=DFt 'Privatisierung'." Die Erfahrunge=
n
Ekuadors zeigen, dass neoliberale marktorientierte Reformen nicht greifen,
wenn keine institutionelle Reformen den Prozess begleiten und der Staat
nicht f=E4hig ist, eine wirtschaftlichen Rahmen zu schaffen, in dem
Wettbewerb herrscht. Au=DFerdem erscheint es wichtig, dass Ma=DFnahmen
zur sozialen Absicherung der Bev=F6lkerung die Reformprozesse begleiten.</f=
ont>
</p><p><font size=3D"-1">Was sind die Lehren aus der offensichtlich nicht s=
ehr
gl=FCcklichen Erfahrung mit der Privatisierung in Ekuador f=FCr die
Entwicklung des Landes? Eine alleinige Orientierung auf den Markt und eine
Reform desselben gen=FCgt nicht. Hand in Hand muss eine institutionelle
Erneuerung einhergehen, der Staat muss funktionieren. Inwieweit sich der
Staat in die Wirtschaft einmischt, ist wiederum eine ideologische Frage,
wirtschaftlich gibt es sowohl funktionierende Modelle mit viel (wie die
nordeurop=E4ischen Wohlfahrtsstaaten) als auch das Gegenbeispiel mit
sehr geringer (der liberale Kapitalismus der Vereinigten Staaten) Staatsbet=
eiligung.
Aber die Rolle des Staates in den Reformkonzepten au=DFen vor zu lassen,
scheint einer der gravierendsten Fehler bei der Durchsetzung der Reformkonz=
epte
der 90er Jahre gewesen zu sein. So stellt auch Williamson (1999) fest:
"The impact of privatization depends, in my view, very much on how it is
done: the sort of insider/voucher privatization that happened in Russia
allows the plunder of state assets for the benefit of an elite, but a well-=
conducted
privatization with competitive bidding can raise efficiency and improve
the public finances, with benefits to all, including the poor." Leider
gleicht die von Williamson beklagte Privatisierungsstrategie Russlands
in ihren Ergebnissen sehr der Ekuadors.</font>
</p><p><font size=3D"-1">Bleibt die Frage nach einer besseren Strategie. Na=
ch einer
lauter werdenden Kritik am Neoliberalismus erweiterte man das marktorientie=
rte
Konzept um die Forderung nach funktionsf=E4higen Institutionen. In der
Tat waren L=E4nder am erfolgreichsten in der Umsetzung von neoliberalen
Reformen, die noch =FCber funktionierende Institutionen verf=FCgten
oder in denen die Erinnerung an solche noch pr=E4sent war (wie in Polen).
Leider fehlen bisher brauchbare praktische Politikkonzepte, wie man im
Falle unzureichend funktionierender Institutionen und oder eines korrupten
Staates erfolgsversprechende liberale Reformkonzepte durchsetzt.</font>
</p><p><font size=3D"-1">Viele raten von Versuchen weiterer Schocktherapien=
 ab,
besonders in stark unterentwickelten Staaten mit hoher Marktkonzentration:
"The Experience with development in the last half century reveals [a] strik=
ing
fact: the best performing countries are those that liberalize partly and
gradually. All these countries [the East Asian Countries and India] unleash=
ed
the energies of their private sector, but did so in a cautious, controlled
manner."&nbsp; Auch hier f=FChren die Wege wieder zu einem funktionierenden
Staat, der bem=FCht ist, die Kr=E4fte des Marktes in bestimmte Bahnen
zu lenken, und den Finanzsektor besonders in den ersten Phasen der Reformpr=
ozesse
kontrolliert.</font>
</p><p><font size=3D"-1">Andere Entwicklungskonzepte r=E4umen dem Staat ein=
e
aktivere Rolle bei der Entwicklung des Landes ein. Der Staat solle, so
Alberto Acosta (1998), eine aktive Zusammenarbeit mit dem Privatsektor
suchen, jedoch nicht mit der finanzstarken Oligopolelite, wie dies in den
letzten Jahren in Ekuador geschehen ist. Anstatt die Diskussion =FCber
Effizienz und Wettbewerbsf=E4higkeit fortzuf=FChren, w=E4re es
ratsamer, sich auf die Schaffung eines internen Marktes zu konzentrieren.
Dieser Prozess solle von einer st=E4rkeren Beteiligung der Zivilgesellschaf=
t
begleitet werden, etwas, was in den meisten angloamerikanischen Reformkonze=
pten
keine Beachtung findet und von Neoliberalisten als Zeitverschwendung und
kontraproduktiv bezeichnet wird .</font>
</p><p><font size=3D"-1">Welchen Weg Ekuador auch einschlagen wird, die Her=
ausforderungen
sind enorm, die Resignation in der Bev=F6lkerung nach vielen gescheiterten
Reformversuchen gro=DF. Armut, Korruption und Unterentwicklung scheinen
erdr=FCckend. Im Allgemeinen scheint man sich einig, dass die Praxis
der letzten Jahre nicht mehr fortgef=FChrt werden kann. Von heute auf
morgen sind sicher keine weitreichende Erfolge zu erwarten, bleibt die
Hoffnung, dass das Land langfristig seinen Weg finden wird.</font>
</p><hr size=3D"3" width=3D"100%">
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Not Ready To Go to Market, Economic Reforms Are Slowed by Strikes".</font>
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</p><hr size=3D"3" width=3D"100%">
<br><font color=3D"#CC0000"><font size=3D"-1">Ausgearbeitet von Simone Burk=
hart
(<a href=3D"mailto:Simone_Burkhart@yahoo.de">Simone_Burkhart@yahoo.de</a>)
im Rahmen eines Praktikums bei der Friedrich-Ebert Stiftung/ ILDIS (Institu=
to
Latinoamericano de Investigaciones Sociales) in Quito/Ekuador im Juli/Septe=
mber
2001.</font></font>
<p><font color=3D"#CC0000"><font size=3D"-1">Neben ILDIS soll hiermit auch =
den
Instituten FLASCO, CORDES und CONAM f=FCr ihre Unterst=FCtzung gedankt
werden.</font></font>
<br>&nbsp;


</p></body></html>
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