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Subject: Was soll man von der Tobin-Steuer halten? / [Alfred Pfaller] - [Electronic ed.] - Bonn, [2002 - 2] Bl. = 25 KB, Text . - (Politikinfo / Internationale Politik-Analyse) <br>Electronic ed.: Bonn : FES Library, 2002
Date: Wed, 7 May 2025 15:00:40 +0200
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Was soll man von der Tobin-Steuer halten?
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Was soll man von der Tobin-Steuer halten?
 / [Alfred Pfaller] - [Electronic ed.] - Bonn, [2002 - 2] Bl. =3D 25 KB, Te=
xt
. - (Politikinfo / Internationale Politik-Analyse)
<br>Electronic ed.: Bonn : FES Library, 2002
<br><br><font size=3D"-1"><i>=A9 Friedrich-Ebert-Stiftung</i></font>
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</font>
<br><br>
<center><img src=3D"https://library.fes.de/images/digbib/d_inhalt.gif" alt=
=3D"INHALT"></center><br><br>
<!-- END BEGIN2 -->

<p>
</p><ul>

<p><font size=3D"+1"><a href=3D"https://library.fes.de/fulltext/id/01231.ht=
m#E9E1">	Die Grundidee: unerw=FCnschte Transaktionen teurer machen</a></fon=
t>

</p><p><font size=3D"+1"><a href=3D"https://library.fes.de/fulltext/id/0123=
1.htm#E9E2">	Kaum Schaden, fraglicher Stabilisierungsnutzen</a></font>

</p><p><font size=3D"+1"><a href=3D"https://library.fes.de/fulltext/id/0123=
1.htm#E9E3">	Eine andere Art von Devisenumsatzsteuer</a></font>

</p><p><font size=3D"+1"><a href=3D"https://library.fes.de/fulltext/id/0123=
1.htm#E9E4">	Die zweite Dividende ist die interessantere</a></font>

</p><p><font size=3D"+1"><a href=3D"https://library.fes.de/fulltext/id/0123=
1.htm#E9E5">	Die Tobinsteuer ist machbar, doch wenig wirksam ohne die USA</=
a></font></p></ul>
<br><br>
<p>Der sp=E4tere Nobelpreistr=E4ger der Wirtschaftswissenschaften James Tob=
in stellte die Idee einer Steuer auf Devisenums=E4tze im Jahre 1972 vor. Vo=
n Wissenschaft und Politik wurde sie lange als vielleicht interessanter, ab=
er letztlich nicht ernsthaft zu verfolgender Gedanke abgetan. Dabei kamen m=
ehrere Dinge zusammen: (a) begr=FCndete Skepsis hinsichtlich des zu erwarte=
nden Nutzens, der Durchf=FChrbarkeit und der politischen Realisierungschanc=
e; (b) neoliberales Missfallen an jeglicher Art zus=E4tzlicher Steuer, gar =
einer internationalen; (c) der Widerstand der Banken und Broker, die um Gew=
inne in Milliardenh=F6he f=FCrchteten.=20
</p><p>Die Ablehnungsfront beginnt jedoch zu br=F6ckeln. Die =84Tobin Tax",=
 seit l=E4ngerem eine zentrale Forderung der Bewegung der Globalisierungssk=
eptiker, findet heute auch im =84Mainstream" der =D6konomie Anh=E4nger.
</p><p>=20
</p><p align=3D"CENTER"><a href=3D"https://library.fes.de/fulltext/id/01231=
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<a name=3D"E9E1"></a></p><p align=3D"LEFT"><font size=3D"+1"> Die Grundidee=
: unerw=FCnschte Transaktionen teurer machen</font><br><br>
</p><p>=20
</p><p>Der Markt gilt als der Mechanismus, der den effizientesten Umgang mi=
t knappen Ressourcen durchsetzt. Dies kann er umso wirksamer gew=E4hrleiste=
n, je geringer die Reibungsverluste sind, die beim Kauf und Verkauf anfalle=
n. Denn das Wahrnehmen eines hinsichtlich Preis und Leistung g=FCnstigeren =
Angebots lohnt sich nur, wenn der Vorteil nicht durch die sogenannten Trans=
aktionskosten aufgehoben wird. Umsatzsteuern aber sind k=FCnstliche Transak=
tionskosten und insofern sicher nicht effizienzf=F6rdernd.
</p><p>Das Effizienzpostulat gilt f=FCr M=E4rkte, in denen G=FCter und Dien=
ste f=FCr den Verbrauch oder die Weiterverwendung im Produktionsprozess geh=
andelt werden. Das Geschehen in M=E4rkten, in denen Bestandswerte (assets) =
gehandelt werden, wird jedoch in hohem Ma=DFe von <u>erwarteten</u> Preisen=
twicklungen gepr=E4gt. Dies bringt eine immanente Tendenz zu spekulativ =FC=
berh=F6hten Preisausschl=E4gen mit sich, die mit effizienter Ressourcenverw=
endung nicht nur nichts zu tun haben, sondern sie auch beeintr=E4chtigen. B=
ei derartigen M=E4rkten kann es besser sein, dass die Ums=E4tze erschwert w=
erden; denn dann wird die spekulative Triebkraft, die die Preisausschl=E4ge=
 bewirkt, abgeschw=E4cht.
</p><p>Auf Devisenm=E4rkten wird nicht nur fremde W=E4hrung gehandelt, die =
man zum Erwerb von G=FCtern und Verm=F6genstiteln im Ausland ben=F6tigt. De=
visen werden weithin nur gekauft, um sie sp=E4ter gewinnbringend wieder zu =
verkaufen. Das Besondere an Finanzm=E4rkten =96 darunter auch den Devisenm=
=E4rkten =96 ist nun, dass die Transaktionskosten in den letzten 20 Jahren =
verschwindend gering geworden sind, so dass sich selbst kleinste Gewinnmarg=
en beim Wiederverkauf lohnen und bei riesigen Handelsvolumina auch kr=E4fti=
g zu Buche schlagen. U.a. mit Hilfe von Derivaten l=E4sst sich dies auch be=
i fallenden Kursen ausnutzen. Der Devisenhandel ist deshalb f=FCr die Speku=
lation =E4u=DFerst interessant. Das aber hat zur Folge, dass spekulative Um=
s=E4tze auch die Preisbildung =96 bei Devisen also die Kursentwicklung =96 =
beeinflussen. Die Spekulation selbst schafft sich die Preisbewegungen, an d=
enen sie verdient.=20
</p><p>Spekulation setzt zum einen auf Trends, zum anderen auf Trendwenden.=
 Im allt=E4glichen Devisenhandel spielen st=E4ndige =84Trendwenden", d.h. O=
szillationen um einen Mittelpreis die gr=F6=DFte Rolle. Diese Minispekulati=
on ist f=FCr sich genommen harmlos. Aber die riesigen Ums=E4tze, die sie =
=96 wegen der geringen Transaktionskosten =96 er-zeugt, k=F6nnen zu einer k=
umulativen Fortsetzung einer einmal eingeleiteten Preisbewegung f=FChren. D=
ies ist dann in der Tat bedenklich f=FCr die realwirtschaftliche Effizienz.=
 Es kann im schlimmsten Fall zu einer W=E4hrungskrise mit verheerenden Folg=
en f=FChren. Aber auch ohne Krise schaden spekulativ herbeigef=FChrte Wechs=
elkursschwankungen dem Wirtschaftswachstum vor allem =F6konomisch schwacher=
 L=E4nder.=20
</p><p>Eine Umsatzsteuer auf Devisentransaktionen w=FCrde genau jene Minisp=
ekulation, die mit gewaltigen Ums=E4tzen kleinste Gewinnmargen anpeilt, ver=
ringern und damit die von ihr ausgehende Kursschwankungsdynamik bremsen. Da=
zu gen=FCgt bereits ein =E4u=DFerst kleiner Steuersatz von einem oder ein p=
aar Zehntel Prozent (Tobin selbst hatte 1 Prozent genannt).=20
</p><p>=20
</p><p>=20
</p><p align=3D"CENTER">
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<a name=3D"E9E2"></a></p><p align=3D"LEFT"><font size=3D"+1"> Kaum Schaden,=
 fraglicher Stabilisierungsnutzen</font><br><br>
</p><p>=20
</p><p>=20
</p><p>Nun ist der Devisenmarkt aber nicht <u>nur</u> ein spekulativer Mark=
t. Devisen werden auch gekauft und verkauft, um Handelsgesch=E4fte abzuwick=
eln und um in anderen L=E4ndern Produktionsanlagen zu errichten. Derartige =
Gesch=E4fte, deren Summe heute etwa 2 Prozent aller Devisenums=E4tze ausmac=
ht, werden durch den Handel mit auf die Zukunft lautenden Kauf- und Verkauf=
srechten (Derivaten) gegen Wechselkursrisiken abgesichert. Diese Art von Tr=
ansaktionen zu behindern, w=E4re wohlfahrtsmindernd. Aber dem tr=E4gt die I=
dee der Tobin Tax Rechnung; denn ihre H=F6he ist so gering, dass man den Ve=
rteuerungseffekt f=FCr den Welthandel und die Direktinvestition getrost ver=
nachl=E4ssigen kann.=20
</p><p>Doch ganz so einfach ist es nicht. Erstens brauchen M=E4rkte ein gew=
isses Liquidit=E4tspolster, um reibungslos zu funktionieren. D.h. es muss m=
ehr Geld im Umlauf sein, als f=FCr reale Transaktionen ben=F6tigt wird. F=
=FCr eine Devisenumsatzsteuer bedeutet dies, dass sie des Guten nicht zu vi=
el tun darf. Die von Tobin vorgeschlagene H=F6he von 1 % auf Devisenk=E4ufe=
 und -verk=E4ufe wird heute selbst von uneingeschr=E4nkten Bef=FCrwortern d=
er Steuer als bei weitem zu hoch angesehen. Die Rede ist jetzt von 0,1 bis =
0,5 Prozent. Was angemessen ist, w=E4re letztlich empirisch zu erproben =96=
 beginnend mit einem niedrigen Steuersatz.
</p><p>Aber es geht noch um mehr. Absicherungsgesch=E4fte mit Hil-fe von =
=84futures" w=FCrden infolge der Tobin Tax ebenfalls teurer. Das =96 so wir=
d bef=FCrchtet =96 behindere auch die =F6konomisch sinnvollen Devisentransa=
ktionen und erh=F6he die Unsicherheit. Aber es l=E4sst sich entgegenhalten,=
 dass die Tobinsteuer auch die =96 normalen, kleinen =96 Wechselkursrisiken=
 reduziert, gegen die sich Exporteure, Investoren etc. absichern m=FCssen.
</p><p>Ein weiterer Punkt ist, dass im derzeit bestehenden Bankensystem Dev=
isentransaktionen mit einem Kunden i.d.R. zu einer ganzen Kette von Transak=
tionen zwischen den Banken f=FChren =96 so lange bis deren Devisenbest=E4nd=
e wieder die gew=FCnschte Struktur aufweisen. Eine Devisenumsatzsteuer w=FC=
r-de dieses System zu Fall bringen. Banken m=FCssten dann relativ gro=DFe e=
igene Devisenbest=E4nde halten, um die W=FCnsche ihrer Kunden zu befriedige=
n. Da sich dies nur gro=DFe Banken leisten k=F6nnten, k=E4me es zu einer Ko=
nzentration im Bankensektor. Aber in diese Richtung geht der Trend auch so.=
 Andererseits w=FCrde die Tobin Tax vor allem den Handel in den hochliquide=
n, hochkonzentrierten M=E4rkten =84st=F6ren", was eher eine Dekonzentration=
 beg=FCnstigt.
</p><p>Unterm Strich erscheinen die volkswirtschaftlichen Kosten der Tobins=
teuer jedenfalls nicht sehr hoch. Aber was ist mit dem Nutzen? Dass mit ihr=
 die verheerenden Finanzkrisen der 90er Jahre verhindert worden w=E4ren, is=
t unwahrscheinlich. Denn die massiven Kapitalzufl=FCsse in die Krisenl=E4nd=
er wurden von Gewinnerwartungen in zig-facher H=F6he der Steuer =96 unterst=
=FCtzt von vermeintlichen Wechselkursgarantien =96 angetrieben. Und die pl=
=F6tzlichen Kapitalabfl=FCsse entsprangen aus der letztendlich f=E4lligen U=
mkehr der Erwartungen.=20
</p><p>Die Diskussion =FCber Wege k=FCnftiger Krisenvermeidung setzt an der=
 Wechselkurspolitik, der Robustheit von Kreditsystemen, der Regulierung int=
ernationaler Kreditvergabe, der administrativen Begrenzung von Kapitalzu- u=
nd -abfl=FCssen, der Risikoaufteilung unter Schuldnern und Gl=E4ubigern sow=
ie den IWF-Rettungsaktionen an. Die Tobinsteuer spielt bei all dem keine Ro=
lle.
</p><p>Warum also so viel Gewicht auf gerade diesen politischen Eingriff in=
s Finanzmarktgeschehen legen? Geht es im Grunde mehr um symbolische Politik=
 (=84wider den Primat der M=E4rkte") als um tats=E4chliche Stabilisierung? =
Die Antwort h=E4ngt von der Bedeutung ab, die dem Ph=E4nomen des Hochschauk=
elns kleiner spekulativer Kursausschl=E4ge beizumessen ist. Die Krisen in O=
stasien, Mexiko und Russland lassen sich dadurch kaum erkl=E4ren. Aber f=FC=
r seine Existenz sprechen starke theoretische Argumente. Ist die Tobinsteue=
r also dazu angetan, k=FCnftige Krisen zu verhindern, die anders =84gestric=
kt" sind als die bisherigen? Wie wahrscheinlich sind derartige Krisen? Frag=
en ohne klare Antworten!=20
</p><p align=3D"CENTER">
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<a name=3D"E9E3"></a></p><p align=3D"LEFT"><font size=3D"+1"> Eine andere A=
rt von Devisenumsatzsteuer</font><br><br>
</p><p>=20
</p><p><b> </b>
</p><p>Der Frankfurter Wirtschaftswissenschaftler Paul-Bernd Spahn hat eine=
 etwas andere Art von Devisenumsatzsteuer vorgeschlagen. Seine Variante sie=
ht eine sehr hohe Steuer vor, die aber nur dann zur Anwendung kommt (dann a=
ber automatisch), wenn die Ver=E4nderungen des Wechselkurses eine bestimmte=
, im Voraus festgelegte und bekannt gegebene Geschwindigkeit =FCbersteigen.=
 Der Steuersatz sollte dabei so hoch sein, dass er alle spekulativen Ab- un=
d Aufwertungserwartungen =FCbertrifft. Allein das Wissen um diese automatis=
che Bremse w=FCrde (fast) jeden spekulativen Run verhindern. Als =F6konomis=
ch sinnvoll erachtete Wechselkursver=E4nderungen w=FCrden hingegen nicht be=
hindert, denn die Notbremse bleibt ja unausgel=F6st, solange Ab- oder Aufwe=
rtung langsam vor sich geht. Skeptiker m=F6gen hier Zweifel =E4u=DFern, ob =
die Unterscheidung zwischen gerechtfertigter und ungerechtfertigter Wechsel=
kursvolatilit=E4t so leicht f=E4llt. Solchen Zweifeln lie=DFe sich entgegen=
halten, dass etwas zu viel Stabilit=E4t (d.h. zu langsame Wechselkursanpass=
ungen) allemal besser sei als ein krisentr=E4chtiges Zuwenig.=20
</p><p>Die =84Spahn-Steuer" lie=DFe im Gegensatz zur Tobinsteuer die t=E4gl=
iche, an den kleinen Margen interessierte Spekulation unbehelligt und w=FCr=
de sich direkt auf bereits in Gang gekommene Krisenverl=E4ufe konzentrieren=
. Sie l=E4sst sich aber auch mit einer Devisenumsatzsteuer Tobinscher Art k=
ombinieren. Und so hat Spahn seinen Vorschlag auch konzipiert.=20
</p><p>Warum aber noch eine Tobinsteuer, wenn ihr Nutzen f=FCr die Stabilis=
ierung der Finanzm=E4rkte eher fraglich ist und Politiken im Gespr=E4ch sin=
d, die Finanzkrisen wirksamer verhindern k=F6nnen?
</p><p>Eine Antwort ist die =84zweite Dividende", die die Tobinsteuer versp=
richt.
</p><p align=3D"CENTER">
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<a name=3D"E9E4"></a></p><p align=3D"LEFT"><font size=3D"+1"> Die zweite Di=
vidende ist die interessantere</font><br><br>
</p><p>Wie jede sogenannte Lenkungssteuer, mit der man wirtschaftliches Ver=
halten beeinflussen will, w=FCrde auch die Tobinsteuer Ertr=E4ge abwerfen. =
Sch=E4tzungen zufolge w=FCrde eine weltweit angewandte 0,1-prozentige Steue=
r 150 Milliarden Dollar im Jahr erbringen. Bei einem Steuersatz von einem V=
iertel Prozent sollen es 360 Milliarden sein =96 mehr als sechs mal so viel=
 wie die gesamte Offizielle Entwicklungshilfe. Andere meinen freilich, dass=
 derartig hohe Erwartungen den Verdr=E4ngungseffekt, den eine Tobinsteuer a=
uf die erfassbaren Devisentransaktionen aus=FCben w=FCrde, nicht angemessen=
 ber=FCcksichtigen. Sie rechnen mit wesentlich geringeren Ertr=E4gen.
</p><p>Solange die Tobin Tax prim=E4r als Lenkungssteuer konzipiert wird, s=
ind die Ertragsperspektiven nicht wichtig. Man kann sogar sagen: Je weniger=
, desto besser; denn desto st=E4rker ist offensichtlich die intendierte Wir=
kung der Steuer.=20
</p><p>Aber wenn man der Eind=E4mmung der tagt=E4glichen Mikrospekulation d=
es Devisenhandels aus den oben diskutierten Gr=FCnden keinen hohen Stellenw=
ert bei der Stabilisierung der internationalen Finanzm=E4rkte beimisst, r=
=FCckt die =84zweite Dividende" in den Vordergrund. Und prim=E4r auf sie ha=
ben es viele Bef=FCrworter der Tobinsteuer auch abgesehen. Sie soll als Gel=
dquelle f=FCr notorisch unterfinanzierte weltweite An-liegen =96 etwa Entwi=
cklungshilfe oder die diversen Programme der UN =96 dienen. Es wurde auch v=
orgeschlagen, aus ihren Ertr=E4gen einen Stabilisierungsfonds f=FCr die int=
ernationalen Finanzm=E4rkte zu speisen.=20
</p><p>Eine Steuer, die kaum volkswirtschaftlichen Schaden anrichtet, ist i=
n der Tat interessant als Einnahmenquelle. Diese Konzeption wirft neue Frag=
en auf. Fundamental: wie vertr=E4gt sich eine internationale Steuer (und nu=
r als solche h=E4tte sie jenseits ihres Lenkungszweckes Sinn) mit dem demok=
ratischen Prinzip =84no taxation without representation"? Man k=F6nnte antw=
orten: Wenn die Staaten die angedachten Verwendungszwecke guthei=DFen und u=
nterst=FCtzen <u>wollen</u>, ist eine geringf=FCgige Steuer auf Devisentran=
saktionen keine schlechte Idee. Immerhin verbindet sie wie kaum eine andere=
 Steuer eine hohe Progressivit=E4t (sie besteuert nur =84Reiche") mit dem V=
erzicht auf jegliche effizienzmindernde Verzerrung des Marktgeschehens.
</p><p>Entschlie=DFt sich ein Teil der =84internationalen Gemeinschaft" zur=
 Besteuerung der Devisenums=E4tze, kann der politische Prozess gleichwohl i=
n ein Gerangel um die Aufteilung des Ertrages m=FCnden. Besonders dann, wen=
n kein eindeutiger Finanzierungszweck am Ausgangspunkt der Entscheidung ste=
ht, sondern das Antispekulationsmotiv, das die Tobin-Tax-Debatte bis heute =
dominiert.
</p><p>Wird der Ertrag jedoch zum Hauptziel, d=FCrfte die spekulationsd=E4m=
pfende Wirkung nicht zu stark ausfallen, da damit ja auch die Steuerbasis s=
chrumpft. Die Praxis des vielfachen Hin- und Herschiebens von Devisenpositi=
onen m=FCsste weitgehend bestehen bleiben. Dies spricht f=FCr einen sehr ge=
ringen Steuersatz, der freilich empirisch auszuloten w=E4re. Denn hinsichtl=
ich der Reaktion des Devisenhandels auf eine Transaktionssteuer gibt es zie=
mlich unterschiedliche Erwartungen.=20
</p><p>=20
</p><p align=3D"CENTER">
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order=3D"0" alt=3D"Page Top"></a>

<a name=3D"E9E5"></a></p><p align=3D"LEFT"><font size=3D"+1"> Die Tobinsteu=
er ist machbar, doch wenig wirksam ohne die USA</font><br><br>
</p><p> <b> </b>
</p><p>=20
</p><p>Unabh=E4ngig von der Frage nach dem grunds=E4tzlichen =F6konomischen=
 Sinn einer Devisenumsatzsteuer werden schwerwiegende Probleme im Bereich d=
er praktischen Durchsetzung verortet. Ein Argument setzt an der Umgehung de=
r Steuer an.=20
</p><p>Dies hat zwei Aspekte: die technische Erfassung der Transaktionen im=
 Geltungsbereich der Steuer und das Ausweichen des Devisenhandels auf steue=
rfreie Pl=E4tze. Die Erfassung sollte heute zu bew=E4ltigen sein, da man au=
f das in den letzten Jahren fl=E4chendeckend installierte EDV-System zur=FC=
ckgreifen kann, das zu Clearing-Zwecken ohnehin alle Transaktionen zwischen=
 den Banken erfasst.=20
</p><p>Auch das Ausweichen des Devisenhandels auf =84Tobin-Tax-Oasen" stell=
t nicht unbedingt ein stichhaltiges Gegenargument gegen die Einf=FChrung de=
r Steuer dar. Denn der geringe Steuersatz, so k=F6nnte man sagen, h=E4lt de=
n Anreiz f=FCr die Banken, auszuweichen, ebenfalls sehr gering. Eine Verlag=
erung an Standorte fernab vom =FCbrigen Finanzmarktgeschehen hat schlie=DFl=
ich auch Nachteile.=20
</p><p>Finanztechnische Ausweichstrategien schlie=DFlich (etwa mittels Deri=
vaten) erh=F6hen tendenziell die Transaktionskosten =96 genau das, was die =
Steuer auch will.=20
</p><p>Gegen die Zuversicht, was den =84Off-shore" betrifft, l=E4sst sich f=
reilich das Interesse des Devisenhandels an gerade jenen Minikursschwankung=
en anf=FChren, die die Tobin Tax bek=E4mpfen will. Wenn es schon um Gewinne=
 in zweistelliger Milliardenh=F6he geht, warum soll dann der Anreiz zur Sic=
herung dieses Gewinnes gering sein?
</p><p>Hier kommt ein anderes Argument der Bef=FCrworter zum Zuge: Steuerfl=
ucht l=E4sst sich vielleicht nicht ganz verhindern, aber zumindest kr=E4fti=
g reduzieren, wenn man es mit der Bek=E4mpfung ernst nimmt. Die vorgetragen=
en Rezepte reichen von einer Modernisierung der Steuerfahndung =FCber schwa=
rze Listen bis zu erh=F6htem politischen Druck auf steuerfreie Offshore-Fin=
anzpl=E4tze.=20
</p><p>Bisherige Erfahrungen legen die Erwartung nahe, dass Repression in d=
er Tat Wirkung zeigt, wenn sie mit Entschlossenheit betrieben wird. Die Ent=
schlossenheit, um die es geht, ist die der <u>relevanten</u>, weil mit Durc=
hsetzungsmacht ausgestatteten, politischen Akteure. Im internationalen Raum=
 kommt derartige Relevanz kaum einer einzelnen Regierung zu. Gefordert ist =
das gemeinsame Vorgehen einer hinreichend starken Gruppe von Staaten, die b=
ei der Bek=E4mpfung der Steuervermeidung kooperieren.=20
</p><p>Genau hier liegt der Hase im Pfeffer. Wenn auch die feste =84Anti-To=
bin-Front" der westlichen Wirtschaftspolitik Aufl=F6sungserscheinungen aufw=
eist, der m=E4chtigste und f=FCr die Finanzm=E4rkte bedeutendste Staat steh=
t bis auf weiteres als Partner in einem Tobin-Tax-B=FCndnis nicht zur Verf=
=FCgung.=20
</p><p>Eine Tobinsteuer <u>mit Biss</u>, die den spekulativen Devisenhandel=
 sp=FCrbar einschr=E4nken w=FCrde, l=E4sst sich aber nicht so recht vorstel=
len, wenn die Transaktionen, um die es geht, an die etablierten Finanzpl=E4=
tze in den USA verlagert werden.
</p><p>Geht es nur um den Ertrag, so lie=DFe sich daran denken, den Steuers=
atz so gering zu halten, dass er keine Ausweichreaktionen gro=DFen Stils au=
sl=F6st. Aber es ist ungewiss, wie gering dies sein m=FCsste und ob sich da=
nn die ganze Sache noch lohnt.=20
</p><p>Anders sieht es freilich mit der Spahnschen Variante aus. Diese proh=
ibitiv hohe Notfall-Steuer kann vor allem von kleinen L=E4ndern, deren W=E4=
hrungen f=FCr den internationalen Zahlungsverkehr keine Rolle spielen, zum =
Schutze vor massiven Auf- und Abwertungen erhoben wer-den. Aber auch hier m=
uss dahin gestellt bleiben, ob der Devisenhandel nicht doch Umgehungsm=F6gl=
ichkeiten entwickelt =96 zumal es hier um h=F6chste Gewinne oder Verluste g=
eht.
</p><p>=20
</p><p align=3D"RIGHT">     <i>Alfred Pfaller </i>
</p><p><br></p><center><hr width=3D"80%">
<p>Friedrich-Ebert-Stiftung, 5310 Bonn, fax: 0228 / 883 625, <a href=3D"mai=
lto: PfallerA@fes.de">e-mail: PfallerA@fes.de</a>
<br><br>
<!-- START END -->
</p><hr>
<font size=3D"-2">
=A9 <a href=3D"mailto:wwwadm@www.fes.de">Friedrich Ebert Stiftung</a>
| <a href=3D"https://library.fes.de/fulltext/id/support.html">technical sup=
port</a> | net edition=20
<a href=3D"mailto:walter.wimmer@fes.de">fes-library</a> | Februar 2002
</font></center></td></tr></tbody></table>
<!-- END END -->

</body></html>
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