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Subject: Sri Lanka - FES: Referat Asien und Pazifik: Aktuelle Berichte
Date: Wed, 7 May 2025 15:01:25 +0200
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Asien und Pazifik">

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 Asia, Entwicklungspolitik, international development cooperation, internat=
ionale Zusammenarbeit, international cooperation, Sri Lanka">

   <title>Sri Lanka - FES: Referat Asien und Pazifik: Aktuelle Berichte</ti=
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<body>

<i>Kurzberichte aus der internationalen Entwicklungszusammenarbeit Asien un=
d Pazifik</i>

<h3>Sri Lanka: Friedensprozess in der Sackgasse?</h3>

<p> von Dietmar Kneitschel, FES Sri Lanka

<br>23.Mai 2002

</p><p>Download als <a href=3D"https://library.fes.de/pdf-files/iez/01327.p=
df" target=3D"_blank"> pdf-Datei</a>

<b>

</b></p><ul><b>

<li>Seit dem 24. Dezember 2001 ruht die bewaffnete Auseinandersetzung zwisc=
hen der Regierung Sri Lankas und der tamilischen Sezessions-Bewegung "Liber=
ation Tigers of Tamil Eelam" (LTTE).</li>

<li>Die anf=E4ngliche Euphorie =FCber den Waffenstillstand und die Ank=FCnd=
igung von Verhandlungen zwischen Regierung und LTTE macht zunehmender Skeps=
is Platz.</li>

<li>Bef=FCrchtet wird insbesondere, dass der LTTE eine dominante Position i=
n der f=FCr die Nord- und Ost-Provinzen vorgesehenen =DCbergangs-Verwaltung=
 zugestanden wird und sie dort eine totalit=E4re Alleinherrschaft errichtet=
.</li>

<li>Gegenw=E4rtig streben weder Regierung noch LTTE eine dauerhafte L=F6sun=
g des ethno-nationalistischen Konfliktes an, sondern begn=FCgen sich mit ei=
ner beidseitig vorteilhaft erscheinenden Zwischenl=F6sung (einem "negativen=
 Frieden").</li>

<li>Trotz der nach wie vor un=FCberbr=FCckbar scheinenden Gegens=E4tze zwis=
chen den Konfliktparteien in substantiellen Fragen bestehen gute Aussichten=
 auf eine l=E4ngerfristige Aufrechterhaltung der Feuerpause.</li>

</b></ul><b>

</b>







<p>Seit dem 24. Dezember 2001 schweigen in Sri Lanka die Waffen. Eine mit d=
em Beginn dieses Tages von der tamilischen Rebellen-Organisation "Liberatio=
n Tigers of Tamil Eelam" (LTTE) erkl=E4rte einseitige Waffenruhe wurde von =
der kurz vorher neugew=E4hlten "United National Front"(UNF)-Regierung erwid=
ert. Am 22.Februar 2002 unterzeichneten Premierminister Ranil Wickremesingh=
e im Namen der Regierung und LTTE-F=FChrer Vellupillai Prabhakaran f=FCr di=
e tamilische Guerilla in getrennten Treffen mit dem als Vermittler agierend=
en norwegischen Botschafter Jon Westborg einen unbefristeten Waffenstillsta=
nd.



</p><p>Der Waffenstillstand und die Ank=FCndigung von Friedensverhandlungen=
 zwischen Regierung und LTTE fanden zun=E4chst breite Zustimmung in der Bev=
=F6lkerung. Eine im Januar vom Centre for Policy Alternatives (CPA) durchge=
f=FChrte Meinungsumfrage zeigte denn auch eine hohe Unterst=FCtzung des Fri=
edensprozesses. Mehr als 80% der befragten Personen bef=FCrworteten Verhand=
lungen zwischen Regierung und LTTE, w=E4hrend sich weniger als 10% f=FCr di=
e Option einer milit=E4rischen Niederschlagung der Rebellen durch die Regie=
rungstruppen aussprachen.



</p><p>Inzwischen machen sich jedoch Entt=E4uschung und Skepsis breit, und =
es wird zunehmend bezweifelt, dass der Waffenstillstand den erhofften Durch=
bruch zu einer gerechten und stabilen Konfliktl=F6sung am Verhandlungstisch=
 bringen k=F6nnte. Besorgnis erregen Nachrichten =FCber die anhaltende Rekr=
utierung von Kindern sowie =FCber massive Waffeneinfuhren und Menschenrecht=
sverletzungen durch die LTTE. Zunehmend wachsen aber auch die Zweifel daran=
, dass die =82Tigers' ihr bisher angestrebtes Ziel, einen eigenen Staat =82=
Tamil Eelam' im Norden und Osten der Insel zu konstituieren, wirklich aufge=
geben haben und dazu bereit sind, eine demokratische politische Kompromissl=
=F6sung im Rahmen der Souver=E4nit=E4t und territorialen Integrit=E4t Sri L=
ankas zu akzeptieren.



</p><h4>Die =DCbereinstimmung der kurzfristigen Interessen von Regierung un=
d LTTE erm=F6glicht "friedliche Ko-Existenz"</h4>



<p>Verhandlungen =FCber eine L=F6sung, die die Ursachen des ethno-nationali=
stischen Konfliktes dauerhaft beseitigt, stehen noch nicht auf der Tagesord=
nung. Beide Konfliktparteien gehen davon aus, dass ihre Positionen zu gegen=
s=E4tzlich sind und es deshalb zum gegenw=E4rtigen Zeitpunkt keinen Sinn ma=
chen w=FCrde, in Verhandlungen =FCber eine permanente Konfliktl=F6sung einz=
utreten.



</p><p>In pragmatischer Beurteilung der Realit=E4t akzeptiert die Regierung=
 die nach wie vor starre Position der LTTE. Denn die Waffenruhe verschafft =
ihr die M=F6glichkeit, die am Boden liegende Wirtschaft wiederzubeleben. Um=
 ihre wirtschaftlichen Ziele erreichen zu k=F6nnen (Wachstum von 3,4% im Ja=
hre 2002 nach R=FCckgang des Brutto-Inlands-Produkts um 1,4% im vergangenen=
 Jahr ), ist die Regierung bestrebt, den milit=E4rischen Konflikt zu de-esk=
alieren.



</p><p>Mit dieser "Zwischenl=F6sung" eines =82negativen Friedens' wird die =
Hoffnung verkn=FCpft, dass das Schweigen der Waffen und das Engagement der =
LTTE in Projekten zur wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung der Nord-Os=
t-Gebiete auch zu einer Konflikttransformation f=FChren k=F6nnte. Dies hie=
=DFe M=E4=DFigung der LTTE sowie die Aufgabe extremistischer Positionen und=
 maximalistischer Forderungen. Auf diesem Wege k=F6nnten die Voraussetzunge=
n geschaffen werden, um sp=E4ter in Verhandlungen f=FCr einen f=FCr beide S=
eiten akzeptablen Kompromiss, einzutreten.



</p><p>Die Strategie der Regierung Wickremesinghe gegen=FCber der LTTE unte=
rscheidet sich damit grunds=E4tzlich von der ihrer Vorg=E4ngerin. W=E4hrend=
 die "Peoples' Alliance" (PA) - Regierung das Ziel verfolgte, die LTTE nich=
t nur milit=E4risch in die Knie zu zwingen, sondern auch politisch von der =
tamilischen Bev=F6lkerung zu isolieren, unternimmt die seit Dezember 2001 a=
mtierende UNF-Regierung weder milit=E4rische noch politische Versuche zu ih=
rer Schw=E4chung, sondern setzt auf =82friedliche Ko-Existenz'. Das dem Waf=
fenstillstand zugrundeliegende =82Memorandum of Understanding' gew=E4hrt de=
r LTTE sogar Privilegien, die ihre Position st=E4rken. So z.B. die M=F6glic=
hkeit zur politischen Arbeit au=DFerhalb ihres direkten Herrschaftsbereiche=
s. Mit dem Verzicht auf die Schw=E4chung der LTTE zieht die Regierung die K=
onsequenz aus der Erfahrung, dass die vergangenen Anstrengungen zur milit=
=E4rischen Niederschlagung der LTTE erfolglos geblieben sind und auch die v=
on der PA-Regierung vorgelegten Verfassungsreformvorschl=E4ge nicht zu eine=
r politischen L=F6sung des Konfliktes gef=FChrt haben.



</p><p>Die Regierung scheint aber die damit verbundene Gefahr zu untersch=
=E4tzen. Eine solche mit weitreichenden Konzessionen an die LTTE erkaufte W=
affenruhe  friert nicht einfach den Status Quo ein. Sie k=F6nnte die Positi=
on der LTTE st=E4rken, ohne dass diese ihrerseits weitergehende Konzessions=
bereitschaft als die vor=FCbergehende Einstellung von Gewaltanwendung zeige=
n muss. Das wohl wichtigste im Waffenstillstandsabkommen enthaltene Zugest=
=E4ndnis an die LTTE ist die Bestimmung, dass die von der vorherigen Regier=
ung als Alternative zur LTTE massiv unterst=FCtzte "Eelam Peoples' Democrat=
ic Party" (EPDP) sowie die anderen bisher als Hilfstruppen der Armee im Kam=
pf gegen die LTTE fungierenden politisch-milit=E4rischen Gruppierungen entw=
affnet werden. Der LTTE w=FCrde damit ein Waffenmonopol auf tamilischer Sei=
te einger=E4umt.



</p><h4>Was will die LTTE? </h4>



<p>Eine Antwort auf die Frage, was die LTTE wolle, wurde von der internatio=
nalen Pressekonferenz erwartet, zu der LTTE-Supremo V. Prabhakaran und der =
sogenannte =82Theoretiker' und voraussichtliche LTTE-Verhandlungsf=FChrer A=
. Balasingham am 10. April in die von der LTTE beherrschte Vanni-Region ein=
geladen hatten. Auf die Frage, ob die LTTE als Alternative zu einem separat=
en tamilischen Staat eine Regelung akzeptieren k=F6nne, die auf der Zusamme=
nlegung der insgesamt mehrheitlich von Tamilen besiedelten Nord-Ost-Provinz=
en und der Gew=E4hrung substantieller politischer Autonomie f=FCr eine solc=
he fusionierte Provinz basiere, antwortete der ,national leader' der LTTE, =
dass daf=FCr die Zeit noch nicht reif sei. Damit die LTTE eine Alternative =
zur Eigenstaatlichkeit in Betracht ziehen k=F6nne, m=FCsse jeglicher L=F6su=
ngsvorschlag auf der Anerkennung eines tamilischen =82homeland', einer eige=
nen tamilischen Nationalit=E4t und des Rechtes auf Selbstbestimmung fu=DFen=
. Im =DCbrigen sei sein vor Jahren gegebener Befehl an die LTTE-Kader, ihn =
zu erschie=DFen, sollte er jemals das Ziel eines eigenen Staates =82Tamil E=
elam' aufgeben, nach wie vor g=FCltig.



</p><p>Mit ihren =C4u=DFerungen machten Prabhakaran und Balasingham deutlic=
h, dass die LTTE nach wie vor an ihren essentiellen Positionen festh=E4lt u=
nd die Suche nach einer dauerhaften L=F6sung des ethno-nationalistischen Ko=
nflikts durch einen Kompromiss gegenw=E4rtig noch nicht auf ihrer Agenda st=
eht. Vielmehr scheint sie bestrebt zu sein, ihre politische und wirtschaftl=
iche Position in den von ihr kontrollierten Gebieten zu konsolidieren, ihre=
 geographische Einflussbasis auszuweiten und ihr Image insbesondere vor der=
 internationalen =D6ffentlichkeit zu verbessern.



</p><p>Balasingham erkl=E4rte, dass auch eine =82interne' Selbstbestimmung =
von der LTTE in Betracht gezogen werde. Sie sollte aber den essentiellen Pr=
inzipien der Anerkennung der Tamilen als eigenst=E4ndige Nation mit der Hoh=
eit =FCber ein eigenes Territorium und dem uneingeschr=E4nkten Recht zur Be=
stimmung des eigenen Schicksals gerecht werden. Damit gehen die von der LTT=
E gehegten Vorstellungen bez=FCglich interner Selbstbestimmung ganz offensi=
chtlich wesentlich =FCber das hinaus, was =FCblicherweise darunter verstand=
en wird. Sie bergen reale Gefahren f=FCr den Fortbestand Sri Lankas als sta=
atliche Einheit. Sowohl die im Jahre 1987 im Rahmen des Indo-Sri Lanka Acco=
rd vereinbarte semi-f=F6derale L=F6sung wie auch das von der PA-Regierung i=
m Jahre 2000 vorgelegte weitergehende ,devolution package' waren von der LT=
TE als v=F6llig unzureichend abgelehnt worden.



</p><p>Was die LTTE unter Selbstbestimmung versteht, hatte Prabhakaran scho=
n in seiner Heldengedenktags-Rede im November 2001 deutlich gemacht. Er bet=
onte damals, dass das ,tamilische Volk' seine nationale Identit=E4t bewahre=
n und in seinem =82historisch ihm zustehenden Territorium' sein eigenes pol=
itisches und wirtschaftliches Leben ohne Fremdbestimmung f=FChren m=F6chte.



</p><p>Ein Autonomiekonzept, das innerhalb eines ungeteilten Staatsverbande=
s =82interne' Selbstbestimmung verwirklicht, kann aber nicht darauf reduzie=
rt werden, dass eine Volksgruppe in einem von ihr als exklusives =82homelan=
d' definierten Territorium zwar Autonomie zur Entfaltung und Pflege der eig=
enen Identit=E4t, Sprache und Kultur beansprucht, sich aber ansonsten vom R=
est des Landes und seiner Bev=F6lkerung abkapselt. Vielmehr erfordert ein s=
olches Konzept gleichzeitig ein ethnien-=FCbergreifendes Bekenntnis zur Zus=
ammengeh=F6rigkeit, zu gemeinsamen Grundwerten und zur Loyalit=E4t gegen=FC=
ber dem Staat als Ganzem. =82Interne' Selbstbestimmung beruht somit auf dem=
 Gestaltungsprinzip der vertikalen Gewaltenteilung. Regionale Selbstbestimm=
ung wird mit Mitbestimmung und Mitverantwortung f=FCr den Staat als Ganzes =
kombiniert. Das Spannungsverh=E4ltnis und Konfliktpotential von Vielfalt un=
d Einheit wird durch Kooperation und Kompromiss ausbalanciert.



</p><p>Zudem w=FCrde jede auf dem Prinzip der ethnischen territorialen =82i=
nneren' Selbstbestimmung' basierende L=F6sung zwangsl=E4ufig neue Minderhei=
ten schaffen und wahrscheinlich neue ethnische Diskriminierungen und damit =
Konflikte hervorrufen. Dies gilt insbesondere f=FCr die im Osten der Insel =
siedelnde muslimische Bev=F6lkerung, aber auch f=FCr die erst im letzten Ja=
hrhundert eingewanderten und zumeist im Hochland lebenden Tamilen =82of rec=
ent Indian origin' sowie f=FCr die gro=DFe Anzahl der Tamilen, die heute in=
 =FCberwiegend von Singhalesen besiedelten Regionen, also au=DFerhalb der v=
on der LTTE als tamilisches =82homeland' reklamierten Gebiete leben. Die ma=
ssiven ethnischen S=E4uberungen, die die LTTE in der Vergangenheit in dem v=
on ihr beherrschten Territorium durchgef=FChrt hat, sind eine deutliche War=
nung vor den Gefahren einer F=F6deralisierung oder Autonomieregelung, die a=
uf der Grundlage ethnischer Homogenit=E4t bzw. ethnischer Enklaven konstrui=
ert wird.



</p><p>Regionale Autonomie m=FCsste deshalb notwendigerweise durch klare un=
d durchsetzbare Vorkehrungen zum Minderheitenschutz begrenzt und durch wirk=
same Strukturen der politischen Teilhabe der Minderheits-Ethnien im politis=
chen Zentrum erg=E4nzt und relativiert werden. Die von der LTTE aufgestellt=
e messianische Verhei=DFung, nach der ein eigener =82angestammter' Lebensra=
um f=FCr die Tamilen die endg=FCltige L=F6sung des Konfliktes bedeute, grei=
ft angesichts der aktuell existierenden Siedlungsstreuung und der divergier=
enden Interessen der unterschiedlichen Gruppen von Tamilen zu kurz.



</p><h4>Was h=E4lt die LTTE von Demokratie? </h4>



<p>Obwohl der LTTE-F=FChrer auf seiner internationalen Pressekonferenz erkl=
=E4rt hatte, dass seine Organisation auch anderen tamilischen Parteien "erl=
auben" werde, sich im Norden und Osten der Insel politisch zu bet=E4tigen, =
deutet gegenw=E4rtig vieles darauf hin, dass die LTTE ein politisches Herrs=
chaftsmonopol anstrebt, das allenfalls durch die Existenz gleichgeschaltete=
r Blockparteien einen "demokratischen" Anstrich erhalten k=F6nnte. Sein Dem=
okratieverst=E4ndnis hatte Prabhakaran schon im Jahre 1986 gegen=FCber der =
indischen Tageszeitung India Today offenbart. Er sprach sich gegen eine Meh=
rparteien-Demokratie aus, da eine Einheitspartei den erstrebten Tamilen-Sta=
at =82Tamil Eelam' schneller entwickeln k=F6nne.



</p><p>Nicht zuletzt aufgrund der von der LTTE in der Vergangenheit betrieb=
enen radikalen Verfolgung und Eliminierung Andersdenkender, gibt es gegenw=
=E4rtig keine nennenswerte tamilische Opposition gegen den von der LTTE erh=
obenen Anspruch, =82sole representative' der Tamilen zu sein. Das im Parlam=
ent mit 15 Abgeordneten vertretene tamilische Parteienb=FCndnis "Tamil Nati=
onal Alliance" hat sich der LTTE unterworfen und eigenst=E4ndige Positionen=
 und Politiken aufgegeben. Befangen in einem unverarbeiteten kollektiven so=
zialen Trauma scheint auch der =FCberwiegende Teil der tamilischen Bev=F6lk=
erung, insbesondere im Norden und Osten der Insel, emotional hinter der LTT=
E zu stehen. Nur kleine Gruppen wie die "University Teachers for Human Righ=
ts (Jaffna)" warnen vor dem =82totalit=E4ren Frieden', den die LTTE in den =
von ihr kontrollierten Gebieten etablieren k=F6nnte.



</p><p>Sinnvolle Verhandlungen =FCber eine dauerhafte und demokratische Kon=
fliktl=F6sung k=F6nnen jedoch kein Vertretungs - und Verhandlungsmonopol de=
r LTTE zur Grundlage haben, sondern m=FCssen zumindest mittelfristig auch a=
uf tamilischer Seite pluralistischen Charakter haben.



</p><h4>Offene Fragen bez=FCglich der =DCbergangs-Verwaltung in den Nord-Os=
t-Provinzen</h4>



<p>Verhandlungen zwischen Regierung und LTTE werden noch kein Schritt zur p=
ermanenten L=F6sung des Konfliktes sein, sondern sich auf die Aushandlung d=
er Konditionen f=FCr das Funktionieren einer =DCbergangs-Administration im =
Norden und Osten der Insel konzentrieren. Die Schaffung eines solchen =82In=
terim Council' war Teil des politischen Programms, das die "United National=
 Party" (UNP) vor den Wahlen im Jahre 2001 vorgelegt hatte.



</p><p>Die Regierung Wickremesinghe scheint der LTTE schon vorab zumindest =
in Aussicht gestellt zu haben, dass ihr in einer =DCbergangs-Administration=
 der Nord- und Ost-Provinzen eine dominante Stellung einger=E4umt wird. Die=
 LTTE behielte damit nicht nur =FCber die ihr bereits unterstehenden Gebiet=
e Kontrolle, sondern k=F6nnte ihre Herrschaft sogar auf bisher von der Regi=
erung kontrollierte Gebiete im Norden (Jaffna, Vavuniya) und Osten (Trincom=
alee, Batticaloa, Ampara) der Insel ausdehnen. Mit diesem territorialen Zug=
ewinn bes=E4=DFe die LTTE de facto die Herrschaft =FCber einen gro=DFen Tei=
l der Gebiete, die sie als tamilisches =82homeland' und =82Tamil Eelam' rek=
lamiert.



</p><p>Die Bef=FCrworter einer LTTE-dominierten =DCbergangs-Verwaltung weis=
en darauf hin, dass ein solches Zugest=E4ndnis eine notwendige vertrauensbi=
ldende Ma=DFnahme sei, die es der LTTE =FCberdies erm=F6gliche, ihre bisher=
 ausschlie=DFlich milit=E4rische in eine politische Organisation umzuwandel=
n. Au=DFerdem, so die Argumentation, sei die =DCbergangs-Administration ein=
e Schule f=FCr die LTTE, um in der Praxis die Notwendigkeit zur Respektieru=
ng demokratischer Normen zu erlernen.



</p><p>Dabei wird aber wohl die nicht zu untersch=E4tzende Gefahr =FCberseh=
en, dass die LTTE in einer von ihr dominierten =DCbergangs-Verwaltung ihre =
Hegemonie - im Einklang mit ihrem totalit=E4ren Anspruch - auch zur absolut=
en Alleinherrschaft ausbauen und in dem von ihr kontrollierten Gebiet kaum =
noch umkehrbare Fakten schaffen k=F6nnte. Die theoretisch als Instrument zu=
m graduellen Eintritt der LTTE in den politischen mainstream des Landes kon=
zipierte =DCbergangs-Administration w=FCrde damit in ihr Gegenteil verkehrt=
. Sie w=E4re nicht Vorstufe der langfristig angestrebten dauerhaften und au=
f demokratischen Prinzipien basierenden Friedensl=F6sung im Rahmen der Souv=
er=E4nit=E4t und territorialen Integrit=E4t Sri Lankas, sondern eher Chance=
 zur Konsolidierung der oppositionsfreien politischen Herrschaft der LTTE i=
n einem "Staat im Staat" und ein Sprungbrett zur Sezession.



</p><h4>Hindernisse auf dem Weg zu Verhandlungen </h4>



<p>Zun=E4chst k=F6nnte die Aufnahme von Verhandlungen schon an der von der =
LTTE hierf=FCr aufgestellten Bedingung scheitern, das im Jahre 1997 in Sri =
Lanka verh=E4ngte Verbot der Organisation aufzuheben. Zwar scheint die Regi=
erung Wickremesinghe dazu bereit zu sein, der LTTE-Forderung nachzugeben, w=
enn sonst die Verhandlungen nicht zustande k=E4men, doch st=F6=DFt die Lega=
lisierung der LTTE nicht nur auf den Widerstand radikal-singhalesischer Gru=
ppen und Parteien, sondern wird auch von einem Teil der gr=F6=DFten Opposit=
ionspartei "Sri Lanka Freedom Party" (SLFP) sowie der Pr=E4sidentin abgeleh=
nt. Nach Ansicht der Pr=E4sidentin und der SLFP sollte das Verbot erst aufg=
ehoben werden, nachdem Fortschritte bei Verhandlungen erzielt wurden und di=
e LTTE terroristischen Aktivit=E4ten abgeschworen habe. Die SLFP spricht si=
ch auch dagegen aus, die =DCbergangs-Verwaltung der Nord-Ost-Provinzen vor =
Gespr=E4chen =FCber die substantiellen Fragen der Konfliktl=F6sung zu bilde=
n. Zun=E4chst m=FCsse =FCber die Kernfragen verhandelt werden, und erst nac=
h ersten Verhandlungsfortschritten k=F6nne =FCber die Zusammensetzung und A=
ufgabenstellung der =DCbergangs-Verwaltung gesprochen werden.



</p><p>Nicht auszuschlie=DFen ist auch, dass die SLFP wieder in die in der =
srilankischen Politik traditionell =FCbliche destruktive Rolle einer Fundam=
entalopposition zur=FCckfallen k=F6nnte, die die gesamtgesellschaftlichen I=
nteressen dem eigenen Machtinteresse unterordnet. W=E4hrend in der Vergange=
nheit die UNP die Friedensinitiativen der PA-Regierung torpedierte, w=FCrde=
 der Part des Verweigerers und Saboteurs diesmal der SLFP zufallen. Eine so=
lche Situation w=FCrde insbesondere dann wahrscheinlich, wenn aufgrund von =
=FCberzogenen Forderungen der LTTE die Unterst=FCtzung der singhalesischen =
Bev=F6lkerung f=FCr den Friedensprozess weiter nachlie=DFe und Opposition d=
agegen einen k=FCnftigen Wahlsieg verspr=E4che.



</p><p>Die bisher von der Oppositionspartei und der Pr=E4sidentin (die glei=
chzeitig Staats- und Regierungschefin sowie Oberkommandierende der Streitkr=
=E4fte ist) gezeigte Toleranz gegen=FCber den vom Premierminister unternomm=
enen Initiativen k=F6nnte auch schnell einer Konfrontation Platz machen, so=
llte Wickremesinghe nicht auf die Forderung der SLFP eingehen, ein gemeinsa=
m von Pr=E4sidentin und Premierminister geleitetes =82Standing Committee' z=
ur partei=FCbergreifenden Diskussion, Orientierung und Steuerung des Friede=
nsprozesses zu etablieren.



</p><p>Skeptiker erinnern auch daran, dass die LTTE in der Vergangenheit ab=
geschlossene Waffenstillstandsabkommen (1985, 1990,1995) regelm=E4=DFig geb=
rochen und Gespr=E4che beendet habe, bevor =FCberhaupt Verhandlungen =FCber=
 Kernfragen einer Konfliktl=F6sung begonnen hatten. Sie ziehen daraus die S=
chlussfolgerung, dass Waffenruhen f=FCr die LTTE nur taktische Man=F6ver zu=
r Fortf=FChrung des Krieges mit anderen Mitteln sind, d. h. zur Auff=FCllun=
g der Waffenarsenale, zur Rekrutierung neuer Kader und zur milit=E4rischen =
Re-Gruppierung missbraucht werden.



</p><p>Auf die Gefahren einer nur kurzsichtigen politischen und begrenzten =
wirtschaftlichen Zielen dienenden Appeasement-Politik, die demokratische Pr=
inzipien und Menschenrechte hintanstellen k=F6nnte, verweisen auch Gruppen =
und Personen in- und au=DFerhalb Sri Lankas, die ansonsten entschieden f=FC=
r eine verhandelte politische Konfliktl=F6sung eintreten.



</p><h4>L=E4ngerfristige Waffenruhe, aber keine Konfliktl=F6sung </h4>



<p>Der Waffenstillstand und die von beiden Konfliktparteien bekundete Absic=
ht, demn=E4chst in Verhandlungen =FCber eine "Zwischenl=F6sung" einzutreten=
, lassen somit noch keineswegs den Schluss zu, dass sich darin auf beiden S=
eiten der politische Wille zu einer gewaltfrei ausgehandelten demokratische=
n und gerechten Kompromissl=F6sung manifestiert.



</p><p>Angesichts der wachsenden Kritik an vermeintlich zu weitgehenden Vor=
leistungen und Zugest=E4ndnissen an die LTTE tritt auch die Regierung auf d=
ie Bremse. Vor dem obersten buddhistischen Priester-Kollegium Maha Sangha e=
rkl=E4rte der Premierminister, dass eine Vereinbarung mit der LTTE =FCber d=
ie =DCbergangs-Administration in den Nord-Ost-Provinzen nur nach Zustimmung=
 durch das Parlament und nach Abhaltung eines Referendums erfolgen werde. Z=
udem versicherte er, dass das von der LTTE vertretene geographisch definier=
te Konzept eines =82Tamil homeland' nicht von der Regierung akzeptiert werd=
e. Es existiere nur ein sich =FCber das gesamte Territorium Sri Lankas erst=
reckendes =82homeland', das allen ethnischen Gruppen Sri Lankas geh=F6re. D=
amit k=F6nnte aber die von der LTTE angestrebte und ihr von der Regierung w=
ohl auch in Aussicht gestellte Dominanz in der Administration eines de fact=
o-=82homeland' nicht mehr realisierbar sein. Wickremsinghe w=FCrde sich dam=
it aus dem Blickwinkel der Tamilen in die unr=FChmliche Reihe der ihre Vers=
prechen brechenden singhalesischen Politiker wie Premierminister S.W.R.D. B=
andaranaike einreihen, die schon in der Vergangenheit Zusagen gemacht hatte=
n (z.B. das Bandaranaike-Chelvanayakam-Agreement 1957), diese dann aber auf=
 Druck des buddhistischen Klerus und der singhalesischen Opposition zur=FCc=
knahmen.



</p><p>Immerhin stehen aber die Chancen f=FCr einen l=E4ngerfristig andauer=
nden Waffenstillstand gut. In der gegenw=E4rtigen Situation ist die Aufrech=
terhaltung der Waffenruhe f=FCr beide Konfliktparteien =FCberlebensnotwendi=
g. Die Regierung Wickremesinghe wird sich nur an der Macht halten k=F6nnen,=
 wenn sie wirtschaftliche Erfolge vorweisen kann, die ohne ein Schweigen de=
r Waffen unerreichbar sind. Eine Aufk=FCndigung des Waffenstillstandes durc=
h die LTTE h=E4tte wohl unweigerlich zur Folge, dass die USA die LTTE nicht=
 l=E4nger verschonen, sondern als Ziel in ihren weltweiten Kampf gegen terr=
oristische Organisationen einbeziehen w=FCrden. Es ist kaum denkbar, dass s=
ich die LTTE dieser Gefahr aussetzen wird.



</p><p>F=FCr eine dauerhafte und auf demokratischen Prinzipien basierende L=
=F6sung des Konfliktes wird es aber erforderlich sein, extremistische natio=
nalistische Positionen auf beiden Seiten zu =FCberwinden. Es m=FCsste eine =
sowohl von Singhalesen als auch von Tamilen und den anderen Volksgruppen ge=
tragene de-ethnisierte Perspektive der =82Einheit in Vielfalt' f=FCr Sri La=
nka entwickelt werden. Eine solche Perspektive m=FCsste einerseits den geme=
insamen politischen, wirtschaftlichen und sozialen Interessen der verschied=
enen Ethnien gerecht werden sowie Privilegien und Benachteiligungen aufgrun=
d der ethnischen oder religi=F6sen Zugeh=F6rigkeit ausschlie=DFen, und ande=
rerseits die freie eigenst=E4ndige kulturelle Entfaltung aller Volksgruppen=
 gew=E4hrleisten.



</p><p>Die Ziele und Positionen, die gegenw=E4rtig von beiden Seiten prokla=
miert werden, sind noch weit von einer derartigen Vision entfernt.





</p><p><a href=3D"http://www.fes.de/" target=3D"_blank">Friedrich-Ebert-Sti=
ftung</a> | net edition: <a href=3D"mailto:urmila.goel@fes.de">Urmila Goel<=
/a> | <a href=3D"http://www.fes.de/international/asien/" target=3D"_blank">=
Die

Friedrich-Ebert-Stiftung in Asien</a>



</p></body></html>
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