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Subject: Afghanistan - FES: Referat Asien und Pazifik: Aktuelle Berichte
Date: Wed, 7 May 2025 15:02:00 +0200
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Asien und Pazifik">

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 Asia, Entwicklungspolitik, international development cooperation, internat=
ionale Zusammenarbeit, international cooperation, Afghanistan">

   <title>Afghanistan - FES: Referat Asien und Pazifik: Aktuelle Berichte</=
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<body>

<i>Kurzberichte aus der internationalen Entwicklungszusammenarbeit Asien un=
d Pazifik</i>

<h3>Loya Jirga in Afghanistan - Frieden mit alten Gesellen?</h3>

<p> von Almut Wieland-Karimi, FES Berlin

<br>6 .Juni 2002

</p><p>Download als <a href=3D"https://library.fes.de/pdf-files/iez/01341.p=
df" target=3D"_blank"> pdf-Datei</a>

<b>

</b></p><ul><b>

<li>Obwohl alle Formen von Gewalt, Einsch=FCchterung und Korruption bei der=
 Wahl zur loya jirga verboten sind, hat es im Zusammenhang mit den Wahlen b=
ereits acht Tote gegeben. Auch gibt es zahlreiche Berichte von massiven Ein=
sch=FCchterungen.</li>

<li>Die Vorbereitungen durch die Vereinten Nationen (VN) waren nicht ausrei=
chend, um faire Wahlen zu erm=F6glichen.</li>

<li>Als zukunftsweisender Schritt ist zu bewerten, dass etwa 12% der loya j=
irga Delegierten Frauen sind.</li>

<li>Ohne die Demobilisierung und Arbeitsbeschaffungsprogramme f=FCr die ehe=
maligen K=E4mpfer wird Afghanistan weiterhin von Waffen und nicht durch die=
 Politik regiert. Gegner des Friedensprozesses versuchen immer wieder den i=
n Bonn vereinbarten Friedensprozess zu st=F6ren.</li>

<li>Es ist nicht transparent, wo wirklich die Kandidatenk=FCr f=FCr die =DC=
bergangsregierung stattfindet. Die Pr=E4senz der USA ist jedoch mehr als de=
utlich. Karzais Wiederwahl steht so gut wie fest.</li>

<li>Die demokratischen Gruppen brauchen mehr F=F6rderung durch die internat=
ionale Gemeinschaft. Hier liegen noch weitgehend ungenutzte Friedenskapazit=
=E4ten.</li>

<li>Auf der Arbeitsebene in der Regierung fehlen Leute mit Politikkenntniss=
en und Verwaltungserfahrung. Insbesondere Exilafghanen k=F6nnten verst=E4rk=
t diese Aufgaben =FCbernehmen.</li>

<li>Kabul ist absolutes Zentrum der Hilfsorganisationen, wohingegen in die =
Provinzen aufgrund der unzuverl=E4ssigen Sicherheitslage nur vereinzelt aus=
l=E4ndische Hilfe ge-langt. Dieses f=FChrt zu einem Ungleichgewicht und ins=
ofern m=F6glicherweise zu einer erneuten Konfliktversch=E4rfung.</li>

<li>Es muss konfliktsensitiv gepr=FCft werden, wer von der internationalen =
Hilfe profitiert, damit nicht gewaltbereite Gruppen  bzw. Personen unterst=
=FCtzt werden, die das Bonner Abkommen nicht mittragen.</li>

<li>Schwachpunkte in der Stabilisierungsstrategie f=FCr Afghanistan sind er=
stens die Begrenzung der ISAF auf Kabul und zweitens die fehlende mittelfri=
stige Finanzierung von Projekten.</li>

</b></ul><b>

</b>



<p>Die Menschen in Afghanistan fiebern zur Zeit der gro=DFen Sonder- oder N=
ot-Ratsversammlung, der loya jirga, entgegen. Die Euphorie nach der Vertrei=
bung der Taliban und den internationalen Hilfszusagen f=FCr Afghanistan in =
Milliardendollarh=F6he weicht langsam einem politischen Realismus. Viele in=
ternationale Organisationen wollen den Mittelzusagen erst Zahlungen folgen =
lassen, wenn es zu einem akzeptablen Verhandlungsergebnis bei der loya jirg=
a kommt. In den Provinzen haben oft  altbekannte Kommandanten dank ihrer be=
waffneten Truppen weiterhin das Sagen. Dennoch  begreifen viele zu Recht di=
ese Situation als eine historische Chance auf Frieden. Sie sehen jedoch auc=
h die  Stolpersteine, die es auf dem Weg dahin zu =FCberwinden gilt. Zu die=
sen z=E4hlen die zur Zeit viel diskutierten Fragen der Sicherheit: Wer muss=
 sich bedroht f=FChlen? Ist das Mandat der ISAF ausreichend? Was wird nach =
der  loya jirga passieren? Wie reagieren dann die vermeintlich zu kurz Geko=
mmenen?



</p><h4>Vorbereitungen auf die gro=DFe Ratsversammlung </h4>



<p>Im Bonner (Petersberger) Abkommen wurde ein "Fahrplan zur Demokratie" mi=
t folgenden Punkten vereinbart. Zuerst wird eine sechsmonatigen =DCbergangs=
verwaltung eingesetzt. (Diese ist am 22.12.2001 angetreten.) Dann wird eine=
 Sonder-loya jirga abgehalten, in der eine =DCbergangsregierung gew=E4hlt w=
erden soll. Nach weiteren 18 Monaten wird eine regul=E4re loya jirga einber=
ufen. Zu guter Letzt erfolgen nach drei Jahren demokratische Wahlen.



</p><p>Die erste loya jirga wird plangem=E4=DF vom 10. bis 16. Juni 2002 st=
attfinden. Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren. In allen Provinzen des=
 Landes werden Delegierte gew=E4hlt. F=FCr die 1501 Personen starke Versamm=
lung bauen deutsche Experten der GTZ mit Hunderten von afghanischen Helfern=
 auf dem Gel=E4nde des Polytechnikums in Kabul die Infrastruktur auf. Die Z=
elte stehen bereits, die Unterk=FCnfte und der Speisesaal der technischen U=
niversit=E4t sowie sogar eine Moschee auf dem Gel=E4nde wurden bereits reno=
viert.



</p><p>Die internationale Schutztruppe ISAF wird gemeinsam mit der gerade i=
m Aufbau befindlichen afghanischen Polizei das Gel=E4nde sch=FCtzen. Es wir=
d bef=FCrchtet, dass ehemalige Taliban, versprengte al-Qaida-K=E4mpfer oder=
 auch andere Gegner des jetzigen Friedensprozesses versuchen k=F6nnten, die=
 loya jirga zu st=F6ren. In Anbetracht der massiven ISAF-Pr=E4senz und den =
umfassenden Sicherheitsvorkehrungen sowie der gro=DFen Unterst=FCtzung in d=
er Bev=F6lkerung f=FCr die Schritte in Richtung Frieden ist jedoch nicht mi=
t ernsthaften Zwischenf=E4llen zu rechnen.



</p><p>Eine 21-k=F6pfige von den Vereinten Nationen (VN) eingesetzte afghan=
ische Kommission unter dem Vorsitz von Prof. Qasimyar bereitet mit der Unte=
rst=FCtzung von UNAMA (United Nations Assistance Mission for Afghanistan) d=
ie Ratsversammlung vor. In zwei Wahlg=E4ngen werden die Delegierten nominie=
rt. Dies ist  eine erste "Demokratie=FCbung", wie ein afghanischer Politike=
r sagte. Zu Beginn werden von der Bev=F6lkerung eines Verwaltungsdistrikts =
(uluswali) 20 bis 30 Kandidaten gew=E4hlt. Diese w=E4hlen dann anschlie=DFe=
nd unter sich die Delegierten nach einem bestimmten Zahlenschl=FCssel, der =
sich nach Gr=F6=DFe des Distrikts richtet. Beide Wahlg=E4nge sollen mit Hil=
fe von mobilen Teams zur Wahldistriktbeobachtung, regionalen Anlauf- und Ko=
ordinierungsstellen sowie internationalen VN-Wahlbeobachtern ordnungsgem=E4=
=DF vonstatten gehen. Voraussetzung f=FCr eine Kandidatur sind laut dem Bon=
ner Abkommen ein Mindestalter von 20 Jahren, die F=E4higkeit des Lesens und=
 Schreibens und die Anerkennung des Bonner Afghanistan-Abkommens. Die Kandi=
daten d=FCrfen keiner Terrororganisation angeh=F6ren und nicht an Verbreche=
n oder Menschenrechtsverletzungen beteiligt gewesen sein.



</p><h4>Beteiligung von Frauen an der Loya Jirga</h4>



<p>Neben den Delegierten aus den Provinzen (insgesamt 1051) sind zus=E4tzli=
che Sitze in der loya jirga u.a. f=FCr Frauen, die F=FChrungspersonen der =
=DCbergangsverwaltung, Fl=FCchtlinge, Vertreter der sogenannten Zivilgesell=
schaft, H=E4ndler und weitere Interessengruppen vorgesehen.



</p><p>Die exklusiv f=FCr Frauen bestimmte Delegiertenliste verf=FCgt =FCbe=
r 100 Sitze. Gemeinsam mit den anderen Listen sowie durch einige Direktkand=
idatinnen aus den Provinzen werden etwa 180 Frauen (etwa 12%) in der loya j=
irga vertreten sein. Allein im zentralafghanischen Bamiyan, der Heimat der =
amtierenden Frauenministerin Sima Samar, wurden f=FCnf weibliche Delegierte=
 gew=E4hlt. Dies ist ein zukunftsweisender Schritt, denn bei fr=FCheren loy=
a jirga Versammlungen durften immer nur ein Handvoll Frauen dabei sein. Wic=
htig ist nun, dass die gew=E4hlten Frauen, die einen sehr unterschiedlichen=
 Erfahrungs- und Politikhintergrund haben, versuchen, gemeinsame Interessen=
 zu definieren und eine Strategie f=FCr deren Durchsetzung zu erarbeiten.





</p><h4>Mord, Einsch=FCchterung und Stimmenkauf</h4>



<p>In den Bonner Beschl=FCssen wurde vereinbart, dass alle Formen von Gewal=
t, Einsch=FCchterung, Bestechung und Korruption bei der Wahl zur loya jirga=
 verboten sind. Im Zusammenhang mit den Wahlen hat es nach VN-Angaben jedoc=
h bereits acht Tote gegeben. Auch gibt es zahlreiche Berichte von massiven =
Einsch=FCchterungen nach dem Motto "zieh deine Kandidatur zur=FCck, sonst p=
assiert dir oder deiner Familie etwas". Diese Methoden werden vor allem in =
den Provinzen von denjenigen angewandt, die bisher schon das Sagen hatten u=
nd ihre Macht weiter ausbauen wollen. Ihre Strategie scheint zu sein, m=F6g=
lichst treue Gefolgsleute zu entsenden, damit diese in ihrem Sinne in der l=
oya jirga abstimmen. Es gibt aber auch Positives zu verbuchen. An einigen O=
rten haben sich Kommandanten zur Wahl gestellt und wurden schlichtweg nicht=
 gew=E4hlt.



</p><p>Insbesondere Frauen, die =FCber keine wirtschaftlichen Mittel verf=
=FCgen, beklagen, dass Stimmen gekauft w=FCrden und sie insofern keine Chan=
ce h=E4tten gew=E4hlt zu werden. In Kabul erz=E4hlt eine Schuldirektorin au=
s dem wirtschaftlich katastrophal schlecht gestellten Stadtviertel Khair Kh=
ana, dass sie eigentlich die Schule und deren Umfeld sowie viele weitere Me=
nschen hinter sich gehabt habe. Aber pl=F6tzlich h=E4tten sich gut situiert=
e Kandidaten aus reicheren Stadtvierteln wie Wazir Akbar Khan und Shahr-e N=
au als Kandidaten in ihrem Wahldistrikt aufstellen lassen, obwohl sie dort =
nicht wirklich ihren Wohnsitz h=E4tten. Nach kr=E4ftigen Spenden f=FCr die =
Armen, die von ausl=E4ndischer Hilfe noch keinen Afghani [afghanische W=E4h=
rung] gesehen haben, habe sie die Wahl verloren.



</p><p>Insgesamt wird gesch=E4tzt, dass es bei etwa 50% der Wahlen zu Unreg=
elm=E4=DFigkeiten unterschiedlicher Natur gekommen ist. Die VN =FCberlegen =
gemeinsam mit der 21-er Kommission zur Vorbereitung der loya jirga, ob sie =
in etwa 25 von 400 Distrikten die Wahlen annullieren sollen. =DCberdies wer=
den an allen Ecken Stimmen laut, dass es besser gewesen w=E4re, h=E4tten di=
e VN von vornherein die Delegiertenauswahl in ihre Hand genommen. Fraglich =
ist, ob die Vorbereitungen durch die VN ausreichend waren, um einen fairen =
Wahlgang zu erm=F6glichen. Offensichtlich haben die VN als Wahl=FCberwacher=
 es nicht geschafft, die im Bonner Abkommen festgelegten Regeln auch durchz=
usetzen und m=FCssen sich dieses selbst eingestehen. Vielleicht war aber au=
ch die Erwartungshaltung zu hoch. Nach =FCber 20 Jahren Krieg unterwirft si=
ch keiner so leicht von heute auf morgen einem im fernen Bonn geschlossenen=
 Abkommen, f=FCr dessen Handschrift zudem die VN und die Amerikaner federf=
=FChrend verantwortlich sind.



</p><h4>Jobb=F6rse f=FCr Regierungsposten auf Hochbetrieb  </h4>



<p>Wie bei den VN-Sonderkonferenzen ist auch die loya jirga nicht wirklich =
ein offener Prozess, bei dem tats=E4chlich die Ergebnisse ausgehandelt werd=
en. Nach der Tradition wird eine solche Versammlung von den Machthabern und=
 nicht vom Volk einberufen. Zur Zeit herrscht ein intensiver Verhandlungsto=
urismus, bei dem nicht transparent ist, wer mit wem =FCber was redet und wo=
 eigentlich wirklich die Kompromisse gemacht werden und die Kandidatenk=FCr=
 stattfindet. Die Pr=E4senz der USA, in Form von afghanisch-amerikanischen =
Beratern und einem intensiven Pendelverkehr zwischen Washington und Kabul, =
ist jedoch mehr als deutlich. Es zeichnet sich ab, dass der Ende April aus =
dem r=F6mischen Exil zur=FCckgekehrte Ex-Monarch die Rolle eines Staatsober=
haupts in der 18-monatigen =DCbergangsregierung =FCbernehmen k=F6nnte. Er g=
ilt als Integrationsfigur, vor allem f=FCr die vorwiegend im S=FCden lebend=
en Paschtunen, die sich in der jetzigen Regierung unterrepr=E4sentiert f=FC=
hlen. Weder kann noch will der 87-j=E4hrige Zahir Shah aber eine aktive pol=
itische Rolle =FCbernehmen. In seiner Familie herrscht zudem ein Machtkampf=
 um sein politisches Erbe. Sein Enkel Mustafa und sein j=FCngster Sohn Mirw=
ais werden dabei als die aussichtsreichsten Kandidaten gehandelt.



</p><p>H=F6chstwahrscheinlich wird Hamid Karzai, der  Vorsitzende der jetzi=
gen =DCbergangsverwaltung und Wunschkandidat vieler externer und interner S=
pieler sowie des Ex-K=F6nigs das Amt eines Ministerpr=E4sidenten =FCbernehm=
en. Bei seinen zahlreichen Auslandsbesuchen hat er sein Talent und seine Au=
sstrahlung als Botschafter seines Landes bewiesen. (In Afghanistan ist aber=
 nicht bekannt, dass die Modegazetten ihn zum best gekleidetsten Staatsmann=
 gek=FCrt haben!) Karzai versucht nun, sich mit der Troika aus dem Pandshir=
tal (Au=DFenminister Abdullah, Innenminister Kanuni, Verteidigungsminister =
Fahim) zu arrangieren, wobei er seine fehlende milit=E4rische Unterst=FCtzu=
ng zu kompensieren hat.



</p><p>Gehandelt wird noch eine andere Konstellation, die von den drei M=E4=
chtigen aus dem Pandshirtal getragen wird. Diese versucht, den Paschtunen K=
arzai zum F=FChrer einer gemeinsamen Partei und zum Pr=E4sidenten des Lande=
s zu machen, um so den auch paschtunischen Ex-Monarchen auszubremsen. Siche=
rlich erhoffen sie sich mit einem solchen Schachzug selbst den Posten eines=
 Ministerpr=E4sidenten, wobei der interne Machtkampf unter den dreien nicht=
 entschieden ist. Wichtig ist es, wie auch immer die Konstellation denn aus=
sehen wird, eine ethnische Balance zu erreichen.



</p><p>Auch der Bruder von Ahmad Shah Masood, der zwei Tage vor den Terrora=
ngriffen auf New York und Washington ermordet wurde, m=F6chte eine W=F6rtch=
en mitreden und den ehemaligen Pr=E4sidenten Burhanuddin Rabbani wieder auf=
 das politische Podium heben. Wie auch immer der Machtpoker um die =DCberga=
ngsregierung ausgehen wird, eines kann als sicher gelten:  lebte Ahmad Shah=
 Massod noch, w=E4re er wahrscheinlich eine zentrale politische Figur gewor=
den. Auch so ist er omnipr=E4sent mittels seiner Fotos, die sogar auf den V=
N-Vertretungen kleben. Aber auch er w=FCrde nicht von allen Seiten mit Symp=
athie betrachtet werden.



</p><p>Klar ist auch, dass die Zahl der zur Zeit 29 Ministerien um etwa ein=
 Drittel reduziert werden soll, was der B=FCrokratisierung Einhalt gebieten=
 kann. Ohne Zweifel sinnvoll ist zum Beispiel, das Landwirtschaftsministeri=
um mit dem f=FCr l=E4ndliche Entwicklung zusammenzulegen, oder auch das Min=
isterium f=FCr Wallfahrten mit dem f=FCr M=E4rtyrer. Wahrscheinlich ist, da=
ss auch das Ministerium f=FCr Wiederaufbau, dem der deutsch-afghanische Wir=
tschaftswissenschaftler Farhang vorsteht, wegf=E4llt. Unter Leitung des ehe=
maligen Weltbank-Mitarbeiters und amerikanisch-afghanischen Ashraf Ghani wu=
rde eine zentrale Anlaufstelle f=FCr die Koordination der internationalen U=
nterst=FCtzung f=FCr den Wiederaufbau geschaffen. Zweifelsohne z=E4hlt Ghan=
i mit dieser Position zu den einflussreichsten Personen.



</p><h4>Klientelismus als politische Strategie </h4>



<p>Einige der altbekannten F=FChrer aus der Mudjahedin-Zeit und ihr Umfeld,=
 die bereits Anfang der 90er die Chance auf Frieden in einen B=FCrgerkrieg =
haben enden lassen, akzeptieren das Bonner Abkommen nicht und st=F6ren den =
politischen Prozess, wo es ihnen m=F6glich ist. Die Konfliktbew=E4ltigung w=
ird zudem nicht einfacher dadurch, dass eine B=FCrgerkriegsfraktion f=FCr i=
hren (ma=DFgeblich der internationalen Anti-Terror-Allianz geschuldeten) Si=
eg belohnt wurde und nun zus=E4tzlich zu der milit=E4rischen auch noch die =
politische Macht erh=E4lt. Die ehemaligen Widerstandsk=E4mpfer verf=FCgen w=
eiter =FCber Waffen und ihre alten Klientelsysteme. Wor=FCber sie nicht ver=
f=FCgen ist die Expertise, wie ein Land politisch gef=FChrt werden sollte. =
Das Ergebnis ist, dass in einigen Ministerien Personen arbeiten, die sich s=
chwerster Kriegsverbrechen schuldig gemacht haben und in die die Bev=F6lker=
ung kein Vertrauen hat. Au=DFerdem ist es wenig ermutigend, wenn zum Beispi=
el in einem Ministerium Dutzende Anfang 20-j=E4hriger derselben ethnischen =
Gruppe wie der Minister Schl=FCsselpositionen innehaben, ohne einen Compute=
r bedienen zu k=F6nnen.



</p><p>Viel wichtiger w=E4re es jedoch, dass auf der Arbeitsebene Leute s=
=E4=DFen, die =FCber Politikkenntnisse und Verwaltungserfahrung verf=FCgen.=
 Insbesondere die Exilafghanen mit ihren im Ausland erworbenen Erfahrungen =
k=F6nnten auf diesen Positionen in der zweiten und dritten Reihe eine wicht=
ige Rolle spielen, bisher jedoch sind sie in einer verschwindend geringen Z=
ahl anzutreffen. Viel systematischer m=FCsste der afghanischen Regierung di=
ese Expertise zugef=FChrt werden, was auch als entwicklungspolitische Aufga=
be der gastgebenden Staaten des Exils begriffen werden sollte.



</p><p>Schwierig in diesem Prozess ist zudem das auch altbekannte "B=E4umch=
en-wechsle-dich" Spiel vieler =F6rtlicher Kommandanten, die ihre Loyalit=E4=
ten wechseln wie andere ihre Hemden. Heute noch mit einer islamistischen Pa=
rtei verb=FCndet, entpuppen sie sich am n=E4chsten Tag als K=F6nigsanh=E4ng=
er. Oder andersherum, je nach dem, welches F=E4hnchen gerade besonders attr=
aktiv flattert. Ein anderes Spiel hei=DFt: "Wer nicht mein Freund ist, arbe=
itet f=FCr den feindlichen Geheimdienst." Ger=FCchte fliegen durch die Luft=
. Der Nicht-Freund wird verd=E4chtigt, entweder mit dem CIA, dem pakistanis=
chen, iranischen oder afghanischen Geheimdienst, oder auch der Drogenmafia,=
 den Islamisten, den Kommunisten oder anderen Gegnern zu arbeiten. Hierbei =
handelt es sich um im Kern destruktive Verd=E4chtigungen, schwere Stolperst=
eine, die die so dringend n=F6tigen vertrauensbildenden Ma=DFnahmen f=FCr d=
en Prozess eines Staatsaufbaus behindern.



</p><h4>Und die demokratischen Kr=E4fte? </h4>



<p>Inzwischen ist deutlich, dass zwei der vier bei der Bonner Konferenz ver=
tretenen Gruppen eine von den VN und den USA zusammengew=FCrfelte Truppe, d=
ie nicht tats=E4chliche Einflusssph=E4ren innerhalb Afghanistans widerspieg=
eln, waren. Sie befriedigten lediglich die Interessen der Nachbarstaaten, n=
amentlich f=FCr Pakistan die Peshawar-Gruppe und f=FCr Iran die  Zypern-Gru=
ppe.



</p><p>Gefehlt hat hingegen eine offizielle Vertretung der demokratischen G=
ruppierungen, die weiterhin sehr aktiv versuchen, sich in das politische Ge=
schehen zu integrieren. Im Gegensatz zu den anderen Fraktionen haben sie je=
doch wenig Unterst=FCtzung von au=DFen. Positiv zu bewerten ist ihr breites=
 Spektrum. Von Vertretern der Verfassungsbewegung (mashrutiyyat), die es se=
it den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts gibt, =FCber ehemalige Kommunis=
ten bis hin zu den demokratischen Fl=FCgeln der Nordallianz und der K=F6nig=
sanh=E4nger treten sie nun miteinander in Dialog. Als Hoffnungstr=E4ger k=
=F6nnen sich auch die Vertreter der unabh=E4ngigen lokalen Ratsversammlunge=
n aus dem ganzen Land f=FChlen, die sich in der shura-ye qaumi melli (Natio=
naler Stammesrat) zusammengeschlossen haben.



</p><p>Vier dieser Gruppen, die seit Jahren zwangsl=E4ufig nur im Untergrun=
d agieren konnten, haben sich vor kurzem mit einer Presseerkl=E4rung an die=
 =D6ffentlichkeit gewagt. In den 80er und 90er Jahren mussten einige der An=
f=FChrer dieser Bewegung ihr politisches Engagement mit dem Tod bezahlen. T=
eile dieser Gruppen haben jedoch auch Vorbehalte gegeneinander, so dass sie=
 erst einmal eine gemeinsame Plattform erarbeiten m=FCssen. In Ans=E4tzen g=
ibt es solche Arbeitsergebnisse schon. Obwohl sie nicht an der Macht in Kab=
ul beteiligt sind, unterst=FCtzen sie das Bonner Abkommen. Jahrelang haben =
sie f=FCr die Demokratisierung ihres Landes gek=E4mpft und zahlreiche Konze=
pte analog dem "Fahrplan zur Demokratie" entwickelt. Zu hoffen ist, dass in=
 Zukunft die demokratischen Gruppen von der internationalen Gemeinschaft al=
s Friedenskapazit=E4ten st=E4rker entdeckt und gef=F6rdert werden.



</p><h4>Kabul - Mekka der Hilfsorganisationen</h4>



<p>Ein anderes Problem ist, dass sich in Kabul Hunderte von Hilfsorganisati=
onen aus aller Herren L=E4nder tummeln. Zum Teil gibt es sogar Konkurrenzen=
 bei der Unterst=FCtzung bestimmter afghanischer Nichtregierungsorganisatio=
nen (NGOs), die sich einen Zugang zu der internationalen Hilfscommunity ver=
schaffen konnten. Dieser funktioniert vor allem =FCber englische Sprachkenn=
tnisse und die Pr=E4senz in den Vierteln Kabuls, in denen auch die Ausl=E4n=
der verkehren. In anderen Vierteln der Stadt, die als f=FCr Ausl=E4nder uns=
icher gelten, herrscht dieselbe Armut und humanit=E4re Not wie vor dem Begi=
nn der "neuen Zeit" f=FCr Afghanistan.



</p><p>Dasselbe gilt f=FCr die Provinzen, da deren Lage von den VN und den =
Botschaften als unsicher eingesch=E4tzt wird und sich insofern nur vereinze=
lt Hilfsorganisationen dort hintrauen. Der Wandel besteht in diesen Gegende=
n lediglich darin, dass die Taliban nicht mehr da sind, und daf=FCr meisten=
s wieder die alten Machthaber aus der Mujahedin-Zeit das Sagen haben. Von d=
er Bev=F6lkerung wird dieses nicht unbedingt als "Befreiung" wahrgenommen. =
B=F6se Zungen behaupten, Karzai sei eigentlich der B=FCrgermeister von Kabu=
l und nicht der Regierungschef des ganzen Landes. Die starke Unterst=FCtzun=
g f=FCr das Zentrum, bei gleichzeitiger Vernachl=E4ssigung der Provinzen ka=
nn dazu f=FChren, dass sich diese f=FCr autonom erkl=E4ren und immer eigens=
t=E4ndiger zu agieren versuchen.



</p><p>Ismail Khan, auch ein alter Bekannter aus der  Mujahedin-Zeit, regie=
rt wie ein Emir den Westen des Landes. Er profitiert von der gegenseitigen =
Belauerung der iranischen und der amerikanischen Seite in seiner Region. So=
 kann er sich auf gro=DFz=FCgige Hilfe beider Seiten verlassen. Dieses ist =
sicherlich nicht im Sinne des Bonner Abkommens, wenn an der Zentralregierun=
g vorbei einzelne Kommandanten und warlords unterst=FCtzt werden. Auch der =
ehrerbietige Besuch des US-Verteidigungsministers Rumsfeld in Herat hat die=
 falschen Signale ausgesendet. Khan f=FChlte sich derart sicher, dass er ku=
rz darauf Demokraten von ihrer Kandidatur f=FCr die loya jirga abhielt, ind=
em er sie kurzerhand ins Gef=E4ngnis werfen lie=DF.



</p><p>Wichtig w=E4re, konfliktsensitiv zu pr=FCfen, wer von der internatio=
nalen Hilfe profitiert, um nicht gewaltbereite Gruppen  bzw. Personen zu un=
terst=FCtzen, die das Bonner Abkommen nicht mittragen. Au=DFerdem ist der e=
inseitige Profit einiger weniger, die als Filter f=FCr den Zugang zu diesen=
 Mitteln dienen, m=F6glichst auszubremsen, um die Korruption gering zu halt=
en. Es sollte noch viel gezielter und systematischer versucht werden diejen=
igen Gruppen und Personen zu unterst=FCtzen, die aus =DCberzeugung den Weg =
hin zur Demokratie beschreiten. So k=F6nnte mittel- und langfristig gew=E4h=
rleistet werden, dass das Bekenntnis zur Demokratie nicht nur ein opportuni=
stisches Lippenbekenntnis bleibt, um an die Fleischt=F6pfe der internationa=
len Hilfe zu gelangen.



</p><p>Dazu bedarf es einer m=F6glichst umfassenden Koordination der Hilfe =
auf deutscher, europ=E4ischer, internationaler und auf afghanischer Seite, =
die =FCber eine sektorale Koordinierung hinaus gehen sollte. Die politische=
 Beobachtung und die Einsch=E4tzung der Zuwendungsempf=E4nger sollte st=E4r=
ker Hand in Hand gehen. Besondere Bedeutung erh=E4lt dieses in der hoffentl=
ich nahen Zukunft, wenn viel mehr NGOs und staatliche Organisationen auch a=
u=DFerhalb Kabuls arbeiten k=F6nnen, wo die Akteure bisher noch schwerer ei=
nzusch=E4tzen sind. Gerade hier ist wichtig, die (exil-)afghanische Experti=
se einzubeziehen, denn nur ob der intimen Kenntnis der Konfliktgeschichte u=
nd der jeweiligen Sprache kann eine eindeutige Zuordnung erfolgen. Es w=E4r=
e verh=E4ngnisvoll, wenn mittels der internationalen Hilfe der Konflikt wie=
der versch=E4rft w=FCrde, indem bestimmte Gruppen besonders profitieren, et=
hnische Trennungslinien von au=DFen gezogen werden und ganze Regionen insta=
bil bleiben.



</p><h4>Lebensfreude wieder auf der Strasse </h4>



<p>Trotz aller Stolpersteine ist das Bild Afghanistans im Fr=FChsommer 2002=
 nicht nur schwarz zu zeichnen. Krankenh=E4user wurden wiederaufgebaut, Tau=
sende Kinder k=F6nnen wieder zur Schule gehen, in den Parks wird Fu=DFball =
gespielt und am freit=E4glichen Feiertag machen Familien ihre Ausfl=FCge. A=
us Kabul heraus fahren sie beispielsweise in die sehr fruchtbare Shomali-Eb=
ene im Norden, die w=E4hrend der vierj=E4hrigen D=FCrre so braun und trostl=
os aussah. Heute bl=FChen dort wieder die Obstb=E4ume in einer beeindrucken=
den Landschaft, die gepr=E4gt ist von den schneebedeckten tausende Meter ho=
hen Bergen. Diese erneute Bl=FCte f=E4llt symbolisch mit dem Ende des Talib=
an-Regimes zusammen, als h=E4tte der Regen die rigiden "Religionsstudenten"=
 gemieden.



</p><p>Das Stra=DFenbild hat sich in nur wenigen Monaten stark ver=E4ndert.=
 Die Strassen sind verstopft mit nach Diesel stinkenden Taxis und den wei=
=DFen Jeeps der Ausl=E4nder, aus den Gesch=E4ften dringt die obligatorische=
 Schlagermusik einer orientalischen Stadt, und die Kinder rufen fr=F6hlich =
"Hallo Mister". Ein Kontrastprogramm zum angstvollen "=FCber-die-Stra=DFe-H=
etzen" der Menschen und an B=E4umen aufgeh=E4ngten Musikb=E4ndern w=E4hrend=
 der Taliban-Zeit. Viele der Frauen tragen jedoch weiter die Burqa und auch=
 nur wenige M=E4nner haben ihre B=E4rte abrasiert. Sie warten erst einmal a=
b. Sie haben weiterhin Angst und vertrauen den alten Gesellen in der neuen =
Regierung nicht. Au=DFerdem ist eine Burqa f=FCr umgerechnet ca. 2 US$ ein =
g=FCnstiges Kleidungsst=FCck, unter der man die Armut verbergen kann. Das e=
rste magische Ereignis, auf das die Afghanen warten, ist die Sonder-loya ji=
rga. Wie wird die Zusammensetzung der neuen =DCbergangsregierung und noch w=
ichtiger, wie die Reaktion derer, die nicht daran teilhaben, auf sie ausseh=
en? Bei positivem Verlauf k=F6nnten dann weitere Burqas und B=E4rte fallen.



</p><h4>Verantwortung der internationalen Gemeinschaft aus Eigeninteresse <=
/h4>



<p>Ironischerweise haben die traurigen Ereignisse des 11. September in den =
USA den Boden f=FCr die Vertreibung der Taliban, das Bonner Abkommen und de=
n Friedens- und Wiederaufbauprozess in Afghanistan geebnet. Einige Beobacht=
er sind allerdings nach wie vor skeptisch und f=FChlen sich sehr an die Zei=
t nach der Absetzung des letzten kommunistischen Statthalters Najibullah er=
innert. Auch damals herrschte Aufbruchsstimmung, die Mujahedin hatten einen=
 gro=DFen Sieg zu verbuchen und die Bev=F6lkerung hoffte darauf, dass der K=
rieg nun vor=FCber sei. Aber die triumphierenden Mujahedin konnten sich nic=
ht einigen, wie sie die neue Macht untereinander aufteilen sollten bzw. jed=
e einzelne Gruppe beanspruchte diese Macht f=FCr sich. Die Anrainerstaaten =
intrigierten zudem kr=E4ftig, um ihre eigenen Interessen durchzusetzen. Vor=
 diesem Erfahrungshintergrund ist also die Sorge berechtigt, dass Afghanist=
an ein weiteres Mal aus dem Fokus der Welt=F6ffentlichkeit in die Peripheri=
e des Vergessens abrutschen k=F6nnte.



</p><p>Der kleine gro=DFe Unterschied zwischen 1993 und 2002 besteht nun da=
rin, dass die USA sich aufgrund direkter Betroffenheit infolge des 11. Sept=
embers mit der Aufgabe der Terrorismusbek=E4mpfung identifizieren  und dies=
 nicht nur politisch abstrakt. Ihre Truppen sind im Land und versuchen vor =
allem im S=FCdosten, versprengte al-Qaida K=E4mpfer und Taliban zu finden. =
Bisher geschieht dies allerdings mit wenig sichtbarem Erfolg. Die USA haben=
 ein ureigenes Interesse daran, dass keine gewaltbereiten islamistischen un=
d dezidiert anti-westlichen Kr=E4fte in Afghanistan nachwachsen und vor all=
em keine weiteren Ausbildungslager entstehen k=F6nnen. F=FCr dieses Ziel is=
t es unumg=E4nglich, eine stabile Regierung in Kabul zu haben, die tats=E4c=
hlich die Kontrolle =FCber das ganze Land auszu=FCben vermag. Deshalb wurde=
 ein massives Hilfspaket geschn=FCrt, die ISAF aufgebaut und Elitesoldaten =
in die versprengten H=F6hlen in den hohen Bergen im Grenzgebiet zu Pakistan=
 entsendet. Alle drei Ma=DFnahmen werden mit verschiedenen Zeithorizonten u=
mgesetzt. Der Einsatz der Elitesoldaten hat ein open end, das ISAF-Mandat i=
st immer wieder zu verl=E4ngern und die Hilfszusagen liegen nur bis Ende 20=
04 vor.



</p><p>An dieser Stelle liegen auch zwei Schwachpunkte in der Stabilisierun=
gsstrategie f=FCr Afghanistan. Erstens ist die Stationierung der ISAF nur i=
n Kabul unzureichend. Auf die Frage eines Afghanen: "Warum bauen Soldaten i=
n Kabul Kinderg=E4rten auf, was doch auch Afghanen k=F6nnten, und sorgen ni=
cht in anderen St=E4dten f=FCr Ruhe?", gibt es keine befriedigende Antwort.=
 Wenn der Grund in mangelnden Ressourcen f=FCr die ISAF liegt, dann lie=DFe=
 sich doch wenigstens die Idee von Br=FCckenk=F6pfen f=FCr die zentralen Pr=
ovinzst=E4dte umsetzen. Dazu m=FCssten einige Soldaten aus Kabul abgezogen =
werden. Diese selbst sind frustriert, weil sie kein Mandat zur Entwaffnung =
haben. Dies ist ein Wunsch, der sogar von vielen Kommandanten vorgetragen w=
ird. Dazu bed=FCrfte es jedoch der Weisung durch die VN und einem parallele=
n Arbeitsbeschaffungsprogramm f=FCr die ehemaligen K=E4mpfer. Hierf=FCr lie=
=DFe sich auf Erfahrungen in anderen L=E4ndern, wie zum Beispiel in Kambods=
cha, zur=FCckgreifen.



</p><p>Zweiter Schwachpunkt ist die Finanzplanung. Viele Organisationen hab=
en zun=E4chst lediglich Mittelzusagen f=FCr das Jahr 2002 gemacht. Ihre Pro=
jekte sind mittelfristig nicht planbar, und Zahlungen sollen erst nach erfo=
lgreicher Beendigung der Sonder-loya jirga erfolgen, ein Manko, das auch Bu=
ndeskanzler Schr=F6der w=E4hrend seiner k=FCrzlichen Afghanistan-Reise moni=
erte. "Den sch=F6nen Worten m=FCssen Taten folgen", so die Kritik vieler Af=
ghanen im Hinblick auf die noch mangelnde Sichtbarkeit der Hilfe.



</p><p>Fortschritte gibt es bereits bei den Pl=E4nen f=FCr den Bau einer =
=D6l-Pipeline aus Zentralasien via Afghanistan nach Pakistan und damit dem =
Zugang zum Meer. Karzai hat erste Vertr=E4ge unterzeichnet, und die interna=
tionalen =D6lkonsortien sitzen in den Startbl=F6cken. Dass nicht nur die al=
-Qaida, sondern auch die umfangreichen Ressourcen in Zentralasien sowie Afg=
hanistans strategische Lage zwischen den m=E4chtigen asiatischen Staaten Ru=
ssland, China und Indien wiederum die Aufmerksamkeit auf das Land am Hinduk=
usch gelenkt hat, ist wohl niemanden verborgen geblieben.



</p><p>Es bleibt abzuwarten, wie sich der Kashmir-Konflikt entwickelt und e=
s w=E4re wohl eine weitere Ironie des Schicksals, wenn demn=E4chst pakistan=
ische Fl=FCchtlinge nach Afghanistan str=F6mten. Eine Eskalation des Konfli=
kts zwischen Indien und Pakistan w=FCrde Afghanistan auf alle F=E4lle weite=
r destabilisieren. Es bleibt zu hoffen, dass die beiden Kontrahenten zur Ve=
rnunft gebracht werden k=F6nnen.



</p><h4>Fazit</h4>



<p>Die Hoffnung und Chance besteht nun darin, dass sich erstens mit Hilfe d=
er internationalen Gemeinschaft die altbekannten Milit=E4rs zu Politikern e=
ntwickeln, die ihre Meinungsverschiedenheiten mit Worten und nicht mit Waff=
en austragen. Zweitens m=FCssten immer mehr demokratische Kr=E4fte eine M=
=F6glichkeit erhalten, sich am Friedens- und Wiederaufbauprozess aktiv zu b=
eteiligen. Den Skeptikern am in Bonn vereinbarten Prozess ist hingegen die =
Frage zu stellen, wie eine bessere Alternative ausgesehen h=E4tte. Zu recht=
 zu kritisieren ist, dass weder die afghanische =DCbergangsregierung noch d=
ie VN ihre Hausaufgaben hinreichend erledigt haben. Derzeit sollte es noch =
wie in den ersten Klassen der Grundschule gehalten werden: Keine Noten auss=
tellen, sondern nur Entwicklung, Mitarbeit am Unterricht und h=E4uslichen F=
lei=DF schriftlich beurteilen und Anregungen zur Verbesserung geben. Bis je=
tzt kann es keine Sitzenbleiber geben, aber blaue Briefe sind allemal zu ve=
rschicken, um aus den Stolpersteinen nicht Stra=DFenblockaden werden zu las=
sen.



</p><p><i>Dr. Almut Wieland-Karimi ist gerade von einer Reise nach Kabul zu=
r=FCckgekehrt. Dort hat sie an einer Frauenkonferenz teilgenommen, mit viel=
en Partnern gesprochen und das B=FCro der Friedrich-Ebert-Stiftung er=F6ffn=
et.<i>







</i></i></p><p><i><i><a href=3D"http://www.fes.de/" target=3D"_blank">Fried=
rich-Ebert-Stiftung</a> | net edition: <a href=3D"mailto:urmila.goel@fes.de=
">Urmila Goel</a> | <a href=3D"http://www.fes.de/international/asien/" targ=
et=3D"_blank">Die

Friedrich-Ebert-Stiftung in Asien</a>



</i></i></p></body></html>
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