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Date: Wed, 7 May 2025 15:10:41 +0200
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Regionalkultur und Diktatur : S=E4chsische Heimatbewegung und Heimat-Propag=
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 / Thomas Schaarschmidt - [Electronic ed.] - Bonn, 2003 - 30 KB, Text
. - (Horst-Springer-Preisvortr=E4ge)
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Regionalkultur und Diktatur : S=E4chsische Heimatbewegung und Heimat-Propag=
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 / Thomas Schaarschmidt - [Electronic ed.] - Bonn, 2003 - 58 KB, Text
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<a name=3D"E9E1"></a><p align=3D"CENTER"><font size=3D"+1">Thomas Schaarsch=
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</font></p><p><font size=3D"+1">Regionalkultur und Diktatur. S=E4chsische H=
eimatbewegung und Heimat-Propaganda im Dritten Reich und in der SBZ/DDR</fo=
nt><br><br>

</p><p>Regionalkultur und Diktatur erscheinen auf den ersten Blick wie zwei=
 getrennte Welten, die nichts miteinander zu tun haben. Auf der einen Seite=
 hat man es zumeist mit regionalen oder lokalen Verb=E4nden und Vereinen zu=
 tun, die die Geschichte ihrer Landschaft aus der Perspektive des heimische=
n Kirchturms erforschen, mehr oder minder angestaubte Br=E4uche pflegen und=
 sich dem Landschafts- und Denkmalschutz verschrieben haben, auf der andere=
n Seite mit den Strukturen und Mechanismen staatlicher Herrschaft, die dara=
uf angelegt sind, politische Entscheidungen herbeizuf=FChren und durchzuset=
zen, im Falle der beiden deutschen Diktaturen zus=E4tzlich die Bev=F6lkerun=
g zu kontrollieren und f=FCr die jeweiligen politischen Ziele des Regimes z=
u mobilisieren. Obwohl die Repr=E4sentanten der deutschen Heimatbewegung so=
wohl in der Weimarer Republik als auch nach den Z=E4suren von 1945 und 1989=
 auf dem unpolitischen Charakter ihrer Institutionen und Bestrebungen behar=
rten, haben sich Historiker und Volkskundler in den vergangenen beiden Jahr=
zehnten intensiv mit der politischen Relevanz von Regionalkulturen und Regi=
onalbewusstsein in den unterschiedlichen politischen Systemen besch=E4ftigt=
, die Deutschland im Laufe des 20. Jahrhunderts gepr=E4gt haben.
</p><p>Das Interesse an diesen Fragen resultiert zum einen aus dem Anspruch=
 einer sozialhistorisch fundierten Politikforschung, die Wirkungsweise von =
Herrschaft bis in die letzten Ver=E4stelungen des Alltags zu erforschen und=
 dabei auch solche Aspekte gesellschaftlichen Lebens in den Blick zu nehmen=
, die vordergr=FCndig nur wenig oder gar nichts mit der Herrschaftsdurchset=
zung zu tun haben. Das trifft mit Einschr=E4nkungen auch auf die Regionalku=
ltur zu, die sicher nicht zu den <i>essentials</i> diktatorischer Machtaus=
=FCbung z=E4hlte. Mit Blick auf die beiden deutschen Diktaturen wirkt sich =
gerade die begrenzte Relevanz des Untersuchungsgegenstandes als Vorteil aus=
, wenn es darum geht, das Allt=E4gliche politischer Herrschaft zu erfassen =
und zu verstehen, wie Interessenkonflikte gel=F6st wurden und wie "Herrsche=
r" und "Beherrschte" trotz der asymmetrischen Verteilung der Machtmittel le=
tztlich aufeinander angewiesen blieben.
</p><p>Zum anderen erweist sich die Heimatbewegung als ein besonders dankba=
res Objekt f=FCr den Alltag im Dritten Reich und in der SBZ/DDR. Einerseits=
 verf=FCgt sie =FCber festgef=FCgte Strukturen und ein ausgepr=E4gtes Tradi=
tionsbewusstsein, die unweigerlich Anl=E4sse f=FCr Konflikte schufen, ander=
erseits bestanden gerade in der Zeit des Nationalsozialismus aufgrund gemei=
nsamer Wurzeln im v=F6lkischen Denken der Zwischenkriegszeit vielf=E4ltige =
Ber=FChrungs- und Ankn=FCpfungspunkte. Nicht nur f=FCr die nationalsozialis=
tischen Parteifunktion=E4re, sondern auch f=FCr ihre kommunistischen Nachfo=
lger gab es die Versuchung, sich g=E4ngiger Topoi des etablierten Heimat-Di=
skurses zu bedienen, um ihre politischen Appelle einer breiteren =D6ffentli=
chkeit plausibel und akzeptabel zu machen. Gleichzeitig blieben die Mitglie=
dsorganisationen der Heimatbewegung in allen politischen Systemen darauf an=
gewiesen, sich auf die wechselnden Rahmenbedingungen einzustellen, wenn sie=
 ihre selbst gesteckten Ziele wirkungsvoll verfolgen wollten.
</p><p>Nach dem hier zugrunde liegenden Verst=E4ndnis von "Regionalkultur" =
stehen Kultur und regionale Identifikation in einem unaufl=F6sbaren Zusamme=
nhang. Wie Konrad K=F6stlin bereits Ende der siebziger Jahre auf dem 22. De=
utschen Volkskunde-Kongress festgestellt hat, ist Regionalkultur nicht einf=
ach ein tradierter Tatbestand, sondern ein Konstrukt zur Stiftung von Sinn =
und kollektiver Identit=E4t. In einem sehr weiten Sinn umfasst sie jede For=
m der Pflege regionaler Traditionen und Besonderheiten sowie das Wechselver=
h=E4ltnis zwischen regionalen Identifikationsangeboten und ihrer Akzeptanz =
in Form von Heimatliebe und Landesbewusstsein oder jeder anderen Form emoti=
onaler Verbundenheit mit der eigenen Region.
</p><p>Bei der Erforschung des Spannungsfeldes von Regionalkultur und Polit=
ik geht es mir um drei Aspekte, die alle eng miteinander verbunden sind: zu=
m einen um die Wechselbeziehungen zwischen der Heimatbewegung auf der einen=
 und den kulturpolitischen Instanzen des Staates und der beiden f=FChrenden=
 Parteien im Dritten Reich und in der SBZ/DDR auf der anderen Seite, zum zw=
eiten um die verschiedenen propagierten Bilder von Heimat, ihre politischen=
 Implikationen und ihre Formulierung als kollektive Identifikationsangebote=
 sowie drittens um die Frage nach dem Erfolg von staatlichen Instanzen und =
Parteien bei ihren Bem=FChungen um eine organisatorische Einbindung der Hei=
matbewegung und die Nutzung des Heimat-Begriffs in der politischen Propagan=
da. Beides stand in unmittelbarem Zusammenhang, denn die Integration und Un=
terordnung der Heimatbewegung diente nach 1933 und 1945 nicht nur ihrer Aus=
schaltung als eigenst=E4ndiger kultureller Akteure, sondern mit unterschied=
licher Intensit=E4t auch ihrer Indienstnahme f=FCr eine politisch motiviert=
e Heimat-Propaganda.
</p><p>Wenn hier pauschalisierend von "der Heimatbewegung" die Rede ist, ve=
rsteht es sich von selbst, dass es sich bei diesem Ph=E4nomen um einen Samm=
elbegriff handelt, der eine fast un=FCberschaubare Masse von =F6rtlichen He=
imat-, Geschichts-, Volkskunde-, Gebirgs- und Museumsvereinen zusammenfasst=
, denen der Bezug auf unmittelbaren Erfahrungsraum gemeinsam war, die sich =
aber in ihren Aufgabengebieten und Interessenschwerpunkten unterschieden un=
d die dabei nicht selten in Konkurrenz zueinander standen. Neben den lokale=
n Vereinen bildeten sich zumeist um die Jahrhundertwende, teils aber auch s=
chon im 19. Jahrhundert regionale und nationale Dachverb=E4nde der lokalen =
Vereine, die aufgrund ihrer gr=F6=DFeren Wirkungsm=F6glichkeiten oft als di=
e eigentlichen Repr=E4sentanten der Heimatbewegung wahrgenommen wurden. Zu =
ihnen z=E4hlten beispielsweise die regionalen Heimatschutzverb=E4nde mit de=
m 1904 gegr=FCndeten Deutschen Bund Heimatschutz, der Gesamtverein der Deut=
schen Geschichts- und Altertumsvereine oder die regionalen Gebirgs- und Wan=
dervereine wie der Schw=E4bische Albverein und in Sachsen der Erzgebirgsver=
ein.
</p><p>Ihnen traten im Dritten Reich und in der SBZ/DDR - neben den traditi=
onell f=FCr die Kulturpolitik zust=E4ndigen Instanzen auf lokaler, regional=
er und zentraler Ebene - neue parteinahe Kulturorganisationen gegen=FCber, =
die darauf angelegt waren, die vorhandenen Strukturen des Vereinslebens ent=
weder zu absorbieren oder zu verdr=E4ngen. Dazu geh=F6rten in der DDR einig=
e der offiziellen Massenorganisationen, allen voran der Kulturbund mit sein=
er Sektion Natur- und Heimatfreunde, im Dritten Reich gleich eine ganze Han=
dvoll kultureller Verb=E4nde, die teils im direkten Auftrag der NSDAP-Reich=
sleitung, teils ohne ihn die tats=E4chlichen oder vermeintlichen Leitlinien=
 nationalsozialistischer Kulturpolitik durchzusetzen versuchten. Neben den =
zentral gelenkten Kulturverb=E4nden, zu denen beispielsweise Alfred Rosenbe=
rgs Kulturorganisationen, die NS-Gemeinschaft "Kraft durch Freude" oder Jos=
eph Goebbels=92 "NS.-Volkskulturwerk" zu rechnen sind, gab es in Form der G=
aukulturverb=E4nde und -heimatwerke eine betr=E4chtliche Anzahl regionaler =
Organisationen, die erst in den letzten Jahren ins Blickfeld der Forschung =
gekommen sind.
</p><p>Die meisten der genannten parteinahen Kulturorganisationen traten mi=
t dem Anspruch auf, neue Heimat-Vorstellungen zu propagieren, die die tradi=
tionellen Konstruktionen von Heimat und Region ersetzen sollten. Letztere e=
ntwickelten sich gemeinhin in einem Wechselspiel zwischen unmittelbarer Kom=
munikation vor Ort, beispielsweise in lokalen Geschichts-, Heimat- oder Vol=
kskunstvereinen, und vermittelten Konstrukten und Identifikationsangeboten =
der regionalen und nationalen Heimatbewegung, der Massenmedien und anderer =
Akteure, das eine gro=DFe Bandbreite von Bildern zul=E4sst, die vom Einzeln=
en als die eigene Heimat wahrgenommen werden. In diesen Heimat-Bildern tref=
fen sich folglich lokale, regionale und nationale Vorstellungen, die den sc=
hillernden Charakter des deutschen Heimat-Begriffs ausmachen. Heimatverbund=
enheit kann demnach in vielf=E4ltiger Weise zu einem handlungsleitenden Mot=
iv werden, sei es, dass Engagement f=FCr den eigenen unmittelbaren Lebensra=
um oder f=FCr die Gesellschaft gef=F6rdert wird, sei es, dass in einem Proz=
ess der Inklusion und Exklusion soziale Koh=E4sion geschaffen und stabilisi=
ert wird, oder sei es auch nur, dass der Einzelne gesteigerte Lebensfreude =
empfindet, weil er mit Gleichgesinnten liebgewordene Traditionen seiner Hei=
mat pflegt. Gerade die Vieldeutigkeit des Heimat-Begriffs erleichtert es po=
litischen Strategen immer wieder, ihn mit politischen Inhalten zu f=FCllen =
und ihr eigenes Heimat-Verst=E4ndnis dann als das einzig wahre Bild der Hei=
mat zu propagieren.
</p><p>In Diktaturen findet auf dem Feld der Regionalkultur also nicht nur =
ein organisatorischer Verdr=E4ngungswettbewerb statt, sondern auch ein poli=
tisch-ideologischer. Wie dieser ausging, hing nicht nur von den vorhandenen=
 Machtmitteln ab, sondern zu einem gro=DFen Teil von der =DCberzeugungskraf=
t der politischen Propaganda und der Kooperationsbereitschaft der Heimatbew=
egung selbst. Letzteres mag =FCberraschen, da ihre Unterordnung ja gerade z=
u den Zielen der offiziellen Kulturpolitik geh=F6rte. Aus wohlverstandenem =
Eigeninteresse beanspruchten die parteinahen Kulturorganisationen aber wede=
r im Dritten Reich noch in der DDR, die vorhandene Heimatbewegung ersetzen =
zu k=F6nnen. <i>Nolens </i><i>volens</i> mussten sowohl die NS-Organisation=
en als auch die Kulturfunktion=E4re der DDR akzeptieren, dass die alten auc=
h die neuen Tr=E4ger der regionalkulturellen Arbeit sein w=FCrden. Wie der =
Gesch=E4ftsf=FChrer des 1942 von Goebbels gegr=FCndeten NS-Volkskulturwerks=
 im internen Mitteilungsblatt der Reichspropagandaleitung schrieb, lie=DF s=
ich die "volkskulturelle Arbeit" nicht auf Anordnung organisieren, sondern =
bedurfte der Freiwilligkeit. Die Abh=E4ngigkeit der parteinahen Kulturorgan=
isation von der Kooperationsbereitschaft der Heimataktivisten vor Ort wurde=
 besonders dadurch unterstrichen, dass sie auf deren Expertise angewiesen b=
lieb, die sich allen anderslautenden Behauptungen zum Trotz nicht kurzfrist=
ig ersetzen lie=DF.
</p><p align=3D"CENTER"><b>*</b>
</p><p>In welchem Verh=E4ltnis Politik und Regionalkultur zueinander stande=
n, soll hier am Beispiel der s=E4chsischen Heimatschutzbewegung im Zeitraum=
 zwischen nationalsozialistischer Machtergreifung und Mauerbau dargestellt =
werden. Das entspricht nicht nur einem Desiderat der Forschung, sondern ers=
cheint auch deshalb besonders lohnend, weil Sachsen auf dem Gebiet der sp=
=E4teren DDR vor 1945 zu den Regionen mit der h=F6chsten Vereinsdichte z=E4=
hlte. Auch wenn der 1908 gegr=FCndete Landesverein S=E4chsischer Heimatschu=
tz nicht auf eine so lange Tradition zur=FCckblicken konnte wie der Erzgebi=
rgsverein oder der schon in den 1820er Jahren entstandene S=E4chsische Alte=
rtumsverein, hatte er doch in der Zwischenkriegszeit einen st=FCrmischen Au=
fschwung erlebt, der ihn nicht nur zu einem der mitgliederst=E4rksten Verei=
ne in Sachsen, sondern im gesamten Reichsgebiet machte. Die Heimatschutzbes=
trebungen, denen sich mit leichter Akzentverschiebung auch die s=E4chsische=
n Gebirgsvereine widmeten, standen im Zusammenhang der fr=FChen Industriali=
sierung des Landes, die schon vor der Jahrhundertwende das Bewusstsein f=FC=
r die Modernisierungsverluste in Landschaft und Kultur geweckt hatte.
</p><p>Die Hauptaufgaben des Landesvereins lagen in den Bereichen Bauberatu=
ng, Natur- und Denkmalschutz sowie der Volkskunde und Volkskunstpflege, die=
 zu dieser Zeit noch als eine Einheit betrachtet wurden. Wenn auch stark in=
 bildungsb=FCrgerlichen Traditionen verankert, fand der Verein doch breite =
Unterst=FCtzung im gesamten politischen Spektrum bis hin zur SPD. Trotz der=
 starken politischen Polarisierung des =F6ffentlichen Lebens in Sachsen kam=
en seine Mitglieder zwar haupts=E4chlich, aber nicht ausschlie=DFlich aus s=
tadtb=FCrgerlichen Kreisen. Als Dachorganisation der lokalen Heimatvereine =
entfaltete der S=E4chsische Heimatschutz seine Wirkung vor allem mit den Mi=
tteln seiner Publikationen, regelm=E4=DFigen Vortr=E4gen, dem vereinseigene=
n Volkskundemuseum in Dresden, einer systematischen Unterst=FCtzung der reg=
ionalen Volkskunst sowie seiner Bauberatung und Naturschutzarbeit, die er q=
uasi im offiziellen Auftrag der s=E4chsischen Landesregierung aus=FCbte.
</p><p>Im Vergleich zu v=F6lkisch-nationalistischen Str=F6mungen der s=E4ch=
sischen Heimatbewegung vertrat der Landesverein ein explizit unpolitisches =
Bild der Heimat und setzte ansonsten auf eine sachliche Zusammenarbeit mit =
den Institutionen der Weimarer Republik. Diese fand ihren Niederschlag beis=
pielsweise im ersten Entwurf eines s=E4chsischen Gesetzes =FCber Denkmal- u=
nd Naturschutz, das allerdings 1926 zur=FCckgestellt werden musste und erst=
 von der nationalsozialistischen Landesregierung im Januar 1934 verabschied=
et werden konnte. W=E4hrend sich v=F6lkisch-nationalistische Publikationen =
in apokalyptischen Erl=F6sungsszenarien ergingen, in denen das deutsche Vol=
k durch die urw=FCchsige Kraft der St=E4mme und des Heimatbodens gerettet w=
erden sollte, propagierte der Landesverein die Heimat als Trost in der Not.=
 Auf dem H=F6hepunkt der Weltwirtschaftskrise hie=DF es dementsprechend in =
einem Rundschreiben des Heimatschutzes: "In aller Not ist uns eins gebliebe=
n: die Heimat und ihre Sch=F6nheiten, Kultur und Kunst, die wir, ob reich, =
ob arm, ob in Not oder noch gl=FCcklich, soweit es heute noch m=F6glich ist=
, besitzen und bewundern d=FCrfen als Sch=E4tze, die uns Allen geh=F6ren." =
Zu diesem Zeitpunkt hatte der Landesverein bereits seinen Zenit =FCberschri=
tten. Hatte die Vereinsf=FChrung noch Ende 1928 eine Mitgliederzahl von 50.=
000 anvisiert, so k=E4mpfte der Verein - wie die gesamte s=E4chsische Heima=
tbewegung - seit Anfang der drei=DFiger Jahre darum, seinen Bestand zu rett=
en.
</p><p>Dass sich die Hoffnungen vieler regionalkultureller Vereine und Verb=
=E4nde in der Krise zun=E4chst nicht auf die NSDAP richteten, l=E4sst sich =
nur damit erkl=E4ren, dass die s=E4chsischen Nationalsozialisten regionale =
Besonderheiten bis 1933 allenfalls unter =F6konomischen Aspekten gelten lie=
=DFen, ansonsten aber eine konsequent unitaristische Position verfochten. S=
owohl der Landesverein S=E4chsischer Heimatschutz als auch der Verband der =
S=E4chsischen Geschichts- und Altertumsvereine fanden sich daher in den Rei=
hen einer 1931 mit der Unterst=FCtzung der s=E4chsischen Landesregierung in=
s Leben gerufenen "Bewegung gegen den Berliner Reichszentralismus" wieder. =
Diese Kampagne wandte sich nicht nur gegen die Zentralisierungsbestrebungen=
 der Reichsregierung, sondern ebenso gegen die wirtschaftliche Benachteilig=
ung Sachsens. Den historischen Leistungen Preu=DFens stellten ihre Protagon=
isten die Verdienste Sachsens um die "Entwicklung einer besonderen mittelde=
utschen Kultur" und die Herausbildung des vorz=FCglichen "Typus der s=E4chs=
ischen Landesverwaltung" gegen=FCber, die im Gegensatz zur preu=DFischen B=
=FCrokratie wenig reglementiere und stattdessen auf selbst=E4ndiges Handeln=
 setze. Das Selbstverst=E4ndnis der Bewegung spiegelte sich beispielsweise =
in dem pathetischen Pl=E4doyer des Vorsitzenden des Verbandes S=E4chsischer=
 Industrieller Wilhelm Wittke wider, das er Ende April 1932 auf der Dresdne=
r Kundgebung "Sachsen gegen den Berliner Zentralismus" hielt: "Wir stehen f=
est zum Deutschen Reich, wie es unsere V=E4ter taten und unsere Kinder tun =
werden, ganz selbstverst=E4ndlich und ohne Phrase. Aber wir sind keine Berl=
iner Deutsche, sondern s=E4chsische Deutsche[,] und in unserem deutschen Va=
terlande wollen und werden wir Sachsen sein und bleiben, sowohl staatlich a=
ls auch wirtschaftlich."

</p><p align=3D"CENTER"><b>*</b>
</p><p>Dank seiner soliden wirtschaftlichen Grundlagen konnte sich der S=E4=
chsische Heimatschutz auch in der Weltwirtschaftskrise noch relativ gut beh=
aupten. Als die Nationalsozialisten im M=E4rz 1933 auch in Sachsen die Scha=
ltstellen der Macht eroberten, stellte der Landesverein einen gesellschaftl=
ichen Faktor dar, an dem die neuen Machthaber nicht einfach vor=FCbergehen =
konnten. Ihre Bem=FChungen, mit dem S=E4chsischen Heimatschutz ins Gesch=E4=
ft zu kommen beziehungsweise ihn unter ihre Kontrolle zu bringen, vollzogen=
 sich in drei Schritten, von denen der erste zwischen 1933 und 1936 stattfa=
nd, der zweite zwischen 1936 und 1940 und der letzte in den Kriegsjahren se=
it 1940.
</p><p>F=FCr die erste Phase lassen sich drei Ans=E4tze einer Gleichschaltu=
ng des Landesvereins feststellen, die nicht miteinander koordiniert waren u=
nd die letztlich so gegeneinander ausgespielt werden konnten, dass die Hand=
lungsfreiheit der Vereinsf=FChrung weitgehend erhalten blieb. So bekundete =
der Vorstand im Juli 1933 seine Gleichschaltung, die wie die der meisten an=
deren Kulturvereine rein formaler Natur war. Der Vereinsvorsitzende Oskar S=
eyffert mutierte zum Vereinsf=FChrer und blieb ebenso im Amt wie sein Gesch=
=E4ftsf=FChrer Werner Schmidt, ohne dass einer von beiden der NSDAP angeh=
=F6rte. Ihnen war jedoch bewusst, dass der Bestand des Vereins mit diesen k=
osmetischen Korrekturen noch nicht gesichert war. Die akuteste Gefahr sah d=
ie Vereinsf=FChrung in der Aufspaltung ihrer weitgespannten Vereinsaktivit=
=E4ten in mehrere Unterorganisationen, die sie ihres traditionell gro=DFen =
Einflusses beraubt h=E4tte. Sie tat daher, was sie konnte, um sich der NSDA=
P als zuverl=E4ssiger Partner anzudienen und auf die gemeinsamen Wurzeln im=
 v=F6lkischen Denken zu verweisen.
</p><p>Der zweite Ansatz zur Gleichschaltung ging von den parteinahen Kultu=
rorganisationen aus, die sich nach der Machtergreifung daran machten, das b=
estehende Vereinswesen in ihre Strukturen zu absorbieren. Am aktivsten erwi=
es sich unter ihnen der 1929 von Alfred Rosenberg gegr=FCndete "Kampfbund f=
=FCr deutsche Kultur", der allerdings keinen offiziellen Parteiauftrag hatt=
e und sich unerwartet der Konkurrenz einer weiteren Kulturorganisation gege=
n=FCbersah. Mit dem Segen des Stellvertreters des F=FChrers Rudolf He=DF tr=
at Mitte 1933 der sogenannte "Reichsbund Volkstum und Heimat" auf den Plan,=
 der unter der Leitung des damals gerade 23-j=E4hrigen Studenten Werner Geo=
rg Haverbeck beanspruchte, alle regionalkulturellen Organisationen in seine=
 Reihen aufnehmen zu wollen. Das organisatorische Konzept, das Haverbeck vo=
rstellte, sah einen vielfach gegliederten, zentralistischen Aufbau vor, der=
 sich bis in den letzten Winkel Deutschlands erstrecken sollte.
</p><p>War in dieser Organisation theoretisch gar kein Platz f=FCr regional=
e Sonderorganisationen, erwies es sich schon schnell, dass Haverbecks Pl=E4=
ne weder praktikabel noch finanzierbar waren. Zwar trat der Deutsche Bund H=
eimatschutz dem "Reichsbund Volkstum und Heimat" mit den meisten seiner Lan=
desverb=E4nde bei, aber allein schon durch die Masse seiner Mitglieder erhi=
elt er ein so starkes Gewicht in der Gesamtorganisation, dass er sich fakti=
sch ihrer Kontrolle entzog. Wenn Haverbeck auch stets das Gegenteil behaupt=
ete, war der "Reichsbund Volkstum und Heimat" zu keinem Zeitpunkt etwas and=
eres als eine Dachorganisation. Wie Karl Ditt schon in den achtziger Jahren=
 festgestellt hat, favorisierten die gro=DFen regionalkulturellen Verb=E4nd=
e eine Unterstellung unter den "Reichsbund Volkstum und Heimat" vor allem d=
eshalb, weil diese sie vor dem direkten Zugriff Rosenbergs und seines "Kamp=
fbunds f=FCr deutsche Kultur" bewahrte. Was auf nationaler Ebene galt, traf=
 erst recht auf regionaler Ebene zu. Wie die meisten seiner Bruderverb=E4nd=
e trat auch der Landesverein S=E4chsischer Heimatschutz dem "Reichsbund Vol=
kstum und Heimat" bei, ohne dass sich daraus irgendwelche Konsequenzen f=FC=
r seine Arbeit ergaben.
</p><p>Unabh=E4ngig von der Mitgliedschaft des Heimatschutzes im "Reichsbun=
d" unternahm die s=E4chsische Landesregierung Anfang 1934 einen weiteren An=
lauf, um den Landesverein in ihre Politik einzubeziehen. Die treibenden Kr=
=E4fte hinter dieser Politik waren offensichtlich weniger die f=FChrenden K=
=F6pfe der s=E4chsischen NSDAP als vielmehr Vertreter der alten Ministerial=
b=FCrokratie, die an einer Fortsetzung der guten Zusammenarbeit mit dem Hei=
matschutz interessiert waren. Erstes Resultat dieser Politik war das s=E4ch=
sische Heimatschutz-Gesetz vom Januar 1934, das die Arbeit des Vereins auf =
eine unanfechtbare rechtliche Grundlage stellte. In den folgenden beiden Ja=
hren etablierte sich daraufhin eine enge Kooperation mit dem s=E4chsischen =
Innenministerium auf den Gebieten Bauberatung, Natur- und Denkmalschutz. Di=
ese diente letztlich beiden Seiten. W=E4hrend der Landesverein seine Arbeit=
 mit offizieller Unterst=FCtzung fortsetzen konnte, nutzte die Landesregier=
ung die M=F6glichkeit, die Leistungen des Landesvereins als eigene Erfolge =
zu verbuchen. Das ging so lange gut, wie sich die NSDAP mit dem Status quo =
einer relativ unabh=E4ngigen Heimatbewegung abfand.
</p><p>Erste Ans=E4tze zu einer Neuorientierung bahnten sich schon seit 193=
4 an, als lokale Parteif=FChrer nicht ohne Erfolg versucht hatten, gr=F6=DF=
eren Einfluss auf den Erzgebirgsverein zu nehmen. Parallel dazu vollzog sic=
h die Eingliederung der meisten lokalen Vereine in die regionalen Unterorga=
nisationen von KdF, Deutschem Volksbildungswerk, NS-Kulturgemeinde und Bund=
 Deutscher Osten, was sie nicht automatisch zu willf=E4hrigen Gliederungen =
der Partei machte, aber doch f=FCr den Einfluss der NS-Kulturpolitik =F6ffn=
ete. Trotz dieses sukzessiven Eindringens der NSDAP in das Vereinswesen kon=
nte 1936 noch keine Rede davon sein, dass die sogenannte "Volkstumsarbeit" =
in Sachsen "in ihrer Haltung und Richtung von einer Stelle aus geleitet wir=
d", wie der s=E4chsische Vertreter von Rosenbergs "NS.-Kulturgemeinde" k=FC=
hn behauptete.
</p><p>Nachdem er ein Jahr zuvor auch die F=FChrung der s=E4chsischen Lande=
sregierung =FCbernommen hatte, ergriff der s=E4chsische Gauleiter und Reich=
sstatthalter Martin Mutschmann Anfang 1936 die Initiative f=FCr eine gro=DF=
angelegte politische Kampagne. Bald schon sollte sich herausstellen, dass e=
s diesmal nicht nur darum ging, ein besonders positives Bild des Landes zu =
zeichnen und die Sachsen zu gr=F6=DFerem Engagement f=FCr die Heimat anzusp=
ornen, sondern um die Durchsetzung eines kulturpolitischen Primats und eine=
r organisatorischen Unterordnung der bestehenden Heimatbewegung. Nach dem p=
ropagandistischen Auftakt der sogenannten "Sachsenaktion" wurde im Oktober =
1936 mit dem "Heimatwerk Sachsen" eines der ersten deutschen Gauheimatwerke=
 aus der Taufe gehoben. Anders als die Mehrzahl der erst im Krieg entstande=
nen regionalen Heimatwerke verband die s=E4chsische Gaukulturorganisation v=
on vornherein Propaganda und organisatorische Neugliederung. Liest man die =
satzungsm=E4=DFige Zweckbestimmung des formal als Verein gegr=FCndeten "Hei=
matwerks", wird schnell deutlich, warum beide Komponenten nicht voneinander=
 zu trennen waren. Dort hie=DF es: "Der Verein hat den Zweck, die s=E4chsis=
chen heimatlichen Belange auf allen Gebieten zu pflegen und zu f=F6rdern. E=
r ist der Mittelpunkt dieser Bestrebungen und soll f=FCr planm=E4=DFige Zus=
ammenarbeit gleich- oder =E4hnlich gerichteter Organisationen sorgen." Was =
so harmlos klang, war in Wirklichkeit eine Kriegserkl=E4rung an die Adresse=
 der bestehenden regionalkulturellen Dachorganisationen, die exakt dasselbe=
 Ziel verfolgten.
</p><p>Bei n=E4herem Hinsehen entpuppte sich der omin=F6se Verein "Heimatwe=
rk Sachsen" als eine Mega-Organisation, die nicht nur die f=FChrenden R=E4n=
ge der Partei und ihre Gliederungen, sondern alle gesellschaftlichen Kr=E4f=
te und damit letztlich - zumindest dem Anspruch nach - die gesamte s=E4chsi=
sche Bev=F6lkerung umfassen sollte, sofern sie den nationalsozialistischen =
Rassekriterien entsprach. In letzter Konsequenz sollte das "Heimatwerk" qua=
si die deutsche Volksgemeinschaft auf s=E4chsischem Boden konstituieren und=
 repr=E4sentieren. Das Grundger=FCst der Organisation stellten die Kreis- u=
nd Ortsgruppenleiter der Partei dar, die in Personalunion als Volkstums-, K=
reis- und Ortsbeauftragte des "Heimatwerks" fungierten. Ihre Anleitung erfo=
lgte durch eine in die S=E4chsische Staatskanzlei integrierte Abteilung, di=
e faktisch nur dem Gauleiter verantwortlich war.
</p><p>Die traditionellen regionalkulturellen Dachorganisationen sollten de=
n Pl=E4nen der "Heimatwerks"-Strategen zufolge mit einem Sitz in einem Weit=
eren Beirat abgespeist werden, der keinerlei Mitspracherecht bot und letztl=
ich nur ihrer Unterordnung diente. Dessen ungeachtet blieben der Landesvere=
in S=E4chsischer Heimatschutz und die Gebirgsvereine zun=E4chst als unabh=
=E4ngige Kulturorganisationen bestehen, wenn sie auch immer gr=F6=DFere Sch=
wierigkeiten hatten, sich gegen=FCber der =DCbermacht des "Heimatwerks" zu =
behaupten. Im Vergleich zum Erzgebirgsverein, der schon 1937 direkt an das =
"Heimatwerk" angeschlossen wurde, gelang es dem Heimatschutz noch bis 1940 =
seine organisatorische Autonomie zu bewahren. Erst nach dem Tod des greisen=
 Vereinsvorsitzenden bot sich den f=FChrenden K=F6pfen des "Heimatwerks" di=
e Chance, ihren eigenen Vorsitzenden gleichzeitig zum neuen F=FChrer des La=
ndesvereins w=E4hlen zu lassen. Diese Personalunion besiegelte die organisa=
torische Unterordnung des s=E4chsischen Heimatschutzverbandes, blieb prakti=
sch aber weitgehend wirkungslos. Der neue Vorsitzende, der schon im "Heimat=
werk" eher Aush=E4ngeschild als Vereinsf=FChrer war, erwies sich auch im La=
ndesverein als machtlos, die eingespielten Strukturen grundlegend zu ver=E4=
ndern. Das f=FChrte dazu, dass der s=E4chsische Heimatschutzverband seine K=
ernsubstanz bis zum Kriegsende relativ unbeschadet erhalten konnte, w=E4hre=
nd das politisch diskreditierte "Heimatwerk" nach dem 8. Mai 1945 keine =DC=
berlebenschance mehr hatte.
</p><p align=3D"CENTER"><b>*</b>

</p><p>Im Gegensatz zu den nationalsozialistischen Kulturpolitikern vom Sch=
lage Rosenbergs und Haverbecks fehlte den deutschen Kommunisten, die nach d=
er sowjetischen Besetzung Mitteldeutschlands die zentralen Verwaltungsfunkt=
ionen =FCbernommen hatten, zun=E4chst jedes Verst=E4ndnis f=FCr das Treiben=
 der regionalkulturellen Vereine. Diese gerieten nur deshalb ins Visier der=
 neuen Machthaber, weil sie ihnen wie alle b=FCrgerlichen Vereine als poten=
tielle Kristallisationskerne der politischen Reaktion galten, von denen Gef=
ahr f=FCr die angestrebte antifaschistisch-demokratische Umw=E4lzung ausgin=
g. Wurden die Vereine generell mit einer fortschrittsfeindlichen Haltung id=
entifiziert, so galt das in besonderem Ma=DFe f=FCr solche Vereine und Verb=
=E4nde, die direkt der NSDAP unterstanden hatten. Gegen diese hatten die La=
ndesverwaltungen mit dem Kontrollrats-Gesetz Nr. 2 =FCber die "Aufl=F6sunge=
n und Liquidation der Naziorganisationen" vom 10. Oktober 1945 und dem bere=
its am 29. September ergangenen SMAD-Befehl Nr. 80 eine eindeutige rechtlic=
he Handhabe. Diese Bestimmungen lie=DFen sich von der Landesverwaltung Sach=
sen beispielsweise gegen das "Heimatwerk Sachsen" und die Gebirgsvereine an=
wenden, die in ihrer Funktion als Wandervereine dem Nationalsozialistischen=
 Reichsbund f=FCr Leibes=FCbungen angeh=F6rt hatten.
</p><p>Beim Vorgehen der s=E4chsischen Kommunisten f=E4llt jedoch zweierlei=
 auf. Zum einen erfolgten ihre grundlegenden Entscheidungen =FCber Vereinsv=
erbote bereits zwei Monate vor der alliierten Beschlussfassung, und zum and=
eren gingen sie von vornherein =FCber den in den sowjetischen und alliierte=
n Bestimmungen genannten Rahmen hinaus. Durch einen ungl=FCcklichen Zufall =
war neben dem "Heimatwerk Sachsen" auch der Landesverein S=E4chsischer Heim=
atschutz in der Verordnung der s=E4chsischen Landesverwaltung vom 6. August=
 1945 genannt worden, die "die Beschlagnahme des nazistischen Verm=F6gens" =
verf=FCgte. Just in diesen Tagen hatte der Erste Vizepr=E4sident der Landes=
verwaltung, Kurt Fischer, einen Bericht =FCber das "Heimatwerk" erhalten, i=
n dem auch der Heimatschutz Erw=E4hnung fand. Ohne eigene Kenntnis der inne=
rs=E4chsischen Vorkriegsverh=E4ltnisse hatte Fischer als der eigentliche Ko=
pf der s=E4chsischen Landesverwaltung daraufhin den Landesverein auf die Li=
ste der zu liquidierenden Vereine gesetzt. Obwohl sein Vorgehen selbst in d=
er Landesverwaltung umstritten war, versteifte sich Fischer auf den Standpu=
nkt, "dass grunds=E4tzlich alle Vereine ausser den politischen Parteien, de=
n Gewerkschaften und dem Kulturbund verboten und aufgel=F6st sind." Da Fisc=
her und seine Mitstreiter nicht einfach ignorieren konnten, dass es f=FCr i=
hr Vorgehen keine besatzungsrechtliche Grundlage gab, wurden sie <i>nolens =
volens</i> zu den Vork=E4mpfern der Vereinsgesetzgebung in der Sowjetischen=
 Besatzungszone, die letztlich auf eine Unterdr=FCckung des unabh=E4ngigen =
Vereinswesens hinauslief. Bezeichnenderweise kam eine endg=FCltige Regelung=
 erst zustande, nachdem Kurt Fischer 1948 die Leitung der Deutschen Verwalt=
ung des Innern =FCbernommen hatte.
</p><p>Bis zu diesem Zeitpunkt lebten die regionalkulturellen Vereine wie a=
lle anderen Vereine auch in einem st=E4ndigen Bangen und Hoffen auf die ang=
ek=FCndigte Vereinsgesetzgebung und in einem rechtlichen Schwebezustand, de=
r ihre ohnehin schon durch den Krieg angegriffene Substanz weiter sch=E4dig=
te. Der Landesverein S=E4chsischer Heimatschutz befand sich dabei noch in e=
iner relativ komfortablen Situation, da er zwar offiziell durch den Ukas Fi=
schers verboten worden war, aber aufgrund wohlgesonnener F=FCrsprecher in d=
er Landesverwaltung eine neue Lebensfrist unter einem Treuh=E4nder erhielt.=
 Zumal die Vereinsf=FChrung diesen sogar mit bestimmen konnte, erfreute sie=
 sich zeitweilig gro=DFer Handlungsfreiheit, die allerdings dadurch eingesc=
hr=E4nkt wurde, dass f=FChrende kommunistische Funktion=E4re jede sich biet=
ende Gelegenheit nutzten, ihre Arbeit zu behindern. F=FCr sie war der Lande=
sverein S=E4chsischer Heimatschutz nichts anderes als ein Relikt vergangene=
r Zeiten, f=FCr dessen Anliegen sie nicht das geringste Verst=E4ndnis aufbr=
achten. Es war daher nur konsequent, dass die s=E4chsische Landesregierung =
seit 1948 auf eine z=FCgige Liquidation des Vereins zusteuerte, die ein Jah=
r sp=E4ter zum Abschluss kam.
</p><p>Parallel dazu hatte Kurt Fischer zusammen mit der Deutschen Verwaltu=
ng f=FCr Volksbildung im Januar 1949 eine Anordnung erlassen, derzufolge al=
le noch existierenden Kulturvereine in die offiziell zugelassenen Massenorg=
anisationen eingegliedert werden sollten. Ohne dass es zu einem Vereinsgese=
tz oder auch nur zu einem generellen Vereinsverbot durch die Sowjetische Mi=
lit=E4radministration gekommen war, sorgte Fischers und Wandels Verordnung =
f=FCr eine definitive Regelung des unabh=E4ngigen Vereinswesens, das damit =
zumindest theoretisch beseitigt wurde. W=E4hrend die nationalsozialistische=
n Machthaber nur vereinzelt mit dem Verbot b=FCrgerlicher Kulturvereine ged=
roht und diese zum Eintritt in die parteinahen Kulturorganisationen gedr=E4=
ngt hatten, griffen ihre kommunistischen Nachfolger wesentlich radikaler du=
rch, da sie die Vereine vorrangig als eine Gefahrenquelle f=FCr die soziali=
stische Transformation von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft sahen. Letz=
tlich kamen aber auch sie nicht um die Erkenntnis herum, dass man die Verei=
ne nicht einfach mit den Mitteln des Rechts verbieten konnte, ohne gleichze=
itig einen systemkonformen Ersatz anzubieten.
</p><p>Dar=FCber, wie die =DCbernahme der Vereine in die Massenorganisation=
en zu erfolgen h=E4tte, wie die neuen Mitglieder organisiert werden sollten=
 und welche Konsequenzen das f=FCr die Massenorganisationen haben werde, ga=
b es in Partei und Staat zum Zeitpunkt der zentralen Verordnung vom Januar =
1949 noch keine klar erkennbaren Vorstellungen. Zwar hatten sich auch schon=
 in den vorangegangenen Jahren einzelne Vereine den Massenorganisationen an=
geschlossen, aber deren Arbeit konnte schlecht als Modell f=FCr die massenw=
eise Integration festgef=FCgter Vereine mit zumeist jahrzehntelangen Tradit=
ionen dienen. Gerade der Kulturbund war von der Anordnung der Zentralverwal=
tungen in besonderer Weise betroffen, weniger wegen der Zahl der neuen Mitg=
lieder, die im FDGB und in der FDJ h=F6her lag, als vielmehr wegen seiner u=
ngenauen Funktionszuweisung. 1945 gegr=FCndet als Organisation der antifasc=
histischen Intelligenz, hatte er sich schon in seinen ersten Jahren zu eine=
m Sammelsurium von Arbeitsgemeinschaften entwickelt, die sich zwar alle zur=
 "Erneuerung der deutschen Kultur" bekannten, aber zumeist in Fortsetzung d=
er Tradition b=FCrgerlicher Bildungsvereine ihren Hobbys fr=F6nten und die =
Anordnungen der Berliner Bundesleitung so weit wie m=F6glich ignorierten. D=
er Zustrom zahlloser neuer Mitglieder - nicht zuletzt aus den regionalkultu=
rellen Vereinen - verst=E4rkte die im Kulturbund ohnehin schon vorhandene T=
endenz zur v=F6lligen Zersplitterung der Aktivit=E4ten, die sich schon 1949=
 kaum noch auf einen Nenner bringen lie=DFen.
</p><p>Um diesem Prozess entgegenzusteuern, gr=FCndete die Kulturbund-Bunde=
sleitung Ende 1949 eine neue Sektion "Natur und Heimat", die alle regionalk=
ulturellen Aktivit=E4ten im Kulturbund b=FCndeln und diese den kulturpoliti=
schen Zielen der Organisation unterwerfen sollte. Nach einem Vorlauf in Sac=
hsen, bei dem die neue Sektion explizit als fortschrittliche Alternative de=
s "Heimatwerks" und des Landesvereins S=E4chsischer Heimatschutz angepriese=
n wurde, erfolgte Ende 1950 die Ausdehnung auf die gesamte DDR. Mit einer e=
igenen zentralistischen Struktur aus Kommissionen und Delegiertenkonferenze=
n wurde die Natur- und Heimatfreunde-Bewegung zu einem festen Bestandteil d=
es Kulturbunds, der die kulturpolitischen Leitlinien vorgab und anschlie=DF=
end ihre Durchf=FChrung kontrollierte. Aber obwohl die ehemalige Heimatbewe=
gung damit in beispielloser Weise ihrer Unabh=E4ngigkeit beraubt war, bewah=
rten sich gerade in den lokalen Arbeitsgemeinschaften der Natur- und Heimat=
freunde betr=E4chtliche Handlungsspielr=E4ume, die sich gegen eine zentrali=
stische Bevormundung sperrten. W=E4hrend es den Kulturpolitikern des SED-St=
aats in hohem Ma=DFe gelang, die regionalen und zentralen Strukturen der He=
imatbewegung zu zerschlagen und durch leicht kontrollierbare neue Instituti=
onen abzul=F6sen, setzten die Natur- und Heimatfreunde-Arbeitsgemeinschafte=
n vor Ort fast nahtlos die Arbeit der ehemaligen Vereine fort.
</p><p align=3D"CENTER"><b>*</b>

</p><p>Nach der Darstellung der organisatorischen Unterordnung der Heimatbe=
wegung in beiden deutschen Diktaturen m=F6chte ich nun in einem zweiten Sch=
ritt skizzieren, worin sich die Heimat-Konstruktionen der verschiedenen una=
bh=E4ngigen und parteinahen regionalkulturellen Organisationen unterschiede=
n. Wie bereits einleitend angedeutet, zeichnete sich schon der Heimat-Begri=
ff der traditionellen Heimatbewegung in der Zwischenkriegszeit durch ein gr=
o=DFe Bedeutungsvielfalt aus. Sei es als Resultat unmittelbarer Kommunikati=
on vor Ort, sei es als vermittelte Konstruktion in den Identifikationsangeb=
oten der regionalen und nationalen Heimatorganisationen, zeichnete sich das=
 Bild der Heimat zumeist durch eine Verkl=E4rung der Herkunftslandschaft zu=
 einem Idyll aus, wo die Welt angeblich noch in Ordnung war und die vom For=
tschritt gestressten St=E4dter einen naturbelassenen "Kompensationsraum" fa=
nden, wie es der Volkskundler Hermann Bausinger einmal treffend formuliert =
hat. Je nach Blickwinkel konnte Heimat gleicherma=DFen das unmittelbare Umf=
eld, die eigene Gemeinde, die pers=F6nlich erfahrbare Umgebung, eine geogra=
phisch, historisch oder kulturell abgrenzbare Region, eine gr=F6=DFere Verw=
altungseinheit, wie etwa ein Bundesland und eine Provinz, oder letzten Ende=
s sogar das gesamte Volk und Staat beschreiben.
</p><p>Indem das Bekenntnis zur Heimatverbundenheit die Br=FCcke zwischen d=
em pers=F6nlichen Lebensraum und dem deutschen Volk in seiner Gesamtheit sc=
hlug, konnte Heimatbewusstsein zur elementaren Voraussetzung des Nationalbe=
wusstseins erkl=E4rt werden. Die Aussage, nur wer seine engere Heimat liebt=
, kann auch das gro=DFe Vaterland lieben, wurde quasi zum Credo der deutsch=
en Heimatbewegung. Wie dieses Bekenntnis aus der Perspektive der lokalen un=
d regionalen Heimatvereine jegliche Arbeit f=FCr den unmittelbaren Lebensra=
um als nationale Tat adelte, verkl=E4rten die auf nationaler Ebene operiere=
nden Heimatvereine und =96verb=E4nde die Schollengebundenheit zum Inbegriff=
 v=F6lkischen Daseins. Wenn sich die lokalen, regionalen und nationalen Hei=
mat-Konstruktionen auch darin unterschieden, dass sie entweder ganz konkret=
 an einen geographischen Raum gebunden waren oder sich auf nationaler Ebene=
 aus einem Set austauschbarer Heimat-Stereotypen zusammensetzten, standen s=
ie doch in einer st=E4ndigen Wechselbeziehung.
</p><p>Diese =F6ffnete die lokalen und regionalen Heimatvereine f=FCr v=F6l=
kisches Gedankengut, ohne dass man f=FCr die Zeit der Weimarer Republik sch=
on von einer vollst=E4ndigen Durchsetzung v=F6lkischer Prinzipien in der He=
imatbewegung sprechen kann. Enge Ber=FChrungspunkte gab es beispielsweise i=
n der Verkl=E4rung des Landlebens, der Bodenst=E4ndigkeit und der v=F6lkisc=
hen Gemeinschaft. Die in breiten Kreisen der deutschen Bev=F6lkerung verwur=
zelte Abneigung gegen die Parteiendemokratie der Weimarer Republik beg=FCns=
tigte den Glauben an die gemeinschaftsstiftende Kraft der Heimat, die angeb=
lich alle politischen und sozialen Gegens=E4tze =FCberbr=FCckte. Der f=FCr =
die v=F6lkische Bewegung charakteristische aggressive Rassismus machte sich=
 hingegen nur punktuell in den regionalen und lokalen Vereinen Sachsens bem=
erkbar. Das f=FChrte unter anderem dazu, dass sich die Hoffnungen der meist=
en s=E4chsischen Heimatorganisationen vor 1933 noch nicht auf die NSDAP ric=
hteten.
</p><p>Schuld an der mangelnden Attraktivit=E4t der NSDAP f=FCr die s=E4chs=
ische Heimatbewegung war zun=E4chst auch das offenkundige Desinteresse der =
s=E4chsischen Parteiorganisation an regionalkulturellen Fragen. Das =E4nder=
te sich erst nach der Machtergreifung, als einige der selbsternannten natio=
nalsozialistischen Kulturpolitiker versuchten, ihren F=FChrungsanspruch geg=
en=FCber der traditionellen Heimatbewegung zu legitimieren. Dabei deckten s=
ich Haverbecks und Rosenbergs Ideen von einer deutschen Volkskultur =FCber =
weite Strecken, wichen aber in markanten Punkten voneinander ab. F=FCr beid=
e stand das Ziel fest, durch die Schaffung einer einheitlichen Volkskultur =
an der Entstehung der nationalsozialistischen Volksgemeinschaft mitzuwirken=
. Beide stimmten auch darin =FCberein, dass die neue Volkskultur an alte vo=
lkskulturelle =DCberlieferungen ankn=FCpfen sollte, die angeblich durch den=
 Liberalismus zerst=F6rt worden waren und erst m=FChselig wieder freigelegt=
 werden mussten.
</p><p>W=E4hrend Rosenberg aber vorrangig daran interessiert war, die von i=
hren v=F6lkischen Wurzeln entfremdete Hochkultur wieder zu einer Kultur des=
 Volkes zu machen, ging es Haverbeck in erster Linie um eine Wiederbelebung=
 des heimatgebundenen Brauchtums. Galt dieses Rosenberg vor allem als Ausdr=
uck der vermeintlich versch=FCtteten einheitlichen deutschen Volkskultur, s=
o zeigte sich Haverbecks "Reichsbund Volkstum und Heimat" viel eher dazu be=
reit, die Besonderheiten der einzelnen Regionen anzuerkennen. Ausdruck daf=
=FCr war beispielsweise die regionale Gliederung des "Reichsbundes" in soge=
nannte "Heimatgebiete" und "Landschaften", die jeweils einem "Stammesgebiet=
" entsprechen und der Idee nach die "Tr=E4ger der praktischen Arbeit" sein =
sollten. "Auf den Landschaften, wie sie sich ergeben aus Blut und Boden, au=
s Sprache, Hof und Brauch," so das Mitteilungsblatt Haverbecks, "baut sich =
die Organisation des =82Reichsbundes=92 auf. Die deutsche Einheit entsteht =
nicht durch das Verleugnen aller Stammesgebiete und Heimatgebiete, sondern =
durch ihre Eingliederung derselben in ein Volk und Reich. Aus der Landschaf=
t w=E4chst der Stamm zu Volk und Reich. Es ist die Aufgabe des Nationalsozi=
alismus, alles organisch Gewachsene zusammenzuf=FChren und zusammenzuschwei=
=DFen in einer Organisation, welche jede Eigenart ber=FCcksichtigt und denn=
och Ausdruck ist eines einheitlichen, zielbewussten Wollens." Derartige For=
mulierungen konnte auch die traditionelle Heimatbewegung unterschreiben, da=
 sie ihren Bestand garantierten und weitgehend ihren eigenen Heimat-Vorstel=
lungen entsprachen.
</p><p>Nachdem einige erzgebirgische NSDAP-Kreisleitungen 1934 begonnen hat=
ten, eigene regionale Identifikationsangebote mit spezifisch nationalsozial=
istischen Inhalten zu propagieren, griff die s=E4chsische Gauleitung diesen=
 Impuls 1936 mit der "Sachsenaktion" und der Gr=FCndung des "Heimatwerks Sa=
chsen" auf. Das Sachsen-Bild, das die Strategen der S=E4chsischen Staatskan=
zlei konstruierten, richtete sich vordergr=FCndig gegen eine vermeintliche =
Geringsch=E4tzung Sachsens im Reich. Um dieser entgegenzuwirken, portr=E4ti=
erten sie die Sachsen als eine optimale Blutsmischung aller deutschen St=E4=
mme, die sich im Zuge der mittelalterlichen Ostkolonisation herausgebildet =
hatte. "Wohl nirgends wie hier", so das Redner-Material der "Sachsen-Aktion=
", "finden sich so viele arbeitsz=E4he und stahlharte, flei=DFige und geist=
ig bewegliche Willensnaturen, die nach der Erf=FCllung ihrer Arbeitspflicht=
en auch beschaulich, gem=FCtstief und humorvoll sein k=F6nnen. In ihnen ver=
bindet sich der Heimatsinn eines alt=FCberkommenen deutschen Bluterbes mit =
der Weit-Sicht des obers=E4chsischen Siedlerstammes und der Kampfh=E4rte de=
s Grenzervolkes. Das Sachsenvolk hat nicht nur die schicksalsreiche tausend=
j=E4hrige Geschichte seiner Grenzlandheimat soldatisch gemeistert, sondern =
hat sich auch zu werkt=E4tigen Sch=F6pfern eines Wirtschafts- und Industrie=
gebietes erster Ordnung durchgerungen. Dar=FCber hinaus geniesst es den Ruf=
, das Volkstum der grossen Denker und Dichter, der religi=F6sen Gr=FCbler u=
nd K=FCnstler, nicht zuletzt der genialen Musiker zu sein." Als Idealbild d=
er ohnehin schon idealen Sachsen galten den Vordenkern des "Heimatwerks" di=
e angeblich besonders bodenverwurzelten Bewohner des Erzgebirges, in denen =
sie bereits die Keime der zuk=FCnftigen nationalsozialistischen Volksgemein=
schaft zu erkennen glaubten.
</p><p>Wie Mutschmann und seine Mitstreiter nicht m=FCde wurden zu betonen,=
 ging es ihnen nicht alleine um eine Aufwertung Sachsens, sondern um die F=
=F6rderung des Heimatstolzes als Grundvoraussetzung des Nationalstolzes. In=
dem den Sachsen die Leistungen ihres Landes und ihrer Vorfahren bewusst gem=
acht wurden, sollten sie zum Engagement f=FCr ihre engere Heimat und die Po=
litik des Nationalsozialismus im Reich mobilisiert werden. Nutzte die Propa=
ganda des "Heimatwerks" schon in der Verwendung des Heimat-Begriffs die Arg=
umentationsmuster der deutschen Heimatbewegung, so teilte sie auch deren Id=
ealisierung l=E4ndlicher Lebensformen und Traditionen. Indem die Bev=F6lker=
ung sowohl auf dem Land als auch in der Stadt zur Pflege mehr oder minder t=
raditioneller Br=E4uche angehalten wurde, sollte sie sich ihrer v=F6lkische=
n Wurzeln bewusst werden und damit ganz im Sinne Haverbecks =FCber die Heim=
atbindung zu Gliedern der neuen deutschen Volksgemeinschaft werden. Ganz ge=
zielt kn=FCpfte die Konzeption des "Heimatwerks" an bekannte Heimat-Stereot=
ypen an, die nun mit explizit nationalsozialistischen Inhalten ausgef=FCllt=
 wurden.
</p><p>Nicht nur die Instrumentalisierung der traditionellen Heimat-Vorstel=
lungen durch die Nationalsozialisten, sondern auch ihre weltanschauliche Di=
stanz zu den Anliegen der alten Heimatbewegung lie=DFen die deutschen Kommu=
nisten nach 1945 mit abgrundtiefem Misstrauen auf die regionalen und lokale=
n Heimatvereine herabblicken. Ihre einseitige Fixierung auf die Sowjetkultu=
r und die Kultur der deutschen Klassik als Ausdruck der nationalen Einheit =
stellte jede Thematisierung regionalkultureller Besonderheiten zwangsl=E4uf=
ig unter den Verdacht des Partikularismus und Revanchismus, die fast automa=
tisch mit der Politik in den Westzonen identifiziert wurden. Erst die zwang=
sweise Integration der Vereine in die Massenorganisationen seit 1949 zwang =
die kommunistischen Kulturpolitiker dazu, sich offen mit dem Thema "Heimat"=
 zu besch=E4ftigen.
</p><p>Konnten sich die Nationalsozialisten in ihrer Volksgemeinschafts-Pro=
paganda auf den traditionellen deutschen Heimat-Begriff berufen, der eine H=
armonisierung aller sozialen Gegens=E4tze in der gemeinsamen Besinnung auf =
die Werte der Heimat verhie=DF, verlangte der historische Materialismus gen=
au die =DCberwindung dieses Konzepts, da es den Pr=E4missen des Marxismus-L=
eninismus zufolge die antagonistischen Klassengegens=E4tze leugnete. An die=
 Stelle der b=FCrgerlichen Heimat-Konzeption sollte daher ein "sozialistisc=
her Heimatbegriff" treten, der Heimatbewusstsein von der Eigentumsordnung a=
bh=E4ngig machte. Erst die Enteignung der Junker und Fabrikbesitzer und die=
 Durchsetzung des Volkseigentums in der DDR, so die Argumentation der SED-V=
ertreter, erm=F6glichten es der werkt=E4tigen Bev=F6lkerung, dass sie von e=
iner eigenen Heimat sprechen konnten. Zur sozialistischen Heimat geh=F6rten=
 dementsprechend nicht nur die zu Idyllen verkl=E4rten Naturr=E4ume b=FCrge=
rlicher Heimat-Konstruktionen, sondern von vornherein auch die volkseigenen=
 Betriebe, in denen sich die vom Joch des Kapitalismus befreiten DDR-B=FCrg=
er am sozialistischen Aufbau beteiligen sollten.
</p><p>Trotz aller weltanschaulichen Unterschiede erf=FCllte der sozialisti=
sche Heimat-Begriff eine analoge Funktion wie sein nationalsozialistischer =
Vorg=E4nger. Beide legitimierten nicht nur zentrale politische Ziele wie di=
e NS-Volksgemeinschaft auf der einen und die sozialistische Eigentumsordnun=
g auf der anderen Seite, sondern leiteten daraus auch eine Verpflichtung zu=
m pers=F6nlichen Engagement f=FCr die jeweilige politische Ordnung und ihre=
 milit=E4rische Verteidigung ab. Damit standen sie in der Tradition der sei=
t der Reichsgr=FCndung feststellbaren Bestrebungen, die emotionale Verbunde=
nheit mit dem als Heimat definierten Lebensumfeld auf die gesamte Nation zu=
 =FCbertragen, um sie f=FCr politische Aufgaben instrumentalisieren zu k=F6=
nnen.
</p><p>Der wichtigste Unterschied zwischen nationalsozialistischem und real=
sozialistischem Heimat-Begriff bestand in der Thematisierung der Region. W=
=E4hrend Region und Nation beispielsweise in der Propaganda des "Heimatwerk=
s Sachsen" als komplement=E4re Bezugsgr=F6=DFen der Kultur charakterisiert =
wurden, sorgte die einseitige Orientierung der kommunistischen Kulturpoliti=
ker an der einheitlichen deutschen Nationalkultur daf=FCr, dass die Berecht=
igung regionaler Pr=E4gungen der Kultur zun=E4chst bestritten und der Versu=
ch unternommen wurde, regionalkulturelle Aktivit=E4ten auf den lokalen Rahm=
en zu beschr=E4nken. Das fand beispielsweise darin seinen Niederschlag, das=
s sich die Arbeit der Natur- und Heimatfreunde in den ersten Jahren nur auf=
 Orts- und Kreisebene entfalten konnte, w=E4hrend die regionalen Anleitungs=
organe auf Landes- bzw. Bezirksebene eng in das zentralistische Korsett ein=
gebunden waren. Mit der Einrichtung regionaler Arbeitsgemeinschaften und He=
imatzeitschriften seit der Mitte der f=FCnfziger Jahre zeichnete sich aber =
auch in diesem Punkt ein Wandel ab.
</p><p align=3D"CENTER"><b>*</b>
</p><p>Im abschlie=DFenden Teil soll es um die Frage gehen, wie stark sich =
die Heimat-Propagandisten beider deutscher Diktaturen mit ihren ideologisch=
 bestimmten Heimat-Konstruktionen durchsetzen konnten und inwieweit es ihne=
n gelang, die traditionelle Heimatbewegung f=FCr ihre Ziele einzuspannen. N=
immt man die Relevanz der Region zum Ma=DFstab, f=E4llt auf, dass sowohl na=
tionalsozialistische als auch kommunistische Kulturpolitiker nicht umhin ka=
men, deren hohen Stellenwert f=FCr die Heimataktivisten anzuerkennen. Genau=
so wenig wie der "Reichsbund Volkstum und Heimat" seinen zentralistischen A=
ufbau gegen die Interessen der etablierten Heimatschutzverb=E4nde durchzuse=
tzen vermochte, konnten die Kulturbund-Leitungen auf Dauer das Bed=FCrfnis =
der Natur- und Heimatfreunde-Arbeitsgemeinschaften nach geeigneten regional=
en Foren ignorieren. Da die Kulturfunktion=E4re bei der Propagierung des "s=
ozialistischen Heimatbegriffs" auf deren Mitarbeit angewiesen waren, musste=
n sie ihnen zumindest zeitweilig Konzessionen machen.
</p><p>Wie stark die jeweilige Heimat-Propaganda beider Diktaturen von der =
Bev=F6lkerung rezipiert und akzeptiert wurde, l=E4sst sich nur anhand einze=
lner Indizien feststellen. Wenn Karl Ditt f=FCr Westfalen festgestellt hat,=
 dass die starke Politisierung der Heimatbewegung nach der nationalsozialis=
tischen Machtergreifung von der Bev=F6lkerung mit wachsendem Desinteresse a=
n Heimatveranstaltungen quittiert wurde, so deutet sich ein =E4hnlicher Bef=
und f=FCr Sachsen an. Aufgrund des relativ geringen Einflusses der parteina=
hen Kulturorganisationen vor 1936 setzte die eigentliche Politisierung erst=
 mit der Gr=FCndung des "Heimatwerks Sachsen" ein, das bei weitem nicht die=
 Resonanz fand, die sich seine Initiatoren erhofft hatten. Wenn sie sich in=
 ihren Berichten auch immer wieder ihren Erfolg attestierten, blieben der A=
bsatz der "Heimatwerks"-Publikationen und die Mitgliederzahlen doch weit hi=
nter den Erwartungen zur=FCck. Zum Leidwesen der S=E4chsischen Staatskanzle=
i erreichte das "Heimatwerk" trotz massiver Unterst=FCtzung von Staat und P=
artei zu keinem Zeitpunkt den Mitgliederstand des Landesvereins S=E4chsisch=
er Heimatschutz. Ohne dass sich daraus eindeutige R=FCckschl=FCsse auf die =
Breitenwirkung seiner Propaganda ableiten lassen, f=E4llt doch auf, dass di=
e Gaukulturorganisation gerade dann besonders erfolgreich war, wenn sie bei=
spielsweise bei Ausstellungen oder der F=F6rderung von Volkskunstgruppen au=
f eine offensichtliche Politisierung verzichtete. Mochten die Strategen des=
 "Heimatwerks" darin auch einen ersten Schritt zur weltanschaulichen Erzieh=
ung der Bev=F6lkerung sehen, spricht doch einiges daf=FCr, dass die Adressa=
ten der Propaganda die kulturellen Angebote entsprechend ihren jeweiligen I=
nteressen interpretierten.
</p><p>Dasselbe l=E4sst sich mit leichten Abstrichen auch f=FCr die Natur- =
und Heimatfreunde-Organisation der DDR sagen. W=E4hrend diese aufgrund der =
ver=E4nderten strukturellen Voraussetzungen viel gr=F6=DFeren Zulauf hatte =
als das "Heimatwerk", machten sich die Ideologen in den Kulturbund-Leitunge=
n keine Illusionen dar=FCber, wie gering der Einfluss ihrer sozialistischen=
 Heimat-Konstruktion noch Ende der f=FCnfziger Jahre war. Eine Konferenz, d=
ie im Juni 1958 eigens zu diesem Thema einberufen wurde, kam zu dem ern=FCc=
hternden Ergebnis, dass das traditionelle Heimatverst=E4ndnis nach wie vor =
in der gesamten werkt=E4tigen Bev=F6lkerung dominierte und keine Rede davon=
 sein konnte, dass die Arbeiter aus sozialistischer Heimatliebe an die Werk=
b=E4nke eilten.
</p><p>Wenn die organisierten Natur- und Heimatfreunde auf dieser Konferenz=
 als Vork=E4mpfer des sozialistischen Heimatbegriffs stilisiert wurden, zeu=
gte das von einem stark getr=FCbten Wahrnehmungsverm=F6gen, denn gerade die=
 =F6rtlichen Arbeitsgemeinschaften sperrten sich in der Mehrzahl aller F=E4=
lle gegen eine Politisierung ihrer durchweg freiwilligen Arbeit. Nur wenn s=
ie eine Aufgabe selbst f=FCr sinnvoll hielten, waren sie auch bereit sich z=
u engagieren. Auf offensichtliche Bevormundungen reagierten sie oft damit, =
dass sie ihre T=E4tigkeit einfach einstellten. Die grunds=E4tzliche Beseiti=
gung des unabh=E4ngigen Vereinswesens seit 1949 gab der SED und ihren Masse=
norganisationen zwar weitreichende M=F6glichkeiten, in die regionalkulturel=
le Arbeit einzugreifen und neue Strukturen zu etablieren, aber schon kurz n=
ach der Gr=FCndung der Natur- und Heimatfreunde-Organisation mussten ihre F=
unktion=E4re feststellen, dass deren lokale Arbeitsgemeinschaften nicht nur=
 die Tradition der Heimatvereine fortsetzten, sondern sich auch genauso eig=
ensinnig verhielten. Trotz finanzieller Abh=E4ngigkeit und personeller Eing=
riffe, trotz zentraler Arbeitspl=E4ne, Instruktionen und Kontrollen verteid=
igten sie ihre verbliebenen Handlungsspielr=E4ume mit Z=E4hnen und Klauen.
</p><p>Im Gegensatz zu ihren einheitssozialistischen Nachfolgern zeigten si=
ch die NS-Kulturpolitiker prinzipiell daran interessiert, die vorhandenen S=
trukturen f=FCr sich arbeiten zu lassen. Sie beschr=E4nkten sich daher dara=
uf, die Heimatbewegung in ihre parteinahen Kulturorganisationen zu integrie=
ren, um sie besser kontrollieren und steuern zu k=F6nnen. Solange sie den H=
eimatvereinen und ihren f=FChrenden K=F6pfen genug Freir=E4ume lie=DFen, ih=
ren eigenen Interessen nachzugehen, zeigten sich diese in fast allen F=E4ll=
en kooperationsbereit. F=FCr die sp=E4ten drei=DFiger Jahre kann man dar=FC=
ber hinaus feststellen, dass der st=E4ndige osmotische Druck, dem die Verei=
ne in der ideologischen Umarmung der parteinahen Organisationen ausgesetzt =
waren, zu ihrer schrittweisen Assimilation an die rassistisch gepr=E4gten K=
ulturvorstellungen der NSDAP f=FChrte. Gerade weil den einzelnen Vereinen u=
nd in abgeschw=E4chter Form auch den Natur- und Heimatfreunde-Arbeitsgemein=
schaften organisatorische Freir=E4ume und Spielr=E4ume f=FCr eigensinnige I=
nterpretationen ihres Handelns belassen wurden, zeigten sie sich =FCber wei=
te Strecken kooperationsbereit und trugen damit mehr oder weniger bewusst z=
ur sozialen Stabilisierung beider Diktaturen bei.
<!-- START END -->
</p><hr>
<font size=3D"-2">
=A9 <a href=3D"mailto:wwwadm@www.fes.de">Friedrich Ebert Stiftung</a>
| <a href=3D"https://library.fes.de/fulltext/historiker/support.html">techn=
ical support</a> | net edition=20
<a href=3D"mailto:walter.wimmer@fes.de">fes-library</a> | April 2003
</font></td></tr></tbody></table>
<!-- END END -->

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