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Subject: Kurzbericht aus dem Referat Asien und Pazifik
Date: Wed, 7 May 2025 15:27:07 +0200
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Asien und Pazifik">

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 Asia, Entwicklungspolitik, international development cooperation, internat=
ionale Zusammenarbeit, international cooperation">

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   <title>Kurzbericht aus dem Referat Asien und Pazifik</title>

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</head>

<body>



<h3>

Chronik eines angek=FCndigten Putsches</h3>



<p><br>von Beate Martin, FES Manila, August 2003

</p><p>Der Putschversuch kam nicht v=F6llig =FCberraschend, da schon

wochenlang Putschger=FCchte kursierten. Und bis zu den Wahlen im Mai

2004 werden durchaus noch weitere Putschversuche erwartet.

</p><p>Pr=E4sidentin Arroyo hatte nur wenige Stunden vor dem ersten Putschv=
ersuch

seit 14 Jahren, die Festnahme von einer Gruppe desertierter Offiziere und

Soldaten angeordnet. Mitglieder dieser Gruppe hatten an dem Putschversuch

teilgenommen. Bereits einige Tage vorher gab es Presseerkl=E4rungen,

in denen diese Gruppe sich als Soldaten der Nation' bezeichnete, die allgeg=
enw=E4rtige

Korruption verurteilte und drohte, eine Ver=E4nderung notfalls mit Gewalt

herbeizuf=FChren.

</p><p>Die Philippinen haben eine ganze Serie von Putschversuchen in den ac=
htziger

Jahren erlebt. Das Milit=E4r war dabei immer der wichtigste Machtfaktor.

Manchmal gen=FCgte schon die Androhung eines weiteren Putschversuchs,

um erfolgreich Einfluss auf die Politik zu nehmen. Noch heute kann sich

kein Pr=E4sident an der Macht halten, ohne sich der Zustimmung des Milit=E4=
rs

sicher zu sein. Das Milit=E4r ist jedoch in diverse, konkurrierende

Gruppen aufgespalten und hoffnungslos reformbed=FCrftig.

</p><p><b>27. Juli 2003&nbsp; Der 'Makati-Aufstand'</b>

</p><p>Rund 300 junge Soldaten, darunter 70 Offiziere haben in der Nacht zu=
m

Sonntag, dem 27. Juli den Oakwood Geb=E4udekomplex (Hotel, Appartments,

B=FCros, Shopping) in Makati im Zentrum von Metro Manila besetzt gehalten.

Es handelte sich um gut ausgebildete und intelligente Abg=E4nger der

philippinischen Milit=E4rakademie der Jahrgangs 1995. Um ihren Forderungen

Nachdruck zu verleihen, hatten sie den Zugang des Geb=E4udekomplexes

mit Sprengstoff blockiert. Ausl=E4nder, inklusive der australischen

Botschafterin, durften allerdings das Geb=E4ude mitten in der Nacht

unbeschadet verlassen. Oakwood war schon mal Ziel eines Putsches in 1989

gegen Corazon Aquino.

</p><p>W=E4hrend des 19-st=FCndigen Ausnahmezustands ist kein einziger

Schuss ist gefallen. Die Belagerung konnte nach mehrst=FCndigen Verhandlung=
en

friedlich aufgel=F6st werden. Schwer bewaffnete, regierungstreue Truppen

hatten das gesamte Gebiet umstellt. Die Aufst=E4ndler gaben schlie=DFlich

auf, nachdem zwei Ultimaten verstrichen waren und die erhoffte Unterst=FCtz=
ung

seitens der Zivilbev=F6lkerung ausgeblieben war. Sie demontierten die

Sprengstoffpakete und lie=DFen sich in eine Kaserne bringen.

</p><p>Die Anf=FChrer des Putschversuches sind der Marineoffizier Lt. Senio=
r

Grade Antonio F. Trillanes IV, der Armee Kapit=E4n Milo D. Maestrocampo

und Marine Lt. Senior Grade Gerardo O.Gambala. Sie nennen sich auch die

Magdalo Gruppe (in Anspielung auf einen historischen Freiheitsk=E4mpfer.

Trillanes ist Absolvent des National College of Public Administration and

Governance der University of the Philippines. W=E4hrend seiner Studienzeit

hat er zwei Arbeiten =FCber diverse Korruptionsf=E4lle im philippinischen

Milit=E4r (Armed Forces of the Philippines/AFP) geschrieben.

</p><p>Die Magdalo-Gruppe hat w=E4hrend der Belagerung von Oakwood einige

beeindruckende 'Pressekonferenzen' gegeben. Die jungen Offiziere zeigten

sich sehr bewegt und engagiert. Gleich zu Anfang versuchten sie klarzustell=
en,

dass sie weder Gewalt anwenden noch die Macht im Staat =FCbernehmen

wollten. Sie wollten v.a. eklatante Missst=E4nde in der Armee und im

Staat =F6ffentlich machen und sicherstellen, dass so bald wie m=F6glich

effektive Ma=DFnahmen zur Verbesserung der aktuellen Situation ergriffen

w=FCrden. Ob sie dabei politisch benutzt wurden oder ihrerseits Politiker

f=FCr ihre Interessen einspannen wollten, bleibt noch unklar.

</p><p><b>Die Forderungen im Einzelnen:</b>

</p><ul>

<li>

R=FCcktritt der Pr=E4sidentin Arroyo und des Verteidigungsministers

Angelo Reyes</li>



<li>

R=FCcktritt des Geheimdienstchefs General Corpus</li>



<li>

Bek=E4mpfung der Korruption im Milit=E4r und in staatlichen Institutionen</=
li>



<li>

Beendigung der Waffenverk=E4ufe an muslimische und kommunistische Rebellen

(MILF, NPA, Abu Sayyaf) seitens einiger Milit=E4rs und der Inszenierung

von Anschl=E4gen (Bombenanschl=E4ge in Davao City im M=E4rz und

April 2003) mit dem Ziel weitere Milit=E4runterst=FCtzung der USA

zu erhalten</li>



<li>

Bessere Bezahlung und Ausr=FCstung f=FCr die Soldaten</li>

</ul>

Richtig ist, dass die Soldaten insbesondere in Mindanao unter schwierigsten

Bedingungen arbeiten m=FCssen. Sie setzen sich daher f=FCr ihre legitimen

Interessen ein wie z.B. bessere Bezahlung und Unterkunft. Ein Soldat verdie=
nt

nur gut 100 US-Dollar im Monat. Die Regierung hat immer wieder beteuert,

dass sie sich dieser Probleme annehmen und eine L=F6sung finden werde.

Es ist jedoch tats=E4chlich nie etwas passiert.

<p>Es wurde beklagt, dass einige Milit=E4rs Waffen und Munition an die

Rebellengruppen MILF, NPA, Abu Sayyaf in Mindanao verkaufen. Diese Anschuld=
igungen

sind nicht neu. Zuletzt hatte Marcia Burnham, US-Amerikanerin, die Abu

Sayyaf Geisel war, dieselben Vorw=FCrfe =F6ffentlich gemacht und

in ihrem Buch niedergeschrieben. Arroyo hat auch diese Vorw=FCrfe durch

eine Untersuchungskommission erforschen lassen, die bisher jedoch keine

greifbaren Ergebnisse vorgelegt hat. Trillanes hat in seinen Studien einige

konkrete Beispiele aufgelistet. Die Parteilistenabgeordnete von Akbayan

Etta Rosales hat in ihrer Rede am 29.07. im Parlament darauf Bezug genommen=
.

Da sie selbst Tochter eines Marineoffiziers ist, kennt sie die seit langem

bekannten Missst=E4nde in den AFP sehr gut.

</p><p>Dar=FCber hinaus werden immer wieder F=E4lle schwerwiegender Korrupt=
ion

in den AFP bekannt, die jedoch in der Regel nicht aufgekl=E4rt werden

und f=FCr die niemand sich verantworten muss.

</p><p>Am folgenden Sonntag, dem 3.August h=E4uften sich die Ger=FCchte

und Textmessages auf den Handys, dass es noch einen zweiten Putschversuch

geben w=FCrde. Es hie=DF, dass diesmal der Aufstand vor den Toren

der Hauptstadt stattfinden w=FCrde. Tats=E4chlich ist es jedoch zu

keinem Zeitpunkt zu einer gr=F6=DFeren Ansammlung von Gruppen gekommen.

Viele vermuten, dass diese Ger=FCchte eher dazu dienten, die politische

Instabilit=E4t weiter zu sch=FCren.

</p><p>Bis zum 11. August herrschte ein mittlerer Ausnahmezustand. Unterneh=
mer

und Politiker forderten mehrfach die sofortige Beendigung des Ausnahmezusta=
nds,

da er die Wirtschaftsaktivit=E4ten behindere. Die Lage ist nun soweit

ruhig. Die Sicherheitsma=DFnahmen wurden in der gesamten Stadt verst=E4rkt

und in das Milit=E4rlager der Hauptstadt Camp Aguinaldo wurden zus=E4tzlich=
e,

gut bewaffnete Truppen verlegt.

</p><p>Bisher ist es zwar gelungen eine friedliche L=F6sung des Soldatenauf=
stands

am 27. Juli zu finden und die Lage weitestgehend unter Kontrolle zu halten.

Die eigentlichen Motive f=FCr die Putschversuche sind jedoch noch nicht

klar und ebenso wenig konnten bisher die eigentlichen R=E4delsf=FChrer

identifiziert werden. Nach und nach kommen weitere Details ans Tageslicht,

die m=F6glicherweise Aufschluss =FCber die Hintergr=FCnde des

Aufstands geben k=F6nnen.

</p><p><b>Der Wahlkampf f=FCr die Pr=E4sidentschaftswahlen im Mai 2004

hat begonnen</b>

</p><p>Der Pr=E4sidentschaftswahlkampf hat l=E4ngst begonnen und alle

m=F6glichen Konspirationstheorien brodeln in der Ger=FCchtek=FCche.

Derzeit werden die unterschiedlichsten Erkl=E4rungsversuche genannt.

</p><ul>

<li>

M=F6glicherweise wurde der Coup von Politikern inszeniert, die die Regierun=
g

Arroyo nur schw=E4chen, aber nicht vollst=E4ndig st=FCrzen wollten.</li>



<li>

Manche vermuten einen blinden Idealismus der jungen Offiziere, die sich

von einem oder mehreren Politikern der Opposition haben missbrauchen lassen=
.</li>



<li>

Andere wiederum mutma=DFen, dass ohnehin Estrada und seine Gefolgsleute

hinter allem stecken.</li>



<li>

Ebenso wird spekuliert, dass die Magdalo-Gruppe mit Senator Honasan zusamme=
n

plante, eine Milit=E4rjunta mit ihm an der Spitze einzusetzen.</li>

</ul>

Die Ambitionen von Senator Gregorio 'Gringo' Honasan als Pr=E4sident

im Mai 2004 zu kandidieren sind un=FCbersehbar. Nur wenige Tage vorher,

am 10. Juli hatte er seine Pr=E4sidentschaftskandidatur =F6ffentlich

erkl=E4rt und sein 'National Recovery Program' (NRP) vorgestellt. Angeblich

ist er Mitautor eines Papiers, in dem von einem Plan die Rede war, die

Arroyo-Regierung zu st=FCrzen und eine 15-k=F6pfige Milit=E4rjunta

einzusetzen. Der Freund des Ex-Pr=E4sidenten Estrada war fr=FCher

General der AFP und mehrfach in die Putschversuche Ende der achtziger Jahre

involviert. Im Rahmen der Generalamnestie von 1995 wurde er freigesprochen.

Bisher streitet er jegliche Beteiligung am 'Makati-Aufstand' am 27. Juli

ab. Es gibt jedoch Verbindungen zwischen den Putschisten und Honasan. Am

27.Juli wurden NRP-Pamphlete verteilt. Angeblich sollen Honosan die Papiere

von Trillanes, die er in der Universit=E4t geschrieben hatte, so gut

gefallen haben, dass er ihn bat mit ihm zusammen am National Recovery Progr=
am

zu arbeiten.

<p>Der ehemaliger Marcos-Vertraute Danding Cojuangco k=F6nnte ebenso

wie Panfilo =84Pin=93 Lacson, der fr=FChere Polizeichef der Philippinen

versucht haben, seine Chancen per Coup zu verbessern. M=F6glicherweise

unterst=FCtzen die aufst=E4ndischen Milit=E4rs Pin Lacson als

einen der starken M=E4nner, der wieder Ruhe und Ordnung im Land herstellen

k=F6nnte. In den Umfragen erreicht er bisher nur ca. 12%. Lacson wird

beschuldigt am Drogenhandel, an Entf=FChrungen u.a. kriminellen Aktivit=E4t=
en

beteiligt zu sein. Das Ged=E4chtnis der W=E4hler scheint kurz zu

sein und die Medien informieren vorzugsweise =FCber die Dinge, f=FCr

die sie bezahlt werden.

</p><p>Auch der fr=FChere Filmstar und Pr=E4sident Joseph E. Estrada

steht nach wie vor unter Verdacht, einer der Drahtzieher des Putschversuche=
s

vom 27. Juli zu sein. Er hat ein weit gespanntes Familiennetzwerk, seine

Frau und deren Sohn, aber auch eine seiner Geliebten Larny, die drei Kinder

von Estrada hat, werden verd=E4chtigt, den Coup unterst=FCtzt zu

haben. Estrada ist noch immer recht beliebt und wird, im Unterschied zu

der elit=E4ren Wirtschaftswissenschaftlerin Arroyo, als ein Mann des

Volkes gesehen. =DCber seine Saufgelage, Spielsucht und zahlreichen

teuren Liebhaberinnen wurde hinweggesehen, da ihn das im Zweifelsfall als

'wahren Mann' im Macho-Land Philippinen auszeichnet. Zur Zeit befindet

er sich immer noch im Milit=E4rkrankenhaus Veterans Memorial Medical

Center in Quezon City. Er war kurzfristig w=E4hrend des Coups 'zu seiner

eigenen Sicherheit' in ein Armeecamp gebracht worden. F=FCr Estrada

w=E4re ein erfolgreicher Coup vorteilhaft gewesen, da das Gerichtsverfahren

gegen ihn wegen Betrug und Pl=FCnderung kurz vor dem Abschluss steht.

Im Falle einer Verurteilung droht ihm, zumindest formal, die Todesstrafe.

Der ehemalige Minister in der Estrada-Regierung, Ramon Cardenas wurde inzwi=
schen

verhaftet. In seinem Haus wurden angeblich Waffen und Armbinden gefunden,

die von den Aufst=E4ndischen benutzt worden.

</p><p>Bisher hat Pr=E4sidentin Arroyo ihren, Ende Dezember 2002 =F6ffentli=
ch

bekannt gegebenen Verzicht auf die Pr=E4sidentschaftskandidatur noch

nicht =F6ffentlich widerrufen. Angeblich sollte der Aufstand vom 27.Juli

erst nach dieser Ank=FCndigung stattfinden. Aber die Beteiligten im

Milit=E4r waren schon ansatzweise identifiziert und mussten losschlagen,

bevor sie vollends entdeckt und verhaftet w=FCrden. Schon ein paar Tage

vor dem Coup wurde intern erh=F6hte Alarmbereitschaft ausgerufen. Eines

der Ziele der Putschisten war, ein Klima der Verunsicherung zu schaffen

und zu zeigen, dass Arroyo die Lage nicht kontrollieren kann und daher

auch nicht als Pr=E4sidentin gew=E4hlt werden sollte. Sie selbst

erscheint somit als Ursache der politischen Unruhen.

</p><p>Es bleibt abzuwarten, inwieweit die politische Destabilisierung der

Regierung Arroyo und den Ambitionen der Pr=E4sidentin auf eine Pr=E4sidents=
chaftskandidatur

geschadet haben. Ihr Ansehen leidet auch unter dem Vorwurf, dass sie auf

'nicht-legitime' Weise die Macht =FCbernommen h=E4tte. Sie war in

ihrer Eigenschaft als Vize-Pr=E4sidentin nachger=FCckt, ist jedoch

nicht durch Wahlen best=E4tigt worden. Das Milit=E4r hatte ihrem

Vorg=E4nger Estrada im Januar 2001 seine Gefolgschaft gek=FCndigt

und Arroyo unterst=FCtzt. Sie muss nun ihrerseits bef=FCrchten, dass

die Milit=E4rs irgendwann auch ihr nicht mehr folgen. Am 27. Juli hatte

sie jedoch die volle Unterst=FCtzung der Milit=E4rf=FChrung erhalten.

</p><p>In den letzten Monaten waren ihre Werte in den Umfragen nicht schlec=
ht.

Die Forderungen von allen Seiten mehrten sich, dass sie eine Pr=E4sidentsch=
aftskandidatur

doch wieder ins Auge fassen sollten. Die Steuereinnahmen haben erstmals

die gesteckten Ziele =FCbertroffen und das Budgetdefizit blieb unter

den geplanten Verschuldung. Falls sie nun auch den Eindruck vermitteln

kann, die Vorw=FCrfe gegen Korruption ernsthaft untersuchen zu lassen,

k=F6nnte sie sogar gest=E4rkt aus der Krise hervorgehen. In ihrer

j=E4hrlichen Ansprache an die Nation, die seit langem f=FCr den 28.Juli

geplant war, hatte sie dies zumindest versprochen.

</p><p><b>Die Rolle des Milit=E4rs in den Philippinen</b>

</p><p>Das Milit=E4r hat erst in den siebziger und achtziger Jahren unter

der Pr=E4sidentschaft von Ferdinand Marcos extrem an Bedeutung gewonnen.

Zur Zeit des Kriegsrechts von 1972-86 hat Marcos sich des Milit=E4rs

bedient und den Gener=E4len mehr Macht gegeben als z.B. den Provinzgouverne=
uren.

Heute ist das philippinische Milit=E4r hinsichtlich einer Truppenst=E4rke

von 120.000 Mann und ihrer Ausr=FCstung im internationalen Vergleich

nicht besonders gut gestellt.

</p><p>Seit Ende der achtziger Jahre hat jedoch eine neue Generation junger

Offiziere angefangen, die bisherige Struktur und Rolle des Milit=E4rs

zu hinterfragen und sich f=FCr Reformen einzusetzen. Einige der jungen

Offiziere und Abg=E4nger der Milit=E4rakademie der letzten Jahre

sind hoch gebildet und verstehen sich als politisch denkende B=FCrger,

die den blinden Gehorsam in der Armee ablehnen. Sie verurteilen Korruption

und Opportunismus in allen Bereichen des Staates und Milit=E4rs. Es

sind die extrem schwachen politischen Institutionen, die die jungen Offizie=
re

zum Eingreifen treiben. Innerhalb des Milit=E4rs gibt es jedoch eine

Aufsplitterung in diverse Gruppen mit unterschiedlichen Interessen. Der

Aufstand vom 27.Juli wurde nur von einer relativ kleinen Gruppe unterst=FCt=
zt.

Der gr=F6=DFere Teil hat abgewartet, um sich dann gefahrlos der

erfolgreichen Seite zuzuordnen.

</p><p>Die Milit=E4rs sind sich ihrer politischen Macht bewusst. Ihr missgl=
=FCckter

Putschversuch im Februar 1986 war der Beginn der von den Milit=E4rs

unterst=FCtzten zivilgesellschaftlichen People Power Bewegung, die Marcos

erfolgreich aus dem Amt dr=E4ngte. 1995 hat Pr=E4sident Ramos nach

einer ganzen Serie von missgl=FCckten Putschversuchen w=E4hrend des

Aquino-Regimes (1986-92) eine Generalamnestie ausgehandelt, von der nicht

nur der heutige Senator Honasan profitierte. Im Januar 2001 hatten die

Milit=E4rs dem Pr=E4sidenten Estrada ihre Unterst=FCtzung entzogen,

so dass er im Rahmen der People Power II Bewegung von der damaligen Vize-Pr=
=E4sidentin

Arroyo abgel=F6st werden konnte.

</p><p>Die AFP sind nach wie vor ein au=DFerordentlich wichtiger Machtfakto=
r

auf den Philippinen. Kein Pr=E4sident kann sich ohne ihre Unterst=FCtzung

an der Macht halten. Marcos (1969-86) und Estrada (1998-2001) sind jeweils

im Zuge von EDSA I und II-Protesten der Zivilgesellschaft mit Unterst=FCtzu=
ng

der Milit=E4rs aus dem Amt katapultiert worden. Aber auch in normalen

Zeiten wissen die Milit=E4rs ihre Interessen durchzusetzen und unangenehme

Untersuchungen z.B. von Korruptionsf=E4llen zu verhindern. Abgesehen

davon sind viele fr=FChere AFP-Angeh=F6rige heute in Politik und

Verwaltung wiederzufinden (siehe die Publikation von Glenda M. Gloria 'We

were Soldiers. Military Men in Politics and Bureaucracy', FES Manila 2003).

</p><p><b>Aufkl=E4rungsversuche und Auswirkungen des Putsches in den Philip=
pinen</b>

</p><p>Nach dem =84Makati Aufstand=93 wurden gleich mehrere Untersuchungsko=
mmissionen

auf verschiedensten Ebenen eingesetzt. Die Anh=F6rungen finden unter

strengsten Sicherheitsmassnahmen statt. Inwieweit sie wirklich der Wahrheit=
sfindung

dienlich sein k=F6nnen, bleibt abzuwarten. Weitere Details werden zum

Vorschein kommen. Zuk=FCnftig sollen die Beschaffungen der Milit=E4rs

streng kontrolliert und die Korruptionsf=E4lle in den AFP untersucht

werden. Der Geheimdienstchef General Victor Corpus ist inzwischen zur=FCckg=
etreten.

Dies war eine der Forderungen der aufst=E4ndischen Soldaten. Offiziell

wird jedoch gesagt, dass sein R=FCcktritt nichts mit diesen Forderungen

zu tun gehabt h=E4tte. Die Richter k=F6nnten Strafen von bis zu 40

Jahren Gef=E4ngnis f=FCr die Putschisten verh=E4ngen. Erfahrungsgem=E4=DF

fiel das Strafmass f=FCr Beteiligte an fr=FCheren Putschversuchen

jedoch in der Regel nicht sehr streng aus.

</p><p>Im Rahmen eines weiteren Putschversuchs ist nicht auszuschlie=DFen,

dass auch unliebsame politische Gegner wie z.B. Akbayan-Mitglieder beseitig=
t

werden sollen. Sie haben bereits besondere Sicherheitsmassnahmen f=FCr

diesen Fall getroffen.

</p><p>Die wirtschaftlichen Folgen der politischen Destabilisierung sind no=
ch

nicht vollends abzusehen. Aber die ohnehin recht geringe Neigung internatio=
naler

Investoren sich in den Philippinen und nicht in anderen asiatischen L=E4nde=
rn

zu engagieren, wird wohl noch weiter abnehmen.

</p><p>Der Sitz der Philippinen als nicht-permanentes Mitglied im UN-Sicher=
heitsrat

f=FCr die Jahre 2004-5 scheint bisher jedoch nicht gef=E4hrdet zu

sein. Die Entscheidung wird im Oktober 2003 fallen. Es gibt bis heute keine=
n

anderen Kandidaten aus Asien au=DFer den Philippinen. Ebenso haben

die USA bereits zugesichert, dass ihre bisher zugesagten Kooperationsprogra=
mme

nicht in Folge des Putschversuchs ver=E4ndern werden.

</p><p>US- Pr=E4sident George W. Bush plant nach wie vor im Oktober diesen

Jahres zum APEC Gipfel nach Thailand zu reisen. Die Verhaftung des mutma=DF=
lichen

Terroristen und Jemaah Islamiah Mitglieds Hambali (Riduan Isamuddin) in

Thailand und die Tatsache, dass m=F6glicherweise noch weitere JI Mitglieder

in Thailand aktiv sind, haben ihn noch nicht von seiner S=FCdostasienreise

abgeschreckt.. Ob er aber wie geplant den Philippinen einen Besuch abstatte=
n

wird, ist unklar.

</p><p>Nach dem Putschversuch in Manila wurden die Sicherheitsbestimmungen

erheblich versch=E4rft. Der internationale Flughafen ist inzwischen

mit zus=E4tzlichem Polizei- und Armeepersonal abgesichert worden. =D6ffentl=
ich

zug=E4ngliche Orte wie Einkaufszentren, Hotels, etc werden verst=E4rkt

bewacht. In den Philippinen versucht Pr=E4sidentin Arroyo Anti-Terror

Gesetze zu verabschieden, die auf dem Patriot Act der USA basieren, der

nach dem 11.September 2001 erlassen worden ist. Die Tatsache, dass der

international wegen mehrerer t=F6dlicher Bombenanschl=E4ge gesuchte,

indonesische Al Quaida-Terrorist Fathur Rohman Al Ghozi mit der Hilfe von

Angeh=F6rigen der philippinischen Polizei aus dem Hochsicherheitsgef=E4ngni=
s

in Manila 'fliehen' konnte, verst=E4rkt das Gef=FChl der Unsicherheit.

Vor allem macht dieser Vorfall den Kampf von Arroyo gegen den international=
en

Terrorismus unglaubw=FCrdig.

</p><p>Wie auch immer mit dem Coup und seinen Folgen umgegangen wird. Es bl=
eibt

der bittere Nachgeschmack, dass doch die eigentlichen zugrundeliegenden

Probleme nicht angegangen und die wirklichen Drahtzieher nicht belangt

werden. Damit kann sich die Geschichte noch h=E4ufiger wiederholen und

die schwerwiegenden Defekte der philippinischen Demokratie werden offensich=
tlich.

Das Milit=E4r hat seit dem Ende des Marcos-Regimes 1986 wiederholt die

verfassungsm=E4=DFige Ordnung sichern m=FCssen und somit eine

immer wichtigere Rolle in dem sich demokratisierenden Land bekommen. Gleich=
zeitig

verletzen die Milit=E4rs mit den Putschversuchen genau diese verfassungsgem=
=E4=DFe

Grundordnung. Dieses Dilemma wird wohl nicht so schnell in den Griff zu

bekommen sein.

<br>&nbsp;

</p><p><a href=3D"http://www.fes.de/" target=3D"_blank">Friedrich-Ebert-Sti=
ftung</a>

| net edition: <a href=3D"mailto:roland.feicht@fes.de">Roland Feicht </a>un=
d

<a href=3D"mailto:ulrike.ehnes@fes.de">Ulrike

Ehnes</a> | <a href=3D"http://www.fes.de/international/asien/" target=3D"_b=
lank">Die

Friedrich-Ebert-Stiftung in Asien</a>





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