From: <Saved by Blink>
Snapshot-Content-Location: https://library.fes.de/fulltext/iez/02595.htm
Subject: Kurzbericht aus dem Referat Asien und Pazifik
Date: Wed, 7 May 2025 17:24:05 +0200
MIME-Version: 1.0
Content-Type: multipart/related;
	type="text/html";
	boundary="----MultipartBoundary--9ZhmwcwepLCwhgKVoqRrmAm0AWgcTmJweMVqKoaCQH----"


------MultipartBoundary--9ZhmwcwepLCwhgKVoqRrmAm0AWgcTmJweMVqKoaCQH----
Content-Type: text/html
Content-ID: <frame-25B8E0CDFDC2DC978853453E6CA0A38B@mhtml.blink>
Content-Transfer-Encoding: quoted-printable
Content-Location: https://library.fes.de/fulltext/iez/02595.htm

<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.0 Transitional//EN"><!-- saved fr=
om url=3D(0090)http://fesportal.fes.de/pls/portal30/docs/FOLDER/WORLDWIDE/A=
SIEN/BERICHTE/NEPAL0803DNG.HTM --><html><head><meta http-equiv=3D"Content-T=
ype" content=3D"text/html; charset=3Dwindows-1252"><title>Kurzbericht aus d=
em Referat Asien und Pazifik</title>

<meta content=3D"Friedrich-Ebert-Stiftung: Referat Asien und Pazifik" name=
=3D"description">
<meta content=3D"Friedrich-Ebert-Stiftung, FES, Asien, Asia, Entwicklungspo=
litik, international development cooperation, internationale Zusammenarbeit=
, international cooperation" name=3D"keywords">
<meta content=3D"MSHTML 5.50.4807.2300" name=3D"GENERATOR">
<link href=3D"http://www.fes.de/fes.css" rel=3D"stylesheet">=20
</head>
<body>
<h3>Nepal: Die Entwicklungen vor dem Bruch des Waffenstillstands</h3>
<p><br>von Dr. Karl-Heinz Kr=E4mer, <br>Deutsch-Nepalische Gesellschaft e. =
V.=20
</p><p><i>Am 27. August haben die Maoisten den Waffenstillstand aufgek=FCnd=
igt. Die=20
n=E4chsten Tage sahen gewaltt=E4tige =DCberf=E4lle der Maoisten auf Soldate=
n, Politiker=20
und Banken. Armee und Polizei reagierten mit massiven Sicherheitsvorkehrung=
en=20
und Einschr=E4nkungen der Versammlungsfreiheit. Die politische Situation Ne=
pals=20
verschlechterte sich rasant. Vor dem Bruch des Waffenstillstands hat Dr.=20
Karl-Heinz Kr=E4mer die folgende Analyse der politischen Lage verfasst. Sie=
 macht=20
deutlich, dass der Friedensprozess schon schon vor dem Bruch des=20
Waffenstillstands kaum noch Dynamik hatte.</i>=20
</p><p>Mitten im Monsun hat sich die Krise in Nepal wieder versch=E4rft. Di=
e zweite=20
von K=F6nig Gyanendra eingesetzte Regierung, diesmal mit Surya Bahadur Thap=
a als=20
Premierminister findet genauso wenig Unterst=FCtzung durch andere Parteien =
(nicht=20
einmal durch die eigene) wie die seines Vorg=E4ngers.=20
</p><p>Seit dem erneuten Regierungswechsel stagniert der Friedensprozess, w=
=E4hrend=20
Zusammenst=F6=DFe zwischen Maoisten und Sicherheitskr=E4ften landesweit zun=
ehmen,=20
insbesondere im westlichen Bergland. Zwar haben nach einigem Gerangel Regie=
rung=20
und Maoisten ihre Bereitschaft zur Fortsetzung des Dialogs erkl=E4rt, doch =
ist=20
eine Linie, die Fortschritte verspricht, nicht in Sicht. Auch amerikanische=
 und=20
indische Stellungnahmen gef=E4hrden eher den Friedensprozess anstatt ihn zu=
=20
f=F6rdern, weil sie die Fortsetzung des Dialogs in Frage stellen. Ohne eine=
=20
direkte Beteiligung der Parteien (die lieber auf den Stra=DFen gegen die=20
Machtergreifung des K=F6nigs demonstrieren als der Chance auf Frieden Vorra=
ng vor=20
allem anderen einzur=E4umen) und des K=F6nigs (der allen Erkl=E4rung zum Tr=
otz keine=20
Anstalten unternimmt, auf den Boden der Verfassung zur=FCckzukehren) ist ei=
n=20
dauerhafter Friede nicht m=F6glich.=20
</p><p>Seit Ende Mai 2002, also schon weit =FCber ein Jahr, ist die 1990/91=
=20
eingef=FChrte Demokratie am Ende. Nur K=F6nig Gyanendra, die von ihm einges=
etzte=20
Regierung und Bef=FCrworter eines direkten k=F6niglichen Systems sprechen v=
on einem=20
Fortbestand von Demokratie und konstitutioneller Monarchie. Die Wirklichkei=
t=20
sieht anders aus: Missbrauch der Verfassung, Vetternwirtschaft und Korrupti=
on=20
durch die gew=E4hlten Parteipolitiker seit 1991; in vielen Gegenden des Lan=
des=20
seit Jahren keine staatliche Repr=E4sentanz wegen des maoistischen Aufstand=
s;=20
keine gew=E4hlten Vertreter auf nationaler Ebene seit Mai 2002; keine lokal=
en=20
Volksrepr=E4sentanten seit Juli 2002; keine demokratisch gew=E4hlte und ein=
em=20
Parlament gegen=FCber verantwortliche Regierung seit Oktober 2002; exekutiv=
e Macht=20
und Souver=E4nit=E4t in den H=E4nden des K=F6nigs seit Oktober 2002; keine=
=20
Nationalversammlung (Oberhaus des Parlaments), seit im Mai 2003 turnusm=E4=
=DFige=20
Nachwahlen von einem Drittel seiner Mitglieder wegen des aufgel=F6sten=20
Repr=E4sentantenhauses und der fehlenden lokalen Gremien nicht mehr m=F6gli=
ch waren;=20
kein Anzeichen einer R=FCckkehr zur Demokratie in Sicht. Nepal, quo vadis?=
=20
<br>&nbsp; <br><b>Der Friedensprozess</b><b></b>=20
</p><p>Als K=F6nig Gyanendra am 11. Oktober 2002 eine Regierung unter Premi=
erminister=20
Lokendra Bahadur Chand einsetzte, gab er ihr drei konkrete Aufgaben: Eine=
=20
m=F6glichst umfassende Beteiligung der politischen Parteien an der Regierun=
g, die=20
Einleitung eines Friedensprozesses mit den maoistischen Aufst=E4ndischen un=
d die=20
Durchf=FChrung der auf unbestimmte Zeit verschobenen Parlamentswahlen.=20
Hinsichtlich des ersten Punktes ist Chand kl=E4glich gescheitert; alle Part=
eien=20
verweigerten eine Kooperation mit der Chand-Regierung, die sie als illegiti=
m=20
ansahen. Selbst Chands eigene Partei, die Rastriya Prajatantra Party (RPP,=
=20
National Democratic Party) verhielt sich =E4u=DFerst distanziert. Das gleic=
he=20
Negativurteil gilt f=FCr den Versuch einer Redemokratisierung mittels=20
Parlamentswahlen. Es war eine Folge der v=F6lligen Blockade der Regierung d=
urch=20
die Parteien, dass die Chand-Regierung an Parlamentswahlen nicht einmal den=
ken=20
konnte.=20
</p><p>Die einzige positive Ma=DFnahme der Chand-Regierung blieb ein Friede=
nsschluss=20
mit den Maoisten, der am 29.01.2003 nach anderthalb Monate dauernden geheim=
en=20
Gespr=E4chen des Ministers f=FCr Raumordnung und =F6ffentliche Arbeiten, Na=
rayan Singh=20
Pun, mit den F=FChrern der Maoisten getroffen wurde. Hiermit fand das Land =
nach=20
Jahren endlich wieder zu einer relativen Ordnung und Ruhe zur=FCck. Die=20
Erleichterung in der allgemeinen =D6ffentlichkeit war gro=DF. Ein weiteres=
=20
hoffnungsvolles Zeichen war, dass sich Regierung und Maoisten am 13. M=E4rz=
 auf=20
einen 22 Punkte umfassenden Verhaltenskodex f=FCr die Zeit der geplanten=20
Friedensverhandlungen einigten, der schriftlich fixiert wurde. Das Fehlen e=
iner=20
derartigen schriftlichen Vereinbarung war 2001 als einer der gro=DFen M=E4n=
gel der=20
damaligen erfolglosen Gespr=E4che genannt worden.=20
</p><p>In der Folgezeit wurden Verhandlungen mit dem Ziel eines dauerhaften=
=20
Friedensschlusses vorbereitete. Die Maoisten nominierten bereits fr=FChzeit=
ig ein=20
f=FCnfk=F6pfiges Verhandlungsteam unter Leitung ihres Chefideologen Dr. Bab=
uram=20
Bhattarai, das sich am 29.03.2003 erstmals in der =D6ffentlichkeit pr=E4sen=
tierte.=20
Die =FCbrigen Mitglieder waren Ram Bahadur Thapa (alias Genosse Badal), Kri=
shna=20
Bahadur Mahara, Matrika Yadav und Dev Gurung. Positiv an der Zusammensetzun=
g=20
dieses Teams war die Einbindung von Thapa, dem milit=E4rischen Chef der Mao=
isten,=20
der als Kopf ihres besonders radikalen Fl=FCgels gilt. Negativ fiel auf, da=
ss=20
einmal mehr auch bei den Maoisten die hohen Hindukasten dominierten; Frauen=
=20
geh=F6rten dem Team nicht an, obgleich der Anteil der Frauen in den Reihen =
der=20
Maoisten sehr hoch sein soll.=20
</p><p>Die Regierung lie=DF sich bis zum 16. April Zeit, ehe sie ihrerseits=
 ein=20
Verhandlungsteam benannte, das unter Leitung des stellvertretenden=20
Premierministers Badri Prasad Mandal stand und dem neben dem Initiator des=
=20
Dialogs, Narayan Singh Pun, noch die Minister Ramesh Nath Pandey, Dr. Upend=
ra=20
Devkota, Kamal Chaulagain und Frau Anuradha Koirala angeh=F6rten, abgesehen=
 von=20
Mandal und Pun allesamt Brahmanen.=20
</p><p>Das erste formelle Treffen der beiden Teams fand am 27. April im Hot=
el=20
Shankar in Kathmandu statt. Hierbei einigte man sich auf die Einbeziehung v=
on=20
vier Vermittlern, die f=FCr eine bessere Transparenz bei den Verhandlungen =
sorgen=20
sollten. Padma Ratna Tuladhar und Daman Nath Dhungana, letzterer war 1991 n=
ach=20
den ersten Wahlen Parlamentssprecher, hatten schon bei den Verhandlungen vo=
n=20
2001 diese Funktion wahrgenommen und wurden nun erneut von den Maoisten=20
vorgeschlagen. Zu ihnen gesellten sich auf Vorschlag der Regierung noch Kar=
na=20
Dhoj Adhikari und der fr=FChere Au=DFenminister Shailendra Kumar Upadhyaya.=
=20
</p><p>W=E4hrend die Regierung keine Vorschl=E4ge einbrachte, pr=E4sentiert=
en die Maoisten=20
ihre Agenda, in der die Anfang 1996 zu Beginn des Konflikts gestellten 40=
=20
Forderungen auf nunmehr 24 reduziert wurden. In den Mittelpunkt r=FCckten s=
ie=20
dabei die Verfassung, die sie als quasi tot bezeichneten. Es m=FCsse daher =
=FCber=20
eine neue Verfassung verhandelt werden, die durch eine gew=E4hlte=20
verfassunggebende Versammlung entworfen werden sollte.=20
</p><p>Eine weitere wichtige Forderung war die nach einer Roundtable-Konfer=
enz, die=20
eine =DCbergangsregierung unter F=FChrung der Maoisten und eine =DCbergangs=
verfassung=20
beschlie=DFen sollte. Letztere sollte die absolute Souver=E4nit=E4t des Vol=
kes zum=20
Ausdruck bringen. Alle Teile dieser =DCbergangsverfassung sollten mit einer=
=20
Zweidrittelmehrheit des Parlaments oder durch ein Referendum ver=E4nderbar =
sein.=20
Weitere wesentliche Forderungen betrafen strukturelle Ver=E4nderungen der R=
oyal=20
Nepalese Army, eine Integration der maoistischen Volksbefreiungsarmee in di=
e=20
nationale Armee, die Ersetzung des Hindu-K=F6nigreichs durch einen s=E4kula=
ren Staat=20
(wobei die Frage nach der Zukunft der Monarchie bewusst offengelassen wurde=
),=20
die Festlegung der Rechte auf Bildung, Gesundheit und Besch=E4ftigung als=
=20
Grundrechte und eine =C4nderung des Landbesitzrechts unter Aufwertung der R=
echte=20
der Bebauer des Landes. Mit Blick auf die zunehmende amerikanische Interven=
tion=20
forderten die Maoisten ferner einen sofortigen Stop ausl=E4ndischer=20
Milit=E4rpr=E4senz, -beratung und -hilfe. Auch Indien fand besondere Beacht=
ung in=20
der maoistischen Agenda. So forderte man eine Regulierung der offenen Grenz=
e=20
zwischen Indien und Nepal, eine Schlie=DFung der Rekrutierungszentren f=FCr=
=20
Gurkha-S=F6ldner und eine Beendigung ausl=E4ndischen (d.h. hier indischen) =
Monopols=20
im wirtschaftlichen Bereich sowie ein Ende der ausl=E4ndischen Intervention=
 im=20
Namen von NGOs und INGOs.=20
</p><p>Eine zweite Verhandlungsrunde zwischen Regierung und Maoisten fand a=
m 8. Mai=20
in Kathmandu statt. Die Regierung hatte zuvor eine klare Stellungnahme in B=
ezug=20
auf die von den Maoisten vorgelegte Agenda angek=FCndigt. Inwieweit dies=20
tats=E4chlich erfolgte, wurde bei den anschlie=DFenden Pressekonferenzen ni=
cht ganz=20
deutlich. Die Vermittler Tuladhar und Dhungana =E4u=DFerten sich pessimisti=
sch auf=20
die Frage nach erkennbaren Verhandlungsfortschritten. Offiziell hie=DF es=
=20
lediglich, dass die Regierung um Zeitaufschub hinsichtlich ihrer Stellungna=
hme=20
zu den maoistischen Forderungen gebeten habe. Au=DFerdem sagte die Regierun=
g die=20
Freilassung einiger inhaftierter maoistischer F=FChrer zu. Man best=E4tigte=
 ferner,=20
dass sich die Armee nur noch im Umkreis von f=FCnf Kilometern von ihren=20
St=FCtzpunkten bewegen sollte. Dies war eine der wesentlichen Forderungen d=
er=20
Maoisten gewesen. <br>Die unbefriedigende Umsetzung des 22punktigen=20
Verhaltenskodexes kam in der zweiten Verhandlungsrunde ebenfalls zur Sprach=
e.=20
Hier vereinbarten beide Seiten die Bildung eines 13k=F6pfigen Beobachtertea=
ms=20
unter Leitung eines Mitglieds der National Human Rights Commission (NHRC).=
=20
</p><p>Die einschneidendste Kritik am Ergebnis der zweiten Verhandlungsrund=
e kam vom=20
der Armee, deren Gener=E4le offen erkl=E4rten, dass sie eine Bewegungsbesch=
r=E4nkung=20
der Truppen nicht hinnehmen w=FCrden. Sie fanden dabei offensichtlich=20
Unterst=FCtzung durch einige Mitglieder des Kabinetts, was den Beginn einer=
=20
gr=F6=DFeren Regierungskrise bedeutet. Die Maoisten nahmen die Kritik der=
=20
Armeef=FChrung ernst, betonten die enge Bindung zwischen Milit=E4r und Mona=
rchie und=20
sprachen gar von einer sich anbahnenden Milit=E4rherrschaft im Namen der Mo=
narchie=20
(Kathmandu Post, 13.05.2003). Sie forderten insbesondere den Ausschluss von=
=20
Pandey aus dem Verhandlungsteam der Regierung, weil dieser =F6ffentlich erk=
l=E4rt=20
hatte, es habe keine Vereinbarung mit den Maoisten hinsichtlich der=20
Bewegungsfreiheit der Armee gegeben (Kathmandu Post, 16.05.2003), was jedoc=
h von=20
Pun best=E4tigt wurde (Himalayan Times, 17.05.2003). Doch auch eine weitere=
=20
Vereinbarung der zweiten Verhandlungsrunde, die Freilassung inhaftierter=20
maoistischer F=FChrer, verz=F6gerte sich zum Unmut der Maoisten. Schlie=DFl=
ich=20
beschuldigte Dr. Baburam Bhattarai die Chand-Regierung offen der=20
Selbstherrlichkeit und bekundete Sympathien f=FCr die seit Wochen auf den S=
tra=DFen=20
gegen die k=F6nigliche Machtergreifung demonstrierenden Parteien, die ihrer=
seits=20
eine ihnen von der Regierung wiederholt angebotene Beteiligung an den=20
Friedensverhandlungen stets abgelehnt hatten.=20
</p><p>Premierminister Chand war zun=E4chst um Schadensbegrenzung bem=FCht =
und strebte=20
angesichts der harschen Kritik des Milit=E4rs eine gr=F6=DFere Regierungsum=
bildung an.=20
Das Z=F6gern hinsichtlich der Erf=FCllung der mit den Maoisten getroffenen=
=20
Vereinbarungen l=E4sst vermuten, dass er l=E4ngst zwischen allen St=FChlen =
sa=DF. Der=20
offene Widerstand der Gener=E4le muss angesichts der traditionellen Loyalit=
=E4t der=20
Armee gegen=FCber der Monarchie den Segen des K=F6nigs gehabt haben. Damit =
war Chand=20
auch mit seinem letzten Auftrag des K=F6nigs gescheitert: Er konnte den=20
Friedensprozess nicht fortf=FChren. Die logische Konsequenz war sein R=FCck=
tritt vom=20
Amt des Premierministers, der am 30.05.2003 erfolgte. Diese Entwicklung d=
=FCrfte=20
durch die sich abzeichnende Ann=E4herung zwischen Maoisten und demonstriere=
nden=20
Parteien noch forciert worden sein.=20
</p><p>In den folgenden Tagen wiederholte sich das Schauspiel. das bereits =
der=20
Nominierung Chands vorausgegangen war. Wieder forderte K=F6nig Gyanendra di=
e=20
politischen Parteien auf, einen Kandidaten f=FCr die Nachfolge Chands=20
vorzuschlagen. Anders als im Oktober 2002 traten diesmal die f=FChrenden Pa=
rteien=20
geschlossen auf und empfahlen die Ernennung von Madhav Kumar Nepal, dem=20
Generalsekret=E4r der CPN-UML, zum =DCbergangspremierminister. Doch wieder=
=20
missachtete der K=F6nig den Vorschlag der Parteien und ernannte erneut eine=
n=20
bekannt konservativen Politiker zum Premierminister. Thapa ist quasi das Sy=
mbol=20
der Panchayat-Zeit. Niemand sonst war l=E4nger Premierminister bzw. Vorsitz=
ender=20
des Ministerrats, wie das Amt bis Mitte der sechziger Jahre noch hie=DF.=20
</p><p>Der neue Premierminister sah sich mit den gleichen Problemen konfron=
tiert wie=20
sein Vorg=E4nger. Auch jetzt verweigerten die politischen Parteien jegliche=
=20
Kooperation; selbst aus der eigenen RPP kam Widerstand. Noch schwerwiegende=
r=20
d=FCrfte das Urteil intellektueller Kreise, darunter zahlreicher f=FChrende=
r=20
Juristen, gewesen sein, welche die Nominierung Chands im Vorjahr zum Teil n=
och=20
hingenommen hatten, die aber jetzt die Ernennung Thapas als illegitim=20
bezeichneten.=20
</p><p>Der Regierungswechsel bedeutete f=FCr den Friedensprozess mit den Ma=
oisten eine=20
weitere monatelange Verz=F6gerung. Zum einen war die Thapa-Regierung wochen=
lang,=20
wenn auch erfolglos, mit sich selbst besch=E4ftigt. Sodann bedeutete der We=
chsel=20
auch, dass alle Verhandlungsf=FChrer der Regierung ausgetauscht werden w=FC=
rden.=20
Markant war dabei, dass Thapa, anders als seinerzeit Chand, nicht vom K=F6n=
ig den=20
besonderen Auftrag erhielt, den Friedensprozess fortzusetzen. Dennoch schri=
eb=20
sich Thapa dies auf seine Fahnen und benannte bereits am 12. Juni die beide=
n=20
Minister Dr. Prakash Chandra Lohani und Kamal Thapa als die neuen Unterh=E4=
ndler=20
der Regierung.=20
</p><p>Allerdings unternahm die neue Regierung ansonsten wenig, die Vereinb=
arungen=20
der zweiten Verhandlungsrunde umzusetzen. Unterdessen h=E4uften sich blutig=
e=20
Zusammenst=F6=DFe zwischen Maoisten und Sicherheitskr=E4ften landesweit. Ei=
ne=20
Eskalation drohte, nachdem am 17. Juli Sicherheitskr=E4fte das Kontaktb=FCr=
o der=20
Maoisten in Kathmandu durchsuchten, den B=FCroleiter verhafteten und stunde=
nlang=20
verh=F6rten (Kathmandu Post, 18.07.2003). Als Reaktion schlossen die Maoist=
en ihr=20
B=FCro in Kathmandu. Sie erkl=E4rten, sie w=FCrden die Thapa-Regierung nur =
noch als=20
Verhandlungsf=FChrer akzeptieren, wenn K=F6nig Gyanendra selbige offiziell =
als=20
seinen Vertreter bei den Verhandlungen benennen w=FCrde. Mit anderen Worten=
, die=20
Maoisten wollten nur noch den K=F6nig als Verhandlungspartner akzeptieren.=
=20
Gleichzeit kritisierten sie mit deutlichen Worten die Armee, die sie eines=
=20
provokativen Verhaltens bezichtigten und als =84Royal American Army=93 beze=
ichneten.=20
Auch die politischen Parteien kamen unter maoistischen Beschuss, weil sie a=
u=DFer=20
Stra=DFenprotesten keine nennenswerten Vorschl=E4ge zur Behebung der=20
jahrhundertealten Missst=E4nde unterbreiten w=FCrden. (Kathmandu Post, 24.0=
7.2003)=20
</p><p>Am 28. Juli erh=F6hten die Maoisten ihren Druck auf die Regierung un=
d setzten=20
ihr ein Ultimatum zur Erf=FCllung ihrer diversen Forderungen bis 31. Juli. =
Erst=20
jetzt lenkte die Regierung ein und entlie=DF einen Tag sp=E4ter einige der=
=20
maoistischen F=FChrer aus der Haft, die nach der =DCbereinkunft der zweiten=
=20
Verhandlungsrunde eigentlich schon anderthalb Monate fr=FCher auf freiem Fu=
=DF=20
h=E4tten sein sollen.=20
</p><p>Nach hartem Ringen einigte man sich schlie=DFlich auch auf eine drit=
te=20
Verhandlungsrunde, die am 17. August in der N=E4he von Nepalganj stattfand.=
 Die=20
Regierung ging in diese Gespr=E4che mit dem Versprechen umfangreicher=20
sozio-=F6konomischer, aber auch konstitutioneller =C4nderungen, ging dabei =
jedoch=20
kaum auf die klaren Forderungen der Maoisten ein. Wesentliche Merkmale der=
=20
Regierungsagenda waren: Festhalten an der Vielparteiendemokratie, Entwicklu=
ng=20
eines partizipatorischen politischen Systems, Chancengleichheit f=FCr alle,=
=20
Beseitigung von gesellschaftlicher Ungleichheit und Ausbeutung, Souver=E4ni=
t=E4t des=20
Volkes, konstitutionelle Monarchie als Symbol der Einheit in einem=20
multiethnischen Land, verbessertes Wahlsystem, St=E4rkung des Regierungssys=
tems,=20
Nationalversammlung (Oberhaus des Parlaments) als proportionales=20
Repr=E4sentationsgremium aller Bev=F6lkerungsgruppen, 25% Reservierungen f=
=FCr Frauen=20
in allen politischen und =F6ffentlichen Bereichen.=20
</p><p>Nur wenige dieser Aussagen bedeuteten konkrete Schritte; das meiste =
war=20
einmal mehr wenig aussagekr=E4ftig und sehr interpretationsbed=FCrftig. Die=
 Maoisten=20
waren mit diesen schwammigen Vorschl=E4gen nicht einverstanden und bestande=
n auf=20
ihrer Grundforderung nach einer konstitutionellen Versammlung. Dr. Baburam=
=20
Bhattarai erkl=E4rte, Gespr=E4che blo=DF um der Gespr=E4che willen machten =
keinen Sinn,=20
wenn die Regierung von ihrer politischen Agenda nicht abweichen wolle (Kath=
mandu=20
Post, 20.08.2003). Damit ist der Friedensprozess zwar noch nicht abgebroche=
n, er=20
ist jedoch in einer =E4hnlichen Sackgasse angekommen wie der von 2001 nach =
der=20
dritten Verhandlungsrunde.=20
</p><p><b>Die Frage der Schuldzuweisung</b><b></b>=20
</p><p>Die politischen Parteien, die Maoisten und letztlich auch die Monarc=
hie haben=20
den modernen nepalischen Staat in seine gr=F6=DFte Krise gesteuert. Die Zuk=
unft des=20
Landes und seiner Menschen steht auf dem Spiel, aber den Personen an den=20
Schalthebeln geht es weiterhin nur um Macht und pers=F6nliche Interessen.=
=20
Konsensf=E4higkeit, Verst=E4ndnis f=FCr die zahlreichen sozialen und wirtsc=
haftlichen=20
Probleme und zukunftsorientierte Politik unter Einbeziehung und Wahrung der=
=20
Interessen aller Bev=F6lkerungsgruppen sind ihnen Fremdw=F6rter.=20
</p><p>Die teilweise widerspr=FCchlichen Aussagen der Politiker erschweren =
oft eine=20
ausgewogene Beurteilung der Vorg=E4nge und Standpunkte. Seit dem 4. Oktober=
 2002=20
erfolgt ein Machtkampf zwischen drei politischen Playern (K=F6nig/k=F6nigli=
che=20
Regierung, politische Parteien und Maoisten). Auf den ersten Blick erschein=
en=20
die politischen Parteien dabei als die gro=DFen Verlierer, doch gilt dies=
=20
zunehmend auch f=FCr die Monarchie. Noch nie in der Geschichte Nepals ist d=
ie=20
Institution der Monarchie auch nur ann=E4hernd derart offen kritisiert word=
en wie=20
heute, und das nicht nur von politischen Gegnern sondern auch von der Stimm=
e des=20
Volkes. Die Zukunft Nepals liegt in den H=E4nden von K=F6nig, politischen P=
arteien,=20
Maoisten und ziviler Gesellschaft. Nachfolgend soll das j=FCngste Verhalten=
 dieser=20
vier Institutionen daher kurz analysiert werden.#=20
</p><p><b>K=F6nig Gyanendra</b><b></b>=20
</p><p>Zun=E4chst einige negative Fakten: Die Ma=DFnahme K=F6nig Gyanendras=
 vom 4. Oktober=20
2002 ist nicht durch Artikel 127 der Verfassung gedeckt. Der K=F6nig ist be=
i=20
Anwendung dieses Artikels an die Empfehlungen des Premierministers gebunden=
.=20
Eine Entlassung des letzteren wegen Unf=E4higkeit, wie von Gyanendra angef=
=FChrt,=20
sieht die Verfassung nicht vor. Das gleiche gilt f=FCr die Bildung einer Re=
gierung=20
aus K=F6nigs Gnaden: Die Chand-Regierung hatte ebenso wenig eine Legitimati=
on wie=20
die jetzige Regierung unter Surya Bahadur Thapa. Der K=F6nig hat bei seinem=
=20
Vorgehen keine wirkliche Kooperation mit den politischen Parteien gesucht.=
=20
</p><p>Vor der Ernennung Lokendra Bahadur Chands zum Premierminister forder=
te er=20
zwar die Parteien zu Vorschl=E4gen =FCber eine Regierungsbildung auf, entzo=
g sich=20
aber durch Reisen u.=E4. einer Dialogm=F6glichkeit. Erschwerend kam hinzu, =
dass sich=20
die Parteien ihrerseits damals nicht auf eine gemeinsame Linie einigen konn=
ten.=20
Dabei argumentierte der K=F6nig sehr gerne mit den Stellungnahmen kleiner u=
nd=20
v=F6llig unbedeutender Parteien, die bei Wahlen kaum Stimmen, geschweige de=
nn=20
Sitze errungen hatten, jetzt aber mit Forderungen auftraten, die von der=20
Strategie der gro=DFen Parteien abwichen. Dieses Schauspiel wiederholte sic=
h nach=20
dem R=FCcktritt Chands wie bereits oben beschrieben.=20
</p><p>Gyanendra bekennt sich zwar zur Wahrung der Demokratie und zur=20
konstitutionellen Monarchie, doch passt sein Handeln nicht zu diesem verbal=
en=20
Bekenntnis. Schon der Wortlaut seiner Erkl=E4rung vom 4. Oktober 2002 und d=
ie Art,=20
wie er sich und andere Mitglieder der K=F6nigsfamilie seither in der=20
=D6ffentlichkeit zelebrieren l=E4sst, erinnern allzu sehr an die harte Phas=
e der=20
Panchayat-Zeit in den 60er und 70er Jahren. Allersp=E4testens seit der Bild=
ung der=20
Thapa-Regierung wird deutlich, dass der K=F6nig ein aktiver Monarch sein m=
=F6chte,=20
wie er es bereits unmittelbar nach seiner Thronbesteigung im Juni 2001=20
ausgesprochen hat. Zunehmend wird klar, dass er darunter ein System versteh=
t,=20
das eine gro=DFe =C4hnlichkeit zum fr=FCheren Panchayat-System aufweist, zu=
mindest was=20
die Stellung und Machtf=FClle des Monarchen anbetrifft. Den Parteien, zu=20
Panchayat-Zeiten verboten, scheint er keine besondere Rolle zuzudenken. Der=
=20
Anschein tr=FCgt n=E4mlich, Gyanendra greift nicht auf die konservative RPP=
 zur=FCck,=20
sondern auf einzelne ihrer Politiker, die im Panchayat-System eine bedeuten=
de=20
Rolle gespielt haben und die sp=E4ter hauptverantwortlich f=FCr die Bildung=
 der RPP=20
waren, die aber heute nur noch eine untergeordnete Rolle innerhalb ihrer Pa=
rtei=20
spielen. Hierdurch werden die ohnehin vorhandenen parteiinternen Zwiste ern=
eut=20
an die Oberfl=E4che gespielt.=20
</p><p>Aber bei aller Kritik am Vorgehen Gyanendras muss man auch erw=E4hne=
n, dass es=20
nicht die Monarchie war, die Nepal in die heutige ausweglose politische=20
Situation hineinman=F6vriert hat, sondern die politischen Parteien. Insbeso=
ndere=20
Gyanendras Vorg=E4nger Birendra hatte sich geradezu vorbildlich an die Verf=
assung=20
von 1990 gehalten, nachdem sie einmal in Kraft getreten war. Die Verfassung=
 ist=20
in den vergangenen zw=F6lf Jahren jedoch von den Parteipolitikern so oft ge=
brochen=20
worden, dass sie quasi schon tot war, als der K=F6nig im Oktober vergangene=
n=20
Jahres einschritt.=20
</p><p><b>Politische Parteien</b><b></b>=20
</p><p>Die gro=DFen Parteien tragen somit die Hauptschuld am Scheitern des=
=20
demokratischen Systems von 1990. Sie haben heute keine tats=E4chliche Macht=
 mehr=20
und verweigern sich gleichzeitig jeder Kooperation. Es ist richtig, wenn si=
e das=20
Vorgehen des K=F6nigs und die von ihm eingesetzten Regierungen als illegiti=
m=20
bezeichnen, aber sie verschweigen dabei ihre zahlreichen eigenen=20
Verfassungsverst=F6=DFe. Ich m=F6chte nur an die staatspolitischen Richtlin=
ien der=20
Artikel 24-26 der Verfassung erinnern, an die sich keine Regierung gehalten=
 hat,=20
die aber eigentlich die Grundlage allen politischen Handelns sein sollten. =
Die=20
begr=FCndete Kritik der politischen Parteien rechtfertigt nicht ihre Weiger=
ung,=20
sich am derzeitigen Friedensprozess zu beteiligen. Sollte dieser erneut=20
scheitern, dann k=F6nnen sich die politischen Parteien bereits jetzt einen=
=20
Gro=DFteil der Schuld zuschreiben.=20
</p><p>Die seit Monaten auf den Stra=DFen gegen die demokratiefeindliche Po=
litik=20
Gyanendras demonstrierenden Parteien (Nepali Congress, CPN-UML, People=92s =
Front=20
Nepal, Nepal Workers=92 and Peasants=92 Party und die von Ananda Devi angef=
=FChrte=20
Gruppe der Nepal Sadbhavana Party) haben sich in ihrer Agitation dahingehen=
d=20
gesteigert, dass sie in allerdings widerspr=FCchlichen Stellungnahmen sogar=
 von=20
einer Abschaffung der Monarchie sprechen. Das gro=DFe Problem der nepalisch=
en=20
Parteien ist, dass sie nicht zu einer Konsenspolitik im Sinne der=20
Friedensschaffung und Zukunftssicherung des Landes in der Lage sind. Vielme=
hr=20
haben sie sich die erw=E4hnten Grunds=E4tze des rajaniti angeeignet, um ihr=
e Gegner=20
(die anderen Parteien, die unliebsamen Konkurrenten in der eigenen Partei o=
der=20
jetzt eben wieder den Monarchen) zu bek=E4mpfen und ihre Stellung und Macht=
 zu=20
sichern. Die =DCbertragung dieses traditionellen Denksystems vom K=F6nig au=
f die=20
Parteien mag angesichts des laut Verfassung nur noch=20
konstitutionell-monarchischen Systems plausibel erscheinen. Doch wie der K=
=F6nig,=20
so missachten auch die Parteipolitiker bei der Anwendung von rajaniti die=
=20
gleichzeitige Anwendung der Vorschriften des rajadharma. Nur bei ausgewogen=
er=20
Beachtung beider Prinzipien hat das Land nach der traditionellen=20
hindupolitischen Denkweise eine Zukunftschance. Insofern ist der heutige Zu=
stand=20
Nepals wohl eher als das zu bezeichnen, was man im Hinduismus mit kaliyuga,=
=20
Endzeitalter, umschreibt.=20
</p><p><b>Maoisten</b><b></b>=20
</p><p>Die Maoisten m=F6gen durch die blutigen Auseinandersetzungen in der =
Zeit des=20
Ausnahmezustands geschw=E4cht worden sein, aber dies d=FCrfte nicht der Anl=
ass=20
gewesen sein, dass sie sich jetzt wieder um eine friedliche L=F6sung des Ko=
nflikts=20
bem=FChen. Die Gr=FCnde liegen wohl eher in der ver=E4nderten Volksmeinung.=
 Die=20
Menschen in Nepal sehnen sich nach Frieden; die maoistischen Parolen finden=
=20
l=E4ngst selbst in besonders benachteiligten Bev=F6lkerungskreisen nicht me=
hr den=20
Zuspruch, den sie noch Ende der 90er Jahre erfahren hatten.=20
</p><p>Doch die Maoisten scheinen auch die ver=E4nderte Lage nach dem 4. Ok=
tober 2002=20
als erste durchschaut und zu ihren Gunsten analysiert zu haben. Sie haben=
=20
erkannt, dass die wirkliche Macht im Augenblick beim K=F6nig liegt. Letzter=
er will=20
nicht mit den politischen Parteien kooperieren und diese wiederum nicht mit=
 ihm.=20
Dies nutzen die Maoisten aus, indem sie nur mit dem tats=E4chlichen Machtha=
ber=20
verhandeln. Damit sind die Parteien v=F6llig au=DFen vor. Wenn in dem jetzi=
gen=20
Dialog =FCber das zuk=FCnftige nepalische Staatssystem verhandelt wird, dan=
n geht es=20
dabei um die Machtverteilung und -beteiligung zwischen Monarchie und Volk. =
Die=20
Vertreter des Volkes sind dabei angesichts der Verweigerung der Parteien nu=
r=20
noch die Maoisten. <br>Wegen der j=FCngsten Regierungskrise ist der Dialog =
mit den=20
Maoisten stark in den Hintergrund ger=FCckt. Statt Gespr=E4chen gab es mehr=
=20
Aktionen, insbesondere durch maoistisch orientierte Studenten, die den gesa=
mten=20
Bildungsbereich durch Streiks wochenlang mehr oder weniger lahm legten.=20
Gleichzeitig hat sich die Zahl der militanten Aktivit=E4ten, insbesondere i=
m=20
maoistischen Kerngebiet des westlichen Berglands, in den letzten Wochen deu=
tlich=20
erh=F6ht. Positiv stimmt jedoch, dass die maoistischen Verhandlungsf=FChrer=
 in=20
Kathmandu weiterhin f=FCr eine friedliche L=F6sung des Konflikts eintreten.=
=20
</p><p><b>Zivile Gesellschaft</b><b></b>=20
</p><p>Die Liberalisierung von Verfassung und Staatswesen nach 1990 hat die=
 Wurzeln=20
f=FCr Volkssouver=E4nit=E4t, zivile Gesellschaft und Menschenrechte gelegt.=
 Das=20
Versagen der politischen Parteien und staatlichen Organe hat in der Folgeze=
it=20
weiter dazu beigetragen, soziale Unzufriedenheit zu sch=FCren und diese auf=
 den=20
Stra=DFen zum Ausdruck zu bringen. W=E4hrend die gr=F6=DFte Armut und R=FCc=
kst=E4ndigkeit=20
auf dem Land herrscht, sind die Tr=E4ger von technischen und institutionell=
en=20
Innovationen in erster Linie in den St=E4dten und oft genug in der staatlic=
hen=20
Verwaltung zu suchen. Gleichzeitig aber stellt der Verwaltungsapparat eine =
oft=20
un=FCberwindbare Barriere gegen=FCber Ver=E4nderungen dar, die die traditio=
nelle=20
Machtposition der Beamten gef=E4hrden k=F6nnten. So gesehen stagniert der=
=20
Entwicklungsprozess oft zwischen den abstrakten und nur verbal artikulierte=
n=20
Neuerungsideen einzelner Mitglieder einerseits und den nat=FCrlichen=20
Beharrungstendenzen einer m=E4chtigen Staatselite andererseits.=20
</p><p>Es bedarf daher eines Liberalisierungsprozesses, der =FCber den=20
Regierungsansatz hinausgeht und sich um materielle Produktion, Sozialisatio=
n und=20
gesellschaftliche Integration bem=FCht. Seit der Demokratisierung des Lande=
s zu=20
Beginn der 1990er Jahre haben sich diesbez=FCglich allm=E4hlich an Gruppen=
=20
orientierte Eliten au=DFerhalb der traditionellen staatlichen Elite=20
herausgebildet, die sich kulturell, gesellschaftlich, wirtschaftlich und=20
zunehmend auch politisch f=FCr ihre Mitglieder erfolgreich einsetzen. Hierz=
u=20
geh=F6ren z.B. ethnische Organisationen und Zusammenschl=FCsse wie der Nepa=
l=20
Federation of Nationalities (NEFEN), sprachlich orientierte Organisationen,=
 die=20
Interessenvertretungen der Dalits (Unber=FChrbaren), Frauenorganisationen u=
nd=20
Gewerkschaftsverb=E4nde.=20
</p><p>Vielfach sind die Bem=FChungen dieser Organisationen noch auf lokale=
 Bereiche=20
beschr=E4nkt, doch zeichnen sich auch erste nationale Erfolge ab. Es wird v=
on=20
einer zivilen Gesellschaft erwartet, dass sie ein Symbol darstellt f=FCr=20
Basisbem=FChungen um die Schaffung eines modernen, demokratischen und gerec=
hten=20
Staates, in welchem die Reichen und M=E4chtigen nicht l=E4nger =FCber dem G=
esetz=20
stehen und in dem alle Menschen ein Leben in Freiheit, Sicherheit und=20
Selbstbestimmung f=FChren k=F6nnen. Zum Teil hat der maoistische Konflikt d=
iese=20
Problematik verst=E4rkt ins Bewusstsein ger=FCckt, weil die Maoisten mit ih=
rer=20
Argumentation genau hier ansetzten. Aber der von ihnen gewiesene Weg hat si=
ch=20
als Bumerang erwiesen, weil diejenigen, denen die Maoisten angeblich zu ein=
em=20
besseren Leben verhelfen wollten, die Hauptleidtragenden des Konflikts ware=
n.=20
Eines der Hauptprobleme ziviler Gesellschaft in Nepal ist dabei, dass ihre=
=20
wohlbegr=FCndeten Argumente von den Maoisten f=FCr ihre eigenen Zwecke miss=
braucht=20
wurden. Nicht selten wird daher zivilgesellschaftliche Kritik an der staatl=
ichen=20
Politik als eine maoistische Propaganda abgetan und verfolgt.=20
</p><p>Bei der L=F6sung des maoistischen Konflikts kommt somit der zivilen=
=20
Gesellschaft eine ganz besondere Rolle zu. Sie existiert und sie hat sich a=
uch=20
bereits in ausreichendem Ma=DFe organisiert. Was fehlt, ist das notwendige =
Geh=F6r=20
und die Beteiligung am Friedensprozess.=20
</p><p><b>Perspektiven</b><b></b>=20
</p><p>Auf lange Sicht stimmen die Entwicklungen in Nepal nicht sonderlich=
=20
hoffnungsvoll. Ans=E4tze und Wille zu einer R=FCckkehr zur Demokratie sind =
weiterhin=20
nicht erkennbar. Dies gilt f=FCr den K=F6nig in gleicher Weise wie f=FCr di=
e von ihm=20
eingesetzte Regierung und die dazu in Opposition stehenden politischen Part=
eien.=20
Blo=DFe Lippenbekenntnisse zu Verfassung und Demokratie kann man schon fast=
 nicht=20
mehr h=F6ren. =DCber den Sinn und Unsinn von Parlamentswahlen w=E4hrend der=
 Phase der=20
Verhandlungen mit den Maoisten mag man ja noch diskutieren. Es w=E4re siche=
rlich=20
besser, Neuwahlen erst dann durchzuf=FChren, wenn die Friedensverhandlungen=
=20
hoffentlich erfolgreich abgeschlossen sind und die Maoisten aktiv eingebund=
en=20
werden k=F6nnen. Aber es gibt keine Erkl=E4rung, warum f=FCr die =DCbergang=
szeit nicht=20
das im Mai 2002 aufgel=F6ste Repr=E4sentantenhaus wiedereingesetzt und von =
ihm eine=20
Regierung legitimiert werden sollte. Verfassungsrechtler, die weder royalis=
tisch=20
noch parteipolitisch gebunden sind, interpretieren Artikel 53 (4) der Verfa=
ssung=20
schon seit l=E4ngerem dahingehend, dass eine Parlamentsaufl=F6sung automati=
sch=20
aufgehoben wird, wenn nicht innerhalb von sechs Monaten Neuwahlen durchgef=
=FChrt=20
werden. Mit anderen Worten: Deubas Empfehlungen und die Aushebelung der=20
Verfassung durch K=F6nig Gyanendra w=E4ren v=F6llig =FCberfl=FCssig gewesen=
.=20
</p><p>So verh=E4rtet sich der Eindruck, dass gewisse Kr=E4fte die Demokrat=
isierung=20
zur=FCckfahren wollen. Dies wird unterstrichen durch die Tatsache, dass in =
diesen=20
Tagen mittels k=F6niglicher Verordnung auch der demokratielose Zustand auf =
lokaler=20
Ebene um ein weiteres Jahr verl=E4ngert wurde. Man kann in diesem Zusammenh=
ang=20
nicht oft genug darauf hinweisen, dass Nepal nicht mehr mit kleinen kosmeti=
schen=20
Ver=E4nderungen geholfen werden kann. Auf lange Sicht ist der maoistische K=
onflikt=20
nur ein Vorspiel f=FCr das, was dem Land bevorsteht, wenn es nicht endlich =
zu=20
tiefgreifenden sozialen, politischen und wirtschaftlichen Reformen in der L=
age=20
ist. Eine vom Social Science Baha Ende April 2003 organisierte Tagung zur=
=20
Einbeziehung (inclusion) der zahlreichen benachteiligten Gesellschaftsgrupp=
en=20
hat noch einmal besonders deutlich gemacht, wo die Ver=E4nderungen ansetzen=
=20
m=FCssen. <br>Im Mittelpunkt der notwendigen Ver=E4nderungen wird die Verfa=
ssung von=20
1990 stehen, deren Infragestellung zu den Kernforderungen der Maoisten geh=
=F6rt.=20
Kritisch betrachtet ist kaum noch etwas =FCbrig von den Grundlagen dieser=
=20
Verfassung. Das Volk hat seine Souver=E4nit=E4t verloren; das Parlament ist=
=20
abgeschafft und es gibt keine Anzeichen, dass der K=F6nig, der sich der exe=
kutiven=20
Gewalt bem=E4chtigt hat, irgendwelche Interessen verfolgt, in absehbarer Ze=
it=20
Neuwahlen durchzuf=FChren; es gibt keine legitime Regierung, die sich gegen=
=FCber=20
gew=E4hlten Vertretern des Volkes zu verantworten hat; es gibt nicht einmal=
 die=20
M=F6glichkeit einer Beteiligung und Kontrolle des Volkes auf lokaler Ebene.=
 Daher=20
ist es erlaubt zu fragen: Welche Demokratie gilt es denn eigentlich noch zu=
=20
bewahren? Welche Verfassung muss gesch=FCtzt werden? Die Verfassung von 199=
0 ist=20
tot und kann, sp=E4testens seit der K=F6nig sie ihrer Grundlagen beraubt ha=
t, nicht=20
mehr belebt werden. Jede R=FCckkehr zur Verfassung von 1990 w=FCrde eine=20
Sanktionierung des erfolgten Missbrauchs durch Politiker und K=F6nig bedeut=
en.=20
Nepal bedarf also einer neuen Verfassung, die einen derartigen Missbrauch o=
der=20
gar Bruch in Zukunft unm=F6glich macht. Gleichzeitig muss die zuk=FCnftige=
=20
Verfassung eine angemessene und gleichwertige Einbeziehung aller bisher so=
=20
benachteiligter Bev=F6lkerungsgruppen garantieren. Auf diese Weise w=FCrden=
=20
zahlreiche Ursachen f=FCr die heutige Krise des Landes an ihren Wurzeln bes=
eitigt.=20
Dies alles bedeutet nicht, dass die neue Verfassung sich v=F6llig von der=
=20
vorherigen unterscheiden muss. Die Grundidee des demokratischen Nepal war n=
icht=20
schlecht, auch wenn die Verfassung zahlreiche M=E4ngel aufweist. Es war nic=
ht die=20
demokratische Struktur, die versagt hat, vielmehr haben sich die Probleme a=
us=20
der Nutzung und Interpretation des Systems ergeben. (Stand: August 2003)=20
<br>&nbsp;=20
</p><p><a target=3D"_blank" href=3D"http://www.fes.de/">Friedrich-Ebert-Sti=
ftung</a> | net=20
edition: <a href=3D"mailto:roland.feicht@fes.de">Roland Feicht </a>und <a h=
ref=3D"mailto:ulrike.ehnes@fes.de">Ulrike Ehnes</a> | <a target=3D"_blank" =
href=3D"http://www.fes.de/international/asien/">Die Friedrich-Ebert-Stiftun=
g in=20
Asien</a> </p>
</body></html>
------MultipartBoundary--9ZhmwcwepLCwhgKVoqRrmAm0AWgcTmJweMVqKoaCQH----
Content-Type: text/css
Content-Transfer-Encoding: quoted-printable
Content-Location: http://www.fes.de/fes.css

@charset "windows-1252";
=0A
------MultipartBoundary--9ZhmwcwepLCwhgKVoqRrmAm0AWgcTmJweMVqKoaCQH------
