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Subject: FES: Referat Asien und Pazifik
Date: Wed, 7 May 2025 17:24:54 +0200
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Asien und Pazifik">
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 Asia, Entwicklungspolitik, international development cooperation, internat=
ionale Zusammenarbeit, international cooperation">
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<h3>
Indonesien: Superwahljahr 2004 =96 Pr=E4sidentschaftskandidaten ohne Konzep=
te
zur Bek=E4mpfung der Arbeitslosigkeit und Ankurbelung der Wirtschaft</h3>
Gerd Botterweck, FES Jakarta, Juni 2004
<ul>
<li>
Die Kandidaten f=FCr die indonesischen Pr=E4sidentschaftswahlen wollen
Millionen von Arbeitspl=E4tzen schaffen, aber keiner sagt wie.</li>

<li>
Angenommene Wachstumszahlen zur L=F6sung der Arbeitsmarktprobleme von
6-8% sind unrealistisch und kurz- und mittelfristig nicht erreichbar. Die
Investitionen kr=E4nkeln und verlorengegangenes Vertrauen ist schwer
zur=FCckzugewinnen.</li>

<li>
Der Arbeitsmarkt hat sich seit der Asienkrise nicht erholt. Die Arbeitslose=
nrate
liegt bei 10% (10 Mio.), weitere 30 Mio. der Erwerbsbev=F6lkerung sind
chronisch unterbesch=E4ftigt.</li>

<li>
J=E4hrlich str=F6men auf Grund des Bev=F6lkerungswachstums 2,5
Mio. neue Arbeitskr=E4fte auf den Arbeitsmarkt. Durch das Auslaufen
des Welttextilabkommens stehen mehr als 1 Mio. Arbeitspl=E4tze in naher
Zukunft auf dem Spiel.</li>

<li>
Die Schmerzgrenze f=FCr die Flexibilisierung des Arbeitsmarktes ist
erreicht und ein Paradigmenwechsel von Besch=E4ftigung durch Wachstum
zu Wachstum durch Besch=E4ftigung erforderlich.</li>

<li>
Eine neue Regierung muss neben den bereits eingeleiteten Reformen zur Verbe=
sserung
der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen arbeitsintensive Infrastrukturinvest=
itionen
durchf=FChren, die Institutionen des Arbeitsmarktes st=E4rken sowie
finanzielle Strukturhilfen f=FCr die Textil- und Bekleidungsindustrie
zur Verf=FCgung stellen, wenn sie die Arbeitslosigkeit wirksam bek=E4mpfen
will.</li>
</ul>
<b>Die Schaffung von Arbeitspl=E4tzen als Wahlkampfthema in Indonesien</b>
<p>Im Superwahljahr 2004 haben die Kandidaten im Wahlkampf auch den Arbeits=
markt
entdeckt und versprechen die Schaffung von Millionen von Arbeitspl=E4tzen.
Sie haben jedoch bez=FCglich der L=F6sung des Problems der Arbeitslosigkeit
in ihren Wahlauftritten bisher nur unrealistische Versprechungen abgegeben.
So versprach Pr=E4sidentin Megawati Sukarnoputri, in den n=E4chsten
f=FCnf Jahren 13 Millionen neue Jobs zu schaffen. Amien Rais, der Kandidat
der moderaten muslimischen PAN-Partei und derzeit noch Pr=E4sident der
beratenden Volksversammlung MPR, will die Arbeitslosigkeit bis 2009 von
10% auf 8% absenken. Auch Exgeneral Wiranto, der f=FCr die fr=FChere
Soeharto-Partei Golkar antritt, verspricht mehr Jobs, wie auch sein fr=FChe=
rer
Milit=E4rkollege Susilo Bambang Yudhoyono (SBY), der mit dem reichen
Gesch=E4ftsmann Jusuf Kalla im Tandem f=FCr die neu gegr=FCndete
Demokratische Partei (DP) kandidiert. Die DP schnitt im April bei den Parla=
mentswahlen
=FCberraschend gut ab und liegt in den Wahlumfragen eindeutig an der
Spitze. Alle Kandidaten sind sich einig, dass der Abbau der Arbeitslosigkei=
t
in engem Zusammenhang mit den Wachstumsraten der Wirtschaft steht. Mit
den bisher in den letzten drei Jahren durchschnittlich erzielten j=E4hrlich=
en
4% l=E4sst sich jedoch das Problem der Arbeitslosigkeit nicht wirksam
bek=E4mpfen, wenn man bedenkt, dass auf Grund des Bev=F6lkerungswachstums
j=E4hrlich 2,5 Mio. junge Menschen neu auf den Arbeitsmarkt str=F6men.
Allein um diese neuen Arbeitskr=E4fte zu absorbieren, m=FCssten schon
Wachstumsraten von =FCber 6% erreicht werden. Deshalb liegen die Zielvorste=
llungen
der Kandidaten f=FCr das zuk=FCnftige wirtschaftliche Wachstum in
Indonesien bei 7,8% (Wiranto), 6,8% (Megawati), 6,3% (Amien Rais) und 7,6%
(SBY). Nur der f=FCnfte Kandidat und jetzige Vizepr=E4sident Hamzah
Haz von der Vereinigten Entwicklungspartei PPP scheut sich, konkrete Zahlen
zu nennen.
</p><p><b>Nur vage Vorstellungen =FCber Wirtschafts- und Arbeitmarktpolitik=
</b>
</p><p>Die meisten Kandidaten haben bisher nur sehr vage Andeutungen =FCber
ihre wirtschaftspolitischen Vorstellungen gemacht und unterscheiden sich
in ihren Aussagen nicht sehr voneinander. Exgeneral Wiranto nannte f=FCnf
=F6konomische Zielsetzungen: Er m=F6chte mehr makro=F6konomische
Stabilit=E4t, die Schaffung von zus=E4tzlichen Arbeitspl=E4tzen,
die Erh=F6hung und gerechtere Verteilung der Einnahmen aus den Rohstoffress=
ourcen,
eine gerechte Wirtschaftsordnung sowie die Verbesserung der Wettbewerbsf=E4=
higkeit
durch F=F6rderung von Forschung und Technologie. Dies alles soll erreicht
werden durch eine Reform des Arbeitsmarktes, die Erh=F6hung der Produktivit=
=E4t,
die Reform des Agrarsektors und die Verbesserung des Managements der nat=FC=
rlichen
Ressourcen. Auch sollen Rechtssicherheit und die Implementierung bestehende=
r
Wirtschaftsgesetze helfen, die Marktwirtschaft besser zu positionieren.
Preiskontrollen f=FCr lebensnotwendige G=FCter sowie die Schaffung
einer beh=F6rdlichen Einrichtung zur F=F6rderung der Klein- und mittelst=E4=
ndischen
Unternehmen stehen ebenfalls auf der Tagesordnung. Amien Rais sieht seine
wirtschaftlichen Vorstellungen in der Erreichung von drei Zielen erf=FCllt:
Hohes wirtschaftliches Wachstum durch St=E4rkung des inl=E4ndischen
Marktes und der F=F6rderung der heimischen Ressourcen, gerechtere Verm=F6ge=
ns-
und Einkommensverteilung durch st=E4rkere Partizipation des einfachen
Mannes am =F6konomischen Leben sowie eine generelle Stabilisierung des
Landes in allen politischen und =F6konomischen Bereichen. Die Schaffung
zus=E4tzlicher Jobs soll vor allem mit Hilfe des Staatshaushaltes durch
Erh=F6hung der Ausgaben f=FCr die Infrastruktur und die Landwirtschaft
erfolgen.
</p><p>Hamzah Haz m=F6chte, dass alle B=FCrger einen gleichen Zugang
zu G=FCtern und Dienstleistungen erhalten, ohne dabei konkreter zu werden.
SBY will generell das Investitionsklima verbessern, um dadurch neue Jobs
zu schaffen. Pr=E4sidentin Megawati beruft sich in ihren Wahlkampfauftritte=
n
auf die unter ihrer Regierung erreichte makro=F6konomische Stabilit=E4t,
die durch niedrige Inflation, Zinss=E4tze von 6% bzw. 9,5% und hohe
Devisenreserven von 35 Mrd. US $ gekennzeichnet ist. Wie anf=E4llig
aber z.B. diese =84makro=F6konomische Stabilit=E4t=93 ist, zeigt sich
in der Tatsache, dass der Rupiah seit einigen Wochen auf Grund der permanen=
ten
Wahlkampfsituation, den anhaltenden Ger=FCchten =FCber die Erh=F6hung
der Leitzinsen in den USA und der drohenden =DCberhitzung der chinesischen
Wirtschaft m=E4chtig an Wert gegen=FCber dem US $ verloren hat.
</p><p><b>Ansichten der Kandidaten sind nicht sehr realistisch</b>
</p><p>Wirtschaftsexperten werfen den Kandidaten vor, dass ihre Vorstellung=
en
zur Wirtschafts- und Arbeitsmarktpolitik zu unrealistisch und ambiti=F6s
sind. Anstelle konkreter Programme zur Erreichung kurzfristiger und langfri=
stiger
wirtschaftspolitischer Zielsetzungen werden populistische Forderungen erhob=
en,
die nachhaltig nicht gesichert werden k=F6nnen. Im Prinzip gehen die
wirtschaftspolitischen Vorstellungen der Pr=E4sidentschaftskandidaten
davon aus, dass Regierung, B=FCrokratie und Judikative nicht korrupt
sind und ein starker Rechtsstaat bereits existiert. Denn dies sind Vorausse=
tzungen
f=FCr Investitionen und nachhaltiges Wirtschaftswachstum. Jedoch ist
Korruption in allen Staatsbereichen, aber auch in der Privatwirtschaft
weit verbreitet und der Mangel an Rechtssicherheit evident. Alle Kandidaten
versprechen auch die Erh=F6hung der Bildungsausgaben und der Ausgaben
f=FCr Gesundheit und Soziales, ohne zu sagen, wie diese zus=E4tzlichen
Ausgaben finanziert werden sollen. Vor allem wird Pr=E4sidentin Megawati
heftigst auf Grund ihrer Aussagen zur Schaffung neuer Arbeitspl=E4tze
kritisiert. Man wirft ihr vor, dass ihre =C4u=DFerungen nicht =FCberzeugend
sind, da sie doch gerade in ihrer Arbeitsmarktpolitik gescheitert ist,
wie sich aus einer n=E4heren Analyse des Arbeitsmarktes ergibt.
</p><p><b>Sorgenkind Arbeitsmarkt</b>
</p><p>Die Arbeitslosigkeit ist in Indonesien extrem hoch. Von der =FCber
100 Mio. starken Erwerbsbev=F6lkerung sind 9,85% oder mehr als 10 Mio.
offen arbeitslos. Weiter sind =FCber 30 Mio. chronisch unterbesch=E4ftigt.
Offen arbeitslos in Indonesien bedeutet dar=FCber hinaus, dass man j=FCnger
als 25 ist und eine relativ gute Schulausbildung hat. Unterbesch=E4ftigt
bedeutet, dass jemand weniger als 35 Stunden pro Woche arbeitet und oft
keinen Job im formellen Sektor hat. Diese Entwicklung ist das Ergebnis
der Asienkrise von 1997, die sich am nachhaltigsten auf den Arbeitsmarkt
ausgewirkt hat. Die Krise kostete Millionen ihre bis dahin ausge=FCbten
Jobs und Anstellungen im formellen Sektor. Auf Grund der sehr hohen Flexibi=
lit=E4t
des Arbeitsmarktes konnte jedoch ein dramatischer Anstieg der offenen Arbei=
tslosigkeit
vermieden werden, trotz des R=FCckganges des Sozialproduktes um 14%.
Die Arbeitnehmer waren gezwungen, hohe Realeinkommensverluste hinzunehmen
und waren bereit andere Jobs anzunehmen, oft im informellen Sektor mit
erheblich geringeren L=F6hnen. Viele gingen zur=FCck in ihre D=F6rfer
und arbeiteten wieder in der Landwirtschaft oder fanden Besch=E4ftigung
im st=E4dtischen informellen Sektor. Der Anteil der Besch=E4ftigten
in der Landwirtschaft stieg von 1997, also vor der Krise, von 40,1% auf
43,3% in 2001 und der Anteil der im st=E4dtischen informellen Sektor
Besch=E4ftigten, der sogenannten =84urban poor=93, stieg im gleichen Zeitra=
um
von 42,8% auf 45%, w=E4hrend die Quote der Lohn- und Gehaltsempf=E4nger
von 35,5% auf 33,3% fiel. Am schlimmsten traf es die Arbeitnehmerinnen,
die als erste in die informelle Besch=E4ftigung gedr=E4ngt wurden.
Solche Trends sind nat=FCrlich nicht w=FCnschenswert f=FCr eine
nachhaltige Entwicklung. Dar=FCber hinaus wird die angespannte Situation
auf dem Arbeitsmarkt auf Grund der bereits erw=E4hnten demographischen
Entwicklung noch versch=E4rft.
</p><p><b>Weitere Arbeitsplatzverluste durch Globalisierung drohen</b>
</p><p>Mit dem Ende des Welttextilabkommens und dem Wegfall der Quoten Ende
2004 bef=FCrchten viele Experten auch erheblich negative Auswirkungen
auf die indonesische Textil- und Bekleidungsindustrie. Mehr als 1 Mio.
Menschen, =FCberwiegend Frauen, sind in dieser Branche direkt besch=E4ftigt=
,
weitere 2-3 Mio. Besch=E4ftigte in den Umfeldbereichen wie Transport,
Versorgung etc. h=E4ngen indirekt vom Wohlergehen dieser Branche ab.
In den letzten beiden Jahren sind schon =FCber 50.000 Arbeitspl=E4tze
in dieser Industrie weggefallen. Die Textil- und Bekleidungsindustrie ist
Indonesiens zweitgr=F6=DFter Devisenbringer und h=E4lt rund 15%
am Gesamtexportvolumen. Obwohl Indonesien bis auf den fast 100%igen Import
von Baumwolle und anderer Naturfasern =FCber eine eigene Chemiefaserprodukt=
ion
und ein vertikal integriertes Produktionssystem mit relativ geringen import=
ierten
Vorprodukten und hohen Exporten an Bekleidung und Textilien verf=FCgt,
wird durch den Wegfall der Quoten der Schutz vor der kosteng=FCnstigeren
chinesischen Konkurrenz genommen. So verf=FCgt Indonesien nur =FCber
65% der chinesischen Produktivit=E4t, die Produktionskosten f=FCr
ein Baumwollhemd in China betragen 3,30 US $ im Vergleich zu 3,70 US $
in Indonesien.
</p><p>Obwohl die L=F6hne in der indonesischen Textil- und Bekleidungsindus=
trie
zu den niedrigsten der Welt geh=F6ren (der durchschnittliche Stundenlohn
betr=E4gt ca. 50 US Cent), sind es die =84invisible costs=93 (wie die korru=
ptionsbezogenen,
ungesetzlichen Abgaben bezeichnet werden), die die Produktion unn=F6tig
verteuern. Hinzu kommt, dass im Vergleich zu China der Rupiah zu teuer
und der technologische R=FCckstand enorm ist (das durchschnittliche
Alter des Maschinenparks liegt zwischen 10 und 20 Jahren). Ein unsinniger
Zoll auf importierte Baumwolle und gestiegene Energiekosten auf Grund der
Streichung von Subventionen tun ein =DCbriges, um die Produktion im
Vergleich zu China zu verteuern. Dar=FCber hinaus hat die Entwicklung
der vergangenen Jahre gezeigt, dass die Indonesier ihre Anteile in quotiert=
en
M=E4rkten wie den USA und der EU steigern konnten, w=E4hrend ihre
Anteile in nichtquotierten M=E4rkten wie z.B. Japan und Australien sanken,
wo vor allem China expandierte. Dies ist ein weiteres Indiz daf=FCr,
dass beim generellen Wegfall der Quoten Ende 2004, der Export indonesischer
Textil- und Bekleidungsprodukte zur=FCckgehen wird und vor allem China
wegen seiner niedrigeren Produktionskosten und seiner breiteren Skala von
Produktqualit=E4ten profitieren wird.
</p><p><b>Wachstum und Flexibilit=E4t des Arbeitsmarktes reichen nicht</b>
</p><p>Angesichts dieser globalen und sektoralen Entwicklungen steht die Re=
gierung
unter einem neuen Pr=E4sidenten im Oktober vor gro=DFen wirtschafts-
und arbeitsmarktpolitischen Herausforderungen. Wichtig w=E4re es, ein
konkretes Programm auszuarbeiten. Eine weitere Absenkung der Reall=F6hne,
weitere Flexibilisierung des Arbeitsmarktes und die Hoffnung, dass das
bisher nur vom Konsumsektor getragene Wachstum erh=F6ht werden kann,
werden die Probleme nicht l=F6sen. Obwohl die Rate der absoluten Armut
in Indonesien von 30% auf dem H=F6hepunkt der Krise mittlerweile auf
18% gefallen ist, zeigen j=FCngste Untersuchungen, dass 40-50% der Bev=F6lk=
erung
bei einer Verschlechterung der Einkommenslage gef=E4hrdet sind, in die
absolute Armut abzust=FCrzen (nahezu 2/3 der Bev=F6lkerung leben
von nur 2 US Dollar oder weniger pro Tag). Ein weiteres Absinken der Reall=
=F6hne
ist keine =F6konomische Alternative und wird nur mehr =84working poor=93
produzieren. Es bedeutet auch sozialer Sprengstoff und eine Gef=E4hrdung
des demokratischen Reformprozesses, vor allem wenn man bedenkt, dass Indone=
sien
kein System der sozialen Sicherheit hat und dass das Bildungs- und Gesundhe=
itssystem
mehr als vernachl=E4ssigt gilt. Auch das Erreichen h=F6herer Wachstumszahle=
n
steht kurzfristig nicht in Aussicht. Das gegenw=E4rtig nur auf steigende
Konsumausgaben gest=FCtzte Wachstum kann nachhaltig nur durch h=F6here
Investitionen und Exporte beschleunigt werden. Bis jedoch die im sogenannte=
n
Wei=DFbuch der Regierung Megawati genannten Eckpunkte implementiert
sind, die zu mehr inl=E4ndischen und ausl=E4ndischen privaten Investitionen
f=FChren sollen, einschlie=DFlich einer Steuer- und Zollreform sowie
der Verabschiedung eines neuen Konkursgesetzes, wird noch viel Zeit vergehe=
n.
</p><p><b>Notwendiger Paradigmenwechsel: Von Besch=E4ftigung durch Wachstum
zu Wachstum durch Besch=E4ftigung</b>
</p><p>Die Rolle des =F6ffentlichen Sektors, vor allem bei der kurzfristige=
n
m=F6glichen Schaffung von Arbeitspl=E4tzen, wurde in Indonesien bisher
vernachl=E4ssigt. =D6ffentliche Investitionen in die Infrastruktur
k=F6nnten Arbeitspl=E4tze f=FCr diejenigen schaffen, die vor allem
in den informellen Sektor auf Grund der Asienkrise gedr=E4ngt wurden.
Eine verbesserte materielle, personelle und institutionelle Infrastruktur
k=F6nnte auch den Kostendruck des privaten Sektors reduzieren, die Produkti=
vit=E4t
erh=F6hen und somit Wachstum initiieren. Jedoch ist die Finanz- und
Fiskalpolitik in den letzten Jahren =E4u=DFerst restriktiv und zum
Abbau des Haushaltsdefizits verwandt worden. Notwendige Investitionen,
vor allem in die Infrastruktur, wurden nur z=F6gerlich vorgenommen und
wurden weitgehend im Rahmen der Entwicklungshilfeprogramme durchgef=FChrt.
Diese dort zur Verf=FCgung gestellten Gelder werden jedoch h=E4ufig
nicht abgerufen oder es stehen b=FCrokratische Hemmnisse oder Ineffizienz
bei der Implementierung im Weg. F=FCr eine Ausdehnung von Infrastrukturinve=
stitionen
gibt es bestimmt gen=FCgend Verhandlungsspielraum mit den Geberl=E4ndern,
wenn man eine entsprechend effiziente Durchf=FChrung zusichern kann.
Dar=FCber hinaus ist das vor allem von Deutschland in Indonesien praktizier=
te
Modell der Umwandlung bzw. des Erlasses von Schulden zur Finanzierung von
Infrastrukturprojekten in den Bereichen Bildung, Gesundheit und Umwelt
ein Schritt in die richtige Richtung. Weiter muss sich der indonesische
Staat bem=FChen, die Einnahmen aus Steuern zu verbessern, um hiermit
arbeitsintensive Infrastrukturprojekte zu finanzieren. In einem Land wie
Indonesien, in dem die Korruption weit verbreitet ist, k=F6nnen nat=FCrlich
verst=E4rkte =F6ffentliche Ausgaben in die Infrastruktur leicht missbraucht
werden. Aber Korruption gibt es genauso im privaten Sektor und die =F6konom=
ische
Krise war auch ein Resultat des skrupellosen Verhaltens privater Gesch=E4ft=
sleute.
Deswegen ist es notwendig, auch weiterhin starke demokratische Institutione=
n
aufzubauen sowie oppositionelle Strukturen in der Zivilgesellschaft aber
auch im parlamentarischen System zu unterst=FCtzen, die eine wirksame
Kontrolle der Regierung und der B=FCrokratie garantieren k=F6nnen.
</p><p><b>Institutionen des Arbeitsmarktes m=FCssen gest=E4rkt werden</b>
</p><p>Um arbeitsintensives Wachstum zu erreichen, ist es auch unabdingbar,
den Arbeitsmarkt institutionell neu zu ordnen. W=FCnschenswert w=E4re
z.B. die Aufnahme der Formulierung von Besch=E4ftigungszielen durch
die Regierung, neben der =FCblichen Formulierung von Zielen f=FCr
Wachstum, Inflation und Haushaltsdefizit. Solche Ziele ergeben die M=F6glic=
hkeit
zur Formulierung einer Politik, die den Wachstumsprozess arbeitsintensiver
gestaltet. F=FCr die Regierung ist es eine absolute Notwendigkeit, ein
Arbeitsmarktinformationssystem zu schaffen. Nur mit Hilfe von korrekten
Daten ist sie in der Lage, den Arbeitsmarkt besser zu =FCberwachen.
Das statistische Chaos und die unzureichende Datenerhebung innerhalb der
indonesischen B=FCrokratie sind hinreichend bekannt. Zus=E4tzlich
sollten Arbeitsmarktinformationen systematisch an Arbeitsuchende, Studenten=
,
Arbeitgeber und Gewerkschaften weitergegeben werden. Dar=FCber hinaus
sind genaue Erhebungen vorzunehmen =FCber Besch=E4ftigungselastizit=E4ten
einzelner Branchen und Betriebsgr=F6=DFen, um die Besch=E4ftigungswirksamke=
it
von Wachstum besser einsch=E4tzen zu k=F6nnen. So ist z B. die Besch=E4ftig=
ungselastizit=E4t
in der Bekleidungs-, Schuh-, M=F6bel- und Elektronikindustrie sehr hoch.
Auch gibt es Indikatoren daf=FCr, dass vor allem Klein- und mittelst=E4ndis=
che
Betriebe arbeitsintensiver operieren. So k=F6nnte man hieraus eine Politik
ableiten, die den Marktzugang f=FCr solche Betriebe in bestimmten Industrie=
n
erleichtert. Ein Schwerpunkt sollte nat=FCrlich der Zugang zu Bildung
und Ausbildung sein. In Indonesien gibt es bisher kein umfassendes System
der beruflichen Bildung. Eine Koordinierung zahlreicher Ans=E4tze und
Projekte ist dringend erforderlich.
</p><p>Last but not least m=FCssen an Stelle der grenzenlosen Flexibilisier=
ung
des Arbeitsmarktes institutionelle Regeln treten, die dem Konzept der Inter=
nationalen
Arbeitsorganisation des =84decent work=93 f=FCr alle entsprechen. Hierzu
geh=F6ren Schutz der Gewerkschaftsfreiheit, Tarifautonomie, gesetzliche
Mindestl=F6hne und selbst eine Arbeitslosenversicherung, die, wie j=FCngste
Untersuchungen gezeigt haben, f=FCr Indonesien finanziell machbar ist.
Dem Problem der zunehmenden Arbeitskonflikte, die angeblich f=FCr das
zur=FCckhaltende Investitionsverhalten verantwortlich sind, begegnet
man am besten durch ein System funktionsf=E4higer industrieller Beziehungen=
,
in dem die Achtung der Gewerkschaftsrechte und der Arbeitsgesetze sowie
der Dialog zwischen den Sozialpartnern und die Partizipation der Stakeholde=
r
in einem tripartiten Konsultations- und Verhandlungsmechanismus Eckpfeiler
sein sollten.
</p><p><b>...und vorausschauende Industrie- und Strukturpolitik betrieben w=
erden</b>
</p><p>Bez=FCglich des Auslaufens des Welttextilabkommens hat die indonesis=
che
Regierung Vorstellungen entwickelt, die eine Umstrukturierung der Textil-
und Bekleidungsindustrie zum Gegenstand haben. Sie verweigert aber gleichze=
itig
finanzielle Strukturhilfen, um diesen Prozess zu begleiten und =FCbertr=E4g=
t
die Kosten hierf=FCr der Industrie. =DCber die Verbesserung der Wettbewerbs=
f=E4higkeit
z.B. durch Erneuerung des Maschinenparks, finanziert =FCber verbesserte
Abschreibungen und Steuernachl=E4sse oder z.B. durch Qualifikation und
Fortbildung der Arbeitnehmer ist leider nichts zu lesen. Selbst m=F6gliche
Verbesserungen des Marktzugangs indonesischer Unternehmen zu den in Zukunft
quotenfreien M=E4rkten der USA und der EU durch etwaige Vorzugshandelsabkom=
men
sind im Konzept der Regierung nicht vorgesehen. Eine Koppelung der Einhaltu=
ng
von Sozial- und Arbeitsstandards z.B. an Zollpr=E4ferenzen k=F6nnte
helfen, Arbeitspl=E4tze zu sichern und Arbeitslosigkeit zu vermeiden.
</p><p>So bleibt abzuwarten, welche konkrete Wirtschafts- und Finanzpolitik
die neue Regierung einschlagen wird, ob es einen Paradigmenwechsel geben
wird und ob Arbeitsmarkt- und Strukturpolitik einen gr=F6=DFeren
Stellenwert erlangen werden als bisher. Die Aussagen der Kandidaten auf
den Wahlveranstaltungen und die vorliegenden Programme geben wenig Konkrete=
s
und verlieren sich in Allgemeinpl=E4tzen. Die Menschen vor Ort jedoch
brauchen Arbeit und Brot.
<br>&nbsp;
</p><p><a href=3D"http://www.fes.de/" target=3D"_blank">Friedrich-Ebert-Sti=
ftung</a>
| net edition: <a href=3D"mailto:paul.pasch@fes.de">Paul Pasch</a> und <a h=
ref=3D"mailto:ulrike.ehnes@fes.de">Ulrike
Ehnes</a> | <a href=3D"http://www.fes.de/international/asien/" target=3D"_b=
lank">Die
Friedrich-Ebert-Stiftung in Asien</a>


</p></body></html>
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