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Ru=DFland : neue Perspektiven in der Innen- und Europapolitik
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apolitik ; Wirtschaftsentwicklung ; ; L=E4nder/Staaten ; Foreign countries =
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<tbody><tr>
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<!-- END BEGIN1 -->
Ru=DFland : neue Perspektiven in der Innen- und Europapolitik
 / Peter W. Schulze. - [Electronic ed.]. - Bonn, 2000. - 18 S. =3D 55 Kb, T=
ext
. - (FES-Analyse)
<br>Electronic ed.: Bonn : FES Library, 2001
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<br><br>
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=3D"INHALT"></center><br><br>
<!-- END BEGIN2 -->

<p>
</p><ul>
<ul>
<li>
<a href=3D"https://library.fes.de/fulltext/stabsabteilung/00916.htm#E283E1"=
>Das Primat der Innenpolitik</a>
</li><li>
<a href=3D"https://library.fes.de/fulltext/stabsabteilung/00916.htm#E283E2"=
>Wirtschaftliche Entwicklung - Silberstreifen am Horizont</a>
</li><li>
<a href=3D"https://library.fes.de/fulltext/stabsabteilung/00916.htm#E283E3"=
>Neue Akzente in der russischen Au=DFen- und Sicherheitspolitik</a>
</li><li>
<a href=3D"https://library.fes.de/fulltext/stabsabteilung/00916.htm#E283E4"=
>Ausblick</a></li></ul></ul>
<br><br>

<table border=3D"1"><tbody><tr><td><ul>

<p></p><li> <b>Mit den Wahlen zur Staatsduma und Pr=E4sidentschaft hat sich=
 ein neuer =84Machtblock" formiert. An die Stelle der Ungewissheit =FCber d=
ie Stabilit=E4t der politischen F=FChrung, wer eigentlich die Richtung der =
Politik bestimmt, ist die Gewissheit getreten, dass sich nun im Land mit Pr=
=E4sident Putin eine feste F=FChrung etabliert hat. </b>
<p></p></li><li> <b>Das innenpolitische Klima hat sich versch=E4rft. Die an=
f=E4ngliche Offenheit in der Politik ist einem <i>restaurati</i><i>ven </i>=
<i>Konservatismus</i> gewichen, der autorit=E4re Z=FCge tr=E4gt und sich se=
lbstbewusster, patriotischer geriert. Die neue Machtelite setzt sich in ers=
ter Linie aus Vertretern der inneren Sicherheit, aus Milit=E4rs, aus Wirtsc=
haftsgruppen des Energiesektors und vor allem aus Vertrauten des Pr=E4siden=
ten Putin zusammen. Die Instrumentalisierung der Medien f=FCr politische Zi=
ele</b> <b>geht weiter</b>.=20
<p></p></li><li><b>Nach der Finanzkrise vom August 1998 setzte eine deutlic=
he wirtschaftliche Erholung ein. Seither kam es zu erstaunlichen Wachstumsr=
aten, erstmals seit zehn Jahren wuchsen die Investitionsrate und ausl=E4ndi=
sche Direktinvestitionen; Lohnschulden wurden beglichen, die Steuereinnahme=
n stiegen. Die Auslandsschulden konnten bedient und R=FCcklagen bei der Zen=
tralbank gebildet werden. </b>
<p></p></li><li><b>Bleiben die Energiepreise auf hohem Niveau und werden di=
e erzielten Erl=F6se zur technologischen Modernisierung und Diversifikation=
 der Produktion sowie zur Verbesserung der Infrastruktur verwendet und nich=
t zur Alimentierung des staatlichen Haushalts, k=F6nnte die russische Wirts=
chaft in eine Phase nachhaltigen Wirtschaftswachstums eintreten. </b>
<p></p></li><li><b>F=FCr die russisch-europ=E4ischen Beziehungen ergeben si=
ch neue Perspektiven: Die =84Gemeinsame Strategie der EU f=FCr Russland" vo=
n 1999 geht =FCber den Aspekt wechselseitiger Beziehungen hinaus. In ihrer =
=84mittelfristigen Strategie" erkennt die russische Politik ihrerseits die =
EU erstmals als globalpolitisch operierenden Akteur mit eigenen Interessen =
an und beobachtet ernsthaft die Versuche der EU, sich eine au=DFen- und sic=
herheitspolitische Identit=E4t sowie milit=E4rische Durchsetzungsf=E4higkei=
t zu verschaffen.</b>
<p></p></li><li><b>Die Normalisierung und Entfaltung der Beziehungen zur EU=
 sind f=FCr Russland die Basis f=FCr eine flexiblere und entspanntere Polit=
ik gegen=FCber den USA. Russland will zum sicherheitspolitischen Partner de=
r EU werden, dabei aber seine Eigenst=E4ndigkeit und Distanz zu Europa bewa=
hren. Falls geboten, sollten beide Seiten sich in internationalen Organisat=
ionen abstimmen und bei Krisenpr=E4vention und Konfliktminimierung im OSZE-=
Raum eng kooperieren.</b>
</li></ul></td></tr></tbody></table><br><br>

<a name=3D"E283E1"></a><br><br>
<h2><b><i>Das Primat der Innenpolitik</i></b></h2>
<p><b>Als Ergebnis der Wahlen zur Staatsduma und zur Pr=E4sidentschaft hat =
sich ein neuer =84Machtblock" formiert, ist eine neue =84Partei der Macht" =
entstanden. An die Stelle der Ungewissheit =FCber die Stabilit=E4t der poli=
tischen F=FChrung, wer eigentlich die Richtung der Politik bestimmt, ist di=
e Gewissheit getreten, dass sich nun im Land eine feste F=FChrung etabliert=
 hat, die berechenbar ist und auf die man sich f=FCr eine l=E4ngere Periode=
 einlassen muss.</b> In Anbetracht der Tatsache aber, mit welcher H=E4rte d=
ie neue F=FChrung den Krieg in Tschetschenien betreibt und gegen politische=
 Gegner vorgeht, mehren sich Sorgen, ob die demokratische Entwicklung nicht=
 auf der Strecke bleiben wird. <b>Zweifellos, das innenpolitische Klima hat=
 sich versch=E4rft. Die anf=E4ngliche Offenheit in der Politik ist einem <i=
>restaurati</i><i>ven Konservatismus</i> gewichen, der autorit=E4re Z=FCge =
tr=E4gt und sich selbstbewusster, patriotischer geriert. Die Instrumentalis=
ierung der Medien f=FCr politische Ziele</b>, die im Vorfeld der Duma- und =
Pr=E4sidentschaftswahlen bereits groteske Z=FCge annahm und teilweise an to=
talit=E4re Praktiken der drei=DFiger Jahre erinnerte, <b>geht weiter</b>. D=
ie Medien haben ihre Funktion als kritische Instanz in der Gesellschaft wei=
tgehend eingeb=FC=DFt.=20
</p><p><b>Auf dem Weg zum Zwei-Parteien-System?</b>
</p><p><b>Vom Pr=E4sidenten gehen eindeutige Bestrebungen aus, die Konstell=
ation der politischen Kr=E4fte, der Parteien und Bewegungen, neu zu ordnen.=
 Dies kann notfalls mit Hilfe eines Wahlgesetzes geschehen, das den Zugang =
zur Staatsduma erschwert, indem die Sperrklausel von f=FCnf auf acht Prozen=
t angehoben wird.</b> Die Diskussion dar=FCber dauert an. Es ist nicht mehr=
 auszuschlie=DFen, dass nach der Neuordnung der Kompetenzen und Zusammenset=
zung der zweiten Kammer, dem F=F6derationsrat, tiefgreifende Einschnitte im=
 parlamentarischen System anstehen. <b>Die Regierung unter Pr=E4sident Puti=
n setzt alles daran, eine starke Partei der Macht, die sich aus der Regieru=
ngspartei Edinstwo, aus =DCberl=E4ufern von OWR und aus der SPS zusammenset=
zt, systematisch zu f=F6rdern.</b> <b>Aus <i>think tanks</i> des Kreml sick=
ern immer wieder =DCberlegungen in die =D6ffentlichkeit, dass man ernsthaft=
 an die Einf=FChrung eines Zweiparteiensystems denkt.</b>=20
</p><p>Anfang des Jahres wurde sogar die taktische Allianz zwischen der KPR=
F und Edinstwo in diesem Sinne interpretiert: sie sei Teil eines arbeitstei=
ligen Planes, die =FCbrigen Parteien aus der Duma zu verdr=E4ngen. <b>Um di=
e KPRF einerseits und um Edinstwo andererseits sollen sich die beiden neuen=
 Parteien formieren. Demzufolge soll die KPRF endlich das Projekt einer lin=
kszentristischen Partei realisieren und sich in diesem Prozess zu einer Par=
tei sozialdemokratischen Zuschnittes entwickeln. Hingegen sollen von der Ed=
instwo Kr=E4fte aus den =FCbrigen Parteien angezogen werden, damit zu guter=
 Letzt eine konservative, wirtschaftsliberale Massenpartei aufgebaut werden=
 kann. Ob sich ein solches Zwei-Parteien-Modell in der Russl=E4ndischen F=
=F6deration auf absehbare Zeit durchsetzen wird, ist mehr als ungewiss. Ob =
es =FCberhaupt f=FCr die russische Demokratie f=F6rderlich w=E4re, ist eine=
 weitere Frage.</b> Denn erstens hat die KPRF kaum die Kader, eine solche T=
ransformation zur Mitte einzuleiten. Sie w=FCrde ihre konservativ, r=FCckw=
=E4rtsgewandte politische Basis, n=E4mlich die Ebene der Bezirkskader, verl=
ieren. Sich aber jene Kader bei OWR oder anderswo einzukaufen, w=FCrde f=FC=
r viele Funktion=E4re der KPRF zur essentiellen Frage des politischen =DCbe=
rlebens. Die konservative, aber konturlose Bewegung Edinstwo hat da schon g=
r=F6=DFere Vorteile. Sie ist bereits dabei, ihr Kaderproblem durch die Inte=
gration von erfahrenen Politikern aus anderen Fraktionen zu l=F6sen. Mit de=
m wirtschaftspolitischen Perspektivplan von German Gref behandelt sie zugle=
ich programmatische Fragen und gibt sich ein politisches Profil.=20
</p><p>Doch die Kalkulation des Kreml kann aufgehen, gleichviel, ob die Kom=
munistische Partei mitspielt oder nicht. Denn gelingt der Aufbau einer prog=
rammatisch gefestigten Massenpartei konservativen Zuschnitts aus den Tr=FCm=
mern der Parteilandschaft, dann wird dies die politische Landschaft in Bewe=
gung bringen und die KPRF unter Zugzwang setzen. In diesem Sinne werden die=
 n=E4chsten vier Jahre spannend. Wieder einmal ist nach der Implosion von L=
uschkows Otetschestwo/OWR, der Kampf um die Mitte angesagt.=20

</p><p></p><p align=3D"CENTER"><b>Neue politische Machtstrukturen</b>
</p><p><b>Die Konstitution einer neuen Machtelite geht einher mit Umgruppie=
rungen der politischen Kr=E4fte. Die neue Machtelite setzt sich in erster L=
inie zusammen aus Personen der inneren Sicherheit, aus Milit=E4rs, aus Wirt=
schaftsgruppen des Energiesektors, vor allem aber aus Vertrauten des Pr=E4s=
identen Putin</b>, die mit ihm in seiner Zeit in St. Petersburg zusammengea=
rbeitet haben. Diese sehr spezifische Auswahl ist aber noch kein Beleg daf=
=FCr, dass diese Gruppen antidemokratische oder antiwestliche Tendenzen ver=
st=E4rken. Obwohl in der ersten Phase der Amtszeit Putins, =FCbereinstimmen=
d mit der =C4ra Jelzin, der Akzent auf der Innen- und Wirtschaftspolitik zu=
 liegen scheint, sind auch Weichenstellungen und Kursberichtigungen in der =
russischen Au=DFen- und Sicherheitspolitik wahrnehmbar.=20
</p><p><b>Die Aktionsfelder der russischen Politik sind relativ klar erkenn=
bar:</b>
</p><ul>
<p></p><li> <b>Neuordnung des Staatsaufbaus und St=E4rkung des Zentralstaat=
s, </b>
<p></p></li><li> <b>Zur=FCckdr=E4ngung des Einflusses von Interessengruppen=
 und Regionen aus der nationalen Politik, </b>
<p></p></li><li> <b>Konstitution einer breiteren Machtbasis zur St=E4rkung =
und Legitimation politischer Macht,</b>
<p></p></li><li><b>Modernisierung und Kr=E4ftigung der internationalen Konk=
urrenzf=E4higkeit der russischen Wirtschaft,</b>
<p></p></li><li> <b>Anerkennung als Gro=DFmacht und Sicherung sowie Durchse=
tzung nationaler Interessen in der internationalen Politik,</b>
<p></p></li><li> <b>Wiederaufnahme des Dialoges um europ=E4ische Sicherheit=
 und =DCberwindung der tendenziellen Selbstisolation.</b>
</li></ul>
<p><b>Im Unterschied zur Jelzin-=C4ra haben sich die Voraussetzungen politi=
schen Handelns f=FCr die Regierung erheblich verbessert: Die Duma wird nich=
t mehr von nationalistischen und kommunistischen Kr=E4ften dominiert.</b> F=
alls die Bewegungen der demokratischen Linken, der Mitte und der Rechten zu=
sammenfinden, kann es zu einem Zusammenspiel von Pr=E4sidialadministration =
und der neuen Mehrheit in der Duma kommen. L=E4ngst =FCberf=E4llige Reforme=
n k=F6nnten dann auf den Weg gebracht werden.=20
</p><p>Der Wahlausgang kam einer Aufwertung des Parlamentes gleich und setz=
te erneut einen <b>Prozess politischen <i>Realignments</i></b> in Gang, der=
 bereits erste Ergebnisse erbrachte und die Stellung der Regierung st=E4rkt=
e: Erstens erzwang die Wahlniederlage der demokratischen Oppositionsbewegun=
g <b>=84Jabloko" unter Grigorij Jawlinskij</b> die Fusion mit der rechten B=
ewegung SPS, dem =84B=FCndnis der Rechten Sache". Jabloko verliert dadurch =
seine Eigenst=E4ndigkeit als parlamentarische Kraft und n=E4hert sich dem R=
egierungslager. Zweitens f=FChrte die Demontage der politischen F=FChrung v=
on <b>Otetschestwo</b>, n=E4mlich von <b>Jurij Luschkow und Ewgenij Primako=
w</b>, zur Implosion dieser Bewegung. Nachdem zuvor schon die regionale Gru=
ppe =84Wsaja Rossia" aus dem B=FCndnis mit Otetschestwo faktisch ausscherte=
, steht sie nun vor dem politischen Aus oder vor der Entscheidung, sich ein=
em der entstehenden Machtbl=F6cke im Parlament anzuschlie=DFen. Pr=E4sident=
 Putin setzte unmittelbar nach seinem Wahlsieg die Kampagne gegen Primakow =
aus und versuchte, ihn durch eine geschickte Umarmungspolitik f=FCr sich zu=
 gewinnen. Drittens verbleiben als eigentliche Opposition die <b>Kommuniste=
n</b>. Diese sind aber durch die erneute Niederlage Zuganows in den Pr=E4si=
dentschaftswahlen und durch das vorhersehbare Abschneiden bei den Dumawahle=
n in eine tiefe Identit=E4tskrise geraten. <b>Sie k=F6nnen nicht mehr zur=
=FCck, haben allerdings keine Rezepte f=FCr die Zukunft, und relevante Teil=
e ihrer nationalen und sozialen Programmatik sind von der neuen Regierungsp=
artei Edinstwo =FCbernommen worden. Zudem sind sie traditionsgem=E4=DF Zent=
ralisten und k=F6nnen dem Anliegen der Rezentralisierung staatlicher Macht =
nur beipflichten. Pflichtgem=E4=DF votierten sie dann auch gegen den F=F6de=
rationsrat und unterst=FCtzten Putin.</b>
</p><p><b>Zwischen der Pr=E4sidialadministration und der Duma besteht also =
Konsens im Vorgehen gegen die Regionen, wie die Abstimmungen um die Neuordn=
ung des Staates belegen. Damit bricht der Kreml mit den Pr=E4missen der eig=
enen Politik, wie sie bis zur Finanzkrise 1998 galten. St=FCtzte sich der K=
reml bisher auf die Regionen und auf die =84Finanzindustriellen Gruppen", s=
o sucht er heute deren Macht zu brechen. </b>
</p><p>Die Konstitution eines regierungskonformen Machtblockes in der Staat=
sduma, der langsam daran geht, sich ein Programm zu geben und F=FChrungsper=
s=F6nlichkeiten aus anderen politischen Lagern zu gewinnen, impliziert, das=
s die Duma wesentlich konstruktiver bei der Gesetzgebung mitarbeiten kann a=
ls bisher und nicht mehr so leicht zum S=FCndenbock f=FCr einen z=F6gerlich=
en Reformprozess gemacht werden kann. Allein dieser Umstand wird zur Stabil=
it=E4t des politischen System beitragen und seine R=FCckwirkungen auf die W=
irtschaft haben. <b>Zweifellos wird die neue Machtkonstellation in der Duma=
 kaum Interesse daran haben, vorsichtige Korrekturen am pr=E4sidialen Zusch=
nitt des politischen Systems auf den Weg zu bringen. Eher kann das Gegentei=
l erwartet werden: Weil die Regierungspartei Edinstwo ihren Erfolg ausschli=
e=DFlich dem Pr=E4sidenten verdankt und noch kein eigenes politisches Profi=
l entwickeln konnte, ist sie auf Gedeih und Verderb vom Erfolg seiner Polit=
ik abh=E4ngig.</b> =C4hnlich wie der F=F6derationsrat in der Anfangsphase d=
er =C4ra Jelzin, k=F6nnte die Duma zum Instrument und Claqueur der Pr=E4sid=
ialadministration verk=FCmmern.=20
</p><p>Die Rekonstitution staatlicher Autorit=E4t soll die =84rechtsfreie" =
Situation beenden, die eine wesentliche Voraussetzung f=FCr den Aufstieg de=
r Oligarchie, aber auch f=FCr die rasanten Ver=E4nderungen in der russische=
n Wirtschaft und Gesellschaft war. Die Macht der Politoligarchen, Einflu=DF=
 auf die Politik und vor allem auf den Entscheidungsproze=DF des Kreml zu n=
ehmen, ist geschwunden, allerdings ist die Frage des politischen =DCberlebe=
ns der noch verbliebenen nicht klar beantwortet. Der Wechsel in der Machtel=
ite vollzieht sich bereits. <b>Berechenbare Interessengruppen aus Wirtschaf=
tssektoren, die st=E4rker in den Weltmarkt integriert sind und sich mithin =
an den internationalen Bedingungen des Wettbewerbs und des Verhaltens orien=
tieren, haben die =84Finanzindustriellen Gruppen" verdr=E4ngt. Diese neuen =
auf den internationalen Markt ausgerichteten Gruppen haben ein essentielles=
 Interesse an einem erstarkenden Rechtsstaat und an innenpolitischer Stabil=
it=E4t.</b> Denn der Staat ist f=FCr sie ein wichtiger indirekter Wirtschaf=
tsfaktor, da er beispielsweise f=FCr die Sicherheit von Transportwegen, f=
=FCr die Bereitstellung von Infrastruktur und f=FCr die Ausbildung und Qual=
ifizierung von Menschen sorgen muss.=20
</p><p><b>Die Oligarchie selbst befindet sich seit der Augustkrise von 1998=
 im Umbruch oder in Aufl=F6sung und hat sich bis auf wenige Ausnahmen (B. B=
eresowskij, A. Tschubais, R. Abramowitsch, W. Gussinskij) aus der Politik z=
ur=FCckgezogen beziehungsweise erkennt die =84Dominanz des Politischen" wie=
der an. Die =84vertikale Entscheidungskompetenz" =FCber die nationale Polit=
ik soll wieder eindeutig auf den Zentralstaat =FCbergehen.</b> Der Staat so=
ll erneut zur integrierenden und hoffentlich auch zur respektierten Instanz=
 werden, die die Rahmenbedingungen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen =
Verhaltens setzt und sanktioniert, also idealerweise ein <i>=84even playing=
 field"</i> f=FCr alle Subjekte schafft und =FCber die Einhaltung der Spiel=
regeln wacht. Diese Erwartung ist an den neuen Pr=E4sidenten herangetragen =
worden, und ihm werden Erfolge abverlangt werden. Die Ermittlungen der Gene=
ralstaatsanwaltschaft gegen Mitglieder der Oligarchie, denen Gesetzesverst=
=F6=DFe im Zuge der Privatisierung vorgehalten werden, und die Einforderung=
 von Bu=DFen in mehrstelligen Millionenbetr=E4gen von Potanin (Norilsk Nick=
el), Alekperow (LUKoil) und Gussinskij (Media-Most) wie auch indirekte Ermi=
ttlungen gegen das Beresowskij- Imperium bei Avtowas illustrieren, dass die=
 Regierung es mit dem Slogan von der =84Diktatur des Gesetzes" ernst meint.=
 <b>Anders als beim Vorgehen gegen die Gouverneure treffen die Ma=DFnahmen =
gegen die Oligarchie auf breite Zustimmung in der =D6ffentlichkeit. Auch we=
nn es sich mehr um symbolische Akte handelt, mit denen die kriminellen Mach=
enschaften w=E4hrend der Privatisierung nicht r=FCckg=E4ngig gemacht werden=
 oder gar eine Welle von Renationalisierungen eingeleitet wird, so st=FCtzt=
 der Popularit=E4tsgewinn dieser Aktion den Pr=E4sidenten im Kampf auf ande=
ren Politikfeldern.</b> <b>So im Vorgehen gegen Korruption, b=FCrokratische=
 Willk=FCr und Obstruktion von Teilen der verselbst=E4ndigten B=FCrokratie =
gegen die Regierungspolitik. </b>
</p><p>Das Vorgehen der Pr=E4sidialadministration gegen die Oligarchie und =
gegen die Macht der Gouverneure soll eine Entwicklung korrigieren, die nach=
 dem zweiten Wahlsieg Jelzins 1996 einsetzte und die Autorit=E4t des Staate=
s stetig aush=F6hlte. Pr=E4sident Putin hat einen <b><i>Kampf an zwei Front=
en</i></b> begonnen, dessen Ausgang noch nicht entschieden ist. <b>Es ist s=
icherlich richtig, dass die Geschlossenheit der Oligarchie von 1996 schon s=
eit langem nicht mehr besteht</b>, dass sie seit der Finanzkrise von 1998 a=
ls herrschende und die Politik mitentscheidende Kraft an Einfluss verloren =
hat. <b>Anders die Gouverneure. Zwar gelang es der Kremladministration bei =
den Wahlen zur Duma 1999, die regionalen Eliten zu spalten und einen Gro=DF=
teil der verarmten und von Transferzuweisungen abh=E4ngigen Regionen auf da=
s Zweckb=FCndnis Edinstwo zu ziehen.</b> Aber die Spaltung der Regionen end=
ete abrupt, als offenkundig wurde, dass der Kreml unter dem Vorwand, den Ze=
ntralstaat zu st=E4rken und exzessive Ausw=FCchse des asymmetrischen F=F6de=
ralismus zur=FCckzuschneiden, die Zur=FCckdr=E4ngung der Regionen aus der n=
ationalen Politik betrieb. <b>Tendenzen der Rezentralisierung bedrohen nun =
erneut die erstmals in der russischen Geschichte errungene relative Autonom=
ie der Regionen und tasten die partikularen Privilegien der Gouverneure an.=
 </b>Zusammen mit Teilen der wirtschaftlichen Machtgruppen aus den Energie-=
 und Rohstoffsektoren und seit 1998 auch mit der sich entwickelnden heimisc=
hen Industrie suchten insbesondere die wirtschaftlich erfolgreichen Regione=
n, Einfluss auf die Wirtschafts-, Finanz- und Sozialpolitik, aber auch auf =
au=DFenpolitische Entscheidungen zu nehmen. <b>Regionen und jene Wirtschaft=
ssektoren, die st=E4rker in Weltmarktzusammenh=E4nge integriert waren, wirk=
ten der Selbstisolation des Landes im Gefolge des Balkankonfliktes entgegen=
. In den Wirren der ausgehenden Jelzin-=C4ra wurden sie faktisch zum Stabil=
it=E4tsanker der russischen Gesellschaft und kompensierten den Autorit=E4ts=
zerfall an der Spitze des Staates.</b>=20

<a name=3D"E283E2"></a><br><br>
</p><h2><b><i>Wirtschaftliche Entwicklung - Silberstreifen am Horizont</i><=
/b></h2>
<p><b>Diese Tendenzen weisen der neuen russischen Regierung unter Pr=E4side=
nt Putin die Aufgabe zu, alles daran zu setzen, die wirtschaftliche, techno=
logische Entwicklung aus eigenen Kr=E4ften, aber unter Mitwirkung westliche=
r Kooperationspartner voranzutreiben.</b> Dass diese Aufgabe gelingen k=F6n=
nte, ist nicht so illusorisch. Die Abwertung des Rubels und die Importsubst=
itutionseffekte der Finanzkrise von 1998 haben einen Ansto=DFeffekt f=FCr d=
ie russische Volkswirtschaft ausgel=F6st. Allerdings bleibt festzuhalten, d=
ass die russische Wirtschaft extrem abh=E4ngig von externen Faktoren bleibt=
, n=E4mlich von der Entwicklung der Rohstoff- und Energiepreise.=20
</p><p><b>Bleiben die Energiepreise auf hohem Niveau und werden die erzielt=
en Erl=F6se zur technologischen Modernisierung und Diversifikation der Prod=
uktion sowie zur Verbesserung der Infrastruktur verwendet und eben nicht zu=
r Alimentierung des staatlichen Haushaltes, so k=F6nnte die russische Wirts=
chaft in eine Phase des nachhaltigen Wirtschaftswachstum eintreten. Die ang=
estrebten Reformen fallen mit einer konjunkturellen Erholung der russischen=
 Volkswirtschaft zusammen, die nach der Finanzkrise vom August 1998 einsetz=
te. Seither verzeichnet die russische Wirtschaft erstaunliche Wachstumsrate=
n und hat auch an Boden gegen=FCber westlichen Importen, die aufgrund der R=
ubelabwertung stark r=FCckl=E4ufig wurden, gewonnen.</b> So wuchs die heimi=
sche Industrieproduktion durchschnittlich um 15 Prozent im Jahre 1999 und i=
n den ersten vier Monaten des Jahres 2000 pendelte sie zwischen 19,8 Prozen=
t in den Energiebranchen und 12,1 Prozent f=FCr die Nahrungsmittelindustrie=
. <b>Insgesamt nahm die Industrieproduktion 2000 gegen=FCber dem Vorjahr um=
 10,3 Prozent zu, und der Dienstleistungsbereich verzeichnete ein Wachstum =
von 8,6 Prozent. Erstmals seit einem Jahrzehnt wuchs auch die Investitionsr=
ate und nahmen ausl=E4ndische Direktinvestitionen zu.</b> <b>Der wirtschaft=
liche Aufschwung wirkte sich positiv sowohl auf den Arbeitsmarkt als auch a=
uf den staatlichen Haushalt aus. Lohnschulden wurden beglichen, und die Wac=
hstumsbranchen verzeichneten Reallohnzuw=E4chse von ca. 6 Prozent. Nicht zu=
letzt aufgrund rigider Eintreibepraktiken stiegen die Steuereinnahmen des S=
taates. Die Auslandsschulden konnten bedient und R=FCcklagen bei der Zentra=
lbank gebildet werden</b>. Die g=FCnstige Konjunktur hat den Handlungsspiel=
raum des Pr=E4sidenten vergr=F6=DFert und seine Popularit=E4t in der Bev=F6=
lkerung trotz des immer noch nicht bew=E4ltigten Krieges in Tschetschenien =
gefestigt.=20
</p><p><b>In der Wirtschaftspolitik wird es kein Abdriften in die Abgr=FCnd=
e panslawistischer Selbstisolation geben. Eher sind Anleihen an Methoden un=
d Instrumente des Zusammenwirkens von Staat, Wirtschaft und Wissenschaft</b=
>, wie sie zeitweise in der europ=E4ischen Nachkriegsgeschichte eine Rolle =
spielten und noch heute in der regionalen Wirtschaftspolitik Anwendung find=
en, <b>zu erwarten.</b>

<a name=3D"E283E3"></a><br><br>
</p><h2><b><i>Neue Akzente in der russischen Au=DFen- und Sicherheitspoliti=
k</i></b></h2>
<p><b>Die Rekonstitution der russischen Staatlichkeit wird gegebenenfalls e=
inhergehen mit Manifestationen russischer Interessenpolitik in der internat=
ionalen Politik. Aber nicht im Sinne einer Schaukelpolitik wie sie im Prima=
kowschen Konzept der multipolaren Weltordnung und der euroasiatischen geost=
rategischen Option tendenziell angelegt war. Daher kann weder eine erh=F6ht=
e Konflikt- oder Risikoorientierung der russischen Politik erwartet, noch a=
us der gezielten Reisediplomatie des neuen Pr=E4sidenten die Belebung euroa=
siatischer Illusionen gefolgert werden. Denn die gesellschaftlichen, sozial=
en und wirtschaftlichen Reformaufgaben, die es innenpolitisch zu bew=E4ltig=
en gilt, erlauben es nicht, sich zus=E4tzlich noch in au=DFenpolitische Kon=
flikte zu verstricken. Eher k=F6nnte man vermuten, dass sich der politische=
 Kurs =84nach au=DFen weich und nach innen hart" pr=E4sentieren wird.</b>

</p><p align=3D"CENTER"><b>Russland und die EU</b>
</p><p><b>Unter der Pr=E4sidentschaft Putins scheint ein neues Kapitel in d=
en russisch- europ=E4ischen Beziehungen m=F6glich. </b>Das ist um so bemerk=
enswerter, als der russischen Politik bisher jegliche Vorstellung =FCber di=
e Spezifika des europ=E4ischen Integrationsprozesses und der inneren Dynami=
k von Kooperation, Ausgleich und Konfliktbew=E4ltigung zwischen den Mitglie=
dstaaten der EU fehlte. Inwieweit die hierarchischen und zentralstaatlichen=
 Traditionen sowohl der untergegangenen Sowjetunion mit ihren wirtschaftlic=
hen und milit=E4rischen B=FCndnisstrukturen als auch der post-sowjetischen =
Russl=E4ndischen F=F6deration hier eine Rolle spielten, sei einmal dahinges=
tellt. <b>Fest steht, dass die russische Politik den europ=E4ischen Integra=
tionsprozess als Form der intensiven Kooperation lange Zeit missverstand, d=
aher auch das innere Spannungsverh=E4ltnis bei Entscheidungen zwischen klei=
nen und gro=DFen Staaten in der EU kaum interpretieren konnte und die EU pr=
im=E4r als Handels- und Wirtschaftsmacht ohne Aktionsfelder in der Au=DFen-=
 und Sicherheitspolitik missdeutete. Mit dieser Fehlinterpretation steht da=
s post-sowjetische Russland nicht allein. </b>
</p><p><b>Auch die amerikanische Politik hatte gro=DFe Schwierigkeiten</b> =
auf die erstmals Mitte der achtziger Jahre als Reaktion auf die Politik Rea=
gans postulierte Politik des <i>=84European self-assertive</i><i>ness"</i> =
(Horst Ehmke) einzugehen. Gleicherma=DFen konnte Washington der im Maastric=
htprozess bereits postulierten =84europ=E4ischen au=DFen- und verteidigungs=
politischen Identit=E4t", die letztlich zu integrierten europ=E4ischen Stre=
itkr=E4ften f=FChren sollte, wenig abgewinnen. Vielmehr wurde eine gerechte=
re Verteilung der milit=E4rischen Lasten im Rahmen der NATO angemahnt, und =
die Europ=E4er wurden aufgefordert, sich quasi als Juniorpartner unter F=FC=
hrung der einzig verbliebenen Blockf=FChrungsmacht mehr in der Weltpolitik =
zu engagieren. <b>Die St=E4rkung des =84europ=E4ischen Pfeilers" in der NAT=
O, d.h. unter F=FChrung der USA, s=E4he die amerikanische Politik schon aus=
 innen- und budgetpolitischen Gesichtspunkten gern, nicht aber ein milit=E4=
risches und au=DFenpolitisches Eigenleben der EU. </b>Die USA argw=F6hnen, =
dass die europ=E4ische Verteidigungsidentit=E4t erstens zu einer schleichen=
den Herausl=F6sung Europas aus dem NATO-Verbund f=FChren k=F6nnte. Zweitens=
 bef=FCrchtet Washington, dass die NATO auf ihre traditionelle Funktion ein=
er =84letztinstanzlichen R=FCckversicherung" gegen Russland festgeschrieben=
 werden k=F6nnte, hingegen die Krisenreaktionsstreitkr=E4fte der EU flexibe=
l zur Konflikt- und Krisenbew=E4ltigung in Europa eingesetzt w=FCrden. Drit=
tens, dass aufgrund der nicht kongruenten Mitgliedschaft von Staaten in der=
 NATO und in der EU sich unterschiedliche Loyalit=E4ten herausbilden k=F6nn=
ten, die sich negativ auf die Koh=E4sion der NATO und auf amerikanische Int=
eressen in Europa und im Nahen Osten auswirken k=F6nnten. Viertens, dass di=
e USA entgegen eigener Interessen in europ=E4ische Konflikte verstrickt wer=
den k=F6nnten, falls die Ressourcen der EU-Staaten zur milit=E4rischen Konf=
liktregulierung nicht ausreichen.=20
</p><p>Selbst namhafte Politiker wichtiger Mitgliedstaaten der EU hatten bi=
slang erhebliche Schwierigkeiten, sich eine au=DFen- und sicherheitspolitis=
ch aktive und eigene Akzente setzende EU vorzustellen, die m=F6glicherweise=
 unabh=E4ngig von der NATO operiert. Und =FCber die Frage, wie sich in der =
Zukunft die transatlantischen  Beziehungen gestalten sollten, gibt es bisla=
ng keine klare Vorstellung auf Seiten der Mitgliedstaaten der EU. <b>Die im=
 Dezember 1999 auf der Tagung des Europ=E4ischen Rates in Helsinki beschlos=
sene Kompromissformel, bei der Bew=E4ltigung von eventuellen Krisen in Euro=
pa der NATO milit=E4risch den Vortritt zu lassen, l=E4sst der europ=E4ische=
n Politik das Hintert=FCrchen offen, sich nur dann aktiv um Beilegung von K=
onflikten und Krisen zu bem=FChen, wenn die NATO, sprich die USA, den Einsa=
tz von eigenen Krisenreaktionskr=E4ften ablehnt.</b> Diese Formel implizier=
t aber keineswegs europ=E4ische Entschlossenheit, sich nun st=E4rker um die=
 eigenen Belange zu k=FCmmern und vor allem im eigenen Haus f=FCr Ordnung z=
u sorgen. Sie mutet auf dem ersten Blick eher wie ein R=FCckfall in die Let=
hargie europ=E4ischer Unentschlossenheit an, so dass Europa weiterhin der t=
ransatlantischen F=FChrung bedarf, um die eigenen Angelegenheiten zu regeln=
. <b>Gleichzeitig jedoch beschloss der Europ=E4ische Rat in Helsinki die Ei=
nrichtung eines st=E4ndigen sicherheitspolitischen Komitees mit Sitz in Br=
=FCssel, das sich mit allen Fragen der europ=E4ischen Au=DFen-, Milit=E4r- =
und Sicherheitspolitik sowie des operativen Krisenmanagements befassen soll=
, die bei der Durchf=FChrung und Koordination von milit=E4rischen Eins=E4tz=
en anfallen.</b> Bis zum Jahre 2003 will die EU in der Lage sein, Krisenrea=
ktionsstreitkr=E4fte von bis zu 60.000 Soldaten innerhalb von 60 Tagen f=FC=
r den Einsatz bereitzustellen und diese mit zus=E4tzlicher Unterst=FCtzung =
durch Marine und Luftwaffe f=FCr ein Jahr einsatzf=E4hig zu halten. Dass di=
e EU behutsam, aber entschieden daran geht, sich die institutionellen und o=
rganisatorischen Voraussetzungen f=FCr ein operativ-aktives Krisenmanagemen=
t zu schaffen, belegte auch der EU-Gipfel von Feira im Juni 2000. <b>Auf di=
esem Gipfel wurden Ma=DFnahmen f=FCr den zivilen und polizeilich-administra=
tiven Einsatz von Ordnungskr=E4ften vereinbart. Die Mitgliedsl=E4nder der E=
U verpflichteten sich, bis zum Jahre 2003 f=FCr internationale Missionen bi=
s zu 5000 Polizisten abzustellen und innerhalb von 30 Tagen bis zu 1000 Pol=
izisten in Krisengebieten stationieren zu k=F6nnen. Konstatiert werden kann=
, dass die sicherheitspolitische Diskussion in Europa aufgrund der andauern=
den Balkankrise und des Krieges im Kosovo in Bewegung geraten ist. Mehr noc=
h, dass die Bedrohung f=FCr die internationale Staatengemeinschaft und beso=
nders f=FCr Europa wie sie vom Balkankonflikt ausging, aber auch die Erfahr=
ungen gemeinsamen Krisenmanagements allm=E4hlich zur Revision normativer wi=
e realer Ziele von nationalen au=DFen- und sicherheitspolitischen Orientier=
ungen f=FChren. Das gilt f=FCr die EU wie f=FCr Russland. Hierin liegt die =
Chance einer erneuten gesamteurop=E4ischen Diskussion =FCber Zusammenarbeit=
.</b>
</p><p>Grundlage f=FCr einen sicherheitspolitischen Dialog, der aber themat=
isch wesentlich breiter gefasst ist, k=F6nnte einerseits ein <b><i>Strategi=
epapier</i></b> werden, das im Juni 1999 auf der Ratstagung der EU in K=F6l=
n vorgelegt wurde. <b>In diesem Papier versuchte die EU, erstmals systemati=
sch die politische Dimension ihres Vertrages =FCber Partnerschaft und Koope=
ration vom Jahre 1997 mit der Russl=E4ndischen F=F6deration zu definieren.<=
/b> Die Konzeption der EU ist in Moskau auf gro=DFe Aufmerksamkeit gesto=DF=
en, und im Oktober 1999 erfolgte die <b><i>russische Antwort</i></b>. In ei=
ner <b>=84mittelfristigen Strategie", die den Zeitraum der n=E4chsten zehn =
Jahre anvisiert, werden die russischen Erwartungen an die EU beschrieben. B=
eide Konzeptionen stehen am Anfang eines zu entwickelnden Dialogs.</b> Sie =
k=F6nnten aber die normativen Leitlinien markieren, entlang derer sich ein =
friedenspolitischer Dialog in Europa bewegen sollte.

</p><p align=3D"CENTER"><b>Strategische Konzeptionen</b>
</p><p><b>Die =84Gemeinsame Strategie der Europ=E4ischen Union f=FCr Russla=
nd", 1999 herausgegeben vom Generalsekretariat des Rates in Br=FCssel, die =
erst einmal f=FCr vier Jahre gilt, geht =FCber den Aspekt wechselseitiger, =
beidseitig wirtschaftlich vorteilhafter Beziehungen, wie sie im Partnerscha=
fts- und Kooperationsabkommen niedergelegt sind, hinaus und formuliert norm=
ative Ziele, die f=FCr ein gedeihliches Miteinander beider Gesellschaftsfor=
mationen auf dem europ=E4ischen Kontinent unerl=E4sslich scheinen.</b> Der =
Strategie liegt die sicherlich nicht ganz neue, aber zeitweise in indiffere=
nte Vergessenheit geratene Einsicht zugrunde, dass, gleichg=FCltig welche G=
esellschaftsordnung sich im Verlauf des russischen Transformationsprozesses=
 herausbilden wird, die EU davon betroffen wird. In diesem Punkt unterschei=
den sich die transatlantischen Beziehungen qualitativ vom Verh=E4ltnis der =
EU zur Russl=E4ndischen F=F6deration. <b>Leitgedanke der europ=E4ischen Str=
ategie f=FCr Russland ist, zu einer Entwicklung beizutragen, die dem Ausein=
anderdriften beider Gesellschaftsformationen vorbeugt und in Russland Vorau=
ssetzungen st=E4rken hilft, dass sich dort eine stabile, offene und plurali=
stische Demokratie, basierend auf rechtsstaatlichen Grundlagen und effizien=
ten Institutionen, entwickeln kann.</b> Demokratie, Rechtsstaat, Achtung de=
r Menschenrechte, Pressefreiheit und die Schaffung einer verl=E4sslichen, e=
ffizienten und berechenbaren Verwaltung, die Zur=FCckdr=E4ngung von Korrupt=
ion und die St=E4rkung der staatlichen Autorit=E4t auf allen Ebenen des f=
=F6derativen Gemeinwesens sowie der Kampf gegen die organisierte Kriminalit=
=E4t werden als unabdingbare Voraussetzungen des gemeinsamen Zusammenlebens=
 in Europa definiert und finden ihre maximale Entfaltung in der Herausbildu=
ng einer Zivilgesellschaft. Die ihm Rahmen der Tacis-Programme zur Verf=FCg=
ung stehenden Instrumente des Know-how-Transfers sollen zur Qualifizierung =
und Professionalisierung von Verwaltungen auf allen Ebenen der F=F6deration=
 beitragen. Es gilt also nicht nur, die bilaterale und multilaterale Kooper=
ation auf der h=F6chsten politischen Ebene zwischen den Verfassungsinstitut=
ionen Russlands, Duma, F=F6derationsrat, Verfassungsgericht etc., und den M=
itgliedstaaten der EU zu intensivieren. <b>Die Zusammenarbeit zwischen den =
EU-Mitgliedsl=E4ndern und Russland soll alle Ebenen der f=F6derativen Glied=
erung einbeziehen.</b> <b>Grenz=FCberschreitende Kooperationen und die Vern=
etzung von Kommunen, Gro=DFst=E4dten und Regionen =FCber den Rahmen bestehe=
nder Partnerschaften hinaus sollen zur Verbreiterung und St=E4rkung basisde=
mokratischer Entwicklungen beitragen, den Aufbau der russischen Zivilgesell=
schaft von unten bef=F6rdern und damit die demokratische Entwicklung des La=
ndes nachhaltig st=E4rken. Ausdr=FCcklich erw=E4hnt das Strategiepapier als=
 Zielsetzung der wirtschaftlichen Kooperation die Einbeziehung Russlands in=
 internationale Organisationen wie z.B. die EU-Unterst=FCtzung der Aufnahme=
 Russlands in die WHO.</b> Abbau der Handelshemmnisse auf beiden Seiten, ve=
rst=E4rkter Schutz f=FCr Investoren, erweiterter Zugang zum Binnenmarkt der=
 EU f=FCr russische Produkte, Verst=E4rkung der industriell-technologischen=
 Zusammenarbeit, Ausbau der Verkehrsinfrastruktur und die <b>Schaffung eine=
s gesamteurop=E4ischen Wirtschaftsraumes, basierend auf einer angestrebten =
Freihandelszone zwischen der EU und Russland</b>, markieren das Bestreben, =
soziale, kulturelle, politische und wirtschaftliche Trennlinien in Europa a=
bzubauen. <b>Obwohl nicht explizit genannt, k=F6nnten so die ausgrenzenden =
Effekte der NATO-Osterweiterung und die Bef=FCrchtung der russischen Politi=
k, durch die Erweiterung der EU um einige mitteleurop=E4ische L=E4nder wirt=
schaftlich und politisch Schaden zu erleiden, kompensiert werden.</b>
</p><p><b>Bemerkenswertes Novum der =84Gemeinsamen Strategie" ist die Erwei=
terung der bisher eher =F6konomisch definierten Partnerschaft zwischen der =
EU und Russland um die au=DFen- und sicherheitspolitische Dimension. Expliz=
it wird die gemeinsame Verantwortung beider Seiten f=FCr die Stabilit=E4t u=
nd Sicherheit in Europa und f=FCr andere Weltregionen betont.</b> Dieser Pe=
rspektive internationaler Zusammenarbeit entspricht auf Seiten der EU die E=
insicht, dass gegen oder ohne Mitwirkung Russlands, wie die Konflikte auf d=
em Balkan und insbesondere der Kosovo-Krieg zeigten, Stabilit=E4t und fried=
liche Entwicklung in Europa nicht zu erreichen sind. Ziel der europ=E4ische=
n Politik muss daher sein, Russland zur verantwortlichen Mitwirkung im Rahm=
en eines permanenten politischen und sicherheitspolitischen Dialoges in Eur=
opa zu ermuntern und diesen Dialog durch geeignete Mechanismen institutione=
ll abzust=FCtzen. Als Felder der Sicherheitskooperation bieten sich Konsult=
ationen und die Konzertierung von Abstimmungen im OSZE-Prozess an, die Ausb=
ildung und Vorbereitung von russischen Krisenreaktionsstreitkr=E4ften bei g=
emeinsamen, zuk=FCnftigen Petersberg-Eins=E4tzen und das Zusammenwirken bei=
m Konzipieren europ=E4ischer Friedenspolitik, wie etwa gemeinsame Initiativ=
en zur Konfliktbew=E4ltigung und -pr=E4vention. Damit k=F6nnte die Eind=E4m=
mung von politisch extremen und isolationistischen Tendenzen gelingen, die =
sich von der Furcht n=E4hren, der Westen wolle Russland marginalisieren und=
 schwach halten. Au=DFerdem w=FCrden in Russland demokratische Tendenzen ge=
st=E4rkt und die russische Wirtschaft durch Handels- und Kapitalverflechtun=
gen noch st=E4rker =84europ=E4isiert".
</p><p><b>Die =84mittelfristige Strategie" ist vorl=E4ufiger Endpunkt eines=
 lebhaften Diskussionsprozesses der au=DFen- und sicherheitspolitischen Eli=
te des Landes =FCber die Beziehungen Russlands zum Westen.</b> Lange Zeit s=
chien es, als ob die russische Politik in defensiv-aggressiver Weise hilflo=
s und starr auf die Ablehnung der NATO-Osterweiterung fixiert war. Konzepti=
onelle =DCberbleibsel des bipolaren Blockdenkens und die Fokussierung der r=
ussischen Politik auf die USA erkl=E4ren partiell, warum die politischen, w=
irtschaftlichen und monet=E4ren Folgen der westeurop=E4ischen Integration -=
 und damit die Transformation der Europ=E4ischen Gemeinschaft zur Europ=E4i=
schen Union, die zunehmend international selbst=E4ndiger agierte - kaum wah=
rgenommen wurden.=20
</p><p><b>M=F6glicherweise kamen 1999 mehrere Faktoren zusammen, die, vermi=
ttelt =FCber wirtschaftliche und soziale Erfordernisse, ein au=DFen- und si=
cherheitspolitisches Umdenken in Russland beg=FCnstigten: </b>Die russische=
 Politik konnte die Osterweiterung der NATO nicht verhindern. Die Finanz- u=
nd Budgetkrise vom August 1998 f=FChrte zur Abl=F6sung der amerikanischen D=
ominanz =FCber den Gang der wirtschafts- und gesellschaftspolitischen Trans=
formation. Diese Krise schw=E4chte die Position der alten Machtelite, es ka=
m zu Umgruppierungen. Unter den Regierungen Primakow und Stepaschin wurden =
wirtschaftspolitisch nun Akzente gesetzt, die sich st=E4rker auf Instrument=
e, Methoden und Erfahrungen des europ=E4ischen Wiederaufbaus nach dem Zweit=
en Weltkrieg besannen. Der Kosovo-Krieg demonstrierte nicht nur die Grenzen=
 russischer Einflussnahme, sondern enth=FCllte die potentielle Gefahr der I=
solation und Marginalisierung Russlands in Europa.=20
</p><p><b>Wenn die =84Gemeinsame Strategie" der EU vielleicht auch eine Ges=
te war, um der russischen Politik eine Br=FCcke nach Europa zu bauen, so li=
e=DFen sich die russischen Regierungen unter Sergej Stepaschin und Wladimir=
 Putin darauf ein.</b> Die Offerte der EU konnte auch innenpolitisch genutz=
t werden, um Tendenzen der Selbstisolation, der ansteigenden Radikalisierun=
g und anti-westlichen Stimmungsmache in den Medien, ausgel=F6st durch die M=
ilit=E4rschl=E4ge der NATO gegen Serbien, Einhalt zu gebieten. An einer Iso=
lation des Landes konnten weder die Politik noch die russische Wirtschaft e=
in Interesse haben. Positive Signale auf die EU-Offerte wirkten so in zwei =
Richtungen. <b>Zum einen konnten populistische und anti-westliche Str=F6mun=
gen einged=E4mmt werden. Zum anderen entwickelte die russische Europapoliti=
k urpl=F6tzlich ein Eigenleben und wurde zum selbst=E4ndigen und an Relevan=
z stetig zunehmenden Faktor in der russischen Au=DFenpolitik. </b>In der vo=
m damaligen Premierminister Putin im Oktober 1999 vorgestellten <i>=84Mitte=
lfristigen Strategie f=FCr die Entwicklung der Beziehungen zwischen der </i=
><i>Russl=E4ndischen F=F6deration und der Europ=E4ischen Union im Zeitraum =
von 2000 bis 2010"</i> werden R=FCcksichten auf die anti-westliche Grundsti=
mmung in der russischen Bev=F6lkerung genommen. So wird das Zugehen auf Eur=
opa auch damit legitimiert, dass dadurch die Hegemonie der USA via NATO auf=
 Europa einged=E4mmt werden k=F6nne. Aber im Unterschied zu traditionellen =
Ans=E4tzen fr=FCherer Politik werden in der mittelfristigen Strategie keine=
 Illusionen gen=E4hrt, dass Russland mit einer eigenst=E4ndigen Europapolit=
ik einen Keil in die transatlantischen Beziehungen treiben k=F6nne. <b>Eher=
 kann postuliert werden, dass die russische Politik hier zweigleisig f=E4hr=
t. Sie hat akzeptiert, dass gegen die NATO kein anhaltender Widerstand ohne=
 R=FCckwirkungen auf die EU formiert werden kann. Z=F6gerliche und vorsicht=
ige Mitarbeit im NATO-Russland-Kooperationsrat ist daher angesagt. Jeder Ve=
rsuch, die EU von den USA abzuspalten, w=FCrde sich negativ auf den europ=
=E4ischen Handlungsspielraum auswirken und birgt die Gefahr, Russland in Eu=
ropa zu isolieren.</b> <b>Denn f=FCr die EU ist unbedingte Loyalit=E4t im R=
ahmen der transatlantischen Beziehungen zu den USA die Voraussetzung f=FCr =
eine flexiblere und eigenbestimmte Politik gegen=FCber Russland.</b> <b>Die=
 russische Westpolitik verf=E4hrt =E4hnlich. Die Normalisierung und Entfalt=
ung der Beziehungen zur EU sind die Basis f=FCr eine flexiblere und entspan=
ntere Politik gegen=FCber den USA.</b>=20
</p><p>Diese Konzeption, bei den jetzigen Diskussionen =FCber den Aufbau be=
grenzter Raketenabwehrsysteme erstmalig ins Feld gef=FChrt, l=E4sst sich er=
folgreich an. Im Unterschied zur multipolaren  Schaukelpolitik, die dem Ans=
atz von Primakow eigen war, nimmt die russische Europapolitik einen eigenst=
=E4ndigen und besonderen Rang ein, ohne allerdings die Idee einer geostrate=
gischen Partnerschaft mit asiatischen L=E4ndern aufzugeben. Die russische P=
osition greift normative Zielsetzungen des EU-Papiers auf. Insbesondere sol=
l die Trennung des Kontinents in unterschiedliche wirtschaftliche, politisc=
he oder gesellschaftliche Bl=F6cke verhindert werden.=20
</p><p><b>Russland will zum sicherheitspolitischen Partner der EU werden, d=
abei aber seine Eigenst=E4ndigkeit und Distanz zu Europa bewahren. Zwar mis=
st die russische Position den Beziehungen zur EU strategischen Wert bei, gi=
bt sich allerdings nicht der Illusion hin, in naher oder ferner Zukunft die=
 Mitgliedschaft in der EU anzustreben. Dass die russische Antwort dabei gle=
ich das Kind mit dem Bade aussch=FCttet und auch von einer Assoziierung an =
die EU nichts wissen will, wird implizit dadurch erkl=E4rt, dass Russland e=
ine Gro=DFmacht sei.</b> Gro=DFm=E4chte assoziieren sich nicht, sondern hab=
en Vertragsbeziehungen. Sie treten auch keiner Union bei, wie 1998 an ander=
er Stelle der damalige Stellvertreter des St=E4ndigen Vertreters Russlands =
bei den Europ=E4ischen Gemeinschaften Iwan Iwanow formulierte. Iwanow warnt=
e davor, dass die russische Politik die Folgen der europ=E4ischen Integrati=
on und Osterweiterung untersch=E4tzt. Die wirtschaftlichen Nachteile f=FCr =
Ru=DFland liegen auf der Hand. Russland werde durch Anti-Dumping Vorschrift=
en und Standardisierung M=E4rkte in Mitteleuropa verlieren. Die =84De-Europ=
=E4isierung Russlands" k=F6nnte die Folge sein.  Auch die Beitrittsgesuche =
der mitteleurop=E4ischen Staaten seien nicht nur wirtschaftlich motiviert. =
Sie suchten Sicherheit vor Russland und w=FCrden, einmal in der EU, von inn=
en die Beziehungen der EU zu Russland erschweren. Au=DFerdem verbiete die =
=84euroasiatische" Doppelnatur des Landes eine solche Entwicklung. Gegen di=
ese traditionell machtpolitische Sichtweise weisen andere, pragmatische Sti=
mmen des russischen Au=DFenministeriums auf die Relevanz der russisch-europ=
=E4ischen Wirtschaftsbeziehungen hin. <b>Mehr als 40 Prozent des russischen=
 Au=DFenhandels werden mit der EU abgewickelt. Die EU ist zum gr=F6=DFten D=
irektinvestor avanciert; hier z=E4hlen besonders die Direktinvestitionen in=
 der Industrie. Die EU-Mitgliedstaaten, insbesondere Deutschland, sind eng =
mit russischen Energiesektoren verwoben</b> (<b>die Zusammenarbeit erreicht=
e im Fr=FChsommer 2000 eine neue Qualit=E4t durch deutsche Kapitalbeteiligu=
ngen bei Gasprom). Vor dem Hintergrund der zunehmenden Investitions- und Ha=
ndelsverflechtungen mit europ=E4ischem Kapital erscheint die Frage nach der=
 Qualit=E4t und dem gegenseitigen Nutzen der europ=E4isch-russischen Bezieh=
ungen wesentlich wichtiger als =FCber Statusfragen zu spekulieren</b>, ob u=
nd wann eine Form der Assoziation gefunden wird. =DCbereinstimmend bef=FCrw=
ortet die russische Antwort, einen permanenten und umfassenden politischen =
Dialog =FCber Sicherheit in Europa zu f=FChren und daf=FCr geeignete Umsetz=
ungsmechanismen zu schaffen. <b>Denn beide Seiten, so wird im russischen Po=
sitionspapier unterstrichen, haben das =FCbereinstimmende strategische Inte=
resse an einer friedlichen und stabilen Entwicklung in Europa. Sie tragen f=
=FCr die Sicherheit Europas eine besondere Verantwortung.</b> <b>Beide Seit=
en sollten ihre Position, falls geboten, in internationalen Organisationen =
abstimmen und ein H=F6chstma=DF an Kooperation zur Krisenpr=E4vention und K=
onfliktminimierung im OSZE-Raum erreichen.</b> Dem Angebot der EU jedoch, s=
ich zu koordinieren und abzustimmen, um Missionen im Sinne der Petersberg-E=
rkl=E4rung besser durchzuf=FChren, kann die russische Seite allerdings nur =
bedingt etwas abgewinnen. Die russische Politik reagiert auf Entwicklungen =
der EU, die au=DFen- und sicherheitspolitische Identit=E4t (GASP) zu st=E4r=
ken, vorsichtig abwartend. Dass hier die <b>offensichtliche Schw=E4che der =
EU in den Balkankonflikten</b> noch nachwirkt, scheint offensichtlich. Auf =
russischer Seite ist Vorsicht geboten. <b>Die Europ=E4er sollen erst unter =
Beweis stellen, dass sie milit=E4risch =FCberhaupt in der Lage sind, notfal=
ls ohne die USA milit=E4rische Missionen im Rahmen der Petersberg-Erkl=E4ru=
ng durchzuf=FChren.</b> Die in der Vergangenheit an den Tag gelegte F=FChru=
ngs- und Entscheidungsschw=E4che der EU deutet auch heute noch daraufhin, d=
ass die EU lieber ihr Heil unter den Fittichen der Blockf=FChrungsmacht USA=
 suchen wird, als sich mit Russland auf ein gemeinsames Krisenmanagement zu=
 verst=E4ndigen. <b>Immerhin, zum ersten Mal erkennt die russische Politik =
die EU als globalpolitisch operierenden Akteur mit eigenen Interessen an un=
d beobachtet die Versuche der EU, sich eine au=DFen- und sicherheitspolitis=
che Identit=E4t sowie milit=E4rische Durchsetzungsf=E4higkeit zu verschaffe=
n, ernsthaft.</b> Neu in der russischen Perzeption ist auch, dass die WEU a=
ls integraler Bestandteil der EU gesehen wird, und dass Russland eine opera=
tive Zusammenarbeit auf sicherheitspolitischem Gebiet, einschlie=DFlich des=
 Krisenmanagements und der Durchf=FChrung von Frieden schaffenden Ma=DFnahm=
en f=FCr m=F6glich und w=FCnschenswert h=E4lt.

<a name=3D"E283E4"></a><br><br>
</p><h2><b><i>Ausblick</i></b></h2>
<p><b>Der Kurswechsel in der russischen Europapolitik ist durch ein komplex=
es Zusammenwirken von Faktoren und Ereignissen, die allesamt im Kontext der=
 Finanzkrise vom August 1998 und dem Kosovo-Krieg 1999 angesiedelt sind, au=
sgel=F6st worden.</b> Ma=DFgebend war vielleicht auch die Erkenntnis, dass =
sich Integrations- und Kooperationsprozesse in Europa mit unterschiedlicher=
 Dynamik vollziehen. E. Jahn hat auf diese asymmetrische Integrationskonkur=
renz zwischen Br=FCssel und Moskau hingewiesen und zu recht postuliert, das=
s es keinen gleichwertigen Integrationsansatz im Rahmen der GUS gibt, in de=
m Russland als Motor und Zentrum fungieren k=F6nnte. <b>Die Attraktivit=E4t=
 und Intensit=E4t des westeurop=E4ischen Integrationsprozesses ist wesentli=
ch gr=F6=DFer und verdichtet sich weiter. Sie erreicht aber nur die mittele=
urop=E4ischen Staaten. Ihre Dynamik birgt daher die Gefahr der wirtschaftli=
chen, gesellschaftlichen und milit=E4rischen Teilung des Kontinents.</b> Ch=
ancen f=FCr eine =84parallele Integration" (Jahn) sind zur Zeit gering, da =
Russland aufgrund seiner wirtschaftlichen Schw=E4che und politischen Instab=
ilit=E4t nicht in der Lage ist, als Kristallisationskern auf =F6stlicher Se=
ite zu wirken. Zudem k=F6nnen die territorialen Zerfallsprozesse im GUS-Rau=
m noch nicht als abgeschlossen betrachtet werden. <b>Als Ausweg aus der sic=
h abzeichnenden faktischen, wenn auch politisch nicht gewollten Teilung des=
 Kontinents komme, nach Jahn, allein die F=F6rderung =84gesamteurop=E4ische=
r" Integration in Betracht, bei =84gleichzeitiger Anerkennung der M=F6glich=
keit und Notwendigkeit eines eigenst=E4ndigen parallelen marktwirtschaftlic=
hen und demokratischen Entwicklungs- und Integrationsraumes zwischen der Eu=
rop=E4ischen Union und Osteuropa. Dies setzt eine Selbstbeschr=E4nkung der =
Osterweiterung der Br=FCsseler B=FCndnisse voraus".</b>=20
</p><p>Wenn auch die Forderung nach einer Selbstbeschr=E4nkung der EU bei d=
er Osterweiterung kaum einzul=F6sen sein wird, begrenzen die erforderlichen=
 institutionellen und prozeduralen Reformen, die der Aufnahme und Absorptio=
n neuer Mitgliedsl=E4nder voraus und parallel gehen, faktisch ein weiteres =
Ausgreifen der Integrationsdynamik. <b>Auf l=E4ngere Sicht wird es also Sta=
aten zwischen der EU und Russland geben, die von der europ=E4ischen Integra=
tionsdynamik zwar angezogen, aber nicht angeschlossen werden.</b> <b>Schon =
heute ist bei den mitteleurop=E4ischen Staaten erkennbar, dass sie die Zwis=
chenstufen zur Integration durch vorbereitende Schritte der Konvergenz rech=
tlicher, administrativer und politischer Regelwerke sowie Normen nutzen. </=
b>Diese L=E4nder fokussieren ihre Anstrengungen auf Teilnahme am westeurop=
=E4ischen Integrationsprozess. Eine =84parallele" Integration ist weder pol=
itisch noch wirtschaftlich f=FCr diese mitteleurop=E4ischen L=E4nder vorste=
llbar. Ein Abr=FCcken von der Option, sich in die EU zu integrieren, w=FCrd=
e in diesen L=E4ndern zu schwerwiegenden innenpolitischen Verwerfungen f=FC=
hren.=20
</p><p><b>Andere Bedingungen finden wir aber in Russland. Dort fehlen einer=
seits die politischen, wirtschaftlichen und normativen Voraussetzungen f=FC=
r eine baldige Ann=E4herung an den westeurop=E4ischen Integrationsprozess. =
Andererseits sind die Realisierungschancen f=FCr eine =84parallele Integrat=
ion" im GUS-Raum =E4u=DFerst schwach. Beide Faktoren erh=F6hen den Handlung=
sspielraum f=FCr die russische Politik, denn sie steht nicht unter Erfolgsz=
wang und zeitlichen Druck sich auf den Takt der westeurop=E4ischen Integrat=
ion einlassen zu m=FCssen.</b>=20
</p><p>Gleichwohl hat sich die russische Gesellschaft im Lauf der bisherige=
n marktwirtschaftlichen und demokratischen Transformation in eine Vielzahl =
von gesellschaftlichen Gruppen mit mehr oder minder ausgepr=E4gten Interess=
en gespalten, haben sich spezifische Normen, Verkehrs- und Lebensweisen auf=
 den Ebenen der Russl=E4ndischen F=F6deration herausgebildet, stehen Instit=
utionen und B=FCrger durch eine Vielzahl von Netzen und Kontakten mit der e=
urop=E4ischen Au=DFenwelt in Verbindung. <b>Die Formierung einer politische=
n und wirtschaftlichen Machtelite, die der partiellen Integration von Wirts=
chaftssektoren und Regionen in Weltmarktzusammenh=E4nge Rechnung tr=E4gt un=
d sich von isolationistischen und imperialen Orientierungen weitgehend befr=
eit hat, ist im vollen Umfang zu beobachten. Die =84mittelfristige Strategi=
e" ist Ausdruck der realistischen und pragmatischen Politikorientierung die=
ser Elite.</b>
</p><p>Schon vor Jahren formulierten Integrationstheoretiker wie Karl W. De=
utsch oder Ernst B. Haas, dass sowohl f=FCr die =84security community" als =
auch f=FCr den europ=E4ischen Integrationsprozess normative =DCbereinstimmu=
ngen, wirtschaftlicher Nutzen, pluralistische demokratische Gesellschafts- =
und Staatsverfassungen, Berechenbarkeit politischer Eliten sowie die Verrec=
htlichung und Institutionalisierung der politischen und wirtschaftlichen Pr=
ozesse unabdingbar waren. Ferner, dass Integration in einigen Feldern zu er=
weiterter Integration in anderen Feldern f=FChrte. <b>Geht der marktwirtsch=
aftliche und gesellschaftspolitische Transformationsprozess in Russland wei=
ter und verdichten sich aus dem in Gang gesetzten europ=E4isch-russischen D=
ialog die Felder gemeinsamer Kooperation in Technologie, Wissenschaft, Wirt=
schaft, Verkehrsinfrastruktur sowie in den grenz=FCberschreitenden Beziehun=
gen, so k=F6nnen auch andere Formen der Kooperation, etwa der Dialog =FCber=
 Fragen der europ=E4ischen Sicherheit, davon angesto=DFen werden.</b>
<!-- START END -->
</p><hr>
<font size=3D"-2">
=A9 <a href=3D"mailto:wwwadm@www.fes.de">Friedrich Ebert Stiftung</a>
| <a href=3D"https://library.fes.de/fulltext/stabsabteilung/support.html">t=
echnical support</a> | net edition=20
<a href=3D"mailto:walter.wimmer@fes.de">fes-library</a> | Januar 2001
</font></td></tr></tbody></table>
<!-- END END -->

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