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Subject: FES-Netzquelle " Politik und Gesellschaft" Themenmodul GEWERKSCHAFTEN in OSTEUROPA
Date: Wed, 7 May 2025 17:50:35 +0200
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Page"> </a>
<!---head aus baustein----------- head_afs.htm-------------------->




<title>FES-Netzquelle " Politik und Gesellschaft" Themenmodul GEWERKSCHAFTE=
N in OSTEUROPA</title>
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Sozialgeschichte, Gender, Frauenbewegung, Sozialismus, Sozialdemokratie, Ma=
rxismus, Arbeiterbewegung, Partei, Gewerkschaft, Publikation, Ver=94ffentli=
chung, Graue Literatur, Politik, Dritte Welt, Entwicklungsl=84nder, Entwick=
lungsland, Migration, Ausl=84nder, Alternativpresse, Soziale Bewegung, Zeit=
ung, Zeitschrift, Mikrofilm, Seliger-Archiv, Deutscher Gewerkschaftsbund, D=
GB">




<table border=3D"0" width=3D"100%" cellspacing=3D"0">
<tbody><tr>
<td class=3D"headl"><a class=3D"hl" href=3D"http://library.fes.de/">Bibliot=
hek der Friedrich-Ebert-Stiftung</a></td>
</tr>
</tbody></table>

<!------- Beginn Text --------->





<p><b>Zum Stand der Gewerkschaftsbewegung in Rum=E4nien 2004 </b>
<br><i>Karen Ziemek,  <a href=3D"http://www.fes.ro/index_en.htm">Friedrich-=
Ebert-Stiftung in Rum=E4nien</a></i></p>

<p>Rum=E4niens Diktaturerfahrung unter Ceau&#351;escu gilt als intensivste =
in der gesamten Region. Die Gewerkschaft wurden in der UGSR (Allgemeine Uni=
on der Rum=E4nischen Gewerkschaften) monopolisiert und war Teil der kommuni=
stischen F=FChrung. Nach der Revolution ging die Neuformierung geradezu ras=
ant vonstatten. Innerhalb von zwei Jahren ist eine ausdifferenzierte, lande=
sweite Gewerkschaftbewegung von Konf=F6derationen und unz=E4hligen F=F6dera=
tionen und Einzelgewerkschaften entstanden. Bis Ende 1994 war das Gewerksch=
aftsumfeld in Rum=E4nien dann auch nach parteipolitischer Ausrichtung organ=
isiert. Unter dem damaligen Vorsitzenden Victor Ciorbea spaltete sich ein T=
eil von der CNSLR - Fr&#259;&#355;ia und wurde zur eher christdemokratisch =
orientierten CSDR. </p>

<p>Gewerkschaftler spielten in der Nachwende-Zeit Rum=E4niens eine erheblic=
he politische Rolle. 1991 kam es zu putsch=E4hnlichen, gewaltt=E4tigen Ause=
inandersetzungen der Bergarbeiter, sogenannten Mineriaden, gegen Premier Pe=
tre Roman, Studenten und Intellektuelle. Auch noch 1999 versuchten sie aus =
Protest gegen Entlassungen nach Bukarest zu kommen, wurden aber von der Pol=
izei zusammengeschlagen. </p>

<p>Aber auch jetzt noch 14 Jahre nach der Revolution ist in der Gewerkschaf=
tslandschaft noch Bewegung. Ein- und Austritte von Einzelgewerkschaften und=
 Fusionsger=FCchte sind eher die Regel als die Ausnahme. </p>

<p><b>Die wichtigsten Gewerkschaftskonf=F6derationen in Rum=E4nien </b></p>
<p></p><center>

<table border=3D"1" cellpadding=3D"3" width=3D"95%">
<tbody><tr>
<td valign=3D"TOP" width=3D"50%"><p><b>Confederatia Nationala a Sindicatelo=
r Libere din Rom=E2nia- Fr&#259;&#355;ia, CNSL - Fr&#259;&#355;ia=20
<br>(Nationale Konf=F6deration Freier Gewerkschaften Rum=E4niens- Br=FCders=
chaft)</b></p>
<p><b><u>Gr=FCndungsjahr: </u></b><br>Gr=FCndung 1990, Zusammenschluss erfo=
lgte 1993<b><u> </u></b><br></p>
<p><b><u>Mitgliedszahl: </u></b><br>800 000 (landesweit), 1996/7 ca. 2 Mio.=
 </p>
<p><b><u>Vorsitzender: </u></b><br>Petcu Marius von Federatia SANITAS din R=
omania </p>
<p><b><u>Bedeutendste Branchen: </u></b><br>alle, Petrom, Gesundheit </p>
<p><b><u>Mitgliedschaften: </u></b><br>ETUC, IFTU</p>
<p><b><u>Politische Ausrichtung</u>: </b>sozialdemokratisch, gilt als Nachf=
olgeorganisation der UGSR und steht der Regierung nah</p>
</td>
<td valign=3D"TOP" width=3D"50%"><p><b>Blocul Na&#355;ional Sindical- BNS=
=20
<br>(Nationaler Gewerkschaftsblock) </b></p>
<p><b><u>Gr=FCndungsjahr: </u></b><br>15 Oktober 1991 </p>
<p><b><u>Mitgliedszahl: </u></b><br>375,000 (in 36 von 41 Kreisen), 1996/7 =
ca. 700 000</p>
<p><b><u>Vorsitzender: </u></b><br>Dumitru Costin</p>
<p><b><u>Bedeutendste Branchen: </u></b><br>Maschinenbau, Bau, Energie, Pos=
t, Telekommunikation, Kultur</p>
<p><b><u>Mitgliedschaften: </u></b><br>ETUC, IFTU</p>
<p><b><u>Politische Ausrichtung: </u></b><br>eher sozialdemokratisch, will =
2004 eine eigene Partei gr=FCnden</p>
</td></tr>
<tr>
<td valign=3D"TOP"><p><b>Confedera&#355;ia Sindicatelor Democratice din Rom=
=E2nia- CSDR=20
<br>(Demokratische Gewerkschaftskonf=F6deration Rum=E4nien</b><br> </p>
<p><b><u>Gr=FCndungsjahr: </u></b><br>Oktober 1994 </p>
<p><b><u>Mitgliedszahl: </u></b><br>345 000 (in 20 von 41 Kreisen)=B8 600 0=
00 (1996/7)</p>
<p><b><u>Vorsitzender: </u></b><br>Iacob BACIU </p>
<p><b><u>Bedeutendste Branchen </u></b><br></p>
<p><b><u>Mitgliedschaften: </u></b><br>ETUC, WCL</p>
<p><b><u>Politische Ausrichtung: </u></b><br>christdemokratisch, gute Bezie=
hungen zur Regierung 1996-2000</p>
</td>
<td valign=3D"TOP"><p><b>Confedera&#355;ia Na&#355;ionala Sindical&#259; Ca=
rtel Alfa </b></p>
<p><b><u>Gr=FCndungsjahr: </u></b><br>1990</p>
<p><b><u>Mitgliedszahl: </u></b><br>325 000 (in 39 von 41 Kreisen), 1996/7 =
ca. 1,2 Mio. </p>
<p><b><u>Vorsitzender: </u></b><br>Bogdan Iuliu HOSSU </p>
<p><b><u>Bedeutendste Branchen: </u></b><br>Schwer- und Leichtindustrie, pl=
us Bergbau, Landwirtschaft und Bildung, </p>
<p><b><u>Mitgliedschaften: </u></b><br>ETUC, WCL</p>
<p><b><u>Politische Ausrichtung: </u></b><br>eher christdemokratisch</p>
</td></tr>
<tr>
<td valign=3D"TOP"><p><b>Meridian </b></p>
<p><b><u>Gr=FCndungsjahr: </u></b><br></p>
<p><b><u>Mitgliedszahl: </u></b><br> 170 000 (eigene Umfrage), 600 000 (199=
6/7)</p>
<p><b><u>Vorsitzender</u></b><br>: Ion Popescu</p>
<p><b><u>Bedeutendste Branchen: </u></b><br>Bergbau, Chemie- und Kunststoff=
, Leichtindustrie, Transport, Medien </p>
<p><b><u>Mitgliedschaften: </u></b><br>keine, aber seit 2003 Allianz mit Ko=
nsumgenossenschaft CENTROCOOP und der Handwerkergenossenschaft UCECOM</p>
<p><b><u>Politische Ausrichtung: </u></b><br>unabh=E4ngig </p>
</td>
<td valign=3D"TOP"><p><b>Hinzu kommen noch die Branchengewerkschaften</b></=
p>
<p><b><u>besonders einflu=DFreich</u>: </b>Bergbau, Metallverarbeitung, Bil=
dung, Einzelhandel, Landwirtschaft und Gesundheit<b> </b></p>
</td></tr></tbody></table>
</center>
<p>Mitgliedszahlen beziehen sich auf eigenen Angaben. </p>

<p>Bis 1989 hatten sich die Gewerkschaften vornehmlich damit Verdienste erw=
orben, indem sie Sportveranstaltungen organisierten und Urlaube bezahlten. =
Seither sehen sich die Gewerkschaften Rum=E4niens aber gezwungen, ihre Stra=
tegien dem Umstand anzupassen, dass ihnen die Mitglieder f=F6rmlich davonla=
ufen. Der gewerkschaftliche Organisationsgrad ist in Rum=E4nien von ann=E4h=
ernd 90% 1990 =FCber 70% 1996/7 auf 30% 2001 geschrumpft (gesch=E4tzte Wert=
e der Open Society Foundation). Lediglich in den traditionellen Gewerkschaf=
tsbranchen =D6l, Gas und Chemie, Bergbau und in der Schwerindustrie blieben=
 die Werte auf kommunistischer H=F6he. Am schw=E4chsten ist ihre Verankerun=
g in der Land- und Forstwirtschaft sowie im =F6ffentlichen Sektor. Zu beden=
ken bleibt, dass =FCber die St=E4rke der Gewerkschaften ohnehin nur gemutma=
sst werden kann. Gez=E4hlt wird n=E4mlich die gesamten Belegschaft eines Un=
ternehmens, nicht das einzelne Mitglied.</p>

<p><b>Soft Korporatismus und hard deals </b></p>

<p>Nach wie vor ist Armut und prek=E4re Besch=E4ftigung in Rum=E4nien weit =
verbreitet. Daran =E4ndert auch das hohe Wachstum der letzten Jahre erstmal=
 wenig. Das durchschnittliche Lohnniveau im formellen Besch=E4ftigungssekto=
r ist extrem niedrig gemessen an den kontinuierlich wachsenden Konsumpreise=
n. Erdgas stieg 2003 um 22%, Strom um 17,5% und die Post um 21% an. Zwar wu=
rden die Agrarrenten verdoppelt, aber bei 21 Euro monatlich klingt dies bes=
ser, als es sich f=FCr die rurale Bev=F6lkerung letzlich auswirkt. Dabei st=
ehen einige gr=F6=DFere Modernisierungs- und Entlassungswellen noch an. </p=
>

<p>Rum=E4niens Arbeitsbeziehungen werden noch immer von den Beben der Trans=
ition ersch=FCttert. Erhebliche Spannung entluden sich j=FCngst im Bildungs=
ektor, bei der Bahn und nach wie vor bei den Bergbauarbeitern. Aufmerksamke=
it erregte der Hungerstreik der Besch=E4ftigten der Republica im Fr=FChjahr=
 2004. Ihr Maschinenbauunternehmen geh=F6rte zu den privatisierten Staatsbe=
trieben, bis sich die Investoren definitiv wieder zur=FCckzogen. Der Regier=
ung bleibt keine Wahl, als immer wieder die =DCberlebenssicherung des Unter=
nehmens mit den Mitarbeitern zu verhandeln, will sie nicht den unpopul=E4re=
n Verlust einiger Tausenden von Arbeitspl=E4tze riskieren. </p>

<p>In den letzten Jahren versucht der Staat die sozialen Konflikte durch di=
e Einrichtung von Dialoginstitutionen unter Kontrolle zu bringen. Solche tr=
ipartistischen Gremien gab es bis 1998 in Rum=E4nien schlichtweg nicht. Inz=
wischen sind Kommissionen des sozialen Dialogs in allen Ministieriun und au=
ch der Privatisierungsbeh=F6rde eingerichtet. 2002 entstand auch eine tripa=
rt=E4re Nationale Kommission f=FCr Besch=E4ftigungsf=F6rderung. </p>

<p>Als Hauptinstrument dieses staatlich verordneten Tripartismus wurde der =
Wirtschafts- und Sozialrat (CES) 2003 neu geordnet. Auf Geheiss der Regieru=
ng setzt sich der Rat aus den Sozialpartnern sowie NGOs zusammen und hat de=
n Auftrag, Stellungnahmen zur Geld-, Finanz-, Steuer- und Einkommenspolitik=
 abzugeben. Im Ergebniss hiess dies allerdings gr=F6=DFtenteils, dass der C=
ES den Gesetzesentw=FCrfen der Regierung seine Zustimmung erteilt. </p>

<p>Der Dialog hat klar daf=FCr gesorgt, dass es zu weniger Streiks kam. War=
en es 1999 noch 85, so fiel die Zahl bereits 2 Jahre sp=E4ter auf 5, 2002 a=
uf 13 und 2003 auf weniger als 10. Die tripartistischen Kommissionen k=F6nn=
en f=FCr Konsultationen und Transparenz sorgen, auf die separat gef=FChrten=
 Lohnverhandlungen haben sie so gut wie keinen Einfluss. </p>

<p>Was die Tarifpolitik angeht, so weist Rum=E4nien einige Besonderheiten a=
uf: </p>

<p>1. Der nationale Mindestlohn ist Teil eines Sozialabkommens zwischen Gew=
erkschaft und Staat. Es soll Ergebnis eines j=E4hrlichen Verhandlungsprozes=
s sein, bietet den Gewerkschaften aber de facto keine anderen Einflussmecha=
nismen als das Veto. </p>

<p><i>Das Sozialabkommen 2002 verhiess ein Anstieg von 25%, wodurch der Min=
destlohn auf 64 Euro (!) stieg. 2003 kam es nicht zu einer =DCbereinkunft. =
Auch 2004 liegen die Forderungen weit auseinander. Die Gewerkschaften forde=
rten bereits im Herbst 2003 eine Anhebung auf 100 Euro, w=E4hrend die Regie=
rung bislang nur 70 Euro anbot. </i></p>

<p>2. Zu den Besonderheiten der Tarifpolitik in Rum=E4nien z=E4hlt auch der=
 Umstand, dass die Ergebnisse erst auf Unternehmerebene substantiell werden=
. Das national verhandelte Einkommen wie das Mindesteinkommen liegt weit en=
tfernt von dem, was einem Metallarbeiter letzlich zum Leben zugestanden wir=
d. </p>

<p><i>Dementsprechend bezog sich nur 5% der 11 200 abgeschlossenen Tarifver=
tr=E4gen auf Unternehmen mit mehr als 50 Besch=E4ftigten (Angaben von EIR v=
on 2003). Nur selten schliessen sich Unternehmen zur gemeinsamen Verhandlun=
g zusammen. Landesweit gibt es so in Rum=E4nien 12 Unternehmerverb=E4nde. <=
/i></p>

<p>3. Es entspricht rum=E4nischen Verst=E4ndnissen durchaus, dass L=F6hne r=
eal auch sinken k=F6nnen, also nicht =FCber die Inflationsrate hinaus angep=
asst werden. </p>

<p><i>Die langj=E4hrige Forderung der Gewerkschaften nach einer landesweit =
einheitlichen Indexierungsregel verhallt unbeantwortet, was zur Folge hat, =
dass der Lohnanstieg in den letzten Jahren von ca. 2% nicht nur unter der P=
roduktivit=E4tssteigerung, sondern auch unter der Inflationsrate blieb. Gew=
erkschaftler haben somit einen schlechten Stand angesichts der Mainstream-A=
rgumentation, Investitionen seien durch Niedrigl=F6hne anzuziehen. </i></p>

<p>4. Gleichzeitig ist der Staatsanteil am Lohn =FCberdurchschnittlich hoch=
. Die Einkommenssteuer von bis zu 40% des Bruttolohns macht informelle Besc=
h=E4ftigungsverh=E4ltnisse f=FCr Arbeitgeber attraktiv und zwingt Arbeitneh=
mer in prek=E4re Anstellungsverh=E4ltnisse. </p>

<p><i>Bewegung kam in dieses Thema, als die Regierung die Einf=FChrung eine=
r Flat-Tax von 23 % diskutierte. Die Gewerkschaften protestierten klar gege=
n diesen Vorschlag der Abschaffung der progressiven Einkommensversteuerung =
und verst=E4rkten ihre Position der Anhebung des Mindesteinkommens. </i></p=
>

<p><b>Gewerkschaftliche Positionen im gesamtgesellschaftlichen Auftrag-</b>=
</p>

<p><b>Wirtschafts-, Sozial- und Arbeitsmarktpolitik</b></p>

<p>Seit Ende des Kommunismus m=FCssen Gewerkschaften nun nicht nur die Verh=
andlung der Arbeitsbedingungen der arbeitenden Bev=F6lkerung in die Hand ne=
hmen, sondern auch neue gesamtgesellschaftliche Aufgaben wie die aktive Ges=
taltung der Sozial- und Arbeitsmarktpolitik sowie der Privatisierung und Um=
strukturierung der Wirtschaft angehen. </p>

<p>Dabei haben sich die Gewerkschaften zun=E4chst selbst gebremst. Nach 198=
9 haben sich die Gewerkschaften selbst aus der Politik herausgedr=E4ngt, in=
dem sich von der kommunistischen Politik distanzierten und politische =C4mt=
er verweigerten. </p>

<p>Die Diktaturerfahrung verhindert an vielen Stellen auch jetzt noch eine =
sachliche, politische Auseinandersetzung. Die Gewerkschaftsgrundidee wird i=
mmer noch eng verkn=FCpft mit dem kommunistischen Systems gesehen. Beispiel=
sweise ist das Thema Betriebsverfassung Tabu, weil es als identisch mit dem=
 "Rat der Werkt=E4tigen" unter Ceau&#351;escu aufgefasst wird. </p>

<p>Dies schafft eine komplizierte Ausgangslage f=FCr die heutige politische=
 Arbeit und f=FChrt zu teilweise bizarren Beziehungen der Gewerkschaften zu=
r Macht. Die CNSLR-Fratia verbr=FCderte sich geradezu mit der Regierung f=
=FCr das Wahljahr 2004, indem sie <i>einen "Partnerschaftsvertrag f=FCr ein=
e gemeinsame Zusammenarbeit"</i> mit Premier Adrian Nastase abschloss und d=
as Regierungsprogramm der PSD offen unterst=FCtzt. Der BNS hat dagegen j=FC=
ngst nach einer Mitgliederbefragung den Schluss gezogen, noch 2004 eine eig=
ene Linkspartei zu gr=FCnden. </p>

<p>Wom=F6glich ist es unter anderem auch den Gewerkschaften zuzuschreiben, =
dass Rum=E4nien im Vergleich zu seinen postkommunistischen Nachbarn eher al=
s Sp=E4tz=FCnder einer pro-aktiven Arbeitsmarktpolitik und Privatisierung g=
ilt. Es ist =E4usseren Einfl=FCssen wie EU und IMF zu verdanken, dass 2003 =
schlagartig eine neue Verfassung sowie die Rahmengesetze zu den Gewerkschaf=
tsrechten, den Arbeitsbeziehungen und die Arbeitsgesetzgebung Rum=E4niens v=
erabschiedet wurden<a href=3D"https://library.fes.de/fulltext/netzquelle/02=
256einf.html#P88_11330"><i>(1)</i></a>. Rum=E4nien wurde damit zumindest le=
gislativ auf europ=E4ischen Standard gebracht.</p>

<p>Der =E4ussere Einflu=DF zeigt sich auch darin, dass als Folge der Verhan=
dlungen zwischen Regierung und IMF 19 300 Mitarbeiter der 3 Eisenbahngesell=
schaften nach und nach entlassen werden. Im Anschluss an die Parlamentswahl=
en soll der Privatisierungsprozess, insbesondere im Energiesektor, abgeschl=
ossen werden und die Verwaltung kr=E4ftig effizient gestutzt werden. Damit =
steht Rum=E4nien an dem Punkt, den die rum=E4nischen Regierungen bisher imm=
er aufschob und die die Nachbarl=E4nder bereits in den 90er Jahren durchgem=
acht haben; eine weitere Verteuerung der Energiepreise und schmerzhafte Mas=
senentlassungen. </p>

<p><b>Herausforderungen </b></p>

<p>Die Harmonisierung der Sozialbeziehungen ist dem Umstand des EU-Beitritt=
s zu verdanken. Viel wird davon abh=E4ngen, wieviel Herz auch in Monitoring=
 und Umsetzung gesteckt wird und wieviel Druck Gewerkschaften hierauf ausl=
=F6sen k=F6nnen. </p>

<p>Viel kann noch herausgeholt werden, bis die Gewerkschaften ihren Platz i=
m neuen gesellschaftlichen und politischen Umfeld ausf=FCllen. Blinde polit=
ische Verbr=FCderung und Versteifung auf die Nein-Sager- Rolle tut den Gewe=
rkschaften nicht gut. Sie m=FCssen eigene Positionen entwickeln, die im pol=
itischen Diskurs nutzbar gemacht werden k=F6nnen. Verkrustete Strukturen m=
=FCssen durch intelligente =D6ffentlichkeits- und Lobbypolitik ersetzt werd=
en, Anwaltschaft f=FCr zentrale gesamtgesellschaftliche Fragen unabh=E4ngig=
 und wertbezogen =FCbernommen werden. Kommunikation und Service muss modern=
isiert werden. Mitgliederumfragen wie die des BNS d=FCrfen keine Ausnahme m=
ehr sein. Dachverb=E4nden, aber auch einzelne Gewerkschaften d=FCrfen sich =
nicht mehr ohne Internetseite pr=E4sentieren, sondern m=FCssen offensiv auf=
 Menschen und ihre Probleme zugehen. </p><!-------------- END -------------=
-- aus baustein: fuss_afs.htm--------------------->
<br>

<br><br>
<ul><p><i>Fu=DFnote:</i></p><i>

<p><a name=3D"P88_11330"></a><sup>1</sup>  Neu hinzu gekommen ist auch die =
gesetzliche Abgesicherung der Chancengleichheit f=FCr Mann und Frau.</p>
</i></ul><i>


</i></body></html>
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