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Die Erweiterung der Europ=E4ischen Union : Probleme und Perspektiven
 / von Otto Schmuck. - [Bonn], 1994. - (FES-Report).
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Europapolitik ; Internationale Beziehungen ; European policy ; Internationa=
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<tbody><tr>
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Die Erweiterung der Europ=E4ischen Union : Probleme und Perspektiven
 / von Otto Schmuck. - [Electronic ed.]. - [Bonn], 1994. - 17 S. =3D 58 Kb,=
 Text
. - (FES-report)
<br>Electronic ed.: Bonn: EDV-Stelle der FES, 1997
<br><br><font size=3D"-1"><i>=A9 Friedrich-Ebert-Stiftung</i></font>
<!-- START BEGIN2 -->
</font>
<br><br>
<!-- END BEGIN2 -->
<b>Zusammenfassung</b><p>
</p><p>
Mitte der neunziger Jahre steht die Europ=E4ische Union vor einer doppelten
Herausforderung: Die vorhandenen Strukturen m=FCssen in Richtung auf eine
gr=F6=DFere Handlungsf=E4higkeit und mehr Demokratie weiterentwickelt
werden. Zugleich dr=E4ngen immer mehr europ=E4ische Staaten auf eine
Mitgliedschaft. Drei Gruppen von Staaten suchen =FCber verst=E4rkte
Kooperation, Assoziierung und/oder Beitritt eine engere Anbindung an die
Europ=E4ische Union: </p><p>
</p><p>
*  Aus der Gruppe der <b>EFTA Staaten</b> haben =D6sterreich, die Schweiz,
Schweden, Finnland und Norwegen einen Beitrittsantrag gestellt. Die Schweiz
stellte ihren Antrag nach dem negativen Aushang des Referendums =FCber
Beitritt zum Europ=E4ischen Wirtschaftsraum vorl=E4ufig zur=FCck. </p><p>
*  Von den <b>Mittelmeerl=E4ndern</b> haben Zypern, Malta und die
T=FCrkei den Beitritt beantragt. </p><p>
*  Die <b>ostmitteleurop=E4ischen Staaten</b> Ungarn, Polen, die
Tschechische Republik, die Slowakische Republik, Bulgarien und Rum=E4nien
sind mit der Europ=E4ischen Union =FCber die sogenannten Europa-Abkommen
assoziiert, in denen sie ihren Wunsch nach Mitgliedschaft in der
Europ=E4ischen Union verankert haben.</p><p>
</p><p>
<b>Am konkretesten ist die Beitrittsperspektive der EFTA-Staaten.</b> Seit
Februar 1993 wird in Br=FCssel =FCber die Modalit=E4ten der
Mitgliedschaft verhandelt. Bereits 1995 soll der Beitritt vollzogen werden.
Eine Reihe von Sachproblemen (Agrarsubventionen, Fischereifragen, soziale
Standards, Transit) m=FCssen bis dahin noch abschlie=DFend gekl=E4rt
werden. Zudem m=FCssen in den Beitrittsstaaten Volksbefragungen
durchgef=FChrt werden, deren Ausgang keineswegs als sicher gelten kann.
<b>Weniger konkret erscheint die Beitrittsperspektive der s=FCd- und
mittelosteurop=E4ischen Staaten.</b> Hier sind die wirtschaftlichen und z.T=
.
auch die politischen Probleme wesentlich gr=F6=DFer. Im Hinblick auf die
<b>L=E4nder Mittelosteuropas</b> kommt es nach dem Ende des
Ost-West-Konflikts darauf an, klare Perspektiven und <b>tragf=E4hige Formen
der Zusammenarbeit  - u.U. auch unterhalb einer Vollmitgliedschaft</b> - zu
entwickeln. </p><p>
</p><p>
F=FCr die Europ=E4ische Union ergibt sich durch die absehbaren Beitritte
die <b>Notwendigkeit von inneren Reformen</b>. Eine Gemeinschaft von 16 ode=
r 17
Mitgliedstaaten wird ohne eine =C4nderung der jetzigen
Entscheidungsverfahren und Kompetenzaufteilungen zwischen Rat, Kommission u=
nd
Europ=E4ischem Parlament nicht mehr wirksam funktionieren. Entscheidungen,
die in Br=FCssel getroffen werden, sind f=FCr einen B=FCrger in
Helsinki oder Dresden nur dann akzeptabel, wenn die Beteiligung der direkt
gew=E4hlten Abgeordneten des Europ=E4ischen Parlaments an Entscheidungen
der Europ=E4ischen Union gest=E4rkt wird und wenn auch die
Aufgabenteilung zwischen der regionalen, der nationalen und EU-Ebene
einsichtiger wird.</p><p>
</p><p>
<b>Vertiefung der Europ=E4ischen Union und zugleich ihre vorsichtige
Erweiterung stellen demnach den einzigen erfolgversprechenden Kurs in der z=
ur
Zeit wenig =FCbersichtlichen politischen Landkarte Europas dar. Gefordert
ist zugleich die F=E4higkeit zur Schaffung neuer gesamteurop=E4ischer
Strukturen, die kreative Nutzung und Weiterentwicklung der vorhandenen
Organisationen in Europa und die Entwicklung unterschiedlicher Formen der
Anbindung von interessierten Staaten an die EU bis hin zur
Vollmitgliedschaft.</b></p><p>
</p><p>
</p><p>
</p><p>
<b>Die anhaltende Attraktivit=E4t der Mitgliedschaft in der EU</b></p><p>
</p><p>
Das zur=FCckliegende Jahr 1993 ist von vielen Kommentatoren als
"europ=E4isches Schicksalsjahr" angek=FCndigt worden. Zum Jahresanfang
war der EG-Binnenmarkt offiziell vollendet worden; der Maastrichter Vertrag
=FCber die Europ=E4ische Union trat mit zehnmonatiger Verz=F6gerung am
1. November 1993 in Kraft. Diese Reform=FCbereinkunft sieht weitreichende
Ver=E4nderungen der bestehenden Gemeinschaftsverfahren - so unter anderem
eine begrenzte Aufwertung des Europ=E4ischen Parlaments und die Einsetzung
eines neuartigen Regionalausschusses - sowie verbesserte
Handlungsm=F6glichkeiten, u.a. in den Bereichen Au=DFen- und
Sicherheitspolitik sowie Justiz und Inneres, f=FCr die Europ=E4ische
Union vor. </p><p>
</p><p>
Trotz dieser durchaus positiv zu wertenden Ver=E4nderungen ist beim
=DCbergang von der EG zur Europ=E4ischen Union die Stimmung in den
zw=F6lf Mitgliedstaaten im Hinblick auf die weitere europ=E4ische
Einigung auf einem Tiefpunkt angelangt. Umstritten sind in Deutschland vor
allem die Regelungen zur Wirtschafts- und W=E4hrungsunion, die - bei
Einhaltung der vorgegebenen Stabilit=E4tskriterien - sp=E4testens
f=FCr 1999 die Abl=F6sung der DM durch eine gemeinsame europ=E4ische
W=E4hrung vorsehen. Umfrage-Ergebnisse zeigen, da=DF die seit der Mitte
der achtziger Jahre vorherrschende "Europa-Euphorie" einer weitreichenden
Skepsis gewichen ist. Besonders bedenklich ist es, da=DF die neue
Stimmungslage mit einer R=FCckwendung zu nationalstaatlichen Konzepten und
einer weit verbreiteten Fremdenfeindlichkeit einher geht. </p><p>
</p><p>
Ungeachtet dieser neuen Befindlichkeiten dr=E4ngen eine Reihe von
europ=E4ischen Staaten energisch auf eine Mitgliedschaft in der
Europ=E4ischen Union. =D6sterreich, Schweden, Finnland, Norwegen, die
Schweiz, Malta, Zypern und die T=FCrkei haben offiziell einen
Beitrittsantrag in Br=FCssel gestellt. Ungarn, Polen, die Tschechische
Republik, die Slowakische Republik, Bulgarien und Rum=E4nien handelten mit
der Europ=E4ischen Union in der Perspektive einer sp=E4teren
Mitgliedschaft sogenannte "Europa-Abkommen" aus. Von Politikern der baltisc=
hen
Staaten Estland, Lettland und Litauen liegen Aussagen vor, die ebenfalls au=
f
den Wunsch einer sp=E4teren Mitgliedschaft schlie=DFen lassen. Es ist
nur eine Frage der Zeit bis einzelne der aus Jugoslawien hervorgegangenen n=
euen
Staaten gleichfalls die Ann=E4herung an die Europ=E4ische Union suchen.
</p><p>
</p><p>
Die vorliegenden Reaktionen von Politikern und Kommentatoren in den EU-Staa=
ten
zu m=F6glichen Erweiterungen sind vom Tenor her sehr unterschiedlich. Sie
reichen von einer weitgehenden Zur=FCckhaltung unter Verweis auf die
Notwendigkeit der Sicherung des erreichten Integrationsstandes bis hin zu d=
er
Auffassung, die Europ=E4ische Union sehe sich nach dem Ende des
Ost-West-Konflikts der historischen Aufgabe gegen=FCber, den gesamten
Kontinent zu einigen und damit den Frieden in Europa auf Dauer zu sichern.<=
/p><p>
</p><p>
Diese widerspr=FCchlichen Auffassungen hinsichtlich des Umfanges und des
Zeithorizonts von Erweiterungen der Europ=E4ischen Union sind weitgehend
durch unterschiedliche Auffassungen von der Zielperspektive der
europ=E4ischen Einigung bedingt. <b>Diejenigen Kr=E4fte, die sich - wie
die britische Regierung - f=FCr eine Ausgestaltung der Europ=E4ischen
Union als einer Freihandelszone mit starker Stellung der Mitgliedstaaten
("Europa der Vaterl=E4nder") einsetzen, sprechen sich in der Regel f=FCr
eine m=F6glichst rasche und weitreichende Erweiterung aus. Wer aber die
Schaffung eines handlungsf=E4higen europ=E4ischen Bundesstaates anstrebt,
sorgt sich zun=E4chst um den Erhalt und den Ausbau der bestehenden
Strukturen.</b> Zu Recht ist von den mit Europafragen befa=DFten
Wissenschaftlern auf das Spannungsverh=E4ltnis zwischen einer weiteren
"Vertiefung" des bestehenden Integrationssystems zu einer demokratisch
legitimierten und handlungsf=E4higen Europ=E4ischen Union und einer allzu
raschen und unkontrolliert verlaufenden Erweiterung hingewiesen worden. Das
Urteil des Bundesverfassunggerichts vom 12. Oktober 1993 zum Maastrichter
Vertrag schlie=DFt die Weiterentwicklung der Europ=E4ischen Union zu
einem Bundesstaat keineswegs aus, doch sei es dabei unabdingbar, da=DF
"...die demokratischen Grundlagen der Union schritthaltend mit der Union
ausgebaut werden". </p><p>
</p><p>
Die Bev=F6lkerung in den Mitgliedstaaten der Europ=E4ischen Union zeigt
sich gegen=FCber m=F6glichen Beitritten vergleichsweise aufgeschlossen.
Die Skala der Zustimmung zu einer Erweiterung der Europ=E4ischen Union
reichte bei einer 1991 in den zw=F6lf Mitgliedstaaten durchgef=FChrten
repr=E4sentativen Umfrage von 89 Prozent f=FCr Schweden, 88 Prozent
f=FCr Norwegen und 86 Prozent f=FCr =D6sterreich bis hin zu 55 Prozent
f=FCr die T=FCrkei und immerhin noch 50 Prozent f=FCr Albanien.</p><p>
</p><p>
</p><p>
<b>Bedingungen und Kriterien der Mitgliedschaft in der EU</b></p><p>
</p><p>
Entsprechend den vertraglichen Grundlagen kann jeder europ=E4ische Staat,
der bereit ist, die Ziele der Europ=E4ischen Union mitzutragen, einen Antra=
g
auf Mitgliedschaft stellen. Artikel O des Vertrages =FCber die
Europ=E4ische Union hat folgenden Wortlaut:</p><p>
</p><p>
<i>"Jeder europ=E4ische Staat kann beantragen, Mitglied der Union zu werden=
.
Er richtet seinen Antrag an den Rat; dieser beschlie=DFt einstimmig nach
Anh=F6rung der Kommission und nach Zustimmung des Europ=E4ischen
Parlaments, das mit der absoluten Mehrheit seiner Mitglieder beschlie=DFt.
Die Aufnahmebedingungen und die durch die Aufnahme erforderlich werdenden
Anpassungen der Vertr=E4ge, auf denen die Union beruht, werden durch ein
Abkommen zwischen den Mitgliedsstaaten und dem antragstellenden Staat gereg=
elt.
Das Abkommen bedarf der Ratifikation durch alle Vertragsstaaten
gem=E4=DF ihren verfassungsrechtlichen Vorschriften."</i></p><p>
</p><p>
In der Praxis ist <b>der Weg zur EU-Mitgliedschaft</b> durch eine Reihe von
Verfahrensschritten gekennzeichnet. Besondere Bedeutung kommt dabei der
Stellungnahme der Europ=E4ischen Kommission zu. Im Falle der T=FCrkei
beispielsweise fiel diese Stellungnahme so negativ aus, da=DF ernsthafte
Verhandlungen gar nicht erst aufgenommen wurden. Auf der Grundlage der
Kommissions-Stellungnahme erm=E4chtigt der Rat die Kommission, im Kontakt
mit den beitrittswilligen L=E4ndern L=F6sungsm=F6glichkeiten zu
erarbeiten. Die Verhandlungen selbst verlaufen in einer Vielzahl von Gremie=
n
und Arbeitsgruppen unter aktiver Einbeziehung der Kommission und der Vertre=
ter
der Mitgliedsstaaten. Die Europ=E4ische Union wird in den Verhandlungen
offiziell durch die amtierende Pr=E4sidentschaft des Rates  vertreten. Zur
Kl=E4rung besonders umstrittener Materien werden die Minister eingeschaltet=
.
So fand beispielsweise am 21. Dezember 1993 das 5. Ministertreffen im Rahme=
n
der Verhandlungen mit den vier beitrittswilligen EFTA-Staaten statt. Nach
Abschlu=DF der Verhandlungen wird der Beitrittsvertrag von den Vertretern
beider Seiten unterzeichnet. Danach mu=DF das Europ=E4ische Parlament
seine Zustimmung erteilen. Zudem ist die Ratifikation aller Vertragsstaaate=
n -
zumeist unter Beteiligung der nationalen Parlamente - notwendig. </p><p>
</p><p>
In der Regel findet in den Beitrittsstaaten dar=FCber hinaus ein
<b>Referendum</b> =FCber den Beitritt statt. Diese Notwendigkeit einer
Volksbefragung stellt eine weitere, nicht zu untersch=E4tzende H=FCrde
dar. So lehnte die norwegische Bev=F6lkerung 1972 den damals zusammen mit
Gro=DFbritanien, Irland und D=E4nemark ausgehandelten
EG-Beitrittsvertrag mit knapper Mehrheit ab. Die Diskussion dar=FCber war s=
o
kontrovers und die Fronten selbst innerhalb von Parteien und Verb=E4nden so
verh=E4rtet, da=DF die Beitrittsfrage bis heute in diesem Land als
=E4u=DFerst sensibel eingestuft wird. Auch f=FCr den beabsichtigten
Beitritt der vier EFTA-Staaten ist die Zustimmung der Bev=F6lkerung
keineswegs sicher. Nach einer Meinungsumfrage des schwedischen Statistikamt=
es
SCB vom November 1993 sprachen sich zu diesem Zeitpunkt lediglich 26 Prozen=
t
der Schweden f=FCr den Beitritt, 45 Prozent aber dagegen aus.</p><p>
</p><p>
</p><p>
<b>Die Beitrittskandidaten im =DCberblick </b></p><p>
</p><p>
Insgesamt lassen sich drei Gruppen von Staaten ausmachen, die =FCber
verst=E4rkte Kooperation, Assoziierung und/oder Beitritt eine Anbindung an
die Europ=E4ische Union suchen:</p><p>
</p><p>
(1) Aus der Gruppe der <b>EFTA Staaten</b> haben =D6sterreich, die Schweiz,
Schweden, Finnland und Norwegen einen Beitrittsantrag gestellt. Nach dem
negativen Referendum vom Dezember 1992 =FCber den Beitritt zum
Europ=E4ischen Wirtschaftsraum wurde der Antrag auf eine EU-Mitgliedschaft
der Schweiz vorl=E4ufig zur=FCckgestellt.</p><p>
</p><p>
(2) Von den <b>Mittelmeerl=E4ndern </b>haben Zypern, Malta und die
T=FCrkei den Beitritt beantragt. </p><p>
</p><p>
(3) Die <b>ostmitteleurop=E4ischen Staaten</b> Ungarn, Polen, die
Tschechische Republik, die Slowakische Republik, Bulgarien und Rum=E4nien
sind mit der Europ=E4ischen Union =FCber die sogenannten Europa-Abkommen
assoziiert, in denen sie ihren Wunsch nach Mitgliedschaft in der
Europ=E4ischen Union verankert haben.</p><p>
</p><p>
14 Staaten aus drei L=E4ndergruppen haben demnach heute bereits ihren Wunsc=
h
nach einem EU-Beitritt deutlich artikuliert. Damit w=FCrde sich die Zahl de=
r
Mitglieder der Europ=E4ischen Union mehr als verdoppeln. Dar=FCber hinaus
ist zu erwarten, da=DF auch die baltischen Staaten Estland, Lettland und
Litauen sowie einzelne der aus dem fr=FCheren Jugoslawien hervorgegangenen
neuen Republiken (Slowenien, Kroatien, Mazedonien u.a.) zumindest mittelfri=
stig
eine Ann=E4herung an die EU suchen (vgl. Tabelle 1). </p><p>
</p><p>
<b>Eine realistische Erweiterungsstrategie mu=DF bei einem differenzierten
Vorgehen ansetzen. Das Ziel mu=DF die z=FCgige "Norderweiterung" der EU
sein. Schweden, Finnland, Norwegen, =D6sterreich und auch die Schweiz
geh=F6ren -


wenn sie wollen -


in die Gemeinschaft. Die beitrittswilligen EFTA-L=E4nder sollten bis
sp=E4testens 1995 in die EU aufgenommen werden.</b></p><p>
</p><p>
<b>Politisch und auch =F6konomisch ist der Beitritt von EFTA-Staaten
zweifellos ein Gewinn f=FCr die EU.</b> Hier handelt sich um wirtschaftlich
leistungsf=E4hige Staaten mit gefestigter demokratischer Tradition und
internationalem und friedenspolitischem Engagement. Bereits zur Mitte der
neunziger Jahre k=F6nnen sie Mitglieder der Union sein. </p><p>
</p><p>
Im Hinblick auf die beitrittswilligen <b>Mittelmeerl=E4nder</b> ist ein
diffenzierendes Vorgehen angebracht. <b>Malta k=F6nnte relativ schnell
EU-Mitglied werden, w=E4hrend im Hinblick auf eine Mitgliedschaft Zyperns
und vor allem der T=FCrkei erheblich Bedenken bestehen.</b> F=FCr die
<b>ostmitteleurop=E4ischen Staaten</b> gilt, da=DF sie einen
realistischen Zeithorizont f=FCr ihren EU-Beitritt und f=FCr eine
Zwischenphase eine aktive Assoziierungspolitik ben=F6tigen, die einen
organischen Weg in die Gemeinschaft ebnet. <b>Vor dem Jahre 2000 ist
realistischerweise kaum mit einem EU-Beitritt dieser L=E4nder zu
rechnen.</b> Jeder einzelne Beitrittsantrag wird sorgf=E4ltig zu pr=FCfen
sein; eine Automatik und einen Gruppenzwang darf es in diesem Zusammenhang
nicht geben.</p><p>
</p><p>
<b>Tabelle 1:	Strukturdaten der Mitgliedstaaten der Europ=E4ischen Union un=
d
ausgew=E4hlter Beitrittsstaaten</b>  (1990/91</p><p>
</p><p>
<table noborder=3D"">
<tbody><tr>
<th>Staat </th>
<th>Einwohner (in 1.000)</th>
<th>BIP pro Kopf             ( in US-Dollar)</th>
<th>Besch=E4ftigte in der Landwirtschaft </th>
</tr>
<tr>
<td>Belgien</td>       	   =20
<td> 9.950</td>       	   =20
<td>20.001</td>       	   =20
<td>2,0 %</td>       	   =20
</tr>
<tr>
<td>Deutschland</td>       	   =20
<td>79.670</td>       	   =20
<td>18.178</td>       	   =20
<td>3,8 %</td>       	   =20
</tr>
<tr>
<td>D=E4nemark</td>       	   =20
<td>5.134</td>       	   =20
<td>25.148</td>       	   =20
<td>6,0 %</td>       	   =20
</tr>
<tr>
<td>Griechenland</td>       	   =20
<td>10.070</td>       	   =20
<td>6.518</td>       	   =20
<td>27,0 %</td>       	   =20
</tr>
<tr>
<td>Frankreich</td>       	   =20
<td>56.556</td>       	   =20
<td>21.100</td>       	   =20
<td> 6,0 %</td>       	   =20
</tr>
<tr>
<td>Irland</td>       	   =20
<td>3.540</td>       	   =20
<td>12.175</td>       	   =20
<td>15,0 %</td>       	   =20
</tr>
<tr>
<td>Italien</td>       	   =20
<td>57.700</td>       	   =20
<td>18.917</td>       	   =20
<td>8,0 %</td>       	   =20
</tr>
<tr>
<td>Luxemburg</td>       	   =20
<td>365</td>       	   =20
<td>22.955</td>       	   =20
<td>2,0 %</td>       	   =20
</tr>
<tr>
<td>Niederlande</td>       	   =20
<td>15.000</td>       	   =20
<td>18.534</td>       	   =20
<td>5,1 %</td>       	   =20
</tr>
<tr>
<td>Portugal</td>       	   =20
<td>10.300</td>       	   =20
<td>5.683</td>       	   =20
<td>26,6 %</td>       	   =20
</tr>
<tr>
<td>Spanien</td>       	   =20
<td>39.200</td>       	   =20
<td>12.613</td>       	   =20
<td>18,0 %</td>       	   =20
</tr>
<tr>
<td>Vereinigtes K=F6nigreich</td>       	   =20
<td>57.236</td>       	   =20
<td>17.108</td>       	   =20
<td>2,6 %</td>       	   =20
</tr>
<tr>
<td>Finnland</td>       	   =20
<td>4.984</td>       	   =20
<td>27.515</td>       	   =20
<td>9,5 %</td>       	   =20
</tr>
<tr>
<td>Norwegen</td>       	   =20
<td>4.242</td>       	   =20
<td>24.947</td>       	   =20
<td>7,6 %</td>       	   =20
</tr>
<tr>
<td>=D6sterreich</td>       	   =20
<td>7.762</td>       	   =20
<td>19.910</td>       	   =20
<td>6,0 %</td>       	   =20
</tr>
<tr>
<td>Schweden</td>       	   =20
<td>8.600</td>       	   =20
<td>25.888</td>       	   =20
<td>5,6 %</td>       	   =20
</tr>
<tr>
<td>Schweiz</td>       	   =20
<td>6.905</td>       	   =20
<td>33.610</td>       	   =20
<td>2,5 %</td>       	   =20
</tr>
<tr>
<td>Malta</td>       	   =20
<td>348</td>       	   =20
<td>2.133</td>       	   =20
<td>3,0 %</td>       	   =20
</tr>
<tr>
<td>T=FCrkei</td>       	   =20
<td>57.000</td>       	   =20
<td>1.850</td>       	   =20
<td>58,0 %</td>       	   =20
</tr>
<tr>
<td>Republik Zypern</td>       	   =20
<td>687</td>       	   =20
<td>7.760</td>       	   =20
<td>23,0 %</td>       	   =20
</tr>
<tr>
<td>Bulgarien</td>       	   =20
<td>8.789</td>       	   =20
<td>1.840</td>       	   =20
<td>12,0 %</td>       	   =20
</tr>
<tr>
<td>Polen </td>       	   =20
<td>38.418</td>       	   =20
<td>1.790</td>       	   =20
<td>27,6 %</td>       	   =20
</tr>
<tr>
<td>Rum=E4nien</td>       	   =20
<td>22.760</td>       	   =20
<td>1.390</td>       	   =20
<td>29,0 %</td>       	   =20
</tr>
<tr>
<td>Slowakische Republik</td>       	   =20
<td>4.991</td>       	   =20
<td>2.470 (ehem. CSFR)</td>       	   =20
<td>12,0 %  (ehem. CSFR)</td>       	   =20
</tr>
<tr>
<td>Tschechische Republik</td>       	   =20
<td>10.302</td>       	   =20
<td>2.470 (ehem. CSFR)</td>       	   =20
<td>12,0 %  (ehem. CSFR)</td>       	   =20
</tr>
<tr>
<td>Ungarn</td>       	   =20
<td>10.552</td>       	   =20
<td>2.720</td>       	   =20
<td>18,0 %</td>       	   =20
</tr>
</tbody></table>
</p><p>
Quellen: Weltbank; Fischer Weltalmanach 1992/94.</p><p>
<b>Die Verhandlungen mit den EFTA-Staaten</b></p><p>
</p><p>
Die Europ=E4ische Union verhandelt seit Februar 1993 mit =D6sterreich,
Schweden, Finnland und Norwegen =FCber eine Vollmitgliedschaft. Noch Mitte
der achtziger Jahre erschien es keineswegs als zwangsl=E4ufig, da=DF
sich diese Mitgliedsstaaten der Europ=E4ischen Freihandelszone ("European
Free Trade Area - EFTA") f=FCr den Beitritt zur damaligen Europ=E4ischen
Gemeinschaft entscheiden w=FCrden. Im Gegenteil wurden damals parallel zur
Verwirklichung des EG-Binnemarktes umfangreiche Verhandlungen zur Schaffung
eines Europ=E4ischen Wirtschaftsraums (EWR) aufgenommen, der im Vorfeld der
Vollendung des EG-Binnenmarktes eine enge wirtschaftliche Anbindung der
EFTA-Staaten an die Gemeinschaft zum Ziel hatte. </p><p>
</p><p>
Dieser neue Zusammenschlu=DF sollte mit 19 Staaten und rund 380 Millionen
Verbrauchern den gr=F6=DFten Wirtschaftsraum der Welt darstellen. Der
Abschlu=DF des Abkommens =FCber den EWR erfolgte am 2.5.1992, nachdem
auch die letzten Hindernisse im Bereich Alpentransit und Fischereirechte
=FCberwunden werden konnten. =DCberraschenderweise hat die Schweizer
Bev=F6lkerung jedoch den Beitritt des Landes zum EWR am 6. Dezember 1992 in
einem Referendum abgelehnt. Damit r=FCckt auch der EU-Beitritt der Schweiz
in weite Ferne. Zugleich konnte der Vertrag wegen der notwendigen Anpassung=
en
nicht, wie vorgesehen, Anfang 1993, sondern erst mit zw=F6lfmonatiger
Versp=E4tung am 1. Januar 1994 in Kraft treten.</p><p>
</p><p>
Das EWR-Abkommen sieht u.a. vor:</p><p>
- Verwirklichung des freien Waren-

,
Dienstleistungs-

,
Kapital-


und Personenverkehrs,</p><p>
- Zusammenarbeit bei Forschung, Entwicklung, Bildung, Sozialpolitik, Umwelt=
-


und Verbraucherschutz,</p><p>
- Beteiligung der EFTA-Staaten am EU-Binnenmarkt,</p><p>
- Finanzierung eines Solidarit=E4tsfonds durch die EFTA-Staaten, der
Spanien, Portugal, Griechenland und Irland zinsg=FCnstige Darlehen von ca.
1,5 Mrd. ECU (3 Mrd. DM) und Zusch=FCsse von =FCber 500 Mio. ECU (etwa 1
Mrd. DM) sichert,</p><p>
- Schaffung eines unabh=E4ngigen Gerichtshofs, </p><p>
- Schaffung eines gemischten Parlamentarischen Ausschusses.</p><p>
</p><p>
Die Mitgliedschaft im EWR bietet auch den EFTA-Staaten, die einen
Beitrittsantrag zur Europ=E4ischen Union gestellt haben, Vorteile. Sie habe=
n
die M=F6glichkeit, sich in der Zeit bis zu ihrer Vollmitgliedschaft
allm=E4hlich den Gemeinschaftsregeln anzun=E4hern. </p><p>
</p><p>
Noch vor dem Fall der innerdeutschen Grenze hatte der =F6sterreichische
Au=DFenminister Mock im Juli 1989 den Beitrittsantrag seines Landes an den
Vorsitzenden des EG-Ministerrates =FCbergeben. Beobachter hatten damals seh=
r
genau registriert, da=DF =D6sterreich besonderen Wert darauf legte,
da=DF seine Neutralit=E4t durch die angestrebte EG-Mitgliedschaft nicht
ber=FChrt werden sollte. In den darauffolgenden Monaten entschlossen sich
auch auch Schweden, Finnland und die Schweiz, die jedoch nach dem negativen
Ausgangs des Referendums =FCber den Beitritt zum EWR den Beitrittsantrag
vorl=E4ufig nicht weiter verfolgt, zu dem gleichen Schritt. Norwegen folgte
mit einiger Verz=F6gerung im November 1992. </p><p>
</p><p>
Am 1. Februar 1993 wurden die Verhandlungen mit den drei Beitrittskandidate=
n
=D6sterreich, Schweden und Finnland offiziell in Br=FCssel er=F6ffnet,
Norwegen wurde kurz darauf einbezogen. Man ging allgemein von z=FCgigen
Verhandlungen aus, da zwischen der Gemeinschaft und den EFTA-Staaten bereit=
s
eine lange und intensive Zusammenarbeit bestand und im Rahmen der Verhandlu=
ngen
=FCber den EWR schon f=FCr rund 60 % der Binnenmarkt-Regelungen
Einvernehmen erzielt worden war. Zudem handelt es sich bei den EFTA-Staaten
durchwegs um finanzkr=E4ftige Volkswirtschaften, die k=FCnftig zu den
Netto-Zahlern in der Europ=E4ischen Union geh=F6ren d=FCrften.</p><p>
</p><p>
Trotz dieser positiven Ausgangsbedingungen zeigte es sich jedoch bald,
da=DF jeder der Beitrittsstaaten besondere Anliegen vortrug, die
eingehender Beratung bedurften. Entgegen den Erwartungen stellte aber die
Neutralit=E4tsfrage kein Hindernis f=FCr eine Mitgliedschaft dar. Die
Beitrittskandidaten und auch die EU-Mitgliedstaaten vertraten
=FCbereinstimmend die Auffassung, da=DF angesichts der ver=E4nderten
Weltlage nach dem Ende des Ost-West-Konflikts das Konzept der Neutralit=E4t
neu definiert werden m=FCsse. Allerdings wurden im Hinblick auf eine
m=F6gliche gemeinsame Verteidigungspolitik gewisse Vorbehalte angemeldet.
Die Beitrittskandidaten argumentierten, sie d=FCrften in dieser Frage nicht
schlechter gestellt werden als die bisherigen Mitglieder. Fraglos wird ein
Beitritt der EFTA-Staaten einen bedeutenden Einflu=DF auf die Ausgestaltung
der Gemeinsamen Au=DFen-


und Sicherheitspolitik der k=FCnftigen Union haben.</p><p>
</p><p>
Ernsthafte Probleme bei den Verhandlungen ergaben sich auch in mehreren and=
eren
Bereichen. Beispielsweise verlangte <b>=D6sterreich</b> l=E4ngere
=DCbergangszeiten bei der Einf=FChrung der EU-Agrarmarktordnung, damit
sein h=F6heres Preisniveau bei vielen Agrarprodukten allm=E4hlich an die
EU angepa=DFt werden k=F6nne. Besondere Schwierigkeiten bereiten aus
=F6sterreichischer Sicht auch die b=E4uerlichen Kleinbetriebe im
Alpengebiet, die aus =F6kologischen Gr=FCnden auch weiterhin st=E4rker
als von der EU vorgesehen gef=F6rdert werden m=FC=DFten. Als
regelungsbed=FCrftig wurde auch die Frage des Grunderwerbs f=FCr
Zweitwohnsitze in =D6sterreich angesehen. Die sch=F6nsten Gebiete des
Landes d=FCrften nicht von finanzkr=E4ftigen EU-B=FCrgern aus anderen
Unionsstaaten aufgekauft werden, die nur wenige Wochen im Jahr wirklich dor=
t
leben w=FCrden. </p><p>
</p><p>
Besonderen Wert legte =D6sterreich auch auf eine zufriedenstellende
L=F6sung des Transitproblems. Die Bev=F6lkerung des Landes ist in hohem
Ma=DFe in dieser Frage sensibilisiert. =D6sterreich weist darauf hin,
da=DF mit der EG erst 1992 ein Transitabkommen mit einer Laufzeit bis zum
Jahr 2000 ausgehandelt worden ist. Zum Schutz der Anwohner und der Landscha=
ft
m=FC=DFten die hierbei vereinbarten Regelungen auch weiterhin
G=FCltigkeit besitzen. </p><p>
</p><p>
Von allen EFTA-Staaten gleicherma=DFen wird die Bef=FCrchtung
ge=E4u=DFert, da=DF ihre in vielen Bereichen h=F6heren nationalen
Standards, z.B. beim Gesundheitsschutz, bei der Arbeitssicherheit und bei
Umweltfragen durch niedrigere Vorgaben der EU gef=E4hrdet w=FCrden. Vor
allem <b>Schweden</b> legt auf eine Beibehaltung seiner bisherigen Standard=
s
sehr gro=DFen Wert. Dieses Land strebt auch ein Vertragsprotokoll an,
wonach der EURATOM-Vertrag die schwedische Nuklearpolitik nicht ber=FChrt.
Die Kommission verh=E4lt sich gegen=FCber diesem Anliegen sehr
zur=FCckhaltend, zumal aus ihrer Sicht ein national beschlossener Ausstieg
aus der Atomenergie vom EURATOM-Vertrag nicht ber=FChrt w=FCrde. </p><p>
</p><p>
Besondere Probleme ergaben sich bei <b>Norwegen </b>wegen seiner
Abh=E4ngigkeit vom Fischfang sowie wegen der Kohlenwasserstoff-Ressourcen
des Landes. Dar=FCber hinaus meldete Norwegen besondere Interessen im
Hinblick auf den Walfang an. Alle skandinavischen L=E4nder waren
gleicherma=DFen daran interessiert, mit den baltischen Staaten verbesserte
Handelsbeziehungen in Form eines Freihandelsabkommens zu unterhalten. </p><=
p>
</p><p>
Nach den Vorgaben der EU-Staats- und Regierungschefs sollen die
Beitrittsverhandlungen mit den vier EFTA-Staaten so rechtzeitig abgeschloss=
sen
werden, da=DF der Beitritt zum 1. Januar 1995 vollzogen werden kann. </p><p=
>
</p><p>
<b></b></p><p>
<b>Die Beitrittsperspektive der Mittelmeerl=E4nder</b></p><p>
</p><p>
F=FCr die drei beitrittswilligen Mittelmeerl=E4nder f=E4llt die
Prognose =FCber einen m=F6glichen EU-Beitritt sehr unterschiedlich aus.
<b>Malta</b> ist politisch und wirtschaftlich relativ problemlos in die EU =
zu
integrieren. Schwierig hingegen ist die Repr=E4sentation der kleinen
Inselrepublik mit ihren knapp 350.000 Einwohnern in den EU-Institutionen. E=
s
ist kaum vorstellbar, da=DF Malta in der Kommission und im Rat mit jeweils
einem Mitglied vertreten sein wird, obwohl dies im Fall des "Altmitglieds"
Luxemburgs, das mit knapp 400.000 Einwohnern kaum gr=F6=DFer ist, der
Fall ist. An diesem Beispiel wird deutlich, da=DF die Gemeinschaft eine
ausgewogene und faire Vertretung der Mitgliedsstaaten in den Institutionen
einer erweiterten Gemeinschaft neu festlegen mu=DF. </p><p>
</p><p>
Trotz einiger Detailprobleme im Agrarbereich d=FCrfte eine Einbeziehung
<b>Zyperns</b> in die Europ=E4ische Union wirtschaftlich realisierbar sein.
Doch blockiert auf absehbare Zeit der t=FCrkisch-griechische Gegensatz auf
der de facto geteilten Insel weiterf=FChrende Schritte.</p><p>
</p><p>
Der seit 1987 vorliegende Beitrittsantrag der <b>T=FCrkei</b> ist von der
Kommission in einer Stellungnahme zum Beitrittsantrag sehr kritisch komment=
iert
worden. Die Kritik bezieht sich u.a. auf die Verletzung von Menschenrechten=
 und
auf die Behandlung der kurdischen Minderheit. Objektive Schwierigkeiten tre=
ten
f=FCr die Gemeinschaft in der Frage der Freiz=FCgigkeit f=FCr
Arbeitnehmer aus der T=FCrkei auf. </p><p>
</p><p>
Die EG hat den Beitrittsantrag dieses Landes zwar nicht definitiv abgelehnt=
,
konzentriert sich jedoch - zumindest zum gegenw=E4rtigen Zeitpunkt - auf di=
e
Verbesserung der Beziehungen unterhalb der Mitgliedschaft. Die enge
Zusammenarbeit mit der T=FCrkei ist f=FCr die Europ=E4ische Union von
besonderer Bedeutung. Dies gilt unter anderem wegen der Bindungen der
T=FCrkei zum Schwarzmeer-Raum sowie zu Zentralasien. Die Beziehungen der
Europ=E4ischen Union zur T=FCrkei sollten sich k=FCnftig darauf
ausrichten, die M=F6glichkeiten des bestehenden Assoziierungsabkommen
vollst=E4ndig auszusch=F6pfen und die Beziehungen auf dieser Grundlage
weiterzuentwickeln. Die t=FCrkischen B=FCrgerinnen und B=FCrger in der
Bundesrepublik werden sich dabei als dauerndes Bindeglied zwischen der
T=FCrkei und Deutschland und der Gemeinschaft erweisen.</p><p>
<b></b></p><p>
<b></b></p><p>
<b>Perspektiven einer Osterweiterung</b></p><p>
</p><p>
Besonders gro=DFe Erwartungen werden in Mittel- und Osteuropa an einen
EU-Beitritt gekn=FCpft. Umfragen belegen die weitreichende
Unterst=FCtzung der B=FCrgerinnen und B=FCrger in diesen L=E4ndern
f=FCr eine m=F6glichst enge Anbindung an die Europ=E4ische Union
(Tabelle 2). </p><p>
</p><p>
Ein Problem d=FCrfte allerdings darin bestehen, da=DF in diesen Staaten
kaum fundierte Kenntnisse =FCber Zielsetzungen, Verfahren und
Zust=E4ndigkeiten der Europ=E4ischen Union vorhanden sind. F=FCr die
Menschen dort wird die Europ=E4ische Union h=E4ufig gleichgesetzt mit
Wohlstand und stabilen politischen Verh=E4ltnissen. Die EU-Mitgliedschaft
bedeutet in dieser Perspektive die Hoffnung auf Teilhabe am "westlichen"
Wohlstand. Bei der Diskussion um die Osterweiterung der Europ=E4ischen Unio=
n
sollte nicht =FCbersehen werden, da=DF die EU mit ihren
=F6konomischen Erfolgen ein wesentlicher Ausl=F6ser der
Ver=E4nderungen in Ost-


und Mitteleuropa war.</p><p>
<b>Tabelle 2:	Unterst=FCtzung einer EU-Mitgliedschaft bzw. einer
Assoziierung an die Europ=E4ische Union in ausgew=E4hlten Staaten Mittel-
und Osteuropas</b></p><p>
Die ostmitteleurop=E4ischen Nachbarn appellieren heute an die moralische
Verpflichtung der EU, die T=FCr f=FCr die neuen Demokratien
offenzuhalten. In diesem Sinne wachsen die Anforderungen an die EU, eine
gesamteurop=E4ische Verantwortung in Europa zu =FCbernehmen. Dazu
geh=F6rt die =DCberwindung des Wohlstandsgef=E4lles, das als eine
Hinterlassenschaft der europ=E4ischen Teilung und des Ost-West-Konflikts
interpretiert wird. Gefordert ist in dieser Situation eine aktive Politik d=
er
partnerschaftlichen Zusammenarbeit, die dem R=FCckfall in nationale
Engstirnigkeit und v=F6lkischen Nationalismus entgegenwirkt. </p><p>
</p><p>
Die Reformstaaten in Mittel-, Ost- und S=FCdosteuropa, aber auch die Staate=
n
der GUS, m=FCssen daher eine verl=E4=DFliche europ=E4ische
Perspektive erhalten. Die EU mu=DF solidarische Hilfe bei ihrer
wirtschaftlichen, sozialen und =F6kologischen Entwicklung leisten. Dazu ist
das gemeinsame Vorgehen mit den europ=E4ischen und internationalen
Finanzinsitutionen zu verst=E4rken. Notwendig ist - zumindest f=FCr eine
=DCbergangszeit - ein Netzwerk von "ma=DFgeschneiderten" Assoziierungs-
und Kooperationsabkommen, die vor allem den asymmetrischen Zugang zum Markt=
 der
EU erm=F6glichen. Von zentraler Bedeutung gegen=FCber den GUS-Staaten ist
ein m=F6glichst breiter und intensiver Transfer von Wissen und Erfahrungen
=FCber den Aufbau und die Entwicklung demokratischer, parlamentarischer,
marktwirtschaftlicher Strukturen sowie Verfahren zu deren sozialer Absicher=
ung.
Wo immer m=F6glich, sollten die Westeurop=E4er in Mittel- und Osteuropa
auch die regionale Zusammenarbeit dieser L=E4nder anregen und
unterst=FCtzen.</p><p>
</p><p>
Die =D6ffnung der EU nach Mittelosteuropa erfolgt =FCber entsprechende
Assoziierungsabkommen. Sie k=F6nnten auf den EU-Beitritt vorbereiten. Die
hier angesprochenen L=E4nder k=F6nnen in vielen Bereichen dem harten
Wettbewerb im EU-Binnenmarkt noch nicht Stand halten. Die mit Ungarn, Polen=
,
der Tschechischen Republik, der Slowakischen Republik, Bulgarien und
Rum=E4nien abgeschlossenen "Europa-Abkommen" sollen die Reformstaaten bei
der Modernisierung und Anpassung ihrer Volkswirtschaften an die EU-Standard=
s
wirkungsvoll unterst=FCtzen. Dies geschieht durch eine Markt=F6ffnung,
die =FCber zehn Jahre zum Freihandel f=FCr gewerbliche Produkte
f=FChren soll. Mit den vereinbarten Regelungen wird die wirtschaftliche
Zusammenarbeit in Schl=FCsselsektoren, wie etwa im Bereich Infrastruktur un=
d
beim Aufbau des privatwirtschaftlichen Sektors, z.B. im Dienstleistungsbere=
ich,
intensiviert. Vorgesehen sind auch ein politischer Dialog sowie
Aktivit=E4ten zur kulturellen Zusammenarbeit. In der Pr=E4ambel wird die
volle EU-Mitgliedschaft als Ziel genannt, allerdings ohne zeitliche Festleg=
ung.
</p><p>
</p><p>
Eine finanzielle Unterst=FCtzung wird in den Europa-Abkommen nicht
vereinbart, doch wird auf die bestehenden F=F6rderm=F6glichkeiten, vor
allem auf das PHARE-Programm, hingewiesen. Dieses Hilfsprogramm dient der
Umgestaltung der ostmitteleurop=E4ischen L=E4nder. Die EG stellte
hierf=FCr 1993 einen Betrag von 1,045 Mrd. ECU zur Verf=FCgung. Aus dem
Umfeld der Kommission wurde darauf hingewiesen, da=DF dieser Betrag etwa
verzehnfacht werden m=FC=DFte, damit die betroffenen Staaten eine
vergleichbare F=F6rderung erhalten w=FCrden, wie sie heute den aus den
EG-Strukturfonds unterst=FCtzten r=FCckst=E4ndigen Gebiete der
Gemeinschaft zur Verf=FCgung gestellt wird. </p><p>
</p><p>
Die ostmitteleurop=E4ischen L=E4nder begr=FC=DFen vor allem auch
die politische Dimension der engen Zusammenarbeit mit der EU, weil sie eine
=DCberwindung des aus ihrer Sicht vielfach als bedrohlich empfundenen
sicherheitspolitischen Vakuums in dieser Region verspricht. Dar=FCber hinau=
s
streben einige von ihnen jedoch auch eine Mitgliedschaft in der NATO an. Di=
e
Chancen f=FCr eine Vollmitgliedschaft in diesem Verteidigungsb=FCndnis
stehen jedoch schlecht: Ru=DFland hat in sehr klarer Weise deutlich
gemacht, da=DF eine NATO-Mitgliedschaft seiner direkten Nachbarn nicht in
seinem Interesse liegt. Die USA und die NATO haben mit dem j=FCngst
verk=FCndeten Konzept der "Partnerschaft f=FCr den Frieden" erst einmal
alle Optionen offengehalten.</p><p>
</p><p>
Die Staats- und Regierungschefs der EG haben bei ihrem Treffen in Kopenhage=
n im
Juni 1992 unterstrichen, da=DF der Weg der mittelosteurop=E4ischen
Staaten in die Gemeinschaft vorgezeichnet ist. Doch sei in jedem Einzelfall=
 die
Erf=FCllung wesentlicher Beitrittskriterien zu pr=FCfen. <b>F=FCr
einzelne dieser L=E4nder k=F6nnte die Mitgliedschaft in der
Europ=E4ischen Union in einem Zeitraum von zehn Jahren durchaus realisiert
werden. An erster Stelle sind hier Ungarn, Polen, die Tschechische Republik=
 und
die Slowakische Republik zu nennen. Wer hingegen bereits heute einen Beitri=
tt
Bulgariens, Rum=E4niens oder gar Albaniens zur EU betreibt, setzt die
bisherigen Erfolge der europ=E4ischen Integration aufs Spiel und schadet
letztlich der Entwicklung dieser L=E4nder selbst. Dies gilt in noch
st=E4rkerem Ma=DFe f=FCr die Staaten der GUS. Auch denen, die
diesseits des Ural liegen, kann aus heutiger Sicht eine Beitrittsperspektiv=
e
nur schwerlich er=F6ffnet werden.</b></p><p>
</p><p>
<b></b></p><p>
<b>Erweiterungsbedingte Strukturver=E4nderungen und institutionelle
Reformen</b> </p><p>
</p><p>
Heute schon ist klar: Die Europ=E4ische Union bleibt nicht wie sie ist. Sie
ist einem doppelten Druck ausgesetzt:</p><p>
</p><p>
Einerseits dr=E4ngen mehr und mehr europ=E4ische Staaten in die EU. Acht
Beitrittsantr=E4ge aus dem Kreis der EFTA-Staaten und der
Mittelmeerl=E4nder liegen in Br=FCssel vor. Ost-


und mitteleurop=E4ische Staaten bauen in ihren nationalen Reformprozessen
auf eine EU-"Beitrittsperspektive".</p><p>
</p><p>
Andererseits ist mit dem Maastrichter Vertrag ein "Vertiefungsprogramm" auf=
 den
Weg gebracht worden, das den Integrationsproze=DF in den klassischen
Feldern der EU-Politik weiter verdichtet und auf neue Bereiche, die Innen-


und Justizpolitik und die Gemeinsame Au=DFen-


und Sicherheitspolitik, ausdehnt. Zudem ist die Schaffung der Europ=E4ische=
n
Wirtschafts- und W=E4hrungsunion sp=E4testens f=FCr das Jahr 1999
programmiert. Bereits 1996 soll eine Regierungskonferenz =FCber weitere
Reformschritte beraten.</p><p>
</p><p>
Die Prozesse von Vertiefung und Erweiterung der Europ=E4ischen Union laufen
nicht automatisch ab, und sie sind auch nicht konfliktfrei. Eine vertiefte
Gemeinschaft, in der die supranationalen Elemente gest=E4rkt werden, in der
zunehmend mit Stimmenmehrheit im Rat entschieden wird und in der die
demokratische Legitimierung ihrer Entscheidungsverfahren immer wichtiger wi=
rd,
legt die Latte f=FCr beitrittswillige Staaten zunehmend h=F6her. </p><p>
</p><p>
In einer erweiterten Gemeinschaft von zwanzig bis drei=DFig Mitgliedstaaten
werden - wenn nicht weitreichende Reformen vereinbart werden - die
Entscheidungsprozesse noch langwieriger und komplizierter als heute sein. D=
enn
in der erweiterten Union sind wegen der gr=F6=DFeren Zahl der
Beteiligten die unterschiedlichen politischen und wirtschaftlichen Interess=
en
wesentlich schwieriger auszugleichen und in gemeinsamen Entscheidungen zu
b=FCndeln als in der Zw=F6lfergemeinschaft von heute. Wer auf das Europa
im Jahre 2000 schaut, mu=DF deshalb nach beidem fragen: nach der
<b>EU-F=E4higkeit der Beitrittskandidaten </b>und nach der
<b>Erweiterungsf=E4higkeit der Europ=E4ischen Union</b>.</p><p>
</p><p>
Dabei kann auf den Erfahrungen der beiden vorausgegangenen Erweiterungsrund=
en
aufgebaut werden. Diese haben gezeigt, da=DF die Gemeinschaft Zeit braucht,
um die Neuaufnahmen zu verkraften, und selber bereit und f=E4hig zum Wandel
sein mu=DF. Die bisherigen Erweiterungen verursachten im Ergebnis
erhebliche Kosten, die vor allem von den finanzkr=E4ftigeren
Mitgliedsstaaten getragen werden mu=DFten. Beispielsweise fordert die
britische Regierung seit Mitte der siebziger beharrlich einen
"Beitrittsrabatt", weil die Agrarpolitik der Europ=E4ischen Union den
Interessen und den vorhandenen Strukturen des Landes nicht entspreche. Mit =
dem
Beitritt Griechenlands, Spaniens und Portugals war die Schaffung und erhebl=
iche
Aufstockung der Struktur-


und Koh=E4sionsfonds verbunden.</p><p>
</p><p>
Will die Union die mit den Erweiterungen verbundene Verantwortung ernstnehm=
en,
dann mu=DF sie auch ihre eigenen internen Strukturen verbessern und der
gewandelten Situation in Europa anpassen. Hierzu geh=F6ren vor allem auch
die notwendigen <b>institutionellen Reformen</b>. Vorhandene Strukturproble=
me
in den Verfahrensabl=E4ufen werden durch das Hinzukommen neuer Partner
versch=E4rft werden. Eine EU-Erweiterung auf 16, 20 oder gar 25 Staaten
w=FCrde die bestehenden Verfahren, die f=FCr eine Gemeinschaft mit sechs
Mitgliedern konzipiert wurden, =FCberfordern und die Legitimation der
Entscheidungen der Europ=E4ischen Union insgesamt unterminieren. Aus den
Erweiterungen d=FCrfen sich zumindest keine nachteiligen Auswirkungen
f=FCr die bisher bereits zum Teil sehr schwerf=E4lligen und nicht
hinreichend demokratisch legitimierten Verfahren in der Gemeinschaft ergebe=
n.
Besser w=E4ren schrittweise Verbesserungen der Entscheidungsverfahren in
Richtung auf mehr Effizienz und mehr Demokratie. </p><p>
</p><p>
Von gro=DFer Bedeutung sind dabei die <b>Abstimmungsverfahren im Rat</b>,
in dem die nationalen Minister vertreten sind. Seit der Einheitlichen
Europ=E4ischen Akte im Juli 1987 wird im Rat vermehrt mit Mehrheit
abgestimmt. Hier kommen die Bestimmungen von Art. 148 zur Anwendung. Ist zu
einem Beschlu=DF des Rates die qualifizierte Mehrheit erforderlich, so
werden die Stimmen der Mitglieder gewogen. Dabei haben die vier gro=DFen
Staaten mit mehr als 50 Millionen Einwohnern jeweils 10 Stimmen, Staaten mi=
t
8-15 Millionen Einwohnern, wie Belgien, Griechenland, die Niederlande und
Portugal, haben f=FCnf Stimmen, und Luxemburg als der kleinste Partner
verf=FCgt immerhin noch =FCber zwei Stimmen. Die kleineren Staaten sind
demnach bei der Festlegung der ihnen zuerkannten Stimmen im Hinblick auf ih=
re
Bev=F6lkerungszahl gegen=FCber den gr=F6=DFeren deutlich
bevorzugt. Insgesamt sind im Rat 76 Stimmen vorhanden. Die qualifizierte
Mehrheit ist mit 54 Stimmen erreicht. Konkret bedeutet dies, da=DF zwei
gro=DFe und ein kleinerer Staat bestimmte Beschl=FCsse durch eine
ablehnende Haltung verhindern k=F6nnen.</p><p>
</p><p>
Mit dem Beitritt der vier EFTA-Staaten, die jeweils eine Einwohnerzahl zwis=
chen
vier und neun Millionen haben, stellt sich die Frage, ob diese Stimmgewicht=
ung
nicht ver=E4ndert werden mu=DF. =D6sterreich und Schweden sollen je
vier, Norwegen und Finnland je drei Stimmen im Rat erhalten. Damit erschein=
t es
zweckm=E4=DFig, eine k=FCnftige Sperrminorit=E4t im Rat h=F6her
anzusetzen, um die Handlungsf=E4higkeit auch der erweiterten Gemeinschaft
sicherzustellen. Anzustreben w=E4re dabei ein politischer Kompromi=DF,
der den Interessen aller Beteiligter so weit wie m=F6glich Rechnung
tr=E4gt. Zumindest sollte die Sperrminorit=E4t k=FCnftig so
ausgestaltet sein, da=DF drei gr=F6=DFere und ein kleinerer Staat
zur Verhinderung einer Entscheidung notwendig werden. </p><p>
</p><p>
Diskutiert wird im Zusammenhang mit der Erweiterung auch die =C4nderung der
Vorsitzrolle bzw. der Reihenfolge der Pr=E4sidentschaft im Europ=E4ischen
Rat und des Vorsitzes im Ministerrat. Gegenw=E4rtig wird der Vorsitz im Rat
(und in der EPZ) nach Art. 146 EG-Vertrag von den Mitgliedstaaten f=FCr je
sechs Monate in einer am Alphabet orientierten, vertraglich festgelegten
Reihenfolge wahrgenommen. In der Praxis hat sich mit Blick auf eine
st=E4rkere Kontinuit=E4t im Rat ein Verfahren herausgebildet, wonach die
amtierende Pr=E4sidentschaft von ihrem jeweiligen Vorg=E4nger und
Nachfolger unterst=FCtzt wird ("Troika"). Dieses pragmatische Verfahren
weist erkennbare Defizite auf: Dem Gemeinschaftshandeln mangelt es - trotz =
des
"Troika-Verfahrens" - in vielen F=E4llen wegen der unterschiedlichen
Priorit=E4tensetzungen der jeweils amtierenden Pr=E4sidentschaft noch
immer an Kontinuit=E4t. Zudem sind kleinere Mitgliedstaaten in der
Vorsitzrolle in Einzelf=E4llen organisatorisch =FCberfordert und werden
von wichtigen Gespr=E4chspartnern nicht als Sprecher der Europ=E4ischen
Union akzeptiert. </p><p>
</p><p>
Der Europ=E4ische Rat hat bei seiner Sitzung am 10./11. 12.1993 in
Br=FCssel hierzu als einem ersten Schritt festgelegt, da=DF die
Reihenfolge der Pr=E4sidentschaft im Europ=E4ischen Rat bzw. der Vorsitz
im Ministerrat dahingehend ver=E4ndert wird, da=DF nach zwei kleineren
Mitgliedsstaaten jeweils ein gr=F6=DFerer folgt. K=FCnftig wird
demnach jeweils ein gro=DFer Mitgliedsstaat in der Troika vertreten sein.</=
p><p>
</p><p>
Reform=FCberlegungen bez=FCglich der <b>Kommission</b> gehen von der
Frage aus, ob eine Reduzierung der Zahl ihrer Mitglieder notwendig ist, um =
ihre
Arbeitsf=E4higkeit zu gew=E4hrleisten. Vorgeschlagen wird, da=DF
zun=E4chst jeder Mitgliedsstaat nur noch ein Kommissions-Mitglied benennen
darf. Eine weiterreichende L=F6sung sieht vor, da=DF nur die
gro=DFen Mitgliedsstaaten je einen st=E4ndigen Kommissar benennen und
die restlichen Positionen unter den =FCbrigen Staaten rotieren. Langfristig
k=F6nnte die Kommission auch vom Europ=E4ischen Parlament nach
politischen Gesichtspunkten (Koalitionsbildung) gew=E4hlt werden. Einem
f=F6deralen Konzept von Europa w=FCrde es entsprechen, wenn die Funktion
der Regierung von der gegen=FCber dem Europ=E4ischen Parlament politisch
verantwortlichen Kommission =FCbernommen w=FCrde. </p><p>
</p><p>
Das <b>Europ=E4ische Parlament</b> mit seinen heute 518 Mitgliedern wird
seit 1979 direkt gew=E4hlt. Die Befugnisse wurden in den
Gr=FCndungsvertr=E4gen mit Beratung (des Rates) und Kontrolle (der
Kommission) angegeben. Seither wurden die Rechte des Parlaments kontinuierl=
ich
ausgeweitet. =DCber ein Drittel der Ausgaben des EU-Haushaltes mit einer
Gr=F6=DFenordnung von etwa 130 Milliarden DM entscheiden die
Abgeordneten innerhalb festgelegter H=F6chsts=E4tze weitgehend autonom.
Wichtige au=DFenpolitische Vertr=E4ge ("Assoziierungsabkommen") und neue
Beitritte zur Union k=F6nnen erst in Kraft treten, wenn das Parlament
zugestimmt hat. An der Gesetzgebung ist es in einer Reihe von sehr
unterschiedlich ausgepr=E4gten Verfahren beteiligt, doch hat hier der Rat i=
n
der Regel das letzte Wort. Nach den Vorgaben des Bundesverfassungsgerichts
m=FCssen die Rechte des Europ=E4ischen Parlaments bei weiteren
Integrationsschritten deutlich gest=E4rkt werden. </p><p>
</p><p>
Von Erweiterungen der Europ=E4ischen Union wird die Zusammensetzung des
Europ=E4ischen Parlaments direkt ber=FChrt. Dabei stellt sich in sehr
konkreter Weise die Frage der Arbeitsf=E4higkeit dieser Institution mit
wachsender Mitgliederzahl. Beobachter sehen 750 Sitze als die
=E4u=DFerste Obergrenze f=FCr eine arbeitsf=E4hige Volksvertretung
an. In Edinburgh hat der Europ=E4ische Rat im Dezember 1992 die in
Maastricht offen gebliebene Frage der Zusammensetzung des Europ=E4ischen
Parlaments nach der deutschen Vereinigung entschieden. Dabei wurde festgele=
gt,
da=DF die 18 Vertreter der f=FCnf neuen deutschen Bundesl=E4nder, die
bisher lediglich einen Beobachterstatus haben, nach der n=E4chsten
Europawahl im Juni 1994 im Parlament =FCber volle Abgeordnetenrechte
verf=FCgen sollen. Auch einigen anderen Staaten wurden zus=E4tzliche
Abgeordnetensitze zugestanden, soda=DF im Ergebnis ein Schritt hin zu einer
gr=F6=DFeren Repr=E4sentatitvit=E4t gemacht wurde, ohne jedoch das
Prinzip der gleichen Stimmgewichtung durchzusetzen. Die k=FCnftige
Abgeordnetenzahl des Europ=E4ischen Parlaments der
Zw=F6lferergemeinschaft liegt demnach bei 567 (vgl. Tabelle 3). Wie die
Projektion in Tabelle 4 zeigt, wird die "Schallgrenze" von 750 Abgeordneten=
 mit
dem Beitritt der EFTA-Staaten noch nicht erreicht. Sp=E4testens bei der
darauffolgenden Erweiterungsrunde m=FC=DFte jedoch =FCber eine
Neufestlegung der Zahl der Mandate f=FCr die einzelnen Mitgliedsstaaten neu
verhandelt werden. Dabei sollte vor allem auch dem <b>Gesichtspunkt der
Proportionalit=E4t</b> in verst=E4rktem Ma=DFe Rechnung getragen
werden, denn es ist unter demokratischen Gesichtspunkten kaum hinnehmbar,
da=DF ein deutscher Europa-Abgeordnter heute eine etwa zw=F6lffach
h=F6here Zahl von B=FCrgerinnen und B=FCrgern vertritt als sein
Kollege aus Luxemburg. <b></b></p><p>
<b>Tabelle 3: 	Die k=FCnftige Mandatsverteilung im Europ=E4ischen
Parlament nach den Edinburgh-Beschl=FCssen</b></p><p>
</p><p>
<table noborder=3D"">
<tbody><tr>
<th>Land</th>
<th>bisherige Mandate</th>
<th>zusaetzliche Mandate</th>
<th>gesamt</th>
</tr>
<tr>
<td>Frankreich</td>
<td>81</td>
<td>6</td>
<td>	87</td>
</tr>					 		=09
<tr>
<td>Deutschland</td>
<td>81</td>
<td>18</td>
<td>	99</td>
</tr>					 		=09
<tr>
<td>Italien</td>
<td>	81</td>
<td>6</td>
<td>	87</td>
</tr>					 		=09
<tr>
<td>Grossbritannien</td>
<td>	81</td>
<td>6</td>
<td>	87</td>
</tr>					 		=09
<tr>
<td>Spanien</td>
<td>60</td>
<td>4</td>
<td>64</td>
</tr>					 		=09
<tr>					 		=09
<td>Niederlande</td>
<td>25</td>
<td>6</td>
<td>	31</td>
</tr>					 		=09
<tr>					 		=09
<td>Belgien</td>
<td>24</td>
<td>1</td>
<td>25</td>
</tr>					 		=09
<tr>
			 		=09
<td>Griechenland</td>
<td>24</td>
<td>1</td>
<td>25</td>
</tr>					 		=09
			 		=09
<tr>
<td>Portugal</td>
<td>24</td>
<td>1</td>
<td>25</td>
</tr>					 		=09
					 		=09
<tr>
<td>Daenemark</td>
<td>16</td>
<td>-</td>
<td>16</td>
</tr>					 		=09
						=09
<tr>
<td>Irland</td>
<td>15</td>
<td>-</td>
<td>15</td>
</tr>					 		=09
						 	=09
<tr>
<td>Luxemburg</td>
<td>6</td>
<td>-</td>
<td>6</td>
</tr>					 		=09
							 		=09
<tr>
<td>Gesamt</td>
<td>518  </td>
<td>	49</td>
<td>567</td>
</tr>					 		=09
</tbody></table>							 	=09
</p><p>
<b>Tabelle 4: 	Projektion der Mandatsverteilung im Europ=E4ischen Parlament
nach k=FCnftigen Erweiterungsrunden</b></p><p>
</p><p>
<table noborder=3D"">
<tbody><tr>
<td>Bisherige Mandate </td>
<td>567</td>
</tr>

<tr>
<td>Finnland</td>
<td>16</td>
</tr>

<tr>
<td>Norwegen</td>
<td>15</td>
</tr>

<tr>
<td>Oesterreich</td>
<td>20</td>
</tr>

<tr>
<td>Schweden</td>
<td>21</td>
</tr>

<tr>
<td>Schweiz</td>
<td>18</td>
</tr>

<tr>
<td>Gesamt Europa der 17</td>
<td>656</td>
</tr>

<tr>
<td>Malta</td>
<td>6</td>
</tr>

<tr>
<td>Tuerkei</td>
<td>87</td>
</tr>

<tr>
<td>Zypern</td>
<td>6</td>
</tr>
					 =20
<tr>
<td>Europa der 20</td>
<td>755</td>
</tr>

<tr>
<td>Bulgarien</td>
<td>22</td>
</tr>

<tr>
<td>Polen</td>
<td>64</td>
</tr>

<tr>
<td>Rumaenien</td>
<td>42</td>
</tr>

<tr>
<td>Slowakische Republik</td>
<td>16</td>
</tr>

<tr>
<td>Tschechische Republik</td>
<td>25</td>
</tr>

<tr>
<td>Ungarn</td>
<td>25</td>
</tr>

<tr>
<td>Gesamt Europa der 26</td>
<td>949</td>
</tr>
</tbody></table>
</p><p>
<b>Vorsichtige =D6ffnung der Union und Ausbau der gesamteurop=E4ischen
Zusammenarbeit als Strategieempfehlung</b></p><p>
</p><p>
<b>Die Diskussion =FCber das Verh=E4ltnis von Vertiefung und Erweiterung
der Gemeinschaft wird sich weiter durch die neunziger Jahre ziehen. Ein
K=F6nigsweg ist nicht in Sicht, der beide Richtungen gleichzeitig und
gleichberechtigt vorantreibt. Allerdings wird es auch kaum zu einer scharf
getrennten Stufenfolge, erst Erweiterung, dann Vertiefung, oder umgekehrt, =
erst
Vertiefung, dann Erweiterung kommen.</b> </p><p>
</p><p>
<b>Die Formel "vertiefen, um zu erweitern" liegt nicht nur im Eigeninteress=
e
der Gemeinschaftsl=E4nder. Nur eine leistungsf=E4hige Gemeinschaft kann
auch die wirtschaftliche und finanzielle Unterst=FCtzung f=FCr die ost-


und mitteleurop=E4ischen L=E4nder wie auch f=FCr die Dritte Welt
aufbringen. Diese Solidarit=E4t mit den =F6stlichen und s=FCdlichen
Nachbarn ist nicht uneigenn=FCtzig. Die Stabilit=E4t in diesen Regionen,
die F=F6rderung von Demokratie und der Aufbau einer sozialen Marktwirtschaf=
t
ist f=FCr die Wohlstandssicherung im Westen und f=FCr seine Sicherheit
von vitalem Interesse. Zudem kann nur eine derartige weitreichende Politik =
den
bereits vorhandenen Migrationsdruck auf die Gemeinschaft mildern. Es ersche=
int
ausgeschlossen, da=DF die Union als "Wohlstandsfestung" umgeben von
weitreichender Armut nach dem Ende des "eisernen Vorhangs" erneut
un=FCberwindbare Mauern zwischen Ost-


und Westeuropa sowie dem S=FCden aufbaut.</b></p><p>
</p><p>
Doch kann die EU die weltweiten Probleme, noch nicht einmal diejenigen in O=
st-


und Mitteleuropa, auch nicht alleine auf sich gestellt aus eigener Kraft
l=F6sen. <b>Die EU-Mitgliedschaft ist f=FCr die
ostmitteleurop=E4ischen Reforml=E4nder wie auch f=FCr die
Balkanstaaten keine Zauberformel, die deren wirtschaftliche und soziale Sor=
gen
und N=F6te mit einem Schlag l=F6sen k=F6nnte.</b> Im Gegenteil
w=FCrden sich -


dies zeigen die Erfahrungen der ehemaligen DDR-Betriebe in Ostdeutschland s=
ehr
deutlich -


viele der vorhandenen Probleme bei einer vollst=E4ndigen =D6ffnung der
M=E4rkte durch die wettbewerbsf=E4higere EU-Konkurrenz noch dramatisch
versch=E4rfen.</p><p>
</p><p>
Deshalb sind regionale Kooperations-


und Integrationsgemeinschaften neben der EU zu ermutigen. Beispielsweise ha=
ben
Ungarn, Polen, die Tschechische Republik und die Slowakische Republik die s=
og.
"Visegrad-Gruppe" zur Koordinierung ihrer gemeinsamen Interessen
gegr=FCndet. Zu unterst=FCtzen ist auch der Nordische Rat, in dem die
skandinavischen Staaten ihre Probleme diskutieren und nach gemeinsamen
L=F6sungen suchen. Solche funktionsf=E4higen regionale
Zusammenschl=FCsse in verschiedenen Teilen Europas tragen dazu bei,
da=DF Staaten, die (noch) nicht der Europ=E4ischen Union beigetreten
sind, diesen Schritt nicht alleine deshalb schon anstreben, weil sie ihn al=
s
einzige M=F6glichkeit ansehen, einer ungewollten au=DFenpolitischen
Isolierung zu entgehen.</p><p>
</p><p>
Wichtige Aufgaben k=F6nnen im Hinblick auf die k=FCnftige
gesamteurop=E4ische Architektur auch der bereits 1949 gegr=FCndete<b>
Europarat</b> und die <b>Konferenz f=FCr Sicherheit und Zusammenarbeit in
Europa</b> (KSZE) leisten. Der Europarat hat sich vor allem Verdienste erwo=
rben
bei Kultur-


und Bildungsfragen und bei der Achtung und Wahrung der Menschenrechte und d=
es
gemeinsamen demokratischen Besitzstandes in Europa. Die KSZE war zweifellos
einer der wesentlichen Ausl=F6ser der demokratischen Ver=E4nderungen in
Mittel-


und Osteuropa. Hier fanden erstmals intensive block=FCbergreifende
Gespr=E4che statt; vertrauensbildende Ma=DFnahmen und Kontakt-


und Informationsm=F6glichkeiten wurden vereinbart. Die entstandenen
Strukturen k=F6nnen auch in Zukunft als sehr wichtige Br=FCcke zwischen
den Unionsstaaten und den anderen europ=E4ischen L=E4ndern sowie den
angrenzenden asiatischen KSZE-Staaten genutzt werden. Freilich besteht die
Gefahr, da=DF die KSZE durch ihre territoriale Ausdehnung insgesamt
=FCberdehnt und entwertet wird.</p><p>
</p><p>
Die EG hat sich immer als eine offene Gemeinschaft verstanden, und sie
mu=DF daran festhalten, ihren Kreis um die beitrittswilligen demokratischen
Staaten zu erweitern. Die Gemeinschaft ben=F6tigt =FCberdies erhebliche
Energien, um sich auf die gesamteurop=E4ischen Herausforderungen
vorzubereiten. Die Frage der Erweiterung wird die Europ=E4ische Union in de=
n
vor uns liegenden Monaten und Jahren noch intensiv besch=E4ftigen. Die
Existenz einer Europ=E4ischen Union von Lissabon bis Wladiwostok darf aber
nicht die einzige Option f=FCr die k=FCnftige Entwicklung des Kontinents
sein.<b></b></p><p>
<!-- START END -->
</p><hr>
<font size=3D"-2">
=A9 <a href=3D"mailto:wwwadm@www.fes.de">Friedrich Ebert Stiftung</a>
| <a href=3D"https://library.fes.de/fulltext/stabsabteilung/support.html">t=
echnical support</a> | net edition=20
<a href=3D"mailto:walter.wimmer@fes.de">fes-library</a> | M=E4rz 1998 =20
</font></td></tr></tbody></table>
<!-- END END -->
</body></html>
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