als Flüchtling aus dem von Nazi-Deutschland unterworfenen Europa.»Jews and Power« gibt insofern auch einen Einblick in das Seelenleben jener Generation von amerikanischen Juden, die den Holocaust überlebt haben und, wenn auch aus einiger Distanz, mit dem zionistischen Projekt aufgewachsen sind. In dieser Hinsicht ist Wisses Buch auch ein authentisches Dokument der Zeitgeschichte, wenn auch manchmal mehr Symptom als Diagnose einer polarisierten Debatte. Die darin enthaltenen Ängste vor einem Wiedererstarken des Antisemitismus sind zweifellos glaubwürdig und sollten von Kritikern nicht als übertriebene Sensibilität missverstanden werden. Die Schlussfolgerungen, die Wisse daraus zieht, sind ebenso kontrovers wie lesenswert. Tim Maschuw, Bonn Ein anderes Europa ist möglich MICHEL REIMON/ HELMUT WEIXLER: Die sieben Todsünden der EU. Vom Ausverkauf einer großen Idee Wien 2006 Verlag Carl Ueberreuter, 192 S. I m Jahr 2005 sagten die Franzosen bei der Volksabstimmung über den eu -Verfassungsvertrag:»Non!« Wenig später hieß es aus den Niederlanden ebenfalls: »Nee!« Damit war das ehrgeizige Projekt vorerst gescheitert, obwohl es immerhin durch 18 von damals 25 und heute 27 Mitgliedsstaaten(meist parlamentarisch) ratifiziert wurde. Die schockierten Staats- und Regierungschefs verordneten sich sowie ihren Bürgerinnen und Bürgern daraufhin erst einmal eine»Phase der Reflexion«, bevor sie 2007 einen neuen Versuch starteten. Der jetzt zur Ratifizierung anstehende Lissabonner Vertrag deckt sich im Wesentlichen mit dem Verfassungsvertrag, wenngleich der Europäische Rat jegliche Verfassungssymbolik aus dem Text gestrichen hat. Nun soll in allen Staaten, in denen ein Referendum nicht zwingend vorgeschrieben ist, darauf verzichtet werden, um eine Wiederholung des Debakels von 2005 zu vermeiden. Dieser krumme Weg ist bestimmt nicht im Sinne der beiden intellektuellen Altermondialisten Michel Reimon und Helmut Weixler. In ihrem 2006, also in der erwähnten Zeit des Nachdenkens, erschienenen Buch unterstreichen sie u. a., dass eine aktive Bürgerbeteiligung eine wichtige Voraussetzung für das Gelingen des Integrationsprozesses sei. Allerdings soll es ein anderes Europa als das bisherige sein, fordern die Autoren. Denn die eu in ihrer heutigen Gestalt leide an sieben Todsünden. Sie sei: ̈ undurchschaubar, weil der Ministerrat zu viel, das Europäische Parlament und die Bevölkerung hingegen zu wenig zu sagen haben; ipg 2/2008 Rezensionen/Book Reviews 175
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