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Herausforderungen und Lösungsansätze der hausärztlichen Versorgung in ausgesuchten Regionen in NRW
Entstehung
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Berücksichtigt man, dass im Jahr 2024 über 37% der Haus ­ärzt:innen in Deutschland 60 Jahre und älter waren und somit in den nächsten Jahren aus der Versorgungssituati ­on ausscheiden, kann davon ausgegangen werden, dass die Situation weiterhin herausfordernd bleibt(Kassenärzt ­liche Bundesvereinigung 2024b). Wird darüber hinaus der demografische Wandel berück ­sichtigt, wodurch der Anteil an alten Menschen zunimmt, verschärft sich die Situation. Auch wenn Alter nicht mit Krankheit gleichgesetzt werden kann, ist es dennoch eine zentrale Einflussgröße auf den Gesundheitszustand. Insbe ­sondere der Anteil an multimorbiden Personen nimmt im Alter zu(Schmitz et al. 2023). Somit ist eine hohe Alters ­struktur in der Bevölkerung ein Hinweis auf einen höheren Bedarf an Versorgungsangeboten. Hinzu kommt, dass ein Teil der aktuellen Ärzteschaft eine feste Anstellung bevorzugt, da diese mit geringeren unter ­nehmerischen Risiken und administrativen Belastungen verbunden ist. Gut planbare Arbeitszeiten geben mehr Raum für ein ausgeglichenes Verhältnis zwischen Berufs­und Privatleben(apoBank 2022). Parallel dazu wächst das Interesse an kooperativen Praxisformen wie Gemein ­schaftspraxen oder Medizinischen Versorgungszentren, die sowohl kollegialen Austausch als auch flexiblere Arbeits ­zeitmodelle ermöglichen. Diese veränderten Präferenzen erschweren insbesondere die Nachfolgesuche für klassi­sche Einzelpraxen und erfordern eine Anpassung der bestehenden Versorgungsstrukturen an die Bedürfnisse der jüngeren Ärzt:innengeneration(Kassenärztliche Bun ­desvereinigung 2024a; Leinert 2025; Schillen et al. 2025). Dabei ist die Situation deutschlandweit nicht einheitlich. Besonders betroffen sind ländliche und strukturschwache Gegenden (Sachverständigenrat zur Begutachtung der Ent ­wicklung im Gesundheitswesen 2014; Schillen et al. 2023). Dies gilt insbesondere für NRW. Das wirft die Frage auf, welche Umstände die hausärztliche Versorgungssituation in ländlichen und strukturschwachen Regionen erschweren. Auch kommt die Frage auf, wie die Situation von Ärzte ­schaft und Politik bewertet wird und welche Lösungsansät ­ze als vielversprechend angesehen werden. Diesen Fragen wird in Orientierung an zwei Beispielregio ­nen in NRW dem Kreis Euskirchen als ländliche Region und der Stadt Gelsenkirchen als Stadt mit strukturschwa ­chen Gebieten im weiteren Verlauf nachgegangen. Die Ergebnisse von fünf Einzelinterviews mit verschiedenen Experten bieten erste Antworten auf die Fragen. Die Publi ­kation ist im Nachgang zur Veranstaltung Stadt, Land,... Gesundheitsversorgung entstanden, die vom Landesbüro NRW der Friedrich-Ebert-Stiftung am 14.05.2025 in Euskir ­chen organisiert wurde. Die hausärztliche Versorgung wird im Rahmen der vorliegenden Veröffentlichung als ein Bau ­stein der Gesundheitsversorgung beleuchtet. Besondere Herausforderungen bei der haus­ärztlichen Versorgung in ländlichen Regionen das Beispiel Kreis Euskirchen Generell lässt sich ein höherer Altersdurchschnitt in ländli ­chen Gebieten als in urbanen Regionen beobachten. Der Anteil an Personen, die 65 Jahre oder älter waren, betrug im Jahr 2019 in dünn besiedelten Landkreisen 24%. Im Ver ­gleich dazu betrug der Anteil an über 65-Jährigen im Jahr 2019 in Großstädten 19,6%. Zudem wird im zeitlichen Ver ­lauf deutlich, dass der Anteil an über 65-Jährigen in dünn besiedelten Landkreisen stärker ansteigt als in Städten (DeStatis 2025). Im Kreis Euskirchen zum Beispiel lag der Anteil an über 65-Jährigen im Landkreis bei 23%(Landes ­datenbank NRW 2024). Der Unterschied zur Bevölkerungs ­struktur im städtischen Raum wird besonders durch den Vergleich mit der Bundesstadt Bonn deutlich hier lag der Anteil der über 65-Jährigen im Jahr 2023 bei 19%(Bundes ­stadt Bonn 2023). Die hausärztliche Struktur im Kreis Euskirchen ist zum jetzigen Zeitpunkt mit Versorgungsgraden um die 100% noch als gesichert zu bezeichnen, wobei sich Unterschiede zwischen den Mittelbereichen(MB) des Kreises Euskirchen feststellen lassen, wie in Tabelle 1 deutlich wird. Hausärztliche Versorgungssituation Kreis Euskirchen MB MB Euskirchen MB Mechernich MB Schleiden Quelle: KVNO 2025 Anzahl Hausärzt:innen 69,25 19,5 37,25 Versorgungsgrad 94,3% 106,2% 103,6% Freie Sitze 12 1 2,5 Herausforderungen und Lösungsansätze der hausärztlichen Versorgung in ausgesuchten Regionen in NRW 2