eich gelegenheiten unserer Partei wußten und mehr, als sie wußten

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die Delegirtenwahlen zum Wydener Kongreß und Klei Aehnliches, was mit dem Prozesse nicht das mindeste zu thun hatte, den anwesenden Polizisten zu denunziren. Bei Anarchisten kommt es eben auf etwas mehr oder weniger Ehrlosigkeit nicht mehr an. Wer die Ermordung von Frauen und Kindern als Propaganda der That billigt, wie es Most und Genossen thun, für den ist eine Denunziation unserer Mal Partei an die Polizei zu Gunsten der Fortschrittler nur eine Kleinigkeit, Vor die nicht der Rede werth ist. Den Fortschrittlern Nürnbergs   aber gra­tereff tuliren wir zu ihren Verbündeten. Es dürfte ihnen so gehen, wie jenem Advokaten, der sich eines Diebes bei seiner Vertheidigung auf's wärmste gi höre annahm und dessen völlige Unschuld so überzeugend nachwies, daß der Gauner freigesprochen wurde. Zwei Tage später war der Advokat von seinem Klienten völlig ausgeraubt.

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Sächsische Bourgeois- Wirthe. Eine Reihe sächsischer Gastwirthe hat jetzt einen Schwur gethan, ähnlich wie die Männer am Rütli: sie wollen in ihren Lokalitäten keine sozialdemokra tischen Versammlungen mehr dulden! Besagte Gastwirths­Ve vereinigung fällt also dem Rad der Weltgeschichte in die Speichen, was ungefähr dieselbe Wirkung hat, als wenn eine Laus sich einem Wagenrad in den Weg werfen wollte, um es aufzuhalten.

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Praktisches Christenthum. Immer näher rückt der Termin der Verlängerung des Sozialistengeseges, noch g immer aber fehlt es an Material zur Begründung desselben. Da heißt es, mindestens ,, Stimmung" machen, damit auch der dümmste Vorwand gläubig hingenommen werde. Aber auch mit dem Stimmung machen will es nicht glücken. Attentate sind mit dem besten Willen nicht aufzu treiben doch da kommt ein Retter in der Noth: es ist der chriftlich­soziale ,, Reichsbote". Dieser feine Spürhund hat etwas ausge­schnüffelt, was selbst der Nase des findigsten Polizisten bisher entgangen: er hat das Band entdeckt, welches die Anarchisten in Wien   mit dem Zentralkomite" der deutschen   So= zialdemokratie verbindet! Der revolutionäre Führerring in Dresden   und Berlin  " ist eine geheime anarchistische Organisation! Ist das nicht furchtbar?

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Es ist in der Nummer vom 27. Februar, in welcher der ,, Reichsbote" die auf jeden Fall ,, Aussehen erregenden Enthüllungen" bringt unter dem Titel: Streiflichter auf den augenblicklichen Stand der sozialdemo= tratischen Propaganda." Denunziationen stehen natürlich dem christlichen Organe ganz fern; nein, es enthüllt nur, um Alles wieder mit dem Mantel der christlichen Liebe zu bedecken und um die demagogischen Führer zu warnen und sie auf die Tragweite ihrer verbrecherischen Agitation aufmerksam zu machen." Liebenswürdiger kann man gegen einen Gegner sich kaum benehmen. Wahrlich, Herr Stöcker häuft feurige Kohlen auf unser Haupt!

Doch eilen wir weiter, zu den Enthüllungen" selbst. Hört und zittert:

,, Das Komite der sozialdemokratischen Arbeiterpartei in Wien   hat an das Zentralkomite in Dresden   einen geheimen Bericht über die Situation gesandt. Derselbe ist gleichviet ob originaliter oder nach Dresdener   Umformung als Zirkular an die Ver­trauensmänner der Sektionen verschickt worden und wird auch durch die betreffenden Organe im Auslande reproduzirt. Das deutsche Zentralfomite ist also ganz und vollständig mit dem Wortlaut des selben einverstanden und wahrscheinlich auch der indirekte Urheber desselben."

Wir selbst, die wir doch hartgesottene Sünder sind, erbebten, als wir erder diese Enthüllungen" lasen. In so tiefes Geheimniß birgt sich unsere ire Partei, daß nicht einmal wir am Zentralorgan etwas von dem Komite At fi in Wien   noch von dem Komite in Dresden   etwas gewußt haben, eben­seine sowenig davon, daß ein geheimer Bericht( huhu!) an letzteres chte von ersterem gesandt wurde und von jenem wieder als Zirkular an die ,, Vertrauensmänner"! Idem ffet

Was steht nun in diesem geheimen Bericht? Auch das kann uns der unerbittliche Entlarver mittheilen. doch was ist das? Diesen geheimen Bericht kennen Freilich! Der geheime Bericht, wie er vom Reichs­

Wir lasen ihn wir ja?

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bote" zitirt wird, ist eine Korrespondenz aus Dester= habe zureich, die wir in Nr. 8 des, Sozialdemokrat" ber­öffentlichten!

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Gi, ei! verehrter praktischer Christ, wir hätten nicht gedacht, daß Sie sen mit einem solchen Späßchen den Fasching beschließen würden. Soviel Humor haben wir Ihnen denn doch nicht zugetraut!

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Doch das Späßchen geht noch weiter. Es war wohl Weinlaune, die den biederen ,, Reichsboten" beseelte, als er die Enthüllungen" schrieb? Er hat nämlich Verschiedenes aus unserer Korrespondenz falsch bur itirt, und da ein praktischer Christ doch unmöglich fälschen kann, as hat er jedenfalls falsch gelesen. Welch' fatales Mißverständniß, denn dafi gerade auf die falsch gelesenen" Stellen wird die ganze weitere ,, Ent­n Ve hullung" aufgebaut. Der Reichsbote" zitirt aus dem geheimen Be­richt ,,, wörtlich", wie er sagt:

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,, Wir haben uns stets nur als einen Theil der deutschen   Sozial­demokratie betrachtet, der wir auch naturgemäß angehören. Diese Hinneigung bleibt fortbestehen, wenn auch das Zutrauen zu den bisherigen anarchistischen Führern und Organisationen zerstört ist und eine gewisse Theilnahmslosigkeit einzureißen beginnt. Die Siege unserer Genossen in Deutschland   betrachten wir auch als unsere Siege, aus ihren Erfolgen schöpfen auch wir Muth zu neuen Kämpfen. Die bevorstehenden Reichstagswahlen werden für Desterreich ebenso bedeutungsvoll sein als in Deutschland   selbst. Wir hoffen von ihnen, daß sie der sozialistischen   Bewegung auch in unserem Lande neue Kraft und neues Leben verleihen, daß sie den Kazenjammer des verunglückten anarchistischen Putsches überwinden werden, und daß die Propaganda der That" den Proletarier Desterreichs von Neuem zurückführen wird in die Bahnen des ziel­bewußten Klassenkampfes um politische Rechte und um die soziale Stärkung der Arbeiterklasse als Vorbedingungen des Sieges der sozialen Revolution!"

Ehren- ,, Reichsbote" hat zweierlei in diesem wörtlichen" Zitate ,, falsch gelesen", respektive übersehen"; wir wollen die betreffenden Stellen so tacher hierhersehen, wie sie im Sozialdemokrat" gestanden, mit Markirung der edah geänderten Stellen.

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Die erste lautet:

Wir haben uns stets nur als einen Theil der deutschen   Sozial­demokratie betrachtet, der wir auch naturgemäß angehören; ihre Erfolge haben stets auf uns zurückgewirkt. Ich habe oben er wähnt, daß nur das allgemeine Wahlrecht der Hinneigung des österreichischen Arbeiters zum Terrorismus und Anarchismus ein Ende machen könnte. Diese Hinneigung bleibt fortbestehen, wenn auch das Zutrauen zu den bisherigen" 2c.

Ist die Fortlaffung nicht merkwürdig? Die bisherige Zuneigung der österreichischen Arbeiter zum Anarchismus wird dadurch in Zusammen­Rich hang gebracht mit ihrer bisherigen Hinneigung zur deutschen   Sozial­Ite si demokratie. Das ist es, was man braucht.

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Noch bezeichnender ist das zweite Versehen". Es heißt an der zweiten Stelle im Originaltert von den kommenden Reichstagswahlen:

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,, Wir hoffen von ihnen, daß sie der sozialdemokratischen Beweg­ung auch in unserem Lande neue Kraft und neues Leben verleihen, daß sie den Kazenjammer des Anarchismus überwinden wer­den, daß diese wahrhafte Propaganda der That" den Pro­letarier Desterreichs wieder zurückführen wird" 2c.

Ei, ei, lieber Bruder in Christo, hier ist der Irrthum" noch bedenk­licher. Aus dieser wahrhaften Propaganda der That" machen Sie ,, die Propaganda der That" schlechtweg und aus dem Kazenjammer des Anarchismus" machen Sie gar den Kazenjammer des verunglückten wollte anarchistischen Putsches"! Aus dem Bedauern über den Anarchismus machen Sie also ein Bedauern über die Niederlage des Anarchismus! Welche Wendung durch Gottes Fügung! Ja, Gottes Wege sind wunderbar, und ebenso wunderbar ist die Logit des christlich- sozialen Pfäffleins, besiegt welches aus den beiden Fälschungen nicht weniger folgert als: greich

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,, daß der Berlin  - Dresdener   Rattenkönig trotz aller gegentheiligen Betheuerungen die Propaganda der That doch nicht so ganz beiseite schieben will, sondern sie billigt und empfiehlt, sobald diese Methode zeitgemäß sein wird, d. h. wenn sie einst mit Erfolg wird betrieben werden können."

Die weitere Logik des sauberen christlich- sozialen köters ist dieser Leistungen vollkommen würdig. Aus den ebenfalls aus unserem Artikel geschöpften Nachrichten, daß die Wiener   Ausnahmemaßregeln sich gegen bie sogenannten Gemäßigten ebenso richten wie gegen die Anarchisten, folgert der Reichshund schlankweg:

,, daß die( österreichische) Regierung gegründete Ursache hat, auch gegen diejenigen, welche sich zeitweise gemäßigt" nennen, Vorsichts­maßregeln zu ergreifen. Es ist das der beste Beweis, daß die unter deutscher   Direttive erfolgte Organi  : sation materielle Beziehungen mit den Atten= tätern gepflogen hat, wie ihre intellektuelle Solidarität selbstverständlich ist."!!!

Solche Mittel sind bereits nothwendig, um die Sozialdemokratie zu bekämpfen! Ekel und Entrüstung war das Erste, was wir über das Bubenstück des christlich- germanischen Pfaffen oder Pfaffenknechts empfan­den, dem der Umstand, daß unser Blatt in Deutschland   verboten und daher außerhalb der Parteitreise eine Berichtigung seiner Fälschungen unmöglich ist, Kourage gegeben hatte, seine ganze Frechheit zu ent­falten.

Bei ruhigerem Durchlesen übte jedoch das Machwerk eine weniger tragische Wirkung auf uns aus. Die Fälschung ist zu dumm, auf ein zu verchristlichtes Publikum berechnet!

Unsere Gegner waren nie wählerisch in der Wahl ihrer Mittel. Be­trug, Lüge, Fälschung sind von ihnen stets gerne gegen uns angewendet worden, vom Kölner   Kommunistenprozeß an bis heute. Aber früher betrieb man das Geschäft wenigstens mit etwas Geist. Man fälschte, man log, man betrog, aber man that es nicht so unsäglich plump wie unsere heutigen Gegner.

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Die Gemeinheit und Frechheit unserer Gegner ist dieselbe geblieben, aber es ist jetzt eine tüchtige Portion Dummheit hinzu­gekommen daher der Name ,, praktisches Christenthum". Nicht nur die Wirthschaft, nicht nur die Wissenschaft, die Kunst, der Charakter der herrschenden Klassen ist bankerott, sondern auch ihr Wih. Sie verstehen nicht einmal mehr, mit Wig zu fälschen.

Ein trübseliges Gelichter!

Die freireligiösen Gemeinden. In seinem Buche ,, Die konventionellen Lügen der Kulturmenschheit", das, wenn auch nicht originell, so doch kühn und energisch der modernen Feigheit zu Leibe geht, hat Max Nordau   unter anderem auf die Sonderbarkeit hinge­wiesen, daß in Berlin   und anderen Orten Norddeutschlands Vereinig ungen von Freidenkern sich freireligiöse Gemeinden genannt hätten. Auf diese Verdächtigung" entgegnet in der Volks­zeitung" ein freireligiöser Gemeiner" voll moralischer Entrüstung, in­dem er erklärt, die freireligiösen Gemeinden hätten mit Freidenkern oder Gottesleugnern nichts zu thun.

" Die freien Gemeinden", sagt der Gottesmann, haben ihren Zusammenhang mit dem Christenthum nie auf­gegeben oder verleugnet. Sie haben es stets hervorgehoben, daß sie nichts anderes sein wollen als religiöse Reformgemeinden, das Feld all ihrer Arbeit und Thätigkeit ist nie ein anderes als das der Religio'n gewesen; ihre sonntäglichen Zusammenkünfte sind ledig­lich der religiösen Erbauung gewidmet, sie sollen ein Mittel sein, die Mitglieder in der Erkenntniß der Lebenskunst zu fördern: in der Kunst, das Leben treu, furchtlos, unabhängig von Vorurtheilen, im Gefühle der strengsten Selbstverantwortlichkeit zu führen. Diese Er­kenntniß läßt sich aber durch keinerlei spekulative Untersuchung, durch keine Wissenschaft, auch nicht die der Naturerringen, und deshalb würden unsere Gemeinden sich die Erfüllung ihrer Auf­gabe selbst unmöglich machen, wollten sie sich von der Religion ab- und der Ausbildung einer neuen Weltanschauung zuwenden, wie es die Frei­denker und Atheisten gethan haben und noch thun."

Klarheit ist immer gut, und deshalb dürfte auch diese Salbaderei nicht ganz ohne Nugen sein, indem sie Manchem die Augen öffnet, der der freireligiösen Spielerei noch eine Bedeutung beilegt und seine Zeit mit dem Duart verschwendet. Pfaff bleibt Pfaff, ob er nun staatlich ange­stellt ist oder ob er das Geschäft auf eigene Faust treibt und dem staat­lichen Religionsmonopol zum Trotz sein eigenes Religionsgebräu verzapft.

Desterreich. Wir erhalten aus Wien   eine Korrespondenz, welche das von einem anderen unserer österreichischen Freunde in Nr. 8 entworfene Bild der Situation in Wien   ergänzt und die unseren Ge­noffen um so willkommener sein dürfte, als das allgemeine Interesse sich jetzt dort konzentrirt, die Bourgeoispresse aber weder im Stande, noch gewillt ist, die in den Arbeiterkreisen Wiens herrschende Stimmung wiederzugeben.

Unser Genosse schreibt uns:

Wer es noch nicht weiß, der kann sich hier nun durch den Augenschein überzeugen, wie eine bisher politisch geschlechtslose Bevölkerung durch eine kleine und an sich bedeutungslose Schaar von Fanatikern in fort­dauernder Angst erhalten wird. Gerade die politische Indifferenz der großen Menge des Wiener   Bürgerthums macht den Boden für die anar­chistische Propaganda der That furchtbar; einer so unwissenden und leichtlebigen Bevölkerungsklasse vermögen selbst ganz unfähige Fanatiker zu imponiren, wenn sie es nur verstehen, sich mit dem Schleier des Geheimnisses zu umgeben und durch die Thaten blinder Werkzeuge den Glauben an eine mächtige geheime Organisation zu verbreiten. Die leb­hafte Phantasie der Wiener   thut das ihrige, um ein Schreckgespenst zu schaffen, das geeignet ist, jede nüchterne Auffassung der anarchistischen Bewegung unmöglich zu machen.

Die unglaublichsten Gerüchte durchschwirren seit einiger Zeit die Stadt, und wenn sich noch so oft erweist, daß Phantasie und böswillige Erfin­dung einen größeren Antheil an ihrer Entstehung haben, als die Wirk­lichkeit, so finden doch neu ausgestreute Gerüchte stets wieder Gläubige in Menge. Ich will Ihnen deshalb heute Einiges mittheilen, das auf Thatsachen beruht und wenn auch weniger romantisch, doch dafür den Vortheil bietet, über die hiesigen Zustände wirklich zu unterrichten.

Seit der Publikation des Ausnahmegesetzes und dessen rascher Anwen­dung gegen die der Polizei bekannten anarchistischen Agitatoren ist der Muth der noch hier befindlichen Anarchisten sehr gesunken. Die von Peutert verheißene Revolution im Falle eines energischen Einschreitens der Polizei ist nicht ausgebrochen, und von den zahlreichen Todesurtheilen, welche die Anarchisten hiesigen Polizeibeamten und hohen" Staatsfunt­tionären zuschickten, ist noch immer feines vollzogen. Dafür kann man konstatiren, daß sich die anarchistischen Schreier ruhig aus ihren Woh­nungen holen und aus Wien   abschieben ließen, ohne daß eine einzige Dynamitbombe explodirt und ein einziger Revolver losgegangen wäre. Einige haben sogar kurz nach ihrer Ausweisung deh- und wehmüthig bei der Polizei um die Erlaubniß zur Rückkehr nachgesucht und dieselbe auch gegen das von ihnen feierlich abgegebene Versprechen, sich an feiner Agitation mehr zu betheiligen, erhalten. Es wiederholen sich eben auch hier dieselben ekelhaften Vorgänge, die schon in Deutschland   bei ver­schiedenen Anarchisten zu Tage traten, daß nämlich die größten Revo­lutionäre", sobald es ihnen an den Kragen geht, das elastischste Rückgrat zeigen. Andere wieder brennen durch, sobald sie Lunte riechen; so Herr Peutert.

Man findet es hier sehr auffallend, daß er unmittelbar vor der Publikation des Ausnahmegesetzes zum Prozesse nach Hanau   gereist ist, um nicht mehr zurückzukehren. Man muß nämlich wissen, daß die in den Blättern mitgetheilte nachträgliche Ausweisung ein Märchen ist: Peutert ist nicht ausgewiesen. Uebrigens hätte ihn als Defter­reicher auch eine Ausweisung aus Wien   nicht gezwungen, Dester= reich überhaupt zu verlassen.

Wer nun weiß, mit welchen Mitteln gerade Peutert die öfter­reichischen Arbeiter zu fanatisiren wußte, wie gerade er es war, der immer auf die Nothwendigkeit von ,, Thaten" und auf die unmittelbar bevorstehende Revolution hinwies, ja sich sogar soweit verstieg, den Ar­beitern in der Provinz zu erzählen, daß die Polizei sich hüten werde, ihn zu verhaften, da ihn die Wiener   Arbeiter gewaltsam befreien würden, den muß umsomehr das Gefühl der Verachtung ergreifen, wenn er wahrnimmt, daß die einzige That dieses Kumpans der Polizei gegenüber die Flucht in's Ausland war, und daß er, obwohl er mit sittlicher Ent­rüftung die Bezeichnung eines Führers zurückweist, doch nichts Anderes thut, als Andere zu ,, Thaten", bei denen sie ihr Leben riskiren, anzu­eifern, sich selbst aber rechtzeitig in Sicherheit bringt und die bethörten Opfer, wenn sie erwischt werden, für Dummköpfe erklärt.

Ein großer Theil der Ausgewiesenen hat sich nach Budapest   ge= wandt und versucht nun von dort aus durch hochtrabende Phrasen und lächerliche Drohungen den Mangel an Muth zu verdecken. Aber wie

überall, wohin die Anarchisten kommen, untergraben sie sich auch dort selbst den Boden, auf dem sie Zuflucht suchten. Anläßlich der Hinrich­tung der Mörder des Grafen Majlath veranstalteten diese sonder­baren Revolutionäre einen Straßenerzeß in Budapest  , an dem sich die verrufensten Individuen und der brutalste Pöbel betheiligten, und der natürlich die ungarische Regierung veranlaßte, auch ihrerseits gegen die Anarchisten vorzugehen. Seitdem wurde eine größere Anzahl von Anar­chisten, die nicht nach der Hauptstadt Ungarns   zuständig sind, per Schub nach ihren Heimathsgemeinden befördert. Wie man hört, soll auch die Zuversicht der Budapester   Anarchisten seither bedeutend abgenommen haben.

Wie wenig ernstliche Proselyten der anarchistische Terrorismus in Desterreich geworben hat, zeigt wohl am deutlichsten die jetzt konstatirte Thatsache, daß die meisten hiesigen Anarchisten an den berühmten Thaten keinen Antheil genommen, sondern sich mit weniger Muth erfordernder Thätigkeit begnügt haben. Eine große Menge klatschte zwar jenen Raub- und sonstigen Attentaten Beifall, aber nur in respekt­voller Entfernung von der Polizei, und bei diesem Beifallgeklatsche bleibt es auch.

Solcher Fanatiker wie Kumitsch, Stellmacher, Kammerer find nur wenige. Es ist daher auch höchst wahrscheinlich, daß mit der Unschädlichmachung dieser Wenigen der Anarchismus in Desterreich nur noch als von der Reaktion zu gelegentlichem Gebrauche verwendbares Schreckgespenst fortleben wird, ohne größeren Schaden mehr anzurichten, als daß er Aengstliche und Naive vom Sozialismus abschreckt.

Der jetzt sich vollziehende Prozeß in Desterreich wird wohl zu rascher Ernüchterung der Frregeführten führen, und wenn auch die nächste Folge eine Schwächung der aktiven Elemente der Arbeiterbewegung sein muß, so wird dieselbe voraussichtlich doch von kurzer Dauer sein. Schon die Verhaftung Kammerer's am 28. Februar hier zeigte deutlich, daß der Wurm des Verrathes sich bereits bis in die innersten Zirkel der anarchistischen Bewegung eingefressen hat. Die Polizei wußte, daß in der Wohnung Kammerer's sich eine große Dyna­mitbombe befand, sie wußte, daß er immer mit einem Revolver be­waffnet ausging. Gleichzeitig wurde ihr mitgetheilt, daß an den Redakteur des ,, Radikal" in Budapest  , Hermann Prager, die bei dem Bankier Eisert geraubten Gelder gesandt worden seien; wie anders konnte sie das Alles erfahren haben, als durch Verrath? An den anarchistischen Terrorismus heftet sich der Verrath so natur­gemäß, wie der Schatten an das Licht. Es ist natürlich dadurch nicht ausgeschlossen, daß nicht trotzdem von Zeit zu Zeit eine soge= nannte That gelingt; es hat sich ja eine solche Menge von Haß und Verzweiflung unter der Herrschaft des Kapitals und unter dem Drucke der Polizeiwillkür angehäuft, daß es nicht sobald an geeignetem Menschen­material für die Propaganda der That fehlen wird, aber diese ,, Thaten" werden allmälig eine Erscheinung werden, an die man sich gewöhnt, und die nur immer mehr vereinzelt sich wiederholen wird.

Schwer leidet unsere Partei in Desterreich unter den Wunden, die der Anarchismus im Verein mit der Polizeiwillkür   ihr geschlagen. Doch sie wurzelt zu tief in den Verhältnissen, als daß ihre Lebenskraft ernst­lich gefährdet werden könnte, und so wird die Sozialdemokratie Defter reichs auch diese Schläge verwinden, und wenn die Zeit gekommen, das Werk der Reorganisation wieder aufnehmen, geeinigt und stärker denn je zuvor.

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Frankreich  . Eine der reichsten Aktiengesellschaften Frankreichs  , die der Kohlenminen von Anzin, benutte die Krise, um die Aus­beutung der Arbeiter noch mehr zu steigern, indem sie die Arbeitslast der in der Vollkraft stehenden Arbeiter erhöhte und die alten Arbeiter, die dadurch überflüssig geworden waren, und deren bevorstehende Pensionirung der Gesell schaft nach ihren Statuten zur Last gefallen wäre, entließ! Daher der Streit, an welchem 12,000 Arbeiter theil­nehmen.

Wie immer hat auch diesmal die Bourgeoisie ihre Soldschreiber aufgeboten, deren lügenhafte Darstellungen natürlich auch von der ge­sinnungstüchtigen" deutschen   Presse mit Behagen wiedergegeben werden. Da ist ein Herr Pernolet, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, sachlich" nachzuweisen, daß die Kohlenarbeiter des Nordens von Frankreich   fast den ganzen Ertrag der Minen erhielten, so daß für die armen Aktionäre nur ein verschwindender Theil übrig bleibe. Die 20,901 Arbeiter, die in den Bergwerken des Nordens beschäftigt sind, sollen nach offiziellen Dokumenten" die jedoch nicht genannt werden jährlich 20,529,403 Franken als Lohn erhalten haben, indeß auf die be= dauernswerthen Aktionäre nur 2,751,914 Fr. entfielen. Unser Genosse Jules Guesde   hat im, Cri du peuple" diese Angaben des Herrn Bernolet einer Kritik unterzogen und ist zu folgendem Ergebniß gelangt: Nach den Angaben des Economiste français  ", vom Januar 1882, einer gewiß unverdächtigen Quelle, betrug die Summe der Dividenden, die für 1882 auf eines der acht Kohlenbergwerke des Nordens, auf das von Anzin, entfielen, allein vier Millionen Fran­ken; die Summe der Dividenden aller acht Bergwerke betrug rund nicht weniger als vierzehn Millionen!

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Herr Pernolet berechnet, daß von dem Ertrage der Arbeit eines Arbeiters täglich über 3 Franken an diesen abfallen und nur 40-45 Centimes an die Kompagnie: der Arbeiter opfert also nur einen Betrag, um den man ein Glas Vier erhält, sagt Herr Pernolet, und erhält dafür von der Kompagnie die Arbeitsmittel, um sich und seine Familie zu ernähren. Ein Glas Bier täglich an den Arbeitgeber" welch' ein geringes Trinkgeld für den großen Dienst", den dieser dem Arbeiter leistet! Nicht der Arbeiter, sondern der Unternehmer ist der Ausgebeutete. So Herr Pernolet.

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Genosse Gues de weist aber nach, daß über zwei Franken des täglichen Arbeitsertrags eines Arbeiters, also über zwei Fünftel, in die weiten Taschen der Aktionäre fließen das macht jährlich nicht mehr einige Glas Bier, sondern ein ganzes Meer von Bier, ein Bier, wie Guesde sagt, das einige hundert Meter unter der Erd­oberfläche gebraut worden- aus Menschenfleisch bei Explosionen und Erd­stürzen und welches in vollen Zügen von den Perier, Chabaud­Latour und anderen Brodgebern des Pernolet gesoffen wird."

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Die irischen Dynamiter rühren sich wieder einmal. In der Viktoria station, einem der größten und belebtesten Bahnhöfe Londons  , hat am 26. Februar eine Dynamitexplosion stattge­funden. Andere Explosionen wurden an anderen Bahnhöfen geplant und nur durch die Wachsamkeit der Polizeiorgane vereitelt. Man weiß nicht, ob diese Attentate von den Feniern der Richtung des Herrn O'Donovan Rossa ausgehen; diese haben solche Attentate stets verkün digt und gepredigt und nehmen sie jetzt auch auf sich, also thut man den Herren kaum Unrecht, wenn man sie ihnen in die Schuhe schiebt.

Kein anständiger Mensch kann einen Augenblick im Zweifel sein, welche Haltung er gegenüber solchen Heldenthaten" einzunehmen hat. Unsere Sympathien gehören unseren gehezten nihilistischen Brüdern, die mit Todesverachtung ein Scheusal wie Sudeikin aus dem Wege räumen, sie gehören dem irischen Pächter, der, von seinem erbarmungslosen Landlord in's Elend gejagt, an dem Menschenschinder die Leiden seines Weibes, seiner Kinder rächt; wir können aber nicht Worte genug der Verachtung finden für feige Kanaillen, die aus bloßem, halb blödsinnigem Blutdurst die Leben Hunderter von unschuldigen Menschen, von Weibern und Kindern bedrohen.

Noch eine Viertelstunde vor der Explosion der Höllenmaschine war der Bahnhof belebt, verkehrte das Publikum, arbeitete noch so man­cher Arbeiter: sie alle wären dem Verbrechen zum Opfer gefallen, wenn es geglückt wäre!

Welche Folgen eine solche Propaganda der That" haben muß,( wie sie auch von Most gepredigt wird, der in einer der letzten Nummern seines Wisches sogar davon träumt, eine ganze Stadt in die Luft zu blasen, wahrscheinlich um sie zu ,, bekehren") das ist klar. Bisher war der moderne Klassenkampf ein Kampf der zielbewußten, klaren Elemente der arbeitenden Klasse gegen die kleine Minorität der Ausbeuter und deren Vertreterin, die Regierung. Die große Mehrheit des Volkes blieb indifferent, vielfach aber den Vertretern der Arbeit sympathisch. Diese konnten immer neue Kräfte aus dem Volke ziehen und waren dadurch unüberwindlich. Da treten jetzt einige ver­rückte Hallunken auf und predigen den Kampf gegen Alles, was nicht ebenso verrückt ist wie sie, gegen das ganze Volt. Die natur­nothwendige Folge ist, daß das ganze Volt sich gegen sie erhebt, gegen sie und auch gegen Manchen, der mit Unrecht in den gleichen Topf ges orfen wird. Wenn es noch nicht geschehen, so rührt dies blos daher,