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Ht m äi i. Ktiigge des.Hmirts" KÄilltt KgldslilM.' W«»Msepw.wMt. Unser öilöungswesen in öer Kriegszeit. Der europäische Krieg hat mit weltenstürzender Gewalt die Lebensbedingungen der Arbeiterbewegung verändert. In der Ent- Wickelung eines halben Jahrhunderts hatten sie sich den Forde- rungen eines ruhigen politischen Schaffens angepatzt. In der mit einem Schlage veränderten Situation sind die alten Aufgaben verschoben und neue sind entstanden. Vor allem verändert die jäh hereingebrochene und sich mehr und mehr ausbreitende Wirtschaft- liche Not der Klassen unsere ganze bisherige Arbeitsweise und setzt uns neue Augenblicksziele: durch die Heilung der vom Kriege ge- fchlagenen wirtschaftlichen Wunden wird ein grosser Teil der Ener- gie unserer Bewegung in Anspruch. Auch die Gemüter sind von den Ereignissen der Zeit gefesselt. Fast jeder ist auf die eine oder andere Art, persönlich oder sachlich, an ihnen interessiert. Mit Spannung harren alle der Entschei- düngen, alles ist auf das Erleben des Tages eingestellt. Es ist begreiflich, daß unter diesen Verhältnissen unsere so wichtige wissenschaftliche Bildungsarbeit stark leidet. Eine vor- ausschauende, gar nicht auf die Bedürfnisse des Augenblicks ge- richtet«, sondern mit zähem Fleihe für die Zukunft schaffende Tätigkeit, ist sie in Gefahr, nun in den Hintergrund gedrängt zu werden. In der spannenden Erwartung, mit der alle der Entwicke- lung der Dinge folgen, glaubt niemand, die Ruhe zu ernster wissen- schaftlicher Arbeit finden zu können. Bei vielen läßt auch die grosse wirtschaftliche Bedrängnis jene Sammlung nicht aufkommen, die dazu nötig ist. Und doch dürfen wir unsere in der Friedenszeit als so unge- heuer wichtig erkannte wissenschaftliche BildungSarbeit auch jetzt nicht vergessen. Mr haben immer wieder hervorgehoben, datz es die Aufgabe unseres BildungswesenS ist, den um seine materielle und geistige Befreiuung ringenden Arbeiter zu befähigen, sich in dem wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und politischen Geschehen der Gegenwart zurechtzufinden. Dieser Idee müssen wir treu bleiben. Niemals waren für den Denkenden die Fragen nach Ursache und Wirkung im Leben und Weben der Völker zahl- reicher und schwerwiegender, als im Augenblick. Niemals wurde der einzelne von diesen Fragen und den politischen Vorgängen selbst so unmittelbar und stark berührt als jetzt. Darum sollte auch gerade in dieser Zeit bei allen ruhig Nachdenkenden das Bedürfnis nach Beantwortung dieser Fragen stärker sein als je. Wenigstens bei allen, die vor Sutzerster wirtschaftlicher Not bewahrt geblieben sind. Zahlreiche Gründe verbieten eS, in dieser Zeit die Bildungs- tätigkeit in ihrer bisherigen Form im ganzen Um- fange fortzusetzen. Wir nennen als einen der Gründe nur die verminderte finanzielle Kraft unserer Organisationen. Sie ge- stattet«S uns leider nicht, wissenschaftliche Vorträge und Lehrkurse in so großer Zahl abzuhalten, wie in ruhigen Zeiten. Darum müssen die anderen Mittel unseres Bildungswesens in dieser Zeit um so stärkere Benutzung erfahren. Wir haben stets gesagt, datz Kurse und Vorträge in der Hauptsache die Aufgabe haben, die Hörer zum eigenen Bücherstudium hinzuleiten und zu befähigen. Ost genug fehlte jedoch gxxade unseren besten Leuten die Zeit für die notwendige Ergänzung des Hörens durch das Lesen. Darum muh nun das letztere um so mehr gepflegt werden, das heißt, unsere Genossen müssen sich der Arbe i t e rb i b I i o- t h e k e n fleißig bedienen und unsere Organisationen müssen der Propaganda für die Büchereien und ihrer Verwaltung jetzt die denkbar größte Sorgfalt zuwenden. Der einzelne mutz jetzt an sich erproben, wie weit ihn die Teilnahme an unseren Kursen befähigt hat, selbständig zu arbeiten. In keinem Arbeiterheim sollte jetzt ein Buch aus der Gewerkschaftsbibliothek fehlen, und jede Bücherei mutz jetzt den größten Teil des Tages geöffnet sein, um auch den Arbeitslosen die bequeme Möglichkeit zur Mitnahme eines Buches zu geben. Da tritt uns nun die Fmge entgegen: Was sollen wir lesen? Wir müssen an die bewegte Gegenwart anknüpfen, müssen, dem Ziel und Zweck unserer Bildungsarbeit getreu, der- suchen, auf den Grund der Dinge zu blicken, die sich vor unseren Augen abspielen. Es wird nicht jeder geneigt sein, dickleibige Bände durchzuarbeiten. Zudem ist das auch für den angedeuteten Zweck nicht unbedingt nötig, eS genügen einige gute Wissenschaft- liche Aufiätze und einige Parteitagsreferate. Da sie nicht ganz leicht aufzufinden sind, möchten wir sie hier nennen. Da ist zu- nächst das Referat des Genossen H a a s e über den I m p e r i a- l i s m u s auf dem Chemnitzer Parteitag 1912. Dem kann folgen der Vortrag des Genossen Bebel über die Marokkofrage auf dem Parteitag zu Jena 1911 und in Verbindung damit ein wichtiger Aufiatz von Rudolf Hilferding :Der Parteitag und die auswärtige Politik."(Neue Zeit", 1919/11. 2. Bd., S. 799.) Unerläßlich ist auch die Lektüre der beiden imVorwärts". Verlage erschienenen BroschürenImperialismus und Sozia- lismus" undDer Balkankrieg" von Otto Bauer . Da uns die Haltung Englands im gegenwärtigen Völker- ringen besonders bedeutungsvoll erscheint, möchten wir nennen: A s k e w:Der britische Imperialismus"(Ergänzungshest der Neuen Zeit" Nr. 19) und Rothstein:Englands auswärtige Politik"(Neue Zeit" 1911/12, 1. Bd.. S. 881). Wichtig sind so- dann einige Aufsätze, die sich mit den jüngsten Balkankriegen be- schäftigen. Wir möchten auf die folgenden hinweisen: Hilfer- ding:..Der Balkankrieg und die Großmächte"(Neue Zeit" 1912/13, 1. Bd., S. 73); Rothstein:England und die Balkan- krise "(in demselben Bande S. 122) und K. Kautsky :Der Krieg und die Internationale"(ebendaselbst S. 18S). Auch KautSIhS BroschüreDer Weg zur Macht" liest man jetzt mit dem größten Interesse. Wer über diese Studien hinausgehen und zu großen Werken greifen will, dem sei besonders das eingehende Studium der Wirt- schaftlichen EntWickelung vor allem der letzten Jahrzehnte emp- fohlen. Lange Literaturnachweise können wir hier nicht geben. Wir müssen uns mit der Anregung zum Studium begnügen und haben die Hoffnung, daß die Besucher unserer früheren Kurse schon so weit über unsere Literatur informiert sind, daß sie selbst oder mit Unterstützung d e S Bibliothekars das rechte finden werden. Wir nennen nur> als unerläßlich H i l f e r d i n g:Das Finanzkapital". Auch das Eindringen in die Geschichte der Vergangenheit, insbesondere in die Kriegsgeschichte, ist jetzt von stärkstem Interesse. Eine anregende Abwechselung vermag der gute historische Roman in diese Arbeiten zu bringen. So gibt es eine Fülle des interessantesten Lesestoffes, der an big Gsgenfvaxt anknüpft und, eifrig benutzt, zu ihrem tiefere» Verstehen führt. Das Verstehen dieser bedeutungsvollen Gegen- wart ist aber für die Zukunft mit ihren unausbleiblichen Kämpfen von größtem Werte. Schaffe jeder an sich selbst und rüste sich so für die kommenden Tage. Für sich und die Gesamtheit. R. S, Kriegssitzung des Sranöenburgisihen provinAiallanütages. Der Brandenburgische Provinziallandtag war gestern zu einer außerordentlichen Sitzung zusammenberufen, in der die schon gestern mitgeteilte Vorlage zur Unterstützung Arbeitsloser beraten wurde. Es wird ein Kredit von 8 Millionen Mark verlangt, aus dem im Verein mit der Landesversicherungsanstalt Brandenburg, die ebenfalls.8 Millionen Mark zu diesem Zweck zur Verfügung gestellt hat, für die in Not geratenen Arbeiter, Handwerker und Kleingewerbe treibende Bevölkerung der Provinz zu der einzelnen Unterstützung aus Gemeindemitteln die Hälfte, jedoch nicht mehr als 89 Pf. für ein Familienhaupt oder jede sonstige selbständige Person, und nicht mehr als 39 Pf. für ein Familienmitglied ge- währt werden kann. Nach der in der Vorlage aufgestellten Be- rechnung würde eS sich um rund 123 999 zu unterstützende Per- sonen(19 Proz. der erwerbstätigen Bevölkerung) handeln, so daß die zur Verfügung gestellte Summe für mehr als 9 Monate reichen würde. De Fürsorge soll mit dem Tage der Beschluß- fassung des Provinziallandtages beginnen. De Landesversiche- rungsanstalt hat die von ihr zu zahlende Unterstützung, bei der ein Unterschied zwischen Versicherten und NichtVersicherten nicht ge- macht werden soll, allerdings zunächst nur für drei Monate in Aussicht gestellt. Die Vorlage fand einstimmige Annahme. Abg. Genosse Molkenbuhr betonte, daß in der Begründung der Vorlage mit Recht auf die Beschaffung von Arbeitsgelegenheit nachdrücklich hin- gewiesen wird, und daß besonders auch die öffentlichen Verbände auch Bauten und Arbeiten für zukünftige Bedürfnisse in Angriff nehmen sollen. Deshalb wäre es gut, wenn auch mit dem Bau der Provinzialhebammenlehranstalt in Neukölln begonnen würde. Es handelt sich hier um einen Bau von 1,8 Millionen Mark, von welchem Betrage ein sehr großer Teil auf Arbeitslöhne entfällt. Das Projekt sei vollständig ourchgearbeitet, die Ausführung in der Februarsitzung des Landtages nur deshalb vertagt worden, weil es sonst schwer gewesen wäre, den Etat zur Balance zu bringen. Es empfehle sich daher, die damals beschlossene Vertagung des Baues jetzt aufzuheben. Der Landessyndikus Gerhardt bemerkte, daß die Revision der Baupläne durch die Beamten der Provinz bereits durchgeführt, und daß auch vom Ministerium die Genehmigung in Aussicht ge- stellt sei, so daß irgendwelche technischen Bedenken gegen die Auf- Hebung des Vertagungsbeschlusses und gegen die Inangriffnahme deS Baues nicht vorgebracht werden könnten. Die Mehrheit des Landtages erklärte aber durch den Abg. v. Buch, es sei nicht opportun, ein einzelnes bestimmtes Bau- Projekt besonders herauszuheben, man solle statt dessen lieber den Antrag annehmen:der Provinzialausschuß wird ermächtigt, die- jenigen Arbeiten ausführen zu lassen, welche geeignet erscheinen, die Arbeitslosigkeit herabzumindern". Die Mehrheit lehnte den von Molkenbuhr gestellten Antrag ab, worauf der Antrag v. Buch einstimmige Annahme fand, nach- dem noch in ihn auf Anregung von Dr. M a i e r- Charlottenburg hinterArbeiten" die Worte aufgenommen waren:unter Ein- schluß des Projektes der Provinzialhebeammenlehranstalt zu Neu- kölln". Damit ist also sachlich der Anregung Molkenbuhrs Folge gegeben, und der Provinzialausschuß kann an die Errichtung dieses Baues gehen. Ferner wurde dem Provinziallandtag eine Vorlage unter- breitet, zur Linderung des Notstandes in Ostpreußen 199 999 M. zu bewilligen, deren endgültige Aufbringung der nächstjährigen Etatsfestsetzung vorbehalten bleibt. Die Vorlage wurde debattelos einstimmig angenommen und ebenso eine weitere Vorlage, die vom Provinziallandtag die Zeich- nung der Kriegsanleihe in Höhe von 28 Millionen Mark verlangt. /tos Groß- öerlin. Hlutrote �eiöe. Die Heide blüht! Aus dürrstem Boden tvuchert sie in üppiger Urwüchsigkeit empor, die ungepflegte und doch so lieb- liche Erika, das versonnene Heidekind im Reiche Floras. Wie das ernste Lächeln eines ausgereiften Menschen ist es, der sein Tagewerk beendet sieht, wie der verschwommene filang der Freude, der aus Millionen der zarten violetten Bliitenkelche tönt. Im ewigen Kreislauf der Natur neigt sich der Sommer seinem Ende. Noch einmal bäumt er sich wie im Schmerz- gefühl über sein Verwehen mächtig auf, überstrahlt die stillen Weiten der Heide mit warmem Purpurfeuer. Von erhabener, wundersam schöner, dem Wogen und Leuchten des Meeres ver- gleichbarer Wirkung ist das Blühen der Heide, wo sie sich dehnt zu ungeheuren Flächen, zu unübersehbarem Blütenschimmer. Bezaubernd ist das Landschaftsbild der rosa, purpurn, violett blühenden Heide mit den dazwischen wie gespenstische Säulen auftauchenden schlanken Wacholderstämmen. Nur der scharfe Beobachter merkt, welche gewaltige Naturkraft in diesen winzigen Blüten, in den nadelfeinen Blattritzcn, in den zu dichtem, zähem Gestrüpp verwachsenen Wurzelknoten steckt. Ein gigantischer Kampf des so lieblich anzuschauenden Heidekrauts ist es mit allem, was sich ihm an Gewächsen entgegenstellt. Wie mit Polypenarmen umschlingt die Heidetyrannin uralte Baum- riefen, nimmt ihnen in jahrzehntelangem Ringen den Lebens- atem, bringt sie siegreich zu Fall. Die Menschen, die da wohnen, rings um die blühende Heide, sehen die Wacholderbäume, die Birken und Eichen stürzen und staunen über die unerhörte Kraft der Zwergin Erika, die sich am Riesen erprobt. Und noch ein anderer gigantischer Kampf tobt jetzt auf blühender Heide. Tort droben im Osten und Westen, wo zwischen dem achtlos zertretenen und zerstampften Blüten- wunder die Millionenheere der Völker aufeinanderprallen. Wer fragt, wo Menschen sich vernichten, nach Vernichtung der Natur- schönheiten! Wer kennt die Herbstzeitlose Heide noch wieder! Traurig lassen die verschont gebliebenen Heideblümlein die feinen Köpfchen hängen. In den Sandboden ist getreten, was selbst so ungeheure Kraft vergab. Blutigrot schimmert es auf an tausend Stellen zwischen den halbzerstörten Gaben der Natur... vom Herzsaft der Menschen, die sich verdrängen und vernichten bis zum Untergang, wie die Heideblume in er- bittertem Haß den. Kampf der Vernichtung führt. Lautlose Schwärme prächtiger Falter tauchen wieder auf die Blütenreste, Parasiten der Heidenatur laben sich an ver- gossenem Herzblut. Wo noch vor kurzem der mächtige rote Teppich in stillem Frieden fast lückenlos prangte, türmen Heide- gräber sich zu Haus'. Und wenn nach Jahresfrist die Heide wieder blühen soll in leuchtender Schönheit, ist hoffentlich längst der Friede eingekehrt auf der Welt, wie er unter den Massen- Hügeln der Herde die stillen Schläfer ewig Wnfangen hält.&. Einsichtnahme in die Berlustlisten! Wir macheu«usere Leser dara»f«uftnerksam, daß die amtliche» Verlustliste« i»«usere« sämtliche» Zeituugsausgabe- stellen sowie iu der Hauptexpedition zur Einfichtnahmr ausliege«. Tie juristische Sprechstunde deSVorwärts" findet Liudenstr. 3, dritter Hof, Aufgang 4, links 4 Treppen (Fahrstuhl), wochentäglich am Montag bis Freitag von 3 bis 6 Uhr, am Sonnabend von K bis K Uhr statt. Aushilfskräfte bei der Straßenbahn. Uns wird geschrieben: De Große Berliner Straßenbahngesellschaft erklärte vor einiger Zeit, daß sie nunmehr davon absehen würde, weitere Weib- liche Aushilfskräfte heranzuziehen, vielmehr habe man die Ab- ficht, männliche Aushilfskräfte anzulerne». Auf diese Mitteilung ist von der Gewerffchaft bei den einzelnen Depots einmal ermittelt, wie dieses Vorhaben der Straßenbahngesellschast zur Durchführung gekommen ist. Unsere Ermittelung datiert vom 1. September. Von einem Depot wird uns zunächst mitgeteilt, daß zurzeit männ- liche Aushilfsarbeiter noch nicht eingestellt find. Da, wo AuShilfS- kräste angenommen wurden, wird von ihnen die Leistung einer Kaution von 199 Mk. verlangt. Natürlich find nur wenige in der glücklichen Lage, unter den jetzigen Umständen 199 Mk. Kaution der Großen Berliner stellen zu können. In einigen Depots wird allerdings gestattet, daß eine kleinere Kaution gestellt werden kann. Man sollte doch gegenwärtig auf die Kaution Überhaupt verzichten, es sei denn, daß die �Gesellschaft selbst der Ueberzeugung ist, daß der Lohn von 2 Mk. täglich, der während der Ausbildungszeit ge- währt wird, später nach Beendigung der Ausbildungszeit steigt der Lohn auf 8,89 Mk., einen zu starken Anreiz zu Veruntreuungen bietet. Frauen find anscheinend nicht mehr in größerer Zahl einge- stellt. ES wird aber vielfach berichtet, daß, wenn die Frauen der zum Heere eingezogenen Angestellten sich weigern, den Denst weiter zu tun, die Unterstützung nicht gewährt wird, die sonst die Frauen von der Gesellschaft erhalten. Auf«inigen Depots wird die Unterstützung nur dann gezahlt, wenn der Arzt bestätigt, daß für die Frau der Denst zu schwer ist. In einem Depot wurden Frauen des Nachts zum Wagenwaschen verwendet. De ganze Ermittelung ergibt, datz die Gesellschaft noch immer mit Wider- streben die Anstellung von Hilfskräften betreibt, um mit einer über- mätzigen Ausnützung des beschäfttgten Personals den Betrieb auf- rechtzuerhalten. Wiederholt ist an alle einsichttgen Unternehmer der Appell gerichtet, im Hinblick auf die außerordentlich hohe Ar- beitslosigkeit bemüht zu sein, möglichst viele Arbeiter in Beschästi- gung zu bringen. Das soll unter anderem auch erreicht werden durch Verkürzung der Arbeitszeit. Von einer Gesellschaft, die in so günstigen finanziellen Verhältnissen sich befindet, die am wenigsten in Mitleidenschaft gezogen wird von der schweren wirtschaftlichen Depression, dürfte man doch verlangen können, datz sie die ein- fachsten Anforderungen sozialer Pflichterfüllungen nicht außeracht läßt. Wenn notwendig, sollte hier die Aufsichtsbehörde etwas nach- helfen."_ ; Anträge auf Arbeitslosenunterstützung find mündlich z« stelle«. Arbeitslosenunterstützung wird beim Berliner Magistrat vielfach in schriftlichen Anträgen nachgesucht. ES sei dem- gegenüber darauf hingewiesen, daß solche Anträge nur in den 23 Geschäftsstellen des Magistrats mündlich entgegen- genommen werden und daß schriftlichen Gesuchen eine Folge nicht gegeben werden kann. Anträge werden Sonnabend» nicht ensgegen- genommen._ Bäckermeister und Oberkommandierender. Die Bäckermeister beschäfttgten sich am Montagabend in den Konkordiafestsälen mit der Verfügung des Befehlshabers der Marken, nach der die Preise und daS Gewicht für Back­waren durch Plakate in den Schaufenstern und in den Ge- schäftsräumen angezeigt werden müssen. Von verschiedenen Seiten wurde die Anorommg bemängelt und die perschiedensten Bedenken erhoben. Schließlich wurde erklärt, daß die jetzigen Brotpreise im vollen Einklang mit den Rohmaterialien stünden. Eine Deputatton soll bei den zuständigen Behörden dahin vor- stellig werden, daß die Plakate nur im Verkaufsladen und nicht zugleich auch in den Schaufenstern ausgehängt zu werden brauchen und daß von den Polizeiorganen ein rigoroses Vor- gehen gegen die Bäcker verhütet werde. Wir möchten betonen, daß daS Bestreben der Militär- behörden, die große Masse der Bevölkerung vor wucherischen Preisen zu schützen, in weiten Kreisen große Sympathien er­weckt hat. Es ist zu wünschen, daß auf diesem Wege fort- gefahren wird ohne Rücksicht auf kleine Juteresientengruppen. Das Wohl der Allgemeinheit muß maßgebend sein. Hilfe für Stellunglose verspricht immer wieder ein im �vorwärts" schon Mehrfach ge. kennzeichnetes Unternehmen, daS sich anfangs.Grund mannfch« HauSmijsion" nannte und später unter der Mnma»Grund-. mann fches Institut für Gtellunglose" Meiterge- führt"wurde. Gemeint ist damit nicht ein.Institut", hinter dem ewa eine Behörde, eine Kirchengemeinde oder irgendeine Vereini- gung stände, sondern wir haben es hier lediglich mit einem p r i- vaten Geschäft zu tun. In Groß-Berlin gibt es mehrere sogenannteStationen" des GrundmannschenInstituts", die Wohl von ihren Inhabern meist selbständig betrieben werden. Der Pro- fit bei diesem Geschäft fließt au» dem verkaufvonAnsichtS- karten, den man im Hausierhandel durch Stellunglafe besorgen läßt. Dabei fällt natürlich auch ein Gewinn für die Stellung- losen selber ab, und eben darum nennt das Geschäft sichInstitut für Stellunglose". Damit der Handel flotter geht, haben die Hausierer die Ansichtskarten in Umschlägen zu überreichen, die auf dasInstitut für Stellunglos«" aufmerksam machen. In dieser Kriegszeit, wo noch am ehesten mitZtriegsartikeln" etwas gu ver- dienen ist, werden Kriegspostkarten verkaust.Kriegspostkarten" steht jetzt auf den Umschlägen, und darunter liest man folgende Ansprache:Wir Stellunglose bitten herzlichst, uns durch Kauf von Ansichtskarten für den Preis von 19 Pf. zu unterstützen; da- mit ist uns geholfen. Wir sagen unseren herzlichsten Dank für Ihre liebe Mithilfe. Grundmannsches Institut für Stellunglose." Geschmückt sind die Umschläge mit einem Phantasiewappen, daS immer noch die Inschrift«Grundmannsche Haus- mtstio»' Keigy fenn. pttt dem Stempel de» betreffenden