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Mr. 64. 32. Jahrgang.

1. Beilage des Vorwärts " Berliner Volksblatt.

Abgeordnetenhaus.

105. Sigung, Donnerstag, den 4. März, 1% Uhr nachmittags. Am Ministertisch: Beseler.

Der Gesezennvurf über die Niederschlagung von Unter­fuchungen gegen Kriegsteilnehmer wird in dritter Lesung end­gültig angenommen.

Zweite Lesung des Justizetats.

Justizminister Beseler:

Die Justizverwaltung ist stolz darauf, daß cine so große Zahl ihrer Beamten freiwillig in den Krieg gezogen ist. Die dadurch entstandenen Batangen fonnten mit Aushilfskräften voll befeht werden. Solange die Russen in Ostpreußen standen, wurden die dortigen Justizbeamten an anderen Orten verwendet. Wenn auch manchmal die Ausfüllung der Lücken schwer war, so ist doch irgend­ein Notstand nicht zu verzeichnen gewesen. Viele offene Stellen haben wir nicht beſezt, um sie für die aus dem Kriege heimfehren den Beamten freizuhalten, damit diese Beamten feinen Nachteil erleiden, wenn sie heimkehren. Trotz der Verminderung der Bahl der Beamten werden sie nicht überlastet. Im übrigen ist es in dieser Zeit auch fein Fehler, wenn die Beamten einmal etwas mehr arbeiten.( Sehr richtig!) Die Justizverwaltung hat jeden­falls ihre polle Schuldigkeit getan.

Abg. v. Pappenheim ( f.) erklärt furz, daß nach der eingehenden Kommissionsberatung und den Ausführungen des Ministers die großen Parteien feinen Anlaß zu weiterer Besprechung hätten. Ein Antrag auf Schluß der Besprechung wird gegen die Stimmen der Sozialdemokraten und einiger Fort­

fchrittler angenommen.

Abg. Dr. Liebknecht( Soz.)( zur Geschäftsordnung): Ich hatte das Bedürfnis, heute zur Sprache zu bringen das Berfahren, das meiner Freundin Rosa Luxemburg ( lautes Lachen rechts) gegenüber die Justizverwaltung anzuschlagen fich bemüßigt gefühlt hat, und das zeigt, daß die Justiz auch in der heutigen Beit von eminent politischen Gesichts­punften.( Glocke des Präsidenten.)

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Präsident Dr. Graf v. Schwerin- Löwit:

Freitag, 5. März 1915.

Massen bewegenden Kräfte gänzlich beiseite und die Tatsache außer acht läßt, daß in einer ganzen Reihe von Ländern nicht nur die * opportunistischen", sondern die radikalen" Gruppen vom Natio­

Die Sozialdemokratie Rußlands über die Aufgaben der Gegenwart. nalismus mitgerissen wurden) wird der Schluß gezogen, daß der

einzige Weg zur Wiederherstellung der Juter­

Die Genoffen P. Agelrod und G. Semtowsky haben im nationale die Spaltung der Arbeiterpartei in Namen des Ausländischen Sekretariats des Organisationskomitees jedem betreffenden Lande sei. Nicht von der Spaltung, als von der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Rußlands an das Inter - einer traurigen, unerwünschten, aber möglicherweise eintretenden nationale Sozialistische Bureau im Haag ein Folge innerer Parteitämpfe ist hier die Rede sondern die Spal­Schreiben gerichtet, das eine gute Ergänzung zu den bisherigen tung wird hier als eine unentbehrliche Vorbedingung offiziellen Publikationen der russischen Parteiinstanzen über die der Wiedergeburt und Gesundung der Internationale, als cinc durch den Krieg heraufbeschworenen Fragen bildet. Wir geben notwendige Losung in diesen Kämpfen in den Vordergrund ge­nachstehend das Wesentlichste aus diesem Schreiben wirder: rückt.... Die allgemeine internationale Losung keine Siege, Sowohl die Deklaration der sozialdemokratischen Fraktion der feine Niederlagen"( was der Forderung des Friedens ohne ge­Reichsduma, in der sie die Nichtbewilligung der Kriegskredite moti- waltsame Annegionen entspricht), wird vom" Sozialdemokrat"... vierte, wie die früher veröffentlichte Erklärung des Zentral- durch den Hinweis darauf ergänzt, daß die Niederlage der zari­fomitees der Leninschen Richtung und der Bericht des Organisa- schen Monarchie und ihrer Truppen das fleinere Uebel wäre." tionskomitees legen Zeugnis ab, daß alle verantwortlichen Diese Gruppe verficht zugleich im Gegensatz zu dem von allen leitenden Zentralinstitutionen unserer Partei, im nationalen Teilen der Sozialdemokratie Rußlands anerkannten Einklang mit den in den Parteiorganisationen und unter den Programm der Demokratisierung Rußlands und der Lösung der laffenbewußten Arbeitern vorherrschenden Meinungen und Stim- nationalen Frage im Rahmen des Reiches selbst, die Lostrennung mungen, einer Abschwenkung in der Richtung zum der Ukraina, Bolens usw., was zu der Ausscheidung Großruz­fog. Burgfrieden feindlich gegenüberstehen; sie lands" als des nationalen Staates des großrussischen Wolles führen find vielmehr der alten Tattit des Internatio- solle, wobei der Macht der ökonomischen Zusammengehörigkeit keine nalismus und der selbständigen Aufgaben des finden diese Tendenzen keineswegs die allgemeine Anerkennung Rechnung getragen wird. Wie aus Rußland mitgeteilt wurde, internationalen Proletariats in dem Weltkrieg der verantwortlichen Vertreter der Leninschen Nichtung in Ruß­treu geblieben. land selbst.

Den Bericht des Organisationsfomitees glauben wir durch einige Mitteilungen über die in unserer Emigration zu tage getretenen Meinungsverschiedenheiten in bezug auf die Haltung dem Krieg gegenüber, ergänzen zu müssen. In der Emigration sind unsere sämtlichen Parteiftrömungen durch wohlbekannte Schriftsteller und Führer vertreten, die ihre und ihrer Gesinnungsgenossen Ansichten in Vorträgen und in der aus­ländischen Presse in der russischen und nichtrussischen- Ausdruck brachten.

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zum

Sie dürfen jest fachliche Ausführungen nicht mehr machen, ich iſt.*) Die Mitarbeiterliste dieses Organs, das aus privater Initiative bitte, sich streng an die Geschäftsordnung zu halten.

Abg. Dr. Liebknecht( Soz.)( fortfahrend): Ich bedauere auf das Lebhafteste, daß ich nicht in der Lage bin, diesem Verfahren die erforderliche Kennzeichnung vor aller Oeffentlichkeit angedeihen zu lassen. Der Justizetat wird bewilligt, es folgt

der Ansiedlungsetat.

Landwirtschaftsminister Dr. Frhr. v. Schorlemer teilt auf einen Wunsch aus der Budgetfommission mit, daß nach dent Ergebnis der Bestandaufnahme vom 1. v. M. die Brot- und Mehltation von 225 Gramm täglich pro Stopf hätte beibehalten tverden können, daß aber mit Rücksicht auf eine für alle Fälle er­forderliche Reserve die Ration auf 200 Gramm herabgesezt wird. Es handelt sich aber dabei um 200 Gramm Mehl, was bei dem Zusak von 10 Broz. Kartoffeln und dem, was beim Verbaden an Sefe und Feuchtigkeit hinzukommt, in Wirklichkeit 295 Gramm Brot bedeutet. Derjenige, der in Berlin bisher auf Grund seiner Brotkarte die Ration erhoben hat, würde sich an sich nicht ver­schlechtern, sondern sogar berbessern, wenn Berlin in der Lage ist, bas Quantum von 200 Gramm Mehl weiter gewähren zu fönnen. Die Herabsetzung begründet also feinerlei besondere Besorgnis und auf der anderen Seite hat die Bestandaufnahme feitgestellt, daß das im deutschen Vaterlande vorhandene Brotgetreide bei der jezigen Einschränkung die unbedingte Sicherheit gibt, daß wir burchfommen und voraussichtlich auch noch etwas von der zurüd­gelegten Reserve erübrigen.( Bravo !)

Der Etat der Ansiedlungskommission wird bewilligt. die Budgetkommission morgen vormittag ein Gefangenenlager be­-Da fichtigt, findet die nächste Sigung ftatt: morgen, Freitag, nach mittags 3 Uhr: Eisenbahnetat. Schluß 3 Uhr.

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Von der Kampffront in Rußland .

..., den 27. Februar 1915.

Das erste Organ, das nach dem Kriegsbeginn in ruffischer Sprache im Auslande zu erscheinen begann, war das Barijer Tageblatt Golos", das fürzlich von den französischen Behörden unter dem direkten Drude der ruffischen Botschaft sistiert worden entstanden war, vereinigte Parteiſchriftsteller sowohl unserer Rich tung( des Auguftblods"), als auch anderer Richtungen, haupt­sächlich aus der Mitte jener Gruppen, deren Vertreter auf der von dem Internationalen Bureau einberufenen Brüsseler Konferenz ( im Juli 1914) für die Einigungsplattform gestimmt haben. Die große Bedeutung dieses Organs bestand darin, daß es von Anfang an seine Aufmerksamkeit auf die Aufdeckung des imperialistischen Charakters des Krieges, und insbesondere auf die Demastierung der zaristischen Politit, wie auch auf den Kampf mit dem Chauvinis­mus und Nationalismus, die in den sozialistischen Reihen Plak gegriffen haben, fongentrierte. Als die nächste Stampfeslofung, um die das Proletariat seine Sträfte an der Schwelle der neuen, sich vorbereitenden Epoche, wieder zusammenschließen fönnte, propas gierte der Golos" den Kampf um den Frieden.

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Kriege nahm Gen. Piechanow ein. Dieser Standpunkt cnt­Einen besonderen Standpunkt in der Frage der Haltung zum spricht fast völlig der Stellung der französischen und eines Teiles der englischen Sozialisten. Gen. Plechanow ergänzt diese Ston­Beption durch den Hinweis auf die Interessen der Befreiungsbewe­gung in Rußland , die angeblich auch den Sieg der« Tripelentente" erfordern.... Indem er weiter die Niederlage Nußlands für uner­wünscht hält, weil die Niederlage Rußlands im gegenwärtigen Kriege für seine weitere ökonomische Entwidelung schädlich sein würde", da" das Wesen der imperialistischen Politik... darin be steht, daß das siegende Volt das besiegte zum Objekt ökonomischer Ausbeutung macht"- wendet Gen. Blechanow denselben Gedanken. gang auf den ganz analogen Fall der Bertrümmerung Deutschlands nicht an. Wir wollen schon nicht von der Irrtümlichkeit der Auf­faffung selbst sprechen, die die ökonomische Entwickelung Ruz­lands, deren größtes Hindernis die soziale und politische Herrschaft der Reaktionäre im Lande selbst ist, von einem äußeren militäri­fchen Siege abhängig macht.

Die vom Gen. Blechanow( wie auch von dem bekannten Theo­retiker der Agrarfrage Gen. Maßlow u. a.) entwidelten Gedanken haben in Rußland nur wenige Anhänger in den Reihen aller Stichtungen unserer Partei gefunden....

Wie wir bereits hingewiesen haben, erachtet es die große Mehr­heit der Sozialdemokraten aller Nichtungen unserer Partei, in Rußland wie im Auslande, für unmöglich, im Interesse des Prole­tariats den Sieg der einen oder der anderen Gruppe der imperia liftischen Mächte anzustreben. Und wie der Bericht des Organi­sationskomitees hervorhebt, herrscht in unseren Reihen in Ruß­ Es fann mit Genugtuung festgestellt werden, daß die er land Einmütigkeit auch darin, daß der Kampf gegen das Regime brüdende Mehrheit der russischen Sozialdemokraten im Auslande der Konterrevolution ohne Unterbrechung weiter fortgeführt wer­sich auf diesen entschieden internationalen Standpunkt gestellt hat. den muß. Neben dem" Golos" nahm auch das in Genf neuerschienene Ben­tralorgan der Leninischen Richtung Sozialdemokrat" mit aller Entschiedenheit den internationalen Standpunkt ein, daß Die Aufgabe der Sozialdemokratie des gegebenen Landes in erster Linie in dem Kampfe mit dem Chauvinismus feines Landes be­stehe", und führte konsequent diese Linie durch. Und nur innerhalb dieser gemeinsamen internationalen Position machten sich manche Tendenzen geltend, die wir in unserem Berichte nicht unerwähnt Tassen können.

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Der Sozialdemokrat" fieht die Hauptursache der Krise mus" der Führer. Aus dieser Konzeption( die die Frage der die der sozialistischen Internationale im Berrat" und" Opportunis

Schweine- Gefrierfleisch.

Von einem Fachmanne wird uns geschrieben:

Sachverständige empfehlen seit einiger Zeit, das Fleisch, das durch die Massenschlachtungen jekt im Ueberfluß erzeugt wird, in den Kühlhäusern gefrieren zu lassen, damit eine bessere Verwendung in den Zeiten der Fleischnot crfolgen fann. Es würde dadurch vor allem würde die Gefahr verringert, baß die heute so eilig her­eine rationellere Verwendung der Fleischvorräte möglich sein und gestellten Dauerfleischavaren im Sommer verderben. Die Fach­Teute find fich heute allgemein darüber einig, daß ungeheure *) Jetzt wird in Paris das sozialdemokratische Tageblatt Massen der aufgestapelten Fleischvorräte zweifellos dem Verderben Nasche Slowo"( Unser Wort) herausgegeben. D. Ned. ausgefekt werden, weil viele Städte große Vorräte aufgefauft bollendeten das Werk und jetzt fahren deutsche Züge bis zur End- Spuren politischer Organisation; nichts davon war zu entdecken. station. Auf dieser Strede ließen die Russen einen großen Wagen. Seit der Konterrevolution sei alles zerstört. Ein Jude meinte, part, viel Munition und sonstiges Kriegsmaterial zurück. Duzende nur noch in der Duma gäbe es sechs Sozialdemokraten, alle anderen von Wagen liegen zersprengt neben den Geleisen. Eine Reihe seien nach Sibirien verbannt worden. Den Allgemeinen Jüdischen von großen schweren Personenwagen hat man durch das Zer Arbeiterbund kannte man nur dem Namen nach, obwohl es hier sprengen einer Achse unbrauchbar gemacht. Auch sah ich in Ruß eine Anzahl jüdischer Handwerker gibt. Der Druck des zaristischen Die Schwierigkeiten, die sich bei einem so stürmischen Vor- land an der Eisenbahn und neben den Fahrstraßen viele verbrannte Regiments lastet sichtlich schwer auf dem Volke. Der" Bund" ist marsch, wie ihn die Armee Hindenburgs aus Ostpreußen nach und auseinandergesprengte Automobile. Die zurückgehenden die älteste planmäßige Arbeiterorganisation. Nach Sonja Rabino­Rußland durchgeführt hat, den Soldaten entgegentürmen, erheischen Truppen vernichten und zerstören alles, was sie nicht fortschaffen witsch entstanden Chewras"( Vereine) jüdischer Handwerke im ven allen Truppen furchtbare Strapazen, sind mit Leiden und Ent- fönnen, für die nachfolgenden Feinde aber von Vorteil sein könnte, 18. Jahrhundert. Die Vereine sollten die Interessen der Juden behrungen mannigfacher Art verbunden. Um die Hindernisse, die wenn es in ihre Hände fiele. gegen die polnischen Zünfte verteidigen, doch waren sie mehr ein das Terrain und russische Zustände der Artillerie entgegenstellten, In einem vollgepadten Militärzug fuhr ich von Goldap über Anhängsel der Synagogen und pflegten vorwiegend das Unter­zu besiegen, war man oft gezwungen, Geschüße und Munitions- Marggrabowa bis kurz vor Ratschli. Dann gings nicht weiter. ftübungswesen. Anfang der 90er Jahre warfen sie den philanthropi­wagen mit doppelter Bespannung zu versehen. Manchmal waren Man war mit dem Freimachen der Strecke noch nicht fertig. So- fchen Mantel ab; unter dem Einfluß der von Wilna ausgehenden Truppen gezivungen, 50 Stilometer im Schneesturm zu marschieren bald ich in Rußland war, hatte ich gleich wieder den auffälligen politischen Strömung betraten sie die Bahn wirtschaftlicher Kämpfe. und dann noch, ohne Rast, ohne Ruhe, stürmend vorzugehen, andere Gegensatz zwischen hüben und drüben greifbar deutlich vor Augen. Eine 1892 neu gegründete Chewra" stellte sich als Aufgabe die lagen 10 Stunden im Schnee unter feindlichem Feuer. Besonders Ich meine nicht den allgemeinen in der verschiedenen Kultur be- Erkämpfung befferer Lohnbedingungen. Aber immer noch gingen hartnäckigen Widerstand leisteten die Sibirier. Sie sollen selbst gründeten Gegensatz: In Deutschland größere Ordnung und diese Vereine neben der politischen Bewegung einher, traten zu ihr unter mörderischem deutschen Feuer angreifend vorgegangen sein. Sauberkeit, weniger Rüdständigkeit in der ganzen Physiognomie manchmal in Gegensak. Darum gründeten die jüdischen Sozia­Es sind Soldaten, die siegen wollten, froßdem ist nun wohl der der Ortschaften, ich denke hier an die Begleiterscheinungen des listen eigene lokale Gewerkvereine, die sich später im Allgemeinen größte Teil der sibirischen Truppen, soweit sie nicht vernichtet wor- Strieges. In Deutschland arge Verwüstungen, in Rußland faum jüdischen Arbeiterbund zusammenschlossen. Schon vorher, 1805, Den sind, in deutsche Gefangenschaft geraten. Damit geht den Spuren von Zerstörungen. Goldap und Marggrabowa forderte man in Versammlungen am 1. Mai das Presse-, Ber­übrigen russischen Truppen ein großer moralischer Halt verloren. beim legten Ginbruch der Russen noch fast unversehrt, find nun fammlungs- und Streifrecht". 1903 zählte der Bund bereits Biele wollen nicht mehr kämpfen und warten auf die Gelegenheit, auch große Trümmerhaufen. Viele der schönsten Häuser 30 000 Mitglieder. In den Jahren 1901 bis 1903 hatte er 172 Streifs sich gefangennehmen lassen zu können. Das bestätigte mir mancher hat das Feuer bis auf einige Mauerreste zerstört. Und ein großer geleitet. Dent Bunde gehören fast ausschließlich Handwerker an, der Gefangenen. Wir wissen nicht, wofür wir uns sollen tot- Teil des beweglichen Gutes ist verschwunden. Vor den Schrecken aus solchen, nicht aus Fabritarbeitern, wie im eigentlichen Ruß­schießen lassen", sagten sie." Das werden viele nicht wissen. Sie der einbrechenden Russen flohen die Einwohner, von denen, die zu- land und in anderen Ländern, setzt sich das jüdische Proletariat fämpfen, weil sie müssen. Unter den erwähnten Schwierigkeiten rückblieben, wurden viele nach Rußland verschleppt. So machen im Reiche des Zaren zusammen. Sonja Rabinowitsch bemerkt da­litt bisher die Lebensmittelzufuhr, sowie auch der Transport Ver- Russen Deutsche zu Gefangenen! zu:" Der Bund hat seine theoretischen Prinzipien hauptsächlich der tvundeter und Kranker. In den ersten Tagen konnten die Lazarette Nach der ersten Vertreibung der Russen aus Ostpreußen hörte deutschen Sozialdemokratie entnommen, doch mußte er seine Taktik den vorwärtsstürmenden Truppen nicht schnell genug folgen. Man man aus verschiedenen Orten und von einzelnen Truppen, daß sie dn jüdischen Verhältnissen anpassen. Die Organisierung der mußte froh sein, die Schwerverletzten nahe hinter der Front ver- fich gut und anständig benommen hätten, diesmal vernahm ich jüdischen Areiter wird durch zwei Bedingungen erschwert: 1. da­pflegen zu können. Die Leichtverwundeten und nicht schwer Er- keine Stimme solchen Lobes. Vor den einziehenden Deutschen durch, daß die Juden auf den Ansiedlungsrayon angewiesen sind franften mußten bis zur nächsten deutschen Eisenbahnstation mar- flohen wenige Russen, die zurückgebliebenen gehen vielfach un- und ihr Verdienstgebiet sich eo ipso nicht erweitern kann; 2. dadurch, schieren. In Goldap , an dem vollständig zerstörten Stations- gestört ihrer Beschäftigung nach. Es mögen einzelne Uebergriffe daß die Juden fast nur in jüdischen Fabriken( auch nicht überall) gebäude, traf ich mehrere Hunderte von Verletzten, die tagelang bis vorkommen, aber im allgemeinen vergreifen sich die deutschen Sol- aufgenommen werden und die Zahl dieser im Ansiedlungsrayon nach hier marschieren mußten. Die Leute waren glücklich, als sie daten nicht an dem Eigentum der Ruſſen, verwüsten es nicht aus auch nicht beschränkt ist".

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vom Roten Kreuz mit warmem Staffee und belegtem Brot bewirtet reiner Zerstörungswut. Das sind Wahrnehmungen, die ich in wurden und dann auf der Bahn ihre Reise fortsetzen konnten. Den Orten machte, wo ich mich einige Zeit aufhielt und bei Ein- Das Fehlen von Fabriken in diesem Gebiet mag es erklären, Noch nie fand ich so dankbare Abnehmer für die mir von einem wohnern Erkundigungen einziehen konnte. In Raszki tobte ein daß die Organisation hier noch keine festen Wurzeln schlagen Berliner Genossen zugestellten Liebesgaben wie bei diesen Ver- Straßenkampf, drei Einwohner wurden dabei erschossen, trotzdem fonnte. Die Gegenrevolution hat wohl an einzelnen Orten den wundeten. Ein junger Genosse aus Hannover legte das Patetchen fah ich hier nicht solche Verwüftungen wie in Deutschland , keine Rahmen der Organisation zerstört, nicht aber auch den lebendigen so zärtlich in seinen Arm, wie eine Mutter ihr krankes Kind. Ein rauchenden Trümmerhaufen, die Einwohner suchen die Gelegenheit Geist getötet. Wohl knebelt ihn die Furcht vor der russischen anderer Verwundeter, dem der linke Arm zerschmettert worden nach Möglichkeit geschäftlich auszunuzen, fast jeder hat irgend etwas Knute, wohl duckt sich das Proletariat unter dem furchtbaren Drucke war, jagte, als er sich eine Zigarette angezündet hatte:" So, nun zu verkaufen, was die Soldaten vielleicht gebrauchen könnten. Im der wilden brutalen Reaktion, aber die Stunde kommt doch, in der spüre ich weder Schmerzen noch Hunger." übrigen ist man zurückhaltend, nur dem Wunsche nach schneller des Zaren starrer Despotismus modernen Ideen und Einrichtungen Nun sind die schlimmsten Schwierigkeiten für die Transporte Beendigung des Krieges gibt jeder rückhaltslos Ausdrud. Einige weichen muß. Ein Sieg Rußlands in diesem Kriege würde nady überwunden. Die Russen hatten eine Eisenbahn von Marggrabowa Leute meinten, wenn der Frühling komme, werde man vielleicht meinem Dafürhalten diese Stunde weiter hinausschieben. über Ratschti nach Sumalti bereits fertiggestellt. Die Deutschen vor ausbrechenden Seuchen flüchten müssen. Ich horchte nach Düwell, Kriegsberichterstatter.