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Nr. 209.- 32. Jahrg.

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Telegramm- Adresse: ,, Sozialdemokrat Berlin".

Zentralorgan der fozialdemokratischen Partei Deutfchlands.

Redaktion: SW. 68, Lindenstraße 3. Fernsprecher: Amt Moritzplatz  , Nr. 151 90-151 97.

Sonnabend, den 31. Juli 1915.

Expedition: SW. 68, Lindenstraße 3. Fernsprecher: Amt Moritplag, Nr. 151 90-151 97.

Durchbruch zwischen Weichfel und Bug.

Meldung des Großen Hauptquartiers.

Amtlich. Großes Hauptquartier, den 30. Juli 1915.( W. T. B.)

Weftlicher Kriegsschauplak.

Bei Perthes in der Champagne wurden von beiden Seiten Minen gesprengt, wobei wir einen französi­ schen   Flankierungsgraben nordwestlich des Ortes zer­störten.

Im Priesterwalde brach ein französischer An­griff beiderseits Croix des Carmes im Feuer der In­fanterie und Artillerie vor unseren Hindernissen zu­sammen.

In den Vogesen   griff der Feind gestern nach­mittag erneut die Linie Lingekopf- Barrenkopf an. Die Nahkämpfe um den Besitz der Stellung sind noch nicht abgeschlossen.

Zwei englische Flieger mußten nahe der Küste auf dem Wasser niedergehen und wurden gefangen ge­

nommen.

Deftlicher Kriegsschauplatz.

Die Lage ist im allgemeinen unverändert. Südöstlicher Kriegsschauplah.

Truppen der Armee des Generalobersten v. Wohrich haben am frühen Morgen des 28. Juli den Weichsel­übergang zwischen Pilica  - Mündung und Kozienice an mehreren Stellen erzwungen; auf dem östlichen Ufer wird gekämpft. Es wurden bisher 800 Gefangene ge­macht und 5 Maschinengewehre erbeutet.

Gestern haben die verbündeten Armeen des General  . feldmarschalls v. Madensen die Offensive wieder auf. genommen. Westlich des Wieprz   durchbrachen deutsche Truppen die russische Stellung, sie erreichten am Abend die Linie Piaski- Biskupice und die Bahn östlich davon. Viele tausend Gefangene und drei Geschütze fielen in unsere Hand. Dieser Erfolg sowie die Vorstöße öster­reichisch- ungarischer und deutscher Truppen dicht östlich der Weichsel  , preußischer Gardetruppen bei Krupe( nord­östlich von Krasnostaw) und anderer deutscher Truppen in der Gegend von Wojslawice haben die russische Front zwischen Weichsel   und Bug zum Wanken ge­bracht. Heute früh räumten die Russen ihre Stellungen auf der ganzen Linie; fic halten nur noch nördlich von Grubieszow.

Oberste Heeresleitung.

Druckfehlerberichtigung.

Berlin  , 30. Juli.  ( W. T. B.) Im Telegramm vom 29. 7. eft licher Kriegsschauplab, 1. Absatz, hat sich ein Druckfehler eingeschlichen. Es sind nord­östlich Suwalfi nicht 2910, sondern nur 210 Gefangene gemacht worden.

Der österreichische Generalstabsbericht.

Wien  , 30. Juli.  ( W. T. B.) Amtlich wird ver­lautbart: 30. Juli 1915.

Russischer Kriegsschauplas.

Nach einer mehrtägigen Pause sind gestern zwischen der Weichsel   und dem Bug die Verbündeten wieder an der ganzen Front zum Angriff übergegangen.

Der russische Generalstabsbericht.

Westlich des Wieprz bis in die Gegend von Chmiel wurde der Feind in einer Frontbreite von mehr als 25 Kilometer durch brochen. Das österreichisch­ungarische 17. Korps nahm nördlich Chmiel nach fünfmaligem Sturm die russischen Stellungen. Deutsche   Truppen erkämpften abends die Linie Piaski- Biskupice und die Bahn östlich davon. Auch bei Kowala und Belsyce, nordöstlich von Kras­nostaw und Wojslawice drangen die verbündeten Heere in die feindlichen Linien ein. Heute früh traten die Ruffen an der ganzen Front den Rückzug an, wobei sie alle Ansiedlungen verwüsteten und selbst das Ge­treide auf den Feldern verbrennen. Unsere Verfolgung ist im Gange.

Nordwestlich von Jwangorod wurde beiderseits der Radomkomündung am 28. Juli früh unter schweren Kämpfen an mehreren Stellen der Uebergang über die Weichsel  erzwungen. Deutsche   und österreich- ungarische Pioniere fanden unter den schwierigsten Verhältnissen Gelegenheit, wieder Be­weise hervorragender Tüchtigkeit und opfermutigen Pflicht­gefühls zu geben.

Am oberen Bug nahmen die Verteidiger des Brücken­kopfes Sokal ihre Südostfront vor dem Angriff überlegener Kräfte um einige hundert Meter zurück und wiesen dort weitere feindliche Angriffe ab. Sonst ist die Lage in Ost­ galizien   unverändert.

Italienischer Kriegsschauplak.

Die im Goergischen am Plateaurande noch an­dauernden italienischen Angriffe find vereinzelte vergebliche Vorstöße feindlicher Abteilungen, die sich gegen die vor= springenden Stützpunkte unserer Stellungen richten. So ver. fuchten östlich Sagrado und bei Redipuglia italienische Truppen weiter Raum zu gewinnen; fic wurden durchweg abgewiesen. Besonders um den Monte sei Busi, der fest in unferm Befit ist, mühte sich der Feind vergebens.

An den anderen Teilen der Front im Südwesten hat sich nichts Wesentliches ereignet. Am Plateau von Cormons wurde in den letzten Tagen ein italienischer Flieger durch Volltreffer einer Ballonabwehrkanone abgeschossen. Pilot und Beobachter wurden unter den brennenden Trümmern des Flugzeuges tot aufgefunden.

Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes: von Hoefer, Feldmarschalleutnant.

Ereignisse zur See.

Die Italiener hatten kürzlich auf dem von uns militärisch nicht besetzten Eiland Pelagofa eine Funkenstation errichtet. Am 28. Juli wurden die Stationsgebäude derselben von einer Gruppe unserer Torpedofahrzeuge durch Geschützfeuer zerstört und der Gittermast umgelegt. Hieran anschließend wurde zur Feststellung des Umfanges der feindlichen Befehung ein kleines Landungsdetachement unserer Torpedofahrzeuge zu einer scharfen Rekognoszierung auf das Eiland gesandt. Dieses brang ungeachtet des heftigen Widerstandes über einen feind­lichen Schützengraben bis zu den stark besetzten, betonierten Berteidigungsanlagen der Italiener vor und brachte diesen, unterstüßt durch das Artilleriefeuer aus unseren Fahrzeugen bedeutende Berlufte bei. So fielen unter anderen der Kom­mandant der italienischen Befagung und ein zweiter Offizier. Nach der erfolgreichen Rekognoszierung fehrte unser Detache­ment trotz der großen Uebermacht des Gegners ohne erhebliche Verluste wieder auf die Fahrzeuge zurück.

Feindliche Unterseeboote lancierten ber= gebens mehrere Torpedos gegen unsere Einheiten.

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Flottenkommando.

Jean Jaurès  ' Erbe.

3um Gedächtnis jeines Todestages. Von Ed. Bernstein.

Wessen Wirfen sich nicht in einer Summe von Leistungen erschöpft, die in ihrer Art bedeutend sein mögen, ohne darum schon eine große Einheit darzustellen, sondern durch dessen Leben und Wirken, alles beseelend, was er tat, ein einheit­licher Zug geht, der in sich selbst ein Mit- und Nachwelt be­reicherndes Besondere ist, dem vor allem haben wir das Attribut eines wahrhaft großen Menschen zuzuerkennen. Ein solcher Zug war Jean Jaurès  , dem Politiker, eigen, nicht durch Zufall, nicht durch jenen ungewollten Antrieb, den wir Intuition nennen. Was wir im politischen Tun von Jean Jaurès   dessen ganze Laufbahn hindurch verfolgen können, das lag freilich schon in seiner, ihm von Hause aus gegebenen Anlage begründet. Aber es war zur bewußten Magime seiner Tätigkeit von ihm selbst geistig vertieft und ausgestaltet worden auf Grund einer bestimmten Welt- und Geschichts­auffassung. Wie er diese in verschiedenen wissenschaftlichen Abhandlungen und Vorträgen dargestellt hat als eine durch­dachte organische Verbindung- Synthese"- materia­listischer und idealistischer Erkenntnis, so fenn­zeichnet sich sein politisches Wirken uns, welcher einzelnen seiner Aftionen wir uns auch zuwenden, als Ausfluß einer cigenartigen, zu wahrhafter Methode erhobenen Verbindung von politischem Idealismus und Realpolitif.

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Nicht in der Verbindung schlechthin, die sich auch sonst häufig genug findet, aber in der besonderen Art, wie er in Theorie und Praxis, in Wissenschaft und Politif, in Wort und Tat Realismus und Idealismus zu einer harmonischen Einheit verband, beruhat das Geheimnis all des Großen, das Jean Jaurès   in seinem, am 31. Juli 1914 so jäh unter­brochenen Leben verrichtet hat. Ein von Grund aus philo­sophisch Gebildeter, mit reichem Wissen ausgestatteter Ge­lehrter, hat er schriftstellerische Werke von bleibendem Wert hinterlassen. Er hat die Politik seines Landes durch seine unvergleichliche propagandistische Tätigkeit und sein ein­drucksvolles parlamentarisches Wirken in der Entwickelung zur vollen Demokratie hin wiederholt auf das glücklichste be­einflußt. Er war der glänzendste Redner, den Frankreich  seit Mirabeau   hervorgebracht hat, über den ihn Charakter und wissenschaftliche Bildung stellen. All das wird im Gedächtnis der Zeitgenossen und der Nachwelt fortleben und vieles davon fruchtbringend weiterwirfen. Aber das Größte, was er uns hinterlassen hat, das ist sein Ich, das Bild seiner geistigen Persönlichkeit, das ist die in ihm verkörperte, zur vorbild. lichen Einheit gebrachte Verbindung eines von den größten Menschheitsgedanken getragenen Idealismus mit einer auf umsichtiger Erfassung der in den Tatsachen gegebenen Mög­lichfeiten gegründeten und von geschichtlichem Weitblick ge­leiteten Betätigung als praftischen Politifer im besten Sinne dieses Wortes.

Sie ist das bedeutungsvollste Erbe, das er uns hinter­lassen hat, das vor allem wert ist, ihn zu überleben und das uns ganz besonders in diesen Tagen der Verfemung des Hochhaltens am Menschlichkeitsgedanken so sehr vonnöten iſt. Am Bilde des großen Kämpfers, am Gedanken­inhalt seiner sozialphilosophischen, historischen und politi­schen Schriften und an der Geschichte seiner eigenen politischen Großtaten finden wir die sicheren Wahrzeichen, die uns hinausleiten aus den geistigen Wirbelströmungen, die den Kurs des Fahrzeuges Sozialdemokratie heute bedrohen. Sie zeigen uns, wie man im großen Sinne des Wortes Real­politik treiben fann, ohne jener Pseudo- Realpolitik zum Opfer zu fallen, die umt der Erfolge des Tages willen ideale Werte als Ballast über Bord wirft und sich so dahin bringt, dem ersten Sturm zum Opfer zu fallen.

Wie selbst ein bedeutender Mann an solcher Realpolitif nicht nur in seiner Person, sondern auch in seinem Werf zu­grunde gehen fann, zeigt Jaurès   sehr schlagend am Beispiel Zwischen Weichsel   und Wieprz herrscht Ruhe. Zwischen Napoleons I. Napoleon   war sicher ein großer Feldherr und Wieprz und Bug erlitt der Feind am 27. Juli ungeheuere ist zu seiner Zeit als großer realpolitischer Staatsmann be­Petersburg, 30. Juli.  ( W. T. B.) Der Genera I sta b Verluste bei dem Dorfe Majden- Ostrowsky und nördlich wundert worden. Es fehlte ihm auch nicht an großen Ideen. des Generalissimus teilt mit: Zwischen Düna   und von Grubieczow, wo wir auf der Front Teriatni- Annopol Aber er verstümmelte sie selbst um seiner Realpolitik willen Njemen teine wesentliche Veränderung. Auf der Narewfront, während des ganzen Tages ununterbrochene wuchtige An- und ist dadurch dahin gekommen, in der Staatspolitik nichts wo hartnäckige Kämpfe weiter im Gange sind, änderte sich griffe des Feindes zurückschlugen. Am 28. Juli unter- wahrhaft Dauerndes zu schaffen. die Gesamtlage nicht. Der Feind erlitt schwere Verluste nahmen die feindlichen Truppen nur örtliche Angriffe gegen während eines Versuches seiner Artillerie, auf dem linken Majden- Ostrowsky) sowie östlich Wojslawice und beim Dorfe Ufer des Narew an der Mündung der Stwa Stellung zu Fulakowice. Am Bug, stromaufwärts von Sofal, schlugen nehmen. In der Gegend von Rozan   versuchte der Feind mit wir zwei österreichische Angriffe zurüd. Bei Kamionka gingen bedeutenden Kräften zwischen Narew   und Orchez vorzudringen, ungefähr sechs österreichische Regimenter hintereinander über jedoch scheiterte sein Versuch. Am Prut gewaltiges Artillerie- den Bug. Es gelang ihnen, sich eines Teiles unserer Gräben feuer. In der Gegend von Serozt und Pultust auf beiden zu bemächtigen. Am 28. Juli aber, als sie versuchten, weiter Ufern des Narew   abwechselnd Angriffs- und Verteidigungs- vorzubringen, wurden sie in Unordnung durch unseren Gegen­fämpfe. Auf dem linken Ufer der Weichsel   schlugen wir angriff über den Fluß zurückgeworfen. Wir machten im Laufe feindliche Vortruppen bei Gora Kalwaria   und Grojzy zurück. dieses Tages bei Sofal und Kamionta ungefähr 1500 Gefangene.

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" In politischer und sozialer Hinsicht ist sein ganzes Gedankensystem in sich zusammengestürzt, ist seine ganze Berechnung zunichte geworden." Aber die Ideologie, die er verspottet hat, triumphiert, denn die französische   Demo­fratie ist schließlich doch zu jener logischen Form der Re­ publik   gelangt, die die Ideologen für sie erträumt und für furze Zeit errichtet hatten".

Wenn der Adler sich erhebt und in der Luft schwebt nur um zu jagen, dann hat er einen furzen Blid." Und so steht Napoleon  , der Verspotter der Ideologen, vor der